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TIFFANY SEXY SELECTION BAND 2

THEA DEVINE

Sommer der Versuchungen

Jeds Jagdinstinkt ist geweckt. Er will Lo. Sofort, wie wild, seit er sie zum ersten Mal gesehen hat. Es gibt nur zwei kleine Hindernisse: Lo ist die beste Freundin seiner aktuellen Affäre – und sie behauptet, in diesem Sommer von Männern nichts mehr wissen zu wollen. Aber Jed weiß schon, was er tun muss, damit sie ihm trotz allem nicht widerstehen kann …

DEBBI RAWLINS

Verführerisches Spiel mit dem Feuer

Diese Frau bedeutet nichts als Ärger! Das ist Zach sofort klar, als er die attraktive Jordan zu ihrem gemeinsamen Abenteuertrip abholt. Ihr sexy Lächeln berührt ihn mehr, als es sollte. Dabei ist sie als Klientin für ihn tabu. Doch kaum schmiegt sie sich am Lagerfeuer verlangend an ihn, kann er seine brennende Lust einfach nicht länger beherrschen …

SAMANTHA HUNTER

Nur eine sinnliche Sommeraffäre?

„Was machen Sie in meinem Haus?“ Joel kommt gerade aus der Dusche, als plötzlich die verführerische Edie vor ihm steht. Schockiert erfährt er, dass sie wegen einer Fehlbuchung zwei Wochen bei ihm wohnen muss. Schnell landet er mit ihr im Bett und kann bald nur noch an eins denken: mehr superheißen Sex! Wie soll er da noch mit kühlem Kopf seine Zukunft planen?

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Sommer der Versuchungen

1. KAPITEL

Okay, ich geb’s zu. Die ganze Sache fing an, weil ich beschlossen habe, eine Männerdiät zu machen. Nennen wir die Dinge beim Namen – ich habe mich völlig aus der Dating-Nahrungskette zurückgezogen. Diese gut aussehenden Brocken weglassen. Mich geweigert, mich von diesem saftigen Frischfleisch verführen zu lassen. Ich hatte genug von dem ewig gleichen Fast-Food-Sex und wollte etwas anderes.

Meine Mitbewohnerin, Paula, meint, Penisse haben keine Kalorien, und ich bin eine Idiotin, wenn ich sie aufgebe. Ich behaupte, es gibt nichts daran, das einen nicht aufbläht und verrückt macht, besonders eine unerwartete, ungewollte Schwangerschaft.

Paula meint, Männer seien ein All-you-can-eat-Büfett.

Ich hatte genug davon, Fast-Food-Sex in mich hineinzuschlingen. Es war an der Zeit, ein reinigendes Fasten zu beginnen.

Ich wollte jemanden finden, der sich auf mehr als nur die Entscheidung, welches Hemd er am nächsten Morgen anziehen sollte, einlassen wollte.

So bin ich auf die Idee mit der Männerdiät gekommen.

Die ich mir ausgedacht habe, weil ich über Essen schreibe. Ihr habt vielleicht sogar meine Kochkolumne für Eilige gelesen, den „Huschhusch-Gourmet“.

Ich bin Lo Cavallero. Lo ist die Kurzform für LoAnne, aber alle denken, es heißt Lou-Anne. Also habe ich die Verwirrung beendet und es für alle einfacher gemacht, indem ich den Teil mit dem Anne weggelassen habe.

Im richtigen Leben teile ich mir ein winziges Einzimmerapartment im äußersten Nordwesten Manhattens mit der eben erwähnten Paula – Talcott – die schon im College meine Mitbewohnerin war.

Lasst mich von Paula erzählen. Paula ist nicht wie ich. Paula ist groß, schlank wie ein Model, besessen von Designermode, blond, wunderschön, ausgebufft und auf ihre Art schlau. Ich bin groß und schlaksig und habe wuscheliges, dunkelbraunes Haar, das zu meinem losen Brooklyner Mundwerk passt. Ich bin ziemlich klug, aber nicht so ausgebufft, und es interessiert mich nicht die Bohne, wie ich aussehe.

Paula gibt mir Glamour und ich gebe ihr gute Ratschläge. Sie lässt mich sexy wirken, ich sorge dafür, dass sie am Boden bleibt.

Paula hat ihren Abschluss sechs Monate vor mir gemacht, ihren Traumjob in einer internationalen Werbeagentur bekommen und sich in kürzester Zeit zur Assistentin des Großkundenbetreuers hochgearbeitet und schließlich das Apartment gefunden, das ich mit ihr teilen sollte.

Obwohl es in einem Einzimmerapartment schwierig werden kann, haben wir zwei Einzelbetten, damit keine auf dem Boden oder auf der Couch schlafen muss, wie Freunde von uns es machen, wenn sie hier übernachten oder wenn eine von uns jemanden mit nachhause nimmt.

Besser gesagt: Paula. Paula lebt das Leben, von dem die meisten von uns nur träumen, und es gab immer einen kleinen Teil von mir, der genauso abenteuerlustig und sorglos sein wollte, wenn es um Sex und das Leben geht. Aber, wenn man meine strenge Erziehung bedenkt, habe ich es immer vorgezogen, dieses Leben von jemand anderem leben zu lassen, bis ich Paula traf.

Binnen kürzester Zeit wurde ich Paulas Vertraute und ihre Mitverschwörerin und ich habe dieses Singleleben in der Stadt jetzt in den sechs Jahren, die wir uns kennen, gelebt.

Trotzdem bin ich die Superverantwortungsbewusste. Liegt vermutlich daran, dass ich ein Schlüsselkind war. Meine Mutter hat jung geheiratet, wurde jung zur Witwe und hat mich ohne Ehemann großgezogen, und das mit einem winzigen Einkommen und unter dem kritischen Blick von Unmengen strengen Verwandten. Das hat sie noch entschlossener gemacht, zu beweisen, dass sie ein Kind aufziehen und arbeiten gehen konnte, ohne je jemanden um Hilfe bitten zu müssen.

Außer mir. Als ich alt genug war.

Ich habe abgewaschen, abgestaubt, gesaugt und gekocht, solange ich denken kann. Ich habe dafür gesorgt, dass mein Bett gemacht war, dass die Wäsche gewaschen war und dass meine Hausaufgaben nicht darunter litten. Und ich habe lauter Einser geschrieben, weil es sie verletzt hätte, wenn ich es nicht getan hätte.

Ich habe getan, was ich konnte, um Moms Last zu erleichtern, bis zu dem glorreichen Tag, an dem sie einen Abschluss in Computerstudien vom Community College hatte und einen Job, der kranken- und rentenversichert war.

