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Und so begann es ...

Henry Wolff

Und so begann es ...

Aus der Reihe: Der letzte Kampf um die Welt / 3.Teil





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Titel

Henry Wolff 

Und so begann es …

 

aus der Reihe

Der letzte Kampf um die Welt

 

Dritter Teil

 

 

 

Version 1.04

 

320 Taschenbuchseiten bei 32 Zeilen

67.121 Wörter

Belletristik

Genre: Fantasy, Abenteuer

Meta: Fantasy, Liebe, Verrat, Mord, Sex, Gewalt, Zwerge, Riesen, Elfen, Zauberer, Magie, Kobold, Drachen, Wolf, Werwolf, Götter, Druide, Götterdämmerung, Abenteuer, Odin, Walküre, Walhalla, Asgard, Norne, Fenriswolf, Hel, Thor, Kampf, Schwert, Nibelungen, Wikinger, Alberich, Alben, Midgard, Langschiff, Folter, Räuber, Geister, Troll, Burg, Ritter, Rüstung, Krieg, Tarnkappe, Bogen

Klappentext

Der letzte Kampf um die Welt, 3. Teil, Version v1.04

Und so begann es …

Gift! Des einen Freud, des anderen Leid. Und außerdem ein Geschenk der Götter, für einen Dritten.

Ein Anführer. Feige und unbeliebt. Was kann man da tun?

Neugier. Und die Gier nach Macht. Eins führt zum anderen.

Folter. Dem einen macht sie Spaß, dem anderen nicht.

Eine neue Aufgabe. Eine neue Perspektive. Nicht nur für einen.

Was ein Sklave alles so tut.

Schuld oder Unschuld. Und berechtigte Zweifel.

Bisher erschienen:

  1. Vergangenheit und Gegenwart
  2. Das Geheimnis in der Tiefe
  3. Und so begann es …

Ingolf

Es stank nach Tod. Gewaltig. Ein paar Leichen lagen immer noch herum. Gammelten vor sich hin. Geschlachtete Feinde allesamt. Niemand machte sich die Mühe, diesen Müll aus Fleisch und Fäkalien zu entsorgen.

Warum auch! Kein ganzer Tag mehr und die Flotte wäre auf See. Wo die Wellen den Schlaf begleiten und frische Luft die Lungen füllten. Weit weg von Schmutz und Gestank.

Sollten die Bastarde doch in ihrem eigenen Kot verfaulen!

„Verdammt! Wo bleibt der Idiot!“, fluchte Ragnar und schlug wütend mit der Faust gegen das Tor.

Gemeint war Ingolf. Sein bester Freund. Sein einziger Freund. Nachdem Wulf von Leif im Wald abgeschlachtet wurde. Noch eine offene Rechnung, die beglichen werden musste. Bald! Hoffentlich!

„Vielleicht hat er keine Lust“, rätselte Drago.

Ach ja, den gab es ja auch noch. Ein menschlicher Hund. Ragnars Hund. Kein Freund, eher ein bescheuerter Hanswurst. Geduldet, weil dann und wann gut zu gebrauchen.

„Schwatz keine Blasen! Ingolf hat immer Lust. Und würde es niemals wagen, mich zu versetzen“, schnaubte Ragnar.

Treffen wollten sie sich hier. So war es ausgemacht. Um sich in die Vorstadt zu schleichen.

Ragnar kannte einen geheimen Durchgang. Etwas abseits. Ein paar verfaulte Stämme innerhalb der Palisade. Gut versteckt hinter ein paar Büschen. Innerhalb und außerhalb.

Gold wert, wenn man ungesehen davonschleichen wollte. Oder sollte man besser sagen: unerlaubt?

Um das Lager herum war es derzeit ruhig. Die Angreifer hielten sich bedeckt. Aber sie waren noch da, jede Wette. Lauerten hinter den hohen Stadtmauern und warteten. Auf Verstärkung, auf ihre Chance.

Deshalb war für das Verlassen des Lagers eine Erlaubnis nötig. Die Ragnar auf keinen Fall bekommen würde. Schon gar nicht so kurz vor der Abfahrt der Flotte. Deshalb der Geheimgang. Schon mehrfach erfolgreich benutzt. Ein Pfad, der sie vor den Blicken der Wachen schützte. Und der Wut des Vaters.

Übrigens auch vor den Augen des Feindes. Der die selbst geschaffene Schwachstelle in der Verteidigungsanlage nicht kannte. Augenscheinlich. Oder tat er nur so?

Hoffentlich nicht! Dann würde nämlich Blut fließen. Erneut. Mit Sicherheit. Ihr Blut, unter anderem.

Denn die Leute in der Stadt waren wütend und angefressen, wie die letzten Besucher zu berichten wussten.

Für die Bewohner von Albenheim galt nämlich der Grundsatz: Ein Gast ist ein Gast und verhält sich wie ein Gast! Dann kann der Gastgeber auch seine Rolle spielen. Nach festgelegten Regeln.

Wenn der Gast allerdings darauf scheißt, sich wie ein Gast zu benehmen, dann muss man ihm in den Hintern treten!

Das Reichsvolk war nicht duckmäuserisch. Ganz im Gegenteil. Sie handelten, wenn nötig. Wehrten sich. Ohne zu schwatzen. Wenn ihnen jemand auf die Füße trat, zum Beispiel. Zumal das Reich sich derzeit auf dem Höhepunkt seiner Macht befand. Und sich vor nichts fürchtete.

Sie würden kommen. Oh ja. Und zurückschlagen. Hart und schon bald. Die Panzerreiter waren bestimmt schon unterwegs.

Wenn diese Elitekrieger die Fremdlinge nur aus dem Reichsgebiet fegten, dann hatten sie Glück. Viel eher winkte der Tod. Wenn falsche Gäste unangenehm auffielen, wurden sie rücksichtslos ausgemerzt. Dies war hier so Sitte. Schon seit alters her.

Ragnar wusste darum. Nun ja, es gibt Menschen, die reden. Und es gibt Menschen, die handeln. Ihre Gastgeber gehörten zu letzterer Sorte. Eindeutig. Denn reden bedeutet letztlich immer den Tod von Unschuldigen.

Dennoch wollte Hafnars Sohn noch einmal den Hafen unsicher machen. Wenigstens noch einmal! Das letzte Mal in diesem Jahr. Und wer weiß für wie lange.

Die Kehle war trocken und die Gurke in seiner Hose brauchte dringend Auslauf. Zuhause wartete die Mutter. Und somit Zucht und Ordnung! Rrrrrgh!

