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Unwiderstehlich sinnlich …

Rachel Bailey

Unwiderstehlich sinnlich …

1. KAPITEL

Dieser Ryder Bramson, ihr oberster Chef, starrte sie immer noch an!

Nervös wandte Macy den Blick ab. Sie sollte sich lieber auf die bevorstehende Diskussion konzentrieren.

Aber schon bald musste sie den Mann im Armani-Anzug mit der skeptisch gerunzelten Stirn wieder anschauen. Bisher war sie ihm nie persönlich begegnet und hatte ihn erst an diesem Tag kennengelernt, nachdem er mit seinem Team auf dem Flughafen von Melbourne gelandet war. Er war extra aus den Vereinigten Staaten eingeflogen, um den Fortschritt ihres so wichtigen Projekts zu überprüfen.

Mit seiner imposanten Körpergröße von über einem Meter achtzig, den prägnanten Gesichtszügen und dem kurz geschnittenen dunkelbraunen Haar ist Ryder Bramson kaum zu übersehen, dachte Macy. Das erklärte freilich nicht, warum er sie schon vom ersten Moment an so fasziniert hatte. Der Mann, für den sie seit zwei Wochen arbeitete, hatte sofort ihr Begehren geweckt und ihr Blut in Wallung gebracht. Als er sie bei der Vorstellung mit seinen kaffeebraunen Augen gemustert hatte, hatte ihr Herz gleich höher geschlagen.

Jetzt saß er ihr breitschultrig gegenüber und betrachtete sie mit arrogant zur Seite geneigtem Kopf, als ob sie es nicht wert wäre, dass er ihr gerade ins Gesicht blickte. Das brachte Macy völlig durcheinander.

Dabei war sie es von klein auf gewohnt, angestarrt zu werden. Bevor sie mit achtzehn nach Australien geflüchtet war, hatte sie in einem goldenen Käfig aus Reichtum und Luxus gelebt. Als älteres von zwei Kindern eines amerikanischen Industriellen und einer berühmten Hollywood-Schauspielerin hatte sie schon als Baby im Mittelpunkt öffentlichen Interesses gestanden.

Wie dieser Mann Macy jedoch anstarrte, war etwas ganz anderes. Sein Blick kam ihr ungeheuer intensiv, ja durchdringend vor. Sie hatte das Gefühl, ihm ausgeliefert zu sein, als könnte er bis in ihr tiefstes Inneres sehen.

Ein Schauer lief ihr über den Rücken, und sie sah auf die vor ihr liegende Statistik. Die Chefbuchhalterin hatte ihre Ausführungen gerade beendet. Obwohl es Macy schwerfiel, sich zu konzentrieren, knüpfte sie daran an und erklärte: „Sie finden alle Fakten, die wir über mögliche Konkurrenzprodukte der Firma Chocolate Diva zusammengetragen haben, in dem vorliegenden Bericht.“

Daraufhin schob sie ihrer Assistentin einen Stapel gebundener Dokumentenmappen zu, die diese an die am Tisch versammelten Leute verteilte.

Ryder Bramson nahm sein Exemplar und gab es, ohne einen Blick hineinzuwerfen, seiner Sekretärin. „Fassen Sie die Resultate lieber mit Ihren eigenen Worten zusammen“, forderte er Macy auf.

Sein Ton duldete keine Widerrede, und Macy zögerte keine Sekunde. „Wenn wir in den mit Schokoladenprodukten gut versorgten australischen Markt einsteigen wollen, müssen wir eine Nische finden. Unter Berücksichtigung unserer Recherchen und Prognosen kommen dafür drei unserer Markenprodukte infrage, die über große Handelsketten vertrieben werden sollen. Zudem haben wir zwei Marken-Shops in Citylage eingeplant, jeweils einen Laden in Sydney und Melbourne.“

Macy hatte in den vergangenen zwei Wochen pausenlos an dem Konzept gearbeitet, bevor sie es an diesem Tag Ryder Bramson und seinem Team vorstellte. Sie kannte alle Zahlen und Fakten auswendig. Immerhin hatten sie und ihre zwei Mitarbeiter mit Feuereifer daran gearbeitet, unzählige Überstunden geleistet und in der kurzen Zeit am Ende mehr herausgefunden, als Macy jemals für möglich gehalten hätte.

Ryder zeigte sich jedoch kaum beeindruckt. Seine Miene blieb bis auf die durchdringenden Blicke, die er Macy immer wieder zuwarf, völlig unbewegt.

Obwohl es sie sehr irritierte, versuchte sie ein ebenso undurchschaubares Gesicht zu machen, während sie die erwarteten Marktchancen erläuterte. Sie hätte gewettet, dass Ryders Taktik einer der Gründe für den Riesenerfolg des Bramson Lebensmittelkonzerns war, weil er damit sowohl seine Gegner verunsichern konnte als auch seine Angestellten, die sich so natürlich noch mehr anstrengten, um ihn zufriedenzustellen.

Macy würde sich jedoch nicht anmerken lassen, wie sehr sein Benehmen sie störte. Schließlich war sie in einer Welt von machtbesessenen Männern aufgewachsen, die ebenso wenig Gefühl zeigten wie ihr Vater. Er war auch nicht auf sie zugegangen, als sie mit dreizehn Jahren ihre Mutter verloren hatte. Macy hatte unsagbar unter seiner Gefühlskälte gelitten, auch wenn sie geahnt hatte, dass sie ihrer Mutter, der großen Diva, ähnlich sah. Zu Macys Schwester hingegen hatte er ein herzlicheres Verhältnis. Sie erinnerte ihn wohl nicht ständig an den schmerzlichen Verlust seiner Frau.

Macy straffte die Schultern. Die bittere Erfahrung mit ihrem Vater hatte sie geprägt und eine starke, unabhängige Frau aus ihr gemacht. So war sie selbstsicher genug, um Mr Bramsons durchdringende Blicke auszuhalten.

Sie rief eine Grafik auf ihrem Laptop auf, um die vorgetragenen Fakten zu belegen. Da der Konferenztisch mit eingebauten Bildschirmen auf jedem Platz ausgerüstet war, konnte sie das Bild überspielen. Die Anwesenden senkten den Kopf und schauten sich die Grafik jeweils auf ihrem Schirm an, zumindest sechs von den sieben. Ein Einziger hielt seinen Blick weiter starr auf Macy gerichtet.

Ihre Nerven begannen zu flattern, was ihr höchst selten in einem geschäftlichen Meeting passierte, weil sie immer sehr gut vorbereitet und konzentriert war. Aber diese Besprechung verlief sowieso ganz anders. Seltsamerweise schien ihr Boss überhaupt nicht am Ergebnis ihrer Arbeit interessiert zu sein, obwohl er Macy extra dafür eingestellt hatte. Und wenn er sie ansah, lag in seinem Blick auch mehr als nur geschäftliches Interesse. Sie fühlte sich eher als Frau angesprochen.

Zu ihrem Entsetzen merkte sie, dass ihr heiß wurde und sie schneller atmete. Nein, ich werde mich nicht durch ein paar Hormone ablenken lassen, sagte sie sich im Stillen, jetzt schon gar nicht. Sie hatte die Chance, die Leitung von Chocolate Diva in Australien zu übernehmen, und das war ihr jede Anstrengung wert.

Fragend sah sie Ryder an. „Haben Sie ein Problem mit Ihrem Bildschirm, Mr Bramson?“

Leicht arrogant hob er die rechte Augenbraue. Es war seine erste sichtbare Reaktion, seit er vor fünfunddreißig Minuten das Büro betreten hatte. „Ich bin nicht stundenlang über den Pazifik geflogen, um mir Ihre Grafiken und Berichte anzusehen. Das hätte ich bequemer am eigenen Schreibtisch in den Staaten tun können, Ms Ashley.“

Macy riss sich zusammen und nickte. Rasch schaltete sie die Monitore aus. Ihr Boss hatte also seine eigene Vorstellung von diesem Meeting. Okay, sie war flexibel, äußerst flexibel.

Als er sie von ihrer früheren Firma, einer Unternehmensberatung für kleinere Betriebe, abgeworben hatte, hatte er ihr nach dem telefonischen Bewerbungsgespräch ein Versprechen gegeben. Sollte Macy das Projekt erfolgreich umsetzen und Chocolate Diva nach zwei Monaten erfolgreich auf dem australischen Markt eingeführt haben, würde er sie zur Chefin des Unternehmens auf dem fünften Kontinent machen.

Das war genau die Position, die Macy anstrebte. Seit sie ihr Studium der Betriebswissenschaft mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, lebte sie nur noch für ihre berufliche Karriere. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, einmal eine ebenso große Firma zu leiten, wie es die ihres Vaters war.

Daher hatte sie auch kein Problem damit, dass ihr Boss sich nicht für trockene Berichte interessierte. Sie konnte sich auch anders präsentieren. „Wir haben für Sie und das Team eine Verkostung vorbereitet, damit Sie mögliche Produktvariationen für den australischen Markt bewerten können.“

Nachdem Ryder Bramson prüfend in die Runde seiner Angestellten geschaut hatte, richtete er den Blick wieder fest auf Macy.

Sie hatte den Eindruck, dass etwas beinah Magisches von seinen Blicken ausging, zuckte jedoch nicht mit der Wimper. „Vielleicht möchten Sie und Ihre Leute sich für den Rest des Tages erst mal vom Jetlag erholen. Wir können die Verkostung auch auf morgen früh verschieben.“

Wieder hob Ryder seine rechte Augenbraue. Er wirkte dabei nicht so, als ob er sich jemals von etwas erholen müsste. Gespannt wartete Macy auf seine Antwort.

Schließlich nickte er langsam. „Wenn die Proben für die Verkostung bereitstehen, werde ich sie jetzt gleich probieren. Mein Team kann ins Hotel zurückfahren. Wir treffen uns alle morgen pünktlich um neun wieder hier.“

Während die Damen und Herren von Ryders Team überrascht ihre Papiere einpackten und geräuschvoll aufstanden, drang die tiefe Stimme ihres Chefs an Macys Ohr. „Ms Ashley, ich ziehe mich zum Telefonieren zurück. In zehn Minuten treffen wir uns wieder hier.“

Sie nickte nur stumm, schob ihre Unterlagen zusammen und stand ebenfalls auf. Beim Hinausgehen flüsterte ihr Shaun, der grauhaarige Teamleiter aus Missouri, aufmunternd zu: „Lassen Sie sich von seiner Art nicht einschüchtern. In der Firma in den USA nennen sie ihn nur ‚den Roboter‘. Er ist trotzdem ein guter Chef.“

Macy quittierte die Bemerkung mit einem diskreten Lächeln. Gegen Ryders Art hatte sie im Grunde nichts einzuwenden. Je sachlicher die Atmosphäre blieb, desto besser konnte sie sich auf die Aufgabe konzentrieren. Sie hielt nichts von oberflächlichen beruflichen Freundschaften, weil sie nur vom Wesentlichen ablenkten. Auf Small Talk und Firmenklatsch hatte sie noch nie Wert gelegt.

Eigentlich ist Ryder Bramson der ideale Chef für mich, dachte sie, wenn er mich nur nicht so anstarren würde. Ihr Herz pochte immer noch wie verrückt.

Zehn Minuten später sah Macy sich zufrieden im Konferenzzimmer um. Alles war fertig. Zusammen mit Tina, ihrer Assistentin, hatte sie die Zutaten für die Verkostung schon am Vortag sorgfältig vorbereitet.

Gerade stellte Tina noch die Platte mit frischen Früchten auf den Tisch. „Das dürfte für eine einzige Person dicke reichen“, sagte sie. „Wie soll die Verkostung jetzt genau ablaufen?“

Macy rückte ein Schälchen mit getrockneten Lychees zurecht und antwortete: „Während du die Proben vorbereitest und Mr Bramson anreichst, werde ich ihm die verschiedenen Geschmacksrichtungen erläutern.“

„Einverstanden.“ Tina rührte im Topf mit der flüssigen dunklen Schokolade.