Es war absolut klar, dass ich aufs College gehen würde und dass ich mich durch nichts davon abbringen lassen durfte. Weil sie mich sonst verstoßen hätte. Punkt. Was mich betrifft, als Tochter meiner Mutter war ich fest entschlossen, sie stolz zu machen, mit Auszeichnung zu bestehen und einen sicheren Job zu finden, der mir das nötige Kleingeld verschaffte, um meine Mom zu unterstützen und ihr die Sicherheit zu geben, dass ich niemals hungern müsste, verheiratet oder nicht.

Alle anderen Träume, die ich vielleicht mal gehabt habe, die vergänglichen – wie eine Künstlerin, eine Schriftstellerin, eine Köchin zu sein oder zu heiraten –, habe ich nicht für möglich gehalten. Mein Ziel war ein bombensicherer Gehaltsscheck, weil man sich auf nichts verlassen kann – besonders nicht auf einen Mann.

Ich hätte eigentlich die Vorkurse fürs Medizinstudium belegen sollen, denn als ich nach dem Abschluss den perfekten Job suchte, habe ich die einträgliche Welt des medizinischen Schriftverkehrs entdeckt. Ich machte einen Kurs, bekam ein Diplom, beschloss, eine unabhängige Unternehmerin zu werden und akquirierte meinen Kundenkreis, bestehend aus zwei Dutzend Ärzten und einer Werbeagentur, die sich auf Pharmazie spezialisiert hat. So kann ich mir meine Arbeitszeit einteilen.

Und dann, darauf wollte ich eigentlich hinaus, schreibe ich diese kleine Kochkolumne für ein kleines, unabhängiges Upper West Side Lokalblatt, den WestEnder.

Der WestEnder fing als kleine Gratiswerbebroschüre an und wurde zu einer Boulevardzeitung, die man am Kiosk kaufen oder abonnieren kann. Um Leser anzulocken, hat der Herausgeber beschlossen, Artikel und Kolumnen hinzuzufügen, die auf lokale Geschäfte und Veranstaltungen aufmerksam machen, und, dank der demographischen Daten, eine Kolumne mit Buch- und Filmrezensionen und schließlich eine Kolumne fürs Kochen.

Ich habe für mich und Mom gekocht, seit ich alt genug war, es zu lernen. Mom mochte ihr Essen am liebsten schnell und scharf, denn wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, war sie völlig fertig. Also begann ich, Rezepte für sie zusammenzustellen, aber ich hätte mir nie träumen lassen, dass diese Rezepte jemals aus Moms Küche herauskommen würden.

Aber – und hier fängt die ganze Geschichte an – Paula war eine Zeitlang mit Jed Costigan, dem Herausgeber vom WestEnder, zusammen und sie hatte mich eines Abends im März eingeladen, mit ihr und Jed in ein neu eröffnetes Restaurant mitzukommen, das ein Restaurantkritiker die Woche vorher sehr gelobt hatte.

Es war rappelvoll und ich war eine halbe Stunde zu spät. Ich fegte in das Lokal hinein wie ein Tornado, aber das war es nicht, was mich mitten in der Bewegung stoppte, als ich durch die Tür stürzte. Es war auch nicht die unruhige Menge. Oder der köstliche Duft. Oder die geplagten Kellner. Oder die Tatsache, dass das viel gelobte Fast Food des Restaurants mit dem schnellen Service offensichtlich schon über Bord gegangen war.

Nein, es war etwas viel Undefinierbareres: Ich hatte das seltsame Gefühl, dass Jed Costigan mich sofort in dem Moment, in dem ich zur Tür reinkam, bemerkte.

Seltsam, weil ich nicht die Art von Frau bin. Und zu allem Überfluss wusste ich sofort, dass Paula es auch spürte.

Nur, was wusste sie schon? Ihr Freund hatte aufgesehen, als jemand zur Tür hereinkam? Völlig normales Verhalten.

Paula funkelte mich böse an, als ich mich dem Tisch näherte. „Und das ist Lo“, sagte sie zu Jed, der seine guten Manieren bewies, indem er aufstand und mir die Hand schüttelte.

„Fester Händedruck“, murmelte er.

„Oh, das sagen alle“, erklärte ich und zog meinen Mantel aus, um ihn über die Stuhllehne zu hängen. Nun sah ich ihn an und überlegte, was ich Intelligentes sagen könnte. „Wow, viel los heute.“

Ein guter Anfang für ein Gespräch.

„Ich würde gerne glauben, dass es an unserer Kritik gelegen hat“, meinte Jed heiter.

„Es war eine gute Kritik“, sagte ich, während ich ihn kritisch betrachtete. Er war groß, gut gebaut, hatte rotbraunes Haar, aufmerksame dunkelblaue Augen, ein ernstes Gesicht und trug einen seriösen Armanianzug. Seine tadellosen Manieren, so fand ich, verbargen die Seele eines gerissenen Raubtiers.

„Ehrlich gesagt“, fuhr ich fort und stolperte fast über meine eigenen Worte, „glauben die ganzen Leute, die ihr Leben in Warp-Geschwindigkeit leben, dass Gourmetküche bedeutet, eine Handvoll Thaihühnchen in einen Behälter mit pfundweise Gemüse zu werfen. Sie könnten das Zeug zuhause schneller, besser und billiger kochen.“

Jed erwiderte: „Wirklich?“

Er war nur höflich. Trotzdem fuhr ich unbeirrt fort. „Wirklich.“

„Wir haben schon bestellt“, mischte sich Paula ein. „Du isst dasselbe wie ich.“

„In Ordnung.“ Ich sah mich im Speisesaal um, weil ich Paula und Jed nicht ansehen wollte, da ich wusste, dass Jed mich heimlich begutachtete.

„Okay“, sagte Jed plötzlich. „Das ist der Deal. Du kochst das, was wir heute essen, nach – schneller, besser und billiger – und dann schreibst du es mir auf und wir sehen, ob wir dich zu einer Kolumnistin fürs Essen machen können.“

In der Stille, die auf sein Angebot folgte, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Mann, das war ein verzweifelter Versuch, dachte Jed reumütig. Er hatte keine Ahnung, wie Lo auf ein plötzliches Stellenangebot reagieren würde, von dem er nicht gewusst hatte, dass er es überhaupt machen würde. Er wusste nur, dass er einen Grund brauchte, um Lo wiederzusehen, und es gab keine bessere Entschuldigung als etwas Geschäftliches. Er hatte ohnehin über eine Rezeptkolumne nachgedacht, also war es keine völlig spontane Idee.

Und, verdammt, warum sollte man den Laden schmeißen, wenn man nicht machen konnte, was man wollte.

Er wollte Lo.

Sofort, wie wild, in dem Augenblick, als sie durch die Tür kam mit ihrem windzerzausten Haar, ihren strahlenden Augen, mit dem langen Mantel, der sich aufplusterte und ihren eng anliegenden Rollkragenpulli enthüllte, ihren endlosen Beinen und der süßen rosigen Nasenspitze.

Nach dem, was Paula ihm erzählt hatte, hatte er gedacht, dass ihre Mitbewohnerin ebenso modisch perfekt wie Paula war. Mindestens eine Vizepräsidentin eines Konzerns.

Jemanden wie Lo hatte er nicht erwartet.

Eines wusste er sofort: das würde alles viel komplizierter machen.

Egal.

Lo stürmte zur Tür herein und alles hatte sich verändert.

Er hatte sich verändert.

Er wusste es und er hatte nicht vor, dagegen anzukämpfen. Nicht, nachdem Lo sich so benahm, als hätte er ihr ein Weihnachtsgeschenk gemacht. Es bedeutete nur, dass alles chaotisch werden würde.

Sei’s drum.

Er begriff, dass Lo Herausforderungen mochte, und sie war fasziniert genug, um das Angebot nicht auszuschlagen. Aber sie musste natürlich darüber nachdenken – gründlich. Also verschränkte er seine Arme und wartete geduldig.

Ich war so verblüfft, dass ich eine Weile brauchte, um zu antworten. Schließlich warf ich ihm einen langen, ungläubigen Blick zu. „Das ist ein Witz, oder?“

„Mein voller Ernst“, entgegnete Jed.

„Dass, wenn ich dieses Abendessen schneller, besser und billiger mache, das eine Probe für meine eigene Kolumne ist.“

„Ja.“

„Im WestEnder?“

„Ja“, sagte Jed.

Ich war schon wieder sprachlos.

Paula nicht. „Fang an Notizen zu machen“, meinte sie. „Unsere Kellnerin kommt.“

Ich kriegte das Essen kaum runter, so brachten mich das Angebot und er aus der Fassung. Ich versuchte mir in Gedanken Notizen zu machen, was wir gegessen hatten, aber mein Hirn war zu durcheinander, um sich irgendetwas zu merken.

Schließlich hielt ich es für diplomatisch, Jed einzuladen, wenn ich die schnellere, bessere und billigere Art zu kochen ausprobierte.

Es war nervenaufreibend, und das ist noch untertrieben. Unsere Küche war winzig und er füllte den Raum mit seiner unerschütterlichen, männlichen Aura aus. Er machte mich nervös, weil ich wusste, dass er mich eingehend begutachtete.

„Also, ich stelle mir vor, dass ich aus dem Büro komme.“ Ich startete mein Verkaufsgespräch. „Ich habe nicht viel Zeit zum Einkaufen. Es gibt da einen Laden an der Ecke, wo ich mir eine Packung Pasta, ein paar Hühnerbrüste und eine Packung Tiefkühlgemüse kaufe und das war’s. Ich habe Sojasauce und Rapsöl zur Hand. Reis, eine Dose Hühnersuppe. Und das ist alles.“

Ich stellte die Zutaten auf die Arbeitsplatte, erhitzte das Öl, schnitt die Hühnerbrust in Würfel, tat sie in die Pfanne. Ich fügte etwas Zwiebel, das Gemüse und die Sojasauce hinzu. Kochte den Reis mit der Hühnerbrühe und fünfzehn Minuten später, nach einer offiziellen Kostprobe, war die allgemeine Meinung, dass mein Huschhuschessen ebenso gut oder besser war als das, das wir zwei Tage zuvor gegessen hatten.

„Das gefällt mir“, meinte Jed. „Huschhusch. So nennen wir es. Du schreibst es auf und machst es genauso persönlich, wie du es gerade für mich skizziert hast.“

Und so wurde ich zum Huschhusch-Gourmet.

Huschhusch. Ich hatte treffenderweise mein Arbeitsleben wie auch mein Liebesleben damit beschrieben. Ich wiederholte ständig dasselbe Muster, ich fühlte mich auf die Schnelle zu einem Typen hingezogen, hoffte aber, dass sich etwas änderte.

Dann hatte ich die Erleuchtung, als ich ein paar Monate eine Kolumne über eine Huschhuschdiät schrieb: Ich bin ein Huschhusch-Mädchen. Ich bin die zusätzliche Zutat in meinen Beziehungen und die Kerle haben sich an mir gütlich getan.

Okay. Ihr könnt mich und meine Schwächen dafür verantwortlich machen. Ihr könnt sogar sagen, dass ich gar kein Liebesleben habe. Ich habe ein Ins-Bett-hüpfen-Leben, das zweifellos seine Momente hat. Es wäre wesentlich effizienter, wenn ich mein Liebesleben so wie ein Unternehmen organisieren würde.

Aber vergesst Positionierungen, Werbung, Lebensläufe, Bewerbungsgespräche und die Hoffnung, dass euer zukünftiger Freund euch mag. Vergesst das Warten auf den Telefonanruf oder dass ihr gut zusammenpasst.

Ich hatte eine Offenbarung: Warum nicht einfach den Mann ganz entfernen?

Was haben Männer, das eure Freundinnen nicht haben? Abgesehen von dem Offensichtlichen.

Mir fiel nichts ein. Ich fand, es war an der Zeit für etwas Gesundes – wie, kein Sex mehr.

Als ich Paula das vorschlug, sagte sie: „Du bist verrückt. Was meinst du damit, keine Männer? Totale Enthaltsamkeit?“

Also, ich habe Paula wirklich gern, aber sie hat eine harte Schale, die so glänzend ist wie Lack und genauso perfekt, und seit sie sich Anfang April von Jed getrennt hat und eine angemessene Zeitlang – einen Monat – getrauert hat, hat es keinen Riss in dieser Schale gegeben, soweit ich das beurteilen kann. Und sie ist alles andere als enthaltsam gewesen.

Also meinte ich wirklich totale Enthaltsamkeit? Direkt vor dem Sommerspaß? Was habe ich mir nur gedacht?

Dennoch habe ich meinen Standpunkt verfochten. „Ich meine absolute Enthaltsamkeit.“

„Na, dann werde ich nicht viel Zeit mit dir verbringen“, sagte Paula unverblümt. „Absolut kein Sex, absolut kein Spaß. Was willst du den ganzen Sommer lang machen, wenn du keinen Sex hast?“

„Ich habe mich selbst“, erwiderte ich sorglos. Und dann sah ich den Ausdruck auf ihrem Gesicht. „Um Himmels willen, ich mach’s mir nicht selbst. Ich meine, ich will mich selbst finden. Zur Abwechslung mal glücklich sein und nicht hoffen und beten, dass er anruft. Nicht ständig enttäuscht werden. Ich will …“

Ich glaube, als ich da angekommen war, wurde mir klar: Ich war verrückt. Aber ich konnte keinen Rückzieher mehr machen, weil ich schon so eine große Sache daraus gemacht hatte.

„Ich finde schon was, um mich zu beschäftigen. Ich bin nicht so oberflächlich.“

„Ha“, meinte Paula. „Du steckst da genauso tief drin wie wir anderen.“

Sie hatte wahrscheinlich recht. Trotzdem, dank der Arbeit war ich total beschäftigt. Und dann war da noch die Kolumne, für die ich auch eine Menge Zeit aufbringen musste. Es war nicht so, als würde ich keine Ablenkung haben.

Natürlich ist der Sommer nicht die beste Zeit, um eine Männerdiät zu machen. Aber es ist allgemein so, dass man in meinem Alter nicht mehr will, dass einen jemand an den ersten Sommertagen leichtbekleidet sieht, und schon gar nicht nackt.

Und dann ist es so heiß. Wenn man also ans Schwitzen und Überhitzung denkt, denkt man nicht an Sex auf den ersten Blick oder daran, den Mann zu finden, der das ganze Leben verändert. Man konzentriert sich darauf, sein eigenes Leben zu verändern.

Okay, ist es wirklich sinnvoll, meine Cupcakes von der Speisekarte zu streichen, wenn jeder zweite Kerl sein Frischfleisch auf den Tresen legt?

Ich werde sie einfach ignorieren. Ich bin fest entschlossen. Ich werde ökologisch anstatt orgasmisch. Ich rede hier von Willenskraft. Vorsichtig mit der Würze. Kleine Portionen.

Hm. Das wird schwieriger werden als ich dachte.

Aber ich kann die Männerdiät jetzt nicht zurücknehmen, weil ich so große Töne gespuckt habe. Ich muss Paula beweisen, dass es funktioniert.

Vielleicht kann ich ja ein Buch darüber schreiben.

Kapitel Eins. Die Männerdiät planen. Eine Einsiedlerin werden.

Kapitel Zwei. Probleme der Männerdiät lösen. Alle Lebensmittel nach Hause liefern lassen und das Haus nicht mehr verlassen, fernsehen oder lesen, entweder Zeitschriften, Zeitung oder die Rückseite einer Cornflakespackung.

Nein, so funktioniert das nicht. Ich muss arbeiten – jeder muss arbeiten. Man kann den Kerlen bei der Arbeit nicht aus dem Weg gehen. Man muss einfach eine andere Denkart entwickeln.

Das ist mein Mantra: Du kannst nicht immerzu ein Ziel für das wärmesuchende Geschoss irgendeines Typen sein, weil du darauf wetten kannst, dass du abstürzt und in Flammen aufgehst, während er sich nur den Staub abklopft und verschwindet.

So. Das ist meine Missionarsstellung.

Verdammt, ich meinte Missionsaussage. Ich werde es aufschreiben und über meinem Computer aufhängen.

Auf den Punkt gebracht: Huschhusch, Absturz.

Die Geschichte meines Liebeslebens.

Und seht es mal von dieser Seite: Jed hat mir die Möglichkeit gegeben, diese Gourmetkolumne zu schreiben, und das war ein unglaubliches Geschenk, auch wenn ich nur für eine Lokalzeitung schreibe.

Ich kann nicht verhindern, dass ich vielleicht mal einen kleinen Nachtisch möchte. Das Problem ist, dass Kuchen das beste Huschhuschdessert ist, und der krümelt und zerbröckelt, wenn man reinbeißt.

Ein bisschen so wie Beziehungen. Die sind üppig, verführerisch und appetitlich anzusehen, aber sie haben keine Substanz.

Die Kuchenanalogie hat mich überzeugt.

Ich brauche jemanden mit Substanz, in den ich meine Zähne versenken kann. Ich meine – etwas. Etwas mit Substanz.

Andererseits zergeht Kuchen einem manchmal auf der Zunge …

Stopp. So darf ich nicht denken.

Absturz, Flammen, denk dran. Es funktioniert einfach nicht, auch nicht, wenn man im siebten Himmel schwebt.

Okay. Heute ist der erste Juli. Perfekt. Ich bin jetzt offiziell auf Männerdiät.

Als Erstes erstelle ich mir einen gesunden Trainingsplan.

Da ich viel zu Fuß erledige, habe ich noch nie ein besonderes Trainingsprogramm gebraucht. Jetzt habe ich beschlossen, damit ich mich beschäftige und unterhalte, dass ich zweimal pro Woche im Riverside Park Fahrrad fahre und auch noch einen Wochenendspaziergang machen werde.

Ich habe vor, ein einfacheres Leben zu führen: vergesst das Aufbrezeln, vegesst das Schminken. Vergesst meine üblichen Lieblingsplätze. Keine Clubs. Keine Bars. Kein Alkohol, kein Sex, keine Verabredungen.

Ja, oberflächlich betrachtet klingt das wie ein wirklich amüsanter Sommer.

Andererseits, wenn das schon Wahnsinn ist, dann hat er vielleicht Methode. Wenn ich nicht an den üblichen Orten wäre, dann würde ich die üblichen Huschhuschmänner weder treffen, noch mit ihnen schlafen. Wenn ich mich auf das in Jeans und T-Shirt gekleidete Ich mit dem wenigen Make-up konzentrieren würde, würde ich wieder lernen, mich selbst zu schätzen, und vielleicht wird mich dann der richtige Mann auch zu schätzen wissen.

Whoa … wie lange soll das dauern?

Sagen wir … eine Woche?

Merkt ihr’s, ich wappne mich.

Es wird wahrscheinlich einfacher, als ich denke.

Also bin ich Rad gefahren.

Ich mag den Riverside Park, er ist am Hudson River gelegen, sodass man den tollen Blick auf das Wasser hat, wenn man Rad fährt, spazieren geht oder joggt.

Das Problem ist: So ziemlich jeder, der nicht im Central Park ist, fährt Fahrrad, geht spazieren oder joggt dort jeden Abend. Wenn ich Kerle ohne T-Shirt mit sexy Sixpacks meiden wollte, hätte ich in der U-Bahn Rad fahren sollen.

Der Testosteronlevel ging durch die Decke.

Keine clevere Entscheidung, seine Muskeln zu trainieren, während man verpassten Gelegenheiten hinterhertrauert. Sport ist gut für die Oberschenkel, die Seele und den Geist. Wenn ich über schwitzende Körper nachdenke, dann werde ich auf den Rücken fall-, ich meine, einen Rückfall haben.

Paula beobachtete das alles skeptisch. Sie war am Samstagmorgen aus Neugier mitgekommen. Paula treibt keinen Sport, außer auf der Tanzfläche, also brachte sie für mich ein großes Opfer.

„Die Männerdiät kann nicht funktionieren. Männer sind einfach zu verführerisch.“

Sie hatten sie auf jeden Fall in Versuchung geführt. Paula hatte so viele Verabredungen auf diesem Spaziergang getroffen, wie sonst in einer Woche. Weil sie eigentlich nicht spazieren ging, blieb sie immer wieder stehen und redete mit jedem Mann, der aussah als wäre er Single und interessiert und sie sammelte Visitenkarten wie Hundertdollarscheine.

Ich zuckte mit den Schultern. „Und? Was ist der Sinn, wenn es doch wieder nur die alte Leier ist?“

„Du weißt genau, worum es geht.“

Ich war jetzt seit genau drei Tagen auf der Männerdiät und Paula machte es mit ihren Kommentaren nicht gerade einfacher.

„Und außerdem, was ist, wenn du jemanden kennenlernst?“, fuhr Paula fort. „Was ist, wenn da auf einmal dieser Kerl ist, der sofort, auf der Stelle, der perfekte Mann für dich sein will?“

„Du machst Witze, oder?“

„Was wäre wenn?“, drängte Paula. Wahrscheinlich, weil es Samstagabend war und weil sie, ganz ungewöhnlich für sie, nirgendwo hingehen wollte, kein Date hatte und nichts zu tun hatte, außer mir Vorhaltungen zu machen.

Also machte ich Abendessen, eine meiner Huschhuschspezialitäten – schnelle Fajitas mit Top Blade Steaks aus der oberen Nackenschicht, frischem Gemüse und den üblichen Beilagen.

Ich liebe diese kleinen Top Blade Steaks.

Also. Verdammt. Was wenn?

„Das ist undenkbar. Und außerdem ist Essen gerade viel besser als Sex.“

„Meinst du? Nichts ist besser als –“

„Das Übliche? Nein, alles ist besser als Sex mit einem Kerl, der bekommen hat, was er will und sich aus dem Staub macht.“

„Du protestierst zu viel.“

„Und du kannst Qualität und Quantität nicht mehr auseinanderhalten. Bei dir geht’s nur noch ums Vögeln.“

Autsch. Ich hätte Paula gegenüber nicht so direkt sein sollen.

Aber seit ich dank der Männerdiät auf wunderbare Weise verwandelt war, dachte ich, ich sei rein in Gedanken, Wort und Tat.

„Die heilige Lo“, murmelte Paula sarkastisch. „Du wirst uns alle hiermit verrückt machen, oder?“

„Nein, ich gebe nur die Männer auf. Das ist nicht dein Problem.“

„Oh, und du glaubst, du wirst nicht so schlecht gelaunt wie wir anderen sein, wenn wir auf Diät sind?“

„Ich werde in der ersten Woche ungefähr hundertsiebzig Pfund verlieren, weil ich keinen Kontakt zu Männern habe. Ich werde liebenswert und leicht sein.“

Falsch.

„Ich bete, dass ein Teufel kommt und dich in Versuchung führt“, meinte Paula.

„Dito“, murmelte ich. „Iss dein Steak.“

„Mit Vollgas voraus und vergiss die Fajitas?“, entgegnete sie.

„Ich schau mal nach einem Film. In or Out?

Ups … das hätte ich nicht sagen sollen.

„So heißt der Film“, verteidigte ich mich.

Paula hob eine Augenbraue. „In and Out ist der Titel. In and …“

Ich kann nicht entkommen. „Lass das.“

„Kann ich nicht“, meinte Paula leichthin. „Und nur fürs Protokoll, ich ziehe in vor.“

Ich kann nicht gewinnen.

Mist – sogar in gewinnen steckt ein in

2. KAPITEL

Mein Plan: arbeiten, Fahrrad fahren, an meiner Kolumne arbeiten. Also würden wir am Wochenende immer gut essen, weil das die Zeit war, die ich angesetzt hatte, um mit meinen Rezepten zu experimentieren. Oder anders gesagt: viel Arbeit.

Oh, und sich alleine amüsieren … es gab immer eine Ausstellung in einem Museum, eine interessante Vorlesung im 92nd Street Y Center, ein Konzert, ein Theaterstück oder eine Galerieeröffnung.

Ich schloss Paula absichtlich aus, die in der folgenden Woche sehr beschäftigt damit war, demonstrativ auszugehen. Könntet ihr diese Negativität ertragen?

Wer braucht schon Freunde? Wer braucht schon Männer?

Man kann sich selbst die beste Gesellschaft sein – außer man fängt an, Selbstgespräche zu führen.

Ich habe viele Selbstgespräche geführt. Wie sich herausstellte, bricht man so gut das Eis, weil die Leute denken, man redet mit ihnen. Männer glauben, man geht auf sie zu. Wie der Typ auf der Galerieeröffnung am Broadway letztes Wochenende.

„Haben Sie etwas gesagt?“ Die netteste Art, ein Gespräch zu beginnen oder eine Abfuhr zu kassieren.

Und ich kann nicht antworten. „Entschuldigung. Ich habe mit mir selbst geredet.“

„Ist die Ausstellung so schlecht?“

„Nein, nein, sie gefällt mir.“

„Mir auch. Ich bin aus Jersey hergekommen. Ich mag diesen Künstler …“

Oh mein Gott – Jersey? New Jersey? Das ist so außerhalb! So hinter der George-Washington-Brücke! Vergiss es. New Yorkerinnen gehen nicht mit Brückentypen ins Bett.

Das war leicht. Ich bin mit einem leicht verletzten Ego und intakter Männerdiät davongekommen.

„Du kannst so nicht weitermachen“, sagte Paula zum hundertsten Mal, als ich ihr erzählt habe, was passiert war. Es war ja nicht viel passiert. Er hatte mich in einem schwachen Moment erwischt. Wenn ich mich konzentriert hätte, hätte ich mich gar nicht mit ihm unterhalten.

Wirklich.

Und außerdem roch er nach „hinter der Brücke“.

„Besonders zu dieser Jahreszeit“, fuhr Paula fort.

„Ich habe Pläne“, sagte ich energisch. „Ich darf mit Leuten reden. Das ist bei der Männerdiät nicht verboten.“

„Hast du überhaupt eine Liste von Verbotenem aufgestellt?“

Ehrlich gesagt, habe ich nie über den „Verboten“-Teil nachgedacht. Reicht es nicht aus, die Männer aufzugeben?

Hey, Moment mal. Wollte Paula andeuten, dass ich ein Verfallsdatum hatte? „Du versuchst gerade, ein sehr ernstes Experiment bezüglich der Willenskraft zu untergraben“, sagte ich schließlich. Es gefiel mir nicht, dass ich mich so ablenken ließ, wo ich mich doch auf mich selbst konzentrieren wollte.

Paula würde sagen, ich konzentriere mich immer nur auf „mich“.

„Ich versuche nur, dich zur Vernunft zu bringen“, antwortete Paula. „Du gibst freiwillig Partys, Nachtleben, Freunde und Sex auf. Und nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.“

„Ja“, sagte ich mit Nachdruck. „Das tue ich. Und weißt du, warum? Ich bin es leid. Bist du es nicht auch leid? Willst du nicht auch eine Beziehung, die dich nicht erschöpft? Und verrückt macht? Willst du nicht eine Beziehung, Punkt? Vergiss die Witze. Ich bin es leid und es macht keinen Spaß mehr. Darum verbringe ich meinen Sommerurlaub so – ich gebe die Kurzzeitbefriedigung auf. Ich gebe One-Night-Stands, Bad Boys, keine Anrufe, verzweifelte Versuche, Enttäuschungen, verpasste Dates, Clubs und Bars auf – mit anderen Worten, ich höre auf zu daten.“

„Na gut. Das erklärt deine verrückte Männerdiät.“

„Nicht wahr?“

Paula warf mir einen skeptischen Blick zu, diesen überheblichen „Aber sicher doch“-Blick, und es platzte einfach aus mir heraus. „Okay, ich werde es einfach sagen. Ich will den Mann finden, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringe und der mich unterstützt.“

Was? Das klang seltsam. Ich wollte das nicht sagen. Nicht laut. Ich wollte die Worte sofort zurücknehmen, weil das etwas war, das niemand wissen sollte.

Hier ging es nicht darum, den Mann fürs Leben zu finden. Oder doch?

„Den gibt es nicht.“

„Na, wenn du alles an jedem Mann, den du triffst, kritisierst und wenn du nach Garantien und Vollkommenheit suchst, dann, nein, dann gibt es ihn nicht.“

Paula sah mich lange eingehend an. „Ich wusste gar nicht, dass du so romantisch bist. Tickt etwa deine biologische Uhr?“

„Nein.“

„Du bist es nur leid.“

„Ja. Und ich frage mich, warum ich ständig den anderen Lemmingen nachlaufe und mich von der Klippe stürze.“

„Weil es aufregend ist. Es ist ein Rausch. Es setzt das Adrenalin frei.“

„Bis du Kopf voran fällst und auf dem Boden aufschlägst.“

„Gelegenheitsbeziehungen sind nicht so“, meinte Paula. Aber natürlich ist sie auch sehr akrobatisch, gelenkig und anpassungsfähig.

„Sind sie nicht?“ Ich fand schon. Gelegenheitssex mag gut für den Körper sein, aber sonst nichts. Und das Vergnügen ist nicht überwältigend, sondern immer nur vergänglich.

Die Männer, mit denen man gelegentlich Sex hatte, waren einfach nicht so. Sie waren niemals unsere Freunde – sie waren unsere Freunde, so lange, bis sie ihrem Lebenslauf eine weitere Eroberung hinzufügen konnten.

Männer gehen immer, das wusste ich. Mein ganzes Leben drehte sich darum. Und im Geheimen hoffte ich, dass es anders sein könnte.

„Außerdem weißt du, was passiert, wenn du eine Diät machst. Die Kerle werden aus ihren Rattenlöchern hervorkriechen und dein Kopf wird explodieren.“

„Dann lege ich eben Scheuklappen an. Wenn ich sie nicht sehe, dann sind sie nicht da.“

„Also fastest du so etwa eine Woche?“

Oh, verdammt. Ich war seit einer Woche männerfrei. Eine weitere Überlegung. Darüber hatte ich nicht nachgedacht. Wie lange dauerte die Männerdiät? Lange genug, um den glykemischen Index zu senken?

„Den ganzen Sommer lang“, sagte ich unbekümmert. „Ich gebe die Männer für den Sommer auf.“ Gott, das hörte sich nach einer langen Zeit an. Trotzdem, wenn ich das schon durchzog, dann nicht auf eine Huschhuschweise.

„Ha“, rief Paula. „Ich werde Wetten auf dich abschließen lassen. Du hältst keine zwei Tage mehr durch, geschweige denn zwei Wochen.“

„Ich habe schon fast eine Woche durchgehalten“, entgegnete ich. „Die Wette gilt.“

Das war natürlich nur Angeberei. Dass meine Freunde auf meine Willenskraft wetteten, bedeutete, dass ich ernst machen musste. Ich musste genau festlegen, was die Diät beinhaltete: wie viel oder wie wenig Kontakt ich zu Männern haben durfte, was ich tun und sagen durfte, was akzeptabel war und auf was ich verzichten musste.

Gar nicht so einfach, wenn man allgemein von Diät gesprochen hatte.

Es reicht nicht aus zu sagen, ich gebe die Männer auf.

Ich meine es gibt Abstufungen bei diesem Opfer. Bedeutete aufgeben gar keinen Kontakt mehr zu haben? Auf einen „Ach, komm schon“-Kommentar zu antworten? Oder ging es nur um Leute, die ich kannte? Männer auf der Arbeit? Was ist mit einem allgemeinen Gespräch? Auf einen Ruf reagieren? Mich ganz von Männern fernhalten?

Und außerdem, ich musste mit Jed reden. Und schon gab es ein Aber in der Männerdiät.

„Du brauchst Regeln“, sagte Paula, als hätte sie ein Sonar und könnte meine Gehirnwellen lesen.

„Ja, ja, ich denke darüber nach. Wie viel, wie wenig. Jed ist die Ausnahme. Ich muss mit ihm verkehren.“

„Hä?“

Oh, der Ausdruck auf Paulas Gesicht.

„Ich meine, ich muss mit ihm reden.“

„Oh? Reden nennt man jetzt Verkehr?“

Ich spürte ein Kribbeln in mir. „So nannte man das schon immer“, sagte ich überheblich. „Vergiss das mit Jed. Er ist meine Absicherung.“

„Du meinst, dein Sicherheitsnetz“, verbesserte Paula mich sarkastisch.

„Genau, er ist die zusätzliche Zutat. Okay, vergiss Jed. Ich werde die Richtlinien festlegen, weil es meine Idee war. Also lass mich nachdenken.“

Und dann konnte ich nicht richtig denken.

Während der Männerdiät darf ich nicht:

Daten

Das war alles, was mir einfiel. Nicht daten.

Nein, halt.

Sex haben

Gut. Ein wenig Entbehrung hat noch keinem geschadet.

Darum sind es Diäten. Oh, oh – noch was:

Flirten

Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Also noch mal: flirten, daten, Sex haben.

Das ist gut. Das ist genug Entbehrung.

Aber jetzt musste ich mit dem wirklichen Dilemma

fertigwerden.

Während der Männerdiät kann ich nur reden mit:

Paula

Allen meinen Freundinnen

Jed (nur einmal in der Woche)

Mit jedem Mann, den ich treffe, solange er mich nicht nach

meiner Visitenkarte fragt

Dem Mann in der Schlange an der Kasse im Laden um die Ecke

Dem Mann, auf dessen Fuß ich auf den Stufen in der

U-Bahnstation trete

Also bitte. Kein Flirten, keine Dates, kein Sex.

Paula las die Liste. „Das kann nicht dein Ernst sein. Du kannst dich nicht mit all den Männern einlassen.“

„Ich lasse mich nicht ein. Das … das sind nur – gute Manieren.“

„Nein, das ist Versuchung. Gar keine Männer mehr, Punkt, oder wo liegt der Sinn? Nach all deinem Gerede …“ Paula schüttelte den Kopf. „Du musst Jed streichen.“

Das war zu viel verlangt, weil sie wusste, dass ich regelmäßig mit ihm sprach. Ihre Heftigkeit erschien mir ein wenig unaufrichtig, vielleicht ein wenig misstrauisch.

Ich bereitete mich auf einen Kampf vor. „Jed ist die Gratiszugabe – er muss von der Liste ausgeschlossen werden.“

Ich hatte den seltsamen Augenblick im Restaurant, als ich Jed kennengelernt hatte, nicht vergessen. Oder die Spannung, die zwischen uns herrschte, wenn ich mit ihm sprach. Ich ignorierte sie nur.

Ich wusste genau, was er war: ein charmantes Treuhandfonds-Baby mit zu viel Geld, noch mehr Freizeit und einer Wagenladung Arroganz, die erschüttert worden war, als er vor fünf Jahren Mist gebaut hatte, als er für die Brokerage-Gesellschaft, die seiner Familie gehörte, gearbeitet hatte.

Man musste ihm zugutehalten, dass er sich sofort in einen aufstrebenden Unternehmer verwandelt hatte, um „ihnen“ zu beweisen, dass er Geld verdienen konnte, dass er ein Geschäft führen konnte und dass er vor der Verantwortung nicht davonlief.

Die Wahrheit war aber, wenn man den Klatschspalten glauben durfte, dass er immer auf der Jagd nach etwas war und ständig versuchte, seine wachsendes Ansehen und seine profitable kleine Zeitung zu seinem Vorteil zu nutzen.

Er war nicht länger als einen Monat mit Paula ausgegangen, bevor sie sich trennten. Ehrlich gesagt überraschte mich das nicht, weil Paula genau so war, nach ein paar Wochen gelangweilt und ständig auf der Suche nach etwas Neuem, Aufregendem – die neuesten Geschichten, das neue Restaurant, dass man unbedingt ausprobieren musste und die ausgefallensten Urlaube.

Nach der Trennung verlor Jed kein Wort über sie. Es gab kein „Wie geht’s Paula?“ oder „Grüß Paula“. Ich beschloss, weil ich ja die Früchte ihrer Kurzzeitbeziehung erntete, dass Diskretion angesagt war, da ich weder eine großartige Chance noch eine Freundin verlieren wollte.

Also wartete ich, während Paula nachdachte. Offensichtlich gefiel es ihr nicht, aber ihre Zweifel hatten keinen Einfluss auf meine Diät. Besonders, weil es hier nur um Jed ging.

Ich fragte mich, ob es ein Test war.

„Gibt es keinen Redakteur oder sonst jemanden, mit dem du statt Jed reden könntest? Ich meine, seit wann kümmert sich ein Herausgeber um eine Kolumnistin? Ich finde, mit Jed zu reden ist mogeln. Gut, es ist deine Diät. Es ist dein Sommer.“

Dein Sommer … verhängnisvolle Worte. Wie viele Wochen noch bis zum Ende des Sommers? Konnte ich mich hinlegen und erst wieder aufwachen, wenn es vorbei war?

Ich wurde wirklich misstrauisch, weil Paula die Idee plötzlich so gut gefiel. Ich meine mit allen anderen wetten, ob ich ohne einen Kerl über die Runden komme? Die Liste mit den Männern, mit denen ich nicht reden durfte, überprüfen? Also bitte.

„Du wirst schon sehen“, sagte ich, immer noch auf meine nonnenhafte Weise, „ich werde danach ein besserer Mensch sein. Ich brauche nur etwas Zeit, um mich vorzubereiten.“

„Man braucht keine Vorbereitung, um auf Diät zu gehen“, widersprach Paula. „Und du musst versprechen, sie auch einzuhalten, wenn keiner es mitbekommt.“

„Ich muss dich noch mal daran erinnern, dass es meine Idee war. Ich muss mich etwas zügeln. Ein geduldiges Abwarten statt sich auf die schnelle Mahlzeit zu stürzen.“

Paula schnaubte. „Ja, eine Magenkontrolle. Diesen Ron konnte ich ohnehin nicht ausstehen.“

„Genau.“ Dieser Ron war meine letzte Beziehung gewesen. Die, die mich darauf brachte, dass die Zusatzzutat zu sein nicht der erste Schritt in eine unterstützende Partnerschaft war. Oder für die ewige Liebe.

Paula hatte recht – ich bin wirklich eine Romantikerin und ich glaube, irgendwo in mir drin hoffte ich, dass dieses Ausscheiden aus der Nahrungskette zu etwas Substanziellerem führen würde als zu Zweifeln, die mich auffraßen.

3. KAPITEL

Nicht mit Männern zu reden war viel schwieriger, als ich gedacht hatte. Sie waren überall. Ihr geht die Straße entlang – Zusammenstoß, Berührung, „Entschuldigung“, und schon redet ihr mit einem.

Ihr geht zu dem Zeitschriftenkiosk an der Ecke, um euch die New York Times zu kaufen. Ein Kerl steht direkt neben euch, ihr greift gleichzeitig nach der Zeitung. Ihr redet mit ihm.

Zählen Männer, die man zufällig trifft? Setzen wir sie auf die Liste. Nein, halt. Woher soll Paula wissen, mit wem ich an irgendeinem Tag geredet habe? Warum muss Paula alles erfahren?

Antwort: muss sie nicht, besonders, weil sie die ganze Idee von Anfang an lächerlich gemacht hat. Also warum ist sie plötzlich überhaupt so versessen drauf?

„Passen Sie auf die Ampel auf …“ Ein netter Mann, der mich zurückzieht, bevor ich vom nahenden Verkehr überfahren werde, als die Ampel umspringt. Und schon rede ich mit ihm.

Damit könnte ich umgehen. Ich werde keinen von denen je wiedersehen … außer – was wäre, wenn ich morgen genau die gleiche Strecke gehe? Ich wette, ich würde einen von ihnen sehen und er würde mich anlächeln. Und dann? Ich müsste zugeben, dass unsere Ellbogen aneinandergestoßen sind, nicht wahr? Es wäre unglaublich unhöflich, einen freundlichen Annäherungsversuch zu ignorieren, oder nicht?

Ich muss diese Liste neu schreiben.

Und dann rief Jed an.

Paula war ausgegangen. Da ist etwas Verlockendes an fremden Betten und am Sex, dem sie nicht widerstehen kann. Es ist beinahe so, als ob sie etwas verpassen könnte, wenn sie nicht ausgeht – der Traummann, der beste Aufriss aller Zeiten, ein reicher Erbe, der sie auswählt, um eine Nacht mit ihr zu verbringen. Oder den Rest ihres Lebens.

Sie ist ein schönes Groupie, immer auf der Jagd, und sie hofft, dass sie in dieser Nacht diejenige sein würde, die das Herz eines ebenso gut aussehenden Mannes berühren würde.

Aber die haben kein Herz. Und eine zusätzliche Zutat ist schließlich nur ein Zusatz. Eine weitere Bestätigung, dass ich mit der Männerdiät richtig lag.

Ich hatte nur nicht erwartet, dass ein Mann an diesem Abend anrufen würde.

Und trotzdem war er da am anderen Ende, so unerschütterlich wie immer. „Hey, Lo – was gibt’s Neues?“

„Ich kann nicht mit dir reden“, entgegnete ich scharf.

„Warum das?“, fragte er ruhig.

„Ich mache eine Männerdiät. Und obwohl ich dich zur Zusatzzutat erklärt habe, hat das Grenzen, also wäre es besser, wenn wir jetzt nicht miteinander reden.“

„Whoa. Moment. Sag nichts. Paula.“

Seht ihr? Meine Instinkte hatten recht. „Nein. Nur mein eigener gesunder Menschenverstand. Ich habe aufgehört mit den beiläufigen Dates.“

Er verdaute das einen langen, stillen Augenblick lang. Ich dachte, er würde mir zu meiner inneren Stärke gratulieren, aber er sagte nur: „Okay. Eine Männerdiät. Das heißt …?“

„Es heißt, dass ich nicht mit dir reden sollte. Weil du ein Mann bist und so.“

„Aber du tust es trotzdem.“ Er klang ein wenig verwirrt.

„Du bist meine Zusatzzutat, es sei denn, du sagst etwas, das du nicht sagen solltest.“ Oh Gott, warum war ich so nervös?

„Und das wäre?“, fragte er neugierig.

„Ich habe keine Ahnung“, erwiderte ich. „Und, ja, ich werde den Artikel am Montag liefern. Sonst noch was?“

„Wo ist Paula? Nein, sag nichts. Als loyale Freundin steht sie fünfhundertprozentig hinter dieser Diät, während sie heimlich feiert, dass sie die Konkurrenz ausgeschaltet hat.

„Das habe ich nicht gehört.“ Weil mir nicht gefiel, was er andeutete.

„Nun, siehst du? Eine loyale Freundin denkt nicht in diesen Kategorien.“

„Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon du sprichst. Ich denke nur an diese Huschhusch-Gelegenheitsdates.“

„Genau das meine ich ja“, sagte Jed. „Und jetzt bist du nicht da, um mit ihr diese Gelegenheitsdates wahrzunehmen. Sie wird deswegen bald etwas unternehmen. Vergiss nicht, dass ich es gesagt habe.“

„Du hast die ganze Woche nicht mit mir geredet.“

„Ich weiß.“

O-oh, da war es, das Vibrieren, das Bewusstsein. Ich spürte es durch das Telefon hindurch. Oder vielleicht bildete ich es mir auch nur ein. Wahrscheinlich bildete ich es mir ein, weil Paulas Einmischung in meine Männerdiät mich verunsichert hatte. Und jetzt Jeds Andeutungen – das war nicht schön.

Trotzdem, ich kannte ihn kaum, und ganz sicher nicht gut genug, um ihm zu vertrauen, besonders, nach dem er sich als Huschhuschfreund für meine beste Freundin erwiesen hatte.

„Okay“, meinte er. „Hier ist mein Beschluss. Die Männerdiät betrifft mich nicht und du musst mit mir sprechen.“

Seht ihr? Das ist typisch Jed. Nichts bringt ihn aus der Fassung.

„Ich muss, Jed?“

„Du must“, sagte er bestimmt und hängte energisch auf.

Ich hatte gar nicht die Zeit, das zu analysieren. Oder vielleicht wollte ich es auch gar nicht wissen.

Ehrlich. Du musst?

In den nächsten paar Tagen arbeitete ich, wie ich es manchmal tue, für die medizinische Abteilung einer Werbeagentur, die sich auf Arzneimittel spezialisiert hatte, übertrug Testergebnisse und gab sie ins System ein.

Geht es nicht darum beim Daten? Man trennt die Spreu systematisch vom Weizen, bis man den richtigen Kerl findet?

Vergesst das. Ich durfte an nichts als an die Arbeit denken, die ich gerade machte, da sie meine volle Aufmerksamkeit erforderte, sowie ein Talent, das Gehörte in leserlicher Handschrift mitzuschreiben.

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Viel Spaß!



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