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Urban Fantasy mal 3

Hendrik M. Bekker

Urban Fantasy mal 3

Nights of New York - Der Aufstand/ McGrath, magische Ermittlungen aller Art/ Thanatos





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Urban Fantasy mal 3

von Hendrik M. Bekker

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Dieses Ebook enthält folgende Erzählungen und Romane:

Nigthts of New York: Aufstand

McGrath - Magische Ermittlungen aller Art

McGrath 2: Thanatos

Der Umfang dieses Ebook entspricht 131 Taschenbuchseiten.

Nights of New York: Aufstand

  1. Prolog

„Mögen eure Seelen Frieden im Jenseits finden“, waren die letzten Worte, die die vier Werwölfe hörten, bevor sie von den Silberkugeln einer P90 zerfetzt wurden.

Paladin Uriel Calvin stand da und betrachtete sein Werk. Er hatte die Werwölfe den ganzen Abend beobachtet, wie sie Kisten verluden. Er strich seinen weißen Mantel glatt und begann die Kisten zu öffnen. Sie enthielten alle Gewehre eines ihm unbekannten Modells, weshalb er eins mitnahm. Er begann in der alten Fabrikhalle nach etwas zu suchen, was ihn weiterbringen würde und nach einer Weile wurde er fündig. Es war eine Liste mit Anfahrtszeiten, wann Lieferungen ankommen würden. Zudem war ein Zettel angeheftet, was sich in den Lieferungen befinden würde. Er war überrascht. Statt der erwarteten Waffen verschiedenster Art, wie man sie sonst bei Waffenschmugglern fand, standen hier auch militärische Güter aufgelistet. Sprengstoff und Granaten zum Beispiel.

„Ich werde nicht schlau daraus“, gab Uriel zu.

„Mach dir nichts draus. Wir haben unsere Aufgabe erfüllt“, erwiderte Marina Siegmund. Sie hatte kurzes schwarzes Haar und trug ein ärmelloses T-Shirt zu ihrer Jeans. Sie saßen gemeinsam in ihrem Wagen.

„Waffenschmuggel ist ja gewissermaßen normal, aber die Menge beunruhigt mich“, redete er weiter, als ob er sie nicht gehört hätte. „Wenn man dem Frachtbrief glaubt, dann haben die Werwölfe in den letzten Monaten Waffen für eine kleine Armee nach New York geschafft.“

„Das würde eine Organisation voraussetzen, die sie nicht besitzen“, erwiderte Marina überzeugt und schlürfte an ihrem dampfenden Kaffee. Uriel nickte, war aber nicht überzeugt. Seine Vorgesetzten predigten dasselbe wie Marina. Die Kreaturen, die Werwölfe und Vampire, wären nur triebgesteuerte, von Dämonen kontrollierte Bestien. Nicht sehr intelligent und auch nicht im großen Stil organisiert. Aber Uriel war schon lange genug dabei, um die inoffizielle Version zu kennen. Um sich ihr gegenüber nicht zu verschließen.

Die Vampire waren sehr wohl organisiert, genau wie die Werwölfe. Nach allem was Uriel wusste, hatte ein hundertjähriger Krieg zwischen den beiden Rassen geherrscht. Es hatte keinen eindeutigen Sieger gegeben und seit einem Jahrhundert herrschte kein offener Krieg mehr. Bis auf einzelne Auseinandersetzungen war dieser Frieden wohl noch existent.

„Vielleicht hast du Recht“, erwiderte er, um sie zufrieden zu stellen. Marina war streng gläubige Jägerin. Eine der wenigen Jägerinnen im Dienste des Vatikan. Uriel stieg aus dem Wagen aus und verabschiedete sich von ihr. Langsam schlenderte er zu seiner Wohnung. Er war selten hier. Als er hörte, wie Marina wegfuhr, blickte er ihr einen Moment nach, bis sie um die Ecke verschwand. Dann drehte er sich um und ging in eine andere Richtung. Es gab Fragen, die eine Antwort verlangten, noch heute Nacht.

