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Vampira - Folge 04

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah ...
  4. Landrus Ankunft
  5. Leserseite
  6. Vorschau

Lilith Eden ist eine etwa zwanzigjährige Frau, die bislang ein ganz normales Leben gelebt hat. So glaubt sie jedenfalls, als sie eines Tages wie aus einem langen Schlaf erwacht. Wie lang dieser Schlaf tatsächlich war, erfährt sie erst nach und nach – und dass alle ihre Erinnerungen Trugbilder sind!

In Wahrheit ist sie die Tochter eines Menschen und einer Vampirin, dazu gezeugt, eine geheimnisvolle Bestimmung zu erfüllen. Fast hundert Jahre lag sie in einem Haus in Sydney, Australien, dessen Türen und Fenster bloße Attrappen sind. Doch sie ist zwei Jahre zu früh erwacht – die Zeit ist noch nicht reif. Für was, kann auch die Vision nicht klären, die sie von ihrer toten Mutter empfängt.

Im Keller findet Lilith ein aufregendes rotes Kleid, das sich wie mit Widerhaken in ihre Haut beißt, als sie es überzieht, und das seine Form beliebig verändern kann. Die Stimme der Mutter warnt sie vor einer feindlichen Vampirsippe und insbesondere vor deren Führer Landru. Lilith müsse gegen die Vampire kämpfen, bis sie sich ihrer Bestimmung bewusst würde.

Lilith verlässt das Haus. Auf der Suche nach einem Opfer, das ihren Blutdurst stillen kann, gerät Lilith an einem Porno-Produzenten, der glaubt, den Fang seines Lebens gemacht zu haben, doch am Ende fühlt sich Mr. Porno reichlich ausgepowert und Lilith mehr als gesättigt.

Inzwischen ist die Polizei auf das verlassene Haus aufmerksam geworden. Dem Parapsychologen Brian Secada gelingt es, dort einzudringen. Was er in den Räumen erlebt, kostet ihn den Verstand. Als er schließlich dem Moloch entfliehen kann, ist er um Jahrzehnte gealtert und hält sich selbst für einen Vampir. Er wird in die Psychiatrie eingeliefert. Das Haus versinkt in einer Erdspalte, nachdem es auch noch den Menschen in seiner näheren Umgebung die Lebensenergie geraubt hat.

Detective Warner soll auf Befehl seines Chefs in Sachen »verschwundenes Haus« ermitteln, obgleich er viel lieber dem Serienmörder nachjagen würde, der in Sydney sein Unwesen treibt und seine Opfer mit gebrochenem Genick zurücklässt.

Kurz nachdem Lilith ihren »Wirt« verlassen hat, taucht Hora, das Oberhaupt der Vampirsippe von Sydney, bei ihm auf. Er verhört den Produzenten und verwandelt ihn in eine Dienerkreatur. Dann heftet er sich weiter an Liliths Fersen.

Sein Sohn kann Lilith stellen – und wird von ihrem Kleid getötet. Als die ganze Sippe sich zusammenrottet, kann Liliths Kleid auch noch Hora töten, bevor sie mit Mühe in eine Kirche entkommt, deren Atmosphäre sie dank ihres menschlichen Erbes nicht umbringt. Sie gerät in die Gewalt von Pater Lorrimer, der die anglikanische Kirche leitet. Er ahnt, was für ein Geschöpf sie ist, und will »ihre Seele retten«.

Derweil wird Lorrimers Gehilfe, ein Priester-Aspirant namens Duncan Luther, von den vor der Kirche lauernden Vampiren hypnotisch beeinflusst und mit einem geweihten Holzdolch bewaffnet (der einst einem besiegten Vampirjäger abgenommen wurde), um Lilith zu vernichten. Er folgt Lorrimer heimlich in den Keller.

Im Zuge der Austreibung läst sich das lebendige Kleid von Liliths Körper, legt sich um Lorrimers Kopf und blendet ihn. Luther sieht das Zeichen für sein Eingreifen gekommen und will Lilith erdolchen. Da wendet sich das Kleid von Lorrimer ab und befällt Luther. Ihm geschieht nichts, außer dass der Hypnoblock beseitigt wird und er danach Lilith verfällt. Den geweihten Dolch nimmt er mit, als er mit Lilith durch die Kanalisation flieht. Lorrimer wird kurz darauf oben in der Kirche von einer umkippenden Steinfigur erschlagen.

In der Kanalisation lauern drei jüngere Vampire, die diesen Fluchtweg abriegeln sollen. Die drei träumen davon, neues Sippenoberhaupt zu werden, und wünschen sich, dass Lilith ihnen in die Hände fallen möge. Der Traum ist ausgeträumt, als Luther zwei von ihnen mit dem Dolch tötet. Der dritte kann die Flucht ergreifen und die anderen informieren.

Detective Warners Weltbild kommt derweil mehr und mehr ins Wanken. Nachdem er herausgefunden hat, dass die »Genickbruch-Morde« eine feste Tradition in Sydneys Historie haben und bis ins letzte Jahrhundert zurückreichen, versucht sein Kollege Stiller, ihn grundlos zu ermorden. Und als er sich an Polizeichef Virgil Codd wendet, schickt der ihn zu einem ganz besonderen Einsatz: den Garten des versunkenen Hauses zu erkunden, wo schon Dutzende Menschen unter mysteriösen Umständen umkamen …

 

Landrus Ankunft

von Adrian Doyle

Die Bewegung in der städtischen Kanalisation war kaum wahrnehmbar. Nichts Hörbares begleitete das langsame Dahinkriechen neben dem Abwasserstrom, dessen Rauschen dem asthmatischen Atem eines Giganten ähnelte. Das Netz der Schächte wucherte wie die hohlen Wurzeln eines monströsen Baumes unter den Straßen, Plätzen und Bauten von Sydney. Die Kälte und Nässe, das Verdorbene und Modrige behagte dem Ding, das über den glitschigen Beton kroch. Es hatte keine Ohren zum Hören, keine Augen zum Sehen und keine Nase zum Riechen – nichts, was den Sinnen eines Tieres oder Menschen glich. Seine Möglichkeiten der Orientierung waren andere.

Beharrlich folgte es der Spur …

Obwohl die Dunkelheit jeden Winkel des Zimmer ausfüllte, spürte der schlanke, junge Priesteranwärter ganz genau die begehrlichen Blicke über seine Haut tasten.

»Hör auf!«, bat er.

»Ich kann nicht.«

»Du bist wahnsinnig, wenn du glaubst, ich könnte dir das erlauben!«

Lilith schwieg, und in Luther erwachte der vehemente Wunsch zu fliehen. Diesem Alptraum, der mit Pater Lorrimers seltsamem Verhalten begonnen und in Blut und Chaos geendet hatte, zu entrinnen.

Vampire!

Luther lauschte benommen seinem Herzschlag. Neben dem Bett lag unter einem Kissen der geweihte Dolch. Er war nicht einmal unterarmlang und nicht wie herkömmliche Klingen aus Stahl geschmiedet, sondern aus hartem, rotbraunem Holz geschnitzt. In seinen Schaft, mehr noch aber in beide Seiten der Klinge waren Symbole eingraviert, die Luther von seinem Studium einer urgriechischen Fassung des Alten Testaments her zu kennen glaubte. Es waren geheiligte Buchstaben und Zeichen, auch wenn sie in dieser Anordnung keinen Sinn für den jungen Priesteranwärter ergaben. Aber eine unerklärliche Macht wohnte diesem obskuren Gegenstand inne, dem bereits zwei unheimliche Gestalten in Sydneys Kanalisation zum Opfer gefallen waren.

Vampire!

Mehr als diese beiden, die durch den mythischen Dolch in seiner Hand getötet worden waren, beunruhigte den jungen Priesteranwärter jedoch die Frau, die neben ihm lag:

Lilith Eden.

Ein Name, der Programm zu sein schien. »Eden« war dem Hebräischen entlehnt und bedeutete so viel wie »Wonne«. Duncans Vorgesetzter, Pater Lorrimer, der die katholische Kirche am Trumper Park leitete, hatte die junge, schöne Frau exorzieren wollen, weil er sie für besessen hielt.

Lilith war hochgewachsen, schlank und besaß alle Attribute eines Männer verschlingenden Vamps: einen üppigen Busen, endlos lange Beine und ein von wilder, schwarzer Haarmähne umrahmtes, fast engelgleiches Gesicht.

Dabei, dachte Duncan Luther, war sie nichts weniger als ein Engel. Bestenfalls ein Kerubim. Ein zürnender Engel.

Auf dem Höhepunkt der von Lorrimer praktizierten Austreibung hatte er aus seinem Versteck heraus etwas Unerhörtes beobachtet: Das Kleid der rassigen Frau war von ihr abgefallen und Minuten später, als Pater Lorrimer nach gescheitertem Exorzismus versuchte, die gefesselte Frau zu pfählen, wieder zurückgekehrt.

Das Ding (eine andere Bezeichnung fiel Luther dazu nicht ein), in welches sich ihr Kleid verwandelt hatte, hatte den Geistlichen von hinten angefallen, sich wie eine Kappe um Augenpartie und Schädel geschmiegt und ihn außer Gefecht gesetzt. Unter der Kappe war Blut hervorgequollen, und später war deutlich geworden, dass der Pater zwar sein Augenlicht eingebüßt, aber die unheimliche Attacke doch überlebt hatte.

Noch schwerer zu begreifen als dies war für Duncan Luther jedoch, was mit ihm selbst passiert war.

Auch ihn hatte dieses Ding angefallen und sich dabei um seinen kompletten Kopf gehüllt. Im selben Moment, als er – auf »höheren« Befehl – versucht hatte, die Frau auf dem klobigen Tisch mit dem geweihten Holzdolch zu töten. Aber im Gegensatz zu Lorrimer war er weder geblendet noch verletzt worden. Etwas viel Eigenartigeres war mit ihm geschehen. Das Ding hatte die Hypnose beseitigt, die andere zuvor als Mordbefehl in Luther verankert hatten.

In den Sekunden, die sich das Ding um seinen Schädel gehüllt hatte, war so vieles geschehen, dass er auch jetzt noch Mühe hatte, alles auf die Reihe zu bekommen. Er hatte sich nicht nur wieder erinnert, dass er draußen vor der Kirche abgefangen, hypnotisiert und mit dem Holzdolch ausgerüstet zum Töten ausgesandt worden war. Er verfügte auch plötzlich über Wissen, das ihm vorher nicht erschlossen gewesen war.

Im Gegensatz zu Lorrimer, der in gutem Glauben versucht hatte, das Böse aus seiner Gefangenen auszutreiben, wusste Duncan Luther seither, dass die betörend schöne Frau an seiner Seite zwar eine Vampirin, aber nicht böse im herkömmlichen Sinn war. Er wusste, dass Lilith von anderen, wirklich schrecklichen Blutsaugern verfolgt wurde, und er hatte nicht anders handeln können, als sie vor Lorrimer und diesen Verfolgern zu schützen.

Seit sie gemeinsam diese billige Absteige am Ostrand der gewaltigen Stadt erreicht hatten, war der Zwang, Lilith zu helfen, von Duncan Luther abgefallen, und er fragte sich, was ihn über Stunden hinweg – auch als der Hypnosebefehl der Vampire längst erloschen war – so marionettenhaft dirigiert hatte.

War er inzwischen frei – oder glaubte er nur, wieder über seinen eigenen Willen zu verfügen?

Die wunderschöne Gestalt neben ihm auf dem Bett ließ ihn daran zweifeln. Ihre dunkle, vor Verlangen vibrierende Stimme erinnerte ihn an das Bekenntnis, das Stunden zurücklag, aber das sich auch jetzt, während draußen der Morgen graute, wie eine Flammenschrift in sein Bewusstsein gebrannt hatte:

»Ich habe entsetzlichen Durst …«

Da sie vampirischer Herkunft war, wusste er, was sie damit meinte. Ihm grauste vor den ganz persönlichen Konsequenzen ihrer Rettung. Obwohl sie sich nicht feindselig gab, fürchtete er den Moment, da es endgültig um ihre Beherrschung geschehen sein würde.

Dass dieser Moment kam, schien ihm unvermeidlich. Er spürte nicht nur ihre Nähe in der Finsternis – er spürte viel mehr. Er konnte nicht fliehen. Er konnte es nicht! Aber solange sie miteinander redeten, hoffte er, sie hinhalten zu können.

»Erzähl mir mehr von dir«, drängte er rau.

»Du sagtest, du wüsstest Bescheid über mich. Dann weißt du auch, dass ich es brauche

Sie war nicht davon abzubringen.

»Ich habe das Gefühl, dich zu kennen. Ich fürchte, das ist ein Unterschied. Wenn du dich an mir vergehst, müsste ich dich hassen.«

Ihre nächste Bemerkung klang aggressiv und gab ihm einen weiteren Hinweis, wie es um ihre Beherrschung stand.

