Logo weiterlesen.de
Und plötzlich gehörst du ihm

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Vorspann
  7. ERSTER TEIL
    1. Kapitel 1
    2. Kapitel 2
    3. Kapitel 3
    4. Kapitel 4
    5. Kapitel 5
    6. Kapitel 6
    7. Kapitel 7
    8. Kapitel 8
    9. Kapitel 9
    10. Kapitel 10
    11. Kapitel 11
    12. Kapitel 12
    13. Kapitel 13
    14. Kapitel 14
    15. Kapitel 15
    16. Kapitel 16
    17. Kapitel 17
    18. Kapitel 18
    19. Kapitel 19
    20. Kapitel 20
    21. Kapitel 21
    22. Kapitel 22
    23. Kapitel 23
    24. Kapitel 24
    25. Kapitel 25
    26. Kapitel 26
    27. Kapitel 27
    28. Kapitel 28
    29. Kapitel 29
    30. Kapitel 30
    31. Kapitel 31
    32. Kapitel 32
    33. Kapitel 33
    34. Kapitel 34
  8. ZWEITER TEIL
    1. Kapitel 35
    2. Kapitel 36
    3. Kapitel 37
    4. Kapitel 38
    5. Kapitel 39
    6. Kapitel 40
    7. Kapitel 41
    8. Kapitel 42
    9. Kapitel 43
  9. Nachwort
  10. Epilog
  11. Stiftung

Über die Autorin

Merel van Groningen verfasste das Buch unter einem Pseudonym. Sie hat sämtliche Kontakte aus diesem dunklen Kapitel ihres Lebens abgebrochen und ein völlig neues Leben begonnen.

Merel van Groningen

Und plötzlich
gehörst du ihm

Gefangen im Netz eines Loverboys

Aus dem Niederländischen von
Axel Plantiko

Vorspann

Als in den Medien immer häufiger von so genannten Loverboys die Rede war, beschloss ich, meine Geschichte zu veröffentlichen. Solch eine Entscheidung trifft man nicht leichtfertig.

Wenn man sich einmal im Spinnennetz eines Loverboys verfangen hat, sieht man selbst keinen Ausweg mehr. Man glaubt, auf sich selbst gestellt zu sein, und hat entsetzliche Angst. Mit meiner Geschichte hoffe ich Mädchen zu warnen. Natürlich geht nicht jeder Loverboy auf die gleiche Weise vor. Dennoch gibt es Übereinstimmungen. Sie verhätscheln einen, sie vermitteln einem ein angenehmes Gefühl, und plötzlich beginnen sie dann, einen zu bedrohen. Sie versetzen einen in derartige Angst, dass man ihnen ausgeliefert ist.

Die Medien vermitteln mir, dass es kein Verständnis für die Opfer gibt. »Man lässt sich doch nicht auf den Strich schicken!«, hörte ich immer wieder. Die Leute sollten mal erleben, was Angst und Scham mit einem anstellen.

Dank des Einsatzes meiner Mutter und der Hilfe des Jugendrichters habe ich mich aus dem Netz befreien können. Viele Menschen haben mich gewarnt, darunter auch meine Mutter, doch das überwältigende Gefühl, das mir vermittelt wurde, war stärker und siegte über meinen Verstand.

Jetzt muss ich mit den Narben leben.

ERSTER TEIL

Es war das erste Mal, seit ich mit Anne befreundet war, dass wir nach der Schule nicht zu den Pferden gingen. Stattdessen wollten wir jemanden besuchen, der vier Hunde besaß. Vier wahnsinnig tolle Hunde, meinte Anne.

Wir brauchten mit dem Fahrrad ungefähr eine Viertelstunde dorthin. Anne redete an einem Stück von den Hunden, zwei ausgewachsene und zwei Welpen. Der junge Mann, dem sie gehörten, hatte nicht genug Zeit, mit ihnen rauszugehen, und sie brauchten viel Bewegung. Komisch, dachte ich, da hat jemand vier Hunde und dann keine Zeit, sie rauszulassen.

»Merel, du darfst es niemandem erzählen«, plapperte Anne weiter, »aber ich bin ein bisschen in den Typen verknallt.«

»Schön«, antwortete ich. »aber warum soll das keiner wissen?«

Plötzlich wurde sie still. Anne blickte vor sich hin und schwieg.

»Anne, erzähl mir, was los ist«, sagte ich.

Sie schaute mich ganz kurz an, so als würde sie sich schämen, dann lachte sie verlegen und schwieg wieder.

»Na gut, dann erzählst du es eben nicht!«

Den Rest der Strecke legten wir schweigend zurück, versunken in unseren eigenen Gedanken. Ich war verrückt vor Neugier, aber ich wollte auch, dass sie es freiwillig erzählte.

Als wir in eine kleine Straße einbogen, sagte sie: »Hier ist es.« Sie stieg vom Fahrrad, ich stieg ebenfalls ab und blieb neben unseren Fahrrädern stehen.

»Es könnte sein, dass eine Frau oder ein kleines Kind die Tür öffnet, du darfst nicht erschrecken«, sagte Anne leise.

»Wieso eine Frau oder ein Kind?«, fragte ich überrascht.

Anne wurde rot und vermied meinen Blick.

»Anne! Jetzt stell dich nicht so an, du musst es mir sagen.« Ich hielt es nicht mehr aus, meine Neugier war inzwischen größer als meine Geduld.

»Also gut«, sagte sie, »aber du darfst es niemandem verraten, auch ihm nicht.«

»Was denn?«, fragte ich genervt. »Dass du in ihn verknallt bist? Stimmt da irgendwas nicht? Anne! Du verschweigst mir etwas, und jetzt will ich endlich wissen, was es ist!«

Wir legten unsere Fahrräder auf den Boden und setzten uns in der Nähe seines Hauses ins Gras. Nicht dass das Wetter dazu eingeladen hätte – schließlich hatten wir erst April –, aber Anne wollte mir ihr Geheimnis erzählen, von dem jungen Mann mit den vier Hunden. Sie würde mir von dem Menschen berichten, der mein Leben innerhalb eines halben Jahres zerstören sollte. Nicht nur mein eigenes Leben, sondern auch das Leben einer Mutter mit einer fünfzehnjährigen Tochter. Das Leben meiner Mutter.

Morgen kommst du direkt von der Schule nach Hause und zeigst mir dein Hausaufgabenheft!«, sagte mein Stiefvater.

»Ja, ja«, motzte ich, »ihr mit eurem ewigen Rumgezeter. Das ist albern!«

»Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Wir hatten eine Vereinbarung!«, rief er mir nach, als ich die Tür zu meinem Zimmer hinter mir zuknallte.

Ja, diese Vereinbarung war noch alberner als die ganzen anderen blöden Regeln, die in unserem Haus galten. Nach der Schule musste ich sofort nach Hause kommen und mein Hausaufgabenheft mit den Aufgaben für den nächsten Tag vorzeigen, das mein Tutor abzeichnete, damit meine Eltern wussten, dass ich die Aufgaben korrekt notiert hatte. Erst wenn ich meine Hausaufgaben erledigt hatte, durfte ich noch kurz zu Anne. Aber da musste ich schon Glück haben, denn um sechs Uhr musste ich schon wieder zu Hause sein. Wenn ich nicht um sechs Uhr zurück war, durfte ich nach dem Essen nicht mehr raus. Was für Regeln, schließlich war ich verdammt noch mal fünfzehn und kein Kind mehr!

»Fang schon mal mit den Hausaufgaben für morgen an«, sagte mein Stiefvater durch die verschlossene Tür. Ich wusste, dass es zwecklos war, mich dagegen aufzulehnen. Ich nahm mir vor, ab morgen einfach die Aufgaben der letzten Woche aufzuschreiben und die Unterschrift meines Tutors zu fälschen. Als wenn es irgendeinen Sinn hätte, zur Schule zu gehen. Ich würde doch sowieso sitzen bleiben. Also konnte ich meine Zeit auch mit schöneren Dingen verbringen.

Ich legte eine CD von Michael Jackson ein, ließ mich aufs Bett fallen und dachte an Anne. Morgen, gleich nachdem das Hausaufgabenheft kontrolliert worden war, würde ich endlich die Hunde und den Mann zu Gesicht bekommen, in den Anne sich verliebt hatte. Nachdem Anne mir ihr Geheimnis erzählt hatte, war nämlich keine Zeit mehr gewesen, ihn zu besuchen, weil ich ja um sechs Uhr zu Hause sein musste. Letztendlich war ich dann doch erst um Viertel nach sechs zu Hause erschienen, was zur Folge hatte, dass ich den ganzen Abend auf meinem Bett herumhängen musste. Meine Mutter sagte, es ließe ihr keine Ruhe, wenn ich später nach Hause käme. Die hatte Sorgen! Es war doch nur eine Viertelstunde gewesen.

Wenn ich so darüber nachdachte, musste ich feststellen, dass es alles andere als kuschelig bei uns zu Hause war. Als mein Stiefvater vor zwei Jahren bei uns einzog, nachdem meine Eltern sich hatten scheiden lassen, hatte er sich alle möglichen blöden Regeln ausgedacht, an die ich mich halten musste. Zum Verrücktwerden! Als meine Eltern noch zusammen waren, haben sie mir nie Schwierigkeiten gemacht. Und jetzt all diese Regeln. Tja, und von meinem Vater war zurzeit auch nichts zu erwarten. Der war viel zu sehr mit seiner neuen Frau und dem Baby beschäftigt. Kurze Zeit hatte ich noch bei ihm gewohnt, bis er eine neue Freundin fand. Plötzlich bekam ich abends Schlafmittel, damit er sicher sein konnte, dass ich sie nicht störte. Ständig meckerte er an mir herum. Jedenfalls konnte ich nicht bei ihm bleiben. Also bin ich doch zu meiner Mutter und meinem kleinen Bruder zurückgegangen, auch wenn mein Stiefvater inzwischen bei ihnen eingezogen war. Seitdem hatte ich überhaupt keinen Kontakt mehr zu meinem Vater, wahrscheinlich gefiel ihm seine neue Familie einfach besser.

Wirklich ungestört war ich nur in meinem Zimmer mit der Musik auf volle Lautstärke und bei den Pferden, zu denen ich jeden Tag nach der Schule mit Anne ging. Doch der nächste Tag sollte etwas völlig Neues bringen.

Nachdem ich Annes Geheimnis kannte, musste ich zugeben, dass ihre Verliebtheit alles andere als unkompliziert war. Der Typ war sechsundzwanzig! Elf Jahre älter als wir. Er hatte kleine Kinder, war geschieden und wohnte zusammen mit seiner Freundin Karin. Dass er Vater war, fand Anne nicht so schlimm, aber dass er mit einer Frau zusammenwohnte … das fand sie nicht so toll.

»Karin ist Krankenpflegerin«, hatte Anne erzählt. »Wenn sie Spätdienst hat, wird er uns wohl mal einladen reinzukommen. Wenn sie zu Hause ist, gibt mir Mike meistens nur die Hunde mit. Dann bleiben wir draußen.«

Allmählich kapierte ich es. Anne, Anne, dachte ich, warum musst du dich ausgerechnet in einen Typen verlieben, der elf Jahre älter ist als du, und noch dazu in einen geschiedenen Vater? Na ja, ich werde ja sehen, was für Hunde wir morgen ausführen werden. Und, was noch wichtiger ist, wie dieser Mike aussieht. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.

Nach einem kurzen Schultag lief ich zum Stellplatz für die Fahrräder. Anne wartete dort schon auf mich.

»Kommst du heute Mittag mit zu Mike?«

»Na klar, ich will mir den Typen doch mal ansehen. Kommst du noch kurz mit zu mir, ich muss meiner Mutter das Hausaufgabenheft zeigen«, fragte ich. »Du weißt doch, wie das bei uns läuft.«

»Gut«, sagte sie, »wann musst du zu Hause antanzen?«

»Um sechs essen wir, dann muss ich zuhause sein.«

»Prima«, sagte Anne lachend, »dann können wir den ganzen Nachmittag mit den Hunden im Park bleiben. Und wenn Karin arbeitet, können wir noch kurz mit Mike was trinken.«

»Okay, lass uns zu meiner Mutter fahren. Danach fahren wir zu deinem Mike«, sagte ich.

Zum Glück fiel meine Mutter auf die gefälschte Unterschrift in meinem Hausaufgabenheft herein. Da sie annehmen musste, dass ich die Aufgaben für den nächsten Tag schon erledigt hatte, waren wir diesmal früh genug bei Mike. Wir klingelten und warteten gespannt, wer uns öffnen würde, Mike oder Karin.

Die Tür ging auf, ein großer junger Mann hatte geöffnet. Ich schätzte ihn auf ungefähr zwei Meter, vielleicht etwas kleiner. Sein muskulöser, breiter Oberkörper zeichnete sich deutlich unter dem engen T-Shirt ab, das er über seinen Jeans trug. Beide Arme schmückten mehrere Tätowierungen, zu viele, um sich ein Bild davon zu machen, was dort genau stand. Er hatte ein fröhliches Gesicht, aber besonders hübsch war es nicht. Er hatte blondes Haar und einen kleinen Schnurrbart, in seinem Mundwinkel steckte eine Zigarette.

Er nahm die Zigarette zwischen die Zähne, als er mit seiner dunklen Stimme fragte: »Hallo, die Damen! Kommt ihr wegen der Hunde oder meinetwegen?«

Anne kicherte nervös, und ich wusste nicht recht, wohin ich schauen sollte. Ich spürte, wie Mike mich von oben bis unten betrachtete, als würde er mich begutachten. Was wollte er von mir? Na ja, Hauptsache, ich werde für gut befunden, dachte ich lässig, denn eigentlich fühlte ich mich ziemlich geschmeichelt.

»Wir kommen wegen der Hunde«, sagte Anne.

Mike ging ins Haus und kam mit vier Hunden an der Leine zurück.

»Oje! Bist du sicher, dass das gut geht, Anne? Nicht, dass sie mich umreißen und mich hinter sich herschleifen«, sagte ich.

»Na, da hast du aber Glück«, sagte Mike. »Karin geht gleich zur Arbeit, dann kann ich mich um deine kaputten Knie kümmern.«

Was sollte ich darauf antworten? War das ein Scherz? Ich war jedenfalls ziemlich durcheinander, als ich Anne in den Park folgte.

»Und, wie findest du ihn?«, fragte Anne als wir unterwegs waren.

»Willst du eine ehrliche Antwort?«

»Natürlich! Sollen wir uns auf eine Bank setzen?«

Ich ging hinter Anne her und ließ mich neben sie auf die Bank fallen. Die Hunde liefen frei herum und schleppten einer nach dem anderen Stöckchen an. Ich schleuderte den Stock dann so weit wie möglich weg, und der Hund rannte hinter ihm her.

»Er wirkt ein bisschen ungehobelt«, sagte ich vorsichtig. Anne verzog keine Miene und starrte vor sich auf den Boden.

»Du meinst, weil er tätowiert ist«, sagte sie.

»Nein. Ich meine seine Ausstrahlung, seine Bemerkungen. Da stimmt irgendwas nicht, Anne. Als wäre er froh, dass seine Freundin zur Arbeit muss, damit er mit den Mädchen flirten kann, die zufällig auch noch mit seinen Hunden an die frische Luft gehen. Ich weiß nicht, was es ist, aber da ist etwas. Warum ist er eigentlich geschieden, weißt du das? Und weshalb leben die Kinder beim Vater und nicht bei der Mutter? Findest du das nicht komisch?«

Anne schwieg kurz. Sie schien darüber nachzudenken, was ich gesagt hatte. Dann schaute sie mich an. »Über seine Frau machen die wildesten Geschichten die Runde. Mike gegenüber darf man gar nicht damit kommen, sonst wird er stinksauer, habe ich gemerkt.«

»Was für Geschichten? Los erzähl, du hast mich neugierig gemacht.« Ich war ziemlich aufgeregt, denn in Wirklichkeit fand ich diesen Mike ziemlich spannend, es war ein richtiges Abenteuer.

»Man kann ihr nicht trauen. Und sie geht mit jedem ins Bett«, sagte Anne plötzlich.

Das musste ich erst mal verdauen. Diese Anne, sie hatte sich nicht einfach in irgendjemanden verliebt! Dieser Typ war total anders als jeder, den ich kannte.

In den Wochen darauf gingen Anne und ich direkt nach der Schule zu Mike. Manchmal führten wir die Hunde aus, und manchmal tranken wir etwas bei ihm, nur so zum Spaß, allerdings nur, wenn Karin arbeiten musste. Ganz selten war Karin zu Hause. Dann machte sie uns die Tür auf und gab uns die Hunde mit. Sie sagte uns, wie froh sie sei, dass wir uns so um die Hunde kümmerten. Sie hatte alle Hände voll zu tun mit den drei kleinen Kindern und außerdem einem anstrengenden Job als Krankenpflegerin.

Eigentlich fand ich Karin ziemlich nett. Nur wenn sie von der Arbeit zurückkam, war sie meistens gereizt. Dann machte sie Mike an. »Hocken die Mädchen schon wieder hier rum? Habt ihr Spaß, wenn ich nicht da bin?«, schimpfte sie, so als seien wir gar nicht anwesend. Irgendwie konnte ich sie verstehen, denn Mike saß einfach nur da und alberte rum, während sich Karin sofort um die Kinder kümmerte. Mike kümmerte sich überhaupt nicht um sie.

Ich war zwar mit vielen Dingen nicht einverstanden, die Mike tat, trotzdem machte er mich ganz schön neugierig. »Wenn du es zu Hause nicht mehr aushältst, kannst du dich jederzeit an mich wenden. Ich werde dir helfen, so gut ich kann«, sagte er öfters zu mir und seine Worte berührten mich, ehrlich gesagt. Ein cooler Typ, der mich beschützte. Das hatte was.

Zu Hause wurde die Situation nicht besser, und es gab immer häufiger Krach. Oft lief ich wütend von zu Hause weg und heulte mich bei Mike aus, ohne dass Anne davon wusste. Ich hatte das Gefühl, endlich jemanden gefunden zu haben, der mich verstand und diese Vorstellung tröstete mich. Wenn Karin von der Arbeit kam, brachte Mike mich wieder nach Hause, da er der Meinung war, dass meine Mutter sich keine Sorgen machen dürfte und wissen sollte, wo ich war. Zum Abschied gab er mir jedes Mal einen Kuss auf die Wange. Danach fiel es mir leichter, den Krach mit meiner Mutter zu ertragen.

»Bist du dabei, dich in Mike zu verlieben?«, fragte mich Anne nach einiger Zeit. Ich versicherte ihr, das sei nicht der Fall. Aber Mikes Haus wurde in gewisser Weise zu meinem sicheren Hafen. Zum Glück verstand Anne das. In der Schule konnten wir es kaum abwarten, zu Mike zu kommen. Dann stellte sich wieder die Frage: War Karin zu Hause, und führten wir die Hunde aus, oder arbeitete sie, und wir würden uns mit Mike vergnügen?

So lief das ein paar Wochen, bis Anne und ich anfingen, uns zu streiten.

Als wir eines Tages zu Mike radelten, erzählte sie plötzlich, dass ihre Mutter ihr verboten hätte, nach der Schule mit mir zu Mike zu fahren.

»Hast du ihr gesagt, dass du verliebt in ihn bist?«, fragte ich.

»Nein«, sagte sie schnell, »wenn sie das erfährt, darf ich überhaupt nicht mehr auf die Straße. Ich habe ihr erzählt, dass wir die Hunde ausführen und dass du ihn sehr nett findest.«

Ich schaute sie wütend an. »Wie kannst du so etwas sagen? Ich bin doch nicht verliebt in ihn, und wenn meine Mutter das mitbekommt, darf ich auch nicht mehr zu Mike. Das ist nicht lustig!« Ich kämpfte mit den Tränen. Wie konnte sie mir das antun? Sie schob die Schuld einfach mir in die Schuhe.

»Weshalb will deine Mutter eigentlich nicht mehr, dass du ihn besuchst?«, fragte ich, wütend wie ich war.

»Sie hat gehört, dass er eine kriminelle Vergangenheit hat, und jetzt meint sie, ich sollte dich warnen.«

Überrascht blickte ich sie an. »Warnen? Wovor? Du hast mich doch zu ihm gebracht, erzähl deiner Mutter gefälligst die Wahrheit. Und sorg dafür, dass nicht irgendwelche komischen Geschichten bei meiner Mutter ankommen, sonst sag ich ihr, wie es in Wirklichkeit aussieht, Anne!«

Stocksauer fuhr ich nach Hause.

»Du kommst aber früh«, sagte meine Mutter. »Waren deine Freunde nicht da?«

»Doch, aber ich muss diese Woche noch jede Menge Hausaufgaben machen«, log ich. Ich ging in mein Zimmer, legte mich aufs Bett und nahm mir vor, mich nie mehr mit Anne zu treffen. Für mich war das keine Freundschaft. Ich hatte alles geheim gehalten, und sie legte mich rein. Das nahm ich ihr wirklich übel.

Es klopfte an der Tür. Meine Mutter. »Da ist jemand für dich am Telefon.«

Im Wohnzimmer griff ich nach dem Hörer und sagte, immer noch mit wütender Stimme: »Ja?«

»Hallo, hier ist Anne«, klang mir ihre Stimme durchs Telefon entgegen. »Bist du noch sauer auf mich?«

Ich antwortete nicht.

»Ich habe meiner Mutter erklärt, dass ich in Mike verliebt war und dass es jetzt vorbei ist. Ich habe versprochen, nicht mehr zu ihm zu gehen.«

»Oh!«, sagte ich überrascht. »Ist das so?«

»Natürlich nicht, Mann!«, hörte ich sie am anderen Ende der Leitung. »Wir gehen einfach heimlich hin.«

»Einverstanden«, sagte ich kühl, »Hauptsache, du ziehst mich nicht in deine Probleme rein.«

»Sehen wir uns morgen?«

»Ja, wir sehen uns morgen in der Schule.«

»Bis dann«, sagte Anne, und wir legten auf. Ich ging auf mein Zimmer und machte mich an meine Hausaufgaben für den Rest der Woche, dann war ich fein raus. Ich bräuchte nur noch die Unterschrift zu fälschen.

Es war ein schöner, sonniger Tag. Eigentlich verlief inzwischen ein Tag wie der andere, doch heute war ein besonderer Tag. Mike hatte uns eingeladen, mit all seinen Freunden im Kanal schwimmen zu gehen. Anne und ich fuhren so schnell wir konnten nach Hause, um unsere Schwimmsachen zu holen. Danach radelten wir zu Mike, von wo es zum Kanal gehen sollte.

Um halb zwei standen wir bei ihm vor der Tür. Niemand öffnete. Wir fürchteten, dass aus dem Schwimmabenteuer nichts werden könnte, und fragten uns, wo Mike abgeblieben sein könnte.

»Er ist hier!«, hörten wir jemanden aus einem Fenster im vierten Stock des gegenüberliegenden Hochhauses rufen. Es war der Nachbar, wie Mike ihn zu nennen pflegte. Wenn er alleine war, ging er immer ein Bier bei ihm trinken. Noch bevor wir antworten konnten, war Mike nach unten gekommen und schnappte sich schnell sein Fahrrad.

Auf dem Weg zum Kanal fragte ich ihn, weshalb er kein Auto hatte.

»Ach«, sagte er ruhig, »ich hab den Führerschein abgeben müssen. Ich hatte zu viel getrunken, und sie haben mich mal wieder erwischt. Ist auch egal, sie haben mir schon so viele Geldstrafen aufgebrummt. Ich hab nicht eine bezahlt, und was ist passiert? Du siehst ja, ich laufe immer noch frei herum. Außerdem kann ich auch ohne Führerschein ein Auto fahren. Ich fürchte nur, irgendwann werd ich mal wegen all der Bußgelder in den Knast müssen, aber das erfahre ich schon noch früh genug.«

Cool, dachte ich, dieser Mike ist wirklich knallhart. Dass er sich das alles traut, der hat wirklich vor niemandem Angst.

»Es gefällt mir überhaupt nicht, dass Mike die ganze Zeit neben dir gefahren ist«, sagte Anne, als wir nebeneinander auf unseren Handtüchern lagen.

»Anne, ich kann ihm doch schlecht sagen, dass er neben dir fahren soll. Das musst du schon selber regeln«, antwortete ich irritiert.

»Ich glaube, er findet dich ziemlich nett«, sagte sie ein wenig enttäuscht.

Ich musste lachen. »Dann hat er Pech gehabt, denn ich finde ihn nur als Freund nett, und außerdem gibt es da ja wohl auch noch Karin, oder?«

Von Mike sahen wir wenig an diesem Nachmittag. Nur wenn einer seiner Freunde zu uns kam, um ein bisschen zu quatschen, ließ er sich kurz blicken.

»Er ist eifersüchtig«, witzelten seine Freunde. »Mike ist total verrückt nach dir.«

»Siehst du, ich hatte Recht«, sagte Anne schnippisch, als uns niemand hören konnte. Ich konnte verstehen, dass sie so reagierte, aber ich fühlte mich auch geschmeichelt. Mike spielte eine Führerrolle in der Gruppe. Und der Anführer fand mich nett! Das gab mir das Gefühl, alles schaffen zu können und vor nichts Angst haben zu müssen. So phantastisch hatte ich mich seit Langem nicht gefühlt – vielleicht auch noch nie.

So gegen fünf Uhr fuhren wir zu dritt zurück zu Mike. Wir redeten über Gott und die Welt. Es faszinierte mich, wie Mike gleichzeitig rauchen und sprechen konnte. Nachdem wir bei ihm zu Hause angekommen waren, blieben wir noch eine Weile stehen und quatschten. Mike stand im Türrahmen, und wir hingen auf unsere Fahrradlenker gelehnt vor der Tür rum.

»Anne!«, hörten wir plötzlich jemanden laut rufen. Wir zuckten zusammen. Die Stimme kannten wir. Hinter den Büschen stand Annes Mutter.

»Du kommst auf der Stelle mit!«, schrie sie wütend. Mit großen Schritten kam sie auf uns zugelaufen und packte Anne am Arm. Als sie an mir vorbeikam, zischte sie mir leise ins Ohr: »Anne hat dich so gewarnt, und du schleppst sie trotzdem mit hierher? Ich will nicht, dass ihr euch noch seht. Du ziehst sie mit ins Verderben.«

Total entgeistert starrte ich ihnen hinterher. Ich blieb wie angewurzelt stehen, bis sie nur noch kleine Punkte waren.

»So«, sagte Mike, »die sind wir glücklich los. Eine dumme Göre ist die, mein Gott! Ein echtes Baby! Ich kapiere nicht, wie du mit der befreundet sein kannst. So eine Zicke!« Er merkte, wie überrascht ich war, und legte mir einen Arm um die Schulter. »Möchtest du was trinken?«, fragte er, und wir gingen ins Haus.

Was für eine verrückte Situation. Anne hatte Mike so nett gefunden, und er wollte sie lieber heute als morgen loswerden. Eigentlich hatte er Recht, was Anne anging. Zu Hause hatte sie nie die Wahrheit erzählt, und jetzt wurde mir die ganze Schuld in die Schuhe geschoben. Ich war enttäuscht von Anne und gleichzeitig traurig, weil ihre Mutter ein falsches Bild von mir hatte. Nein, das alles gefiel mir gar nicht.

Wir saßen schon eine ganze Zeit schweigend nebeneinander auf dem Sofa und starrten vor uns hin.

»Du kommst mich doch noch besuchen, auch wenn Anne nicht mehr kommen darf?«, fragte Mike und legte einen Arm um mich.

»Ich finde dich wirklich nett, und ich finde es auch schön, hier zu sein, aber mehr ist es nicht«, sagte ich abwehrend.

Mike lachte und griff nach einer Zigarette. »Du auch eine?«, fragte er. Ich nickte. Lässig steckte er sich zwei Zigaretten zwischen die Lippen und zündete sie mit dem Feuerzeug an. Während er mir eine gab, sagte er: »Für mich bist du einfach eine Wahnsinnsfrau, mehr nicht.«

Ich musste lachen. War das ein Kompliment? Eine Wahnsinnsfrau … Herzlichen Dank, dachte ich, hoffentlich erwartest du von mir nicht, dass ich dich für einen Wahnsinnstypen halte.

Nach einer knappen halben Stunde hatte ich genug von Mike, und ich fuhr nach Hause.

Ich wusste, dass mir zu Hause einiges bevorstand, denn ich kam wieder mal zu spät zum Essen. Ich brachte mein Fahrrad in den Schuppen, ging langsam die Treppe hinauf, steckte den Schlüssel ins Schloss und bereitete mich innerlich auf das Schlimmste vor. Ich rechnete mit einer Woche Stubenarrest oder so was. Na ja, das würde ich überleben.

»Hallo!«, rief ich, als ich die Wohnung betrat.

»Dein Essen ist im Kühlschrank, du kannst es dir selbst warm machen!«, erwiderte mein Stiefvater. Ich ging in die Küche, holte das Essen aus dem Kühlschrank und wärmte es in einer Pfanne auf. Meine Mutter kam mit geröteten Augen in die Küche. Ich schaute sie überrascht an.

»Was ist denn mit dir los?«

»Wie konntest du so etwas nur tun?« Ihre Stimme zitterte.

»Was habe ich denn jetzt schon wieder angestellt?«, fragte ich gereizt.

»Annes Mutter hat angerufen«, sagte sie.

»Aha, und was hatte sie zu berichten?«

»Sie meinte, dass ihr euch mit einem Kriminellen abgebt.« Sie klang bereits etwas ruhiger.

»Mama, das ist doch nur Klatsch, Mike war früher vielleicht nicht gerade ein Musterknabe, aber er hat ein neues Leben begonnen«, versuchte ich sie zu beruhigen. »Meinst du nicht, dass man ihm eine zweite Chance geben sollte?«

Meine Mutter seufzte. »Sie hat mir erzählt, dass du verliebt in ihn bist und dass Anne dich noch vor ihm gewarnt hat, du aber nicht hören wolltest. Sie hat Anne verboten, Mike noch einmal zu besuchen«, fuhr sie fort, »und du hast sie dazu überredet, trotzdem mitzugehen.«

»Ach ja!«, sagte ich wütend. »Die spinnt doch, sie legt sich die Wahrheit zurecht, wie es ihr gerade passt.«

»Aha, und wie sieht die Wahrheit deiner Meinung nach aus?«, sagte mein Stiefvater, der inzwischen auch in die Küche gekommen war.

»Anne ist in ihn verliebt«, verteidigte ich mich, »aber als ihre Mutter dahintergekommen ist, hat sie ihr erzählt, ich wäre in ihn verliebt. Sie hat gehofft, ihn auf diese Weise weiter besuchen zu dürfen. Aber ihre Mutter wollte nichts davon wissen, und dann ist sie einfach heimlich hingegangen, und ihre Mutter hat sie dabei erwischt. Ich weiß auch erst seit gestern, dass Anne mir die ganze Zeit die Schuld gegeben hat. Für mich ist unsere Freundschaft gestorben«, sagte ich aufgebracht.

Für einen Moment schwiegen beide.

»Und du meinst, dass wir dir das abnehmen?«, sagte mein Stiefvater leise.

»Warum glaubt ihr Annes Mutter und mir nicht?« Ich wurde immer wütender.

»Dreimal darfst du raten«, sagte meine Mutter. »Sonderlich ehrlich bist du in letzter Zeit schließlich nicht gewesen. Deine Schule hat angerufen, dass du dich einen Dreck um deine Hausaufgaben kümmerst, dass du dich deinen Mitschülern gegenüber total herablassend verhältst und dass du dieses Jahr wieder sitzen bleibst und deshalb von der Schule musst.«

Gut, dachte ich, das kann sich sehen lassen. Aber ich hatte auch einiges dafür getan. »Na gut, und jetzt?«, fragte ich.

»Deine Mutter und ich haben den ganzen Nachmittag darüber nachgedacht, welche Lösung die beste ist«, fuhr mein Stiefvater fort. »Mit uns hast du jeden Tag Krach, in der Schule will man dich nächstes Jahr nicht mehr haben, und bei deinem Vater kannst du nicht wohnen, das ist schon mal in die Hose gegangen. Also haben wir Kontakt mit einem Internat aufgenommen. Dort findet nächste Woche ein Aufnahmegespräch statt, bis dahin kannst du bei Paula wohnen«, sagte er, ohne Luft zu holen.

Bei Paula zu wohnen gefiel mir. Sie war seit Jahren mit meiner Mutter befreundet, und sie hatte zwei kleine Kinder, auf die ich manchmal aufpasste. Aber ein Internat? Damit hatte ich nicht gerechnet.

»Natürlich nur auf freiwilliger Basis«, sagte meine Mutter in dem Versuch, die Mitteilung ein wenig abzumildern.

Ich starrte auf mein Essen in der Pfanne und rührte mit einer Gabel darin herum. Der Appetit war mir schlagartig vergangen. Was für ein Tag. Erst Anne, und jetzt meine Eltern mit diesen Neuigkeiten.

»Interessiert euch nicht, was ich davon halte?«, fragte ich.

»Nein«, antwortete mein Stiefvater. »Darüber wird nicht diskutiert. Wir haben es so entschieden, und so ziehen wir es durch, zu deinem eigenen Besten.«

»Okay«, sagte ich, »aber dann gehe ich noch heute Abend zu Paula.«

Die Woche bei Paula erschien mir wie Ferien. Da sowieso das Gespräch im Internat anstand, brauchte ich nicht mehr zur Schule zu gehen, und Paula machte überhaupt keinen Stress. Wenn ich nicht mit essen wollte, genügte eine einfache Mitteilung. Ich musste auch nicht wirklich früh zu Hause erscheinen, meistens erst so gegen zehn Uhr. Also hing ich viel bei Mike rum.

Von Anne hörte ich nichts. Wahrscheinlich lag das daran, dass wir uns nicht mehr in der Schule sahen. Ich fand, sie hätte sich wenigstens mal bei mir melden können. Schließlich hatte sie Mike heimlich besuchen können, da sollte es doch auch kein Problem sein, mich mal anzurufen. Aber sie tat es nicht. Unsere Freundschaft konnte ihr nicht viel bedeutet haben, fand ich, und ich fühlte mich ausgenutzt.

Der Tag des Gesprächs im Internat war gekommen, und das bedeutete, dass ich auch meine Mutter und meinen Stiefvater wiedersehen würde. Ich merkte, wie entspannt ich in dieser Woche bei Paula gewesen war, offensichtlich hatte ich Gelegenheit gehabt, mich von all den Streitereien und Spannungen zu erholen.

Sie warteten im Auto auf mich. Wir waren ziemlich lange unterwegs. Das haben sie gut hingekriegt, dachte ich. Das Internat ist so weit weg, dass sie mich endlich los sind, wenn ich erst mal da bin. Nach zwei Stunden Fahrt bogen wir endlich in einen Weg ein, der quer durch einen Wald führte. Die Umgebung gefiel mir. Hinter einer Kurve war eine große Rasenfläche, um die sechs kleine Häuser gruppiert waren. Dazwischen lag ein großes Schulgebäude mit Turnhalle, auf dem Rasen standen verschiedene Spielgeräte.

Wir stellten das Auto auf dem Parkplatz neben einem anderen, noch größeren Gebäude ab. Ich stieg aus und sah ein Mädchen und zwei Jungen aus einem der kleineren Häuser kommen und zur Schule gehen. Sie sangen laut ein Lied aus den Charts. Langweilig war es hier wohl nicht, dachte ich. Wenn alle so fröhlich waren, könnte ich mich hier wohlfühlen.

Wir gingen die Treppe zu dem großen Gebäude hinauf und setzten uns auf die Stühle, die in der Halle standen. Hier war ziemlich viel los, und ab und zu grüßte uns jemand freundlich. Nach einiger Zeit holte uns ein Mann ab, der uns in ein kleines Zimmer führte. Jede Menge Stühle standen um einen großen Tisch, auf dem Kaffee- und Teekannen bereitgestellt waren. Auf dem Boden lag ein großer Hund und schlief. Ich lief sofort zu ihm und sagte begeistert: »Oh, was für ein schöner Hund, so einen hat Mike auch! Wie heißt er?«

»Das ist Mara, und ich heiße Piet«, antwortete der Mann und gab uns allen die Hand. »Ich bin hier Gruppenleiter, und wenn ich Dienst habe, nehme ich meinen Hund immer mit. Wo Mara ist, da bin auch ich, und wo ich bin, ist Mara«, fügte er in einem Atemzug hinzu.

Was für ein netter Mann, dachte ich, er ist wirklich in Ordnung. Wenn die hier alle so sind, brauch ich mich nicht zu beklagen.

Wir setzten uns auf die Stühle und tranken Kaffee, während sich noch zwei weitere Männer zu uns setzten.

»Hallo, ich heiße Jan Smeeds, ich bin der Direktor«, sagte der eine Mann und begrüßte uns mit Handschlag.

»Ich bin der Sozialarbeiter des Internats«, sagte der andere Mann und gab uns ebenfalls die Hand.

»Wir werden dir kurz erklären, wie das hier im Internat läuft, und danach kannst du uns etwas über dich erzählen«, sagte Jan, der Direktor.

»Dann lasst uns anfangen«, sagte ich.

Jan, der Direktor, war ein großer, dicker Mann, er strahlte große Ruhe aus und sprach mit leiser Stimme. Das Gespräch fesselte mich nicht gerade, ich fand alles sehr kompliziert. Nur was mich interessierte, drang zu mir durch. Statt also weiter zuzuhören, beobachtete ich die Leute am Tisch. Den Sozialarbeiter konnte ich überhaupt nicht einschätzen. Er stierte ständig auf seine Papiere, und wenn er etwas sagen musste, war es, als würde er alles ablesen. Die Haare standen ihm wild vom Kopf ab. Ich schätzte, dass er ungefähr fünfunddreißig war.

Jans sanfte Stimme holte mich wieder in das Gespräch zurück. Er sagte: »Jeder kommt freiwillig hierhin. Wenn die Eltern mit den Bedingungen einverstanden sind, der Jugendliche aber nicht, nehmen wir ihn nicht auf. Wenn wir also jemanden aufnehmen, dann nur auf Wunsch beider Seiten.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Und plötzlich gehörst du ihm" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen