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Traumhochzeit für Caroline

1. KAPITEL

„Brechen Sie bitte sofort alle Hochzeitsvorbereitungen ab!“, sagte Jack Gaines bestimmt.

Oha, dachte Caroline Mayer. Als der Sohn der Braut sie gebeten hatte, sich vor ihrem Termin mit dem „glücklichen Paar“ mit ihm zusammenzusetzen, hatte sie gleich ein ungutes Gefühl gehabt. Mit einer Absage der Hochzeit hatte sie allerdings nicht gerechnet.

Fassungslos starrte sie den attraktiven Unternehmer an. Als Geschäftsführer des Telekommunikationsunternehmens Gaines Communication Systems war er es offenbar gewohnt, dass man seinen Forderungen nachkam. Von wohlhabenden, erfolgreichen Männern wie ihm kannte sie das auch nicht anders.

Trotzdem ließ sie sich nicht einschüchtern. Schließlich war nicht etwa er ihr Auftraggeber, sondern seine ebenso wohlhabende und erfolgreiche Mutter. Da hatte ihr der hochgewachsene Texaner rein gar nichts zu sagen!

Ganz abgesehen davon war die bevorstehende Hochzeit zwischen Patrice Gaines und Dutch Ambrose der wichtigste Auftrag, den Caroline bisher übernommen hatte. Die High Society von Fort Worth in Texas redete von nichts anderem. Dieser Auftrag bedeutete eine echte Bewährungsprobe für sie. Wenn sie die Party in den Sand setzte, konnte sie ihre Karriere als Hochzeitsplanerin wohl an den Nagel hängen.

Andersherum würde sie damit aber auch den endgültigen Durchbruch schaffen. Und dann könnte ich mir irgendwann ein Haus kaufen und einen Hund anschaffen, dachte sie.

Noch mehr als einen Hund wünschte sie sich allerdings ein Kind. Aber dazu gehört natürlich noch mehr als ein festes Einkommen …

Caroline lächelte gequält. „Ich glaube, Sie verwechseln da etwas, Mr Gaines“, sagte sie und machte eine kleine Kunstpause. „Ich verhindere keine Hochzeiten. Ich plane sie.“

Aufmerksam betrachtete sie ihr Gegenüber. Über Jack Gaines konnte man sagen, was man wollte – er war zweifellos ein ausgesprochen attraktiver Mann, mit seinen breiten Schultern und den sehr maskulinen Gesichtszügen. Die kurzen braunen Haare saßen perfekt, die maßgefertigten Lederschuhe waren makellos. Dem vierunddreißigjährigen Geschäftsmann war sein Aussehen ganz offenbar alles andere als egal.

Am meisten faszinierten Caroline allerdings seine stahlgrauen Augen, mit denen er sie immer wieder durchdringend musterte. Keine Frage: Jack Gaines wusste genau, was er wollte. Und er sorgte dafür, dass er es auch bekam. Caroline kannte solche Männer zur Genüge und hatte sich geschworen, ihnen aus dem Weg zu gehen, wenn es irgendwie ging.

Leider machte Jack Gaines keinerlei Anstalten, das Feld zu räumen, im Gegenteil. Herausfordernd sah er sie an. „Hören Sie mir bitte erst mal zu.“

Caroline zwang sich, seinem durchdringenden Blick standzuhalten. „Das ist nicht nötig. Ich denke nämlich gar nicht daran, die Hochzeitsvorbereitungen abzubrechen.“

Er runzelte die Stirn. „Auch nicht dann, wenn Sie meine Mutter davor bewahren könnten, sich in aller Öffentlichkeit zu blamieren? Weil sie noch nicht ahnt, dass sie sich mit dieser Trauung selbst erniedrigt?“

Caroline stellte ihre lederne Aktentasche ab. „Und woher wollen Sie das wissen?“

Jacks Blick verfinsterte sich. „Sie kennt diesen Dutch Ambrose doch kaum.“

Dabei ist Dutch Ambrose stadtbekannt, dachte Caroline. Ganz Fort Worth wusste, dass ihm eine Reihe lukrativer Immobilien auf South Padre Island gehörten – in bester Lage am Golf von Mexiko, an der texanischen Südspitze.

South Padre Island war ein begehrtes Urlaubsparadies, das Caroline allerdings bisher nur aus Hochglanzprospekten kannte. Sie selbst konnte sich einen Aufenthalt in den luxuriösen Strandhäusern nicht leisten, jedenfalls bisher noch nicht. „Ihre Mutter sieht das wohl anders“, bemerkte sie. „Sonst würde sie ihn nicht heiraten wollen.“

Jack verschränkte die Arme vor der Brust und trat einen Schritt auf sie zu. „Reichlich überstürzt, finde ich.“

Inzwischen war er ihr so nah gekommen, dass ihr dabei ganz anders zumute wurde. Hastig zog sie sich ein Stück zurück. „Über Ihre Mutter liest man ja so einiges in der Tagespresse. Und bisher hatte ich nie den Eindruck, dass sie ihre Entscheidungen überstürzt trifft.“

Jack kniff die Lippen zusammen.

Verärgert fuhr Caroline fort: „Ihre Mutter hat ihr Parfümrezept doch jahrelang für sich behalten, bis sie es an diese große Kosmetikfirma verkauft hat, oder?“

Er lachte verächtlich. „Ja, dreißig Jahre lang. Aber darum geht es hier nicht, meiner Meinung nach …“

„Doch, genau darum geht es“, unterbrach sie ihn. „Ihre Mutter weiß nämlich, was sie will. Und jetzt hat sie eben beschlossen, Dutch Ambrose zu heiraten. Also soll sie das auch tun, ohne dass Sie sich in ihre Angelegenheiten mischen.“

„Dann wollen Sie mir also nicht helfen?“

Am besten ziehe ich mich aus der ganzen Sache zurück, dachte Caroline. Sonst gerate ich noch mitten in einen Familienstreit, und alles bricht über mir zusammen. Meinen guten Ruf bin ich dabei auch gleich los.

Unwillkürlich musste sie an den Mann denken, an den Jack Gaines sie so sehr erinnerte: Der war auch äußerst attraktiv, entschlossen und selbstbewusst gewesen. Und hatte steif und fest behauptet, immer nur das Beste für sie zu wollen. Aber am Ende hatte er ihr das Herz gebrochen …

„Und wenn ich Ihnen eine angemessene Aufwandsentschädigung dafür biete?“, hakte er nach.

Mit dieser Frage holte er sie schlagartig in die Gegenwart zurück. Caroline schluckte. Wie kam er bloß zu der Annahme, dass sie käuflich sein könnte? Sie warf ihm einen verächtlichen Blick zu. „Mr Gaines“, begann sie. „Lassen Sie mich eines klarstellen. Ich helfe Ihnen ganz bestimmt nicht dabei, Ihre Mutter zu hintergehen. Schon gar nicht für Geld. Dass Sie mir so etwas vorschlagen, ist eine Beleidigung!“ Sie nahm ihre Aktentasche und ging.

„Wie bitte? Ist das dein Ernst, dass Caroline Mayer sich geweigert hat, unsere Feier auszurichten?“ Patrice Gaines blickte von ihrem Schreibblock hoch, auf dem sie sich gerade Notizen für ihre Hochzeit gemacht hatte. Jacks Mutter liebte es, wenn alles bis zum Letzten durchorganisiert war.

Jack blickte zum Fenster hinaus in den Garten, wo seine siebenjährige Tochter Maddie mit ihrer Hündin Bounder spielte. Der Golden Retriever war zwar sehr lieb, aber auch ausgesprochen lebhaft und übermütig und verletzte sich beim Herumtollen öfter mal. Zum Glück lief es gerade relativ ruhig ab. Jack lächelte. Wenigstens zwei Mitglieder der Familie Gaines schienen im Moment glücklich und zufrieden zu sein.

Er wandte sich wieder seiner Mutter zu. Es war gar nicht leicht gewesen, ihr so ins Gesicht zu lügen, aber es half ja alles nichts. „Tut mir leid, Mom. Ich habe heute Nachmittag mit ihr gesprochen, da meinte sie, es ginge nicht.“

Patrice setzte die Gleitsichtbrille ab, die sie an einer Goldkette um den Hals trug. „Aber Ms Mayer soll die beste neue Hochzeitsplanerin in ganz Fort Worth sein! Ich habe gehört, dass sie schon einige wunderschöne Feiern organisiert hat!“

„Ja, das hast du erwähnt.“ Jack versuchte dabei nicht an die elegante junge Frau zu denken, die ihn vorhin so kühl abserviert hatte. Sie ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Und zwar nicht nur deswegen, weil sie sich nicht von ihm hatte einschüchtern lassen. Es lag auch nicht allein an den wilden kupferfarbenen Locken, die ihr Gesicht umrahmten. Nein, es war alles: wie sie ihn mit ihren strahlend blauen Augen angeblickt hatte, unschuldig und herausfordernd zugleich. Dabei hatte er deutlich gespürt, dass sie schon einiges erlebt und dabei nicht nur angenehme Erfahrungen gemacht hatte.

Soweit er wusste, kam sie aus keiner besonders wohlhabenden Familie. Und trotzdem war sie unglaublich elegant und wunderschön, mit ihren hohen Wangenknochen, ihrer hübschen kleinen Nase und ihrer schlanken und gleichzeitig sehr weiblichen Figur.

Außerdem hatte sie Geschmack. Der hellrosafarbene Hosenanzug mit dem Seidenoberteil und die hochhackigen Schuhe hatten ihr ganz hervorragend gestanden. Dazu hatte sie dezenten Schmuck getragen. Nur das passende Parfüm hatte noch gefehlt. Als Sohn einer Parfümeurin war ihm das sofort aufgefallen. Welche Düfte ihr wohl gefielen? Die leichten, romantischen oder die sinnlich-orientalischen?

Seine Mutter schien gar nicht zu bemerken, dass er mit seinen Gedanken schon längst woanders war. „Warum will sie die Feier denn nicht für mich planen?“, hakte sie nach. „Hast du ihr etwa nicht genug Geld geboten?“

„Bis zu diesem Thema sind wir gar nicht erst gekommen.“

„Oder lag es am Termin?“

„Den hatte ich noch nicht erwähnt.“

Patrice seufzte entnervt. „Woran lag es dann?“

Daran, dass sie nicht dafür zuständig ist, Hochzeiten zu verhindern, dachte Jack. Und daran, dass ich den Fehler gemacht habe, ihr ehrlich von meinen Bedenken zu erzählen.

Und jetzt? Patrice wartete immer noch auf eine Antwort. „Ich glaube, die Chemie zwischen uns hat einfach nicht gestimmt“, erwiderte er schließlich. „Ich war ihr wohl auf Anhieb unsympathisch.“

Erstaunt sah seine Mutter ihn an. Dann runzelte sie die Stirn. „Na ja, ich weiß ja, dass du manchmal ganz schön nüchtern sein kannst. Aber Caroline Mayer hatte bestimmt schon öfter so … pragmatische und unromantische Kunden wie dich. Viele Menschen, die in technischen Berufen arbeiten, sind doch so.“

„Vielen Dank, Mom.“

„Das meine ich doch nicht böse! Manchmal vergreifst du dich einfach vollkommen im Ton, aber ich weiß trotzdem immer, dass du es im Grunde nur gut meinst.“

„Tja, ich bin Ms Mayer wohl dermaßen gegen den Strich gegangen, dass sie lieber nicht mit mir zusammenarbeiten wollte.“

„Aber ich möchte, dass sie meine Hochzeit ausrichtet, und sonst niemand.“

Ausgerechnet in diesem Moment kam Dutch Ambrose ins Zimmer, Patrice’s Verlobter. Auf den ersten Blick wirkte er wie der perfekte Ehemann für Jacks zierliche blonde Mutter. Der zweiundsechzigjährige hoch aufgeschossene Mann hatte volles weißes Haar und ein offenes Lächeln. Seine Haut war sonnengebräunt vom Strand und vom Golfplatz.

Er trug Turnschuhe, eine bunt karierte Hose, dazu ein einfarbiges Polohemd und eine Strickjacke. „Gibt es irgendein Problem?“, erkundigte er sich höflich.

Patrice schilderte ihrem Verlobten die Schwierigkeiten, die ihr Sohn mit Caroline Mayer hatte. Und Jack wusste sofort, worauf das hinauslaufen würde.

„Ich rede noch mal mit ihr“, versprach er ihr schnell. „Wenn nötig, werfe ich mich vor ihr auf die Knie, damit sie den Auftrag annimmt.“

„Nein“, sagte seine Mutter mit fester Stimme. „Du bitte nicht. Ich mache das.“

„Wer möchte denn gerade mit mir sprechen?“, erkundigte sich Caroline bei Sela Ramirez. Die Mittfünfzigerin war Carolines persönliche Assistentin in ihrem kleinen Unternehmen, Weddings Unlimited. Heute trug sie ein leuchtend rotes Kleid mit goldener Stickerei und sah darin viel jünger aus, als sie in Wirklichkeit war.

Sela schloss leise die Bürotür hinter sich. Vor Carolines modernem Schreibtisch aus Glas und Chrom blieb sie stehen. „Draußen warten Jack und Patrice Gaines. Außerdem ist noch ein kleines Mädchen mit ihrem Hund mitgekommen, Maddie heißt sie. Und ein älterer Herr, Dutch Ambrose.“

Er ist wieder da, dachte Caroline. Jack Gaines. Der resolute Mann mit den faszinierenden stahlgrauen Augen, der schon meine ganze Mittagspause in Beschlag genommen hat. Seit ihrem Treffen war er ihr nicht mehr aus dem Kopf gegangen. „Soll das ein Scherz sein?“

Sela stützte eine Hand auf ihre gerundete Hüfte. „Das hättest du wohl gern.“

Warum machen diese wohlhabenden Leute bloß immer alles so kompliziert?, fragte Caroline sich. Die Antwort konnte sie sich gleich selbst geben: Weil sie es sich leisten konnten …

„Soll ich ihnen sagen, dass du im Moment leider keine Zeit für sie hast?“, erkundigte sich Sela.

„Nein.“ Caroline seufzte. Früher oder später würde sie dieses Gespräch ja doch führen müssen, und hier hatte sie wenigstens ihre Ruhe. „Sag ihnen einfach, dass ich noch einen Moment brauche, dann kannst du sie reinschicken.“

„In Ordnung.“

Wenige Minuten später führte Sela die vier Besucher in Carolines Büro.

Jack Gaines ging voran und wirkte dabei so, als stünde ihm das Gespräch genauso bevor wie ihr selbst. Zum ersten Mal sah Caroline auch seine Mutter Patrice.

Die zierliche blonde Frau war genauso elegant wie auf den vielen Fotos, die Caroline schon in diversen Zeitschriften gesehen hatte. Sie duftete wunderbar, wahrscheinlich hatte sie eine ihrer Parfümkreationen aufgelegt, mit denen sie ihr erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hatte – bevor sie es verkauft hatte.

An ihrer Seite kam ein gepflegter, weißhaariger Mann ins Büro, ebenfalls etwa Anfang sechzig. Das kleine Mädchen dahinter war ein echter Wildfang. Mit ihrem wirren dunkelbraunen Haarschopf sah sie Jack ausgesprochen ähnlich. Sie trug eine Baseballkappe mit dem Schirm nach hinten, ein T-Shirt und eine kurze Latzhose, dazu weiße Socken und schmutzige Turnschuhe.

Ein großer, zotteliger Golden Retriever trottete neben ihr her. Der Hund war nicht angeleint, aber das war offenbar nicht nötig.

„Am besten kommen wir sofort zum Punkt“, verkündete Patrice erhaben, nachdem sie alle vorgestellt hatte. „Ich habe vorhin gehört, dass Sie meine Hochzeitsplanung nicht übernehmen wollen, und jetzt würde ich gern wissen, warum das so ist.“

Jack betrachtete Caroline mit unbewegter Miene. Aber dann sah sie in seine stahlgrauen Augen. Bitte, verraten Sie mich nicht, schien er ihr mit seinem Blick zu sagen.

Eigentlich hätten Sie nichts anderes verdient, dachte sie.

„Wir würden uns sehr über Ihre Unterstützung freuen“, schaltete sich Dutch Ambrose ein.

Jetzt schaute auch Maddie hoch, die eben noch ihren Hund gestreichelt hatte. „Darf Bounder auch bei der Hochzeit mitmachen?“ Ihre blaugrauen Augen leuchteten.

Caroline stellte sich vor, wie das lebhafte kleine Mädchen mit einem Blumenkorb den Mittelgang entlangging. Neben ihr trottete der große Hund mit einer Schleife um den Hals.

Caroline zog sich der Magen zusammen. Schlagartig wurde ihr wieder bewusst, wie sehr sie sich selbst eine Tochter wünschte … und einen Mann an ihrer Seite, mit dem sie ihr Leben teilen konnte. Die letzten beiden Jahre hatte sie sich ganz darauf konzentriert, ihr Unternehmen aufzubauen. Aber sie sehnte sich nach mehr: Sie sehnte sich nach Liebe.

Nimm dich zusammen, und sei nicht so romantisch, ermahnte sie sich. Das hier ist ein rein geschäftliches Treffen und hat mit meinen persönlichen Sehnsüchten rein gar nichts zu tun.

Sie atmete tief durch und zwang sich zu einem professionellen Lächeln. „Wir wollen lieber nichts überstürzen“, bemerkte sie. Das galt vor allem für sie selbst. Sie durfte nicht weiter darüber nachdenken, wie es wäre, selbst so eine wundervolle Tochter wie Maddie zu haben.

Jack räusperte sich. „Tja, ich habe schon versucht, meiner Mutter zu erklären, dass das mit der Hochzeitsplanung leider nicht klappt.“ Er warf Caroline einen vielsagenden Blick zu. „Wir beide … kommen einfach nicht miteinander zurecht.“

„Meine Güte, dann hältst du dich eben aus der Sache heraus“, herrschte Patrice ihren Sohn an. „Ich habe dich sowieso nicht darum gebeten, meine Hochzeit auszurichten. Du wolltest doch unbedingt alles bezahlen.“

„Ja, das möchte ich auch sehr gern“, bestätigte Jack. Es klang ehrlich. „Ich verstehe bloß nicht, warum das unbedingt noch diesen Monat über die Bühne gehen muss.“

Wie bitte? dachte Caroline. Immerhin hatten sie schon Mitte April!

Dutch zwinkerte ihm zu und grinste in die Runde. „Wart mal ab, bis du so alt bist wie wir. Dann verstehst du schon, wie wichtig es ist, keine Zeit zu verlieren.“

Patrice erwiderte das Lächeln ihres Verlobten. Sie nahm seine Hand und drückte sie. „Ja, besonders in unserem Fall“, fügte sie hinzu.

Schlagartig wurde es still.

Irgendetwas ist hier wirklich komisch, dachte Caroline. Kein Wunder, dass Jack die Hochzeit verhindern wollte.

Andererseits bestand ihre Aufgabe darin, Hochzeiten zu organisieren – und nicht etwa, sich in anderer Leute Angelegenheiten einzumischen. Ob Patrice und Dutch heiraten wollten und warum, das mussten die beiden schon selbst entscheiden.

Dass nicht jeder das Glück hatte, wahre Liebe zu erleben, wusste wahrscheinlich niemand so gut wie Caroline. Einige Leute – und sie selbst gehörte dazu – bekamen nur ein einziges Mal im Leben die Chance, einem ganz besonderen Menschen näherzukommen.

Aber selbst wenn das bei ihr nicht funktioniert hatte, brauchte sie noch lange kein trauriges Dasein zu fristen. Immerhin gab es genug andere Dinge, die das Leben lebenswert machten: Caroline konnte sich zum Beispiel beruflich verwirklichen oder eines Tages ein Kind adoptieren, wie ihre Mutter das auch getan hatte.

Schließlich wandte sie sich wieder an Patrice, die sie schon die ganze Zeit erwartungsvoll ansah. „Es ist nie leicht, eine Hochzeit im April zu organisieren“, gab sie zu bedenken. „Selbst dann nicht, wenn man dafür ein ganzes Jahr Zeit hat.“

„Das gilt vielleicht für alle anderen Dienstleister auf diesem Gebiet“, räumte Patrice ein und warf ihr einen herausfordernden Blick zu. „Aber für Sie doch wohl nicht. Ich habe schon so viel davon gehört, was Sie unter den schwierigsten Bedingungen auf die Beine gestellt haben. Gerade deswegen habe ich Sie mir ausgesucht.“

Caroline wusste nicht so recht, wie ihr geschah. Eben hatte sie noch der ganzen Familie erklärt, warum sie die Gaines-Ambrose-Hochzeit nicht übernehmen konnte. Und jetzt war sie für den nächsten Abend zusammen mit allen anderen bei Jack zum Essen eingeladen – um sich gemeinsam Alternativen zu überlegen, wie es hieß.

Kaum hatte die Familie ihr Büro verlassen, kam Sela zu ihr herein. „Sag mal, warum hast du dich darauf eigentlich eingelassen?“, erkundigte sie sich mit ihrer offenherzigen Art.

Sela war etwa so alt, wie Carolines Mutter jetzt gewesen wäre. Als Caroline achtzehn war, war ihre Mutter an einer schweren Krankheit gestorben, jetzt schlüpfte Sela oft in ihre Rolle. Das hatte seine Vor- und Nachteile. Einerseits fühlte sich Caroline dadurch geborgen und versorgt, andererseits aber auch immer wieder unter Rechtfertigungszwang. Seufzend fuhr sie sich durchs Haar. „Ehrlich gesagt weiß ich das selbst nicht so genau.“

Sela betrachtete sie nachdenklich. „Es liegt an diesem Jack Gaines, habe ich recht?“

„Auf gar keinen Fall!“, protestierte Caroline und hoffte, dass sie dabei nicht rot wurde. Trotzdem konnte sie der älteren Frau nichts vormachen, Sela kannte sie einfach zu gut. Immerhin hatte sie Caroline durch viele wichtige Phasen ihres Lebens begleitet, hatte ihr nach der geplatzten Verlobung zur Seite gestanden und mit ihr zusammen das Unternehmen aufgebaut.

„Dann vielleicht an dem kleinen Mädchen?“

Das trifft schon eher den Kern der Sache, dachte Caroline. „Ja, so eine Tochter wie Maddie habe ich mir schon immer gewünscht.“ Nicht nur, weil Maddie mit ihren dunkelbraunen, wuscheligen Haaren, ihren langen Wimpern und ihrem ausdrucksstarken Gesicht ein unheimlich niedliches Mädchen war.

Auch ihr Charakter hatte Caroline beeindruckt. Die Kleine war selbstbewusst und lebhaft und liebte ihren Hund offensichtlich über alles. Mit ihrer offenen, fröhlichen Art hatte sie Caroline diesen sonst so düsteren Tag gerettet. Da hatte sie es nicht verdient, dass ihr Vater die Hochzeitspläne seiner eigenen Mutter durchkreuzte.

Also hatte Caroline beschlossen, etwas zu tun, was sie sonst nie tat: Sie wollte Jack Gaines von seinem Vorhaben abbringen und musste sich dafür persönlich in eine Situation einmischen, die sie eigentlich nichts anging. Dazu gehörte auch, dass sie sich noch einmal mit ihm traf, und zwar allein.

2. KAPITEL

Jack stand gerade auf einer Leiter und hatte den Kopf in den Aufzugschacht gesteckt, da meldete sich sein Walkie-Talkie, das er an seinen Gürtel geklemmt hatte. Er konnte die Worte kaum verstehen. „Wie bitte?“, schrie er über die Bohrgeräusche hinweg aus dem Stockwerk über ihm in das Gerät hinein. „Wer möchte gerade mit mir sprechen?“

„Caroline Mayer“, erwiderte jemand mit kühler Stimme unter ihm.

Jack sah nach unten zum Fuß der Leiter. Und blickte direkt in die tiefblauen Augen der Hochzeitsplanerin.

Hoffentlich ist sie nicht vorbeigekommen, um unser Treffen heute Abend abzusagen, dachte er. Er befestigte das Walkie-Talkie wieder am Gürtel, legte sein Werkzeug ab und kletterte zu ihr hinunter.

„Was machen Sie da eigentlich?“, erkundigte sie sich.

Jack zuckte mit den Schultern. „Wonach sieht es denn aus? Ich repariere eine Überwachungskamera, die nicht vernünftig funktioniert.“

Caroline errötete. „Haben Sie für so etwas keine Angestellten?“

Die hatte er allerdings, etwa zweihundert sogar. Aber die meisten waren gerade damit beschäftigt, sich um die Computer-, Telefon- und Satellitenanlagen in dem großen Bürogebäude zu kümmern, das mitten in der Innenstadt von Fort Worth lag.

„Doch, aber das heißt noch lange nicht, dass ich nicht mithelfen kann“, gab Jack zurück. „Ich bin nämlich ein sehr zupackender Typ, falls Ihnen das noch nicht aufgefallen ist.“ Außerdem lasse ich kein Fettnäpfchen aus, dachte er, als ihm auffiel, wie zweideutig seine Bemerkung war.

„Damit meinte ich natürlich nicht …“, begann er, unterbrach sich aber, als er ihren eisigen Blick bemerkte.

„Was denn?“, hakte sie nach. Offenbar wartete sie nur darauf, dass er zu weit ging, damit sie ihn deutlich in seine Schranken verweisen konnte.

„Ach, nichts.“

Caroline schnaubte verächtlich und sah weg. Dabei fiel ihm auf, wie heftig ihr Puls am Hals schlug. In dem engen Fahrstuhl stand sie so dicht vor ihm, dass ihm ganz heiß wurde.

Jack atmete ihren dezenten Duft nach frisch gewaschenem Haar ein. Auch diesmal trug sie kein Parfüm.

Welchen Duft sie wohl benutzte, wenn sie mit einem Mann verabredet war? Mit dem sie später die Nacht verbringen würde …

Nicht, dass das irgendetwas mit ihm zu tun hätte. Schließlich hatte die Chemie zwischen ihnen von Anfang an nicht gestimmt. Also halten wir dieses Gespräch lieber so kurz wie möglich, dachte Jack. „Worum geht es denn?“, erkundigte er sich knapp.

Sie musterte ihn eingehend. „Ich möchte Sie warnen.“

Jack zog die Augenbrauen hoch. „Ach, ja?“

„Ich habe noch mal über die ganze Sache geschlafen und mich jetzt entschieden, dass ich die Hochzeitsplanung für Ihre Mutter übernehmen will.“

Jack fluchte innerlich und massierte seinen verspannten Nacken. „Und, weiß sie das schon?“

„Noch nicht.“

„Warum erzählen Sie mir das dann?“

Carolines Gesichtsausdruck war schwer zu deuten. „Weil ich Ihnen sagen will, dass ich ihr nicht verraten werde, worum Sie mich gestern gebeten haben.“

Jack wollte ganz bestimmt nicht in ihrer Schuld stehen. „Und warum nicht?“

„Weil ich die Gefühle Ihrer Mutter nicht verletzen will.“

So bewundernswert Jack diese Einstellung fand – er traute der Sache trotzdem noch nicht so ganz. „Dann wollen Sie mich damit nicht erpressen?“

Caroline zuckte zurück und lachte trocken. „Darauf wäre ich gar nicht gekommen.“ Sie fixierte ihn mit ihren leuchtend blauen Augen.

„Sie wollen mich also nicht dabei unterstützen, meine Mutter vor einem schlimmen Fehler zu bewahren?“

Sie beugte sich ein Stück vor. ...

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