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Untouchable

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Zitat
  7. Widmung
  8. Kapitel 1
  9. Kapitel 2
  10. Kapitel 3
  11. Kapitel 4
  12. Kapitel 5
  13. Kapitel 6
  14. Kapitel 7
  15. Kapitel 8
  16. Kapitel 9
  17. Kapitel 10
  18. Kapitel 11
  19. Kapitel 12
  20. Kapitel 13
  21. Kapitel 14
  22. Kapitel 15
  23. Kapitel 16
  24. Kapitel 17
  25. Kapitel 18
  26. Kapitel 19
  27. Kapitel 20
  28. Kapitel 21
  29. Kapitel 22
  30. Kapitel 23
  31. Kapitel 24
  32. Kapitel 25
  33. Kapitel 26
  34. Kapitel 27
  35. Kapitel 28
  36. Kapitel 29
  37. Kapitel 30
  38. Epilog
  39. Danksagung

Über dieses Buch

Von außen betrachtet lebt Marley ein perfektes Leben: Perfekter Job, perfekter Ehemann, perfektes Haus – alles ist einfach perfekt.

Aber der Schein trügt. Ihr Mann Cole ist ständig auf Geschäftsreisen, und die beiden entfremden sich immer mehr. Besonders als Marley sich während Coles Abwesenheit um die gemeinsame Kanzlei und den neuen Klienten River Holtz kümmern muss, merkt sie, dass etwas zwischen Cole und ihr fehlt. Je näher sie mit River zusammenarbeitet, desto weniger kann sie ihm widerstehen – die Spannung wird schier unerträglich.

Doch Marley wird immer wieder von ihrem schlechten Gewissen eingeholt, denn sie ist nicht der Typ Frau, die ihren Mann betrügt … bis sie es doch tut.

Über die Autorin

Lisa De Jong lebt im Mittleren Westen der USA. Während sie schreibt, braucht sie riesige Mengen Kaffee und hat leider viele Nächte mit sehr wenig Schlaf – aber sie würde nie etwas daran ändern. Neben dem Schreiben liebt sie es zu lesen, Musik zu hören und American Football.

Mehr Informationen zur Autorin finden Sie unter: www.lisadejongbooks.blogspot.com.

 

Ich widme dieses Buch
meinen drei wundervollen Kindern.
Ihr zeigt mir jeden Tag
die wahre Bedeutung des Wortes Liebe.

Kapitel 1

»Cole!« Ich schreie seinen Namen und klammere mich an der Kante der Arbeitsfläche fest. Er zieht sich langsam aus mir zurück, stößt dann wieder zu; da ist nichts Sanftes oder Zärtliches.

In den ersten Jahren unserer Ehe hat er noch Liebe mit mir gemacht. Er hat mich mit seinen Lippen überall berührt, hat jeden Zentimeter meiner Haut von Kopf bis Fuß liebkost und mit seinen Händen so lange die Innenseite meiner Schenkel entlang gestreichelt, bis ich ihn unbedingt in mir spüren wollte.

Er hat mich scharf gemacht.

Er ließ mich nach Atem ringen, ehe er mich dort berührte, wo ich es mir am meisten ersehnte.

Er wusste ganz genau, wie es mir am besten gefällt; es war einfach perfekt. Das war der Grund gewesen, warum ich jeden Abend von der Arbeit nach Hause gerast bin. Das war einer der Gründe, der mir zeigte, er ist der Richtige – unsere unglaubliche körperliche Verbindung spiegelte sich auch in jedem anderen Aspekt unserer Beziehung wider. Mein ganzes Ich war mit ihm verbunden. Alles: Herz, Seele und Körper.

Er stößt wieder in mich, bis es schmerzt, und drückt seinen Kopf fest in meine Halsbeuge.

»Hör nicht auf«, stöhne ich und schiebe meine Finger zwischen uns. Ich sehne mich so sehr nach einem Höhepunkt. Vier Wochen und fünf Tage … So lange ist es schon her.

Aber beim Sex geht es in letzter Zeit nicht mehr um mich, und das ist schon seit einer Weile so.

Er gräbt seine Zähne in meine Haut. »Ich habe mich nicht mehr unter Kontrolle, Baby. Du fühlst dich einfach zu gut an.«

»Cole, bitte«, bettle ich ihn an und bewege meine Finger in kreisenden Bewegungen. Er scheint es nicht zu bemerken, und falls doch, sind ihm meine Bedürfnisse egal.

Er schiebt sich bis zum Anschlag in mich. »Oh Gott, Marley«, murmelt er an meiner Haut und ergießt sich in mich.

Meine Laune sinkt, aber mein Verlangen ist noch nicht gestillt. Meine Orgasmen sind seltener geworden als der Vollmond einmal im Monat. In weniger als einer Stunde ist es vier Wochen und sechs Tage her, dass meine Muskeln sich das letzte Mal um Cole verkrampft haben, weil ich gekommen bin.

Ich atme schwer. Meine Finger bewegen sich nicht. Er drückt noch immer seinen Kopf an meinen Hals, und seine Finger fahren sanft mein Rückgrat entlang.

»Habe ich dir wehgetan?«, flüstert er.

Nicht so, wie du vielleicht denkst.

»Es geht mir gut«, lüge ich und krümme mich ein wenig, um seine Schulter küssen zu können.

Er packt meinen Hintern und zieht mich von der Arbeitsplatte. Seine halb geschlossenen Augen blicken tief in meine. So hat er auch an dem Tag ausgesehen, als wir sagten: Ich will … Ich kann diesen Blick von damals immer noch erkennen. Er ist nicht vollständig verschwunden, aber die Art, wie er mich sonst angesehen hat, ist verschwunden. Wie bekomme ich ihn zurück?

Er beugt sich vor, küsst mich auf die Nasenspitze und auf die Mundwinkel, gefolgt von einem kurzen Schmatzer auf die Lippen.

»Ich liebe dich«, sagt er leise und zieht sich aus mir heraus.

»Ich liebe dich mehr.« Das sage ich seit Jahren immer wieder, aber in letzter Zeit frage ich mich, ob ich das wirklich noch glaube.

»Das ist unmöglich.«

Er schiebt den Träger meines Nachthemdes meine Schulter hinauf und richtet seine engen Boxershorts, bis wir beide wieder vollständig angezogen sind. »Ich muss für ein paar Tage wegfahren. Ich weiß, ich hatte dir versprochen, diesen Monat nicht mehr weg zu sein, aber ich –«

»Du hast einen Klienten, der Hilfe wegen eines Notfalls braucht«, unterbreche ich ihn. Ich würde mich am liebsten einfach umdrehen und aus dem Zimmer laufen. Es ist immer und immer wieder dieselbe Ausrede.

Er legt seine warmen Hände auf meine Wangen. »Es tut mir leid. Es tut mir wirklich, wirklich leid.«

»Aber diese Woche …« Ich muss meine Tränen zurückhalten.

»Ich weiß. Ich habe versucht abzusagen, aber ich bin der Einzige, der mit dem Fall vertraut ist.« Er streichelt mit seinen Daumenspitzen über die von zurückgehaltenen Tränen angeschwollene Haut unter meinen Augen. Eigentlich sollte er derjenige sein, der dafür sorgt, dass sie verschwindet, und nicht der Grund dafür, dass sie schlimmer wird.

