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Undercover mit dem Ex

1. KAPITEL

Der Fußboden vibrierte im Takt der Musik. Lichtblitze erhellten den Raum. Männer mit nacktem Oberkörper tanzten für kreischende Frauen. Angie Lawson warf einen Blick auf die Uhr. Wie lange musste sie noch auf diesem Junggesellinnenabschied bleiben?

Sie drehte sich um, als ihr jemand auf die Schulter tippte. Die Braut stand hinter ihr. Brittany wollte offenbar die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zu den kupferroten, langen Haaren trug sie ein feuerrotes Bandage-Kleid sowie ein Strass-Diadem mit Schleier.

„Angie, du sollst Spaß haben“, beschwerte Brittany sich. „Das ist zwingend erforderlich. Schließlich bist du meine Brautjungfer.“

Sie musterte die Frauen, die auf den Tischen und Stühlen standen und den gut bestückten Tiger lautstark aufforderten, auch noch die restlichen Sachen auszuziehen. „Sieht das für dich nach Spaß aus?“

„Und wie bist du überhaupt angezogen“, fuhr die Braut entrüstet fort. „Das ist ein Junggesellinnenabschied.“

„Hier wimmelt es von halb nackten Männern. Mir war nicht klar, dass es einen Dresscode gibt.“

„Absolut. Es handelt sich um meine Party, und ich betreibe einen persönlichen Einkaufsservice für einen exklusiven Kundenkreis. All diese Leute sind hier.“

Exklusiv? Angie hatte mit den kultiviertesten und talentiertesten Frauen in Seattle gearbeitet. Die von Brittany eingeladenen Frauen dagegen hatten zu viel getrunken und waren außer Rand und Band.

„Nicht nur ich muss gut aussehen“, meinte Brittany, „sondern auch meine Brautjungfern.“

Sie betrachtete ihre schwarzen, engen Jeans, das glitzernde, schwarze Tanktop und die Riemchensandaletten mit hohen Absätzen. Die Schuhe hatte sie nur widerwillig angezogen, weil ihre Mutter darauf beharrt hatte. Ihr Outfit war weder seltsam noch irgendwie anstößig. Angie schaute sich die anderen Frauen in dem gehobenen Striplokal an, das für den Junggesellinnenabschied gebucht worden war. Die Frauen trugen hautenge Miniröcke und aufreizende Kleider. Diese Outfits waren wild und sexy.

Oh. Beides traf definitiv nicht auf sie zu. Sie seufzte. Wieder einmal hatte sie die falschen Sachen angezogen. Dabei hatte sie geglaubt, schick und trendig genug auszusehen, um nicht aufzufallen.

„Also wirklich, Angie“, jammerte Brittany frustriert. „Was ist verkehrt daran, ein bisschen Dekolleté zu zeigen?“

„Nichts.“ Und es war gut, dass sie diese Einstellung hatte. Denn wenn sie ihr hautenges, glänzendes und sehr knappes Brautjungfernkleid getragen hätte, hätte sie garantiert Aufsehen erregt.

„Ich gebe es auf. Versuch einfach nur den Eindruck zu vermitteln, dass du dich amüsierst“, meinte Brittany, als sie wegging.

Angie erstarrte. Sie hatte sich tapfer bemüht, in Partylaune zu kommen. Aber sie langweilte sich – was ein Grund zur Sorge war. Diese fantastisch aussehenden Männer ließen sie völlig kalt. Tatsächlich war sie an keinem Mann mehr interessiert gewesen, seit Cole vor einem Jahr aus ihrem Leben verschwunden war. Sie war jung und gesund. Was stimmte nicht mit ihr?

„Hör nicht auf Britt.“

Angie sah auf Brittanys sehr kleine Assistentin hinunter, die jetzt neben ihr stand. Cheryl, eine kurvenreiche Blondine, trug ein Schlauchkleid mit Leopardenmuster und High Heels mit unglaublich hohen Absätzen.

„Sie gibt die ganze Zeit ungefragt Ratschläge in Sachen Mode und meint es nicht so.“ Cheryl folgte ihrer Chefin.

Angie machte Brittanys Lamento nicht besonders viel aus. Sie hatte all das so oft gehört, dass sie sich fast daran gewöhnt hatte. Männer, mit denen sie zusammen gewesen war, hatten immer gewollt, dass sie offenherzigere Outfits trug. Zudem hatten Freundinnen immer wieder versucht, ihr ein neues Styling zu verpassen. Doch sie ließ sich nicht darauf ein. Denn sie wusste, dass sie die Erwartungen nicht erfüllen würde. Welchen Zweck hatte es also, es zu versuchen?

Sie hatte schon früh gelernt, dieser Art Hilfe zu widerstehen. Ihr waren die abgelegten Kleidungsstücke ihrer Brüder immer lieber gewesen als Rüschenkleidchen und Make-up. Obwohl ihre Mutter sie auf Shoppingtouren mitgeschleppt und vergeblich darauf beharrt hatte, ihr einen mädchenhaften Look zu verpassen.

Aber vielleicht hatte sie es übertrieben. Ihre Mutter meinte, dass Cole das Interesse an ihr verloren hätte, weil sie nicht genug Wert auf ihr Erscheinungsbild legte. Ihren Freundinnen war diese Möglichkeit auch nicht abwegig erschienen. Angie wollte es nicht glauben. Sie war nach einem intensiven Workout verschwitzt gewesen und hatte dringend eine Dusche gebraucht, als sie Cole zum ersten Mal in einem Fitnessstudio begegnet war. Dennoch hatte er nicht aufhören können, mit ihr zu flirten.

Er hatte sie nie gebeten, sich schick anzuziehen oder anders zu frisieren. Er hatte sich nie darüber beschwert, dass sie keine hübschen Dessous besaß, oder ihr vorgeschlagen, hautenge Kleider zu tragen, um zu betonen, wie hart sie ihren Körper trainierte. Er hatte sie auch so stark und sexy gefunden. Aber vielleicht war sie nicht sexy genug gewesen …

„Angie!“

Sie ächzte, als Heidi auf sie zukam. Vergeblich schaute sie sich nach einem Fluchtweg um. Die Brautjungfer, die Brittany zur Trauzeugin auserkoren hatte, war groß gewachsen und sehr dünn. Ihre kurzen schwarzen Haare betonten das schöne Gesicht. Sie trug ein blaues Kleid mit einem Schulterträger und silberne Stilettos. Neben ihr fühlte sich Angie farblos und unattraktiv. Das Brautjungferngeschenk, ein Goldarmband, war das Einzige, was sie gemeinsam hatten.

„Du musst mir Robin vom Leib halten“, sagte Heidi.

Angie fragte sich, ob es zu ihren Aufgaben als Brautjungfer gehörte, die Schiedsrichterin für die beiden anderen Brautjungfern zu spielen. Heidi und Robin mochten zusammen mit Brittany in einer Studentinnenverbindung gewesen sein. Doch sie hassten einander und schienen um Brittanys Gunst zu konkurrieren. Und soweit Angie das beurteilen konnte, genoss Brittany es, die beiden Frauen gegeneinander auszuspielen.

Leider überraschte sie diese Seite an Brittany nicht. Zum x-ten Mal wünschte sie, eine gute Ausrede gefunden zu haben, um nicht die Brautjungfer spielen zu müssen. Aber Patrick, der zukünftige Bräutigam, war seit der Zeit im Kindergarten ihr bester Freund. Für ihn war es wichtig, dass sie bei seiner Hochzeit diese Rolle übernahm.

„Ich kann nicht glauben, was Robin gesagt hat“, lästerte Heidi. „Sie hat behauptet, dass die Kleider der Brautjungfern geschmacklos sind. Ich liebe Brittanys Stil und finde die Kleider sexy und farbenfroh. Außerdem kann man sie auch danach nochmal tragen.“

Angie nickte langsam. „Sicher.“ Aber warum ging sie zu irgendeiner Veranstaltung, bei der die Kleiderordnung ein gelbgrünes Bustierkleid vorschrieb?

