Logo weiterlesen.de
Und Samstags weckt der Rasenmäher

Über die Autorin

Jen Mann ist die preisgekrönte Autorin des Buches Spending the Holidays with People I Want to Punch in the Throat. Jen lebt mit Ebbi, ihrem Ehemann, und den Kindern Gomer und Adolpha in Kansas. Natürlich sind Gomer und Adolpha nicht ihre richtigen Namen, die sind noch etwas schräger. In ihrer Freizeit widmet sich Jen dem Kunsthandwerk und engagiert sich für eine örtliche PTO (Eltern-Lehrer-Organisation). Ernsthaft.

title.jpg

INHALT

  1. Anmerkung der Autorin
  2. Menschen, die ich am liebsten links und rechts …
    (eine kleine Auswahl)
  3. Sie haben Post!
  4. Steck dir Muttis Sandwich sonst wohin!
  5. Gatte oder Putzfrau – keine leichte Wahl
  6. Eine unvergessliche Party
  7. Einige Gründe, warum die Nachbarn uns nicht
    ausstehen können
  8. Zur Hölle mit der Krippe!
  9. Gomer – ein Rassist?
  10. Es geht nur um eine Tasse Kaffee, Lady,
    nicht um Organhandel!
  11. Alle Jahre wieder:
    die Anmeldung zum Feriencamp – ein Albtraum!
  12. Agnes, der Satansbraten, und ihre reizende Mutter
  13. Du sollst nicht begehren deines Nachbarn Auto
  14. Die Kunstfertigkeit eines Fünfjährigen
  15. Nie wieder im Pyjama zur Schule!
  16. Eheliche Inquisition
  17. Wozu Eheberatung, wenn wir Adolpha haben?
  18. Kann mich mal jemand einladen, der mir nichts verkaufen will?
  19. Pyjamapartys sind out
  20. Hochleistungssport beim Kinderbowling
  21. Ich dachte, »Mother’s little Helper« sei ein Babysitter
  22. Welche Mutter ist die beste?
  23. Die Königin der Elternsprecherinnen
  24. Fünfzig Cent für eine Kristallvase
  25. Schiesswütige Mütter
  26. Danksagung

ANMERKUNG DER AUTORIN

Um die Guten, die Bösen und die Doofen zu schützen, habe ich die Namen und Eigenschaften meiner Protagonisten … nein, nicht erfunden, aber so verändert, dass ihre lebenden Vorbilder nicht identifizierbar sind. Sollten Sie sich – oder einen Nachbarn – trotzdem wiederzuerkennen glauben, täuschen Sie sich wahrscheinlich. Dennoch berichte ich hier von meinen Erlebnissen … und meinen Erinnerungen.

MENSCHEN, DIE ICH AM LIEBSTEN LINKS UND RECHTS ...

(eine kleine Auswahl)

Meine Eltern. Mal ehrlich: Wer kommt denn auf die Idee, seine Tochter »Jenni« zu nennen – mit einem süßen kleinen i? Wahrscheinlich haben sie mir keinen seriösen Beruf zugetraut.

Alle, die glauben, ich hätte meine Kinder Gomer und Adolpha genannt. Ihre wirklichen Namen sind noch schräger.

Den Typen, der seinen Quartalsbericht in sein Smartphone brüllt und damit das ganze Café unterhält, während wir alle hoffen, dass er sich an seinem Latte Macchiato verschluckt.

Treuepunktesammler, die einen Stau an der Kasse verursachen, weil sie einen Viertelcent für ihren Mini-Einkauf gutgeschrieben haben wollen.

Leute, die ihre Haustiere wie Kinder behandeln. Muss ich mehr sagen?

Leute, die alberne Bürowitze in die Teeküche hängen. Aber wahrscheinlich brauchen die das, weil sie sonst nichts zu lachen haben.

Den Typen, der neulich vor mir am McDonald’s-Tresen fragte: »Was können Sie denn heute empfehlen?« Sogar der Verkäufer wusste darauf keine Antwort.

Leute, die ihr Licht unter den Scheffel stellen. Wer Grund zum Angeben hat, soll es, verdammt noch mal, lautstark tun!

Leute, die ihre Kinder nach Stars und Sternchen nennen. Glauben Sie mir: Kein Mensch nimmt Ihnen ab, dass Sie von ganz allein auf »Shakira« gekommen sind oder Ihre Großmutter väterlicherseits so hieß.

Mütter, die mir raten, meinen Alltag zu »strukturieren«. Scheiß Perfektionisten!

Menschen, die mir das Fluchen abgewöhnen wollen. Am Arsch!

Menschen, die glauben, dieses Buch handle von ihnen. Sorry! Sie sind nicht die einzigen Idioten, die ich kenne.

SIE HABEN POST!