Dann erschien Ryder im Türrahmen. Er hatte sein anthrazitfarbenes Business-Jackett abgelegt und trug auch keine Krawatte mehr. Die Ärmel seines taubenblauen Oberhemdes waren hochgekrempelt, sodass seine kräftigen braun gebrannten Unterarme zu sehen waren. Seine Hände waren ziemlich groß, und er hatte schlanke Finger, fiel Macy auf.

Auf einmal stellte sie sich vor, wie er sie streichelte, seine Arme um sie legte und sie an sich zog. Sie sah ihm ins Gesicht, betrachtete seine gerade Nase und die vollen Lippen. Schließlich blieb ihr Blick an seinen Augen hängen, mit denen er sie jetzt wohlwollend musterte.

Sie schluckte und machte unbewusst einen Schritt zurück.

Tina schaute mit einem professionellen Lächeln zu Ryder auf. „Da sind Sie ja, Mr Bramson. Alles ist schon bereit für Sie.“

Nur zögernd wandte er seinen Blick von Macy ab und ihr zu. „Sie sind Tina, nicht wahr? Ich sehe schon, das haben Sie großartig gemacht. Aber ich möchte Sie nicht von der Arbeit abhalten. Ms Ashley wird sich um mich kümmern.“

Macy bekam gleich Herzklopfen. Sie schaute zu Tina, fing deren fragenden Blick auf. Ihre Assistentin hatte noch genug damit zu tun, die letzten Statistiken zum Schokoladenverbrauch auszuwerten, und Macy konnte die Verkostung für Ryder gut allein übernehmen. Aber irgendwie war sie befangen. Da war eine gewisse, ja erotische Spannung zwischen ihr und ihrem Boss. Jedes Mal, wenn er sie mit diesem durchdringenden Blick anschaute, hätte sie wie Schokolade in der Sonne dahinschmelzen können.

Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich im Stillen. Wie komme ich nur auf solch dumme Gedanken? Normalerweise lasse ich mich durch nichts und niemanden ablenken, wenn ich mir etwas vorgenommen habe.

Also atmete sie tief durch und wandte sich freundlich an Tina: „Geh nur, ich komme schon zurecht.“

Nachdem Macys Assistentin gegangen war, trat Ryder an den Tisch und betrachtete die verschiedenen Zutaten. „Wo möchten Sie mich haben?“

Mit der Frage verwirrte er Macy so sehr, dass sie kein Wort herausbrachte. Aber Ryder ließ sich nichts anmerken. Er schaute sie nur unentwegt an, ohne sich über ihr Schweigen zu wundern oder zu versuchen, mit ihr zu flirten.

Allmählich begriff Macy, was er gemeint hatte. Was denke ich mir nur dabei, seine Worte immer so zweideutig aufzufassen, dachte sie ärgerlich.

Lächelnd deutete sie mit dem Kopf auf die Stirnseite des Tisches. „Dort oben, bitte.“

Als Ryder Platz genommen hatte, setzte sie sich rechts neben ihn in Reichweite aller Zutaten. Sie begann mit den einführenden Worten, die sie sich für die Verkostung zurechtgelegt hatte. „Der Diva-Schokoriegel, eine Mischung aus gemahlenen Mandeln, Honig und Schokolade, ist in den USA schon lange eine beliebte Süßigkeit. Ich glaube, er kann ohne Änderungen auf dem australischen Markt eingeführt werden. Wir haben hier Tests gemacht und nur positive Reaktionen bekommen.“

Ryder hatte sich entspannt zurückgelehnt, äußerte sich jedoch nicht dazu.

