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Ursachen für die Überschreitung der Regelstudienzeit sowie für ungewollte Studienabbrüche

VERLAG TREDITION

Tredition GmbH

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© 2017 Jade Hochschule

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-7439-4320-9 Hardcover
ISBN 978-3-7439-4319-3 Paperback
ISBN 978-3-7439-4321-6 e-Book

Kontakt:

Prof. Dr. Michael Neumann

Prof. Dr. Nathali T. Jänicke

Jade Hochschule Wilhelmshaven

Friedrich-Paffrath-Straße 101

26389 Wilhelmshaven

Telefon: 04421-985-2964 • 04421-985-2140

E-Mail: michael.neumann@jade-hs.denathali.jaenicke@jade-hs.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, fotomechanische Wiedergabe, Aufnahme in Online-Dienste und Internet sowie Vervielfältigungen nur nach schriftlicher Zustimmung der Autoren M. Neumann und N. Jänicke.

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die zentralen Definitionen der Studie

3. Die Einordnung in den Stand der Forschung

3.1 Empirische Analysen zu Erfolgsfaktoren im Hochschulstudium

3.2 Die Studie des Fachbereichs Wirtschaft der Fachhochschule Hannover

3.3 Die Studie im Magister-Studium Germanistische Linguistik des Instituts für deutsche Sprache und Linguistik der Humboldt-Universität zu Berlin

3.4 Die Studie im Studiengang Sozialwesen der Fachhochschule Hannover

4. Die Situation an der Jade Hochschule

4.1 Die Jade Hochschule im Überblick

4.2 Die untersuchten Studiengänge

5. Die qualitative Analyse

5.1 Die Konzeption der Befragung

5.2 Ein Modell zur Erklärung der Überschreitung der Regelstudienzeit

5.3 Die Auswirkungen nicht beeinflussbarer und soziodemografischer Merkmale

5.4 Die Auswirkungen der von der Hochschule beeinflussbaren Merkmale

5.5 Die Auswirkungen von Interessen, Präferenzen und Charakteristika der Studierenden

5.6 Die Auswirkungen des Lernverhaltens

5.7 Zwischenfazit

6. Die quantitative Analyse

6.1 Die Konzeption der Befragungen

6.2 Deskriptive Statistiken der Pencil- and Paper-Befragung

6.3 Die Auswirkungen nicht beeinflussbarer/soziodemografischer Merkmale

6.4 Die Auswirkungen der von der Hochschule beeinflussbaren Merkmale

6.5 Die Auswirkungen von Interessen, Präferenzen und Charakteristika der Studierenden

6.6 Die Auswirkungen des Lernverhaltens

6.7 Die Auswirkungen von Prokrastination

6.8 Ergebnisse der Pencil- and Paper-Befragung aller Studierenden

6.9 Ergebnisse der Online-Befragung der Langzeitstudierenden

7. Handlungsempfehlungen

8. Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang

Danksagung

Wir bedanken uns bei allen, die direkt oder indirekt zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben. Ohne ihr Mitwirken wäre dieses Forschungsprojekt nicht möglich gewesen.

Unser besonderer Dank gilt Frau Ulrike Sunken für die tatkräftige und engagierte Unterstützung bei der Gestaltung und Erstellung des Fragebogens sowie der späteren Verarbeitung und Aus-wertung aller Daten und der organisatorischen Unterstützung in diesem Bereich.

Außerdem gilt unser Dank allen Befragten und Interviewten, die uns offen und ehrlich einen Einblick in ihr Studienerlebnis gewährt haben. Wir danken ihnen, dass sie sich die Zeit für längere, detaillierte Interviews genommen haben, und für die zahlreiche Teilnahme bei der quantitativen Befragung in den Präsenzveranstaltungen sowie bei der Online-Befragung. Ihre Meinungen und Erfahrungen sind der wichtigste Baustein für unsere Ergebnisse.

