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Unser Sommerblau für immer

Zum Buch:

Nach dem Betrug ihres Verlobten flüchtet Sophie auf die Insel, die sie schon immer geliebt hat wie ein zweites Zuhause: nach Spiekeroog. Der frische Nordseewind soll ihre trüben Gedanken vertreiben, und tatsächlich entlockt der Sohn ihrer Mitbewohnerin Sophie bald wieder ein Lachen. Außerdem bemüht sich ein neuer Mann um sie. Doch es ziehen Gewitterwolken auf, und Sophie findet sich in einem Gefühlschaos wieder. Jemand scheint sie von der Insel vertreiben zu wollen, und alles erinnert sie plötzlich an die glückliche Zeit mit ihrem Verlobten. Ist es womöglich an der Zeit, ihm zu verzeihen und zu ihm zurückzukehren?

Zur Autorin:

Sabrina Sonntag ist Mitte zwanzig und hat in Regensburg und Durham (UK) Literaturwissenschaft studiert. Sie leitet Coachings, arbeitet ehrenamtlich mit Kindern und führt den Haushalt eines katholischen Priesters. Wenn sie nicht gerade schreibt, übt sie Krav Maga oder krault ihrem Lieblingsschäferhund die Ohren.

Lieferbare Titel:

Schwein gehabt, sagt die Liebe

WIDMUNG

Für Toni

Moewen_zwei

PROLOG

Es mag seltsam klingen, aber es begann alles damit, dass einer meiner Ballerinas quer über den Strand flog. Es war ein lauer Sommerabend an der Nordsee, die allmählich untergehende Sonne schimmerte auf den Wellen, und die Wolken hoch oben am Himmel leuchteten verheißungsvoll. Ein paar Kinder spielten ausgelassen in der Nähe.

»Ich bin das Tor, okay?«, rief es aus ihrer Richtung. »Felix kann mit mir Tor spielen. Und Maja schießt.«

»Aber ich mag kein Tor sein«, quengelte ein dünnes Stimmchen.

»Wie geht Schießen?«, rief ein anderes Kind. »Kann ich … Lass mich … Zeig mal!«

Ich musste lächeln. Für Kinder hatte ich ein besonders großes Herz. Wenn sie mit ihren kurzen Beinchen durch den Sand stapften oder ihre Fingerchen staunend nach einer Muschel ausstreckten, dann hätte ich ihnen stundenlang zusehen mögen. Doch für heute Abend hatte ich bereits aufregende Pläne. Verstohlen warf ich einen Blick auf die Uhr, doch die Zeiger schienen sich nur mühsam von der Stelle zu bewegen. Ein paar Minuten noch!

»Das Tor ist viel zu klein! Geh einen Schritt nach links … Das andere links …«

»Ich zeig dir, wie Schießen geht. Guck … du musst nur … Hoppla …«

Das Geräusch, als der Kinderschuh auf den Ball traf, hörte ich sogar vierzig Meter entfernt. Gebracht hatte es trotzdem nicht viel, wenn ich den Ball so ansah, der ganz gemächlich über den weichen Sand kullerte und vor meinen Füßen liegen blieb.

»Das ist Abseits!«

»Abseits von was?«

»Lass mich mal … Manno, Felix … He, wo ist der Ball?«

Ich hob ihn auf. Leuchtend rot war er, ein wenig feuchter Sand klebte an seiner Oberseite. Mit einem Lächeln hielt ich ihn in die Höhe, doch lange konnte ich mich nicht zusammenreißen. Wie ein Profi warf ich den Ball in die Luft, hart kam er auf meinem Fußrücken auf, dann schoss er wie der Blitz gen Himmel. Blöderweise nicht nur der Ball.

»Wohooooooo!«, jubelten die Kinder.

»Shit!«

Das hämische Kreischen der Lachmöwe, deren Silhouette durch das Abendrot schwebte, schien mein Missgeschick zu kommentieren. Beruhigend war vor allem eines: Egal, wie hoch man Dinge in den Himmel schoss, runter kamen sie immer. Und mein linker Schuh würde da keine Ausnahme machen.

»Toooooor!«, schrie jemand, doch ich war schon längst nicht mehr bei der Sache.

Priorität hatte gerade mein Ballerina-Schuh, doch alles, was ich von hier aus noch erkennen konnte, war eine Menge Wasser, das in die Luft spritzte, als er mit einem lauten Platsch aufkam.

»Ui«, machte ich erschrocken. Natürlich ahnte ich noch gar nicht, dass in diesem Augenblick mein großes Glück begann. Und zwar genau damit, dass ich jetzt, nach einem langen Arbeitstag in der Klinik, mit nur einem Schuh im seichten Wasser stand, meine linke Hand im Matsch wühlte und in meiner Handtasche etwas wartete, das für mich bald die Welt bedeuten sollte.

Glitzernd und eindrucksvoll rollten die Wellen heran, als ich den Schuh schließlich mit einem Schmatzen aus dem nassen Sand löste und unbeholfen den Dreck herunterklopfte. Barfuß war sowieso die bessere Lösung. Auch zur Abendstunde war es auf Spiekeroog noch warm genug, und ich liebte das Gefühl meiner nackten Füße auf dem sonnenwarmen Sand.

Nachdenklich kramte ich den Stein aus meiner Tasche. Erst vor knapp einer Woche hatte ich meine Arbeitsstelle auf dieser zauberhaften ostfriesischen Insel angetreten. Und schon seit meinem zweiten Arbeitstag fand ich immer wieder bunt bemalte Steine mit romantischen Botschaften darauf. Jeder von ihnen mit solcher Hingabe gestaltet, dass ich nun beschlossen hatte, dem Zauber des Inselsommers zu vertrauen.

Vor ein paar Tagen hatte ich den ersten Stein gefunden, in meinem Fahrradkorb. Es war ein mit Sonnenblumen verzierter Granit gewesen, darauf die Botschaft: Ich liebe dein Lachen. Ein zweiter, bemalt mit einer goldenen Krone, hatte bald darauf in meinem Briefkasten auf mich gewartet: Bleib, wie du bist, denn so bist du perfekt. Auch auf dem Stromkasten neben der Bäckerei hatte mir der unbekannte Steinkünstler eine Botschaft hinterlassen. Zwischen den Hälsen zweier knutschender Giraffen war zu lesen: Du hast die süßesten Grübchen der Welt!

Gestern hatte ich dann in meinem Lieblingscafé einen weiteren auf meinem angestammten Platz vorgefunden. Ebendieser Stein lag nun in meiner Hand. Geschwungene Buchstaben zierten die glatte Oberfläche: »Samstag, 19:30 Uhr, Weststrand. Ich freue mich auf dich …« Die schwarz skizzierte Zeichnung eines kleinen Männchens mit Knubbelnase kniete neben der Botschaft und hielt mir strahlend eine Rose entgegen.

»Sophie!«, hörte ich mit einem Mal jemanden rufen.

Ich hielt mir die Hand vor die Augen, um sie gegen das Licht der Abendsonne zu schützen. In der Ferne winkte jemand. Er war groß und hatte eine sportliche Silhouette.

»Hi!«, rief ich laut, um das Rauschen des Meeres zu übertönen, und ließ den Stein in meine Umhängetasche fallen.

