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Unterwerfung mit Hindernissen

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Unterwerfung mit Hindernissen
  5. Einweg
  6. Klimaanlage, Farbfernsehen, Live-Nixen
  7. Reisespesen
  8. Unsere Empfehlungen

Rachel Kramer Bussel (Hg.)

UNTERWERFUNG
MIT HINDERNISSEN

und andere erotische Hotelstorys

Aus dem amerikanischen Englisch von
Irma Motte

Unterwerfung mit Hindernissen
Suleikha Snyder

Las Vegas weckte in Anna stets den Wunsch, eine von drei Sachen zu machen: ihr gesamtes Bargeld am Black-Jack-Tisch zu verjubeln, die Männer-Strip-Show im Excalibur zu besuchen oder einen völlig Fremden abzuschleppen. Sie war zwar erst einen Tag in der Stadt, und doch ertappte sie sich dabei, eine vierte Sache zu tun: Sie versteckte sich.

Eine gut gekleidete Frau mit einer auffällig blonden 80er-Jahre-Frisur stieg aus der Limousine. Sofort stürmten Autogrammjäger mit Handykameras auf sie zu und umzingelten sie. Niemand brauchte Anna zu sagen, wer diese Frau war. Anna verbarg sich bereits hinter einer Säule und hoffte, dass die regierende Königin von Nächte der Unterwerfung sie nicht sah. Desiree LeBeau spielte ein eiskaltes Miststück im Fernsehen und musste dafür nicht einmal besonders ihre schauspielerischen Muskeln anstrengen. Zumal sie ohnehin die Muskeln nicht groß anspannen konnte, bei all dem Botox, das sich in ihnen befand. Würg! Sollte Desiree Anna entdecken, so würde sie keine Sekunde zögern, das Thema Ty anzusprechen. Schlimmer noch, das Thema Felicity und Ty. Die Scheidung war jetzt ein Jahr her, trotzdem schmerzte sie immer noch sehr.

Anna stürmte los, ins Innere des Hotels und an der abgesperrten Zone vorbei, wo einige fleißige Emmy-Mitarbeiter den Check-in durchführten. Irgendwie typisch: Sie war den ganzen Weg von New York hierher geflogen, nur um hier auf jemanden zu treffen, der in einer der drei verbliebenen New Yorker Seifenopern mitspielte.

Sie verfluchte denjenigen, der ihr ein Zimmer im Las Vegas Hilton genau an dem Wochenende gebucht hatte, an dem die Daytime Emmy Awards stattfanden … also eigentlich verfluchte sie sich selbst.

Da ihr Budget winzig klein und das Hilton eines der günstigsten Business-Hotels in der Nähe des Strips war, hatte sie ihre Assistentin angewiesen, dort zu buchen. Sicher, in den Hotels von Vegas fanden ständig irgendwelche abgedrehten Events statt – als sie sich hier letztes Jahr mit einem einflussreichen Schnaps-Händler getroffen hatte, fand gerade eine Clown-Tagung statt –, aber das übertraf wirklich alles. Die Emmys? O Gott, bloß nicht.

Anna hatte keine Ahnung, was es über sie aussagte, dass das Einzige, was ihr noch traumatischer vorkam als eine Horde Clowns ein Hotel voller Soapstars war – und Menschen, die ihr Geld damit verdienten, eine Hand in den Hintern einer Muppets-Puppe zu stecken. Nicht, dass sie etwas gegen das Tagesprogramm des Fernsehens hatte. Immerhin nahm sie regelmäßig die Talk-Show The View und die Soap Zeit der Sehnsucht auf. Sie konnte nur solche Events nicht ausstehen, die es mit sich brachten, dass ihr Exmann und sie sich auf beengtem Terrain begegneten. Warum nur hatte sie nicht ihren Terminkalender überprüft und darauf bestanden, dass das Meeting wegen der Expansion eine Woche später stattfand?

Weil du verzweifelt bist, Anna. Die leise Stimme in ihrem Hinterkopf klang verdächtig nach ihrer Mutter. Weil du Tyler begegnen willst, fügte eine Stimme hinzu, die sich wie ihre Schwester anhörte. Man könnte fast meinen, dass Abby während der Scheidung gar nicht auf ihrer Seite war, angesichts ihrer nicht enden wollenden Unterstellungen, Anna habe noch Gefühle für ihren Ex. Dass man nicht dreitausend Dollar für die Entfernung eines Eigentum von Tyler St. Cloud-Tattoos am Schenkel ausgeben wollte, bedeutete schließlich nicht, dass man den unsensiblen Dummkopf noch liebte. Es bedeutete schlicht, dass Anna keinen Laserchirurg sehen lassen wollte, was für ein Idiot sie mit achtzehn gewesen war. Natürlich war sie mit achtundzwanzig immer noch ein Idiot.

Anna behielt die Sonnenbrille auf und wich dem roten Teppich so weiträumig wie möglich aus. Ein paar Internetreporter sicherten sich bereits ihre Plätze, aber die hätten sie sowieso nicht erkannt. Auf ihrem Weg zu der kleinen Sushi-Bar neben dem Casino betete sie inständig, dass niemand anderes von Nächte der Unterwerfung auftauchte. Jahre voller Weihnachtsfeiern, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Emmy-Partys hatten dafür gesorgt, dass sie ein bekanntes Gesicht war. Nicht so bekannt wie Tyler natürlich.

Leugnen hatte keinen Zweck: Ty sah sehr gut aus. Ein Meter neunzig groß, ein australischer Hüne mit dunklem Haar und blauen Augen. Mit zwanzig hatte er einen verträumten Look, als sie beide hinter der Bar einer Absteige in der 9th Avenue gejobbt hatten, und mit dreißig war er in der engeren Auswahl für den Titel des Sexiest-Man-Alive vom People’s Magazine. Anna hatte die Gastronomie nie verlassen und sah heute immer noch so aus wie das Mädchen von nebenan: glattes schwarzes Haar, braune Augen und der Körperbau einer Läuferin. Mit den Schönheiten, die sich in ein paar Stunden in ihren Dolce & Gabana-Roben präsentieren würden, konnte sie nicht mithalten. Felicity Hawkins, Desirees Tochter und Tylers neue Partnerin in der Serie, spielte definitiv in einer anderen Liga. Würg, dachte sie wieder. Method Acting wurde total überschätzt.

Da die ersten Stars bald am roten Teppich eintreffen würden, war die schummrige, höhlenartige Sushi-Bar am anderen Ende des Hiltons leer. Der einsame Barkeeper schrieb SMS oder zockte Angry Birds. Als Anna einen Martini bestellte, sah er zu gleichen Teilen verärgert und erleichtert aus. Ihr erster Drink war schnell gekippt, und der Angry-Birds-Jüngling servierte ihr einen zweiten wie aufs Stichwort. Er war vielleicht zweiundzwanzig, süß und definitiv sauer auf die Welt. Seine Stimmung verbesserte sich sichtlich, als sie ihre Rechnung mit einem saftigen Trinkgeld beglich. Er grinste ihr zu, ehe er durch die Tür zur Küche verschwand. Vielleicht wollte er nachsehen, was am roten Teppich los war. Jedenfalls schien es ihm total egal zu sein, dass sie seine Kasse bis auf den letzten Cent plündern konnte, während er fort war.

Anna beugte sich über ihren Drink und überprüfte ihr BlackBerry. Eine SMS von Jim, dem Promoter von Scottsdale, blinkte ihr entgegen. Er fand ihr Konzept toll. Gott sei Dank lief wenigstens etwas gut an diesem Tag. Einige Minuten lang genoss sie ihren Drink in Frieden, hörte nur ab und an das gedämpfte Klingeln der Glücksspielautomaten und das gelegentliche Lachen von vergnügten Spielern im Casino nebenan. Die Bar war intim und nicht sehr einladend für Besucher, die richtig feiern wollten. Dennoch war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand hereinkam.

Natürlich kam jemand herein. Jemand, der sich vertraut anfühlte. Zu vertraut.

»Du willst mich wohl verarschen.« Es war ein schlechter Witz. Von allen albernen Orten im Hilton, an denen man sich aufhalten konnte, hatte er sich ausgerechnet diesen ausgesucht? Nicht die Vince-Neil-Cantina oder das Steakhaus? Sie brauchte gar nicht mitanzusehen, wie er auf die Bar zuschritt. Ihr Rücken verkrampfte sich, noch ehe sie seinen Atem in ihrem Nacken spürte. Tyler St. Cloud gehörte jeder Raum, den er betrat. Er hatte seinen Stempel auf jedem Zentimeter ihres Apartments hinterlassen – und auf jedem Zentimeter ihrer Haut. Ihre Sinne wussten, dass er da war, bevor auch nur ein Satz über seine Lippen gekommen war. Natürlich musste er das erste Wort haben.

»Anna! Was treibst du hier? Bist du hier, um mich gewinnen zu sehen?«

Sie starrte auf die schnell versiegende grüne Flüssigkeit in ihrem Glas. »Oh, bitte. Du bist doch nicht mal nominiert, Blödmann.«

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