Ebenfalls möchten wir uns bei den Fachbereichen Management, Information, Technologie (MIT) sowie Wirtschaft für die gute Zusammenarbeit während der Durchführung der Studie bedanken.

Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die Förderung von Seiten der Jade Hochschule, welche die Beschäftigung der im Rahmen des Projektes tätigen studentischen Hilfskräfte Helen Eggers, Katharina Pape, Kristina Rajf und Lisa Rodenberg finanzierte. Ohne die Beteiligung der studentischen Hilfskräfte wäre die Durchführung des Projektes in dieser Form nicht möglich gewesen. Auch ihnen gebührt unser herzlicher Dank!

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Absolventinnen und Absolventen der einzelnen Fachbereiche in der Regelstudienzeit

Abbildung 2: Gründe für eine Verlängerung des Studiums in ausgewählten Studiengängen

Abbildung 3: Studienverlauf und Module des B. A. Wirtschaft

Abbildung 4: Studienverlauf und Module des B. A. Tourismuswirtschaft

Abbildung 5: Studienverlauf und Module des B. A. Medienwirtschaft und Journalismus

Abbildung 6: Alterskohorten

Abbildung 7: Abschlussnoten der Hochschulzugangsberechtigung (HZB-Note)

Abbildung 8: Fachsemester zum Zeitpunkt der Befragung

Abbildung 9: Alterskohorten der Studierenden nach Geschlecht

Abbildung 10: Berufsausbildung nach Geschlecht

Abbildung 11: Studiengangsbelegung nach Geschlecht

Abbildung 12: Art der Hochschulzugangsberechtigung nach Studiengang

Abbildung 13: Berufsausbildung nach Studiengang

Abbildung 14: Art der Hochschulzugangsberechtigung nach Geschlecht

Abbildung 15: Zufriedenheit mit Studienverlauf in Schulnoten

Abbildung 16: Empfundener Schwierigkeitsgrad des Studiums in Schulnoten

Abbildung 17: Empfundener Schwierigkeitsgrad des Studiums nach Studiengang

Abbildung 18: Anzahl Studierender mit offenem/absolviertem Praxissemester nach Fachsemester

Abbildung 19: Subjektive Bedeutung eines zügigen Studienabschlusses

Abbildung 20: Subjektive Bedeutung eines zügigen Studienabschlusses nach Studiengang

Abbildung 21: Gründe der Nichtbefolgung des Studienverlaufsplans

Abbildung 22: Informationsfluss an der Jade Hochschule

Abbildung 23: Zukunftspläne: Vorhandene Orientierung/Vorstellung bezüglich des weiteren Karrierepfades nach Studiengängen

Abbildung 24: Bedeutung eines schnellen Studienabschlusses für die Studierenden

Abbildung 25: Stellenwert des Studiums im Leben der Studierenden

Abbildung 26: Handynutzung in der Hochschule

Abbildung 27: Prokrastination

Abbildung 28: Ursachen für das Überschreiten der Regelstudienzeit in absoluten Häufigkeiten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ursachen einer Studienverzögerung nach Fries/Steinitz

Tabelle 2: Ursachen für eine Studienverzögerung nach Terbuyken

Tabelle 3: Sechs Fachbereiche der Jade Hochschule

Tabelle 4: Zahlen des Fachbereichs Wirtschaft für das Jahr 2014

Tabelle 5: Studiengangsportfolio des Fachbereichs Wirtschaft

Tabelle 6: Zahlen des Fachbereichs Wirtschaft für das Jahr 2014

Tabelle 7: Interviewte Studierende nach Fachbereich und Gruppe

Tabelle 8: Soziodemografische Merkmale (qualitative Interviews)

Tabelle 9: Externe Restriktionen (qualitative Interviews)

Tabelle 10: Schwierigkeitsgrad des Studiums und Terminierung der Prüfungen

Tabelle 11: Nutzung der Tutorien

Tabelle 12: Die bewusste Entscheidung

Tabelle 13: Interessen, Präferenzen und Charakteristika der Studierenden

Tabelle 14: Vorlesungsbesuch und Effektivität des Lernens

Tabelle 15: Prokrastination von Klausuren (Langzeitstudierende)

Tabelle 16: Prokrastination von Klausuren (Überschreiter)

Tabelle 17: Wie zufrieden sind Sie mit der Gesamtsituation Ihres Studiums?

