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Unsere Woche mit Tommi

Über die Autorin

Gudrun Mebs, aufgewachsen in Frankfurt am Main, arbeitete nach ihrem Schauspielstudium zunächst viele Jahre beim Theater. Inzwischen ist sie eine der renommiertesten Autorinnen des deutschen Kinder- und Jugendbuchs, die die neue deutsche Kinderliteratur entscheidend mitgeprägt hat. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.

Über die Illustratorin

Stefanie Scharnberg, geboren in Hamburg, absolvierte nach der Schule eine Ausbildung zur Buchhändlerin und studierte anschließend Malerei in Florenz. Mittlerweile ist sie seit Jahren erfolgreich als freischaffende Illustratorin für verschiedene Kinder- und Jugendbuchverlage tätig.

Gudrun Mebs

Unsere Woche mit
Tommi

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Mit Illustrationen
von Stefanie Scharnberg

Inhalt

  1. Warum Mama und Papa traurig werden, wir aber nicht
  2. Warum wir mitten in der Nacht Fahrrad fahren dürfen
  3. Warum Leon schon wieder was Neues lernt, ich aber auch
  4. Warum der Knirps einem Professor ein Gekritzel schenkt
  5. Warum wir heute plötzlich Heimweh kriegen
  6. Warum Tommi uns dringend braucht
  7. Warum Tommi traurig wird

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Warum Mama und Papa traurig werden, wir aber nicht

Also, ich weiß überhaupt nicht, warum Mama und Papa heute so aufgeregt sind. Sie rennen durch die Wohnung, hin und her, wie angestochen und sind ganz blass um die Nase. Besonders der Papa, nee, die Mama auch. Und alles bloß, weil der Knirps und ich für eine Woche bei Tommi wohnen sollen. Tommi, das ist unser großer Bruder, der ist schon beinahe richtig alt, und toll ist er auch. Er kann schon längst ganz alleine wohnen.

Wir, der Knirps und ich, wir können das noch nicht. Ziemlich lange noch nicht, nehme ich mal an. Wenn einer wie der Leon noch ein Windelzwerg ist und noch nicht mal den Kindergarten geschafft hat und eine wie ich, die Maxi, grad mal in die dritte Klasse gekommen ist, dann ist doch klar: Mama und Papa passen auf uns auf.

Aber heute sind Mama und Papa total durcheinander. Weil sie nicht mehr auf uns aufpassen können, weil unsere alte Oma eine noch ältere Oma geworden ist und umziehen möchte aus ihrer Wohnung in ein Altenheim, wo man gut auf sie aufpassen kann. Ist das nicht komisch? Wenn man klein ist, braucht man Aufpasser, und wenn man fürchterlich alt ist, braucht man auch wieder Aufpasser. Dazwischen nicht so. Ich glaube, das Dazwischen ist spannend, so wie beim Tommi.

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Jetzt müssen sie also eine Woche lang Aufpasser für die Oma sein, weil Schränke schleppen für den Umzug ins Altenheim, das kann sie nicht alleine. Da braucht sie Hilfe. Ich hab gesagt: »Ich kann doch auch helfen, im Schleppen bin ich gut. Ich schleppe doch dauernd die Spielkiste vom Zwerg hin und her, weil die immer im Weg steht und stört.« Aber meine Hilfe haben Mama und Papa glatt abgelehnt. Spielzeugkisten wären keine Schränke, und bei einem Umzug wären Kinder immer im Weg. Na gut, dann eben nicht. Dann hab ich ihnen vorgeschlagen, der Windelzwerg und ich, wir bleiben alleine daheim. Ich weiß ja, wo die Windeln sind.

Das wollten sie aber auch nicht, Kinder wie wir bräuchten auf jeden Fall immer einen Aufpasser, und der wird jetzt Tommi sein, eine ganze Woche lang. Er weiß schon Bescheid. Besucht haben wir Tommi schon oft. Aber gewohnt haben wir bei ihm noch nie. Und getrennt von Papa und Mama waren wir auch noch nie.

»Na gut, meinetwegen«, hab ich gesagt.

Da hat mich Papa sofort in seine Arme gerissen und gestöhnt: »Ach, Maxi, meine Süße, mach’s mir doch nicht so schwer. Wir haben doch keine andere Wahl. Bitte keine Tränen, das ertrage ich nicht.«

Mama hat auch sofort Leon in ihre Arme gerissen und geseufzt: »Es ist doch bloß für eine Woche, schaffst du das, mein Herzensschatz?« Der Zwerg hat sich eng an ihren Hals gekuschelt, und natürlich kriegt Mama nasse Augen. Der Zwerg hat ja keine Ahnung, ich aber schon. Ohne Mama und Papa, das schaffen wir doch leicht! Wir haben ja jetzt Tommi!