Kapitel 1: Puzzlestücke

Jack Valentine schloss die Augen und nippte an dem Whisky. Die letzten Tage waren hart gewesen. Es gab eine Menge zu regeln, und die Stadt hatte sich verändert. Sein Werwolf-Freund Chris Sanders hätte gesagt, sie rieche anders. Jack hatte zwar verbesserte Sinne, aber seiner Meinung nach hatten schlicht die Abgase in der Luft zugenommen. Aber die Machtverhältnisse hatten sich stark geändert. Der Hohe Rat, die Anführer der Vampir-Clans, hatte die Stadt in den letzten Tagen des Hundertjährigen Krieges erbeutet. Die Stadt war zu ihrem Stammsitz geworden. Seitdem war die Bürokratie mehr geworden. Er hatte drei Nächte damit verbracht alles zu regeln, sich beim Grafen anzumelden, registrieren zu lassen und als erstes überhaupt dort empfangen zu werden. Alles nur, damit er unter den Menschen dieser Stadt jagen durfte. Verdammte Bürokratie, ging es ihm durch den Kopf. Er bevorzugte inzwischen zwar, wie seine Schwester Juliana, aus Blutbeuteln zu trinken anstatt Menschen direkt auszusaugen, aber trotz allem hatte er sich anmelden müssen. Er wollte immerhin einen guten Eindruck machen, man wollte ihm seine alte Stellung wiedergeben, freier Mitarbeiter bei der Vampire Police, einer Einheit der Vampire, die sich um Recht und Ordnung in den Nächten New Yorks kümmerte. Sie wurde oft scherzhaft Vampice genannt.

Er begann einzudösen. Ein plötzliches Geräusch ließ ihn hochfahren. Als er aufblickte, sah er eine Frau, die langsam aus dem Schatten seines Zimmers trat.

Nein, korrigierte er sich in Gedanken, der Schatten schien von ihr abzuperlen. Sie sah aus als wäre sie um die 20 Jahre alt und war japanischer Abstammung. Ihre langen schwarzen Haare fielen ihr bis auf den Rücken. Sie hatte einen Ledermantel über ihrer Jeans und ihrem schwarzen Top an.

„Wie lange stehst du schon da?“, fragte Jack, der wusste, wie gut sich die junge Vampirin vom Clan der Tiang Sha in einem Schatten verbergen konnte.

„Ein paar Minuten“, erwiderte diese und setzte sich auf das kleine Sofa im Raum. Sie legte ihren Mantel neben sich und Jack konnte Dank ihres ärmellosen Tops ihre Tätowierungen sehen. Er kannte Yoshiko Kobayashi nun schon fast 15 Jahre, und doch wusste er immer noch nicht, was das Geheimnis ihrer Tätowierungen war. Es waren Rosenranken, die, soweit er sehen konnte, den größten Teil ihres Körpers bedeckten. Das Seltsame an ihnen war, dass sie sich zu bewegen schienen, wenn man nicht genau hinsah. Jedes Mal, wenn er Yoshiko begegnete, hatte sich das Muster verändert.

„Was führt dich zu mir?“, fragte er.

„Wir müssen reden“, erwiderte sie nur und sah ihn ernst an. Jack zog eine Augenbraue fragend hoch, unterbrach sie aber nicht.

„Du bist doch mit diesem Werwolf befreundet, diesem Sanders, der bei der W.S.S. arbeitet“, begann sie und fuhr nach seinem Nicken fort. „Hat er in den letzten Nächten unruhig gewirkt?“

„Nein, ich habe ihn erst gestern getroffen, und er benahm sich wie immer“, erwiderte Jack. „Wieso fragst du?“

Die W.S.S. war ein privater Sicherheitsdienst, es war die Leibgarde des Werwolfalpha, des Anführers aller Rudel. Er residierte seit Langem in New York.

„Ich ziehe in letzter Zeit immer wieder mit Maxwell Tyler herum“, begann sie, doch Jack unterbrach sie.