Ragnar war nicht blöd. Sein Verschwinden aus dem Lager, gerade jetzt, war der pure Leichtsinn. Natürlich. Aber genau dies reizte ihn. Es war so eine Art Mutprobe. Eine Art Lausbubenstreich. Um den Gegner zu narren und ihm Verachtung zu zeigen.

Oh ja, ein letztes Mal, bevor die Flotte segelte. Um fürstlich zu speisen. Und dem geliebten Freund in der Hose Ausgang zu gewähren. Und um anzustoßen. Auf den gelungenen Plan. Auf die Festnahme seines Bruders. Der blutend und gut verschnürt unter Bewachung stand. Auch dank Ingolfs und Dragos Mithilfe.

Dieser Bastard. Möge er verrecken!

Tatkräftig packten die beiden mit an. Freiwillig. Erst vorhin. Eingeteilt zur Bewachung. Diesen Job taten sie gern. Und eigentlich immer, wenn es darum ging, andere zu quälen.

Ragnar selber hielt sich im Hintergrund. Um nicht aufzufallen. Und so leichtfertig seinen gerissenen Plan zu gefährden. Unschuldig musste er wirken. Betroffen. Traurig. Eine Rolle, die er ziemlich perfekt beherrschte. Übung macht eben den Meister!

„Wir können ja auch alleine gehen, Chef“, schlug Drago vor.

„Bist du noch ganz richtig, du Schlaffi? Soll ich vor Langeweile impotent werden?“, bellte Ragnar seinen Gefolgsmann an.

Der erschreckt seinen Kopf einzog.

Gutes Hündchen! Brav!

Ragnar liebte es, andere zu erschrecken. Andere zu dominieren. Er liebte die Furcht in fremden Augen. Und was diese aus Menschen machen kann.

„Los! Komm!“, entschied Ragnar. „Ich habe die Schnauze voll!“

„Oh ja! Gehen wir nun doch alleine?“

„Hast du dir den Kopf angeschlagen? Wir suchen Ingolf! Damit ich ihm in seinen knochigen Arsch treten kann! Mich warten zu lassen! Den Kerl knöpf ich mir vor! Zuerst unser Zelt. Dort fangen wir an.“

Gesagt, getan. Es war nicht weit. Und das Glück ihnen hold.

Ganz im Gegensatz zu Ingolf. Den sie dort am Boden fanden. Japsend. Winselnd. Seltsam verkrümmt. Während er sich stöhnend und mit beiden Händen den Bauch hielt. Und sich in Abständen hin und her rollte.

Während Ragnar erstaunt wirkte, hatte Drago eine seiner seltenen Erleuchtungen. Triumphierend hielt er den leeren Weinkrug hoch und zeigte diesen seinem Chef. Triumphierend und schadenfroh. Es baut schon auf, wenn mal ein anderer die Ursache für Ärger ist.

„Besoffen ist das Schwein!“, keckerte Drago und zeigte die Zähne.

Doch im Gegensatz zu ihm wollte bei Ragnar keine Fröhlichkeit aufkommen. Und während Drago noch breiter schmunzelte, überzog sich sein Gesicht mit einer Gewitterwolke.

Gewiss, Ingolf naschte gern am Wein. Und oft. Aber dass sich der Bursche selber außer Gefecht setzte, dies gab es noch nie. Und das kurz vor einem Treffen mit seinem Anführer. Eine Verabredung mit Ragnar galt nicht nur als heilig, sondern war ein Befehl. Immer. Zumindest für seine Leute. Also kam ein Nichterscheinen einer Befehlsverweigerung gleich. Ganz einfach.

Und genau dies war der Grund für Ragnars Ärger. Nicht der Alkohol. Aber das es einer wagte, ihn zu versetzen, dies verschlug ihm die Sprache.

Und so gab es auch kein Mitleid. Sondern nur ein paar Tritte. Die meisten dahin, wo es ohnehin schon wehtat. Wer saufen konnte, der konnte auch leiden!

Derweil griff Drago sich den Becher. Wollte ihn auslecken. Den Rand und die Neige. Es musste sein!

Spinat mochte er nicht. Grünkohl auch nicht. Aber Wein verkommen zu lassen war eine Sünde! Ihn für seinen Magen zu retten dagegen eine glorreiche Tat. Der Drago gern und gewissenhaft nachkam.

Also her mit dem Becher! Und die Zunge raus. Auch wenn Ragnar ihn anschaute wie Hühnerdreck.

Tat der immer wieder. Obwohl er sich schon daran gewöhnt haben sollte. Denn dieses Hobby, die Reste während und nach einer Feier zu vertilgen, pflegte Drago schon von klein auf. Keiner konnte es ihm abgewöhnen. Gute Worte halfen nicht, Drohungen schon gar nicht. Selbst Schläge oder andere Strafmaßnahmen liefen ins Leere.

Das Problem dabei war nicht der Hunger. Sondern der Durst. Wenn die Trinkhörner in fröhlicher Runde kreisten, dann blieben immer genug Reste, um ein Kind in kürzester Zeit außer Gefecht zu setzen. Dumm nur, wenn dieses Kind Drago hieß und vorher noch reichlich Mist anstellte.

Keiner konnte dem Lauser diese Unart abgewöhnen und so gab es Ärger zuhauf. Was schon damals Ragnars Interesse weckte. Konnte er doch so seine Untaten alle auf Drago schieben. Glaubhaft. Denn Dragos geistige Entwicklung verlangsamte sich spürbar, je mehr er lallte.

Vererbt, so sagten die Leute. Versoffen, so dachte Ragnar. Welcher sich diebisch freute, wenn sein Jugendfreund, steif wie eine Haubitze, durch die Straßen torkelte.

Also, ja, der Becher. Genau! Etliche Tropfen waren noch drin. Etwas mehr sogar im Krug. Der gleich anschließend auf dem Plan stand.

Es war zwar wenig, aber man darf doch nichts umkommen lassen!

Was der Mensch braucht, das braucht er!

Also los! Raus die Zunge und geleckt!

Hm, lecker!

Oder doch nicht? Irgendwie schmeckte der Wein anders als sonst. Etwas süßer und gleichzeitig bitter. Ein anderes Produkt? Egal, Hauptsache es dröhnte!

All diese Überlegungen und noch viele mehr. In weniger als einer Sekunde. Dragos Hirn lief auf Hochtouren. Ungewohnt, aber wahr.

Seine Zunge schmeckte etwas. Etwas Bekanntes. Etwas Gemeines und Fieses. Etwas, das er schon vergessen glaubte.

Und dann schoss es ihm wieder ein. Aus den hinteren Windungen des Gehirns. Schon ewig dort abgespeichert und unter anderem Erlebnismüll begraben.

