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Trügerisches Glück

1. KAPITEL

Viktoria lag leblos da, der Monitor zeigte noch immer Kammerflimmern an. Evelyn hatte den Defibrillator inzwischen aufgeladen, setzte die Paddles nun auf Viktorias Brust und drückte die Auslöserknöpfe. Ein Stromstoß fuhr durch Viktorias Körper.

In diesem Augenblick betraten Dr. Kreuzkamm und eine Schwester den Raum.

„Flimmern?“, fragte der Arzt. Evelyn nickte. „Tubus!“, wies er die Schwester an. Da war plötzlich das Piepsen des EKG-Gerätes zu hören. „Sie hat einen Rhythmus!“ Evelyn tastete an Viktorias Hals nach dem Puls.

„Sie ist wieder da.“ Ihr stiegen die Tränen in die Augen.

„Ich brauche sofort die aktuellen Laborwerte“, verlangte Dr. Kreuzkamm, wirkte aber ebenfalls sehr erleichtert.

„Ich möchte mich für Ihr schnelles Eingreifen bedanken“, sagte der Arzt zu Evelyn, nachdem Viktoria für den Augenblick ausreichend versorgt war.

„Das war doch selbstverständlich“, winkte Simons Mutter ab.

„Ich hatte Ihnen heute Morgen ja gewissermaßen verboten, sie zu besuchen“, seufzte Dr. Kreuzkamm. „Ein Segen, dass Sie stur genug waren, sich meiner Anweisung zu widersetzen und dazubleiben.“ Es war um Sekunden gegangen. Ohne Evelyn wäre Viktoria mit großer Wahrscheinlichkeit gestorben. „Ihr Sohn wird seine Meinung über Sie sicher ändern, wenn er erfährt, was Sie heute geleistet haben.“

„Ich möchte nicht, dass Simon es erfährt“, erklärte Evelyn schnell. Sie war einfach nur froh, dass die Reanimation geglückt war.

„Aber Ihr Sohn wird Ihnen dankbar sein“, beharrte ihr Kollege.

„Es ändert nichts daran, dass ich ihm verschwiegen habe, dass er als Spender infrage kommt“, stellte sie fest. Und davon mal ganz abgesehen – sie selbst war im Augenblick vollkommen unwichtig. Sie hoffte einfach nur, dass Viktoria wieder gesund wurde.

Simon hatte nur ein paar Stunden auf der Couch in der Dachkammer geschlafen – er hatte es vor lauter Erschöpfung nicht einmal ins Bett geschafft. Das Telefon weckte ihn. Felix teilte ihm vollkommen verzweifelt mit, dass Viktoria einen septischen Schock erlitten hatte und reanimiert worden war.

„Oh mein Gott!“, entfuhr es Simon. „Sie hatte einen Herzstillstand?!“

„Kammerflimmern“, erwiderte Felix am anderen Ende der Leitung. „Aber sie konnten sie wieder stabilisieren.“

„Heißt das jetzt, sie stößt mein Knochenmark ab?“, wollte Simon nun wissen. Felix hatte keine Ahnung. Aber aus welchem Grund hätte Viktoria sonst einen septischen Schock erleiden sollen? Simon wollte sofort ins Krankenhaus.

Felix war vollkommen außer sich. Ein septischer Schock … Daran war seine Mutter gestorben. Einfach so. Und er würde es einfach nicht ertragen, wenn seiner Schwester dasselbe zustieße.

„Viktoria ist stark“, versuchte Rosalie, ihn zu beruhigen. „Sie wird nicht sterben. So etwas darfst du nicht einmal denken.“ Stockend erzählte er seiner Freundin, wie das damals gewesen war, als Elisabeth im Krankenhaus gelegen hatte. Jeden Tag war er bei ihr gewesen. Und dann, als es schon so aussah, als ob sie auf dem Wege der Besserung wäre, war sie gestorben. „Das muss sich aber nicht wiederholen“, insistierte Rosalie. „Viktoria ist viel jünger als deine Mutter. Sie hat sicher gute Chancen.“ Leise stöhnte er auf. Er fühlte sich einfach unverstanden. „Es nutzt nichts, wenn du den Schmerz um deine Mutter noch mal aufleben lässt“, fuhr sie fort. „Das macht es nur schlimmer.“ Es war klar – Rosalie war die Letzte, die ihm helfen konnte.

„Entschuldige …“, flüsterte er. „Aber ich glaube, ich muss ein bisschen allein sein …“

„Klar, das kann ich nachvollziehen.“ Sie nickte tapfer. Und er ging.

Ben hatte von Simon gehört, was mit Viktoria geschehen war. Und so reagierte er verhalten, als Emma ihm vorschlug, heute das gemeinsame Abendessen nachzuholen.

„Sollen wir nicht erst einmal warten?“, meinte er. „Ich meine … Wer weiß, was noch passiert.“

„Was soll passieren?“ Offenbar wusste Emma noch gar nicht Bescheid.

„Viktoria Tarrasch hatte einen septischen Schock“, erklärte Ben. „Es geht ihr nicht besonders gut.“ Entsetzt schlug Emma die Hand vor den Mund.

„Ist jemand bei ihr?“, fragte sie dann.

„Simon ist vorhin gleich losgefahren“, antwortete Ben. „Er steht total neben sich.“

„Ich muss zu Felix.“ Das war das Einzige, was Emma jetzt denken konnte. Ben ließ ein bitteres Lachen vernehmen. Das hätte er sich ja denken können. „Bitte!“, raunzte sie ihn an. „Ich wäre wirklich froh, wenn du deine Eifersucht einfach mal vergessen könntest.“ Sofort senkte er beschämt den Blick. Sie hatte ja recht. Im Moment war wirklich nur Viktoria wichtig.

Emma war in den Park gegangen, um sich ein wenig zu beruhigen. Die ganze Zeit war sie sich so sicher gewesen, dass Viktoria den Krebs besiegen würde, aber jetzt … Sie richtete ihre Augen gen Himmel. Viktoria war viel zu jung, um zu sterben. Sie hatte doch ihr ganzes Leben noch vor sich. Es war eine so schöne Liebe zwischen ihr und Simon – er würde auch zerbrechen, wenn sie starb.

„Bitte, gib den beiden eine Chance“, flüsterte Emma. Sie alle wollten, dass Viktoria es schafft. Und Felix … Er hatte doch gerade erst seine Mutter verloren. Noch so einen Verlust würde er nicht verkraften …

„Hat der septische Schock etwas mit meinem Knochenmark zu tun?“, fragte Simon, nachdem er in der Klinik endlich Dr. Kreuzkamm zu fassen bekommen hatte.

„Es kann alles Mögliche gewesen sein“, entgegnete der Arzt. „Im Moment kann der kleinste Erreger sehr gefährlich werden für Frau Tarrasch.“

„Wird sie überleben?“ Simon brachte diese Worte kaum über die Lippen.

„Sie bekommt sehr starke Antibiotika. Wenn sie die Nacht übersteht, hat sie gute Chancen.“ Mehr Mut konnte Dr. Kreuzkamm ihm auch nicht machen.

„Bitte, halte durch.“ Simon hatte sich an die Glasscheibe gestellt und betrachtete seine reglose Freundin. „Lass mich nicht allein. Ich liebe dich.“ Er hoffte so sehr, dass Viktoria ihn hören konnte. Dass sie spüren konnte, dass er da war. Mehr war für sie einfach nicht zu tun.

Felix hatte sich in den Wald geflüchtet, deshalb konnte Emma ihn nirgendwo finden. Aber von ihrer Schwester erfuhr sie, dass er allein sein wollte.

„Ist es nicht besser, wenn er jemanden zum Reden hat?“, fragte Emma.

„Wenn er das will, bin ich natürlich für ihn da“, erwiderte Rosalie. „Aber mach dir keine Sorgen – Felix ist ein erwachsener Mann, und wenn er allein sein will, muss man das respektieren.“ Emma wollte sich schon wieder zum Gehen wenden, aber ihre Schwester hatte noch etwas mit ihr zu besprechen. „Ich habe von einem Anwalt einen Vertrag für unsere Firma aufsetzen lassen.“ Rosalie drückte der überrumpelten Emma mehrere Papiere in die Hand. „Du kannst ihn gleich unterschreiben.“

„Dafür habe ich im Moment gar keinen Kopf“, setzte Emma sich zur Wehr. Rosalie musterte sie.

„Ach, Emma …“, meinte sie dann. „Natürlich ist es schlimm, was Felix’ Schwester durchmachen muss, aber deswegen kann doch die Welt nicht stillstehen.“ Rosalie hielt Emma einen Stift entgegen.

„Ich muss das erst in Ruhe durchlesen, bevor ich unterschreibe“, beharrte die.

„Ich habe alles gecheckt, vertraust du mir etwa nicht?“ Rosalie war sichtlich beleidigt. „Mir geht es gerade übrigens auch nicht gut!“, brach es plötzlich aus ihr heraus.

„Was ist denn?“, wollte Emma wissen.

„Ich gehe euch allen doch nur auf die Nerven!“, klagte ihre Schwester. „Du traust mir nicht. Und Felix ist lieber allein, als sich von mir helfen zu lassen. Ich bin völlig überflüssig.“

„Bist du nicht!“, beteuerte Emma, aber Rosalie war noch nicht fertig.

