Logo weiterlesen.de
Und ewig küsst mich Dornröschen wach

Wolfgang Paul

Und ewig küsst mich Dornröschen wach

[Vorabinformation]

Entgegen der Annahme, dieses Buch sei vielleicht ein Märchenbuch für Erwachsene, handelt es sich doch vielmehr um das Hauptgericht „Leben im ewigen Murmeltiertag“ – und einer speziellen Rezeptur aus sehr folgenschweren Zutaten! Für Haupt- und Nebenw irkungen, fragen Sie bitte nicht Ihren Arzt oder Apotheker, es sei denn, er kennt sich gut im Genre Humor aus.

Der Autor

Im schönen Köln am Rhein aufgewachsen, lebte der Autor Wolfgang Paul über 25 Jahre in seiner Heimatstadt, bevor er seine Frau kennenlernte und in die Fremde, nach Wuppertal zog. Aktuell lebt das Ehepaar in einem Dorf, nahe Wermelskirchen, der jetzigen Wahlheimat des Autors. Seit 34 Jahren ist er nun verheiratet und stolzer Vater eines gemeinsamen, erwachsenen Sohnes. Neben dem Schreiben zählt das Erlernen von Sprachen und Sport zu seinen liebsten Hobbys. Die Familie und Freunde war und ist jedoch immer noch der Mittelpunkt seines Lebens.

Kontaktadressen des Autors:

https://autor-wolfgang-paul.jimdofree.com/

wolfgang .paul-autor@web.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 – Aller Anfang ist schwer

Kapitel 2 – Immer wieder montags

Kapitel 3 – Büroalltag ohne Grenzen

Kapitel 4 – Freizeit mit Grenzen

Kapitel 5 – Nur zweisam gemeinsam

Kapitel 6 – Der Morgen danach

Kapitel 7 – Wochenend / Sonnenschein

Kapitel 8 – Das Erwachen der Macht

Kapitel 9 – Die wahren Freunde

Kapitel 10 – Lauter nette Nachbarn

Kapitel 11 – Im Restaurant

Kapitel 12 – Die goldene Anstecknadel

Kapitel 13 – Die Männergrippe

Kapitel 14 – Bin ich noch zu retten?

Kapitel 15 – Abschied einer Fritteuse

Kapitel 16 – Unmöglicher Urlaub

Kapitel 17 – Mutter ruft an!

Kapitel 18 – Kleine und große Kinder

Kapitel 19 – Die Autoversicherung

Kapitel 20 – Hilfe, Familie!

Kapitel 21 – Ausflug der Rollatoren

Kapitel 22 – Auch Helden weinen

Kapitel 23 – Die Amtsbescheinigung

Kapitel 24 – Campen ohne Ende

Kapitel 25 – (K)ein Dialog

Kapitel 26 – Der Meisterkunde

Kapitel 27 – Möge der Strom mit dir sein (Part I)

Kapitel 28 – Möge der Strom mit dir sein (Part II)

Kapitel 29 – Der leise Fall der Schneeflocken

Epilog

Danksagung

Vorabinformation

Entgegen der Annahme, dieses Buch sei vielleicht ein Märchenbuch für Erwachsene, handelt es sich doch vielmehr um das Hauptgericht „Leben im ewigen Murmeltiertag “ – und einer speziellen Rezeptur aus sehr folgenschweren Zutaten.

Man nehme:

ein komplettes Paket Humor

ein wenig Ironie

eine Prise Sarkasmus

eine Menge vieler frei erfundener Darsteller

und streue eine kleine Prise des realen Lebens ein …

Anleitung:

Dann mische man das Ganze so lange gut durch, bis die Konsistenz dem Leser ein schmackhaftes Vergnügen bereitet.

Lertig!

Ob Sie dann vom Dornröschen wachgeküsst werden oder welche weiteren Nebenwirkungen auftreten könnten, bleibt (wie bei jeder Rezeptur) abzuwarten.

Wohl bekomm ‘s!

Für meine Frau Ute
und 35 wundervode Jahre.

Humor ist eine Zutat,
die man unverdünnt
in jeder Dosis
zu sich nehmen kann

Wolfgang Paul

Vorwort

Dieser ewige Kreislauf des Lebens. Jeden Morgen in einen weiteren Murmeltiertag starten.

Tagesablauf abspulen, mein Bestes geben, mich körperlich in Schwung halten, ein wenig Zeit mit den Freunden und der Familie verbringen, wenn denn überhaupt noch welche übrig sind. Abends geht es wieder ab in die Ruhe- und Denkerstätte, damit das Murmeltier dich am nächsten Morgen wieder exakt an derselben Stelle abholt, an der es dich erst gestern zu Bett geleitet hatte.

In was für einen Schlamassel bin ich da eigentlich reingeraten?

Leider bin ich nicht als „Vatis Millionärssohn“ zur Welt gekommen. Mutti subventionierte mich maximal und allein mit Muttermilch und einer guten Erziehung. Beide Elternteile zusammen vererbten mir zumindest einen begrenzten Verstand, denn so vieles ist für mich nach wie vor einfach nicht zu verstehen. Vielleicht hätte ich früher in der Schule doch besser aufpassen sollen.