So blieb Macy nichts anderes übrig, als fortzufahren. „Das zweite Produkt, die Diva-Schoko-Drops, die in den USA ebenfalls Bestseller sind, sollten wir ein wenig abwandeln, um australische Zutaten verwenden zu können. Denn Kirschen, Blaubeeren und Cranberries sind hier nicht so leicht zu beschaffen. Wir haben uns nach einer für das Land typischen Frucht umgesehen.“

Endlich zeigte Ryder eine Reaktion und deutete auf das Schälchen vor ihm. „Das ist zum Beispiel die Mangofrucht.“

Zustimmend nickte Macy und spießte gleich ein Stückchen getrockneter Mango auf einen Zahnstocher, den sie in den Topf mit flüssiger Schokolade tauchte. „Es handelt sich um getrocknete Bowen Mango. Diese Mangobäume wachsen im tropischen Norden von Australien und liefern üppige Erträge. Wir haben schon vorsichtig unsere Fühler ausgestreckt. Es dürfte nicht schwierig sein, Lieferverträge mit entsprechenden Mango-Produzenten zu schließen.“

Macy wartete noch ein wenig, bis die Schokolade fest geworden war, und hielt Ryder dann den Zahnstocher mit der Probe hin. Zu spät erkannte sie, dass das verbleibende Endstück zu kurz war, um von ihren und Ryders Fingern gleichzeitig umfasst zu werden. So umspannte Ryder mit seinem Daumen und Zeigefinger nicht nur ihre Finger, sondern gleich ihre ganze Hand.

Was für ein Gefühl! Macy hielt den Atem an. Die Wärme, die Ryders Hand ausstrahlte, durchflutete ihren ganzen Körper und weckte Verlangen in ihr.

Ehe Macy sich’s versah, gelang es Ryder jedoch, ihr den Zahnstocher aus der Hand zu nehmen. Er führte ihn langsam zum Mund, und schon verschwand der Happen darin, während Ryder den Zahnstocher durch die geschlossenen Lippen wieder herauszog.

In diesem Moment wurde Macy zum ihrem Entsetzen bewusst, dass sie Ryder die ganze Zeit angestarrt hatte. Schuldbewusst zuckte sie zusammen und konzentrierte sich nur noch darauf, weitere Mangostückchen auf Zahnstocher zu spießen, die sie in die Schokolade tauchte. Diesmal arrangierte sie die Proben aber auf einer Platte, bevor sie sie Ryder anbot.

„Was halten Sie davon?“ Immer noch wagte sie nicht, wieder Blickkontakt mit ihm aufzunehmen.

Da Ryder nicht antwortete, fuhr sie einfach fort, Mangospießchen in die Schokolade zu tauchen und ihm vorzulegen.

Endlich hörte sie, wie er sich räusperte. „Ausgesprochen köstlich.“

Ryders Worte klangen sehr sinnlich, aber Macy versuchte es zu überhören. Sie konnte sich nicht leisten, diese einmalige Karrierechance zu vertun und mit Ryder zu flirten. Wenn er ihr die Firmenleitung für Australien übertrug, würde sie lange Zeit eng mit ihm zusammenarbeiten. Sie war davon überzeugt, dass das am besten auf einer rein sachlichen Basis funktionierte.

Umsichtig schob sie die Mangoschüssel beiseite. „Auch andere Früchte wie Ananas, Lychees und Erdbeeren bieten sich als Landesprodukte an. Außerdem haben wir uns noch etwas Besonderes einfallen lassen.“ Sie zog ein Schälchen mit feinen grünen Blättern heran, nahm mit einer Silberzange ein paar davon heraus und tauchte sie in die flüssige Schokolade. „Das ist Pfefferminze, probieren Sie mal.“

Bevor sie die Blättchen auf die Platte legen konnte, hielt Ryder ihr seine flache Hand hin, damit Macy ihm die Delikatesse hineinlegte.

Sie machte ein erstauntes Gesicht und zögerte, weil sie ihren Chef nicht für so ein Schokoladenmonster gehalten hätte. Erst als er ihr ermunternd zunickte, ließ sie die Blätter von der Zange direkt in seine Hand gleiten. Diesmal blieb Macy ganz professionell und beobachtete ihn nicht beim Essen, sondern legte ihm einige Servietten bereit.

