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Träume & Hoffnung
 – Ein Prequel zu GOLD UND SCHATTEN


Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Frankreich, Paris, August 1923
  7. Leseprobe – Gold & Schatten

Über das Buch

Maél ist fast am Ziel. In Paris, der Stadt der Liebe, soll er endlich das finden, was ihn seit 3.000 Jahren durch die Welt irren lässt.

In diesem spannenden Prequel zu GOLD & SCHATTEN wird Maéls Geschichte erzählt – wie er nach Paris kommt, um seiner Suche endlich ein Ende zu setzen. Dabei ahnt er noch nicht, dass er dafür die Hilfe eines ganz besonderen Mädchens braucht …

Über die Autorin

Kira Licht wurde 1980 in Bochum geboren. Sie ist in Japan und Deutschland aufgewachsen und hat Biologie und Humanmedizin studiert, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Für News zu Büchern, Gewinnspielen und Leserunden folgen Sie der Autorin auf Instagram (kiralicht) und Facebook.

Kira Licht, Träume & Hoffnung

Frankreich, Paris, August 1923

Paris, die Stadt der tausend Lichter. Sofort hatte sie mich in ihren Bann gezogen. Wild und wunderschön. Ungebrochen und auferstanden aus den Trümmern des Weltkriegs wie ein Phönix aus der Asche. Eine Metropole, die sich nie um diesen Ehrentitel bemüht hatte. Und doch waren sie alle hier: Pablo Picasso, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, Salvador Dali, Ernest Hemingway. Die bekannte Modeschöpferin Coco Chanel hatte vor Kurzem ihr erstes Parfüm »Chanel No. 5« vorgestellt. Das Café »La Rotonde« in Montparnasse entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Maler, Bildhauer und Dichter aus aller Welt. Eine Ausstellungseröffnung jagte die nächste. Den schönen Künsten wurde gehuldigt wie einer neuen Religion.

Nachts war es die Sucht nach Vergnügungen, die die Menschen aus ihren Häusern trieb. Tanzclubs schossen wie Pilze aus dem Boden. Theater und Varietés wurden wiederaufgebaut. Nachtmärkte boten Kuriositäten an. Man feierte und trank, um die grausigen Bilder des Krieges aus dem Kopf zu radieren.

Die frühen Morgenstunden waren mir die liebste Zeit. Dann, wenn die Feierlustigen in ihren Taxen nach Hause fuhren; wenn die Straßen gekehrt wurden, die Nachtclubs schlossen und die Bäcker mit ihrem Tagewerk begannen. Eine träge, schwere Stille lag dann über der Stadt, geschwängert von den Erinnerungen der letzten Nacht, dem süßen Duft von Nelkenzigaretten und den Abgasen der Automobile.

In diesen Stunden ließ ich mich treiben und horchte in mich hinein. Spürte diesem Sehnen nach, dem altbekannten Kribbeln, einer scheinbar endlosen Suche. Zwar war ich erst vor einer Woche in Paris angekommen, doch Geduld war noch nie meine Stärke gewesen.

Heute Nacht jedoch war ich verabredet. Ich war in Pigalle unterwegs, dem Vergnügungsviertel von Paris. Die rote Mühle auf dem Dach sah ich schon von Weitem. Das »Moulin Rouge« war das erste Haus am Platz. Kein Wunder, so viel nackte Haut und kesses Beineschwingen sah man sonst nirgendwo. Es war das Wohnzimmer der Reichen und Schönen. Schon der Eintritt kostete den halben Monatslohn eines Arbeiters. Drinnen erwartete mich laute Cancan-Musik, viel Rot, viel Gold und wunderschöne halbnackte Mädchen. Glitzer und Parfümschwaden flirrten in der Luft, und eine Champagnerpyramide, die jedem Königshof alle Ehre gemacht hätte, zog alle Blicke auf sich. In einer mit dunkelrotem Samt bezogenen Ehrenloge entdeckte ich Hermes, seines Zeichens Götterbote, und Dandy. Er trug einen dunklen, glänzenden Abendanzug, der selbst im Sitzen geradezu unverschämt perfekt saß. Im Revers leuchtete eine violette Nelke. Sein dunkelblondes Haar war sorgfältig frisiert, die Koteletten, der herrschenden Mode entsprechend, lang und mit Pomade in Form gebracht. Er war umringt von schönen jungen Frauen, alle behängt mit teurem Schmuck. Es waren die verwöhnten Töchter irgendwelcher Großindustriellen, die im wirtschaftlichen Boom nach dem Weltkrieg zu unermesslichem Reichtum gelangt waren.

Hermes war ein Charmeur, ein Frauenliebling, aber auch ein großartiger Schauspieler. Ich kannte ihn lange genug, um die Maskerade zu durchschauen. Etwas abseits, ganz am Rande der Runde, saß ein junger Mann, höchstens drei, vier Jahre älter als ich. Er hatte helles Haar, große dunkle Augen und ein auffallend schönes Gesicht. Sein Anzug war vermutlich geliehen, denn er saß grauenhaft schlecht. Trotz seiner sorgfältig geschrubbten Hände erkannte ich Farbreste an den Fingern. Ein Künstler, vermutlich ein Maler, einer von Hunderten, die die Metropole anzog, wie Motten das Licht.

Während ich weiter auf den Tisch zuging, beugte sich eine rothaarige Schönheit nah zu Hermes und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er lächelte träge, doch seine Augen schienen wie magisch angezogen zu dem jungen Künstler zu wandern. Der Blick, den die beiden teilten, hätte Kontinente sprengen und das ewige Eis schmelzen können. Dann sah der Künstler weg, richtete sich etwas auf und zupfte verlegen am abgeschabten Revers seines Anzugs. Hermes musste ihn in diese illustre Runde mitgebracht haben, denn der junge Mann wirkte nicht, als verkehre er gewöhnlich in diesen Kreisen. Er schien sich nicht besonders wohlzufühlen.

Der Hunger in Hermes’ Augen war allgegenwärtig, egal welche der Schönheiten ihn in ein Gespräch verwickelte. Seine Aufmerksamkeit galt ganz dem jungen Mann. Doch auch die Art, wie der Künstler Hermes immer wieder verstohlen ansah, verriet, dass er ihm bereits hoffnungslos verfallen war.

Ich musste lächeln, als ich vor dem Tisch stehen blieb. Hermes konnte schrecklich charmant sein, aber er war niemand, der mutwillig mit Gefühlen spielte. Er flirtete, er ließ sich gern bewundern, aber wenn er sich von ganzem Herzen verliebte, war er treuer als jeder Schoßhund.

»Maél!« Hermes sprang auf, wobei die prickelnde goldene Flüssigkeit in seinem Champagnerglas gefährlich wogte. »Endlich!«

»Einen guten Abend, die Herrschaften.« Sechs weibliche Augenpaare musterten mich wie ein Filetstück in der Auslage. Der junge Künstler sah mich kurz an, senkte aber schnell den Blick, als ich lächelte.

»Komm, setz dich zwischen Justine und Carole. Ich habe diesen Ehrenplatz schon lange genug belegt.«

Ich ahnte, dass nichts an dieser Geste uneigennützig war. Und richtig: Hermes bahnte sich seinen Weg an all den jungen Damen vorbei und ließ sich neben den Künstler am Rande der Sitzgruppe sinken. Der war so überrascht, dass er sich versteifte und seine Wangen leicht rosig anliefen. Er sah starr geradeaus über den Tisch, die Finger verlegen ineinander verknotet.

»Setz dich, Maél. Trink etwas mit uns.«

Hermes ließ sich geschmeidig nach hinten sinken und legte gleichzeitig einen Arm auf die Lehne hinter dem jungen Mann ab. Der sah aus, als bekäme er nun endgültig keine Luft mehr.

»Maél, das sind Dorette, Justine, Adelaide, Carole, Lilou und Isabelle.« Hermes deutete mit dem Kopf auf den jungen Mann neben sich. »Und das ist Remi Lamar. Ein sehr talentierter Maler, den ich fördere.«

Remi lief dunkelrot an. Hermes grinste wie ein Wolf. Ich beschränkte mich auf ein wissendes Nicken und begrüßte stattdessen die Damen, an denen ich mich vorbeischob. Dann endlich hatte ich Hermes’ alten Platz erreicht.

»Bonsoir.« Justine, die umwerfende Rothaarige küsste mich auf beide Wangen. »Du bist Hermes’ Mündel, richtig?«

Ich nickte und erzählte ihr die Geschichte, die ich allen auftischte. »Er nahm mich auf, als meine Eltern starben. Mein Vater und er waren Vetter.«

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