Der Verhaltenspsychologe Maslow sprach von den Phasen der Selbstverwirklichung im Leben aller Personen, wobei – nach vorrangiger Erfüllung der Grundbedürfnisse – irgendwann einmal und im optimalen Falle sogar genau eine solche Selbstverwirklichung erreicht werden könne. Also ist es egal, ob man sich im Hamsterrad des Lebens gefangen fühlt oder nicht? Man sollte sich darüber wohl auch noch freuen? Selbstverwirklichung sei schließlich die höchste, erreichbare Stufe überhaupt – so Maslow.

Ich aber sage: Es gelingt mir beim besten Willen nicht, diese Freude zu teilen. Da können sämtliche Verhaltensforscher noch so schöne Statistiken anfertigen, um mir mein Glück und das Glücklichsein verkaufen zu wollen. Ich habe vergeblich nach einer Website gesucht, um den Herrschaften die Mangelhaftigkeit ihrer Systematik erklären zu können. Nur allzu gerne hätte ich mich beschwert.

Und überhaupt, wenn ich noch einmal „Und täglich grüßt das Murmeltier“ sehen muss, werde ich doch darüber nachdenken müssen, ob meine Faust nicht vielleicht in das Gesicht des besagten ewigen Wiederkehrers passt. Das Murmeltier geht mir nämlich derart auf den Sack, wenn ich das so sagen darf.

Dass ich bisher alles so gut ertragen habe, muss ich mir persönlich hoch anrechnen. All das, was meine Mitmenschen mit ihrem Verhalten oder ihren Äußerungen auf meine fleischliche semipermeable Feinfühligkeitswand, mein sogenanntes „dickes Fell“, geschossen haben. Alles, was daraufhin ungewollt in mein Innerstes vorgedrungen ist. Gut, dass ich das mal gesagt habe. Wer weiß, wie lange ich noch auf ein solches Lob gewartet hätte!

Ich will nur alle, die mich bereits zu kennen glauben, wissen lassen,: Ich habe bisher immer versucht, mein Bestes zu geben. Das werde ich im Folgenden ausreichend verdeutlichen.

Selbst im Hamsterrad immer das Bestmögliche zu leisten, ist schon mal etwas. Denn mancher Weg erscheint oftmals viel zu lang. So, als befände man sich auf einem Endloslaufband. Und wer weiß, wer noch so an der Uhr des Lebens gedreht hat. Denn die dreht sich seit einiger Zeit nun deutlich schneller. Schwer verdauliche Kost für einen Hobby-Zeitmanager, wie ich es bin.

Und meint der vermeintliche Zeitenbeschleuniger wirklich, ich hätte nicht gemerkt, dass die Zeit sich nicht nur schneller dreht, sondern auch, dass immer mehr in diese immer kürzer werdende Lebensdauer hineingepackt wird?

Da, wo vieles gerade mal angefangen hat, endlich beschaulicher in meinem Leben zu laufen, nehmen andere Dinge erst recht Fahrt auf. Alles in allem kann das doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Ich werde und muss der Sache auf den Grund gehen.

Damals hätte ich noch mithalten können, schließlich war ich sogar über zwei Zentimeter größer als heute und hätte noch größere Schritte machen können. Nun laufe ich im Hamsterrad mit meinen kürzeren Beinen aber sogar noch schneller. Ich muss. Und was sich da so körperlich alles verändert … ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was nützen mir die größer werdenden Ohren, wenn ich all das unausstehliche Gezeter meiner mehr oder weniger geliebten Mitmenschen doch gar nicht hören will? Und, welchen Zweck auf einmal diese vielen Sommersprossen auf meiner Haut haben sollen, das muss mir auch noch jemand erklären. Altersflecken sollen das sein? Pah. Wofür sollen die denn stehen? Für all meine Schandtaten oder wohl eher für die vielen Dummheiten, die man im Leben begangen hat?

Die poppen mittlerweile in solchen Massen auf, dass Pippi Langstrumpf puren Neid verspürt hätte.

Mir gelingt es überhaupt nicht, auch nur annähernd plausible Antworten auf all meine offenen Fragen zu finden. Noch mehr wundert es mich für so manch einen, dass nicht doch eine höhere Intelligenz für einen kurzen Moment die Schwerkraft aufhebt und schwupp: „wech is‘ er oder die.“

Damit hätte er oder sie einem anderen Mitmenschen viel Leid und Kummer erspart und gleichzeitig viel Freude gebracht. Nur schlecht ist es, wenn man in den Augen dieser anderen Menschen selbst derjenige ist, den alle gerne entsorgt sehen würden.

Trotzdem – ich bin mir ziemlich sicher, dass es diese überirdische Intelligenz geben muss. Davon ist beinahe sicher auszugehen, wenn man sich so einige dieser menschlichen „Was-auch-immer hier auf Erden“ ansieht. Leider bin auch ich einer von ihnen. Aber eine Sache ist klar: Wir drehen uns nur allzu schnell im Hamsterrad des Lebens, sich nur einen kurzen Schlaf gönnend und immer wieder mit jedem Tag neu startend. Begleitet von so vielen Hindernissen, die von Leuten erzeugt werden, die diese Welt nun wirklich nicht braucht. Auf den ersten Blick macht es zumindest den Eindruck.

Da muss doch selbst Gott, wenn es ihn tatsächlich geben mag, eine gehörige Portion Humor gehabt haben. Oder war es eher sein Sarkasmus, uns das einst so einfache Leben mit etwas Stimmungsmache versüßen zu wollen?