„Der ist in der Stadt?“, fragte er besorgt. Maxwell Tyler war Jack nicht unbekannt. Er war dem Fenris-Wolf schon dreimal begegnet, zweimal war danach etwas Schlimmes passiert. Maxwell nannte sich einen Chronisten, er sammelte Wissen über alles, was geschah. Wenn er in der Stadt war, da war sich Jack sicher, dann würde es Ärger geben.

„Ja, ist er, schon seit letzter Woche, glaube ich“, erwiderte Yoshiko und fuhr fort. „Er behauptet, dass es Gruppierungen gäbe, die ‚Veränderungen anstreben würden‘, und er wollte dabei sein und aufzeichnen, was er erfahren könnte.“

„Und was spielt mein Kumpel Chris für eine Rolle?“, fragte Jack.

„Nicht er direkt, aber Maxwell sprach davon, dass seine Art ein treibender Faktor wäre“, erklärte Yoshiko. „Da dein Freund nunmal ein Werwolf ist und Maxwell ebenfalls, hätte es ja sein können, dass dein haariger Freund eine Bemerkung gemacht hat. Er ist immerhin bei der W.S.S., da dürfte er recht gut informiert sein.“

„Nein, aber ich werde ihn darauf ansprechen“, sagte Jack nachdenklich. Es wunderte ihn, dass Maxwell Yoshiko einen Hinweis gegeben hatte. Das war nicht seine Art. Maxwell hatte sicher schon so manches Reich untergehen sehen und er hatte oft Wissen besessen, das vielleicht ganze Zivilisationen vor dem Untergang gerettet hätte, doch meist hatte er geschwiegen. Er pflegte auf die Vorwürfe, die man ihm immer wieder an den Kopf warf, zu antworten, er würde die Geschichte niederschreiben als ein Beobachter, Zuschauer, nicht wie ein Akteur.

„Ich muss dann mal weiter. Sag, wenn du was herausbekommst“, sagte Yoshiko, während sie aufstand und sich ihren Mantel überwarf.

„Okay, was hältst du davon, wenn wir mal wieder losziehen?“, fragte er sie, während sie zum offenen Fenster seiner Wohnung im zwölften Stock ging. „Ich war lange nicht in der Stadt, wir könnten mal wieder um die Häuser ziehen wie früher.“

„Gerne“, erwiderte sie und lächelte ihn an. „Ist schön, dich wieder in der Stadt zu wissen. Es gibt wenige hier, denen man wirklich trauen kann.“

Mit diesen Worten sprang sie aus dem Fenster. Als er nach draußen sah, war niemand zu sehen. Er würde sich nie an ihre Art gewöhnen. Sie kam und ging, wann es ihr gefiel und wie es ihr gefiel.



Einige Stunden später saß Jack mit zwei Bechern Kaffee im Central Park auf einer abgelegenen Bank und betrachtete den Sternenhimmel. Er blickte auf die Uhr. Chris war recht spät. Auf einmal nahmen seine übermenschlichen Sinne etwas wahr, was einen starken Fluchtwunsch in ihm hochkommen ließ. Es war ein Reflex, der den Vampiren im Blut lag. Aus dem Geäst kam ein riesiger Wolf. Wäre er aufrecht gegangen, wäre er sicher 2,50 m groß gewesen. Unter seinem Fell konnte man starke Muskeln erkennen. Er kam langsam auf Jack zu und zog die Lefzen hoch, so dass man sein gewaltiges Gebiss sehen konnte. Jack zweifelte nicht daran, dass ein einziger kräftiger Biss ihn das Bein kosten könnte.

„Bist spät dran, Junge“, sagte er und stand auf. Der Werwolf verzog das Gesicht und krümmte sich, während man das Knacken von Knochen hörte. In Minutenschnelle verwandelte er sich in einen jungen Mann um die 30 mit langem schwarzen Haar und einem Gesicht, das ihm etwas von einem Adeligen gab. Nach der Verwandlung stand er nackt, den Rücken Jack zugewandt, da, der ihm eine Tasche reichte. In ihr war Kleidung, da er wusste, dass Sanders nach seiner Rückverwandlung nackt war. Nach einer Weile trat Chris Sanders aus dem Schatten, nun mit einer schwarzen Jeans und einem dunklen Hemd bekleidet.