„Natürlich kann Robin nichts anderes anziehen als ein Designerkleid.“ Heidi sah über die Schulter. „Ich glaube, sie ist verbittert, weil das Kleid nicht gut aussieht, wenn man wie sie Größe 40 trägt.“

Genau das ist der Grund, warum ich meine Freizeit lieber mit Männern verbringe, dachte Angie. Sie geriet in Versuchung, die Trauzeugin in den Schwitzkasten zu nehmen und ihr zu sagen, dass sie erwachsen werden solle. Bei Patrick funktionierte das immer. Doch sie hatte das Gefühl, dass diese Methode bei Heidi lediglich einen Tobsuchtsanfall bewirken würde.

Im Striplokal wurde es dunkel. Der Scheinwerfer tauchte Brittany in gleißendes Licht. Der DJ bat die Braut auf die Bühne. „Die Stripper legen für Brittany einen Spezialtanz hin“, kündigte er an und bat die Gäste, sich hinzusetzen.

„Oh“, kreischte Heidi, rannte zum Bühnenrand und geriet auf den silbernen Stöckelschuhen gefährlich ins Taumeln.

Angie holte tief Luft. Wen kümmerte es schon, dass sie die falschen Kleider trug und zu schüchtern war, einen Mann zu betatschen? Das hieß nicht, dass sie verklemmt war, richtig? Sie konnte lächeln, klatschen und dafür sorgen, dass sich jeder gut unterhielt. Sie würde heute Abend Spaß haben. Und wenn es sie umbrachte.

„Heidi hat über mich geredet, nicht wahr?“

Sie zuckte zusammen, als plötzlich Robin neben ihr stand. Deren orangefarbenes, perlenbesetztes Kleid mit Nackenband war so kurz, dass Angie zuerst angenommen hatte, es wäre als T-Shirt gedacht. „Nein“, log sie.

Robin hob eine ihrer perfekt gestylten Augenbrauen. „Sie ist nur sauer, weil Brittany den Besuch im Spa so genossen hat. Und es war meine Idee, dass wir mit ihr dorthin gehen. Wir alle haben das gebraucht, meinst du nicht?“

Für Angie war es eine neue Erfahrung gewesen. In der sehr femininen Umgebung war sie sich plump und unbeholfen vorgekommen. „Es war das erste Mal, dass ich in einem Spa war.“

„Das brauchst du mir nicht zu sagen. Ich habe deine Nagelhaut gesehen“, meinte Robin. „Aber das Spa sollte dazu beitragen, dass sich die Braut entspannt. Britt war unglaublich gestresst.“

Sie stimmte voll und ganz zu. Brittany hatte eine sehr genaue Vorstellung von der Hochzeit und dem Empfang. Aber es gab zu viele Einzelheiten, um die man sich kümmern musste. Obwohl ihr eine enorm effiziente Assistentin und drei Brautjungfern auf Abruf zur Verfügung standen, mussten immer wieder unzählige Probleme gelöst werden. „Vielleicht wäre es hilfreich, wenn sie was essen würde.“

„Das darfst du nicht einmal sagen! Nicht bevor die Hochzeit vorbei ist. Sie muss in dieses Kleid passen.“

Eine Woche lang keine feste Nahrung? Für Angie hörte sich das nach Folter an. „Das Hochzeitskleid passt perfekt. Sie muss sich keine Gedanken machen. Aber sie sollte mit den Diätdrinks aufhören. Das kann einen Menschen reizbar machen.“

Robin sah sie mit großen Augen an. „Du findest, dass Britt gereizt ist?“

Ich muss wirklich vorsichtiger sein, dachte Angie. Sie wusste doch inzwischen, dass jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wurde. Mit all den Unsicherheiten, den kleinlichen Eifersüchteleien und der Konkurrenz machten sich diese Frauen gegenseitig das Leben schwer. Ihre Beziehung zu Brittany würde sich wohl kaum dadurch verbessern, dass sie eine der Brautjungfern war. Wenn sie mit Patrick befreundet bleiben wollte, musste sie sich mehr anstrengen. „Nein, ich habe gesagt …“

Der rosarote Vorhang wurde schlagartig zur Seite gezogen. Fünf Stripper standen auf der dunklen Bühne. Sie trugen schwarze Krawatten und tief auf den Hüften sitzende Lederhosen. Angie schreckte zusammen, als die Frauen um sie herum völlig entfesselt kreischten.

Robin hob die Arme und jubelte, als die ersten Takte von „It’s Raining Men“ erklangen. Die Männer tanzten lasziv um Brittany herum. Angie lächelte pflichtschuldig und klatschte. Allerdings entgleisten ihr die Gesichtszüge, als einer der Stripper die Beine spreizte, und Brittany sich begierig auf den Bühnenboden legte. Schüchternheit konnte man der Braut wirklich nicht vorwerfen.

Die Tänzer waren schlank, athletisch und hatten ausgeprägte Bauchmuskeln, die Angie bewunderte. Sie wusste, dass die Tänzer hart für ihre perfekt geformten Körper trainierten. Sie waren attraktiv und sexy. Doch Angie elektrisierte der Anblick nicht.

Vielleicht weil sie als Personal-Trainer arbeitete und täglich von muskulösen Männern umgeben war. Möglicherweise brachte es sie aber auch in Verlegenheit, dass Männer aufreizend die Hüften kreisen ließen, bis Frauen Geldscheine in deren paillettenbesetzte Stringtangas steckten.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie verklemmt war. Nur als sie mit Cole zusammen gewesen war, hatte sie sich sicher gefühlt und alle Hemmungen fallen lassen. Daher wusste Angie, dass sie ungezügelt und draufgängerisch sein konnte. Mit ihm hatte sie ihre aufregendsten und geheimsten Fantasien ausgelebt. Angie wandte den Blick von den Tänzern ab, als ihr heiß wurde.

Und dann hatte er sie sitzen gelassen. Sie war verletzt und gedemütigt gewesen. War sie nicht sexy und aufregend genug, um mit anderen Frauen zu konkurrieren? Sie hatte Angst vor der Antwort, hielt ihre sinnliche Seite seitdem unter Verschluss und versuchte, nach vorn zu schauen. Eines Tages würde sie ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen. Hier und mit einem Fremden wagte sie sich jedenfalls nicht aus der Deckung. Das würde nur mit einem Mann geschehen, den sie liebte und dem sie vertraute.

„Sind diese Männer nicht heiß?“, rief ihr Robin über die laute Musik hinweg zu und stieß sie mit dem Ellbogen an. „Die Brautjungfern sind die nächsten, die sich auf einen persönlichen Tanz freuen können.“

Angie drehte sich der Magen um. „Dort oben auf der Bühne?“

„Nein, diese Ehre gebührt allein der Braut. Aber du suchst dir besser einen der Tänzer aus, bevor Heidi sie dir alle wegschnappt. Welchen willst du?“

„Oh … Das ist egal.“ Sie wusste, was passieren würde. Je aufreizender der Stripper tanzte, desto verkrampfter würde sie reagieren. Wegen ihres Unbehagens würde man sie auslachen. Sie wollte sich weigern, bei dem Tanz mitzumachen. Aber sie durfte keine Spielverderberin sein. Sie musterte die Männer auf der Bühne und hoffte, jemanden zu entdecken, der den Eindruck vermittelte, ihre persönlichen Grenzen zu respektieren.

„Ich kann mich nicht zwischen dem Mann entscheiden, der Brittany anmacht, und dem Tänzer im Hintergrund.“ Robin zeigte auf den Mann.

Angie betrachtete den Tänzer im Hintergrund. Angefangen von den kurzen, schwarzen Haaren bis hin zur muskulösen Figur erinnerte er sie an Cole. Interessiert ließ sie den Blick über seine nackte Brust, den Waschbrettbrauch und die schmalen Hüften wandern. Er hatte Kraft und Stil und sah Cole ziemlich ähnlich. Tatsächlich …

Sie schnappte nach Luft, musterte schließlich sein Gesicht und erkannte das markante Kinn, den Mund mit den vollen Lippen, die hohen Wangenknochen und die kräftige Nase wieder. Sie erinnerte sich daran, dass sich seine schwarzen, kurzen Haare weich anfühlten. „Das … Das gibt es doch nicht.“

„Was ist?“, fragte Robin. „Bist du okay?“

Schockiert sank Angie auf den nächsten Stuhl. Ihr wurde abwechselnd kalt und heiß. Aber sie sah weiter Cole Foster auf der anderen Seite des Raums an. Ihr Exfreund befand sich gerade auf allen vieren und wiegte sinnlich die Hüften. „Wo, zum Teufel, hat er gelernt, sich so zu bewegen?“ Als ihr bewusst wurde, dass sie die Frage laut ausgesprochen hatte, presste sie die Lippen zusammen.

„Wer? Der Stripper? Kennst du ihn?“

„Nein.“ Sie hatte mit Cole sehr intime Momente geteilt, ihn im und außerhalb des Bettes geliebt. Einmal hatte sie ihm all das offenbart. Aber das war ein Fehler gewesen. Es hatte sich herausgestellt, dass sie ihm nicht genügt hatte. Und jetzt sah sie die Wahrheit mit eigenen Augen. „Ich habe ihn auf den ersten Blick mit jemandem verwechselt, mit dem ich mich eine Zeitlang getroffen habe.“

Robin lachte laut. „Ja, richtig. Du triffst dich mit einem Stripper.“

„Es sind schon seltsamere Dinge passiert“, murmelte Angie. Dass Cole ein Stripper geworden ist, zum Beispiel. Als sie mit ihm liiert gewesen war, hatte er als Ermittler bei der Polizei gearbeitet und einen guten Job gemacht. Völlig perplex beobachtete sie, wie Cole sich die Krawatte vom Hals riss, sie um Brittanys Taille schlang und die Braut enger an sich zog. Währenddessen schrien die Frauen direkt vor der Bühne noch lauter und versuchten, ihn zu fassen zu bekommen.

Sie verschränkte die Arme und wünschte sich, im Erdboden zu versinken, damit Cole sie nicht sah. Sie war verwirrt, eifersüchtig, kam sich dumm vor und fühlte sich betrogen, was völlig unlogisch war. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, in der dieser Mann dafür gesorgt hatte, dass sie sich als etwas Besonderes gefühlt hatte. Jetzt schien er zu wissen, wie man jeder Frau dieses Gefühl vermittelte. Aber sie war nicht mehr mit ihm liiert. Es spielte keine Rolle, was er tat. Warum war sie so wütend?“

Cole drehte den Kopf und begegnete ihrem Blick. Ihr stockte der Atem, als sie in seine blauen Augen schaute. Anscheinend war er nicht überrascht, sie zu sehen, und hatte die ganze Zeit über gewusst, dass sie hier war. Angie sah seinen entschlossenen Gesichtsausdruck und wusste, was ihr blühte. Sie wollte flüchten. Stattdessen wappnete sie sich. Entsetzt beobachtete sie, wie er von der Bühne sprang und direkt auf sie zukam. Die anderen Frauen wollten ihn festhalten. Aber er schenkte ihnen keine Beachtung.

Diese Frauen sind Tiere. Cole Foster riss sein rechtes Bein los, das eine Frau gepackt hatte, und ignorierte die Dollarscheine, mit denen eine andere Frau vor seinem Gesicht herumwedelte. Er kam sich wie ein Stück Fleisch vor. Die fanatische Menge war bereit, ihm die Kleider vom Leib zu reißen.

Ihm fiel es schwer, sich auf seinen Fall zu konzentrieren. Das sah ihm absolut nicht ähnlich. Was seinen Job – seinen richtigen Job – anging, war er sehr engagiert und professionell. Dennoch konnte er nur daran denken, dass Angie auf einem Stuhl in der letzten Reihe saß. Sie hatte sich überhaupt nicht verändert.

Angie Lawson war stark, athletisch und eine natürliche Schönheit. Ihre Naturwellen hatte sie zu einem lässigen Pferdeschwanz frisiert und war ungeschminkt. Sie brauchte kein Make-up. Ihr Teint leuchtete und sie strahlte eine ungeheure Energie und Lebendigkeit aus.

Cole sah, dass sie ein schwarzes Tanktop, Jeans sowie Riemchensandalletn mit hohen Absätzen trug, und wusste, dass ihre Mutter sich in Bezug auf die Schuhe eingemischt hatte. Angie kleidete sich gewöhnlich möglichst unauffällig. Doch vor ihm konnte sie sich nicht verstecken. Er spürte immer, wenn sie in der Nähe war. Nichts konnte jemals etwas daran ändern.

Er hatte nicht vorgehabt, so direkt auf sie zuzugehen. Damit konnte er seinen Auftrag gefährden. Aber er hatte ihre abwehrende Körperhaltung bemerkt und wusste, dass sie kurz davor war, ihn zu enttarnen. Vielleicht hätte er sie frühzeitig warnen sollen. Er hatte gewusst, dass sie hier sein würde. Er hatte Brittany, ihre Assistentin und die Brautjungfern seit einer Woche nicht mehr aus den Augen gelassen. Allerdings hatte er nicht ermitteln können, wie gut sich Angie mit den anderen Brautjungfern verstand.

Jetzt stand er vor ihr. Sein Herz raste. Seine Haut war schweißnass. Die Lederhose klebte an seinen Beinen und saß ihm tief auf den Hüften. Angie sagte kein Wort. Es gab vieles, was Cole ihr sagen wollte. Dass es ihm leidtat zum Beispiel. Oder dass sie ohne ihn besser dran war. Stattdessen sagte er: „Du bist die Nächste.“

Wütend starrte sie ihn an. „Nein, danke.“

„Angie, was sagst du da?“, Robin tippte ihr auf die Schulter. „Du hast mir gerade gesagt, dass er wie dein Ex aussieht. Nichts wie ran!“

Er war also gerade noch rechtzeitig hergekommen. Was noch hatte sie über ihn gesagt? „Ich bestehe darauf“, sagte er mit warnendem Unterton. „Jetzt sind die Brautjungfern an der Reihe.“

Sie reckte das Kinn. „Woher weißt du, dass ich eine der Brautjungfern bin?“

„Darüber wurde ich vorher informiert“, antwortete Cole. Er liebte den Klang ihrer tiefen, rauen und sexy Stimme.

Angie funkelte ihn argwöhnisch an, schlug die Beine übereinander und verschränkte die Arme noch fester vor der Brust. „Tut mir leid, ich habe keine Dollarscheine eingesteckt.“

„Wusstest du nicht, dass es in ein Striplokal geht?“ Cole beugte sich vor und legte die Hände auf die obere Kante der Stuhllehne. Sie wich zurück. Er nahm ihren Duft wahr. Die Erinnerungen stürzten auf ihn ein. „Hast du überhaupt kein Geld dabei?“

„Nur Münzen.“

Er lächelte und sah dann Robin an. „Tiger hat gesagt, dass er nur für dich tanzen will.“

„Siehst du!“ Sie raste zur Bühne.

„Es gab keinen Grund, sie wegzuschicken“, stammelte Angie, als er sich mit gespreizten Beinen über ihren Schoß stellte und in den Hüften wiegte. Sofort geriet sie unter Anspannung. „Was tust du?“

„Das ist der einzige Weg, wie ich hier mit dir reden kann“, sagte Cole. Doch er war mit den Gedanken woanders. Es erregte ihn unglaublich, Angie so nah zu sein. Wie sollte er einen zusammenhängenden Satz herausbekommen, während er sie berührte? „Keine Sorge. Ich werde behutsam sein.“

Sie sah ihn eisig an. „Mach dir wegen mir keine Gedanken. Gib mir alles, was du zu bieten hast.“

Er beobachtete fasziniert, dass sie errötete. „Angie, ich weiß, dass dir das unangenehm ist.“ Er bemerkte den Anflug von verletztem Stolz in ihren Augen und hielt den Mund. Alles, was er sagte, legte sie ihm falsch aus.

„Nein, nein, Cole. Ich bin neugierig. Ich habe bereits einige deiner neuen Bewegungen gesehen. Mir war nie bewusst, dass du dich bei mir zurückgehalten hast.“

„Zurückgehalten?“ Er hatte nie irgendetwas zurückgehalten, wenn er mit ihr zusammen gewesen war. Nun, zumindest nicht körperlich.

„Nur zu.“ Angie lehnte sich im Stuhl zurück. „Mach mich heiß.“

Cole neigte den Kopf, und Angie schloss die Augen, um seine Nähe auszublenden. Doch sie konnte die Hitze seines Körpers spüren. Sie leckte sich die Lippen, erinnerte sich daran, wie seine warme Haut schmeckte.

„Ich muss mit dir reden“, sagte er ihr ins Ohr.

Sein Atem strich über ihre Haut. Sie erbebte. „Du hast seit unserer letzten Begegnung offenbar ein neues Leben angefangen.“ Sie zuckte zusammen, als er mit der nackten Brust über ihre Brüste strich, und schlug die Augen auf. „Oder nicht?“

Cole hielt inne. „Was meinst du?“

Angie fiel das Denken schwer. Sie stand wie unter Strom. Ihr Herz hämmerte. Das Blut rauschte ihr durch die Adern. Ihre Haut prickelte. Warum fühlte sie sich nur so, wenn Cole bei ihr war? Das war nicht fair. Ihr kam ein ekelerregender Gedanke. „Wie lange bist du schon Stripper? Du machst das sehr gut.“

„Soll ich geschmeichelt oder beleidigt sein, weil dich das so überrascht?“

Sie ballte die Hände, um ihn nicht zu berühren. Sie würde ihn nicht festhalten oder seine Hüften packen. Ganz egal, wie sehr ihre Hände vor Verlangen kribbelten. „Du hast meine Frage nicht beantwortet“, sagte sie mit brüchiger Stimme. „Hast du schon als Stripper gearbeitet, als wir noch zusammen waren?“

Cole zuckte zurück, als wenn sie ihn geschlagen hätte. „Glaubst du das wirklich?“

„Ich weiß nicht, was ich denken soll.“ Angie hoffte, dass er kein Doppelleben führte. Aber er war immer so in sich gekehrt und verschlossen gewesen. Jetzt fragte sie sich, ob sie ihn überhaupt richtig kannte.

„Es ist nicht so, wie es aussieht.“ Er kniete sich vor sie.

Ihr Herz raste. „Das tut es nie.“

„Ich bin kein Stripper.“ Cole legte die Hände auf ihre Knie und schob sie auseinander.

„Wirklich?“ Jeder Muskel in ihrem Körper war angespannt. Wie konnte er sie so intim und doch wie nebensächlich berühren? „Weil du es sehr gut imitierst.“ Angie sah auf ihn hinunter und versuchte, die aufsteigenden Erinnerungen zu unterdrücken. Wie oft hatten sie so Sex gehabt? Wie oft in umgekehrter Position? Cole wusste, wie er sie mit den Händen und dem Mund zur Ekstase bringen konnte. Diese Art der Befriedigung hatte sie bei keinem anderen Mann gefunden.

Er hob ihr rechtes Bein hoch und legte es auf seine nackte Schulter. Sie sah das bittersüße Verlangen in seinen Augen und wusste nicht, warum er so empfand. Er war derjenige, der sie verlassen hatte. Der Kummer überwältigte sie. Sie nahm das Bein von seiner Schulter und hob abwehrend die Hände. Sie konnte das nicht tun. Nicht mit Cole. Der Sex war romantisch gewesen und hatte etwas bedeutet, als sie ein Paar gewesen waren. Sie wollte nicht auf dieselbe Routine reagieren, die er bei jeder zahlungswilligen Frau anwandte. „Dieser heiße Tanz ist vorbei.“

„Noch nicht.“ Er kniete noch immer zwischen ihren Beinen und glitt jetzt mit seinem Körper an ihrem Körper nach oben.

Angie sog scharf die Luft ein, als sie sich daran erinnerte, wie es sich angefühlt hatte, sich an seine Brust zu schmiegen, an seine Schultern zu klammern und die Beine um seine Taille zu schlingen. Ihr brach der Schweiß aus. Sie versuchte, ruhig zu bleiben, und sah das vielsagende Glitzern in seinen Augen. Erinnerte er sich auch daran? Oder wusste er, welche Wirkung er auf sie hatte? Sie schaute weg. „Ich weiß nicht, was du hier zu erreichen versuchst …“

„Dann muss das dein erster Besuch in einem Striplokal sein.“

Sie warf Cole einen missbilligenden Blick zu. „Du verschwendest deine Zeit mit mir.“

Er lächelte. „Mit dir zusammen zu sein, ist nie Zeitverschwendung.“

Angie verharrte reglos. Er hatte sie sitzengelassen und sich nie wieder bei ihr gemeldet. Wie konnte er so etwas sagen? „Wir sind fertig.“

„Nein, warte.“ Schnell setzte er sich rittlings auf ihre Beine und umfasste wieder die obere Kante der Stuhllehne. „Ich muss dir etwas sagen.“

Sie erwog, ihn wegzuschieben. Aber dann müsste sie ihn berühren, ihre Hände auf seine nackte Haut legen … Sie versuchte, nicht zu bemerken, dass die Haut, unter der sich seine harten Bauchmuskeln abzeichneten, vor Schweiß glänzte. „Ich habe verstanden, was du gesagt hast. Du bist nicht wirklich ein Stripper. Lass mich raten. Du bist gerade arbeitslos. Du tust einem Freund einen Gefallen?“

Cole bewegte die Hüften im Takt der Musik. „Ich ermittle verdeckt.“

Langsam hob Angie den Kopf, um seinen Blick zu erwidern. Diese Begründung hatte sie nicht erwartet. Sie lachte leise. „Das ist eine gute Ausrede.“

Stirnrunzelnd hielt er inne. „Du sollst nicht lachen, während ich dich mit einem erotischen Tanz auf Touren bringe.“

„Entschuldige. Ich kann nicht anders.“

Cole seufzte und beugte sich zu ihr. „Angie, das ist ernst gemeint“, sagte er dicht neben ihrem Ohr und berührte mit den Lippen ihre Haut.

Ihr Lachen erstarb. „Dann hör auf, Witze zu machen.“ Sie wandte den Kopf ab. „Ich weiß, dass du nicht verdeckt ermittelst. Du hast bei der Polizei gekündigt, nachdem du mich vor einem Jahr verlassen hast.“

„He, Angie, jetzt bin ich an der Reihe“, rief Heidi und kam auf sie zu.

Sie waren kein Paar mehr. Deshalb war sie nicht darauf vorbereitet, dass sie Cole mit niemandem teilen wollte. Ihn mit Brittany tanzen zu sehen, war schlimm genug gewesen. Sie wollte nicht, dass er auch nur in Heidis Nähe kam.

„Halte sie hin“, verlangte Cole.

Angie war erleichtert, dass er bei ihr bleiben wollte. Doch sie wusste, dass er etwas von ihr brauchte – und dabei handelte es sich nicht darum, die Erinnerungen mit ihr wieder aufleben zu lassen oder eine Nacht zusammen zu verbringen.

„Auf geht’s. Hier wird niemand bevorzugt.“ Heidi wedelte mit Geldscheinen. „Ich lasse mir den Spaß etwas kosten.“

„Warum sollte ich tun, was du willst?“, fragte Angie ihn leise. „Ich sollte dich den Wölfen zum Fraß vorwerfen.“

Cole schaute ihr fast flehentlich in die Augen. „Ich muss wirklich mit dir reden.“

Was war so wichtig für ihn? Ihre Neugier gewann die Oberhand. Seufzend sah sie die Trauzeugin an. „Sorry. Aber ich warte immer noch darauf, dass er mich beglückt. Anschließend schicke ich ihn zu dir.“

Heidi verdrehte die Augen. „Ich bin gleich wieder da.“ Sie lief zu den Frauen, die alle anderen Stripper anfeuerten, sich die Kleider vom Leib zu reißen.