Tabelle 18: Veranstaltungen für die Verteilung der Fragebögen

Tabelle 19: Zusammensetzung der befragten Studierenden

Tabelle 20: Praxissemester, Auslandssemester und Bachelor-Arbeit im Überblick

Tabelle 21: Variable Tatsächliche Überschreiter nach Fachsemester

Tabelle 22: Variable Prognostizierte Überschreiter nach Fachsemester

Tabelle 23: Durchschnittlich absolvierte Module pro Präsenzsemester

Tabelle 24: Überschreiter laut Selbsteinschätzung nach Fachsemester

Tabelle 25: Überschreiter laut Selbsteinschätzung vs. Prognostizierte Überschreiter

Tabelle 26: Tatsächliche Überschreiter nach Studiengang

Tabelle 27: Prognostizierte Überschreiter nach Studiengang

Tabelle 28: Überschreiter laut Selbsteinschätzung nach Studiengang

Tabelle 29: Prognostizierte Überschreiter nach Geschlecht

Tabelle 30: Tatsächliche Überschreiter nach Geschlecht

Tabelle 31: Prognostizierte Überschreiter nach abgeschlossener Berufsausbildung

Tabelle 32: Prognostizierte Überschreiter nach Finanzierungsproblem

Tabelle 33: Tatsächliche Überschreiter nach Finanzierungsproblem

Tabelle 34: Prognostizierte Überschreiter nach Job/Nebenjob zum Geldverdienen

Tabelle 35: Prognostizierte Überschreiter nach Job/Nebenjob für den Lebenslauf

Tabelle 36: Prognostizierte Überschreiter nach Krankheiten/Unfällen

Tabelle 37: Prognostizierte Überschreiter nach externen Restriktionen

Tabelle 38: Multivariate Analyse 01 (Binär Logistische Regression)

Tabelle 39: Der Einfluss der Klausurterminierung auf das Überschreiten der Regelstudienzeit

Tabelle 40: Prognostizierte Überschreiter nach empfundenem Schwierigkeitsgrad des Studiums

Tabelle 41: Überschreiter laut Selbsteinschätzung nach empfundenem Schwierigkeitsgrad

Tabelle 42: Prognostizierte Überschreiter nach regelmäßigem Tutoriumsbesuch

Tabelle 43: Prognostizierte Überschreiter nach Nutzung von Hilfestellungen der Fachbereiche

Tabelle 44: Einfluss des Erhalts aller Informationen auf das Überschreiten der Regelstudienzeit

Tabelle 45: Multivariate Analyse 02

Tabelle 46: Prognostizierte Überschreiter nach Zukunftsplänen

Tabelle 47: Prognostizierte Überschreiter nach Wichtigkeit der Studiengeschwindigkeit

Tabelle 48: Prognostizierte Überschreiter nach subjektiver Bedeutung guter Noten

Tabelle 49: Prognostizierte Überschreiter nach Stellenwert des Studiums im Leben

Tabelle 50: Stellenwert des Studiums bei Ausübung eines Nebenjobs zum Geldverdienen

Tabelle 51: Prognostizierte Überschreiter nach langen Anfahrtswegen

Tabelle 52: Prognostizierte Überschreiter nach langen Wochenendheimfahrten

Tabelle 53: Kreuztabelle Prüfungsangst und psychische Belastungen

Tabelle 54: Prognostizierte Überschreiter nach Prüfungsangst

Tabelle 55: Überschreiter laut Selbsteinschätzung nach Prüfungsangst

Tabelle 56: Prognostizierte Überschreiter nach psychischen Belastungen

Tabelle 57: Multivariate Analyse 03

Tabelle 58: Anzahl Hochschulsemester nach systematischer Vorlesungsnachbereitung

Tabelle 59: Prognostizierte Überschreiter nach systematischer Vorlesungsnachbereitung

Tabelle 60: Überschreiter laut Selbsteinschätzung nach systematischer Vorlesungsnachbereitung

Tabelle 61: Prognostizierte Überschreiter nach Verständnisschwierigkeiten

Tabelle 62: Systematische Nachbereitung bei Vorliegen von Verständnisschwierigkeiten

Tabelle 63: Prognostizierte Überschreiter nach eigenständiger Aufarbeitung fehlenden Vorwissens

Tabelle 64: Prognostizierte Überschreiter nach Angst vor einzelnen Scheinen

Tabelle 65: Überschreiter laut Selbsteinschätzung nach Problemscheinen

Tabelle 66: Prognostizierte Überschreiter nach Handynutzung

Tabelle 67: Multivariate Analyse 04

Tabelle 68: Prognostizierte Überschreiter nach Bestehen/Nichtbestehen von Klausuren

Tabelle 69: Überschreiter laut Selbsteinschätzung nach Bestehen/Nichtbestehen von Klausuren

Tabelle 70: Prokrastination nach Bestehen/Nichtbestehen von Klausuren

Tabelle 71: Zusammenhang Prokrastination und Bestehen/Nichtbestehen von Klausuren

Tabelle 72: Prognostizierte Überschreiter nach Attribut Faulheit/Fleiß

Tabelle 73: Multivariate Analyse 05

Tabelle 74: Überblick über die Handlungsempfehlungen

Abkürzungsverzeichnis

Arbeitsorga. Arbeitsorganisation
BWL Betriebswirtschaftslehre
B. A. Bachelor of Arts
CP Credit Points
EvaSyS Evaluationssoftware für automatisierte Befragungen
FB Fachbereich
HZB Hochschulzugangsberechtigung
mind. mindestens
MIT Management, Information, Technologie (Fachbereich)
MWJ Medienwirtschaft und Journalismus
SAP Unternehmen (Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung)
SPSS Marke der Softwarefirma IBM (Statistik- und Analyse-Software, Statistical Package for the Social Sciences)
VL Vorlesung
Wiss. Arbeiten Wissenschaftliches Arbeiten

1. Einleitung

Wenn Studierende zu Langzeitstudierenden werden, ist dies zumeist ein Ärgernis für die betroffene Hochschule, weil Ressourcen gebunden werden, für das Land, weil es die Studienplätze finanzieren muss, und auch für die Studierenden selbst, weil die Studierenden erstens (abhängig von den Regeln des Landes) Langzeitstudierendengebühren zahlen müssen und zweitens, weil die erhöhte Dauer des Studiums sich negativ auf ihre weiteren Karrierechancen auswirkt. Es ist erwiesen, dass Verzögerungen im Studium eine erheblich negative Auswirkung auf das Gehaltsniveau der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer1 haben. So zeigt eine Studie von Brodaty et al. (2009) bei der Befragung von ca. 27.000 jungen Menschen, dass ein Jahr Verzögerung im Studium im Durchschnitt einen 9-prozentigen Rückgang der Lohnhöhe in den ersten fünf Jahren bewirkt. Die Gründe sind schnell erklärt: Arbeitssuchende erwerben mit dem Studienabschluss spezielle Merkmale, die relevante Informationen über ihre Fähigkeiten in Form von Zertifikaten als Signale an die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber senden. Die Arbeitgeber_innen können mit den Informationen, die sie aus den Zertifikaten gewinnen, die Arbeitssuchenden auswählen, die ihren Bedürfnissen am nächsten kommen. Mit einem Hochschulabschluss signalisieren die Arbeitssuchenden einschlägige Fähigkeiten, Intelligenz und spezielle Fachkenntnisse. Eine kurze Studiendauer spricht zudem für Disziplin und Zielstrebigkeit der Absolvent_innen. Noch problematischer ist es für die Karriere von Studierenden, wenn sie ihr Studium ungewollt vorzeitig abbrechen müssen.