Er war barfuß, genau wie ich. Die einsetzende Flut umspülte seine Füße, und der Wind, der vom offenen Meer her wehte, zerzauste sein dunkles Haar. Er trug ein weißes Hemd und beige kurze Hosen. An seinen Wangen ließen sich leichte Bartstoppeln erahnen, und seine dunklen Augen strahlten, als er näher kam.

Dann stand er plötzlich vor mir. »Schön, dass du da bist, Sophie.«

Verlegen versteckte ich meine schlammbenetzten Schuhe hinter dem Rücken und schenkte ihm ein breites Lächeln. Sicher war ich nicht, woher ich ihn kannte. Aber er sah gut aus. Verdammt gut sogar. Wenn ich nicht irrte, war er einer der Krankenpfleger in der Klinik. »Maaa…?« Fragend sah ich ihn an.

»…tthias.« Er grinste.

Ich musste lachen. »Richtig, Matthias.« Dafür, dass ich erst so kurz in der Kurklinik arbeitete und fast zwanzig Kollegen hatte, war ich mit den ersten zwei Buchstaben seines Namens gar nicht mal so schlecht.

»Endlich können wir uns näher kennenlernen.« Lächelnd streckte er mir seine Hand entgegen.

»Ähm«, machte ich errötend und strich mir den nassen Sand von den Fingern. Nur meine dezent in Apricot lackierten Nägel zeugten davon, dass ich ursprünglich gewaschen und sauber zu diesem Date hatte erscheinen wollen.

»Das sieht nach Spaß aus«, meinte Matthias lachend und drückte meine Hand trotzdem. »Wer auf Spiekeroog sauber bleibt, dem ist nicht mehr zu helfen.«

»Bei Bällen und Kindern kann ich mich nicht zügeln.« Ich lächelte schief.

Matthias wies mit dem Kopf zu den Kindern hinüber, die wieder johlend spielten. Ein kleiner, vergnügt quietschender Junge stolperte nun unbeholfen auf uns zu. »Dann sollten wir dich ganz schnell aus der Reichweite der Bälle bringen, damit du nicht in Versuchung kommst.«

Seine Augen blitzten, als er mir seine Armbeuge anbot. »Darf ich bitten?«

Ich hakte mich unter und ließ mich von ihm über den Strand führen. Dass ich dabei meine Schlammreste auf seinem Hemd verteilte, schien Matthias nicht zu stören. Warm und weich spürte ich den Sand unter meinen Füßen, die feinen Haare auf Matthias’ Arm kitzelten auf meiner Haut. Unglaublich, dass ich mich schon jetzt in seiner Nähe so gut fühlte. Wir kannten uns schließlich kaum, und auch wenn er mich mit seinen kleinen Kunstwerken schon sehr berührt hatte, wollte ich ihn doch erst einmal richtig kennenlernen.

»Wie gefällt dir dein neuer Arbeitsplatz?«, fragte er.

»Ich habe das Meer direkt vor der Tür – und einen Kollegen, der mir Steine in den Weg legt –, was will man mehr?« Als ich ihm zuzwinkerte, lachte Matthias.

Mein Herz machte einen großen Hüpfer, wenngleich ich mich fragte, ob dieser Flirt von Dauer sein würde. Ich hatte schon das eine oder andere Strohfeuer erlebt.

Auf das Jahr Schwangerschaftsvertretung in der Nordsee-Niederlassung der Medicus-Klinik hatte ich mich unendlich gefreut. Sosehr ich den Bayerischen Wald als meine Heimat liebte, so willkommen war mir doch eine kleine Auszeit in der Nordseeluft. Aber sobald meine Kollegin aus dem Mutterschutz zurückkehrte, würde das Schwestern- und Pfleger-Team auf Spiekeroog wieder komplett sein. Dann hieße es für mich: Abschied nehmen. War es da klug, sich gerade jetzt auf eine beginnende Romanze einzulassen?

Ich schüttelte den Kopf und ermahnte mich, wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Ich wollte im Moment leben, und das in vollen Zügen.

Tief atmete ich die Seeluft ein und ließ mich von Matthias ein Stück weiter den Strand entlangführen.

»Mach es dir bequem.« Lächelnd wies er auf eine rote Picknickdecke. Zwei bestickte Kissen schienen bereits auf uns zu warten, Kerzen steckten im Sand, und auf einem kleinen, karierten Tüchlein standen eine Flasche Wein und ein wenig Gebäck bereit. Matthias zündete die Kerzen an.

»Du bist verrückt«, sagte ich und strahlte ihn an.

»Kann schon sein.« Er strich sich über seinen Dreitagebart und zwinkerte. »Aber es fühlt sich verdammt gut an.«

Süß war er auf alle Fälle. Er hatte sich so viel Mühe gegeben, und das, obwohl er mich noch nicht einmal kannte. Oder sollte ich vorsichtshalber sagen: weil er mich noch nicht richtig kannte?

»Woher hast du gewusst, dass ich kommen würde?«, fragte ich.

Seine dunklen Augen schienen direkt in mein Herz zu blicken. »Ich habe es gehofft.«

In meinem Bauch schien eine ganze Horde Schmetterlinge wach geworden zu sein. Doch als ich einen Anflug von Röte auf meinen Wangen spürte, senkte ich meinen Blick lieber auf die Gebäckschale. »Oh, Windbeutel!«, rief ich begeistert und ließ mich auf die Decke plumpsen.

»Habe ich heute Morgen erst ganz frisch gebacken …« Matthias setzte sich ebenfalls, siebte ein wenig Puderzucker über die Windbeutel und hielt mir die Platte hin. »… und mit Sanddornsahne gefüllt.«

»Mmmmmmh«, machte ich und schleckte mir genüsslich über die Lippen. Was für ein Windbeutel! Und in einem Bett aus cremiger Sahne das Kompott der tief orangefarbenen Beeren, die an den Dünen zuhauf der warmen Sommersonne entgegenwuchsen. Ob Matthias den tatsächlich selbst gebacken hatte? »Ich hatte nie einen besseren.«

Zufrieden seufzend grub ich meine Zehen in den warmen, weichen Sand, leckte mir die Sanddornsahne von der Oberlippe und betrachtete die untergehende Sonne, die inzwischen blutrot in das Meer tauchte.

»Ich kann dir beibringen, wie man Windbeutel bäckt.« Er stützte sich mit einem Arm im Sand auf.

»Sei gewarnt, ich verwüste jede Küche«, entgegnete ich lachend. Wenn er es mir beibringen wollte, beherrschte er es sicherlich wirklich. »Kochen konnte ich noch nie.«

»Ich nehme die Herausforderung an.« Matthias grinste.

Wir plauderten über dies und das, die Insel und die Klinik. Schließlich beugte Matthias sich vor und fasste nach der Weinflasche. »Ein Glas Wein?«

Ich nickte und hielt ihm mit sandigen Fingern unsere beiden Gläser entgegen.

»Ein schöner Beaujolais.« Er lächelte.

»Hört sich gut an«, sagte ich. Mit Wein kannte ich mich nicht aus. Es gab rote und weiße Weine, so viel wusste ich, und liebliche und trockene. Genau da hörte es aber auch auf.