Er war noch klein. Und es war im Garten seiner Mutter. Belehrt hatte sie ihn gerade, wie so oft. Nerv, nerv, nerv! Und ihren mickrigen Sohn dabei mit einem Satz Ohrfeigen eingedeckt. Ebenfalls nichts Ungewöhnliches, weil Drago nie den Ansprüchen der Mutter genügte.

In den Mund hatte er sich was gesteckt. Etwas, das er nicht sollte. Aber dennoch tat, weil er nur so seine Erfahrungen sammelte. Und gleichzeitig die Mutter ärgern konnte.

Doch diesmal war das Ende nicht lustig. Eine giftige Pflanze war es, die er sich gegriffen hatte. Oder war es eine Nuss? Verdammt, es war lange her. Kotznuss? Oder eher Brechnuss? Hm, es war schon ein eigenartiger Name. Ein lustiger Name. Nur deshalb hatte ihn sich Drago gemerkt.

Nein, es war keine Nuss. Die griff er sich bei anderer Gelegenheit, erst Jahre später. Es war eine Pflanze, die er zu fassen bekam. Überall wuchs dieses Zeug, wie Unkraut. Im Garten, auf den Wiesen, sogar im Wald. Irgendetwas mit Hut.

Egal. Unwichtig. Wichtig war nur, dass es ihm danach dreckig ging. So dreckig, wie man es sich nur vorstellen konnte. Obwohl von dem Zeug noch nicht einmal viel in den Magen gelangte. Und er gleich darauf, auf Befehl der Mutter, sich den Finger in den Hals stecken musste. Wieder und wieder. Und zum Glück.

Das Herz jagte. Stundenlang. Er konnte kaum atmen, damals. Schwitzte wie ein Schwein. Und sah haufenweise Dinge, die es nicht gab. Hatte gespuckt, was das Zeug hielt. Und noch einiges mehr. Nicht lustig! Ganz und gar nicht!

Ragnars Mutter hatte ihm damals das Leben gerettet. Zusammen mit der Kräuterfrau des Dorfes. Das würde Drago niemals vergessen. Glück hatte er, jede Menge davon. Das sagten alle.

Und genau nach diesem Zeug schmeckte jetzt der Wein. Diesen Geschmack würde Drago nie in seinem Leben vergessen. Selbst nicht in geringster Konzentration.

Das Getränk war vergiftet! Keine Frage! Drago war sich sicher. Und Ingolf hatte davon getrunken. Sich vielleicht sogar den ganzen Krug hinter die Binde gekippt. Sein Kumpel war nicht besoffen, sondern er starb.

Sterben? Zeit an sich zu denken! Alles andere war jetzt unwichtig!

Und wie ein Bekloppter stürzte Drago aus dem Zelt. Er stolperte hin zu dem großen Wasserfass, welches für diesen Teil des Lagers gedacht war. Steckte den Kopf in das kühle Nass und spülte sich den Mund aus. Wieder und wieder, minutenlang. Er hatte den Wein noch nicht geschluckt. Nur ein, zwei Tropfen gekostet. Und nur auf der Zunge. Egal, sicher war sicher. Was anderes konnte er ohnehin nicht tun.

Die Zeit verging. Wohl viel schneller, als Drago wahrnahm, der gerade Todesängste ausstand. So mochten etliche Minuten vergangen sein, bevor ihm Ragnar ungeduldig folgte. Und verärgert, natürlich. Denn sein Freund Ingolf wollte nicht so, wie er. Wollte ihn nicht begleiten und mit ihm feiern. Wand sich stattdessen stöhnend am Boden. Simulant! Weichwurst!

„Komm, wir gehen alleine!“, schnauzte Ragnar Drago an und zog dessen Kopf brutal, an den Haaren, aus dem Fass. „Soll das versoffene Schwein doch leiden! Mich zu versetzen! Ha! Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen!“

Drago schwankte ein wenig abwesend, bevor er sich wieder einkriegte. Gerade wollte er seinem Chef von dem Gift berichten, da besann er sich anders.

Was, wenn er nichts sagte? Dann würde Ingolf sterben. Mit Sicherheit sogar. Andererseits, wäre der überhaupt noch zu retten?

Und wäre Ingolf tot, dann würde Drago um eine Stufe aufrücken. Dann wäre er Ragnars Freund. Und weit und breit keiner, der ihm diese Stellung streitig machen würde. Endlich!

Andererseits, Ingolf war ebenfalls ein Freund. Ein Freund? War er das wirklich? So oft, wie der Kerl ihn verspottete? Ihn mobbte, ihn schlug? Und ihn abzog? War einer, der so etwas machte, ein Freund? Oder eher ein Feind?

„Ja, lass uns losziehen! Ich freue mich schon“, entschied sich Drago.

Und eilte, jeweils einen halben Schritt, hinter seinem Chef hinterher. War dabei mit einem Male so gut gelaunt, wie schon lange nicht mehr. Die Götter hatten ein Einsehen! Lange genug hatte er sie ja auch darum gebeten! Nur ein paar Schritte noch, dann war es geschafft. Dann konnte man auch nicht mehr Ingolfs Winseln hören.

Marcus

Marcus schwitzte. Und fluchte vor sich hin. Natürlich leise, um keine Maulschellen zu kassieren. Aber stetig. Nur selten stand sein loses Mundwerk still.

Denn er ärgerte sich wieder einmal. So, wie er es fast den ganzen Tag über tat. Woche für Woche, Monat für Monat. Teils berechtigt, teils aus Gewohnheit. Nun, zum Glück kostete das keine zusätzlichen Kräfte, denn dies entsprach ohnehin seinem Charakter.

Der eine oder andere wird vielleicht meinen, dass der heutige Ärger begründet sei. Denn Marcus Kleidung war zum großen Teil durchnässt. Voll mit Urin. Und ein paar dickere Bestandteile klebten auch schon am Stoff.

Wie jeden Morgen, so war er auch heute damit beschäftigt, die Nachttöpfe im Lager auszuleeren. Zwei klobige Holzeimer schleppte er dazu umher, einen für jede Hand. Und machte diese gewöhnlich bis oben hin voll.

Zu viel, zu schwer! Kein Wunder, dass das widerliche Zeug überschwappte.

Aber Marcus wollte sich zusätzliche Wege sparen. Ausnahmsweise mal ohne Eigennutz. Denn wurde die Arbeit nicht rechtzeitig fertig, dann würde ihm irgendeiner die Faust in die Rippen stoßen. Das kannte er bereits, einer fand sich immer!

Zum Glück waren sie morgen auf See. Aller Voraussicht nach. Dort, auf dem Schiff, konnte er sich wieder hinter einem Ballen Ware verstecken. Und in Ruhe davon träumen, was er seinen Peinigern alles so antun würde. Auf den Langschiffen gab es keine Nachttöpfe. Nur die Bordwand und die offene See.

Hui, dieser Nachttopf war aber so richtig voll!

Ärgerlich, denn die Eimer waren schon gut gefüllt. Musste er doch noch einmal gehen?

Marcus fluchte erneut. Aber diesmal war es das besondere Fluchen, das einem Grinsen vorangeht. Und ein Grinsen bedeutet: Marcus hat eine Idee! Und diese war ganz einfach, aber zweckmäßig. Die Eimer wurden noch so weit aufgefüllt, wie es möglich war. Und der Rest? Tja, der Rest wurde einfach unter die Felle gekippt, welche den Fußboden bedeckten. Mochten die Zeltbewohner damit glücklich werden!

Alles klar. Jetzt noch fix die Eimer im Wallgraben entleert, dann wäre auch diese Arbeit geschafft. Mochten die ekligen Dämpfe die Stadtbewohner verwöhnen!

Hinterhältiges Pack, das!

Gerade wollte Marcus aus dem Zelt schlüpfen, da zuckte er zurück. Ragnar! Zusammen mit Drago. Mitten auf dem Platz, am großen Wasserfass.

Da gab es nur eins! Unsichtbar machen, so die Devise. Eine kluge Entscheidung. Aber das war sie immer! Denn wen man nicht fand, dem konnte man auch nichts tun! Im Allgemeinen.

Lange musste Marcus nicht warten. Mit einem hasserfüllten Blick sah er den beiden hinterher. Oder soll man eher sagen: Misstrauisch? Verängstigt? Ärgerlich?

Da liefen sie, seine Feinde! Jedenfalls zwei von ihnen. Bewegten sich verstohlen in Richtung Palisade. Marcus ahnte, was sie vorhatten. Er kannte den Durchgang. Hatte Ragnar, zusammen mit seinen Spezis, schon des Öfteren dabei beobachtet, wie sie klammheimlich das Lager verließen. War ihnen nachgeschlichen. Sah, wie die Bande kurz darauf in einem nahen Puff im Hafen verschwanden.

Mistbande! Wieso leben die überhaupt noch? Ist mein Plan schiefgegangen?

Schimpfend quälte sich Marcus weiter. Mit den schweren Eimern und langen Armen. Es half ja nichts. Er musste fertig werden, sonst gab es Schläge. Wieso nur waren diese Dreckfressen nicht tot?

Verdammt! Hat mich dieser Idiotenhändler verarscht? Mir irgendeinen Scheiß angedreht? Ist das Gift kein Gift? Oder ist das Zeug nicht giftig genug? Hab ich was falsch gemacht? Verdammt!

Dicht kam Marcus an Ragnars Zelt vorbei. Stutzte kurz. Doch der überschwappende Urin, aus einem der Eimer, der gerade sein Hosenbein erneut nässte, lenkte ihn ab. Weiter ging's!

Ein paar Schritte nur, dann stutzte der Sklave erneut. Hörte er da gerade ein Stöhnen? Halb erstickte Hilferufe?

Die Neugierde erwachte. Und auch die Hoffnung. Auf der Stelle drehte sich Marcus um und schleppte seinen Körper, zusammen mit den Eimern, in Ragnars Zelt. Und blieb wie versteinert am Eingang stehen.

Was er sah, war faszinierend. Und viel zu schön, um wahr zu sein. Ein Wurm lag am Boden. Keuchte und krümmte sich. Allem Anschein nach unter wahnsinnigen Schmerzen. Ein menschlicher Wurm, der Ingolf hieß. Und einer seiner Feinde war.

Doch so richtig glaubte Marcus noch nicht an sein Glück. Was war mit Ragnar? Wieso wollte der sich vergnügen, wenn sein bester Freund gerade im Sterben lag?

Tut er das? Liegt dieses Schwein wirklich im Sterben?

Marcus setzte die Eimer ab. Und kontrollierte den Weinkrug. Er war leer. Ganz wie erhofft.

Freude überzog das Gesicht des Sklaven. Er sah regelrecht hübsch aus, wenn er denn einmal diese ewige Wut und den Hass vertreiben konnte.

Ingolf streckte seine Hand nach ihm aus. Hilfe suchend. Doch die würde er nicht bekommen. Der Sinn dieser Übung war ein anderer.

Bei den Göttern! Es hat also doch noch geklappt! Danke, Loki, danke!, strahlte Marcus. Spät, aber naja. Was ist mit den anderen beiden Viechern? Haben sie auch von dem Wein geschlürft? Oh, bitte! Bitte, bitte! Etwas weniger vielleicht? Und die Wirkung setzt erst später ein? Dann würden sie im Freudenhaus krepieren! Hoffentlich! Schlaff würden ihre Körper auf der Hure werden! Ha! Während sie nach Luft japsen!

Schade eigentlich. Marcus hatte gehofft, alle Drei vor seinen Augen verrecken zu sehen. Pech. Aber einer war besser als keiner.

„Na, du Stück Scheiße! Erkennst du mich, du Bastard? Ich war es! Hörst du? Ich habe dich vergiftet! Nett, oder? Du Vieh! Ja, da guckst du, was? Hast du mir gar nicht zugetraut, du widerliches Stück Mist!“, flüsterte Marcus.

Während Ingolfs ausgestreckte Hand kraftlos zurückfiel und seine Augen groß worden. Es wurde Zeit! Die Uhr der Sterbenden lief ab. Der Mund spuckte schon Blasen, während sich das Gesicht ungesund verfärbte.

Wie lange hatte Marcus schon davon geträumt! Eigentlich hatte er sich vorgenommen, seine Opfer in ihren letzten Minuten noch zu vergewaltigen. Ganz so, wie diese es unzählige Male mit ihm taten. Aber dazu fehlte ihm der Schneid. Zu groß die Angst, dass ein Opfer noch gefährlich werden konnte, wenn er ihm zu nahe kam.

Aber eins konnte er ungefährdet tun. Und dies war besser als nichts. Breitbeinig stellte sich Marcus hin. Öffnete langsam und genüsslich seinen Hosenlatz, holte den Penis heraus und legte los. Pinkelte auf Ingolf. Von Kopf bis Fuß und wieder zurück.

Oh Mann! War das toll! Und da gab es doch tatsächlich Menschen, die ihm einreden wollten, dass Rache nicht satt machte.

Derweil waren Ingolfs Augen gebrochen. Der Brustkorb hob und senkte sich nicht mehr. Behutsam stieß ihn der Sklave mit dem Fuß an. Ja, der Widerling sah so aus wie ein Toter. Und sein stinkender Körper reagierte genauso.