Das Forschungsprojekt soll die Ursachen für Überschreitungen der Regelstudienzeit sowie für ungewollte Studienabbrüche mittels einer empirischen Analyse an den Fachbereichen MIT und Wirtschaft der Jade Hochschule analysieren. Ziel ist es, aus der Ursachenanalyse konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten, welche der Hochschule und den Studierenden helfen sollen, ein Überschreiten der Regelstudienzeit oder einen ungewollten Abbruch zu vermeiden. Zielgruppen der Analyse sind dabei insbesondere Studierende mit voraussichtlich deutlicher Überschreitung der Regelstudienzeit sowie Langzeitstudierende.

Das Projekt ist im Mehrmethodendesign durchgeführt worden. In der ersten qualitativen Phase wurden mithilfe von leitfadengestützten Interviews (Hinter-)Gründe und Ursachen der Schwierigkeiten, ein Studium erfolgreich in Regelstudienzeit abzuschließen, erforscht. Ziel hierbei war es, ein tiefgehendes Verständnis für das Überschreiten der Regelstudienzeit zu entwickeln und entsprechende Hypothesen für die quantitative Analyse zu generieren. Die Interviewten wurden von den im Rahmen des Projektes beschäftigten Studierenden befragt. Die Befragten setzten sich zusammen aus Langzeitstudierenden, Studierenden, welche die Regelstudienzeit voraussichtlich überschreiten werden, und einer Kontrollgruppe, die die Regelstudienzeit höchstwahrscheinlich einhalten wird. In der zweiten Phase des Projektes sind die herausgefundenen möglichen Ursachen in einer Pencil- and Paper-Befragung untersucht worden, um die wesentlichen Gründe quantifizieren zu können. Aus der Ursachenanalyse wurden zum Schluss konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Das Forschungsprojekt wurde unter Mitarbeit von studentischen Hilfskräften der Fachbereiche Wirtschaft und MIT durchgeführt. Diese waren sowohl an der konzeptionellen Entwicklung der Untersuchung beteiligt als auch an der Analyse und der Erstellung des Abschlussberichts.

Im vorliegenden Bericht werden in Kapitel 2 die wesentlichen Konzepte und Definitionen erläutert. In Kapitel 3 wird zur Einordnung in den Stand der Forschung ein Überblick über ähnliche Studien an anderen Hochschulen gegeben. In Kapitel 4 werden die Situation an der Jade Hochschule sowie der Aufbau der untersuchten Studiengänge erläutert. In Kapitel 5 werden die Vorgehensweise und Ergebnisse der qualitativen Analyse aufgeführt. Die quantitative Analyse wird in Kapitel 6 präsentiert. Der Bericht schließt mit wesentlichen Handlungsempfehlungen (Kapitel 7) und einem Fazit mit Ausblick (Kapitel 8).

1. Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wird nicht immer ausdrücklich in geschlechtsspezifischen Personenbezeichnungen differenziert. So wird zum Beispiel die Gruppe der „Überschreiter“ im Text defmiert. Die gewählte männliche Form schließt eine adäquate weibliche Form gleichberechtigt ein, um die Lesbarkeit zu erleichtern. Weitestgehend wird jedoch eine gendergerechte Formulierung verwendet.

