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Traumfrau für Traumhaus gesucht!

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1. KAPITEL

Es war noch sehr früh am Morgen, als Steve Cooper seinen Pick-up am Bordstein parkte. Nur ein alter Kater, der auf einer der Veranden hockte, beobachtete, wie Steve den Motor abstellte und das Fenster herunterkurbelte. Der Kater gähnte und rollte sich wieder zusammen.

Steve lächelte, als er eine Zigarette aus der Packung zog. Der träge, dicke Kater passte gut zu den Häusern der Devon Avenue. Nichts schien sich hier in Kilbride, einer Kleinstadt im Staat Connecticut, verändert zu haben.

Nachdem er ausgestiegen war, lehnte sich Steve lässig an seinen Wagen, zündete sich eine Zigarette an und inhalierte genüsslich. Nach zwei Tagen Fahrt sehnte er sich nach einer heißen Dusche und einem Bett. Aber bevor die Bewohner der Devon Avenue aus ihrem Schlaf erwachten, wollte er noch einmal in aller Ruhe einen Blick auf die Lady werfen, deretwegen er hier war.

Er fand sie selbst im morgendlichen Zwielicht schön. Sie war zwar nicht so aufwendig herausgeputzt wie ihre beiden Schwestern, aber sie besaß denselben würdevollen Charme, der alle drei von ihren neidischen Nachbarn abhob.

Steve war gut informiert über die Vergangenheit der beiden älteren Schwestern, aber die jüngste von ihnen war ihm immer noch ein Rätsel. Er wusste nur, dass sie es nach kurzer Blütezeit schwer hatte, da sie von dem Mann vernachlässigt worden war, der sie eigentlich am meisten hätte lieben müssen: James T. Rusk, einer der wohlhabendsten Söhne der Stadt und nach Steves Einschätzung einer der größten Trottel.

Er schnippte die Zigarette weg. Er konnte es einfach nicht begreifen, wie man eine Lady wie sie so hatte behandeln können. Schließlich hatte er schon immer eine Schwäche für viktorianische Stadtvillen gehabt, und diese hier hatte es ihm ganz besonders angetan.

Nach fünf Jahren des Wartens sollte die Villa nun endlich ihm gehören. Durch das geöffnete Fenster griff er nach dem Brief auf dem Armaturenbrett.

Mrs Dorothy Margaret Elson freut sich, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie zu den drei Teilnehmern der Endrunde des Traumhaus-Wettbewerbs gehören.

Am 3. Juni wird die Kommission der Historischen Gesellschaft von Kilbride das letzte Auswahlgespräch führen, Treffpunkt: Zentralbibliothek von Kilbride, Wickham Street.

Steve steckte den Brief in seine Brusttasche. Es war merkwürdig, welche Wendung die Dinge manchmal nahmen. Jahrelang hatte er versucht, an Rusks Haus heranzukommen, und nun schien die einzige Erbin des Hauses, Dorothy Elson, es so schnell wie möglich loswerden zu wollen. Es war sein Glück, dass sie nicht beschlossen hatte, das Haus zu verkaufen, und stattdessen einen Wettbewerb veranstaltete.

Für die Teilnahmegebühr von hundert Dollar und einen Aufsatz mit dem Titel „Aus Liebe zur Devon Avenue“ konnte man das Haus, sowie obendrein einen Zuschuss von 100.000 Dollar für die Renovierungskosten, gewinnen. Allerdings hatte die vermögende Gönnerin beschlossen, den Teilnehmern die Innenansicht des Hauses vorzuenthalten.

Bis zur Verkündung des Gewinners sollten die Fenster mit Brettern vernagelt und die Türen versiegelt bleiben. Jeder Versuch, diese Teilnahmebedingung zu umgehen, führte automatisch zum Ausscheiden des Bewerbers.

Jetzt stand ihm nur noch das einstündige Auswahlgespräch mit einer Kommission von bekanntermaßen kritischen Denkmalpflegern bevor – Leuten, die mit Sicherheit einen Bewerber schätzen würden, der Talent, das nötige Handwerkszeug und Zeit mitbrachte.

Steve lächelte. Unter all den Häusern, die er im Laufe der Jahre gesehen hatte, war dieses das einzige, das ihn immer wieder angezogen hatte und zu dem er immer wieder zurückgekehrt war. Es gab keinen Zweifel, dass er es nur für sich herrichten würde. Und nach der Renovierung würde ihn nichts dazu bewegen können, diesen Ort wieder zu verlassen.

Als er sich zu seinem Wagen umdrehte, bemerkte er ein flackerndes Licht in der Nähe des Hauses. Wahrscheinlich ein Nachbar, der seinen Hund hinausließ. Steve zündete sich eine weitere Zigarette an. Aufmerksam betrachtete er sein Haus, während die Lichter der Straßenlaternen nach und nach erloschen.

Eden steckte die Taschenlampe in die hintere Hosentasche, pustete sich ein paar Ponyfransen aus den Augen und setzte die Brechstange an. Nur noch ein letzter fest sitzender Nagel hielt das Holzbrett vor dem Fenster. Eden wusste, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb.

Es dämmerte bereits, und bald würde es hell werden. Jetzt oder nie dachte Eden.

Wenn nur die alte Tonne, auf der sie stand, diesen letzten Kraftakt überstehen würde. Sie schob die Brechstange unter das Brett und drückte es mit einem Ruck nach unten. Die Tonne fing an zu schaukeln. Und Eden stieß leise Verwünschungen gegen Mrs Dorothy Margaret Elson und ihre lächerlichen Auflagen aus, die diesen ganzen Aufwand erforderlich machten.

Was war schon dabei, wenn eine Teilnehmerin der Endrunde einen flüchtigen Blick ins Innere des Hauses warf? Besonders dann, wenn alles davon abhing?

Eden entschied, dass es nicht das Geringste ausmacht. Nach dem, was sie in der letzten Nacht erfahren hatte, hatte sie nichts mehr zu verlieren. Und solange sie nicht erwischt wurde, lief doch alles bestens.

Noch ein letzter Stoß, und der Nagel lockerte sich. Eden legte die Brechstange beiseite, löste das Holzbrett und stellte es vorsichtig neben die Tonne. Mit klopfendem Herzen blickte sie sich noch einmal auf dem Grundstück um. Dann zog sie einen Ärmel ihres Sweatshirts über die Faust und wischte an einer kleinen Stelle den gröbsten Dreck von der Fensterscheibe. Sie nahm ihre Taschenlampe und holte noch einmal tief Luft, bevor sie ins Innere leuchtete. Sie lächelte. Das Haus war so gut wie sicher ihres.

„Na, gibt’s hier was zu sehen?“

Eden fuhr herum, als sie eine tiefe Stimme hinter sich vernahm. „Eigentlich nicht“, entgegnete sie und konnte gerade noch feststellen, dass der Fremde keine Uniform trug, als die Tonne langsam nach vorne kippte.

Eden griff nach dem Fenster, doch es gab kein Halten. Die Tonne wackelte bedrohlich. Eden schloss ihre Augen und erstarrte. Doch statt des harten Bodens spürte sie, wie sie von zwei kräftigen Armen gepackt und ihr Fall weich abgefedert wurde.

Sie öffnete ihre Augen. Doch statt sich aus dem Griff zu befreien, blieb sie in den Armen des Fremden liegen und spürte seinen Körper unter sich. Sogar durch ihr dickes Sweatshirt konnte sie die Kraft fühlen, mit der er sie festhielt.

Sein warmer Atem fächelte ihren Nacken. „Geht es Ihnen gut?“, fragte der Fremde.

„Ich bin schon in Ordnung“, versicherte sie rasch. Sie drehte sich zur Seite und atmete aus. Während sie sich aufrichtete, fragte sie sich, ob sie jemals so durcheinander gewesen war, dass sie gleichzeitig die Luft angehalten hatte und sich nicht mehr hatte regen können.

Sicher, die Luft hatte sie vor Aufregung angehalten, denn dieser Typ konnte ihr tatsächlich viel Ärger machen, wenn er wollte. Aber warum war sie nicht gleich aufgestanden? Darüber würde sie später nachdenken. Im Moment musste sie nur so schnell wie möglich hier wegkommen, und das am besten ohne Begleitung der Polizei.

„Ich danke Ihnen.“ Sie drehte sich mit einem strahlenden Lächeln zu dem Fremden um und stellte überrascht fest, dass sie einen Hemdknopf anlächelte. Für eine Frau, die mit den meisten Männern, denen sie begegnete, auf gleicher Höhe stand, war dies eine ungewöhnliche Erfahrung.

Als Eden aufblickte, sah sie in dunkle, fast schwarze Augen, und sie entdeckte ein breites, strahlendes Grinsen.

Ein gutes Zeichen, entschied sie. Menschen, die so lachen können, haben es in der Regel nicht eilig, die Polizei zu benachrichtigen. Oder den Vorstand der Historischen Gesellschaft. Schnell trat sie einen Schritt zurück. Ihr musste jetzt eine gute Ausrede einfallen, mit der sie einen schnellen Abgang von hier machen konnte. Sie legte all ihren Charme in ihr Lächeln. „Ich nehme an, Sie fragen sich, was ich hier mache.“

„Ich bin schon ganz gespannt“, entgegnete er und bückte sich, um die Tonne aufzuheben. Trotz seiner Größe bewegte er sich sehr geschickt.

Edens erster Schock legte sich, und sie wurde neugierig. Aus der Distanz konnte sie ihn besser betrachten. Mit seinen breiten Wangenknochen und dem markanten Kinn entsprach er nicht dem, was landläufig als gut aussehend gilt. Aber schönere Augen gab es nicht. Die schweren Lider wurden von dichten schwarzen Wimpern umrahmt. Und er hatte volle, sinnlich wirkende Lippen.

Zuerst hatte sie ihn für einen neugierigen Nachbarn gehalten. Aber jetzt war sie sich nicht mehr so sicher, denn er strahlte nichts Häusliches oder Sesshaftes aus. Man konnte sich ihn nicht als jemanden vorstellen, der am Samstagnachmittag regelmäßig seinen Rasen mähte und sein Auto wusch. Und er sah auch nicht wie ein Kommissionsmitglied der Historischen Gesellschaft aus.

Wenn eine Bezeichnung zu ihm passte, dann „Cowboy“. Nicht der selbstgefällige, leicht zu durchschauende Typ, sondern der lächelnde Verführer, der immer so aussieht, als käme er gerade aus dem Bett irgendeiner Lady. Eden rief sich zur Ordnung. Sie musste wirklich aufhören, sich andauernd diese Countrymusikvideos anzusehen.

Aber wenn dieser Cowboy weder ein Nachbar noch ein Kommissionsmitglied war, wer war er dann?

„Erzählen Sie mir von sich“, sagte er. „Sie können ja mit dem Namen anfangen.“

Sie sah ihm in die Augen und war schon wieder verwirrt. Sie fühlte sich durchschaut, wohingegen sein Blick nichts verriet. „Eden“, flüsterte sie und blinzelte. Sie trat noch einen Schritt zurück. „Eden Wells.“

Sie hätte schwören können, dass in diesem Moment etwas in seinen Augen aufblitzte.

Wie er mit verschränkten Armen bequem an die Wand gelehnt dastand, sah er nicht so aus, als hätte er es besonders eilig. Im Gegenteil, er schien alle Zeit der Welt zu haben. Edens Aussichten, sich möglichst schnell aus der Affäre ziehen zu können, verschlechterten sich.

„Also, Eden, dann erzählen Sie mir doch mal, warum Sie überhaupt auf diese Tonne gestiegen sind.“

Sie versuchte, eine ähnlich lässige Haltung einzunehmen wie er, und hoffte das Beste. „Es lässt sich alles ganz einfach erklären. Ich arbeite in der Filmbranche, für ein Studio in New York.“

Dass sich dieses Studio in ihrer Wohnung befand, musste sie ihm ja nicht unbedingt verraten. Und auch nicht, dass die Filme nichts weiter als fetzig aufgemachte Werbespots waren. Sie hoffte, er würde auf das Thema anspringen wie die meisten Leute. Vielleicht würde er sie fragen, ob sie mit bekannten Schauspielern arbeitete, sodass sie Zeit gewinnen würde. Tatsächlich sprach er kein einziges Wort und sah sie nur an. Auf einmal wurde ihr bewusst, dass er anders war als die meisten Leute, die sie kannte.

„Meistens handelt es sich um kleine Filmprojekte.“ Erneut machte sie eine Pause. Als sie wieder anfing zu reden, senkte sie verschwörerisch die Stimme. „Doch diesmal ist alles anders.“

Er neigte sich etwas vor und flüsterte: „Erzählen Sie.“

Sie musste sich ein Lächeln verkneifen. Er hatte also etwas übrig für Geheimnisse. Jetzt war es an ihr, etwas daraus zu machen.

„Es soll ein Spielfilm werden, der die Geschichte einer Familie erzählt. Die Geschichte beginnt im vorigen Jahrhundert, während des Bürgerkriegs. Und dieses Haus soll der Handlungsort der ersten Szene sein.“

Während Steve zuhörte, fragte er sich, was Eden wohl wirklich machte, wenn sie gerade nicht in fremde Häuser einbrach. Sie lief um das Haus herum zur Veranda und redete ununterbrochen weiter. Er folgte ihr und war bereit, das Spiel mitzuspielen, damit er sie noch eine Weile beobachten konnte.

Denn es war ein Vergnügen, sie anzusehen. Sie war groß und schlank, hatte eine Alabasterhaut und jenes rotblonde Haar, das im Sonnenschein am schönsten zur Geltung kam. Obwohl sie möglicherweise tatsächlich aus New York angereist war, verriet der Klang ihrer rauchigen Stimme eine eher ländliche Herkunft. Vermutlich schien sie deshalb so gut hierher zu passen, wo der Wind in ihren Haaren spielte und der Duft von frisch gemähtem Gras in der Luft lag.

„Es ist eine faszinierende Geschichte“, fuhr sie fort. „Und sehr überzeugend, weil sie auf wahren Tatsachen beruht …“

Zugegeben, sie war geistesgegenwärtig. Aber das half nicht viel.

Als Steve sie entdeckt hatte, wie sie auf Zehenspitzen auf der Tonne stand, die Nase wie ein kleines Mädchen gegen die Fensterscheibe gepresst, hatte er sie zuerst für eine sehr ungeschickte Diebin gehalten. Doch nachdem er ihren Namen erfahren hatte, wusste er, dass sie das Haus aus einem anderen Grund auskundschaftete.

Eden Wells. Wie hätte er diesen Namen auch vergessen können? Er hatte ihn schon mindestens hundert Mal gelesen, seit er den Brief erhalten hatte. Sie war seine Konkurrentin.

Sie sah ihn mit ihren blauen Augen an und fuhr fort. „Zuerst erscheint alles ganz harmlos …“

Harmlos? Das kann man nicht gerade behaupten. Er stellte fest, dass die Farbe ihrer Augen von jenem zarten Blau war, das der Himmel manchmal an Frühlingstagen zeigte. Und immer wenn sie sich zu ihm wandte, konnte er in ihren Augen lesen, dass sie förmlich darauf brannte, ihn endlich loszuwerden.

„Als ich sah, dass eines der Fenster nicht mehr verbarrikadiert war, wurde ich natürlich neugierig …“

„Das Brett war nicht mehr vor dem Fenster, als Sie kamen?“

Eden sah ihn an. „Vandalismus“, erklärte sie ernst und nickte. „Das kommt immer wieder vor.“

Bewundernd schüttelte Steve den Kopf. Sie war verdammt gut.

„Aber es ist schon spät. Ich sollte Sie nicht länger aufhalten, Mr …?“

„Kein Problem“, sagte Steve. „Was halten Sie denn von dem Haus?“

Edens Lächeln wurde schwächer, als ihr bewusst wurde, dass er sie offensichtlich nicht so leicht davonkommen lassen würde. „Ich finde es sehr interessant. Die Stuckverzierungen, die kleinen Türme …“

„Ich meinte im Innern.“

Sie zuckte mit den Schultern und blickte auf das Haus. „Ich weiß es nicht. Bevor ich einen Eindruck gewinnen konnte, haben Sie mich unterbrochen.“

„Vielleicht kann ich Ihnen jetzt dabei helfen.“ Steve ging hinüber zu der Tonne, hob die Taschenlampe auf und reichte sie ihr. „Also los. Sehen Sie nach!“

Eden musterte ihn. Konnte sie das riskieren? Sein Blick war so undurchdringlich wie zuvor. Doch wenn er tatsächlich vorhaben sollte, sie anzuzeigen, hätte er es dann nicht schon längst getan? Konnte man überhaupt jemandem, der so nett lächelte, misstrauen? Und sollte sie die Gelegenheit nicht einfach nutzen, ohne Wenn und Aber?

„Danke.“ Sie griff nach der Taschenlampe und lief zurück zu der Tonne. Dass sie ihn eben noch loswerden wollte, hatte Eden völlig vergessen.

„Ich helfe Ihnen.“ Steve hielt die Tonne fest.

Eden leuchtete mit der Lampe durch das Fenster. Während sie den Strahl langsam wandern ließ, gewöhnte sie sich an die schwache Beleuchtung.

„Was sehen Sie?“, fragte er.

„Hohe Decken, farbige Glasfenster.“ Sie rümpfte die Nase. „Und potthässliche Tapeten.“

Er lachte. „Noch mehr?“

Sie legte eine Hand über ihre Augen. Stuck, Schnitzereien – alles, was sie über die Epoche gelesen hatte, wurde ihr bestätigt. Die Geschmacklosigkeit kannte keine Grenzen. Sie würde für die Endrunde gewappnet sein.

Sie überreichte ihm die Taschenlampe. „Die Neigung zum Kitsch ist unübersehbar.“

„Daraus schließe ich, dass Sie kein Fan des viktorianischen Stils sind.“

„Ich gebe mir Mühe. Aber ich muss zugeben, dass ich den Gedanken an ‚Psycho‘ nicht loswerde. Irgendwo in diesem Haus steckt bestimmt Norman Bates Mutter.“ Sie machte sich bereit zum Sprung.

„O nein!“ Er umfasste ihre Taille. „Auch wenn der Gedanke verlockend ist, mit Ihnen noch einmal im Gras herumzurollen, einen zweiten Sturz kann ich nicht verantworten.“

Ehe sie protestieren konnte, hatte Steve sie schon heruntergehoben. Er hatte seine Hände immer noch leicht um ihre Hüften gelegt, als er lächelnd fragte: „Besser so?“

Eden sah zu ihm auf und konnte nur noch nicken. Sie musste unbedingt bald darüber nachdenken, was sie an ihm so verwirrte. „Vielen Dank für Ihre Hilfe.“ Sie trat einen Schritt zurück. „Dieser Einblick wird meine Arbeit entscheidend vorantreiben.“

Steve senkte seinen Kopf. „Was tut man nicht alles aus Liebe zur Kunst.“

Eden hob ihren Rucksack auf und schwang ihn sich über die Schulter. „Es war nett, Sie kennengelernt zu haben, Mr …?“

„Ganz meinerseits.“ Er bückte sich und hob die Brechstange auf. „Vergessen Sie das hier nicht.“

Sie machte große Augen. „Oh, das gehört mir gar nicht.“

„Ach, ja – die Vandalen!“ Er sah sie erröten. Eigentlich konnte sie doch nicht so gut lügen. Und er war überrascht, dass er sich darüber freute.

„Good-bye, Mr …?“

Er streckte eine Hand aus. „Cooper. Steve Cooper.“

Er fühlte, wie sich ihre Finger verkrampften, und sah, wie ihr Erstaunen in Entsetzen umschlug. „Der Traumhaus-Wettbewerb“, fuhr er fort und fügte nach kurzer Pause die schlimme Botschaft hinzu: „Ich bin in die Endrunde gekommen.“ Er legte die Brechstange in ihre Hand. „Und Sie, schätze ich, stecken in Schwierigkeiten.“

2. KAPITEL

„Also werden Sie es der Kommission erzählen?“, fragte Eden.

Steve lächelte. „Was würden Sie denn tun?“

Sie versuchte, gleichgültig zu wirken, aber er konnte ihre Anspannung erkennen. „Es käme darauf an.“

„Worauf?“

„Wie viel mir das Haus wert wäre.“

„Und wie viel ist Ihnen das Haus wert?“

Sie sah ihm direkt ihn die Augen. „So viel, dass ich alles ableugnen würde.“

Ihr ernster Blick stimmte ihn nachdenklicher, als es ihm lieb war.

„Werden Sie es ihnen sagen?“, wiederholte sie eindringlich.

„Ich habe mich noch nicht entschieden.“

„Dann könnte ich Sie vielleicht noch überzeugen, es nicht zu tun?“

Er trat näher und fragte sich, wie weit sie wohl gehen würde. „Woran denken Sie?“

Eden hob ihr Kinn. „Was würde es kosten?“

Steve lachte, kam näher und drückte sie sanft gegen die Wand. „Es gibt nur eins, das mich überzeugen könnte, Eden.“

Es gefiel ihm, wie sich ihre Augen vor Schreck weiteten. „Und das wäre?“

Er beugte sich zu ihr herunter und seine Lippen streiften kaum merklich ihr Ohr. Er freute sich über ihr leichtes Zittern. „Die Wahrheit“, flüsterte er, drehte sich um und ging zur Veranda.

Er setzte sich auf die zweitunterste Stufe, lehnte sich in eine Ecke und streckte lässig die Beine aus.

Eden war ihm gefolgt. Sie hatte die Hände in die Hüften gestützt und sah ihn feindselig an. „Machen Sie sich immer über die Leute lustig, oder habe nur ich diese Ehre?“

Er sah lächelnd zu ihr auf. „So ist es. Sehen Sie, wir beide wissen doch ganz genau, dass Sie mir eine Lüge nach der anderen aufgetischt haben. Aber wenn Sie jetzt endlich zugeben würden, warum Sie wirklich hier sind, bin ich vielleicht bereit, die ganze Sache zu vergessen.“

Einen Moment lang überlegte sie. Dann warf sie ihren Rucksack auf den Boden. „Okay, Sie haben gewonnen.“ Sie schob seine Beine zur Seite und setzte sich neben ihn. „Ich hätte nie erwartet, dass ich in die Endrunde komme. Das Ganze ergab sich mehr oder weniger aus Zufall. Ein Freund erzählte mir von der Ausschreibung, und ich entschied mich spontan, daran teilzunehmen.“

„Sie haben sich spontan dazu entschieden, Eigentümerin eines renovierungsbedürftigen Hauses zu werden?“

„Ja. Als ich dann die Informationen über den Wettbewerb erhielt, wollte ich unbedingt gewinnen. Allerdings gab es ein Problem: Ich hatte nicht die geringste Ahnung von Architekturgeschichte.“ Sie pflückte eine Pusteblume und blies sanft. „Nach wochenlanger Recherche bin ich nun Fachfrau für die viktorianische Epoche. Ich kenne die wichtigsten Architekten und Maler dieser Zeit.“

„Sehr beeindruckend.“

Ihr Lächeln verschwand, als sie den übrig gebliebenen Stängel wegwarf. „Ja, das habe ich auch gedacht. Aber letzte Nacht habe ich erfahren, dass es nicht reichen wird. Also machte ich einen Spaziergang hierher, entdeckte, dass eins der Bretter lose war, und deutete dies als Zeichen, dass Dorothy Elsons Regeln nicht für mich gelten.“ Sie sah ihn an. „Alles Weitere wissen Sie ja.“

Aber Steve wollte mehr erfahren. „Also stimmt die Sache mit dem Spielfilm auch nicht?“

Eden lehnte sich zurück. „Es ist eher ein kleines Projekt.“

„Drehen Sie tatsächlich Filme?“

„Das habe ich Ihnen doch erzählt.“

Er musste über ihren gekränkten Ton lächeln. „Sie haben mir eine Menge erzählt.“

„Ja, aber das mit den Filmen stimmt. Aber es handelt sich nicht um Spielfilme, sondern um Werbefilme. Einige wurden sogar preisgekrönt.“

„Und könnte ich eines dieser Werke schon gesehen haben?“

„Vielleicht.“ Sie warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu. „Letztes Jahr habe ich einen bahnbrechenden Spot über Kiwis gemacht. Sie wurden der absolute Verkaufsrenner.“

„Sie machen also Filme, um Kiwis zu verkaufen?“

Sie senkte den Blick. „Wir müssen alle etwas verkaufen.“

Ihre Antwort kam so automatisch, dass Steve sich fragte, ob dies der wahre Grund war. Es wurde jedoch langsam Zeit für ihn zu gehen, und er erhob sich.

Sie wandte sich ihm zu. „Also, was meinen Sie? Bleibt die Sache mit dem Fenster unter uns?“

„Das wäre sie immer geblieben.“

Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Danke. Ich weiß es zu schätzen.“

Er grinste. „Nichts zu danken. Wären Sie eine ernsthafte Gefahr für mich gewesen, hätte ich mich vermutlich anders entschieden.“

Sie war sofort neben ihm, als er zurück zur Straße ging. „Was soll das denn heißen?“

Steve hielt an. „Überlegen Sie doch mal, Eden. Der Vereinsvorstand der Historischen Gesellschaft fällt die Entscheidung. Was glauben Sie, worauf es denen ankommt?“

„Auf Geschichte, vielleicht?“

„Architektur“, verbesserte er. „Wenn Sie ihre Broschüre gelesen haben, wissen Sie, dass diese Leute damit beauftragt sind, alte Gebäude vor dem Abriss zu schützen und wiederherstellen zu lassen. Es wird ihnen sofort auffallen, dass Sie von der praktischen Umsetzung der Restaurierungspläne nichts verstehen.“

„Sie hingegen haben natürlich Ahnung.“

Er zog eine Visitenkarte aus der Tasche und gab sie ihr.

„Cooper Construction“, las sie laut und sah ihn an. „Sind Sie Bauunternehmer?“

„Ich bin auf die Restaurierung historisch wertvoller Häuser spezialisiert. Sollten Sie also doch einen Spielfilm drehen wollen, können Sie das Haus für die Eröffnungsszene haben. Ich habe nichts dagegen – vorausgesetzt, Sie lassen Ihre Brechstange zu Hause.“ Er ging weiter. „Wie finden Sie das?“

„Voreilig“, sagte sie in so überzeugtem Ton, dass er stehen blieb. Sie rannte zurück zur Veranda und holte ihren Rucksack. „Was, glauben Sie, habe ich hier drin?“

„Vielleicht eine Kettensäge?“

Sie lächelte nachsichtig. „Und davon abgesehen?“ Eden holte eine schmale Mappe aus dem Rucksack und reichte sie ihm. Footloose Video Productions präsentiert Ihnen stolz ‚Kilbride, der Film‘. Und glauben Sie mir, der gewinnt wieder einen Preis.“

Steve versuchte, sein Lachen zu unterdrücken. „Das ist nicht Ihr Ernst.“

„Doch“, entgegnete sie ungerührt. „Die Marktforschung hat herausgefunden, dass Kilbride kein touristisches Profil hat. Die verborgenen Schätze zu präsentieren, wäre sicher im Interesse der Stadt. Vor allem, wenn ich Ihnen anbiete, das Video auf eigene Kosten zu produzieren. Vorausgesetzt natürlich, ich gewinne das Haus.“

„Das klingt nach Bestechung.“

„Ich ziehe es vor, es lieber als eine auf Gegenseitigkeit beruhende Unterstützung zu bezeichnen.“

„Das hätte ich mir denken können.“

Sie schnippte mit dem Daumen gegen seine Karte und verstaute sie in ihrem Rucksack. „Und das lässt mich doch wohl schon eher zu einer Gefahr für Sie werden, meinen Sie nicht auch?“

„Bestimmt“, gab Steve zu. Wie sollte man eine Frau auch sonst nennen, die so himmlisch aussah und zugleich so höllisch gut log? „Aber ich bin immer noch neugierig. Wenn Sie sich Ihres Angebots so sicher sind, warum setzen Sie dann alles aufs Spiel und versuchen, ins Haus einzudringen?“

„Weil es eine lächerliche Regel ist.“ Ihr Blick schweifte über den verwilderten Garten.

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