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TIFFANY HOT & SEXY, BAND 26

MARIE DONOVAN

Königliche Verführung

Als Prinz Giorgio ihr Geschäft betritt, verschlägt es Renata fast die Sprache: Was für ein Mann – den kann sie nicht gehen lassen! Er will ein Brautkleid für seine Schwester, doch Renata will etwas ganz anderes: zügellosen Sex! Zu spät macht sie sich Gedanken darüber, ob es für ein Mädchen wie sie eine Zukunft mit einem Prinzen geben kann …

BOOK GODDESS

Heißer Sex und kalte Lügen

Lange braune Haare, Beine bis zum Himmel und Augen, die vor purer Erotik funkeln! Alex hat sich zwar geschworen, Berufliches und Privatleben strikt zu trennen, doch Lucy bringt seine Vorsätze ins Wanken. Er kann nur noch an sie denken, und dabei sind seine Gedanken alles andere als jugendfrei! Bis ihm klar wird, dass sie eine ganz andere ist, als sie vorgibt …

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Lustvolle Stunden nach Mitternacht

Durchtrainiert, groß, dunkelhaarig: Rafe ist genau ihr Typ! Doch leider ist er auch der Mann, der verhindern will, dass Sara ihre Story über eine geheime Rettungsaktion veröffentlicht. „Vorsicht, die Nummer ist viel zu heiß!", mahnt sie sich. Und findet sich im nächsten Moment glühend vor Lust in Rafes Armen wieder …

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1. KAPITEL

„Was bist du?“ Vor Schreck ließ Giorgio den goldenen Füllfederhalter fallen. Er kullerte über die polierte Schreibtischplatte und landete auf dem Boden.

Am anderen Ende der Leitung, 4000 Meilen entfernt in New York City, kicherte seine kleine Schwester Stefania übermütig. „Ich bin verlobt.“ Um erst gar kein Missverständnis aufkommen zu lassen, fügte sie auf Italienisch hinzu: „Fidanzata.“

„Aber …“ Normalerweise war Giorgio nicht um Worte verlegen, aber jetzt dauerte es doch einen Moment, bis er sich gefangen hatte. „Mit wem? Und seit wann?“

„Tja …“, sagte sie gedehnt, offenbar wollte sie ihn noch ein bisschen auf die Folter spannen. Dazu war sie aber anscheinend zu aufgeregt, und so sprudelten die Worte keine Sekunde später nur so aus ihr heraus: „Er heißt Dieter von Thalberg. Wir haben uns vor ein paar Monaten kennengelernt, als er sich geschäftlich hier …“

„Ihr kennt euch erst ein paar Monate, und du willst ihn heiraten?“, unterbrach Giorgio sie ungehalten.

„Ganz genau.“ Wieder kicherte sie. „Ach, Giorgio, ich kann es kaum erwarten, dass du ihn kennenlernst.“ Sie senkte die Stimme. „Alter deutscher Adel aus Bayern, weißt du. Hey, ich bin mir ganz sicher! So verliebt war ich noch nie. Wenn er mich küsst und wir … na ja, du weißt schon …“

Giorgio sah sie förmlich erröten, als sie fortfuhr, Dieters umwerfende Qualitäten aufzuzählen. Den Kerl – seinen zukünftigen Schwager – würde er sich gar zu gern mal vornehmen. Wie hat er es wagen können, meine kleine Schwester in die Wonnen weiblicher Wollust einzuführen, dachte Giorgio wütend. Deutlicher mochte er es für sich gar nicht formulieren, aus Sorge, sonst sein Mittagessen von sich geben zu müssen.

Er seufzte resigniert. Hätte er statt der üblichen zwei Gläser Wein zum Essen doch heute bloß die ganze Flasche geleert.

Verdammter Dieter.

Hoffentlich hauste er in einer rattenverseuchten Burgruine! Hm, vielleicht besser doch nicht, das würde Stefania betrüben. Und das war nun wirklich das Letzte, was Giorgio wollte. Im Grunde konnte er nur hoffen, dass der blaublütige Dieter über ausreichend Kleingeld verfügte, um seine Burgruine selbst instand zu halten, anstatt seinen fürstlichen Schwager anzupumpen. Er hatte nämlich schon genug Scherereien mit seinem eigenen Palazzo, molto Grazie.

„Natürlich machen wir das Ganze erst offiziell, wenn du uns deinen Segen gegeben hast, Giorgio. Darauf besteht Dieter ausdrücklich.“

Hamm. Giorgio lächelte süffisant. Es war ja tatsächlich so, dass er als durchlauchtigstes Oberhaupt des Fürstentums Vinciguerra das Recht hatte, eheliche Verbindungen der Fürstenfamilie, in diesem Fall die seiner Schwester Principessa Stefania Maria Cristina Angela Martelli di Leone, zu verbieten oder zu erlauben, je nach Gusto.

Diese Fürstenfamilie bestand allerdings aus einer sehr überschaubaren Anzahl von Mitgliedern: seiner Schwester, seiner achtzigjährigen Großmutter, die ihn wohl kaum um die Erlaubnis für eine Wiederheirat bitten würde, und ihm selbst, Giorgio Alphonso Giuseppe Franco Martelli di Leone, Principe di Vinciguerra. Schon vor langer Zeit hatte er beschlossen, den Titel an Stefania und ihre Nachkommen weiterzugeben, falls er selbst unverheiratet und ohne den obligatorischen Erben blieb. Schließlich war er ein aufgeklärter Fürst des einundzwanzigsten Jahrhunderts, oder etwa nicht? Obendrein ausgestattet mit der Macht, Dieter den Deppen in die Wüste zu schicken. Seine Laune besserte sich merklich.

„Giorgio?“ Stefania klang jetzt doch nervös. „Bist du noch dran?“

„Si, si“, antwortete er geistesabwesend. Was sollte er tun? Stefania würde ihm garantiert die Hölle heißmachen, wenn er ihren höchstwahrscheinlich blond gelockten teutonischen Prince Charming in die Wüste schickte.

„Komm nach New York“, drängte sie ihn.

„Was, jetzt?“

„Ja, jetzt. Ich habe heute Vormittag mit Großmutter telefoniert. Die Ärmste hat mich regelrecht angefleht, dich ihr vom Leib zu halten. Sie sagt, du machst sie wahnsinnig.“

„Aber …“ Empört richtete Giorgio sich in seinem ledernen Schreibtischsessel auf. „Das stimmt einfach nicht!“

„Das sieht sie aber ganz anders. Sie behauptet, du würdest dich ständig in ihre Angelegenheiten einmischen, sodass sie nicht zur Ruhe kommt.“

Das kränkte ihn nun wirklich. Immerhin erholte seine Großmutter sich gerade von einer schweren Grippe, die sich zu einer Lungenentzündung ausgewachsen hatte. Einige Wochen lang war es tatsächlich um Leben und Tod gegangen, und die alte Dame war noch längst nicht wieder auf der Höhe. Da war es für ihn schlicht eine Beruhigung, bei den zahlreichen Reha-Maßnahmen dabei zu sein. Er wollte doch nur sicherstellen, dass alle gute Arbeit leisteten.

Zugegeben, vielleicht übertrieb er es manchmal ein bisschen mit seiner Fürsorge. Immerhin hatte seine Großmutter sich während seiner Studienjahre in den USA ganz allein um Vinciguerra gekümmert. Sie war nicht der Typ, der sich die Butter vom Brot nehmen ließ. Insofern konnte er die Überwachung ihrer gesundheitlichen Betreuung auch getrost seinem Assistenten anvertrauen.

„Ja oder nein, George!“ Oh, oh … Stefania benutzte die amerikanische Version seines Namens nur dann, wenn sie ihm entweder sehr wohlgesinnt war oder aber wenn sie richtig wütend wurde. In diesem Fall vermutlich eher Letzteres.

„Okay, Stevie!“, konterte er temperamentvoll. „Dann werde ich mir diesen deutschen Romeo, der sich einbildet, gut genug für meine Schwester zu sein, mal ansehen. Dabei sollte er in seinem eigenen Interesse zur Höchstform auflaufen, sonst vergiss ihn. Ich fände es sowieso viel besser, du würdest dich um dein Studium kümmern, anstatt irgendeinem Typen hinterherzuschmachten, den du kaum kennst.“

„Er ist nicht irgendein Typ, sondern mein zukünftiger Mann! Und ich kenne ihn ziemlich gut.“

Gerade das wollte er so genau nun auch wieder nicht wissen. Giorgio biss die Zähne zusammen und ermahnte sich, einen Gang zurückzuschalten. Wenn er seine Schwester zu sehr unter Druck setzte, brachte die es glatt fertig, mit ihrem deutschen Würstchen nach Vegas durchzubrennen. „Da du so eine hohe Meinung von ihm hast, wird es mir eine Freude sein, ihn zu treffen“, zwang er sich zu sagen.

„Gut.“ Sie klang beschwichtigt, für den Moment zumindest. Bei Stefania konnte man nie wissen, wie lange ihre gute Laune hielt. „Und lass bitte nicht ständig durchklingen, dass ich mein Studium vernachlässige. Wenn ich mich ordentlich ranhalte, bin ich nächstes Frühjahr fertig.“

„Umso besser.“ Er checkte seinen Terminkalender auf seinem Smartphone. „Ich könnte Mittwoch fliegen, falls dir das passt. Und Dieter“, fügte er zähneknirschend hinzu.

„Super! Dann treffen wir uns am Donnerstag zum Dinner, nur wir drei.“

„Super“, wiederholte er deutlich weniger enthusiastisch. „Ich freue mich schon.“

„Nein, du freust dich nicht. Aber danke, dass du so tust, als ob.“

„Manchmal ist es besser, wenn man die Wahrheit ein bisschen versüßt, Stevie. Könnte nicht schaden, wenn du es auch mal mit Diplomatie probieren würdest, etwa so: ‚Oh, durchlauchtigster Bruder, würdest du mir die Ehre erweisen, das unwürdige Subjekt zu treffen, das es gewagt hat, um meine erhabene Hand anzuhalten?‘“

„Möchtest du lieber eine falsche Schlange als Schwester? Pardon, eine ‚Diplomatin‘? Dann hättest du mich nach dem Tod von Mutter und Vater wohl besser bei dir in Vinciguerra behalten.“

„Du weißt, dass ich das nicht konnte, piccina mia.“ Meine Kleine – so hatte ihr Vater sie immer genannt, zumindest dann, wenn sie nicht gerade die ganze Familie an den Rand des Wahnsinns trieb. Manche Dinge änderten sich eben nie.

„Das weiß ich doch, George, und dafür hab ich dich sehr lieb.“

Er räusperte sich. „Ich hab dich auch lieb“, murmelte er. Solche Bekenntnisse kamen ihm nicht leicht über die Lippen.

Ciao, George.“ Sie schickte ihm einen dicken Schmatzer durch die Leitung, dann legte sie auf.

Giorgio schwang mit seinem Sessel herum und blickte durchs Fenster auf die terrassenförmig angelegten Weinberge hinaus. Es war bislang ein ziemlich regnerisches Frühjahr gewesen, entsprechend grün prangte die Landschaft da draußen.

Frühling und neue Liebe. Giorgio lächelte versonnen. Er erinnerte sich, wie romantisch gerade New York City im Frühling sein konnte. Und doch war ihm nie ausreichend romantisch zumute gewesen, um für sich selbst eine Ehe in Betracht zu ziehen. Nein, ihn hatten andere Dinge beschäftigt: seine Ausbildung und dann die Rückkehr nach Vinciguerra.

Und jetzt würde es also eine Rückkehr nach New York geben. Es schien ihm eine Ewigkeit her, seit er als naiver junger Student in diese Stadt gekommen war. Hamm, eigentlich gar keine so schlechte Idee, die Eindrücke von damals mal wieder aufzufrischen. Seit Monaten hatte er keinen freien Tag mehr gehabt. Und erst recht keine Gelegenheit zu einem Date. Völlig undenkbar in diesem Schlangennest von Klatschmäulern, in dem er lebte.

Giorgio seufzte und massierte seinen verspannten Nacken. Woher sollte er die Zeit für ein Date nehmen, hier oder sonst wo? Resigniert drehte er den Sessel wieder zum Schreibtisch und drückte den Knopf der Gegensprechanlage, um sich mit seinem Assistenten zu besprechen. „Alessandro? Ich möchte morgen nach New York fliegen, um Principessa Stefania zu treffen. Bitte arrangieren Sie alles Nötige.“ Wieder strich er sich mit der Hand über den Nacken. Er brauchte dringend einen Haarschnitt. Seine Schwester würde ihm bestimmt eine Szene machen, wenn er ungepflegt zu dem großen Dinner erschien. „Oh, und vereinbaren Sie bitte einen Friseurtermin für mich.“

Nachdenklich tippte er sich mit dem Finger an die Lippe und griff erneut zum Telefon. Diesmal, um Alessandro zu beauftragen, einen Privatdetektiv zu engagieren, der den teutonischen Bräutigam unauffällig unter die Lupe nehmen sollte. Sicher war sicher, immerhin war Stefania einige Millionen schwer. Sie würde ihm zwar den Kopf abreißen, wenn sie davon erfuhr, doch das Risiko musste er wohl eingehen.

„Renata?“ Barbara Affini, Renata Pavonis Tante und Assistentin, steckte den Kopf zur Tür des Ateliers herein.

„Hamm?“ Renata machte sich gerade am Saum eines weißen Hochzeitskleids aus schimmerndem Satin zu schaffen. Zwischen ihren Lippen balancierte sie eine Reihe Stecknadeln.

Barbara schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Wenn deine Mom dich so sähe, träfe sie glatt der Schlag. Irgendwann verschluckst du mal eine Nadel, und das war’s dann.“

Gehorsam spuckte Renata die Nadeln aus und steckte sie in ein tomatenförmiges Kissen. „Okay, okay. Und, wie findest du es?“

„Kurz.“

Immer dasselbe, warum fragte sie überhaupt? Sie seufzte resigniert. „So soll es auch sein, Tante Barbara. Es ist ein Hochzeitskleid im Vintage-Look.“ Die Mode der Fünfziger- und Sechzigerjahre war im Moment absolut hip.

„Deine Cousinen hatten schöne Hochzeitskleider: klassisch, wie es sich gehört.“

Renate zog eine Grimasse, froh, dass Barbara ihr Gesicht nicht sehen konnte. Besagte Cousinen waren förmlich zum Altar gekugelt, in Roben, die sie genauso breit wie lang aussehen ließen. Gott sei Dank waren Kleider aus den Achtzigern nicht mehr angesagt. Der Ankauf von meterweise Satin, Tüll und Pailletten würde sie sonst noch ruinieren.

Wie so oft in solchen Momenten überlegte Renata, warum um Himmels willen sie ihre Tante überhaupt eingestellt hatte. Ach ja, richtig, um ihrem Onkel Sal, kürzlich in den Ruhestand gewechselt, einen Gefallen zu tun. Er hatte sie förmlich angefleht, seine Barbara zu beschäftigen, damit sie ihn nicht mit ihrer überfürsorglichen Mütterlichkeit erstickte.

Und ganz nebenbei war Tante Barbara auch noch eine perfekte Schneiderin und äußerst zuverlässig.

Renata stand auf, was ihre malträtierten Knie ihr dankten. „Die Braut kommt morgen zur letzten Anprobe. Schaffst du es, das Kleid bis dahin zu säumen?“

„Kein Problem“, antwortete Barbara und ergänzte hoffnungsvoll: „Mir bliebe sogar noch genug Zeit, den Rock mit ein paar schönen Pailletten zu besticken.“

„Keine Pailletten, Tante Barbara.“ Ihre Kundin, bekennender Fan des cool-urbanen Stils, würde die Pailletten wahrscheinlich eher mit den Zähnen herunterreißen, als damit zum Traualtar zu schreiten. „Und auch keine Perlen oder sonstige Stickereien“, fügte sie streng hinzu. „Tut mir leid.“ Und das meinte sie ehrlich. Sie wusste genau, ihre Tante würde nichts auf der Welt lieber tun, als ein gigantisch aufgeblähtes Brautkleid mit allem nur erdenklichen Schnickschnack zu verzieren. Doch dafür fehlte ihrem Designstudio „Peacock Wedding Designs“ schlichtweg die Klientel.

Renata nahm das Kleid vom Ständer und trug es in den angrenzenden Nähraum. Im Vorbeigehen prüfte sie ihr Spiegelbild. Sie liebte Vintage-Klamotten, doch wirklich praktisch waren sie nicht, zumindest nicht für einen langen Arbeitstag im einundzwanzigsten Jahrhundert. Ihre cremefarbene Leinenbluse war zerknittert, und der marineblaue Bleistiftrock hatte sich verdreht. Nur das kastanienbraune Haar tat, was es sollte: Kein einziges Strähnchen entwischte der eleganten Haarrolle im Stil der 1940er.

Barbara, die Renatas kritische Selbstmusterung bemerkt hatte, sagte: „Du siehst genauso aus wie meine liebe Mom auf alten Fotos.“ Sie lächelte versonnen.

„Danke, Tantchen.“ Renata warf ihr eine Kusshand zu und zupfte den verrutschten Rock zurecht. Nach einem weiteren Blick in den Spiegel beschloss sie, dass es an der Zeit war, den Lippenstift aufzufrischen. Das war ein weiteres Problem ihres Retro-Styles: Knallrote Lippen waren Pflicht, was hieß, dass zwischendurch immer mal wieder nachgelegt werden musste. Sie hoffte nur, dass sie nicht mal irgendwann über ihre eigenen Füße stolpern und versehentlich den reinweißen Satin eines ihrer Modellkleider mit einem roten „Kussmund“ verzieren würde.

Bevor sie den kirschroten Lippenstift aufdrehen konnte, klingelte das Telefon. „Peacock Wedding Designs, hier spricht Renata.“

Die potenzielle Braut am anderen Ende der Leitung hatte es sehr eilig, einen Termin zu vereinbaren, am liebsten schon morgen Nachmittag. Das passte Renata überhaupt nicht, sie hatte ihrer Freundin Flick nämlich versprochen, mit ihr zu einer Ausstellungseröffnung zu gehen. Doch die junge Frau am Telefon ließ sich nicht abwimmeln. „Ich möchte gern meinen Bruder zu diesem Termin mitbringen. Er kommt extra nach New York.“

Geschäft war Geschäft, und womöglich zahlte ja der Bruder für den teuren Fummel. „Okay, das passt prima. Um wie viel Uhr?“

„Um zwölf?“

„Perfekt.“ Vielleicht schaffte sie es dann doch noch zur Ausstellungseröffnung. „Ihr Name bitte?“

„Stefania di Leone.“

„Ah, Stephanie vom Löwen.“ Renata lachte leise. „Mein vollständiger Name lautet Renata Isabella Pavoni – Pfau – Peacock. Daher der Name für mein Atelier.“

„Ihre Kleider sind einfach umwerfend“, schwärmte Stefania. „Nicht solche schrecklich aufgeblasenen Klopapierrollenmützen.“

Wem sagte sie das … „Wir werden ganz sicher etwas Schönes für Sie finden.“ Renata notierte den Termin und beschrieb ihrer neuen Kundin den Weg. Zu ihrem Bedauern konnte sie – noch! – nicht mit einer unbezahlbaren Adresse in Manhattan punkten, sondern nur eine weniger hippe in Brooklyn nennen.

Das schien Stefania di Leone zum Glück nicht abzuschrecken. „Wow, ich bin ja so aufgeregt! Mein erstes Hochzeits-Shopping!“

Hm, das konnte gut oder schlecht sein, es kam ganz darauf an, wie entscheidungsfreudig sich die Kundin zeigte. Egal, zumindest bestand die Chance, eine ihrer hochpreisigen Kreationen an den Mann bzw. an die Braut zu bringen. Kaum hatte sie aufgelegt, checkte Renata auch schon ihren Lagerbestand an Musterkleidern. Alles paletti! Die Braut würde begeistert sein.

„Willkommen bei Peacock Designs – Sie sind bestimmt Stefania!“ Renata kam hinter ihrem Arbeitstisch hervor, um die Kundin zu begrüßen. Die junge Frau war wie geschaffen für ihre Modelle, das sah sie auf den ersten Blick: schlank, aber nicht mager, mit samtiger olivfarbener Haut. Das dunkle Haar fiel ihr in weichen Wellen auf die Schultern. Eine mediterrane Schönheit wie aus einer Tourismusreklame für Italien.

Stefania sah sich mit glänzenden Augen um und streckte zielstrebig die Hand nach einem wadenlangen Kleid mit einem weit schwingenden Rock aus. „Ihre Modelle sind wirklich super!“

„Möchten Sie das Kleid vielleicht anprobieren?“ Renata beschloss, gleich aufs Ganze zu gehen.

„Unbedingt! Und das da auch … und das … und das …“ Stefania machte eine weit ausholende Geste.

Renata nahm der Braut in spe den Mantel aus weichem Leder ab und hängte ihn an die Garderobe. „Da hinten können Sie sich umziehen.“ Sie dirigierte Stefania über den silbergrauen Teppich in den Alkoven, der als Umkleidekabine diente, und hängte einige Modelle an die Kleiderstange.

Stefania schlüpfte aus ihrem grünen Kaschmirpullover und stockte. „George. Den hätte ich jetzt fast vergessen.“

„George?“

„Mein Bruder. Wie üblich wurde er durch irgendeinen furchtbar wichtigen Anruf aufgehalten und wollte gleich nachkommen.“ Sie zog ihr Smartphone aus der Handtasche und tippte eine SMS ein. „So. Ich hab ihm geschrieben, dass er sein Handy ausschalten und seinen Hintern auf der Stelle hierherbewegen soll“, erklärte sie zufrieden.

Renata unterdrückte ein amüsiertes Lächeln. Einen Mann von seinem Handy weg in einen Brautsalon abkommandieren? Na dann, viel Glück.

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, nach ihm Ausschau zu halten?“ Stefania öffnete ihre Gürtelschnalle. „George fühlt sich hier bestimmt ziemlich fehl am Platz.“

„Oh, da ist er nicht der einzige Mann.“ Renata schloss den Vorhang zum Alkoven und ging nach vorn. Armer Kerl. Hat wahrscheinlich keinen Schimmer von Mode und kommt hier um vor Langeweile. Sie konnte ihn sich richtig vorstellen: durchschnittlich gut aussehend, mittelgroß mit einem leichten Rettungsring um die Hüften, von Mammas leckerer Lasagne. Genau wie ihre Brüder.

Und dann kam er herein.

Oh, wow! Das war ja wohl die Antwort auf die Gebete aller Frauen. Jedenfalls, wenn man auf den mediterranen Typ steht. So wie ich. Renata gab sich alle Mühe, ihn nicht mit offenem Mund anzustarren.

Er war ganz und gar nicht wie ihre Brüder und wirklich alles andere als durchschnittlich. Hochgewachsen, dichtes welliges schwarzes Haar, smaragdgrüne Augen, dazu der gleiche olivfarbene Teint wie seine Schwester. Keine Spur von einem Lasagne-Bäuchlein. Sogar die Frisur war perfekt; kurz über den Ohren und etwas länger am Oberkopf.

Sein maßgeschneiderter anthrazitfarbener Anzug – im Stil von Cary Grant – war aus edelstem italienischem Tuch und garantiert sündhaft teuer. Dazu trug er ein weißes Designerhemd und eine elegante Seidenkrawatte.

Renata strich sich mit den Händen über die Hüften. Im Stillen beglückwünschte sie sich zu ihrem heutigen Outfit: einem eng anliegenden dunkelroten Rock mit hoher Taille, dazu eine auf Figur geschnittene schwarze Bluse. „Sind Sie George?“, brachte sie leicht atemlos hervor.

„George?“ Seine samtweiche Stimme ließ ihre Haut wie elektrisiert prickeln. „Ah, ja. Stefania hat offenbar keine Zeit verloren. George ist die englische Version meines Namens“, erklärte er in perfektem Englisch mit einem sexy italienischen Akzent.

„Ihr richtiger Name lautet vermutlich Giorgio.“ Giorgio di Leone – Giorgio vom Löwen. Ein wohliger Schauer überlief Renata. Den Pranken dieses speziellen Löwen würde sie sich doch gar zu gern einmal überlassen …

„Entscheiden Sie selbst, wie Sie mich nennen möchten, Signorina. Und, mit wem habe ich bitte die Ehre?“

„Renata Pavoni. Ich bin die Geschäftsinhaberin.“ Sie lächelte strahlend und reichte ihm die Hand. Er deutete eine leichte Verbeugung an. Ganz der perfekte Gentleman.

Interessiert sah er sich um. Sein Blick blieb an einem Ständer mit pinkfarbenen, schulterfreien Kleidern hängen. „Die sind wohl für die Brautjungfern gedacht.“

„Nicht nur, heutzutage kann auch eine Braut so etwas tragen.“

„Im Ernst?“ Er hob skeptisch die dunklen Brauen. „Nun, für Stefania kommt so ein Kleid natürlich nicht infrage. Sie heiratet in der Kirche“, erklärte er entschieden. Oha, der große Bruder wollte die Zügel in die Hand nehmen. Na, hoffentlich decken sich seine Vorstellungen mit denen der Braut, dachte Renata. Was sie allerdings bezweifelte … Brüderlein und Schwesterlein schienen beide gleichermaßen – wie sollte sie es schmeichelhaft ausdrücken? – durchsetzungsfreudig zu sein.

„Keine Sorge, ich habe genug Modelle auf Lager, die für eine kirchliche Trauung taugen.“ Plötzlich wurde ihr bewusst, dass er immer noch stand. Giorgio di Leone gehörte wohl zu den paar verbliebenen männlichen Zeitgenossen mit altmodischen Manieren. „Machen Sie es sich doch bitte bequem.“ Mit einer einladenden Geste wies sie auf die Besuchercouch aus weißem Leder – na ja, eigentlich war es bloß Vinyl, aber das merkte man kaum.

„Nur, wenn Sie sich für eine Minute zu mir setzen.“

Renata zögerte. Sie war hier, um zu arbeiten, nicht um zu plaudern oder gar zu flirten. Normalerweise hielt sie sich konsequent an ihre eiserne Regel, sich nicht zu den Kunden zu setzen.

„Bitte, Signorina, tun Sie mir den Gefallen. Sonst setze ich mich auch nicht. Das verlangt meine gute Kinderstube. Was würde meine Großmutter sonst von mir denken?“

Jetzt flirtete er definitiv, allerdings auf eine sehr angenehm zurückhaltende Art, die ihr gefiel. Und zwar so sehr, dass sie große Lust hatte, zurückzuflirten. Falls ihre Flirtkenntnisse noch nicht völlig eingerostet waren.

„Wenn Sie darauf bestehen. Aber nur so lange, bis Stefania mich braucht.“ Schwungvoll ließ Renata sich auf dem Sofa nieder.

„Natürlich.“ Er setzte sich dicht neben sie – viel zu dicht für ihren Seelenfrieden.

Ihre Hand bebte leicht. Rasch legte sie sie auf ihr Knie. Sie war sich seiner männlichen Präsenz nur zu bewusst, seiner gepflegten, eleganten Erscheinung. Der dezent-frische Duft seines Aftershaves verwirrte ihre Sinne zusätzlich. Unter der dünnen Bluse richteten sich ihre Brustwarzen auf. Nervös rutschte sie hin und her, um sich abzulenken, vergeblich. Was sollte sie auch ablenken, in Gegenwart eines Mannes mit so unverschämt sinnlichen Lippen …

„Stefania ist oft ein bisschen hektisch. Ich wette, sie hat es versäumt, Ihnen ein paar Informationen über die geplante Hochzeit zu geben, oder?“ Er beugte sich zu ihr vor.

Zurück zum Geschäft. „Stimmt. Aber das wird sich bestimmt noch alles klären. Der Rest der Familie kommt sicher aus Italien nach?“

„Der Rest der Familie besteht aus einem einzigen Menschen: unserer Großmutter“, erwiderte er mit einem leisen Seufzer. „Unsere Eltern sind bereits vor vielen Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.“ Er zuckte die Schultern. „Nonna und ich haben uns alle Mühe gegeben, Stefania mit viel Liebe aufzuziehen. Ich fürchte allerdings, dass ein großer Bruder nicht die Mutter ersetzen kann, wenn es um so wichtige Dinge geht wie die Vorbereitung einer Hochzeit.“

Spontan nahm Renata seine Hand. „Unterschätzen Sie Ihren Stellenwert nicht. Stefania scheint es sehr wichtig zu sein, Sie hier dabeizuhaben.“

Er blickte bedeutungsvoll auf ihre ineinander verschränkten Finger. Renata unterdrückte ein Stöhnen. Typisch! Wieder einmal hatte sie sich zu einer impulsiven Handlung hinreißen lassen. Und jetzt saß sie hier und hielt Händchen mit dem sexy Bruder ihrer Kundin, den sie mal gerade vor einer knappen Viertelstunde kennengelernt hatte. Na toll. Wirklich sehr professionell.

Sie versuchte, wie beiläufig ihre Hand wegzuziehen, doch er hielt sie fest. „Signorina Renata, ich bewundere Sie aufrichtig. So jung und hübsch und schon so weise.“

Ein undamenhaftes Schnauben entfuhr ihr. „Da gibt es nichts zu bewundern.“ Weise? Wohl eher klug geworden durch ein Leben, das nicht immer einfach gewesen war.

In diesem Moment raschelte der Vorhang zum Alkoven. „Renata, wie macht man das zu?“, rief Stefania.

Renata sprang auf, als hätte sie sich auf eine Stecknadel gesetzt. „Entschuldigen Sie mich bitte.“ Reiß dich endlich zusammen, befahl sie sich streng. Giorgio war hier, um mit seiner Schwester ein Hochzeitkleid auszusuchen, nicht wegen der schmachtenden Blicke der Verkäuferin. Eilig huschte Renata zu ihrer Kundin hinter den Vorhang.

Nach einigem Hin und Her in der Kabine kommentierte Giorgio von draußen: „Ach, Schwesterchen, dass du immer so wählerisch sein musst. Ganz egal, welches Kleid du nimmst, du wirst auf jeden Fall hinreißend aussehen.“

Welch nette Worte aus dem Mund eines großen Bruders, dachte Renata anerkennend. Die Kommentare ihrer eigenen Brüder in einer ähnlichen Situation konnte sie sich lebhaft vorstellen. Die würden ihr garantiert nicht schmeicheln, sondern eher lautstark den armen Trottel bedauern, der sich von ihr zum Traualtar schleppen ließ.

„Wenn du meinst, George …“ Stefania wirkte nicht überzeugt.

Und recht hat sie, fand Renata, der die zukünftige Braut plötzlich auffallend blass vorkam. „Tragen Sie eigentlich oft Weiß?“, wollte sie wissen.

