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Vampira - Folge 15

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah ...
  4. Ich, Creanna
  5. Leserseite
  6. Leserbild von Roger Szilagyi
  7. Leserstory »One-Night-Stand«
  8. Vorschau

Lilith Eden – Tochter eines Menschen und einer Vampirin, dazu gezeugt, eine geheimnisvolle Bestimmung zu erfüllen. Für 98 Jahre lag sie schlafend in einem lebenden Haus in Sydney, doch sie ist zu früh erwacht – die Zeit ist noch nicht reif. Sie muss gegen die Vampire kämpfen, die in ihr einen Bastard sehen, bis sich ihre Bestimmung erfüllt. Dabei hilft ihr ein Symbiont.

Der Symbiont – ein geheimnisvolles Wesen, das Lilith als Kleid dient, obwohl es fast jede Form annehmen kann. Einst gehörte es Creanna und wurde von ihr an Lilith weitergereicht. Der Symbiont ernährt sich von schwarzem Vampirblut und verlässt seine Wirtin bis zu deren Tod nie mehr.

Creanna – Liliths Mutter brach das eherne Gesetz der Vampire und gebar nach der Vereinigung mit einem sterblichen Menschen ein lebendiges Kind. Ihr Tod bei Liliths Geburt war unausweichlich, doch sie nahm ihn auf sich, um ihre Tochter jener geheimnisvollen Bestimmung zuzuführen.

Landru – Mächtigster der alten Vampire und der Mörder von Liliths Vater. Seit 267 Jahren jagt er dem verlorenen Lilienkelch nach, dem Unheiligtum der Vampire, ohne den es keinen Nachwuchs geben kann. Landru scheint irgendeine Schuld auf sich geladen zu haben – welche, ist noch unklar.

Die »schwefeläugige Hexe« – Einst stahl sie den Lilienkelch und tauchte damit unter. In dem walisischen Dorf Llandrinwyth stahl sie ein Baby und taufte es mit dem Kelch auf den Namen Creanna. Sie ist eine Vampirin, doch ihre Identität ist weiterhin ungeklärt.

Die Dienerkreaturen – Tötet ein Vampir einen Menschen mit seinem Biss, wird dieser kein vollwertiger Blutsauger, sondern eine Kreatur, die dem Vampir bedingungslos gehorcht. Seinerseits kann eine Dienerkreatur den Vampirkeim nicht weitergeben, benötigt aber Blut zum (ewigen) Leben und wird – anders als die Ur-Vampire – mit zunehmendem Alter immer lichtempfindlicher.

In Sydney ist der Teufel los: Überall dort, wo sich Traumzeit-Relikte der australischen Schöpferwesen, der Wondjinas, befinden, wuchert seit Liliths Erwachen eine mysteriöse, stoffliche Schwärze, die die Schöpferwesen mutieren lässt. Menschen drehen unter ihrem Einfluss durch, bringen sich selbst oder andere um oder zerstören Dinge. Beth wird von ihrer Redaktion auf ein Pärchen angesetzt, das eine bevorstehende Apokalypse prophezeit – und verfällt beinahe deren Suggestivkraft. Sie folgt den beiden zu einem Hochhaus in der City und sieht sie in einen Lift steigen, der ganz nach oben fährt …

Ein Botaniker-Paar, das im Bergland der tasmanischen Insel campiert, identifiziert einen Wald aus Huon-Kiefern als einen einzigen, uralten Organismus. Ein Schöpferwesen wohnt darin, das die Forscher nach ihrer Entdeckung nicht mehr weglässt.

Die vom Vampirkeim befreiten Menschen versammeln sich am Treffpunkt, wo in fünf Tagen Lilith zu ihnen stoßen soll, als plötzlich ein von den guten Wondjinas erzeugtes Trugbild Warners auftaucht und sie zu dem tasmanischen »Kiefernwald« beordert. Fast gleichzeitig trifft dort aber ein Abgesandter der bösen Schöpferwesen ein und infiziert den Baum mit der magischen Seuche.

Lilith beschließt, dem »Hochhaus der Endzeit-Propheten« einen Besuch abzustatten. Und hat ihre erste Begegnung mit den Traumzeit-Dämonen. Sie erfährt, dass alle Menschen im weiten Umkreis von jener Schwärze angezogen und vereinnahmt werden.