2. Die zentralen Definitionen der Studie

Im Rahmen der Studie stellen Studierende, welche die Regelstudienzeit deutlich überschreiten, für die Studie die zentrale Gruppe dar. Die Regelstudienzeit wird innerhalb der Prüfungsordnung für jeden einzelnen Studiengang festgelegt. In der Hochschulstatistik der Jade Hochschule werden Studierende im Bachelor-Studiengang dann als Langzeitstudierende aufgeführt, wenn ihre Regelstudienzeit um sechs Semester überschritten wird. Befinden sich die Studierenden in einem Master-Studiengang, so gelten sie als Langzeitstudierende, wenn sie die Regelstudienzeit zusätzlich um das Doppelte der Regelstudienzeit des Master-Studiengangs überschreiten. In diesen Fällen zahlen die Studierenden Langzeitstudiengebühren. Eine Liste von 151 Studierenden mit Langzeitstudiengebühren stand im Rahmen des Projekts zur Verfügung. Alle Studierenden auf dieser Liste wurden per E-Mail persönlich angeschrieben, um sie für ein Interview zu gewinnen.

Dass sich nur wenige Studierende auf dieses persönliche Anschreiben melden würden, wurde vorab vom Autorenteam erwartet. Hierfür lassen sich mehrere Gründe anführen:

Das E-Mail-Postfach der Hochschule wird nicht mehr aufgerufen, da das Studium nicht mehr Lebensmittelpunkt der Studierenden ist.

Die Ursachen für das Langzeitstudium sehen die Studierenden als ihre Privatsache an, möglicherweise empfinden sie diese als peinlich.

Die Studierenden geben der Hochschule eine Mitschuld und verweigern daher die Ko-operation.

Die Studierenden sehen die Ursachen im privaten Bereich und denken daher, dass sie in einem Interview dem Projektziel nicht dienlich sein können.

Die Studierenden bringen zu wenig Interesse für dieses Thema auf, um sich zu einem persönlichen Gespräch bereit zu erklären.

Die Studierenden haben Bedenken, sich für den Verlauf ihres Studiums und den damit verbundenen getroffenen Entscheidungen rechtfertigen zu müssen.

Ähnlich angelegte Studien wie beispielsweise die von Fries/Steinitz (2003) haben bei ihren Befragungen Langzeitstudierender ebenfalls nur eine geringe Anzahl an Rückmeldungen auf persönliche Anschreiben (in ihrer Studie fünf Rückmeldungen) erhalten.

In der Auswertung für die vorliegende Studie wurden daher alle Studierenden, die das elfte Hochschulsemester erreicht oder überschritten haben, bereits in die Gruppe „Langzeitstudierende (im weiteren Sinne)“ eingestuft.

„Langzeitstudierende im engeren Sinne“ sind im Folgenden definiert als jene Studierende, welche Langzeitstudiengebühren an das Land Niedersachsen zahlen. Sie wurden alle persönlich per E-Mail angeschrieben.

Von den Langzeitstudierenden im engeren Sinne konnten sechs für ein qualitatives Interview und zwölf für ein quantitatives Interview gewonnen werden.

Die Anzahl der Langzeitstudierenden, die an der Befragung teilnahmen, ist für eine statistisch abgesicherte Ursachenforschung zu klein. Daher wurde auch die Gruppe der Studierenden, die bereits außerhalb der Regelstudienzeit studieren oder kennen lassen, dass sie die Regelstudienzeit deutlich überschreiten oder ihr Studium nicht erfolgreich beenden (ungewollter Abbruch) werden, in die Analyse einbezogen.

Studierende, welche die Regelstudienzeit voraussichtlich um einige Semester überschreiten werden, jedoch noch keine Langzeitstudierende sind und dies möglicherweise auch nicht werden, werden im Folgenden als die Gruppe der „Überschreiter“ beschrieben. Es handelt sich hierbei um Studierende, die sich im siebten bis zehnten Semester befinden.

Als Kontrollgruppe wurden diejenigen Studierenden befragt, die ihr Studium voraussichtlich in der Regelstudienzeit absolvieren werden. Diese dienen als Vergleichsgruppe, um mögliche Unterschiede zwischen dieser Gruppe und den Gruppen der Überschreiter und der Langzeitstudierenden aufzudecken.

