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Tödliches Vertrauen

Jutta Wölk

Tödliches Vertrauen

BoGina Tales - Crime/Thrill





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Hinweis

 

 

 

 

Die Shortstory ist frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit Personen, Namen und Handlungen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Neufassung

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Was mache ich nur falsch, fragte sich Verena, während sie sich nach der Arbeit deprimiert auf den Bürostuhl vor dem Schreibtisch setzte. Gewohnheitsmäßig drückte sie den Schalter am Laptop und wartete, bis der Rechner hochgefahren war. In der kurzen Liste der Favoriten fand sie schnell den gesuchten Link und klickte ihn an. Als sich die Internetverbindung aufgebaut hatte, loggte sie sich in der Plattform für Singles ein.

Seit die Beziehung zu Reiner, ihrer großen Liebe, vor etwa zwölf Monaten in die Brüche gegangen war, fühlte sie sich hundeelend. Sie befürchtete sogar, dass der Zug für sie abgefahren wäre. Die Zweiundvierzigjährige suchte beinahe verzweifelt im Internet nach dem Richtigen, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen könnte. Wo hätte sie sich auch sonst umsehen sollen? All ihre Freunde waren verheiratet, da blieb ihnen kaum Zeit, mit ihr durch die Gegend zu ziehen, um ihren Traummann zu finden.

Drei Jahre hatte Verena Reiner die Treue gehalten und sich ausschließlich nach ihm gerichtet. Hatte er keine Lust auszugehen, machten sie es sich daheim behaglich. Warum Essen gehen, wenn es zu Hause auch gut schmeckte? Kino- oder Theaterbesuch, wozu? Im Fernsehen gab es genügend gute Filme. Außerdem war es seiner Ansicht nach auf dem Sofa viel gemütlicher. Da konnte man ausgiebig schmusen und sich Lust auf mehr holen.

Sehnsüchtig hatte Verena auf seine Rückkehr gewartet, sobald er auf Geschäftsreise ging, was ziemlich häufig vorgekommen war. Immer hatte sie davon geträumt, dass er mit einem Verlobungsring zurückkäme, vergeblich. Sie hatte sich danach gesehnt, seine Frau zu werden, aber er wollte eine perfekte Beziehung nicht durch eine nichtssagende Urkunde zerstören, wie er ihr vorgeheuchelt hatte. Wie dumm und naiv sie doch gewesen war. Für ihn hatte sie sich sogar aus dem Familien- und Freundeskreis zurückgezogen. Sie hatte einem Mann blind vertraut, der sie jahrelang belogen und betrogen hatte.

Dass er sie gar nicht heiraten konnte, hatte sie vor etwa einem Jahr zufällig entdeckt. Sie hatte nur sein Jackett in die Reinigung bringen wollen und zuvor die Taschen durchgesehen. Da war ihr dann ein Brief in die Hände gefallen, der an das Ehepaar Berger gerichtet war. Sie hatte geglaubt, sich verlesen zu haben und die Namen wieder und wieder studiert. Als sie ihn am selben Abend zur Rede gestellt hatte, fand er zunächst keine Worte. Dann hatte er ihr gebeichtet, verheiratet zu sein und beteuert, sich scheiden zu lassen. Verena hatte ihm nicht geglaubt und ihn hinausgeworfen, obwohl ihre Welt zusammengebrochen war.

 

Ein leises ›Ping‹ lenkte ihre Aufmerksamkeit auf den Laptop.

›Hi Angel42, Lust auf ein wenig Small Talk?‹, las sie in dem kleinen Fenster, das sich auf dem Bildschirm geöffnet hatte.

Der Smiley am Ende der Frage brachte sie zum Lächeln. ›Warum nicht.‹

›Das freut mich. Ich bin Rainer, Rainer Borchert. Hast du auch einen richtigen Namen, oder soll ich dich mit Angel42 anreden?‹

Zwar schrieb sich dieser Rainer mit ›ai‹, doch schon die Namensgleichheit ließ ihr Herz einen Hüpfer machen. Mit flinken Fingern tippte sie die Buchstaben ihres Vornamens ein.

›Nett, dich kennenzulernen, Verena.‹

Die Neugier auf ein Foto von ihm in seinem Profil war groß. Andererseits hatte sie sich fest vorgenommen, sich nicht noch einmal von einem attraktiven Äußeren blenden zu lassen. Seit der Trennung von ihrer einstigen Liebe war sie zweimal auf gut aussehende Typen reingefallen, die sie auf anderen Plattformen kennengelernt hatte. Die Ernüchterung war auf dem Fuße gefolgt. Wie sie feststellen musste, waren diese Mistkerle nur auf sexuelle Abenteuer aus gewesen. Und ein drittes Mal wollte sie nicht ausgenutzt werden.

Inzwischen hatte sie gelernt zu unterscheiden. Diejenigen, die sich nur amüsieren und nach Beute für einen One-Night-Stand suchten, redeten meistens nicht lange um den heißen Brei herum. Andererseits war es ziemlich schwierig, die vermeintlich Guten aus dem Wust von Spinnern ausfindig zu machen. Der eine oder andere hatte sich erst nach mehrmaligem Telefonieren als Arschloch entpuppt.

Wie sie zudem herausgefunden hatte, ließ sich manche Heimlichkeit leichter mit einem unsichtbaren User diskutieren, als mit einem Freund, dem man in die Augen sah. Verena hatte sich öfter dabei ertappt, aus dem Nähkästchen zu plaudern, ohne ihren Gesprächspartner näher zu kennen. Dennoch sagte sie sich, dass derjenige ihren echten Namen ja nicht kannte und nicht wusste, wer sie wirklich war. Peinlich würde es nur dann, wenn man sich auf ein Treffen einließ und plötzlich einem Nachbarn, Bekannten oder Arbeitskollegen gegenüberstand. Oder schlimmer noch, man war miteinander verwandt. Bisher hatte sie Glück gehabt.

 

Bevor sie sich auf das Profil des Unbekannten stürzte, wollte sie seinen Charakter zumindest ansatzweise hinterfragen, obwohl sie sich darüber im Klaren war, dass es im Chat kein richtiges Kennenlernen gab. Zu ihrer Freude zeigte dieser Rainer echtes Interesse, war nicht aufdringlich und stellte nicht zu viele persönliche Fragen.

U

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