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Traummänner & Traumziele: Florida

Catherine Mann, Ryanne Corey, Sandra Marton, Katherine Garbera

Traummänner & Traumziele: Florida

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1. KAPITEL

Seitdem Alexa Randall ihr eigenes Reinigungsunternehmen für Charter Jets gegründet hatte, hatte sich eine beachtliche Menge verlorener und gefundener Gegenstände angesammelt. Da gab es Smartphones, Aktentaschen, Schreibblöcke und sogar eine überaus wertvolle Armbanduhr. Selbstverständlich hatte Alexa alle Fundstücke ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben.

Verstreut herumliegende Höschen hingegen sowie gelegentlich auch erotisches Spielzeug – von Menschen, die durch Sex in luftigen Höhen Mitglieder im sogenannten Mile High Club geworden waren – fasste sie nur mit Latexhandschuhen an und warf sie in den Müll.

Doch der Fund des heutigen Tages hatte eindeutig das Zeug dazu, in die Annalen der Geschichte des A1-Aircraft-Cleaning-Service einzugehen. Nie zuvor hatte sie ein Baby an Bord einer Maschine gefunden – geschweige denn gleich zwei davon.

Verblüfft ließ sie den Eimer fallen, der mit einem dumpfen Laut auf den dicken blauen Teppich schlug und die schlafenden Kinder weckte. Es bestand kein Zweifel daran, dass dort zwei etwa einjährige Kinder mit scheinbar identischem blonden Lockenschopf und engelsgleichen Pausbäckchen lagen. Den blauen und rosafarbenen Sachen sowie den farblich abgestimmten Kindersitzen nach zu urteilen, handelte es sich um einen Jungen und ein Mädchen.

Da Alexa als Einzige vom A1-Aircraft-Cleaning-Service an Bord war, musste sie allein mit dieser Situation zurechtkommen und schaltete eine weitere Lampe im Hauptabteil des schnittigen Privatjets ein. Das Flugzeug stand im Hangar. Daher war es selbst um drei Uhr nachmittags relativ dunkel im Inneren der Maschine.

Die Babys saßen in ihren Kindersitzen auf einem Ledersofa an der Seitenwand des Privatjets von Seth Jansen. Dem Seth Jansen, der durch die Entwicklung hochmoderner Sicherheitstechnik für Flughäfen ein Vermögen verdient und sich selbst zum Selfmade-Millionär gemacht hatte. Alexa bewunderte den unternehmerischen Pioniergeist dieses Mannes, und es wäre ein wahrer Glücksfall für ihr Unternehmen, ihn zu ihren Kunden zählen zu dürfen. Umso wichtiger war es demnach, dass die erste Reinigung seines Flugzeuges reibungslos über die Bühne ging.

Die Babys ballten ihre winzigen Händchen zu Fäusten, bevor sie wieder einschliefen. Das kleine Mädchen stieß einen glücklichen Seufzer aus und atmete tief und gleichmäßig. Jetzt erst sah Alexa den Zettel, auf den das Kind seinen Arm hatte sinken lassen.

Konzentriert beugte Alexa sich vor, um zu lesen, was darauf stand:

Seth,

Du hast immer gesagt, dass Du mehr Zeit mit den Zwillingen verbringen möchtest. Jetzt hast Du die Gelegenheit dazu. Tut mir leid, dass ich Dich damit so überfalle, aber ein Freund hat mich mit einem vierzehntägigen Wellnessurlaub überrascht. Genieß Deine Zeit als Daddy mit Olivia und Owen!

Küsse und Umarmungen

Pippa

Pippa? Entsetzt richtete Alexa sich auf. Hatte Pippa Jansen, die Exfrau von Seth Jansen, ihre Kinder etwa einfach so im Jet zurückgelassen? Wütend schüttelte Alexa den Kopf und schob die zu Fäusten geballten Hände in die Taschen ihrer marineblauen Chinohose – welche zusammen mit einem blauen Poloshirt, auf dem das Logo der Firma eingestickt war, die Arbeitsuniform des Reinigungspersonals von A1 darstellte.

Und wie kam sie dazu, den Brief mit dem Zusatz Küsse und Umarmungen zu versehen, obwohl das Ehepaar doch offensichtlich zerstritten war? Alexa ließ sich in einen der bequemen Stühle sinken. Die noch wichtigere Frage bestand eigentlich darin, wer die Kinder einfach so unbeaufsichtigt an Bord eines Flugzeuges zurückgelassen hatte.

Die Reichen und Einflussreichen kannten kein Pardon und spielten nach ihren eigenen Regeln, das wusste Alexa aus eigener Erfahrung, denn sie war in diesen Kreisen groß geworden. Als Kind hatte sie sich stets anhören müssen, wie gut sie es doch hatte – dabei hatte sie mehr Zeit mit ihrer hingebungsvollen Nanny als mit ihren eigenen Eltern verbracht.

Das Beste, das ihr jemals widerfahren war, war die Tatsache, dass ihr Vater das Familienunternehmen für Sportbekleidung in den Ruin getrieben hatte, womit Alexa lediglich der Treuhandfonds ihrer Großmutter im Wert von einigen Tausend Dollar geblieben war.

Sie hatte das Geld dafür verwendet, sich als Teilhaberin in ein Reinigungsunternehmen, das kurz vor dem finanziellen Aus stand, einzukaufen. Bethany, die ältere Besitzerin des Unternehmens, war nicht mehr in der Lage, die Arbeit allein zu bewältigen. Deswegen war sie Alexa überaus dankbar für ihre Energie und die zweite Chance gewesen, die sich A1 dadurch bot. Mithilfe der alten Kontakte ihrer Familie zu den Reichen und Berühmten war es Alexa gelungen, die Firma wieder zum Florieren zu bringen. Ihr Exmann Travis war allerdings entsetzt gewesen über ihren neuen Broterwerb und hatte ihr angeboten, ihr Unterhalt zu zahlen, doch lieber hätte Alexa Toiletten geputzt, als dieses Angebot anzunehmen.

Deswegen lag ihr besonderes Augenmerk jetzt auch auf diesem Jet vom Typ Gulfstream III, der Seth Jansen gehörte. Sie hoffte nämlich, den millionenschweren Unternehmer so sehr mit ihrer Arbeit zu beeindrucken, dass er einen Vertrag mit dem A1-Aircraft-Cleaning-Service unterzeichnete. Ihr Dienstleistungsunternehmen hatte den Auftrag dringend nötig, denn der Markt war heiß umkämpft. Falls sie versagte, lief sie Gefahr, alles zu verlieren und A1 in den Bankrott zu führen. Sie hatte ihr Glück gar nicht fassen können, als ihr von einer anderen Reinigungsfirma ein Subunternehmervertrag für die Reinigung von Jansens Flugzeugen angeboten worden war.

Allerdings war ihrer Glückssträhne mit dem Fund dieser zwei Babys anscheinend ein jähes Ende beschieden. Sie wischte etwas Staub von einem Sitzpolster und betrachtete die Fingerabdrücke auf der Fensterscheibe. Allerdings konnte sie ja schlecht damit fortfahren, den Teppich zu saugen und die Mineralwasservorräte aufzufüllen, und dabei so zu tun, als wären die Kinder nicht anwesend. Sie musste die Flughafensicherheit informieren, die Jansens Ex das Leben sicherlich zur Hölle machen würde – und Jansen selbst wahrscheinlich auch. Das würde ihn vermutlich nicht gerade entzücken. Darüber hinaus wäre der Jet immer noch nicht gereinigt. Alles in allem würde Jansen danach bestimmt nicht dazu aufgelegt sein, den Vertrag mit Alexas Firma zu unterzeichnen.

Frustriert dachte Alexa daran, dass dieser Vertrag genügen würde, um A1 ein für alle Mal aus den roten Zahlen zu holen. Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als den Vater der beiden Kinder so schnell wie möglich ausfindig zu machen.

Sie nahm ihr Handy hervor und suchte im Telefonbuch nach der Nummer von Jansen Jets. Bereits einen ganzen Monat lang, nachdem sie in den Besitz dieser Nummer gekommen war, hatte sie versucht, persönlich mit Jansen zu sprechen, war aber immer nur bis zu seiner Sekretärin vorgedrungen. Vielleicht hatten die Babys ja doch etwas für sich, dachte Alexa und betrachtete die schlafenden Kinder. Immerhin würde sie heute die Gelegenheit erhalten, mit dem Boss höchstpersönlich zu sprechen. Allerdings aus einem anderen Grund als ursprünglich geplant, denn Jansen würde angesichts der Umstände sicher nicht der Sinn danach stehen, einen Vertrag mit A1 auszuhandeln.

Sie wählte und wartete, bis der Anruf entgegengenommen wurde.

„Jansen Jets, bitte warten Sie“, sagte eine melodische Frauenstimme mit unverkennbarem Südstaatenakzent. Bevor Alexa etwas erwidern konnte, wurde die Leitung umgeschaltet, und eintönige Hintergrundmusik erklang.

Ein Schrei erklang von einem der Kindersitze und zog Alexas Aufmerksamkeit auf sich. Rasch sah sie auf und beobachtete, wie Olivia sich in dem Sitz wand und die farbenfrohe Babydecke wegstrampelte, bevor sie ihren Schnuller ausspuckte und immer lauter zu wimmern begann. Das wiederum weckte ihren Bruder, der keineswegs besonders glücklich über die Störung zu sein schien. Sein Schnuller baumelte an einer Kette, die an seinem blauen Strampler im maritimen Look befestigt war.

Zwei Paar lavendelblauer Augen starrten Alexa an, zwei kleine Näschen waren gerümpft. Owens Augen füllten sich mit Tränen, und Olivia schob schmollend die Unterlippe vor.

Während sie das Telefon mit der Warteschleifenmusik unter das Kinn klemmte, hievte Alexa die Wickeltasche vom Boden hoch.

„Hey“, sagte sie und hoffte, einigermaßen beschwichtigend zu klingen, da sie kaum Erfahrung mit Kindern hatte. „Ich weiß, meine Süßen, ich bin fremd für euch, aber ich bin nun mal alles, was ihr gerade habt.“

Wie mies musste man eigentlich sein, überlegte sie wütend, seine Kinder einfach wie Gepäckstücke zurückzulassen? Hatte die wellnessbegeisterte Mutter sich eigentlich Gedanken darüber gemacht, wann der Vater seine Kinder finden würde?

„Und du bist Olivia, richtig?“ Sie kitzelte das Mädchen, das ein rosa Kleidchen trug, unter den nackten Füßen und zog dem kichernden Kind den pinkfarbenen Babyschuh aus dem Mund. Plötzlich schob die Kleine wieder die Unterlippe vor, und Alexa beeilte sich, einen Beißring aus der Wickeltasche hervorzuholen und ihn dem pausbäckigen Mädchen in die Hand zu drücken.

„Und du musst Owen sein.“ Sie zwickte in den blauen Tennisschuh des Jungen, der noch ordnungsgemäß am Fuß des Kindes saß – ganz im Gegensatz zu dem Schuhwerk seiner Schwester, die gerade mit einem rekordverdächtigen Wurf ihren anderen Schuh durch die Kabine schleuderte. „Hast du eine Ahnung, wo euer Daddy steckt? Oder wann er kommt?“

Der Sicherheitsdienst hatte ihr gesagt, dass ihr ungefähr eine halbe Stunde Zeit für den Service bleiben würde, bevor Mr Jansen eintraf. Auch wenn sie ihn sehr gern persönlich getroffen hätte, gehörte es sich nicht für das Reinigungspersonal, noch an Bord zu sein, wenn die Passagiere eintrafen. Eigentlich hatte sie gehofft, dass ihre Arbeit und eine Visitenkarte auf dem silbernen Getränketablett für sich selbst sprechen würden. So viel also zu ihren wohlüberlegten Plänen.

Sie griff nach der Babydecke auf dem Boden, faltete sie sorgfältig zusammen und legte sie auf die Couch. Dann strich sie Owen die feuchten Locken aus der Stirn. Der Junge verstummte und starrte sie an, während aus dem Hörer mittlerweile der vierte Song erklang – „Sweet Caroline“. Offenbar hatte man Alexa in eine Art Warteschleifenfegefeuer verbannt.

Wie lange würde es wohl dauern, bis die Kinder Hunger bekamen? Auf der Suche nach etwas Brauchbarem spähte sie in die Wickeltasche. Vielleicht würde sie ja auch eine Kontaktadresse unter den benutzten Saftbechern, der Milchtrockennahrung, den Gläschen mit Babybrei und den Unmengen von Windeln entdecken.

Als sie Schritte vom Treppenaufgang draußen hörte, schreckte sie auf, ließ die Wickeltasche fallen und drehte sich im selben Augenblick um, in dem ein hochgewachsener und breitschultriger Mann durch die Eingangsluke an Bord kam. Da er das Sonnenlicht im Rücken hatte, konnte man sein Gesicht im Halbschatten nicht richtig erkennen.

Instinktiv stellte Alexa sich beschützend vor die Babys. „Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“

Schweigend trat er näher, und im Licht der Bordbeleuchtung erkannte Alexa schließlich das Gesicht, das sie im Zuge ihrer Internetrecherchen bereits mehrere Male gesehen hatte: Seth Jansen, Gründer und Chef von Jansen Jets. Alexa war erleichtert, denn mit seinem frühen Eintreffen war ihr eine schwierige Entscheidung abgenommen worden. Außerdem verstand dieser Mann sich auf einen filmreifen Auftritt, wie sie fand.

Von den Pressefotos her war ihr bereits bekannt, dass er gut aussah und ihm das gewisse Etwas eines griechischen Gottes anhaftete. Trotzdem waren die Fotos, die sie mithilfe von Google gefunden hatte, nicht annähernd in der Lage gewesen, Alexa auf die persönliche Begegnung mit dem atemberaubend attraktiven Selfmade-Milliardär vorzubereiten.

Er mochte annähernd einen Meter neunzig groß sein – durch und durch ein ganzer Mann und keineswegs ein blasser Bürohengst. Vielmehr glich er einem muskulösen Holzfäller – allerdings einem, der in einem teuren maßgeschneiderten Anzug steckte.

Sein sandfarbenes Haar war dicht und voll und wurde von hellen Strähnchen durchzogen, die definitiv vom Aufenthalt im Freien und keineswegs von dem Besuch in einem exklusiven Friseursalon herrührten. Dafür sprach auch sein gebräunter und durchtrainierter Körper. Auch gab es keine waschbärähnlichen Ringe von einer Schutzbrille um die Augen, wie man sie normalerweise auf einer Sonnenbank trug. Ein Windhauch frischer Luft umgab ihn und nicht, wie Alexa es von ihrem Vater und ihrem Ex kannte, der aufdringliche Geruch eines Aftershaves. Allein bei der Erinnerung an den süßlichen Duft von Zigarren und Eau de Cologne rümpfte sie unwillkürlich die Nase.

Seth Jansens Augen waren von einem Grün, das Alexa an die Karibik vor St. Maarten denken ließ – ein funkelndes Seegrün, das den Wunsch wach werden ließ, sofort in die einladenden Fluten einzutauchen und die Tiefen zu ergründen. Ihre Haut prickelte bei der Vorstellung an ein Bad in diesen reinen Gewässern.

Wie unprofessionell von ihr, einfach hier zu stehen und ihn wie eine geschiedene Frau anzustarren, die unter Sexentzug litt – was sie im Grunde genommen ja auch war.

„Guten Tag, Mr Jansen. Ich bin Alexa Randall vom A1-Aircraft-Cleaning-Service.“

Er zog seine offenkundig teure Anzugsjacke mit den grauen Nadelstreifen aus. Als er den Hemdkragen öffnete und Alexa die burgunderrote Krawatte erblickte, war sie ein wenig überrascht. Immer stärker wurde ihr Eindruck, dass es sich bei Jansen um einen olympischen Athleten im Designeranzug handelte.

„Stimmt.“ Er sah auf seine Armbanduhr, einen hochmodernen Chronographen. „Ich bin zu früh, aber ich muss sehr zeitig los. Daher würde ich es sehr zu schätzen wissen, wenn Sie sich ein bisschen beeilen könnten.“

Jansen ging an ihr und den beiden Kindern vorbei – seinen Kindern. Alexa räusperte sich. „Es wartet ein Begrüßungskomitee auf Sie.“

„Da müssen Sie sich irren.“ Er verstaute seine Aktentasche. „Ich fliege heute allein.“

Sie hielt ihm Pippas Brief entgegen. „Es scheint fast so, als hätten sich Ihre Flugpläne soeben geändert, Mr Jansen.“

Wie erstarrt blieb Seth Jansen stehen und sah über die Schulter zu Alexa Randall. Sie war die Besitzerin einer neuen kleinen Firma und versuchte seit nahezu einem Monat, seine Aufmerksamkeit zu erregen und ihn von ihrer Arbeit zu überzeugen. Ja, er wusste, wer diese umwerfend gut aussehende Blondine war. Doch er hatte keine Zeit, sich ihr Angebot anzuhören, was ohnehin schon so gut wie abgelehnt war. Obwohl er Ausdauer und Hartnäckigkeit im Business durchaus zu schätzen wusste, verabscheute er billige Werbetricks. „Lassen Sie uns bitte gleich auf den Punkt kommen.“

Ihm blieben weniger als zwanzig Minuten, um seine Gulfstream III in die Luft von Charleston, South Carolina, nach St. Augustine in Florida zu bringen. Dort erwartete ihn ein Geschäftstreffen, für das er die letzten sechs Monate hart gearbeitet hatte. Er war zum Dinner mit dem Sicherheitschef der Medinas verabredet, einer entmachteten königlichen Familie, die in den USA im Exil lebte. Ein ziemlich fetter Brocken. Eine Gelegenheit, die sich einem nur einmal im Leben bot.

Damit würde er endlich mehr Freiheiten besitzen und könnte sich auf seine karitative Arbeit konzentrieren. Freiheit. Heutzutage hatte dieser Begriff eine völlig andere Bedeutung für ihn als damals, als er seinen Lebensunterhalt damit verdient hatte, in North Dakota Sprühflugzeuge zu fliegen.

„Das hier“, sie wedelte mit dem Blatt Papier vor ihm herum, „ist der Punkt.“

Sie reichte ihm den Zettel und trat beiseite, sodass er seine eigenen Kinder erblicken konnte. Überrascht las er den Brief.

Kurz darauf verspürte er einen pochenden Schmerz hinter den Schläfen. Was, zum Teufel, dachte Pippa sich dabei, die Kinder einfach so in sein Flugzeug zu setzen? Wie lange mochten sie wohl schon hier sein? Und warum hatte sie ihm nur einen verdammten Zettel geschrieben?

Er zog sein Mobiltelefon aus der Tasche, um seine Exfrau anzurufen, doch er erreichte lediglich ihren Anrufbeantworter. Zweifelsohne ging sie ihm aus dem Weg. Plötzlich piepte sein Handy und kündigte den Eingang einer SMS von Pippa an: Wollte sichergehen, dass Du Bescheid weißt. Zwillinge warten im Flugzeug. Sorry, dass ich Dich so überfalle. XOXO.

„Was, zur H…“ Er unterbrach sich, um nicht vor den beiden Kleinkindern zu fluchen, die gerade begannen, die erste Worte von sich zu geben. Dann verstaute er das Telefon und sah zu Alexa Randall. „Es tut mir leid, dass meine Ex Ihnen für heute auch noch das Babysitten aufgebürdet hat. Natürlich zahle ich Ihnen das extra. Haben Sie gesehen, wohin Pippa gegangen ist?“ Wenn er sie in die Finger bekam, würde er ihr gehörig die Leviten lesen.

„Ihre Exfrau ist nicht hier gewesen, als ich gekommen bin.“ Alexa hielt ihm ihr Telefon entgegen. „Ich habe versucht, Ihr Büro anzurufen, aber Ihre Assistentin hat mich nicht zu Wort kommen lassen und mich einfach in die Warteschleife gelegt. In der Zwischenzeit ist die Musik schon zwei Mal durchgelaufen. Noch ein bisschen länger, und ich wäre gezwungen gewesen, den Sicherheitsdienst anzurufen. Der wiederum hätte das Jugendamt benachrichtigt …“

Abwehrend hielt er die Hand hoch. Ihm war plötzlich ganz schlecht. „Danke, ich verstehe schon. Ich schulde Ihnen auch noch etwas für das unverantwortliche Handeln meiner Ex.“

Er spürte, wie sein Blutdruck stieg. Pippa hatte die Kinder einfach so in einem Jet auf seinem Privatflughafen zurückgelassen? Was hatten sich seine Sicherheitsleute bloß dabei gedacht, Pippa einfach so hier herumlaufen zu lassen? Und das in Zeiten, in denen er verstärkte Aufmerksamkeit von ihnen erwartete. Trotzdem war man offenbar davon ausgegangen, dass Pippa als seine Exfrau weiterhin ungehinderten Zutritt zu allen Bereichen hatte. Das ging natürlich überhaupt nicht! Niemand setzte die Sicherheit seiner Kinder aufs Spiel. Aufgebracht zerknüllte er die Nachricht und warf sie beiseite. Dann bemühte er sich um einen gelassenen Gesichtsausdruck, bevor er sich herunterbeugte, um den Gurt vom Sitz seiner Tochter zu lösen.

„Hallo, kleine Prinzessin.“ Er hielt Olivia hoch.

Als seine Tochter lächelte, entdeckte er einen neuen Vorderzahn. Die Veränderungen gingen so schnell vonstatten, dass Seth Mühe hatte mitzukommen. Er liebte seine Kinder über alles – und das seit dem ersten Moment, in dem er ihre winzigen Händchen auf dem Ultraschallbild gesehen hatte. Er war Pippa sehr dankbar dafür, dass sie ihn an der Geburt hatte teilhaben lassen, denn zu jenem Zeitpunkt hatte sie bereits die Scheidung eingereicht. Er bedauerte aufrichtig, nicht jeden Tag mit seinen Kindern verbringen und ihre Entwicklung beobachten zu können. Doch dieses Mal hätte das Timing für ihren Besuch nicht schlechter sein können.

Seth zog Olivia an seine Brust und strich seinem Sohn durchs Haar. „Hey, kleiner Mann.“

Owen streckte ihm die Zunge heraus. Die zierliche Blondine schob ihm daraufhin den Schnuller in den Mund, bevor sie sich hinkniete, um die zerknüllte Botschaft von Pippa aufzuheben und in den Eimer mit dem Reinigungszubehör zu werfen.

„Sieht so aus, als wäre das außerplanmäßiger Besuch“, sagte sie und klang ungehalten.

Auch Seth hatte allen Grund, verärgert wegen Pippas unmöglicher Aktion zu sein. Was wäre geschehen, wenn jemand anders das Flugzeug betreten hätte? Glücklicherweise hatte diese Alexa die Kinder gefunden. Immerhin wusste Seth genau, wer sie war. Doch Pippas unverantwortliches Verhalten ärgerte ihn sehr, und er atmete tief durch, bevor er Owen ebenfalls auf den Arm nahm. Er musste eine Möglichkeit finden, die Kinder unterzubringen, während er zu diesem Meeting flog, das ihm möglicherweise einen Deal über mehrere Millionen Dollar einbringen würde.

Als er damals nach South Carolina gekommen war, war er relativ unbedarft gewesen und hatte sich von der Glitzerwelt beeindrucken lassen. Das war der Grund für seine Ehe mit Pippa gewesen. Er war mit einfachen, dennoch verlässlichen Werten auf der Farm groß geworden, die er während seiner Jagd nach finanziellem Wohlstand beinahe ganz aus dem Blick verloren hatte. Doch seine Ehe war Vergangenheit, und den geschäftlichen Erfolg wollte Seth ganz bestimmt nicht aus dem Blick verlieren, weswegen er liebend gerne mit der Familie Medina aus Florida ins Geschäft kommen wollte. Als er einen weiteren Blick auf seine Uhr warf, zuckte er zusammen. Verdammt. In diesem Augenblick hätte er sich eigentlich schon in der Luft auf dem Weg nach St. Augustine befinden müssen. Ihm blieb keine Gelegenheit mehr für ein Sandwich, geschweige denn für die Suche nach einem Babysitter.

Er musste etwas Zeit schinden. „Könnten Sie vielleicht mal kurz Owen halten? Ich muss ein paar Telefonate führen.“

„Sicher, kein Problem.“ Alexa unterbrach ihre Tätigkeit, sein Jackett auf einen Bügel zu hängen, und streckte ihm die Arme entgegen.

Als er ihr seinen Sohn reichte, streifte Seths Hand zufällig ihre Brust, die sich weich und äußerst verlockend anfühlte. Allein die flüchtige Berührung genügte, um wildes Verlangen in ihm zu schüren. Es war mehr als nur die Erkenntnis, dass es sich um eine attraktive Frau handelte. Vielmehr wurde er von brennender Begierde nach ihr erfasst.

Überrascht holte sie Luft, und Seth hatte den Eindruck, als wäre ihr die Anziehungskraft zwischen ihnen auch nicht entgangen. Für Seth jedenfalls hatte die Empfindung die eindrucksvolle Wirkung eines Blitzeinschlages.

Olivia lehnte den Kopf an seine Schulter und gähnte, was ihn wieder daran erinnerte, dass er seinen Vaterpflichten nachkommen musste.

Trotzdem war er auch nur ein Mann. Warum war ihm die enorme erotische Ausstrahlung dieser Frau nicht schon beim Betreten des Flugzeuges aufgefallen? Hatte er sich bereits so sehr daran gewöhnt, zu den Reichen und Privilegierten zu gehören, dass er das Personal geflissentlich übersah? Dieser Gedanke behagte ihm ganz und gar nicht – und er riskierte einen zweiten Blick auf Alexa.

Ihr blondes Haar hatte sie mit einer schlichten silbernen Spange im Nacken zusammengefasst. Dazu trug sie eine marineblaue Chino und ein hellblaues Shirt, das gut zu ihren Augen passte und trotz des legeren Looks ihre kurvige Figur äußerst vorteilhaft betonte.

Bevor er Vater geworden war, hätte Seth nicht gezögert, Alexa nach ihrer Telefonnummer zu fragen. Dann hätte er sie zu einem Dinner auf dem Fluss eingeladen und sie mit Küssen unter dem nächtlichen Sternenhimmel um den Verstand gebracht. Doch mittlerweile war er beruflich so eingespannt, dass er keine Zeit mehr für Dates hatte. Und wenn er einmal nicht arbeitete, dann hatte er die Kinder um sich.

Bedauernd musterte er ihr Shirt mit dem Logo vom A1-Aircraft-Cleaning-Service. Dasselbe Emblem war ihm bereits in dem Brief ins Auge gefallen, den sie ihm zusammen mit ihrem Firmenprospekt zugesandt hatte. Ihm fiel gerade wieder ein, warum er nicht näher auf den Brief und die frisch gedruckte Broschüre eingegangen war, als Alexa ihn unvermittelt ansah, seinem Blick folgte und ihm schließlich in die Augen sah. „Ja, ich habe Ihnen ein Angebot zugeschickt“, sagte sie und zog eine Augenbraue hoch. „Das ist doch der Grund, warum Sie so auf mein Hemd starren, oder?“

„Natürlich? Weshalb sonst?“, entgegnete er trocken. „Sie haben doch bestimmt bereits ein Antwortschreiben von meiner Sekretärin erhalten.“

„Das habe ich, und falls Sie etwas Zeit hätten …“ Sie strich ihr bereits makellos frisiertes Haar zurück, „würde ich gern die Gründe erfahren, warum Sie mein Angebot ausgeschlagen haben.“

„Die Zeit können wir uns beide sparen. Ich bin nicht daran interessiert, ein Risiko mit einer derart kleinen Firma einzugehen.“

Sie warf ihm einen skeptischen Blick zu. „Sie haben mein Angebot gar nicht richtig gelesen, habe ich recht?“

„Nur so weit, wie ich es für richtig gehalten habe.“ Er hatte keine Zeit, seitenweise Text über ein Geschäftsvorhaben zu lesen, dem ohnehin kein Erfolg beschieden sein würde.

„Sie sind nicht sehr weit gekommen, oder?“

„Leider nicht“, erwiderte er und hoffte, die peinliche Situation somit rasch beenden zu können. Allerdings beschlich ihn ein Verdacht. „Wie kommt es eigentlich, dass Sie hier heute sauber machen und nicht die Firma, die ich eigentlich damit beauftragt habe?“

„Ihre eigentliche Reinigungsfirma hat A1 als Subunternehmer engagiert, weil ihr Auftragsvolumen größer als erwartet ausgefallen ist. Natürlich habe ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, Sie von meiner Arbeit zu überzeugen“, entgegnete sie, sichtlich ungerührt von seinem abweisenden Tonfall.

Sie war nicht nur eine heiße Braut, sondern auch noch beherzt – eine verflixt gefährliche Mischung.

Ein weiteres Mal nahm er sein Mobiltelefon aus der Tasche. „Ich muss jetzt wirklich ein paar Telefonate führen.“

„Lassen Sie sich nicht von mir stören.“ Aus der Wickeltasche holte sie zwei Reisküchlein hervor, die sie Owen und Olivia reichte. Die ganze Zeit über zog Owen an ihrem Haar und beobachtete fasziniert die glänzenden weißblonden Strähnen. „Das sollte sie eine Weile ruhigstellen, während Sie telefonieren.“

Vergeblich versuchte Seth abermals, seine Exfrau anzurufen, und probierte danach sein Glück bei seiner Familie. Nach fünf frustrierenden Gesprächen war er mit seiner Weisheit am Ende. Entweder waren seine Kinder kleine Teufelsbraten, weil niemand auf sie aufpassen wollte, oder er hatte einfach eine Pechsträhne. Verdammt. Die Zeit drängte. In spätestens fünf Minuten musste er starten.

Nachdenklich sah er Alexa dabei zu, wie sie Owen auf ihren wohlgeformten Hüften spielerisch hin und her wiegte. Offensichtlich genoss sie den Umgang mit kleinen Kindern. Außerdem ließ sie sich nicht leicht einschüchtern, was weiterhin von Vorteil war, wenn man es mit seinen starrsinnigen Kindern zu tun bekam. Sie hatte sich um die beiden gekümmert, nachdem sie die Zwillinge im Flugzeug gefunden hatte, und er hatte sich bereits von ihrer Entschlossenheit und Arbeitsauffassung überzeugen können. Ein Gedanke keimte in ihm auf, der ihn nicht mehr losließ, obwohl er bezweifelte, dass das eine so gute Idee war.

Entgegen seiner Behauptung hatte er nämlich mehr von Alexas Angebot als lediglich den Begleitbrief gelesen, sodass er ein wenig über sie Bescheid wusste. Ihn interessierte ihr unternehmerischer Pioniergeist – immerhin hatte sie einen guten Job geleistet, indem sie eine Firma vor dem finanziellen Aus gerettet hatte. Trotzdem mahnte ihn sein Instinkt, sich nicht auf ein derart unsicheres Unternehmen einzulassen, gleichgültig, wie besonders es ihm erschien. Er war am Expandieren und wollte auf eine renommierte und größere Reinigungsfirma für seine Jets setzen.

Doch er brauchte eine Nanny – und Alexa Randall hatte alle aufwendigen Sicherheitsüberprüfungen erfolgreich bestanden, die durchgeführt wurden, bevor jemand Zutritt zum Flughafen erhielt. So gesehen war ihr Leben mehr durchleuchtet worden als das einer gewöhnlichen Anwärterin für einen Job als Babysitterin. Für sie sprach außerdem ihr ungezwungener Umgang mit den Kindern. Und falls sie Fragen haben sollte, wäre er immer erreichbar – im Hotel und sogar während der Meetings.

Als seine Entscheidung getroffen war, kam er gleich zur Sache. „Obwohl ich nicht denke, dass Ihre Firma die richtige ist, um den Zuschlag für Jansen Jets zu erhalten, hätte ich trotzdem ein Jobangebot für Sie.“

„Ich verstehe nicht ganz.“

„Fliegen Sie mit mir und den Kindern nach St. Augustine. Seien Sie für die nächsten vierundzwanzig Stunden die Nanny von Owen und Olivia. Als Gegenleistung gehe ich mit Ihnen Ihr Angebot Stück für Stück durch und sage Ihnen, warum ich mich nicht für Sie entschieden habe. Das können Sie dann berücksichtigen, wenn Sie sich an andere Firmen wenden. Ich werde Ihnen sogar ein paar Kontakte vermitteln – verdammt gute Kontakte. Und natürlich bezahle ich Sie gut: ein Wochengehalt für einen Tag Babysitten.“

Versuchte er etwa, die Situation für sich auszunutzen? Das glaubte er eigentlich nicht. Immerhin bot er ihr eine Einstiegsmöglichkeit, wie Alexa sie kein zweites Mal finden würde. Kämen sie überein, würde er ihre Firma einigen seiner Geschäftskontakte gegenüber lobend erwähnen, sodass sie Aufträge an Land ziehen würde – nur eben nicht bei seinem Unternehmen.

Misstrauisch sah sie ihn an. „Ich soll vierundzwanzig Stunden lang Mary Poppins spielen und bekomme dafür Ihr Gutachten und ein paar neue Kontakte?“

„Die Zeit sollte genügen, dass ich mich nach einer langfristigen Lösung umsehen kann.“ Es hatte außerdem eine Zeit gegeben, in der ihm vierundzwanzig Stunden mit einer Frau gereicht hatten, sie zu verführen. Ein weiteres Mal musterte er bedauernd ihre sinnlichen Kurven, denn auf dieser Reise würde er seine Fähigkeiten diesbezüglich nicht unter Beweis stellen können.

„Und Sie vertrauen mir Ihre Kinder an? Ich bin doch eine Fremde für Sie“, bemerkte sie abschätzig.

„Halten Sie es für den richtigen Zeitpunkt, mich einen Rabenvater zu schimpfen?“, gab er zurück, bewunderte sie jedoch insgeheim dafür, dass sie sich so um seine Kinder sorgte.

„Sie könnten doch einen Babysitter-Service anrufen.“

„Daran habe ich auch schon gedacht. Aber die könnten so kurzfristig bestimmt niemanden schicken, und falls doch, ist nicht sicher, dass die Kinder ihn auch mögen. Sie scheinen sie aber gernzuhaben.“ Weil er nicht widerstehen konnte, klopfte er sacht auf das Firmenlogo, das auf dem Shirt über ihrer Brust prangte. Dabei hatte er das Gefühl, dass nicht viel daran fehlte, dass er sich die Fingerspitzen verbrannt hätte. „Und ich weiß, wer Sie sind – und dass Sie den Sicherheitscheck für die Arbeit auf Flughäfen bestanden haben.“

„Also, morgen ist eigentlich mein freier Tag …“, meinte sie nachdenklich. „Und Sie geben mir Tipps für mein Angebot und empfehlen uns bei anderen Kunden?“

„Großes Pfadfinderehrenwort.“ Zum ersten Mal an diesem Tag lächelte er angesichts des bevorstehenden Sieges.

„Ich muss Sie aber warnen, dass ich nicht aufhören werde, Sie zu überzeugen, ebenfalls bei mir zu unterschreiben.“

„In Ordnung. Versuchen Sie ruhig Ihr Glück.“

Sie sah zu den Kindern, dann wieder zurück zu ihm. Seth wusste, wenn eines seiner Angebote unwiderstehlich war. Alexa brauchte lediglich zu erkennen, dass sie bei diesem Geschäft nur gewinnen konnte. Er hoffte nur, dass sie rasch zu dieser Einsicht gelänge.

„Ich habe nur noch zwei Minuten Zeit“, drängte er. „Falls Ihre Antwort aus einem Nein besteht, muss ich mir Gedanken über eine andere Lösung machen.“ Allerdings hatte er nicht den blassesten Schimmer, wie diese aussehen sollte.

„Okay“, willigte sie schließlich ein. „Wir sind im Geschäft. Ich rufe nur noch meine Partnerin an, um ihr …“

„Toll!“, unterbrach er sie. „Vielleicht können Sie das ja erledigen, während Sie sich und die Kinder anschnallen? Wir müssen sofort aufbrechen.“ Er setzte Olivia in den Kindersitz zurück und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn.

Alexa sah auf, während sie Owen anschnallte. „Wo ist der Pilot?“

Er starrte in ihre hellblauen Augen und stellte sich vor, welche Farbe sie wohl haben würden, wenn er dieselbe Leidenschaft in Alexa entfachte, die er für sie verspürte. Teufel auch, es würde eine ziemliche Herausforderung für ihn darstellen, die kommenden vierundzwanzig Stunden in der Nähe dieser atemberaubend attraktiven Frau zu verbringen und die Hände von ihr zu lassen. Doch seine Kinder waren für ihn das Wichtigste.

Deswegen lächelte er lediglich – und fühlte tiefe Genugtuung, als er bemerkte, wie sich ihre Pupillen vor Überraschung weiteten.

„Wo der Pilot ist? Na hier. Er steht vor Ihnen.“

2. KAPITEL

Alexa war etwas flau im Magen, und sie hoffte inständig, dass Seth Jansen wusste, was er tat.

Nachdem sie die Mitteilungen über vier verpasste Anrufe von ihrer Mutter gelöscht und ihrer Partnerin Bethany eine Nachricht geschickt hatte, schaltete sie das Telefon aus. Anschließend kontrollierte sie nochmals die Sicherheitsgurte der Zwillinge, bevor sie sich selbst anschnallte. Als sie Seth dabei zusah, wie er auf dem Pilotensitz Platz nahm, sagte sie sich, dass es nur logisch war, dass der Besitzer einer Firma, die Jets vermietete, auch selbst fliegen konnte. Während ihrer Kindheit war sie in unzähligen Privatjets geflogen und hatte ihr Leben Piloten anvertraut, die sie nie zu Gesicht bekommen hatte. Warum verspürte sie also eine derartige Nervosität bei dem Gedanken, dass Seth am Steuerknüppel saß?

Weil der Mann sie aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.

Als sie vorhin an Bord des Flugzeuges gekommen war, war sie zuversichtlich gewesen und hatte ihr Leben völlig unter Kontrolle gehabt. In weniger als zehn Minuten allerdings war es Seth Jansen gelungen, ihre sorgfältig durchdachten Pläne über den Haufen zu werfen.

Der Handel, den er vorgeschlagen hatte, war nicht nur unerwartet, sondern streng genommen auch empörend. Trotzdem war die Gelegenheit zu wertvoll, als dass Alexa sie achtlos hätte verstreichen lassen wollen. Sie musste unbedingt mehr über Seth erfahren, um bei den Verhandlungen mit ihm gewappnet zu sein.

Es verwunderte sie, dass ein reicher Mann wie er es vorzog, selbst zu fliegen. Auch wenn er im Besitz einer Pilotenlizenz war, hätte Alexa vermutet, dass Seth sich lieber chauffieren ließ, um sich in der Zwischenzeit in Ruhe einen Drink zu genehmigen oder ein Nickerchen zu halten. So hatte ihr Dad es beispielsweise während ihres jährlichen einwöchigen Familienurlaubs gehalten, der als Entschädigung für die übrige nicht miteinander verbrachte Zeit gedacht gewesen war. Allerdings hatte Alexa im Urlaub auch nicht viel von ihren Eltern zu sehen bekommen. Gemeinsam mit ihrer Nanny war sie in Vergnügungsparks oder auf Sightseeing-Touren gegangen, während ihr Vater sich um dringende Geschäftsangelegenheiten zu kümmern hatte und ihre Mutter Wellnesstermine wahrnahm.

Gedankenverloren polierte Alexa die metallene Schließe des Sicherheitsgurtes mit dem unteren Rand ihres Shirts, während sie durch die offene Tür zum Cockpit Seths Vorbereitungen für den Start beobachtete.

Schließlich erwachten die Motoren zum Leben, und die Maschine rollte aus dem Hangar bis zum Anfang der Startbahn. Nervös lauschte Alexa auf die Stimme von Seth, der ruhig mit dem Tower kommunizierte, während die Motoren lauter zu dröhnen begannen. „Charleston Tower … Gulfstream Alpha, zwei, eins, fertig … Roger … Bereit zum Abheben.“

Wieder setzte das luxuriöse Flugzeug sich in Bewegung, und Seth bediente mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Gelassenheit die Instrumente, dass Alexa sich schließlich entspannt in den weichen Ledersitz zurücksinken ließ. Ihre Hände ruhten auf den Kindersitzen. Für die nächsten vierundzwanzig Stunden war sie für diese Babys verantwortlich.

Bedauernd dachte sie an vergangene Zeiten zurück. Ihre Ehe mit Travis war ein großer Fehler gewesen. Obwohl sie einerseits froh darüber war, keine Kinder zu haben, die so zu Scheidungsopfern geworden wären, war sie andererseits traurig, die Gelegenheit verpasst zu haben, eine Familie zu gründen.

Die Nase des Jets richtete sich nach oben, als das Flugzeug beschleunigte. Unruhig begannen die Zwillinge, sich in ihren Sitzen zu winden. Ratlos griff Alexa nach der Wickeltasche, denn sie hatte keine Ahnung, was die beiden wollten. Etwas zu trinken? Ein Spielzeug? Falls sie einen Windelwechsel benötigten, würden sie sich noch eine Weile gedulden müssen, denn im Augenblick waren ihr die Hände gebunden. Doch das regelmäßige Brummen der Motoren sowie die Schnuller, die Alexa den Kindern gegeben hatte, beruhigten die beiden Kleinen schließlich, sodass sie rasch wieder einschliefen.

Erleichtert setzte Alexa die Wickeltasche auf den Kabinenboden und sah aus dem Fenster, während sie Charleston hinter sich ließen. Hinter Alexa blieben nichts als ein leeres Apartment sowie ein stilles Telefon zurück, das seit ihrer Scheidung kaum noch geklingelt hatte.

Ihre Gedanken schweiften zu Travis. Sie hatte gedacht, ihren Traummann gefunden zu haben, den Menschen, der sie um ihretwillen liebte und nicht wegen ihres Geldes. Doch dann hatte sich herausgestellt, dass Travis’ Liebe doch nicht so unendlich groß war, wie Alexa geglaubt hatte. Lange Zeit hatte ihr Selbstbewusstsein sehr unter Travis’ Abweisung gelitten. Sie konnte noch nicht einmal eine andere Frau für ihre Scheidung verantwortlich machen. Travis hatte einfach aufgehört, sie zu lieben. Nie wieder würde sie zulassen, dass ein Mann solch eine Macht über ihr Leben gewann.

All das hatte sie nur noch mehr in ihrem Vorhaben bestärkt, ein eigenes Reinigungsunternehmen zu gründen und finanziell unabhängig zu werden. Sie verfügte über keine nennenswerten Fähigkeiten, hatte dafür aber Unmengen von unbezahlten Rechnungen angehäuft und die Notwendigkeit gesehen, sich ein neues Leben in ihrer geliebten Heimatstadt aufzubauen.

Und hier war sie nun, in einem Flugzeug mit einem Fremden und zwei wahnsinnig süßen Babys, während die Küstenlinie unter ihr immer kleiner zu werden schien, bis sie schließlich ihre endgültige Flughöhe erreicht hatten.

„Hey, Alexa?“

Seths Stimme ließ Alexa aufschrecken. Schnell wandte sie ihm den Blick zu und sah, dass er im Durchgang zwischen Cockpit und Passagierkabine stand.

„Sollten Sie nicht eigentlich die Maschine fliegen?“, fragte sie entsetzt.

„Im Augenblick habe ich auf Autopilot geschaltet. Solange die Kinder schlafen, würde ich Sie bitten, mir im Cockpit Gesellschaft zu leisten. Der Flug ist nicht lang, aber wir können uns in der Zwischenzeit über die Einzelheiten Ihrer Aufgaben unterhalten.“

Ihr wurde klar, dass er mehr über sie erfahren wollte, bevor er ihr letztendlich die Kinder anvertraute, und plötzlich stieg er wieder in ihrer Achtung. Anscheinend lag ihm das Wohl der Zwillinge doch sehr am Herzen.

Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass es den Babys gut ging, löste sie ihren Gurt und ging zu Seth hinüber, der immer noch im Durchgang stand und sie mit seinen unglaublich grünen Augen aufmerksam musterte. Sie atmete seinen frischen, männlichen Duft ein und spürte, wie ihre Brüste vor Erregung zu kribbeln begannen. Plötzlich verspürte sie das inständige Verlangen, sich ihm entgegenzudrängen und seinen muskulösen Körper an ihrem zu spüren.

Sie erschauerte wohlig. Seth hingegen lächelte wissend, als wäre er sich seiner überwältigenden Wirkung auf sie bewusst. Dann machte er einen Schritt zurück, bevor er sich wieder in den Pilotensitz setzte und Alexa bedeutete, auf dem Sitz des Kopiloten Platz zu nehmen.

Zögernd betrat sie das Cockpit und betrachtete die Instrumente. Der Steuerknüppel schien sich wie von Geisterhand zu bewegen. Seth drückte einige Knöpfe, bevor er wieder die Kontrolle über den Jet übernahm. Seltsamerweise hatte Alexa das Gefühl, Seths Hände berührten ihren Körper und nicht das Steuer.

Nur widerwillig gestand sie sich ein, dass Seth ihre Hormone derart in Aufruhr versetzte – und das allein durch den sexy Klang seiner heiseren Stimme und seinen intensiven Blick. Sie war hier, um einen Job zu erledigen, verdammt noch mal, und nicht, um sich ihr ohnehin schon kompliziertes Leben von einem Mann durcheinanderbringen zu lassen.

Unruhig verschränkte sie die Finger auf ihrem Schoß und konzentrierte sich mühsam wieder aufs Geschäftliche. „Was ist denn so wichtig an Ihrem Meeting, dass Sie es nicht verschieben können?“

„Ich muss meine Familie ernähren – Verantwortung und so weiter“, erwiderte er, ohne von den Instrumenten aufzusehen. „Das verstehen Sie bestimmt. Und falls nicht, brauche ich mir nicht die Mühe zu machen und Ihr Angebot zu lesen.“ Er zwinkerte ihr zu.

„Danke für den Businessgrundkurs, Mr Jansen.“ Sie wischte ein paar Staubflocken von einem der unzähligen Messgeräte. „Ich bemühe mich wirklich, ein Gespräch mit Ihnen zu führen, aber falls Sie lieber allein sein wollen, gehe ich liebend gerne wieder in die Kabine zurück.“

„Tut mir leid. Und bitte nennen Sie mich Seth“, entgegnete er offensichtlich zerknirscht. „Ist ein langer Tag gewesen – mit vielen Überraschungen.“

Über die Schulter sah sie zu den schlafenden Babys, wobei ihr plötzlich auffiel, dass die beiden dasselbe energische Kinn wie ihr Vater besaßen. „Ich verstehe. Was machen Sie, um sich zu entspannen?“

„Fliegen.“

Er sah in den blauen Himmel mit den weißen Schäfchenwölkchen, und Alexa spürte, wie sehr ihn das alles begeisterte. Jansen Jets war nicht nur eine Firma für ihn. Vielmehr hatte er sein Hobby, seine wahre Liebe, zu einem profitablen Unternehmen gemacht. Nicht viele Menschen brachten eine solche Meisterleistung zustande. Vielleicht konnte sie ja doch ein wenig von ihm über das Geschäftsleben lernen.

Mehr schien er nicht sagen zu wollen, weswegen Alexa allmählich die Geduld verlor. „Wie schon gesagt: Ich bin auf Ihren Wunsch hier vorne. Ich dachte, Sie wollten die Nanny Ihrer Kinder ein bisschen besser kennenlernen. Wenn Sie nicht reden wollen, dann sagen Sie es ruhig.“

„Sie haben völlig recht. Ich bin ziemlich beeindruckt, dass Sie sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Man muss schon einen starken Willen haben, um mit den Zwillingen fertig zu werden, wenn sie schlechte Laune haben“, erklärte er und erschauderte in gespieltem Entsetzen. Allerdings verriet sein Tonfall, dass er unglaublich stolz auf seine Kinder war. Anscheinend taute er ein wenig auf, wenn es um seinen Nachwuchs ging. „Warum haben Sie eigentlich Ihr angenehmes Leben auf Cocktailpartys gegen den Wischeimer eingetauscht?“

„Sie haben anscheinend nicht nur mein Begleitschreiben gelesen.“

„Ich habe Ihren Namen wiedererkannt – beziehungsweise Ihren Mädchennamen. Ihr Vater ist der Kunde eines Mitbewerbers von mir gewesen, und Ihr Mann hat mal eines meiner Flugzeuge gechartert.“

„Mein Exmann“, verbesserte sie ihn.

Er nickte und hielt das Steuer so fest umklammert, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten. „Um auf meine Frage zurückzukommen: Warum üben Staubsauger eine solche Faszination auf Sie aus?“

„Das ist eben so in dem Geschäft.“

„Und warum haben Sie sich ausgerechnet für diese Branche entschieden?“

Als ihre Scheidung ein Jahr zuvor über die Bühne gegangen war, hatte sie leider erkennen müssen, dass sie weder über Geld noch nennenswerte Fähigkeiten verfügte, wenn man einmal davon absah, dass sie ein Putzteufel war, der gern alles unter Kontrolle hatte. Außerdem wusste sie aus eigener Erfahrung, auf was reiche Menschen Wert legten. Doch eine solche Antwort würde bestimmt nicht besonders professionell klingen.

„Weil ich die Bedürfnisse meiner Klienten kenne. Ich weiß, worauf man in meiner Branche achten muss. Ich mache mir zum Beispiel Aufzeichnungen über Allergien, bevorzugte Düfte, Vorlieben bei der Getränkebar – all das kann den entscheidenden Ausschlag dafür geben, ob ein Flug gelingt oder zum Desaster wird.“

„Sie verstehen diese Lebensweise, weil Ihre Familie einmal reich gewesen ist.“

Gewesen ist – Vergangenheit. „Ich möchte mir lieber meine eigenen Lorbeeren verdienen, anstatt mich auf das Familienvermögen zu verlassen.“ Zumindest hätte sie sich auch so entschieden, wenn etwas davon übrig geblieben wäre.

„Und wie sind Sie ausgerechnet auf Flugzeuge gekommen?“, fragte er.

Fasziniert betrachtete sie den reizvollen Kontrast zwischen der gebräunten Haut seines Unterarms und dem hochgeschlagenen weißen Hemdsärmel. Nur mühsam widerstand sie der Versuchung, ihn zu berühren, um herauszufinden, ob dieser wundervolle Bronzeton noch etwas von der Wärme des Sonnenscheins an sich hatte.

Es war schon lange her, dass sie so empfunden hatte, denn seit ihrer Scheidung hatte sie den Eindruck, zu keinen Gefühlen mehr fähig zu sein. Zwar hatte sie ein paar Dates gehabt, aber die Chemie hatte nie gestimmt. Außerdem nahm ihr Unternehmen sie völlig in Anspruch.

„Ich verstehe nicht ganz, worauf Sie hinauswollen“, erwiderte sie. Kunststück, wenn man bedachte, dass sie damit beschäftigt war, wie gebannt auf seinen Arm zu starren.

„Sie sind was? Historikerin?“

„Kunsthistorikerin, um genau zu sein. Wie ich sehe, haben Sie doch meinen Lebenslauf gelesen. Sie wissen mehr über mich, als Sie zugegeben haben.“

„Natürlich tue ich das. Ansonsten hätte ich Sie niemals gebeten, auf meine Kinder aufzupassen. Sie bedeuten mir weit mehr als irgendeins meiner Flugzeuge“, entgegnete er entschlossen, und es bestand kein Zweifel daran, dass er bei der Betreuung seiner Kinder keine Fehler dulden würde. Als er zum Himmel sah, wurde sein Gesichtsausdruck wieder weicher. „Warum leiten Sie denn keine Galerie, um sich die Zeit zu vertreiben?“

Weil sie kaum eine Galerie finden würde, die genug bezahlte, damit sie ihren Lebensunterhalt davon bestreiten konnte. Weil sie beweisen wollte, dass sie keinen Mann brauchte, um zu überleben. Es war eine verschreckende Erfahrung gewesen, Haus und Auto verkaufen und feststellen zu müssen, dass der Erlös kaum ausreichte, um die gegenwärtigen Kredite zu begleichen.

„Ich erwarte von niemandem, dass er mir finanziell unter die Arme greift. Und um ehrlich zu sein, gibt es auch nicht gerade viele offene Stellen im Kunstgewerbe. Bethany hingegen hat Erfahrungen in dieser Branche, und ich bringe die entsprechenden Kontakte mit. Wir sind ein gutes Team. Außerdem mag ich die Arbeit, auch wenn es ziemlich stressig ist. Wir haben genügend Angestellte für die Reinigungsarbeiten, und ich springe nur ein, wenn jemand krank ist oder wir einen besonderen Auftrag haben. Mir gefällt die Auszeit vom Büro.“

„Okay, Sie sind also eine Kunsthistorikerin, die jetzt Freude daran hat, anderen Menschen das richtige Mineralwasser in die Bar zu stellen und ihre Armlehnen abzustauben“, erwiderte er ironisch.

„Machen Sie sich etwa über mich lustig, oder warum stellen Sie mir all diese Fragen?“, erwiderte sie verärgert.

„Keineswegs“, entgegnete er ruhig. „Aber werden Sie auch noch begeistert sein, wenn Sie erkennen, dass Ihre Klienten Ihre Bemühungen nicht zu schätzen wissen und für selbstverständlich erachten? Was ist dann mit mir und meinen Flugzeugen? Dann muss ich mich wieder durch einen Berg von Angeboten kämpfen.“

Es tat weh, dass er sie offensichtlich als verwöhntes Mädchen betrachtete – es war auch nicht besonders fair von ihm. „Hören Sie denn auf zu fliegen, wenn die Passagiere sich nicht über den angenehmen und pünktlichen Flug freuen, sondern sich über Verspätungen und Luftlöcher zu beschweren beginnen?“

„Ich verstehe nicht, worauf Sie hinauswollen. Mir macht Fliegen Spaß. Und Ihnen macht es Spaß zu putzen?“

„Ich liebe es, Ordnung zu halten“, entgegnete sie wahrheitsgemäß. Ihre Kindheit war von der übermäßigen Kontrolle ihrer Mutter geprägt gewesen, von der Alexa sich nur auf äußerst schwierige und dramatische Weise hatte befreien können. Seitdem legte sie besonders viel Wert darauf, eigene Entscheidungen zu treffen.

„Ah.“ Er lächelte wissend. „Sie haben gerne die Kontrolle.“

„Wer hat das nicht?“

Er betrachtete sie mit seinen unwiderstehlich sexy smaragdgrünen Augen, und Alexa kam es so vor, als würden in der Luft zwischen ihnen plötzlich kleine Funken sprühen. „Würden Sie gern mal das Steuer übernehmen?“

„Machen Sie Witze?“, fragte sie, obwohl sein Angebot überaus verlockend klang, einmal auszuprobieren, wie sich diese grenzenlose Freiheit anfühlen mochte, von der alle immer sprachen, wenn sie vom Fliegen redeten.

„Halten Sie den Steuerknüppel einfach fest.“

Gott, wie gerne hätte sie das getan, aber etwas in seiner Stimme ließ sie zögern. Sie wusste nicht, woran sie bei ihm war, und nichts lag ihr ferner, als ihre neu gewonnene Unabhängigkeit durch die unberechenbaren Launen irgendeines Mannes zu gefährden.

„Ihre Kinder befinden sich an Bord“, erwiderte sie und wusste, dass das ziemlich langweilig klingen musste, aber schließlich war sie für vierundzwanzig Stunden die Nanny vom Dienst.

„Falls ich erkennen sollte, dass Sie einen Absturz provozieren, würde ich natürlich rechtzeitig eingreifen.“

„Vielleicht ein andermal.“ Sie stand auf, um der Versuchung zu widerstehen, sich einem falschen Gefühl von Kontrolle hinzugeben. „Ich glaube, ich habe Olivia gehört.“

Sie hörte sein leises Lachen noch, als sie die friedlich schlafenden Kinder erreichte.

Auch noch zwei Stunden später hatte Alexa den Widerhall seines tiefen Lachens in den Ohren, nachdem sie ihre luxuriösen Räume des Hotels in St. Augustine, Florida, bezogen hatten. Das beeindruckende Gebäude, das wie eine Burg aussah, war um Achtzehnhundert erbaut worden und zählte zu den ältesten sowie elegantesten Hotels der Vereinigten Staaten. Und hier war sie nun mit Seth und seinen Babys.

Auf jeden Fall wollte sie Bethany ihre Kontaktdaten mitteilen, auch wenn sie sicher war, dass ihre Partnerin in den kommenden Stunden sehr gut ohne sie auskommen würde – immerhin war Bethany einst die alleinige Chefin der Firma gewesen.

Seth hatte ihnen eine der Penthouse-Suiten mit einem kleinen Turm gemietet, von dem aus man einen grandiosen Blick über die geschichtsträchtige Stadt hatte.

Die Suite verfügte über zwei Schlafzimmer, die über den Wohnbereich miteinander verbunden waren. Seth hatte ihr das größere der beiden Schlafzimmer überlassen, in dem sich auch die beiden Kinderbettchen befanden. Das marmorne Badezimmer war mit einem Whirlpool ausgestattet, der förmlich nach Alexas angespannten Muskeln zu rufen schien. Es war anstrengend gewesen, den ganzen Tag zu arbeiten und anschließend die Babys mit sich herumzutragen. Plötzlich musste sie daran denken, wie es wohl wäre, das Bad gemeinsam mit einem ganz bestimmten Mann zu genießen …

Rasch kehrte sie in das Wohnzimmer zurück, das mit erlesenen blauen Samtpolstermöbeln und schweren Brokatvorhängen ausgestattet war. Alexa strich über den Tragegriff von Olivias Kindersitz, der im Wohnzimmer neben dem Sofa auf dem Boden stand. Owen schlief in seinem Sitz gleich neben seiner Schwester.

„Ihre Kinder schlafen tief und fest. Das macht den Job ziemlich einfach, finde ich.“

„Pippa hält nichts von festen Bettzeiten. Deswegen schlafen sie normalerweise viel an unserem ersten gemeinsamen Tag.“ Seth ging in sein Schlafzimmer. „Machen Sie sich also auf etwas gefasst, wenn die beiden frisch gestärkt wieder aufwachen.“ Während er ihr von den Eigenarten seiner Kinder berichtete, klang er unheimlich stolz und vor allem bestens informiert – das hatte Alexa von einem Teilzeitdaddy nicht erwartet. Fasziniert folgte sie ihm und sah durch die offene Tür des Schlafzimmers, wie er seine Anzugsjacke aufs Fußende des Bettes legte. Dann löste er seine Krawatte und knöpfte das Hemd auf.

„Ähm, was machen Sie denn da?“, fragte sie unsicher.

Seth zog die noch gebundene Krawatte über den Kopf und schlüpfte aus dem Hemd. „Owen hat mich mit seinen Schuhen erwischt, als wir gelandet sind.“ Er deutete auf ein paar Schmutzflecken. „Ich muss mich vor dem Meeting noch schnell umziehen.“

Seth hatte ihr erzählt, dass er mit einem bedeutenden Mann unten im Hotel speisen würde. Alexa stand es frei, vom Zimmerservice zu ordern, wonach ihr der Sinn stand. In drei Stunden würde er wieder zurück sein. Falls es Alexa gelang, die Kinder in die Wanne zu verfrachten, könnte sie sich auf den Rand setzen und ein Auge auf sie werfen, während sie nebenbei ein paar wichtige Telefonate für die Arbeit führte.

Sie strich eine Staubflocke von einem der Lampenschirme. „Klar. Schuhabdrücke auf Ihrem Hemd wären sicher nicht besonders passend für ein so wichtiges Treffen.“

„Können Sie im Koffer nach einem frischen Hemd für mich suchen?“

„Klar, mach ich.“ Rasch ging sie zu dem schwarzen Schrankkoffer auf dem Gepäckständer aus Mahagoni, zog den Reißverschluss auf und … du liebe Güte. Die Anziehsachen verströmten seinen verführerischen Duft, was eigentlich nicht möglich sein konnte, schließlich waren sie ja frisch gewaschen. Doch zweifelsohne hatten die Sachen Seths betörenden Duft angenommen.

Schnell ließ sie die Finger über die Bügel gleiten, bis sie inmitten der zahlreichen farbigen Hemden ein schlichtes weißes fand. Offenbar hatte der zugeknöpfte Geschäftsmann auch eine wilde Seite. Unwillkürlich begann Alexas Haut vor Erregung zu prickeln und ihre Fantasie mit ihr durchzugehen. Eilig schlug sie den Deckel des Koffers wieder zu und ging zu Seth zurück, der mittlerweile nur noch mit Hose und einem T-Shirt bekleidet war, das seine breiten Schultern vorteilhaft zur Geltung brachte.

Unwillkürlich krallte Alexa die Finger in den luxuriösen Stoff des Hemdes in ihren Händen und spürte, wie ihr warm wurde. „Ist das hier okay?“, fragte sie.

„Super, vielen Dank.“ Sacht streiften seine Finger ihre, als er ihr das Kleidungsstück abnahm.

Einen Moment lang ließ Alexa sich von der Intimität dieses Moments mitreißen, als Seths Berührung ihre Haut zum Kribbeln brachte. Sie befand sich in einem wundervollen Hotel mit einem superheißen Mann und seinen Kindern und half ihm dabei, sich anzukleiden. Diese Nähe zwischen ihnen fühlte sich viel besser an als alles, was sie jemals gegenüber ihrem Exmann empfunden hatte.

Wie vom Blitz getroffen zuckte sie zurück. „Gibt es noch etwas, was ich über die Kinder wissen müsste, wenn ich ihnen Abendbrot bestelle?“

„Owen hat eine Allergie gegen Erdbeeren, während Olivia ganz verrückt danach ist. Wenn sie Erdbeeren in die Finger bekommt, will sie immer mit ihrem Bruder teilen. Darauf müssen Sie achtgeben.“

„Noch etwas?“ Nervös versuchte sie, den Blick von seinen Fingern abzuwenden, als er die Knöpfe des frischen Hemdes zuknöpfte.

„Im Notfall können Sie mich unter dieser Nummer erreichen.“ Er griff nach einem Kugelschreiber, um ein paar Zahlen auf die Rückseite einer Visitenkarte zu kritzeln. „Das ist meine private Handynummer, die nur für Notfälle benutzt werden sollte.“

„Verstanden.“ Sie steckte die Karte hinter die Kante des vergoldeten Spiegels. Ganz bestimmt würde sie es hinbekommen, für ein paar Stunden auf zwei kleine Kinder achtzugeben. Oder etwa nicht?

„Passen Sie gut darauf auf – und sehen Sie zu, dass Owen die Karte nicht in die Hände bekommt. Er isst sie sonst auf.“ Während er das sagte, öffnete er den Gürtel, wie Alexa atemlos bemerkte. Dann steckte er das Hemd in den Hosenbund, bevor er hochsah – und Alexa dabei ertappte, wie sie ihn anstarrte.

Verlegen wandte sie den Blick ab und spürte, wie sie rot wurde. Wieder einmal. Es schien sicherer, aus dem Fenster zu sehen und die Aussicht zu genießen, obwohl sie bereits ein Dutzend Mal in St. Augustine gewesen war. Doch wenn Seth sich nicht mit dem Anziehen beeilte, würde sie sich gezwungen sehen, nach draußen in das Flair spanischer Renaissance zu fliehen. Dieser Mann war wirklich eine echte Versuchung für sie, und sie durfte kein Risiko eingehen.

Ihr Körper schien allerdings auch dann vor Erregung zu vibrieren, wenn sie Seth gar nicht ansah. Was für ein unpassender Augenblick, dass ihre Hormone wieder zum Leben erwachten.

„Sie können sich jetzt wieder umdrehen.“ Seths Stimme wirkte beruhigend auf sie.

Sie biss sich auf die Unterlippe und wandte sich wieder zu dem Mann um, der viel besser aussah, als gut für ihn war – oder für sie. „Ich habe schon früher auf Babys aufgepasst.“ Zwar nicht oft, aber gelegentlich hatte sie bei Freunden ausgeholfen, um sich auf ihre eigenen Kinder vorzubereiten – die sie nie bekommen hatte.

„Zwillinge sind aber etwas anderes.“ Er streifte die Krawattenschlaufe über den Kopf.

Wenn du dir wirklich solche Sorgen machst, dann solltest du das Meeting besser canceln, dachte sie verärgert, aber sie schwieg, denn ihr war klar, was sie so aufbrachte. Ihr sorgfältig geplanter Tag war völlig anders verlaufen, als sie es sich ausgemalt hatte. Zu allem Überfluss wurde die Sache durch die Anziehungskraft, die von dem Mann ausging, den sie zwar gern als Geschäftspartner, jedoch nicht in ihrem Bett haben wollte, noch komplizierter.

Plötzlich musste sie an schweißnasse Körper und zerwühlte Laken denken. Ihr Sexualleben mit ihrem Exmann war äußerst erfüllt gewesen, weswegen sie bis zum Schluss nicht gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte. Ganz bestimmt durfte sie ihrem Körper in dieser Situation nicht trauen.

„Seth“, sagte sie und wunderte sich, dass es ihr so leichtfiel, ihn beim Vornamen zu nennen. „Die Zwillinge und ich kommen schon zurecht. Gehen Sie ruhig zu Ihrem Meeting.“

Einen Moment lang zögerte er, bevor er nach seinem Jackett griff. „Ich bin unten in der Bar, falls Sie mich brauchen.“

Oh, ihr Körper brauchte ihn schon jetzt – viel mehr, als gut für sie war. Es wäre schlauer von ihr, wenn sie endlich ihren Verstand einschaltete.

Seth trat aus dem Fahrstuhl in die Lobby, von der aus man in die Bar und das Restaurant gelangte, und sah sich suchend um. Er ging an einem eisernen Brunnen mit Kacheln im maurischen Stil vorbei und steuerte auf die Bar zu, an der er Javier Cortez, einen Cousin der königlichen Familie, zu treffen beabsichtigte. Offensichtlich war es ihm doch noch gelungen, vor der vereinbarten Zeit einzutreffen.

Eigentlich war Cortez verwandt mit den Medinas, einer europäischen Königsfamilie, deren Herrschaft durch einen Staatsstreich beendet worden war. Danach hatten sie sich in den Vereinigten Staaten angesiedelt und unerkannt dort gelebt, bis ihre Identität im vergangenen Jahr durch die Medien aufgedeckt worden war. Seitdem kümmerte Cortez sich um die Sicherheitsbelange der gesamten Familie. Wenn Seth die Medinas als Kunden gewinnen könnte, wäre das ein großartiges Geschäft für ihn.

Er setzte sich auf einen der Barhocker und bestellte ein Mineralwasser. An diesem Abend wollte er nichts Stärkeres zu sich nehmen.

Jansen Jets war noch immer eine vergleichsweise kleine Firma, aber dank einer glücklichen Fügung war es ihm gelungen, dieses Treffen zu vereinbaren. Die Schwester der Ehefrau seines Cousins hatte in die Familie der Landis eingeheiratet, und einer der Landis-Brüder hatte eine uneheliche Prinzessin aus dem Hause der Medinas geehelicht. Zugegeben, das Ganze war ziemlich kompliziert, aber der wahre Grund dafür, warum er an diesem Abend hier saß. Jetzt musste er sich ganz auf sein eigenes Können verlassen. Ganz so, wie er Alexa erklärt hatte. Alexa … Verdammt, irgendwie schweiften seine Gedanken immer wieder zu ihr ab.

Natürlich war ihm die körperliche Anziehungskraft, die zwischen ihnen herrschte, bereits im Flugzeug aufgefallen. Auch war ihm nicht entgangen, dass sie ähnlich fühlte, als er sie vorhin dabei ertappt hatte, wie sie ihn angestarrt hatte. Die Hitzewelle, die ihn erfasst hatte, war ihm angesichts des bevorstehenden Meetings nicht sehr gelegen gekommen.

Doch er war nun einmal auf ihre Hilfe angewiesen und würde dieser Anziehungskraft widerstehen müssen. Seine Kinder waren das Wichtigste in seinem Leben. Seit der Landung in St. Augustine hatte er wiederholt mehrere Male versucht, seine Ex anzurufen, doch immer nur ihre Mailbox erreicht. Sein Leben war um ein Vielfaches einfacher gewesen, als er noch Pilot in North Dakota gewesen war.

Es bestand nur wenig Hoffnung, das heillose Durcheinander in seinem Privatleben beheben zu können, aber zumindest stand er kurz davor, beruflich einen großen Schritt nach vorn zu machen. Und diese Gelegenheit würde er sich nicht entgehen lassen.

Die Ankunft des Fahrstuhls wurde von einem Gong angekündigt, bevor die Türen zur Seite glitten und Javier Cortez heraustrat, um selbstbewusst auf die Bar zuzuschreiten.

„Entschuldigen Sie bitte meine Verspätung.“ Cortez streckte ihm die Hand entgegen. „Javier Cortez.“

„Seth Jansen.“ Er stand kurz auf, um dem anderen Mann die Hand zu schütteln.

Noch bevor Javier eine Bestellung aufgeben konnte, hatte der Barkeeper ein Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit vor den Aristokraten hingestellt. „Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie eigens hergeflogen sind, um mich zu treffen“, sagte Cortez und schwenkte die Eiswürfel in seinem Glas, wobei er sich aufmerksam umsah. „Meine Frau liebt dieses Hotel.“

„Das ist durchaus verständlich. Es ist außerordentlich schön und steckt voller historischer Details.“

Außerdem war es ein geeigneter Ort, um Geschäfte für die königliche Familie abzuwickeln, denn die Privatinsel der Medinas vor der Küste Floridas war nicht weit entfernt. Bisher war Seth allerdings noch nicht dorthin eingeladen worden. Niemand wusste genau, wo sich das Eiland befand, und nur wenige hatten jemals die Festung zu Gesicht bekommen. Die Medinas besaßen zwar einige Privatjets, hatten jedoch vor, ihr Transportnetz weiter auszubauen, da die Familie durch neue Eheschließungen und Kinder ständig wuchs.

Cortez setzte sein Glas ab. „Wie ich gehört habe, werden Sie von Ihren Zwillingen und einem Kindermädchen begleitet?“

Natürlich hatte er das gehört, der Mann war schließlich ein Sicherheitsexperte. „Ich möchte so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen, deswegen habe ich sie und Mary Poppins gleich mitgebracht.“

„Ausgezeichnet. Dann macht es Ihnen ja sicher auch nichts aus, wenn wir den Rest unseres Gesprächs auf morgen verschieben.“

Mist, das konnte er nun wirklich nicht gebrauchen. „Natürlich nicht.“

Cortez stand auf, und gemeinsam gingen sie zum Aufzug, um in den Penthouse Bereich hochzufahren.

„Meine Frau und ich würden uns sehr freuen, wenn Sie und Ihre Kinder uns morgen früh beim Frühstück Gesellschaft leisten würden“, erklärte Cortez. „Ihr Babysitter ist natürlich auch herzlich eingeladen. Wir sehen uns dann gegen neun Uhr“, sagte Javier und ging, nachdem sie die oberste Etage erreicht hatten, ohne eine Antwort abzuwarten.

Gütiger Himmel. Mit einem einjährigen Kind in einem Restaurant zu frühstücken ist schon eine echte Herausforderung – aber gleich mit zweien? dachte Seth, bevor ihn die Geräusche aus seiner Suite aus seinen Gedanken rissen. Als er sich der verschlossenen Tür näherte, vernahm er das Kreischen der Kinder. Verdammt. War einem von ihnen etwas zugestoßen? Hastig zog er die Karte durch den Scanner, als im selben Moment die Tür geöffnet wurde.

Alexa trug zwei frisch gebadete, feuchte und nackte Babys. Ihre Wangen waren gerötet, und sie lächelte. „Hab sie gerade noch aufgehalten“, sagte sie fröhlich. „Lieber Himmel, die sind verflixt schnell.“

Er nahm ein Handtuch vom Sofa und streckte die Arme aus. „Geben Sie mir mal einen von ihnen.“

Als sie seiner Aufforderung folgte, bemerkte Seth, dass ihre Bluse triefend nass war und sich fest an ihre perfekten Rundungen schmiegte. Wer hätte jemals gedacht, dass Mary Poppins sich derart gut in einem Miss-Wet-T-Shirt-Wettbewerb machen würde?

3. KAPITEL

Verlegen zupfte Alexa an ihrem nassen Poloshirt herum, denn ihr war mit einem Mal bewusst, wie sehr es ihre vollen Brüste betonte. Seths heiße Blicke konnte sie jetzt gar nicht gebrauchen – genauso wenig wie die Leidenschaft, die diese Blicke in ihr hervorriefen. Sie hatten unterschiedliche Ziele, was ihre geschäftliche Vereinbarung für die kommenden vierundzwanzig Stunden betraf. Es wäre für sie beide das Beste, wenn sie sich ausschließlich auf die Kinder und die Arbeit konzentrierten.

Entschlossen wandte sie sich um und griff nach dem anderen Handtuch, das sie im Laufe ihrer Verfolgungsjagd durch die Suite achtlos beiseite geworfen hatte. „Sie sind aber ziemlich früh von Ihrem Meeting zurück.“

„Sie brauchen etwas anderes zum Anziehen.“

„Ja, auf jeden Fall etwas Trockenes.“ Sie betrachtete das Badezimmer. Auf dem Boden rund um die Wanne lagen etliche Handtücher, um der Überschwemmung Herr zu werden, die sie beim fröhlichen Umherplanschen angerichtet hatten. „Ich habe den beiden gestattet, sich so richtig im Whirlpool auszutoben. Das Essen müsste auch bald hier sein. Ich hatte Sie für den Zimmerservice gehalten, als ich Sie an der Tür gehört habe.“

„Nach dem Essen müssen sie bestimmt noch mal gewaschen werden.“ Er zog zwei Windeln und zwei T-Shirts aus der Wickeltasche.

„Dann lasse ich noch mehr Handtücher aufs Zimmer bringen.“ Sie nahm ihm das rosa Shirt aus der Hand und beschäftigte sich damit, Olivia zu wickeln und anzuziehen. Dabei konnte sie nicht umhin, zu bewundern, wie routiniert Seth mit seinem sich windenden Sohn umging.

„In Ordnung.“ Überraschend zielsicher presste er die Klebeverschlüsse der Windeln an die richtigen Stellen.

„Ist Ihr Meeting gut gelaufen?“ Vorsichtig steckte sie Olivias winzigen Arm durch die Öffnung des T-Shirts.

„Wir haben einen halben Drink zusammen genommen, weil Javier Cortez das Treffen auf morgen verschieben musste.“ Kurz darauf war es ihm gelungen, Owen das blaue Shirt anzuziehen. Dann hob er seinen Sohn in die Luft und pustete auf seinen Bauch, bevor er ihn wieder auf die Füße stellte. „Ich rufe nur schnell den Zimmerservice an, um meine Bestellung aufzugeben.“

Er ging also nicht wieder zurück zur Arbeit? Sie würden den restlichen Abend gemeinsam hier verbringen? Gemeinsam mit den Kindern natürlich. Und wenn die Babys eingeschlafen waren? Er hatte erwähnt, dass Pippa sie häufig lange wach bleiben ließ. Mit etwas Glück würden die winzigen Anstandswauwaus ihren Dienst bis spät in die Nacht leisten.

„Wie bedauerlich, dass Ihre Verabredung es nicht geschafft hat, Ihnen vor dem Abflug Bescheid zu geben. Dann wäre Ihnen noch Zeit geblieben, einen anderen Babysitter zu organisieren.“ Und sie wäre jetzt allein in ihrem einsamen Apartment, während sie Eiscreme aß und über ihre Begegnung mit Seth nachdenken würde. Denn zweifellos handelte es sich bei ihm um einen Mann, den man nicht so schnell vergaß.

„Ich freue mich, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen. Sie können doch länger bleiben …?“

„Ich rufe meine Partnerin an, sobald die Kinder eingeschlafen sind. Wir werden das schon irgendwie hinbekommen.“

„Wunderbar. Und jetzt kümmern wir uns mal um neue Sachen und Toilettenartikel für Sie.“ Er griff nach dem Hörer des Zimmertelefons, während Olivia und Owen um ihren Vater herumliefen und Fangen spielten. „Ich werde den Concierge bitten, Ihnen etwas zum Anziehen …“

„Nein, bitte, das ist wirklich nicht nötig.“ Abwehrend hob sie die Hand und bemerkte das unerwünschte Kribbeln auf ihrer Haut, als sie sich vorstellte, Sachen zu tragen, die Seth gekauft hatte. „Heute Nacht trage ich den Hotelbademantel. Meine Sachen gebe ich in die Hotelreinigung, dann sind sie morgen früh frisch und sauber. Während Sie morgen in Ihrer Besprechung sind, vertreiben wir uns die Zeit mit Einkaufen. Sie haben nicht zufällig eine Zwillingskarre?“

„Ist bereits organisiert. Aber Sie brauchen trotzdem andere Sachen, denn mein Geschäftspartner wünscht, mit mir und den Kindern zu frühstücken, und ich habe keine Chance, das allein hinzubekommen. Außerdem ist es meine Schuld, dass ich Sie hierhergeschleppt habe, ohne dass sie die Gelegenheit hatten, eine Tasche zu packen.“

Ein Geschäftsfrühstück? Mit zwei Kleinkindern? Wer hatte denn diesen genialen Einfall gehabt? Doch sie behielt ihre Meinung für sich. Unter diesen Umständen musste sie natürlich passend gekleidet sein.

„Okay sagen Sie ihm, dass ich Kleidergröße S und Schuhgröße Sieben habe.“

„Und welche BH-Größe haben Sie?“, fragte er und lächelte sie frech an.

Sie stieß ihm mit dem Zeigefinger gegen die Brust. „Nie im Leben werde ich Ihnen das beantworten.“ Liebe Güte, seine Brust war aber muskulös. Überrascht trat sie einen Schritt zurück. „Und ich gebe Ihnen das Geld für alles hinterher wieder. Ich bestehe darauf.“

„Na, wenn Sie es unbedingt so wollen“, erwiderte er beinahe etwas von oben herab, sodass sie ihm am liebsten verärgert in die Seite geboxt hätte. Das wäre allerdings nicht sehr weise gewesen, denn dafür hätte sie ihn wieder berühren müssen, und bereits eine Berührung mit den Fingerspitzen genügte, um sie in Flammen aufgehen zu lassen.

„Dann leihen Sie sich für heute Nacht wenigstens ein T-Shirt von mir, damit Sie nicht im Bademantel schlafen müssen.“

Seine Kleidung auf ihrer nackten Haut? Wow. Bei dem Gedanken bekam sie eine Gänsehaut, die sie verzweifelt zu ignorieren versuchte, während sie den krabbelnden Kindern ins Hauptschlafzimmer folgte. Dabei hörte sie, wie Seth telefonierte und mit seiner sexy dunklen Stimme sein Abendessen, ihre Kleidung und ein paar Toilettenartikel bestellte.

Olivia und Owen machten sich auf, um die tragbaren Kinderbettchen zu erkunden, die neben dem großen Bett aufgestellt worden waren. Alles war vorbereitet worden, um eine Familie zu beherbergen – eine wirkliche Familie. Abgesehen davon, dass Alexa allein unter ihre Decke krabbeln und dabei nichts außer dem T-Shirt dieses absolut heißen Typen tragen würde.

Sie schlang die Arme um ihren Körper und dachte an das Leben, das sie seit ihrer Scheidung aufgegeben hatte. Ein Leben, an das zu denken sie sich im vergangenen Jahr nicht gestattet hatte, denn sie hatte sich schon immer eine eigene Familie gewünscht. Durch die Situation, in die Seth sie gebracht hatte, wurden alte Begierden geweckt, die sie schon viel zu lange ignoriert hatte. Was war bloß los mit ihr? Sie nahm das alles doch nur für ihre Firma, ihre Angestellten und ihre eigene Zukunft auf sich. Dabei war ihr nicht bewusst gewesen, welche Schmerzen ihr diese Illusion von einer glücklichen Familie bereiten würde.

Es ging Seth ganz schön an die Substanz, heile Familie zu spielen.

Während Alexa ihren warmen Pfirsichbrotpudding mit Lavendelcreme in Angriff nahm, spießte er den letzten Happen seines chilenischen Seebarschs mit der Gabel auf. Sie hatten sich dafür entschieden, zunächst die Kinder zu füttern und anschließend ins Bett zu bringen, sodass sie hinterher ungestört auf dem Turmbalkon zu Abend essen konnten. Ihr Dinner war auf einem schmiedeeisernen Tisch angerichtet worden, dessen Mitte eine einzelne Rose in einer Vase zierte. Die antiken Wandleuchter im Inneren der Suite verbreiteten durch die geöffnete Balkontür ein angenehmes Licht. Klassische Musik erklang aus dem Wohnzimmer, die Olivia und Owen beim Einschlafen helfen sollte. Auch erwachsenen Ohren schmeichelten diese Klänge sehr. Darüber hinaus war Alexa, wie Seth fand, ein ziemlich sexy Exemplar von einer Erwachsenen.

Sie hatte eines seiner T-Shirts angezogen und trug darüber den Hotelbademantel. Das ließ sie wirken, als käme sie geradewegs aus seinem Bett. Ihr blondes Haar wehte leicht in der Brise, die vom Meer zu ihnen herüberwehte, und von der Straße unter ihnen hörte man die gedämpften Klänge nächtlichen Stadtlebens. An diesem Abend hatte Seth mehr denn je zuvor in seinem Leben das Gefühl, eine echte Familie zu haben.

Seit seiner Scheidung hatte er sich nicht häufig mit anderen Frauen getroffen und sie stets von seinen Kindern ferngehalten. Noch immer bedauerte er das klägliche Scheitern seiner Ehe. Zwar hatten er und Pippa gewusst, dass es ein schwieriger Weg für sie werden würde, aber um der Babys willen hatten sie es versuchen wollen. Zumindest hatte er das gedacht, bis er herausgefunden hatte, dass Pippa noch nicht einmal sicher war, ob Seth überhaupt der biologische Vater der Zwillinge war. Bei dem Gedanken stieg wieder kalte Wut in ihm auf.

Verdammt noch mal, Owen und Olivia waren seine Kinder. Immerhin stand sein Name auf ihrer Geburtsurkunde. Er würde nie zulassen, dass man sie ihm wegnahm. Pippa beteuerte zwar immer wieder, nichts an ihrer Einigung ändern zu wollen, hatte ihn jedoch schon früher belogen, weswegen es ihm schwerfiel, ihr zu glauben.

Er betrachtete die Frau, die ihm gegenübersaß, und wünschte, ihre Gedanken lesen zu können. Er wurde aus ihr einfach nicht schlau. Ihm war klar, dass nicht alle Frauen wie Pippa waren, aber er war vorsichtig geworden. Wer sich zwei Mal zum Narren halten ließ, hatte es nicht besser verdient.

Alexa Randall war lediglich aus einem einzigen Grund hier – sie wollte seine Hilfe, um ihr Unternehmen zum Laufen zu bringen, und nicht, um Vater, Mutter, Kind mit ihm zu spielen. Sie verrichtete ihre Arbeit. Jeder hatte seine Ziele, und solange Seth das nicht vergaß, hatte er nichts zu befürchten.

Er griff nach seinem Glas Wasser. „Sie können gut mit Kindern umgehen.“

„Danke“, erwiderte sie einsilbig und stocherte in ihrem Nachtisch herum.

„Im Ernst. Sie werden bestimmt mal eine gute Mutter.“

Kopfschüttelnd schob sie ihr halb verzehrtes Dessert beiseite. „Dafür hätte ich gerne einen Ehemann, aber mein letzter Versuch diesbezüglich ist nicht besonders glücklich ausgegangen“, entgegnete sie verbittert.

Über den Rand seines Glases hinweg sah er sie an. „Tut mir leid zu hören.“

Seufzend tauchte sie den Finger in ihr Wasserglas und strich damit über den Rand, bis das Kristall zu klingen begann. „Ich habe einen Typen geheiratet, der einfach perfekt zu sein schien. Es war ihm egal, dass ich aus einer reichen Familie komme. Er hat sogar einen vorehelichen Vertrag abgeschlossen, um das zu beweisen. Es hat mir einfach gutgetan, zu glauben, dass er mich und nicht mein Geld liebt.“

„So sollte es normalerweise ja auch sein.“

„Ja, sollte es. Aber dann … Ich schätze, Sie wissen, wie es ist, wenn man plötzlich beginnt, die Motive eines Menschen zu hinterfragen.“

„Das ist nicht immer so bei mir gewesen. Ich stamme aus einer Farmersfamilie in North Dakota. Meine Ferien habe ich mit Campen, Fischen oder Fliegen verbracht.“

„Die meisten Freunde, die ich auf der Privatschule hatte, waren nur mit mir befreundet, um die Vorteile zu genießen – zum Beispiel Shoppingtrips in New York. Zu meinem sechszehnten Geburtstag hat meine Mutter mir und meinen Freundinnen einen Urlaub auf den Bahamas spendiert.“ Sie tippte mit einem Fingernagel gegen ihr Glas. „Die meisten, die ich gekannt habe, waren genauso verwöhnt wie ich. Eine richtige Freundin hatte ich nie.“

„Ihr Ex schien also der Traummann gewesen zu sein – und dann?“

„Seine einzige Bedingung hatte darin bestanden, dass ich von meiner Familie kein Geld annehmen sollte. Stattdessen wollten wir es ansparen für unsere Kinder, die wir eines Tages haben wollten. Das hat für mich sehr ehrenhaft geklungen.“

„Was ist denn passiert?“ Er hob sein Glas.

„Ich bin gegen sein Sperma allergisch.“

Seth verschluckte sich beinahe. „Ähm, das habe ich nicht richtig verstanden.“

„Doch, doch, Sie haben schon richtig verstanden – ich bin allergisch gegen sein Sperma. Wir beiden können theoretisch Kinder haben – nur eben nicht miteinander.“ Sie legte die Arme auf den Tisch und beugte sich vor. „Natürlich bin ich traurig gewesen, als wir es erfahren haben, aber dann habe ich mir gedacht, es wäre eine gute Gelegenheit, ein Kind zu adoptieren. Offensichtlich hatte Travis – mein Ex – nicht dieselbe Eingebung.“

„Lassen Sie mich das mal zusammenfassen“, sagte Seth ungläubig. „Ihr Exmann hat Sie verlassen, weil sie beide keine gemeinsamen Kinder haben konnten?“

„Bingo“, erwiderte sie und lächelte traurig.

„Klingt nach einem echten Mistkerl“, entgegnete Seth aufgebracht. „Wenn Sie wollen, nehme ich ihn mir liebend gerne mal vor.“

„Keine Sorge“, erwiderte sie lächelnd. „Heutzutage mache ich so was selbst.“

„Gut zu wissen“, sagte er und bewunderte ihren Mut. Immerhin hatte sie ihr Leben nach zwei schweren Schicksalsschlägen, nach denen die meisten Menschen sicherlich kapituliert hätten, wieder selbst in die Hand genommen.

„Ich versuche, nicht so oft mit meinem Schicksal zu hadern.“ Sie lehnte sich auf dem Stuhl zurück und zog die Aufschläge des Bademantels zusammen. „Bisher hatte ich nie besonders viel Glück mit den Menschen in meinem Leben – weshalb hätte es bei der Wahl meines Mannes besser laufen sollen?“

„Also, ich bin ein verdammt guter Menschenkenner und finde, dass Ihr Ex derjenige ist, der es vermasselt hat.“ Seth griff über den Tisch und berührte ihren zarten Ellenbogen, der unter dem Bademantel hervorlugte. „Und nicht Sie.“

Überrascht weiteten sich ihre Augen, aber sie zuckte nicht zurück. „Ihr Vertrauen ehrt mich, aber ich weiß, dass wir beide Fehler gemacht haben.“

„Trotzdem ist es nicht leicht, dass zu erkennen oder auszusprechen.“ Er zog die Hand zurück.

„Was ist denn mit Ihrer Exfrau?“ Sie rückte die Gabel zurecht, die sie nicht gebraucht hatte. Eigentlich hatte sie nicht viel von den gegrillten Jakobsmuscheln und nur die Hälfte von dem Nachtisch gegessen. Möglicherweise war die Küche hier nicht ganz nach ihrem Geschmack. „Ist es normal für sie, sich einfach aus dem Staub zu machen und die Kinder zurückzulassen?“

„Eigentlich nicht.“ Normalerweise war Pippa diesbezüglich immer sehr gewissenhaft gewesen und weinte jedes Mal heftig, wenn sie Seth die Kinder überließ.

Behutsam berührte Alexa seinen Handrücken. „Jetzt sind aber Sie an der Reihe, nachdem ich Ihnen alles über meine missratene Ehe erzählt habe. Wie lautet Ihre Geschichte?“

Normalerweise zog er es vor, nicht über seine Misserfolge zu sprechen, doch das Mondlicht, das gute Essen und die noch bessere Gesellschaft ließen ihn den Wunsch verspüren, den Abend noch etwas auszudehnen. Falls es dazu nötig sein sollte, ein paar ohnehin schon öffentlich bekannte Details aus seinem Privatleben preiszugeben, dann sollte es eben so sein.

„Eigentlich ist es ganz und gar undramatisch.“ Okay, das war gelogen, aber er liebte es, den Ball flach zu halten. „Wir hatten eine Affäre, und Pippa ist überraschend schwanger geworden.“ Allerdings hatte sie dabei vergessen, die anderen Affären zu erwähnen, die sie zur selben Zeit gehabt hatte. „Den Kindern zuliebe haben wir geheiratet, haben es wirklich versucht und schließlich herausgefunden, dass es nicht klappt. Wir hatten schon die Scheidungspapiere unterschrieben, als die Babys geboren wurden.“

„Warum haben Sie überhaupt geheiratet?“, fragte Alexa erstaunt.

Das hatte er sich auch schon mehr als einmal gefragt, wenn er nachts allein war und die Zwillinge schmerzlich vermisste. „Aus traditionellen Gründen, fürchte ich. Ich wollte die Kinder ständig um mich haben und habe gehofft, dass unsere Ehe funktioniert. Das hat sie aber leider nicht.“

„Sie sagen das so ruhig“, stellte sie fest.

Ruhig? Dabei sah es in seinem Innern ganz anders aus, aber es würde niemandem damit geholfen sein, wenn er seinem Ärger Luft machte. „Ich habe die Zwillinge, und Pippa und ich versuchen, ihnen gute Eltern zu sein. Zumindest habe ich das bisher gedacht.“

Sie legte ihre Hand über seine. „Und es scheint so, als machten Sie einen großartigen Job. Es sind ganz süße, tolle Babys.“

Ihre Berührung ließ ihn erschauern. Nur mühsam gelang es ihm, sich wieder auf das Gespräch und die Sorge um seine Kinder zu konzentrieren. „Sie sind kleine Teufelsbraten, aber ich würde einfach alles für sie tun.“

Es bestand kein Grund, zu erwähnen, dass Alexa ihn derart heiß machte, dass es schon wehtat. Schon viel zu lange hatte er keinen Sex mehr gehabt, was der Grund für diese überwältigende Reaktion seines Körpers auf Alexa sein musste. Dem leidenschaftlichen Ausdruck in ihrem Blick nach zu urteilen, empfand sie genau dasselbe, und ihm wurde klar, dass sie mehr als nur eine gehörige Portion Anziehungskraft verband.

Beide hatten sie misslungene Ehen zu bewältigen und waren völlig auf ihre berufliche Zukunft fixiert. Keiner von ihnen war auf der Suche nach etwas Dauerhaftem, was nur wieder mehr verwirrende Gefühle zur Folge haben würde.

Warum also der Versuchung nicht nachgeben? Wenn sie damit zurechtkam, dass eine kleine Affäre keinen Einfluss auf seine geschäftlichen Entscheidungen hatte, dann könnte das hier das Beste sein, was ihm seit Monaten passiert war.

Ja, das könnte funktionieren – einfach nur unkomplizierter Sex ohne irgendwelche Verpflichtungen.

Ihnen stand ein freies zweites Schlafzimmer zur Verfügung, und er hatte stets Kondome dabei. Eine ungewollte Schwangerschaft reichte ihm. Das Mondlicht schuf eine romantische Atmosphäre. Darüber hinaus war Alexa ohnehin schon halb ausgezogen. Nichts würde ihn jetzt noch davon abhalten können, herauszufinden, ob sie empfänglich für seine sexuellen Avancen war.

Nachdem er eine Entscheidung gefällt hatte, nahm Seth die Rose aus der Vase und strich damit zärtlich über Alexas Oberlippe. Zwar blinzelte sie überrascht, machte jedoch keine Anstalten, sich zu bewegen. Hölle, ja, das deutete er mal als gutes Zeichen.

Wagemutig umrundete er daraufhin ihre Lippen mit der Blüte, bevor er sich über den Tisch beugte und Alexa küsste.

4. KAPITEL

Seths Kuss überraschte Alexa, sodass sie bewegungslos verharrte – drei Herzschläge lang. Dann schien ihr Pulsschlag sich zu verdoppeln, und aus Überraschung wurde Verlangen. Die Anziehungskraft dieses Mannes, die sie vom ersten Moment an verspürt hatte, seitdem er die Krawatte abgenommen und begierig ihr feuchtes Shirt gemustert hatte, hatte ein überwältigendes Ausmaß erreicht.

Ohne den Kuss zu unterbrechen, standen sie beide auf, umrundeten den Tisch und fielen einander in die Arme. Sie umfasste seine Schultern und grub die Finger in den warmen Baumwollstoff des Hemdes, das sie zuvor für ihn ausgesucht hatte. Sie machte es ihm wirklich leicht, das wusste sie, aber das romantische Abendessen auf dem mondbeschienen Türmchen hatte sie völlig in den Bann geschlagen. Die klassische Musik im Hintergrund trug ihren Teil dazu bei, Alexas angespannte Nerven zu beruhigen. Dass sie zum letzten Mal wirklich entspannt gewesen war, war schon sehr lange her. Auch hatte es ihr gutgetan, über ihre Scheidung zu sprechen – es war beinahe befreiend gewesen. Allerdings hatten sie ihre Bekenntnisse auch wieder angreifbar gemacht.

Obwohl es Seth Jansen gelegentlich an Feingefühl in der Kommunikation mit anderen Menschen mangelte, war dieser Kuss eine Wucht. Sie ließ eine Hand von seiner Schulter in seinen Nacken gleiten und zerwühlte spielerisch sein Haar. Ihr Körper schmiegte sich perfekt an seinen, und sie genoss das Gefühl, sich eng an seine muskulöse Brust zu schmiegen. Mit den Fingerspitzen ertastete sie den feinen Bartschatten auf seinen Wangen, als sie zunächst sein Gesicht streichelte, bevor sie erneut sein weiches Haar berührte.

Sie spürte seine Lippen auf ihren, und sie schienen zu schmeicheln und darum zu betteln, dass sie den Mund öffnete. Ihre Brüste rieben fest über seinen kräftigen Oberkörper, und ihr Atem beschleunigte sich, als ihre Erregung immer drängender wurde. Der Duft seines Aftershaves vermischte sich mit der salzigen Meeresluft, und der Geschmack von Limonenwasser und den Gewürzen des Abendessens machten den Kuss zu einem unwiderstehlichen Erlebnis, das jegliche Vernunft ausschaltete. Die kühnen Zärtlichkeiten seiner Zunge brachten Alexa dazu, sich nach mehr zu sehnen – nach mehr Küssen und mehr von Seth.

Wie einfach es doch wäre, ihm in sein Schlafzimmer zu folgen und sich all des Stresses und der Sorgen der vergangenen Jahre so einfach zu entledigen wie ihrer Kleider. Doch es würde ein Morgen geben, und mit ihm würden die Sorgen und der Ärger darüber zurückkehren, dass sie so leicht die Beherrschung verloren hatten.

Gott, das war so leichtsinnig und kindisch und impulsiv, dass sie nicht anders konnte, als es zu beenden. Um Selbstbeherrschung bemüht, stieß sie Seth an den Schultern fort, unfähig, ihre Lippen von seinen zu lösen. Glücklicherweise verstand er den dezenten Hinweis und zog sich ein Stück zurück, wenn auch nur ein winzig kleines.

Mit jedem Atemzug nahm sie weiterhin seinen wunderbaren Duft wahr und sah das Sternenlicht, das sich in seinen grünen Augen widerspiegelte, als er sie aufmerksam betrachtete und sich offensichtlich fragte, wie weit sie diesen Kuss noch gehen lassen wollte.

Ihr Brustkorb hob und senkte sich hastig, und Alexa wusste, dass allein Seths unwiderstehliche Ausstrahlung an dieser unglaublichen Reaktion ihres Körpers schuld war. Behutsam führte Seth sie zu ihrem Stuhl zurück – was gut war, weil sie sich etwas wackelig auf den Beinen fühlte. Dann setzte auch er sich, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen. Sogar als er einen Schluck Wasser trank, beobachtete er sie über den Rand des Glases hinweg.

Etwas gequält lachte sie auf. „Das kam eben ein wenig unerwartet.“

„Wirklich?“ Er setzte das Glas auf dem Tisch ab, und lediglich der Pulsschlag an seinem Hals verriet Alexa, dass er genauso erregt war wie sie. „Ich habe Sie schon küssen wollen, als ich Sie zum ersten Mal an Bord meines Flugzeugs gesehen habe. Da habe ich vermutet, dass es Ihnen genauso ergeht – jetzt weiß ich es“, stellte er leicht überheblich fest.

Sie spürte, wie ein unangenehmer Gedanke in ihr wach wurde und die heiße Leidenschaft beinah augenblicklich abkühlte. „Haben Sie mich etwa deswegen gebeten, auf Ihre Kinder aufzupassen? Weil Sie mit mir ins Bett wollten?“, fragte sie kämpferisch. „Ich dachte, es wäre eine Geschäftsvereinbarung. Es ist nie besonders clever, Geschäftliches und Privates zu vermischen.“

„Warum haben Sie dann meinen Kuss erwidert?“

„Aus Reflex.“

„Sie geben also zu, dass Sie sich von mir angezogen fühlen?“, bohrte er nach.

Es wäre wohl vergebliche Liebesmüh, das zu leugnen, gestand sie sich insgeheim ein. „Das wissen Sie doch genau. Allerdings bedeutet das nicht, dass ich vorhatte, mich von diesem Gefühl beeinflussen zu lassen. Ich finde auch Brad Pitt höllisch sexy, was noch lange nicht bedeutet, dass ich mit ihm ins Bett gehen würde.“

„Sie finden mich also so heiß wie Brad Pitt?“, erkundigte er sich und lächelte selbstzufrieden.

„Das ist nur ein Beispiel gewesen“, entgegnete sie kurz angebunden.

„Aber Sie denken, dass ich ein heißer Typ bin?“

„Das tut nichts zur Sache.“ Aufgebracht stützte sie sich mit den Handflächen auf dem Tisch ab. „Weder heute noch sonst irgendwann werde ich mich von meinem Verlangen beeinflussen lassen. Falls das bedeutet, dass Sie Ihr Angebot zurückziehen, mir Tipps zu geben, dann ist das eben so. Auf gar keinen Fall gehe ich für meine Karriere mit Ihnen ins Bett.“ Abrupt stand sie auf.

„Wow, jetzt warten Sie doch mal.“ Er erhob sich ebenfalls und ging zu ihr, um sie beschwichtigend am Arm zu berühren. „Nichts läge mir ferner. Zum einen halte ich Sie nicht für einen Menschen, der zu so etwas fähig wäre, und zum anderen habe ich noch nie für Sex bezahlt und auch nicht vor, es jemals zu tun.“

Sie erstarrte mitten in der Bewegung, als seine vertrauliche Berührung neue Wellen der Erregung in ihr auslöste. Sie machte einen Schritt zurück in die Suite, aus der zarte Klänge von Mozart an ihr Ohr drangen. „Haben Sie sich schon nach jemand anderem umgeschaut, der auf Ihre Kinder aufpasst?“

Er rührte sich nicht von der Stelle, und wie magisch zog seine bloße Gegenwart Alexa in ihren Bann. Seine breiten Schultern hoben sich vom mondbeschienen Nachthimmel ab, und der Glanz der Sterne spiegelte sich auf seinem blonden Haar wider, sodass er beinahe wie ein Gott der griechischen Antike wirkte.

„Warum sollte ich das tun?“, fragte er. „Ich habe doch Sie.“

„Unsere Vereinbarung gilt nur für vierundzwanzig Stunden“, erwiderte sie und hielt sich am Türrahmen fest, als könne sie so ihrer schwindenden Widerstandskraft gegen die übermächtige Anziehung dieses Mannes etwas entgegensetzen.

„Ich bin davon ausgegangen, dass Sie sich für länger verpflichten, nachdem Javier Cortez das Meeting heute Abend hat ausfallen lassen.“ Er trat so dicht an sie heran, dass er sie beinahe berührt hätte. „Sie haben doch sogar schon alles mit Ihrer Firma geklärt, um Zeit für unser Geschäft zu haben.“

Das stimmte, und wiederum war es ihm gelungen, sie völlig aus der Fassung zu bringen. „Ja, wie Sie schon sagten: Für unser Geschäft“, betonte sie das letzte Wort besonders deutlich.

„Sie sind verärgert.“

„Nein, eigentlich nur frustriert und enttäuscht von uns beiden.“

„Enttäuscht?“, hakte er verwundert nach.

„Oh.“ Ihr wurde plötzlich klar, was er denken musste. „Nicht von Ihrem Kuss. Der war einfach … was erzähle ich eigentlich … Sie sind ja auch dabei gewesen. Auf gar keinen Fall lässt sich verleugnen, dass es ordentlich zwischen uns knistert.“

„Da stimme ich Ihnen zu hundert Prozent zu“, erklärte er und lächelte wieder selbstbewusst.

„Aber um noch mal auf Brad Pitt zurückzukommen.“ Entschlossen straffte sie die Schultern. „Nur weil wir uns zueinander hingezogen fühlen, besteht keine Veranlassung, dieser Begierde nachzugeben. Ich finde es enttäuschend, dass wir uns so unprofessionell verhalten haben. Mein Geschäft ist mir das Wichtigste, so wie für Sie Ihre Kinder das Bedeutendste im Leben sind.“

„Das heißt aber noch lange nicht, dass ich deswegen die Zuneigung leugnen muss, die ich für Sie empfinde. Ich kann Geschäftliches gut vom Vergnügen trennen.“ Er bedachte sie mit einem leidenschaftlichen Blick. „Ich bin ziemlich gut im Multitasking.“

Allmählich wurde sie sein überhebliches Verhalten leid. „Sie hören mir wohl gar nicht zu! Das geht mir hier viel zu schnell. Wir kennen uns doch kaum, und der Trip ist für uns beide mit hohen Risiken verbunden.“ Mit einem Finger stieß sie gegen seine Brust. „Und jetzt mal aufgepasst: keine Küsse mehr.“

Danach machte sie kehrt und ging hastig in die Suite, bevor Seth ihre Entschlossenheit wieder auf die Probe stellen konnte. Doch noch während sie durch den luxuriösen Wohnbereich in ihr Schlafzimmer ging, konnte sie nicht umhin, Seths bedauernde Worte zu hören, die ihr aus tiefster Seele sprachen. „Wie jammerschade.“

Da konnte sie nur zustimmen. Wahrscheinlich würde sie in dieser Nacht vor unerfüllter Begierde nur schwer in den Schlaf finden.

Seth lehnte sich im Stuhl zurück und betrachtete die nächtliche Skyline der Stadt vom Balkon aus. Immer noch spürte er die Nachwirkung des leidenschaftlichen Kusses, während er an dem Selterwasser nippte und darauf wartete, dass das Licht in Alexas Zimmer erlosch.

Obwohl er ihr an diesem Tag zum ersten Mal begegnet war, verspürte er ein übermächtiges Verlangen nach ihr, das nicht weniger überwältigend geworden war, nachdem er die Gelegenheit genutzt und ihren verführerischen Geschmack genossen hatte. Missmutig schob er das Glas beiseite, denn er wusste, dass dieses tief empfundene Verlangen in ihm kaum mit etwas Wasser gestillt werden konnte.

Er musste sich klar darüber werden, wie er mit diesem Gefühl umgehen wollte. Alexa hatte recht, wenn sie behauptete, dass eine Affäre zwischen ihnen nicht besonders klug wäre. Sie hatten beide ausreichend Gründe, ihre Bekanntschaft auf einen rein geschäftlichen Kontakt zu beschränken. Sein Leben war auch so schon kompliziert genug, und für seine Kinder wollte er es weiterhin einigermaßen beständig halten. Dazu passte eine Parade ständig wechselnder Freundinnen in seinem Leben ganz und gar nicht.

Das Smartphone auf dem Tisch erinnerte ihn daran, dass er bereits vier Mal erfolglos versucht hatte, Pippa zu kontaktieren. Bisher hatte sie auch noch keine seiner Nachrichten erwidert, und seine Geduld begann sich langsam zu erschöpfen. Zumindest hätte sie sich die Mühe machen und herausfinden können, aus welchem Grund er sie zu erreichen versuchte.

Plötzlich begann sein Telefon zu vibrieren und verkündete einen eingehenden Anruf. Hastig griff Seth nach dem Handy. Auf dem Display war der Name von seiner Cousine Paige aus Charleston zu lesen. Wieder nicht Pippa. Verdammt.

Selbst seine entferntesten Verwandten hielten regelmäßiger zu ihm Kontakt als die Mutter seiner Kinder. Seine Cousine Paige und sein Cousin Vic waren beide aus North Dakota in die Gegend von Charleston gezogen, um dort ein neues Leben zu beginnen. Da er im Westen keine weitere Familie mehr hatte, war Seth ihnen gefolgt, um sein eigenes Unternehmen zu gründen.

Zögernd nahm er das Gespräch entgegen. „Paige? Alles okay bei dir?“

„Ja, uns geht es gut“, antwortete sie fröhlich. „Eigentlich rufe ich nur an, um dir mitzuteilen, dass Claire heute einen gesunden Jungen zur Welt gebracht hat.“

Verdammt. Über die ganze Aufregung mit den Zwillingen hatte er ganz vergessen, dass Vics Frau so kurz vor der Entbindung gestanden hatte. Verlegen kratzte er sich am Kinn. „Richtest du ihnen meine Glückwünsche aus, wenn du sie siehst?“

„Klar mache ich. Und ich rufe noch aus einem anderen Grund an. Claires Schwester sagt, dass sie auf die Zwillinge aufpassen kann, wenn du willst. Du kannst sie morgen früh gern zu ihr rüberfliegen.“

Das klang nach einem vernünftigen Plan, und doch zögerte Seth. Eigentlich wünschte er, seine Kinder bei sich zu haben – und Alexa auch.

Er konnte nicht wissen, ob sie überhaupt noch mit ihm sprechen würde, wenn er ihr eröffnete, dass er ihr Angebot für Jansen Jets nicht annahm. Nein, wenn er sie kennenlernen wollte, dann musste es jetzt geschehen. „Danke, Paige. Aber mittlerweile habe ich Hilfe bekommen.“

„Du hast eine Nanny? Ist sie attraktiv? Lerne ich sie bald mal kennen?“, fragte seine Cousine neugierig. Sie hatte ein untrügliches Gespür für sein Liebesleben, und Seth ahnte, dass er ihr Rede und Antwort würde stehen müssen, wenn er sich nicht vorsah.

„Wenn du nichts dagegen hast, würde ich das lieber erst mal für mich behalten“, erwiderte er. „Ich muss jetzt Schluss machen. Danke für deinen Anruf. Ich hab dich lieb.“

„Ich dich auch, Cousin. Wir hören uns!“

„Ja. Bye.“ Rasch unterbrach er die Verbindung. Ein wenig fühlte er sich schuldig, Paiges Angebot ausgeschlagen zu haben, um einen Vorteil aus Alexas Hilfe zu ziehen. Eigentlich hätte er sie wieder nach Charleston zurückfliegen lassen sollen, wie sie es vereinbart hatten. Doch auf der anderen Seite hatte sie ihn wissen lassen, dass ihr alles zu schnell ging und dass sie Zeit brauchte – Zeit, die sie nicht miteinander würden verbringen können, wenn sie am folgenden Tag nach Charleston zurückkehrte, während er hier blieb. Er hegte den Verdacht, dass sie sich unnahbar geben würde, wäre sie erst einmal wieder zu Hause.

Er stellte sich Alexa vor, wie sie klitschnass mit seinen Kindern herumalberte. Ihm wurde warm bei dem Gedanken an das Familienleben, das er eigentlich hätte haben sollen und sich nicht gönnte, weil er so viel zu tun hatte. Es fühlte sich gut an, Alexa hier zu haben, und aus diesem Grunde würde er sie nicht zurückschicken. Nicht nur, weil sie ihm mit den Kindern half, sondern auch, weil er mehr über diese atemberaubende Anziehungskraft herausfinden musste, die zwischen ihnen herrschte und die ihresgleichen suchte. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal so sehr Feuer und Flamme für eine Frau gewesen war und ein derart starkes Verlangen verspürt hatte.

Wenn er die Reise noch etwas verlängerte, dann wollte er die Gelegenheit ergreifen, seiner Begierde freien Lauf zu lassen und Alexa geradewegs in sein Bett zu locken.

Sonnenlicht schien durch das Fenster auf die Kleidung auf dem Bett – Unmengen von Kleidung. Viel mehr, als Alexa für zwei Tage benötigen würde.

Als sie näher hinsah, bemerkte sie, dass die Auswahl enorm war. Für jeden Anlass war etwas dabei. Eine lohfarbene Caprihose mit farblich passender Bluse. Ein schlichtes rotes Cocktailkleid. Ein sexy schwarzer Badeanzug, der völlig unangemessen für eine Nanny war und die Frage aufwarf, wer ihn ausgesucht haben mochte. Zumindest gab es einen gehäkelten Badeumhang. Und für das Frühstück an diesem Morgen würde sie ein seidenes Sommerkleid mit korallenfarbenem Blumendruck tragen – dazu goldfarbene Riemchensandalen. Ihr Haar hatte sie mit einem passenden Band zurückgebunden, dessen Enden lose über ihren Rücken hingen.

In einer anderen Einkaufstasche befanden sich noch mehr Sachen – Unterwäsche, ein Nachthemd und eine prall gefüllte Kosmetiktasche. Früher einmal hätte sie einen derartigen Luxus für normal gehalten. Mittlerweile musste sie hart dafür arbeiten, um sich auch nur einen dieser kostspieligen Gegenstände leisten zu können. Es war schon erstaunlich, wie sehr sich ein Mensch innerhalb eines Jahres zu ändern vermochte. Aber sie hatte es geschafft und würde dem Leben auch weiterhin die Stirn bieten.

Nachdem sie sich erneut ihre Wertvorstellungen vor Augen geführt hatte, verließ sie das Schlafzimmer und ging in den Wohnbereich, in dem Seth gerade damit beschäftigt war, die Zwillinge in einen neuen Doppelwagen zu verfrachten.

Als er zu ihr aufsah, lächelte er, und unwillkürlich fühlte Alexa sich von dem Funkeln seiner grünen Augen und den sexy Grübchen in seinen Wangen in den Bann gezogen. Immer mehr geriet sie in Gefahr, von diesem Strudel aus Glück, der von Seth ausging, mitgerissen zu werden. Allerdings wusste sie nur zu genau, dass es ein riskantes Unterfangen war. Ihrem eigenen Seelenfrieden zuliebe musste sie sich von ihm fernhalten und sich nicht auf Intimitäten mit einem Fremden einlassen.

Ein Fremder, der mit jeder Sekunde noch faszinierender zu werden schien. Und mal ehrlich – ein Milliardär, der mit einer Kinderkarre umzugehen verstand, war sicher nicht so realitätsfern, wie sie befürchtet hatte, oder? Diese Erkenntnis ermunterte sie, mehr über diesen Mann lernen zu wollen. Es würde ihr in vielerlei Hinsicht helfen – besonders im Hinblick auf ihr Unternehmen. Einzig und allein darauf wollte sie sich konzentrieren und nicht auf diese wahnsinnige Anziehungskraft, die von ihm ausging.

„Sind Sie fertig?“, fragte er.

„Ja, ich glaube schon.“ Sie würde es schaffen und ihre professionelle Maske wahren, während sie insgeheim herausfand, ob der überwältigend heiße Seth Jansen noch ...

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