Die brauchte Ryder auch, um sich die Schokoladenreste von der Hand zu wischen. „Ausgezeichnet“, sagte er schwärmerisch und ließ Macy dabei nicht aus den Augen. „Sie erwähnten vorhin drei Markenprodukte. Was wollen Sie außer dem Diva Schokoriegel und den Diva Schoko-Drops noch auf den australischen Markt bringen?“

„Die normale Schokoladentafel. Ich weiß aber noch nicht, ob wir sie in allen fünf Geschmacksrichtungen anbieten sollen. Dazu laufen noch entsprechende Tests.“

In diesem Moment klopfte es an der Tür, und Tina kam herein. „Wie läuft es? Brauchen Sie mich?“

Ryder lehnte sich zufrieden zurück. „Nein, danke. Ms Ashley kümmert sich sehr nett um mich.“

Als Macy seine Stimme hörte, dazu wieder seinen intensiven Blick spürte, lief ihr ein warmer Schauer über den Rücken, und ihr war, als würde Ryder sie zärtlich streicheln. So etwas war ihr noch niemals passiert. Auf den leisesten Fingerzeig von ihm, so befürchtete sie, hätte sie sich ihm an den Hals geworfen.

Warum brachte dieser Mann sie nur so aus der Fassung? Ihr war bewusst, wie leicht er ihr gefährlich werden konnte. Aber zum Glück werden wir ja beide die meiste Zeit auf verschiedenen Kontinenten arbeiten, tröstete sich Macy, sodass eigentlich keine ernste Gefahr besteht.

Sie warf ihr Haar über die Schulter, vergewisserte sich, dass Ryder jede Variante verkostet hatte, und lächelte kühl. „Falls Sie keine zweite Kostprobe möchten, wären wir mit der Verkostung fertig.“

Ryder nickte und stand auf. „Ich bin mit der Produktauswahl sehr zufrieden. Tina, lassen Sie Shaun und das Team morgen bitte die gleichen Proben verkosten.“ Dann wandte er sich wieder an Macy. „Ms Ashley, ich möchte kurz unter vier Augen mit Ihnen sprechen. Kommen Sie bitte gleich in mein Büro.“

Schon bekam Macy wieder wildes Herzklopfen, obwohl sie doch wusste, dass es ein dienstliches Gespräch sein würde. Sie wollte schließlich die Niederlassungsleiterin für Australien werden. Also atmete sie tief durch und straffte die Schultern. „Gern, Mr Bramson.“

Im Grunde war es eine Supergelegenheit, den Big Boss zu beeindrucken, und Macy hätte sich nichts sehnlicher gewünscht. Aber das war, bevor sie am eigenen Leib erfahren hatte, wie sexy Ryder auf sie wirkte. Er schaffte es mühelos, sie mit wenigen Worten und kleinsten Gesten durcheinanderzubringen.

Würde es noch schlimmer werden, wenn sie mit ihm allein in seinem Büro war?

Ryder stand hinter dem polierten Schreibtisch seines zeitweiligen Büros und betrachtete das breite Band des Yarra Flusses mit den dahingleitenden Booten.

Macy ist perfekt, ging es ihm durch den Kopf. Die Frau, für die er um den halben Erdball geflogen war, hatte das Gesicht eines Engels, den Körper einer Venus und ein Rückgrat aus Stahl. Eigentlich hatte er sie nur wegen der Firma ihres Vaters heiraten wollen, aber jetzt sah es ganz so aus, als könnte er diese Ehe auch genießen.

Ja, dass Macy seine Frau werden würde, war ein verlockender Gedanke. Ryder atmete tief durch und lächelte zufrieden.

Er machte sich jedoch keine Illusionen darüber, aus dem gleichen Holz wie sein Vater geschnitzt zu sein. Unzählige Male hatte man Ryder das bestätigt. Daraus folgerte er, dass er für die Liebe, vor allem die große wahre Liebe, nicht taugte und daher nur eine Zweckheirat infrage kam. Auf diese Weise würde er nicht allein leben müssen und einmal eine Familie haben – auch ohne die tiefe Liebesbeziehung zu einer Frau.

