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Unsichere Zeiten

Stephanie von Below

Karin Harris-Hedder

Renate Haußmann (Hg.)

UNSICHERE ZEITEN

Gedichte zu Dritt

«Aneignung – Abstraktion – Wiederaneignung
und erneute Abstraktion. Im lyrischen Trialog werden
Worte gerührt und geschüttelt, bis scheinbar nichts mehr
von den ursprünglichen Zutaten vorhanden ist.»

(Renate Haußmann)

Lyrik im Trialog

Wenn Nachrichten verunsichern und das Leben Gefühle erzeugt, für die keine Worte zu finden sind, dann trösten Gedichte. Sie öffnen den Blick für vielfältige Perspektiven die dem Unsagbaren Flügel verleihen. Vorbilder für die drei Autorinnen des Gedichtbands sind Poetinnen die in Unfreiheit, in Gefahr, unter Einfluss von Gewalt und im Exil geschrieben haben. Sie lassen sich inspirieren von Hoffnungslosigkeit, Trauer und Wut die zum Ausdruck kommt und von der Melancholie der Sprache, die auch Worte für Sehnsucht und Hoffnung findet. Ausgewählte Gedichte der Mentorinnen werden auch in Form und Rhythmus zur literarischen Vorlage.

Unter diesem Einfluss haben sich die drei Autorinnen dieser Ausgabe konzeptioneller Lyrik auf den Weg gemacht. Sie haben sich auf eigene Ängste, Sehnsüchte und Hoffnungen eingelassen und sich mit Worten aneinander festgehalten. Gemeinsame Themen sind die Brücke zu aktuellen Auseinandersetzungen und zu Gedanken der heutigen Zeit. Die Gedichte entstehen im Dreierschritt – im Trialog. Sie beziehen sich als assoziativer Impuls direkt aufeinander, um danach in lyrischer Freiheit erkennbar eigene Wege des Ausdrucks zu finden.

«Unsichere Zeiten» ist Band 5 der Serie «Konzeptionelle Lyrik».

Ungeklärte Fragen der Schuld

MENTORIN: SARAH KIRSCH

Die Gletscher schmelzen

Land in Sicht

Wind von vorn

Die Gletscher schmelzen

es ist an der zeit

du fragst

willst den bildern nicht glauben

sieh hin

der weiße bär sitzt auf der scholle

versunkenes land

ewiges eis

das war seine heimat

du traust

deinen augen nicht

lässt dich verführen von wortreichen

deren macht

zur wahrheit verpflichtet sein sollte

bleibst gefangen im glauben

dass werte prägen und haltung erzeugen

du hoffst

auf die vernunft und

auf das gute im menschen

und dass ich an deiner seite bin

wahrhaftig und

offen im kampf

gegen die giganten

(Renate Haußmann)

 

Land unter

Mehr Mehr Haben Haben

Schreit der Mensch

Gletscher schmelzen

Wasser sprudeln

Eisbären gleiten haltlos

Bäume kippen

Stürme jubeln

Das Universum lächelt

Alles ändert sich sagt die Weisheit

Ich vermeide Plastik

Genieße Samt und Tand

Steige in die U-Bahn

Putze meine Nase

Hoffend aufs Erwachen

(Karin Harries-Hedder)

 

Apfelbaum

Ich pflanze lieber einen Apfelbaum

als keinen

und hoffe lieber einen Tag

ich traue lieber einem Wort

als keinem und spüre lieber meinen Schmerz.

Ob das gewissenlos sei fragt er

ob das kurzsichtig ist fragt sie

oder zu wenig am Ende des Tages.

Ganz bestimmt sage ich und pflanze.

(Stephanie von Below)

Land in Sicht

Sommer 2019

Nachrichten verstören

Hitzewellen

Gewitter

Schlammmassen

Menschen ertrinken

Verwirrung im Herzen

Blut pocht rast

Chaos weitet den Kopf

Ein überhitzter Computer

Kurzschluss

Lösung in Sicht

Ohnmacht

Brüche in der Welt

Still schreit das Herz

(Karin Harries-Hedder)

 

Kopfsprung

Wetterflüsterer gurren das Lied vom Ende des Planeten es sei längst zu spät lese ich bedeutungsvolle Gesten ich putze meine Nase umweltverträglich.

Hoffnungslosigkeit nimmt mir den Atem Wut liegt in den offenen Handflächen leider total voll gekotzt.

Und dann springe ich wieder in den schwarzen Trichter des Vergessens als wäre es mein zweites Leben.

Wir müssen handeln uns vernetzten es gibt so viel zu tun hört man stündlich

ich schaue auf das Meer drücke es an mein Herz

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