„Ich bin wie Luft“, jammerte sie. „Interessiert es irgendjemanden, dass ich bald Geburtstag habe?!“ Fassungslos verdrehte Emma die Augen. Wie konnte Rosalie in dieser Situation nur an ihren Geburtstag denken?! „Genau!“, empörte die sich weiter. „Euch ist das alles egal. Aber ich werde mir diesen Tag nicht vermiesen lassen, und wenn ich mich selbst darum kümmern muss!“

Marie konnte sich noch immer nicht zwischen Nils und Xaver entscheiden. Gestern Abend war sie mit Nils im Kino gewesen. Und sie hatte es so genossen: Nils war so nett gewesen wie lange nicht mehr. Sonst zofften sie sich ja ständig, aber gestern Abend …

„Normalerweise wären wir längst wieder zusammen“, gestand sie ihrer Mutter.

„Aber?“, hakte Hildegard nach.

„Wieso musste er mich so belügen und dann auch noch mit seiner Exfrau ins Bett steigen?!“, klagte Marie.

„Wenn du ihn wirklich willst, dann kommst du nicht drum herum, ihm zu verzeihen“, meinte ihre Mutter. Aber das war ja nicht alles, das wusste Hildegard auch. Schließlich spukte auch Xaver Marie im Kopf herum. „Wen magst du lieber?“ Hilflos zuckte Marie die Schultern.

„Die zwei sind nicht miteinander zu vergleichen, das ist ja das Problem“, stöhnte sie.

Und deshalb ließ sie es auch zu, dass Xaver sie für heute Abend einlud. Er hätte eine Überraschung für sie, erklärte er nur, als er sie im Restaurant aufsuchte. Sie bemerkte nicht, dass er kurz darauf eine Rose mit einem Zettel daran am Computer platzierte. „Ich erwarte dich heute Abend in der Fürstensuite“, hatte er auf den Zettel geschrieben und die Suite im Reservierungssystem geblockt.

Kaum war er verschwunden, erschien Nils am Computer, fand die Rose und winkte Marie damit zu. Sie antwortete mit einer harmlosen Kusshand, und er dachte sofort, die Rose wäre von ihr und für ihn. Also faltete er den Zettel auseinander und las die Einladung in die Fürstensuite. Die – wie er annahm – ihm galt.

Emma und Ben saßen in gedrückter Stimme beim Abendessen. Sie hatten Pizza bestellt.

„Entschuldige bitte“, seufzte Emma. Sie hatte ja eigentlich für ihn kochen wollen, es heute aber einfach nicht geschafft. Felix hatte sie den ganzen Tag noch nicht gesprochen. „Rosalie meinte, er wollte allein sein“, erklärte sie Ben auf Nachfrage.

„Und Rosalie … weiß sie nichts?“, hakte er nach.

„Sie macht sich Sorgen um ihren Geburtstag“, erklärte Emma trocken.

„Wie bitte?!“ Fassungslos sah er sie an.

„Ich will ja nicht schlecht über meine Schwester reden“, sagte Emma. „Aber stell dir das doch mal vor: Felix ist fix und fertig, weil seine Schwester in Lebensgefahr schwebt, und Rosalie beschwert sich darüber, dass sie mal nicht die Nummer eins ist.“

„Wundert dich das?“, entgegnete er. „War sie nicht schon immer so? Andere Leute interessieren sie einfach nicht.“ Dem konnte Emma nicht wirklich widersprechen.

Voller Vorfreude steckte Nils den Kopf zur Fürstensuite herein. Das Bett war mit Rosenblättern dekoriert, Kerzenleuchter standen bereit, und aus den Lautsprechern erklang romantische Musik. Gerührt trat er ein. Das hatte Marie alles für ihn vorbereitet? Aus dem Bad war die Dusche zu hören. Kurz entschlossen zog er Hemd und Hose aus und legte sich aufs Bett.

Zur gleichen Zeit ging Marie mit ihrer Mutter nach Hause. Nach der groß angekündigten Überraschung hatte sie nichts mehr von Xaver gehört. Und sie dachte nicht daran, ihm hinterherzulaufen. Da machte sie sich doch lieber mit Hildegard einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher.

„Was wollen Sie denn hier?!“ Nils fiel die Kinnlade herunter, als Xaver, nur mit einem Morgenmantel bekleidet, aus dem Bad kam.

„Das frage ich Sie!“ Entgeistert starrten die beiden Männer sich an.

Es dauerte eine Weile, bis sie begriffen, wie dieses Missverständnis hatte entstehen können. Und innerhalb kürzester Zeit waren sie mitten im schönsten Streit.

„Was ist denn hier los?“ Alfons hatte die Fürstensuite betreten. Ein Gast hatte darum gebeten, sie sich ansehen zu dürfen. Obwohl sie im Computer reserviert war, wusste Alfons, dass das nicht stimmen konnte. Und nun stand er Xaver und Nils Heinemann gegenüber, die zu allem Überfluss nur leicht bekleidet waren. Der Gast, der ihm gefolgt war, musterte die beiden Rivalen neugierig.

Evelyn und André hatten einen kleinen Abendspaziergang gemacht und kehrten nun ins Hotel zurück. Natürlich sprachen sie über Viktoria – gerade hatte André wissen wollen, ob es bei einem Kammerflimmern zu Spätfolgen kommen könnte. Immerhin war Viktorias Gehirn eine Weile nicht mit Sauerstoff versorgt worden.

„Es waren nur ein paar Sekunden“, meinte Evelyn. „Da kann nichts passiert sein.“

„Wie kannst du dir da so sicher sein?“, hielt er dagegen. „Die können dir doch viel erzählen.“

„Ich war dabei.“ Ungläubig sah er sie an.

„Die haben dich während der Reanimation reingelassen?!“, staunte er.

„Ich war bei ihr, als es passiert ist.“ Es fiel Evelyn nicht leicht, das zuzugeben. „Allein.“ Nun erst begriff er. Sie hatte Viktoria ins Leben zurückgeholt.

„Dafür wird Simon dir ewig dankbar sein“, glaubte er.

„Er wird es nicht erfahren, versprich mir das!“ Evelyn klang entschlossen. „Er hat einen guten Grund, mich zu hassen. Und ich will ihn nicht dazu nötigen, mir dankbar zu sein.“

„Aber Evelyn!“, rief André aufgewühlt. „Das ist doch ein Geschenk des Himmels, damit ihr euch wieder versöhnt! Simon braucht dich! Sie brauchen dich beide! Überleg doch mal, was sie gerade durchmachen!“

„Ich kann nicht.“ Das war ihr letztes Wort. André würde sich allein um ihren gemeinsamen Sohn kümmern müssen.

Emma war noch einmal zurück ins Hotel gegangen. Und Ben war nicht beleidigt gewesen, auch wenn es klar war, was sie wollte: Felix treffen. Diesmal fand sie ihn. In der Dunkelheit, auf dem Balkon.

„Störe ich dich?“, fragte sie vorsichtig. Er schüttelte den Kopf, und das erste zaghafte Lächeln dieses Tages erschien auf seinem Gesicht.

„Du bist die Einzige, die ich gerade ertragen kann“, sagte er. Emma schluckte. Und wollte dann wissen, wie es um Viktorias Zustand bestellt war. „Ich warte selbst“, antwortete er. „Simon wollte anrufen – er ist noch in der Klinik.“

„Kann ich irgendetwas für dich tun?“ Wieder verneinte er. Im Moment konnte keiner ihm helfen.

„Ich habe eben versucht zu beten“, erklärte er mit bitterer Stimme. „Aber ich schaffe es noch nicht einmal, die Hände zu falten.“ Sie musterte ihn voller Mitgefühl. „Glaubst du an Gott?“ Sie nickte. „Ich musste immer alles allein regeln …“

„Das muss ich auch“, entgegnete sie. „Aber trotzdem gibt es Dinge, die nicht in unserer Macht liegen.“

„Meine Mutter war sehr fromm“, erklärte Felix. „Gebracht hat es ihr nichts.“

„Bist du zornig auf Gott?“ Er presste die Lippen aufeinander.

„Wenn es ihn gibt – dann ja“, sagte er schließlich.

„Er würde das verstehen“, glaubte sie. „Aber woher soll er es wissen, wenn du nicht mit ihm redest?“ Und dann begann sie, die ersten Worte des Vaterunsers zu sprechen. Und Felix schloss die Augen und fiel ein.

Simon war in der Tat noch im Krankenhaus, sein Vater hatte ihn heute Abend begleitet. Viktorias Zustand war seit Stunden unverändert. Und niemand konnte sagen, ob das gut war oder schlecht.

„Sie darf nicht sterben.“ Weinend brach Simon vor der Glasscheibe zusammen.

„Das wird sie nicht, Simon.“ Aber Andrés Stimme zitterte, als er versuchte, seinem verzweifelten Sohn auf diese Weise Mut zu machen.

Noch beim Frühstück am nächsten Tag war Alfons außer sich über das, was gestern in der Fürstensuite passiert war. Und er gab seiner Tochter die Schuld daran.

„Du hast ja keine Ahnung, was du anstellst mit den Kerlen, wenn du sie ewig im Unklaren lässt“, hielt er der verdutzten Marie vor. Er musste ihr erst einmal überhaupt erklären, was los war – sie hatte sich schließlich mit ihrer Mutter einfach nur einen schönen Abend gemacht. „Fakt ist, es kann einfach nicht sein, dass der Hotelbetrieb leidet, weil meine Tochter sich nicht zwischen ihren Verehrern entscheiden kann“, stellte Alfons fest. „Es ist ja nicht mal ein Wunder, dass die beiden langsam durchdrehen.“

Zunächst einmal verpasste er den beiden jungen Männern die schriftliche Androhung einer Abmahnung. Es traf sich, dass Xaver und Nils die Briefe gemeinsam im Personalraum an ihren Spinden vorfanden.

„Wie lange sollen wir dieses Spiel eigentlich noch treiben?“, seufzte Nils.

„Bis Sie endlich kapieren, dass Marie nichts mehr von Ihnen will“, konterte Xaver.

„Das kann lange dauern“, meinte Nils. „Sie liebt mich.“

„Schauen wir doch mal, wie Marie das sieht.“

„Gute Idee.“ Irritiert verzog Xaver das Gesicht. „Vielleicht sollten wir uns wirklich mal zurückhalten und warten, auf wen Marie von sich aus zukommt“, schlug Nils nun vor. Also keine Einladungen, keine Geschenke. Weder von ihm noch von Xaver. Die beiden gaben einander die Hand auf diesen Deal. Dann würde zur Abwechslung ja vielleicht auch mal Marie leiden und keiner von den beiden. Und um sicherzugehen, dass die Verabredung auch eingehalten wurde, würden sie in nächster Zeit einfach ihre Freizeit miteinander verbringen – auch wenn das keinem von beiden so richtig behagte. Gleich heute Abend würden sie gemeinsam Fußball gucken.

2. KAPITEL

Viktoria war über den Berg! Die Antibiotika hatten angeschlagen, und nun war sie auf dem Wege der Besserung. Emma unterhielt sich gerade mit Felix in der Lobby, als der die freudige Nachricht von Simon telefonisch übermittelt bekam. Überglücklich umarmten die beiden einander, doch da schwebte auch schon Rosalie heran. Übertrieben euphorisch fiel sie ihrem Freund um den Hals, als der ihr erzählte, was passiert war.

„Das ist ja wunderbar!“, rief sie theatralisch. „Ich bin so froh für Viktoria und für dich.“ Emma tat es weh, mit anzusehen, wie die beiden sich küssten. Und dann beschlossen Felix und Rosalie, zu zweit ins Krankenhaus zu fahren.

„Ich melde mich, wenn ich mehr weiß“, sagte Felix noch zu Emma, dann verschwand er mit Rosalie Richtung Parkplatz. Verloren blickte Emma den beiden nach.

Sie verstand das einfach nicht, dachte sie, während sie sich daranmachte, die Fürstensuite in Ordnung zu bringen. Gestern Abend war Felix ihr so nahe gewesen wie noch nie. Er musste doch auch spüren, dass da mehr zwischen ihnen war. Auch vorhin … Es war so wundervoll, wenn er sie in den Arm nahm. Aber scheinbar galt das für ihn alles nicht, und das musste sie wohl endlich kapieren. So ging es jedenfalls nicht weiter. Sie wartete und wartete, und irgendwann war ihr Leben vorbei.

Da flog plötzlich die Tür auf, und Ben stürzte herein.

„Hast du es schon gehört?“, rief er. „Viktoria ist über den Berg.“ Unschuldig schloss er Emma in die Arme, und die schmiegte sich Halt suchend an ihn. Ben drückte sie fester an sich und sah ihr in die Augen. Und dann küsste er sie auf den Mund. Sie erwiderte seinen Kuss, auch, als er leidenschaftlicher wurde. Doch auf einmal riss sie sich los und hastete hinaus in den Flur.

Sie hatte es nur noch schlimmer gemacht, warf sie sich vor. Sie hatte Ben benutzt, ihren besten Freund! Nur, um Felix zu vergessen. Aber das konnte sie nicht. Sie liebte ihn. Sie würde ihn immer lieben. Selbst wenn er Rosalie heiratete – sie durfte gar nicht daran denken. Und was machte sie mit Ben? Er musste jetzt doch glauben, dass sie seine Gefühle erwiderte …

Natürlich war Simon überglücklich, dass seine Freundin überlebt hatte.

„Ich werde es dir nie vergessen, dass du mir diese Nacht beigestanden hast“, sagte er zu seinem Vater, als sie gemeinsam in den Fürstenhof zurückkehrten.

„Das ist doch selbstverständlich“, winkte André ab und wollte dann wissen, ob Simon schon Evelyn informiert hätte. Stur schüttelte der den Kopf. Er dachte gar nicht daran, seiner Mutter Bescheid zu geben. Er hatte gar keine Mutter mehr! „Aber es war Evelyn, die Viktoria gestern reanimiert hat“, platzte André da heraus. „Ohne deine Mutter wäre sie gar nicht mehr am Leben!“ Ungläubig starrte Simon seinen Vater an. Aber als er endlich im ganzen Ausmaß begriffen hatte, was André ihm da mitgeteilt hatte, änderte das an seiner Haltung trotzdem nichts. Evelyn hatte versagt, als Ärztin und als Mensch. Und wenn seine Anzeige sie ihre Zulassung kosten würde, sollte ihm das nur recht sein. „Wie kannst du nur so kaltschnäuzig sein?!“, hielt André ihm vor. „Du hast dein Knochenmark doch gespendet! Es ist alles gut gegangen!“

„Noch steht nicht fest, ob Viktoria überlebt“, beharrte Simon.

„Dafür kannst du Evelyn aber nicht verantwortlich machen. Ob Viktoria dein Knochenmark annimmt oder nicht, liegt nicht in ihrer Hand …“

Kurz darauf trat Evelyn zu den beiden, um sich nach Viktoria zu erkundigen.

„Ihr Zustand ist wieder stabil“, gab André zur Antwort.

„Gott sei Dank.“ Sie war sichtlich erleichtert.

„Danke, dass du ausnahmsweise das Richtige getan hast“, sagte Simon und blickte seine Mutter voller Kälte und Hass an. „Aber dass du sie reanimiert hast, macht deine Fahrlässigkeit nicht wett.“

„Ich weiß, dass du mir nicht verzeihst“, erwiderte sie ernst. „Das erwarte ich auch nicht. Ich werde mich der Verantwortung stellen.“

Rosalie und Felix betrachteten Viktoria durch die Glasscheibe. Sie wirkte klein und mitgenommen und schlief noch. Nach einer Weile verabschiedete Rosalie sich wieder – sie wollte heute unbedingt noch die Sache mit dem Vertrag klären. Und sie ertrug es ohnehin nicht gut, Felix’ Schwester so leidend zu sehen.

Kurz nachdem Rosalie gegangen war, öffnete Viktoria die Augen.

„Hallo, Kleines“, begrüßte Felix sie durch die Gegensprechanlage. „Wie fühlst du dich?“

„Besser“, antwortete sie mühsam.

„Es geht aufwärts“, sagte er. „Du hast die erste Hürde genommen, die zweite schaffst du jetzt auch.“ Müde sank sie ins Kissen zurück. „Hey – Simons Stammzellen sind die besten“, ermutigte er sie weiter. „Du wirst wieder gesund.“

„Und wenn nicht?“, hielt sie kläglich dagegen.

„So etwas darfst du nicht einmal denken.“

„Sagst du mir, wenn ich sterben muss?“ Er schluckte. „Bitte, ich will es rechtzeitig wissen“, insistierte sie.

„Wirst du nicht“, entgegnete er rau. „Aber okay … Versprochen …“ Die Tränen liefen ihm übers Gesicht.

Emma hatte noch immer ein schlechtes Gewissen, weil sie sich zu dem Kuss hatte hinreißen lassen. Sie würde Ben die Wahrheit gestehen müssen – dass er für sie weiterhin nur ein guter Freund war. Und wenn er dann nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte, musste sie das akzeptieren. Auch wenn es schrecklich wäre …

„Emma, warte mal!“ Rosalie rief nach ihr.

„Ihr seid schon zurück?“, wunderte sich Emma.

„Nein, nur ich“, erklärte ihre Schwester. „Hast du den Vertrag unterschrieben?“ Emma verneinte verlegen.

„Ich habe noch keine Zeit gehabt, ihn durchzulesen“, verteidigte sie sich.

„Brauchst du auch nicht“, entgegnete Rosalie. „Das habe ich dir schon mal gesagt.“ Aber Emma beharrte darauf, zu wissen, was sie da unterschrieb. „Und wann beabsichtigst du das bitte zu tun?“, schnaubte ihre Schwester. „Übermorgen ist mein Geburtstag. Ich habe extra ein paar Geschäftsleute eingeladen.“

„Du feierst eine Party?“ Das konnte doch nur bedeuten, dass Viktoria es endgültig geschafft hatte, vermutete Emma.

„Nein. Ob sie das Transplantat annimmt, entscheidet sich in den nächsten Tagen.“ Emma riss die Augen auf.

„Und du willst trotzdem feiern?“, fragte sie.

„Das Leben geht weiter“, fand Rosalie. „Ich muss auch an uns denken.“

„Du bist unmöglich!“, warf Emma ihr vor. „Weiß Felix schon davon?“

„Was soll er dagegen haben, wenn ich meinen Geburtstag feiere?“, konterte ihre Schwester. „Ich kann die Party ja schlecht abblasen. Will ich auch nicht. Der erste Gast ist bereits angereist. Rate mal, wer.“ Emma war das vollkommen egal. „Der Chefeinkäufer von Wiener und Weise, fuhr Rosalie fort.

„Das Modehaus?“ Das verblüffte Emma nun doch.

„Von dem Kaliber kommen noch mehr“, erklärte ihre Schwester überheblich. „Also unterzeichne den Vertrag. Ohne können wir nicht an die Öffentlichkeit.“

Also setzte sich Emma in den Personalraum und studierte den Vertrag. Zumindest versuchte sie es. Aber dieses Juristendeutsch war für einen Normalsterblichen einfach nicht zu verstehen.

Da kam Ben herein. Er freute sich sichtlich, sie zu sehen, wirkte aber auch verunsichert. Und Emma war richtig verlegen. Sie erklärte ihm, was sie da gerade las, und er bot ihr sofort an, den Vertrag von seinem Onkel überprüfen zu lassen.

„Deine Schwester ist grundsätzlich auf ihren Vorteil bedacht“, warnte er, „das weißt du.“

„Nicht in diesem Fall“, versprach Emma. „Wir sind aufeinander angewiesen.“

„Du bist die Macherin, nicht sie“, beharrte er. „Sie hängt sich nur an dich ran, weil sie allein nichts auf die Beine stellt.“

„Red nicht so über sie!“, schnauzte Emma ihn an.

„Sie haut dich in die Pfanne, wenn du nicht aufpasst“, gab er nicht nach.

„Sie ist meine Schwester, ich vertraue ihr.“ Die beiden tauschten einen langen Blick.

„Entschuldige“, sagte er schließlich. „Ich wollte mich nicht einmischen.“ Er war schon fast wieder aus der Tür, als sie ihn aufhielt.

„Ben? Der Kuss … Wir müssen darüber reden.“ Und dann sagte sie ihm, dass es aussichtslos war, wenn er sich Hoffnungen machte. „Ich werde Felix immer lieben“, gestand sie. „Es tut mir so leid. Ich wollte dich nicht verletzen, wirklich nicht. Du bist doch mein bester Freund.“ Er schwieg. Und sie deutete sein Schweigen so, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte. Traurig ging sie hinaus. Den Vertragsentwurf vergaß sie auf dem Tisch.

Sylvia hatte Post bekommen: Ihre Scheidung war durch.

„Das ist ja großartig!“, freute sich Werner. Aber sie wirkte trotzdem bedrückt.

„Ich fühle mich wie in einem Vakuum“, gab sie zu, als er sie darauf ansprach. „Ich hatte zwei Leben. Als Barbara von Heidenberg und als Sylvia Wielander. An das erste erinnere ich mich nicht mehr, und das zweite ist mir mit der Scheidung auch abhandengekommen.“

„Du wirst ein neues bekommen“, versicherte Werner ihr zärtlich. „Das schönste von allen, als Sylvia Saalfeld. Vorausgesetzt – du willst mich noch.“

„Würde ich sonst deinen Ring tragen?“, lächelte sie.

„Dann bist du einverstanden, dass wir bald heiraten?“ Sie nickte. „Nächste Woche?“

„So schnell?“, lachte sie.

„Am liebsten noch heute“, erwiderte er. „Dein Jawort bedeutet mir alles …“ Die beiden versanken in einem innigen Kuss.

Ben verzog jedoch keine Miene, als seine Mutter ihm eröffnete, dass schon so bald Hochzeit gefeiert werden sollte.

„Was hast du denn auf dem Herzen?“, wollte sie sofort wissen. Und er erzählte ihr unglücklich von dem Desaster, das er gerade mit Emma erlebt hatte. Dabei war der Kuss doch so schön gewesen … „Vielleicht musst du nur ein bisschen Geduld haben?“, meinte Sylvia.

„Seit wann kann man Liebe erzwingen?“, erwiderte er dumpf.

„Man kann um sie kämpfen“, glaubte sie.

„Es hat keinen Sinn.“ Er schüttelte müde den Kopf. „Ich weiß, wann ich verloren habe.“ Sie bot ihm an, zur Hochzeit ein paar hübsche Mädels einzuladen, damit er auf andere Gedanken kam. Aber er hatte kein Interesse daran. Von Frauen hatte er die Nase erst einmal gestrichen voll.

Rosalie hatte sich vorgenommen, Felix heute Abend an ihren bevorstehenden Geburtstag zu erinnern. Aber der war in Gedanken noch immer bei Viktoria.

„Das Problem ist, dass sie ihrem Zustand nicht traut“, berichtete er nachdenklich, und Rosalie verdrehte innerlich die Augen. „Nach der Chemotherapie ging’s ihr ja auch schon mal besser. Und dann hat sich herausgestellt, dass sie gar nicht angeschlagen hat.“

„Aber bisher sieht doch alles ganz gut aus“, versuchte sie abzuwiegeln.

„Wenn ihr Körper das Knochenmark nicht noch abstößt …“, seufzte er. „Und das wissen wir erst in den nächsten Tagen.“ Rosalie schluckte. „Ich habe die ganze Zeit versucht, ihr Mut zu machen“, fuhr er fort. „Sie hat furchtbare Angst, dass sie stirbt.“

„Dann sage ich die Party wohl besser ab.“ Rosalie blieb nichts anderes übrig, als jetzt alles auf eine Karte zu setzen.

„Welche Party?“, erwiderte er verdutzt.

„Zu meinem Geburtstag, übermorgen“, antwortete sie.

„Den habe ich total vergessen“, stellte er betroffen fest.

„Macht nichts“, log sie. „Ich verstehe doch, dass du jetzt andere Dinge im Kopf hast.“

„Natürlich macht das was!“, protestierte er. „Wo wolltest du denn feiern?“

„Unten im Restaurant“, erklärte sie prompt. „Oder ist das zu teuer?“

„Preiswert ist es nicht“, gab er zu bedenken.

„Ich hatte gehofft, du könntest deinen Onkel überreden, uns im Preis entgegenzukommen.“ Davon fühlte sich Felix gerade sichtlich überfordert. „Muss aber nicht sein“, sagte sie also schnell.

„Ich kann ja mal vorfühlen“, versprach er.

„Das wäre wunderbar“, säuselte sie. „Aber es eilt nicht. Ich kann meinen Geburtstag auch nachfeiern. Deine Schwester ist jetzt wichtiger.“

„Lieb von dir, danke.“ Er lächelte gequält.

„Und Felix? Komm bitte nicht auf die Idee, mir etwas zu schenken. Du hast schon genug für mich getan.“ Er entgegnete, dass sie das mal schön seine Sorge sein lassen sollte, und sie lächelte triumphierend in sich hinein. Sie hatte alles richtig gemacht. Und ihr Geburtstag würde ein rauschendes Fest werden –Viktoria hin oder her.

Marie staunte nicht schlecht, als weder Xaver noch Nils auf ihren Vorschlag reagierten, heute Abend zusammen etwas zu unternehmen. Im Gegenteil: Die beiden hatten sich offenbar zum gemeinsamen Fußballgucken verabredet. Und duzten sich seit Neuestem auch noch! Was sollte sie denn davon halten?

Aber Nils und Xaver waren fest entschlossen, ihre Vereinbarung durchzuhalten. Irgendwann musste Marie sich für einen von ihnen entscheiden. Und bis dahin würden sie einfach warten …

Simon hatte die Nacht im Krankenhaus verbracht. Und als er morgens aufwachte, sah er Dr. Kreuzkamm an Viktorias Bett stehen – der Arzt schien aus einem mehrseitigen Befund vorzulesen, aber Simon konnte nicht hören, was er sagte. Besorgt stellte er sich an die Scheibe, wo Viktoria ihn bemerkte.

Sie hielt dem Arzt ihre Hand hin, und der half ihr zögernd aus dem Bett. Auf seinen Arm gestützt näherte sie sich der Scheibe. Ungläubig beobachtete Simon sie. War sie wirklich gerade aufgestanden? Jetzt drückte die den Knopf der Gegensprechanlage.

„Ich habe es geschafft, Simon“, rief sie mit einem Strahlen im Gesicht. „Ich werde wieder gesund.“ Freudentränen liefen ihr übers Gesicht. Und auch Simon weinte, so glücklich war er über diese Botschaft.

Ben vergaß den Liebeskummer, als Simon nach Hause in die Dachkammer kam und erzählte, dass Viktoria nun wirklich gesund werden würde. Simon war noch ganz durcheinander.

„Ich habe so gekämpft, dass sie mich wieder in ihr Leben lässt …“, stammelte er. „Und dann … dann habe ich geglaubt, es war alles umsonst. Aber sie hat gekämpft.“

„Aus Liebe zu dir“, bestätigte Ben.

„Ich sage dir: Liebe versetzt Berge“, lächelte sein Mitbewohner. „Sie ist das Einzige, was zählt. Wenn du für die Liebe nicht kämpfst, wofür dann?“ Diese Worte hinterließen bei Ben einen tiefen Eindruck.

Auch Felix war natürlich außer sich vor Freude über die guten Nachrichten von seiner Schwester. Er würde ins Krankenhaus fahren, sobald er mit Herrn Sonnbichler gesprochen hatte. Denn Felix hatte von Nils und Xaver erfahren, dass Alfons ihnen schriftlich mit einer Abmahnung gedroht hatte. Und damit hatte der Chefportier deutlich seine Kompetenzen überschritten, zumal er sich nicht einmal mit der Geschäftsführung abgesprochen hatte.

Alfons verstand die Welt nicht mehr, als er derart kritisiert wurde. Er hatte das immer so gemacht, und der Seniorchef hatte das auch immer geduldet. Aber Felix war offenbar anderer Meinung.

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