Jetzt hörte er vom Flur her eine charmant klingende Stimme. Macy besprach sich noch schnell mit ihren Mitarbeitern und würde gleich bei ihm sein.

Ehe Ryder sich’s versah, erschien sie im Türrahmen. Mit ihren großen bernsteinfarbenen Augen blickte Macy ihn erwartungsvoll an. Ihr glänzendes kastanienbraunes Haar fiel ihr wie ein seidener Vorhang über die Schultern. Unter ihrem Kostümrock ragten lange wohlgeformte Beine hervor. Ryder musste sich zusammenreißen, um sich nicht von dem Anblick fesseln zu lassen, und bedeutete ihr mit der Hand, ins Büro zu treten.

Als Macy vor ihm stand, kam sie ihm so zart und bezaubernd vor, dass er sie am liebsten in den Arm genommen hätte.

„Sie wollten mich sprechen, Mr Bramson?“

Ihre Stimme brachte ihn in die Realität zurück. „Nennen Sie mich doch Ryder.“

Macy nickte. „Okay, Ryder.“

„Sie haben bei Ihrem Projekt hervorragende Arbeit geleistet“, begann er. „Ich brauche Ihnen wohl nicht zu erklären, dass ich bei meiner Entscheidung, ob wir uns in Australien niederlassen, ganz auf Sie verlassen muss. Aber ich habe ein sehr gutes Gefühl dabei.“

„Danke.“ Macy ließ sich zu keiner sichtbaren Gefühlsäußerung hinreißen und blickte ihn kühl an. Aber so wie sie die kleine Nase hob und ihre Augen funkelten, erinnerte sie Ryder an eine Katze. Das mochte er sehr.

Er schob die Hände in die Hosentaschen. „Gab es irgendwelche Probleme?“

Lässig zuckte Macy mit den Schultern. „Keine, mit denen ich nicht fertig geworden wäre.“

Eine ausgezeichnete Antwort. Ryder lächelte. Er musste zugeben, dass diese Frau ihm ausgesprochen gut gefiel. Drei Wochen zuvor, nachdem das Testament seines Vaters verlesen worden war, hatte er sich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, sie zu heiraten. Sie passten gut zusammen, hatte er herausgefunden. Beide hatten sie keine starke Bindung an die Verwandtschaft, kamen aus bekannten vermögenden Familien und mieden so weit wie möglich den damit einhergehenden Publicity-Rummel.

In erster Linie wollte Ryder Macy jedoch heiraten, weil er die Firma ihres Vaters kaufen wollte, die beträchtliche Anteile am Bramson-Konzern besaß.

Ryders Vater hatte den Konzern in seinem Testament nämlich zwischen seinen legitimen Nachkommen und den außerehelichen Kindern aufgeteilt. Neben seiner Lebensmittelkette hatte der alte Bramson auch eine Hotelkette aufgebaut. Ryder hatte immer erwartet, dass seine Halbbrüder die Bramson Hotels erben würden und er selbst den Bramson Lebensmittelkonzern, für den er sein ganzes Leben lang hart gearbeitet hatte.

Der unerwartete Tod seines Vaters und das Testament hatten kaufmännisch gesehen jedoch ein Chaos angerichtet. Weder Ryder noch seine Halbbrüder besaßen genug Firmenanteile, um den Kurs des Konzerns zu bestimmen, und die Chefetage hatte sich zum Schlachtfeld entwickelt. Damit konnte ein Vollblutmanager wie Ryder nicht leben. Verzweifelt hatte er nach einer Lösung gesucht.

Auf seine Mutter hatte er dabei nicht zählen können. Sie war durch die Untreue ihres Mannes und die daraus folgenden Skandale eine verbitterte alte Frau geworden, die sich überhaupt nicht mehr für das Familienunternehmen interessierte.

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