Den Blick auf ihr Spiegelbild geheftet, betrachtete Stefania sich von allen Seiten. „Hm, ich habe da diesen wunderschönen winterweißen Kaschmirmantel und ein paar elfenbeinfarbene Pullis. Und dann natürlich die eierschalenfarbene ärmellose Seidenbluse mit der süßen Schleife im Nacken. Dieter liebt es, wenn ich die trage“, gestand sie. „Er sagt, ich sehe darin sexy aus.“

Ein entnervtes Stöhnen erklang von draußen. „Dio mio, spar dir solche Enthüllungen doch bitte für deinen Junggesellinnenabschied, ja?“

Sie kicherten beide mädchenhaft. Höchste Zeit, das Gespräch wieder auf eine professionelle Ebene zu bringen, beschloss Renata. „Alles klar, meine Liebe. Instinktiv fühlen Sie sich zu gedecktem Weiß hingezogen, was sehr gut zu Ihrem Teint passt. Diese schneeweißen Kleider, die Sie zur Anprobe ausgesucht haben, stehen Ihnen nicht, sie machen blass.“

„Oh, und ich dachte, es liegt an der Beleuchtung.“

„Nein, glauben Sie mir, es ist die Farbe.“ Dessen war sie sich sicher, schon allein aus dem Grund, dass sie extra eine Lichtdesignerin beauftragt hatte, eine möglichst schmeichelhafte Beleuchtung zu installieren. „Bitte warten Sie einen Moment.“

Als sie durch den Vorhang schlüpfte, blickte Giorgio von seinem Smartphone auf. Er musterte sie interessiert. „Und welche Ihrer Kreationen haben Sie für sich selbst reserviert?“

Ihre Wangen wurden heiß. „Oh, um ehrlich zu sein, gab es bis jetzt keine Gelegenheit, sich da entscheiden zu müssen.“

„Ah, Ihr Freund hat die Frage aller Fragen also noch nicht gestellt?“

Sie klimperte kokett mit den Wimpern. „Freund? Welcher Freund?“ Mit einem gekonnten Hüftschwung – schließlich war ihr Rock für so was wie geschaffen – verschwand sie im angrenzenden Lagerraum.

2. KAPITEL

Giorgio brannte darauf, das verdammte Telefon abzuschalten und sich ganz auf Renata Pavoni zu konzentrieren. Einer so sexy Frau war er seit Langem nicht begegnet. Allein dieser Blick aus ihren dunklen blauen Augen: wissend, geheimnisvoll, ein einziges Versprechen … Selbst das winzige Piercing in ihrem Nasenflügel machte ihn an. Wie jeder richtige Mann fand er kurvenreiche Frauen sehr viel erotischer als magere Bohnenstangen. Und Renata verfügte zweifellos über die richtigen Rundungen an den richtigen Stellen. Wie ihr enger Rock sich über dem festen, runden Po spannte … bella ragazza.

Ihm wurde ganz heiß, als er sich ausmalte, wie er die hübsche Renata genüsslich auszog: Zuerst würde er ganz langsam ihre Bluse öffnen, Knopf für Knopf. Und dann den roten Rock hochschieben, um zu erkunden, ob sie ihrem Vintage-Stil bis zu den Strapsen treu blieb.

Die Vorstellung, wie Renata nackt in seinem Bett lag, das lange rotbraune Haar auf dem weißen Kissen ausgebreitet, machte seine viel zu lange vernachlässigte Libido putzmunter. Und zwar mit Vehemenz.

Ganz schlechtes Timing, das – in einem Studio für Brautmoden, seine Schwester nur wenige Meter entfernt. Giorgio stieß einen unterdrückten Fluch aus. Er schlüpfte aus seinem Jackett und breitete es diskret über seinen Schoß. In diesem Moment summte sein Handy. Ein Blick aufs Display verriet ihm: Es war Alessandro – bestimmt mit Informationen über Stefanias Verlobten. Rasch stand Giorgio auf und ging vor die Tür, um ungestört telefonieren zu können.

Ihm gefiel, was er hörte. Ganz offensichtlich war Dieter, der Depp, nicht die Niete, für die er ihn gehalten hatte. Er besaß ausgedehnte Ländereien sowie eine bekannte Brauerei. Somit war Giorgio finanziell aus dem Schneider. Außerdem – und das war nun wirklich eine kleine Sensation – spielte Dieter als erfolgreicher Fußballprofi in einem bekannten deutschen Verein, natürlich unter einer leicht abgewandelten Version seines Namens.

Jetzt musste der Privatdetektiv nur noch in Erfahrung bringen, ob es illegitime Kinder gab oder kompromittierende Videos. Man konnte ja nie wissen.

Giorgio verzog unbehaglich das Gesicht. Stefania würde ihn umbringen, wenn sie herausfand, welcher Art seine Nachforschungen über ihren Verlobten waren. Aber wenn etwas mit diesem Dieter nicht stimmte, dann erfuhr sie es besser jetzt als nach der Heirat.

In diesem Moment steckte Renata den Kopf durch die Tür und winkte ihm. „Stefania schickt nach Ihnen.“

„Okay.“ Er schaltete sein Handy aus und kehrte ins Geschäft zurück.

„Setzen Sie sich bitte.“ Brav gehorchte er. „Hier kommt die Braut!“ Nachdem sie schwungvoll den Vorhang aufgezogen hatte, trat eine wunderschöne Frau aus der Kabine. Das konnte doch unmöglich seine kleine Schwester sein, diese fast überirdische Schönheit mit den glühenden Wangen.

„Stefania?“ Dumme Frage, Renata wird meine Schwester wohl kaum gegen eine andere Frau ausgetauscht haben.

Ein wohlbekanntes Kichern zerstörte den Zauber denn auch gleich. „Klar doch, wer denn sonst?“

„Wow, Stefania, du siehst einfach … einfach …“

„… umwerfend aus“, ergänzte Renata. „Perfekt. Hinreißend.“

„Ja, genau.“ Er rieb sich das Gesicht. Mamma mia, wann hatte seine Kleine sich in eine so schöne Frau verwandelt? Und er würde sie zum Altar der mittelalterlichen Kathedrale von Vinciguerra führen, um sie in einer altehrwürdigen Zeremonie einem groben Klotz von Fußballspieler zur Frau zu geben. Plötzlich schien diese Verantwortung ihn förmlich zu erdrücken.

„Das Kleid ist champagnerfarben“, verkündete Stefania und brachte ihn mit ihren Worten in die Realität zurück.

„Du heiratest nicht in Weiß?“

Seine Schwester zuckte die Achseln. „Prinzessin Diana hat auch kein weißes Kleid getragen, ihres war elfenbeinfarben.“

„Ja, genau, und was ist aus ihrer Ehe geworden? Sagt Nonna jedenfalls immer.“

Stefania zog die Brauen hoch. „Hör auf damit, Giorgio. Auf Mamas und Papas Beerdigung war die Prinzessin sehr nett zu mir.“

Renata blickte erstaunt auf. „Moment mal – Prinzessin Diana kam zur Beisetzung Ihrer Eltern?“

Die Geschwister wechselten einen Blick. Giorgio sprach zuerst. „Ja, sie war da. Und du hast recht, Stefania, sie war äußerst liebenswürdig zu uns beiden.“

„Ich habe Renata nichts über unsere Familie erzählt, Giorgio.“ Stefania blinzelte. „Weißt du, ich wollte einfach nur wie eine ganz normale junge Frau mein Hochzeitskleid aussuchen. Ohne Tusch und Fanfaren.“

„Was haben Sie nicht erzählt?“

Zu seinem Bedauern verschränkte Renata die Arme über ihren sensationellen Brüsten.

„Ich glaube, es wird Zeit, dass wir uns richtig vorstellen, Stefania, meinst du nicht auch?“ Giorgio deutete eine leichte Verbeugung an, während er inbrünstig hoffte, dass die Wahrheit Renata nicht direkt zur nächsten Boulevardzeitung laufen ließ. „Darf ich Ihnen meine Schwester Stefania Maria Cristina Angela Martelli di Leone, Principessa di Vinciguerra vorstellen? Und ich bin Fürst Giorgio Alphonso Paolo Martelli di Leone, Principe von Viniciguerra.“

Renata kam aus dem Staunen nicht heraus. „Sie sind eine echte Prinzessin?“

Stefania nickte. „Aber nur von einem winzigen Fürstentum“, winkte sie ab. „Giorgio hat als Chef des Ganzen kaum was zu tun.“

Besagter Giorgio warf ihr einen vernichtenden Blick zu. Jetzt würde Renata ihn vermutlich für einen hirnlosen Müßiggänger halten. Besten Dank, liebes Schwesterchen.

Renata sah ihn mit einem eigentümlichen Blick an. „Sie sind also ein Fürst? Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich falschliege, aber Italien ist doch eine Republik.“

„Unsere Großmutter, Giorgio und ich bilden die Fürstenfamilie von Vinciguerra, eins von zwei Fürstentümern der italienischen Halbinsel, die ihre Selbstständigkeit auch über die Gründung der Republik im achtzehnten Jahrhundert hinaus bewahrt haben“, dozierte Stefania. Man merkte ihr an, dass sie diese Lektion schon Dutzende Male heruntergeleiert hatte. „Tja, jedenfalls ist es jetzt so, dass mein werter Bruder als Fürst an der Spitze unseres kleinen Reichs steht.“

Seine Durchlaucht Fürst Müßiggang. „Ich tue jedenfalls mein Bestes. Entschuldigen Sie bitte, Signorina Renata, dass wir Ihnen nicht von Anfang an reinen Wein eingeschenkt haben. Aber man kann vorher nie wissen, ob man es nicht mit jemandem zu tun hat, der sofort die Paparazzi auf einen hetzt. Und die sind ziemlich lästig.“

„Wie damals beim Tod unserer Eltern“, murmelte Stefania betrübt.

Beim Gedanken an das todtraurige kleine Mädchen, das hemmungslos an seiner Schulter geschluchzt hatte, verhärtete sich Giorgios Miene. „Bis jetzt scheinen diese Schakale noch nicht von Stefanias Verlobung erfahren zu haben, aber das werden sie schon irgendwann.“

„Nicht von mir, das können Sie mir glauben!“, beteuerte Renata.

„Das wollten wir nicht unterstellen“, beeilte Stefania sich zu versichern. „Doch sobald bekannt wird, dass ich mein Hochzeitskleid bei Ihnen kaufe, wird man Sie nicht mehr in Ruhe lassen. Na ja, zumindest ist es gut fürs Geschäft. Die Sache wird Ihnen eine Menge Publicity einbringen.“

„Oh.“ Diesen Aspekt der Sache hatte Renata offensichtlich nicht bedacht, wie Giorgio mit Erleichterung registrierte. „Es ist nicht meine Art, über meine Kunden aus dem Nähkästchen zu plaudern, und ich versichere Ihnen, auch meine Tante ist die Diskretion in Person.“

„Das wissen wir sehr zu schätzen, Renata.“ Spontan schloss Stefania sie in die Arme.

Neidvoll wünschte Giorgio, es ihr gleichtun zu können. „Du hast dich also für dieses Kleid entschieden, Stefania?“

Mit glänzenden Augen wandte seine Schwester sich ihm zu. „Oh ja, George, es ist ein Traum! Und passt in den Farben so wunderbar zu den Gold- und Marmorverzierungen in der Kathedrale.“

„Du wirst umwerfend aussehen.“ Er umfasste ihre Schultern und drückte ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. Seine Augen tränten ein bisschen – das musste wohl an der trockenen Luft hier drin liegen. Er blickte zu Renata, um deren rot geschminkte Lippen ein wissendes Lächeln lag. „Also, dann nehmen wir dieses Kleid. Es ist perfekt für eine Prinzessin.“

„Ganz bestimmt!“ Renata schob die Braut vor den großen dreiteiligen Spiegel, und sie stürzten sich voller Enthusiasmus in eine Diskussion über Stoffqualitäten, Schnittabwandlungen und Verzierungen. Für Giorgio hätten sie genauso gut Chinesisch reden können. Sein einziger Beitrag zu der Angelegenheit bestand darin, eine Kreditkarte zu zücken, sobald Stefania hinter dem Vorhang verschwand, um sich umzuziehen.

