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Unsere lieben Nachbarn

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© 2017 K. B. Schmittdhausen

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN
Paperback:978-3-7439-0354-8
Hardcover:978-3-7439-0355-5
E-Book:978-3-7349-0356-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Ein Tag wie jeder andere

Der Einkaufstrip

Die Vorbereitung

Das >Theater<

Ein Tag wie jeder andere

Es war wieder so weit. Um Viertel vor sieben meldete sich Karl-Gustavs Wecker, worauf er fast zeitgleich aus seinem Bett hochschnellte. Obwohl er dieses Ereignis mittlerweile gewohnt war, da es sich jeden Morgen um dieselbe Zeit wiederholte, zumindest an jedem Werktag, konnte er die Folgen des Weckgeräusches wiederum nicht vermeiden. Das heißt, dass er auch heute von seinem bombastisch klingelnden Weckgerät nahezu aus dem Tiefschlaf gerissen wurde. Besonders ärgerlich empfindet es Karl-Gustav jedes Mal, wenn hiermit gleichzeitig – wie auch heute Morgen – ein herrlicher Traum endet, indem er gerade von Mathilda, seiner geliebten Frau, sensationell verwöhnt wird.

Da dieses, zumindest real, in der letzten Zeit keinesfalls häufig stattfand, ist eine ungewollte Unterbrechung dieses herrlichen Vorganges – eigentlich war es sogar eine Beendigung, denn es geht gleich weder im Traum noch real weiter – umso ärgerlicher.

Noch weitaus ungehaltener wurde Karl-Gustav, als er bemerkte, dass sein Wecker es wieder nicht geschafft hat, auch Mathildas Schlaf zu beenden. Das Weckgeräusch war zwar laut genug, um ihn zu wecken, aber für Mathilda reichte es offenbar nicht.

Eigentlich war Karl-Gustav nun sogar ein wenig frustriert, seinen Gemütszustand konnte er gar nicht anders deuten. Wenn es vielleicht auch ein bisschen gemein war, so zu empfinden, das war ihm allerdings schon bewusst.

Andererseits hatte er für diese doch etwas seltsamen und ungewöhnlichen Gedanken, er liebte ja seine Frau, sofort eine Entschuldigung parat. Sollte er seine augenblicklichen Empfindungen jemandem erklären müssen, so könnte er das sogar ohne Zusatzerklärung handhaben, davon war er überzeugt. Ein Blick herüber zu seiner Frau, verbunden mit dem Wissen, dass ihr zurzeit vorhandener Gesichtsausdruck nur dann zu beobachten ist, dies wurde ihm auch schon des Öfteren von Mathilda berichtet, wenn sie mit Brad in ihren Träumen Sensationelles erlebt, würde jegliche Erklärung überflüssig machen.

Wie auch immer, darüber wollte er gegenwärtig mitnichten philosophieren, es würde seine negative Stimmung keineswegs verbessern. Dieses strahlende, erfüllte Lächeln, welches Mathilda gerade Karl-Gustav unbewusst zeigte, war ihm schon ein Dorn im Auge. Kurzzeitig dachte er daran, sie >versehentlich> etwas kräftiger anzustoßen und somit dieses aus seiner Sicht fast widerlich süße Lächeln abrupt zu beenden.

Letztendlich konnte sich Karl-Gustav soeben zusammenreißen und stand auf, ohne Mathilda zu wecken. Dabei bemerkte er dummerweise, mit einem nochmaligen Blick auf seine Frau, dass diese völlig durchgeschwitzt war.

Daraufhin kam ihm wiederum der Gedanke, eigentlich hatte er jetzt überhaupt keine Zweifel mehr, dass Mathilda heute Nacht tatsächlich mit Brad gewirbelt hat, zum Glück nur im Traum. Er war sich auch vollkommen sicher, dass deshalb immer noch dieses anmutige Lächeln in ihrem Gesicht zu sehen ist. Seltsam, wenn sie mit ihm geschmust hat, ist es eher nicht so!

Mann oh Mann, dass solche Erkenntnisse ihn nicht besonders erfreuten, war zweifelsfrei naheliegend. Er konnte sich aber nicht weiter mit diesen Überlegungen beschäftigen, wollte es eigentlich auch nicht. Schließlich war er sich den verantwortungsvollen Aufgaben, denen er sich gleich widmen wollte, eigentlich sogar musste, absolut bewusst. Viel Zeit zur Vorbereitung blieb ihm nicht mehr, infolgedessen legte er nun einen Zahn zu, wie er sich als >Ruhrgebietsler< gern auszudrücken pflegte. Schon in wenigen Minuten muss er – wie jeden Morgen um diese Zeit – seine >Beobachtertätigkeit< in Angriff nehmen. Er hielt dieses Vorgehen für zwingend notwendig, weil er nicht das Risiko eingehen wollte, dass in >seinem< Haus, in dem insgesamt zehn Familien wohnen, alles aus dem Ruder läuft.

Allerdings reduziert sich diese Tätigkeit seines Erachtens keinesfalls nur auf das Beobachten der Nachbarn. Das wurde ihm noch einmal deutlich bewusst, während er mittlerweile unter der Dusche stand. Schließlich ist, abgesehen von einigen wichtigen privaten Dingen, insbesondere dachte er jetzt an seine Beschäftigung als Autor, auch seine Führungsqualität in diesem Haus gefragt. Es ist fürwahr kaum zu verheimlichen, dass er hier gleichermaßen für Ordnung und Ruhe sorgen muss, einfaches Beobachten reicht da keinesfalls aus.

Dass gerade Karl-Gustav diese, seiner Meinung nach immens wichtigen Aufgaben übernahm, war gewiss kein Zufall. Allerdings wollte er in seinen grundsätzlichen Überlegungen, die er nun vornahm, während er sich weiterhin unter der Dusche befand, nicht verheimlichen, dass dies kein Mitbewohner so richtig akzeptieren wollte. Kein Nachbar war offensichtlich bereit, die Notwendigkeit seiner Führungsrolle, ebenso die seiner >Beobachtertätigkeit<, anzuerkennen.

Abgesehen natürlich von der hübschen Sarah aus dem Erdgeschoss, die ohne Ausnahme Karl-Gustavs Aktivitäten guthieß. Im Grunde genommen lehnten aber alle anderen Nachbarn diese vollkommen ab. Er war sich allerdings nicht ganz schlüssig, warum das so war. War es, weil die Nachbarn dieses grundsätzlich nicht wünschten oder infolgedessen, da sie ihm eine dermaßen gewaltige Aufgabe nicht zutrauten?

Obwohl Karl-Gustav den ersten Gedankengang nicht völlig ausschließen wollte, glaubte er dennoch, dass die Ablehnung gegenüber seiner Tätigkeit in diesem Haus wohl eher darin zu suchen ist, weil keiner der Nachbarn aufgrund seiner Fähigkeiten in der Lage wäre, solch eine verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Da sie sich darüber wohl bewusst waren, trauten sie wahrscheinlich niemand anderem diese Führungsrolle zu. Je mehr er darüber nachdachte, während er sich weiterhin im Bad aufhielt, umso sicherer wurde er, dass es sich nur so verhalten kann.

Natürlich war er nicht ausschließlich in das Beobachten und Führen der Nachbarn involviert, daran musste er wiederholt kurz denken, als er sich mittlerweile seinen Sportanzug anzog. Schließlich trug er auch maßgeblich zu dem Seelenfrieden in dieser manchmal schon arg gebeutelten Hausgemeinschaft bei, oft schien er sogar für diesen allein verantwortlich zu sein.

Bevor Karl-Gustav mit seiner >Beobachtertätigkeit< – die erste Phase beginnt um sieben Uhr fünfzehn und zieht sich bis sieben Uhr fünfundvierzig hin – begann, hatte er noch etwas anderes im Sinn. Schon auf dem Weg zum Bad waren ihm einige bedeutende Vorhaben, die er ebenfalls heute ins Visier nehmen wollte, durch den Kopf gegangen. Unter anderem dachte er daran, wobei ihm dank seiner überragenden Gehirnpräsenz diese vielen Gedanken auf dem relativ kurzen Weg vom Schlafzimmer ins Bad mühelos und geordnet durch den Kopf gingen, sein Frühstück vorzubereiten und beim Verzehr ein wenig später, direkt nach der ersten Beobachtungsphase, die Reinheit des Morgens und die wärmenden Sonnenstrahlen auf dem Balkon zu genießen.

Er war auch davon überzeugt, dass er dort, wie des Öfteren am frühen Morgen, sein inneres Gleichgewicht finden wird und dieses sich dann im Laufe des Tages absolut positiv auf seine weiteren Beobachtungsphasen auswirkt.

Schließlich war ihm bewusst, dass er bei der Ausübung der Kontrollvorgänge sehr oft eine hohe Contenance wahren und dazu gegebenenfalls, falls es die Situation erfordert, reaktionsschnell eingreifen muss.

Mittlerweile hatte Karl-Gustav sich in die Küche begeben, um seinen morgendlichen Kaffee vorzubereiten. Diese Tätigkeit war für ihn natürlich keine große Herausforderung und so begab er sich schon wenige Minuten später zu seinem Arbeitsplatz, um seine morgendliche Beobachtungsphase anzutreten.

Pünktlich um Viertel nach sieben stand er ordnungsgemäß in seinem Büro, natürlich an seinem Beobachterfenster und harrte der Dinge, die sich gleich ereignen werden.

Zunächst lief alles wie erwartet.

Die schulpflichtigen Kinder gingen wie nahezu jeden Morgen fröhlich und lärmend aus dem Haus und begaben sich auf den Weg zur Schule. Er gönnte den Kindern ihre gute Laune und drückte daher beide Augen zu, indem er den Lärm, den sie ausgiebig verzapften, einfach ignorierte. Letzten Endes sollen die Sprösslinge, wie er sie gern nannte, mit Freude zur Schule gehen, da war er ganz Pädagoge und wollte überdies etwas zum morgendlichen Spaß der Kinder beitragen, indem er dieses Verhalten tolerierte.

Heute verhielten sich sogar die älteren Semester ganz nach seinen Vorstellungen und erfüllten die von ihm für dieses Haus aufgestellten Verhaltensregeln – wobei er oft in Versuchung geriet, diese als >Benimmregeln< zu bezeichnen – sehr zu seiner Zufriedenheit. Das musste Karl-Gustav gleichwohl als Resümee ziehen, nachdem sich mittlerweile die berufstätigen Hausbewohner ohne Verzögerung zur Arbeit begeben hatten.

Selbst diese unsympathische Ulrike Gröberling aus der ersten Etage, die sich oft am frühen Morgen widerlich benahm, besonders dahingehend, weil sie es wagte, sich schon um diese Uhrzeit zu anderen Hausbewohnern über ihn, den einzig genialen Mitbewohner dieses Hauses, negativ zu äußern, benahm sich heute Morgen auffallend zurückhaltend. Im Grunde genommen war ihr sonstiges Verhalten eine Unverschämtheit, aber zum Glück für Ulrike, da er ansonsten unweigerlich hätte ungemütlich werden müssen, hielt sie sich heute Morgen zurück.

Höchstwahrscheinlich tat sie dieses aber nicht freiwillig. Genau genommen war er sich seiner Sache sogar ganz sicher, weil zu dem Zeitpunkt, als diese unmögliche Ulrike Gröberling das Haus verließ, sich kein anderer Hausbewohner in Gesprächsnähe befand.

Karl-Gustav war mit sich und der Welt zufrieden und konnte daraufhin beruhigt von seinem Beobachterfenster zurücktreten.

Er machte noch ein paar Notizen, wer wann und wie schnell das Haus verlassen hatte und verließ danach sein Arbeitszimmer.

Kurze Zeit später saß Karl-Gustav gemütlich auf dem Balkon. Er hatte überdies schon eine Scheibe Brot gegessen und blickte entspannt in die wunderschöne Umgebung. Das Wetter war herrlich, nicht zu heiß und die Luft war einfach erfrischend. Dazu war es völlig ruhig auf dieser Hausseite, abgewandt von der Straße, die vor dem Haus vorbeiführt. Zu dieser himmlischen Ruhe trug eindeutig bei, dass aktuell nahezu alle Nachbarn – exakt gesagt die Personen, die einer Arbeit oder altersbedingt ihrer Schulpflicht nachgingen – nicht mehr im Haus waren.

Daher konnte Karl-Gustav zurzeit das inszenieren, was er so gern praktizierte, nämlich die sprichwörtliche Ruhe genießen und Kraft tanken für seine weiteren Tätigkeiten, die er heute noch gedachte auszuüben. Insbesondere natürlich seine weiteren Beobachtungsphasen.

Vorsichtshalber hatte er die Kaffeekanne sowie ein Gedeck mit auf den Balkon genommen, da er vermutlich die nächste Zeit hier draußen verweilen wird.

Als er gerade einmal vorsichtig an seiner Tasse schlürfte, wobei er schon der Ansicht war, der Kaffee sei ziemlich heiß, fand ein für ihn unvorhersehbares Ereignis statt. Unvorhersehbar, weil weder von ihm geplant noch erkennbar, ertönte plötzlich auf dem Balkon, der sich direkt über seiner Wohnung befand, ein lautes Geräusch. Infolgedessen sprang er wie von der Tarantel gestochen von seinem Gartenstuhl, auf dem er bisher seelenruhig und völlig entspannt gesessen hatte, empor. Leider war das eine instinktive Reaktion, schon mal gar keine überlegte Handlung und daher nicht ganz ohne unerwünschte Folgen. Dieses war auch naheliegend, da Karl-Gustav dummerweise entgangen war, dass er noch seine bis zum Rand gefüllte Kaffeetasse in der Hand hielt.

Nun ja, was dann passierte, wäre für einen externen Beobachter leicht einsehbar, wahrscheinlich sogar vorhersehbar gewesen. Karl-Gustav goss sich nun, während er von seinem Stuhl aufsprang, fast den gesamten Inhalt über seine Trainingshose.

»Au«, schrie er kurz auf, stellte schnell die Tasse mit dem restlichen Kaffee auf den Tisch und eilte zum Balkongeländer.

Dort angekommen wagte er einen kurzen Blick auf seine Trainingshose und erschrak. Der Schmerz an seinem Bein hatte zwar nachgelassen, dermaßen heiß war der Kaffee glücklicherweise nicht mehr, aber der Anblick seiner Hose bereitete ihm schon Sorgen.

Zum Glück handelte es sich nicht um seinen äußerst wertvollen Ausgehanzug, sondern nur um die grüne Freizeithose aus dem Schlussverkauf, dennoch war er im ersten Moment sehr verärgert. Höchstwahrscheinlich wird er gleich Mathilda erklären müssen, warum er darauf besteht, dass die Hose so kurz nach der letzten Wäsche erneut gewaschen werden muss. Das wird wahrscheinlich schwierig genug, aber leider wird sich Mathilda mit dieser Erklärung kaum zufriedengeben.

Nein, er muss ihr sicher plausibel erläutern, warum er nicht die Tasse, bevor er wie ein Irrwisch aufgesprungen ist, vorher auf den Tisch gestellt hat. Ja, so ungefähr wird sich seine liebe Frau fraglos artikulieren.

Aber so weit war es noch nicht! Nun musste Karl-Gustav erst einmal seinen aufkommenden Unmut über den urplötzlichen, von ihm nicht vorhersehbaren Krach und dessen Folgen beiseiteschieben. Nachdem ihm dieses sehr schnell gelungen war, beugte er sich weit über das Balkongeländer und schaute nach oben.

»Hey, was ist dort los? Hubert, das warst du doch bestimmt?«

Karl-Gustav erwartete natürlich augenblicklich eine Erklärung von Hubert, dem Besitzer von Wölfi, einem Pinscher, warum er um diese Uhrzeit solch einen Lärm macht.

Allerdings ereignete sich entgegen Karl-Gustavs Erwartung vorerst nichts mehr. Weder bekam er von Hubert – Karl-Gustav war sich mittlerweile ziemlich sicher, dass nur dieser für den kurzzeitigen Krach verantwortlich gemacht werden kann – eine Antwort noch reagierte der auf eine andere Art und Weise, die Karl-Gustav hätte bemerken können. Die zurzeit vorhandene Stille kam Karl-Gustav augenblicklich irgendwie unheimlich vor, währte aber nicht allzu lange.

Während er immer noch weit über das Geländer gebeugt nach oben schaute und auf eine Reaktion Huberts wartete, hauptsächlich dachte er dabei an eine Bestätigung seiner Hypothese, wurde er plötzlich pudelnass. Im Gegensatz zur vorigen Aktion, als nur seine Hose den verschütteten Kaffee abbekam, wurde jetzt seine Freizeitjacke völlig durchnässt.

Infolgedessen erschrak er sich abermals und schrie im ersten Moment kurz auf, wohl eine Art Reflex. Glücklicherweise registrierte er sofort, dass das Wasser eher eine angenehme Temperatur besaß. Zumindest empfand Karl-Gustav das kurzzeitig so und daher beruhigte er sich auch recht schnell.

Ihm wurde auch sofort bewusst, dass sein schreckhaftes Verhalten nur dadurch zustande kam, weil dieses feuchte Ereignis ihn wiederum völlig unerwartet ereilte. Allerdings bemerkte er sehr schnell, dass er nun äußerst unangenehm roch, irgendwie muffig. Zu allem Überfluss vernahm er direkt danach ein lautes Gelächter. Natürlich konnte er dieses unangenehme Lachen sofort der richtigen Person zuordnen und reagierte dementsprechend.

»Hey, Hubert, du Vollidiot! Bist du denn total daneben?«

»Hahaha, Karl-Gustav, was willst du Blödmann? Mensch, es ist doch alles in Ordnung! Du hast dich bestimmt heute Morgen noch nicht geduscht, so wie ich dich kenne. Folglich kam das Blumenwasser doch genau zum richtigen Zeitpunkt.«

»Lass diese Anzüglichkeiten! Oh, das stinkt ja fürchterlich. Ich glaube, ich spinne. Das riecht wie abgestandenes Blumenwasser.«

»Ja logisch, hahaha! Meinst du etwa, du bekommst von mir sauberes Wasser, damit du dich umsonst duschen kannst. Hahaha, ich glaub es dir wohl, hahaha!«

»Mach dich bloß nicht obendrein über mich lustig, du >Flurpinkler<. Solltest du das gerade bewusst durchgeführt haben, komm ich zu dir hoch und nimm dich mal ordentlich zur Brust.«

»Ja hast du 'ne Meise? Ich habe dich doch gerade nicht gesehen. Wahrscheinlich warst du wieder fürchterlich neugierig und hattest dich deshalb über das Geländer gebeugt. Beantworte mir doch mal eine Frage! Was kann ich dafür, dass du ein dermaßen neugieriger Blödmann bist? Außerdem, du widerlicher Nachbar, ich pinkle nie in den Flur, das ist nur ein einziges Mal aus Versehen meinem Wölfi passiert!«

»Nenn mich nicht noch einmal Blödmann, du ausgemachter Hornochse! Ich habe mich nur über das Balkongeländer gebeugt, weil ich ein übermäßig lautes Geräusch vernommen hatte.«

»Bist du noch bei Trost? Was ich hier mache, geht dich überhaupt nichts an. Mir ist nur eine Blumenvase heruntergefallen, das kann doch mal passieren!«

»Ach, morgens um acht? Kannst du deine Blumenvasen nicht um zehn Uhr zertrümmern, wenn du unbedingt Lärm machen willst.«

»Bist du völlig durchgedreht? Ich kann doch wohl um halb acht in der Früh meine Blumen gießen und hier für ein bisschen Ordnung sorgen. Zu dieser Zeit ist die Luft einfach herrlich und dazu stimmen die Temperaturen ganz mit meinen Vorstellungen überein.«

»Weißt du, ich habe überhaupt keine Lust, mich mit dir jetzt auf Ursachensuche zu begeben und schon mal gar nicht interessiert mich, bei welchen Temperaturen du gerne deine Blumen gießt. Warum das Malheur letztendlich passieren konnte, ist mir egal. Du kannst auf keinen Fall einfach Wasser über den Balkon schütten, wo kommen wir da hin? Ehrlich gesagt, ich glaube auch gar nicht, dass das gerade ein Versehen war. Ich denke eher, du hast das absichtlich getan.

So, jetzt mal >Butter bei die Fische!<. Du bezahlst mir umgehend die Reinigung meines Freizeitanzugs und ferner überlege ich nun, was ich außerdem zur Regulierung meines Schadens benötige. Geh mal ganz stark davon aus, dass ich eine Entschädigung für meinen tollen Sportanzug benötige und einen Wertverlust solltest du auch ruhig im Auge behalten. Eventuell sind wir danach im Reinen.«

»Komm mir bloß um alles in der Welt nicht mit dieser Tour, du blöder Beobachter? Ein bisschen modriges Blumenwasser hat noch niemanden umgebracht. Sei froh, dass Wölfi nicht vorher da hineingemacht hat, sonst würdest du noch ganz anders riechen, du Volltrottel.

Reinigung, dass ich nicht lache! Komm mir hier nicht so blöd, ansonsten reinige ich dich gleich! Ach so, von einem finanziellen Ausgleich will ich schon mal gar nichts hören, du spinnst wohl!«

»Pass bloß auf, du >Flurpinkler<. Erlaube dir nicht noch einmal, mich als Volltrottel zu bezeichnen. Sei bloß ruhig! Außerdem, selbstverständlich bestehe ich ...«

»Ach halt die Klappe, du lausiger Beobachter. Ich werde nichts von dem, was du ...«

Plötzlich verstummte Hubert mitten im Satz. Karl-Gustav wusste nicht auf Anhieb, was das zu bedeuten hat. Das lag eindeutig daran, dass er trotz seiner besonderen Körperposition, immerhin weit über das Balkongeländer gelehnt und nach oben schauend, nicht sehen konnte, was sich soeben auf dem Balkon über ihm abspielte. Es muss sich dort gewissermaßen etwas ereignet haben, was Hubert augenblicklich verstummen ließ. Während Karl-Gustav noch angestrengt überlegte, was der Grund für Huberts Verhalten sein könnte, war das Rätsel auch schon gelöst, denn im selben Moment vernahm er die Stimme von Huberts Frau.

»Hubert, mit wem sprichst du hier und warum schreist du so?«

»Ach Maria, du bist es. Hm, ich stauche eben den Karl-Gustav zusammen. Der will tatsächlich, dass ich ihm die Reinigung seiner miesen Klamotten bezahle. Der ist total verrückt.«

»Aber Hubert, warum will denn Herr Karl-Gustav, dass du die Reinigung seiner Sachen bezahlst? Was hast du schon wieder angestellt? Hubert, heraus mit der Sprache!«

»Maria, was denkst du jetzt von mir?«

»Guten Morgen, liebe Maria. Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich Ihnen. Allerdings nur Ihnen!«

»Guten Morgen, lieber Karl-Gustav, das wünsche ich Ihnen ebenso. Entschuldigen Sie bitte kurz, ich habe unverzüglich etwas mit meinem Mann abzuklären.«

Umgehend beugte sich Maria, die sich zwischenzeitlich über ihr Balkongeländer gelehnt hatte, wahrscheinlich, damit sie Karl-Gustav während der morgendlichen Begrüßung in die Augen schauen kann, wieder zurück und sprach ihren Mann erneut an.

»Hubert, was war hier los?«

»Maria, es ist im Grunde genommen nichts geschehen. Wirklich! Na gut, fast nichts. Karl-Gustav will, dass ich die Reinigung seiner Sachen übernehme, aber das erwähnte ich ja bereits. Stell dir vor, er besteht auf diese Forderung nur deshalb, weil er ein bisschen Blumenwasser abbekommen hat, während ich unsere Blumen gegossen habe. Der spinnt fürwahr, jetzt hier so ein fürchterliches Theater zu machen. Und das alles, weil er ein bisschen nass geworden ist!«

»Hubert, formuliere bitte etwas präziser! Zurzeit verstehe ich überhaupt nicht, wieso Herr Karl-Gustav nass werden kann, wenn du hier auf dem Balkon unsere Blumen gießt?«

»Maria, ist das so wichtig? Das hatte sich irgendwie ergeben, quasi rein zufällig.«

»Ich haue dir gleich rein zufällig eins vor deinen Latz, du rücksichtsloser Typ, pass bloß auf!

»Ach halte deine Klappe, du vollblöder Beobachter. Was steckst du auch immer deine Nase in andere Angelegenheiten. Wärst du nicht an das Balkongeländer herangetreten, wäre überhaupt nichts passiert. Leider du bist einfach ein penetrant neugieriger Beobachter.«

»Hubert, unterlass sofort diese Ausdrücke! Lieber Karl-Gustav, das sollten Sie freilich genauso handhaben. Ich denke, ansonsten schaukelt sich das gleich hier hoch. Nun habe ich leider einen schlimmen Verdacht, mein lieber Hubert. Soll das heißen, dass du einfach Blumenwasser, dazu abgestandenes, über den Balkon geschüttet hast? Ist etwa auf diese Weise Blumenwasser auf Herrn Karl-Gustavs Sachen gekommen? Hubert, ist das so?«

»Maria, wo siehst du denn da ein Problem? Um diese Uhrzeit ist meistens nur dieser >Nachbarbeobachter< zu Hause. Die anderen Hausbewohner sind dann schon längst auf ihrer Arbeitsstelle oder in der Schule. Na ja, außer Otto, der fährt immer ein bisschen später zur Arbeit. Allerdings würde dem ein bisschen Wasser sogar besonders guttun, demzufolge würde er danach nicht mehr dermaßen fürchterlich nach Qualm stinken.«

»Hubert, du unterlässt augenblicklich diese Diffamierungen unserer Nachbarn! Außerdem riecht abgestandenes Blumenwasser nicht gerade angenehm, daher verstehe ich selbstverständlich den großen Unmut von Herrn Karl-Gustav.«

»Nun bitte ich dich aber, Maria! Das kann man doch wohl ganz anders regeln.«

»Keine Widerrede, es reicht jetzt. Außerdem riecht der Otto nur ein bisschen nach kalter Asche.«

»In Ordnung, aber das duftet nicht besonders angenehm, drücke ich mich dir zuliebe mal vorsichtig aus. Beim Otto würde ein bisschen modriges Blumenwasser nicht besonders auffallen. Wenn man sowieso schon stinkt, kommt es doch auf eine kleine Geruchsverstärkung nicht mehr an.«

»Hör zu, du Blindfisch, versuche hier nicht abzulenken! Du hast nicht den >Stinkefritze-Otto< mit faulem Blumenwasser begossen, sondern mich. Und ich dufte normalerweise immer famos, frag mal meine Frau Mathilda.

Jetzt hast du zweifelsfrei meine Sachen versaut, das lässt sich nicht mehr abstreiten. Ich stinke gegenwärtig total nach modrigem Wasser, das ist sehr unangenehm. Das kann ich nie und nimmer durchgehen lassen und deshalb reinigst du meine Sachen, damit ich wieder so famos dufte wie normalerweise.«

»Ich dufte dir gleich famos, du Spinner! Reinige deine Klamotten doch selbst. Was hältst du davon, wenn du alles in eure Waschmaschine schmeißt?«

»Hör auf, dich hier dermaßen herauszureden! Du hast meine Sachen verunglimpft und deshalb bist du dafür zuständig, basta! Dabei ist es mir sogar egal, ob du das professionell reinigen lässt, deine Waschmaschine verwendest – obwohl, dafür bist du wahrscheinlich zu unbegabt – oder ob du meine wertvollen Sportsachen mit den Händen wäscht. Auf jeden Fall säuberst du meine Sachen und machst sie dazu makellos duftend.«

»Du spinnst wohl! Mach das ruhig selbst, dann hast du was zu tun und wir haben ein bisschen Ruhe vor dir. Während du dich mit deinen Sachen beschäftigst, kannst du nicht gleichzeitig uns Nachbarn beobachten.«

»Ich beobachte dich gleich, pass bloß auf! Außerdem, lenk nicht schon wieder ab, denn es kommt noch mehr auf dich zu. Zusätzlich zu der Reinigung erwarte ich von dir eine Aufwandsentschädigung sowie Schmerzensgeld, damit dir das klar ist! So einfach kommst du mir hier nicht davon.«

»Was? Tickst du noch richtig? Du, ich komme gleich herunter und bearbeite dich ein bisschen. Wenn ich mit dir fertig bin, können wir uns meinetwegen über Schmerzensgeld unterhalten, weil es sich dann garantiert lohnt, du intoleranter Kerl. Mann, du könntest doch fürwahr großzügig über das bisschen Blumenwasser hinwegsehen!«

»Hubert, sei auf der Stelle ruhig! Hallo Karl-Gustav, selbstverständlich reinigen wir Ihre Sachen und in diesem Zusammenhang möchte ich mich explizit für meinen unvorsichtigen Mann entschuldigen. Ich kann mir im Moment aber schwer vorstellen, dass Hubert es mit Absicht getan hat. Manchmal ist er einfach mit seinen Gedanken dermaßen abwesend, dann kann so etwas schon mal passieren.«

»Liebe Maria, wenn Ihnen das passiert wäre, hätte ich selbstverständlich kein Wort darüber verloren. Bei Ihnen wäre ich mir absolut sicher, dass es sich nur um ein Versehen handeln könnte. Weit mehr glaube ich allerdings, dass Sie nicht auf die Idee kommen würden, einfach irgendetwas über Ihren Balkon den Nachbarn auf den Kopf zu schütten. Das halte ich für nahezu ausgeschlossen.«

»Lieber Karl-Gustav, da kann ich Ihnen nur vollkommen zustimmen. So eine Unachtsamkeit, ich vermeide jetzt bewusst, die sen Tatvorgang als Unverschämtheit zu bezeichnen, würde mir selbst im Traum nicht einfallen. Mein Mann ist manchmal, wie gesagt, leider etwas unachtsam. Ich hoffe, das können Sie entschuldigen.«

»Aber ich bitte Sie! Soeben, während Sie mich dermaßen darauf ansprechen, sehe ich es schon gar nicht mehr so kritisch.«

»Maria, warte doch mal! Ich war keineswegs in Gedanken, absolut nicht. Das habe ich mit Absicht getan und gehofft, dass ich den Karl-Gustav erwische. Dem Blödmann wollte ich schon lange eins auswischen. Es ist unfassbar schön, dass der liebe Gott mir diesen Wunsch endlich erfüllt hat.«

»Das kann doch nicht wahr sein! Nein, so geht das freilich keineswegs. Entschuldigen Sie, liebe Maria, aber umgehend bin ich Hubert gegenüber nicht mehr versöhnlich gestimmt. Das war ausgesprochen unverschämt, was Ihr Mann gerade von sich gegeben hat.«

»Ich werde dir gleich unverschämt, du ...«

»Stopp, du bist noch nicht dran! Nein, liebe Maria, das kann ich mir unter keinen Umständen gefallen lassen, dies widerspräche meiner Ehre. Daher muss ich umgehend erhöhte Forderungen stellen, um Ihrem Mann eindeutig die Leviten zu lesen. Nach diesem Geständnis kann ich mich um alles in der Welt nicht mehr mit einer Reinigung zufriedengeben, auf keinen Fall.

Das tut mir besonders für Sie leid, liebe Maria. Auf jeden Fall benötige ich nun eine zusätzliche finanzielle Entschädigung. Ich werde eben überschlagen, auf was ich mich mit Ihrem unverschämten Mann einlassen kann.«

»Sag mal, hast du sie noch alle in deinem Oberstübchen? Also wirklich, spätestens jetzt wären mir auf jeden Fall Zweifel gekommen. Erstens kannst du deine minderwertige Sportkleidung selbst waschen, von einer Reinigung will ich überhaupt nichts hören, zweitens werde ich dir für dein Gelumpe mit Sicherheit keine Entschädigung zahlen! Warum auch?«

»Hubert, was soll das? Ich sehe zwar ein, dass du den Sinn einer zusätzlichen finanziellen Entschädigung momentan nicht verstehst, zurzeit überlege ich obendrein ganz angestrengt, warum Herr Karl-Gustav das überhaupt für nötig hält, aber unabhängig von dieser Forderung wirst du auf jeden Fall seine Sachen reinigen. Ich meine damit natürlich seinen schicken Sportanzug, den du leider sehr beschmutzt hast.«

»Aber Maria, bist du dir da vollkommen sicher? Ich sehe das eigentlich nicht ein, dass ich ...«

»Hubert, widerspreche mir jetzt nicht schon wieder, sonst werde ich energisch, hörst du! Zu guter Letzt hast du dir diese Unannehmlichkeit selbst eingebrockt.

So, eigentlich wollte ich die Reinigung der schönen Sportsachen von Herrn Karl-Gustav übernehmen, aber nach dieser unverschämten Aussage, ich rede jetzt von deinem Geständnis, übernimmst du diese Aufgabe. Ich warne dich, da will ich überhaupt keine Widerrede hören.«

»Oh! Liebe Maria, das ist ein weiser Entschluss.«

»Na ja, eher der Not gehorchend. Lieber Karl-Gustav, selbstverständlich übernimmt mein Mann die Reinigung Ihrer wertvollen Sportsachen und über eine finanzielle Entschädigung sollten wir uns unterhalten, wenn Sie einen exakten Betrag ermittelt haben.«

»Das hört sich sehr diskutabel an, liebe Maria, so werden wir schnell übereinkommen. Ich möchte aber nicht, dass Sie das bezahlen. Kann ich davon ausgehen, dass Sie Ihrem Hubert den Betrag vom Taschengeld abziehen?«

»Das ist eine famose Idee, lieber Karl-Gustav, darüber werde ich einmal rigoros nachdenken. Irgendwie muss das natürlich auch eine erzieherische Maßnahme werden, darüber bin ich mir schon bewusst. Nun überlegen Sie sich bitte, in welcher Höhe Sie eine Entschädigung benötigen. Ich denke, das hängt unweigerlich von dem Betrag ab, den Sie für Ihre Sportkleidung bezahlt haben.«

»Selbstverständlich liebe Maria, genauso regeln wir das. Einen Moment, ich muss nur kurz reflektieren.«

»Maria, was soll das denn? Na gut, ich übernehme die Reinigung, da hast du sicher das letzte Wort, aber warum bestehst du auf eine finanzielle Entschädigung? Sag mir bitte, wodurch du das begründet siehst! Die Sportsachen von diesem Typ sind doch nicht kaputt, sie müssen nur gereinigt werden.«

»Hubert, da überblickst du etwas nicht, aber ich werde dich sofort aufklären. Es handelt sich bei meinen Sportsachen um wertvolle Kleidung, die bei jedem Waschgang einen bestimmten Wertverlust zu verzeichnen hat. Es ist doch wohl klar, du Pfeife, dass deshalb dieser Ausgleich fällig wird! Natürlich zusätzlich zu einer Entschädigung, die ich ebenfalls benötige.«

»Nee, das kommt überhaupt nicht in die Tüte, du Witzbold.«

»Hubert, unterlass auf der Stelle deine ständigen Einwände! Wir werden das akkurat so handhaben, wie Herr Karl-Gustav es beschließen sollte.«

»Aber Maria, der kauft sich hinterher von der Entschädigung einen neuen Sportanzug. Mutmaßlich einen viel wertvolleren Anzug, als er zurzeit besitzt. Karl-Gustav hat doch immer nur Gelumpe an. Und sag mir bitte mal, wieso besteht er dann noch auf einen Wertverlust?«

»Ich gib dir gleich, einfach zu behaupten, ich besäße nur Gelumpe, du völliger Ignorant. Ich besitze nur wertvolle und besonders schicke Kleidung, merk dir das endlich! Und noch etwas, du rücksichtsloser Hubert, bedenke jetzt einmal, dass mit jedem Waschvorgang der Anzug etwas verblasst. Danach sieht er bestimmt nicht mehr so wunderbar grün aus.«

»Mann, du spinnst tatsächlich. Der Anzug ist grün genug, jetzt hab dich nicht so! Nein, es bleibt dabei, das kommt überhaupt nicht in Frage. Ich finanziere auf keinen Fall für jemand neue Klamotten, schon gar nicht für dich. Und das alles nur deshalb, weil ich ein bisschen Blumenwasser über den Balkon geschüttet habe?«

»Hör mal, was soll das denn jetzt? Du kannst doch ...«

»Karl-Gustav, sei ruhig, ich sage es nun noch einmal kurz und präzise. Nein, ausgeschlossen!

Wenn sich meine liebe Maria entschließen sollte, mir den Betrag, denn du dir mit deinem ramponierten Gehirn gerade ausdenkst, von meinem Taschengeld abzuziehen, geht das schon gar nicht. Ich glaube, du hast sie nicht mehr alle!«

»Hubert, sei sofort ruhig! Bei dir ist augenblicklich Sendepause, hast du mich verstanden?«

»Jawohl, liebe Maria, aber äußerst ungern.«

»Gut, dieser Umstand trägt kaum zur Lösung des Problems bei.

Lieber Karl-Gustav, wie teuer war denn Ihr Anzug? Haben Sie den Betrag mittlerweile ermittelt?«

»Liebe Maria, ich kann das im Moment nicht auf einen Cent exakt kalkulieren, andererseits ist das auch nicht notwendig. Ich bin jetzt ganz großzügig, obwohl der Hubert das keinesfalls verdient hat. Resultierend bedeutet das nun, dass ich den Betrag nach unten auf einen exakten Eurobetrag abrunde. Was halten Sie davon?«

»Lieber Karl-Gustav, das ist sehr ehrenwert von Ihnen, aber haben Sie denn mittlerweile den Eurobetrag im Kopf, den Ihre wertvolle Sportkleidung gekostet haben könnte?«

»Selbstverständlich, liebe Maria, just ist mir der Betrag eingefallen. Nun ja, bei meiner ausgeklügelten, bei Lichte gesehen sogar genialen Gehirnstruktur ist das nicht weiter verwunderlich.«

»Das ist verständlicherweise großartig für Sie, Karl-Gustav, dass Sie eine ausgeklügelte Gehirnstruktur besitzen, wenn ich auch im Moment leider völlig überfragt bin, was das sein könnte. Im Grunde genommen sehe ich das zurzeit sogar als nebensächlich an. Für Sie zweifelsfrei nicht, verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ungeachtet dessen würde ich aber jetzt gern den Einkaufspreis für Ihre Sportsachen erfahren und folgerichtig selbstverständlich die Entschädigungshöhe, die Sie von meinem Mann umgehend erwarten. Wäre es Ihnen möglich, mir das kundzutun? Nach Möglichkeit bitte ohne weitere Umschweife?«

»Für Sie natürlich immer, liebe Maria. Hm, wenn ich das mit meinem genialen Gehirn richtig gespeichert habe, und ich irre mich sehr selten, nun ja, bei dem Gehirn fürwahr verständlich, belief sich der Einkaufspreis um die zweihundertvierzig EURO. Weil Sie es sind, wenn Sie auch keineswegs direkt betroffen sind und den Entschädigungspreis natürlich, wie Sie schon andeuteten, Ihr selten dämlicher Mann Hubert bezahlen muss, möchte ich mich daher auf zweihundert EURO begrenzen.«

»Was? Bist du irre, Karl-Gustav? Mann, der Sportanzug hat niemals über zweihundert EURO gekostet. Meine liebe Frau, du glaubst doch diesem Scherzkeks nicht? Obwohl, wenn ich das noch bemerken darf, es ist leider kein Scherz, der Typ will mich total abziehen, dieser Schweinehund.«

»Hubert, sei augenblicklich ruhig! Du bist wohl kaum in der Position, dass du jetzt etwas mitteilen darfst. Ich werde diese unangenehme Sache mit Herrn Karl-Gustav persönlich regeln.

Lieber Karl-Gustav, ich stelle jetzt fest, dass Sie sich fürwahr sehr wertvolle Sportsachen leisten. Nun sei es denn, da muss mein Hubert durch. Können Sie mir bitte umgehend mitteilen, was Sie letztendlich mit Ihrer ausgeklügelten Gehirnstruktur noch zusätzlich für einen exakten Wertverlust ermittelt haben?«

»Selbstverständlich, liebe Maria, dieses tue ich Ihnen sofort kund. Ich habe den Wertverlust gegenwärtig auf vierzig Euro beziffert, das muss ich schon verlangen. Immerhin habe ich diesen Betrag nach einem ausgeklügelten Verfahren zur Berechnung eines Wertverlustes von Sportsachen, die mir gehören, berechnet.«

»Was? Mein letzter Sportanzug, denn ich mir gekauft hatte, kostete nur fünfunddreißig Euro. Siehst du, liebe Maria, der will sich von mir nicht nur einen neuen Sportanzug bezahlen lassen, sondern gleich eine komplett neue Garderobe. Ich glaube langsam, der hat einen Knall!

Wahrscheinlich hat er nur diesen Anzug und somit kommt er jetzt ganz billig zu einem weiteren Sportanzug, dazu mit dieser ganz miesen Tour. Liebe Maria, ich verstehe überhaupt nicht, wieso der Typ zusätzlich noch einen Wertverlust veranschlagt, wenn ich ihm schon den Anzug komplett bezahlen soll. Mann oh Mann, aber so ist dieser erbärmliche Karl-Gustav nun mal. Der versucht immer, das Unmögliche für sich herauszuschlagen. Weißt du was, liebe Maria, nur nicht von mir.«

»Hubert, was soll das jetzt? Ich habe dir doch wohl eindeutig zu verstehen gegeben, dass du vorerst Sendepause hast. Selbstverständlich werden wir den von Herrn Karl-Gustav geforderten Betrag, er hat ihn schließlich mit einem ausgeklügelten Verfahren berechnet, begleichen.

Dir sollte allerdings klar sein, dass dieser Betrag von deinem Taschengeld abgezogen wird. Vielleicht agierst du demnächst ein bisschen vorsichtiger, falls das wirklich ein Missgeschick war. Sollte dagegen, wie du immerhin ziemlich großspurig mir gegenüber hast verlauten lassen, deine Handlung letztendlich tatsächlich auf Absicht zurückzuführen sein, siehe das als eine erzieherische Maßnahme an. Hast du mich verstanden?«

Vorübergehend war eine Weile von keinem der Beteiligten etwas zu vernehmen. Hubert war anscheinend völlig bedient, dass seine liebe Frau darauf bestand, dass er für diese – seiner Ansicht nach – winzige Tat dermaßen bestraft werden soll. Wahrscheinlich hätte er gern weitere Einwände vorgebracht, aber Maria schien dieses völlig abzulehnen und wartete zurzeit möglicherweise darauf, dass Hubert sich endlich restlos in sein Schicksal fügt und ihr das dann tatkräftig, allerdings mit wenigen Worten, bestätigt.

Zumindest dachte Karl-Gustav, dass es sich wohl so verhält, während er ganz ruhig und entspannt auf weitere Reaktionen seines Nachbarn oder dessen Frau wartete. In diesem Zusammenhang kam ihm auch der Gedanke, dass er schon ein klein wenig geschummelt hat, aber hundertprozentig nur ein bisschen.

Dass seine Hose schon vor Huberts unverschämter Tat von ihm mit Kaffee verunreinigt wurde, wollte er nicht besonders herausstellen. Explizit zu einem Zeitpunkt, bevor sein Sportanzug, insbesondere natürlich die Sportjacke, das Blumenwasser von Hubert abbekommen hatte. Dazu war er sich natürlich darüber bewusst, dass der Anzug wohl eher keine zweihundert Euro gekostet hat, wenn er auch auf den tatsächlichen Preis, der ja irgendwo in seinem überdimensionalen Gehirn gespeichert sein muss, seltsamerweise zurzeit nicht zugreifen konnte.

Ungeachtet dessen war er fest entschlossen, Huberts dargebotener Unverschämtheit etwas entgegenzusetzen und daher zusätzlich zu dem Betrag für einen neuen Sportanzug auf eine Entschädigung zu pochen. Dass er diese Logik im Moment selbst nicht ganz verstand, wollte er nicht weiter beachten. Hauptsache war, dass Hubert für seine Unverschämtheit nun ordentlich zur Kasse gebeten wird!

Während Karl-Gustav seinen Gedanken nachging, meldete sich plötzlich, wahrscheinlich zur Überraschung aller bisher Beteiligten, eine andere Person.

»Morgen Maria, morgen Hubert. Was habt ihr denn hier am frühen Morgen so intensiv zu diskutieren?«

Bis dahin von allen unbemerkt, stand plötzlich Mathilda neben ihrem Mann und lehnte sich sofort, ähnlich wie Karl-Gustav, weit über das Balkongeländer und schaute zu Hubert und Maria hinauf, die wiederum leicht über ihr Balkongeländer gebeugt an diesem standen.

Allerdings mit dem Unterschied, dass die beiden statt hinauf die ganze Zeit auf den Balkon von Karl-Gustav und Mathilda hinunterschauen konnten und daher Karl-Gustav bisher ohne große Anstrengung im Blick hatten.

Diesem bereitete es schon deutlich mehr Mühe, in dieser Position über den langen Zeitraum die Diskussion mit den Nachbarn zu führen. Hubert, der zu dem Zeitpunkt, als Mathilda ihn und seine Frau begrüßte, für alle augenscheinlich wohl etwas zum Besten geben wollte, sein Mund war zumindest schon weit geöffnet, behielt es aber letztlich für sich, was immer er auch hat verkünden wollen. Höchstwahrscheinlich sogar gezwungenermaßen, weil seine liebe Frau ihm zuvorkam.

»Oh, Morgen Mathilda. Meinem Mann ist leider ein Missgeschick passiert, indem er Karl-Gustav mit Blumenwasser übergossen hat. Das tut mir sehr leid. Nun gut, ungeachtet dessen besteht dein Mann auf eine Reinigung seiner wertvollen Sportkleidung sowie auf eine Entschädigung. Das habe ich akzeptiert, wenn ich auch diese Maßnahme nicht in vollem Umfang begreife, und daher sind wir gerade dabei, die finanzielle Rahmenbedingung für eine Entschädigung auszuhandeln.

Obwohl, zu verhandeln gibt es aller Voraussicht nach nicht viel und daher sind wir bereit, also Hubert und ich, den Forderungen deines Mannes letztendlich nachzukommen.«

»Ach, das verwundert mich aber in jeder Hinsicht. Ich kann eigentlich keinen Anlass erkennen, der irgendeine Forderung rechtfertigen würde, aber ich höre mir natürlich erst einmal an, was ihr in dieser Sache bisher beratschlagt habt.«

»Morgen Mathilda. Kannst du mich bitte aufklären? Ich würde schon gern wissen, ob mein kleines Missgeschick solche Folgen für mich haben kann. Hat der Sportanzug von Karl-Gustav tatsächlich dermaßen viel gekostet, wie uns dein Mann hier weismachen will?«

»Hubert, damit ich deine Frage beantworten kann, müsstest du mir schon sagen, welchen Betrag dir Karl-Gustav mitgeteilt hat.«

»Ja natürlich, pass auf. Er behauptet, dass sein Sportanzug über zweihundert EURO gekostet hat. Jetzt will er aber nicht nur diesen Betrag von mir erstattet bekommen, sondern besteht zusätzlich auf eine Reinigung sowie auf vierzig EURO Wertverlust.

Unweigerlich drängt sich bei mir nun die Frage auf, trägt Karl-Gustav tatsächlich dermaßen teure Sportkleidung? Mir kommt das ein wenig seltsam vor!«

»Wie, über zweihundert EURO? Den Sportanzug habe ich vor vier Wochen im Internet als Schnäppchen für neunzehn EURO und fünfundneunzig Cent gekauft. Im Moment habe ich aber grundsätzliche Verständnisschwierigkeiten.

Karl-Gustav, wieso willst du dir den Sportanzug bezahlen lassen und bestehst zusätzlich auf einen Wertverlust? Diese Logik verstehe ich überhaupt nicht.«

»Mathilda, musstest du dich jetzt hier einbringen? Ich denke nicht, dass das ...«

»Mann, halt mal deine Klappe! Maria, dieser hinterlistige Karl-Gustav! Ich wollte dir zuliebe eigentlich moderat sein, aber diese Absicht ist ab sofort gestrichen. Der Karl-Gustav will vierzig EURO Wertverlust für seinen miesen Anzug haben, damit wäre zweifellos der ganze Anzug schon bezahlt und somit könnte er sich von dem übrig bleibenden Geld plus den zweihundert Euro, die er für den Anzug haben will, sogar einen weiteren Sportanzug und als ob das nicht reichen würde, dazu noch neue Sportschuhe kaufen. Oh nein, dieser hinterlistige Mistkerl.«

»Ich gib dir gleich! Du bist der Mistkerl, du Blödmann, nicht ich. Ich verkünde hier nur die reine Wahrheit und nichts Anderes. Und jetzt sei ruhig, ich muss mich eben meiner Frau zuwenden.«

Nun beugte sich Karl-Gustav ein wenig zurück, dem sich seine Frau auch sofort anschloss, und brachte ihr unverzüglich sein Anliegen vor.

»Mathilda, ich erinnere mich überhaupt nicht an das, was du derzeit erzählst. Du redest jetzt bestimmt von dem blauen Sportanzug, aber auf keinen Fall von meinem grünen, der war zweifelsfrei so teuer. Ich denke nicht, dass ich mich da täusche.«

»Liebe Mathilda, wenn der Anzug so viel gekostet hat, wie dein Mann hier beteuert, dann muss Hubert den Betrag begleichen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal auf das von Ihnen bereits erwähnte Schmerzensgeld zurückkommen, Karl-Gustav. Ich denke, das sollten wir auch sofort präzisieren. An welchen Betrag haben Sie denn da gedacht?«

»Wie bitte? Schmerzensgeld?« Nun war Mathilda anscheinend etwas erbost und ihre Stimmlage wurde sofort eindeutig schärfer.

»Ich glaub es dir wohl, Karl-Gustav! Hör mal, ich gib dir gleich Schmerzensgeld. Ich nehme dich nachher in die Mangel, danach können wir uns über Schmerzensgeld unterhalten.«

»Aber Mathilda, was soll das jetzt? Komm mir doch nicht so und torpediere hier meine Verhandlungen, die schon weit gediehen waren. Ich muss gestehen, Mathilda, dein Gerede kommt bei mir gar nicht gut an!

Außerdem hat mir die Drohung mit den Schmerzen schon Hubert übermittelt, darüber kann ich wiederum überhaupt nicht lachen. Im Gegenteil, ich werde gleich fürchterlich ärgerlich.«

»Karl-Gustav, Schluss jetzt mit diesem blöden Gerede von Schmerzensgeld, sonst werde eher ich sehr ärgerlich.«

»Spinnt ihr denn total? Ihr könnt doch meine Bedürfnisse mitnichten einfach hinwegreden, auf keinen Fall! Besonders du nicht, Mathilda. Außerdem, ich habe mich enorm erschrocken, als ich mich über das Geländer gebeugt hatte und sich plötzlich die Ladung Blumenwasser über mich ergoss.«

»Karl-Gustav, das war doch schließlich kein Mordversuch, da kannst du doch ausnahmsweise einmal human sein!«

»Nee, Mathilda, so haben wir nicht gewettet. Wenn dieses Malheur der lieben Maria passiert wäre, könnte ich nun besonders großzügig sein und auf meine Forderungen verzichten, schließlich hätte sie das nicht mit Absicht getan.

Für meinen zurzeit unsäglichen Zustand ist aber nicht Maria, sondern ihr Mann verantwortlich. Du wirst hoffentlich verstehen, dass in diesem Fall für mich eine humane Einstellung außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt! Mathilda, wir sprechen hier von Hubert, der immer seinen Wölfi in den Flur hinmachen lässt. Von den vielen Beleidigungen, die er mir unentwegt an den Kopf schmeißt, möchte ich zurzeit gar nicht reden.

Mathilda, ich bitte dich, keineswegs kann ich meine Forderungen zurücknehmen.«

»Karl-Gustav, nun ist es ...«

»Moment, Mathilda, jetzt fällt mir noch etwas Gravierendes ein. Der Typ hat vorhin zugegeben, dass er das absichtlich gemacht hat, um mir eins auszuwischen. Zudem besaß er die Frechheit, mit einem schadenfrohen Gesichtsausdruck – diesbezüglich bin ich mir vollkommen sicher – mitzuteilen, dass er schon lange auf solch eine Gelegenheit gewartet hat.

Wenn ich das mal alles prägnant zusammenfasse, Mathilda, kann ich beim besten Willen nicht auf Schmerzensgeld verzichten. Wahrscheinlich bekomme ich sogar Ausschlag von dem faulen Blumenwasser, bedenke das bitte! In diesem Fall müsste ich einen Nachschlag erwägen.«

»Karl-Gustav, ich verabreiche dir gleich Nachschlag! Jetzt ist endlich genug mit diesem blödsinnigen Gerede.«

»Ja genau, Mathilda hat völlig recht. Der Vollblödmann behauptet dazu ständig, gerade ja wieder, ich würde meinen Wölfi in den Flur machen lassen. Ich muss doch bitten, dieser Gedanke ist total daneben.«

Auch Hubert schien mittlerweile richtig erbost zu sein, beugte sich dazu, wie übrigens auch seine Frau Maria, nachdem sie sich beide vorübergehend etwas zurückgelehnt hatten, wieder über das Geländer und schauten zu Mathilda und Karl-Gustav hinunter, die nun ebenfalls ihre vorherige Position einnahmen.

»Karl-Gustav, sag das nicht noch einmal, ansonsten zeige ich dich wegen Verleumdung an und verlange ebenfalls Schmerzensgeld. Korrekt, das ist sogar die Idee. Ich will jetzt auf jeden Fall Schmerzensgeld, letztendlich hast du mich beleidigt!«

»Nun mach bloß einen dicken Punkt! Dich als Blödmann zu bezeichnen, das ist keinesfalls eine körperliche Beeinträchtigung, sondern nur eine wahrheitsgemäße Behauptung, deinen Wölfi lass ich jetzt mal außen vor.«

»Das ist unbedeutend, es war definitiv eine seelische Beeinträchtigung. Kurz und bündig, das von dir verlangte Schmerzensgeld ist ab sofort kein Thema mehr. Diesbezüglich sind wir nun pari, das ist doch wohl eindeutig.«

»Hör mal, so geht das nun aber nicht. Ich werde ...«

»Karl-Gustav, sei sofort ruhig! Hubert hat recht, du hast ihn gerade beleidigt und von Schmerzensgeld kann deshalb keine Rede mehr sein. Im Grunde genommen halte ich es sogar für total bescheuert, was ihr hier abzieht.«

»Das denke ich ebenfalls, liebe Mathilda. Die Geschichte mit der Reinigung muss natürlich sein, Hubert hat schließlich deinem Karl-Gustav den Sportanzug total verunreinigt. Die immensen Geldforderungen klingen für mich allerdings schon etwas absurd. Wie auch immer, da muss mein Hubert durch, er hätte möglicherweise ein bisschen mehr Obacht geben können.«

»Sehr richtig, liebe Maria. Allerdings erlaube ich mir kurz darauf hinzuweisen, dass dein Mann überhaupt nicht aufpassen wollte, im Gegenteil.

Nun zu dir, liebe Mathilda. Sag mir bitte, was das gerade bedeuten sollte! Hm, ich gebe zu, da ist mir eine Dummheit passiert. Die Geschichte mit dem Flur hätte ich besser verschweigen sollen, daher sind wir bezüglich Schmerzensgeld bei Lichte gesehen tatsächlich pari.