Lilith sucht die Helfer auf, die das Haus ihr versprochen hat – und erkennt, dass auch sie von der Seuche infiziert wurden. Trotzdem erhält sie Hilfe: Sie entdeckt in den Resten des Kiefernwaldes einen Zweig, in den sich der sterbende Wondjina zurückzog, als die Seuche über ihn kam, und seinen Tod in der Pflanze konserviert hat.

Sie nimmt den Zweig mit, als sie ein zweites Mal in das Hochhaus eindringt. Der konservierte Tod kommt über die Dämonen und … vernichtet sie? Lilith weiß es nicht; ihr genügt es, lebend aus dem Gebäude zu kommen. Ihr Symbiont dagegen hat schweren Schaden genommen und verfällt in einen Traum, den Lilith direkt miterlebt …

 

Ich, Creanna

von Adrian Doyle

Llandrinwyth, im Jahr des Herrn 1728

Das gefräßige Licht verschlang alles: Die entweihte Kirche. Das Dorf. Die Menschen. Und die Ratten.

Die Ratten traf es zuerst. Denn sie waren nur erlöschende Trugbilder jenes furchtbaren Gefäßes, das mordend vorn auf dem steinernen Altar stand.

Llandrinwyth wurde von allen künftigen Landkarten getilgt, und selbst diejenige, die den Untergang eingeleitet hatte – die »schwefeläugige Hexe« –, konnte sich nur unter Aufbietung all ihrer Kraft aus dem entfesselten Inferno retten. Den gestohlenen Lilienkelch und das damit gezeugte Kind nahm sie mit.

Dies ist die Geschichte jenes Kindes …

Ich erinnere mich an den Schmerz der ersten Tage. An das Ziehen in meinen Gliedmaßen und in den Knochen, die fühlbar wuchsen, Tag für Tag und Nacht für Nacht.

An Schlaf war nicht zu denken.

Mein Geist wehrte sich gegen das vermeintliche Kindsein, in dem er gefangen war. In einem Körper, dessen Unzulänglichkeiten mich um den Verstand zu bringen drohten, und es tröstete wenig, dass mein Wille ihn dennoch täglich ein Stück besser beherrschte.

Ich erinnere mich an Orte von dumpfer Armut, durch die wir selbst wie Bettler zogen, um unerkannt zu bleiben.

Als wir das Tal von Llandrinwyth in den Bergen von Snowdonia verließen, konnte ich kaum laufen, und das Sprechen fiel mir schwer, obwohl ich schon genau gewusst hätte, was ich sagen wollte.

Von Anfang an sah ich die Welt, als wäre ich immer hier gewesen.

Feindschaft ist eines der Wörter, deren Bedeutung ich nicht zu erlernen brauche, weil sie mir in die Wiege gelegt wurden.

Feindschaft, Hass, Egoismus, Blut …

Ich bin anders als diejenigen, denen wir täglich begegnen.

Ich gehöre zu jenen, die geschaffen werden, den Menschen zu knechten. Die sich seiner bedienen nach Belieben, und ich sehne den Tag herbei, da ich endlich meinen ewigen Hunger selbst stillen darf.

An diesem Tag – das spüre ich – werden meine Schmerzen schlagartig verstummen und wird mein Körper seine volle Reife erlangt haben. Dann werde ich ganz dem Bild einer Frau entsprechen, das jetzt schon in mir vorhandenen ist …

»Wann, Mutter …?«, frage ich jeden Tag unruhiger. »Wann ist es endlich so weit?«

»Bald, meine Schöne«, antwortet sie stereotyp. »Bald, meine Hässliche …«

Viele Monde später, Deutschland

Als wir Nürnberg erreichen, ist es Schlag Mitternacht. Ich brauche keine Uhr, um mir sicher zu sein. Ich bin eine Uhr. Ich bin so vieles, von dem ich selbst noch nichts ahne …

Mutter hat erzählt, dass diese Stadt von einer riesigen Mauer umfasst würde. Aber als ich sie jetzt mit eigenen Augen vor mir aufwachsen sehe, spüre ich eine Beklemmung, wie ich sie nicht erwartet hätte.

