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Tom und Tina und die Sturmflut

Tom und Tina
und die Sturmflut

Band 1

Eine Geschichte für Kinder
ab 10 Jahre

von

ELEONORE SCHMITT

Inhaltsverzeichnis

1 Hilfe

2 Auf zu neuen Ufern

3 Sturmwarnung

4 Eine gefährliche Entscheidung

5 Der Geheimklub

6 Das Abenteuer beginnt

7 Die Flut kommt

8 Überraschung

9 Getöse im Glockenturm

10 Zwei unerwartete Gäste

11 INA

12 Gefangen!

13 Es schlägt „13“

14 Ratlos

15 Hilferuf aus der Kammer

16 Die Schlinge zieht sich zu

17 Das Blatt wendet sich

18 In letzter Minute

19 Wieder im Glockenturm

20 Probealarm

21 Es wird ernst

22 Verbrecherjagd

23 Abschied

Image

1 HILFE!

"Tina, mach schnell! Wir haben keine Zeit mehr!" Frau Hellmeyer schaute ungeduldig auf ihre Uhr. Wenn sie nicht bald abfuhren, kamen sie zu spät zum Sport.

Da entdeckte sie in der Garderobennische einen Pappkarton, der mit ausrangierten Spielsachen gefüllt war und schon längst in den Keller gebracht werden sollte. Mit einem erneuten Blick auf die Uhr sagte sie sich: ‚Das schaffe ich noch, bis das Mädchen endlich fertig ist!‘

Sie hob den Karton hoch und balancierte ihn ein wenig aus, da er rechts viel schwerer wog als links.

'Da liegen sicher die Inlineskater, während sich auf der anderen Seite die Stofftiere tummeln!', überlegte sie.

Sie kam sich vor wie eine Seiltänzerin mit einer Stange, mit der sie das Gleichgewicht halten musste. Jetzt aber los. Sie eilte zur Treppe und versuchte gleichzeitig, an dem sperrigen Teil vorbei zu schauen, was ihr allerdings nicht gelang. Also verlangsamte sie ihr Tempo, bis sie den Treppenanfang erreichte. Dort ging sie langsamer und fühlte vorsichtig – wieder wie ein Artist auf dem Seil - mit dem Fuß den ersten Absatz. Bedächtig stieg sie hinab.

Doch dann passierte es: Sie verpasste eine Stufe und trat ins Leere - dabei verlor sie jeden Halt. Mit einem lang gezogenen "Neiiiin!" stürzte sie in die Tiefe.

Im Fallen ließ sie geistesgegenwärtig ihre Last los und versuchte, sich am Geländer festzuhalten. Aber es war zu spät. Mit lautem Getöse flog die Kiste den Treppenschacht hinunter, landete auf dem Kellerboden und verteilte ihren Inhalt auf dem grauen Estrich. Frau Hellmeyer selbst schlug auf dem untersten Treppenabsatz auf. Schwarze Nacht breitete sich in ihr aus …

Tina hörte das Gepolter und den Schrei ihrer Mutter. Dann war es still. Viel zu still.

"Mama?!" Sie rannte zur Kellertreppe. Unten sah sie ihre Mutter zwischen Rollschuhen, Teddys und einem Memoryspiel liegen. Sie rührte sich nicht. Tina sprang die Stufen hinab und beugte sich in panischer Angst zu ihr herunter. Ihre Mutter atmete, wenn auch nur stoßweise. Aber sie war bewusstlos.

Tina wusste, dass sie nun schnell zu handeln hatte. Die Gedanken jagten ihr durch den Kopf. Was war jetzt das Wichtigste? Wer konnte helfen? Ein Notarzt musste her!

Sie raste wieder hoch in die Wohnung, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, und schnappte sich das Telefon.

"Wie heißt denn die Nummer?!" Verzweifelt stampfte sie mit dem Fuß auf und suchte in ihrem Gedächtnis, aber vor lauter Aufregung fiel ihr kein Fünkchen mehr ein. Ihr Gehirn kam ihr vor wie ein ausgeräumtes Zimmer: nur Leere, absolute Leere. Da war im Moment nichts zu holen.

Eilig lief sie aus der Wohnung und die Treppe zum ersten Stock hinauf. Gleich einem gejagten Tier, in Angst und Panik, kam sie oben an und hämmerte wild gegen die Tür ihrer Nachbarn. Sekunden verstrichen, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen. Hoffentlich hielt ihre Mutter durch, bis Hilfe kam! Hoffentlich hatte sie keinen schlimmen Schaden erlitten!

Endlich öffnete sich die Tür. Tom, ihr Freund, sah sie an und wusste sofort, dass etwas Furchtbares passiert sein musste.

Doch bevor er Tina fragen konnte, schob sie ihn hastig beiseite und rief: "Wo ist deine Mutter? Sie muss mir helfen!"

Frau Johnson knetete gerade Teig für ein Blech mit Muffins, als sie die vor Angst bebende Stimme hörte. Die Hände an ihrer Schürze abwischend lief sie zur Tür und fing Tina auf, die bereits durch den Flur stürmte.

"Was ist denn los?" Fürsorglich nahm sie das Kind in den Arm und schaute auf deren banges Gesicht.

"Meine Mama ist die Treppe runter gestürzt!" Schluchzend erzählte Tina, wie sie ihre Mutter vorgefunden hatte.

Schnell begriff Frau Johnson, was passiert war und alarmierte den Rettungswagen. Danach begleiteten Tom und sie das Mädchen in den Keller, um Frau Hellmeyer nicht allein zu lassen und ihr vielleicht doch irgendwie zu helfen. Aber die Nachbarin lag immer noch bewusstlos auf dem Treppenabsatz.

"Es ist besser, wenn wir sie nicht bewegen. Falls sie sich das Genick gebrochen hat, könnte das sehr gefährlich für sie sein."

Bei diesen Worten fing Tina erneut an zu weinen. Tom, der zwar gleichaltrig war, Tina allerdings um mindestens einen Kopf überragte, legte seinen Arm um ihre Schultern. Wie gut tat das dem Mädchen! Ihr wurde bewusst, wie wertvoll ihr die Freundschaft mit dem dunkelhäutigen Jungen war.

Nicht lange danach hörten sie das Martinshorn immer näherkommen. Frau Johnson stieg wieder ins Erdgeschoss und trat in dem Moment vor die Haustür, als der Krankenwagen vor dem Haus eintraf. Ihm folgte auch schon der Notarztwagen. Sie winkte den Rettungskräften, mit ihr zu gehen.

Nachdem der Arzt und die Sanitäter alles Weitere in die Hand nahmen, erfolgte die Versorgung von Tinas Mutter sehr professionell und zügig. Bald wurde sie mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren. Dort stellte man einige komplizierte Knochenbrüche fest. Die Prognose lautete: "Mehrere Operationen, Krankenhausaufenthalte und Rehabilitation". Es würde Monate dauern, bis Frau Hellmeyer wieder gesund zu Hause sein und normal leben konnte.

Inzwischen hatte Frau Johnson Tinas Vater benachrichtigt. Erschüttert standen er und seine Tochter am Abend vor dem Krankenhaus. "Was soll nur aus dir werden?", fragte er sie. In Wirklichkeit stellte er die Frage eher sich selber: Ja, was sollte aus Tina werden? Er musste jeden Tag zur Arbeit und wollte danach auch seine Frau in der Klinik besuchen ... Und wer konnte sich um sein Kind kümmern?

2 AUF ZU NEUEN UFERN

Herr Hellmeyer machte es sich nicht leicht. Er wollte für Tina sorgen, aber das ging beim besten Willen nicht allein. Auch kam es für ihn nicht infrage, dass sie durch diesen Unglücksfall in der Schule zurückgeworfen wurde.

Die rettende Idee kam ihm durch eine Anzeige in der Zeitung:

"Das Inselinternat hat noch zwei Plätze frei."

Gemeint war eine Schule auf einer der nordfriesischen Inseln.

"Tina, wie wäre es, wenn du für ein Schuljahr dorthin gehst?", fragte Herr Hellmeyer seine Tochter.

"Das gefällt mir ganz und gar nicht!", war ihre etwas patzige Antwort. Seitdem die beiden zu Hause allein zurechtkommen mussten, waren ihre Nerven gespannt wie ein Flitzebogen und es kam immer wieder zu unerfreulichen Reaktionen. Es war, als ob eine Entspannung nur durch den Abschuss eines Pfeiles möglich war - eines Pfeiles aus unfreundlichen Worten oder Gesten. Dieses Geschoss traf den anderen und verletzte ihn. Eine unschöne Situation, unter der beide litten.

Was konnte Tina machen? Keines ihrer Argumente, die sie anbrachte, überzeugte ihren Papa. Im Gegenteil, er beschrieb ihr ihre neue Umgebung in den prächtigsten Farben:

"Du darfst am Meer wohnen! Die Schule liegt auf einer Insel in Norddeutschland, mitten in der Natur. Dort kannst du an den Strand gehen, den Hafen besuchen oder nach Herzenslust Fahrrad fahren. Es gibt da nämlich keinerlei Autoverkehr!"

Tina allerdings war wenig begeistert und schüttete ihr Herz kurze Zeit später bei ihrem Freund aus: "Es ist eine Katastrophe, dass meine Mutter wegen des Unfalls für Monate nicht zu Hause sein kann! Und nun soll ich auch noch ganz allein von daheim fort. Auf so einer Insel vereinsame ich doch erst recht!"

Tina kam sich vor wie ein Vögelchen, das vorzeitig aus dem Nest in die fremde Welt gestoßen wurde. Dabei fühlte sie sich noch gar nicht flügge.

So richtig verzweifelt war sie. Jetzt kam sie sich wirklich einsam vor, weit mehr, als wenn sie alleine zu Hause geblieben wäre. Aber sie sah ein, dass es im Moment keine bessere Lösung gab.

Sie tat Tom sehr leid. Er überlegte fieberhaft, wie er ihr helfen konnte.

Eines Tages sah er die Anzeige des Internats auf dem Wohnzimmertisch der Hellmeyers liegen: "Das Inselinternat hat noch zwei Plätze frei." - und bekam den rettenden Einfall. Eine Idee, die typisch für den Jungen mit dem schwarzen Lockenkopf ist: Immer denkt er zuerst an andere, bevor er sich um sich selbst kümmert.

Seinen überraschten Eltern teilte er kurz entschlossen mit: "Ich begleite Tina auf die Insel!" Inständig hoffte er auf ihre Zustimmung, die zum Glück nicht ausblieb.

Zu zweit das Nest zu verlassen war mehr, als nur die Einsamkeit zu halbieren. Tina erlebte, wie tröstlich es war, jemanden an ihrer Seite zu wissen.

Diese Entscheidung von Tom zeigt, dass die beiden nicht nur Nachbarskinder sind, sondern auch unzertrennliche Freunde – wobei sie oft die abenteuerlichsten Geschichten zusammen erleben.

Wie würden sich die beiden wohl gegenseitig beschreiben? Lassen wir erst einmal Tom zu Wort kommen, denn was das Mundwerk betrifft, so ist ihm das Mädchen eindeutig überlegen.

"Tina ist für ihre 13 Jahre nicht besonders groß na ja, sie ist ungefähr nur halb so lang wie ich." Während der Junge das sagt, zwinkert er spitzbübisch mit den Augen. "Sie ist äußerst pfiffig! Sie hat schon so manches Mal den Satz gehört: 'Klein, aber oho!' Und das bedeutet, dass ihr Umfeld immer wieder von ihr überrascht ist. Gerade so wie bei einer Ameise, die eine Tannennadel schleppt, die weit größer ist als sie selbst. Eben: klein – aber oho!"

Spätestens jetzt fällt Tina ihrem Freund ins Wort und erklärt: "Tom geht es genau umgekehrt. Da er bereits so hoch aufgeschossen ist wie ein ausgewachsener Mann, erwarten manche Menschen, dass er tatsächlich genauso viel kann wie sie oder dass er total vernünftig reagiert. Doch als Teenager ist man nicht erwachsen! Und so muss er sich oft die Klage: 'Das kannst du noch nicht?' anhören. Das ist manchmal echt niederschmetternd und frustrierend für ihn. Wer will in diesem Alter gerne wie Winnie Puh wirken?" Freundschaftlich stupst sie ihm mit ihrem Ellenbogen in die Rippen und lacht ihn an.

Gemeinsam sind die beiden ein exzellentes Team. Was Tina wegen ihrer Ungeduld nicht zustande bringt, macht Tom durch seine ruhige, bedachte Art wieder wett. Und wo Tom auf den Mund gefallen ist und die richtigen Worte nicht so schnell findet, da hilft Tina gekonnt aus.

So traten die Zwei ihre Reise Mitte September an. Den letzten Teil legten sie mit der Fähre zurück. Bei herrlichstem Sonnenschein brachte sie anschließend die schuleigene Kutsche vom Hafen bis zum Internat.

"Ich finde es toll, dass hier ein allgemeines Pkw-Verbot besteht." Tina begeisterte sich zunehmend für die Fahrt mit dem Pferdefuhrwerk. Tom gab ihr Recht: "Es ist viel gemütlicher!"

Er beobachtete am tiefblauen Himmel ein paar Möwen. Die Schreie dieser weißen Wassersegler mit den schwarz-grauen Köpfen hörte man weithin und sie vermischten sich mit dem Rauschen der Wellen zu der charakteristischen Hintergrundmusik der Küstenlandschaft.

"Was für ein Gegensatz zu dem Motor- und Hupkonzert unserer Stadt!", dachte er laut.

Tina schaute ihn von der Seite fragend an, was er wohl damit meinte. Aber sie war es gewohnt, dass er manche Gedanken nur zur Hälfte aussprach. Den Rest reimte sie sich selbst zusammen. So auch jetzt. Sie folgte seinem Blick zum Himmel und empfand ebenfalls mit einem Mal die wohltuende Stille.

Ob das Leben hier immer so beschaulich war? Was wird sie beide erwarten, wenn sie gleich ankommen?

Diese Überlegungen beendeten abrupt die wohlige Ruhe. In den vorher so friedlichen Augenblick mischte sich auf einmal Aufregung - so wie ein Löffel Salz einen leckeren Pudding verdirbt. Tina rutschte nervös hin und her.

"Ich werde echt seekrank, falls du weiterhin neben mir so zappelst!", neckte Tom sie.

Hinter der nächsten Biegung sahen sie das weiße Internatsgebäude. Hufeisenförmig schmiegte es sich in die Dünenlandschaft und hieß sie willkommen.

Die zwei Freunde zeigten sich angenehm überrascht von dem weitläufigen Gebäude. Wenn die Bewohner ebenso offen und einladend waren, konnte es eine gute Zeit werden.

Kaum hatten sie ihre Koffer abgeladen, als auch schon die Hausmutter, Frau Eckard, durch die gläserne Foyertür trat. Sie steuerte auf die Kinder zu und begrüßte sie herzlich.

"Woher weiß die Frau, dass wir Neuankömmlinge genau in diesem Augenblick erscheinen?", wunderte sich Tina. Später stellte sie fest, dass das natürlich mit dem allseits bekannten Fährplan zusammenhing – aber ebenso mit einer typischen Gabe der Hausmutter: Mit einem warmherzigen, sechsten Sinn ausgestattet, spürte sie, wo Hilfe nötig war und tauchte immer im richtigen Moment auf. Sie war der Engel in diesem Schul- und Wohnbetrieb und achtete darauf, dass die Schüler sich heimisch fühlten.

So auch jetzt. Im Schlepptau hatte sie Judith. "Hier ist deine Zimmergenossin! Und das", sie zeigte auf einen schmächtigen Jungen, "i

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