»Lass uns auf diesen Abend anstoßen.« In seinen Augen glitzerte der Widerschein des Sonnenuntergangs, und in diesem Moment kam er mir so vertraut vor, als würden wir uns schon ewig kennen.

»Auf uns.«

Das Klirren der Gläser ging im Rauschen der Wellen unter, ich nippte an meinem Wein und spürte Matthias’ Schulter an der meinen. Eigentlich war Wein allgemein nicht mein Ding. Aber Matthias hätte mir beim ersten Date wahrscheinlich sogar Haferschleim vorsetzen können.

»Oh, ich glaube, ich muss mich stärker ins Zeug legen«, flüsterte er, und sein Atem kitzelte mich dicht an meinem Ohr.

»Ach ja?« Ich lachte und spürte, wie mein Herz schneller schlug.

Er nickte ernsthaft. »Die Konkurrenz schläft nicht – da flirtet ein fescher junger Mann mit dir.«

Verwundert wandte ich mich um. Und wirklich – da stand er, schräg hinter uns. Ein kleiner goldiger Kerl, vielleicht vier oder fünf Jahre alt, der mich über den Rand seiner Brille hinweg skeptisch betrachtete.

»Na, du«, meinte Matthias und lächelte den Jungen an.

»Alles klar?«, sagte ich und nutzte den unbeobachteten Moment, um einen großen Löffel Puderzucker in meinem Beaujolais zu versenken. Hoffentlich bekam Matthias das nicht mit. Unauffällig rührte ich um und nippte. Schon besser.

»Ich bin mir relativ sicher, dass man Wein nicht mit Zucker süßen sollte.« Der Blick des Jungen war so niedlich wie schonungslos.

Erwischt. Vor Schreck verschluckte ich mich und hustete. Meine Gesichtsfarbe glich sich mit Sicherheit gerade dem Beaujolais an, der in seinem Glas gefährlich in Richtung Rand schwappte. Zum Glück wurde es langsam dunkel.

»Ähm, doch«, sprang Matthias mir zur Seite und klopfte mir sanft auf den Rücken, um meinen Husten zu beruhigen. »Das schmeckt hervorragend.«

»Aber probieren darfst du leider nichts«, fügte ich mit krächzender Stimme hinzu. »Alkohol ist böse für Kinder.«

»Mit böse meinen Sie wahrscheinlich, dass Ethanol biochemisch betrachtet ein Zellgift ist.« Der Kleine sah mich unschuldig an, und ich kam mir immer dämlicher vor.

»Meinen höchsten Respekt, junger Mann.« Matthias nickte lächelnd.

Ich hustete noch einmal, um das fiese Kitzeln im Hals loszuwerden.

»Felix!«, rief eine Frauenstimme scharf. »Kommst du bitte?«

»Ups, die Mama!«, flüsterte Matthias und zwinkerte dem Jungen freundschaftlich zu.

»Schön, dich kennengelernt zu haben, Felix!« Ich verfrachtete mein Weinglas umständlich in die andere Hand und strich mir über die verschwitzte Stirn.

Matthias hob die Hand, um die junge Frau zu grüßen, die Felix forsch an der Hand fasste und ihn in Richtung Westend davonzerren wollte. »Das scheint Maries Sprössling gewesen zu sein. Marie ist eigentlich Kunsttherapeutin bei uns in der Klinik. Kennenlernen wirst du sie aber vermutlich nicht. Sie hat sich eine Auszeit genommen – aus privaten Gründen.«

»Ihr Sohn ist ein süßer Kerl.« Nervös tastete ich nach meinen Wangen. Wenn sie nur halb so rot waren, wie ich befürchtete, war es schrecklich genug.

Matthias schmunzelte und berührte mich sanft am Arm. »Entspann dich.«

Als ich nach Feierabend in mein Lieblingsoutfit geschlüpft war, meine Nägel lackiert und meine Haare in ansehnliche Form gebracht hatte, hatte ich nicht geahnt, dass ich später völlig verdreckt und mit hochroten Wangen am Strand sitzen und gezuckerten Rotwein schlürfen würde.

»Weißt du eigentlich, wie süß du gerade aussiehst?«, fragte Matthias, als hätte er meine Gedanken gelesen.

»Ähm …«, machte ich und wurde dabei wahrscheinlich noch eine Stufe röter.

Er lachte. »Du Süße.«

Ich rutschte probeweise ein wenig näher zu Matthias, der prompt den Arm um mich legte. Bingo! Der frische Sommerwind spielte in meinen Haaren, ich fühlte eine salzige Brise auf der Haut und kuschelte mich in Matthias’ Arme. Mein Kopf lehnte an seiner Brust, ich spürte seine Wange an meinem Kopf, und jeder seiner Atemzüge hob und senkte seinen Bauch dicht an meinem Rücken. Im selben Rhythmus schienen die glitzernden Wellen majestätisch heranzurollen. Ein Moment für die Ewigkeit.

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KAPITEL 1

4 Jahre später in Bayern

Fröhliches Gelächter drang aus der Wirtsstube. Als ich die quietschende Holztür aufstieß, duftete es nach köstlichem Schweinebraten. Die tief stehende Abendsonne tauchte den Raum in ein goldenes Licht. Von der dunkel gebeizten Fichtendecke baumelte eine liebevoll geschnitzte Willkommenstafel, und die karierten Vorhänge bewegten sich sanft im Abendwind, der durch die weit geöffneten Fenster drang. Durch den Luftzug fiel die Eingangstür mit einem lauten Knall hinter mir ins Schloss.

»Ja, da schau her, die Sophie! Morgen um diese Zeit bist schon unter der Haube«, rief jemand.

Köpfe drehten sich zu mir, Hände hoben sich zur Begrüßung.

Ich grinste nur und winkte zurück.

»Griaß di, Sophie! Ein Radler, wie immer?«, rief Resi, die alte Wirtin der Gröblacher Stub’n, laut über das Stimmengewirr in der Wirtsstube hinweg. Gerade stand sie hinter dem Tresen und zapfte ein Bier.

»Gern!« Ich zeigte meinen erhobenen Daumen, weil ich nicht sicher war, ob es meine Stimme mit der heiteren Runde des Schützenvereins aufnehmen konnte. Laut und lustig feierten sie gerade am großen Tisch neben dem Kachelofen die Einweihung der neuen Schießanlage.

»Draußen ist noch was frei, Sophie!«, rief die Wirtin, während sie ein paar Brotzeitplatten mit Obatzter, Geräuchertem, Wurstsalat und Brezen auf ihren Unterarmen stapelte. Schweiß rann ihr von der faltigen Stirn. »Ich bin auch gleich da!«

Die Terrasse war gut gefüllt. Ich entdeckte Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins, die sich zum Schafkopfen getroffen hatten. Die Leute lachten ausgelassen.

»Hallo, Mutti!« Fröhlich winkte ich meiner Schwiegermutter zu, die energisch ihre Karten an die Brust presste, als ich näher kam. »Wir haben dir für morgen einen Platz neben Resi reserviert. Passt das?«

»Macht euch keine Umstände.« Sie vermied es demonstrativ, meinem Blick zu begegnen, als sie nach ihrer Schorle griff und ein paar Schlucke trank. »Ich weiß noch nicht einmal, ob ich morgen komme.«

»Ähm …«, machte ich verlegen und sah mich betreten um. Auch wenn die anderen Leute taten, als hörten sie uns nicht, so war es dennoch unangenehm still um uns geworden. »Gib dir einen Ruck. Ab morgen bin ich deine Schwiegertochter. Und dann werden wir …«

»… trotzdem keine guten Freunde werden«, vollendete sie meinen Satz, ohne mich anzusehen.

Ich seufzte nur. Dass sie noch regelmäßig mit Matthias’ Ex-Freundin telefonierte, hatte es von Anfang an kompliziert gemacht. Und als sie schließlich herausgefunden hatte, dass ich weder kochen noch backen kann, war es vollständig vorbei gewesen mit der Chance auf ein gutes Verhältnis.

»Tuuut, tuuuut!«, machte Resi hinter mir und lachte, als sie sich mit einem großen Tablett an mir vorbeischob.

»Ja, ich …« Dankbar lächelte ich Resi zu und deutete zum Tisch neben der Schafkopfrunde, wo ich bereits bekannte Gesichter erspäht hatte. »Dann mache ich mal den Durchgang frei.«

Strahlende Mienen begrüßten mich. Zweifellos wollten sie mich nach dem Zwischenfall aufheitern. Ich warf ein fröhliches »Servus« in die Runde und setzte mich neben unseren Postboten Hubert. Die alte Wirtin verteilte nun die reich beladenen Teller, stellte einen Brotkorb in die Mitte des Tisches und schob mir mein Radler hin.

»Ja, Sophie, warst wieder den ganzen Tag unterwegs, ha?«, begrüßte mich Hubert und nickte mir schelmisch grinsend zu. »Immer auf den Beinen!«

»Die Sophie wird ihre Hochzeit geplant haben, hab ich recht?«, fragte Resi und drückte mit ihrer faltigen Rechten meine Hand. »Ich freu mich so für Matthias und dich.«

Ich fing ihren warmen Blick auf und erwiderte ihn lächelnd.

»Lass mich raten: Die Blumen und Servietten müssen zur Augenfarbe des Pfarrers passen«, brummte Hubert.

»Jetzt sei doch nicht so!«, schimpfte Resi und sah ihn tadelnd an.

Ich hatte tatsächlich letzte Besorgungen für die Hochzeit erledigt, und ein anstrengender Tag lag nun hinter mir. Da war Resis Wirtshaus der beste Ort, um mit Freunden zu plaudern und dabei zur Ruhe zu kommen. Einen Moment lang lehnte ich mich zurück und ließ meinen Blick in die Ferne schweifen.

Ein Meer aus goldenen Weizenfeldern lag knapp unterhalb der frei stehenden Terrasse. Die Baumspitzen des nah gelegenen Waldes wiegten sich sanft im Wind, und in der Ferne konnte man bläulich grau eine Bergkette erahnen. Eigentlich konnte ich es kaum erwarten, dass Matthias und ich endlich heirateten. Wir hatten unsere Hochzeit schon letztes Jahr für den ganz kleinen Kreis geplant, doch dann war überraschend eine enge Freundin von ihm gestorben. Jetzt würden wir endlich alles nachholen: 2019 würde nun endlich unser Jahr werden.

Ich hob die Augenbrauen und legte eine Hand an die Stirn, um mich gegen die Sonne zu schützen, die tief am Himmel stand. Dann wandte ich mich unserem Postboten zu.

»Hubert, woher weißt du denn, dass ich unterwegs war?«

»Woher wohl?« Er grinste und fischte zwei Päckchen unter dem Tisch heraus. »Für dich. Hab sie dir mitgebracht, bist ja jeden Freitag hier.«

Das stimmte. Wie Matthias immer zu sagen pflegte: Heimat ist dort, wo du ohne Verabredung ein Wirtshaus betrittst und drei Viertel der Leute beim Namen kennst. »Lieb von dir, Hubert.«

»Das sind bestimmt Hochzeitsgeschenke!« Resi bekam prompt rote Wangen und strahlte.

Ich lächelte nur. Vermutlich war es besser, ihr nicht zu sagen, dass in einem der beiden Päckchen Fußpolster für meine Brautschuhe steckten. Die hatte ich in letzter Minute noch bestellt, nachdem ich den Beschluss gefasst hatte, dass ich am schönsten Tag meines Lebens nicht nur hübsch, sondern auch glücklich sein wollte.

»Habt ihr euch nicht auf dieser Insel kennengelernt?«, fragte Hubert nachdenklich. Dann prostete er mir zu, nahm einen großen Schluck Helles und wischte sich den Schaum von der Oberlippe.

»Spiekeroog!« Resi nickte begeistert, bevor ich antworten konnte. »Matthias hat ihr romantische Botschaften auf Steinen hinterlassen.«

»Könntest du bei deiner Frau auch mal versuchen«, schlug ich grinsend vor und stieß Hubert freundschaftlich den Ellenbogen in die Seite.

»Klar.« Er lachte und schob sich eine große Gabel Wurstsalat in den Mund. »So Botschaften wie: Bitte Hemden bügeln! Oder: Heute Schweinsbratwürste! Da freut sie sich.«

Resi und ich wechselten einen belustigten Blick und seufzten. Romantisch war eine Fremdsprache, die Hubert definitiv nicht beherrschte.

»Was ist mit Schweinsbratwürsten?«, ertönte da eine kräftige Frauenstimme.

»Du hast einen schrecklich unromantischen Mann, Malaika!«, klagte Resi.

Malaika umarmte mich zur Begrüßung, ließ sich auf den freien Stuhl neben mich fallen und befreite sich umständlich von ihrer Umhängetasche. Sie warf ihrem Mann ein Grinsen zu. »Wenn er die Küche feucht wischt, ist mir das Romantik genug.«

»Schön, dass du wieder da bist! Wie geht es deiner Oma?« Ich hatte Malaika vermisst. Drei Wochen lang hatte sie ihre Großmutter in Kenia besucht, aber hoch und heilig versprochen, bis zur Hochzeit wieder zurück zu sein. Schließlich würde sie meine Trauzeugin werden.

Ihre Augen glänzten. »Bestens. Sie hatte wirklich Sehnsucht nach mir. Schließlich hat sie mich nicht mehr gesehen, seit Hubert und ich verheiratet sind.« Malaika rollte sich ein Haargummi von ihrem Handgelenk, um ihre voluminöse Frisur zu bändigen.

Geschäftig sprang Resi nun auf und schnappte sich ihr Tablett. »Malaika, ein Helles für dich?«

»Ich hätte gern eine Saftschorle.«

»Eine Saftschorle?« Verwundert starrte Resi sie an.

»Na, Saft mit Wasser gemischt.« Malaika lehnte sich zurück und kniff ihre Augen im Licht der Abendsonne zusammen. »Orange, Apfel, Johannisbeere. Was auch immer du hast.«

Seit wir volljährig waren, tranken Malaika und ich freitags bei Resi ein Feierabendbier, sooft es unser Schichtdienst zuließ. Dass ausgerechnet Malaika jetzt Lust auf Saftschorle hatte, war deshalb sicherlich überraschend.

»Kannst du mir Rühreier machen, Resi?«, fragte ich. Großen Hunger hatte ich nicht, schließlich hatte ich den Tag bei meinen Eltern verbracht.

