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Totgesagte leben lange

November 2008

Natascha wunderte sich über gar nichts mehr. Über Männer erst recht nicht. Hans war auch so einer, aus dem man einfach nicht schlau wurde. Wenn der äußere Eindruck nicht täuschte, dann war Hans ein junger, erfolgreicher und hartgesottener Geschäftsmann. Einer, der durchblickte, der sich durchsetzen konnte, der sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen ließ. Und nun stand dieser Hans, seinen Nachnamen kannte Natascha nicht, mit dem Rücken zu ihr. Nackt und mit Handschellen an ein rot-weißes Gestell gekettet, das die Form eines großen X hatte. Brave Bürger kannten dieses Zeichen als Andreaskreuz vor Bahnübergängen. Besucher des Lemgoer Club d’Amour bezahlten viel Geld dafür, dort angekettet und mal mehr, mal weniger sanft ausgepeitscht zu werden.

Hans war einer von den angenehmen Kunden. Er benahm sich anständig, war freundlich zu ihr und gab auch Trinkgeld. Hans kam immer freitags, am späten Nachmittag. Und er wollte immer nur zu ihr. Der Clubbetreiber hatte bereits ihren Dienstplan darauf ausgerichtet. Vor seiner Behandlung trank Hans stets an der Bar des Clubs einen Kaffee. Dann bestellte er einen großen Drink, immer was anderes, fast immer hochprozentig, der ihm dann während der „Erziehung“ in den Raum gebracht wurde. Es gab einen kleinen Spiegel neben dem Andreaskreuz, in dem Natascha sehen konnte, wann die Tür sich hinter ihr öffnete und Charly, der Barmann, den Drink auf einen kleinen Tisch an der Tür stellte. Natascha war es, die das Glas dann zu Hans brachte. Aber nicht einfach so, nein, er musste erst darum betteln. Machte er das nicht ordentlich, gab es die Peitsche. Nur, wenn er brav war, durfte er zwischendurch einen großen Schluck trinken. Da auch seine Augen verbunden waren, war dies gar nicht einfach. Wenn auch nur ein Tropfen auf den Boden fiel, gab es wieder die Peitsche. Natascha hatte es aufgegeben, sich darüber Gedanken zu machen.

An diesem Tag hatte sie eigentlich wenig Zeit. Es war Freitag, der 21. November 2008. Morgen wollte sie ihren 29. Geburtstag feiern. Sie hatte einige Kolleginnen eingeladen und musste noch einkaufen. Aber Hans war ein Stammkunde, der konnte mit Fug und Recht ihre volle Aufmerksamkeit verlangen.

Während sie ihm mit der Peitsche einen roten Striemen nach dem anderen auf den Rücken zeichnete, sah sie im Augenwinkel die sich öffnende Tür. Sah den Mann, der die Drinks auf den kleinen Tisch stellte und die Tür wieder schloss. Natascha drehte sich um, holte das Glas und ließ Hans daran schnuppern. Aber er bettelte nicht überzeugend genug, fand sie, und zog das Glas wieder von ihm weg. Erst nach einigen weiteren Peitschenhieben schaffte er es, ihr Domina-Herz zu erweichen. Sie hielt ihm das Glas vor die Lippen. Einer plötzlichen Laune folgend, Hans liebte solche Varianten, forderte sie ihn auf, das Glas in einem Zug auszuleeren. Gehorsam befolgte er ihren Befehl. Als dabei ein Teil der Flüssigkeit auf den Boden tropfte, schrie sie ihn an, so wie ein alter Feldwebel einen ungeschickten Rekruten anschreit. Hans stöhnte wohlig, schien die Beleidigungen zu genießen. Einige Minuten lief die „Behandlung“ weiter wie gewohnt. Gleich würde sie ihm die Handschellen abnehmen, zuschauen, wie er sich ankleidete und ihren Lohn entgegennehmen. Vielleicht gab es dann noch einen kleinen, unverbindlichen Smalltalk und ein freundliches „Bis nächste Woche“.

Aber heute lief irgendetwas nicht nach Plan. Hans atmete unvermittelt heftiger, schien um Luft zu ringen. Er stöhnte, aber nicht wie sonst, laut und hemmungslos vor überbordender Lust, sondern matt, wirkte völlig erschöpft. Sie sprach ihn an, fragte was los sei, aber Hans reagierte nicht. Plötzlich sah sie, dass seine Knie einknickten und er nur noch von den Handschellen in der Vertikalen gehalten wurde. War er eingeschlafen? Sie sprach ihn hart an, laut und obszön, so wie er es mochte. Keine Reaktion. Sie ging zu ihm, rüttelte an seiner Schulter. Sein Kopf fiel zur Seite. Sie riss ihm die Binde ab und sah entsetzt in seine Augen, die leer und ausdruckslos ins Nichts starrten. Kein Stöhnen war zu hören. Aber auch kein Atem mehr.

1

Es war der wärmste Mai gewesen, seitdem es Wetteraufzeichnungen in Deutschland gab. Doch heute regnete es wie aus Kübeln und es war erbärmlich kalt geworden. Ekelhaft! Schulte sah aus dem Fenster. Regen peitschte gegen die Glasscheibe.

„Dreckswetter“, brummte er und wollte gerade wieder zurück in sein Bett wanken. Da sah er ihn. Das konnte doch nicht sein! Es war nicht einmal sechs Uhr! Da draußen fuhr doch wirklich sein Enkel Linus mit seinem funkelnagelneuen Fahrrad, seinem Geburtstagsgeschenk, immer wieder durch die größte Pfütze, die der Fritzmeiersche Hof zu bieten hatte.

Der Bengel holt sich doch den Tod, schoss es Schulte durch den Kopf. Er riss das Fenster auf und brüllte den Jungen an. Der schien ihn gehört zu haben, denn er bremste, ließ das Hinterrad nach links ausbrechen und stand im nächsten Moment so, dass er in die Richtung sah, aus der das Gebrüll gekommen war. Dann radelte er lässig zu dem Fenster, das Schulte aufgerissen hatte.

„Hast du gesehen, wie cool ich mit diesem Teil driften kann? Das ist wirklich ein geiles Mountainbike, Opa“, strahlte der Junge Schulte mit glücklichem Gesichtsausdruck an. Den konnten auch die vielen Dreckspritzer nicht schmälern, die sich um Nase und Augen des Knirpses angesiedelt hatten.

„Sag mal, Linus, bist du noch zu retten? Bei diesem Wetter mit dem Fahrrad hier auf dem Hof herumzufahren? Außerdem nimmst du auch noch jede Pfütze mit, die du findest. Wenn du so weitermachst, holst du dir eine dicke Erkältung.“

Schultes Enkel grinste.

„Wieso? Ist doch warm. Und das bisschen Regen, das kann doch einen echten Mountainbiker wie mich nicht schocken. Wenn ich keinen Bock mehr habe, dusche ich heiß und danach ist alles wieder im grünen Bereich.“

Das Grinsen auf dem Gesicht von Linus nahm noch zu.

„Ich drifte noch ’n bisschen, Opa“, sagte er lakonisch, trat in die Pedale und war schon wieder auf der Suche nach der nächsten Pfütze.

Schulte schloss das Fenster und sah zu, dass er wieder ins warme Bett kam.

„Alles im grünen Bereich“, wiederholte er die Aussage seines Enkels und zog sich die Bettdecke bis an sein Kinn.

Nichts war im grünen Bereich! Nichts! Aber auch rein gar nichts. Jedenfalls nicht bei Schulte. Heute sollte für ihn ein neuer Berufsabschnitt beginnen. Ein neuer Lebensabschnitt! Schrecklich! Um 14 Uhr sollte er seinen Dienst in einer anderen Abteilung antreten. In einer Dienststelle arbeiten, die vom Innenministerium neu geschaffen worden war und als Think-Tank tituliert wurde.

Think-Tank, so ein großspuriger Quatsch. Das, was die in Düsseldorf sich da ausgedacht hatten, war nichts anderes als ein Abstellgleis für Beamte, die entweder unbequem, oder sonst nicht zu gebrauchen waren. Und er, Schulte, war einer davon.

Think-Tank, das hörte sich natürlich gut an. Die Angelegenheit war auch in der Presse vom neuen Minister als großartiges, innovatives Projekt angepriesen worden. Doch die Bürohengste hatten die Chance genutzt und diese wegweisende Veränderung etwas umgewidmet. In Düsseldorf, das hatte Schulte mittlerweile herausbekommen, pfiffen es die Spatzen von den Dächern: „Ab sofort geht jeder, der nicht spurt, oder es sonst nicht geregelt bekommt, nach Lippisch-Sibirien.“

Schulte war sich sicher, dass Klaus Erpentrup, sein alter Chef und jetzt Staatssekretär im Innenministerium, dafür gesorgt hatte, dass er in dieser zukunftsorientierten Abteilung kaltgestellt werden sollte. Genau das war es, was Schulte gerade widerfuhr. Er wurde kaltgestellt, wurde abgeschoben in eine Versorgungsstätte für ältere, unbequeme, ignorante Polizeibeamte. An einen Ort, an dem er nicht mehr störte. Das war wahrhaftig eine Art moderner Folter.

Als der zuständige Personalverantwortliche des Landes NRW Schulte im vergangenen Jahr den neuen Job schmackhaft gemacht hatte, hörte sich alles ja noch ganz gut an. Jedenfalls zu Beginn des Personalgespräches.

„Sie können sogar in Detmold bleiben“, war der Mann ihm um den Mund gegangen. „Die neue Dienststelle liegt nicht mal einen Kilometer von ihrer alten Wirkungsstätte entfernt“, hatte der Personaler gesäuselt. „Am Heidenbach 8.“

Schulte war stutzig geworden. Am Heidenbach? Er konnte sich nicht erinnern, dass sich in dieser Straße ein Verwaltungsgebäude befand. Das Einzige, was ihm zu dieser Straße einfiel, war eine Kneipe. Der Obernkrug. Aber der war inzwischen zu. Schulte hatte dort hin und wieder mit zwei Kumpels Skat gespielt. Bis der Wirt vor geraumer Zeit unerwartet gestorben war.

Kaum hatte Schulte die Personalabteilung des Innenministeriums verlassen, da hatte er sein Smartphone gezückt und die Dienste von Google in Anspruch genommen. Nachdem er die Adresse seiner neuen Dienststelle eingegeben hatte, entgleisten ihm die Gesichtszüge.

Obernkrug, las Schulte, Gaststätte. Und in Rot geschrieben stand ergänzend da: Geschlossen.

Würde er in naher Zukunft sein Büro in einer ehemaligen Dorfkneipe beziehen? Das konnte nicht sein! Er hörte jetzt schon die Sprüche, die seine Detmolder Kollegen klopfen würden. So nach dem Motto: „Na, Schulte, endlich am Ziel? Dienst in der Kneipe schieben, das war ja schon immer dein Traum.“

Schon nach einer halben Stunde bestätigte sich, dass Schulte mit seiner Vermutung über den Standort seiner neuen Dienststelle, goldrichtig gelegen hatte. Mit Hilfe seiner Kontakte hatte er kurze Zeit später Gewissheit bekommen. Der Kreis Lippe hatte das Gebäude, den Obernkrug am Heidenbach, gekauft und es an das Land NRW weitervermietet.

Schulte versuchte sich die Motivation der Verantwortlichen im Innenministerium begreiflich zu machen. Sie hatten sich wahrscheinlich die Frage gestellt: Wie können wir die Quertreiber und renitenten Polizisten dieses Bundeslandes am einfachsten entsorgen? Wo in unserem Hoheitsgebiet gibt es den geeignetsten Ort für eine Polizeiabteilung, in der man auf keinen Fall – niemals! – Dienst schieben wollte? Denn wer hier zukünftig arbeiten würde, wäre ruiniert, wäre stigmatisiert. Stigmatisiert als aufsässig, renitent, unbequem, schlechthin als Außenseiter, mit dem niemand mehr etwas zu tun haben wollte. In Heidenoldendorf würden zukünftig die Polizisten des Landes untergebracht werden, die überflüssig waren, die keine Polizeibehörde in Nordrhein-Westfalen mehr wollte. Ab nach Lippisch-Sibirien!

2

Der erste Tag als Chefin der Detmolder Polizei, Abteilung Gewaltverbrechen. In einer halben Stunde hatte sie einen Termin beim Landrat. Es war der erste, den sie als frischgebackene Leiterin des Kommissariats bei ihrem obersten Dienstherrn hatte.

Maren Köster stand in ihrem Büro vor dem Fenster und sah gedankenverloren zu, wie die Regentropfen gegen die Scheibe klatschten. Für den Bruchteil einer Sekunde schien es, als hätte das Glas eine Beule bekommen. Dieses Ereignis passierte pro Sekunde mehrere hundert Mal auf der Fensterscheibe durch die die Polizistin schaute. Was dazu führte, dass die Sicht auf den Hof alles andere als klar war. Alles, was Maren Köster beobachtete, war verzerrt, hatte eigenwillige Formen.

Ihre Betrachtungen wurden jäh unterbrochen. Auf den Parkplatz der Kreispolizeibehörde fuhr ein Auto, ein alter Landrover.

Seltsam, dachte Maren Köster, durch die vielen tausend Wassertropfen auf der Scheibe wurde alles, was man durch sie hindurchsehen konnte, unscharf. Nur der Geländewagen, der jetzt parkte, hatte klare, eckige Konturen. Keine Kante des Autos hatte auch nur die kleinste Delle. Sogar den Fahrer erkannte Maren Köster. Jede Bartstoppel glaubte sie in dem unrasierten Gesicht zu erkennen. Sie sah Schulte, ihren alten Chef und Kollegen hinter dem Steuer des Autos. Klar und deutlich.

Das konnte doch nicht sein! Maren Köster blinzelte. Spielte ihr Unterbewusstsein ihr einen Streich? Die Polizistin blinzelte noch einmal und sah wieder zum Auto. Das hatte sich nun dem Zerrbild, das die nasse Glasscheibe produzierte, angepasst. Es gab keine klaren Konturen mehr. Alles, was die Polizistin jetzt wahrnahm, war verschwommen. Verschwommen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Maren Köster verließ ihren Platz. Sie ging zum Schreibtisch und setzte sich. Sie musste Schulte, der gleich aus dem Auto aussteigen würde, nicht weiter beobachten. Sie wusste, wie die nächsten Sekunden dort draußen ablaufen würden.

Ihr alter Chef würde die Fahrertür aufstoßen. Er würde fluchen wie ein Bierkutscher, würde sich den Kragen seiner alten Lederjacke hochschlagen, ihn mit den Händen vorne zusammenhalten. Im nächsten Augenblick würde er seine Schultern hochdrücken und versuchen den Kopf einzuziehen, genauso wie eine Schildkröte es tat, und gleich würde Schulte, so schnell es ihm möglich war, Richtung Kreispolizeibehörde sprinten. Wobei die Bezeichnung sprinten durchaus als euphemistisch zu bezeichnen war, dachte Maren Köster.

Ihre Wahrnehmung, was Schulte betraf, hatte sich im Laufe der Zeit geändert. Er schien ihr nicht mehr der dynamische Draufgänger zu sein, der Kneipengänger, das Großmaul, der Weiberheld.

Die Wandlung hatte sich unvermutet, fast plötzlich vollzogen. Vor etwas mehr als einem halben Jahr hatte Schulte sie noch aus der Gewalt eines Verbrechers befreit. Damals hatte er noch stark und dominant gewirkt. Von solchen Attributen war nichts mehr zu erkennen. Mittlerweile, so schien es Maren Köster, war Schulte ein Schatten seiner selbst. Wenn er ging, sah es so aus, als schleppe er sich dahin. So, als hätte er eine schwere Last auf seinen Schultern. Außerdem drängte sich ihr immer öfter der Eindruck auf, dass er langsam und träge beim Denken geworden war.

Schulte war schon über ein viertel Jahr nicht mehr im aktiven Dienst. Er feierte alten Urlaub ab. Es hatte sich herausgestellt, dass er schon seit Jahren viele Wochen vor sich hergeschoben hatte.

Maren Köster überlegte. Eigentlich hatte Schulte nie länger am Stück frei gehabt. Vielleicht ein oder zwei Tage. Aber mal drei Wochen Malle oder so, daran konnte sie sich nicht erinnern. Solche Unternehmungen passten nicht zu Schulte. Er war eigentlich immer hier gewesen, die Kreispolizeibehörde ohne Schulte, daran konnte sie sich nicht erinnern.

Und so war es auch, als Schulte den Zwangsurlaub beginnen musste, den ihm die Personalabteilung verordnet hatte. Er kam weiterhin jeden Tag in die Kreispolizeibehörde. Dort hatte er in den Büros der Kollegen herumgesessen, Kaffee getrunken und Geschichten erzählt.

Geschichten erzählt, das traf es nicht, dachte Maren Köster, er hatte rumgesessen und geschwafelt. Genau, geschwafelt, diese Beschreibung traf es.

Erst hatten die Kollegen ihn aus Höflichkeit ertragen. Doch nach einigen Tagen verdrehten alle die Augen, wenn Schulte im Anmarsch war. Hastig verzogen sich die meisten mit den Worten: „Wenn Schulte fragt, ich bin nicht da.“

Man verdrückte sich, wenn Schulte auf der Bildfläche erschien.

Tragisch, dachte Maren Köster. Schulte, der doch immer mit seinem Polizistendasein gehadert hatte, der den Job, wie er immer behauptete, damals nur angenommen hatte, weil er seinen Unterhaltsverpflichtungen nachkommen musste. Er, der unangepasst blieb bis zu seinem letzten aktiven Arbeitstag, der jedem Vorgesetzten die Stirn geboten hatte, weil er so vieles an dem Polizeiapparat auszusetzen und zu kritisieren hatte, hatte doch nichts anderes als diesen Beruf, dem er über die Jahre alles untergeordnet hatte. Schulte war Polizist durch und durch und wollte es sein Leben lang nicht sein.

Und jetzt, wo man ihn nur ein paar Monate in Urlaub geschickt hatte, da wusste er nichts, aber auch gar nichts mit sich anzufangen. Schulte hat keine Interessen, dachte Maren Köster, keine Hobbys, Schulte war immer nur Polizist und oft ein unzufriedener dazu.

3

Hastig stieß Schulte die Tür zur Kreispolizeibehörde auf. Er schüttelte sich wie eine nasse Katze. Genau wie die hasste er dieses Wetter. Dauerregen. Widerlich! Doch auch die trockenen Flure seiner ehemaligen Wirkungsstätte konnten Schulte nicht aufmuntern. Hier in diesem Gebäude hatte er 34 Jahre gearbeitet. Er war eine Institution gewesen. Er hatte Kolleginnen und Kollegen kommen und gehen sehen. Und jetzt war er gegangen worden. So empfand er es jedenfalls. Jetzt würde er noch seine letzten Habseligkeiten und seinen geliebten Kaffeeautomaten abholen und dann war es das. Schluss, aus, Feierabend!

In den letzten Wochen, die er zwangsweise dazu genutzt hatte, seinen Urlaub abzufeiern, war er öfter mal hier gewesen um seine alten Kollegen zu besuchen. Doch immer hatte er das Gefühl gehabt, zu stören. Stets hatte er seinen Aufenthalt hier als eine bleierne Zeit empfunden.

Aus den Augen, aus dem Sinn, dachte Schulte verbittert und stieß die Tür zu seinem ehemaligen Büro auf. Er empfand eine unglaubliche Einsamkeit. Es war alles so trostlos. Er spürte einen dicken Kloß im Hals. Diese verdammte Kreispolizeibehörde! Wie hatte er sie oft gehasst und doch brauchte er diesen Schuppen, die Kollegen, den Stress, den Ärger. Eben alles, was sich in diesem Laden täglich so ereignete.

Er hörte ein Geräusch auf dem Flur. Schulte gab sich einen Ruck und rief sich in das Hier und Jetzt zurück. Im nächsten Augenblick stand Maren Köster im Türrahmen.

Er merkte, dass es ihr schwerfiel ihm zu begegnen. Sie fragte: „Wie wäre es mit einer Tasse Kaffee?“

„Nee, lass mal, Maren! Du und auch andere Kollegen haben mir in den letzten Monaten oft genug das Gefühl gegeben, dass Kaffeetrinken mit mir vergeudete Zeit ist. Ich habe es verstanden“, entgegnete Schulte brüsk.

„Jupp, ich bitte dich, lass uns wie vernünftige Menschen miteinander reden!“ Ihre Stimme hatte etwas Flehentliches.

„Wir reden immer wie vernünftige Menschen miteinander, weil wir vernünftig sind“, entgegnete Schulte. Und darum werde ich jetzt mit dir keinen Kaffee trinken und auch nicht mit dir sprechen. Ich schleppe meine Piselotten aus dem Laden und dann seid ihr mich los.“

Maren Köster holte tief Luft, um etwas zu sagen. Doch Schulte schnitt ihr das Wort ab. „Reden können wir, wenn es nicht mehr so weh tut.“ Wieder spürte er diesen verdammten Knoten im Hals. Hastig drehte er sich zu Seite und räusperte sich. Dabei stieß er mit einem bulligen Polizisten zusammen, der sich den beiden, warum auch immer, sehr leise genähert hatte.

Schulte drückte ihm den Kaffeeautomaten in die Hand und sagte mit einem Ton, der keinen Widerspruch duldete: „Volle, bring die Maschine zu meinem Auto!“

Der Polizist sah Maren Köster fragend an. Schulte kannte den Grund für diesen Ausdruck in Volles Gesicht. Die Ursache dafür war der unausgesprochene Satz: Darf der Schulte mir befehlen, diese Maschine zu seinem Auto zu tragen?

„Ja, der darf das!“, gab Schulte dem Polizisten unmissverständlich zu verstehen. Dann schritt er grußlos, eine Kiste mit Kleinkram aus seiner Schreibtischschublade unter dem Arm, vor Volle her zu seinem Landrover.

4

Lange hatte Schulte sich nicht in der Kreispolizeibehörde aufgehalten. Und dennoch kam er zu spät zu dem Kick-off Termin, wie der Personaler in Düsseldorf das heutige Ereignis genannt hatte. Schulte hastete, soweit es die Kaffeemaschine, die er unter den Arm geklemmt hatte, zuließ, die wenigen Stufen des neuen Dienstgebäudes, einst die Dorfkneipe Heidenoldendorfs, hinauf. Noch bevor er Anstalten unternehmen konnte, die Tür zu öffnen, bewegte sich diese wie von Geisterhand. Vor ihm stand sein alter Chef, der frischgebackene Staatssekretär, Klaus Erpentrup.

Ehe sich Schulte an ihm vorbeidrücken konnte, setzte dieser sein ach so bekanntes arrogantes Lächeln auf und sagte: „Wie ich sehe, hat sich nichts verändert. Der Polizeirat kommt wie immer zu spät.“

„Doch“, entgegnete Schulte. „Es hat sich was verändert, Sie arbeiten nicht mehr in Detmold. Und das ist auch gut so!“

Das höfische Grinsen des Staatssekretärs blieb in dessen Gesicht, wie gemeißelt.

„Stimmt!“ Erpentrup bleckte jetzt seine weißen Zähne, ganz als wolle er zubeißen. Und gewissermaßen tat er das auch. „Ich bin die Karriereleiter nämlich hinaufgestiegen. Sie, Schulte, Sie hingegen nicht. Aber in Detmold sind Sie gewissermaßen auch nicht mehr. Ihr geliebtes Team muss nun ohne Sie auskommen. Ihr zukünftiger Arbeitsplatz ist, wenn man diesen Umstand überhaupt als solchen bezeichnen darf, in einer ehemaligen Dorfkneipe untergebracht. Passend zu Ihren Vorlieben.“

Erpentrup grinste erneut. Vielleicht noch etwas bösartiger als zuvor, wenn das überhaupt möglich war, fuhr er fort: „Und das Beste an der gesamten Veränderung ist die Tatsache, dass Sie mit den größten Psychopaten, die sämtliche Polizeibehörden des Landes NRW aufzuweisen haben, in diesem Laden hier eingepfercht sind. Ich brauche nichts weiter zu machen, als ganz entspannt abzuwarten. Die Zeit wird es richten. So viele Analphabeten hinsichtlich sozialer Kompetenzen, wie sie hier an dieser Stelle versammelt sind, die zerfleischen sich schon selbst. Da bedarf es überhaupt keiner weiteren Aktivitäten meinerseits. Es ist, wie gesagt, eine Frage der Zeit, bis die Verrückten, die hier ihren sogenannten Dienst verrichten, aufeinander losgehen und sich gegenseitig zerfetzten.“

Die Ausführungen Erpentrups überraschten Schulte überhaupt nicht. Genauso hatte er sich seine Zukunft in den vielen schlaflosen Nächten ausgemalt. Was Schulte aber nicht erwartet hatte, war die Unverfrorenheit, mit der Erpentrup ihm gegenübertrat. Viele Jahre war dieser der Chef der Kreispolizeibehörde Detmold gewesen, und somit Schultes Vorgesetzter.

Vor einem halben Jahr war Erpentrup die Treppe hinaufgefallen und Staatssekretär geworden. Doch vor diesem Karriereschub hatte der ehemalige Detmolder Polizeichef sich so gravierende Fehler im Dienst erlaubt, dass Schulte damals die Möglichkeit gehabt hätte, ihn abzusägen, mindestens aber seine Beförderung zum Staatssekretär zu verhindern.

Doch Schulte hatte nichts getan. Ihm hatte es gereicht, dass Erpentrup nicht mehr sein Chef in Detmold war. Dies war vielleicht ein Fehler gewesen. Jetzt saß Erpentrup, das wurde Schulte gerade unmissverständlich klar, am längeren Hebel. Und diese Tatsache würde zur Folge haben, dass ihm sein alter Chef weiter das Leben zur Hölle machen würde.

Erpentrup hatte es geschickt eingefädelt. Er hatte Schulte isoliert. Aus seiner jetzigen Position heraus konnte er Erpentrup nicht gefährlich werden. Und seine alten Kolleginnen und Kollegen der Kreispolizeibehörde würden sich nicht vor seinen Karren spannen lassen, um Schultes Privatkrieg gegen Erpentrup zu befeuern.

Grimmig drängte Schulte sich an seinem alten Chef vorbei und betrat den ehemaligen Schankraum.

Hier blickten ihn fünf Augenpaare missbilligend an. Dann meldete sich der Personaler aus Düsseldorf zu Wort: „Gut, dass die Presse es nicht für nötig gehalten hat, hier heute zu erscheinen. Und noch besser für Sie, Herr Schulte, dass der Minister verhindert ist. Der hasst ein Zuspätkommen nämlich wie die Pest. Wenn der Chef den Termin wie geplant wahrgenommen hätte, wären Sie jetzt schon einen Kopf kleiner.“

Der Mann aus Düsseldorf tat so, als würde er einen Schwarm Fliegen verjagen. „Wie auch immer, wir haben lange auf Sie gewartet, Herr Schulte, aber irgendwann ist Feierabend.“ Der Personaler sah auf seine Armbanduhr. „Ich muss los! Wir haben alles besprochen. Lassen Sie sich von den Kollegen ins Bild setzen, Herr Polizeirat.“

Eine Minute später war Schulte mit den Menschen, mit denen er zukünftig zusammenarbeiten sollte, allein im Raum. Schulte empfand Misstrauen und Ablehnung. Er überlegte, wie er das eisige Schweigen durchbrechen konnte. Eher hilflos wies er auf seinen Kaffeeautomaten.

„Jupp, Jupp Schulte“, stellte er sich vor. „Ich dachte mir, ich sorge schon mal für etwas Luxus in diesem Laden.“

Ein hagerer Mann, anscheinend der jüngste unter den Anwesenden, erhob sich. „Ich trinke keinen Kaffee“, sagte er lakonisch und machte Anstalten den Raum zu verlassen.

„Und wie heißt du?“, rief Schulte ihm hinterher.

„Wären Sie pünktlich gewesen, wüssten Sie es“, ließ der Kerl noch verlauten, bevor die Tür hinter ihm ins Schloss fiel.

Das also ist das Arschloch dieser Truppe, dachte Schulte und stellte den Automaten auf dem Tisch ab. Dann schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf, der ihm den Schweiß auf die Stirn trieb. Womöglich war der Dünne gar nicht das Arschloch der hier Anwesenden, sondern nur eines von denen.

Laut sagte er: „Da waren es noch drei.“ Er machte eine kurze rhetorische Pause und fragte dann in die Runde: „Also, möchte jemand einen Kaffee?“

„Leider haben wir keine Tassen“, entgegnete die einzige Frau der Gruppe, stellte sich als Adelheid Vahlhausen vor und gab Schulte die Hand.

„Habe ich mir gedacht“, entgegnete Schulte und zog einen Stapel Plastikbecher aus der Tasche.

„Du scheinst durchzublicken“, knarzte ein Mann, der so alt aussah, als wäre er schon seit einem Jahrzehnt pensioniert. Er stand auf, setzte ein schiefes, aber freundliches Grinsen auf, gab Schulte die Hand und stellte sich als Manfred Rosemeier vor. „Der junge Kerl, der gerade den Raum verlassen hat, heißt übrigens Marco van Leyden. Gehört auch zu uns. Der ist wahrscheinlich nur ein bisschen unsicher, daher wirkt er leicht grob.“

Schulte hatte da seine Zweifel, sagte aber nichts, sondern schaute sich um. Jetzt saß da noch ein Mann, der aussah, als käme er gerade vom Pferderennen in Ascot. Wie aus dem Ei gepellt und sonnenbankgebräunt.

„Mein Name ist Hubertus von Fölsen“, gab er sich affektiert, als Schulte ihm seine Aufmerksamkeit zeigte. „Und ich muss schon sagen, ich finde es in mehrfacher Hinsicht ungehörig, was sich hier manifestiert. Beginnen wir mit der Tatsache, dass Sie, Herr Schulte, es anscheinend nicht einmal für nötig erachten, pünktlich zu erscheinen, wenn unser Innenminister sich angekündigt hat.“

Schulte wollte sich rechtfertigen. Doch der Mann ließ ihn mit einer arroganten Handbewegung schweigen. Offenbar besaß er große Übung in dieser Kunst.

Auf seine blasierte Art fuhr er fort. „Genauso ungehobelt empfinde ich es, dass der Minister es nicht für nötig erachtet, bei einem so richtungsweisenden Projekt, wie dem, das hier entstehen soll, selbst den Startschuss zu geben.“

Alle starrten von Fölsen an. Hatte der den Schuss nicht gehört?

„Doch mittlerweile habe selbst ich begriffen, dass es sich bei dem Projekt Think-Tank um keine zukunftsträchtige Neuausrichtung handeln wird. Wahrscheinlich bin ich, genau wie alle anderen Anwesenden, einer mehr oder weniger widerlichen Strategie zum Opfer gefallen. Die vermutlich nichts anderes zum Ziel hat, als mich – und natürlich auch Sie, meine Dame, meine Herren – schlicht und ergreifend kaltzustellen. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn ich dieses Gebäude und die Rahmenbedingungen betrachte.“

Von Fölsen machte eine bedeutungsschwere Pause. Straffte dann seine Manschetten und wischte sich ein paar imaginäre Staubkörner vom Ärmel. „Nun ja“, fuhr er in hochmütiger Weise fort. „Die Damen und Herren in Düsseldorf werden mich nicht so ohne Weiteres kleinkriegen. Ich werde unbeirrt an meinem Buch Die Kritik am Nordrhein-Westfälischen Polizeiapparat weiterarbeiten.“ Wieder machte Hubertus von Fölsen eine seiner unnachahmlichen rhetorischen Pausen und grinste plötzlich diabolisch.

„Dieser widerliche Schachzug, mit dem die verkommenen Kräfte im Innenministerium versuchen, aufrechte Angehörige des Apparats ins Abseits zu stellen, der wird nach hinten losgehen. Meine Gegner räumen mir mit ihrem Vorgehen genau die Zeit ein, die ich benötige, um mein Werk, das die massive Kritik an der Arbeit der verdorbenen Subjekte im Ministerium offenlegt, in die Tat umzusetzen.“

Alle starrten Hubertus von Fölsen mit offenem Mund an.

Doch schon fuhr der Mann in befehlsgewohnter Manier fort: „Sie, Herr Schulte, kennen die Verhältnisse hier in Detmold. Sorgen Sie möglichst schnell dafür, dass wir eine angemessene Büroeinrichtung bekommen! Ich muss arbeiten. Darüber hinaus“, jetzt wandte sich von Fölsen an alle Anwesenden im Raum, „rechnen Sie nicht allzu sehr mit mir. Mein Ziel ist dieses Buch. Das ist meine Antwort auf die Unverschämtheiten des Innenministeriums.“

Hubertus von Fölsen nestelte an seinem Hemdkragen und straffte erneut seine Manschetten. Dann ergriff er noch einmal das Wort: „Ich mache jetzt Feierabend. Wir sehen uns morgen. Herr Schulte, Sie wissen, was Sie zu tun haben.“

5

Was bildete sich dieser blasierte Affe, dieser von Fölsen, bloß ein? Dem war doch sein blaues Blut zu Kopf gestiegen. Schulte saß auf einem der Barhocker an der Theke und war kurz vor der Explosion. ‚Sie, Herr Schulte, kennen die Verhältnisse hier in Detmold. Sorgen Sie möglichst schnell dafür, dass wir eine angemessene Büroeinrichtung bekommen!‘, hatte dieser adelige Schnösel ihn herumkommandiert. Aber nicht mit ihm! Nicht mit Jupp Schulte. Da mussten schon andere kommen als so ein degenerierter Lackaffe. Er würde ihm was husten, diesem affektierten Kerl.

Hinter dem Tresen machte sich Manfred Rosemeier an einer Thermoskanne zu schaffen. Der einzige Mensch hier, der offen und freundlich wirkte, fand Schulte. Schulte griff sich einen Becher und hielt ihn Rosemeier unter die Nase. Dieser sah Schulte missbilligend an und schenkte ihm widerwillig ein. Ohne ein Wort des Dankes nahm Schulte gleich einen Schluck des Getränkes und spie die braune Brühe augenblicklich zurück in den Becher.

„Bah, was für ein widerliches Gesöff! Die Brühe ist ja nur noch lauwarm und bitter wie die Hölle.“

Rosemeier grinste.

„Ich habe dir den Kaffee schließlich nicht angeboten. Außerdem warst du es doch, der eben noch mit dieser Hightech-Kaffeemaschine unter dem Arm durch die Gegend lief und großspurig herumposaunte, schon mal für ein bisschen Luxus in diesem Laden sorgen zu wollen. Dann mach dir doch einen frischen.“

Schulte winkte mit angewidertem Gesichtsausdruck ab.

„Lass gut sein, Rosemeier. Hast du mal so was wie ein Glas Wasser?“

„Auch, wenn ich hinter dem Tresen stehe, Schulte, ich bin hier nicht der Butler. Wenn du ein Glas Wasser willst, dann musst du dir schon selbst eines organisieren.“ Auch Rosemeiers Gemütsruhe hatte offenbar ihre Grenzen.

Das war zu viel für Schulte. Dem platzte jetzt der Kragen.

„Sag mal, was ist hier eigentlich los? Dieser van Leyden lässt mich einfach stehen und haut ab, wenn ich mit ihm sprechen will. Der blaublütige Affe will mich herumkommandieren wie einen Schuljungen.

Und du machst dir ins Hemd, wenn ich dich um ein Glas Wasser bitte? Was seid ihr eigentlich alle für Pfeifen?“

Rosemeier ließ sich, obwohl auch er angefressen war, nicht provozieren.

„Jetzt komm mal runter, Schulte! Wir haben alle die Nerven ein bisschen blank liegen. Keiner von uns ist freiwillig hier. Wir müssen uns zusammenreißen. Okay, ich gebe zu, eben das mit dem Wasser war blöd von mir. Also, noch mal zurück auf Anfang. Bitteschön, dein Wasser.“

Rosemeier schob ein volles Glas in Schultes Richtung. Der sah seinem Kollegen direkt in die Augen und nickte.

„Hast recht, Rosemeier, ich habe mich im Ton vergriffen. Sorry. Uns gegenseitig anmachen bringt gar nichts. Warum bist du hier?“

Rosemeier winkte ab.

„Ist ’ne lange Geschichte. Vielleicht später mal. Wenn ich dir das jetzt in epischer Breite erzähle, komme ich nur noch schlechter drauf. Lass uns über etwas anderes reden.“

Doch die Männer schwiegen. Die Stille wurde anstrengend. Anscheinend suchten beide nach einem unverfänglichen Thema, über das sie reden konnten. Dann veränderte sich Rosemeiers Gesichtsausdruck, der nun etwas Schalkhaftes ausdrückte.

„Schön, dass ich dich wenigstens duzen darf. Die anderen hier sind abgehoben. Die tun alle, als wären sie irgendwas besseres. Übrigens, dass ich jemals in Detmold arbeiten würde, hätte ich mein Lebtag nicht gedacht“, sinnierte er. „Dieses Kaff ist mir bisher nur einmal im Leben untergekommen. Ich glaube, ich war damals auf irgend so einem Lehrgang. Da wurde ein Kollege, der aus Detmold kam, an den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, zurückbeordert, weil er in einem neuen Fall ermitteln musste und seine Kollegen anderweitig unterwegs waren.“

Schulte sah Rosemeier verständnislos an.

„Was ist daran so ungewöhnlich?“

„Ja, das Ungewöhnliche war der Ort, an dem der Mann, der die Ermittlungen nötig machte, zu Tode gekommen war. Er hatte sich in einem Puff fesseln und peitschen lassen. Offenbar hat er während der Nummer einen Herzinfarkt bekommen und war sofort tot.“

Schulte nickte.

„Daran kann ich mich vage erinnern. Bernhard Lohmann, ein ehemaliger Kollege, war an dem Fall dran. Es gab damals ein paar Ungereimtheiten, glaube ich. Aber wie das genau war, das kriege ich nicht mehr zusammen.“

Rosemeier tippte Schulte an.

„Ich meine, wenn wir hier sowieso nur Däumchen drehen, dann könnten wir doch die Sache noch mal aufrollen. So zum Zeitvertreib.“

Schulte war von der Idee nicht so begeistert wie sein Kollege. Wollte ihm aber auch nicht gleich einen Korb geben.

„Mal sehen, Rosemeier. Ich besorge jetzt erst mal ein paar Büromöbel und dann sehen wir weiter. Wir können die Angelegenheit ja mal im Hinterkopf behalten.“

6

Die Wetterkapriolen dieses Frühjahrs waren wirklich verrückt. Temperaturveränderungen von bis zu 20 Grad innerhalb eines Tages, das hielt doch kein Mensch aus. So schön es in Lippe auch sein mochte, so ein Wetter wie heute konnte einen schon depressiv werden lassen. Hubertus von Fölsen sah aus dem Fenster seiner neuen Dienststelle. Zur damaligen Zeit war es die In-Kneipe für über 60-Jährige in der Region, heute die Dienststelle einer Polizei-Sondereinheit des Innenministeriums. Na ja, dachte von Fölsen, fast alle, die jetzt hier arbeiten, sind auch über 60. Hat sich also nicht viel geändert. Muss wohl an der Lokalität liegen.

Während von Fölsen abwesend aus dem Fenster starrte und dabei diesen und ähnlichen Gedanken nachhing, sah er plötzlich etwas Ungewöhnliches. Ein museumsreifer Traktor tuckerte in die verkehrsberuhigte Zone. Das Dieselross aus längst vergangener Zeit hielt direkt auf die Gastwirtschaft zu. Gesteuert von einem uralten Mann. Von Fölsen schüttelte fassungslos den Kopf, nachdem ihm klargeworden war, dass das Ziel dieser Trecker fahrenden Pfeife wirklich das Gebäude der ehemaligen Kneipe war.

Der altersschwache Bulldog kam genau vor dem Gebäude der Gaststätte zu stehen. Und ein von harter Arbeit und, wie Hubertus von Fölsen glaubte, von viel Alkohol gezeichneter alter Mann, kletterte vom Fahrersitz.

Weiß der Himmel, was der Alte geladen hat, dachte von Fölsen. Vielleicht war der Kerl ein Schrotthändler oder etwas Ähnliches.

Eine mehrfach geflickte und dennoch löcherige Plane verhinderte, dass der Polizist auch nur eine Ahnung entwickeln konnte, was sich darunter verbarg. Noch bevor von Fölsen sich weiter Gedanken machen konnte, steuerte der hutzelige alte Mann auf den Eingang zu. In der Hand hielt er einen alten Kartoffelsack. Den hatte sich der Kerl wahrscheinlich über seine Beine gelegt, um sich vor der Kälte zu schützen. Auch wenn der Trecker ein Verdeck hatte, war das Ganze doch eine relativ zugige Angelegenheit.

Hubertus von Fölsen ging zur Tür, um dem Alten mitzuteilen, dass das Gebäude bereits seit längerer Zeit keine Kneipe mehr war, sondern eine Dienststelle der Nordrhein-Westfälischen Polizei.

„Weiß ich doch!“, war die schnöde Antwort des alten Mannes. „Hat mich Jupp doch schon allet erzählt.“

Von Fölsen war konsterniert. Was war das für eine seltsame Person, die da vor ihm stand und wer um Himmelswillen war Jupp?

„Mann, Mann, Mann, wat is dat für ein Scheißwetter, diese nasskalte Suppe. Dat is doch nich mehr normal, is das nich?“

Von Fölsen wollte sich mit diesem seltsamen Alten nicht über das Wetter unterhalten. Er wollte nur, dass der Kerl den Raum verließ.

Der Alte ließ sich auf einen Stuhl fallen.

„Sach mal, hasse die Kaffeemaschine schon ancheschmissen? Ich könnte jetzt so ’ne schöne Tasse Bohnenkaffee chebrauchen, dat ich diese Kälte endlich wieder auße Knochen rauskriege.“

Hubertus von Fölsen war fassungslos. So ein impertinenter Kerl. Der tat so, als wäre es die größte Selbstverständlichkeit der Welt, dass er hier so einfach hereinmarschierte, als sei es sein Wohnzimmer. Jetzt fehlte nur noch, dass er sich auf einen Stuhl fläzte und ihm die Gummistiefel hinhielt, mit der Aufforderung ihm beim Ausziehen derselben zu helfen. Doch diese Gedanken behielt Hubertus von Fölsen für sich. Ganz Mann von Welt, versuchte er dem Alten noch mal klar zu machen, dass er hier fehl am Platz sei.

Doch der Mann winkte ab.

„Hör mich auf“, entgegnete er. „Ich sach dir jetzt wat: Du chibs mich jetzt einen schönen Kaffee, damit mich wieder warm wird und dann laden wir beide den Hänger ab.“

Von Fölsen war einen Moment sprachlos. Dann wiederholte er fassungslos die letzten Worte des Alten: „Wir beide laden den Hänger ab?“

„Chenau, aber nich bevor ich einen Kaffee chekricht habe.“

Und was daraufhin geschah, hätte von Fölsen vor einer Minute noch nicht für möglich gehalten. Wie ferngesteuert ging er zu Schultes Vollautomaten, schaltete ihn ein und servierte dem Kerl, der es sich auf einem der Stühle in dem ehemaligen Gastraum gemütlich gemacht hatte, eine Tasse mit dem dampfenden Gebräu, das munter macht.

„Chet doch“, kommentierte der Alte den Vorgang.

Von Fölsen schwoll der Kamm. Was bildete sich diese abgerissene Figur ein? Doch noch bevor er seinem Unmut Luft machen konnte, ergriff der ungebetene Gast wieder das Wort.

„Ich hab mich noch char nich vorchestellt.“ Der Mann streckte von Fölsen eine schwielige und wie der Polizist fand, nicht ganz saubere Hand entgegen und sagte: „Anton Fritzmeier is mein Name. Mich chehört der Hof, wo Jupp wohnt. Is ’n prima Kerl, musse dich bloss ersmal dran chewöhnen.“

Wieder stellte von Fölsen sich die Frage, wer um alles in der Welt war Jupp? Sagte aber artig: „Hubertus von Fölsen, Polizeioberrat.“

„Weiß ich doch, der Blaublüter. Hat mich doch Jupp allet schon erzählt. Und wenn er et nich chetan hätte, wüsst ich et auch. Wer so’n Stock im Arsch hat, der muss einfach ein Baron oder sowat ähnlichet sein.“

Fritzmeier trank seinen letzten Schluck Kaffee und stand vom Stuhl auf. Er drückte seinen Rücken durch und wandte sich an von Fölsen.

„So Baron, dann wollen wir mal abladen!“

Doch der runzelte die Stirn. „Wie, abladen?“

„Na, die Schreibtische und so.“

Von Fölsen starrte den alten Mann an. Doch der legte nach: „Mein Chott, bis du schwer von Bechriff! Gestern has du, so hat et mich Jupp jedenfalls erzählt, ihn den Auftrach checheben, dat er Schreibtische für euch besorchen soll. Dat hat er gestern Abend auch noch chemacht. Weiß der Teufel, wen er die vor de Nase wech chezogen hat. Jedenfalls hat er chesacht, dat vor den Hintereinchang von Kreishaus heute Morgen fünf nigelnagelneue Schreibtische stehen. Die sollte ich da noch vor sechs Uhr heute wechholen. Nein, halt, er hat chesacht, ich sollte viere holen. Du, hat er chesacht, du wärst so ein arroganter Kerl, du solltest sehen, wie de an einen drankommst.“

Von Fölsen verschlug es die Sprache. Augenblicklich wusste er, um wen es sich bei dem ominösen Jupp handelte.

Nun boxte ihm Fritzmeier jovial gegen die Schulter und sagte: „Ich hab dich aber doch einen Schreibtisch mitchebracht. Der Jupp soll sich mal nich so anstellen. Der soll mal seine Klappe halten. Der is nämlich manchmal auch nich einfach.“

Von Fölsen war zu keiner Erwiderung mehr in der Lage. Ziemlich betreten brummelte er: „Danke.“

„Schon chut!“, entgegnete Fritzmeier generös. „Sind ja nich meine Schreibtische. Na, jedenfalls bin ich froh, dat in diesen Laden heute Morgen schon einer da is. Weil nämlich bein Kreishaus, da hat son Polizist aus Detmold bein Aufladen cheholfen. Aber der musste weiter, die Computer für euch abholen. Weiß der Teufel, wo der die wech kricht.“

Fritzmeier grinste breit und von Fölsen wollte gar nicht mehr davon wissen. Nervös wedelte er mit der Hand, um das Gespräch zu beenden.

„Na, jedenfalls alleine krich ich die Tische und Stühle nich vonnen Hänger runter, da musse schon mal anpacken.“

Kurz darauf war Hubertus von Fölsen fix und fertig. Fünf Schreibtische und die dazugehörigen Stühle hatte er vom Hänger in die Büros schleppen müssen. Diese Anstrengung hatte ihm seine körperlichen Grenzen aufgezeigt. Aber dieser Fritzmeier, der ja deutlich älter war, hatte einfach keine Pause zugelassen. Noch vor einer halben Stunde hatte er den für einen Säufer und gebrechlichen Menschen gehalten. Doch die körperliche Arbeit schien dem überhaupt nichts auszumachen. Die ganze Zeit hatte er dabei munter geplaudert und jetzt machte der Kerl sich schon wieder an dem Kaffeeautomaten zu schaffen.

Und etwas später stand vor dem völlig erschöpften Hubertus von Fölsen eine Tasse mit dampfendem Inhalt. Der alte Bauer sah aus dem Fenster.

„Ach, kuck mal“, sagte er. „Da kommt ja Jupp. Dat macht der immer so. Wenn die Arbeit chetan is, dann kommt der umme Ecke. Der sollte sich mal an dich ein Beispiel nehmen, Baron. Du bis wenichstens noch einen handfesten Kerl, der sich vor son bisschen Arbeit nich chleich innet Hemd macht. Du kanns wenichstens noch anpacken.“

7

Um 16 Uhr warf Schulte einen skeptischen Blick aus dem Fenster seines Büros im Dachgeschoss. Die Wolken zogen sich zu und ein Gewitter schien bevorzustehen. Einem Impuls folgend, schloss Schulte sein Büro ab und ging hinunter in die ehemalige Kneipe. Manfred Rosemeier saß hier mutterseelenallein und bastelte mit einer Rohrzange an der Zapfanlage herum.

„Rosemeier, was machst du denn da?“, fragte Schulte neugierig. Rosemeier schaute nicht hoch, sondern werkelte intensiv weiter.

„Ich will das Ding wieder in Gang bringen“, brummte er zwischen zwei Handgriffen.

„Und wozu?“

Nun schaute Rosemeier ihn verdutzt an.

„Na, wozu wohl? Um Bier zu zapfen, wozu denn sonst? Wäre doch schön, wenn wir diesen Raum wieder als Kneipe nutzen könnten, oder? Es gibt doch sonst nichts zu tun für uns.“

Auf diese Idee war Schulte noch nicht gekommen, aber sie hatte was für sich, keine Frage. Wenn es für sie hier sowieso keine echte Aufgabe gab, dann konnten sie es sich auch gemütlich machen. Es würde niemanden interessieren. Das bot wenigstens eine kleine Perspektive.

Etwas fröhlicher als vorher verließ er die neue Dienststelle und trat hinaus in die drückende Schwüle. Das Gewitter würde eine Erlösung sein. Er schlenderte gemächlich die Bielefelder Straße entlang Richtung Detmold. Weit war es nicht bis zur Kreispolizeibehörde, seiner ehemaligen Dienststelle, die für ihn immer noch mehr ein Zuhause darstellte als die neue. Mit den neuen Kollegen konnte er nichts anfangen. Nun wollte er mal sehen und hören, wie es den Ex-Kollegen so ging.

In seinem ehemaligen Büro saß inzwischen Manuel Lindemann. Offenbar hatte der junge Kollege noch keine Zeit gefunden, das Büro nach seinen Vorstellungen einzurichten, denn es sah immer noch so aus wie zu Schultes besten Zeiten, was gar nicht zu Lindemann passte. Wenn Schulte erwartet haben sollte, nun freudig begrüßt zu werden, wurde er enttäuscht.

Als er eintrat, starrte Lindemann auf seinen Bildschirm und hackte energisch auf die Tastatur ein. Er hob nur kurz den Blick, dann schaute er sofort wieder auf sein Gerät.

„Ah, Herr Polizeirat“, begrüßte er Schulte beiläufig, ohne ihn dabei anzusehen. „Geht’s gut? Ich habe leider wenig Zeit. Muss heute noch eine Analyse fertigstellen.“

Wortlos verließ Schulte das Büro wieder. Auf dem Flur traf er zwei ältere Beamte, die so taten, als hätten sie ihn noch nie gesehen. Schulte zerbiss einen Fluch und ging ins Büro von Maren Köster. Sie saß da, wo sie immer gesessen hatte. Aber während sie bis vor kurzem das Büro mit Lindemann teilen musste, residierte sie nun allein darin.

„Ach, du bist es, Jupp“, begrüßte sie ihn kurz angebunden. Auch sie schien sehr beschäftigt zu sein. Im Gegensatz zu Lindemann schaute sie ihn zwar an, war auch um einen freundlichen Ausdruck bemüht, aber ihr flackernder Blick, der immer wieder zum Bildschirm ging, zeigte ihm, dass er störte.

„Warum ziehst du nicht um in mein ehemaliges Büro?“, fragte Schulte. „Als neue Teamleiterin steht dir das doch zu.“

„Jupp, wenn ich in dein Büro umziehen wollte, dann würde ich mindestens eine Woche Zeit damit verlieren, erst mal auszumisten. Die Zeit habe ich nicht. Also bleibe ich einfach hier sitzen. Ohne Lindemann habe ich auch viel mehr Platz. Sein Schreibtisch fliegt nächstens raus und dann werde ich hier eine Besprechungsecke einrichten. Für kleine Teambesprechungen. Die werden wir nun regelmäßiger abhalten. Nimm es mir nicht übel, aber in diesen Punkten warst du etwas nachlässig. Was kann ich für dich tun?“

„Tun?“ Schulte war verwirrt. „Wieso tun? Ich wollte nur ein bisschen plaudern. Wir haben da in Heidenoldendorf nichts um die Ohren und da dachte ich, geh einfach mal rüber zu den alten Kollegen und schau, was die so machen.“

Maren Köster schaute ihn mit ernster Miene an.

„Jupp, du weißt, wie sehr ich dich schätze. Wir kennen uns schon sehr, sehr lange. Zwischendurch waren wir auch deutlich mehr als nur Kollegen, du erinnerst dich.“

Schulte erinnerte sich sehr gut. Zwei großartige Jahre waren sie ein Paar gewesen. Zwei Jahre voller Leidenschaft, erotischer Spannung, aber auch Komplikationen. Er hatte ihr nicht das geben können, was sie suchte und so war das Ende der Beziehung unausweichlich geworden. Als Kollegen hatten sie auch danach meist gut funktioniert.

„Mich verbindet eine Menge mit dir. Aber nun beginnt eine neue Zeit. Es tut mir leid, dass man dich so abgeschoben hat. Aber ich stehe nun in der Verantwortung und muss dafür sorgen, dass der Laden hier läuft. Und wir haben verdammt viel zu tun. Jupp, ich sage das nur ungern, aber du kannst jetzt nicht mehr einfach hier reinplatzen, wann es dir gerade passt. Wenn du uns besuchen willst, dann ruf einfach vorher an. Wenn es zeitlich passt, freuen wir uns über deinen Besuch. Sonst musst du leider damit rechnen, dass sich niemand um dich kümmern kann. Verstehst du das?“

Schulte verstand. Zweifellos hatte sie recht. Aber in ihm zerbrach etwas. Seine seelische Statik, die er immer für sehr stabil gehalten hatte, zerbröselte. Diese Arbeit, diese Kollegen, all dies machte seit mehr als 30 Jahren sein Leben aus. Es war Halt, Ziel und Identifikation gleichzeitig. Was blieb von ihm, was blieb für ihn, wenn dies wegbrach?

Wie ein begossener Pudel verließ er Maren Kösters Zimmer. Auf weitere Niederschläge hatte er keine Lust. Er wollte nur noch hier raus. Raus, und nie wiederkommen. Als er die Außentür aufstieß, prallte er mit einem kräftigen Mann zusammen, der gerade eintreten wollte.

„Schulte!“, rief der Mann mit lauter Stimme. „Was führt dich hierher?“

Oliver Hartel war stets ein Kollege gewesen, zu dem Schulte nie richtig Zugang gefunden hatte. Hartel war in seinen ersten Jahren in Detmold ein unleidlicher, mürrischer und nie ganz vertrauenswürdiger Kollege gewesen. Erst in letzter Zeit hatte er sich zu seinem Vorteil verändert und die beiden Männer hatten einen, wenn auch nicht herzlichen, so doch brauchbaren Umgang miteinander gefunden. Wenig begeistert antwortete Schulte: „Ich wollte nur mal ‚Hallo‘ sagen. Aber es hat keiner Zeit für mich.“

Als er an Hartel vorbei durch die Tür gehen wollte, hörte er diesen sagen: „Ich mache jetzt sowieso Feierabend. Überstunden, du verstehst. Kaffee hatte ich heute schon in rauen Mengen. Aber zu einem Bier würde ich nicht Nein sagen. Was meinst du?“

8

Mit Hartels Auto waren sie in die Stadt gefahren und hatten sich an der Theke der Braugasse häuslich niedergelassen. Da saßen sie nun bereits seit einigen Stunden. Die Striche auf Schultes Bierdeckel hatten mehr als die Hälfte des Kreises geschafft und er selbst musste sich konzentrieren, um ohne zu schwanken zur Toilette zu kommen. Er war in dieser Kneipe nicht fremd und hatte bereits einige alte Bekannte begrüßen können. Saufkumpane von früher: Einsame, Übriggebliebene, Gescheiterte. Seine Laune war dadurch nicht besser geworden. Es war keine vorübergehende Verstimmung, die ihn in ein tiefes schwarzes Loch gestürzt hatte. Schulte steckte seit Monaten in einer echten Sinnkrise.

Im letzten Sommer war er 60 Jahre alt geworden.

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