»Predigt ihr nicht immer Nächstenliebe? Würdest du nicht auch Blut spenden, um einem anderen Menschen zu helfen?«

Klamme Nässe bildete sich auf den Innenseiten seiner Hände. »Hältst du das für dasselbe

»Ich würde dich nicht in Gefahr bringen. Ich würde dir nicht einmal wehtun, auch wenn dir dies unglaublich erscheint. Ich übertrage nicht den Keim. Du würdest nicht selbst zum Vampir werden. Aber dein Blut würde mir helfen, zu meiner alten Stärke zurückzufinden!«

Er wusste nicht, wovor ihm mehr grauste. Vor ihrem Blutdurst – oder vor dem, was sie ihre »alte Stärke« nannte.

»Bist du mir nicht etwas schuldig?« Angesichts dessen, was sie verkörperte, fand er die Frage idiotisch – aber angesichts dessen, was ihm drohte, griff er nach jedem Strohhalm.

Sie schwieg kurz. Dann raunte sie schwankend: »Wäre ich es nicht, hätte ich dich längst gezwungen. Ich möchte, dass du mir freiwillig hilfst!«

Er lachte hohl.

Plötzlich spürte er ihre Hand auf seiner Haut. »Ich wünschte, ich könnte dich überzeugen. Du würdest es nicht bereuen, das verspreche ich dir. Ich bliebe dir nichts schuldig …«

Selbst das Unausgesprochene genügte ihm, innerlich zu versteifen.

Er hatte sie nackt gesehen. Und auch jetzt trug sie nicht mehr als ein Badetuch – und die Dunkelheit.

Seit er ihren unverhüllten Körper gesehen hatte, prickelte es dort, wo sein Glaube ihm Keuschheit verordnete. Seit er mit dieser Frau zusammen war, erwachten die alten Zweifel, ob er wirklich zu einem Leben in Askese geeignet war, neu und in ungeahnter Stärke.

Zum ersten Mal verstand er, was der Begriff »Versuchung« tatsächlich bedeutete.

Die Erkenntnis, dass er sich durchaus gegen ihr absonderliches Verlangen sträuben konnte, bestätigte andererseits, dass er wieder über seinen freien Willen verfügte.

»Still!«, fauchte er scharf. »Ich will nichts mehr hören!« Es blieb bei dem Versuch, ihre Hand abzustreifen. Sie war warm und zärtlich, nicht fischkalt und monströs, wie er es vielleicht erhofft hätte, um sich leichter dagegen wehren zu können.

Sie hielt ihn fest.

Fest, ohne jedoch weh zu tun.

Zwielicht sickerte durch die geschlossenen Vorhänge ins Zimmer. Geräusche waren die ganze Nacht allgegenwärtig gewesen. Ein Haus wie dieses kam nie völlig zur Ruhe.

Aus der Schwärze schälten sich Liliths Konturen.

Als Duncan begriff, dass sie auch das Badetuch nicht mehr trug, überlief ihn eine Gänsehaut, die am längsten zwischen seinen Lenden verweilte. Wie in Trance ließ er es geschehen, dass sie seine Finger in den Mund nahm und spielerisch daran saugte.

Sekundenlang war er gelähmt vom Reiz des Verbotenen.

Dann stieß er sie zurück.

»Nein!«

Ihre Stimme klang traurig. »Ich kann nicht mehr lange warten. Bitte!«

Luther krümmte sich vor Scham, als er begriff, dass er sich wünschte, sie möge ihn endlich dazu zwingen. Er brauchte diese Entschuldigung. Alles andere hätte bedeutet, dass …

Es klopfte.

Nicht nur Luther, auch Lilith fuhr leicht zusammen.

Duncan blickte mechanisch auf das Leuchtzifferblatt seiner Uhr. Er wunderte sich, als er begriff, dass der Morgen schon weiter fortgeschritten war, als er vermutet hatte.

»Wer kann das sein?«, flüsterte Lilith. Ohne eine Antwort abzuwarten, sprang sie aus dem Bett und huschte ins Badezimmer, wo die Kleider, die Luther ihr besorgt hatte, über der Heizung trockneten.

Duncan erhob sich langsamer. Er fühlte sich wie durch eine Mangel gezogen. Jede Bewegung fiel schwer.

Das Klopfen wiederholte sich.

Vor der Tür zum Korridor blieb er stehen und fragte laut: »Ja?«

»Mach auf, Heiliger!«

Die Stimme war unverwechselbar.

Duncan ließ die Verriegelung zurückschnappen.

»Was ist?«, fragte er belegt, nachdem der schiefgesichtige Portier im dämmerigen Flur sichtbar geworden war.