„Tut mir leid, dass du warten musstest, aber es gab einen Unfall und ich musste einen Umweg gehen, um nicht gesehen zu werden“, entschuldigte sich Chris. Er setzte sich auf die Bank und nahm einen der Kaffee-Becher.

„Du wolltest mich sprechen?“, fragte er, nachdem er einige Schlucke getrunken hatte.

„Ja“, erwiderte Jack und trank ebenfalls von seinem Kaffee. „Ich habe gehört, dass die Werwölfe etwas planen“, bluffte er. Chris blickte ihn fragend an.

„Dann weißt du mehr als ich“, erwiderte dieser wahrheitsgemäß.

„Sicher, dass du nichts gehört hast?“, hakte Jack nach. „Mein Informant weiß im Allgemeinen mehr als die meisten von uns.“

„Tja, wenn du ihm mehr vertraust als mir, bitte“, erwiderte Chris und tat beleidigt. „Das Einzige, was wir in nächster Zeit planen, ist in ein paar Jahren einen neuen Rudel-Alpha zu wählen, mehr nicht.“

„Hmm...“, machte Jack und nippte an seinem Kaffee. Er glaubte Chris, aber Maxwell hatte sich nie geirrt. Wenn er in der Stadt war, dann hatte es einen Grund. Einen, der in den Geschichtsbüchern vermerkt werden würde.

„Maxwell Tyler ist in der Stadt“, sagte Jack dann endlich nach einer Weile. „Irgendwas ist im Gange, wenn er hier ist.“

„Und die Werwölfe sind beteiligt?“, fragte Sanders. Jack nickte langsam.

„Etwas in der Art deutete er einer Bekannten gegenüber an“, gab er zu. Sie schwiegen und hingen ihren Gedanken nach. Jack war verwirrt, seine Neugierde geweckt. Er hatte ein Puzzlestück bekommen, und es interessierte ihn das Bild zu sehen. Er blickte auf seine Uhr. Vier Stunden bis Sonnenaufgang.

„Tut mir leid, dass ich unser wunderbar einvernehmliches Schweigen breche, aber ich muss nach Hause, bald geht die Sonne auf“, erklärte er und stand auf. „Ich treffe mich noch mit meiner Schwester, dann gehen wir gemeinsam nach Hause.“

„Ist gut. Ich will dann auch mal weiter“, sagte Chris und streckte sich. „Unsereins muss arbeiten, und das leider bei Tage.“ Er gähnte.

„Tja, aber du kannst wenigstens die Sonne sehen“, erwiderte Jack. Er war nun knapp ein Jahrhundert alt, und seit dieser Zeit hatte er höchstens in Filmen einen Sonnenaufgang gesehen.

Nachdem er sich verabschiedet hatte, wandte er sich nach rechts und spazierte durch den Park. Bald kam eine Bank in Sicht, auf der eine Person saß. Sie hatte die Arme um die Beine geschlungen und wippte leicht vor und zurück.

Als er näher kam, blickte sie auf. Juliana Valentine blickte ihn aus verweinten Augen an. Ihr schulterlanges, schwarzes Haar fiel ihr ins Gesicht, über das noch immer einzelne Tränen liefen. Jack ahnte, was passiert war. Er setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm. Eine ganze Weile saßen sie schweigend so da. Er sagte nichts, sie würde erzählen, was passiert war, wenn sie es wollte und nicht eher. Jack wusste, dass es so war. So war es schon immer mit ihr gewesen.

„Er hat mich verlassen“, begann sie leise. Jack hatte es geahnt. Der Typ war ihm gleich unsympathisch erschienen. Seine Schwester begann zu erzählen, was geschehen war, und er hörte schweigend zu. Sie redete den ganzen Weg zurück zu ihrer gemeinsamen Wohnung.

