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Traumtage der Leidenschaft

Prolog

 

Dimitri Angelaki stand breitbeinig am Ruder seines schnittigen Motorboots, das pfeilschnell durch das blaue Wasser der Ägäis schoss, auf den kleinen Fischerhafen von Olympos zu. Er sang leise vor sich hin, ein altes griechisches Liebeslied, das von Lebensfreude und Leidenschaft sprach.

Er sah hinter sich, wo seine schöne Frau ausgestreckt auf den cremefarbenen Lederpolstern lag und schlief. Genüsslich ließ er den Blick über ihren hinreißenden Körper gleiten, nur bekleidet mit einem winzigen türkisblauen Bikini, der ihre reizvollen Rundungen kaum bedeckte. Ihr langes aschblondes Haar, das ihr zartes Gesicht und die zierlichen Schultern umschmeichelte, schimmerte golden in der Sonne, und Dimitri durchzuckte es heiß, als er sich erinnerte, wie sie ihn erst vor wenigen Stunden mit diesem Haar auf höchst erotische Weise liebkost hatte.

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, denn er spürte das Verlangen erneut in sich wachsen. Das war das Wundervolle am Sex mit Olivia. Zuerst kam die Vorfreude: die feurigen Blicke, die ihm einheizten, die leidenschaftlichen Botschaften, die er in ihren klaren blauen Augen las. Dann fanden sie unausweichlich und hemmungslos zueinander: fantasievoll, wie von Sinnen, wild und zärtlich … stets jedoch unbeschreiblich befriedigend und erschöpfend.

Und schließlich konnte er sich wie jetzt jeden erotischen Augenblick erneut ins Gedächtnis rufen und vom ersten Blick bis hin zum ekstatischen Höhepunkt alles in seiner Vorstellung noch einmal erleben. Dimitri seufzte zufrieden und wandte seine Aufmerksamkeit etwas verspätet wieder dem Boot zu, das vom Kurs abgekommen war. Ja, sie ging ihm wirklich unter die Haut, und er liebte es, weil er sich dadurch unglaublich lebendig … und unglaublich männlich fühlte.

Manchmal, wenn sie sich geliebt hatten, hätte er am liebsten laut jubelnd die Siegesfaust zum Himmel gestreckt wie ein kleiner Junge, der gerade ein Tor geschossen hatte. Er lächelte bei der Vorstellung. Er, ein Wirtschaftsmagnat, der weltweit dafür beneidet wurde, dass er auch unter höchstem Druck kühl und gelassen blieb! Aber seine internationalen Immobiliengeschäfte erregten ihn nicht annähernd so sehr wie die Liebesnächte mit seiner schönen Frau. Leider brachte seine Arbeit sehr häufige Auslandsreisen mit sich, und da sein Terminkalender dann in der Regel zwischen Frühstück und Mitternacht voll war, machte es auch keinen Sinn, wenn Olivia ihn bei diesen Geschäftsreisen begleitet hätte.

Wenn sie dann aber Zeit füreinander hatten, war es umso schöner. An diesem Tag waren sie hinausgefahren und hatten vor der Küste geankert, um nackt im Meer zu baden. Dann hatten sie sich in einem Limonenhain geliebt, berauscht vom süßen Duft der Limonenblüten. Später hatte er auf einem Hügel aus Olivias Hand Hummer und Trauben gegessen mit Blick auf einen antiken Tempel, der Aphrodite, der Göttin der Liebe, gewidmet war. Und er, Dimitri, hatte seiner schönen Frau versichert, dass Aphrodite – oder Venus, wie die Römer sie nannten – ihr nicht das Wasser reichen könne.

So weit, so gut, wäre da nicht seine zunehmende Besorgnis um Athena gewesen. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag wünschte Dimitri sich, Athena würde endlich aus dem Krankenhaus anrufen und ihn beruhigen, dass alles in Ordnung sei. Seine wachsende Nervosität verdrängte die wundervollen Erinnerungen an den Tag mit Olivia. Aber war das nicht verständlich? Schließlich liebte er Athena von ganzem Herzen.

 

Olivia schreckte aus ihrem leichten Schlaf, als Dimitris Handy läutete. Es hatte an diesem Tag viel zu oft geläutet, doch sehr zu ihrem Ärger hatte er sich hartnäckig geweigert, es auszuschalten.

"Ein griechischer Mogul muss stets in Verbindung mit seinen Günstlingen bleiben", hatte er scherzhaft versichert.

"Du wirst sicher einen Günstling finden, der dir auch das abnimmt", hatte sie protestiert, bevor sein leidenschaftlicher Kuss sie alles andere hatte vergessen lassen.

Rückblickend sah sie die Sache etwas objektiver. Es war schon seit einiger Zeit ein Problem zwischen ihnen, wie sehr Dimitri sich von seiner Arbeit vereinnahmen ließ. Wenn er fort war, blieb ihr nur die Gesellschaft ihrer missgünstigen Schwiegermutter Marina, weshalb Olivia sich immer einsamer und unglücklicher fühlte. Und Marinas zweideutige Bemerkungen über Dimitris häufige Reisen verstärkten ihre Unsicherheit und ihre Zweifel, was Dimitris Gefühle ihr gegenüber betraf.

Olivia presste die Lippen zusammen. Seit sie und Dimitri vor sechs Monaten geheiratet hatten, hatte ihre Schwiegermutter nicht aufgehört zu sticheln.

"Alle griechischen Männer haben eine Geliebte", behauptete sie unaufhörlich. "Glaub nur ja nicht, mein Sohn sei da anders."

Eine Geliebte. War das die Erklärung, warum er so wenig Zeit für sie hatte? Selbst bei dem heutigen Ausflug zu dem antiken Amphitheater in Epidauros, auf den sie sich so lange gefreut hatte, hatte Dimitri immer wieder zerstreut und abgelenkt gewirkt. Olivia seufzte. Es hätte so romantisch sein können. Dimitri hatte ihr die unglaubliche Akustik des zweitausend Jahre alten Theaters demonstriert, indem er im Bühnenbereich geflüstert hatte: "Ich liebe dich." Und sie hatte oben in der vierundfünfzigsten Reihe der Zuschauerränge jedes einzelne zärtliche Wort verstanden. Gerührt war sie aufgestanden und hatte ihm eine Kusshand zugeworfen.

Doch leider hatte genau in dem Moment wieder sein Handy geläutet, und er hatte die Arena verlassen, damit Olivia sein Gespräch nicht hatte mithören können.

Olivia rekelte sich jetzt in den luxuriösen Ledersitzen des Bootes und beobachtete Dimitri ärgerlich. Er führte das Ruder sicher mit einer Hand, während er sich mit der anderen das Handy ans Ohr hielt. Sie kannte ihn zu genau und sah, wie er sich während des Telefonats sichtbar entspannte. Was lief da ab? Die Art, wie er das kleine Telefon hielt und hineinsprach, hatte etwas Zärtliches an sich. Vielleicht hatte ihre Schwiegermutter ja doch Recht.

Andererseits konnte Dimitri nicht die Hände von ihr lassen. Von dem Moment an, als sie vor zwei Jahren in London im Alter von vierundzwanzig Jahren seine Sekretärin geworden war, waren sie verrückt nacheinander gewesen. Wann immer sie in Gesellschaft waren, knisterte die Atmosphäre zwischen ihnen vor erotischer Spannung, wann immer sie allein miteinander waren, ließen sie ihren leidenschaftlichen Gefühlen freien Lauf.

Die Erinnerung an jene himmlischen Momente entfesselter Sinneslust erregte Olivia erneut. Sie presste die wohlgeformten Beine zusammen, um das heiße Pulsieren unter Kontrolle zu bringen. Machtlos gegen das aufwallende Verlangen, spürte sie, wie die Spitzen ihrer Brüste hart wurden und sich unter dem dünnen Stoff ihres winzigen Bikinioberteils abzeichneten.

Sie sah, dass Dimitri jetzt glücklich lachte und irgendetwas ins Telefon sagte, das sehr vertraulich zu sein schien. Heftige Eifersucht durchzuckte sie. Dimitri gehörte ihr … mit Leib und Seele!

Im nächsten Moment erschrak sie selber über ihr unbegründetes Misstrauen. Reumütig stand sie auf, ging zu Dimitri, legte ihm von hinten zärtlich die Arme um die schmale Taille und presste ihre vollen Brüste verführerisch an seinen Rücken.

Dimitri zuckte spürbar zusammen und sagte schnell etwas auf Griechisch ins Telefon. Olivia glaubte, "Wir sehen uns morgen" zu verstehen, aber ihr Griechisch war immer noch sehr schlecht. Mit einem raschen "Adio!" unterbrach Dimitri dann die Verbindung.

Sein Herz pochte unter ihren Händen. War es Furcht? Vielleicht hatte er ja doch eine Geliebte. Er war so oft auf Geschäftsreisen, dass er einem ganzen Harem zu Diensten hätte sein können!

Als er sich jedoch zu ihr umdrehte, verriet sein glühender Blick, dass er in diesem Moment nur an eine Frau dachte. Er presste sie an sich und küsste sie, wobei er mit einer Hand hinter sich langte, um den Motor des Bootes abzuschalten, und mit der anderen geschickt die schmalen Bänder ihres Bikinioberteils löste.

Er war erregt und hart. Und während Olivia sich verlangend an ihn schmiegte, wünschte sie sich gleichzeitig, sie könnte sich sicher sein, dass er sie begehrte und nicht die Frau, mit der er möglicherweise telefoniert hatte.

"Wer war das?" fragte sie deshalb.

Dimitri ließ die Finger langsam durch ihr helles aschblondes Haar gleiten, das ihre sonnengebräunten Schultern umschmeichelte. Der Kranz aus Limonenblüten, den er ihr wie eine Krone auf den Kopf gesetzt hatte, glitt zu Boden und verbreitete dabei seinen betörenden Duft. Dimitri liebkoste ihren Hals genüsslich mit zarten, erregenden Küssen, ehe er schließlich antwortete: "Ein Freund."

Es klang ihr eine Spur zu beiläufig. "Kenne ich ihn?" erkundigte sich Olivia betont gleichmütig.

Sein kaum merkliches Zögern steigerte ihren Verdacht. "Nein. Vergiss es, Darling. Konzentrier dich lieber darauf, was ich jetzt mit dir vorhabe, ja?"

Obwohl sie sich bemühte, ihm zu widerstehen, hatte sie keine Chance. Mit Leichtigkeit brachte er sie dazu, dass sie ihre Lippen dem Drängen seiner Zunge öffnete. Und als er dann die Bänder ihres Bikinihöschens löste und sie auf unglaublich erotische Weise zu liebkosen begann, war sie vollends verloren. Während Dimitri ihr freizügige Zärtlichkeiten ins Ohr flüsterte, sank sie zusammen mit ihm auf das warme Teakdeck des Bootes.

Verlangend tastete sie nach dem Bund seiner Badeshorts und streifte sie ihm hinunter. Mit beiden Händen umfasste sie seinen straffen Po und spürte, wie Dimitri unter ihren massierenden Liebkosungen erschauerte. Er war ein geradezu unersättlicher Liebhaber. Gelegentlich erfüllte sein leidenschaftliches Verlangen Olivia mit ehrfürchtigem Staunen, aber auch sie konnte genauso wild und hemmungslos sein. Und dann gab es Moment wie jetzt, da seine Zärtlichkeit und Rücksicht auf ihre Bedürfnisse sie tief berührte.

Sie vergaß sich im Rausch der Lust. Stöhnend kam sie Dimitris Liebkosungen entgegen, bereit, sich von ihm auf den Gipfel der Ekstase führen zu lassen. Er liebt mich! dachte sie trotzig. Schließlich hatte er sie geheiratet, oder nicht?

 

An diesem Abend saß Olivia zusammen mit Dimitri und dessen kürzlich verwitweter Mutter Marina auf der Terrasse von Dimitris Villa. Sie tranken starken griechischen Kaffee und beobachteten, wie die Sonne feurig rot über der Bucht von Olympos versank.

Seit Dimitri und Olivia eng umschlungen von ihrem Tagesausflug zurückgekehrt waren, hatte Marina ein missmutiges Gesicht zur Schau getragen. Ihr Anblick entmutigte Olivia einmal mehr. Es war wirklich nicht leicht, mit einer so feindseligen Schwiegermutter unter einem Dach zu wohnen. Andererseits konnte Olivia sehr gut verstehen, wie einsam sich Marina seit dem Tod ihres Mannes fühlte. Auch sie hatte diese Einsamkeit erfahren, als ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Spontan berührte sie mitfühlend den Arm ihrer Schwiegermutter. Doch diese schob ihre Hand sofort weg und warf ihr, von Dimitri unbemerkt, einen misstrauischen Blick zu.

Olivia gab nicht so leicht auf. "Was für ein schöner Sonnenuntergang!" versuchte sie, ein unverfängliches Gespräch zu beginnen.

"Er ist hier immer schön", antwortete Marina Angelaki säuerlich. "Ich nehme an, ihr beide lasst mich morgen wieder allein? Soweit ich mich erinnere, wolltet ihr zum Einkaufsbummel nach Athen."

"Oje!" Dimitri stellte seine Kaffeetasse auf den Tisch.

Sein Gesicht verriet Olivia, dass er den Ausflug absagen musste. Es würde das dritte Mal sein, und dabei hatte er ihr hoch und heilig versprochen, dass er sie nie wieder enttäuschen würde! "Nicht schon wieder deine Geschäfte!" protestierte sie.

Es war ihm sichtlich unangenehm. "Es ist … eine Besprechung, die ich unmöglich absagen kann. Und danach muss ich für eine Woche nach Tokio. Entschuldige, aber ich werde es wieder gutmachen." Er lächelte zerstreut, als wäre er mit den Gedanken ganz woanders. "Wenn ich zurück bin, machen wir einen Rieseneinkaufsbummel bis an die Grenzen unserer Kreditkarten."

"Ich bin kein Kind, das sich mit Geschenken bestechen lässt", erklärte Olivia gekränkt und unglücklich. Er würde sie also wieder allein lassen.

"Nein, natürlich nicht. Aber diese Sache ist wichtig." Dimitri stand auf. "Ich muss deshalb noch einige vorbereitende Anrufe tätigen. Wenn ihr mich also entschuldigt?"

"Günstlinge!" sagte Olivia schmollend.

Er war schon auf dem Weg zur Tür und hielt inne. Es drängte ihn, Athena anzurufen und sich zu vergewissern, dass ihre Scheinwehen wirklich verschwunden waren, und Olivias Kleinlichkeit ärgerte ihn. Dimitri sah seine junge, schöne Frau prüfend an. Sie verstand nicht, worum es ging. Sie hatte alles: Geld, einen Ehemann, Sicherheit. Athena hatte im Vergleich dazu so wenig … obwohl er, Dimitri, soweit es in seiner Macht stand, dafür sorgen wollte, dass es ihr an nichts fehlte. In seiner frühen Kindheit hatte er Armut am eigenen Leib kennen gelernt und auch die zermürbende Existenzangst, die damit verbunden war. Athenas Kind, dessen Geburt nun unmittelbar bevorstand, würde ein Angelaki sein, deshalb hätte er sowieso für sie und ihr Kind gesorgt, auch wenn er es seinem Vater nicht auf dem Sterbebett versprochen hätte.

Bei Athena hatte Theo Angelaki, sein Vater, die Liebe und Wärme gefunden, die er in seiner Ehe so vermisst hatte. _Dimitri hatte mit sehr gemischten Gefühlen beobachtet, wie glücklich sein Vater mit seiner deutlich jüngeren Geliebten gewesen war. Einerseits hatte er sich für ihn gefreut, andererseits würde er auch nie seinen Schwur brechen, dass seine Mutter die demütigende Wahrheit nie erfahren solle. Das war eine Frage der Ehre und des Respekts vor den Gefühlen seiner Mutter.

Und nun, da Athena ihn besonders brauchte, hatte er überhaupt kein Verständnis für die Unzufriedenheit seiner Frau. "Vergiss nicht, dass du all diesen Luxus nur genießen kannst, weil ich so hart arbeite", wies er sie unnötig schroff zurecht und verschwand im Haus.

Seine unfaire Bemerkung hatte Olivia tief getroffen. Sie hatte immer nur Dimitri und nicht seine Millionen gewollt. Bis zu ihrer Ehe hatte sie sich ihren Lebensunterhalt stets selber verdient. Nicht zuletzt deshalb langweilte sie sich jetzt, da sie nichts anderes zu tun hatte, als zu Hause zu sitzen und auf ihn zu warten. Ihr Griechisch war noch nicht gut genug, dass sie in ihrem Beruf hätte arbeiten können … wobei Dimitri es vermutlich sowieso nicht zugelassen hätte. Und da seine Mutter sich um den Haushalt kümmerte und der Garten von professionellen Gärtnern gepflegt wurde, blieben ihr als einzige Beschäftigung nur Sightseeingund Shopping-Touren. Und die Sehnsucht nach Dimitris Rückkehr.

Auch das Paradies hatte seine Kehrseite. Olivia betrachtete unglücklich die unbezahlbare Aussicht. Die Sonne versank nun als glühender Feuerball am Horizont, und ihre letzten Strahlen tauchten den Abendhimmel in malerisches Gold und Rot. Aus irgendeinem Grund war Olivia plötzlich den Tränen nahe und verspürte Heimweh nach ihren Freunden in England.

"Du liebe Güte!" bemerkte ihrer Schwiegermutter gespielt besorgt. "Euer erster Streit."

"Wir sind beide sehr temperamentvoll", entgegnete Olivia kühl.

"Dimitri mag es einfach nicht, wenn eine Frau ihm widerspricht."

"Er hat gewusst, worauf er sich einlässt, als er mich geheiratet hat. Wir hatten schon zwei Jahre zusammengearbeitet und miteinander geschlafen. Er mag meine Unabhängigkeit, mag es, wenn ich mich gegen ihn behaupte."

"Damals mochte er es", korrigierte Marina Angelaki sie. "Aber jetzt nicht mehr, da du seine Frau bist. Da erwartet er Gehorsam. Andernfalls muss dir klar sein, dass er sich einer anderen zuwenden wird, die duldsamer und nachgiebiger ist. Wie seine Geliebte. Und ich nehme an, genau dorthin zieht es ihn jetzt", fügte sie befriedigt hinzu.

"Geliebte? Glaub mir, meine Leidenschaft lässt ihm keine Energie mehr für eine andere Frau", erwiderte Olivia unverblümt, denn die Gehässigkeit ihrer Schwiegermutter hatte sie tief getroffen.

Marina Angelaki presste missbilligend die Lippen zusammen. "Mein Sohn ist anscheinend mehr Mann, als du ahnst. Sie heißt, glaube ich, Athena. Ich werde dir ihre Adresse geben. Dann kannst du dich persönlich überzeugen."

Eisige Angst erfasste Olivia. Ihre Schwiegernmutter schien sich so sicher. Bitte nicht! dachte sie und stand auf. "Ich … gehe jetzt ins Bett. Gute Nacht."

Als sie das große Schlafzimmer betrat, sah sie sich zu ihrer Überraschung Dimitri gegenüber, der sich auf dem Bett ausgestreckt hatte und offenbar bester Laune telefonierte. Sobald er jedoch Olivia erblickte, beendete er abrupt das Gespräch, was ihren Verdacht schürte.

Einen Moment lang beäugten sie sich schweigend und misstrauisch. Ein Ausdruck von Enttäuschung huschte über Dimitris Gesicht. Wortlos stand er auf und ging an ihr vorbei.

"Wo gehst du hin?" Unglücklich stellte sie fest, dass sie wie die sprichwörtliche nörgelnde Ehefrau klang.

"Aus."

"So spät noch?" Es war dumm, aber sie begriff plötzlich, was Frauen dazu trieb. Sie vertrauten ihren Männern nicht und hatten oft genug allen Grund dazu.

Dimitri sah den flehentlichen Ausdruck in ihren blauen Augen und hätte es ihr fast gesagt. Doch er riss sich zusammen. "So spät noch", bekräftigte er schroff und verließ das Schlafzimmer, ehe er schwach werden würde.

Olivia blickte sich in dem luxuriös ausgestatteten Raum um. All das gehörte ihr … sie war Miteigentümerin dieser Villa, eines Penthauses in Athen mit Blick auf die Akropolis, einer georgianischen Stadtvilla am Berkeley Square in London, einer Yacht, eines Privatjets und Herrin über nahezu unerschöpfliche finanzielle Mittel. Und dennoch fühlte sie sich in diesem Moment allem beraubt, das ihr etwas wert schien. Denn aller Reichtum und Luxus waren nichts wert ohne Dimitris Liebe. Wenn sie ihm nichts mehr bedeutete, besaß sie nichts, was ihr etwas wert war. Sie betrachtete ihre zittrigen Hände. Der funkelnde Verlobungsdiamant an ihrem linken Ringfinger schien sie zu verspotten. Das glitzernde Diamantkollier an ihrem Hals kam ihr plötzlich wie eine Sklavenfessel vor.

Sie war jetzt Dimitris Frau. Sein Besitz. Gemäß ihrer sehr traditionellen Trauungszeremonie musste sie ihrem Ehemann mit Ehrfurcht begegnen. Anderseits … war er wiederum angewiesen worden, sie zu lieben, als wäre sie ein Teil von ihm. Schön. Entweder liebte er sie oder nicht. Sie würde sich nicht als reines Sexobjekt benutzen lassen oder als "Zuchtstute" für Angelaki-Erben, während Dimitri sich anderweitig vergnügte. In Situationen wie dieser galt es, zu schwimmen oder unterzugehen … und sie hatte sich noch nie unterkriegen lassen!

Ihr Entschluss stand fest. Wenn Dimitri eine Geliebte haben sollte, würde sie ihn verlassen. Morgen würde sie ihren Stolz hinunterschlucken und seine Mutter nach der Adresse fragen.

Langsam ging sie ins Bad. Die Limonenblüten, die sie zur Zierde auf die Waschbeckenablage gelegt hatte, waren verwelkt. Sollte das ein Omen sein? Olivia begegnete ihrem entschlossenen Blick in dem goldgerahmten Spiegel und erfasste erst jetzt die mögliche Tragweite ihrer Entscheidung. Morgen um diese Zeit konnte sie schon im Flugzeug zurück nach England sitzen.

1. Kapitel

 

Es war drei Jahre her, dass sie zuletzt in Athen gewesen war. Drei endlose Jahre, seit sie Dimitri verlassen hatte … nachdem sie in einem Anfall von Wut und Hilflosigkeit ihr Schlafzimmer in einen Scherbenhaufen verwandelt hatte. Es hatte ihren Schmerz nicht gelindert.

Dimitri hatte sie wirklich betrogen. Sie hatte sich mit eigenen Augen davon überzeugt. Marina hatte sie in ein kleines Dorf in der Nähe von Mykenä gefahren, und sie waren gerade noch rechtzeitig gekommen, um mit anzusehen, wie Dimitri seine Geliebte fürsorglich zu seinem Wagen führte. Seine hochschwangere Geliebte.

Die Frau hatte offensichtlich Wehen. Dimitris zärtliche Sorge um diese Frau, die sein Kind trug, zu sehen, hatte Olivia mehr verletzt, als hätte sie die beiden im Bett überrascht. Und ihr war sofort klar gewesen, dass sie Dimitri diesen Verrat nie verzeihen würde.

Als sie wieder in der Villa ankamen, hatte Marina sie triumphierend daran erinnert, dass Dimitri sich zu dem Zeitpunkt sicher schon auf dem Flug nach Tokio befinde. "Geh nach Hause zurück", hatte ihre Schwiegermutter gedrängt. "Nach England, wo man dich kennt und du Freunde hast."

Ihre Nachricht für Dimitri war sehr kurz gewesen: Wenn es in einer Ehe keine Liebe gibt, wäre es ein Fehler, sie fortzuführen.

Dennoch hatte sie in einem Winkel ihres Herzens gehofft, ihre Ehe wäre noch zu retten gewesen. Vielleicht würde Dimitri sie ja in England aufspüren und sie um Verzeihung bitten, so dass sie noch einmal neu anfangen könnten.

Doch er hatte nicht versucht, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. Und für Olivia war es, als hätte man ihrem Leben die Sonne genommen. Alle anderen Männer kamen ihr im Vergleich mit Dimitri blass und langweilig vor. England schien ihr noch grauer, als sie es in Erinnerung hatte. Sie vermisste die überschwängliche Lebensfreude der Griechen und einen griechischen Mann insbesondere … aber sie musste das alles hinter sich lassen und weiterleben. Und die Scheidung war der erste Schritt dazu.

"Wie fühlen Sie sich, Olivia?" fragte Paul Hughes, ihr Anwalt und Freund, und nahm fürsorglich ihre Hand.

Olivia entzog sie ihm und tat, als würde sie den Sitz ihrer eleganten Hochfrisur überprüfen. "Bereit für die Schlacht", sagte sie energisch.

"Nächsten Monat können Sie eine der reichsten und mächtigsten Frauen in Europa sein", meinte Paul aufmunternd.

Geld und Macht. War das alles, was die Männer interessierte? Warum stand bei ihnen nicht auch die Liebe an erster Stelle wie bei den Frauen? Sie lehnte sich in ihrem Sitz zurück und strich sich nervös über den engen Rock ihres weißen Leinenkostüms. Ihre Hand zitterte. Entschlossen richtete Olivia den Blick geradeaus auf den Hinterkopf des Chauffeurs und schürte bewusst ihren Zorn, indem sie sich an den Moment erinnerte, als Dimitri ihre Liebe verraten hatte.

 

Auf seiner Yacht, die in der Nähe des Hafen von Piräus am Landungssteg lag, beantwortete Dimitri gerade seine E-Mails und versorgte so seine rund um den Globus verteilten Immobilienagenten mit neuen Instruktionen. Die Geschäfte liefen gut … kein Wunder, da er sich in den vergangenen drei Jahren fast um nichts anderes gekümmert hatte.

Von Unruhe befallen, stand er vom Schreibtisch auf und reckte die verspannten Glieder. Ungeduldig blickte er auf die Uhr. In zehn Minuten würde sie da sein. Seit dem Anruf hatte er an nichts anderes mehr gedacht. Ihr verführerischer Duft, der aufreizende Blick, wenn sie die Arme um ihn legte …

"Ich will die Scheidung", hatte sie ihn vor zwei Tagen am Telefon kühl informiert.

"Dann komm, und hol sie dir", hatte er nur geantwortet und die Verbindung unterbrochen.

Danach hatte er eine Stunde lang reglos dagesessen. Unzählige Fragen hatten ihn bestürmt, die er Olivia gern gestellt hätte. Wo bist du gewesen? Warum bist du wie ein Feigling davongelaufen? Und warum hast du mich überhaupt geheiratet? War es wirklich nur wegen Sex und Geld, wie mir alle immer wieder eingeredet haben, bis ich tatsächlich am anfänglichen Glück unserer Ehe gezweifelt habe? Und natürlich die schlimmste aller Fragen: Habe ich dir je etwas bedeutet?

Nachdenklich blickte Dimitri aufs Meer hinaus und fragte sich, warum sie so lange mit der Scheidung gewartet hatte. Vielleicht fürchtete sie seinen Zorn. Aus gutem Grund. Obwohl seine Mutter der Meinung war, ihr sei wohl das Geld ausgegangen, und das wiege sicher schwerer als all ihre Angst. Doch er zweifelte daran, denn er zahlte ihr immer noch auf ihr altes Bankkonto eine mehr als großzügige Unterstützung.

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