Für mich wirken unsere Mitmenschen viel eher wie Schläfer. Denn die meisten wollen sich gar nicht am Stück an dieser göttlichen Lebenskomödie beteiligen. Sie befinden sich vielmehr in einer Art Langzeitschlaf. Vielleicht warten sie darauf, vom hübschen Dornröschen oder einem Traumprinzen täglich wachgeküsst zu werden.

Eher aber wird vielen unserer hoffnungslosen Zeitstatisten am Ende dann doch nur die Hammerschlagmethode helfen.

Der Irrsinn des Lebens scheint also nicht nur andere, sondern auch mich getroffen zu haben!

 

Drei Dinge helfen,
die Mühen des Lebens zu tragen:
die Hoffnung,
der Schlaf und
das Lachen

Immanuel Kant

Kapitel 1 – Aller Anfang ist schwer

Ich habe es gewusst. Selbsterfüllende Prophezeiung oder soll ich einfach weniger poetisch sagen: so ne‘ Kacke. Der Wecker klingelt schon wieder. Das muss nun zum vierzehntausendsechshundertsten Mal sein. Und bevor jetzt jemand tatsächlich den Taschenrechner hervorkramt: Es sind genau vierzig Jahre.

Als wenn es mit jeder Wiederholung besser werden würde, das morgendliche Aufstehen. Man könnte glatt schreien vor Glückseligkeit. Nee. Eigentlich hasse ich diesen Wecker. Dieses ekelhafte digitale Ding. Ich hasse meinen Wecker dafür, dass er die Frechheit besitzt, sich nicht mal (digital wie er ist, mit all seinem Funktionsschnickschnack, das der Verkäufer mir so angepriesen hat) an meine Schlafbedürfnisse anzupassen. Nein, das teure Ding besitzt null Komma null Feingefühl. Nichts von dem, was moderne Technik heutzutage können sollte, Empathie übernehmen oder ähnliches. Meinem Wecker ist davon rein gar nichts in seine digitale Feinfühligkeitsplatine einprogrammiert worden.

Er ist einfach ein ganz unsensibles Ding. Tatsächlich überlege ich gerade, ihn einfach mal nicht mit neuer Energie aus dem Stromnetz zu betanken. Strafe muss sein. Basta!

Und während ich noch auf der Bettkante sitze und meine Socken suche, muss ich feststellen, dass die verstreut im dunklen Raum liegen. Alles deutet auf den missglückten Versuch hin, sie vor dem Zubettgehen ordentlich hinlegen zu wollen. Ich erinnere mich, übel auf dem Boden weggerutscht zu sein, die Socken in alle Richtungen fliegend …

Genau, so war es! Ich rutschte vor dem Bett aus und schlug mit dem Kopf auf den Boden, wurde kurz ohnmächtig und bin irgendwann auf dem eisigen Boden und vor Kälte zitternd zu mir gekommen – und daraufhin wohl halbbenommen ins Bett geklettert. Ich ziehe mir nun die Socken, endlich aus den verschiedenen Ecken des Zimmers zusammengeklaubt, gemächlich an. Einer lag hinter dem Wäscheständer, der andere unter dem Bett. Mein Blick fällt eher rein zufällig auf das Thermometer vor dem Fenster: 21° Celsius. Frühling.

Verdammt, vielleicht muss ich mir einfach nur mal merken, wohin ich meinem Kram lege. Dann kann ich mir die eigens so fein konstruierten abenteuerlichen Ausreden sparen. Und wie immer geht es als nächstes ins Bad. Zum üblichen Hygieneprogramm.

Allein das Wort macht einem schon Angst, denn es lässt jeden unbescholtenen Menschen wissen, dass nun ein größeres Pflegeprogramm folgt. Duschen? Check. Achselspray? Check. Ankleiden? Mist! Hose falschherum angezogen. Wieder ausziehen, umdrehen, neu anziehen. Check! Hemd anziehen … geht nicht. Es muss wohl eingelaufen sein, denn es passt auf einmal nicht mehr. Na, das wollen wir doch mal sehen.

Nach gut 7 Minuten und 35 Sekunden hat nicht nur das Hemd nachgegeben, sondern auch diverse Knöpfe. Egal, man trägt heute leger, denke ich. Check.

Zähne putzen, bis die Zahnbürste vibriert, um mir zu sagen, dass ich die Zeit eingehalten habe. Vielleicht könnte die meinem Wecker mal was beibringen. Und überhaupt, wenn sich hier schon so viele elektrische Geräte befinden, warum können die sich nicht mal zur Schwarmintelligenz zusammentun? Okay, weitermachen. Rasieren. Äh, der Rasierer ist leer. Akku auf null Prozent? Hatte ich den etwa auch schon für irgendein Vergehen bestraft und vom Strom getrennt? Gut, dann Akkurasierer laden, Nassrasierer raus. Analoges Rasieren geht schließlich auch.

Kaum angefangen mich mit der Klinge zu rasieren, sehe ich schon verdächtiges Rot unter dem weißen Schaum hervorblitzen. Es zeichnet sich in solch einem schönen Kontrast ab, dass man fast poetisch werden könnte. Es sei denn (und das ist die einzige Ausnahme), einem wird bei solchem Blutverlust schummrig vor Augen. In diesem Fall kann man die Farbenvielfalt leider überhaupt nicht mehr genießen.

Wenn ich jetzt ohnmächtig nach hinten auf die gekachelte Auslage falle, so denke ich noch gerade, habe ich wenigstens schon mal die Socken an. Aber es geht alles gut. Ich kann die Blutung stoppen.

Auch wenn sich kurzzeitig die Notrufnummer 112 glasklar auf meine Pupille gebrannt hatte, ich hätte sie bei dem Verlust meines Lebenssaftes wahrscheinlich nicht mehr wählen können. Ich stelle nun zudem erleichtert fest, dass kein Nähzeug für die große Wunde genommen werden musste. Jetzt wollte ich es erstmal, risikofreudig wie ich bin, mit einem simplen Pflaster versuchen. Denn nach einer „Näh-Nummer auf Rambo-Art“ war mir heute Morgen nun wirklich nicht. Ich hatte ja noch nicht mal gefrühstückt.

Da ich das Licht im Bad schon vorher eingeschaltet hatte, sah ich nun noch ein weiteres und überhaupt nicht einkalkuliertes Pflegeprogramm auf mich zukommen.

Als ich den Vergrößerungsspiegel meiner Schminkmeisterin in die Hand nehme, erschrecke ich erneut. Was wuchs denn da aus meiner Nase heraus? Das sah ja schlimmer aus als die Augenbrauen von Theo Weigel, den man in Fachkreisen „die Augenbraue“ nannte. Der Nasentrimmer, so stellte ich erleichtert fest, war geladen und nahm seine Aufgabe kreischend laut wahr, nachdem ich erstmal mit der Nagelschere die wallende Pracht zurechtgestutzt hatte. Kurz hatte ich noch überlegt, ob die Menge an Haaren für eine Echthaarspende ausreichen würde und wohin ich sie zu schicken hätte, aber die Zeit drängte nun derart, dass ich diesen Geschäftsgedanken dann doch wieder verwarf. Das Hygieneprogramm musste endlich zum Abschluss gebracht werden. Bis ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Problem urplötzlich auftauchte.

Auch wenn die Ohren seitlich etwas versteckt am Körper anliegen, war deutlich zu sehen, dass irgendwas aus ihnen heraushing. Schnell die Brille angezogen, erkannte ich erschrocken, dass selbst aus den Ohren nun dicke, unansehnliche Haarbüschel ragten.

Diese beträchtliche Menge an Haaren, die nun an all diesen Stellen so überdeutlich wuchsen – wo sie weder erwünscht, noch in irgendeiner Weise sinnvoll waren – stellten wohl die Summe jener Haare dar, die mir mittlerweile auf dem Kopf fehlten.

Als ich jetzt auf den Wecker sah, stellte ich schockiert fest, dass ich es vielleicht gerade noch zur Frühstückspause auf die Arbeit schaffte, würde ich mich jetzt wirklich beeilen.

Wenn das so weiterging mit diesem Hygieneprogramm und noch weitere, unerwartete Auswüchse dazukämen, benötigte ich wohl über kurz oder lang eine Haarentfernungshilfe. Die müsste dann extra eingestellt werden.

Kapitel 2 – Immer wieder montags

Nach einer erschöpfenden Enthaarung, die mich wohl bestimmt gut über 400 kcal gekostet hatte, überlegte ich schon, ob ich heute Nachmittag überhaupt noch ins Sportstudio fahren sollte. Ich wollte mir noch etwas Zeit lassen mit meiner Entscheidung. Wichtiger war es, jetzt erst einmal zur Arbeit zu fahren. Schon, als ich in die Garage ging, beschlich mich ein unangenehmes Gefühl. Eine seltsame Vorahnung. Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich ein elektrophiler Mensch bin, eine regelrecht von der Elektrik infizierte Person. Wie sich das äußert? Also erst einmal bin ich der Besitzer eines noch recht neuen Hauses, ausgestattet mit der maximalen Größe an Photovoltaikplatten, die auf das Dach in Südausrichtung noch gerade so gepasst haben. Südausrichtung für die maximale Ausbeute an Sonnenenergie, versteht sich von selbst. Nebst einer Speicherbatterie, die nicht nur immens viel Geld gekostet hat, sondern unseren Eigenverbrauch sogar noch deutlich steigern soll.

So zumindest das Konzept. Aber, wenn man schon einmal so „grün“ ausgestattet ist, ohne weitere fossile Versorgungsanschlüsse, also keine Gastherme und ohne Gasanschluss, was lag da näher, als sich auch noch ein Elektroauto zuzulegen?

Wenn also Sonnenlicht auf die Platten trifft, dann lässt sich doch mit eigens produzierter Energie auch ein E-Mobil völlig gratis betanken. Der Nachteil der Sache? Seitdem sind die Tankstellenbesitzer nicht mehr ganz so gut auf mich zu sprechen. Vielleicht sollte ich das Fenster schließen, wenn ich laut lachend an ihnen vorbeifahre.