„Konntest du dir nicht etwas einfallen lassen, das ein bisschen schmeichelhafter ist?“, fragte Cole.

Angie zuckte die Schultern. „Ich wollte nicht, dass sie zu viel erwartet.“

Er bewegte die Hüften so sinnlich, dass sie die Beine zusammenpresste. „Hol ein bisschen Geld aus der Tasche, damit du mich länger hierbehalten kannst.“

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich kein Bargeld bei mir habe.“

„Du hast für den Notfall immer etwas Geld dabei.“

Sie war überrascht, dass Cole sich daran erinnerte. „Das hier ist kein Notfall.“

„Angie“, warnte er sie.

Sie entschied, ihm den Gefallen zu tun. Auf diese Weise musste sie ihn nicht mit den anderen Frauen teilen. „Gut.“ Sie zog einen Zwanzigdollarschein aus der Vordertasche ihrer Röhrenjeans. „Was bekomme ich dafür?“

Cole schnalzte reuevoll mit der Zunge. „Dafür bist du nicht bereit.“

„Sei dir nicht zu sicher.“ Sie lächelte, um ihn nicht sehen zu lassen, dass seine Vermutung sie verletzte. „Also: Was musst du mir unbedingt sagen?“

Cole zögerte. Aber er brauchte ihre Hilfe. In der Vergangenheit hatte er Angie oft einbezogen, wenn er nach vermissten Personen gefahndet hatte. Er hatte ihr vertraut und ihren Rat geschätzt. Sein Instinkt sagte ihm, dass er das immer noch tun konnte. Sie würde nichts tun, um ihm zu schaden oder seinen Fall zu sabotieren. Generell hatte er nicht viel Vertrauen zu anderen Leuten. Aber sie war anders. Auch wenn sie kein Paar mehr waren, konnte er auf ihre Hilfe zählen.

Sie machte Anstalten aufzustehen. „Es war nett, dich getroffen zu haben. Aber ich wollte mir gerade ein Taxi bestellen und gehen.“

„Du kannst nicht gehen.“ Er weigerte sich, zur Seite zu weichen. Es war zu lange her, dass er sie gesehen hatte. Jetzt war sie bei ihm. Das sollte noch einen Moment lang so bleiben.

„Warum?“ Sie verschränkte die Arme. „Niemand wird Notiz davon nehmen.“

Er schon. Aber das wäre ihr egal. „Die Braut wird es bemerken und dir niemals verzeihen.“

„Wie willst du …“ Angie verstummte, als Cole sich abrupt herumdrehte und ihr den Rücken zuwandte. Er nahm ihre Hände, legte sie auf seine Brust und wiegte sich im Takt der Musik. „Was tust du da?“

„Ich halte meine Tarnung aufrecht.“ Er schob ihre Hand über seine Brust und den Bauch, bis ihre Finger den Bund der Lederhose berührten. Automatisch spannte er die Bauchmuskeln an, als sie die Finger noch ein Stückchen weiter nach unten gleiten ließ, bevor sie ihm ihre Hand entriss.

„Hör damit auf.“ Sie versetzte ihm einen Schubs. „Es ist schwer, dir zuzuhören, wenn du mich auf diese Weise ablenkst.“

Cole wandte ihr das Gesicht zu. „Ich bin Privatdetektiv.“

„Du hast die Seiten gewechselt?“

„Ja.“ Er war gern Polizist gewesen. Aber es war ihm ein Anliegen, vermisste Verwandte aufzuspüren und Familien wieder zusammenzuführen. Schon seit er ein Teenager gewesen war, hatte er das tun wollen.

Angie musterte ihn. „Zeig mir deinen Ausweis.“

Das war eine Seite von ihr, die er noch nie bemerkt hatte. Er glaubte nicht, dass sie seine Worte infrage stellte. „Hier habe ich den Ausweis natürlich nicht dabei.“

„Für mich musst du keine Geschichte erfinden. Du bist Stripper und ziehst dich aus, um deinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich verurteile das nicht.“ Sie neigte den Kopf zur Seite. „Nun, nicht allzusehr.“

„Warum glaubst du mir nicht?“, fragte Cole gereizt.

„Ich weiß es nicht.“ Angie zuckte die Schultern. „Aber ich bin sehr neugierig, was du für zwanzig Dollar tun würdest. Ist es etwas, das ich schon gesehen habe?“

Kalte Wut stieg in ihm auf. Er hielt inne und stand auf. „Vergleichst du das hier mit dem, was wir miteinander geteilt haben?“

„Keine Sorge.“ Sie hielt die Hand hoch. „Ich habe das Gefühl, dass es nicht vergleichbar ist. Du hast woanders nach Aufregung gesucht und bist hier gelandet. Wie hätte ich damit konkurrieren können?“

„Dafür habe ich dich nicht verlassen.“ Cole unterdrückte nur mühsam seinen Ärger. „Ich bin wirklich Privatdetektiv.“

„Hm. Und du musst ein Striplokal unterwandern? Warum? Sind die Stripper am Tag Juwelendiebe?“ Angie sah sich demonstrativ um, bevor sie sich nach vorn lehnte und hörbar flüsterte: „Ist Tiger wirklich ein Meuchelmörder?“

„Ich stelle Nachforschungen über die Trauzeugin an.“

„Wie bitte? Über Heidi?“

Cole legte ihr schnell die Hand auf den Mund, bevor sie mehr sagen konnte. „Ja. Und sieh dich nicht nach ihr um. Heidi darf nicht erfahren, dass wir über sie reden.“

Angie zog seine Hand weg. „Warum?“

„Das kann ich dir nicht erzählen. Ich habe schon zu viel gesagt.“ Er musste einige Dinge vertraulich behandeln. Aber er wollte, dass sie wusste, was er aus seinem Leben machte. Obwohl sie kein Paar mehr waren, wollte er, dass sie stolz auf seine Leistungen war.

Sie versuchte, sich einen Reim auf die neue Information zu machen. „Heidi ist nicht interessant genug, um ein Doppelleben zu führen.“

„Vermassele mir das nicht. Bitte.“ Cole warf einen Blick über die Schulter. Alle feuerten noch immer Tiger und Robin an, die zusammen einen heißen Tanz aufführten. In der Menge konnte er Heidi nicht entdecken.

„Du hast dir schon die beste Gelegenheit des Abends vermasselst“, entgegnete Angie. „Heidi hatte dich zu ihrem persönlichen Stripteasetänzer auserkoren. Warum verschwendest du deine Zeit mit mir?“

Er weigerte sich, direkt vor Heidi oder irgendeiner anderen Frau zu tanzen. Bei Angie war das etwas anderes. „Ich kann sie nicht ausfragen, während ich sie mit aufreizenden Hüftbewegungen auf Touren bringe.“

„Dazu braucht es auch eine besondere Koordinationsgabe“, räumte sie ein. „Ich werde Heidi keinen Ton sagen.“

„Danke.“ Cole stand immer noch zwischen ihren Beinen und sträubte sich wegzugehen. „Noch eine Sache.“

„Oh du meine Güte, was?“ Sie stöhnte frustriert. „Du legst hier den längsten Lapdance aller Zeiten hin.“

„Was kannst du mir über Heidi erzählen? Was sagt dir dein Instinkt?“

Angie sah ihn mit großen Augen an. „Bist du deshalb zu mir gekommen?“, fragte sie entrüstet. „Um Informationen aus mir herauszuholen?“

„Das war nicht der einzige Grund“, antwortete Cole.

„Ich weiß nicht viel über sie.“

„Welchen Eindruck hast du von ihr?“ Er konnte sich auf ihre Meinung verlassen. Als Personal Trainerin musste Angie Menschen sehr schnell einschätzen können.