»Zwei oder drei Eier?«

»Zwei«, sagte ich und fing Resis resoluten Blick auf, die mich prompt von oben bis unten scannte.

»Ich werde dir drei machen. Du hast in letzter Zeit so abgenommen.«

Ich schmunzelte nur. Es war zwecklos, Resi zu widersprechen. Seit Jahren trug ich Kleidergröße vierzig, daran hatte sich noch nie etwas geändert.

»Ich nehme den Obatzten«, meinte Malaika. Ihr Sommerkleid wippte im Wind, als sie sich zur Seite drehte, um in ihrer Tasche zu kramen.

»Aber Resi mischt da immer Bier rein!«, protestierte Hubert sofort. »Bei der rohen Zwiebel bin ich mir nicht sicher, aber definitiv ist gerade ein Käse wie Limburger mit seinem hohen Gehalt an …«

»Schsch, Schatz«, machte Malaika und warf Hubert einen warnenden Blick zu.

»Hab ich es mir doch gedacht!« Glückstrahlend wandte Resi sich noch einmal um. »Glückwunsch!«

Da hätte ich auch selbst draufkommen können! »Ihr werdet Eltern!« Ich fiel Malaika stürmisch um den Hals und konnte nicht anders, als einen Blick auf ihr Bäuchlein zu werfen.

»Zehnte Woche.« Lächelnd tätschelte meine Freundin ihren flachen Bauch. »Da wirst du noch nicht viel sehen, Sophie.«

»Ich freu mich so für euch!«, rief ich, hoffentlich ohne mir anmerken zu lassen, wie gerührt ich war. Ich wusste nur zu gut, wie lange sich Hubert und Malaika bereits sehnsüchtig ein Kind gewünscht hatten. Mit achtzehn, gleich nach der Hochzeit, hatte Malaika versucht, schwanger zu werden, doch es hatte nie geklappt. Während ihres Medizinstudiums war es ihr dann eher recht gewesen, sich nicht noch um ein Baby kümmern zu müssen. Doch als sie Jahre später nach abgeschlossener Facharztausbildung schließlich auf derselben Station landete, wo Matthias und ich als Krankenpfleger arbeiteten, war noch immer kein Kind in Sicht. Seitdem war keine Woche vergangen, in der das Wort Baby nicht gefallen wäre.

»Ich kann es kaum erwarten«, gab Hubert zu. Seine Stimme klang plötzlich ganz sanft und zerbrechlich.

Malaika griff nach meiner Hand. »Jetzt ist alles perfekt. Ich bin schwanger, und du heiratest deinen Traummann. Schöner kann es nicht mehr werden.« Sie lächelte glücklich.

»Wo ist Matthias eigentlich?«, warf Hubert ein.

»In der Klinik.« Ich seufzte. »Eigentlich hätte er seit gestern Urlaub, aber ein Kollege ist krank. Wobei er eigentlich jetzt langsam hier sein sollte …«

»Bestimmt ist ihm noch etwas dazwischengekommen. Er hätte dir auch sicher gesagt, dass er sich verspätet, aber du hast ja dein Handy nie an.« Malaika warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu, dem ich nur mit einem herausfordernden Lächeln begegnete.

Gedankenverloren beobachtete ich einen Falken, der in der Ferne über den Baumwipfeln seine Kreise drehte.

»Soll ich dir noch bei irgendetwas helfen wegen morgen?«, fragte Malaika.

Ich schüttelte den Kopf und lächelte dankbar. »Lieb von dir. Aber viel war ohnehin nicht zu tun.«

Matthias und ich hatten uns für die entspannte Variante entschieden und eine hübsche alte Scheune gemietet. Statt Geschenken würde jeder Gast etwas fürs Buffet mitbringen. Wir hatten uns lediglich um Geschirr und Getränke gekümmert.

»Hat sich Matthias’ Mutter wieder beruhigt?«, fragte Malaika und schlug die Beine übereinander.

»Nicht wirklich.« Ich schielte missmutig zum Nachbartisch hinüber, wo Mutti gerade die Karten beiseitelegte, um in ihrer Tasche zu kramen. »Sie hat sich die Hochzeit ihres einzigen Sohns einfach anders vorgestellt. Sie wollte ein Drei-Gänge-Menü, Kellner mit weißen Handschuhen und leise Klaviermusik.«

»Lass dir davon nicht die gute Laune verderben. Es ist eure Hochzeit, nicht ihre.«

Wieder sah ich in die Ferne, bevor ich antwortete. Feiner Nebel ließ die Bergketten verschwimmen, eine Wolke hatte sich im Tal niedergelassen. »Sie versteht nicht, dass eine Hochzeit perfekt ist, wenn man den perfekten Partner hat. Der Rest ist egal.«

»Dich wird sie ohnehin nie als Schwiegertochter akzeptieren, mach dir nichts vor«, raunte mir Malaika zu und warf einen Blick über die Schulter, in Richtung des Nachbartisches.

»Vermutlich.« Seufzend griff ich nach meinem Radler.

Dann kam Resi zurück an unseren Tisch, in den Händen Malaikas Saftschorle und zwei reich beladene Teller. Einen davon setzte sie energisch vor mir auf den Tisch.

»Ich habe doch vier Eier gemacht. Von dreien wird man ja nicht satt.«

Malaika grinste belustigt, und ich lachte. Typisch Resi.

»Und was ist das?«, fragte Malaika, als Resi ihr eine Wurstplatte hinschob.

Resi zuckte mit den Schultern. »Wenn ich vom Obatzten alle Zutaten abziehe, die du jetzt nicht mehr essen darfst, bleibt ja nichts mehr übrig.«

»Na dann.« Malaika grinste und schnappte sich eine Scheibe Brot aus dem Korb.

Ich unterdrückte ein Lachen. In diesen vier Wänden herrschten Resis Gesetze, keine anderen. Genau deshalb liebte ich das Wirtshaus.

»Glücklich schaust aus, Sophie«, sagte Resi und strich mit faltigen Händen ihre Schürze glatt.

»Bin ich.« Sofort breitete sich ein warmes Gefühl in meinem Bauch aus. »Das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber …«

»Du heiratest morgen!«, fiel Resi mir ins Wort. »Wenn irgendwann im Leben Zeit für Kitsch ist, dann heute.«

»… es fühlt sich so unglaublich richtig an«, beendete ich den angefangenen Satz. »Mein Herz hat ein Zuhause gefunden.«

Mehr als das sogar. Matthias war das Erste und das Letzte, was ich jeden Tag sehen wollte. Mit ihm wollte ich durch dick und dünn gehen. Glücklich sein. Kuscheln vor dem Einschlafen; seinen Atem an meinem Nacken spüren. Albern sein und wie Kinder am Strand Sandburgen bauen. Kirschen entsteinen, bis man die Küche neu streichen musste. Bratwurst-Sushi im Kerzenschein. Auf dem Spielplatz schaukeln und hoffen, dass die Schaukel standhielt. Pizza zum Frühstück bestellen. Gemeinsam in der Badewanne liegen, bis die Zehen schrumpelig werden. Leben, lachen und lieben.

»Was hast du denn da?«, fragte Malaika, riss mich aus dem Tagtraum und griff nach meinen Päckchen.