Luther kannte den Mann, der nicht nur wie ein Fledderer aussah, sondern auch den Charakter eines solchen besaß. Sein Name lautete Homer Clearwater, und er war – wegen verschiedener Delikte – mehrfach vorbestraft. Unter anderem, weil er ein paar »Pferdchen« laufen hatte, die mit ihren Freiern bei ihm abstiegen. Eines der Mädchen hatte sich vor Wochen an Pater Lorrimer gewandt und ihn gebeten, ihr zu helfen, aus der Prostitution auszusteigen. Sie hatte ihm von Clearwaters Praktiken berichtet, mit denen er seine Mädchen bei der Stange hielt. Daraufhin hatte Lorrimer es Luther übertragen, mit Clearwater zu sprechen. Angeblich, damit Luther praktische Erfahrung im »Umgang mit den Schattenseiten des Weltlichen« sammeln konnte.

Einen Freund hatte Luther dadurch nicht gewonnen. Clearwater hatte wenig Einsicht und noch weniger Bereitschaft gezeigt, Amy aus seinem lukrativen »Familienunternehmen« aussteigen zu lassen. Erst handfeste Drohungen, die Polizei ins Spiel zu bringen, hatten Clearwater einlenken lassen. Amy war in den Schoß ihrer Eltern nach Campbelltown zurückgekehrt, von wo sie Monate vorher weggelaufen war.

Clearwaters ungepflegtes Äußeres war ein Spiegel seines Innersten. Er trug Jeans, die so speckig und dreckstarrend waren, dass sie vermutlich stehen geblieben wären, wenn er sie ausgezogen und irgendwohin gestellt hätte. Sein Unterhemd wies so viele verkohlte Löcher auf, als gehörte es zu Clearwaters Hobbys, seine Zigaretten darauf auszudrücken.

»Ich wollte mal sehen, ob’s auch an nichts fehlt«, grinste Homer Clearwater. In der einen Hand hielt er eine zusammengerollte Ausgabe des Sydney Morning Herald, den er dazu benutzte, um fortwährend in die offene andere Hand zu patschen. »Etwas Lektüre gefällig?« Er reckte den Hals weit ins Zimmer hinein und hielt Ausschau nach jemandem, der seiner Meinung nach auch hätte sichtbar sein müssen. »Macht sich wohl gerade frisch, die Kleine …?«

Duncan Luther starrte den Widerling aus zusammengekniffenen Augen an. »Zum letzten Mal, was wollen Sie?«

Hals und Kopf zuckten zurück. Clearwater mimte Erstaunen. »Oh. Seine Heiligkeit fühlen sich gestört? Tut mir unendlich leid. Ich wollte nur die neueste Zeitung vorbeibringen, weil ich dachte, der kleine Vorfall auf Seite drei würde …« Clearwater sprach nicht zu Ende. Stattdessen rollte er die Zeitung auseinander, schlug die genannte Seite auf und faltete das Blatt so mundgerecht, dass Luther mühelos die Überschrift lesen konnte, noch ehe Clearwater ihm die Zeitung ausgehändigt hatte:

GEISTLICHER STARB UNTER

MYSTERIÖSEN UMSTÄNDEN

Diente seine Kirche als

Geheimtreff für Satansjünger?

Duncan Luthers Herz schlug plötzlich so heftig, dass er meinte, Clearwater müsste es sehen oder zumindest hören können.

Mechanisch griff er nach der hingehaltenen Zeitung.

Das zu dem Artikel gehörige Bild beseitigte letzte Zweifel, noch ehe Luther den Fließtext überflogen hatte. Es war die katholische Kirche am Trumper Park, und es war Pater Lorrimer, von dem die Rede war!

»Kreislaufprobleme, Ehrwürden?«, hämte Clearwater.

Luther hatte die Farbe gewechselt. Fragend starrte er den Portier an, der in gespielter Verlegenheit die Achseln zuckte. »Ich dachte, dass es dich interessiert. Als ihr beide hier ankamt, klingelten gleich alle Glocken bei mir. Natürlich ahnte ich nicht, dass ein Heiliger beim anderen Heiligen ›kille-kille‹ macht …«

Luther klatschte ihm die Zeitung gegen die Brust und trieb ihn auf den Flur hinaus, wo es wie auf einem Gassi-Pfad für Hunde stank. »Verschwinden Sie! Sie sind verrückt, wenn Sie glauben –«

»Okay«, unterbrach ihn Clearwater. Sein narbiges, windschiefes Gesicht ließ die aufgesetzte Freundlichkeit in einer Schublade verschwinden, aus der er sie bei Bedarf jederzeit wieder ...

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