Sofern also Sonne genügend vorhanden ist und diese auch geneigt ist, sich zu zeigen, funktioniert das Konzept hervorragend. Meine angeheiratete Energiemeisterin wäscht natürlich nur noch, wenn auch genügend Hausstrom vorhanden ist. Ebenso verhält es sich mit dem Wäschetrocknen oder dem Betreiben der Spülmaschine oder anderer elektronischer Verbraucher. Nur beim Kochen macht sie ab und zu Ausnahmen.

Also habe ich mir noch schnell vor ein paar Wochen einen Elektrowagen zugelegt. Große Autos wurden von meiner Buchhalterin, meiner Frau, die nebenbei ja auch meine persönliche Energieberaterin ist, kategorisch abgelehnt.

So blieb es einzig und allein bei einem kleinen vollelektrischen Smart EQ. Natürlich hatte ich mir vorher einige Referenzwagen angesehen und geriet förmlich ins Schwärmen, als ich den neuen Tesla Model 3 sah. Wie viele Videos und Kataloge hatte ich mir angesehen? Einfach toll dieser Wagen. Erst recht die Probefahrt. Als ich den Wagen beschleunigte, presste es mich und meine Energiemeisterin förmlich in die vorgewärmten Sitze. Aber eiin Blick von der strengen Geldverwalterin und ich schob den Tesla erst einmal auf meine virtuelle Wunschliste, wohl wissend, ihn mir eh niemals leisten zu können. Es sei denn, die Lottofee wählte mich aus. So aber musste es erstmal bei einem Smart bleiben. Der hatte zwar keine allzu große Reichweite, dafür aber auch keinen allzu hohen Verbrauch. Und als sogenanntes „City Car“, so musste ich zugeben, passte es genau zu meinem Fahrradius.

Ja, ich hörte schon Ole, einen meiner besten Freunde, stöhnen. Ich sehe ihn vor mir, wie er die Augen verdreht und sein Mund verräterisch anfängt zu zucken, bevor er nicht nur in Tränen ausbricht, sondern in schallendes, ohrenbetäubendes Lachen.

„E-Smart? Ja, nee. Is klar. Auto. Hahaha. Auto! Das ist … (Tränen laufen ihm über das Gesicht) … das ist alles, aber doch kein Auto. Eher ein Elefantenrollschuh.

Meine Versuche, ihm klarzumachen, dass es sich um einen absolut hochwertigen Elefantenrollschuh, äh… um ein hochwertiges elektrisches Kleinstauto handelt, gingen leider im tränenreichen Gelächter erneut unter, das gleichzeitig wohl beide Hörkanäle verschloss. Einen weiteren Anlauf, ihm die Vorzüge des Wagens zu erklären, unterließ ich, da es keinen Sinn mehr hatte. Ole rollte sich mittlerweile lachend auf dem Boden herum und ich hatte Angst um unsere teuren italienischen, druckimprägnierten Fliesen. Ob die Oles Tränenmeer aushielten?

Er selbst fährt einen amerikanischen „Hummer.“ Der verbraucht ja nur absolut schlanke 35 Liter. Auf 50 Kilometern! Und über meinen Wagen lacht der sich kaputt?

Gut, ich rege mich wieder ab. Er fährt in Wirklichkeit einen Toyota. Ein Hybridfahrzeug. Und der Wagen liegt laut eigener Angaben unter 4 Liter Super. Ich komme nicht umhin zuzugeben, dass das wirklich nicht schlecht ist. Ich sah, dass er sich langsam wieder beruhigt hatte, denn die beängstigend rote Gesichtsfarbe nahm ganz langsam ab. Ich konnte also den Daumen von der Notrufnummer wieder lösen.

Nun setzte ich erneut – in gelerntem Expertenton – an, um ihm vielleicht dann doch noch den ein oder anderen Vorteil meines E-Autos schmackhaft zu machen. Sofort ging es wieder los, was eine weitere Lachsalve, eine von vielen, die mir so jäh entgegenschlugen (wie auch sein Knoblauch geschwängerter Atem) und die mir schmerzhaft klarmachten, dass ich mit meiner Elektroleidenschaft wohl ziemlich alleine auf weiter Flur stand.

Leider hat er sich bis heute vor Lachen nicht wieder vollständig eingekriegt, der liebe Ole. Seitdem mein zweitbester Freund übrigens. Rangordnung muss, neben meiner Leidenschaft für meine Hobbys, sein. Basta! So stand ich nun vor meinem Elefantenrollschuh, äh, vor meinem kleinen Elektroflitzer. Ich umarmte ihn leidenschaftlich, denn es sah ganz so aus, als ob er zutiefst beleidigt wäre über Oles Worte. So ein Elektroauto ist eben ein sensibles Gefährt.

Als ich sah, dass der Stromladestecker auf dem Boden lag, bekam ich irgendwie einen kleinen Anfall und fühlte mich dabei wie der Terminator auf Speed. Ich zählte gekonnt von zehn rückwärts auf null, wie ich es in irgendeiner der psychologischen Fachzeitschriften gelesen hatte. Es soll dabei helfen, sehr schnell zu entspannen. Und es half tatsächlich.

Zwar nicht gegen meinen kleinen unkontrollierten Wutanfall – aber immerhin konnte ich mich in der Zeit mit der neuen Situation ausreichend vertraut machen, die nun vorherrschte. Kein Ladestecker in der Steckdose bedeutete kein Strom in der Batterie. Kein Strom in der Batterie hieß nicht genügend Reichweite, um zur Firma fahren zu können.