Seine Schwester war ebenfalls ein Vampir. Allerdings waren sie nicht direkt verwandt. Ihre Eltern waren in ihrem fünften Lebensjahr gestorben. Seitdem kümmerte Jack sich um sie. Mit 18 hatte sie Jack dazu überredet, sie zu einem Vampir zu machen. Er hatte gezögert, aber sie hatte ihn wie immer überredet.

Nun lebten sie beide in New York und teilten sich eine Drei-Zimmer-Wohnung im zwölften Stock eines Hochhauses. In der Wohnung saß er noch einige Stunden bis weit nach Sonnenaufgang auf dem Sofa, und sie weinte sich an seiner Schulter aus. Nachdem sie vor Erschöpfung eingeschlafen war, legte er sich selbst hin und schloss die Augen. Während er langsam in einen unruhigen Schlaf wegdämmerte, dachte er über Yoshikos Worte nach.



Jack schreckte aus unruhigen Träumen hoch. Es waren die selben Träume wie immer in den letzten Jahrzehnten. Seine Träume waren blutig. Manchmal träumte er von seinen Taten in den beiden Weltkriegen, als die ganze Welt verrückt zu werden schien. Manchmal von anderen traumatischen Dingen. Er hatte in ihnen gekämpft, nicht für irgendeine Macht, nicht für ein Ideal, aber ums Überleben. Er war damals mit Mühe noch aus Europa rausgekommen. Er hatte sich eine Zeit lang vom „Tier“ beherrschen lassen, so nannten es die Vampire. Es war heutzutage verpönt, seinen niederen Jagd-Instinkten nachzugeben. Selbst Werwölfe hatten einen Kodex, der es ihnen verbat, der Bestie in sich nachzugeben. Sie seien mehr als triebgesteuerte Tiere, predigten die Ältesten und die ihrer Meinung nach Beherrschtesten.

Jack wusste es besser. Wenn der Hunger zu groß wurde, dann ließ man nach. Machte Platz und schaltete seinen Verstand ab. Er hatte es ein paar Mal getan um zu überleben, doch er bereute es noch immer. Er träumte sehr oft davon, wie er diese eine Bauernfamilie... Nein, sagte er sich selbst. Nicht mehr dran denken.

Er stand auf und nahm seinen Mantel, den er achtlos auf einen Stuhl gelegt hatte. Nach einem Moment, in dem er die Taschen durchforstete, zog er den gesuchten Flachmann heraus und nahm zwei große Schlucke. Immer noch mit der Flasche in der Hand blickte er in den Spiegel an seinem Schrank. Seine dunklen Dreadlocks fielen ihm ins Gesicht. Ich könnte mich mal wieder rasieren, ging es ihm durch den Kopf, während er sich so betrachtete. Inzwischen hatte er einen leichten Drei- Tage-Bart. Nach einem weiteren Schluck aus seinem Flachmann steckte er ihn in die Tasche und ging ins Zimmer seiner Schwester. Sie lag noch immer schlafend so wie zu Beginn des Tages.

„Hey, Kleines“, sagte er und rüttelte sie sanft wach. „Ich geh zu Jenny's.“

„Okay“, nuschelte sie verschlafen.

Er warf sich seinen Mantel über und verließ die Wohnung. Die Sonne war seit ca. drei Stunden untergegangen und die Nacht war noch jung. Er schlenderte durch die Straßen und setzte sich in seine Stammkneipe, „Jenny's“. Sie gehörte einer Bekannten von ihm, Jennifer Baumann, einer Vampirin des Bosam Clans. Er selbst war ein Treasam, er gehörte damit zu einem der größten Clans. Als Vampir dieses Clans war er zwar in allem „besser“ als ein gewöhnlicher Mensch, aber er hatte nicht spezielle herausragende Fähigkeiten wie zum Beispiel der Clan der Tiang Sha, dessen Vampire die Meister der Täuschung waren. Somit waren die Treasam zahlenmäßig überleben, aber keinesfalls der mächtigste Clan.