»Wann?«, fragt er, als ich nichts mehr sage.

»Donnerstag«, gebe ich erstickt von mir, und meine Unterlippe zittert dabei. Sieben Monate sind eine lange Zeit, um darauf zu warten, schwanger zu werden, und es hilft auch nicht, dass mein Ehemann niemals da zu sein scheint, wenn ich ihn gerade brauche.

»Vielleicht haben wir ja Glück, und es hat heute Nacht schon geklappt«, sagt er und zieht mich an seinen warmen Körper.

Ich drücke meine Hände gegen seine Brust und versuche so viel Abstand wie möglich zwischen uns zu bringen.

»Es sind noch drei Tage, Cole. Du hast versprochen –«

Er nimmt mich fest in seine Arme und lässt mich nicht entkommen. »Ich verspreche es«, flüstert er mir ins Ohr. »Ich verspreche, dass es passieren wird, wenn nicht diesen Monat, dann im nächsten. Ich weiß, wie viel dir das bedeutet.«

Ich schlucke mühsam die Tränen hinunter, die meine Wange hinabzurollen drohen. »Wirklich?«

Er lockert seine Umarmung gerade genug, um in meine Augen sehen zu können. »Ich will es auch. Wieso stehen wir überhaupt hier und reden darüber, wenn du glaubst, es wäre anders?«

Als Antwort zucke ich nur mit den Achseln und weiß einfach nicht, was ich sagen soll. Ich wüsste nicht einmal, wie ich anfangen sollte, aber diese Nacht hatte ich mir ganz anders vorgestellt.

Er beugt sich herunter und küsst mich auf den Mund. »Ich denke in jeder Sekunde, in der ich nicht bei dir bin, nur an dich.«

Das bezweifle ich ebenfalls.

»Warum machst du dich nicht schon einmal fürs Bett fertig? Ich muss noch schnell telefonieren, und dann komme ich zu dir.«

Ich schlüpfe ohne ein weiteres Wort zwischen ihm und der Arbeitsplatte hervor. Nachdem ich mir das Gesicht gewaschen und mir die Zähne geputzt habe, rolle ich mich auf meiner Seite des Bettes zusammen. Ich weiß, ich werde eingeschlafen sein, noch bevor er ins Bett kommt. Zu lieben und zu ehren bedeutet ihm nichts. Nicht mehr so wie früher.

***

»Werde ich dir fehlen?«, fragt er mich am nächsten Morgen. Er legt seine Arme um mich, während ich mir eine Tasse Kaffee einschenke.

»Du fehlst mir immer«, erwidere ich ehrlich und lege meine Hände auf seine.

»Heute habe ich einen Termin im Büro, den du für mich wahrnehmen musst. Ein neuer Klient.«

»Dann brauche ich noch ein paar Informationen«, sage ich. Er drückt seine Lippen auf meine Halsbeuge.

»Ich weiß bisher noch nicht viel über ihn. Beatrice hat mir gesagt, er ist in der Stadt, weil er versucht, ein leer stehendes Gebäude im Stadtzentrum zu kaufen. Daraus will er eine Mischung aus Restaurant und Nachtclub machen. Sie hat ihm gesagt, ich bin nicht im Büro, doch meine Frau sei mindestens ebenso gut in der Lage, ihn zu betreuen.« Er schweigt für einen Moment und lässt mich los. »Eigentlich sagte sie sogar: … besser in der Lage, Sie zu betreuen. Ich habe keine Ahnung, womit du sie bestochen hast, aber es scheint zu funktionieren«, zieht er mich auf, und seine warmen Lippen beginnen meinen Hals hinaufzuwandern.

Seine Hände legen sich auf meinen flachen Bauch und gleiten langsam tiefer, bis er den Saum meines weiten weißen T-Shirts zu fassen bekommt. Ich spüre die Baumwolle über meine Schenkel streichen, und dann liegen seine Hände auf meinem nackten Hintern und kneten ihn. »Vielleicht können wir auch jetzt ein Baby machen … bevor ich gehen muss«, flüstert er an meinem Ohrläppchen.

Seine Hände gleiten wieder hoch, zu meinem Bauch, und wandern weiter zu meinen entblößten Brüsten. Als er in meine Nippel kneift, keuche ich auf.

»Lass dich fallen, Baby«, verlangt er und drückt mich nach vorn, bis meine Wange gegen den kalten Granit gepresst wird. Er zieht mir das Höschen bis zu den Knien, und ich kann das Geräusch des Reißverschlusses hören, der heruntergezogen wird. Ohne zu zögern, schiebt er sich in mich und stößt, wie ein Höhlenmensch, immer wieder zu.

Ich will ihn berühren, ihn küssen, mit ihm so wie früher Liebe machen, aber mehr als das hier bekomme ich nicht. So ist es bereits das ganze letzte Jahr unserer Ehe.

»Werde ich dir fehlen, Baby?«, fragt er und zieht an meinem Pferdeschwanz. Dieses Gefühl. Das Prickeln. Es ist gut, es reicht fast, um mich über diese sonst so schwer zu erreichende Schwelle zu bringen.

»Ja!«, schreie ich auf und kann kaum Luft holen. »Berühre mich, Cole! Ich brauche deine Berührung.«

Seine warmen Lippen zeichnen ein unsichtbares Bild auf meinen Rücken. »Wie soll ich dich berühren … Hmmm? Sag es mir!«

»Ich will kommen. Bitte, lass mich kommen!« Er findet den pulsierenden Punkt zwischen meinen Beinen, beginnt schneller in mich zu stoßen und reibt in kleinen Kreisen über diese empfindliche Stelle. Es wird zu einem Rennen – wer wird als Erstes kommen? Er wird noch schneller, und ich weiß, er steht kurz davor.

Er stößt zu. Die Anspannung in mir wird stärker.

Ich kneife die Augen zusammen und versuche den Moment festzuhalten; versuche an nichts anderes zu denken als an ihn, wie er mich ausfüllt. Ich stelle ihn mir ohne Oberteil vor – in meiner Vorstellung drückt er mich gegen die Wand und seine starken Arme liegen um meine Taille. Ich stelle mir vor, wir liegen im Bett – sein nackter Körper bedeckt meinen, und er bewegt sich in einem steten Rhythmus.

Ich stehe auf der Schwelle zur vollkommenen Glückseligkeit, aber er ist ihr viel näher als ich. Mit einem letzten, tiefen Stoß kommt er. Ich kann ihn hinter mir grunzen hören und spüre seine Hand, die sich auf meinen Rücken presst. Seine Finger fahren zwischen meinen Beinen hervor, und ich zucke zusammen.

Weiß er, was er mir damit antut? Oder eben nicht tut?

»Ich sollte besser gehen«, sagt er und hilft mir von der Arbeitsplatte herunter.

»Ja, das wäre sicher besser«, antworte ich und vermeide es, ihm in die Augen zu sehen. Er kann in mir so einfach lesen wie in einem Bilderbuch und wir haben nicht genug Zeit, ehe er zu seinem nächsten Trip muss, um das Desaster, zu dem unsere Beziehung geworden ist, zu lösen. Er streicht mir das Haar von der Schulter und küsst meinen Nacken.

»Ich muss mich für die Arbeit fertig machen«, sage ich, nachdem ich einen Blick auf die Uhr an der Mikrowelle geworfen habe.