Nicht separat befragt werden konnten im Rahmen der Studie tatsächliche Studienabbrecher_innen. Gründe für einen ungewollten Studienabbruch können sich daher nur aus den Antworten jener Studierenden ergeben, welche die Regelstudienzeit überschreiten und dabei Schwierigkeiten mit einem zügigen Studienabschluss aufweisen. Die Gruppen der ungewollt die Regelstudienzeit überschreitenden und der vorzeitig abbrechenden Studierenden werden dabei als homogen unterstellt.

3. Die Einordnung in den Stand der Forschung

3.1 Empirische Analysen zu Erfolgsfaktoren im Hochschulstudium

In Deutschland gibt es bereits empirische Untersuchungen zu den Erfolgsfaktoren eines Hochschulstudiums. So haben Giese et al. (2013) mit einem Datensatz von 263 Studierenden der Betriebswirtschaft an der jetzigen Ernst-Abbe-Hochschule Jena herausgefunden, dass die Studienabschlussnote von der in der allgemeinbildenden Schule erreichten Durchschnitts-Schulnote, der Einhaltung der Regelstudienzeit und einer eventuellen Tätigkeit als studentischer Hilfskraft abhängt. Es ist zu vermuten, dass insbesondere die Hochschulzugangsberechtigungsnote (HZB-Note) auch einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, in den untersuchten Fächern an der Jade Hochschule die Regelstudienzeit deutlich zu überschreiten.

Auch zum Thema Langzeitstudium wurden an anderen Hochschulen bereits Untersuchungen durchgeführt. Allerdings sind die den Verfassern dieses Berichtes vorliegenden Studien bereits älteren Datums. Konkret stehen für Vergleiche die Daten des Fachbereichs Wirtschaft der Fachhochschule Hannover aus dem Jahr 2002 (Bienert, 2002), der evangelischen Fachhochschule Hannover des Jahres 2005 (Terbuyken, 2005) sowie des Institutes für deutsche Sprache und Linguistik der Humboldt-Universität der Jahre 2001/2002 zur Verfügung (Fries/Steinitz, 2003). Diese Studien unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten von der vorliegenden Studie. Die Ergebnisse von Bienert (2002) beziehen sich nur auf einen Fachbereich, die Ergebnisse von Terbuyken (2005) und Fries/Steinitz (2003) sogar ausschließlich auf einzelne Studiengänge, namentlich auf Sozialwesen und Germanistische Linguistik.

3.2 Die Studie des Fachbereichs Wirtschaft der Fachhochschule Hannover

Die Arbeitsgruppe der Studie „BWL-Studium in Regelstudienzeit? – Eine empirische Untersuchung der Gründe langer Studienzeiten am FB Wirtschaft der Fachhochschule Hannover“ hat zum Projektstart in mehreren Sitzungen durch Auswertung diverser Sekundärmaterialen wie z. B. Vordiplome/Diplome und Prüfungsergebnisse eine Reihe von Kernhypothesen aufgestellt (vgl. Bienert, 2002). Diese wurden in einer Befragung von Studierenden im Hauptstudium überprüft. Es wird im Bericht zur Studie außerdem von einer vorangehenden Befragung aus dem Januar 2002 gesprochen, an der N (Anzahl) = 122 Befragte teilgenommen haben. Diese wurde zu Vergleichszwecken von Bienert (2002) ebenfalls herangezogen und beschrieben. In der eigentlichen Befragung – durchgeführt im Juni 2002 – erhielt die Arbeitsgruppe einen Rücklauf der Fragebögen von N = 144. Die Fragebögen wurden in einem Befragungszeitraum von drei Wochen direkt in den Veranstaltungen ausgeben und im Sekretariat zur Mitnahme ausgelegt.

