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Totenstille

Inhalt

  1. Cover
  2. Über den Autor
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. 1 – Gavrik, Schweden
  7. 2
  8. 3
  9. 4
  10. 5
  11. 6
  12. 7
  13. 8
  14. 9
  15. 10
  16. 11
  17. 12
  18. 13
  19. 14
  20. 15
  21. 16
  22. 17
  23. 18
  24. 19
  25. 20
  26. 21
  27. 22
  28. 23
  29. 24
  30. 25
  31. 26
  32. 27
  33. 28
  34. 29
  35. 30
  36. 31
  37. 32
  38. 33
  39. 34
  40. 35
  41. 36
  42. 37
  43. 38
  44. 39
  45. 40
  46. 41
  47. 42
  48. 43
  49. 44
  50. 45
  51. 46
  52. 47
  53. 48
  54. 49
  55. 50
  56. 51
  57. 52
  58. Danksagung

Über den Autor

Will Dean wurde in den englischen Midlands geboren, wo er bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr in neun verschiedenen Dörfern lebte. Nach seinem Studium an der London School of Economics arbeitete er einige Zeit in der englischen Hauptstadt, bevor es ihn der Liebe wegen nach Schweden zog, wo er ein Holzhaus mitten im Wald nördlich von Göteborg baute, das er seither mit seiner Familie bewohnt. Sein Krimidebüt wurde für den beliebten Zoe-Ball-Bookclub ausgewählt und vielfach begeistert besprochen.

W  I  L  L D  E  A  N

Denn das wahre Böse ist lautlos

TOTEN

STILLE

Kriminalroman

Aus dem Englischen von
Sabine Schilasky

VP, für immer

1

Gavrik, Schweden

Ein Elch tritt aus dem Dickicht zwischen den Tannen. Er ist riesig und wiegt bestimmt eine halbe Tonne, wenn nicht mehr. Ich stampfe auf die Bremse, und mein Truck erbebt, als sich die Winterreifen in den Schotter graben. Dann schiebe ich meinen Pferdeschwanz zur Seite und schalte meine Hörgeräte ein. Es ertönt die Einschaltmelodie des Herstellers, und ich kann hören. Der Elch ist dreißig Meter entfernt, enorm groß und steht einfach nur da.

Mein Motor brummt im Leerlauf. Ich denke an den Unfall meines Vaters vor zwölf Jahren, an das, was von seinem Wagen übrig war, und knalle meine Faust auf die Hupe. Lärm flutet meinen Kopf, aber es ist nicht das echte Geräusch, so wie jeder andere es wahrnehmen würde. Ich höre eines, das von den Kunststoffkringeln hinter meinen Ohren verstärkt ist. Die Hupe erfüllt ihren Zweck, und der Elchbulle trottet über den Weg. Seine Hoden hängen tief zwischen den knochigen braunen Beinen.

Ich beschleunige ein wenig und folge ihm. Mein Herz klopft zu schnell und zu stark. Der Elch wandert zu einem Sonnenflecken weiter vorn und bleibt stehen. Er ist prähistorisch, ein Riese, vollkommen wild, uralt und höher als mein gemieteter Pick-up. Ich bremse, boxe erneut auf die Hupe, doch das Tier sieht nicht verängstigt aus. Inzwischen keuche ich. Schweißperlen stehen auf meiner Stirn. Es ist nicht genug Sauerstoff im Wagen. Hier gibt es keine Polizei, und weder vor noch hinter mir sind Scheinwerfer zu sehen.

Das Fell auf dem Geweih schimmert in der Sonne, und dann schwenkt der Bulle seinen schweren Kopf in meine Richtung. Seine Haltung verändert sich. Um mich herum verdunkelt sich der Utgard-Wald, und der Elch stampft mit dem Huf auf, sodass die dünne Eisschicht auf einem Schlagloch zerbricht. Meine Scheinwerfer erfassen aufspritzendes Schmutzwasser, das auf sein Fell sprüht. Dann sieht er mich direkt an, senkt den Kopf und stürmt los.

Ich bremse, lege den Rückwärtsgang ein und drücke die dicke Gummisohle meines Stiefels mit Schwung aufs Gaspedal. Mein Schrei klingt fremd. Der Wagen braust rückwärts und schafft Raum zwischen mir und dem Elchbullen; zwischen meinem Gesicht und seinem; meiner gerunzelten Stirn und seinem steinharten Geweih.

Ich hole mein Handy aus der Tasche und lege es mir auf den Schoß, obwohl jeder weiß, dass man im Utgard-Wald kein Netz hat. Mein Blick huscht zwischen Windschutzscheibe und Rückspiegel hin und her. Ich versuche, gleichzeitig nach vorn und nach hinten zu sehen, und da ist eine flüchtige Bewegung zwischen den Bäumen, ein grauer Umriss, ein Mensch vielleicht, doch er ist sofort wieder verschwunden. Das ist alles meine Schuld. Ich hätte nicht hinter dem Elch herfahren dürfen. Durch sein Geweih sehe ich den trüben Himmel, und im Geiste rufe ich nach meinem Vater. Ich rumple durch Schlaglöcher und über Zweige, und diese dunklen Augen sind immer noch in meinem Scheinwerferlicht. Mit dreißig Stundenkilometern im Rückwärtsgang. Mein Handy rutscht von meinem Schoß und fällt klappernd in den Fußraum. Mein linker Reifen verfängt sich in einem Schlagloch, und ich muss scharf zur Seite lenken, um wieder rauszukommen. Da trifft das Geweih auf meine Stoßstange. Metallisches Kreischen schrillt in meinen Ohren, und ich kann nichts sehen. Ich fühle meinen Fettstift, der mir in den Oberschenkel sticht, und dann blenden mich Scheinwerfer im Rückspiegel.

Hinter mir in der Ferne ist ein Truck oder ein Traktor. Jemand kommt direkt auf mich zu. Das sollte mich freuen, tut es aber nicht. Dieser Weg ist nur breit genug für einen von uns. Das Geweih schabt wieder an meiner Kühlerhaube, und ich verziehe das Gesicht bei dem Kreischen. Mein Mund ist trocken, und mir ist heiß in meinem Pullover. Ich werde den anderen Wagen rammen, während mich von vorn der Elch rammt.

Und da höre ich den Schuss.

Der Elch prescht auf die Bäume zu, springt über einen Graben und flieht in den dunklen Wald. Das Letzte, was ich sehe, sind die Hinterläufe, dann nimmt ihn sich der Utgard-Wald zurück.

Meine Handflächen schwitzen, und das Lenkrad fühlt sich feucht und glitschig an. Ich bremse, lasse aber den Motor laufen. Das Fahrzeug hinter mir, vielleicht ein Quad von einem der Jagd-Teams, ist zwischen die Bäume abgebogen.

»Atme«, befehle ich mir. »Atme!«

Am ersten Tag der Elchjagd bin ich von einem Gewehrschuss gerettet worden. Vor drei Jahren in London hätte es dieses Geräusch in die Schlagzeilen geschafft und für Empörung gesorgt. Heute, hier in Värmland, in diesem Leben, ist es normal. Sogar beruhigend.

Ich ziehe mir den Pullover über den Kopf, der sich im Gurt verfängt. Eine ganze Weile kämpfe ich schwitzend und pustend mit dem Ding, bis ich mich befreit habe. Feine blonde Strähnen fliegen statisch aufgeladen mit auf.

Ich schiebe den Schalthebel nach vorn und fahre los. Nicht so schnell wie vorher und auch nicht so schnell, wie ich gerne würde, sondern vorsichtig, mit eingeschaltetem Fernlicht, während ich die dunklen Stellen seitlich des Weges im Auge behalte. Schließlich lenke ich den Truck hinauf auf die geteerte Straße und zurück zum Ort Gavrik. Der Verkehr auf der E16 ist noch dicht, doch von jetzt an werde ich auf der Schnellstraße bleiben. Keine Abkürzungen mehr über die Waldwege.

Ich bin müde und hungrig, und mein Adrenalinpegel fällt. Mir bleiben zweiunddreißig Stunden, um acht Aufmacher zu schreiben, bevor wir in den Druck gehen. Ich schalte das Fernlicht aus. Immer noch höre ich das Schaben des Geweihs an meinem Kühler. Ich passiere das Ortsschild von Gavrik, hinter dem die Straßenbeleuchtung beginnt. Die Zivilisation stellt sich nach und nach ein. Zuerst Katzenaugen und eine Mittellinie auf dem Asphalt, nun städtische Beleuchtung. Der unbeleuchtete Wald kann verdammt noch mal weit weg bleiben. Ich will Pflaster, Cafés, Kinos, Fast Food, Büchereien, Bars und Parkuhren. Ich will Vorhersehbares und von Menschen Gemachtes.

Zwischen dem McDonald’s Drive-thru und dem Supermarkt biege ich auf die Storgatan, die Hauptstraße des Orts. Mein Puls beruhigt sich, aber immer noch habe ich Flashbacks vom Unfall meines Vaters. Und ich war nicht mal dabei. Meine Erinnerungen sind Lügen, Bilder, die sich über die Jahre verfestigt haben. Ich fahre weiter. Die zwei Schornsteine der Lakritzfabrik ragen Kirchtürmen gleich im Hintergrund auf. Die Geschäfte schließen gerade und Mitarbeiter verabschieden sich möglichst knapp voneinander, ehe sie mit hochgeklappten Jackenkragen zu ihren Volvos eilen, um nach Hause zu ihrer Fußbodenheizung und ihren Großbildfernsehern zu kommen.

Mein Parkplatz ist mit meinem Namen versehen, doch selbst wenn es nicht so wäre, würde das nichts machen. Dieser Ort ist überversorgt mit Parkmöglichkeiten. Zukunftsorientiert, obwohl keiner weiß, ob und wann diese Zukunft, in der Gavrik um fünfzig Prozent wachsen soll, kommen wird. Warum sollte sie? Die, die hier aufwachsen, gehen fort. Und wer mal zu Besuch war, scheint nie wiederzukehren.

Ich schließe meinen Wagen ab und öffne die Tür zum Gavrik Posten, dem Lokalblatt und meinem Arbeitsplatz. Wöchentliche Auflage: 6 000. Hier zu landen, hatte ich nicht erwartet, aber so war es gekommen. Ich hatte mich bei vier seriösen Zeitungen in einem Drei-Stunden-Radius von meiner Mutter vorgestellt und vier Angebote bekommen. Meine Mutter wohnt in Karlstad, und ihre Familie besteht nur aus mir, weshalb ich aus London heimkehrte, als sie krank wurde. Es ist nicht einfach; sie ist nicht einfach. Doch sie ist meine Mutter. Gavrik ist in der Nähe von Karlstad, aber nicht zu nahe, und von Lena, der halbnigerianischen Herausgeberin des Posten, kann ich einiges lernen. Der Empfang besteht aus einer Messingglocke über der Tür, zwei Sesseln, einer verstaubten Grünpflanze in einem Plastiktopf, einem Tresen samt einer Dose, in die diejenigen, die eine Zeitung rausholen, hoffentlich das Geld dafür stecken.

Lars, unser alteingesessener Lokalreporter, ist nicht da. Ich öffne die Klappe am Tresen – ein Kiefernholzbrett an quietschenden Angeln – und hänge meine Jacke auf. Meine Hände zittern noch. Dann streife ich meine Stiefel ab und schlüpfe in meine Büroschuhe. Im Büro vorn stehen zwei Schreibtische, einer für Lars, einer für mich. Außerdem gibt es noch zwei geschlossene Büros hinten, von denen eines Lena und das andere Nils gehört, unserem minderbemittelten Anzeigenakquisiteur. Alles in allem ist es ein Drecksloch von einer Redaktion, dennoch bringen wir jeden Freitag eine ziemlich anständige Lokalzeitung heraus.

Ich möchte nicht in Gavrik wohnen, tue es aber. Meine Mutter braucht mich, auch wenn sie es nicht einmal ansatzweise offen aussprechen würde. Inzwischen sind ihre Knochen und ihr Blut befallen, und wenn ich Kleinigkeiten tun kann – ihr die Rosenöl-Handcreme besorgen, die sie mag, ihr aus ihrem Lieblingskochbuch vorlesen, weil sie Lesen zu sehr ermüdet, oder ihr frische Zimtbrötchen bringen –, tue ich es. In alldem bin ich nicht gut; es liegt mir nicht so, wie es ihr anscheinend immer gelegen hatte. Aber ich tue, was ich kann. Und eines Tages, eines halb traurigen, halb glücklichen Tages, werde ich in die richtige Welt zurückkehren, in eine Stadt – irgendeine Stadt, je größer, desto besser.

»Tuva Moodyson«, sagt Nils, der aus seinem Büro tritt. Sein Haar ist gegelt wie das eines Teenagers und sein Hemd so dünn, dass ich seine Brustwarzen sehe. »Was ist mit dir los? Hast du daheim eine schnelle Nummer geschoben, oder was?«

Ich setze mich und bemerke, dass mir das T-Shirt noch vor Schweiß an der Haut haftet und mein Haar durcheinander ist; einige Strähnen kleben mir im Gesicht, während mein Pferdeschwanz sich halb auflöst. Ich sehe furchtbar aus.

»Nur ein flotter Dreier«, antworte ich. »Ich hätte dich ja dazu gebeten, aber es gab gewisse Kriterien, also …«

Er scheint ein bisschen verwirrt und schließt langsam wieder die Tür zu seinem Büro, das eigentlich die Küche für alle Mitarbeiter ist.

Da mein PC im Stand-by-Modus ist, kann ich gleich die Artikel aufrufen, die ich geschrieben habe, sowie jene, für die ich bisher nur Titelzeilen und Stichwörter habe. Mein linkes Hörgerät piepst, was eine Warnung ist, dass die Batterie bald leer sein wird. Es ist der erste von drei Warntönen, bevor das Gerät ausgeht und ich nur noch die zehn Prozent habe, die mir auf dem Ohr geblieben sind.

Hinter meinem entspiegelten PC-Monitor habe ich acht Word-Dokumente hintereinander gestapelt. Ein örtlicher Kindergarten baut aus, um drei weitere Plätze und eine neue Erzieherstelle zu schaffen. Die Fassade eines Wohnblocks nahe meinem wird erneuert, weil die ursprüngliche nicht für das Värmland-Klima geeignet war und sich schuppengleich in Flocken ablöst. Der Gemeinderat, Gavrik Kommun, hat beschlossen, dass wir in diesem Winter mit einem Schneepflug weniger auskommen. Zwei zusätzliche Bauern werden auf Abruf bereit sein. Der Wettbewerb für »Lucia 2015« hat begonnen, und die Bewerbungen müssen bis Ende des Monats bei der Kirche in der Eriksgatan eingereicht werden. Es gibt eine kommunenweite Zeckenwarnung, weil man vermehrte Fälle von Lyme-Borreliose und Hirnhautentzündung festgestellt hat. Die Mistviecher werden bald erfrieren, doch dank des milden Septembers haben wir noch einige Wochen das Vergnügen ihrer Gesellschaft. Björnmossen, der größte Waffen- und Munitionsladen des Orts, wird die erste Oktoberwoche zwei Stunden länger geöffnet haben, damit sich die Jäger nicht extra freinehmen müssen, um sich mit allem Nötigen zu versorgen. Am 21. Oktober findet ein Kunsthandwerksmarkt in Munkfors statt. Und schließlich ist da die Story, an der ich heute gearbeitet habe, die Eröffnung einer neuen Bleichhalle in der hiesigen Papierfabrik, dem zweitgrößten Arbeitgeber in der Gegend nach der Grimberg-Lakritzfabrik.

Das sind meine Nachrichten. Alle. Gewonnen aus Gerüchten, Gemeinderatsprotokollen und dem Lauschen in der örtlichen Apotheke. Sie mögen banal klingen, aber genau das wünschen sich meine Leser. Wie oft reißt man einen Artikel aus einer überregionalen Zeitung aus und heftet ihn an den Kühlschrank? Wie oft schneidet man eine Spalte aus der Lokalzeitung aus, weil vielleicht die eigene Tochter ein Hockeytor geschossen hat oder der Nachbar die größte Karotte gezogen, und befestigt sie am Kühlschrank? Meinen Lesern ist das nicht egal, und deshalb ist es mir auch nicht gleichgültig.

Lars kommt herein, die Glocke bimmelt, und er beginnt, sich aus seinem Altherrenmantel zu schälen.

Um mich besser aufs Schreiben zu konzentrieren, schalte ich meine Hörgeräte aus. Der Stoff meines T-Shirts löst sich von meiner Haut, und ich fühle mich langsam wieder normal. Ich kann meinen Schweiß riechen, auch wenn das Deo ihn größtenteils überdeckt. Wäre ich noch Praktikantin beim Guardian, würde ich mich frisch machen, aber nicht hier. Hier ist es okay so und hat keine Priorität.

Lenas Tür geht auf.

Sie steht da wie Diana Ross in Jeans und Fleece-Pulli. Ihre Augen sind riesig, und sie sagt nichts.

»Was?«, frage ich.

Sie hält eine Hand vor ihren Mund, schüttelt den Kopf und spricht, doch ich kann ihre Lippen nicht sehen und folglich auch nicht lesen.

»Was?«, wiederhole ich und schalte meine Hörgeräte ein. »Was ist passiert?«

Lena nimmt die Hand von ihrem Gesicht.

»Sie haben eine Leiche gefunden.«

2

»Stell die Nachrichten an«, sagt Lena und zeigt zu dem alten Fernseher an der Wand.

Meine Hörgeräte wachen mit dem Jingle auf.

»Wusste ich es doch«, sagt Nils, der zu uns ins Hauptbüro kommt. Er wirkt aufgeregt wie ein kleiner Junge. »Habe ich es nicht gesagt, Lena? Dieser Wald ist verwunschen. Mein Bruder meint, dass die Leiche unten im Utgard-Wald ist. Sein Kumpel unten bei der Unfallstation hat den Anruf bekommen. Hatte ich nicht gesagt, dass in dem Wald wieder was passieren wird?«

Ich schalte die Lokalnachrichten ein.

»Was hast du gehört, Nils?«, frage ich. »Was genau hat dein Bruder gesagt?«

Nils sieht zu Lena. »Denkst du, es ist wieder Medusa?« Dann dreht er sich zu mir um. »War vor deiner Zeit, Tuva.« Nun sieht er Lars an. »In welchem Jahr war Medusa?«

»Die letzte Leiche wurde 1994 gefunden«, antwortet Lars. »Aber das hier wird nicht …« Er kratzt die kahle Stelle an seinem Kopf. »Das war vor zwanzig Jahren. Dies hier wird bloß ein Jagdunfall sein.«

»Ja, klar«, sagt Nils. »Bloß ein Unfall. Im Utgard-Wald. Sicher doch. Mein Bruder tippt, dass sie die Leiche im Dorf Mossen gefunden haben.«

Ich nehme meine Jacke.

Nils sieht Lena an. »Lässt du sie etwa ganz alleine nach Utgard?«

Ich ziehe meine Stiefel an und nicke ihr zu. »Ruf mich an, wenn du Einzelheiten hast.«

»Nimm die Kamera mit«, sagt sie.

Natürlich nehme ich die beknackte Kamera mit. »Klar«, sage ich und greife mir den Apparat von Lars’ Schreibtisch, wo er auflädt, bevor ich hinaus auf die leere, dunkle Straße trete.

Es regnet nicht, doch ein feuchter Dunst wabert in Wogen durch die Luft. War der Schuss, der meinen Elch verscheuchte, derselbe, der jemanden getötet hat? Fröstelnd laufe ich zu meiner Parklücke.

Ich fahre dreißig Kilometer aus dem Ort hinaus und auf die Schnellstraße. Nach rechts sehe ich nichts als Wald. Hinter einem von Zaunwinde bedeckten Schild nähere ich mich der Zufahrt zum Wald, bei der es sich um eine leicht zu übersehende Lücke inmitten einer dichten Fichtenbarriere handelt. Vorhin war ich auf dem Weg von der Papierfabrik nach Süden am Waldrand entlanggefahren, um den Stoßverkehr zu meiden, doch jetzt muss ich tief in den Wald hinein. Radio Värmland unterbricht einen Folksong, um zu melden, dass die Polizei wegen eines Leichenfunds einen Teil des Dorfs Mossen abgesperrt hat. Sie bitten Jäger und Hundehalter, die Gegend bis auf Weiteres zu meiden.

Der Radioempfang wird schlechter, als ich den Asphalt hinter mir lasse und auf den grauen Schotterweg einbiege. Er ist breit genug, dass zwei Wagen aneinander vorbeifahren können, sofern beide näher an die offenen Gräben zu beiden Seiten schwenken. Hier draußen herrscht eine Dunkelheit wie schwarzer Samt, deshalb schalte ich das Fernlicht ein und blinzle in den wogenden Dunst. Im Frühling ist der Wald okay, wenn man in einem Truck sitzt. Dann ist alles voller hellgrüner Fichtentriebe und Wildblumen. In meinem Hilux-Pick-up komme ich damit klar. Aber jetzt ist Oktober. Die Tannennadeln sind dunkel durchnässt, das Moos ist braun, und die Birken sind kahl. Mein Armaturenbrett zeigt zwei Grad über null an. Ich fahre durch eine dunkle Gasse von Kiefern so hoch wie Leuchttürme.

Aus dem Radio ist hin und wieder etwas zu verstehen, aber es kommt nur die Wettervorhersage. Mehr Regen. Mein Navi zeigt eine dünne Linie von Süden in eintönigem Grün, die mittendrin abbricht. Dort sind fünf Häuser entlang der Linie aufgetupft, also muss ich bloß das eine finden, vor dem ein Streifenwagen steht. Ich kratze mich am linken Ohr und berühre das Hörgerät, teils, weil es unvermeidlich ist, teils, weil es mich beruhigt, wenn ich in einer Gegend wie der hier bin.

Die Medusa-Morde waren zwanzig Jahre vor meiner Zeit. Sie sind die Art Lokallegende, die kaum Fakten aufweist, dafür aber mit reichlich Blödsinn ausgeschmückt wird. Drei Erschossene innerhalb von vier Jahren. Die Polizei hatte nie jemanden verhaftet, und dann hörten die Morde einfach auf. Die Leichen wurden alle im Wald gefunden, alle in irgendeiner Form verstümmelt, und ungefähr damit erschöpft sich mein Wissen. Die Leute hier reden nicht gerne darüber, und diejenigen, die es tun, lohnen das Zuhören nicht.

Ich nähere mich dem ersten Haus im Dorf, mein Radio leise gestellt, falls es weitere Nachrichten gibt. Ich drossle das Tempo auf zehn Stundenkilometer. Das Haus sieht heruntergekommen aus. Die Holzfassade braucht einen Anstrich, und Efeu überwuchert einige der Fenster. Das Einzige, was ich richtig sehen kann, ist ein Garten, der von sehr schwächlichen Solarleuchten beschienen wird – die billige Sorte, die im Sommer halbwegs und im Oktober praktisch gar nicht mehr funktioniert. Im und am Haus brennt kein Licht. Niemand daheim. Als ich weiterfahre, blicke ich in meinen Seitenspiegel und bemerke ein Licht, das ich vorher nicht gesehen hatte. Es kommt nicht aus dem Haus und erlischt genauso schnell wieder, wie es aufgetaucht ist.

Mein Handy-Akku ist beinahe leer, deshalb stecke ich den Adapter in die Buchse des Zigarettenanzünders. Die Musik im Radio wechselt von Harmonikas zu Banjos, aber der Empfang ist schlecht, sodass jede Menge Rauschen zu hören ist. Ich fahre jetzt noch langsamer. Der Weg wird beständig enger, und zu beiden Seiten sind Felsbrocken und zu Haufen aufgeschichtete Steine. Die Nadelbäume neigen sich zueinander, treffen sich irgendwo in der Mitte über dem Weg, überdecken ihn beinahe, ähnlich einem unbeholfenen Bogen.

Das nächste Haus wirkt einladender. In sämtlichen Fenstern brennen Hängeleuchten, und auch an den Außenwänden sind Lampen befestigt. Es ist eingeschossig, ein Torp: ein typisches dunkelrotes Landhaus. Wieder nehme ich den Fuß leicht vom Gas und lasse den Truck rollen. Ich schalte die Scheibenwischer ein und schaue aus dem Beifahrerfenster. Durch eine Insektenwolke kann ich einen Volvo von Taxi Gavrik in der Einfahrt erkennen. In den Blumenkästen vor den Fenstern sind tote Pflanzen, irgendeine Geranienart. Ich glaube, ein Gesicht in einem der Fenster zu sehen; ein Kindergesicht, recht weit unten. Aber nun bin ich schon an dem Haus vorbei und nähere mich einem steilen Hügel. Ich lasse den Motor des Toyotas aufheulen und beschleunige. Gleichzeitig drehe ich die Sitzheizung herunter. Der Hügel ist kürzlich mit frischem Splitt begradigt worden, was den Truck laut macht, als sich körnige Steine ins Profil meiner Winterreifen fressen. Oben vollführt der Weg eine scharfe Biegung nach rechts, sodass ich bremse und meine Räder auf einem Film aus nassem Laub schlingern.

Hier ist der Schotterweg nicht mehr von Gräben, sondern von Morast gesäumt und einige Zentimeter erhöht. Er durchschneidet sumpfiges Land mit Schilf und schmutzigem Wasser, in dem sich der Himmel spiegelt.

Das nächste Haus steht rechts von der Straße, und ich rieche es, ehe ich es sehe. Meine Lippen sind ausgetrocknet von der Autoheizung, deshalb hole ich den Fettstift aus meiner Jeanstasche. Ich rieche Holzrauch, was in gewisser Weise beruhigend ist. Heimelig. Nur sieht das Gebäude weniger wie ein Wohnhaus aus, eher wie eine Werkstatt. Ich verlangsame nicht, denn drinnen sind Gesichter von Neonröhren erhellt. Eine eingeschossige Werkstatt, die zur einen Seite offen ist, mit einem Holzofen in der Mitte. Zwei, vielleicht drei Männer in Overalls – Tischler vielleicht, die schnitzen und schmirgeln. Neben der Werkstatt steht ein schlichtes, gelb gestrichenes Haus, neben dessen Vordertür ein Paar toter Vögel an einem Haken baumeln. Fasane? Perlhühner? Vorn ist eine Reihe von fünf nummerierten Briefkästen an einem Metallpfosten.

Der Weg wird noch enger, und ich muss achtgeben, nicht in einem der Seitengräben zu landen, die plötzlich auftauchen und tief und voll aussehen. Die klassische Oktoberschwemme, die auch die Seen und das Sammelbecken im Ort füllen, ebenso wie die Brunnen in den hiesigen Gärten. Ich glaube, ein Licht in der Ferne blinken zu sehen, aber es wird gleich wieder von den Bäumen verdeckt.

Mein Handy-Akku ist bei zweiundzwanzig Prozent. Ich stöpsle das Handy vom Adapter ab und werfe es neben die Kamera auf den Beifahrersitz. Die Windschutzscheibe beschlägt, also schalte ich das Gebläse ein und öffne das Fenster einen Spalt. Der Wald riecht erdig wie der Grund unter einem umgekippten Stein. Es ist der Geruch von Kellerasseln, vergammelten Äpfeln, Schnecken und nassem Teppich. Ich biege um eine Kurve und weiche einem abgebrochenen Birkenast aus. Weiter vorn sind Lichter: Blaulichter von drei Streifenwagen und einem Krankenwagen, und ich bin froh, denn sie bedeuten Schutz und zeigen mir, wo meine Story zu finden ist. Außerdem mag ich diese kräftig zuckenden Lichter, die von den nassen Ästen reflektiert werden wie Stroboskopstrahlen bei einem Rave.

Ich parke und stelle den Motor aus. Inzwischen regnet es, daher nehme ich meine Hörgeräte heraus und stecke sie in meine Jackentasche. Wenn sie nass werden, funktionieren sie nicht, und ich kann mir nicht leisten, sie ersetzen zu müssen. Jedes von ihnen kostet ein Monatsgehalt. Und trage ich eine Mütze darüber, habe ich Knackgeräusche und Rückkoppelungen. Ich schnappe mir meine Kamera und mein Handy, setze meine Kapuze auf und steige aus dem Wagen. Hier ist der Geruch noch satter als zuvor. Mulch. Altes Laub und stehendes Wasser.

Das Haus ist eigentlich ganz nett. Es sieht teurer als die anderen aus, ist zweigeschossig mit großen Fenstern und einer umlaufenden Veranda im ersten Stock. Oben läuft ein Fernseher, wie man am blinkenden Schein aus dem Fenster erkennt.

Ich spüre eine Stimme irgendwo, kann aber die Worte nicht verstehen oder jemanden sehen. Rasch hake ich mein linkes Hörgerät unter der Kapuze wieder ein.

»Tuva«, sagt eine Stimme von der Veranda über mir.

Ich blicke nach oben.

»Hast dir Zeit gelassen.«

Es ist Thord Petterson, die Nummer zwei der zweiköpfigen Polizei von Gavrik.

»Das ist hier ja auch ziemlich weitab vom Schuss«, erwidere ich. »Darf ich reinkommen?«

Lächelnd schüttelt er den Kopf. Regen tropft aus der Dachrinne über seinem Kopf. Er zeigt erst auf sich, dann auf mich.

Ich lasse die Kamera in meiner Tasche und warte an der Haustür. Hier schützt mich die Veranda vor dem Regen, sodass ich auch mein rechtes Hörgerät wieder einsetze.

Die Haustür geht auf, doch meine Aufmerksamkeit wird auf etwas anderes gelenkt. Rechts von mir, hinter dem Haus, sehe ich zwei Sanitäter eine Trage aus dem Wald bringen, begleitet von Gavriks Polizeidirektor. Durchnässt und bis zu den Knien voller Matsch steigen sie vorsichtig über eine eingebrochene Steinmauer und staksen durch dichtes Dornengestrüpp. Dann sehe ich eine weitere Person. Hinter dem Polizeidirektor geht ein Mann, der eine grellorange Baseballkappe trägt und ein Gewehr in der Hand hält.

3

Die Person hinter dem Polizeidirektor ist gar kein Mann, sondern eine große, sportliche Frau, die ihr Haar unter die Kappe gestopft und ihren Jackenkragen bis unter die Nase geschlossen hat. Ich kann ihre Wimpern sehen.

Der Körper, den die Sanitäter tragen, ist mit einem grauen Laken bedeckt. Da ist ein dunkler Fleck in der Mitte des Lakens, oberhalb vom Torso desjenigen, der unter dem Tuch liegt. Der Fleck glänzt. Ich sehe auch eine schlaffe Hand mit einem goldenen Ehering. Sofort hebe ich meine Kamera an, doch die Polizisten, Thord und sein Chef Björn, schütteln die Köpfe, als sie an mir vorbei zum Krankenwagen gehen. Die Hecktüren stehen offen, und die Sanitäter heben die Trage hinein. Björn steigt hinter ihnen ein, dann gehen die Türen zu, und der Wagen fährt in Richtung Schnellstraße davon.

Die Frau mit dem Gewehr kommt auf mich zu, und Thord gesellt sich zu uns. Gemeinsam stehen wir mitten im Utgard-Wald im Schatten einer Veranda. Bestimmt eine volle Minute lang sagt keiner von uns etwas.

»Viel kann ich dir heute Abend nicht erzählen, Tuva«, sagt Thord. »Am besten kommst du morgen früh auf die Wache.«

»Wer ist das Opfer?«

»Verschieben wir es auf morgen.«

Er wendet sich der Frau mit der Baseballkappe zu.

»Kann ich dich nach Hause fahren, Frida? Ich denke, Hannes würde es wollen. Du hattest einen verdammt harten Tag, und ich wette, mit dem Wetter reicht es dir auch allmählich.«

»Das kann ich doch machen«, biete ich an, denn ich will dringend Informationen, einen Anhaltspunkt, eine Quelle, ein Zitat. »Wo wohnen Sie?«

»Wer sind Sie?«, fragt Frida.

»Tuva Moodyson, Reporterin beim Posten. Entschuldigung, das hätte ich gleich sagen sollen.«

Sie streckt mir ihre kräftige Hand hin, die vor Kälte gerötet ist.

»Frida Carlsson«, sagt sie. »Ich nehme Ihr Angebot gerne an. Ich wohne am Ende der Straße, nur wenige Kilometer weiter unten.«

Thord nickt uns beiden zu.

»Vorhin, als der Verkehr noch dicht war«, sage ich zu ihm, »habe ich einen Schuss hier im Wald gehört. Ich war auf dem Weg, der parallel zur E16 verläuft. Das war gegen drei Uhr.«

Thord wischt sich den Regen vom Gesicht. »Schüsse hört man diese Woche überall. Hast du etwas oder jemanden gesehen?«

Ich schüttle den Kopf.

»Gegen drei, sagst du?«

Ich nicke.

Thord nickt gleichfalls und geht auf seinen blinkenden Streifenwagen zu. Er öffnet die Fahrertür, dreht sich um, sieht hinauf zur Veranda und winkt.

Ich trete unter der Veranda vor in den Regen, um zu sehen, wem er zugewunken hat. Aber weder auf der Veranda noch an den Fenstern ist jemand zu sehen.

»Ich parke da vorn«, sage ich zu Frida.

Wir laufen zu meinem Truck und steigen ein. Frida legt ihr Gewehr auf den Rücksitz, und ich bemerke ein Blattmotiv auf dem Gewehrkolben. Ich glaube, es ist ein Shamrock, ein irisches Kleeblatt. Ich drehe das Heizgebläse auf und reiche Frida ein kleines Handtuch, das ich auf der Mittelkonsole habe, um Kondenswasser von den Scheiben zu wischen.

»Wem hat Thord gewunken?«, frage ich.

Frida sieht mich an, während sie mit dem Handtuch ihr blondiertes Haar abtupft.

»David, schätze ich. Ein alter Freund von Thord. Ich glaube, die beiden sind zusammen zur Schule gegangen. David arbeitet als Ghostwriter.«

Ich schalte die Scheinwerfer ein und konzentriere mich auf die Straße.

»Kommt nur noch ein Haus?«

»Nur eins«, sagt Frida. »Mein Mann und ich wohnen am Ende der Straße.«

Der Schotterweg verlief bisher relativ gerade, fängt jetzt jedoch an, sich um Findlinge und alte Kiefern zu schlängeln, aus deren Stämmen Farne sprießen.

»Im Winter muss das ein Spaß sein«, sage ich.

»Es ist okay, wenn man seine sieben Sinne beisammen hat«, antwortet sie, und ich muss an meine Mutter denken, die früher denselben Ausdruck benutzte. »Hat man die richtige Kleidung und den richtigen Wagen, geht es. Man muss praktisch veranlagt sein. Es ist eben nicht wie in der Stadt.«

Ich sehe ihr Haus durch ein schimmerndes Gewirr nasser Äste und Zweige. Es ist wie eine Autorallye in einem Videospiel, so wie ich von links nach rechts schwenke, das Lenkrad hin- und herreiße und Fliegenpilzen so groß wie junge Katzen ausweiche. Ich biege auf eine Lichtung und eine lange Kieszufahrt hinauf. Das Haus ist groß und gut beleuchtet.

»Schön hier«, stelle ich fest. »Hier hätte ich nicht mit solch einem Haus gerechnet.«

»Das tut keiner.«

Im Garten steht ein Fahnenmast, und das Haus ist blassgrau mit weißen Akzenten. Das Mansardendach neigt sich in unterschiedlichen Winkeln. Es ist alt, aber gut instandgehalten. Draußen sind Sicherheitsstrahler, und in allen Fenstern, bis auf eines im oberen Stockwerk, brennt Licht.

»Ich glaube, Sie haben mich vor einer Erkältung bewahrt«, sagt sie. »Und ehrlich gesagt würde ich jetzt lieber nicht allein sein. Kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten, bevor Sie zurückfahren?«

Ich packe die Gelegenheit beim Schopf.

»Gerne.«

Wir parken neben einer grauen Garage aus Holz mit einer Wetterfahne auf dem Dach. Ich verriegle den Truck nicht, ehe wir zum Haus gehen. Frida sieht blass aus. Mücken umschwirren die Verandalichter; in dieser Jahreszeit sind die Mistviecher richtig groß, fett von Blut und rotzfrech. Aber das wird der Schnee bald erledigen. Frida öffnet die Haustür und zieht ihre Stiefel und die Jacke aus. Ich tue es ihr gleich. Ihr Gewehr schließt sie in einen Waffenschrank aus Metall unter der Treppe. Sie wirkt jetzt müde. Das Haus ist trocken, sauber und riecht nach Möbelpolitur. Die Parkettböden sind warm. Anscheinend läuft die Fußbodenheizung auf Hochtouren. Ich brauche mehr Material. Lena braucht mehr Material. Als ich Frida folge, blicke ich mich in den Zimmern um und bekomme einen Eindruck von Fridas Welt. Kleine Details sind die Farbkleckse, die meinen Artikeln Leben einhauchen – das hat Lena mich gelehrt. Alles dreht sich um persönliche Kleinigkeiten: Sessel, Wolldecken und Bücherregale voller zerlesener Romane und Reiseführer für Spanien und Portugal. Es gibt eine teure Stereoanlage und einen Kamin, in dem Kleinholz und Birkenscheite aufgeschichtet sind. Ich entdecke den Posten von letzter Woche unter dem Brennholz. Dann rieche ich Knoblauch, und mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

»Sie haben ein sehr schönes Haus.«

»Oh, normalerweise ist es nicht so ordentlich. Ich habe gerade aufgeräumt. Es ist nie meine Unordnung, aber immer bin ich es, die aufräumt.«

Wir gehen in die Küche, die aussieht wie aus einer Wohnzeitschrift – nicht protzig, aber stilvoll und gemütlich. Innerhalb von zehn Minuten bin ich aus einem Mörderwald in eine heile Welt gewechselt, und es soll mir recht sein. Der Fliesenboden unter meinen klammen Socken ist so warm, dass es mir normalerweise zu viel wäre, jetzt gerade aber angenehm ist. Ich rieche einen Eintopf, und mein Magen knurrt. Es klingt wie eine U-Bahn, die aus einem Tunnel kommt, allerdings bin ich nicht sicher, ob es an meinen Hörgeräten liegt oder andere Leute dasselbe wahrnehmen, wenn ihr Magen knurrt.

»Haben Sie Hunger?«, fragt Frida. »Nach dem heutigen Tag habe ich keinen Appetit, aber ich habe einen Fleischtopf im Ofen, nur etwas, das ich auf die Schnelle zusammengeschnippelt habe. Er reicht für das ganze Hockeyteam von Gavrik. Sie dürfen also gern eine Schale voll haben. Vielleicht mit einem Stück Brot dazu? Macht wirklich keine Umstände.«

Es duftet fantastisch, dennoch kommt es mir falsch vor, das Essen einer Fremden anzunehmen. Erst recht an einem Tag wie diesem.

»Danke, aber ich möchte mich nicht aufdrängen. Eine schnelle Tasse Kaffee wäre nett … und darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen zu, nun ja, dem, was Sie heute gefunden haben?«

»Ich weiß nicht recht«, sagt sie verlegen.

Lächelnd warte ich ab.

»Ich schätze, ich kann Ihnen erzählen, was ich weiß«, sagt Frida und schüttet gemahlenen Kaffee aus einer Alutüte in eine Cafetiere. »Was für eine furchtbare Sache.«

Mit frischem Kaffee, einem kleinen Teller Kardamom-Keksen, einem Krug Milch und einem Zuckertopf auf einem Tablett im Retro-Look setzt sie sich zu mir an den Tisch. Auf dem Tisch steht eine mit Seide ausgekleidete Kiste, in der elf Silberlöffel in einem Fach für zwölf liegen. In die Seidenauskleidung ist etwas eingestickt, Weiß auf Grau, das wie ein Familienwappen aussieht.

»Der Kaffee riecht wunderbar. Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich unser Gespräch mit dem Handy aufnehme? Mein Gehör ist nicht so gut.« Ich zeige auf meine Ohren. »Und ich will nichts verpassen.«

»Okay, Schätzchen, dann schießen Sie mal los.«

Und plötzlich mag ich sie, weil sie mich nicht nach meiner Taubheit oder meinen Hörgeräten fragt. Sie reicht mir einen Löffel aus dem Kästchen und nimmt sich selbst einen. Ich rühre Zucker in meinen Kaffee, bevor ich mein Handy auf Aufnahme schalte.

»Was ist heute Abend passiert? Was haben Sie gefunden?«

Frida sieht auf ihre Hände und seufzt.

»Na ja, ich war draußen, um Steinpilze zu sammeln, Hannes’ Leibspeise. Es hat ein bisschen geregnet, und ich dachte, dass sie schießen müssten, also hatte ich mir einen Korb geschnappt und …«

Sie stockt. Ich nicke ihr zu, dann trinke ich einen Schluck von dem Kaffee, der hervorragend ist.

»Und ich habe meine üblichen Stellen, an denen die Steinpilze jedes Jahr sprießen. Ich habe ein paar Handvoll gepflückt, und dann sah ich etwas neben einer umgekippten Buche. Ich dachte, dass jemand eine Jacke liegengelassen hatte, also bin ich näher ran.«

Sie sieht mich an.

»Ich konnte es riechen.« Sie trinkt von ihrem Kaffee. »Wie ein frisch getötetes Wild. Da bin ich sofort stehen geblieben und zurück nach Hause gelaufen. Ich hatte mein Handy nicht dabei. Es funktioniert da draußen sowieso nicht. Deshalb bin ich wieder her und habe die Polizei angerufen. Seltsamerweise hatte ich überhaupt keine Angst. Björn bat mich, ihn bei David Holmqvists Haus zu treffen.« Sie unterbrach. »Er ist der Ghostwriter, von dessen Haus wir gerade kommen. Also nahm ich mir das Gewehr von meinem Mann, ging hin und führte sie durch den Wald zu der Leiche. Das ist alles.«

»Haben Sie die Leiche erkannt?«

Frida schüttelt den Kopf. »Ich vermute, es war ein Mann, sicher bin ich mir allerdings nicht. Es war einfach schrecklich. Er lag auf dem Bauch. Ich sah nur einen roten Fleck auf seiner Jacke, daher hatte ich an seinem Hals nach dem Puls gefühlt, aber er war vollkommen kalt. Ist schon eine Weile tot, würde ich sagen.«

»Konnten Sie sehen, ob er erschossen wurde? Erstochen? Von einem Tier angegriffen?«

»Er blutete durch seine Jacke, mehr weiß ich nicht. Die Polizei kann Ihnen sicher mehr sagen.«

Ich schalte die Aufnahme aus und stecke mein Handy ein.

»Tut mir leid, dass Sie das sehen mussten.«

»Es ist nicht schön, aber so ist die Natur. Von Leben und Tod sieht man hier draußen mit den Jahren genug. Ich weiß nicht, ob das ein Unfall war oder nicht, aber sicher wird Björn der Sache auf den Grund gehen. Björn Andersson ist ein verdammt guter Polizist, da können Sie jeden in Gavrik Kommun fragen. Er und Hannes sind gut befreundet, seit sie in etwa Ihrem Alter waren. Der Polizeichef kümmert sich um seine Leute – das hat er schon immer getan.«

4

Frida gibt mir meine Jacke und zieht einen Stuhl von der Wand, damit ich mir die Stiefel anziehen kann. Danach reicht sie mir eine braune Papiertüte, in der eine Tupperdose mit ihrem Eintopf ist, und ehrlich gesagt sträube ich mich nicht sehr, weil der sehr viel besser sein dürfte als das Mikrowellen-Fertiggericht, das ich für heute Abend geplant hatte. Zu dem Eintopf hat sie mir noch einen winzigen Brotlaib in einem Gefrierbeutel mit grünem Clip eingepackt und einen kleinen Topf mit irgendwas, dessen Deckel mit Tesafilm festgeklebt ist.

»Vielen Dank hierfür. Eventuell melde ich mich wieder, wenn ich noch Fragen habe, falls das okay ist.«

»Okay«, sagt sie. »Ich denke, ich mache mir jetzt mal einen richtigen Drink. Den kann ich gebrauchen. Fahr vorsichtig, ja? In dieser Jahreszeit kann der Weg tückisch sein.«

Ich setze meine Kapuze auf und gehe hinaus zu meinem Truck. Fast kann ich Fridas »richtigen Drink« schmecken. Mein Puls wird schneller. Ich streiche mit der Hand über die Kühlerhaube, die von dem Geweih ziemlich übel zerkratzt ist. Das werde ich ausbessern lassen müssen. Ich höre den Wind in den Bäumen, und dann piepst mein Hörgerät. Wieder eine Batteriewarnung. Als ich von der Lichtung fahre, sehe ich Frida im Rückspiegel. Im Lichtschein der Veranda winkt sie mir von ihrer Haustür aus zu.

Das Lenkrad ist kalt. Aus dieser Einöde mitten im Wald mache ich mich auf den Rückweg, der mir viel kürzer vorkommt als der Hinweg. Ich halte ungefähr dreißig Stundenkilometer und passiere das Haus des Ghostwriters, wo jetzt alles dunkel ist. Die Polizei und der Krankenwagen sind fort. Als Nächstes komme ich an der Tischlerwerkstatt vorbei. Auch die ist dunkel, bis auf das noch glimmende Ofenfeuer. Dann fahre ich durchs Moor und den langen, steilen Hügel hinunter vorbei an dem Torp, wo ich das Kindergesicht im Fenster gesehen hatte. Als ich das erste Haus erreiche, bemerke ich, dass das Licht, das ich vorhin flüchtig gesehen hatte, von einem Wohnwagen im Garten stammt. Ich nähere mich dem Hauptweg und beschleunige, als die Fahrbahn breiter wird und ich auf glatten Asphalt komme. Ich bin froh, das dunkle Dorf im Rückspiegel hinter mir zu lassen.

Kurz vor Mitternacht bin ich zu Hause. Als Erstes maile ich Lena und erzähle ihr, was ich gesehen habe und was Frida Carlsson mir erzählt hat. Dann verriegle ich meine Tür, ziehe mir eine Sporthose und ein Holzfällerhemd an und schütte den Eintopf in einen kleinen Topf – meinen einzigen Topf – und stelle ihn auf den Herd. Ich packe das kleine Roggenbrot aus; es ist selbstgebacken und hat eine knusprige Kruste. Ich ziehe das Klebeband von dem kleinen Topf, den Frida mir gab, und schnuppere an dem hellen Inhalt. Es ist eine Art Sour Cream mit Zitrone und Petersilie. Als der Eintopf heiß ist, fülle ich ihn in eine Schale, nehme mir einen Löffel und ein Stück Brot und gehe hinüber zum Sofa. Heute Abend mal kein »Pling«-Essen. Würziger Dampf steigt mir ins Gesicht, und die Anspannung in meinen Schultern verschwindet. Ich nehme beide Hörgeräte ab und lege sie auf den Tisch.

Stille.

Herrliche, natürliche, private Stille.

Ich probiere einen Löffel. Das Essen ist gut. Selbstgekochtes, lange geschmortes Familienessen, und es schmeckt, als hätte Frida Carlsson das schon tausende Male zubereitet und unbewusst mit jedem Mal ihr Rezept verbessert. Früher habe ich alle unsere Mahlzeiten gekocht, und sagen wir mal, es ist mir nicht gegeben; aber dies hier ist verdammt köstlich. Das Fleisch zerfällt beim Löffeln und zergeht einem auf der Zunge, und die Möhren sind zuckersüß. Ich tunke das Brot in die dunkle zähflüssige Sauce und beiße es ab. Mein Magen beginnt sich zu füllen.

Der Eintopf wärmt mich endlich innerlich. Aus dem Höllenloch von Wald, durch das Dorf, das im Grunde gar keines ist, zurück nach Gavrik in meine möblierte Mietwohnung und auf mein Sofa, und jetzt das. Ich bin satt und fühle mich zu Hause – ein Gefühl, das sich an diesem Ort bisher noch nicht so recht einstellen wollte. Ich könnte mich bei einer richtigen Zeitung in London oder Chicago heimisch fühlen, aber nicht hier in diesem Spielzeugdorf. Doch gerade nach dem heutigen Tag braucht Gavrik eine anständige Reporterin, und die bin ich. Wenigstens macht Fridas Essen für einen Moment alles besser. Keine Hörgeräte, kein Regen, keine Kälte in meiner Brust.

Ich nehme mein iPad und gehe zu meinem ungemachten Bett. Auf dem Nachttisch steht ein Foto von meinen Eltern, von früher, als meine Mutter noch zurechtkam und ich mir keine Sorgen um sie machen musste. Als wir uns noch nicht gegenseitig enttäuschten. Ich konzentriere mich auf das entspannte Lächeln meines Vaters und seine riesigen Ohren. Eigentlich sehe ich mir meine Mutter nie genau an, weil es beunruhigend ist. Sie ist ich, nur mit grünen Augen. Faule Journalisten haben ihr alles Leben ausgetrieben und werden es niemals erfahren. Lügen über meinen Vater, Gerüchte und Tratsch, falsche Zitate, lauter Blödsinn. An jenem Abend war er auf keinen Fall betrunken. Da hatte er längst aufgehört zu trinken. Deshalb denke ich beim Schreiben immer an die Menschen, die leiden, denn das taten meine Mutter und ich. Ich wünschte, ich könnte sie jetzt gleich besuchen, ein spontaner Überraschungsbesuch mitten in der Woche, aber jene Tage sind längst vorbei. Heute schläft sie abends früh ein; es ist eine Nebenwirkung der vielen Medikamente. Deshalb sind meine Besuche auf die Wochenenden beschränkt, und das fühlt sich zu wenig an. Ich reibe mir die Augen und zwinge mich, ihre Seite des Fotos anzusehen. Meine Mutter ist der Grund, weshalb ich mir nicht vorstellen kann, selbst Kinder zu bekommen.

Ich falle bäuchlings auf meine Bettdecke, zu voll, um mich zu bewegen, und zu müde, um noch etwa auf meinem Tablet zu spielen. Ich will nur noch ein bisschen lesen und danach schlafen. Zunächst überfliege ich die Websites von zwei überregionalen Blättern und gehe dann auf Wermlands Tidningen, die Regionalzeitung. Sie alle haben die Story, aber nichts über lokale Einzelheiten. Das sind alles bloß Spaltenfüller, historische Verbrechen und Mutmaßungen sowie geografische Details. Eine der landesweiten Zeitungen hat Utgard falsch geschrieben, was mich richtig ärgert. Ich google »Medusa-Morde« und finde als erstes Ergebnis einen Wikipedia-Beitrag. Drei Morde, so wie ich es in Erinnerung hatte. 1991, 1993 und 1994. Ein Arbeiter aus einer Papiermühle, ein Techniker und der stellvertretende Manager des hiesigen Hotels. Drei Männer, alle Mitte dreißig, allen wurde in den Oberkörper geschossen. Und dann sehe ich es, das, was sie alle verbindet. »Medusa« ist irreführend, scheint wenig logisch. Genau genommen ergibt die Bezeichnung überhaupt keinen Sinn, aber so ist das mit Spitznamen: Sie halten sich.

Die Leichen. Allen wurden die Augen entfernt.

Wikipedia schreibt, dass allen drei Opfern nach dem tödlichen Schuss die Augen entnommen wurden. »Eine saubere Arbeit«, wird der damalige Gerichtsmediziner aus einer Pressekonferenz von 1994 zitiert, was die Angehörigen und die Stadträte gleichermaßen empörte. Ich finde keine Fotos von den Leichen oder den Verletzungen, nur vom Wald. Doch ich lade eine Karte von den Morden herunter und stelle fest, dass die Fundorte ziemlich weit durch den Utgard-Wald verteilt sind. Sie liegen kilometerweit auseinander, vom Dorf Mossen ausgehend in alle Richtungen. Die halbe Stadt wurde in den frühen Neunzigern befragt. Ein Achtzehnjähriger aus der Gegend, Martin Farsberg, wurde verhaftet und ohne Anklage wieder freigelassen.

Ich hole meine Hörgeräte, öffne die Batteriefächer und lege sie in ein Glas mit Silikat, um sie über Nacht zu trocknen. Dann hole ich meinen Zauberstab aus der Nachttischschublade. Ich denke an ein Mädchen, mit dem ich in London studiert habe, und komme. Ich schließe die Augen, um zu schlafen, aber in meinem Kopf ist das Bild eines Mannes mit bleichen, bis zum Knochen leeren Augenhöhlen.

5

Mein Vibrationswecker rüttelt mich um sechs Uhr wach.

Im Zimmer ist es stickig, und ich muss die Bettwäsche wechseln. Ich setze meine Hörgeräte ein, stehe auf, um ein Fenster zu öffnen, und kalte Luft klatscht mir ins Gesicht. Rasch ziehe ich mich wieder in die Wärme zurück.

Mein iPad ist beinahe tot, also stöpsle ich es ein und sehe in die schwedischen Zeitungen und ins Fernsehen. Auch in die interessantesten Chats in den sozialen Medien, und der Hashtag »Medusa Man« wird bereits zum Trend.

Duschen, anziehen, Batterie im linken Hörgerät wechseln. Da sind Flusen in dem durchsichtigen Schallschlauch zwischen Ohrpassstück und Technik, also nehme ich den kleinen Schlauch ab, puste hindurch und wasche ihn vorsichtig mit einer speziellen Reinigungsflüssigkeit. Nachdem er getrocknet ist, setze ich das Hörgerät wieder ein. Als ich eine Packung Coco-Pops öffne und etwas in eine Schale schütte, fällt eine kleine Plastik-Fledermaus mitten in die Frühstücksflocken, und ich zucke heftig zusammen. War der Schuss, der den Elch vertrieb, derselbe, der jemanden tötete?

Ich fahre den fünfminütigen Fußweg zum Büro – was ganz besonders hier lächerlich ist, wo die Einheimischen überallhin radeln –, aber ich brauche meinen Wagen später.

Lenas Saab steht auf ihrem Platz vorm Büro. Sie ist der »Als Erste da, als Letzte raus«-Typ. Ich gehe in die Redaktion vom Gavrik Posten, und die Glocke läutet über meinem Kopf. Es klingt wie zerspringendes Glas.

»Ich sage Lars, dass er einen Teil deiner Arbeit übernehmen soll«, sagt Lena, sobald ich drinnen bin. »Damit du dich auf den Mord konzentrieren kannst. Ist okay für dich, oder?«

Ich nicke.

»Sicher fallen die Überregionalen heute Mittag in Scharen hier ein, und dann haben wir hier eine Scheißrangelei erster Güte. Also mach vorher so viel, wie du kannst.«

Wieder nicke ich. »Ich rede heute Morgen mit den Cops. Danach fahre ich noch mal nach Mossen und befrage die anderen Einheimischen.«

»Das könnte das Ding sein, über das wir schon mal gesprochen haben. Deine Story. Medusa, falls es denn Medusa ist, könnte dein Durchbruch werden. Das heißt, schön in Deckung bleiben, die Ohren spitzen und gut aufpassen, hast du gehört?«

Sie betrachtet mich nicht als taub, sonst hätte sie die letzten drei Worte nicht gesagt, und dafür liebe ich sie.

»Mein Pulitzer?«

»Das könnte dir so passen, was?«, fragt sie und stemmt eine Hand in die Hüfte. »Willst du mich hier mit Dick und Doof alleine lassen? Noch nicht, oh nein. Falls sie dir irgendwelchen Stress machen, weil du Medusa kriegst, schick sie einfach zu mir. Ich werde mit dem Layout beschäftigt sein, aber wenn du mich brauchst, bin ich da.«

Sie ist der Grund, weshalb ich hier bin. Lena ist eine preisgekrönte Reporterin, die sich auf Fälle von Veruntreuung und organisiertem Verbrechen an der amerikanischen Westküste spezialisiert hatte und dann das Pech, sich in Johan zu verlieben, einen Wasserkraftingenieur aus einer schwedischen Kleinstadt. Dieser schwedischen Kleinstadt. Trotzdem scheint sie einigermaßen zufrieden mit ihrem Leben hier, auch wenn sie es so nie ausgesprochen hat.

Ich setze mich und schicke Lars meine bisherigen Artikel per E-Mail. Irgendwo in der Nähe liegt ein Toter in einer Leichenhalle. Was ist, wenn Nils recht hat und Medusa zurück ist? Oder wenn wir eine neue Medusa haben? Was ist, wenn auch die neue Leiche keine Augäpfel mehr hat? Wie zum Teufel nimmt man einer Leiche die Augen raus? Ich schaue auf meinen Bildschirm, und die Überschriften zu fehlerhaften Hausfassaden nehmen sich nahezu lachhaft aus.

Dann rufe ich bei der Polizeiwache gegenüber an. Es geht niemand ran. Ich drücke immer wieder auf Wahlwiederholung, während ich Mossen google, um Namen und sonstige Einzelheiten zu den fünf Haushalten zu bekommen. Das ist das Tolle an Schweden: Steuerunterlagen, Adressen und Telefonnummern sind allesamt öffentliche Informationen.

Wahlwiederholung. Das erste Haus gehört einem Bengt Gustavsson, dem Mann mit dem Wohnwagen. Wahlwiederholung. Das zweite Haus gehört Viggo Svensson, dem hiesigen Taxifahrer; ich erkenne den Namen wieder. Beim dritten Haus mit der Tischlerei sind nur zwei weibliche Bewohner angegeben, Alice und Cornelia Sørlie; das ist ein norwegischer Familienname. Wahlwiederholung. Jetzt ist besetzt, versucht jemand anders durchzukommen, irgendein anderer Schreiberling mit gegeltem Haar und einem dreifachen Latte? Wahlwiederholung. Dann der Ghostwriter, David Holmqvist. Und schließlich Frida und ihr Mann Hannes. Wahlwiederholung. Ich gebe ihre Namen in die Kontaktliste meines Handys ein. Wahlwiederholung.

»Polizeirevier Gavrik, Thord Petterson.«

»Hej, Thord, ich bin’s, Tuva. Guten Morgen. Es ist hoffentlich nicht zu früh, dir einige Fragen zu stellen.«

»Doch, ist es. Der Chef will mittags eine Pressekonferenz geben. Einige Kollegen von dir aus Karlstad und Stockholm sind unterwegs hierher. Bis dahin kann ich leider nicht viel tun.«

»Na gut«, sage ich sehr enttäuscht. »War das Opfer von hier? Könnte ich es kennen?«

»Heute Mittag wirst du reichlich über ihn erfahren.«

Also weiß ich nun, dass es ein »Er« ist.

»Ich habe online gelesen, dass keine Waffe gefunden wurde. Stimmt das?«

»Darauf falle ich nicht herein, Tuva, und mir gefällt nicht, dass du mich auszutricksen versuchst. Jetzt mach du deinen Job, und ich mache meinen. Wir sehen uns heute Mittag.«

Er legt auf.

Eine Viertelstunde später erscheint Lars. Es ist der wichtigste Nachrichtentag in diesem Provinznest seit 1994, und er kommt fünfzehn Minuten zu spät.

»Du übernimmst heute meine Storys. Ich soll mich mit dieser Schießerei beschäftigen. Die Infos sind alle in deinem Postfach. Falls es Fragen gibt, sprich mit Lena.«

»Wusste ich es doch«, sagt Lars und zeigt beim Grinsen zu viel Zahnfleisch und zu wenig Zähne. »Ist mir recht. Alte Nachrichten, lahme Nachrichten, die sind mein Fachgebiet, schon seit dreißig Jahren.«

Er hängt seine Jacke auf und zieht den Reißverschluss seiner Stiefel auf. Dann schlüpft er in Billigturnschuhe, hakt die Klettverschlüsse zu und geht in Nils’ Büro/Küche.

Ich folge ihm.

»Wie waren die Medusa-Morde in den Neunzigern aus deiner Perspektive?«

Lars dreht sich um, während er die Kanne der alten Kaffeemaschine direkt neben Nils’ Yuppie-Rolodex mit Leitungswasser befüllt.

»Suchst du nach einer Exklusiv-Story?«

Ich hocke mich auf die Schreibtischkante.

»Es war grauenvoll, daran erinnere ich mich. Eine Kleinstadt wie diese verlor drei gute Männer, und das ist es, was wir nicht aus dem Blick verlieren dürfen, Tuva. Drei gute Männer starben. Sie hatten Mütter, Nachbarn und Freunde, und wenn ich mich richtig erinnere, hatten sie auch alle Frauen und Kinder. Sie alle hatten unsere Zeitung gelesen, waren durch diese Straße gegangen. Es war traurig und ist immer noch ein Schandfleck auf unserer Stadt.«

»Ich verstehe«, sage ich. »Aber worauf muss ich mich die nächsten Tage gefasst machen?«

»Bleib menschlich, das ist wirklich wichtig, wenn du mich fragst. Lass die Familie und die Freunde des Opfers entscheiden, wann sie was erzählen. Bedränge sie nicht, denn das kriegen sie schon zur Genüge von den Überregionalen und, bei Gott, den Fernsehgeiern. Die Parasiten haben Manpower und Einfluss. Wir nicht. Ich erinnere mich, dass einige von denen damals in den Neunzigern bei Politikern in Karlstad und sogar dem Gerichtsmediziner ein paar Strippen zogen. Die mögen einige Exklusivmeldungen bekommen haben, aber wir hatten die Innenansicht. Vergiss das nicht. Wir sind mittendrin, kennen jeden und sämtliche Zusammenhänge. Das heißt auch, dass wir hier in Gavrik bleiben, wenn sich der Sturm gelegt hat, während sich die Stockholmer Clowns einfach verziehen. Sie gehen, wir bleiben, und wir müssen mit den Familien zusammen einkaufen, neben den Angehörigen parken, was noch ein Grund ist, weshalb wir anständig berichten sollten.«

Nils kommt und bleibt in der Tür zu seinem Büro stehen.

»Was wird das hier?« Sein stacheliges Haar glänzt vor Gel. »Darf ich vielleicht an meinen Schreibtisch? Einige von uns haben zu arbeiten.«

Ich stehe auf und übernehme seinen Platz an der Tür, doch Lars fährt mit dem Kaffeekochen in seinem Tempo fort.

»Was hast du gehört?«, fragt Nils mich. »Was hast du rausgefunden?«

»Bisher nicht viel. Ich vermute, das Opfer ist männlich, aber das ist auch schon alles. Ich will gleich noch mal nach Mossen, und mittags gibt es eine Cop-Show gegenüber.«

»Und du schimpfst dich professionelle Reporterin«, sagt er und lehnt sich grinsend in seinem Ledersessel zurück. Durch sein blassgelbes Hemd sehe ich Kringel von dünnem Haar um jede seiner Brustwarzen. Er dreht den Kopf zu Lars. »Was ist mit dir, alter Hase? Weißt du, wer gestern vor seinen Schöpfer getreten ist?«

Wir beiden starren Nils an.

»Oh, wartet, ich bin hier ja bloß der kleine Anzeigenfuzzi. Ich hole nur das ganze Geld rein, damit ihr zwei Nullnummern jeden Monat ein saftiges Gehalt bekommt, sonst nichts, keine große Sache. Ich bin eben der doofe Verkäufer, was weiß ich denn schon?«

Lars nimmt seinen Kaffee und geht zu seinem Schreibtisch.

»Red schon«, sage ich mit Blick auf Nils’ dünne, spröde Lippen.

»Freddy Malmström, jedenfalls sagen das alle. Lottas Badminton-Partner wohnt nebenan von den Malmströms unten bei der Loipe. Freddy ist ein netter Kerl, unterrichtet Mathe, glaube ich, vielleicht auch Chemie oder Physik. Na ja, er ist gestern Abend nicht nach Hause gekommen, klar? Ging mit seinem Hund auf die Jagd und hat es nicht mehr zurück nach Hause geschafft. Weder er noch der Hund. Deshalb tippe ich, dass er es sein muss.«

»Ach du Scheiße. Ein Lehrer?«

»Du zitierst mich aber nicht, kleine Starreporterin, klar? Das bleibt unter uns, ja? Haben wir uns verstanden?«

Ich gehe raus und klopfe an Lenas Tür. »Hast du einen Moment?«

Sie sitzt an ihrem Computer und schiebt Trauer- und Geburtsanzeigen für die morgige Zeitung hin und her. Mitsamt der Blumen und Engel, die wir für beide nutzen.

»Sagt dir der Name Freddy Malmström was?«, frage ich.

»Den habe ich schon mal gehört. Ist das nicht der Sohn von Phil Malmström?«

Ich reguliere die Lautstärke an meinem rechten Hörgerät. »Keine Ahnung.«

»Früher wurde mal getratscht, dass Phil Malmström zur hiesigen Pokerrunde gehörte. Er starb einige Jahre, bevor ich in die Stadt kam, aber die Leute redeten noch über ihn. Gemeinderatsvorsitzender oder so. Muss wichtig gewesen sein, einen Platz am Pokertisch zu ergattern. Das Pokern hörte schon vor Jahren auf, aber vielleicht ist dieser Freddy sein Sohn.«

»Ich fahre nach Mossen und sehe, wer da ist. Ich frage die Leute nach Freddy. Mal abwarten, was ich erfahre.«

»Pass da oben auf dich auf, okay?«

»Weil ein Mörder frei herumläuft? Danke, das weiß ich.«

»Vor Jahren bin ich mal mit Johan zum Pilzesammeln in den Wald«, sagt Lena. »Er ist berühmt für seine üppigen Pilze, und in dieser Jahreszeit sind da lauter Pilzsammler. Als wir dort waren, war es noch September, heller als jetzt und nicht so nass. Jedenfalls sind wir den weiten Weg in den Wald gefahren und, als wir ankamen, sofort wieder umgekehrt, ohne auch nur aus dem Wagen zu steigen.«

6

Die Anzeige an meinem Armaturenbrett verrät mir, dass es drei Grad über null sind. Ich fahre zwischen dem McDonald’s und dem Supermarkt hindurch, die beiden Orientierungspunkte, an denen Gavrik anfängt und endet, und nehme die Ausfahrt unter der Schnellstraße E16 hindurch mit den Lastwagen, die hiesige Papierfabriken und die Städte weiter im Norden beliefern. Es sind keine anderen Wagen unterwegs und auch keine Katzenaugen mehr im Asphalt.

Der Himmel ist so weiß wie Druckerpapier. In der Ferne kann ich die Fichten sehen, die den Rand des Utgard-Waldes markieren. Dort gibt es keinen Zaun; die Fichten allein genügen schon.

Es ist kurz nach zehn Uhr morgens, als ich das unkrautüberwucherte Schild nach Mossen ausmache und rechts auf den Schotterweg abbiege. Bei Tageslicht ist es weniger unheimlich, zumindest auf diesem Abschnitt, der breit genug ist, dass zwei Trucks aneinander vorbei passen. Nach wenigen Kilometern sehe ich das erste Haus im Dorf und hoffe, dass Bengt Gustavsson, neunundsechzig Jahre alt und im Ruhestand, daheim ist. Das Haus ist mit vertikalen weißen Brettern verkleidet, die indes eine grünliche Schicht angenommen haben. Ich vermute, dass sie von Pollen rührt, doch es könnte auch irgendein Schimmel sein. An der Hausfassade kringelt sich Efeu empor, der aus den schiefen Gehwegplatten sprießt, von denen einige gesprungen sind. Ich bleibe eine Weile im Wagen und esse die letzten drei Weingummis in der Tüte, zwei orange und ein gelbes, die nicht schlecht schmecken. Dann stecke ich mein Handy in die Jackentasche, betrachte das Haus vom Fahrersitz aus, kann aber niemanden sehen. Links von mir ist der efeuüberwucherte Eingang, wo Windspiele vom Verandadach hängen. Rechts sind ein Wohnwagen auf Backsteinen, ein Hühnerstall und ein frisch angelegtes eingezäuntes Gemüsebeet. Die Hühner wirken, als hätten sie ein besseres Leben als ihr Besitzer. Das Gemüse sieht aus wie aus dem Bilderbuch. Weiter hinten ist ein Holzschuppen, der auch ein Gewächshaus oder etwas Ähnliches sein könnte, jedenfalls eine kleine Hütte mit einem in die Tür geschnittenen Herz.

Ich hüpfe aus meinem Truck und lande im Matsch, der mir sofort auf die Jeans spritzt. Die Luft ist eher feucht als kalt, und hier im Wald ist es vollkommen still. Nicht mal ein Lüftchen weht.

»Hallo?«, rufe ich. »Herr Gustavsson?«

Meine Hörgeräte erzeugen ein Echo, deshalb justiere ich sie. Es kommt keine Antwort außer dem scheppernd gedehnten Schimpfen einer Krähe, und ich gehe auf die Haustür zu. Die vertikalen Metallstangen des Windspiels hängen regungslos in der feuchten Luft. Ich vermute, dass es so etwas wie eine Klingel darstellen soll, und tippe es an. Der Lärm ist scheußlich. Schrilles Bimmeln und hallende Gongschläge attackieren meine Hörgeräte, dass es in meinem Kopf schmerzt. Die Haustür ist offen – das heißt, nicht richtig offen, aber unverschlossen. Ich klopfe an, bevor ich die Tür aufschiebe, doch sie lässt sich nur wenige Zentimeter weit öffnen, gerade so weit, dass ich meinen Stiefel in den Spalt bekomme, mehr nicht. Ich drücke und fühle, dass etwas Schweres auf der anderen Seite die Tür blockiert. Etwas übt Gegendruck aus. Der Spalt ist breit genug, dass ich meinen Kopf hindurchstecken kann, was ich tue.

Drinnen ist es finster. Es brennt kein Licht, und die Fenster sind so verdreckt, dass sie ebenso gut Wände sein könnten. Aber ich kann Dinge sehen. Mein Kopf ist drinnen, der Rest von mir draußen. Das Haus ist vollgestellt mit Krempel: mit Schnur gebündelte Zeitungsstapel, die an den Wänden am höchsten sind, teils sogar die Decke erreichen wie Säulen, die alles aufrecht halten. In der Mitte des Raumes sind hier und da Dielen sichtbar, jedoch nur in Flecken, ähnlich Trittsteinen, die sich durch das Chaos schlängeln.

Die Tür gibt immer noch nicht weiter nach, und ich kann nicht sehen, was sie blockiert, deshalb gehe ich zurück zum Truck und hole die Kamera. Ich bin ein wenig besorgt, dass der alte Mann hinter der Tür umgekippt sein könnte. Oder gar, nun ja … Ich habe schon von solchen Vorfällen berichtet, von alten Menschen, die Wochen nach ihrem Tod gefunden wurden, gestürzt und ausgemergelt inmitten Haufen von Post und Werbung, und deren Nachbarn lediglich der Gestank auffiel. Wenigstens riecht es hier drinnen nur feucht und staubig. Ich strecke die Kamera durch den Türspalt, winkle den Arm an und mache ein Foto. Der Blitz erhellt den Raum, und es ist weit schlimmer, als ich dachte. Hier häuft sich der Müll einer ganzen Kleinstadt.

Als ich die Kamera zurückziehe, um aufs Display zu sehen, greift eine Hand von hinten an meinem Gesicht vorbei, packt die Türklinke und zieht die Tür zu.

Ich drehe mich um.

Es ist ein Mann. Er sieht mich mürrisch an und ist mir viel zu nahe.

»Mein Gott, Herr Gustavsson?« Bleib ruhig, es ist bloß ein alter Mann. »Verzeihung, die Tür war offen. Ich dachte … Hallo, ich bin Tuva Moodyson vom Gavrik Posten

Er leckt sich die Lippen und hält mir die Hand hin. Sie ist sauber, sehnig und von Altersflecken übersät.

»Freut mich, Tuva Moodyson. Du hast alles gesehen, nicht wahr? Hast du dich gut umgesehen, ja? Da drinnen ist die Arbeit eines ganzen Lebens, aber nicht sortiert, überhaupt nicht sortiert. Ich muss noch eine Menge ordnen.«

Ich schlucke, atme langsamer und gehe von der Veranda in den Garten, weil es sich an der Tür auf einmal zu eng anfühlt und ich nicht zu dicht am Efeu oder dem Windspiel sein will, falls es wieder bimmelt.

»Ich schreibe einen Artikel über die Leiche, die gestern Abend im Wald gefunden wurde, und hatte gehofft, dass ich mit den Dorfbewohnern reden kann, damit ich erfahre, wie sie die Dinge sehen.«

Er nickt, was aber direkt in ein Kopfschütteln übergeht. Seine Ohren sind so groß wie Koteletts. Er streicht sein langes graues Haar hinter sie und kneift sich in die Nasenspitze.

»Das ist eine böse Sache. Ich bin grundsätzlich gegen das Töten von Lebewesen, aber vermutlich weißt du das schon.«

Er sieht mich an, als wartete er auf eine Reaktion.

»Ich denke, du erkennst mich, nicht? Ich erkenne dich, Tuva Moodyson.«

Ohne es zu wollen, reiße ich die Augen weit auf. Ich glaube nicht, dass ich ihn schon mal gesehen habe.

Er geht in Richtung Wohnwagen. Ich bemerke, dass er weiße Socken und schwarze Sandalen trägt. Dann zieht er ein Plakat an einem Holzstab hervor. Ah, okay, jetzt erkenne ich ihn. Das Plakat zeigt ein Farbfoto von einem Kaninchen, dem etwas in die Augen injiziert wird. Bengt Gustavsson ist der hiesige Tierschutzaktivist.

»Ich bin ziemlich bekannt in dieser Gegend, würde ich sagen. Ich bin auf einem Kreuzzug, jedenfalls nenne ich es so, und deshalb habe ich keine Zeit, die Archive im Haus zu ordnen, zumindest noch nicht. Vielleicht in diesem Winter. Die Archive sind wichtig, aber wehrlosen Tieren zu helfen, hat Priorität, meinst du nicht auch?«

Ich nicke lächelnd.

»Eine Tasse Tee?«

Ich will meine Stirn nicht runzeln, doch es passiert.

»Ha!« Er lacht laut und kratzt sich am Ohr. »Ich meine nicht da drinnen. Ich wohne bis auf Weiteres im Wohnwagen. Komm mit.«

Ich folge ihm zu dem glasfaserverkleideten Wohnwagen; darunter liegen lauter Plakate und Banner zwischen den Steinen, auf die der Wagen aufgebockt ist. Verstohlen linse ich auf meine Kamera, was hinter der Tür gewesen sein mag. Das Bild ist verschwommen, aber ich kann ein braunes Ledersofa unter Stapeln von gelben National Geographic- und

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