Als er die Kneipe betrat, nickte er Jennifer zu, die am Tresen bediente, setzte sich auf einen freien Barhocker und bekam seine übliche Flasche Whisky und ein Glas hingestellt.

„40 Jahre bist du nicht hier gewesen und nun das vierte Mal in vier Tagen“, sagte sie und gesellte sich zu ihm. „Wie kommt‘s?“, fragte sich dann nach einem Moment. Sie hatte ihn bisher nur einmal gefragt, und er war der Frage ausgewichen, seitdem hatte sie sie nicht wiederholt.

„Nun, wenn du es unbedingt wissen willst“, sagte er und goss sich sein zweites Glas ein. Er wollte die Träume und Erinnerungen vertreiben. „Also, die Geschichte ist kurz und einfach.“

In diesem Moment betrat ein Mann um die zwanzig die Kneipe in einem Militärparka und setzte sich zu der seltsamen Erscheinung eines Mannes in komplett weißer Kleidung, inklusive weißem Mantel.

„Ich habe eine Schwester, musst du wissen“, fuhr er fort. „Sie wollte mal etwas anderes haben als so ein kleines Kaff am Arsch der Welt, darum.“ Er nahm einen Schluck direkt aus der Flasche. „Da dachte ich mir, besuch doch mal Jenny in New York.“

Sie lächelte. „Du hast eine Schwester?“, fragte sie.

„Jep“, erwiderte er. „Seit knapp 20 Jahren. Is‘ ‘ne lange Geschichte.“

„Und da du nun wieder hier bist, was hast du vor zu machen? Du wirst irgendwie Geld verdienen müssen“, sagte sie nach einer Weile.

„Ich war beim Grafen, ich hab ‘nen Job, meinen alten Job“, erwiderte er, während er einen weiteren Schluck aus der Flasche nahm. Er erklärte nichts weiter. Weshalb sie auch nicht weiter fragte. Jack hatte früher bei der VP, der Vampire Police gearbeitet und war gut gewesen, wirklich gut. Deswegen führte er das Thema nicht weiter aus. Genauso sagte er nichts weiter dazu, warum er in New York war, es ging sie nichts an, dass er nach New York gekommen war, weil seine kleine Schwester Scheiße gebaut hatte und sie verschwinden mussten. Sie war als Vampir erkannt worden, und im Regelfall gab es für Vampire, die als solche erkannt wurden, von ihren Mit-Vampiren nur den Tod. Er kannte die Regeln, er hatte früher das Gesetzt repräsentiert.

Nach einer Weile setzte sich jemand auf den Stuhl neben ihm. Als Jack aufblickte sah er Yoshiko.

„Wollten wir nicht mal wieder um die Häuser ziehen?“, sagte sie und entwand die Flasche seiner Hand. Den letzten verbliebenen Schluck genehmigte sie sich selbst und stellte danach die Flasche zur Seite.

„Ja, irgendeine Idee wohin?“, fragte Jack, während er bezahlte. Sie nickte. Er hatte es geahnt.

„Ich möchte mir da ein Lagerhaus ansehen“, erklärte sie. Jack war egal, wohin, solange man ihm eine Aufgabe gab. Er wollte nicht allzu viel Zeit mit denken verbringen, nicht im Moment, die Träume waren diesmal zu intensiv gewesen.



Sie verbargen sich in den Schatten und näherten sich langsam dem alten Lagerhaus. Jack war fasziniert von Yoshikos Fähigkeit, sich in den Schatten zu verbergen. Es ging weit über das Normale, was ein Vampir konnte, hinaus. So sehr er sich auch anstrengte, er konnte sie nicht finden, es sei denn sie wollte es. Im Lagerhaus brannten ein paar schwache Glühbirnen, die die Halle nur unzureichend erhellten. Es wurden Kisten verladen, soweit Jack das sehen konnte. Alle schienen in Aufruhr. Alle paar Minuten kamen Lastwagen an und wurden beladen mit Kisten verschiedenster Größe.

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