Die Befragten im Januar waren zu 57 Prozent männlichen Geschlechts, studierten überwiegend Wirtschaft und befanden sich zumeist im vierten bis siebten Fachsemester. Auch die Altersstruktur wurde abgefragt. Die Junibefragung wies ebenfalls einen männlichen Anteil der Befragten von 57 Prozent auf, welche zum Großteil im Studiengang Wirtschaft und im Studiengang BWL studierten. Außerdem wurden die Studierenden zu ihrem Alter und zu ihrem Vordiplom befragt. Folgende fünf Kernhypothesen wurden von Bienert (2002) mit dieser Stichprobe überprüft.

Wenn die Studierenden mit einem Engpass-/Angstschein oder einer als subjektiv empfundenen besonders schweren Prüfung konfrontiert werden, dann trägt dies maßgeblich zur Verlängerung des Studiums bei.

Diese Hypothese wurde bestätigt. Bienert (2002) kommt zum Schluss, dass Problem-scheine eine studienverlängernde Wirkung haben. Für drei Viertel der Studierenden existieren diese Problemscheine und verhindern einen flüssigen Studienverlauf.

Wenn neben dem Studium zur Finanzierung des Lebensunterhalts einer Nebentätigkeit nachgegangen wird, dann kommt es eher zu einem Langzeitstudium.

Diese Hypothese wurde nicht bestätigt. Ca. 80 Prozent der befragten Studierenden gehen neben ihrem Studium einer Nebentätigkeit nach, und zwar sowohl in den Semesterferien als auch während der Vorlesungszeit. Es besteht jedoch trotz der vermeintlich hohen Arbeitsbelastung kein statistischer Zusammenhang mit einer verlängerten Studienzeit. Die Selbsteinschätzung der Studierenden ergibt, dass nur ca. ein Viertel von ihnen eine studienverlängernde Wirkung von Nebenjobs wahrnimmt.

Wenn das Studium als Quereinstieg begonnen wird, dann ist ein Langzeitstudium wahrscheinlicher (Quereinsteiger_innen studieren länger).

Diese Hypothese wurde ebenfalls nicht bestätigt. Es wird festgehalten, dass unabhängig davon, ob es sich um eine Erstimmatrikulation oder um einen Quereinstieg handelt, 50 Prozent der Studierenden der Meinung sind, ihr Studium in der Regelstudienzeit zu absolvieren. Es wurde somit kein statistischer Zusammenhang nachgewiesen.

Wenn sozialen Faktoren ein höherer Stellenwert gegenüber studiumsfokussierter Lebensausrichtung zugestanden wird, dann wird sich das Studium verzögern.

Diese Hypothese wurde eingeschränkt bestätigt. Bienert (2002) weist nach, dass für Studierende, die in der Regelstudienzeit ihr Studium abschließen, gute Noten und eine geringe Studiendauer von großer Bedeutung sind. Studierende, welche die Regelstudienzeit überschreiten, sprechen wiederum den sozialen Dingen im Leben einen hohen Stellenwert zu. Dies sei jedoch für die Hochschule ein externer Faktor, der von ihr nur schwer beeinflussbar sei.

Wenn die Studierenden ein schlechtes Prüfungsmanagement aufweisen, dann kommt es eher zum Fall eines Langzeitstudiums.

Die Hypothese konnte bei der Auswertung der Daten bestätigt werden. Bienert (2002) zeigt, dass Regelstudienzeit-Studierende eine bessere Prüfungsplanung und -durchführung aufweisen. Sie fühlen sich besser informiert als Studierende, welche die Regelstudienzeit überschreiten. Bienert (2002) hält fest, dass eine Verbesserung des Prüfungsmanagements im gesamten Fachbereich nötig sei. In der Junibefragung wurde deutlich, dass 43 Prozent der Befragten die Transparenz der Prüfungsanforderungen und Prüfungsvorbereitung nur mit mittelmäßig und 13,5 Prozent sogar mit schlecht bewerten würden, obwohl die Gesamtheit der Studierenden dies als einen sehr wichtigen Faktor für ein flüssiges Studium erachtet.

3.3 Die Studie im Magister-Studium Germanistische Linguistik des Instituts für deutsche Sprache und Linguistik der ...

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