Menschen sollen diese Feste gebaut haben? Gegen andere Menschen?

»Haben Sie denn keinen Kodex?«, frage ich.

»Manche behaupten, einen zu haben«, erwidert sie ruhig und gelassen.

Ich habe noch keine Frau unter den Menschen gesehen, die Mutter an Schönheit und Ausstrahlung auch nur nahe käme. Ihr Haar im Mondlicht ist von betörend kupferfarbenem Glanz. Keine Sonne vermag es besser in Szene zu setzen. Ihre Lippen sind voll (sinnlich?), und ihre Augen sind die einer unbezwingbaren Raubkatze. Ich habe Mutter einige Male nackt oder fast nackt gesehen. Sie hat große, schwere Brüste, deren Höfe fast so rot sind wie ihr Haar, nur von stumpferem Ton. Sie ist schlank und besitzt doch an den rechten Stellen die Üppigkeit des geborenen Weibes. Überall, wo wir hinkommen, entfacht ihr Anblick Bewunderung und Begehren.

Wenn diese närrischen Menschen wüssten.

Wenn sie wüssten, in welche Kriegerin sich Mutter jederzeit verwandeln kann …!

Ich zügele den freien Lauf meiner Gedanken. Mutter fordert nicht zu Unrecht immer wieder Disziplin von mir.

Disziplin …

Ich verehre Mutter, aber ich hasse dieses Wort.

Zwei Torwächter verstellen uns den Weg, als wir einen der vier Haupttürme inmitten der steinernen Stadtummantelung erreichen.

»Hehda, wer kommt so spät …?«

Die Stimme klingt furchtlos. Der Mann, der spricht, ist jung und stark, und er hält jetzt seine Laterne hoch, um uns in die Gesichter zu leuchten. Unsere Pferde scharren nervös.

Mutter und ich sehen auch ohne künstliches Licht. Uns genügen ein paar Sterne – und weniger.

»Lasst uns durch, wir suchen Unterkunft. Ein langer Weg liegt hinter uns.«

Schon Mutters Stimme lässt beide zusammenzucken. Dabei ist dies ihre nette Art, etwas zu fordern.

»Kennt ihr jemanden in der Stadt?«, fragt der weniger attraktive Wächter, der sich im Hintergrund hält und dessen Knochen mit so feistem Fleisch umhüllt sind, dass es einem jegliche Lust nimmt, ihn in Stücke zu reißen.

»Ja, und jetzt lasst uns durch!«

»Wen?« Sein Ton wird trotziger. »Nennt mir den Namen!«

Er hat schwarzes, widerspenstiges Haar. Es passt zu ihm, aber es ändert nichts daran, dass er fett und unansehnlich ist.

Vielleicht beschließt Mutter erst in diesem Moment, ihr Spiel mit beiden zu eröffnen. Rauchig sagt sie: »Er führt die Herberge am Tugendbrunnen bei der St. Lorenz Kirche. Karl Ortlieb der Name …«

Er blickt immer noch zweifelnd, obwohl ihm der Name etwas zu sagen scheint.

»Habt ihr Papiere?«

Er ist bewaffnet mit einer Hellebarde. Ein lächerliches Spielzeug. Aber dies, sagt Mutter, soll auch die Stadt der Spielzeugmacher sein.

»Steigt herab! Weist euch aus!«

Geschmeidig gleitet Mutter aus dem Sattel. Ich verstehe nicht, warum sie sich dazu herablässt, dem Fetten das Gefühl zu geben, wichtig zu sein.

Als ich ihr folgen will, fange ich den Blick des anderen auf.

Zum ersten Mal sehe ich, dass jemand nicht allein gefangen ist von Mutters Erscheinung. Die Blicke dieses Jünglings haften an mir.

Ein wohliger Schauder durchfährt mich. Hitze, die sich tief in meinem Unterleib sammelt.

Ich wusste nicht, dass ich schon so weit bin, obwohl die Schmerzen in meinen Knochen schon seit Würzburg nicht mehr rumoren.

Nach kaum merklichem Zögern stehe auch ich neben meinem rassigen Hengst.

Mutters Stute tändelt nervös. Die Nacht ist kalt. Weiße Nebelfahnen lösen sich von den Nüstern der Tiere.

»Du willst also«, sagt Mutter zu dem Fetten, »dass wir uns ausweisen?«

Sie trägt einen weiten Mantel über dem eng geschnürten Kleid. Ihr Haar ist hochgesteckt.

Kleidung und Frisur ähneln der meinen. Dennoch komme ich mir plump ihr gegenüber vor. Sie hat eine unnachahmliche Grazie, sich zu bewegen, selbst wenn sie tötet.

Der Fette nickt. »Es ist ungewöhnlich, dass zwei schöne Frauen nächtens ohne Schutz reisen.«

Mutters schallendes Lachen irritiert ihn zutiefst. Röte zieht sich über das weiche, von Bier und Schnaps aufgedunsene Gesicht.

»Was gibt es zu lachen?«, fragt er wütend.

»Wer sagt, dass wir schutzlos sind? Du armseliger Bastard! Komm her!«

Er kommt.

Seine Haltung ist schlagartig devot geworden. So unterwürfig, dass es dem Jüngling, der in meiner Nähe steht, auffallen muss.

Mutter hält plötzlich einen Dolch in der Hand.

Der Fette glotzt ihn an.

Mutter fasst die Dolchklinge vorn zwischen Daumen und Zeigefinger und hält dem Wächter den Schaft entgegen. »Nimm!«

Er nimmt.

Er stellt die Laterne auf den gepflasterten Boden. Seine schwieligen Hände schließen sich um den Griff des Dolches.

Neben mir stöhnt der zweite Wächter, als müsste er einen bösen Traum abschütteln.

»Und jetzt«, befielt Mutter, ohne die Stimme zu heben, »zeig mir die Farbe deines Blutes.«

Der Fette zögert keine Sekunde. Er hebt den Arm und stößt sich die Spitze des Dolches dicht neben dem Kehlkopf in den Hals. Als der Stahl eindringt, scheint ein dunkler Funke von einem Auge ins andere zu springen. Dann röchelt er und lässt die Hellebarde, die er mit der anderen Faust immer noch gehalten hat, fallen.

Neben mir wandelt sich leises Stöhnen zum wilden Aufschrei.

Ich sehe, wie sich Grauen ins Gesicht des Jünglings malt. Wie hübsch er ist!

Ich fange Mutters Blick auf.

In diesem Blick liegt ein Befehl an mich.

Ich begreife.

Sie hat den Fetten aufgefangen, als wiege er nicht mehr als ein Sack Daunen. Nun presst sie ihre Lippen gegen die Wunde, aus der das Blut wie aus einem Quell schießt.

Der Wächter lebt noch, sonst würde der köstliche Saft nicht so machtvoll aus dem Gefäß gepumpt.

Der Jüngling neben mir hebt erneut die Stimme. Diesmal – ich ahne es –, um Alarm zu schlagen. Zugleich bringt er die Hellebarde in Anschlag, um sie in Mutters Rücken zu stoßen.

Ich aber fühle es.

Fühle den Zwang, Mutter beizustehen.

Ein dunkler Laut aus meiner Kehle lässt den Jüngling einhalten und zu mir blicken. Seine Augäpfel treten aus den Höhlen. Ich weiß nicht, was er sieht. Aber es lähmt ihn. Ich gleite auf ihn zu, ohne dass er die geringsten Anstalten macht, mir auszuweichen.

Sein Mund klafft wie die von einer Axt in einen Baum gehauene Kerbe. Aus dem Spalt dringen Töne, die mich anfeuern. Die mich – zusammen mit dem Geruch des guten Blutes, das von dem Fetten herüberströmt – in einen Rausch der Sinneslust verfallen lassen.

Meine Arme umschlingen den Hals des Jünglings. Ich rieche die Ausdünstung, die sich in seinen Kleidern gesammelt hat. Ich rieche seine Angst und wage immer noch kaum zu glauben, dass Mutter mir erlaubt, es selbst zu tun.

Das erste Mal kommt völlig unvorbereitet.

Aber alles gelingt, als hätte ich es hundert Mal getan.

Sein Hals ist muskulös, aber meine Zähne finden den Weg.

Das Klopfen der prallen Ader zieht mich an. Es ist der unwiderstehliche Magnetismus des Blutes.

Ich umklammere den Oberkörper meines Opfers, dass es keine Möglichkeit der Gegenwehr gibt. Laterne und Hellebarde sind auch ihm entglitten. Er spürt nur noch mich in seinen Händen, und ich spüre ihn. Spüre die Härte seiner Muskeln und den herben Duft seiner Haut. Noch fester presse ich meine knospenden Brüste gegen ihn. Er wird schwer und schwerer in meiner unüberwindlichen Umarmung. Längst schon schweigt er.

Ich aber trinke und trinke, als hätte Mutter mir nicht erst gestern reichlich von dem Elixier geschenkt. Mein Durst wird erst durch einen abgründigen Gedanken gestoppt.

Ich flüstere ins Ohr des Jünglings und lasse ihn zu Boden gleiten.

Mutter ist auch fertig. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sie dem Fetten das Gesicht auf den Rücken dreht. Dann nimmt sie seinen Hut und legt ihn dem Toten über die starren Züge. Rasch bücke ich mich und tue es ihr gleich.

Unsere Pferde stehen noch dort, wo wir die Zügel losließen.

In Mutters Augen funkelt es, als sie sagt: »Von nun an wirst du dir das, was dein Körper zum Leben braucht, selbst besorgen müssen. Du bist alt genug …«

Ihre Worte bringen eine nie gehörte Saite in mir zum Klingen. Alt genug … Wie viele Wochen oder Monate sind das? Mein Körper ist in dieser kurzen Spanne voll erblüht. Mein Geist war es schon vorher.

Mein Blick schweift zur Satteltasche von Mutters Stute. Ich weiß, was das matte Leder verbirgt und was es ausbeult. Ich weiß, was ich dem Kelch schulde …

»Ist er tot?«, fragt Mutter, ohne hinzusehen.

»Ja.« Die Lüge geht mir glatt von der Zunge. Ich säubere meinen Mund.

»Dann komm …«

Hinter Tor und Graben liegt die Stadt in bleiernem Schlaf. Das Schlagen der Hufe auf dem nassglänzenden Pflaster ist weithin das einzige Geräusch. Wir reiten durch enge Gassen, und über allem hängt der Gestank von Unrat. Nur der Mond erhellt die Straßen und die armseligen Fassaden der Häuser. Neugierig wandern meine Blicke über die Schilder der Gerber, Färber und Grobmetall verarbeitenden Handwerker.

Schweigend erreichen wir die – ebenfalls dunkle – Herberge am Tugendbrunnen. Leises Plätschern lenkt meinen Blick auf steinerne Frauenbrüste, die Wasser in das runde Auffangbecken speien.

Immer wieder hält Mutter kurz ein und lauscht in die Nacht, als könnte sie für mich unhörbare Schwingungen wahrnehmen.

Ich weiß, dass wir vorsichtig sein müssen, denn schlimmer als die Menschen, die zu dieser Stunde in ihren Betten liegen, ist unsere Art. Sind jene, für die die Nacht zu den bevorzugten Zeiten der Jagd und der Ausschweifungen gehört …

Mutter scheint einen siebten Sinn entwickelt zu haben, ihnen nicht zu begegnen. Mitunter glaube ich fast, sie steht in stummer Zwiesprache mit dem Kelch, der sie rechtzeitig vor Begegnungen mit Vampiren warnt.

Das Herbergstor steht offen. Wir führen die Pferde in den verlassenen Innenhof.

Hier erst hebt Mutter wieder die Stimme: »Warte«, sagt sie. »Ich suche Karl.«

Sie huscht eine steile Außentreppe hinauf und verschwindet in der ersten Etage des dreistöckigen Hauses.

Ich zurre die Zügel beider Pferde an einen Balken und laufe unstet durch den Hof. In der Nähe des Durchgangs, durch den wir gekommen sind, entdecke ich Vorrichtungen zum Besteigen und Entladen einer Kutsche. Überall züngelt Efeu die Fassade empor. Hühner gackern.

Schritte signalisieren mir Mutters Rückkehr. In ihrer Begleitung ist ein gutgekleideter, etwa vierzigjähriger Mann mit markanten Zügen, dessen saubere Erscheinung nicht unbedingt den Sitten der Zeit entspricht.

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