Ob Sie es glauben oder nicht: Ich bin glücklich verheiratet. Und zwar mit einem Mann, dem es nichts ausmacht, dass ich keine Bauch-Beine-Po-Gymnastik mache. Auch dass ich »bequeme« Schuhe trage, toleriert er. Dafür ertrage ich, dass er mir im Haus auf Schritt und Tritt folgt und in allen Zimmern, die ich – und sei es kurz – verlasse, das Licht ausschaltet, um Strom zu sparen. Oder dass er nur zum Friseur geht, wenn dort gerade eine Rabattaktion läuft.

Neidisch? Das verstehe ich gut. Wer wünscht sich nicht den idealen Partner? Sicher fragen Sie sich, was Sie tun können, um selbst so viel Glück zu haben. Deshalb erzähle ich Ihnen jetzt, wie ich meinen Mann kennengelernt habe. Also …

1996 oder so habe ich mir den ersten Computer gekauft, ein klobiges IBM-Dings. Da ich in Sachen Technik eine Null bin, kann ich leider nicht sagen, wie viel ROM oder RAM er hatte. Ich weiß nur noch, dass er schwarz war, während alle anderen Geräte schmuddelig weiß waren. Als ich mir im Laden die verschiedenen Modelle ansah und von einem Verkäufer über die jeweiligen Leistungen und Funktionen vollgeschwallt wurde, dachte ich die ganze Zeit nur daran, dass ein schwarzes in meinem Arbeitszimmer viel besser aussähe als ein schmuddelig weißes. Ich gebe zu, dass es nicht die intelligenteste Kaufentscheidung war, aber so bin ich nun mal. Außerdem wollte ich keinen IT-Kram mit meinem Computer machen, sondern einen Roman schreiben, der dann jedoch leider nie über den ersten Satz hinauskam: »Es war eine dunkle, stürmische Nacht, als …«

Ich schleppte also meinen nagelneuen Computer nach Hause, packte ihn aus und entdeckte, dass eine Diskette in ihm steckte. Diskette? Hießen die Dinger damals Disketten? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls konnte ich damit kostenlos AOL installieren. Erinnern Sie sich noch an AOL? Zu diesem Zeitpunkt gab es das Internet bestimmt schon jahrelang, aber ich bin in einem Kaff in Iowa zur Schule gegangen, wo nicht mal jeder Haushalt Telefon hatte. Vom Internet ganz zu schweigen. Und da ich, wie gesagt, eine technische Null bin, hatte ich nur eine sehr vage Vorstellung davon, was AOL bedeutet. Ich studierte die Gebrauchsanweisung von vorn bis hinten und beschloss, es mit diesem AOL zu versuchen. Für jemanden wie mich, die ich das Internet nicht verstand, der perfekte
Einstieg.

Ich machte den Computer startklar, schloss das Modem an und ging zum ersten Mal in meinem Leben online. Damals musste man sich noch einwählen – ein Prozedere, bei dem man AOL quasi beauftragte, eine freie Leitung zu suchen. Ich wählte mich also ein, und danach hatte ich genug Zeit, Abendbrot zu essen, meinen Pyjama anzuziehen und die Waschmaschine zu befüllen, bevor ich hörte: »Sie haben Post!«

Diese Füchse von AOL! Gleich beim ersten Einloggen hatte ich Post! Es war bloß ein Willkommensgruß von AOL selbst, aber es war eine richtige E-Mail, und ich verliebte mich beinahe in die Stimme, die sie ankündigte. Es war wie der erste Schuss. Ich hing an der Nadel. Gleich beim ersten Mal. Das analoge Leben war ab sofort uninteressant.

Ha! Als sei mein Leben vorher interessant gewesen! Ich lebte damals noch allein und hatte einen beschissenen Job. Meine Freunde waren fast alle verheiratet, und ich war überall das fünfte Rad am Wagen. Mein typischer Tagesablauf: aufstehen, zur Arbeit gehen, nach Hause kommen, den Fernseher einschalten (damals gab es noch keine Rekorder, und man war aufs aktuelle Programm angewiesen, inklusive nervtötender Werbung), schlafen gehen. Am nächsten Morgen aufstehen und alles von vorn.

Bald fand ich heraus, dass viele AOL nutzten, um zu »chatten«. Je nach persönlicher Neigung konnte man zwischen Dutzenden Chatrooms wählen. Für jeden war etwas dabei, vom Hundezüchten übers Stricken bis zu bizarren Sexpraktiken. Man konnte in einem dieser Foren einfach mitchatten oder die Profile der Chatter durchstöbern, sehen, wer gerade online war, und jemandem eine Nachricht schicken, die kein anderer zu lesen bekam.

In den ersten Wochen probierte ich einen Chatroom nach dem anderen aus. Wann immer ich irgendwo neu war, kam schnell eine personalisierte Anfrage, die meist nur »A/G/W?« lautete. Das ist Anbaggersprache und bedeutet: »Alter, Geschlecht, Wohnort?« Manche fragten auch gleich bei der ersten Kontaktaufnahme: »Was hast du gerade an?« Komplett bescheuert. Und das Bescheuertste war, dass all diese Angaben (außer natürlich, was ich gerade anhatte) in meinem Profil standen, aber diese Idioten waren zu faul, um nachzusehen, und wollten schnell ein paar Titten sehen oder zumindest darüber reden.