Er dreht mich in seinen Armen herum, und jetzt muss ich ihm in die Augen sehen. Wenn ihm die Traurigkeit in meinem Blick aufgefallen ist, sagt er nichts dazu. Er fasst mich um die Hüften und zieht mich für einen letzten nachhallenden Kuss an sich. Ich würde mir wünschen, er würde mich immer so berühren … mit so viel Zärtlichkeit und Liebe.

»Bis Freitag, Baby!«

Ich verziehe meine Lippen zu einem Lächeln, auch wenn ich mich dazu zwingen muss. »Benimm dich«, warne ich ihn.

»Um mich musst du dir keine Sorgen machen.« Er zwinkert und lockert seinen Griff.

»Heute Abend ist nur Wein mit den Mädels geplant, und anschließend werde ich es mir auf der Couch gemütlich machen und einen Krimi schauen. Dann gehe ich mit deinem alten hölzernen Baseballschläger ins Bett, weil ich bei jedem kleinen Geräusch denke, es ist ein maskierter Einbrecher, der mich entweder ertränken oder in kleine Stücke hacken will.«

Er lacht. »Schließ die Tür ab und stell die Alarmanlage an. Dann bist du sicher.« Er sieht auf seine Armbanduhr. »Okay, ich muss jetzt wirklich los, sonst verpasse ich noch den Flug.«

»Gute Reise!«, sage ich und stelle mich auf die Zehenspitzen, um ihn auf die Nase zu küssen.

Ich sehe seinem starken, in einen Anzug gekleideten Körper nach, als er durch die Haustür verschwindet, und verschränke die Arme vor meinem Bauch. Könnte unsere Ehe im Augenblick überhaupt ein Baby verkraften?

Kapitel 2

»Marley, ich bin so froh, dass du da bist«, verkündet Beatrice, als ich an ihrem Schreibtisch vorbeikomme. »River Holtz hat heute Morgen bereits dreimal angerufen und gefragt, wann du für ihn Zeit hast.«

Als Coles Vater vor ein paar Jahren gestorben ist, haben wir die Firma von ihm übernommen, und Beatrice war bereits damals ein Teil davon. Ich glaube sogar, sie war zuvor schon zwanzig Jahre lang Robert Masons Sekretärin. Sie weiß, was sie tut.

»Wer ist River Holtz?«, frage ich und blättere abwesend den Stapel Post durch.

»Hat dein Mann dir nicht Bescheid gesagt? Er ist in der Stadt und braucht deine Hilfe bei einem Kauf. Ich glaube, er ist ein Nachtclubbesitzer.«

»Oh ja, er hat es kurz erwähnt. Wann will er herkommen?«

Sie zieht leicht die Nase kraus und schiebt ihre Brille höher. »Das ist der Grund, warum ich froh bin, dass du da bist.«

»Spuck’s schon aus, Beatrice.«

Sie seufzt. »Er wartet in deinem Büro auf dich. Und habe ich bereits erwähnt, dass er nicht besonders geduldig ist?«

»Scheiße«, murmle ich leise. Ich ziehe mein ärmelloses, schwarzes Etuikleid glatt und streiche mir das lange blonde Haar aus dem Gesicht. »Haben wir schon eine Akte über ihn?«

Sie reicht mir eine dünne Mappe. »Mehr konnte ich nicht über ihn finden«, sagt sie und sieht mich dabei an, wie meine Mutter es immer getan hat, wenn ich beim Abendessen zu still oder viel früher wieder zu Hause war als verabredet. »Geht es dir gut, Marley?«

»Warum?«

»Weil du zum ersten Mal, seit ich dich kenne, geflucht hast«, erwidert sie ruhig. Sie ist gut in ihrem Job – nicht, weil sie am schnellsten tippen kann oder auch nach der Arbeit länger bleibt, sondern weil sie alle um sich herum genau beobachtet. Sie weiß, was zu tun ist, noch bevor wir es ihr sagen … sie kennt uns wahrscheinlich besser, als wir uns selbst kennen.

»Ich bin nur müde«, antworte ich ihr und schiebe meine Niedergeschlagenheit beiseite. Eigentlich dachte ich, ich hätte sie heute Morgen zu Hause gelassen. Wir können unsere Beziehung retten … wir müssen es einfach.

Ich gehe auf die schwere Mahagonitür zu, die gerade weit genug geöffnet ist, damit ich einen Blick auf meinen frühen, unerwarteten Besucher werfen kann.

»Hey, Marley«, sagt Beatrice leise hinter mir.

Ich drehe mich genervt um. Nicht ihretwegen, sondern weil in meinem Büro ein Mann sitzt, über den ich absolut nichts weiß, und ich hatte bisher nicht einmal Zeit für einen Kaffee. Das hat Cole mir mit seinem kleinen Intermezzo versaut. »Was denn noch?«

»Er ist wahrscheinlich nicht unbedingt das, was du erwartest.«

Ich verdrehe die Augen und sage: »Ich habe heute Morgen eigentlich niemanden erwartet. Auf meinem Schreibtisch liegen noch zwei Fälle, die ich bearbeiten muss. Er hat sich den falschen Tag ausgesucht, um einfach hier hereinzuplatzen.«

Sie zieht wieder die Nase kraus. »Das meinte ich nicht.«

»Dann spuck es aus«, sage ich und sehe abwechselnd zwischen ihr und der Tür hin und her.

»So wie er aussieht, ist er wahrscheinlich gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden.« Sie lächelt ein wenig und hält kurz inne. »Aber seine Hose steht ihm ganz ausgezeichnet. Wenn du die Chance bekommst, einen Blick auf seine Kehrseite zu werfen –«

»Beatrice!«, rufe ich so leise aus, wie ich gerade kann. Sie hebt abwehrend die Hand.

Ohne noch etwas zu sagen, werfe ich einen prüfenden Blick auf mein Kleid und ziehe dann die Tür zu meinem Eckbüro auf. Es ist das wahrscheinlich beste Büro im gesamten Komplex.

Bei dem Anblick des Mannes, der am Fenster steht und auf die Straßen der Stadt hinabsieht, fällt mir die Kinnlade herunter. Er hat den Hintern eines professionellen Fußballspielers, was wahrscheinlich auch der Grund für Beatrice’ Bemerkung über seine Hosen war. Sein weißes Hemd steht ihm gut, und er hat die Ärmel bis zu den Ellenbogen umgeschlagen. Darunter werden Tätowierungen sichtbar, sein ganzer Arm ist davon bedeckt, und sie reichen bis hinunter zu seinen Knöcheln.

Eindeutig nicht einer meiner typischen Klienten.

Ich räuspere mich, um ihn auf mich aufmerksam zu machen. Ich reiße die Augen auf, bekomme mich aber schnell wieder unter Kontrolle. Er hat unglaublich helle Augen – fast wie Glas. Man kann kaum den Blick von ihnen abwenden. »Wie kann ich Ihnen helfen, Mr Holtz?«, frage ich ihn und gehe an ihm vorbei, um mich an meinen Schreibtisch setzen zu können. Bei diesem Gespräch werde ich jeden Halt brauchen, den ich kriegen kann.

Er steckt eine Hand in die Hosentasche und fährt sich mit den Fingern der anderen Hand über seine perfekten, leicht rosigen Lippen. »Es gibt ein Geschäft, das ich möglichst schnell zum Abschluss bringen muss. Ich hatte gehofft, mit Cole arbeiten zu können, aber wie ich gehört habe, ist er gerade nicht in der Stadt. Sehr ungünstig.«

Er steht noch immer am Fenster und hat von dort aus auch eine gute Sicht auf mich und meinen Stuhl. Mir entgeht nicht, wie sein Blick von meinen Beinen zu meinen Augen wandert, während er spricht.

»Warum muss es schnell gehen?«, frage ich und nehme mir einen Stift, um mir ein paar Notizen machen zu können.

»Wenn ich etwas haben will, bekomme ich es auch. Es handelt sich um ein besonderes Gebäude, und ich weiß, ich bin nicht der Einzige, der es haben will.«

Ich deute auf einen der Stühle, die vor meinem Schreibtisch stehen. »Setzen Sie sich doch bitte, dann können wir die Details besprechen.«

Er lächelt und kommt auf meinen Schreibtisch zu. Er legt seine Hände auf den Tisch und beugt sich zu mir. Sein hellbraunes Haar fällt ihm ins Gesicht und lenkt meine Aufmerksamkeit wieder auf seine Augen. »Ich lasse mir nicht gerne sagen, was ich zu tun habe.«

»Ich habe Sie höflich gebeten«, erwidere ich und kaue auf der Spitze meines Stiftes herum.

Er setzt sich ein Stück von mir entfernt auf den Schreibtisch. »Ich möchte gerne hier sitzen. Also, was wollen Sie wissen?«

Du machst wohl Witze? Ich rufe Beatrice über die Gegensprechanlage.

»Ja, Mrs Mason?«

»Bringen Sie mir bitte Kaffee. Eine Menge Kaffee.«

»Ich hätte auch gerne einen«, sagt River, bevor Beatrice auch nur die Chance hatte, zu antworten.

»Ich bin sofort da«, sagt sie, ehe die Gegensprechanlage ein Klicken von sich gibt.

»Zuerst einmal brauche ich die Adresse des Gebäudes«, sage ich und wende meine Aufmerksamkeit wieder ihm zu.

Er nimmt einen braunen Briefumschlag und wirft ihn mir über den Schreibtisch hinweg zu. »Hier steht alles drin.«

»Was ist mit dem Verkäufer?«, frage ich.

»Zu dem finden Sie auch etwas in dem Umschlag.«

»Wozu brauchen Sie also mich? Für so etwas gibt es doch Makler, oder nicht?« Mein Blick fixiert die Tür. Wenn Beatrice mir nicht bald den Kaffee bringt, vergesse ich mich noch.

»Das Gebäude ist nicht als Nachtclub deklariert. Ich möchte es am Abend als Restaurant führen und nachts in den heißesten Nachtclub der Stadt verwandeln. Sie werden dafür sorgen, dass ich das realisieren kann.« Die Muskeln seiner Schenkel zucken sichtbar unter seiner Hose und lenken mich ab.

»Können Sie bitte auf einem der Stühle Platz nehmen?«

Er nimmt sich einen Bleistift von meinem Schreibtisch, und beginnt ihn zwischen seinen Fingern herumzuwirbeln. Kaum fünf Sekunden später zerbricht er ihn. »Ich sitze gerne hier. Die Aussicht ist auch viel besser von hier oben.« Sein Blick wandert meine Beine entlang, macht kurz halt bei meinen Brüsten und findet schließlich meine Augen.

»Ich weiß nicht, ob ich die Zeit habe, Ihren Fall anzunehmen.« Das ist gelogen.

»Aber das werden Sie. Cole hat mir versprochen, er wird sich um den Fall kümmern, und er ist nicht hier.«

Ich setze meine Lesebrille auf und öffne den Umschlag. »Geben Sie mir ein paar Stunden, damit ich mir das alles durchlesen kann, und dann werde ich die Präsentation für den Stadtrat vorbereiten. Kann ich Sie anrufen, wenn ich einen ersten Entwurf erstellt habe?«

Er antwortet nicht, also sehe ich auf; er starrt mich an und fährt sich mit dem Daumen über seine Unterlippe. Es lenkt mich mehr ab, als ich zugeben möchte.

»Sind Sie sich sicher, dass Sie mit Cole Mason verheiratet sind?«

»Soweit ich weiß, ja. Haben Sie ein Problem damit?«

Er grinst. Arroganter Arsch. »Nein. Er wirkt auf mich, als hätte er etwas Schlechteres verdient … und Sie etwas Besseres.«

»Hier ist die Grenze«, sage ich und ziehe mit dem Finger zwischen uns eine imaginäre Linie. »Sie haben keine Erlaubnis, sie zu überqueren.«

Er lacht. »Ich habe Sie nicht angemacht. Ich kann jede Frau haben, die ich will, an jedem Abend, wenn ich will. Eine verheiratete Anwältin steht nicht auf meiner Liste.« Bevor er die Chance hat, mich zu durchschauen, sehe ich wieder auf die Papiere vor mir. Wahrscheinlich steht eine Anwältin auch nicht ganz oben auf Coles Liste.

»Sie können jetzt gehen«, verkünde ich, ohne mir die Mühe zu machen aufzublicken.

»Da wäre noch etwas.«

»Ich höre«, seufze ich.

»Heute Abend wird ein neuer Club eröffnet. Der Typ, dem er gehört, hatte ein ähnliches Problem mit der Stadt wie ich. Es wäre eine gute Idee, wenn Sie beide sich einmal unterhalten würden.«

Ich schaue wieder zu ihm, kann seinem Blick aber nicht lange standhalten. Es hat irgendetwas mit der Art, wie er mich ansieht, zu tun. Auch wenn ich nicht genau sagen kann, was es ist. Es gefällt mir nicht. »Geben Sie mir seine Nummer, und ich kümmere mich um einen Termin mit seinem Anwalt.«

»Starren Sie immer auf Ihren Schreibtisch, wenn Sie zahlende Klienten im Büro haben?«, fragt er, und seine Stimme ist dunkler geworden.

Er fordert mich heraus.

Ich nehme die Herausforderung an. Zum ersten Mal sehe ich ihm lange genug in die Augen, um ihre Farbe erkennen zu können – sie sind hellblau und so leuchtend, dass sie mich an einen Laserstrahl erinnern. »Das mache ich nur, wenn die Klienten hier ohne Termin auftauchen.«

Diese Laseraugen senken sich auf mich herab und scannen meinen gesamten Körper. »Sie haben Glück, Sie sind nicht mein Typ.«

»Und warum habe ich Glück, bitte?«

Er beugt sich noch etwas weiter zu mir herunter. »Weil ich dadurch nicht in Versuchung komme, Sie flachzulegen. Ich würde mir nur ungern einen neuen Anwalt suchen.«

Mir fällt die Kinnlade herunter. Genau in diesem Augenblick kommt Beatrice herein, zwei Tassen mit kochend heißem Kaffee in der Hand. Sie sieht zu mir. Wenn sie nach all den Jahren, in denen wir zusammenarbeiten, nicht bemerkt, wie sehr ich diesen Mann aus meinem Büro haben will, hat sie nicht genug aufgepasst.

»Mrs Mason«, sagt sie und stellt die Tassen auf meinem Schreibtisch ab. »Ihr Neun-Uhr-dreißig-Termin wartet bereits.«

Ich lächle. Sie ist gut. »Danke! Sag ihm, dass ich in ein paar Minuten bei ihm bin.«

»Mache ich.« Sie sieht mir ein letztes Mal in die Augen, als sie zur Tür geht. Dabei zwinkert sie. Diese Frau darf nie in Rente gehen. Niemals.

Meine Aufmerksamkeit richte ich sofort wieder auf meinen Klienten. »Sie sind geschmacklos.«

»Sehen Sie, Sie wissen bereits alles über mich, was es zu wissen gibt.« Er drückt seine rötlichen Lippen gegen die schwarze Kaffeetasse. »Im Übrigen werde ich Ihnen seine Nummer nicht geben. Sie kommen heute Abend mit.«

Zur Hölle, nein!

»Ich habe bereits etwas vor.«

»Sagen Sie es ab!«

Ich muss laut auflachen und wirble auf meinem Stuhl herum. »Ich erledige meine Arbeit entweder im Büro oder vor Gericht. So sind die Regeln, und die werde ich nicht Ihretwegen brechen.«

Er rückt näher. Ich schiebe meinen Stuhl zurück.

»Ich bezahle Ihnen das doppelte Stundenhonorar«, sagt er.

»Ich bin keine Prostituierte, Mr Holtz.« Es gab in meiner Laufbahn bereits andere Klienten, die meine Geduld auf die Probe gestellt haben – das versuchen sogar die meisten –, aber niemand hat mich jemals so aus der Fassung gebracht. Direkt nach Abschluss meines Jurastudiums habe ich für eine kleine Kanzlei gearbeitet, die Kleinkriminelle vertreten hat. Wir behandelten Fälle, die uns ein wenig Geld einbrachten, ohne dass wir viel Recherche betreiben mussten. Einige dieser Männer haben mich auch angestarrt, vor allem, wenn sie mehr als nur ein paar Tage eingesperrt gewesen waren. Aber River Holtz ist anders. Er hat Geld und Macht.

»Ihr Ehemann hat mir erzählt, Sie sind die Beste. Ich will nur das Beste, und ich bin bereit, auch dafür zu bezahlen«, fügt er hinzu, und seine Miene wird weicher. Sein rebellischer Stil und sein gutes Aussehen tun ein Übriges.

Ich kann praktisch hören, wie Cole ihm während des Telefonats von mir erzählt hat … Ich kann seine Stimme hören. Das bringt Erinnerungen an den heutigen Morgen zurück, aber ich dränge sie rasch beiseite.

»Mein Ehemann ist ziemlich klug.«

»Beweisen Sie es«, sagt er und versucht mich offensichtlich damit zu ködern.

Cole wird heute Abend ganz schön was von mir zu hören bekommen. Es ist ganz und gar nicht lustig, wie weit er mich aus meiner Wohlfühlzone gedrängt hat.

»Wo und wann?«

Er zieht einen seiner Mundwinkel hoch und zwinkert mir zu. »Ich hole Sie um zehn Uhr ab.«

»Zehn?«, frage ich und falle fast vom Stuhl. Morgen früh muss ich um acht Uhr am Gericht sein.

»Genau. Er trifft sich mit uns um halb elf, nachdem die Eröffnungsfeier begonnen hat.«

Ich reiche ihm ein Stück Papier und einen Stift. »Schreiben Sie die Adresse auf. Wir treffen uns dort.«

»Ich sagte, ich hole Sie ab«, entgegnet er und weigert sich, Stift und Papier von mir anzunehmen.

»Und ich schlage Ihnen einen Kompromiss vor. Ich gehe mit Ihnen in den Club, aber ich werde selbst fahren. Das ist mein letztes Angebot.«

Er schüttelt den Kopf und greift nach dem Stift. »Er hat mir nicht gesagt, wie stur Sie sind.«

»Mir hat er verschwiegen, wie schwierig Sie sind«, schieße ich zurück. Er reicht mir das Stück Papier. Die Adresse kenne ich, aber sie ist mindestens eine halbe Stunde von meinem Haus entfernt.

Morgen wird die Hölle werden.

»Kommen Sie nicht zu spät«, sagt er und steht auf. »Oder Sie werden merken, wie schwierig ich wirklich werden kann.«

»Auf Wiedersehen, Mr Holtz! Auf mich wartet ein Klient.«

»Muss ich nicht noch irgendeine Art von Vertrag unterschreiben oder etwas in der Richtung?«

Ich zwinge mich zu einem Lächeln und verschränke die Arme vor der Brust. »Sehen wir erst einmal, wie der heutige Abend verläuft. Wenn Sie sich Ihren Anwalt aussuchen können, kann ich mir auch meinen Klienten aussuchen.«

Er fährt sich mit dem Daumen über die Unterlippe und lenkt meine Aufmerksamkeit dorthin. »Klingt, als würde es noch interessant werden.«

»Ja, das wird es«, erwidere ich und öffne ihm die Tür. Wenn das nicht ein deutlicher Hinweis ist, weiß ich nicht, was ich sonst tun sollte.

Bevor er die Tür erreicht hat, streckt er die Hand aus. Ich ergreife sie zögernd. Es gelingt ihm spielend, mich an sich heranzuziehen – fast zu nah, aber nur fast. »Ziehen Sie sich etwas Nettes an«, flüstert er, und sein warmer Atem streift meine Wange.

Sprachlos sehe ich ihm nach, als er hinausgeht, und ich spüre noch immer, wo seine Finger meine berührt haben. Ich frage mich, ob ihm das leere Wartezimmer aufgefallen ist. Ich frage mich, ob er meine Blicke auf sich gespürt hat, die sich auf seinem Weg hinaus nicht ein einziges Mal von ihm gelöst haben. Ich frage mich in Bezug auf River Holtz eine Menge Dinge.

»Beatrice!«, rufe ich, noch während ich im Türrahmen stehe.

»Komme!«, erwidert sie ebenso laut. Als sie mich sieht, ist das Lächeln auf ihrem Gesicht wie weggewischt. Wenn Stress attraktiv machen würde, wäre mein Name Gisele Bündchen, und ich stünde bereits auf dem Laufsteg. »Du musst alles zusammensuchen, was über Mr Holtz zu finden ist. Alles.«

»Sonst noch etwas?«, fragt sie.

»Ja, ruf bitte Robyn an und sag ihr, ich schaffe es heute nicht zum Mädelsabend.«

Sie streckt die Hand nach mir aus, als wollte sie prüfen, ob ich Fieber habe. Meine Abende mit den Mädels, an denen wir uns treffen und Wein trinken, haben für mich in etwa den gleichen Stellenwert wie bei anderen Leuten der sonntägliche Besuch in der Kirche. »Ist alles in Ordnung?«

»Ging mir schon einmal besser«, erwidere ich ehrlich. »Weißt du, wann Coles Flugzeug landet?«

»Er hat den Flug selbst gebucht. Soll ich ihn anrufen?«

Kopfschüttelnd sage ich: »Nein, er ist erst seit ein paar Stunden weg. Er ist wahrscheinlich noch in der Luft. Ich versuche, ihn heute Vormittag noch einmal zu erreichen.«

»Gute Idee.«

Sie geht wieder, und ich bleibe einfach so stehen und sehe ihr nach, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Noch nie zuvor habe ich mich so einsam gefühlt. Für jemand Außenstehenden mag es aussehen, als hätte ich alles – einen Job, einen Ehemann und ein Haus –, aber innerlich bin ich nahezu leer. Zur Hölle, ich spiele diese Scharade bereits seit über einem Jahr mit.

Viel länger ertrage ich das nicht … nicht so.

Kapitel 3

Cole hat meinen Anruf nicht angenommen, und ich musste los, um rechtzeitig zu meinem Meeting um zwölf Uhr zu kommen. Nach dem Meeting hat er auch nicht abgehoben. Also habe ich Beatrice gebeten, ihn jede Stunde anzurufen, um zu sehen, ob sie ihn erreicht, damit ich währenddessen an meinem Plädoyer für die morgige Anhörung arbeiten kann. Das war vor drei Stunden. Das kommt häufig bei uns vor; an manchen Tagen höre ich gar nichts von ihm, wenn er nicht in der Stadt ist. Früher … früher hat er mich jeden Abend vor dem Zubettgehen angerufen und sich auch tagsüber so oft gemeldet, wie er nur konnte. Aber das ist nur ein weiterer Beweis dafür, wie sehr wir uns verändert haben.

»Möglicherweise musste er nach der Landung sofort zu seinem Meeting fahren«, sagt Beatrice und reicht mir meine achte Tasse Kaffee am heutigen Tag.

»Was steht in seinem Kalender? Wann sollte sein Meeting zu Ende sein?«, frage ich sie wieder.

»Um drei. Sie liegen wegen der Zeitverschiebung eine Stunde zurück, also sollte es bereits vorbei sein. Aber er hat noch ein Meeting um vier Uhr.« Sie geht wieder, und als sie die Tür hinter sich schließt, ziehe ich mein Handy hervor.

Marley: Du musst mich anrufen.

Es vergehen zehn Minuten, aber er antwortet nicht. Und ich schaffe es nicht, auch nur ein weiteres Wort an dem Plädoyer zu schreiben, an dem ich schon den ganzen Nachmittag arbeite.

Marley: Ich gehe heute Abend mit River Holtz in einen Nachtclub.

Es dauert gerade einmal zehn Sekunden, bis mein Handy klingelt. »Hallo«, sage ich, nachdem ich abgenommen habe, und versuche, nicht wie eine wütende Ehefrau zu klingen, auch wenn ich mich gerade so fühle. Ich kann mich an keinen Tag erinnern – Fall hin oder her –, an dem ich mal nicht in der Lage dazu gewesen wäre, kurz zu telefonieren.

»Warum zur Hölle fährst du mit ihm in einen Nachtclub?«

»Recherche«, erwidere ich.

»In einem Club?«

»Ja. Wie es aussieht, hat der Besitzer die Nutzung des Gebäudes umschreiben lassen. Deshalb will ich mich mit ihm unterhalten.«

»Und diese ›Unterhaltung‹ mit ihm muss in einem Club stattfinden?«

»Was soll ich denn sonst machen, Cole? Du bist nicht da. Ich bin hier.«

»Versuchst du deshalb schon den ganzen Nachmittag, mich zu erreichen? Willst du meine Erlaubnis, oder soll ich dich da herausholen? Meine Erlaubnis bekommst du nicht, aber ich rufe diesen Bastard gerne an und sage ihm, er kann sich einen neuen Anwalt suchen.«

»So schlimm ist es nicht«, lüge ich und klopfe mit meinem Radiergummi auf den Schreibtisch. Ich habe schon fast wieder vergessen, warum ich ihn überhaupt angerufen habe. »Weißt du sonst noch etwas über ihn, was nicht in der Akte steht? Wirklich umfangreich ist sie nicht, und ich brauche mehr.«

Er seufzt. »Du wirst doch da nicht wirklich hingehen, oder?«

»Warum sollte ich nicht?«

»Oh Mann, Marley, wenn du das nur machst, um mir eins auszuwischen, weil –«

»Das ist es nicht. Deswegen bin ich nicht mehr wütend«, unterbreche ich ihn. Zwei Lügen in weniger als einer Minute. Das wird mir das Karma später mit Sicherheit heimzahlen. »Hast du noch mehr Informationen über ihn, oder nicht?«

Ich kann praktisch hören, wie er spöttisch das Gesicht verzieht. »Habe ich nicht. Den Klienten habe ich ganz kurzfristig angenommen, und ich hatte nicht viel Zeit, mehr über ihn in Erfahrung zu bringen, bevor ich geflogen bin.«

»Dann muss mir das reichen«, sage ich und stehe auf, um aus dem Fenster zu sehen. Dieser Ausblick ist der einzige Grund, weswegen ich mir dieses Büro ausgesucht habe. Dieses Gebäude ist das größte in der Umgebung, und von hier aus kann ich in der Ferne sogar das Meer sehen. Wenn ich meinen Kopf von all diesen Sorgen freibekommen will, die mich nicht in Ruhe lassen, konzentriere ich mich auf das kristallblaue Wasser.

»Sei nicht böse auf mich, Babe. Ich hasse es, dir das anzutun – ich hasse es, nicht für dich da sein zu können.« Erst kommt der Job, dann Marley. So war es schon immer.

»Ich bin nicht böse auf dich. Mr Holtz ist viel Arbeit. Ich war einfach nur überrascht, mehr nicht.«

»Wenn du seinen Fall nicht annehmen willst, dann lass es. Wir brauchen sein Geld nicht.«

Ich fahre mit den Fingerspitzen eine imaginäre Linie über meiner Augenbraue nach. Er hat recht; wir brauchen Rivers Geld ganz sicher nicht. Aber auch wenn River mich zur Weißglut treibt, hat er doch etwas an sich, was mich herausfordert. Sonst sind meine Tage nur gefüllt mit Klagen gegen große Firmen wegen Nebenwirkungen von Medikamenten oder Vertragsverstößen oder Streitigkeiten bezüglich der Eigentümerschaft. Meine Klienten sind üblicherweise langweilig, wohlhabend und undurchsichtig.

River Holtz könnte die Abwechslung bieten, die ich gut brauchen kann – er ist eine Herausforderung für mich.

»Ich komme mit ihm klar, also werde ich ihn als Klient annehmen«, antworte ich endgültig, auch wenn ich weiß, ich werde es später wahrscheinlich bereuen.

»Meinetwegen. Aber ruf mich an, falls du etwas brauchst, ja? Ich muss noch zu einem weiteren Meeting und gehe danach mit dem Vorstand essen, aber ich werde versuchen, dranzugehen, wenn du anrufst.« In letzter Zeit sagt er oft Dinge, die er nicht wirklich so meint, und es beginnt mir ernsthaft auf die Nerven zu gehen.

»Ich muss Schluss machen. Ich muss das Plädoyer für morgen noch zu Ende schreiben, bevor ich heute hier wegkann.«

»Wenn irgendetwas vorfallen sollte, geh einfach. Okay? Du musst niemandem etwas beweisen.«

»Mach dir um mich mal keine Sorgen«, sage ich und verdrehe angesichts seiner Worte die Augen.

»Aber die mache ich mir.« Seine Stimme klingt weicher. Am liebsten würde ich sie aufnehmen, um sie in Zukunft abspielen zu können, wann immer diese nagenden Zweifel zurückkommen. Aber mehr als alles andere will ich seinen Worten glauben.

»Rufst du mich morgen an, wenn du zwischen den Meetings Zeit hast?«, frage ich und spüre, wie mir die Tränen in die Augen schießen. Ich brauche ihn, mehr, als mir lieb ist.

»Natürlich mache ich das. Was denkst du, wann wird die Anhörung zu Ende sein?«

»So kurz nach zwölf.«

»Mir gefällt es immer noch nicht, dass du heute Abend mit ihm ausgehst«, gesteht er mir.

»Und mir gefällt nicht, dass du nicht da bist und ich mit allem allein dastehe«, schieße ich zurück.

»Das mache ich wieder gut. Versprochen. Lass uns am Wochenende zusammen wegfahren.« Wir fahren an den Wochenenden oft weg, und es ist immer schön. Aber ab Montag ist alles wieder Routine, und es ist, als wäre die Zeit, die wir miteinander verbracht haben, nur noch eine verblasste Erinnerung.

»Liebe dich«, sage ich, um das Gespräch zu beenden. Wir könnten noch stundenlang so weitermachen und kämen doch nicht voran.

»Liebe dich auch.« Das Telefon gibt ein Klicken von sich. Manchmal schwirrt mir der Kopf. Ich liebe ihn. Ich liebe ihn, tief und ehrlich, aber manchmal dauert es eine Ewigkeit, bis mir wieder einfällt, warum ich mich überhaupt erst in ihn verliebt habe. Und wie sich das anfühlt. Er ist hier, und unser Leben ist gut; zumindest schaffe ich es ziemlich gut, mir vorzumachen, es wäre gut. Ich will mich mit diesem »gut« aber nicht zufriedengeben.

Wir sind uns das erste Mal auf dem Campus begegnet – ich hatte versehentlich meine Schlüssel und mein Handy im Auto eingeschlossen, und er kam mit einem amüsierten Grinsen auf dem Gesicht zu mir herüber. Er sah aus wie der typische nette Junge von nebenan, was mich in Sicherheit wog – dichtes braunes Haar, dunkelblaue Augen und perfekte, volle Lippen. Ich studierte erst seit ein paar Wochen Jura und war mir ziemlich sicher, meine erste große Prüfung in den Sand gesetzt zu haben. Der Tag war bis dahin die Hölle gewesen, aber Cole hat es irgendwie geschafft, mich zu retten.

Liebe – oder auch nur eine Beziehung – stand ganz unten auf meiner Liste. Aber aus einem Date wurden zwei, und wir blieben das gesamte Jurastudium zusammen. Er brachte mich zum Lachen, und sein Charme ließ all meinen Stress verschwinden. Er zwang mich, nicht zu vergessen, dass es mehr im Leben gibt als nur Gesetzbücher.

Ein paar Jahre nachdem ich meinen ersten richtigen Job angetreten hatte, machte er mir einen Antrag. Achtzehn Monate später haben wir geheiratet, und das nächste Jahr brachte sein Vater uns bei, wie wir seine Kanzlei führen sollten, um sie später zu übernehmen. Die darauffolgenden Jahre waren voller Höhen und Tiefen.

Und jetzt stecken wir so tief in einem Loch wie noch nie zuvor. Aber solange ich das Gefühl habe, wir können diese Routine durchbrechen, werde ich nicht aufgeben. Wenn es darum geht, ihn zu behalten, schufte ich mir auch die Finger blutig.

Ich lehne die Stirn gegen das Fenster und klopfe sanft mit den Knöcheln gegen das Glas. Ich hätte ihn anschreien sollen, als ich noch die Chance dazu hatte, denn jetzt fühle ich mich schlecht, weil ich das Gefühl habe, mir als Einzige Gedanken wegen unserer verkorksten Beziehung zu machen. Ihn scheint das nicht zu stören, und falls doch, lässt er es sich nicht anmerken. Es ist schwierig, jemandem die Schuld an etwas zu geben, wenn man sich nicht einmal mehr daran erinnert, wann es begonnen hat schiefzugehen.

Die Tür fällt ins Schloss, und ich zucke zusammen. Beatrice wartet, bis ich mich umgedreht habe, und fragt mich dann zögernd: »Brauchst du noch etwas, bevor du gehst?«

Meinen Ehemann.

Ein Baby.

Liebe.

»Nein, nein. Mach ruhig Feierabend. Ab nach Hause. Ich mache das hier noch fertig und sehe dann zu, dass ich auch hier verschwinde.«

Sie kneift argwöhnisch die Augen zusammen. »Bist du dir sicher, dass du keine Hilfe brauchst?«

»Ja! Jetzt verschwinde schon, bevor Joe noch hier anruft und fragt, wo sein Abendessen bleibt«, sage ich lachend und bedeute ihr mit einer Geste, zu gehen.

»Okay. Dann gute Nacht, Marley!«

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es schon fast sechs ist. Wenn ich hier um sieben Uhr rauskomme, bin ich um halb acht zu Hause. Das ist genug Zeit, um noch etwas zu essen und mich für mein Meeting heute Abend fertig zu machen … mein alles andere als typisches Arbeitsmeeting mit dem mysteriösen River Holtz.

***

Aus sieben wird dann doch acht Uhr. Das Abendessen besteht nur aus einem Joghurt und einer Handvoll Mandeln.

Um neun stehe ich vor dem Spiegel und bearbeite meine langen, glatten blonden Haare mit einem Lockenstab. Das Make-up von heute Morgen ist noch okay, aber ich lege zusätzlich etwas dunklen Lidschatten auf, für einen Smokey-Eyes-Look, der meine haselnussbraunen Augen betont, und schminke mir die Lippen mit einem dunklen Lipgloss. Etwas Passendes zum Anziehen zu finden gestaltet sich allerdings ein wenig schwieriger. Cole und ich werden oft zu geschäftlichen Dinnern eingeladen, daher habe ich einige Cocktailkleider im Schrank; aber keines davon ist passend für einen Club.

Mir fällt das Kleid ins Auge, das ich letzten Winter getragen habe, als Cole und ich in die Karibik gefahren sind. Es ist aus dünnem, hautengem Stoff in einem tiefen, seidigen Violett. Die Ärmel reichen mir gerade bis zu den Ellenbogen, es ist rückenfrei, und der Rock bedeckt meine Oberschenkel nur zur Hälfte.

Das würde ich normalerweise nicht zu einem Arbeitsmeeting anziehen, aber das ist ein spezieller Fall. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ich ein Meeting in einem Nachtclub habe.

Ich streife es über und entscheide mich für ein breites goldenes Armband als Accessoire, das ich locker am Unterarm trage, und meine zehn Zentimeter hohen goldfarbenen High Heels.

Als ich hinuntergehe, stelle ich mir Cole vor, wie er am Fußende der Treppe steht. Ich sehe ihn vor mir, wie er jeden Zentimeter meines Körpers mit lustverhangenem Blick betrachtet. Ich stelle mir vor, wie wir einfach zu Hause bleiben und auf den Stufen Liebe machen. Ich stelle es mir genau so vor, wie es früher war – als er mir noch alles bedeutet hat und ich alles für ihn war. Ich würde unser Haus und all unseren beruflichen Erfolg aufgeben, wenn nur wieder alles so sein könnte, wie es früher war. Aber stattdessen schiebe ich diese Gedanken einfach beiseite.