Schade eigentlich. Etwas länger hätte ihn Marcus gerne beim Sterben zugesehen. Ihm vielleicht noch gerne das eine oder andere angetan. Wenigstens ein paar Minuten. Aber die Götter wollten es anders.

Gut! Wieder einer weniger. Ragnar gingen langsam die Freunde aus. Und wer weiß, vielleicht wurde die Oberratte gerade selbst von Krämpfen gequält.

Zeit zu gehen! Besser schneller als langsam. Schon war Marcus fast hinaus, da drehte er noch einmal um. Die Becher! Der Krug! Genau!

In Windeseile spülte Marcus das Geschirr draußen im großen Wasserfass aus. Brachte es zurück und trocknete es sorgsam ab. Nicht der kleinste verdächtige Geruch sollte an dem Geschirr haften.

Alles klar? Gut. Dann los.

Doch erneut stockte Marcus, wieder kurz vor dem Hinausgehen. Er hatte da so eine Idee. Schnell durchwühlte er Ragnars Klamotten. Bis er das Silber fand, was der Sohn dem Vater klaute. Und davon einen Teil verwendete, um Leif zu belasten.

Marcus wusste alles. Wusste wann und wo. Und warum. Es gab wohl kaum ein Geheimnis im Lager, von dem Marcus keine Kenntnis hatte. Sklaven sind oftmals klüger, als ihre Herren denken. Und wissen mehr, als diese erahnen.

Marcus schob Ragnars Felle auf dessen Lagerstatt zurück und entleerte die Beutel. Bis auf einen. Einen etwas größeren. Den würde er selbst behalten. Das war nur gerecht. Und angemessen.

Hell klimperte das Silber, als es gleichmäßig auf der Pritsche verteilte. Nur ungenügend schob der Sklave anschließend die Felle wieder zurück. Ganz so, wie ein schlampiger Schläfer dies tun würde. So, dass ein Teil des Silbers gut sichtbar blieb.

Denn das Zeug sollte gefunden werden! Es musste gefunden werden! Falls Ragnar nämlich wider Erwarten überleben sollte, dann würde Marcus ihm auf diese Art noch einen reinwürgen.

Jetzt musste nur noch der Jarl, Ragnars Vater, hier auftauchen. Und das gestohlene Silber finden.

Gab es eine Möglichkeit, den Jarl hierher zu lotsen? Ohne sich selbst in Gefahr zu bringen? Darüber musste er noch nachdenken.

Also gut. Jetzt aber nichts wie weg!

Halt! Was war mit dem Beutel Silber in seiner Hand? Was, wenn ein Nordmann ihn damit sah?

Und wieder huschte ein Grinsen über das schmale Sklavengesicht. Wieder hatte sein Kopf eine Idee ausgespuckt, die ihn begeisterte. Marcus griff sich die Eimer und entleerte sie. Den einen ganz, den anderen fast. Alles und schön gleichmäßig auf der Leiche verteilt. Irgendwie erschien ihm dies passend.

Jetzt noch fix das Silber unter dem Rest Scheiße im Eimer versteckt und raus aus dem Zelt. In eine Zukunft, die hoffentlich besser war, als die Vergangenheit.

Ein letzter Kontrollblick. Ja, die Beute war gut versteckt! Keiner würde sie unter den Fäkalien vermuten oder finden. Suchen schon gar nicht.

War das Leben schön? O ja, dann und wann war es schön! Marcus pfiff ein lustiges Lied, während er mit den stinkenden Eimern in der Hand davonhüpfte.

Fay

Ort: ein aufstrebendes Dorf in der Nähe der Worlag

Akteur: Fay

Aktion: täglicher Überlebenskampf

Es war nicht so, dass der Wirt Fay nicht mit Respekt behandelte. Keineswegs. Aber von der ersten Minute an stellte der Typ klar, wer hier das Sagen hatte.

Und seinen Willen würde der schmierige Kerl durchsetzen, komme, was da wolle. Mehrfach deutete er es an, ohne dabei allzu grob zu werden.

Ein kleiner Klaps hier, ein drohendes Wort dort. Der Druck eines Messers auf Fays Haut. Oder seine kräftige Hand in ihrem Genick. Zum Glück war Fay lebenserfahren und verstand sofort, worum es ging.

Und mal ganz ehrlich, im Vergleich mit ihrer Mutter war der Kerl ein Prinz. Selbst wenn er ihr die Essensration kürzte, sobald er nur ein unwilliges Funkeln in ihren Augen sah. Peanuts!

Und die Sache mit dem Sex? Nun ja, es ließ sich aushalten. Der Kerl war nicht anspruchsvoll. Machte sich vielleicht auch nichts aus körperlicher Liebe. Jedenfalls nicht allzu sehr. Oder wusste er nicht so recht, wie man es anstellte, um die Lust über das unterste Level zu steigern?

Würde man Fays neuen Beschützer klassifizieren, dann musste man ihn wohl den Karnickeln zuordnen. Schnell rauf und schnell wieder runter. Dazwischen ein wenig geschnauft.

Nun ja, in puncto Schnaufen war der Wirt gar nicht so schlecht. Denn kurzatmig war er ohnehin und besaß zudem null Ausdauer. Was wohl an den vielen guten Soßen lag, die er Tag für Tag verkostete. An dem nahrhaften Bier und dem saftigen Braten. Und natürlich an der Bewegung, die auf jeden Fall zu kurz kam.

Na, Fay sollte es egal sein. Denn der Kerl war ohnehin nicht ihr Traumprinz. Würde es auch nie werden. Kam dem noch nicht einmal nahe.

Darum ging es hier auch nicht. Es ging um die Übereinkunft, die sie schlossen, als sie sich das erste Mal sahen. Ein Dach über den Kopf und Nahrung nach Bedarf. Im Austausch gegen ihre freizügigen Reize.

Wichtig war nur, dass der Kerl diese Verabredung einhielt. Und ja, es gab ein Bett. Warm und einigermaßen gemütlich. Regelmäßiges Essen dazu. Und mal ganz ehrlich, das bisschen Gehoppel zwischen ihren Beinen fiel nicht weiter ins Gewicht.

So weit, so gut. Ein Problem nur, dass diese Übereinkunft stillschweigend geschlossen wurde. Ohne die Einzelheiten zu benennen oder gar schriftlich festzuhalten. Ein Fehler, denn der Wirt war geldgierig. Und so kam er eines Tages auf die Idee, von selbst oder auch nicht, mit Fays Reizen Kasse zu machen. Sprich, er vermietete sie an seine Gäste. Und so änderte sich Fays Leben ein weiteres Mal.

Anfangs gab es nur wenige Dates, welche ihr der Wirt zwangsweise verschaffte. Am Tag und ausschließlich mit gehobener Kundschaft. Die sich zu benehmen wusste. Und Fays unglaublichen Körper wertschätze.

