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Vampira - Folge 01

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Das Erwachen
  4. Leserseite
  5. Vorschau

 

Das Erwachen

von Adrian Doyle

Ein Geheimnis, aus Träumen geboren. Eine junge Frau, bar jeder Erinnerung. Das furchtbare Erbe einer Rasse, so alt wie die Wurzeln der Menschheit. Eine Bestimmung, die nach hundert Jahren Schlaf ihre Erfüllung finden soll.

VAMPIRA erwacht. Und macht sich auf, eine feindliche Welt zu entdecken. Begleiten Sie sie auf ihrem gefährlichen und leidenschaftlichen Weg. Folgen Sie den Vampiren auf ihren nächtlichen Pfaden.

Dies ist der erste Band einer Reise zu den Quellen des Lebens und des Blutes. Lilith erwacht. Das Abenteuer beginnt …

Schwerer Regen fiel, als sie im Herzen des Sturms erwachte. Windböen zerzausten ihr nasses Haar. Sie war durstig, aber das Wasser, das über ihr Gesicht rann und sich in den Mundwinkeln sammelte, ekelte sie.

Obwohl sie mit Schlamm beschmutzt auf dem Boden lag, war sie gespenstisch schön. Schlank und biegsam wirkte ihr Körper, durchtrainiert bis in die letzte Faser ihrer Muskeln und Sehnen. Zugleich drückte er die Weiblichkeit schlechthin aus. Das anmutige Gesicht wurde von hohen Wangenknochen und leicht schrägstehenden Augen geprägt. Bleich war ihr Teint. Der Busen hob und senkte sich unter raschen Atemzügen.

Sie riss die Augen auf.

Zunächst war da nichts außer verschwommenem Grau. Es war finster. Kein Stern erhellte den Himmel, und doch ahnte sie den blassen Mond hinter den Wolken. Die Atmosphäre war elektrisch aufgeladen. Immer wieder zuckten Blitze über einen falschfarbenen Himmel.

Falsch? Wieso falsch? Wo bin ich …?

Wie auf ein Stichwort hin zerriss der dunkle Wolkenmantel. Am östlichen Horizont zeigte sich ein erster Silberstreif. Und endlich erkannte sie, wo sie sich befand.

Ein Friedhof, durchzuckte es sie unbehaglich.

Durch milchig-fahle Röte sah sie sich in einem Labyrinth aus Gräbern und Pfaden. Gräber, die zu locken schienen, als zerfalle unter ihrer krumigen Schicht nicht nur totes Fleisch, sondern als verberge sich darunter etwas höchst Lebendiges …

Erregt tanzte ihre Zunge über die Lippen und zog sich, angewidert von der faden Nässe, wieder zurück. Der wahre Durst blieb ungestillt.

Sie erhob sich aus dem feuchten Gras. Sie wusste, dass es Gras war, obwohl es sich ebenfalls … falsch anfühlte.

In ihrer unmittelbaren Nähe schlug ein Blitz ein. Eine wilde Entladung gestauter Energie, die Ozongeruch freisetzte.

Graberde bebte, als wollte sie in einer gigantischen Eruption das Tiefverborgene freisetzen, das die blutjunge, verwirrte Frau mit Sinnen ahnte, die wie selbstverständlich funktionierten.

Ein altes Holzkreuz mit verblichener Schrift flammte getroffen auf. Trotz des strömenden Regens brannte es wie ein Fanal.

Die Frau glaubte erneut ohnmächtig werden zu müssen, als sie taumelnd auf die Beine kam. Sie presste ihre Hände vor die Augen. Blind und dennoch katzenhaft geschmeidig lief sie los und wich dabei den Grabkreuzen aus, als würde sie von einem Instinkt geleitet. Nur bei den Grabsteinen versagte ihre Intuition, und sie prallte einige Male hart dagegen.

Unter einem Baum, dessen gewaltige Krone ein halbes Dutzend Gräber beschirmte, blieb sie schwer atmend stehen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich wie rasend. An ihrem Körper spannte ein unbekanntes, hässliches Kleid. Die Nässe setzte Modergeruch frei, und auch sonst fühlte es sich an wie altes, durchweichtes Spinngewebe. An einigen Stellen war es bereits zerrissen, als hätte ein Kampf stattgefunden.

Ich erinnere mich nicht!

Die Leere in ihrem Kopf ließ sie zittern. Sie presste die Fäuste gegen ihre Schläfen. Die Haltlosigkeit, mit der ihr Bewusstsein ohne den sicheren Anker einer Erinnerung dahindriftete, ließ sie innerlich verkrampfen.

»Wer … bin ich …?«

Ihr Schrei suchte ein Echo im dämmernden Morgen. Graues Licht schien aus der Erde hervorzukriechen.

Der Sturm flaute ab.

Ein Geräusch in unmittelbarer Nähe lenkte sie ab. Bevor sie ihm folgen konnte, wurde das Brennen an ihrem Hals, das schon geraume Zeit da gewesen sein musste, stärker. Sie hatte es verdrängt, weil die anderen Eindrücke vorgeherrscht hatten. Jetzt juckte es wie ein Wespenstich. Sie wollte sich kratzen – und stockte in der Bewegung. Ihre Finger waren mit Blut benetzt.

Blut …?

Sie bemerkte, dass sich die Wahrnehmungsweise ihrer Augen veränderte, je mehr sich der Tag durchsetzte. Der Rotschimmer, der bis jetzt über allem gelegen hatte, verschwand, und die Umgebung nahm eine ungewohnte Schärfe an. Jede Kontur schien mit einem Stift nachgezogen zu sein. Dadurch wirkte die Landschaft fast realer, als dass es glaubwürdig war.

Der unbekannte Friedhof wirkte uralt, und, das spürte die Frau im modrigen Kleid deutlich, er strömte Böses aus. Es war mehr als eine bloße Ahnung, dass hier Mörder und anderes Gelichter begraben lagen, als wäre damit alles getan, was geschehen musste, um die Schande vom Gesicht der Erde zu waschen.

Es war nicht so.

Sie spürte, dass die unheilige Kraft der Mörder hier immer noch schlummerte, nur darauf wartet, erweckt zu werden …

Von wem?

Sie schauderte.

Ihr Blick reichte bis weit hinaus aufs Meer. Über der malerischen Bucht, deren Name sie, wenn sie ihn jemals kannte, vergessen hatte wie alles Übrige auch, klarte der Himmel auf.

Marionettenhaft setzte sie sich in Bewegung. Um sie herum erstarben Wind und Regen, und sie folgte dem einzigen noch hörbaren Geräusch, das wie dumpfer, monotoner Trommelschlag klang.

Ein paar Gräber weiter fand sie seine verblüffende Ursache:

Ein Mann unbestimmbaren Alters lag am Boden. Er blutete aus dem Mund. Sein haarloser Schädel schlug immer wieder unkontrolliert gegen eine Grabplatte aus Marmor, weil sich der Körper des Mannes in spasmischen Krämpfen wand. Er war nicht bei Bewusstsein und schien Hilfe dringend nötig zu haben.

Die selbst hilfsbedürftige Frau kniete neben ihm nieder.

Der Mann war durchschnittlich gekleidet. Stangenware. Das Gesicht war ohne das gewisse Etwas, das die Frau unbewusst suchte. Es war sogar eher unterdurchschnittlich.

Der Mann schien in eine gewalttätige Auseinandersetzung verstrickt gewesen zu sein. Sein Hemd war zerrissen. Eine haarlose, feiste Brust war sichtbar.

Vielleicht sind wir beide Opfer eines Überfalls geworden. Vielleicht kennen wir uns, dachte die Frau – und fügte verzweifelt hinzu: Aber warum erinnere ich mich an nichts?

Der Mann schwitzte … nein, falsch, er dampfte regelrecht, obwohl keine Wärme von ihm ausstrahlte. Sein Puls war schon so schwach, dass er sich nicht ertasten ließ.

Er musste schon früher nicht sehr gesund ausgesehen haben. Sein Fleisch war aufgedunsen wie das eines Gewohnheitstrinkers. Er hatte einen nahezu kalkigen Teint. Dort, wo sich die Lippen etwas zurückgeschoben hatten, schimmerte Blut zwischen den Zähnen, vermutlich von inneren Verletzungen.

Die immer noch nach dem Pulsschlag forschenden Finger der Frau hielten inne. Sie konnte den Blick nicht mehr von dem Blut wenden. Etwas Magisches ging davon aus.

Das plötzliche Röcheln des Mannes löste den Bann.

Die geschlossenen Augen in dem wächsernen Gesicht sprangen auf wie von einer Stahlfeder getrieben. Lautlos. Die Pupillen dahinter glommen in scharlachroter Begierde.

Klauenartig gekrümmte Hände griffen nach der Frau. Sie versuchte zurückzuweichen, aber der Unbekannte bekam ihr morsches, altmodisches Gewand zu fassen, das kaum Widerstand bot. Er zerrte daran. Es zerriss.

Sekundenlang glotzte er auf ihre nackten Brüste.

Dann schlug er ihr mit der schwammigen Faust brutal in den Magen. Der Hieb kam so ansatzlos, dass keine Gegenwehr möglich war. Sie klappte zusammen, stürzte über ihn. Blutiger Geifer flog von seinen Lippen, als er mit seinen Händen ihre schmale Taille umklammerte. Gier war plötzlich in seinen Augen.

Was hatte er vor?

Sein Gesicht tauchte vor ihren Augen auf. Sein Mund klaffte wie eine schwärende Wunde. Fauliger Atem entströmte ihm, während seine Hände sie im Nacken packten und näher heranzuziehen versuchten.

Die blutroten Augen glommen nun so stark, als hätte sich ein Feuer in seinem Schädel entzündet. Unartikulierte Laute rannen über die Lippen, die sich wie die Lefzen eines Tieres zurückzogen. Eine unheimliche Metamorphose setzte ein. Das unattraktive Gesicht wurde zur wölfischen Grimasse, als die Kiefer sich verschoben und die Zähne zu wachsen begannen …

Erinnerungen drängten an die Oberfläche.

Sie erlebte ein machtvolles Déjà vu und schrie mit fremd klingender, maskulin gefärbter Stimme auf.

Von explodierender, animalischer Wut wurde sie meterweit durch die Luft geschleudert. Sie schlug dumpf auf den schlammigen Pfad, rollte ab und kam gedankenschnell wieder auf die Beine.

Heulen erfüllte die Luft.

Der Schatten des Angreifers wuchs neben ihr auf. Sie wusste plötzlich, dass das Blut auf den gebleckten Zähnen nicht von inneren Verletzungen stammte, sondern dass es ihr Blut war! Sie beide waren sich schon einmal begegnet! Sie beide hatten gegeneinander gekämpft, bevor …

Bevor was?

»Wer bist du?«, fauchte sie. Die eigene Aggressivität erschreckte sie nur im ersten Moment, dann empfand sie sie als normal.

Die hässliche Fratze lachte. Zugleich trat ein gehetzter Zug in die Scharlachaugen. Als würde ihm etwas bewusst, das er die ganze Zeit übersehen hatte. Zähe Sekunden stierte der feiste Kerl an ihr vorbei. Durch sie hindurch. Dann schnellte er aus dem Stand nach oben, krallte sich in ihre Schultern und suchte mit seinen Zähnen nach ihrem Hals!

In Panik stemmte sie sich dagegen. Ihre Finger versanken in schwammigen Wangen. Sein Atem streifte sie wie ein Pesthauch. Das hungrige Fauchen klang jetzt entschlossener, und wieder schwindelte ihr vor der abgründigen Kraft, die diesem unansehnlichen Körper innewohnte.

Das Licht in den Augen des Unheimlichen schien zu explodieren. Die Muskeln spannten sich wie Stahlseile unter bleicher Haut. Fast spielerisch entledigte er sich ihrer Hände. Dann war der Weg frei. Nadelspitze Zähne trafen die bereits verkrustete Stelle, unter der ihre Halsschlagader pulsierte.

Ziehender Schmerz setzte ein.

Ich will nicht sterben! dachte sie. Dieses Monstrum …

Und eine Stimme aus der Tiefe wisperte: Wehr dich, Närrin!

Sie wusste nicht, wie.

WER BIN ICH?

Das Schmatzen brachte sie fast um den Verstand.

WEHRE DICH!

Sie sah vorbei an dem Mann, der ihr Gewalt in einer Form antat, die sie in immer tiefere Verwirrung stürzte.

Sie sah den Horizont. Die Sonne ging auf, als wollte sie dem Sterben einen würdigeren Rahmen verleihen. Goldene Strahlen tasteten nach dem ungleichen Paar, das in mörderischer Umarmung am Boden rang, geisterten über die Körper …

Und etwas noch Unfassbareres geschah!

Der Mann (Mann? Eher ein wildes Tier!) zuckte von ihr zurück. Sein Gesicht tauchte als düster verzerrte Grimasse im Schlagschatten der Sonne auf. Dann taumelte er um sich schlagend und schreiend von ihr fort. Wie jemand, der mit etwas Brennbarem übergegossen und angezündet worden war.

Seine Schreie hallten über den Friedhof, der im Morgenlicht lebende Schatten zu gebären schien. Die Haut des Kahlköpfigen schlug Blasen. Rauch stieg auf. Zunächst winzige Haarrisse weiteten sich zu Spalten und Klüften, hinter denen es wie sonnenheißes Magma kochte.

Die Frau richtete sich benommen vom Boden auf. Sie sah den Fliehenden gerade noch zusammenbrechen. Der Sturz löste Arme und Kopf vom Rumpf. Aus Hals und Stümpfen zuckten bläuliche Blitze, dann zerfiel der ganze Körper, bis nur noch ascheähnliche Flocken und die Kleidung übrig blieben. Und die Unversehrtheit des Anzugs belegte, dass keine tatsächliche Hitze gewirkt hatte.

Etwas Kaltes hatte diesen Mann verzehrt!

Schaudernd blickte die Frau zu der Stelle, wo der Anzug des Mannes lag. Erstaunlicherweise empfand sie kein Grauen. Sie fühlte sich eher wie nach der Bewältigung einer Prüfung.

Aber sie wusste immer noch nicht, wer sie – oder dieser unheimliche Angreifer – war! Sie wusste nicht einmal, wo sie sich aufhielt!

Die Ungewissheit zog sie zur Kleidung des Mannes, die sie fahrig durchwühlte. Sie fand einen Schlüsselbund und eine Brieftasche. Beim Aufklappen fiel ein vergilbter Zettel ins Gras, den sie aufhob. In kaum leserlicher Handschrift stand darauf: Lilith Eden, 333, Paddington Street.

Nicht die Adresse, der Name elektrisierte sie.

Für unbestimmbare Zeit vergaß sie alles um sich herum.

Lilith Eden …

War sie das?

Obwohl die verlorene Erinnerung auch jetzt nicht zurückkehrte, weckte der Name Hoffnung in ihr, eine Spur gefunden zu haben. Die Adresse hingegen war ihr fremd und immer noch kein Hinweis auf ihren Aufenthaltsort.

Sie durchwühlte die Brieftasche und fand mehrere Geldscheine. Eine Zehn-Dollar-Note, die sie gegen die Sonne hielt, zeigte das Konterfei eines gewissen Francis Greenway. Dieser Schein und alle anderen, die sie fand, waren keine amerikanischen, sondern australische Dollars.

Ihr Blick suchte die Meeresbucht, die sie nach ihrem Erwachen gesehen hatte. Aber gewaltige Grabbauten verstellten die Sicht.

Australien, dachte sie. Dies ist Australien …

Es war ein irgendwie völlig abstrakter Gedanke. Sie hatte keinen sicheren Beweis für ihre These außer ein paar Geldscheinen, und sie fand auch keine Ausweispapiere mit dem Namen und der Adresse des Toten.

Als sie Brieftasche und Schlüsselbund fallen ließ und nach etwas suchte, worin sie das Geld verstauen konnte, bemerkte sie erst, in welch heruntergekommenem Zustand ihre eigene Kleidung war. So maßlos zerfleddert, dass sie sekundenlang versucht war, sich den Anzug des Toten überzustreifen, um dieses … Kleid loszuwerden, das zu allem anderen Übel auch noch anwidernd roch.

Sie unterließ es.

Aus der Wunde an ihrem Hals drang kaum noch Blut, aber sie konnte nicht sagen, wie viel sie bereits verloren hatte. Vielleicht würde sie sterben ….

Wirklich schwach fühlte sich nicht mehr. Beinahe leichtfüßig setzte sie sich in Bewegung und strebte dem Ausgang des Friedhofs zu, von dem sie plötzlich wusste, wo er zu finden war.

Ihre Gedanken kreisten um die einzige Frage, die zählte:

WER BIN ICH?

