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Schottland und die Orkney Inseln

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Marianne Müller,

hier am Tisch der Casima beim Schreiben des 3. Buches. Marianne und Inge machen mit ihrem Reisemobil ausge-dehnte Reisen durch die Länder Europas. Die Entdeckung von Land und Leuten steht dabei im Vordergrund. Diesmal ist Schottland das Ziel der Wahl. Dieses Buch soll - wie auch die beiden Bände „Ungarn – Kroatien“ und „Baltikum – St. Petersburg“- Mut machen, sich auch im Seniorenalter noch etwas zuzutrauen, und besonders auch, positiv neugierig zu bleiben. Viel Freude beim Lesen!

Freiburg, im März 2016

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Inge, vom Sturmwind zerzaust.

Träume können nur Wirklichkeit werden, wenn man sie selbst mit Leben erfüllt.

Marianne Müller

Wir sind per E-Mail erreichbar:

mueller.m@gmx.net

Marianne Müller

Träume werden wahr

Band 3

Seniorenmädels auf Tour mit dem Reisemobil

Schottland und die Orkney Inseln

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Dies ist unsere neue Casima, ein vollintegrierter Viseo von Bürstner. Nach wie vor haben wir uns auf 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht konzentriert. Wir möchten im In- und Ausland als PKW eingeordnet werden. Da wir zu zweit fahren, ist der Platz hier für uns recht großzügig bemessen.

Casima heißt: Ca = Casa das Haus, von I = Inge und Ma = Marianne.

Die neue Fiat Technik begeistert uns, das Fahrwerk ist nochmal deutlich verbessert und Bürstner ist eben auch räumlich für uns nah. Von Freiburg bis in die Kundendienstwerkstatt nach Kehl sind es kaum 90 Kilometer. Wir fühlen uns dort gut aufgehoben

Prolog:

Schottland haben wir beide schon einmal besucht, aber das ist mehr als lange her. Ich könnte sagen, ein Bericht aus meiner Jugendzeit, es sind vierzig Jahre her, und Inge hat vor rund fünfundzwanzig Jahren die Insel erkundet. Irgendwie ist der Wunsch schon lange in unsern Köpfen, dass wir einmal ausgiebig Schottland erleben möchten. Die Insel ist uns irgendwie – unabhängig voneinander – in besonderer Erinnerung geblieben.

Dann gibt es ganz im Norden Englands, in Northumberland auch unsere Freunde Helen und Mike. Ein Besuch dort wäre nicht nur an der Zeit, sondern auch für uns vier eine große Freude. Wir entschließen uns, uns zeitig um die Fähre von Amsterdam nach Newcastle zu bemühen. Wir buchen wieder bei DFDS und es dauert nicht lange, bis die neue Casima auf ihren ersten Einsatz wartet.

Zum Glück haben wir uns vorher noch für eine dreitägige Probefahrt ins Elsass entschieden. Vor der Abfahrt heißt es ganz simpel: Wasser auffüllen. Das gibt dann schon echte Aufgabenstellungen: Erstens stellten wir fest, dass die Fernsehhalterung so hoch montiert ist, dass wir ein verzerrtes Bild sehen. Es ist wie bei den Spiegeln, die von großen Männern montiert werden. Man braucht einen Schemel, um den „zu bearbeitenden Kopf“ zu sehen. Bei meinem Sohn ist das anders: Der Monteur, der den Spiegel montiert hat war so klein, dass Rolf sich bücken muss, um seine Haare zu stylen. Bei der Aktion "Probefahrt" ins Elsass, setzt Rolf für uns die Halterung 7 cm nach unten. Es reicht immer noch nicht. Zum Fernsehen kommen Kissen auf den Sessel, und nach der großen Tour werden wir wohl eine neue Halterung montieren lassen. Es ist ja immer irgendwas mit neuen Autos. Das zweite Erlebnis dieser Art: Uns fliegt mit einem deutlichen Knall die Stufenabdeckung zwischen den Betten entgegen. Das Scharnierband hält nicht. Wir schrauben es neu an, aber nach der ersten Benutzung knallt uns das Band wieder entgegen. Es gibt größere Schräubchen, und um nicht extra nach Kehl zu fahren, schraube ich das ganze Ding jetzt mit den größeren Schrauben erneut an. Schon auf der Heimfahrt von Kehl haben wir bemerkt, dass es an allen Enden kläppert und scheppert. Ich schraube Abdeckungen ab, mache Gummilippen dazwischen, die "Rollläden" an den Fenstern machen Eigengeräusche ohne Ende, an der Fahrertür pfeift es, die Plastikteile vibrieren mit lauten Reibungsgeräuschen. Ich weiß nicht, was wir alles erfunden und gefunden haben, um die Geräusche zu minimieren. Das Pfeifgeräusch wird aber noch eine Aufgabe für Bürstner.

Inzwischen kommt ein Anruf von Fiat. Unser neuer Motor, kein 250er mehr, jetzt 290er, soll zu einer Rückrufaktion in die Werkstatt. Wir rufen unsere Werkstatt an. Ja, das Problem der Fiat Aktion mit der Kennnummer xxxx ist bekannt. Die Arbeitszeit wird mit etwa vier Stunden angegeben. Hatte der freundliche „Fiat Mann“ nicht gesagt, das geht ganz schnell? Wir bitten um Rückruf des Werkstattchefs, den wir kennen. Zum Glück habe ich da nicht letztens einen neuen PKW bestellt, denn am nächsten Tag ruft zwar nicht der Chef des Autohauses, sondern wieder die Dame des Telefondienstes an. Sie hat die Information, es dauert fünf Stunden, und die seien vor Mai nicht einplanbar. Wir schauen uns ungläubig an, sagen das Ganze ab, um einen anderen Fiat Betrieb zu befragen. Ja, wir sollen vorbei kommen, gleich am nächsten Morgen, die Aktion dauert - wie Fiat es gesagt hatte - etwa zehn Minuten.

Wir stellen den Monteuren, die ständig an Reisemobilen arbeiten, gleich die nächste Frage, denn die dritte echte Aufgabenstellung ist ja noch zu klären: Wie bekommen wir die Leitungen, Wasser ist eingefüllt, entlüftet. Da die Entlüftungsventile anders platziert sind, als es bei der vorigen Casima war, lese ich die "Bürstner-bibel", sogar unter Verwendung eines "Markers", genau durch. Wasserhähne auf warm stellen, öffnen, laufen lassen, bis die Luft weg ist, danach das gleiche Prozedere auf der Stellung kaltes Wasser. Gelesen, - getan, ABER es läuft kein Wasser. Da ich ja alles markiert habe, was wichtig ist, lese ich nochmal. Ehrlich gesagt, habe ich noch nie so intensiv die Beschreibungen gelesen, geholfen hat es nichts. Ich bringe das Wasser nicht zum Laufen. Da die "Fiat Leute" auch Wohnmobilservice machen, frage ich doch einfach mal. Klar, sie schauen nach. Es gibt nichts und es geht nichts, auch die Fachmänner bekommen die Luft nicht aus der Leitung. Wir rufen in Kehl bei Bürstner an, dreißig Minuten später fahre ich hin. Also sind heute wieder fast 200 km fällig, aber wir brauchen ja schließlich funktionierende Wasserversorgung. Die freundlichen Monteure von Bürstner finden ad hoc auch keine Lösung. Wahrscheinlich ist die Pumpe nicht in Ordnung. Kein großes Problem, die Pumpe wird ausgetauscht, dauert circa zwanzig Minuten. Wenn es das allerdings nicht ist, dann kann es auch zwei Stunden gehen. So trinke ich einen Kaffee und unterhalte mich mit anderen "Werkstattgästen". Es herrscht der allgemeine Eindruck, die Fahrzeuge werden in die Werkstatt gefahren, und kurz vor Arbeitsschluss kommen sie wieder zum Kunden. Um 16 Uhr ist Arbeitsschluss. Zehn Minuten vorher rollt die Casima, nachdem ich drei Stunden gewartet habe, heraus. Freudig erzählt mir der Monteur, das Problem sei gelöst. Es gibt ein neues Ventil, um das Wasser am Boiler abzulassen. Das ist in der "Bibel" nicht beschrieben, und ich bezweifle, dass die Monteure davon wussten. Jedenfalls haben sie es - zum Glück für uns - und vielleicht auch für andere Viseofahrer - gefunden. Das Ganze kostet mich mehr als fünf Stunden Zeit, und ich komme zehn Minuten vor meinem nächsten Termin wieder zu Hause an.

Jetzt endlich, am 1. Mai 2015 geht es wirklich los

1. Mai

Der Aufenthalt im Elsass war gut gelungen. Wir hatten noch einen richtig schönen Abend mit unsern „Kindern“, und nach der Feier einer Goldhochzeit von langjährigen Freunden in Breisach starten wir jetzt.

Kastellaun, Mobilpark "Burg Stadt", das war unser erklärtes Tagesziel für heute, und das ist es auch geworden. Bei strömendem Regen sind wir in Breisach abgefahren. Wegen gemeldeter Staus haben wir uns dann in Baden Baden auf die französische Rheinseite begeben, um ohne Hektik in den Hunsrück zu fahren. Gegen 14 Uhr sind die ca. 375 km geschafft. Jetzt gibt es Kaffee, und dann schlafen wir erst einmal eine Runde. Der Mobilpark "Burg Stadt" ist uns vertraut. Die Plätze sind groß und gepflegt, Wasser und Abwasser am Platz und die Sanitäranlagen sind immer noch bestens. Das Restaurant haben wir heute nicht getestet. Wir wollten unsere Beine bewegen und sind so in fünfzehn Minuten ins Städtchen spaziert. Kastellaun mit der alten Burg, das sagt schon der Name Kastellum, ist ein beschauliches Städtchen. Die malerische Fußgängerzone, die historischen Häuser mit Schieferdeckung, alles ist im Nahbereich, und somit zu Fuß erreichbar. Nach dem festlichen Schmaus von gestern tut uns der Fußweg gut.

Den Abend verbringen wir in der Casima, und so langsam bekommen wir das Gefühl, die Reise beginnt.

2. Mai

Den 2. Mai wollten wir als Fahr- und Erlebnistag gestalten. Die Casima wird noch von allen Mücken und Fliegen befreit, dann machen wir uns auf den Weg. Zu Hause regnet es, haben wir gehört, aber wir fahren durch "heiter bis wolkiges" Wetter. Der Marienwallfahrtsort Kevelaer ist uns heute einen Besuch wert. Im Marienmonat Mai gibt es dort besondere Feiern zu Ehren der Gottesmutter. Zuerst einmal amüsieren wir uns über den Ortsnamen "Gammeldorf", den wir von Kastellaun aus Richtung Autobahn A 61 durchqueren. Gammeldorf mit <Gammel Straßen>. Die Straßen sind so löchrig, dass selbst vom Käse mit Löchern kein Rest mehr übrig wäre.

Auf der Fahrt in nördliche Richtung schauen wir den Braunkohlebergbau von Garzweiler II an. Riesige Bagger fressen sich in die Erde, um unter anderem der Rheinisch Westfälischen Energieversorgung, der RWE, das Material für die Stromherstellung zu liefern. Wir sind beeindruckt von den Ausmaßen des Geländes, das man von verschiedenen Aussichtsplattformen einsehen kann. Drei Kilometer weiter sehen wir das "Geisterdorf" Immerath. Hier lebten bis vor wenigen Jahren Verwandte von mir. Das Krankenhaus des kleinen Ortes wurde hoch gelobt, es gab eine evangelische und eine katholische Kirche. Die katholische Kirche nannte man wegen ihrer zwei Türme im Volksmund "den DOM". Die Bauten der Kirchen und des Krankenhauses sind noch da, Häuser stehen noch am Platz, aber überall ist der Abriss deutlich sichtbar. Sägen, Bagger, Schuttcontainer und Abrissbirnen sind im Einsatz. Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet. Hier und da strecken noch ein paar Blumen verstohlen ihre Blütenköpfe heraus, aber niemand mag sich mehr daran freuen. Es gibt viele dieser Dörfer hier. Zum Teil sind sie schon re-naturiert, zum Teil sind sie eben jetzt zum Abriss fällig. Im Umkreis hat man neue Bebauungsgebiete geschaffen. Die Dörfer haben die gleichen Namen. Wir schauen Neu-Immerath an:

Hier leben jetzt die Menschen in Neubausiedlungen und in schicken Häusern, aber sicher haben gerade die älteren Menschen ihre Wurzeln zurück gelassen. Auch zwei Kirchen gibt es wieder, und es gibt zwei Friedhöfe, einen katholischen und einen evangelischen. Die Parkplätze dazu sind schlichtweg „bescheuert“. Parkplatz katholischer Friedhof links, Parkplatz evangelischer Friedhof rechts, dann in der Mitte der streng getrennten Christgläubigen, zumindest eine gemeinsame Trauerhalle. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob da die katholische oder die evangelische Wand hochgefahren wird. Man kann nur hoffen, dass sich diese Dinge bald einmal verändern.

Laudate Dominum 2015, lobet den Herrn!

Schon bei der Einfahrt in den Ort Kevelaer kommen uns Oldtimer entgegen. Es muss ein Treffen sein, denn wir sehen Autos, die auch so an die fünfundsechzig Jahre auf dem Buckel haben. Teils sind die Fahrzeuge wirklich schön anzusehen. Auch die auf „alt gestylten Fahrer und Beifahrer – männlich wie weiblich – sind tolle Fotomotive. Dann erreichen wir den Stellplatz in Kevelaer, der sehr unterschiedlich bewertet wird. Unsere Welt ist das nicht. Wir wenden und fahren weg.

In der Nähe des Bahnhofs können wir parken und unsere Stadttour beginnen. Wir werden mit wunderschönem Glockengeläut empfangen. Die Fußgängerzone zur Basilika, der ganze Kirchplatz, ja der ganze Ort ist erfüllt von diesem Klang der Glocken. Dazu zeigen uns die Fahnen, dass es ein besonderes Wochenende ist: Das erste Maiwochenende. In der Kerzenkapelle, die ich noch aus Kindertagen kenne, freuen wir uns auf das Marienlob. Ich sehe Votivtafeln aus Pfarreien, in denen ich die Gottesdienste mit meinem Orgelspiel begleitete. Ich freue mich auf das Lied "Maria Maienkönigin". Das sollte es doch heute geben. Einige, besser gesagt wenige Menschen sitzen in den Bänken. Ein Mensch versucht der Orgel ein paar moderne Dissonanzen abzugewinnen. Es gibt "Heftchen für das Marienlob". Der Organist tritt ans Mikrofon, erzählt etwas von Seiten und Nummern, die er zu diesem "Marienlob" benutzen will, und den Rest zeigt er dann, so sagt er, auf der Anzeigetafel an. Dann kommt ein Mann mit Jeans und Pullover ans Mikrofon. Als Zeichen seiner Wichtigkeit trägt er eine "Amtskette". Gehört er zu einer Bruderschaft? Ist er Schützenkönig? Bürgermeister? Jedenfalls sieht das nicht nach <Bodenpersonal vom lieben Gott> aus, es ist alles irgendwie befremdend. Dennoch finde ich das Lied von der Muttergottes als Maienkönigin im besagten Heft. Ehrlich gesagt, ich hatte Hilfe, denn ob Nummer oder Seite, das war wirklich nicht ersichtlich. Wenn jetzt wenigstens unsere Freunde Elfi und Paul Heinz hier wären, dann könnten wir vereint schmettern, so weiß man nicht, ob der Mai seine Königin begrüßen will, oder ob die wenigen Besucher gleich einschlafen. Bei den „geleierten“ Wechselgesängen halte ich es nicht mehr aus. Komm, Inge, wir gehen! In der Gnadenkapelle fegte der Hausmeister mit einem dicken Besen in entsprechender Lautstärke den Staub der Besucher weg. Jetzt noch Kerzen einsammeln, und das war's. Wir möchten die große Basilika noch einmal besuchen. Eventuell machen wir das auf der Rückfahrt. Für heute reicht uns Kevelaer.

Wir fahren nach Holland - wie man hier am Niederrhein sagt - also wir fahren in die Niederlande nach Afferden. Dort finden wir einen Campingplatz, der unsere Seele baumeln lässt. Das bietet Luft und Raum, und dazu gibt es freundliche, nette Leute hier.

3. Mai

Heute ist unser Ausruhtag. Wir wollen die Anstrengungen der letzten Wochen vergessen und einen Tag ohne Pflichten genießen. Am Nachmittag beginnt es zu regnen, aber egal, wir haben sowieso nichts geplant.

4. Mai

Xanten, das ist unser heutiges Ziel. Wir folgen den Spuren der Römer. Wenn wir etwas machen, dann ist es meist intensiv. Heute erkunden wir fünf Stunden auf Schusters Rappen den archäologischen Park und das Museum. Diesen Zeitaufwand haben wir nicht einmal wahrgenommen, so interessant gestalteten sich unsere Wege. Auch der Xantener Dom findet noch unser Interesse, aber dann ist die Luft weg. 2000 Jahre Geschichte. Wie kamen die Römer an den Niederrhein? Wie lebten sie hier? Welche Ziele gab es? Wir lassen uns begeistern von den Exponaten der Ausstellungen, wir schauen die damalige Ausführung der Handwerksberufe an, wir bewundern das große Badehaus, und wir denken an das Liedchen: Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden. Eine riesige Siedlung war hier in Xanten. Es gibt noch viel auszugraben, ein außerordentlich großes Gelände ist noch zu bearbeiten, denn viele Spuren, die die Römer hinterlassen haben, sind derzeit noch zugedeckt. Inge bekommt heute noch ihre erste niederrheinische Spezialität. Das ist eine „Grillagetorte“. Ein riesiges Stück einer Art „Eistorte“, aber eher so Halbgefrorenes mit viel Sahne. Eine Spezialität, die ich nur vom Niederrhein kenne. Ob Kalorien oder nicht, das soll sie jetzt probieren, und dann ist eben das Abendessen gestrichen. Außerdem leben wir so etwas nach dem Motto, wer nicht genießen kann, der ist ungenießbar. Wir genießen immer wieder mal neue Gaumenfreuden, denn sonst können wir ja gar nicht erkennen, was uns schmeckt und entdecken, was in andern Ländern gegessen wird.