Doch wie das mit der Gier so ist, man bekommt nie genug.

So wurden die Freier zahlreicher und ihr Niveau sank dramatisch. Was mit erheblicher Gewalt einherging. Denn seit Anbeginn der Zeit gibt es einige Männer, denen es nicht reicht, nur ihren Penis zu vergleichen. Männer, die sich ewig minderwertig fühlen. Und daher den benötigten Respekt mit Gewalt einfordern.

Nun ja, Fay war also wieder da, wo sie herkam. In ihrer ganz persönlichen Hölle. Nur dass es jetzt mehrere Teufel gab, statt nur einen.

Die blauen Flecke auf ihrem Körper mehrten sich und stießen folgerichtig die Kundschaft ab, die auf feine Sinneseindrücke Wert legten. Zogen dagegen jene an, die es ohnehin liebten, andere zu quälen. Ein Kreislauf, nur allzu bekannt.

Aber was sollte sie tun? Etwa ihre Liebhaber umbringen? Unmöglich. So schnell konnte sie nicht laufen, wie das Gesetz ihr folgen würde. Und wieder auf Wanderschaft gehen? Wohin? Ohne Geld? Eine Zwickmühle, im wahrsten Sinne des Wortes.

Zum Glück hatten die Götter ein Einsehen. Und machten Fay ein Geschenk. In Form eines älteren Mannes. Der ohne sein Küken nirgendwo hinging. Ein spätes Nesthäkchen, das seine Frau in einem Alter noch warf, wo andere schon unfruchtbar sind.

Und diese beiden mochte Fay. Drahtig waren sie, nicht hübsch. Strohblondes Haar, struppig und widerspenstig. Darunter schwarze Augenbrauen, genauso schwarz wie die Haare unter den Achseln. Oder die Scham.

Obwohl das Nesthäkchen gerade mal zwölf Schamhaare vorweisen konnte. Wie süß! Fay hatte sie gezählt, jedes einzelne Härchen. Immer wieder. Auch sie würden allesamt schwarz wie die Nacht werden. Herrlich! Fay liebte diesen unglaublichen Kontrast. So was machte sie geil.

Die beiden Freier waren anders, als ihre übliche Kundschaft. Zärtlich und einfallsreich waren sie, wenn Vater und Sohn sich auf ihrem Körper oder in ihrem Bett wälzten. Ihre Zungen so weich, wenn die beiden die Spalte zwischen ihren Beinen sauber leckten. Nacheinander oder gleichzeitig. Oder mit ihrem geliebten Gewächs am Ende der Spalte spielten. Bis sie feucht wurde. Den Unterkörper fordernd in die Höhe hob. Sich wand und stöhnte. Und sich selber streichelte, weil vier Hände noch nicht genug waren.

Die beiden waren immer zusammen am Werk. Wie gesagt, der Vater machte gar nichts ohne seinen späten Abkömmling, der eigentlich sein Enkel hätte sein sollen. Der Ältere wusste viel über die Liebe, der Jungspund so gut wie gar nichts. Doch dies änderte sich, denn zusammen gingen sie auf Entdeckungstour. Und je mehr sie voneinander lernten, umso besser wurde es. Das Beisammensein dauerte immer länger und ihr gemeinsames Stöhnen wurde immer lauter, sodass der Wirt schon ernsthaft überlegte, einen Aufschlag zu verlangen.

Die beiden Mannsbilder waren ein Lichtblick in Fays Hölle. Sie taten ihr gut. Durch sie wurde das Leben ein wenig leichter, ließ sich besser ertragen. Denn, wenn Vater oder Sohn ihr nicht gerade mal mit ihrem Lümmel den Mund füllten, dann konnte sie ihren Kummer beichten. Und die beiden hörten zu. Und nicht nur das. Sie fingen sogar zu handeln an.

So passierten in der Siedlung neuerdings mehr Unfälle, als vor Fays Ankunft. Und die Streiche erst!

Da der Jüngere noch nicht allzu viel mit seinen Fäusten anzufangen wusste, versuchte er sich auf andere Art nützlich zu machen. Zudem hatte er Freunde, die ihm halfen. Nicht Fays wegen, sondern aus sportlichen Erwägungen heraus. Und natürlich aus Spaß an der Freud. Wie gesagt, so passierten neuerdings jeden Tag merkwürdige Dinge im Ort, die so manchen Einwohner in einen Schreikrampf versetzten.

Das Problem nur, alles passierte im Geheimen. Und so wusste keiner, warum eigentlich. Und keiner der Zielpersonen konnte seine Lehren ziehen.

Fay ergötzte sich zwar an den Unglücksfällen und empfand eine gewisse Art von Befriedigung. Aber die Gewalt gegen sie nahm logischerweise nicht ab. Ganz im Gegenteil. Zu jeder Tag und Nachtzeit wurden sie mittlerweile gerufen und musste sich bespringen lassen.

Bis, ja bis der Ältere eine Idee hatte. Gerade, als er auf Fays Körper herumrutschte. Und dabei in einem angenehmen Winkel in ihrem Unterkörper herumstocherte. Wo er plötzlich verharrte, während ein Lächeln über sein sympathisches Gesicht huschte. Ohne die wohlige Wärme zwischen ihren Beinen zu verlassen, zog er das Glied seines Sohnes aus ihrem Mund und küsste Fays volle Lippen.

„Ich habe da so eine Idee!“

„Was denn? Etwas Neues? Wollt ihr gleichzeitig zwischen meine Beine? Das wollte ich schon immer einmal ausprobieren.“

„Interessanter Gedanke“, lächelte der Ältere. „Aber nein, darum geht es nicht. Ich dachte viel eher an dein Problem. Oder sollte ich besser sagen, an deine Probleme.“

„Oh, bitte! Nicht jetzt! Willst du mir den ganzen Spaß verderben?“, schnaufte Fay verärgert.

„Nein, ganz und gar nicht! Beruhige dich“, wehrte der Ältere ab.

Zog seinen Unterkörper ein wenig zurück und stieß dann wieder mit seinem Glied vor. Unglaublich langsam, bis Fay stöhnte und ihre Schamhaare sich verhakten. Während gleichzeitig die Hände des Jungen sich verirrten. Sich unter dem Leib seines Vaters schoben, suchten und fanden. Und, bei allen Göttern, schon begannen zwei Finger, ihre Klitoris zu verwöhnen. Während zwei weitere Finger, unter dem Penis des Vaters, in sie eindrangen und den Muskel noch ein wenig mehr spannten. Da hatte Fay keine Wahl. Sie musste nach Luft japsen, ob sie wollte oder nicht.

„Besser? Hab ich jetzt dein Ohr?“, griente der Ältere und fuhr fort. „Also, hast du uns nicht mal erzählt, du seist eine Hexe?“

Fay verharrte angstvoll und ihre Augen weiteten sich.

„Das ist mir nur so rausgerutscht. Das soll eigentlich keiner wissen!“

„Keine Angst. Ich verrate nichts. Aber sag mal, bist du nun eine Hexe oder nicht?“

„Und wenn es so wäre?“

„Wenn es so wäre, dann frage ich mich, warum du dich nicht wie eine verhältst?“

Eine einfache Frage, mit großer Wirkung. Fast sofort begriff Fay, was der Mann meinte. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen. Er hatte recht. Und wie! Warum nur war sie nicht alleine darauf gekommen? Wollte sie denn so sehr unter dem Radar fliegen, dass sie alles andere vergaß? Ja, war sie denn blöd?

Fays ohnehin schon gute Laune wurde schlagartig noch ein wenig besser. Und die Gedanken an ihre Möglichkeiten machten sie geiler als je zuvor. Und während sie mit der Zunge des Älteren spielte, griff sie sich den Penis des Jungen. Zog die Vorhaut zurück und spielte mit der Eichel, bis der Bursche zitterte. Und ihr, gewissermaßen zum Dank, einen Finger in den Po schob.

Beine verknoteten sich. Hände streichelten sich. Geschlechtsteile begegneten sich. Solange und wieder und wieder, bis die verschwitzten Körper sich entspannten. Fays Art, sich zu bedanken. Eine willkommene Art, welche ihre beiden Freier so schnell nicht vergessen würden.

Erst spät in der Nacht fand Fay die Ruhe, um nachzudenken. Oder sollte man besser Unruhe sagen, weil der Schlaf anderes zu tun hatte. So setzte sie sich irgendwann ans Fenster und starrte in die Nacht. Machte Pläne. Änderte diese wieder ab, verfeinerte sie. Und freute sich auf den nächsten Tag.

Mit dem das Leben für sie ein wenig leichter wurde. Denn zusätzlich zu den Streichen und Unfällen zogen Krankheiten in das Dorf. Urplötzlich. Mit einem Male waren sie da. Keiner wusste woher.

Und merkwürdigerweise waren es Fays verrohte Freier, die sich unwohl fühlten. Die neuerdings zuhause blieben. Das Bett hüteten und im schlimmsten Fall noch ihre Familie ansteckten.

Zum Glück kam keiner auf den Gedanken, dass sie dahintersteckte. Aber Fay ging auch besonders sorgfältig zu Werke. Denn sie sortierte nur punktuell ihre Freier aus. Die schlimmsten zuerst. Und auch nicht alle mit einmal. Und schon gar nicht mit den gleichen Symptomen.

Diese Strategie wirkte. Machte sich bemerkbar. In ihren täglichen Leben, welches erfreulicherweise sehr schnell angenehmer wurde.

Und darüber hinaus machte ihr die ganze Sache Spaß. Mehr, als sie erwartet hatte. Oder jemals für möglich hielt. Besonders dann, wenn sie über die Straße ging und in so manch leidendes Gesicht blickte.

Nur, ein Rest an Missvergnügen blieb. Fay konnte nicht alle außer Gefecht setzen, ohne dass man ihre Handschrift erkannte. Also musste sie auch weiterhin so manches Mal die Zähne zusammenbeißen.

Bis, ja bis eine weitere Idee geboren wurde. Wieder beim Sex und diesmal vom Jüngeren ihrer beiden Lieblinge. Der einen Vorschlag machte, der ziemlich genial und einleuchtend war.

„Warum setzt du nicht den Wirt außer Gefecht?“, fragte der junge Bursche, während er gerade andächtig ihr Schamhaar kämmte.

Ein wirklich genialer Gedanke! Denn ein Wirt, der sich nicht wohlfühlt, der denkt weniger an Geschäfte. Ziemlich einleuchtend.

Gesagt, getan. Schon nach wenigen Tagen fühlte sich Fays Arbeitgeber dermaßen schlecht, dass er das Bett nicht mehr verließ. Nicht gerade todkrank, aber nahe dran.

Und siehe da, Fays erzwungene Verpflichtungen nahmen rapide ab. Hätten sich sogar gegen null bewegt, wenn sie nicht einige Ausnahmen gemacht hätte. Die ihre Lieblinge betrafen. Deren Gesellschaft wollte sie nicht missen. Und das Verwöhnprogramm schon gar nicht. Na ja, für den einen wohl verständlich. Für den anderen eher nicht.

Und, was soll man sagen, eine weitere Idee wurde geboren. Wo? Na klar, schon wieder beim Sex. Eigenartig, oder? Ist Sex etwa anregend? Und beflügelt nicht nur die Sinne, sondern auch das Denkvermögen?

Und wieder war es der Jüngere, der sich Gedanken machte. Verwunderlicherweise, da er gerade ziemlich durch den Wind war. Denn Fay verhinderte gerade zum wiederholten Male, dass der Bursche sich ergoss. Rot war sein Gesicht schon eine halbe Ewigkeit und die Augen rollten. Lange würde er nicht mehr durchhalten. Es kostet Kraft, fortwährend an der Schwelle zum Orgasmus zu stehen und diese nicht zu überschreiten.

Und dennoch spuckte gerade jetzt sein Mund eine ziemlich kluge Frage aus.

„Warum heilst du eigentlich nicht die Kranken?“

„Wie? Hä? Ich soll diese Bastarde heilen? Meinen wir das Gleiche? Bist du irre? Damit sie mich wieder quälen können?“

„Ich glaube nicht, dass dies passiert. Ganz im Gegenteil. Sie werden dankbar sein. Ganz besonders die Familien, wenn sie angesteckt wurden!“

„Meinst du?“, zweifelte Fay.

„Hm. Ich denke schon. Und sollte sich dennoch wieder einer an dir vergreifen, dann wird er eben wieder krank. Darin scheinst du ja richtig gut zu sein.“

„Und nicht nur darin. Hi, hi. Gerissen, der Bursche, was?“, kicherte der Ältere. „Von mir hat er das nicht. Aber er hat recht. Überlege mal! Wenn du die Leute heilst, mögen sie dich. Außerdem kannst du alle herumkommandieren. Und die besonders schweren Fälle ein wenig gezielter quälen. In ihren eigenen Häusern! Na, wenn das kein Witz ist!“

„Und so ganz nebenbei kannst du noch eine Menge Knete verdienen. Auch nicht schlecht, oder?“, ergänzte sein Sohn.

„Wirklich? Hm. Aber würde mir der Scheiß Wirt nicht in die Quere kommen? Und alles wegnehmen?“, überlegte Fay.

„Wie denn? Der Kerl kommt doch zurzeit nicht mal alleine aufs Klo!“

„Stimmt. Da hast du eigentlich recht. Eigentlich schmeiße ich zurzeit diesen Laden. Ohne mich würde hier gar nichts laufen“, erwiderte Fay.

„Genau!“, schmunzelte der Vater. „Vielleicht sollte dies auch so bleiben! Mach dich unentbehrlich! Ein Versuch ist es wert!“

Fay grübelte angestrengt. Ohne ihr Spiel mit den Hoden zu unterbrechen. Die sich immer weiter in Richtung Munde bewegten. Ein wenig Spucke auf einen Finger und ab in den Po! Hin zur Prostata. Die schon wartete, um die Lust in neue Höhen zu treiben.

So schlecht ist der Plan nicht! Und besser noch, er könnte gelingen! Ich muss nur vorsichtig sein! Lieb und uneigennützig erscheinen. Vielleicht auch ein wenig dumm und naiv. Wenn die Leute glauben, sie sind mir über, dann könnte es gelingen.

„Ha, ihr Idioten! Passt nur auf!“

Fieberträume

Fast vermeinte Goram, ein leises Plätschern zu vernehmen. Einbildung? Die ersten Halluzinationen?

Es würde ihn nicht wundern. Hunger und Durst. Dazu diese unerbittliche, nie enden wollende Dunkelheit. Es machte keinen Unterschied, ob man die Augen offen oder geschlossen hielt.

Und diese Düsternis war es auch, die dafür sorgte, dass man sich nur mit den eigenen Gedanken auseinandersetzen konnte. Keine Ablenkung. Keine Welt der Farben und Geräusche. Keine Möglichkeit, um sich vor dem eigenen Ich zu verstecken. Nicht angenehm, wenn man kein reines Gewissen hat!

Zudem verlor man die Zeit. Sie war einfach nicht mehr da. Nicht fühlbar, nicht messbar.

Das konnte beruhigend sein. Aber auch erschreckend. In Gorams Kopf jedenfalls verursachte dieser Zustand Panikattacken. Sie kamen und gingen. Mal stärker, mal schwächer. Schon sah Goram seine gebleichten und vergessenen Knochen in dieser dunklen Gruft begraben. Dem Ruf alles Vergänglichen folgend. Eine fieberkranke Traumvision der Zukunft. Erschreckend realistisch.

Und er bekam eine leise Ahnung davon, dass es auf dieser Welt Schicksale geben mochte, bar jeder Vorstellungskraft. In keinem Lied verewigt. Und nicht nur deshalb, weil man dafür keine Worte fand.

Warum kam keiner, um nach ihm zu sehen? Hatte man ihn eingesperrt und dann vergessen? Oder fand man es besonders lustig, wenn er langsam starb? Ohne den Grund zu kennen? Ohne Licht, ganz allein?

Zurück kam der Dämmerzustand. Zurück kam der Schlaf. Und mit ihm all die wilden Fieberträume von einer köstlichen Mahlzeit. Unter den wärmenden Strahlen der Sonne.

Besuch

 

Da! War da nicht ein Geräusch?

Träge hob Goram seinen Kopf. Und öffnete die Augen. Ein wenig kraftlos. Oder kam es ihm nur so vor, als ob er sie öffnen würde? Denn es machte keinen Unterschied.

Da, da war es wieder! Ein Trugschluss in der Apathie der Ereignislosigkeit?

Ein Lichtschein hinter den Ritzen der alten Kerkertür! Die aus knorrigen und dicken Holzbohlen bestand. Welche sich im Laufe der Zeit und unter dem Einfluss der immerwährenden Feuchtigkeit verzogen hatte. Schemenhaft konnte sie Goram jetzt erkennen. Trugbilder?

Nein. Zart und verwundbar erschien dieses Licht hinter der Tür. Ganz wie ein junges Pflänzchen unter dem Gewicht des Morgentaus. Das Angst hatte, von den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne berührt zu werden. Es zitterte und bebte erschrocken. Und wollte wohl am liebsten seinem eigenen Dasein entfliehen.

Und doch bedeutete dieser Lichtschein für Goram Hoffnung. Es hatte sich etwas verändert! Die Zeit kam zurück.

Das Licht wurde heller. Und wurde von Stimmen begleitet. Stimmen!

Ein Schlüssel kreischte klagend in einem rostigen Schloss. Welches nur unwillig seinen immer gleich aussehenden Alltag der Ruhe unterbrach. Und ächzend den schweren Riegel zurückschnappen ließ.

Quietschend und widerwillig knarrte die Tür in ihren Angeln. Aber, so sehr sie sich auch gegen das Öffnen wehren mochte, ein paar Tritte und rohe Gewalt belehrten sie eines Besseren. So schwang sie schließlich klagend auf.

Und gab den Blick auf zwei Zwerge frei. Der eine stolz und stark, mit einer Fackel in der Hand. Er leuchtete sorgsam seinen Weg aus und kam selbstsicher auf Goram zu. Der andere schwach und demütig, von der Weisheit des Alters regelrecht gramgebeugt. Letzterer trug zwei Schalen. Eine in jeder Hand. Und schlurfte mit gesenktem Kopf hinter dem Stolzen her.

Jetzt konnte der Gefangene auch den Raum betrachten, in dem er sein Dasein fristen musste. Mehr oder weniger deutlich. Das Licht der Fackel gab es her.

Rund war er, der Raum, mit einer Art Kuppel versehen. Schroffe kahle Wände voller Schwitzwasser, in dem sich das Licht der Fackel vielfach brach.

Links von Goram gab es eine etwas größere Vertiefung, angefüllt mit Wasser. Eine Pfütze, ein Loch? Da hatte sein Verstand ihn wohl doch nicht genarrt, als er vermeinte, ein leises Plätschern zu hören.

Tiere? Etwa Ratten? Und wenn schon! Darauf kam es nun wahrlich auch nicht mehr an. Aber vielleicht auch nur Tropfwasser. Das Unbehagen war umsonst. Übrigens, was für ein Quatsch! In seiner Lage und Unbehagen!

Ein Blick auf seine Fesseln sagte Goram, was er schon ertastet hatte. Gut und gediegen! Keine Chance, sie zu zerstören. Oder abzustreifen! Sonst war nichts zu entdecken, was für ihn von Bedeutung gewesen wäre.

Goram wandte seine Aufmerksamkeit den beiden Zwergen zu, die mittlerweile herangekommen waren. Während der Stolze sich wichtigtuerisch vor ihm aufbaute, stellte der andere die beiden Schalen auf den Boden.

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