Gut, auf die zweihundert Euro für einen neuen Sportanzug bestehe ich nun ebenfalls nicht mehr, dieser Forderung liegt bestimmt ein Gedankenfehler meinerseits, der natürlich äußerst selten vorkommt, zugrunde, da ich ja den alten Anzug behalten werde. Aber bedenke, der Wertverlust für meinen teuren Sportanzug muss bestehen bleiben und eine Aufwandsentschädigung benötige ich ebenfalls.«

»Karl-Gustav, wofür denn?«

»Mathilda, der Wertverlust ist durch den nun zweifelsfrei notwendig gewordenen Waschvorgang begründet, schließlich verblasst dadurch die Farbe.«

»Ja bist du denn noch bei Sinnen? So schnell verblasst doch die Farbe deines Anzugs nicht. Und was soll das mit der Aufwandsentschädigung?«

»Meine liebe Mathilda, betrachte mich doch jetzt ganz aufmerksam! Ich bin vollkommen durchnässt, muss mich umziehen, anschließend duschen, das kostet alles viel Zeit. Bedenke außerdem, dass ich in der Zeit während meiner nun zwangsbedingt anstehenden Körperreinigung schon mindestens sieben Zeilen von meinem neuen Artikel hätte schreiben können, deren Fertigstellung sich jetzt dementsprechend verzögert. Du kennst doch hoffentlich den Spruch >Zeit ist Geld<, diese Weisheit kann ich nicht so einfach ignorieren.

Zudem verbrauche ich Wasser und Shampoo, jedenfalls beim Duschen, und das muss der Hubert zweifelsohne begleichen. Das darf auf keinen Fall zu meinen Lasten gehen.«

»Karl-Gustav, jetzt ist es aber gut! Nein, auf diese Diskussion lasse ich mich nicht ein, ich möchte augenblicklich frühstücken. Du gehst dich indessen umziehen, meinetwegen darfst du dich vorher duschen, das war es aber. Ich will kein dummes Gequatsche mehr über Aufwandsentschädigung und solch einen Blödsinn hören, hast du mich verstanden!«

»Mathilda, du stürzt mich nun in totale Unkosten. Meine nicht zu vermeidende, dazu gewaltige psychische Belastung möchte ich dabei nur am Rande erwähnen.«

»Mann, halt bloß deine Klappe! Du weißt doch genau, dass Ludmilla gleich zum Frühstück kommt. Wie soll ich mich mit ihr auf unseren Theaterbesuch einstimmen, wenn ich diese seltsame Diskussion im Hinterkopf habe?

Nun geh und zieh dich um, Ludmilla kommt jeden Moment! Es wäre allerdings wirklich nicht schlecht, wenn du vorher noch schnell unter die Dusche gehst. Was denkst du wohl, was Ludmilla sagen würde, wenn sie dich so sehen könnte? Vor allen Dingen, wenn du dann immer noch wie ein begossener Pudel aussiehst. Deinen strengen Geruch möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht besonders erwähnen, der wäre auf Dauer überhaupt nicht auszuhalten. Nein, das geht gar nicht!«

»Liebe Mathilda, vielen Dank, dass du den Streit geschlichtet hast, besten Dank. Was die Reinigung betrifft, die kann durchaus Hubert übernehmen, er hat das ohnehin alles verursacht.«

»Liebe Maria, das kommt gar nicht in Frage. Wir sind doch Nachbarn und wenn sich mal so ein Malheur ereignet, noch dazu versehentlich, können wir doch wohl darüber hinwegsehen.«

»Versehen? Nein, das war pure Absicht und ...«

»Hubert, wehe dir, du sagst noch ein Wort! Du, daraufhin mach ich dich definitiv zur Schnecke, hast du mich verstanden? Geh sofort in die Küche und koche eine Kanne Kaffee! Dann hast du etwas zu tun und ich kann gleich Kaffee trinken.«

»Das ist eine gute Idee, liebe Maria, einen Kaffee benötige ich gegenwärtig ebenfalls ganz dringend. Weiterhin einen wunderschönen Morgen, liebe Maria, und auch dir Hubert.

»Vielen Dank, liebe Mathilda, das wünsche ich dir gleichermaßen. Danke auch für deine netten Worte und viel Spaß gleich mit deiner Freundin Ludmilla.«

»Oh, danke Maria.«

»Hubert, ich höre überhaupt nichts von dir. Wolltest du nicht ebenfalls etwas kundtun?«

»Eigentlich nicht, Maria, aber wenn du so vehement darauf bestehst, habe ich leider keine Wahl. Mathilda, ich wünsche dir ebenfalls einen schönen Morgen. Freilich nur dir, das gilt nicht für deinen unverschämten Ehemann.«

»Hubert, gleich werde ich grantig! Entschuldigt bitte, liebe Mathilda, lieber Karl-Gustav, jetzt ist er einfach ins Wohnzimmer gegangen. Das hat garantiert ein Nachspiel. Hubert, komm sofort zurück!«

»Ist schon in Ordnung, liebe Maria. Ich wünsche dir noch einen angenehmen und besinnlichen Tag.«

»Danke Mathilda, für dich ebenfalls. Hubert, da bist du ja wieder. Mein lieber Mann, allerdings meine ich das überhaupt nicht positiv. Wenn du dich nicht gesittet benehmen kannst, werden wir doch die Forderungen von Herrn Karl-Gustav erfüllen, hast du mich verstanden! Lieber Karl-Gustav, wollen Sie nicht doch auf Ihren Forderungen bestehen?«

»Ausgezeichnet, liebe Maria, das können wir ruhig noch einmal in Augenschein nehmen.«

»Karl-Gustav, sei jetzt bloß ruhig und erzürne mich nicht wiederum!«

»Aber Mathilda, ich war gegenwärtig mit der lieben Maria auf einem so guten Weg. Wir hatten uns schon nahezu geeinigt.«

»Karl-Gustav, halt bloß deinen Mund! Nein, das dulde ich auf gar keinen Fall.

Liebe Maria, den Anzug schmeiße ich nachher in die Waschmaschine und fertig ist die Sache. Ich denke, das muss ich auch machen, denn Karl-Gustav riecht ganz schön muffig. Sogar viel mehr als an seinen muffigsten Tagen, deshalb werde ich das gleich sofort angehen.

Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass du dazu etwas unternimmst. Liebe Maria, von einem Wertverlust sollten wir gar nicht mehr reden. Ich weiß zwar, dass unsere Männer ihre Schwierigkeiten miteinander haben, nur sollten wir beide hingegen, als gute Nachbarn, wegen so einer dummen Sache nicht unsere allerherzlichste Freundschaft aufs Spiel setzen. Oder was meinst du?«

»Liebste Mathilda, da danke ich dir! Ich muss dir zustimmen, das möchte ich ebenfalls nicht. Ich wünsche dir daher nochmals einen schönen Tag und einen herrlichen Kinobesuch morgen Abend, liebe Mathilda.

Bei Ihnen möchte ich mich noch einmal ausdrücklich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, lieber Karl-Gustav, es tut mir ausgesprochen leid, tschüss!«

Während Karl-Gustav keine Antwort gab, er verabschiedete sich nicht von Maria und Hubert, Mathilda vermutete sofort, dass ihr Göttergatte nun etwas verstimmt ist, reagierte sie völlig anders.

»Tschüss liebe Maria, tschüss Hubert.«

»Tschüss Mathilda und vielen Dank für dein Entgegenkommen. Ich wäre zwar freiwillig niemals den Forderungen Karl-Gustavs nachgekommen, dennoch weiß ich natürlich, dass meine liebe Frau Maria darauf bestanden hätte. Nochmals vielen Dank und einen angenehmen Kinobesuch wünsche ich dir.«

»Danke Hubert, tschüss.«

Direkt nach der Beendigung des Gespräches traten Mathilda und Karl-Gustav vom Balkongeländer zurück. Mittlerweile hatten beide enorme Rückenprobleme bekommen, besonders Karl-Gustav, sodass sie daher erst einmal einige Dehnübungen absolvierten. Das taten sie sogar, ohne sich diesbezüglich vorher abgesprochen zu haben. Allerdings unterbrach Mathilda schon nach fünf Dehnübungen sowohl diese als auch die momentane Stille.

»Karl-Gustav, geh bitte sofort unter die Dusche und ziehe dir anschließend deinen blauen Sportanzug an. Los, nun mach schon, du riechst fürchterlich und jeden Moment kommt Ludmilla zum Frühstück! Du hast hoffentlich nicht vergessen, dass wir uns heute Morgen schon ein klein wenig auf den morgigen Theaterbesuch einstimmen wollen?«

»Leider nein. Na gut, Mathilda, bin schon unterwegs.«

Als Karl-Gustav tatsächlich ohne Murren den Balkon verließ, war Mathilda schon kurz verblüfft, denn so widerspruchslos erlebte sie ihren Mann ganz selten. Gedankenschnell nutzte sie aber diese Gelegenheit, um noch ein bisschen zu entspannen. Sie machte es sich auf einem Gartenstuhl bequem und liebäugelte dazu mit einer Tasse Kaffee. Sie hatte Glück, denn es befand sich noch exakt eine Tasse Kaffee in der Kanne.