Ein genauer Blick auf den Batteriestand gab mir ein wenig von der verlorenen Hoffnung zurück. Ich sah doch noch eine Möglichkeit, dass ich es geradeso hin und auch zurück schaffen könnte. Dass der Ladestecker nicht mehr in der Steckdose steckte, musste nicht groß über Scotland Yard oder Interpol recherchiert werden. Wer die Schuld dafür trug, war auch kein mysteriöser Fall: Die Lösung war offensichtlich. Es war schlicht und einfach meine „Lademeisterin“. Denn nur, wenn die Sonne sich mehr als deutlich am Himmel zeigte, erlaubte sie das Laden aller Geräte. Auch mein Auto musste wohl Opfer ihrer Ladestrategie geworden sein. Wenn also keine Sonne da war, zog sie unbarmherzig alles an energiehungrigen Quellen aus den Steckdosen heraus, was irgendwie auch nur annähernd Strom verbrauchen könnte.

Eine neue Welle von Schauder überkam mich. Hatten sie nicht für heute Regen angesagt? Ohne Sonne kein Strom. Keine Energie heißt auch: Keinen Ofen betreiben, der ein leckeres Abendessen zusammenbrutzeln könnte. Na, toll. Sie würde vermutlich auch alle Lampen ausschalten, wenn nicht sogar ganz herausdrehen. Während ich über all das nachdachte, ergriff eine unsichtbare Hand meine Kehle und drückte erbarmungslos zu. Das Schlucken viel mir plötzlich schwerer. Hieß das etwa auch, dass ich heute Abend weder den Fernseher noch den Computer benutzen konnte? Nachdem sich schon ein deutlich sichtbarer Film von frischem Schweiß auf meiner Stirn gebildet hatte, fiel mir glücklicherweise ein, dass mein Computer wohl aufgeladen sein müsste. Also, auch wenn ich im Dunkeln sitzen würde, könnte ich zumindest noch einige wichtige Dinge am Computer erledigen. Zum Beispiel meinen Facebook Account checken oder ein Spiel weiterspielen, an dem ich schon so lange festhing. E-Mails lesen. Wie gesagt: die wichtigen Dinge.

Das Ganze zwar im kalten Zimmer bei eisigen Temperaturen (so um die 20°C), aber was soll‘s.

Sichtlich erleichtert atmete ich auf, stieg nun schon etwas frohgelaunter ein und startete den Wagen.

Der Motor war wie immer nicht zu hören, was für ein E-Auto ja nicht untypisch ist. Denn egal, was man am elektrisch betriebenen Gefährt einschaltet, ist nichts zu hören außer dem Abrollgeräusch der Reifen auf dem Asphalt. Gerade, als ich eilig losfahren will, hält mich mein Nachbar Frank an. Ein Hüne von einem Menschen. Bei ihm würde man sich gut vorstellen können, dass selbst seine eigenen Kinder Angst vor ihm haben. Dabei scheint er im Grunde genommen sogar sanftmütig, so hoffte ich zu mindestens. Richtig einzuschätzen vermochte ich diesen Kerl aber bis dato nicht. Und so versuchte ich stets, ihm lieber aus dem Weg zu gehen. Denn: Wenn ich eines nicht mochte, dann waren es seine endgelagerten Witze. Aber ich ahnte, dass mir an diesem Morgen kein Schrecken erspart bleiben würde, dachte ich noch, als er auch schon auf mich zukam, um einen seiner typischen arktisch gefrorenen Scherze zu reißen. Auf alle erdenklichen Arten hatte ich schon versucht, unbemerkt an ihm vorbeizukommen, ohne in ein Gespräch verwickelt zu werden. Nichts davon hatte funktioniert. Ob Tarnanzug oder sonstige Verkleidung. Auf dem Boden schleichend, sodass er mich nicht durch irgendein Fenster erspähen konnte. Sogar schon unter dem Haus entlang, über einen nahegelegenen Kanal, habe ich es versucht, ihm zu entwischen. Alles zwecklos.

Irgendwann werde ich es schaffen. Da bin ich mir sicher.

Der Kanal, von dem ich sprach, war übrigens leider dermaßen von Exkrementen verstopft, dass ich zu Umkehr gezwungen wurde. Drei ganze Tage benötigte ich danach, um den Gestank aus der Kleidung wieder herauszubekommen. Noch dazu wurde ich genau für diese Zeit in den Garten verbannt und schlief in einem Zelt, dass wir uns vor vielen Jahren angeschafft hatten. „Zum Auslüften“, wie meine Hausherrin sagte. Alles habe ich versucht, um den Gestank loszuwerden, aber nichts hat geholfen. An Frank vorbeizukommen schien wirklich unmöglich. Eine Vermutung dazu hatte ich allerdings: Er musste seismische Detektoren rund um das Haus in den Boden verbaut haben.

Bei der geringsten Erschütterung, die schon von einer Fliege ausgelöst werden könnte, stand er sofort auf der Straße und fing dann, wen auch immer, sofort ab, um ihm oder ihr den neuesten seiner Witze zu erzählen. Der eigentlich weder neu noch witzig war.