Die Höhen.

Die Tiefen.

Sie wären für jedes Paar zu viel.

Als ich endlich das Haus verlasse, ist es bereits zehn Uhr. Nach unserem Treffen heute früh bin ich mir sicher, Mr Holtz wird es nicht gerne sehen, wenn ich zu spät bin. Also übertrete ich auf meinem Weg zum Club ein paar Geschwindigkeitsbegrenzungen und hoffe auf möglichst wenig Verkehr.

Der Gedanke, ihn wiederzusehen, lässt meinen Magen Saltos schlagen, vor allem, weil dieses Wiedersehen auf seinem Territorium stattfinden wird … zu seinen Bedingungen. Wenn mir seine Mätzchen zu viel werden, kann ich ihn nicht einfach rauswerfen, wie in meinem Büro. Um zwanzig nach zehn stelle ich meinen Wagen vor dem Stand des Parkservice ab und gebe dem Mann dahinter die Autoschlüssel.

Vor der Tür des Clubs steht ein Mann, der mich um mindestens dreißig Zentimeter überragt, und er hält ein Klemmbrett in der Hand. »Name?«, fragt er und sieht mir dabei nicht einmal in die Augen.

»Marley Mason. River Holtz hat mich eingeladen.«

Das Klemmbrett senkt sich ein wenig, und der Mann mustert mich von Kopf bis Fuß.

»Das kann ich mir vorstellen«, sagt er und schüttelt den Kopf. »Einfach durch die Tür und dann rechts. Dort befindet sich eine Wendeltreppe. Wenn Sie die hochgehen, werden Sie ihn in der Menge schon finden.«

»Danke«, sage ich und drücke nervös auf meiner Clutch herum. Was zur Hölle habe ich mir dabei nur gedacht?

Die Musik dröhnt aus den Lautsprechern, als ich den Club betrete. Das grelle Licht beleuchtet das Gesicht jedes einzelnen Besuchers in dem vollen Club. Ich reiße meinen Blick von der Dekoration los und gehe zu der golden leuchtenden Treppe. Ich bin angespannt, und bei jedem Schritt schlägt mein Herz ein wenig schneller. Als ich in den VIP-Bereich gelange, verschlägt es mir die Sprache: Der Boden leuchtet in grellem Blau, und es hängen große goldfarbene Glühbirnen an verschieden langen Kabeln von der Decke. Überall stehen dunkelbraune Ledersessel und Sofas und dazwischen wunderschöne Frauen, die noch weniger Stoff am Leib tragen als ich. Männer sind nur spärlich vertreten, und die meisten von ihnen zeigen, dass sie Geld haben. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal derart fehl am Platz gefühlt habe.

Eine Hand streift meine Hüfte. »Ich dachte schon, Sie würden nicht mehr kommen.«

Rasch schließe ich meine Augen, um meine Fassung zurückzugewinnen, schlage sie aber ebenso schnell wieder auf. »Ich halte meine Verabredungen ein. Oder ich rufe an, wenn ich nicht kommen kann.«

Er umrundet mich und stellt sich vor mich. »Sie passen wirklich gut auf die Party.«

»Sie sehen aber auch nicht schlecht aus«, erwidere ich und beiße mir auf die Unterlippe, um meine Nerven zu beruhigen. Er trägt noch dasselbe Hemd, dieselbe Krawatte und auch dieselbe Hose wie heute Morgen, aber sein Jackett hat er durch eine Lederjacke mit Nieten ersetzt.

»Möchten Sie etwas trinken, bevor wir beginnen?« Er beugt sich zu mir, damit ich ihn trotz der lauten Musik verstehen kann. Der Duft von Zigarren und teurem Aftershave kitzelt mir in der Nase. Ich hasse es, das zugeben zu müssen, aber er gefällt mir.

»Wodka mit einer Zitronenscheibe, bitte.«

Er lächelt. »Keinen Cosmopolitan oder einen Dirty Martini?«

»Nicht mein Stil.«

»Das respektiere ich.« Er hebt die Hand und winkt einer spärlich bekleideten Kellnerin. Er gibt die Bestellung auf, legt seine Hand dann auf meinen verlängerten Rücken und führt mich zu der leeren, kreisförmigen Couch, die mitten im Raum steht.

»Meine Klienten dürfen mich nicht berühren, außer um mir die Hand zu schütteln«, bemerke ich und lehne mich im Ledersitz ein wenig zurück.

»Ich bin aber nicht wie Ihre anderen Klienten.« Er sitzt knapp einen halben Meter entfernt von mir und legt seine Arme auf die Rückenlehne der Couch. Seine Hand liegt nah bei meiner Schulter, ohne sie zu berühren.

Ich beuge mich vor, um etwas Abstand zwischen uns zu bringen, aber dann spüre ich seine Finger, die meinen Rücken streifen. Ich schließe die Augen, atme tief ein, bis ich bemerke, dass seine Hand von mir ablässt. »Eindeutig nicht«, stimme ich ihm mit tiefer Stimme zu.

»Na bitte!«

Mein Drink kommt. Ich leere ihn fast bis zur Hälfte, ehe ich es wage, wieder in seine Richtung zu blicken. Um den Abend zu überstehen, werde ich mindestens zwei Drinks brauchen. »Wo ist dieser Mann, den wir hier treffen sollen?«

Er grinst breit. Perfekte weiße Zähne und Grübchen; ich wette, in diesem Club gibt es heute Abend ein paar Frauen, die nur zu gerne mit ihm nach Hause gehen würden. Ohne Zweifel.

»Sie sehen ihn gerade an«, verkündet er, und ich verschlucke mich fast an meinem Drink.

»Was?«

Er rutscht näher, und wieder streifen seine Fingerspitzen über meinen nackten Rücken. »Das ist mein Club. Zumindest einer davon.«

»Das ist doch wohl ein Scherz?« Mein ganzer Körper spannt sich an. Ich stürze den Rest meines Drinks herunter und spüre, wie der Wodka in meiner Kehle brennt.

»Ich lüge nicht, Miss Mason.«

»Mrs Mason, und doch, Sie haben gelogen. Sie sagten, Sie seien zu mir gekommen, um mit dem Besitzer dieses Nachtclubs darüber zu reden, wie wir die Nutzungsrechte für Ihr Gebäude umschreiben lassen können.«

»Ich habe auch nie etwas anderes behauptet.«

Ich schüttle den Kopf und sehe mich dabei heimlich nach dem Ausgang um. Diesen Fall hatte ich eigentlich aus einem ganz anderen Grund angenommen. Ich hatte gedacht, er wäre mal etwas Neues. Etwas ganz anderes.

Er redet weiter: »Sie hätten mir gesagt, ich solle mich zum Teufel scheren, wenn ich Sie gebeten hätte, sich heute Abend meinen Club anzusehen. Ist es nicht so?«

»Scheren Sie sich zum Teufel, Holtz!« Ich mache Anstalten aufzustehen, aber er packt meinen Arm und hält mich zurück.

»Da Sie schon einmal hier sind, können Sie genauso gut auch bleiben. Wir können weitere Details des Projekts besprechen.« Die Kellnerin kommt und bringt einen weiteren Drink. Ohne zu zögern, nehme ich ihn und stürze ihn hinunter.

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