»Hochzeitsgeschenke«, antwortete Resi prompt, ihre Wangen nahmen erneut einen rosigen Ton an.

Ich biss einen Happen Brot ab und zeigte auf den kleineren Umschlag. »Bei dem hier steht kein Absender drauf.«

Komisch war es schon. Ich hoffte inständig, bei den Hochzeitsvorbereitungen keine weit entfernte Tante vergessen zu haben, die sich nun per Geschenk bemerkbar machte. Hatte ich eigentlich eine Einladung an Tante Hildegard geschickt?

»Los, mach auf!«, drängte Malaika.

»Taschenmesser?« Hilfsbereit zog Hubert seins aus der Tasche und hielt es mir hin.

Das Päckchen fühlte sich leicht an. Mit dem Messer durchtrennte ich das Paketband und öffnete die Seitenklappen. Resi hatte recht behalten. Kleine Luftballons in Herzform füllten die Schachtel, um den filigranen Bilderrahmen zu schützen, der ganz am Boden des Päckchens lag.

»Ein Foto«, meinte ich nachdenklich. »Eigentlich sollte ich mit dem Auspacken auf Matthias warten.«

»Papperlapapp«, widersprach Malaika. »Dafür ist es jetzt auch schon zu spät. Zeig mal her.« Schon hatte sie sich das Päckchen geschnappt. Die Luftballons quietschten, als sie den Bilderrahmen herauszog. Dann erstarrte ihr Blick plötzlich. Sie öffnete und schloss den Mund, doch kein Ton kam heraus.

»Sind wir so schlimm getroffen?«, scherzte ich.

Wortlos hielt sie mir das Bild hin – und in diesem Moment drohte ich ins Bodenlose zu stürzen. Ein Bild wie dieses sollte keine Frau am Tag vor ihrer Hochzeit sehen müssen. Ich spürte Malaikas Hand auf meiner Schulter, die besorgten Blicke von Resi und Hubert, und klammerte mich an meiner Gabel fest. Mein Magen drehte einen Salto. Ja, das Foto zeigte eindeutig Matthias. Und die nackte Frau in seinen Armen war nicht ich.

Meine Sicht verschwamm, Tränen schossen mir in die Augen. Fast unwirklich laut hörte ich mich selbst nach Atem ringen, während sich ein unsichtbares Seil um meinen Brustkorb enger und enger zog.

»Oh, Sophie!«, hörte ich Malaikas Stimme irgendwo aus dem Off.

»Ich muss mit ihm reden«, murmelte ich, eher zu mir als zu Malaika.

Aus den Augenwinkeln nahm ich noch den stechenden Blick meiner Schwiegermutter wahr, dann stürmte ich aus dem Wirtshaus.

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KAPITEL 2

»Ruf an, wenn du Hilfe brauchst, ja?«, hörte ich Malaika noch hinter mir rufen. »Du kannst jederzeit bei uns übernachten!«

Ich wollte antworten, doch meine Stimme versagte mir den Dienst. Also nickte ich nur dankbar und hob die Hand zum Abschied, bevor der Weg eine Biegung machte und ich Malaikas Blicken entschwand.

Eigentlich liebte ich den charmanten kleinen Waldweg zwischen Resis Wirtshaus und der Klinik. Doch nun kam er mir so trist und einsam vor wie nie. Nackte Baumstämme wuchsen traurig und kahl im Moos, Blätter raschelten im Wind, und immer wieder zerriss der Schrei des Eichelhähers die Stille. Ich fühlte die trocknenden Tränen auf meinem überhitzten Gesicht.

»Nein«, murmelte ich und schluckte schwer. »Nein, nein, nein …«

Sollte das wirklich das Ende sein? Würde alles, was Matthias und mich verband, jetzt einfach zerplatzen wie eine Seifenblase? War alles nur ein schöner Traum gewesen?

»Das kann nicht wahr sein«, murmelte ich. »Es kann einfach nicht wahr sein …«

Eine Amsel flog laut schimpfend davon, als ich an ihr vorbeistapfte. Gedankenverloren sah ich ihr nach.

Wer war Matthias eigentlich? Dass Matthias mich mit einer anderen Frau betrog, war mir unvorstellbar gewesen. Womöglich besaß er doch Seiten, über die ich nichts wusste … Vielleicht war er nicht nur der zärtliche Romantiker, der für seine Liebste Steine bemalte und Windbeutel backte, bei leiser Musik und Kerzenschein. Vielleicht war er eben auch … Mir fielen die passenden Worte nicht ein.

Mein Blick fiel auf den Baumstumpf der alten Linde, unter der Matthias und ich bis vor einer Woche oft gepicknickt hatten. Für einen Moment blieb ich stehen.

Jahr für Jahr hatten wir uns im Schatten des gigantischen Baumes niedergelassen. Ihr dicker Stamm hatte mich schon immer fasziniert. Selbst zu zweit hatten wir es nicht geschafft, den Stamm zu umfassen. Viele unserer Küsse hatte die Linde unter ihren Zweigen bezeugt – und weder Matthias noch ich hatten geahnt, dass sie innen bereits hohl gewesen war. Ihre Blätter waren jung und frisch gewesen. Trotzdem hatte sie innen so stark gefault, dass die Gemeinde Spiegelau sie vor Kurzem aus Sicherheitsgründen hatte fällen müssen.

Nachdenklich zog ich das Bild aus meiner Tasche und setzte es auf den Baumstumpf. Der makellose, nackte Frauenrücken sprang mich regelrecht an. Ein dunkles, längliches Muttermal zierte das rechte Schulterblatt, die braune Hochsteckfrisur war zerzaust. Matthias’ Arm schien den nackten Körper an sich zu ziehen. Seine und ihre Finger waren ineinander verschränkt, und an Matthias’ Handgelenk entdeckte ich das braune Lederarmband, das ich ihm zum Geburtstag geschenkt hatte. Seine Augen waren geschlossen, und seine Lippen berührten den Hals der Nackten.

Mein Herz klopfte so heftig, als wollte es die Gedanken übertönen, die in meinem Kopf übermächtig wurden. Alles in meinem Kopf schrie nur den einen Satz: Was ist aus diesem Mann geworden, der mich so geliebt hat?

Mein Herz krampfte sich zusammen, als ich den Bilderrahmen einpackte und mich zwang weiterzugehen. Wer sagt, dass Liebeskummer nur ein Gefühl ist, der lügt. Liebeskummer tut weh. Körperlich. Erbarmungslos ritzte er mit einem feinen Messer die Konturen des Bildes in mein Herz.

Ich fühlte mich leer und ausgelaugt, als ich weiterging. Jeder meiner Schritte kostete mich mit einem Mal so viel Kraft.

Im Grunde wusste ich noch nicht einmal genau, warum ich überhaupt noch mit Matthias sprechen wollte. Wollte ich sein erschrockenes Gesicht sehen? Reue? Eine Entschuldigung vielleicht? Ich wusste es nicht. So ist das eben mit der Liebe. Man schenkt einem Menschen den Schlüssel für sein Herz und muss darauf vertrauen, dass er nicht darin randaliert. Beinah hätte ich laut aufgelacht.