„Sie ist oberflächlich, aufgesetzt und anderen nicht besonders wohlgesonnen.“

Nach seinen Beobachtungen traf diese Beschreibung wohl auch auf die Braut und die andere Brautjungfer zu. „Was noch?“

„Britt gegenüber ist sie sehr loyal … He, ich bin nicht deine Informantin, Cole. Törne Brittanys Assistentin mit deinem Stripteasetanz an, wenn du irgendetwas wissen willst. Cheryl kennt jeden und weiß alles über diese Hochzeit.“

Er seufzte. Manchmal stellte er das, was er für seinen Job tun musste, wirklich infrage. Ich muss an das Endergebnis denken. Ich bringe eine Familie wieder zusammen und sorge für das Happy End, das mir verwehrt wurde.

„Hier.“ Angie hielt ihm den Zwanzigdollarschein hin. „Lass dich von mir nicht aufhalten.“

Cole sah auf den Geldschein und wartete. Er hatte viele Leute einschalten müssen, die ihm noch einen Gefallen schuldig gewesen waren, um sich für seine Nachforschungen als Stripper ausgeben zu können. Aber die Bedingung dafür war, dass er sich ohne jede Ausnahme genau wie die anderen Tänzer verhalten musste. „Ich kann das Geld nicht einfach so nehmen. Ich muss die Regeln einhalten.“

Sie verzog das Gesicht. „Hier gibt es Regeln?“

„In der Tat.“ Er lächelte, weil er wusste, dass Angie nicht gefallen würde, was er ihr sagen musste. „Wenn du mir das Geld nicht in die Hose stecken willst, kann ich den Schein mit den Zähnen entgegennehmen. Aber dafür musst du den Schein ebenfalls zwischen …“

„In Ordnung. Ich gebe ihn dir einfach.“

Cole stellte sich breitbeinig hin, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und schob die Hüften nach vorn. Er beobachtete sie und fragte sich, was sie als Nächstes tun würde. Vermutlich brachte sie die Sache schnell hinter sich. Doch sie packte mit einer Hand seinen Hosenbund und rieb mit den Fingerknöcheln über seine Hüfte.

Er sog scharf die Luft ein, als er hart wurde. Seine Erregung könnte er nicht verbergen. Es kostete ihn den letzten Rest Selbstbeherrschung, nicht ihre Hand zu nehmen und sie an seinen Hosenbund zu pressen. Er schloss die Augen und hoffte, dass er sich zurückhalten konnte. In diesem Moment hörte er einen panischen Schrei, bei dem es ihm eiskalt den Rücken hinunterlief. Er wirbelte herum und hielt Angie instinktiv zurück, als sie vom Stuhl aufsprang.

„Da drüben.“ Sie deutete auf Brittany, die neben einem leeren Tisch stand und auf den Boden zeigte.

Dort lag eine Frau mit dem Gesicht nach unten halb unter dem Tisch auf dem Boden. Sie war bis zur Taille von einer Tischdecke verhüllt. Daher konnte er nur ihre Beine und silberne Stilettos sehen.

„Es ist Heidi.“

Angie folgte Cole und bahnte sich einen Weg durch die Menschentraube. „Bleibt zurück und macht Platz“, forderte sie die Frauen auf, die um Heidi herumstanden. Sie ging neben der Trauzeugin in die Hocke und sah zu, wie Cole ihren Körper vorsichtig auf den Rücken drehte. Bedingt durch ihren Job konnte sie Erste Hilfe leisten und entsprechende Notfallmaßnahmen einleiten. Aber sie war froh, dass Cole bei ihr war. In Krisensituationen reagierte er ruhig und kontrolliert. Sie wusste, dass sie sich auf ihn verlassen konnte.

Sie wandte sich an die anderen Frauen, als er Heidis Atmung überprüfte. „Jemand sollte einen Rettungswagen rufen.“

„Das übernehme ich.“ Cheryl holte ihr Handy aus der Handtasche.

Angie fühlte der Trauzeugin den Puls. „Was ist mit ihr?“, fragte sie Cole.

„Die Atemwege sind frei und sie atmet regelmäßig“, antwortete er erleichtert.

„Der Puls ist kräftig.“ Erneut wandte sie sich an die umstehenden Frauen. „Was ist passiert? Hat jemand gesehen, wie sie hingefallen ist? Ist sie ohnmächtig geworden?“

Die Frauen schüttelten den Kopf und zuckten ratlos mit den Schultern.

„Nimmt sie irgendetwas?“, fragte Cole leise.

„Keine Ahnung.“ Angie hatte in der letzten Woche viel Zeit mit Heidi verbracht, wusste jedoch kaum etwas über die Trauzeugin.

„Wie bitte? Ich habe die Frage nicht verstanden.“ Brittany stand neben Cole.

„Nimmt sie irgendwelche Medikamente?“, formulierte Angie die Frage schnell um, worauf Cole ihr einen dankbaren Blick zuwarf.

„Wie soll ich das wissen?“, meinte Brittany mit schriller Stimme. „Sieh in ihrer Handtasche nach.“

Angie sah sich um. Der Fußboden war klebrig und rosarot von einem ausgekippten Drink. Ein Martiniglas lag direkt neben Heidis Hand. Sie entdeckte die Handtasche unter dem Tisch und öffnete sie. „Handy, Kreditkarte, Dollarscheine, Lippenstift.“

Cole sah hoch. „Das ist alles?“

Sie hatte dasselbe gedacht. Eine Frau, die so viel Aufwand betrieb wie Heidi, hätte doch zumindest Schminkutensilien eingesteckt. „Ich glaube nicht, dass etwas fehlt. Die Handtasche ist zu klein.“

„Wir sollten sie auf die Seite drehen.“

Angie wusste, warum er das vorschlug. Heidi könnte sich erbrechen, falls sie vergiftet worden war oder Drogen genommen hatte. Gemeinsam brachten sie die Trauzeugin in die stabile Seitenlage.

Offensichtlich arbeiteten sie immer noch gut zusammen. In der Vergangenheit hatte ihnen oft ein Blick genügt, um sich zu verstehen. Oder sie hatte nur ein Wort gesagt, und Cole hatte bereits gewusst, wovon sie redete. Da sie seit einem Jahr getrennt waren, hatte sie angenommen, dass diese fast wortlose Verständigung nicht mehr funktionierte. Aber sie hatte sich getäuscht.

„Hat jemand eine Jacke oder sonst etwas, womit ich sie warmhalten kann, bis der Rettungsdienst eintrifft?“, fragte Angie die anderen Frauen.

„Ich besorge dir etwas“, sagte Cheryl und lief eilig weg.

Als Cole die Hand unter Heidis Kopf schob, um ihn nach hinten zu kippen, bemerkte sie sofort, dass er argwöhnisch wurde. Auch das hatte sich seit der Trennung nicht verändert– auch wenn sie wünschte, dass es anders wäre. Sie nahm alle seine Gefühlsregungen sofort wahr. Obwohl ihm der Stimmungswechsel nicht anzusehen war, wusste sie intuitiv, was in ihm vorging.

Angie beugte sich über Heidi, damit die Frauen sein Gesicht nicht sehen konnte. „Was ist?“ Als er die Hand wieder unter Heidis Kopf hervorzog, sah sie das Blut an seinen Fingern. „Worauf ist sie gefallen?“ Sie betrachtete den Tisch neben ihnen. Auf dem Tischtuch war kein Blutfleck.

Er machte ein grimmiges Gesicht. „Ich glaube, dass sie einen Schlag versetzt bekommen hat“, flüsterte er ihr ins Ohr.

„Womit?“ Sie sah sich um. Alle Tische und Stühle standen an ihrem Platz. In den Metallvasen war keine der Blumen in Unordnung geraten. Die Trinkgläser waren aus Plastik. Sie hatte keine Ahnung, was jemand hier als Waffe benutzt haben könnte.

„Ich fasse es nicht“, jammerte Brittany. „Ich hätte wissen sollen, dass Heidi mir das antut.“ Sie ging weg.

Robin rannte zu ihr und legte ihr den Arm um die Schultern. „Es kommt schon alles in Ordnung.“

„Wie kannst du das sagen?“ Brittany fing an zu weinen. „Meine Party ist ruiniert.“

Angie verdrehte die Augen und fühlte Heidi erneut den Puls. „Erinnere mich daran, niemals in Brittanys Nähe zu sein, wenn es einen Notfall gibt“, sagte sie leise zu Cole.

„Ich empfehle dir, ihr aus dem Weg zu gehen, wenn sie herausfindet, dass eine ihrer Freundinnen das getan hat.“

2. KAPITEL

Cole blinzelte, als er sich umsah. Wenn die Lampen eingeschaltet waren, wirkte das Striplokal völlig anders. Die Sanitäter hatten Heidi auf einer Liege abtransportiert. Jetzt sah der Raum kahl und funktionell aus.

„Sonst noch irgendetwas?“, fragte er Linda, die Einsatzleiterin der Polizei vor Ort. Er erinnerte sich noch an seine frühere Kollegin. Manchmal vermisste er die Kameradschaft im Polizeirevier. Er vermisste es, einen Partner und Unterstützung zu haben.

„Ja. Dein Outfit gefällt mir wirklich sehr, Foster“, meinte Linda. „Es ist wie für dich gemacht.“

Cole funkelte sie an. Er konnte es kaum erwarten, aus den Lederhosen herauszukommen und ein Hemd anzuziehen. „Ja, ja, ja. Das habe ich schon von den anderen Männern gehört. Ich bin sicher, dass die Typen hier neugierig sind, warum ich euch kenne.“

„Sie werden denken, dass du mit ein paar Polizisten befreundet bist. Hab dich nicht so. Wir haben andere Sorgen. Lass mich deine Aussage noch einmal durchgehen.“

Er atmete tief ein. Linda hatte recht. Es war egal, ob sie herausfanden, dass er ein Expolizist oder ein Privatdetektiv war. Er musste wissen, was mit Heidi passiert war. Ihn ärgerte, dass er abgelenkt gewesen war und nicht besser auf sie aufgepasst hatte.

„Also …“, Linda las ihre Notizen. „Du hast einen persönlichen Stripteasetanz hingelegt.“

Cole presste die Lippen zusammen. „Ich habe verdeckt ermittelt.“

„Vor deiner Exfreundin.“

„Sie ist eine der Brautjungfern.“ Er warf einen Blick auf Angie, die abseits mit verschränkten Armen auf einem Stuhl saß. Sie war in Gedanken versunken, während die anderen telefonierten oder sich unterhielten.

„Und der persönliche Stripteasetanz dauerte wie lange?“

„Ich habe nicht auf die Uhr gesehen.“ Cole bemerkte, dass Linda sich ein Lächeln verkniff. Das würde er wohl noch ewig vorgeworfen bekommen. „In welches Krankenhaus wird das Opfer gebracht? Ich sollte ihre Familie benachrichtigen.“

Linda nickte. „Ich finde es heraus und sage dir Bescheid.“

„Danke. Was genau ist passiert? Was denkst du?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich gehe davon aus, dass High Heels und Drinks nicht zusammenpassen.“

Cole schüttelte den Kopf. „Ich glaube, es steckt mehr dahinter.“

„Hast du den Verdacht, dass jemand nachgeholfen hat? Das kann ich nicht erkennen. Ich halte es für Pech. Gibt es etwas, was du uns in Bezug auf deinen Fall verschweigst?“

„Sie hat mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden gelegen, als wir sie entdeckt haben. Aber die Verletzung ist am Hinterkopf. Und warum hat sie den Sturz nicht mit den Händen abgefangen?“

„Das heißt nicht notwendigerweise, dass sie verletzt wurde.“ Linda steckte ihre Notizen ein. „Wenn sie wieder bei Bewusstsein ist, finden wir mehr heraus.“ Sie ging zu ihren Kollegen.

Cole fuhr sich über das Gesicht. Er hatte Heidi vor zwei Wochen aufgespürt und Nachforschungen über ihr Leben angestellt. Er wünschte, mehr Antworten zu haben.

Er machte sich auf den Weg zu Angie, hielt dann aber inne. War das klug? Sie lenkte ihn ab. Am besten redete er mit den anderen Frauen und ignorierte sie. Nein, das konnte er nicht tun. Er setzte sich neben sie und war nicht sicher, was er sagen sollte. Aber er wollte für sie da sein und auf sie aufpassen. Er wusste, dass sie kühl blieb und funktionierte, wenn sie Angst hatte oder mit einem Notfall konfrontiert wurde. Danach bekam sie ihre Gefühle jedoch nur mühsam unter Kontrolle.

„Warum sitzt du hier ganz allein?“, fragte er. Angie war immer freundlich und sehr aufgeschlossen. Das mochte er an ihr und wünschte, genauso umgänglich zu sein. Für seinen Job hatte er sich diese Fähigkeit antrainiert. Aber privat fiel es ihm schwer.

„Wenn Brittany nicht den Mund hält, lege ich mich noch mit ihr an. Das wollte ich lieber nicht vor der Polizei tun.“

Also hatte er richtig entschieden. Er sorgte dafür, dass die Gefühle nicht mit Angie durchgingen. „Findest du es nicht merkwürdig, dass Brittany sich keine Gedanken um Heidi gemacht hat?“ Er beobachtete die Braut, die auf und ab ging. „Ihre einzige Sorge ist, ob es ihre Hochzeit in Mitleidenschaft zieht.“

„Man weiß nie, wie jemand in einer Stresssituation reagiert.“ Sie sah Cole an. „Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich nichts anderes von Brittany erwartet.“

„Warum?“, jammerte die Braut und sank auf einen Stuhl. Einige Frauen liefen sofort zu ihr, um ihr den Rücken zu stärken. „Warum muss sie kurz vor der Hochzeit einen Unfall haben?“

„Du bist eine der Brautjungfern. Gehört es nicht zu deinen Pflichten, dich um sie zu kümmern?“, fragte Cole.

„Das wird nicht passieren“, meinte Angie. „Was hat die Polizei gesagt? War es ein Unfall?“

„Die Polizei geht davon aus. Ich kann nicht sagen, dass es keiner war.“ Er hoffte, dass es ein Unfall gewesen war. Falls nicht, hatte er keine Beweise für ein Motiv oder den Tathergang.

„Ich habe Heidi gewarnt, nicht diese Stilettos anzuziehen“, jammerte Brittany.

„Na, toll. Jetzt stellt sie es auch noch falsch dar. Wenn das so weitergeht, musst du mich zurückhalten, Cole.“

Er wusste, dass sie nur daherredete. Angie konnte einen starken Mann niederringen. Aber das hatte er nur einmal erlebt – im Schlafzimmer. Lächelnd erinnerte er sich an diese unbeschwerten Momente und den anschließenden heißen Sex. Er rutschte unruhig auf dem Sitz hin und her und versuchte, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. „Woher weißt du, dass sie lügt?“

„Brittany hat Heidi gut zugeredet, diese Schuhe zu kaufen. Wir waren alle zusammen im Einkaufscenter, um im letzten Moment noch Sachen für die Party zu besorgen.“

Cole sah, dass die Polizei das Lokal verließ. „Anscheinend können jetzt alle nach Hause gehen. Endlich komme ich aus den Lederhosen heraus.“

„Und dieser teuflische Junggeselleninnenabschied ist offiziell vorbei.“ Angie geriet unter Anspannung. „Brittany kommt her. Ich kann jetzt für mein Verhalten nicht zur Verantwortung gezogen werden.“

„Denk an Patrick“, riet er ihr. „Er ist seit Jahren dein bester Freund.“

„Und das sollte etwas wert sein. Brittany kennt er erst seit einem Jahr.“

Cole wusste aus Erfahrung, dass Angie den Mund halten musste. Sonst bereute sie es. „Das ist egal. Patrick wird in jedem Fall Partei für Brittany ergreifen. Darauf gebe ich dir mein Wort.“

„Wir müssen ein Notfalltreffen einberufen“, sagte die Braut zu Angie. „Es findet morgen Nachmittag um vier Uhr in unserem üblichen Starbucks statt.“

„Warum? Besuchen wir Heidi?“

Brittany winkte ab. „Dafür haben wir keine Zeit. Wir müssen entscheiden, was wir tun, wenn Heidi bei der Hochzeit ausfällt. Außerdem müssen wir dann den Einzug und den Auszug aus der Kirche neu einstudieren. Diese zusätzliche Arbeit kann ich nun wirklich nicht brauchen.“

„Deine Trauzeugin ist beim Junggesellinnenabschied ernsthaft verletzt worden“, erinnerte Angie sie.