Viel Zeit bleibt sowieso nicht, dachte sie sich, während sie vorsichtig, dennoch mit Genuss, den für sie etwas zu heißen Kaffee trank, denn in Kürze wird Ludmilla vor ihrer Haustür stehen.

Wenn Ludmilla hin und wieder zum Frühstück kommt, muss sie schon ein bisschen mehr auffahren als üblich, da diese immer sehr anspruchsvoll ist. Ob Ludmilla grundsätzlich beim Frühstücken einen derart hohen Maßstab anlegt oder nur dann, wenn sie bei ihr zu Besuch ist, da war Mathilda etwas überfragt.

Sie hatte dieses Treffen in dem Bewusstsein vorgeschlagen, weil sie sich schon fünf Wochen nicht mehr gesehen hatten und dazu morgen der gemeinsame Filmabend mit Brad anstand. Daher könnte es durchaus vorteilhaft sein, dass vorher ein kurzes Antasten stattfindet. Letztendlich kann Ludmilla schon ein bisschen eigen sein, daran erinnerte sich Mathilda nun ebenfalls.

Vorher noch ein paar Minuten ausruhen, das wollte sie sich hingegen gönnen, denn pünktlich zu sein schaffte Ludmilla fürwahr selten, daran musste sie ebenfalls kurz denken.

*

Karl-Gustav war gerade mit dem Duschen fertig und hatte seinen blauen Sportanzug angezogen, da schellte es. Er war sich nicht sofort sicher, wen er dafür verantwortlich machen kann, wollte sich aber die Zeit nehmen, dieses herauszufinden. Noch während er im Bad vor dem Spiegel stand und an einer akkuraten Frisur arbeitete, setzte er seinen genialen Denkapparat in Bewegung. Nachdem er sich in Windeseile alle möglichen Lösungen, wer denn da wohl gerade geschellt haben könnte, vorgestellt hatte, kam ihm der fürchterliche Verdacht, dass es sich eigentlich nur um diese komische Tussmilla handeln kann.

Sehr schnell wurde aus seinem Anfangsverdacht die Gewissheit, zumindest war er jetzt davon überzeugt, dass Ludmilla zurzeit vor der Wohnungstür steht und daher sah er keinen Grund, direkt zur Tür zu eilen. Stattdessen wartete er eine weitere Minute, ob Mathilda sich endlich bequemt, ihre Freundin hereinzulassen.

Leider tat sich diesbezüglich auch nach Ablauf der von ihm gewährten Frist immer noch nichts, sodass er schließlich zur Wohnungstür ging und sie öffnete. Allerdings leicht erregt, da Ludmilla bis jetzt offenbar keine Veranlassung sah, mit diesem nervigen Schellen aufzuhören.

Er hatte soeben die Tür geöffnet und noch kein Wort zu Ludmilla gesagt, sie stand tatsächlich vor der Tür, da kam im selben Moment Mathilda angesaust.

»Hm, da hat es aber jemand sehr eilig«, flüsterte Karl-Gustav leise vor sich hin, während er gleichzeitig Ludmilla von oben bis unten musterte.

Ausgiebig wollte er sich dieser Beschäftigung allerdings nicht widmen, da seine Frau dies bestimmt nicht gutheißen würde, sollte sie den Vorgang bemerken. Kurzzeitig fand er die Eile Mathildas etwas ungewöhnlich, aber wahrscheinlich wollte sie ihn nicht eine Sekunde mit Ludmilla allein lassen, nur ein Schelm würde nun Böses denken. Es schien aber so, als hätte sie Karl-Gustavs Bemerkung nicht gehört, denn sie reagierte diesbezüglich überhaupt nicht.

Mittlerweile fand Ludmilla ihre Sprache wieder, nachdem sie vorher Karl-Gustav ziemlich entsetzt und wortlos angesehen hatte, als dieser für sie wohl unerwartet die Tür öffnete und sie dazu so unverschämt musterte.

»Hallo meine Liebe, da bin ich.« Sprach es und umarmte erst einmal Mathilda, bevor sie sich dann bequemte, Karl-Gustav die Hand zu reichen. Man sah ihr schon an, dass sie Letzteres recht widerwillig tat.

Wahrscheinlich nur höflichkeitshalber, vermutete Karl-Gustav derweil. Er ließ sich aber nicht beirren und reagierte wie gewohnt.

»Ja, du bist echt nicht zu überhören.«

»Karl-Gustav, lass das!« Mathilda sah ihren Mann äußerst missmutig und nahezu warnend an, bevor sie sich dann schnell wieder ihrer Freundin zuwandte.

»Hallo meine Liebe! Es freut mich, dass es kurz vor unserem Filmabend noch zur Kontaktaufnahme kommt.«

»Genau, das finde ich ebenfalls super. Es ist tatsächlich schon fünf Wochen her, seit wir uns das letzte Mal getroffen haben.«

»Gott sei Dank! Das wäre ja noch schöner, wenn du hier ständig auftauchen würdest.«

Nun hatte Karl-Gustav doch nicht auf Mathildas offenkundige Warnung reagiert, diese Bemerkung wollte er wohl unbedingt loswerden. Direkt danach drehte er sich jedoch um und ging ins Arbeitszimmer. Während er kurz darauf auf seinem Schreibtischstuhl saß und auf den Monitor seines Computers starrte, standen Mathilda, die ihrem Mann grimmig nachgeschaut hatte, sowie Ludmilla weiterhin im Hausflur.

»Mathilda, was hat dein Mann gerade gesagt? Er spricht so undeutlich.«

»Da muss ich dir zustimmen. Hm, er hat gesagt, er freut sich ebenfalls, dass du uns besuchen kommst.«

»Oh, das ist sehr nett. Darauf war ich jetzt gar nicht vorbereitet. Vielleicht sollte ich meine Einstellung gegenüber deinem Mann doch überdenken?«

»Das finde ich schon. Aber komm bitte herein, wir müssen selbstverständlich nicht im Flur stehen bleiben!«

Während Mathilda mit ihrer Freundin noch vor der Haustür diskutierte, war Karl-Gustav eingefallen, dass seine Frau ihm gestern aufgetragen hatte, sich heute freundlich gegenüber Ludmilla zu verhalten. Unverzüglich erhob er sich wieder von seinem Schreibtischstuhl und erreichte genau in dem Moment den Flur, als Mathilda und Ludmilla die Wohnung betraten. Als Karl-Gustav auf sie zukam, blieben die Freundinnen stehen.

»Hallo liebe Ludmilla! Es freut mich, dich zu sehen!«

»Hallo Karl-Gustav. Das ist wirklich ein netter Empfang, vielen Dank. Zwar mit einer gewissen Zeitverzögerung, aber dennoch sehr nett.«

Nun konnte man Karl-Gustav regelrecht ansehen, dass er darauf etwas erwidern wollte, aber Mathilda kam ihm zuvor.

»Kommt, lasst uns endlich hineingehen, wir müssen unsere Unterhaltung nicht unbedingt an der Wohnungstür fortsetzen.«

»Hervorragende Idee, Mathilda«, bestätigte Ludmilla schlagfertig den Gedanken ihrer Freundin und folgte ihr direkt, ebenso Karl-Gustav.

Auf dem Weg zum Wohnzimmer fiel Ludmilla plötzlich etwas Wichtiges ein.

»Karl-Gustav, sprichst du eigentlich immer dermaßen undeutlich oder hast du zurzeit gesundheitliche Probleme?«

Während Ludmilla das äußerte, schaute sie Karl-Gustav kurz an, irgendwie sogar ein bisschen herausfordernd. Der reagierte aber auf Ludmillas Frage nicht und ihren herausfordernden Blick schien er auch nicht bemerkt zu haben, denn er blickte stur geradeaus und ging ganz ruhig weiter. Als sie kurz darauf an der Küche ankamen, die man direkt vom Flur betreten kann, blieb Mathilda abrupt stehen. Fast hätten Karl-Gustav und Ludmilla sie umgelaufen, aber beide schafften es so gerade, vor ihr stehen zu bleiben.

Eigentlich wollte sich Karl-Gustav gegenüber Ludmilla etwas zurückhaltend verhalten, er befürchtete ansonsten arge Schwierigkeiten mit Mathilda, aber so ganz konnte er seinen guten Vorsätzen nicht Folge leisten. Es zeigte sich nun, dass er Ludmilla eben doch verstanden hatte, denn während er sie erneut von Kopf bis Fuß musterte, platzte ihm eine Antwort geradezu heraus.

»Ach so, um deine Frage zu beantworten, gesundheitliche Probleme habe ich eigentlich nicht. Allerdings bekäme ich bestimmt Augenprobleme, wenn ich dich längere Zeit anschauen würde, so knallig orange ist dein Kleid. Und für wen hast du eigentlich diesen tiefen Ausschnitt, etwa für mich? Das kannst du dir getrost sofort abschminken!«

»Mathilda, ich habe nichts von dem, was mir Karl-Gustav gesagt hat, verstanden. Ich nehme zumindest an, das war alles nett gemeint. Oder etwa nicht? Hm, je mehr ich darüber reflektiere, desto intensiver bilde ich mir ein, dass sich seine Stimme irgendwie komisch anhörte.«

»Liebste Ludmilla, diesbezüglich solltest du dich nicht irritieren lassen, das war alles total nett gemeint. Karl-Gustav hat gesagt, dass er dein Kleid total aufreizend findet, vor allem diese herrlich strahlende Farbe.

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