Naaaaaaa, Paul, brüllt er mir wie immer energiegeladen und dermaßen laut durch die Scheibe meines Autos entgegen, als wäre sie nicht vorhanden. Erst als ich genau hinsehe, entdecke ich: Sie war tatsächlich heruntergefahren. Na egal, jetzt war es sowieso zu spät. Verdammt, wie soll ich es noch pünktlich ins Büro schaffen?

Naaaaaa, Paul. Raùl Paul, wiederholt er und macht sich aus meinem Namen einen selbstgebauten Witz, der mir aber so lächerlich erscheint, dass ich leider nur mitleidsvoll grinsen kann. Denn er kennt meinen Vornamen nur zu gut. Aaaahhh, der Frank! Mein Bester, entgegne ich in meiner eloquenten Art, die heute Morgen jedoch weniger überzeugend erscheinen musste. Hast du wieder einen neuen Schwank zu erzählen? Mist, dachte ich, biss mir schon auf die Zunge, weil ich nun wusste, dass ich ihn auch noch dazu ermutigt hatte, mir seine endzeitgelagerten Witze zu erzählen. Und prompt setzte er an. Er ließ mich wissen, dass er den Witz auch schon seiner Frau Babsi erzählt hatte. Die Arme hatte aber auch was mitzumachen, mit ihrem Mann, dachte ich. Ich hoffte nur für Babsi, dass sie genauso witzeresistent ist wie ihre neue Garage mit der nun eingebauten Feuertüre gegen ausbrechende Feuerstürme jeglicher Art. Weiter dachte ich an seine armen Kinder, Jan-Nicklas und Jennifer-Loreen. Schon für die Namensgebung müsste sich Frank eines Tages bei seinen Kindern entschuldigen, von den Witzen mal ganz abgesehen, dachte ich.

Klar sagt er, und reißt mich schlussendlich aus meinen Gedanken. Einem netten Nachbarn muss man doch zu morgendlicher Stunde erheitern.

Bevor ich überhaupt eine Möglichkeit gehabt hätte, etwas zu sagen, setzt er unnötigerweise sogar noch nach: „Hast doch sonst keinen Spaß mehr im Leben, in deinem Alter, Mann.“

Noch bevor ich ihn darauf aufmerksam machen kann, dass ich erst 57 Jahre alt bin und sehr wohl noch viel Spaß am Leben habe – es sei denn, ein Nachbar möchte mich unnötigerweise erheitern – startet er schon einen seiner berüchtigten Witze, die genauso gefroren waren wie mein Gemüt. Als er fertig ist, quäle ich mir ein Lächeln ab. Er jedoch lacht sich über seinen eigenen Witz halb tot. Dabei nutze ich den günstigen Moment seiner Unaufmerksamkeit und entferne mich geräuschlos. Im Rückspiegel sehe ich, dass er sich immer noch vor Lachen auf die Schenkel klopft. Nachdenklich setze ich meine Fahrt fort und frage mich nun, ob ich wirklich keinen Spaß verstand oder warum Franks Witze bei mir nicht die mindeste Reaktion auslösten.

Bis auf eine: Denn, außer, dass ich nach diesen Witzattacken immer Pickel auf meiner Haut entdeckte, für die ich aber „Gott sei Dank“ eine durchaus wirkungsvolle Hautcreme hatte, passierte sonst wirklich gar nichts. Dabei schwor ich mir, doch mal in mich zu gehen und über das Thema erneut nachzudenken. Vielleicht würde ich doch noch irgendeine Spur Humor in mir entdecken.

Ich befürchtete allerdings, dass man da schweres Geschütz auffahren müsste. Gleich morgen würde ich mich mal nach einem Humortherapeuten erkundigen.

Kapitel 3 – Büroalltag ohne Grenzen

Endlich konnte ich es nun ruhiger angehen lassen. Der Morgen hatte schließlich hektisch genug begonnen. Erst der fast leere Wagen, dann der vor guter Laune überschäumende Nachbar. Was sollte mir denn heute noch passieren?

Ich hoffte, dass sich mir kein weiteres Hindernis mehr in den Weg stellen würde, wenigstens bis zur Firma. Lautlos glitt mein Fahrzeug dahin. Ich lauschte dem Radiosender meiner Wahl, dessen Sprecherwitze um einiges besser waren als die meines Nachbarn, der sie vielleicht aus einer Stiftung für verwaiste Witze bezog. Oder aus einer Organisation für gestrandete Komiker. Meine Laune stieg zaghaft an, als ich ganz plötzlich abrupt bremsen musste. Was auf meiner Strecke vom Dorf bis zu meiner Arbeitsstelle eher unüblich war. Nicht mal eine einzige Ampel lag auf meinem Weg. Jetzt aber zeichnete sich irgendetwas schattenartig hinter dem frühmorgendlichen Nebel vor mir ab. Zuerst eine größere Gestalt – und mir fiel unwillkürlich Frank wieder ein. Mist! Der Kerl verfolgt mich sogar in meinen Gedanken. Dann aber sah ich mehrere kleinere Schatten. Nein, das konnten nicht seine Kinder sein. Frank und seine Familie hier im Wald?

Wie kam ich nur auf so einen Quatsch. Aber … was war das da vor mir denn dann? Vorsichtig fuhr ich näher heran und sah, dass es sich um eine Wildschweinfamilie handelte. Die Mutter lief voran, die kleinen Frischlinge alle hinterher. Wäre ich nur etwas schneller gefahren, hätte ich für einen Jahresvorrat an Wildschweinfleisch sorgen können. Den Jungen aber hätte ich dann die Mutter weggegessen. Und ihre Aufgabe, die der Aufzucht, wollte ich mir dann beim besten Willen doch nicht antun.