Verwundert betrachtete er die Gesamtsumme. Diese ganzen Extraarbeiten mussten doch mehr kosten. Fragend blickte er Renata an. „Das ist alles?“

Sie stützte die Hände in die Hüften. „Haben Sie etwa erwartet, dass ich den Preis in die Höhe treibe, nur weil Sie ein Fürst sind?“

„Ja“, erwiderte er ehrlich.

„Dann sind Sie bis jetzt wohl immer an Halsabschneider geraten. Ich kann Ihnen nur empfehlen, genau darauf zu achten, wo Sie einkaufen.“

„Schon erledigt.“ Er schob ihr den signierten Bon zu.

Zarte Röte stieg ihr ins Gesicht.

„Sind Sie für heute hier fertig?“, fragte Giorgio.

Renata warf einen raschen Blick über die Schulter auf ihre Wanduhr. „Ich treffe gleich eine Freundin, um mit ihr eine Ausstellungseröffnung zu besuchen.“

In diesem Moment stürmte Stefania aus der Umkleidekabine. „Und ich habe in einer Stunde Unterricht, George. Kannst du mich zurück nach Manhattan mitnehmen?“

„Klar.“ Zu seiner Überraschung hatte seine Schwester in New York auf einen Chauffeur verzichtet und fuhr konsequent mit der U-Bahn. Er wandte sich an Renata. „Müssen Sie vielleicht zufällig in dieselbe Richtung, Signorina?“

„Ja, ehrlich gesagt schon, aber ich möchte Ihnen keine Umstände machen.“

„Ach, Unsinn, das tun Sie bestimmt nicht.“ Stefania knotete den Gürtel ihres Ledermantels zu. „Kommen Sie, das wird lustig, wenn wir zusammen fahren.“ Ihr Blick huschte zwischen ihrem Bruder und der Designerin hin und her.

Giorgio bedachte sie mit einem neutralen Lächeln. Sein Interesse an Renata war Stefania also nicht entgangen, und jetzt versuchte sie sich als Kupplerin. Sie war schließlich bis über beide Ohren verliebt, also sollte die ganze Welt verliebt sein. Solchen Träumen gab er sich schon lange nicht mehr hin. Er wusste es besser. Liebe war etwas für junge Mädchen und naive junge Kerle.

„Okay, danke. Dann nehme ich Ihr Angebot gern an.“ Renata schlüpfte in einen schwarzen Trenchcoat, der die Farbe ihrer Lippen und ihres Haars zum Leuchten brachte. Und meinen Puls zum Rasen. In diesem Moment erinnerte sie ihn an eine Spionin aus einem dieser alten Kriegsfilme: die tapfere Geheimagentin, die in einer dunklen, nebligen Nacht in der Wohnung ihres Kontaktmanns eintraf. Natürlich nur in ihren Trenchcoat gehüllt mit nichts darunter. Höchstens vielleicht eine Korsage und schwarze Strapse …

„George? George!“ Stefania war bereits an der Tür. „Renata wartet schon auf dich, damit sie die Alarmanlage einschalten kann.“

Giorgio erwachte aus seinen erotischen Fantasien und trat rasch ins Foyer. Keine Minute später fuhr Paolo in der schwarzen Limousine vor. Höflich stieg er aus, um ihnen die Türen zu öffnen.

„Renata, setzen Sie sich bitte mit George nach hinten. Ich möchte gern ein bisschen mit Paolo schwatzen, schließlich haben wir uns eine halbe Ewigkeit nicht gesehen.“ Giorgio hätte seiner Schwester am liebsten den Hals umgedreht. Sie schien fest entschlossen, ihre Kuppelpläne durchzuziehen. Ein Schwätzchen mit Paolo? Ha! Wenn es hochkam, sprach der höchstens ein Dutzend Worte am Tag.

Renata konnte das natürlich nicht wissen. Gehorsam schlüpfte sie auf die Rückbank und ließ sich in die weichen Lederpolster sinken. Nachdem alle eingestiegen waren, lenkte Paolo den schweren Wagen souverän durch den dichten Stadtverkehr in Richtung Brooklyn Bridge.

Renata fand das imposante Bauwerk aus Sandstein, Granit und Stahl immer wieder beeindruckend. „Erstaunlich, wie gut erhalten die Brücke trotz ihres Alters ist.“

Giorgio schmunzelte. Im Vergleich zu den antiken römischen Bauten in seinem Land war die Brooklyn Bridge noch ein Teenager. Das sah eine Amerikanerin natürlich anders.

Bevor er etwas darauf erwidern konnte, kündigte der Signalton ihres Handys den Eingang einer SMS an. Nach einem Blick auf das Display verzog Renata bedauernd das Gesicht. „Ach herrje, meine Freundin hat sich den Magen verdorben und kann nicht zur Ausstellungseröffnung kommen. Schade.“ Schnell tippte sie eine Antwort ein und verstaute ihr Handy dann wieder in ihrer Handtasche.

Im Geist cancelte Giorgio bereits sämtliche Termine für den Nachmittag. „Es wäre mir ein Vergnügen, Sie zu der Ausstellung zu begleiten. Ich habe sowieso nichts vor.“

„Sind Sie sicher?“ Skeptisch sah sie ihn an.

Ein rascher Blick nach vorne zeigte ihm, dass seine Schwester in schnellem Italienisch auf den armen Paolo einredete, der hin und wieder ergeben nickte. Gut, Stefania war also beschäftigt und würde nicht mitkriegen, wie er sich mit Renata verabredete. Er gönnte seiner Schwester die Genugtuung nicht, ihren Verkupplungsversuch von Erfolg gekrönt zu sehen. „Aber ja, nichts lieber als das.“

„Wenn das so ist, Giorgio, führe ich Sie gern ein bisschen herum.“

„Es ist mir ein Vergnügen“, wiederholte er. Um nicht zu interessiert zu wirken, fügte er hinzu: „Wir Italiener sind schließlich ganz verrückt nach Kunstwerken jeder Art.“ Wobei dieser spezielle Italiener eher verrückt nach der bildschönen Frau war, die jetzt neben ihm saß.

Einfach scheußlich, dachte Giorgio, während er an Renatas Seite den Gang entlangging und mit aufgesetzter Kennermiene die künstlerischen Exponate studierte – falls man so was überhaupt als Kunst bezeichnen konnte.

Er deutete auf einen Haufen Gemüse, das sich in fortgeschrittenem Verrottungsstadium befand und entsprechend roch. „Und das symbolisiert …“

Renata spähte in ihren Ausstellungsführer. „Es symbolisiert den aussichtslosen Kampf von Kleinbauern gegen die Unterjochung der Agrarindustrie.“

„Aha.“ Er wollte kein Spielverderber sein, also inspizierte er diesen Komposthaufen interessiert von allen Seiten.

„Gehen wir weiter.“ Renate hakte ihn unter und zog ihn zum nächsten Ausstellungsstück. Super. Ein Knäuel rostigen Stacheldrahts. In diesem Moment blieb Renata mit dem Absatz in der rauen Oberfläche des Zementbodens hängen, sodass Giorgio sie stützen musste.

„Immer schön vorsichtig. Sonst brauchen Sie heute noch eine Tetanusspritze.“ Er schenkte ihr ein charmantes Lächeln, und für den Augenblick vergaß sie, dass er ein waschechter Fürst aus dem fernen Italien war und sein Anzug vermutlich mehr gekostet hatte, als sie im ganzen Jahr verdiente. Nein, wenn er sie so anlächelte, war er einfach nur Mr Supersexy, dem sie am liebsten auf der Stelle seinen teuren Anzug vom Leib gerissen hätte. Ihr Atem beschleunigte sich, und sie spürte, wie ihre Brüste sich gegen das Spitzenbustier drückten, das sie unter ihrer Bluse trug.

Ihm schien ihre Reaktion nicht entgangen zu sein, denn sein Griff verstärkte sich. „Vermutlich symbolisiert dieses Kunstwerk die Wirrungen des täglichen Lebens?“

„Nein, es steht für die Flüchtlingsmisere.“

Giorgio nickte verständnisvoll. „Ah ja. Stefania ist Schirmherrin einer Stiftung für Frauen und Kinder aus Flüchtlingsfamilien.“

„So viel Verantwortung in ihrem Alter?“ Tatsächlich war Stefania nicht viel jünger als sie.

„Sie macht das bereits seit ihrem dreizehnten Lebensjahr.“ In seiner Stimme schwang unverhohlene Bewunderung mit. „Wissen Sie, sie war schon immer total interessiert an allem, was mit Politik zu tun hat. So ist es nur natürlich, dass sie jetzt Politikwissenschaften studiert. Was recht praktisch ist, denn sie hat immer den einen oder anderen strategischen Tipp für ihren überforderten Bruder parat.“

Gemeinsam studierten sie das nächste Exponat: eine Videoinstallation mit verschwommenen Fratzen und lauter statischer Musik im Hintergrund. Giorgio begutachtete es mit demselben höflichen Interesse wie die anderen Ausstellungsstücke. Alle Achtung, er kann sich wirklich benehmen, dachte Renata.

Sie reckte sich auf die Zehenspitzen und raunte ihm ins Ohr: „Wie scheußlich … haben Sie etwas dagegen, wenn wir jetzt gehen?“

„Amüsieren Sie sich denn nicht?“ Er zwinkerte ihr vergnügt zu.

„Oh, wenn ich mich amüsiere, werden Sie das schon mitkriegen“, versicherte sie ihm.

„Ach ja?“ Giorgio drehte leicht den Kopf, sodass ihre Gesichter sich fast berührten. Plötzlich schlug ihr Herz schneller. Bestimmt würde er sie jetzt küssen … Nein, doch nicht. Wahrscheinlich verstieß eine solche Zurschaustellung von Gefühlen in der Öffentlichkeit gegen die Etikette von Vinciguerra. „Ich rufe Paolo an, damit er uns abholt“, sagte er.

„Nein, nicht“, protestierte sie hastig. Es versprach ein aufregender Nachmittag zu werden, da wollte sie nicht durch einen Dritten gestört werden. „Heute ist ein wunderschöner Tag, gehen wir zu Fuß.“

„Wohin?“

„Überraschung!“ Übermütig zog sie ihn mit sich nach draußen und hielt genüsslich das Gesicht in die Sonne. „Ah, herrlich warm. Das entschädigt für einen langen, düsteren Winter.“

„Ein italienisches Mädchen wie Sie sollte von der Sonne verwöhnt werden.“

Sie berührte ihre Wange. „Lieber nicht, das ist schlecht für den Teint. Meine Verwandten sind alle mit schwarzen Haaren und olivfarbener Haut gesegnet, so wie Sie, aber ich verbrenne immer gleich.“

„Dann passen Sie gut auf, wenn Sie das nächste Mal nach Italien reisen. Sie wissen ja, die Sonne dort hat ordentlich Power.“

„Nächstes Mal? Ich war noch nie in Italien.“

Er blieb stehen und sah sie ungläubig an. „Renata Pavoni war noch nie in Italien? Wie das?“

Lachend zog sie ihn weiter. „Meine Eltern haben fünf Kinder. Irgendwann hat meine Mutter mal ausgerechnet, was eine Flugreise für sieben Personen von New York nach Italien kostet. Ihre schockierten Schreie konnte man damals bis zum nächsten Häuserblock hören.“

Das musste Giorgio erst einmal verdauen. Geldprobleme existierten in seiner Welt nicht. Er nickte bedächtig. „Und aus welcher Gegend von Italien stammt Ihre Familie?“

„Meine Großeltern mütterlicherseits kommen aus einem kleinen Dorf namens Corniglia an der italienischen Riviera. Nonna hat erzählt, das Dorf liege umgeben von Weinbergen auf einem großen Hügel. Dort wird eine ganz spezielle Weinsorte produziert, die man sonst nirgends auf der Welt findet.“

„Scciachetrà.“

„Genau. Jedes Jahr an Silvester köpfen wir eine Flasche, um auf unsere alte Heimat anzustoßen.“ Renata schüttelte sich. „Himmel, das Zeug haut ordentlich rein. Es wird aus Rosinen hergestellt, sodass der Zuckergehalt ziemlich hoch ist.“

„Ich habe diesen Wein nie probiert, aber bei uns gibt es etwas Ähnliches. Bocca di Leone – Löwenmaul. Man trinkt ihn aus fingerhutgroßen Gläsern, weil er so stark ist, dass er einen förmlich umhaut.“ Er seufzte. „Wobei mir einfällt, ich muss überprüfen, ob wir genug davon für Stefanias Hochzeit haben. Es ist Tradition, auf Hochzeiten damit anzustoßen, besonders bei fürstlichen Hochzeiten.“ Melancholisch fügte er hinzu: „Wahrscheinlich eine nützliche Erfindung. Ich brauche einen kräftigen Schluck, bevor ich Stefania zum Altar führe.“

„Nehmen Sie’s leicht, Giorgio.“ Renata tätschelte ihm den Arm. „Kein Mann ist dieser Aufgabe wirklich gewachsen. Jeder kriegt feuchte Augen, wenn er die Braut dem Bräutigam übergibt. Werden Sie zu dem Anlass bestimmte Orden tragen oder einen speziellen Degen?“

Giorgio blickte sie etwas verunsichert von der Seite an. „Manchmal weiß ich nicht, ob Sie mich gerade auf den Arm nehmen.“

„Sie sind viel zu ernst.“ Renata breitete die Arme aus. „Schauen Sie doch, was für ein schöner Tag es ist! Da sind wir in der fantastischsten Stadt der Welt, da drüben liegt der Central Park, die Sonne scheint, Ihre Schwester hat ihr Hochzeitskleid, und das alles ohne Nervenzusammenbruch. Wissen Sie eigentlich, wie schwierig es ist, bei Hochzeitseinkäufen nicht durchzudrehen?“

„Hm, nein.“

„Als ich noch als Angestellte in einem Brautsalon gearbeitet habe, gehörte der Umgang mit hysterischen Anfällen, therapeutischen Ohrfeigen und Beruhigungsmitteln zum täglichen Geschäft.“

„Da bin ich wohl noch mal mit einem blauen Auge davongekommen.“

„Allerdings, das sind Sie. Kommen Sie, wir nehmen die Abkürzung durch den Park.“

Die Bäume zeigten ihr erstes zartes Grün. Giorgio atmete tief durch in der lauen Frühlingsluft. Er spürte, wie die Anspannung ganz allmählich aus seinen Muskeln wich.

„Sehen Sie? Ein Spaziergang in der Natur tut Wunder. Ich wette, Sie haben schon seit einer Ewigkeit keine frische Luft mehr geschnappt. Aber irgendwie wirken Sie auf mich nicht wie einer, der den ganzen Tag hinter dem Schreibtisch hocken kann. Vielleicht sollten Sie sich eine Jacht anschaffen – falls Sie nicht schon längst eine haben.“

„Ja, haben wir, die Jacht meines Vaters. Wir vermieten sie für wissenschaftliche Exkursionen auf See und Ähnliches.“

„Hochzeiten, Bälle und Firmenjubiläen.“

Er grinste jungenhaft. „Ja, warum nicht, falls jemand anfragt.“

„Nutzen Sie oder Ihre Schwester die Jacht denn nie selbst?“

„Stefania schon, allerdings auch nur in ihrer offiziellen Funktion als Schirmherrin.“ Aufmerksam bog er für Renata einen niedrig hängenden Ast beiseite.

„Zu Ihrem persönlichen Vergnügen nehmen Sie sie nicht in Anspruch?“

„Nein. Nicht, seit Stefania studiert und ich die Pflichten des Staatsoberhaupts übernommen habe.“

„Arbeit allein macht nicht glücklich“, sagte Renata. Da besitzt man nun schon eine eigene Jacht und ist zu beschäftigt, um damit rumzuschippern, dachte sie. Offensichtlich war es egal, ob man nun ein großes oder kleines Reich regierte, der Arbeitsaufwand schien derselbe.

„Na, dann vergessen wir die Arbeit erst mal.“ Giorgio zog sie zur Seite unter eine große alte Eiche. „Ist dieser Lippenstift kussecht?“

„Ja, ich glaube schon. Die Werbung behauptet es jedenfalls, probiert habe ich es zwar noch …“

„Gut“, unterbrach er sie und zog sie in die Arme. Dann küsste er sie. Und zwar so umwerfend leidenschaftlich, dass Renata gar nicht erst versuchte, sich dagegen zu wehren. Wie von selbst öffneten sich ihre Lippen, was er sofort nutzte, um mit der Zunge das Innere ihres Mundes zu erkunden. Als er schließlich an ihrer Unterlippe zu knabbern und zu saugen begann, umklammerte sie aufstöhnend seine breiten Schultern. Oh Mann, ihr zitterten doch tatsächlich die Beine.

Renata konnte sich nicht erinnern, je so geküsst worden zu sein, leidenschaftlich und gleichzeitig so zärtlich. Sie musste einen Lustschrei unterdrücken, als er erst kleine Küsse auf ihr Kinn presste und dann mit seiner Zunge über ihren Hals bis zu der sehr erogenen Stelle leckte. Erregt schnappte sie nach Luft.

Sein rascher Atem kitzelte ihre Haut. Renata spürte, er war genauso heiß wie sie. „Mmm, bella“, raunte er, bevor er sich von ihr löste.

Ihre Lider flatterten, als ihr bewusst wurde, dass er sie nicht länger küsste. „Wow.“

Mit verschleiertem Blick schaute er sie an. „Es tut mir leid, Renata.“

„Es tut Ihnen leid, dass Sie mich geküsst haben?“ Sie schob ihn von sich weg und stemmte die Hände in die Hüften.

„Aber nicht doch. Es tut mir leid, dass ich es hier in aller Öffentlichkeit getan habe.“

Zumindest hatte der Lippenstift gehalten, was die Werbung versprach.

Wie sehr sie sich danach sehnte, seine Lippen noch einmal zu schmecken, ach was, am liebsten gleich seinen ganzen Körper. „Sie ziehen es vor, mich irgendwo ganz privat zu küssen?“ Verführerisch strich sie mit der Fingerspitze über seine Krawatte.

Giorgio umfasste ihre Hand und drückte einen vielversprechenden Kuss auf ihre Handfläche. „Nichts lieber als das.“ Er rieb sich über das Gesicht. „So gern ich Sie auch in meine Suite im Plaza-Hotel einladen möchte …“

„Sie bewohnen eine Suite im Plaza?“, unterbrach sie ihn. „Sieht es da wirklich so schick aus wie im Film? Bis jetzt habe ich es nicht weiter als bis in die Lobby geschafft.“

„Keine Ahnung, wie es im Film aussieht, aber meine Räume sind sehr schön eingerichtet. Allerdings …“

„… geht Ihnen das alles zu schnell?“, meinte sie bedauernd. Zwar war es, obwohl sie sich gern ein bisschen frivol gab, normalerweise nicht ihre Art, mit einem Mann ins Bett zu hüpfen, den sie gerade erst seit ein paar Stunden kannte. Aber diesmal war sie wirklich versucht, mit dieser Regel zu brechen.

Er nickte ernst. „Paolo hatte noch keine Gelegenheit, Sie einem Sicherheitscheck zu unterziehen.“

„Oh!“ Empört boxte sie ihn gegen den Oberarm.

„Autsch!“ Er hielt lachend seinen Arm. „Ich mach doch nur Spaß, Renata. Es geht zu schnell, weil ich Sie gern erst besser kennenlernen möchte.“

„Gut reagiert.“ Sie hob den Kopf, um ihm einen Kuss auf die Wange zu hauchen. Obwohl sie wirklich scharf auf Giorgio war, wäre es vielleicht doch besser, es bei einem harmlosen Kuss zu belassen. Er war eine Nummer zu groß für sie, ein reicher Fürst und Staatsoberhaupt noch dazu.

Aber ein Küsschen dürfte es doch wohl noch sein … Rasch zog sie Giorgio hinter den Baum und tat etwas, das man auch als Erregung öffentlichen Ärgernisses bezeichnen könnte. „Und was jetzt?“, wollte sie schließlich schwer atmend wissen.

Er nahm ihre Hand. „Was fängt ein New Yorker mit einem angebrochenen Nachmittag wie diesem an?“

Renata überlegte. „Wie wär’s mit dem Kunstmuseum?“

„Wir machen das, wozu du Lust hast.“

Wozu sie Lust hatte? Das stand in diesem Moment leider nicht zur Diskussion. Sie betupfte ihren Mund mit einem Taschentuch. „Ist mein Lippenstift verschmiert?“

„Alles okay.“ Er lächelte herausfordernd. „Aber wenn du ihn gern verschmiert haben möchtest, kriege ich das schon hin.“

„Oh, das glaube ich dir sofort“, gab sie atemlos zurück. Verdammt, er machte es ihr wirklich nicht leicht. „Komm, gehen wir.“

3. KAPITEL

Renata und Giorgio liefen die Marmortreppe zum Haupteingang des Metropolitan Museum of Art. Beinahe ehrfürchtig blickte Giorgio die monumentale Fassade aus Kalksandstein empor. „Früher, vor der Renovierung, war ich oft mit Stefania hier. Das scheint mir schon eine halbe Ewigkeit her.“

„Der graue Sandstein hat jetzt wieder seine ursprüngliche helle Farbe. Wunderschön, nicht wahr?“ Auch Renata war jedes Mal aufs Neue beeindruckt von der majestätischen Schönheit des neoklassizistischen Gebäudes, das auf sie wie ein Tempel aus längst vergangener Zeit wirkte – ein Tempel für die Kunst. „Hast du wirklich Lust, dir die Ausstellung historischer Mode anzusehen?“, fragte sie lächelnd. „Die meisten Männer interessieren sich nicht für Frauenkleidung – jedenfalls so lange nicht, bis es darum geht, sie der Frau auszuziehen.“

Lachend hakte er sie unter. „Da bin ich wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Wäre ich sonst extra aus Italien eingeflogen, um meine Schwester bei der Auswahl eines Brautkleids zu beraten?“

„Es war wirklich süß von dir zu kommen.“ Spontan drückte sie seinen Arm.

„Ich gebe mir Mühe, Stefania jeden Wunsch zu erfüllen. Früher war sie zum Beispiel ganz verrückt auf dieses Museum hier.“ Er hielt ihr die schwere Tür auf und löste zwei Eintrittskarten, bevor Renata ihm zuvorkommen konnte – was sie natürlich versuchte.

Im Foyer nahm sie ihn beiseite und flüsterte ihm ernst zu: „Heute bist du von mir eingeladen, das habe ich doch gesagt. Nur weil du ein Fürst bist, musst du nicht alles bezahlen, okay?“

„Du glaubst also, ich habe bezahlt, weil ich mehr Geld habe als du?“, erwiderte er.

„Ja.“

„Falsch.“ Er nahm ihre Hand. „Ich hätte dein Ticket auch mit meinem letzten Cent bezahlt – ganz einfach, weil ich ein Mann bin und du eine zauberhafte Frau bist, die mich zum Lachen bringt und mir gute Laune macht. Das passiert mir leider nicht so oft.“

„Oh, bitte, lass mich doch zahlen.“

„Nein, trotzdem vielen Dank. Ich habe zwar viele Privilegien in meinem Leben, doch Freizeit in Gesellschaft eines netten Menschen gehört leider nicht dazu.“

„So geht’s mir auch.“ Sie drückte seine Hand. Er hatte sie zauberhaft genannt, da wollte sie nicht so streng mit ihm sein.

„Los, verschwenden wir keine Zeit mehr, schauen wir uns die Kostümausstellung an“, sagte er.

„Okay. Und wenn wir dann noch Lust haben, darfst du dir aussuchen, welche Abteilung wir uns dann ansehen.“

Er bot ihr den Arm, und gemeinsam folgten sie den Hinweisschildern zur Galerie. „Die meisten Dauerausstellungen habe ich ja bereits gesehen. Deshalb bin ich schon ganz gespannt auf diese Sonderschau.“

„Wie wär’s denn mit der Abteilung Waffen und Rüstungen? Für so etwas interessieren sich Männer doch meistens.“

Er schnaubte verächtlich. „Da verfügen wir zu Hause über eine weitaus beachtlichere Sammlung.“

„Was? Besser als die hier?“

„Das sollte ein Scherz sein.“ Er stieß sie neckend in die Seite.

„Aber ihr habt zu Hause Waffen und Rüstungen?“

„Im Museum“, korrigierte er. „Die Rüstungen waren allerdings vorher schon in unseren Privaträumen.“

„Du hattest wohl keine Lust mehr auf die vielen Touristen im Haus?“

„Wenn nur alle Touristen so zauberhaft wären wie du, dann hätte ich kein Problem damit.“ Auf ihren skeptischen Blick hin fügte er hinzu: „Hey, das sollte wieder ein Spaß sein, Renata. Ich diene meinem Volk, nicht umgekehrt.“

„Also gut.“ Sie musste ihm zugestehen, dass er für einen Fürsten überhaupt nicht arrogant war. Nicht, dass sie außer ihm viele Fürsten kannte. Eigentlich nicht mal einen einzigen.

Er legte ihr den Arm um die Schultern und deutete auf den Eingang zur Galerie. „Da wären wir.“

Als sie an Giorgios Seite den dunklen, dramatisch beleuchteten Raum betrat, schnappte Renata nach Luft. „Oh, das finde ich aber wirklich beeindruckend.“ Strategisch installierte Spotlights strahlten Schaufensterpuppen in eleganten Ballroben der 1890er an.

„Sehr elegant“, bestätigte Giorgio.

Renata trat so dicht wie möglich an die Puppen heran, um jedes noch so kleine Detail der Kleider in Augenschein zu nehmen. Die Stoffe waren aus Satin, Samt und Seide. Auffallend waren die wunderschön gestickten Verzierungen aus Wachs- und Glasperlen: Schmetterlinge, Blumen, Spiralen und Schleifen. „Vielleicht ist es doch ein Fehler, nicht auf Tante Barbaras Stickkünste zurückzugreifen. Das hier könnte sie im Schlaf.“

„Die Dame, die Stefanias und Dieters Initialen in ihren, hm, Unterrock einstickt?“

Renata musste lachen. Typisch Bruder. „Genau die. Sie wird so enttäuscht sein, dass sie dich verpasst hat.“ Das Understatement des Jahrhunderts. Ein waschechter Fürst und eine Prinzessin verirren sich in ihr Atelier, und Tante Barbara saß im Wartezimmer des Gastroenterologen. Geradezu tragisch … Tja, wenigstens würde sie noch Stefania kennenlernen, die hatte ja noch ein paar Anproben.

Im nächsten Raum war Sportkleidung aus dem späten neunzehnten Jahrhundert zu sehen. Für Renata war es zwar eine seltsame Vorstellung, in einem bodenlangen Rock Tennis zu spielen oder in Wollrock und Kostümjacke Fahrrad zu fahren, doch gerade diese Ausstellung machte ihr bewusst, welch rasante Entwicklung die Frauenemanzipation in den vergangenen Jahrzehnten genommen hatte.

Anschließend erwarteten sie noch eine geradezu paradiesische Fülle weiterer Ballkleider, extravagante Kreationen aus fließenden Stoffen mit asiatischen Stilelementen – viele neue Anregungen für ihre eigene Werkstatt.

„Jugendstil ist eine meiner bevorzugten Kunstepochen.“ Giorgio ließ den Blick über die bunten Tiffanyfenster und die klassischen italienischen Opernposter gleiten.

„Meine auch“, rief Renata enthusiastisch. „Ich liebe dieses Gemälde von Gustav Klimt, das einen Mann und eine Frau zeigt, die sich umarmen, getaucht in all diese fantastischen Goldtöne.“

„‚Der Kuss‘.“ Giorgios Blick fiel auf ihren Mund.

Gedankenverloren fuhr sie sich mit der Zungenspitze über die plötzlich trockenen Lippen. „Stimmt, ‚Der Kuss‘.“ Ihre Haut prickelte.

„Hast du es dir mal in Wien angesehen?“

Sie lachte – und der erotische Zauber war gebrochen, jedenfalls für den Moment. „Aber nein, bis Wien habe ich es noch nicht geschafft.“ Oder sonst irgendwohin östlich des Atlantischen Ozeans.

„Das solltest du dir mal gönnen.“

Mit welchem Geld? Sie nahm seine Hand und zog ihn weiter. Er war wirklich süß, aber zwischen ihnen lagen Welten, das wurde ihr immer wieder bewusst.

Geduldig begleitete Giorgio sie durch die weiteren Räume der Ausstellung, höflich genug, sein Handy in der Tasche zu lassen und Interesse zu bekunden, während sie die Mode verschiedener Epochen genauestens inspizierte. Renata wünschte, sie könnte Fotos machen, doch die Beleuchtung in den Räumen war zu gedämpft – außerdem war das Fotografieren zum Schutz der Exponate vermutlich ohnehin verboten. Am Schluss stöberten sie im Museums-Shop, wo man originalgetreue Kopien der ausgestellten Schmuckstücke sowie zahlreiche Bücher zum Thema erstehen konnte.

Giorgio griff nach einem schweren Bildband, der die aktuelle Ausstellung dokumentierte. „Ich würde dir gern ein kleines Geschenk machen – als Souvenir für unseren gemeinsamen Nachmittag?“

„Na ja, klein kann man dieses Buch wohl kaum nennen“, meinte sie zögernd, während sie innerlich schon darauf brannte, in dem Kunstband zu schmökern.

„Es ist ein bisschen schwer, ich trage es für dich.“ Giorgio zwinkerte ihr zu.

Renata beschloss, sich dieses eine Mal zu erlauben, seine zuvorkommende Art zu genießen. „Nett von dir, danke.“

Er schien überrascht, als hätte er erwartet, sie würde eine Diskussion darum entfachen. „Sehr gern geschehen.“ Er beeilte sich, zu bezahlen, bevor sie es sich womöglich doch noch anders überlegte.

Inzwischen bestaunte Renata die glitzernden Schmuckstücke in den Glasvitrinen. Ein bisschen zu üppig für ihren Geschmack, aber Tante Barbara wäre bestimmt entzückt.

„Hast du etwas entdeckt, was dir gefällt?“ Giorgio war unbemerkt neben sie getreten.

Sie schüttelte den Kopf. „Ich dachte nur gerade, das würde meiner Tante gefallen. Sie mag es gern ein bisschen … extravagant.“

Er musterte sie von Kopf bis Fuß. „Interessant, dass gerade du das sagst. Eine Frau, die wie ein Filmstar aus den Vierzigern daherkommt …“

„Stimmt schon, Seidenstrümpfe mit Naht kann man wohl kaum als schlicht bezeichnen.“

„Nicht wirklich.“ Seine Stimme klang plötzlich seltsam rau. „Als authentisch hingegen schon, oder?“

„Ja.“ Renata räusperte sich. „Vielleicht kriege ich Tante Barbara ja dazu, sich die Ausstellung mit mir anzusehen. Ich würde sie gern ermutigen, ein paar eigene Designs zu entwerfen.“

„Mit dir als Mentorin wird ihr das sicher gelingen.“

„Schmeichler.“

Giorgio zuckte die Achseln. „Ich sage es nur, wie es ist. Du hast es geschafft, etwas aus dir zu machen, während ich mich von Anfang an auf meinen fürstlichen Lorbeeren ausruhen durfte und eigentlich nur dafür sorge, dass alles so bleibt, wie es immer war.“ Er klang ein bisschen deprimiert.

„Unterschätz das nicht. Tausende von Familien hängen von dir ab, von deiner Fähigkeit, die Kapazitäten deines kleinen Landes möglichst effektiv zu verwalten, sodass auch die folgenden Generationen noch davon profitieren können.“

Er grinste jungenhaft. „Du bist ziemlich clever, das weißt du, oder?“

„Aber klar doch. Und wenn du jetzt bitte deinen Luxusschlitten herbeorderst, dann können wir eine kleine Spritztour machen.“

Sofort schrieb er Paolo eine SMS, und kaum hatten sie das Museum verlassen, fuhr die schwarze Limousine vor. Giorgio war Renata beim Einsteigen behilflich – der perfekte Gentleman. „Downtown, bitte, Paolo.“

Beinahe geräuschlos, so kam es Renata jedenfalls vor, fädelte sich der schwere Wagen in den dichten Verkehr ein. Erwartungsvoll ließ sie sich in die weichen Ledersitze sinken. Keine Ahnung, wohin die Fahrt ging, doch Renata bezweifelte nicht, dass es ein unvergessliches Erlebnis werden würde.

„Danke für das Dinner, Renata.“ Giorgio warf ihr einen leicht verunsicherten Seitenblick zu. „Ich gestehe, ich bin es nicht gewohnt, dass eine Dame für mich zahlt.“

„Sei nicht albern, das war doch nur ein Chili-Hotdog“, schimpfte sie. „Wenn du darauf bestehst, setze ich es mit auf die Rechnung für das Hochzeitskleid.“

Er beugte sich vor, seine Augen blitzten. „Ich bestehe darauf.“

Sie waren auf dem Rückweg Richtung Brooklyn. Schade, dachte Renata, die den Abend gern noch ein bisschen länger genossen hätte.

„Sag, wann hast du wieder mal Zeit?“ Giorgio verflocht seine Finger mit ihren.

„Zeit wofür?“

„Sich mit mir zu treffen. Was hältst du davon, wenn ich dich einmal zum Dinner ins Plaza ausführe?“

Sie lehnte den Kopf an seine Schulter. „Nur, wenn es dort Hotdogs gibt.“

„Ich werde dafür sorgen.“ Zärtlich streichelte er ihre Wange. „Hey, ich möchte dich wirklich gern wiedersehen.“

„Hast du Lust auf eine Tour durch mein Viertel?“

„Wie bitte?“ Er blickte aus dem Fenster auf die eintönigen Reihen fast identischer Häuser, die sich am Straßenrand entlangzogen.

„Sag deinem Fahrer, er soll noch ein bisschen durch die Gegend fahren. Ich spendiere dir eine private Führung.“ Und nicht nur das … Inzwischen war sie so heiß auf ihn, sie schmolz förmlich dahin vor Verlangen.

Giorgio verstand. Er betätigte den Knopf der Sprechanlage und gab seinem Chauffeur Instruktionen auf Italienisch.

„Das hätten wir. Paolo wird uns so lange durch die Gegend kutschieren, bis ich ihm andere Anweisungen gebe. Er kann weder hören noch sehen, was hier hinten passiert.“ Er drückte einen weiteren Schalter, und im Fond des Wagens breitete sich gedämpftes Licht aus. „Ich möchte dich gern ansehen, während wir … reden. Du bist so sexy, die sinnlichste Frau, die mir je begegnet ist.“

Renata lachte leise. „Obwohl ich nicht gerade der durchtrainierte Supermodeltyp bin?“

„Gott sei Dank“, seufzte Giorgio. „Ich stehe nicht auf Frauen, die mehr Muskeln haben als ich.“ Zärtlich streichelte er ihre Wange. „Ein richtiger Mann will eine richtige Frau mit richtigen Rundungen. Eine Frau wie dich. So sanft und weich …“ Jetzt ließ er die Hand weiterwandern, über ihren Nacken bis zu ihren Schultern. Renata erschauerte, ihr wurde heiß und kalt unter seiner federleichten Berührung, sie wollte ihn auch, und zwar gleich jetzt und hier, auf dem Rücksitz seines Wagens.

„Und du bist natürlich ein richtiger Mann“, flüsterte sie herausfordernd und ließ sich tiefer in den Sitz sinken. Ohne Eile, Knopf für Knopf, öffnete sie ihre Bluse, dabei sah sie Giorgio unverwandt in die Augen.

Der schnappte hörbar nach Luft, als sie schließlich in ihrem schwarzen Spitzen-BH vor ihm saß. „Bella, che bella“, raunte er erregt.

Aufreizend langsam ließ sie die Bluse von den Schultern gleiten. „Das ist alles für dich, Giorgio.“ Sie löste ihr Haar und schüttelte es in einer lasziven Bewegung aus. „Den ganzen Tag bin ich schon scharf darauf, dich endlich zu spüren. Lass mich nicht länger warten …“

Er stöhnte lustvoll auf, und die deutliche Ausbuchtung in seiner Designer-Hose verriet Renata, dass er ebenfalls mehr als bereit für sie war. Zitternd vor Erwartung legte sie ihre Hand auf seine beeindruckende Erektion, oh Mann, war er hart. Und groß! Mit einer raschen Bewegung öffnete sie den Reißverschluss …

… und lag im nächsten Moment flach auf dem Rücken. Giorgio riss ihr den BH herunter und beugte sich über ihre nackten Brüste. Die eine Brustwarze umschloss er mit seinen weichen Lippen, die andere rollte er zwischen den Fingern, was sie besonders erregte. Renata bebte vor Verlangen, als er begann, heftiger zu saugen. Blitze heißer Begierde jagten durch ihren Schoß. Wahnsinn! Wie würde es erst sein, wenn er … Er hob den Kopf, um sie hungrig zu küssen. Auch das beherrschte er meisterhaft, und sie erwiderte den Kuss gierig. Unwillkürlich rieb sie sich an ihm. Wollte mehr. So viel mehr …

Irgendwann löste Giorgio sich seufzend von ihren Lippen und ließ seinen Mund wieder zu ihren Brüsten wandern. Ja! Genau dort wollte sie ihn spüren. Er saugte an einer ihrer Brustwarzen und blies dann leicht über die feuchte aufgerichtete Spitze. Wow, noch nie hatte sie derart heftig auf einen Mann reagiert, ihr Herz schlug so schnell, dass ihr schwindlig wurde vor Begehren.

Er presste seine Erektion zwischen ihre Schenkel. „Du machst mich total verrückt, Renata.“

„Dann lass uns zusammen verrückt werden“, stieß sie keuchend hervor.

„Nicht so schnell …“ Er rückte etwas von ihr ab, ließ seine Hand ihren Schenkel hinaufgleiten – und zog plötzlich scharf die Luft ein. „Dio mio, du trägst giarrettiere – keine Ahnung, wie man das übersetzt.“

„Strapse. Freut mich, dass sie dir gefallen.“

„Strapse machen mich total an“, flüsterte er mit rauer Stimme. Seine Finger erkundeten die nackte, seidenweiche Haut zwischen dem Beinausschnitt ihres Tangas und dem spitzenbesetzten Rand der Strümpfe. Dann umfasste er mit beiden Händen ihren nackten Po. „Ein String? Hey, ich geh gleich ab wie eine Rakete, dabei habe ich dich noch nicht mal richtig angeschaut.“ Ungeduldig zog er ihren Rock bis zur Taille hoch. Er verschlang sie mit seinen Blicken. „Du bist wunderschön.“

Er küsste ihren Bauch. Renata wand sich unter den Liebkosungen und schnappte nach Luft. „Ah.“ Er schaute auf und grinste sie an. „Du bist kitzelig.“

„Nein, du hast mich nur überrascht“, schwindelte sie atemlos, nur um sofort wieder wohlig zusammenzuzucken, als er mit der Zungenspitze ihren Nabel umkreiste. Tiefer und tiefer ließ er seinen Mund gleiten, bis zu dem schwarzen Satinband ihres Tangas. Renata spürte seinen Atem heiß auf ihrer Haut.

Ihr wurde noch heißer, als er das Stoffdreieck ihres Strings zur Seite schob und sie intim berührte. Ungeduldig schob sie das Becken vor, als er die Quelle ihrer Lust fand und mit dem Daumen umkreiste.

„Bist du hier etwa auch kitzelig?“ Sie war jetzt so gefangen in ihrer Lust, dass sie nichts sagen, vor Verlangen nur stöhnen konnte.

„Wenn es dir nicht gefällt, höre ich gern auf“, neckte er weiter.

„Nein – nicht aufhören, bitte, mehr …“

Endlich hatte er seinen Mund genau da, wo sie ihn jetzt haben wollte, ach was, haben musste. Er umspielte ihre Lustknospe mit der Zunge, mal aufreizend langsam, dann wieder sensationell schnell, ein Rhythmus, der sie ganz wild machte, eine süße Qual. Die Wogen der Leidenschaft trugen Renata immer höher, ihr Atem beschleunigte sich, die Welt um sie herum versank, und sie überließ sich ganz Giorgios berauschenden Liebeskünsten.

Sie spürte, wie seine starken Hände sich fast schmerzhaft und fordernd um ihren Po legten. Seine Bartstoppeln fühlten sich rau an auf der zarten Haut ihrer Schenkel, aber seine Lippen schlossen sich ganz weich um ihre Lustperle, bevor er leicht daran saugte. Ihr entflammter Körper schien seinen eigenen Willen zu besitzen. Wellen der Erregung breiteten sich vom Becken nach oben aus. Sie stöhnte vor Verlangen, legte die Hände auf ihre Brüste und spielte mit den aufgerichteten Brustwarzen.

Giorgio hob den Kopf, um zu sehen, was sie da trieb. Der Anblick machte ihn noch härter. Ihre Unersättlichkeit spornte ihn an. Er stimulierte sie abwechselnd mit dem Daumen und der Zunge, saugte und leckte. Als er mit einem Finger in sie eindrang, schloss sie sich feucht und heiß um ihn.

Keuchend stützte Renata sich auf die Ellbogen, um Giorgio anzusehen. Es machte sie unglaublich scharf, sich ihm hier auf dem Rücksitz seiner Limousine mit weit geöffneten Schenkeln auszuliefern – einem Mann, den sie kaum zwölf Stunden kannte.

In diesem Moment zog er seinen Finger zurück und drang mit der Zunge in sie ein. Leise aufschreiend ließ Renata sich wieder in die Polster zurückfallen, schlug die Hand vor den Mund, um ihre jetzt immer lauter werdenden Schreie zu dämpfen. „Oh ja, Giorgio, ja, ja, genau so …!“

Wild wand sie sich auf dem Sitz. Giorgio hielt sie unnachgiebig fest, spürte, gleich würde sie kommen.

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