Die Antwort, das ahnte sie längst, würde keine Erlösung sein.

Der alte Herr kam im Nebel. Nebel umgab ihn wie eine Wolke, die bodennah dahinzog, den Schritten ihres Verursachers immer einen Meter voraus. Niemand hatte ihn kommen sehen, und das Rauschen der Schwingen war längst verklungen.

Der Flug durchs Morgengrau hatte ihn erschöpft, denn nach Tagesanbruch litt auch seine Macht. Selbst das Aufrechterhalten des Nebels fiel ihm schwer. Aber er hatte den Impuls gespürt und war sofort aufgebrochen. Er war der Älteste der Sippe, der Stärkste.

Mühelos fand der Nebel den Weg zum Ort der Vernichtung.

Die Fährte war frisch.

Der alte Herr schien über den Boden des Totenackers zu schweben. Es mochte am Dunst liegen, der ihn umgab wie eine fahle Aura. Geweihte Erde, Kruzifixe und Heiligenfiguren mied er bewusst.

Dort, wo die Dienerkreatur gestorben war, blieb der alte Herr stehen, kramte in seinem Umhang und förderte ein Fläschchen aus geschwärztem Glas hervor. Als er den Korken öffnete, entströmten ätzende Dämpfe. Ein paar Tropfen des Inhalts fielen in den Staub, der anders aussah als die umgebende Friedhofserde. Wie Ascheflocken.

Sofort blitzte es auf, und schneller, als ein menschliches Auge es hätte erfassen können, blähten sich aus der Asche die Umrisse einer feisten, haarlosen Gestalt. Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte die Erscheinung stabil. Als sie in einem zweiten Lichtblitz verging, blieben nicht einmal Ascheflocken zurück. Aber der alte Herr schien zufrieden. Sein Verdacht war bestätigt.

»Hadrum …«, wisperte er, und seine Stimme klang keineswegs gebrechlich, sondern voll barbarischer Wildheit. »So hat der Impuls mich also nicht getrogen. Hadrum, mein Diener, ich hatte dich fast vergessen. Wer hat dir das angetan? Was suchtest du hier, obwohl du hättest dort wachen sollen …?«

Geräusche ließen ihn verstummen.

Holpern, Schritte, dumpfe Schläge, Metall auf Metall …

Der alte Herr, eben noch mit dem Gedanken an Rückzug beschäftigt, hielt im Nebel inne. Selbst unsichtbar, beobachtete er das Näherkommen eines sehnigen jungen Mannes in Arbeitskleidung, der eine Schubkarre zwischen den engen Pfaden vor sich herschob. Auf der Karre rutschte eine Schaufel hin und her.

Der alte Herr machte keine Anstalten zu weichen, als die Karre genau auf ihn zukam. Der frühe Arbeiter war in Gedanken versunken. Er wurde auf die seltsame Nebelerscheinung erst aufmerksam, als die Schubkarre bereits Zentimeter hineingetaucht war.

Jetzt erst blieb der junge Mann abrupt stehen.

Kopfschüttelnd blickte er auf die Nebelballung.

Es war dieselbe Sekunde, in der der alte Herr entschied, eine kleine Stärkung könne nicht schaden. Der Tag hatte, obwohl kaum eine Stunde alt, bereits viel Kraft gekostet.

Und er musste gerüstet sein, um zu überprüfen, was sich mit Hadrums Tod andeutete.

War es möglich, dass die alte Prophezeiung, vor der Landru gewarnt, an die aber kaum einer der Alten wirklich geglaubt hatte, sich tatsächlich erfüllte? Nach beinahe hundert Jahren …?

Der junge Arbeiter umrundete neugierig die Schubkarre. Mit ausgestreckten Armen machte er einen Schritt in den Nebel.

Er starb schnell. Als der alte Herr das Genick seines Opfers brach, blieb das Blut noch lange genug warm. Erst nachdem er gesättigt und überrascht vom prickelnden Geschmack seiner Beute war, wurde ihm bewusst, dass er dieses Zufallsgeschenk gar nicht hätte töten müssen. Mit Hadrums Tod war ein Platz freigeworden. Ein junger, unverbrauchter Diener hätte die alte Garde etwas aufgefrischt.

Der alte Herr beschloss, das Versäumte bei nächster Gelegenheit nachzuholen.

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