»Ihr holt uns dann doch wieder ab?«, frage ich vorsichtshalber, und Mama und Papa nicken heftig, und weil sie nicken, winkt der Zwerg eifrig mit. Wann kapiert der denn mal was?

Also, so ein kleines bisschen komisch ist mir schon. Jetzt hab ich den Winzling mit seiner Windelhose ganz alleine am Hacken. Keine Mama, kein Papa. Dafür aber ein Tommi-Abenteuer. Der freut sich doch ganz bestimmt, wenn er uns haben darf, eine ganze Woche lang. Auf uns freut man sich doch immer!

»Eine ganze Woche lang ohne euch, das ertrage ich nicht«, stöhnt Papa, und wenn er jetzt noch lange so rumstöhnt und Mama den Leon vollheult, dann kommen sie ja nie zur Oma und zu ihren Umzugsmöbeln und wir nicht zu Tommi. Der wartet doch auf uns!

»Jetzt wird gepackt!«, rufe ich und zerre den Krümel aus den Armen von Mama ins Kinderzimmer. Papa und Mama starren uns verblüfft hinterher.

Im Kinderzimmer muss ich erst mal ein bisschen hüpfen. Mensch, wird das spannend! Wir bei Tommi ganz allein! Weil ich hüpfe, hüpft der Windelzwerg gleich mit. Kapiert hat er nichts. Ist auch nicht nötig, jetzt wird gepackt und zusammengesucht, was wir brauchen.

Ich werfe alles auf den Boden und mache gleich zwei Riesenhaufen: Ein Haufen für mich. Meine Ritterburg, meine Bücher, meine Autosammlung, meine Puppe ohne Haare, meine schönsten T-Shirts, meine schönsten Hosen. Mein Rucksack ist schon voll. Ein Haufen für Leon. Windeln, viele Windeln, Hemdchen, Hosen, Pullis, Schmusetiere. Sein Rucksack ist auch schon voll. Den leert der Krümel aber gleich wieder aus und … was macht er denn da? Ganz langsam und Legostein auf Legostein packt er alle seine Legosteine ein. Jetzt quillt sein Rucksack über, kein Platz mehr für die Windeln.

Ist er nur blöd, oder was? Ich kippe sein Rucksäcklein wieder aus, der Winzling kreischt wütend auf. Da sind Mama und Papa sofort im Zimmer. Der Zwerg kriegt einen Kuss, ich auch.

Wenn wir streiten, kriegen wir nie einen Kuss, heute aber schon. Und es wird neu gepackt. Meine Ritterburg bleibt zu Hause, meine Glatzkopfpuppe auch, dafür wandern Leons Hemdchen und Hosen in meinen Rucksack, und er darf seine Legosteine behalten und die Schmusetiere natürlich auch. Die Windeln kommen in einen extra Koffer.

Also, wäre es nicht so spannend, bald bei Tommi zu sein, dann wäre ich jetzt sauer. Immer kriegt der Kleine eine Extrawurst. Heute macht’s mir nichts aus. Wann geht’s denn endlich los?

Papa und Mama brauchen ewig lange, bis sie ihre Siebensachen zusammenhaben, und als sie endlich fertig sind, braucht der Zwerg natürlich eine frische Windel. Das dauert!

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Aber irgendwann sitzen wir im vollgepackten Auto und fahren los. Leon auf Mamas Schoß nuckelt am Daumen, das ist gut, dann ist er still. Ich hopse auf dem Kindersitz herum. Kann man das Haus von Tommi schon sehen?

Papa starrt geradeaus, fährt und seufzt. Mama seufzt auch, starrt geradeaus, hält den Zwerg ganz fest, und sie sieht so aus, als würde sie ihn nie mehr loslassen wollen. Muss sie aber, und zwar ziemlich bald. Weil, wir sind da! Endlich! Mit Sack und Pack und dem Knirps auf Mamas Arm und ich an Papas Hand stehen wir vor der Wohnungstür von Tommi.

Ich will sofort klingeln, aber Mama wispert mit einer Zitterstimme: »Maxi, bitte lass es den Kleinen machen, sei so lieb. Er muss doch jetzt so lange auf seine Mama verzichten, mein armes Kindchen.« Ja, und ich etwa nicht? Ich möchte auch ein armes Kindchen sein und bitte klingeln dürfen!

»M

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