Die wenigen Kilometer bis zur Firma verliefen ansonsten frei von weiteren Ereignissen. Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass mir beinahe der ein oder andere Rentner vor das geräuschlose Auto gelaufen wäre. Und immer, wenn sie schon knapp vor meiner kurzen Motorhaube zu stehen kamen, erkannte ich, wie verzweifelt sie versuchten, an ihrer im Ohr eingebauten Hörakustik zu drehen, um die Lautstärke neu zu justieren. Sie dachten vermutlich, dass ihr Gerät wohl ausgefallen sei, was meine Laune nun deutlich verbesserte, mich aber gleichzeitig erschrak – wieso machte es mir Freude, unbescholtene Rentner mit meinem kleinen Elektroflitzer zu ärgern?

Als ich endlich in der Firma angekommen war, suchte ich mir einen Parkplatz. Wie immer war fast alles komplett zugeparkt und ich überlegte kurz, ob ich meinen Wagen nicht mit hochnehmen sollte, um ihn in meinem Büro abzustellen.

So klein wie er ist, dürfte es doch niemanden stören, dachte ich, als ich gerade noch eine Lücke entdecke, in die ich quer einfahren konnte. Was bestimmt einige meiner Kollegen sehr erfreuen müsste – so platzsparend, wie ich zu parken wusste. Wie jeden Morgen ging ich grüßend am Pförtner vorbei, stempelte mich ein und ging schnurstracks in mein Büro.

Hilde, meine freundliche und runde Kollegin, war noch nicht eingetroffen. Kurz überlegte ich, ob ihr Pflegeprogramm gemäß ihres Alters wohl aufwändiger sein musste als meines, während ich (noch frohgelaunt) meinen PC hochfuhr.

Windows meldete sich auf dem Bildschirm und forderte wie immer mein Passwort an. Ich startete schon mal die Kaffeemaschine, um gleich darauf die Enter-Taste zu drücken.

Der Rechner fuhr hoch, um dann sofort wieder herunterzufahren. Nicht aber, ohne mir vorher anzuzeigen, dass er alle neuen Updates noch laden müsse und ein Neustart erforderlich wäre. Während des Updates hatte ich so aber genug Zeit, meinen Kaffee zu genießen und ein paar Papiere durchzusehen. Endlich bootete der Rechner hoch und verlangte erneut mein Passwort. Gerade als ich loslegen wollte, wies mich Windows darauf hin, dass ein weiteres Update für Office dringend notwendig wäre.

Das musste verschoben werden, denn ich hatte noch ein paar Mails zu bearbeiten. Schon leuchtete die dringliche Aufforderung auf, dass dringendst eine neue Version aufgespielt werden müsse. Das Programm fragte mich, ob ich die Aktualisierung ausführen wolle. In großen Buchstaben stand dort: ,,Y/N“. Ich drückte auf der Tastatur den Buchstaben ,,N“ – wie „Nein“ – und der Rechner fuhr sofort herunter, ohne das ich noch meine bisherigen Daten hätte sichern können. Ein zweiter Kaffee musste her, zur Beruhigung und Überbrückung der Zeit, denn das Booten dauerte einige kostbare Minuten an Bürozeit. Als der Rechner sich nach der nun dritten Tasse Kaffee zurückmeldete, trat auch Hilde in den Raum ein.

„Guhuhuten Mohohorgen“, säuselte sie und ich war mir nicht sicher, ob es noch ein Lied werden sollte. Freundlich antwortete ich mit einem „dihihirr ahuhuuch, liebe Hilde.“ ,,Na, da ist aber einer gar nicht gut drauf heute Morgen“, ließ sie mich wissen, ohne, dass ich mich noch rechtfertigen konnte. Denn schon ergoss sie ihr weiteres Wortstakkato über mich, sodass ich schnell den Faden des Gespräches verloren hatte. Ich trank gerade den ersten Schluck meiner vierten Tasse Kaffee, als der Rechner mir nun endlich die Chance gab, mich neu einzuloggen, um meine Arbeit zu beginnen.

Meine Kollegin fragte gerade nach, ob ich die Präsentation schon fertig hätte, die unser Chef heute noch benötigte. Ich ließ sie wissen, dass ich gerade dabei gewesen wäre, die letzten notwendigen Folien zu erstellen, als der Rechner mir wiederum eine Botschaft auf den Bildschirm zauberte. „Bitte drücken Sie die Windows Taste in Kombination mit R und geben Sie in die Kommandozeile Folgendes ein …“

Irgendetwas fehlte zur automatischen Ausführung des Programms. Ich folgte den Anweisungen und startete das Programm „Power Point“ neu. Nichts.

Stattdessen fuhr der Rechner wieder herunter und ließ mich wissen, dass die Programmausführung diesen Neustart benötigte. Als ich bei der sechsten Tasse Kaffee war, loggte ich mich erneut ein und konnte tatsächlich nun endlich mit dem gewünschten Programm arbeiten. Erleichtert atmete ich auf.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Und ewig küsst mich Dornröschen wach" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen