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Tödlicher Gruß

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Prolog
  7. Friedhof Henstedt-Ulzburg, November 1995
  8. November 2015
  9. Draußen vor der Tür
  10. Zuhause
  11. Im Bestattungsinstitut, einen Tag später
  12. Zuhause, am Abend
  13. Draußen vor der Tür
  14. Fundort von Frau Schmadtke, wenig später
  15. Zu Hause, kurz vor Mitternacht
  16. Bestattungsinstitut Weidener
  17. Unbekannter Ort, unbestimmte Zeit
  18. Eine Tankstelle, Mitternacht
  19. Im Hamburger Norden
  20. Norderstedt
  21. Am Treffpunkt in Ellerau
  22. Kurz darauf am Treffpunkt
  23. Waldstraße 154, nach Mitternacht
  24. Geisterstunde
  25. Waldstraße 154, etwas später
  26. In der Dunkelheit
  27. Lukas Försters geheimes Zimmer in tiefer Nacht
  28. Sandy
  29. Friedhof Henstedt-Ulzburg, in der Nacht
  30. In der Dunkelheit
  31. Auf dem Grab, in tiefer Nacht
  32. Nicht weit weg in einem Auto
  33. Zwei Jahre später
  34. Leseprobe - Killer’s Creek

Über das Buch

Mitten in der Nacht wird der junge Bestatter Armin Weidener zu einem Unfallort gerufen. Während der Notarzt noch versucht, das Leben der verunglückten Frau zu retten, bemerkt Armin, dass aus dem Radio des Unfallwagens immer wieder ein und derselbe Song ertönt.

Als zwanzig Jahre später eine Leiche aus Armins Kühlhalle verschwindet, hört er wieder diesen Song. Zunächst hält Armin alles für einen blöden Streich. Doch schon bald muss er erkennen, dass ihn jemand in eine tödliche Falle locken will. Jemand aus seiner Vergangenheit.

Um sich und seine Familie zu schützen, muss er einer blutigen Spur folgen …

Psycho-Thriller voller »Hochspannung« – die neue Reihe von Bastei Entertainment!

Über den Autor

Vincent Voss studierte Kulturwissenschaften und zehrt beim Schreiben aus seinen Erfahrungen und Eindrücken als Pflegehelfer einer akutpsychiatrischen Einrichtung, Qualitätsmanager, Bodyguard, Call-Center-Agent, Tankwart, Fotografen-Assistent, Bestatter und Geschäftsführer eines Reiseunternehmens.

Im Jahr 2009 nahm er erfolgreich an einer literarischen Ausschreibung teil, die ihm den Start in eine neue künstlerische Gattung eröffnete. Seitdem hat Vincent Voss mehrere Horror-Romane veröffentlicht.

Der Autor lebt als glücklicher Vater dreier Kinder im Norden Hamburgs auf dem Land.

Prolog

Armins Magen rebellierte vor Aufregung. Er hatte ständig das Gefühl, pinkeln zu müssen, und konnte sich nur mit Mühe auf das Fahren konzentrieren. Er schaltete das Radio aus und richtete seine Aufmerksamkeit auf die Straße, während der Sturm totes Laub und verdorrte Zweige gegen die Windschutzscheibe peitschte.

Mein erster eigener Auftrag, ging es Armin durch den Kopf.

Ein Verkehrsunfall. Wahrscheinlich zwei Tote, hatte es am Telefon geheißen.

»Bleib ruhig, Armin«, sagte Günther, der bereits jahrelang als Gehilfe in dem kleinen Beerdigungsunternehmen arbeitete und dem die Nervosität seines jungen Kollegen nicht entging. Er lachte auf. »Nimm dir ein Beispiel an unseren Kunden. Die sind die Ruhe selbst, und zwar für immer.«

»Ich mache trotzdem drei Kreuze, wenn die Nacht um ist.«

»Verstehe ich ja«, sagte Günther. »Ging mir am Anfang genauso.«

Links und rechts der Straße, in den von Sturm gepeitschten Regenschlieren nur schemenhaft erkennbar, wichen die letzten Wohnhäuser Norderstedts immer dichterem Wald. Die Novembernacht schien das Scheinwerferlicht des Bestattungswagens verschlucken zu wollen. Die Straße nach Wilstedt provozierte bei solchem Wetter geradezu einen Unfall.

Die Scheibenwischer quietschten. Durch den Regenschleier konnte Armin in der Ferne Blaulicht ausmachen, das sich auf drei Fahrzeuge verteilte, als er näher kam.

Günther sagte irgendetwas, doch Armin war viel zu aufgeregt, um nachzufragen. Im Schritttempo fuhr er auf die Unfallstelle zu. Ein Personenwagen war von der Straße abgekommen, gegen einen Baum geprallt und auf die Seite gekippt. Ein Streifenwagen sperrte die Straße ab.

Ein Polizist in einem Regencape hielt Armin mit erhobener Kelle an.

Der kurbelte die Scheibe herunter. »Armin Weidener«, stellte er sich vor. »Ich komme vom Bestattungsunternehmen.«

Der Polizist leuchtete ins Wageninnere, nickte Armin schließlich zu und gab den Weg zur Unfallstelle frei. Armin lenkte den Leichenwagen zwischen ein Rettungsfahrzeug des DRK und einen Zivilwagen der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht. Er hielt an, stieg aus und sah zwei Männer, die unter aufgespannten Regenschirmen hinter dem Rettungswagen standen. Beide rauchten; der Zigarettenqualm wehte zu Armin hinüber, gepeitscht von einer Windböe.

Armin zuckte zusammen, als eine Plastikplane sich mit lautem Knall losriss und zu flattern begann. Im Scheinwerferlicht sah er ein Beinpaar in Bluejeans und roten Turnschuhen unter der Plane hervorlugen. Der erste Tote.

Ein Polizist eilte an Armin vorbei und spannte die Plane wieder über den Toten. Dabei blickte er zu Armin auf. »Wer sind Sie?«, wollte er wissen.

»Armin Weidener«, rief Armin ihm durch Wind und Regen zu. »Ich bin der Bestatter.«

»Gut. Den armen Kerl hier können Sie gleich mitnehmen. Die Papiere habe ich im Wagen.«

»In Ordnung. Was ist mit dem anderen?«

Der Polizist deutete auf die Straße. »Eine junge Frau. Sie ist schwer verletzt. Dr. Brückner kämpft noch um sie, scheint aber nicht allzu viel Hoffnung zu haben.«

Armin blickte zu der Stelle. Von grellem Licht bestrahlt, standen dort drei Männer im strömenden Regen über einen leblosen Körper gebeugt und versuchten, ihn wiederzubeleben.

Armin wurde flau im Magen. Als Bestatter in der Ausbildung hatte er es bisher nur mit Leichen zu tun gehabt, nie mit Sterbenden. Mit Menschen, die noch um ihr Leben kämpften. Schon gar nicht mit jungen Leuten in seinem Alter.

»Aber am Telefon war von zwei Toten die Rede«, sagte Armin und ließ suchend den Blick schweifen, ob er etwas übersehen hatte.

Der Polizist steckte die Plane unter dem Leichnam des jungen Mannes fest und schaute erneut zu Armin auf. »Vielleicht haben Sie ja Glück und kommen noch zu Ihren zwei Toten«, sagte er halb spöttisch, halb anklagend. »Aber wenn Sie Pech haben, überlebt die junge Frau.«

Armin erkannte, wie dumm seine Bemerkung gewesen war. »Tut mir leid«, sagte er kleinlaut. »War nicht so gemeint.«

»Schon gut.« Der Polizist erhob sich. »Wie wär’s, wenn Sie den ersten Toten jetzt erst mal einladen würden?«

Armin nickte, ging zum Leichenwagen zurück und holte Günther. Gemeinsam hoben sie die Leiche des jungen Mannes in den Transportsarg. Als dabei die Plane verrutschte, sah Armin, dass der Körper des Toten äußerlich beinahe unversehrt war.

Plötzlich stutzte er. »Hörst du das auch, Günther?«

»Was?«

»Musik.«

Günther hob den Sarg am Kopfende an. »Ja. Ein Radio. Aus dem Unfallwagen.«

Armin schüttelte den Kopf. »Das ist kein Radio. Da läuft immer ein und derselbe Song.« Er schaute zu dem Autowrack hinüber. Er kannte das Lied; es lief auf allen Musikkanälen rauf und runter. Sinead óConnor? Nein, die war es nicht. Und wie kam es, dass der Song immer wieder lief?

Ist nicht dein Problem, sagte er sich. Dein Job sind die Toten, nicht das Unfallfahrzeug. Das ist Sache der Polizei.

Er zuckte der Achseln, hob ebenfalls den Sarg an und hievte ihn gemeinsam mit Günther auf den Rollwagen.

Günther blickte zu der jungen Frau und den drei Männern, die noch immer versuchten, sie ins Leben zurückzuholen. »Sie stirbt«, sagte Günther und setzte das Kopfende des Sarges ab.

Armin drehte sich um, schaute zu den Männern und sah, wie der Körper der Frau zuckte, wie sie krampfartig mit den Beinen trat. Es war ein erschreckendes Bild, aber er konnte den Blick einfach nicht abwenden.

»Vielleicht schafft sie es ja doch«, schöpfte er Hoffnung aus dem, was er sah. »Sieht aus, als würde sie sich wehren.«

Günther schüttelte den Kopf. »Nein, mein Junge, die stirbt. Das ist das Ende.«

In dem Augenblick, als die Beine der sterbenden Frau ein letztes Mal zuckten, fiel Armin der Titel des Songs ein.

***

Er hatte ihr eine ganze Kassette nur mit diesem Song überspielt, und sie hatte ihn im Auto gehört, wieder und wieder. Zombie von den Cranberries.

In your head, in your head, they are crying.

Nun betete er zu allem, was ihm heilig war, dass Sandy es schaffte. Sie war stark, ihr Lachen war stark. Es durfte nicht sein, dass sie starb. So wie Sebastian, genannt Sebi, sein bester Freund. Auch er war stark gewesen. Aber Sebi war tot.

Sebi und Sandy.

Seine Freunde. Seine Liebe.

Es verwirrte ihn, das Geschehen am Unfallort nun aus dem Wald zu beobachten. Warum ging er nicht einfach hin? Schließlich war auch er verunglückt. »Weil sie sich nicht über mich freuen würden«, beantwortete er flüsternd seine Frage, während ihm der kalte Novemberregen übers Gesicht lief, vermischt mit Blut. Er hatte sich irgendwo den Kopf gestoßen. Alles fühlte sich kalt, taub und leer an.

»Sandy«, flüsterte er. Niemand sollte ihn hören. Niemand außer Sandy, die nun den Kopf hob, lächelte und ihm schwach zuwinkte. Er hob die Hand, winkte zurück, weinte. Sandy schaffte es, da war er sicher, sie war stark.

Er sah, dass sie aufstehen wollte. Bestimmt will sie zu mir, schoss es ihm durch den Kopf. Er straffte sich, bog die Äste zur Seite, wollte ihr entgegen, als er die beiden Männer sah. Sie schoben einen Sarg vor sich her, blieben neben Sandy stehen und hoben sie hinein.

Sandy, in den Armen der Männer, warf ihm einen letzten Blick zu.

»Ich liebe dich«, flüstert er und empfand ein schreckliches Gefühl der Hilflosigkeit. Eine Hilflosigkeit, die ihn aufgeilte.

Der Sarg wurde geschlossen und abtransportiert.

Sandy war tot. Getötet worden.

In your head, in your head, they are dying.

Er leckte sich die Hand ab. Sein Ejakulat schmeckte nach Muskat.

Er rannte durch den Wald nach Hause.

Friedhof Henstedt-Ulzburg, November 1995

Die Beisetzung fand auf dem Gemeindefriedhof in Henstedt-Ulzburg auf Wunsch beider Familien am selben Tag, aber nicht zur selben Stunde statt. Sebastian »Sebi« Falkner war um 11 Uhr vormittags beigesetzt worden. Alles war reibungslos verlaufen, und Armin war zufrieden.

Doch Sandra Kästners anschließende Trauerfeier war ihm sehr nahegegangen. Anders als sein Vater es immer gehalten hatte, hatte Armin, nunmehr Chef des Bestattungsunternehmens Weidener, den Hinterbliebenen erlaubt, den Abschied aktiv mitzugestalten. So hatte eine gute Freundin der Verstorbenen Stairway to heaven auf einer Akustikgitarre gespielt, und ihre Freunde hatten eine unkonventionelle Rede gehalten.

Armin hatte mit den Tränen zu kämpfen gehabt.

Jetzt führte er die Trauergemeinde auf dem Weg zum Grab über den Friedhof, schritt am Kriegsmahnmal zwischen hochgewachsenen Eiben hindurch und zählte von da an die Grabreihen. Er war den Weg vorher ein paarmal abgegangen, doch um seinen Orientierungssinn war es so schlecht bestellt, dass er sich jedes zweite Mal verlief und nicht zum Grab fand.

Er verlangsamte seine Schritte und zählte mit. Die siebte Grabreihe musste er rechts einbiegen. Vier, fünf …

War es die siebte? Er schaute an den Eckgräbern entlang und wurde unsicher. Nein, es war nicht die siebte. Die siebte war es vorhin bei Sebastian Falkner gewesen, aber nicht jetzt. Oder doch?

Sein Puls ging schneller, seine Handflächen wurden feucht, doch er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Er wurde noch langsamer, versuchte sich zu erinnern. Umso heftiger erschrak er, als ein junger Mann, ungefähr in seinem Alter, unvermittelt hinter einem Grabstein hervorsprang und ihn mit beiden Armen wegstieß.

»Mörder!«, schrie er. »Du hast sie umgebracht!«

Die Situation gefror. Die nächsten Angehörigen waren vor Schock erstarrt. Freunde und Bekannte, die ihnen folgten, beobachteten fassungslos das Geschehen.

»Was …«, stammelte Armin und stolperte rückwärts über die Gräber.

»Sandy war nicht tot! Du hast sie getötet! Sie hat mir gewunken! Du und der Arzt, ihr habt euch zusammengetan. Ihr und die Bullen! Ihr alle wolltet uns umbringen, aber mich kriegt ihr nicht, ihr Schweine!«

Wie ein Boxer setzte der Angreifer nach, spie Armin seine Anklage ins Gesicht. Armin setzte sich zur Wehr, ließ sich nicht weiter zurückdrängen.

»Sie war tot, verdammt noch mal!«, rechtfertigte er sich. »Der Amtsarzt hat längst den Totenschein ausgestellt, sonst dürfte ich sie gar nicht bestatten!«

Doch seine Worte erreichten den Fremden nicht. Er sprang Armin an, der das Gleichgewicht verlor und stürzte. Dabei schlug er mit dem Kopf auf die steinerne Umrandung eines Eckgrabes.

HOFFNUNG, war in den Stein eingemeißelt.

Das ist die richtige Reihe, schoss es Armin durch den Kopf.

Dann verlor er das Bewusstsein.

November 2015

Im November wurde immer viel gestorben, und es lag viel Arbeit an, sodass Armin zwei zusätzliche Aushilfen eingestellt hatte. Seine letzte Tour für heute führte ihn in die Kühlhalle, wo er sich mit einem befreundeten Bestatter auf dem Friedhof in Hamburg-Diebsteich eingemietet hatte. Er wollte Frau Schmadtke noch ein paar Beigaben von ihrer Familie, vor allem von ihren Enkeln, in den Sarg legen, ehe sie Morgen früh von einem seiner Angestellten in Stade eingeäschert werden sollte.

Armin war von seiner zweiten Filiale in Hamburg-Eimsbüttel aus losgefahren und gut durch den Verkehr gekommen. Nach 22 Uhr war nicht mehr allzu viel los gewesen, nur der dichte Nebel zwang ihn, langsam zu fahren.

Er schloss das Tor auf und fuhr im Schritttempo über den Kiesweg zur kleinen Kapelle. Er konnte kaum fünf Meter weit sehen und erschrak immer wieder vor unerwartet auftauchenden Ästen in ...

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