»Sophie-Schatz!«, hörte ich Matthias plötzlich von Weitem rufen. Er musste gerade um die nächste Biegung gegangen sein. Die Euphorie in seiner Stimme war nicht zu überhören.

Ich zögerte. Eigentlich war ich noch gar nicht bereit für dieses Zusammentreffen, doch das würde ich vermutlich auch nie sein. Und vielleicht wollte ich das auch gar nicht sein.

»Schön, dich zu sehen!«, sagte Matthias liebevoll. Er strahlte. Im Licht der untergehenden Sonne schimmerte sein Gesicht ganz warm.

Erst als er näher kam und meine rot geschwollenen Augen sah, fror seine Miene ein. Sorge spiegelte sich in seinen Zügen.

»Was ist passiert?«, fragte er erschrocken.

Ich schüttelte nur den Kopf und kämpfte mit den Tränen. Als er mir behutsam eine Hand auf die Schulter legte und mich in eine sicherlich tröstend gemeinte Umarmung ziehen wollte, drehte ich mich weg.

»Sophie, Schätzchen!« Seine Stimme war leise und sanft, sein Blick suchte besorgt den meinen.

Wortlos kramte ich das Bild aus meiner Tasche.

Matthias wurde leichenblass, als ich es ihm hinhielt. Er erstarrte. Für ein paar Minuten sagte er gar nichts.

»Was ist das?«, fragte er schließlich. Seine Unterlippe bebte, er starrte auf das Foto. Dann ließ er sich erschöpft auf einen Baumstumpf sinken.

»Gute Frage.« Ich sah ihn an und war überrascht, die Worte herausgebracht zu haben.

»Wer hat dir das gegeben?«

»Falsche Frage«, antwortete ich kühl und schnäuzte mich. Ein fieses Gefühl stieg in mir auf.

»Ich weiß, wie du dich jetzt fühlen musst«, sagte Matthias langsam, als er wieder das Bild ansah. »Aber ich habe keine Ahnung, wie dieses Foto entstanden ist.«

»Ach was«, meinte ich und beobachtete seine Reaktion genau. Sosehr er sich auch bemühte, ruhig und gefasst zu wirken, sein Blick spiegelte blanke Panik. Eine Ader an seiner Stirn trat bläulich hervor, und er schwitzte.

»Das muss sich in deinen Ohren anhören wie eine Lüge. Aber ich war dir immer treu.« Er sah mir in die Augen, und für einen Moment wünschte ich, ich könnte ihm glauben.

»Dieser Abend …«, sagte ich langsam. »… als du auf Fortbildung an der Nordsee warst … und ich dich zweimal angerufen habe, weil ich einen verletzten Igel gefunden hatte …«

Matthias schnäuzte sich.

Ich sog scharf die Luft ein. »Da warst du also mit ihr zusammen. Gib es zu.«

»Nein. Ich bin früh eingeschlafen, weil ich den Wein schlecht vertragen habe. Das hatte ich doch …«

»Lüg mich nicht an!«, unterbrach ich ihn laut.

Tränen schimmerten in seinen Augen. »Sophie.«

»Warum hast du mich betrogen?« Verzweifelt trat ich einen Schritt näher und hob das Kinn. »Bin ich dir nicht genug?«

»Du bist noch viel mehr, als ich mir je gewünscht habe …«

Ich glaubte ihm kein Wort. »Aber?«

»Kein Aber«, sagte Matthias, und sein Blick wurde sanft. »Ich würde dich niemals betrügen.«

Ich presste die Lippen aufeinander und schnaubte. Anklagend hielt ich das Bild höher. »Und das? Bilde ich mir das ein?«

Er atmete tief ein und wieder aus. »Ich verstehe dich. An deiner Stelle würde ich genauso denken. Aber ich weiß nicht, wie ich dir beweisen kann, dass ich dich niemals betrogen habe.«

Ich umklammerte das Bild. »Dann erkläre mir doch, wie das hier entstanden ist!«

»Ich kann es ja noch nicht einmal mir selbst erklären! Glaub mir … Ich bin am Ende.« Seine Stimme zitterte, er vergrub sein Gesicht in den Händen.

»Die Aufnahme lässt keine Fragen offen«, sagte ich kalt.

»Vertrau mir.« Er sah mich flehend an, doch ich wich seinem Blick aus.

Sekundenlang stand ich nur schweigend da und versuchte zu begreifen, was passierte.

»Wenn ich dich betrogen habe, darfst du mich für immer hassen«, sagte er schließlich und atmete tief durch. »Aber …«

»Das ist doch Unsinn.«

»Ich wollte nur sagen: Ich verstehe dich.« Er griff nach meiner Hand, doch ich zog sie fort, bevor er sie umfassen konnte. »Ich wollte nur, ich könnte … könnte …«

Ungeduldig kniff ich die Augen zusammen und atmete hörbar aus. »Vielleicht könnte ich dir einen Seitensprung sogar irgendwann verzeihen«, meinte ich schließlich ernüchtert. »Aber dafür müsstest du ihn zugeben!«

»Sophie, bitte glaube mir!« Seine Stimme klang verzweifelt. »Ich habe keine Idee, wie dieses Foto entstanden sein könnte!«

Ich seufzte schwer. Ein kleiner Teil von mir wollte ihm so gerne glauben, doch ein Foto wie dieses konnte niemand ignorieren. Mein Matthias mit einer anderen. Heimlich. Am liebsten hätte ich ihn angeschrien, doch ich war wie gelähmt. Ich stand nur da und wünschte, ich würde in ein paar Sekunden aus diesem schrecklichen Albtraum aufwachen, wach geküsst werden, ein warmes Croissant im Bett serviert bekommen …

Matthias’ flehender Blick schien mich hypnotisieren zu wollen, mein Herz klopfte hart in meiner Brust, doch dann drehte ich mich um und ging.

Moewen_zwei

KAPITEL 3

Als ich unsere Wohnung betrat, roch es nach gemähtem Gras. Alle Fenster standen offen, und aus dem Nachbargarten dröhnten der Rasenmäher und die elektrische Heckenschere.

Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie es nun weitergehen sollte. Da war nichts. Gar nichts. Gähnende Leere.

Ein paar Minuten lang stand ich einfach nur da, die Handtasche über der Schulter, die Hand an der Türklinke und an meinen Füßen die Straßenschuhe. Dann, irgendwann, griff ich wie betäubt nach dem Wischmopp. Das Letzte, um das ich mir jetzt Sorgen machen sollte, war eine saubere Wohnung. Und obendrein hatte Matthias erst gestern Abend feucht durchgewischt. Trotzdem. Es tat gut, etwas zu tun, was mir zumindest ein kleines Stück von genau der Normalität zurückbrachte, die mir gerade gänzlich abhandengekommen war.

Ich starrte auf die nassen Streifen, die der Wischmopp hinter sich herzog, räumte zwei Küchenstühle aus dem Weg und stieß im Vorübergehen um ein Haar den elektrischen Eierkocher von der Anrichte. Den hatte seine Mutter Matthias erst vor Kurzem zum Geburtstag geschenkt. Natürlich nicht ohne beiläufig hinzuzufügen, dass sie Matthias’ Ex-Freundin immer für ihre perfekten, wachsweichen Eier bewundert habe. Benutzt hatte Matthias ihn bislang noch nicht. Ich hatte angenommen, dass er ihr Sticheln nicht unterstützen wollte. Vermutlich würde sie durchatmen, wüsste sie, wie schlecht die Sterne für Matthias und mich jetzt tatsächlich standen. Ob die Nackte auch Eier kochen konnte?