Ich bekam so viele Anfragen, dass ich es gar nicht fassen konnte, denn im richtigen Leben hatte ich noch nie so viel Interesse erlebt. Aber ich beantwortete alle Anfragen geduldig, und meist kam der Interessent schnell auf den Punkt – vulgo die Frage: »Was hast du gerade an?« Ich war zu naiv, um zu lügen, und schrieb: »Meinen Jogginganzug.« Dann hörte ich nichts mehr. Wahrscheinlich hatte ich die falsche Antwort gegeben.

Ich probierte auch einen regionalen Chatroom aus, dessen Chatter angeblich alle in derselben Stadt wohnen sollten, sodass man keine langen Wege hatte, falls man sich in der normalen Welt treffen wollte. Es stellte sich zwar heraus, dass viele keineswegs in der Nähe wohnten, aber die Vorstellung, es mit jemandem zu tun zu bekommen, den ich schon kannte, fand ich ohnehin gruselig. Was, wenn mein Nachbar plötzlich wissen wollte: »A/G/nackt?« Außerdem waren mir die Kerle in diesem Chatroom zu flott mit dem Vorschlag, sich »IRL« (im richtigen Leben) zu treffen. Also sah ich mich anderweitig um.

Der Chatroom »20+« gefiel mir ganz gut. Dort tummelten sich lauter mehr oder weniger junge Leute aus aller Welt, angeblich alle in den Zwanzigern. Die meisten waren ziemlich cool, und niemand wollte wissen, ob ich nackt war oder ihn IRL treffen wollte.

Eines Abends bekam ich allerdings auch hier eine persönliche Anfrage von einem Typen, der meinen Namen und mein Alter wissen wollte. Ich dachte: Hä? Kannst du nicht lesen?, schrieb aber brav zurück: »Jen, 24.« Dann wartete ich auf die nächste Frage: Was hast du gerade an? Stattdessen fing der Typ ein ganz normales Gespräch an … na ja, so normal, wie ein Gespräch eben sein kann, bei dem man, statt zu sprechen, auf einer Tastatur herumhackt und es mit einem vollkommen Fremden zu tun hat, von dem man nicht weiß, wo er lebt. Dieser Fremde hieß Ebenezer, war ein Jahr älter als ich, wohnte in New York, genauer gesagt, in Queens, und hatte gerade sein Filmstudium an der New York University abgeschlossen. Wir chatteten über Filme und was gerade so auf der Welt passierte. Und brachten uns gegenseitig zum Lachen. Er war wirklich witzig und besaß einen herrlich trockenen Humor. Ohne Gestik und Mimik ist Humor schwer rüberzubringen, aber bei uns funktionierte es.

Am meisten musste ich lachen, als er mich nach dem Namen fragte, den ich in meinem Profil angegeben hatte.

Ebenezer: Was hat es mit deinem Namen auf sich?

Jen: Wieso? Meine Eltern haben ihn mir gegeben.

Ebenezer: Ich meine nicht deinen richtigen Namen, sondern deinen Profilnamen. Er gefällt mir.

Jen: Echt?

Ebenezer: Ja. Wie bist du darauf gekommen?

Jen: Na ja, ich bin halt Schriftstellerin.

Ebenezer: Ich weiß. Das sagtest du bereits.

Jen: Schriftsteller denken gründlich darüber nach, welche Namen sie ihren Figuren geben. Namen sind wichtig.

Ebenezer: Hast du auch über deinen Profilnamen lange nachgedacht?

Jen: Natürlich. (Er brauchte ja nicht zu wissen, wie clever mein Profilname war und wie lange ich darüber nachgedacht hatte.)

Ebenezer: Und wie bist du drauf gekommen?

Jen: Na ja … Ich habe einfach meinen richtigen genommen: Jen.

Ebenezer: Wie jetzt?

Jen: Und dann habe ich an eins meiner Lieblingsbücher gedacht, Generation X von Douglas Coupland. Ich finde Coupland brillant. Er ist die Stimme unserer Generation und versteht uns total. (Nebenbei hatte ich den Namen gerade gegoogelt, weil ich mir nicht sicher war, wie man ihn schrieb. Bei der Gelegenheit stellte ich erschrocken fest, dass der Kerl uralt war. War ich selbst schon ein Fossil? War unsere ganze Generation X ein Fossil?)

Ebenezer: Aha. Vielleicht sollte ich es auch mal lesen.

Jen: Jedenfalls ist mein Profilname eine Kombination aus Jen und Generation X: JenX. Alles klar?

Ebenezer: Ich denke schon. Wie Malcolm X?

Jen: Blödmann!

Ebenezer: LOL!

Jen: Ich bin Jen, und ich bin Generation X. Macht zusammen JenX.

Ebenezer: Okay. Aber das ist nicht dein Profilname.

Jen: Stimmt. Aber nur, weil AOL mir mitteilte, der Profilname JenX sei schon vergeben. Stattdessen schlugen sie Jenexxx vor. Erst war ich enttäuscht, aber dann fand ich es gar nicht so schlecht.

Okay, okay! Lachen Sie nur! Wahrscheinlich haben Sie längst erkannt, wie das rüberkam. Im Gegensatz zu mir damals.

Ebenezer: Dann hast du statt JenX also Jenexxx genommen und nicht gemerkt, dass es zwei völlig verschiedene Sachen sind?

Jen: Wieso? Es kommt doch aufs selbe raus.

Ebenezer: Ganz und gar nicht.

Jen: ???

Ebenezer: Du siehst keinen Unterschied zwischen Generation X und Generation XXX?

Jen: ACH DU SCHEISSE!!! (Damals regten sich die Medien gerade über eine angeblich übersexualisierte und der Pornografie weder passiv noch aktiv abgeneigte Jugend auf, die sogenannte Generation XXX.)

Ebenezer: Aber jetzt ist der Groschen gefallen.

Jen: Vor allem verstehe ich jetzt, warum du mit mir chatten wolltest.

Ebenezer: Okay, anfangs vielleicht. Aber dann warst du witzig, und wir kamen ins Reden.

Jen: Willst du denn nicht wissen, was ich gerade anhabe?

Ebenezer: Einen Jogginganzug, nehme ich an.

Als ich mich am nächsten Tag einloggte und »Sie haben Post!« hörte, hatte Ebenezer geschrieben, dass er unseren Chat sehr genossen hatte und ihn möglichst bald wiederholen wollte. Ich schrieb sofort zurück. Ich weiß nicht mehr, was. Wahrscheinlich so etwas wie: »Normalerweise bin ich nicht so begriffsstutzig, und in einem Pornofilm habe ich auch noch nie mitgemacht. Wenn du es also auf Cybersex abgesehen hast, bist du bei der Falschen gelandet.« Worauf er antwortete: »Fahr die Krallen wieder ein! Kein Mensch hat etwas von Cybersex gesagt. Wer hat dich so traumatisiert?« Es ging hin und her, und wann immer wir beide online waren, chatteten wir miteinander.

Mit der Zeit wurde er zu so etwas wie einem Freund, falls man das von jemandem sagen kann, den man noch nie gesehen hat. Ich wusste ja nicht einmal, wie er aussah. Sein Profilname war Ebenezer11423 und ich stellte ihn mir lange als einen gutaussehenden Juden vor. Erst nach zahllosen Chats, nur zwischen uns beiden, erwähnte er ganz nebenbei, dass er Chinese ist.

Jenexxx: Moment! Du bist Chinese?

Ebenezer11423: Stimmt. Hast du ein Problem damit?

Jenexxx: Nein. Bin nur überrascht.

Ebenezer11423: Ist es wichtig? Ich kann damit leben, dass du eine Weiße bist. Bist du doch, oder?

Jenexxx: Ja. Und nein. Es ist nicht wichtig. Ich hatte dich mir bloß als europäischstämmigen Juden vorgestellt.

Ebenezer11423: Warum?

Jenexxx: Keine Ahnung. Wahrscheinlich wegen des Klischees: Queens, Filmstudium an der NYU, hebräischer Name. Irgendwie hat sich das nicht zu einem chinesischen Gesicht zusammengefügt.

Ebenezer11423: Und nun? Haben wir ein Problem?

Jenexxx: Natürlich nicht. Aber nur, dass du Bescheid weißt: Chinesen machen mich nicht an. Aus dem Cybersex wird also definitiv nichts.

Ebenezer11423: Ist klar. Ich stehe sowieso nicht auf Jogginganzüge.

Jeden Tag freute ich mich auf unsere Chats. Wir redeten über unsere miesen Jobs und unseren Traum, eines Tages für unsere Kreativität bezahlt zu werden.

Von einem Treffen war nie die Rede. Wie auch? Er wohnte in New York und ich in Kansas. Es war einfach eine Art perfekter Brieffreundschaft.

Bis Dezember. Als ich Kind war in New Jersey, sind meine Eltern jedes Jahr mit mir und meinem Bruder C. B. nach New York gefahren, um uns die Weihnachtsbeleuchtung zu zeigen. Inzwischen hatten sie das seit Jahren nicht mehr getan, aber dieses Jahr verordneten sie uns wieder diesen Familienausflug.

Zuerst dachte ich: Ach nee, mit den Eltern verreisen? Ich bin vierundzwanzig, und selbst C. B. ist ja schon zwanzig – ein Trip mit meinen Eltern gehört sich einfach nicht! Doch dann lockten sie mich mit einen Theaterstück am Broadway. Ich liebe Les Misérables und kann es gar nicht oft genug sehen. Also sagte ich zu.

Ich überlegte lange, ob ich es Ebenezer sagen sollte. Was wir miteinander hatten, war schön, und ich wollte es nicht durch ein Treffen ruinieren. Andererseits war es wirklich bescheuert, in seiner Stadt zu sein, ohne ihn zu treffen. Schließlich waren wir Freunde, oder?

Also schrieb ich ihm, dass ich für ein verlängertes Wochenende in New York sein würde und wir uns auf einen Kaffee treffen könnten.

Worauf er komplett ausrastete.

Ebenezer11423: Ein Date? Bist du verrückt?

Jenexxx: Hey, fahr die Krallen ein! Wer hat denn was von einem Date gesagt?

Ebenezer11423: Ich kenne dich. Du willst, dass ich dich zum Essen einlade.

Jenexxx: Habe ich das gesagt? Ich bin an diesem Wochenende in New York und fände es nach all der Chatterei nett, dich einmal live zu erleben und einen Kaffee mit dir zu trinken.

Ebenezer11423: Ich denke drüber nach und melde mich wieder.

Jenexxx: Vergiss es! Du musst mir keinen Gefallen tun.

Ich war ebenso erschrocken wie angepisst. Was bildete sich dieser Typ eigentlich ein? Ich hatte doch gar nichts von einem Date gesagt! Eine Verabredung zum Kaffee ist schließlich kein Date! Was für ein Arschloch! Die nächsten Tage war Funkstille, doch dann kam eine E-Mail, in der er die Regeln für ein Treffen festlegte:

Jen,

am Freitag muss ich arbeiten, aber ich kann dich um 18:00 in deinem Hotel abholen. Das ist ein bisschen spät zum Kaffeetrinken, und ich werde einen Bärenhunger haben. Deshalb sollten wir lieber essen gehen. Und zwar in einem Restaurant mit lockerer Atmosphäre, das typisch für New York ist. In Kansas gibt es so was bestimmt nicht. Es heißt TGI Friday’s.

Bring Geld mit, denn dies ist KEIN DATE! Und erwarte nicht, dass ich dir hinterher Manhattan zeige oder so. Ich bin KEIN Touristenführer! Wenn ich dich interessant finde, können wir hinterher noch ein Eis essen, aber wenn du mich langweilst, haue ich einfach ab und schaue mir die nächste Folge meiner Lieblingsserie an. Wenn du mich treffen willst, sag Bescheid. Du erreichst mich über meinen Pager.

Ebenezer

Bis heute frage ich mich, warum ich mich darauf einließ. Es muss eine göttliche Fügung gewesen sein – oder ich war ganz verrückt danach, endlich einmal ohne meine Eltern Ofenkartoffeln zu essen. Keine Ahnung. Ich weiß nur, wie sehr ich mich darüber freute, dass Ebenezer bereit war, seinen Fernsehabend unter Umständen sausen zu lassen, denn sonst hätte ich niemals auf Les Misérables verzichtet, wäre nicht mit ihm essen gegangen, und sein Leben wäre furchtbar langweilig geworden.

Ich wünschte, ich hätte ihm Folgendes geantwortet:

Lieber Ebenezer,

wo soll ich anfangen? Bei TGI Friday’s? Hast du sie noch alle? Wir sollen uns schnell ein paar Mozzarellasticks und Chicken Wings reinziehen? DAS ist wirklich kein Date! Hat sich eigentlich noch nicht bis New York rumgesprochen, was eine RestaurantKETTE ist? Das nächste TGI Friday’s ist bei mir um die Ecke. Ich wohne in Kansas, Ebbi, nicht hinterm Mond. Ob du es glaubst oder nicht: Ich habe in diesem Gourmettempel schon gegessen und war alles andere als begeistert. DAS soll typisch für New York sein? Du spinnst! Nein, ich glaube, wir sollten lieber nicht essen gehen. So weit sind wir noch nicht. Deswegen hatte ich einen Kaffee vorgeschlagen. Damit sind wir in einer Viertelstunde durch. Danach kann ich aufstehen und gehen, wenn du mich langweilst, und brauche mich nicht ein elendes Essen lang von dir anöden zu lassen, um dann neun Dollar abzudrücken.

Wozu brauchst du überhaupt einen Pager? Bist du ein Dealer oder so?

Jen

Stattdessen antwortete ich:

Sei kein Arschloch und stell dich nicht so an, E.! Natürlich ist das kein Date. 18:00 passt. Bestimmt bist du rechtzeitig zum Fernsehen zu Hause.

J.

Erst am Tag unseres Nicht-Dates erzählte ich meiner Familie, was ich vorhatte.

»Du triffst dich mit jemandem, den du aus dem Internet kennst?«, fragte Mom entgeistert.

»Herrje, du musst ja wirklich verzweifelt sein!« C. B. lachte.

»Halt’s Maul, C. B.! Du musst dich ohne mich auf dem Schoß des Weihnachtsmanns fotografieren lassen«, sagte ich.

»Wie bitte?« Entsetzt sah er Mom an. »Wir gehen doch heute nicht wirklich zum Weihnachtsmann!?«

»Das habe ich doch schon beim Frühstück erzählt«, sagte sie. »Es wird bestimmt schön. Jetzt wollen wir aber über Jenni und ihren merkwürdigen Freund sprechen.«

»Er ist nicht mein Freund, nur eine Online-Bekanntschaft.«

»Weiß er, wie du aussiehst?«, fragte mein Dad.

»Im Prinzip ja. Ich habe ihm mal ein Foto geschickt, es war allerdings schon etwas älter, aus dem College.«

»Hast du auch ein Foto von ihm?«, fragte Mom.

»Na ja, ich …« Shit! Ich dachte an die tausend Gründe, die er dafür hatte, dass er mir keins schicken konnte: Seine Kamera sei kaputt; er habe keinen Scanner; er fotografiere nie; er habe kein Geld für eine Briefmarke, weil er mir das Foto (in Ermangelung eines Scanners) per Post schicken müsse … »Nein. Aber es spielt keine Rolle, wie er aussieht. Es. Ist. Kein. Date.«

»Wie willst du ihn dann erkennen?«, fragte meine Mom.

»Er holt mich in der Hotellobby ab und trägt eine dunkelgrüne Jacke.«

»Also gut«, sagte mein Dad. »Rekapitulieren wir: Du gehst mit einem Mann essen, der dich nicht einlädt. In einem TGI Friday’s. Dieser Mann ist ein Chinese namens Ebenezer, hat einen Pager und trägt eine dunkelgrüne Jacke. Und für euer erstes Dinner, bei dem jeder selbst bezahlt, trefft ihr euch um sechs.«

»Stimmt.«

»Du bist wirklich kein bisschen verzweifelt.« C. B. wollte sich schier totlachen.

»Zieh den netten Weihnachtspullover an, den Mommy dir gestrickt hat, C. B.!«, ätzte ich. »Damit siehst du bestimmt ganz süß aus, wenn du auf dem Schoß vom Weihnachtsmann sitzt. Hoffentlich kaufen die Eltern das Foto, dann können wir es als Weihnachtskarte verschicken.«

»Lass deinen Bruder zufrieden, Jenni! Wenn du nicht verzweifelt bist – warum solltest du dich dann mit diesem Mann treffen?«, fragte Mom.

»Herrgott, es macht einfach Spaß, sich mit ihm zu unterhalten. Er kann zuhören, lacht über meine Witze und bringt mich auch zum Lachen. Ich fühle mich wohl, wenn ich mit ihm chatte, und ich dachte, es wäre schön, diesen Chats ein Gesicht zu geben. Vielleicht bin ich verzweifelt, aber nicht genug, um drei Stunden vor Macy’s Schlange zu stehen, bis ich mich bei einem Perversen im Weihnachtsmannkostüm auf den Schoß setzen kann.«

»Ist schon gut. Wir machen uns bloß Sorgen. Du wärst nicht die Erste, die ein Treffen mit jemandem, den sie online kennengelernt hat, nicht überlebt. Das weiß ich aus dem Fernsehen«, sagte Mom.

»Ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht vorhat, mich umzubringen. Wahrscheinlicher ist, dass er mich versetzt.«

»Wie kommst du denn darauf?«, fragte mein Dad.

»Er scheint nicht gerade ein Don Juan zu sein«, sagte ich kleinlaut.

»Wie aufregend!«, feixte C. B.

»So aufregend wie eure romantische Kutschfahrt durch den Central Park. Morgen musst du mir alles ganz genau erzählen, C. B.! Bestimmt kriegen Mom und Dad noch ein Kinderticket für dich.«

»Hey! Steht das heute etwa auch auf dem Programm?«, fragte er erschrocken.

»Bestimmt würdest du dich jetzt auch lieber mit jemandem in einer dunkelgrünen Jacke treffen, was?«, setzte ich noch einen drauf.

»Du bist eine erwachsene Frau«, sagte Dad. »Wir können dich nicht aufhalten. Aber gib uns wenigstens seine Pager-Nummer und ruf uns an, sobald du ihn gesehen hast.«

Nachdem diese Sicherheitsmaßnahmen geklärt waren, konnte sich meine Mutter der wirklich wichtigen Frage widmen: »Was ziehst du an?«

Damit wären wir beim peinlichen Teil (als wäre alles andere nicht schon peinlich genug): Ich hatte beschlossen, einen Overall anzuziehen. Aus mehreren Gründen. Zum einen wollte ich Ebbi unmissverständlich ein »Fuck you« signalisieren, nachdem er mich tausendsiebenundvierzigmal mit seinem »Es ist kein Date« gedemütigt hatte. Damit hatte er sein Recht auf einen attraktiveren Anblick verwirkt. Zum anderen fand ich es komisch, wenn ein Mädchen vom Lande im Overall auftauchte. Genauso stellte sich der New Yorker Snob eine junge Frau aus Kansas doch vor. Ein ebenso subtiler wie scharfsinniger Schachzug! Und drittens wollte ich es einfach bequem haben. Ich mag die unprätentiösen TGI Friday’s, ich mag Ofenkartoffeln, und ein Overall ist perfekt, wenn man sich mit Kartoffeln den Bauch vollschlagen will.

Kaum war Ebbi an diesem Abend in der Hotellobby erschienen, wurde mir klar, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Verdammt, ist der süß, dachte ich. Wer hätte das gedacht? Warum habe ich nicht was anderes angezogen? Aber egal, es ist ja sowieso kein Date.

Hätte ich in diesem Moment schon gewusst, dass ich diesen Mann eines Tages heiraten würde, hätte ich bestimmt besser auf Charakterzüge geachtet, die mich später in den Wahnsinn treiben würden. So hätte mir beispielsweise auffallen sollen, dass er völlig aus der Puste war, weil er zwanzig Blocks zu Fuß gegangen war, um das Geld für die U-Bahn zu sparen. (Sparbrötchen!) Als ich sagte, wie clever die Idee mit seiner grünen Jacke war, weil ich ihn so in der Lobby leicht finden konnte, erwiderte er stolz, diese Jacke besäße er bereits seit der Highschool, und er habe nicht die Absicht, sich eine neue zu kaufen, bis er sich eine North Face leisten könne, die aber gar nicht mal so teuer sei, wenn man bedenke, dass er sie für seine geplante Besteigung des Mount Everest ohnehin brauche. (Markenfixiertes Sparbrötchen mit Größenwahn!) Die größte Warnung aber hätte mir eine Bemerkung sein sollen, die er beim Essen machte, nämlich: »Ich wohne bei meinen Eltern.«

»Was? Warum hast du das noch nie erwähnt?«

»Es war nie Thema.«

»Aber du bist fünfundzwanzig! Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, danach zu fragen. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass du längst ausgezogen bist.«

»Man soll nie voreilige Schlüsse …«

»Wann ziehst du denn aus?«

»Keine Ahnung. Wozu die Eile? Ich zahle keine Miete, der Kühlschrank ist immer voll, und meine Mom kümmert sich um meine Wäsche.«

»Im Ernst? Sie wäscht für dich? Kannst du nicht wenigstens das selber machen?«

»Warum sollte ich? Sie tut das gern.«

»Ganz bestimmt nicht, du Arsch!«

»Wie du meinst. Ach, da kommt die Rechnung. Hast du deinen Anteil passend? Dann bezahle ich für uns beide mit meiner Kreditkarte und sammle Bonuspunkte, für meine North-Face-Jacke.«

Nach dem Essen bot er an, mir Manhattan zu zeigen.

»Ich dachte, du bist kein Touristenführer«, zog ich ihn auf.

»Trotzdem kann ich dich ja ein bisschen rumführen.«

Wir schlenderten durch die Straßen, und irgendwann nahm er schüchtern meine Hand, während er sich nach der Oberweite einer schlitzäugigen Schönheit umdrehte. Vor Empörung hätte ich ihm beinahe die Hand gebrochen.

»Was denn?«, verteidigte er sich. »Ich habe noch nie eine Asiatin mit derartigen Möpsen gesehen. Meinst du, die sind echt?«

»Ich will ins Hotel zurück«, sagte ich. Ich hatte genug von seinem Geiz, und über Körbchengrößen wollte ich auch nicht diskutieren. Dass er mich zum Lachen brachte und ich mich immer mit ihm wohlgefühlt hatte, war mir in diesem Moment egal. Er benahm sich respektlos, und ich hatte die Nase voll von seiner ungehobelten Art.

»Warum?«, fragte er.

»Weil du dich ziemlich danebenbenimmst. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt gekommen bin. Ich habe mir so viel Mühe gegeben, damit wir uns treffen, und dich hat es von Anfang an nicht interessiert. Jetzt reicht’s. Du bist mich los. Und du brauchst mich auch nicht zum Hotel zu bringen; ich finde den Weg schon allein.«

»Nein, warte! Es tut mir leid. Ich bin … Es ist bloß … Ich bin ziemlich nervös. In Wahrheit bin ich gern mit dir zusammen. Bitte bleib! Ich möchte dir etwas zeigen.«

»Was denn?«

»Einen Ort, der mir viel bedeutet. Es ist nicht weit. Komm mit!« Wieder nahm er meine Hand und zog mich Richtung Central Park.

Kurz vor Mitternacht.

Wir waren schon ein ganzes Stück durch den Park gegangen, als ich fragte: »Wie weit ist es denn noch?« Er sollte nicht wissen, dass ich langsam nervös wurde und drauf und dran war, ihm mein Knie in die Kronjuwelen zu rammen.

»Ich habe dir doch erzählt, dass ich gerade meinen ersten größeren Film gedreht habe, oder?«

»Ja.«

»Ich will dir zeigen, wo meine Lieblingsszene entstanden ist. Wir sind gleich da.«

Irgendwann blieb er tatsächlich stehen und sagte: »Da wären wir.«

»Ich sehe nichts«, sagte ich.

»Hinter den Büschen da vorn liegt ein kleiner Teich. Es ist meine Lieblingsstelle im ganzen Park. Komm mit! Hörst du die Frösche?«

Ich dachte: Willst du mich verarschen? Ich soll mit dir zu einem Froschteich gehen? Als Nächstes werde ich als Wasserleiche im Fernsehen gezeigt! (Wenn meine Tochter sich auf so etwas Hirnverbranntes einlässt, erwürge ich sie eigenhändig!)

»Ich kenne Frösche. Ich komme aus Kansas.«

»Okay, aber guck mal, wie sich der Mond auf dem Wasser spiegelt! Komm schon!« Er wollte mich weiterziehen.

In meinem Kopf schrillten sämtliche Alarmglocken.

»Stop!«, schrie ich. »Lass mich sofort los!«

»Was hast du denn plötzlich?« Ebbi schien völlig verwirrt.

»Du darfst mich nicht umbringen! Ich werde mich wehren, und wenn ich dich nicht aufhalten kann, werde ich dir ordentlich wehtun!«

»Wovon redest du, verdammte Scheiße? Warum sollte ich dich umbringen? Spinnst du?«

»Ob ich spinne? Du bist hier der Fremde, der mich mitten in der Nacht zu einem gottverlassenen Teich schleppt, damit ich Frösche hören kann. Wer spinnt hier?«

Ebbi machte ein paar Schritte rückwärts und hob beschwichtigend die Hände. »Ist ja schon gut. Beruhige dich!«

»Ich will hier weg, und zwar sofort!«, zischte ich.

»Gut. Lass uns gehen.«

Schweigend gingen wir ein Stück. Langsam normalisierte sich mein Puls, und ich begriff, dass dieser Froschfreund nicht vorhatte, mich zu töten und in den Teich zu werfen. (Später sollte ich ihm übrigens noch öfter Mordabsichten unterstellen. Aber das liegt wahrscheinlich eher an mir als an ihm, denn ich löse bei vielen Menschen einen Killerinstinkt aus.)

»Tut mir leid«, sagte ich.

»Schon gut. Ich hab nicht weiter nachgedacht. Ich wollte dir nur meinen Lieblingsort zeigen. Magst du ein Eis?«

»Ja, bitte!« Eis essen hat für mich schon immer alle Probleme gelöst.

Als er mich in dieser Nacht zum Hotel brachte, versuchte er nicht einmal, mich zu küssen. Bestimmt fürchtete er meine Reaktion, wenn er mir zu nahe kommen würde. Aber kurz nachdem wir uns verabschiedet hatten, rief er an.

»Hallo?«, flüsterte ich, um C. B. nicht zu wecken, der in der anderen Hälfte des Doppelbetts lag.

»Was hast du gerade an?«

»Idiot! Einen einteiligen Pyjama, mein Overall für die Nacht.«

Er lachte. »Ich fand den Abend lustig.«

»Ich auch«, musste ich zugeben.

»Aber ich habe ein Problem.«

»Welches denn?«, fragte ich.

»Mir ist schwindelig«, sagte er.

»Dann setz dich hin, beuge den Kopf zwischen die Knie und …«

»Hör auf! Mir ist deinetwegen schwindelig. Ich wusste, dass das passieren würde, wenn wir uns treffen.«

»Oh«, sagte ich dümmlich und wusste nicht weiter. Solange ich denken konnte, hatten mich Jungs und Männer im Unklaren gelassen, ob sie mich wirklich mochten oder nur höflich waren. Noch nie war einer so deutlich mit der Sprache herausgerückt. »Schön«, sagte ich noch dümmlicher.

»Ja.« Er klang ganz ernst. »Wirklich schön. Was nun? Wollen wir wieder über Star Wars reden?«

Auf alle Fälle! Damit kannte ich mich aus. »Okay.«

Nach einer Stunde Flüstertelefonat setzte C. B. sich auf, warf ein Kissen nach mir und stöhnte: »Du bist also sein kleiner Ewok, er ist dein Luke Skywalker, Darth Vader ist fantastisch und Leia überschätzt. Okay, von mir aus. Hauptsache, du lässt mich jetzt schlafen, du Knalltüte!«

»Wir sehen uns morgen«, sagte Ebbi schnell.

Dann legten wir auf.

Seitdem sind wir ein Paar, weil ich seine etwas schäbige Fassade durchschaute und begriff, dass es eine Riesendummheit wäre, diesen Mann ziehen zu lassen. Schließlich gibt es nicht so viele, bei denen Halbirre wie ich eine Chance haben.

Fünfzehn Jahre später weiß ich, dass Ebenezer Angst vor unserem ersten Treffen hatte und sich deswegen so seltsam benahm. Zu dem Zeitpunkt war er längst in mich verliebt und wusste, dass es mir (noch) nicht so ging. Da er sehr direkt und nicht mal zu einer Notlüge fähig ist, wenn sein Leben davon abhängt (die Sorte Mann, die man nicht fragen darf, ob sie einen zu dick findet), wollte er mich nicht treffen. Er ahnte, dass er sich nur noch mehr in mich verlieben und dann einem Mädchen nachtrauern würde, das in Kansas lebt.

Jetzt kennen Sie sie also: die romantischste Liebesgeschichte aller Zeiten.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Und samstags weckt der Rasenmäher" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen