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Vampira - Folge 12

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah ...
  4. Freaks
  5. Leserseite
  6. Leserbild von Roger Szilagyi
  7. Vorschau

Lilith Eden – Tochter eines Menschen und einer Vampirin, dazu gezeugt, eine geheimnisvolle Bestimmung zu erfüllen. Für 98 Jahre lag sie schlafend in einem lebenden Haus in Sydney, doch sie ist zu früh erwacht – die Zeit ist noch nicht reif. Sie muss gegen die Vampire kämpfen, die in ihr einen Bastard sehen, bis sich ihre Bestimmung erfüllt. Dabei hilft ihr ein Kleid, das seine Form beliebig ändern kann – ein Symbiont.

Jeff Warner – der Police Detective war einer jahrhundertealten Serie von Genickbruch-Morden auf der Spur. Als er Polizeichef Virgil Codd darüber informierte, wurde er von diesem – einer Dienerkreatur der Vampire – in den Garten des Hauses geschickt, wo Lilith erwachte und wo seither etliche Menschen spurlos verschwanden. Doch Warner kehrte zurück – verändert. Nun dient er offenbar dem Haus.

Beth MacKinsey – Journalistin bei einer Sydneyer Zeitung. Bei ihr fanden Lilith und ihr erster Mitstreiter Duncan Luther Unterschlupf. Mittlerweile kennt Beth Liliths wahre Identität – und hat sich, gleichgeschlechtlich veranlagt, in die Halbvampirin verliebt.

Landru – Mächtigster der alten Vampire und der Mörder von Liliths Vater. Seit 267 Jahren jagt er dem verlorenen Lilienkelch nach, dem Unheiligtum der Vampire, ohne den es keinen Nachwuchs geben kann. Landru scheint irgendeine Schuld auf sich geladen zu haben – welche, ist noch unklar.

Tom Grimaldi – ein 16-jähriger Junge, der mit einer Freak-Show durch England zieht. Er ist durch eine seltene Krankheit vergreist, hat nur noch wenige Jahre zu leben.

Die Dienerkreaturen – Tötet ein Vampir einen Menschen mit seinem Biss, wird dieser kein vollwertiger Blutsauger, sondern eine Kreatur, die dem Vampir bedingungslos gehorcht. Seinerseits kann eine Dienerkreatur den Vampirkeim nicht weitergeben, benötigt aber Blut zum (ewigen) Leben und wird – anders als die Ur-Vampire – mit zunehmendem Alter immer lichtempfindlicher.

Laut Warner soll sich der Lilienkelch in Llandrinwyth befinden, einem Dorf im Südwesten Englands. Dort angekommen, finden Lilith und Beth jedoch keine Spur des Dorfes, nicht einmal Ruinen. Dann entdeckt Lilith einen graslosen Flecken Erde, der jedes Lebewesen magisch ablenkt. Sie und Beth überwinden den Zauber und finden sich in dem verschwundenen Dorf wieder, nicht ahnend, dass sie nicht die ersten sind: Tom, Mitglied einer Freak-Show, ist ebenfalls in das Dorf geraten.

Hier ist alles tot – sogar die Zeit selbst scheint nicht mehr zu existieren. Das Zentrum von Llandrinwyth ist gut erhalten, zu den Rändern hin herrscht zunehmender Verfall. Das zeigen auch die Verwesungsstadien der Leichen. Trotzdem sind die Toten nicht so tot, wie sie sein sollten: Sie attackieren die beiden Frauen, die sich in eine Kirche im Zentrum retten, von der jedoch keinerlei christliche Ausstrahlung ausgeht.

Dort sieht Lilith den Kelch in einem Spiegel – und wird, als sie danach greift, in eine Spiegelwelt gezogen, in der alles Gute böse ist und die beherrscht wird vom teuflischen Ego des Pfarrers Glyndwr, der vor zweieinhalb Jahrhunderten in Llandrinwyth gegen eine Hexe kämpfte, die eines Tages ins Dorf kam und ein Neugeborenes stahl. Unter ihrem Bann führte Glyndwr eine schwarze Zeremonie durch, bei der das geraubte Kind dem Bösen geweiht und auf den Namen Creanna getauft wurde – Liliths Mutter!

Als Glyndwr in einem letzten Aufbäumen den Kelch zu zerstören versuchte, wurden magische Energien frei, die das Dorf in der Zeit »festfroren«. Nur die Hexe und das Kind entkamen. Mit dem Kelch.

Nun muss Lilith, deren vampirische Seite plötzlich gut ist, gegen die Schreckensherrschaft des Pfarrers kämpfen. Doch als sie ihn vernichtet, schrumpft die Zeitblase, in der das Dorf eingeschlossen ist. Im letzten Moment kann Lilith durch die spiegelnde Wasseroberfläche eines Brunnens in die Wirklichkeit zurückkehren. Auch dort endet der jahrhundertelange Bann. Lilith, Beth und Tom Grimaldi sind frei.

 

Freaks

von Adrian Doyle

Jahr um Jahr zogen die altertümlichen Zirkuswagen ihre Spur durch die meist kleinen, verschwiegenen Ortschaften der Insel.

Die große Monstrositäten-Schau lockte ihr Publikum mit aberwitzigen Launen der Natur und badete Sensationshungrige in wohligem Schauder. Kleine Fluchten aus dem Alltag, die sich jeder leisten konnte.

Wer sein Billet an der Kasse löste, hatte weder Auge noch Sinn für die Tragödien, die sich hinter den bestaunten Schicksalen verbargen. Für die meisten zählte nur der blanke Nervenkitzel.

Zurzeit gastierte die Show in Corris Uchaf, Wales …

Das Abenteuer Llandrinwyth war vorbei. Das Dorf der Toten, die Welt hinter den Spiegeln … all das schien in einem unbeschreiblichen Akt der Zerstörung untergegangen, zumindest aber dem Zugriff dieser Wirklichkeit entzogen zu sein.

Lilith Eden, die Halbvampirin, fragte sich, was nach Rerraf Reh Resnus Tod wirklich aus den Bewohnern der »Wahrscheinlichkeitswelt« geworden war. Hatten sie endlich ihren Frieden gefunden, oder lebten sie in einem Mikrokosmos ewig fort?

Es wäre ein zu grausames Schicksal gewesen. Lilith hoffte für sie, dass es nicht der Fall war. Dass der Spuk, der vor über zweihundertfünfzig Jahren begann, als eine »schwefeläugige Unbekannte« Llandrinwyth heimsuchte, nun endlich sein Ende gefunden hatte.

Tief in Gedanken versunken, lief Lilith hinter Beth und dem seltsamen Jungen her, der wie sie in die »Zwischenwelt« geraten war.

Oben auf der Anhöhe stand unversehrt der gemietete Landrover.

Aber Lilith hatte keinen Blick dafür. Sie dachte immer nur an das, was sie in Rerraf Reh Resnus Bann erfahren hatte.

Ein weiterer Zipfel des Geheimnisses, das sich nach wie vor um ihre Herkunft und Bestimmung rankte, war gelüftet worden.

Völlig unerwartet.

Lilith war mit Beth nach Wales gereist, um einer von Jeff Warner gewiesenen Spur zum verschollenen Lilienkelch zu folgen.

Die Ereignisse hatten bestätigt, dass das Unheiligtum, das die Vampire für ihre Fortpflanzung benötigten, tatsächlich mit dem Ort Llandrinwyth in Berührung gekommen war. Und zwar schon kurze Zeit nach seinem Diebstahl!

Vor 267 Jahren war der Kelch abhanden gekommen. Seit dieser Zeit fehlte der »Alten Rasse« das unverzichtbare Werkzeug, um in einem magischen Ritual für Nachwuchs zu sorgen! Die Folge war, dass sie zwar beliebig viele Dienerkreaturen rekrutieren konnten, die Zahl der alten Vampire aber nach tödlich verlaufenden Konfrontationen mit beherzten Gegnern immer weiter abnahm.

Auf lange Sicht gesehen war der Untergang der Vampire vorprogrammiert – und genau darauf arbeitete Lilith hin. Sie setzte alles daran, den Lilienkelch zu finden. Nicht, um ihn in ihren Besitz zu bringen, sondern um ihn unwiederbringlich zu zerstören.

Bei dieser Suche hatte sie einen mächtigen Konkurrenten:

Landru.

Dieser älteste und auch erfahrenste der ihr bekannten Vampire jagte dem Kelch seit dessen Verschwinden nach. Lilith war ihm bis in die Höhen des Himalaya-Massivs gefolgt. Dort war sie zwar auf das Wirken eines grausamen Kultes und auf Angehörige einer uralten Priesterkaste gestoßen, nicht aber auf das gesuchte Unheiligtum. Welchem Umstand sie es verdankte, dort oben im indisch-nepalesischen Grenzgebiet überhaupt mit dem Leben davongekommen zu sein, wusste sie bis heute nicht. Auch was Landrus Überleben anging, war sie auf Spekulationen angewiesen. sie hatte ihn in den Tempelanlagen getroffen – und wieder verloren. Ob er in der apokalyptischen Zerstörungsorgie umgekommen war, konnte sie nicht sagen. Sie bezweifelte es.1)

In einem aber war sie sich sicher, und es gab ihrem Selbstbewusstsein Auftrieb:

Diesen Ort und diese Spur zum verschollenen Unheiligtum hatte Landru auf seiner zweieinhalb Jahrhunderte dauernden Suche noch nicht entdeckt gehabt. Sonst hätte er gewusst, was Lilith jetzt wusste. Und was sie verunsicherte.

Sie hatte einer satanischen Taufe beigewohnt.

Einer ganz besonderen Taufe, denn sie hatte Liliths Mutter Creanna gegolten!

Die Namensgleichheit in Verbindung mit dem sagenhaften Lilienkelch konnte kein Zufall sein. Der goldblond gelockte Säugling, von einer Unbekannten vor 267 Jahren aus den Reihen der Dorfbewohner gerissen, konnte nur diese Creanna gewesen sein …!

169 Jahre später hatte diese Creanna das GESETZ der Vampire gebrochen und in Gemeinschaft mit einem sterblichen Menschen ein lebendiges Kind nicht nur gezeugt, sondern auch ausgetragen und geboren:

Lilith!

Aber wer war die schwefeläugige Unbekannte mit den flammend roten Haaren gewesen, die all dies vorbereitet hatte?

War sie diejenige, die Lilith ihre Bestimmung gegeben hatte?

Eine Vampirin, die alles tat, um ihre eigene Rasse auszulöschen …?

Unzweifelhaft hatte sie den Kelch gestohlen, nach dem Lilith und Landru heute wieder herjagten. Ob sie dies aus eigenem Vorsatz getan hatte oder nur dazu angestiftet wurde, war eine Schlüsselfrage. Aber die bloße Tatsache, dass eine Vampirin für den Diebstahl des Unheiligtums verantwortlich zeichnete, war eine Sensation!

Lilith war fest überzeugt, dass Landru daran zuallerletzt dachte.

Sie hatte in einer eindringlichen Vision die Geschichte von Creanna und Sean, ihren leiblichen Eltern, erfahren. Zumindest von dem Punkt ab, da sie nach ihrer Flucht aus England im Jahre 1896 in Sydney eingetroffen waren.

Nun, nach diesen neuen Erkenntnissen, klaffte immer noch eine Lücke von annähernd eineinhalb Jahrhunderten, in denen das im dunkeln blieb, was Creanna nach der satanischen Taufe und dem Verlassen Llandrinwyth mit der unbekannten Vampirin widerfahren war. Was sie letztlich dazu bewogen hatte, sich selbst zu opfern und das lebendig geborene Kind einer Vampirin und eines Menschen in einem Jahrhundertschlaf zu einer »Waffe« gegen das eigene Volk heranreifen zu lassen …

Aus menschlicher Sicht hatte Creanna mit 169 Jahren ein biblisches Alter erreicht. In Anbetracht der beinahe unbegrenzten Lebenserwartung eines Vampirs war es jedoch kaum mehr als ein Wimpernschlag gewesen …

Sie hatte alles geopfert.

Wofür?

Was war der Sinn der mysteriösen Bestimmung, hinter der als Initiatoren nur Vampire zu stecken schienen.

Ich kämpfe gegen mein eigenes Stiefvolk, wusste Lilith nicht erst seit ihrem Aufenthalt hinter den Spiegeln. Sie hatte es akzeptiert. Weil es die menschliche Komponente in ihr gab. Aber warum hatte Creanna sich gegen ihr Volk gewandt? War sie, aus dessen Sicht, eine Verräterin oder – wie Landru und viele andere spotteten – eine Hure …?

Was bedeutete dieses Wort für Vampire?

»Kommst du?«

Beth’ Stimme riss Lilith aus ihren bleiernen Gedanken.

Sie sah auf.

Der seltsame Junge hatte bereits auf dem Rücksitz des Rovers Platz genommen.

»Ich komme«, sagte Lilith und ahnte, dass sie sich sehr bald und sehr intensiv mit Tom würde beschäftigen müssen.

Schon wegen der eindeutigen Vampirmale an seinem welken Hals …

Marnie ordnete ein letztes Mal ihre Frisur und streifte den knappsitzenden Rock glatt. Unten hupte Splatter bereits ungeduldig, aber als sie kurz darauf aus ihrem Zimmer die Treppe hinunter stürmte, verstellte ihr Vater ihr den Weg zur Haustür. Unverzüglich nahm sie wieder den vollen »Mief«, der ihr Elternhaus bis in die letzte Bodendielenritze füllte, wahr. Ihre Mundwinkel sanken in den Keller.

»Geh beiseite, Dad, bitte, ich hab’s eilig!«

Seine Miene war und blieb steinern.

In der Küche hantierte Marnies Mutter lautstarker als sonst. Wenn sie mit ihrem »siebten Familiensinn« ahnte, dass eine Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter anstand, flüchtete sie in einen Putz- und Aufräumwahn. Meist musste dabei dann irgendein über die Jahre liebgewonnenes Geschirrteil dran glauben.

»Er holt dich wieder ab«, sagte ihr Vater, ohne seinen kleinen, gedrungenen Körper auch nur eine Faustbreit von der Haustür fortzubewegen.

»Und wenn?«

»Tausendmal habe ich dir gesagt, dass das kein Umgang für dich ist! Dieser Scheißtyp benutzt dich und lässt dich fallen, sobald ihm was Besseres über den Weg läuft!«

»Etwas Besseres als ich läuft ihm aber nicht über den Weg – niemals!« Es sollte sarkastisch klingen, aber ihr Vater war für feine Zwischentöne weder geschaffen noch aufgelegt.

»Das weißt du«, sagte er kratzig, »und das weiß ich! Aber dieser Hurensohn Floyd Farnham, den ihr ›Splatter‹ nennt – was auch besser zu ihm passt –, weiß es mit Sicherheit nicht

»Hör endlich auf, Floyd durch den Dreck zu ziehen! Nur weil sein Dad –«

»Nur weil sein Dad genauso ein Mistkerl ist wie er – richtig! So was vererbt sich, darauf kannst du wetten!«

»Dann müsste sich deine Spießigkeit auch auf mich vererbt haben«, konterte sie kurz und trocken. »Ich kann dir aber versichern, dass dies nicht der Fall ist …!«

»Leider«, nickte er bekümmert. Der Vorwurf perlte wirkungslos an ihm ab. »Ein bisschen ›Spießigkeit‹, wie du es nennst, täte dir gut. Es würde dir zumindest die Augen öffnen über Kerle wie Floyd, die nur eins im Hirn haben …«

»Bumsen?« Marnies Gesicht färbte sich feuerrot. Es stimmte sie nur unwesentlich sanftmütiger, ihn zusammenzucken zu sehen. »Wenn es das ist, was dir nachgeht, muss ich dir allerdings sagen, dass du um Monate zu spät kommst! Wir treiben es wann und wo immer uns danach ist! Hier unter deinem Dach allerdings nicht – hier wollen wir nicht. Es würde keinen allzu großen Spaß machen, dein Ohr an der Tür zu wissen!«

Charles Romance begann zu zittern. Im Gegensatz zu Marnie wurde er ganz bleich, und die jähe, Sekunden anhaltende Stille war Marnies Mutter offenbar so wenig geheuer, dass sie prompt mit dem Geschirrtuch in der Hand aus der Küche gelaufen kam. Mit vorwurfsvollem Blick drängte sie sich zwischen Vater und Tochter, während draußen zwischenzeitlich Dauerhupen angesagt war.

»Hört auf, in dieser Sprache miteinander umzuspringen!«, verlangte sie und fasste ihren Mann am Arm. Sie überragte ihn um beinahe Kopflänge. Marnie ihrerseits überragte sie beide.

»Sie redet wie ein Flittchen«, verteidigte sich ihr Vater. »Wie ein billiges Zehn-Pfund-Flittchen!«

»Woher weißt du, wie viel ein Flittchen kostet?«, grinste Marnie.

Charles Romance ballte die Fäuste. Seine Frau Heather zog ihn mit Gewalt von der Tür weg.

»Danke!« Marnie machte einen Knicks und stolzierte auf ihren hohen Pennyabsätzen an den beiden vorbei. »Sehr verbunden!« Sie drehte den Knauf und zog die Tür auf. »Noch verbundener wäre ich, wenn ihr endlich kapieren würdet, dass ich volljährig bin und somit tun und lassen kann, was ich will. Wenn ich mich bumsen lassen will, dann reiche ich nicht vorher ein elterliches Erlaubnisgesuch ein!«

Krachend flog die Tür hinter ihr zu.

In Charles Romances Augen platzten ein paar Äderchen. Im Gehirn blieben alle heil. Blutrot stierte er seine Frau an. Dann keuchte er: »Okay, pack die Koffer!«

Sie wich einen Schritt vor ihm zurück und hackte mit dem Zeigefinger wie ein junger Specht gegen die Stirn. »Von mir aus kannst du verreisen, wohin du willst. Aber ich gehe nirgendwohin!«

»Wer spricht von uns? Du sollst ihre Koffer packen! Du hast doch gehört, sie ist volljährig. Sie kann machen, was sie will … Aber nicht unter diesem Dach! Soll sie doch zu ihrem Liebsten ins Rattenloch ziehen. Ihr werden die Augen schon aufgehen! Todsicher.«

»Charles …!«

»Todsicher!«

»Ein Vampir trinkt nicht einfach das Blut seines auserwählten Opfers. Ein Vampir tötet. Und der Keim erweckt das Tote wieder zu einem Scheinleben, das die Seele des Opfers daran hindert, ins Jenseits zu wechseln. Sie ist fortan gefangen in einem Traum, den der Keim ihr suggeriert. Das macht die Kreaturen gefügig. Sie trinken selbst Blut, um den Keim zu nähren, der sie unterjocht – aber sie können ihn nicht weiterpflanzen …«

Diese Worte Jeff Warners, gefallen auf dem Grundstück 333, Paddington Street, hatten sich tief und nachdrücklich in Liliths Gedächtnis geprägt.

Daran kam sie auch während der Rückfahrt nach Mallwyd nicht vorbei.

»Wie ist dein vollständiger Name?«, fragte sie den unglaublich alt und schwächlich aussehenden Jungen, dem Beth auf der Purpurseite der Spiegel, im Dorf der Toten, begegnet war.

»Tom Grimaldi …«

»Wie alt bist du?«

»Sechzehn.«

Lilith schluckte den Kloß in der Kehle hinunter. Sie blickte in das vergreiste, von Runzeln und Altersflecken übersäte, eingefallene Gesicht und verstand, dass Beth sie mit vorwurfsvollen Blicken bedachte.

Dieser Junge sah mitleiderregend aus.

Aber er konnte – obwohl der Augenschein dagegen sprach – auch eine Gefahr sein!

»Wer ist dafür –«, Liliths Finger strichen sanft über die Bissmale an seiner Halsschlagader, was Tom unbehaglich geschehen ließ, »– verantwortlich? Du weißt es doch, oder?«

Seine Miene wurde verschlossen. In seinen wässrigen Augen leuchtete Angst.

Angst vor Lilith.

Er schüttelte den Kopf.

»Du weißt nicht, wer das getan hat?« Lilith scheute sich nicht, ihre Suggestivkraft einzusetzen. Jenseits der Spiegel, in Rerraf Reh Resnus Reich des Bösen, hatte sie damit keinen Erfolg gehabt. Vieles hatte dort versagt, denn auch Lilith selbst war »spiegelverkehrt« drüben angekommen.

»Nein«, beharrte der alte Junge.

Lilith musterte ihn noch durchdringender.

Es gab Menschen, die von Natur aus gegen ihre Hypnose gefeit waren. Gerade bei Tom hätte es sie nicht verwundert, wenn er dazugehört hätte.

Das einzige, worin sie mit Beth’ Meinung konform ging, war, dass Tom keine Dienerkreatur war. Er war kein von einem unseligen Keim wiedererweckter Toter, der im Bann eines blutsaugenden Herrn stand. Er lebte, er atmete, sein Herz schlug völlig normal …

Aber er hatte die Male!

Von wem?

»Sag es mir! Sag mir, wer dich … wer dir das zu Leide getan hat!«

»Niemand!«

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