Beinahe wie ferngesteuert putzte ich die Küche, drehte den Wischmopp im Putzeimer so fest ich konnte und schrubbte weiter. Küche, Bad, Schlafzimmer.

Dass Matthias zu so etwas in der Lage war, schockierte mich zutiefst. Fremdgehen, das passierte doch eigentlich nur den anderen. Aber mein Matthias? Nie im Leben, hätte ich gesagt, wenn man mich vor ein paar Tagen gefragt hätte. Und trotzdem war da dieses Bild. Und alles war infrage gestellt, was mir bis vor wenigen Stunden so felsenfest und unverrückbar erschienen war.

Wie betäubt wischte ich auf dem Fußboden herum.

Erst, als ich Matthias’ Reisekoffer beiseiteschob, um die hinterste Ecke des Zimmers zu erreichen, durchzuckte mich eine Idee. Was, wenn …? Unschlüssig wischte ich an den Kanten des Koffers entlang.

»Matthias?«, rief ich probeweise, auch wenn ich eigentlich sicher war, dass er unsere Wohnung noch nicht betreten hatte. Vermutlich traute er sich nicht mehr nach Hause, nachdem seine Affäre aufgeflogen war.

Keine Antwort.

Meine Hand fasste nach dem Reißverschluss des Koffers. So etwas tust du nicht, Sophie, wandte meine innere Stimme ein. Und was, wenn doch? Stand es mir nicht zu, die Wahrheit herauszufinden?

Zack. Ich zog den Reißverschluss in derselben Geschwindigkeit auf, mit der ich sonst ein Pflaster abriss, und hielt den Atem an. Das Hauptfach des Koffers war leer, in den Innentaschen fand ich eine Packung Taschentücher und ein paar Hustenbonbons, im oberen Außenfach eine Sonnenbrille und im unteren …

Entsetzt starrte ich auf das fremde Höschen. Cremeweiß war es, mit kecker Spitze und einer kleinen Schleife an der Vorderseite. Ich würgte, stopfte es zurück in den Koffer und lief ins Bad, wo ich mich erst einmal vor die Toilette kniete, um mich zu beruhigen.

Schließlich lehnte ich mich an die kalten Badezimmerfliesen.

Dann war es also wahr. Es war widerlich, ekelerregend und abscheulich. Matthias hatte mich wirklich betrogen.

Mein Magen drehte sich abermals, erste Sternchen tanzten vor meinen Augen, und auf meiner Stirn stand kalter Schweiß. Ich musste mich definitiv hinlegen.

Gerade als ich die Schuhe unter das Sofa kickte, mich erschöpft der Länge nach auf das Sofa sinken ließ und mir das große Kuschelkissen über das Gesicht legte, klopfte es laut an der Haustür.

»Ist offen!«, murmelte ich in mein Kissen, doch an den energischen Schritten erkannte ich schon Malaika, die die Treppe nach oben stürmte.

»Raus da, das hilft deiner Laune nicht«, sagte sie.

Wortlos wälzte ich mich zur Seite und kuschelte mich noch tiefer in das Kissen. Heute wollte ich von der Welt nichts mehr hören oder sehen.

»Um ehrlich zu sein, habe ich mir Sorgen gemacht und dachte, ich sehe noch einmal nach dir.« Durch das Kissen hindurch hörte ich Malaika seufzen. Das Sofa knarzte, als sie sich zu mir setzte. »Ich weiß, wie weh dir das tut …«

»Mmmmnnnng«, machte ich.

»… aber es wird nicht besser, wenn du dich verkriechst.« Mit einem Ruck zog Malaika mir das Kissen weg. »Wir brauchen einen Plan.«

»Verkriechen ist ein guter Plan«, brummte ich und erntete einen strengen Blick von Malaika.

Eindringlich sah sie mich an. »Du solltest mit Matthias reden.«

»Er streitet alles ab.«

»Das ist doch nicht sein Ernst!«, rief sie.

Mein Blick fiel auf mein Brautkleid, das säuberlich gebügelt an der Wohnzimmertür hing. Schlimm genug, dass Matthias mich betrogen hatte. Es am Tag vor der Hochzeit herauszufinden, machte es nicht unbedingt besser, und bei jedem Gedanken an die Hochzeit krampfte sich mein Herz zusammen. Was für einen Sinn würde es schon haben, wenn mir am schönsten Tag meines Lebens zum Heulen zumute war? So würde ich definitiv nicht vor den Altar treten: enttäuscht und voller Zweifel. Sicherlich war es das Beste, den Gästen abzusagen, dem Pfarrer und dem Organisten; die Hochzeitstorte zu stornieren, die Blumen und die Getränke.

Zaghaft klopfte es am Türrahmen. Matthias stand in der ohnehin schon offenen Tür, seine Augen waren rot und hatten ihren Schimmer verloren. »Wenn du möchtest, sage ich die Hochzeit ab.«

»Danke.« Ich biss mir auf die Unterlippe. Ihn jetzt neben dem Brautkleid stehen zu sehen, war ein komisches Gefühl.

Matthias atmete tief durch und sah mich liebevoll an. »Ich werde dir jetzt erst einmal deine Ruhe lassen. Wahrscheinlich brauchst du das jetzt«, sagte er leise. »Trotzdem bin ich jederzeit da, wenn du reden möchtest.«

Ich nickte und versuchte ein Lächeln, doch es klappte nicht. Ein Blick reichte, um zu sehen, dass sich seine Augen mit Tränen füllten, als er sich umdrehte und in Richtung Garten verschwand.

Mit leisem Klicken hörte ich Matthias unten die Tür zum Garten schließen.

»Weißt du, wie verwirrend das ist?« Ich sah Malaika verzweifelt an. »Einen Menschen gleichzeitig zu lieben und zu hassen?«

Mühsam hievte ich mich hoch, ging zum Fenster und guckte hinaus. Unten sah ich Matthias, wie er sich gerade mit einem abgerissenen Blatt über unseren Wasserspeicher beugte. Vermutlich rettete er wieder eine Biene.

»Die Frage ist eigentlich ganz einfach«, antwortete meine Freundin. »Kannst du ihm einen Seitensprung verzeihen oder nicht?«

Mein Herz klopfte laut. Nein, es war ganz und gar nicht einfach. Und je länger ich über Matthias nachdachte, desto verwirrter wurde ich. »Wenn er ihn doch endlich zugäbe!«

»Das heißt, du würdest ihm verzeihen?«

»Ich weiß es nicht … Jedenfalls nicht jetzt … Und dann so kurz vor der Hochzeit! Das macht alles noch schlimmer …« Ich sah Malaika lange an. Meine Gedanken waren ein einziges Chaos, das es in den nächsten Tagen zu ordnen galt. »Aber vor allem möchte ich keinen Partner an meiner Seite, der mich anlügt.«

Nachdenklich zog ich das Foto hervor. Allein vom Anblick des nackten Rückens wurde mir wieder schlecht.

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