„Vorsicht“, murmelte Cole.

„Solltest du die Hochzeit nicht verschieben? Oder sie in kleinerem Rahmen stattfinden lassen?“, fragte sie hoffnungsvoll.

Brittany trat einen Schritt näher. „Eine meiner Brautjungfern ist bereits außer Gefecht gesetzt.“

Angie presste missbilligend die Lippen aufeinander. „Aber …“

„Ich habe meine Hochzeit seit Jahren geplant. Ich habe auf diesen Tag gewartet. Nichts und niemand wird mir in die Quere kommen.“

Cole gefiel der drohende Unterton nicht. Er packte Angie am Arm, um sie daran zu erinnern, dass er zu ihrer Unterstützung hier war. Er geriet in Versuchung, sich zwischen Angie und Brittany zu stellen.

Angie erstarrte, kämpfte mit sich, nickte aber schließlich lächelnd. „Du bekommst, was du willst.“

„Gut.“ Brittany funkelte sie an, bevor sie herumwirbelte und davonstolzierte. „Sei um vier Uhr im Starbucks.“

Cole bemerkte die Feindseligkeit, die Brittany bei jedem Schritt ausstrahlte. „Was passiert, wenn du nicht hingehst? Bist du dann die längste Zeit Brautjungfer gewesen?“

„Schön wär’s.“ Angie befreite sich aus seinem Griff.

„Du hast wirklich absolut keine Lust auf diese Hochzeit.“

„Ich muss damit klarkommen. Außerdem habe ich viel zu viel Geld in dieses Brautjungfernkleid investiert. Brittany erwartet auch von uns, dass wir alle Veranstaltungen besuchen. Ich war inzwischen bei sechs Geschenkpartys für die angehende Braut dabei. Sechs! Ich glaube nicht, dass ich noch eine weitere ertrage.“

„Du darfst nie fehlen?“ Cole kam ein Gedanke.

„Nicht bei einer Gelegenheit! Deshalb muss ich mir nächste Woche freinehmen.“ Angie atmete tief durch. „Ich sollte mich nicht beschweren. Das ist Patricks Hochzeit, und ich bin froh, dass er mich als Brautjungfer dabeihaben will.“

„Aber?“, fragte er, als sie zur Tür gingen.

„Diese Hochzeit ist eine Katastrophe und ist durch nichts aufzuhalten.“

„Willst du die Hochzeit aufhalten?“ Machte sie sich Sorgen um ihren Freund? Hatte sie das Bedürfnis, die Sache in die Hand zu nehmen? Nein. Cole verwarf den Gedanken sofort. Das entsprach nicht ihrer Vorstellung von Freundschaft.

„Ich würde niemals eine Hochzeit sabotieren – Moment mal.“ Angie sah ihn argwöhnisch an. „Glaubst du etwa, dass ich es versucht habe?“

„Nein.“ Er hatte ihre Loyalität gegenüber ihren Freunden und ihrer Familie immer bewundert.

„Bei den Vorbereitungen für diese Hochzeit gab es einfach einen Rückschlag nach dem anderen. Aber ich habe geholfen, die Probleme zu lösen. Patrick will, dass Brittany die perfekte Hochzeit bekommt. Dafür tue ich alles, was ich kann.“

„Ich glaube dir“, versicherte Cole ihr.

Angie zeigte mit dem Finger auf ihn. „Und wenn du glaubst, ich hätte etwas mit Heidis Unfall zu tun …“

„Stopp! Es ist mir nie in den Sinn gekommen. Ich bin dein Alibi, erinnerst du dich?“

„Ich will nur, dass diese Hochzeit über die Bühne geht und hinter mir liegt. Das ist alles.“

„Wenn du zu jeder Veranstaltung gehen musst, überrascht mich das nicht.“

„Hochzeiten sollten einfach sein“, meinte Angie. „Wenn ich heirate, wird die Trauung nur mit einem Pfarrer und ein paar Freunden am Strand stattfinden.“

Cole wurde das Herz schwer. War das nur eine theoretische Überlegung, oder hatte sie dabei einen Mann im Sinn? Er wusste nur, dass er bei diesen Heiratsplänen bedauerlicherweise keine Rolle spielte.

Angie senkte verlegen den Kopf, weil sie gegenüber ihrem Exfreund erwähnt hatte, wie sie sich ihre ideale Hochzeit vorstellte. „Ich sollte jetzt gehen.“ Sie deutete auf die Tür. „Ich wünsche dir Erfolg bei deinen verdeckten Ermittlungen.“

„Danke“, sagte er schroff. „Soll ich dich zu Hause absetzen?“

„Nein. Ich nehme den Partybus.“ Sie ging nur zögernd weiter.

Wollte sie noch etwas sagen? „Angie?“ Er zögerte. Er war nicht sicher, ob er es überhaupt erwähnen sollte. Aber durch sie hätte er die perfekte Möglichkeit, mehr über Heidi und deren Unfall in Erfahrung zu bringen. Wenn er eine andere Wahl hätte, würde er diesen Weg ja gar nicht gehen.

„Ja?“

Cole trat von einem Fuß auf den anderen. „Ich weiß, dass die Sache mit uns nicht gut ausgegangen ist, und das tut mir wirklich leid. Aber …“

Angie blieb stehen. „Ja?“

„Ich muss bei dieser Hochzeit dabei sein“, sagte er schnell. „Hast du jemanden, mit dem du hingehst?“

„Der Mann hat vielleicht Nerven“, murmelte Angie vor sich hin, als sie am nächsten Morgen über die Laufbahn im leeren Stadion der Highschool rannte. Letzte Nacht hatte es geregnet. Der Himmel war wolkenverhangen. Es war feuchtkalt und windig.

Nach dem Aufwachen hätte sie am liebsten die Decke über den Kopf gezogen und so getan, als hätte es den letzten Abend nie gegeben. Sie wollte den Gedanken an die verletzte Heidi verdrängen, Brittany und ihre Forderungen vergessen und Cole für immer aus ihrem Gedächtnis streichen.

Die Begegnung mit ihm hatte Angie durcheinandergebracht. Sie hatte schlecht geschlafen und von ihm geträumt. Auch im Traum hatte er Lederhosen getragen. Sein Oberkörper war nackt gewesen. Aber diesmal hatte sie seinen muskulösen Körper hemmungslos berührt und ihn ermutigt, mehr von sich zu zeigen. Sie hatte keine Angst gehabt, die Regie zu übernehmen.

Sie biss die Zähne zusammen und rannte schneller. Als sie ein Paar gewesen waren, hatte sie das Gefühl gehabt, mit ihm ihre sexuellen Fantasien ausleben zu können. Aber sie war zu weit gegangen. Tief in ihrer Seele musste sie es gewusst haben. Denn sie hatte Cole ihre Wünsche erst offenbart, als sie sich in der Beziehung sicher gefühlt hatte.

Angie hatte geglaubt, dass er anders als die anderen Männer war, die anhängliche und unterwürfige Frauen wollten. So konnte sie nicht sein. Sie war direkt und ein wenig ungeduldig. Doch sie war nie fordernd im Bett gewesen, bis sie Cole getroffen hatte. Sie hatte um nichts gebeten, was sie ihm umgekehrt nicht auch gegeben hätte.

Aber anscheinend mochte er keine starke Frau im Bett, die ihre Wünsche äußerte und keinerlei Zweifel daran ließ, wie sehr sie ihn begehrte. Sie hatte darauf vertraut, dass er sie deswegen nicht geringer schätzte. Aber sie hatte sich getäuscht. Sie hatte ihn eingeschüchtert und verschreckt. Das nächste Mal würde sie dem Mann die Führung überlassen und sich auf andere Bereiche Ihres Lebens wie etwa ihren Job konzentrieren. Dort würde sie ihre Grenzen ausloten und glänzen können.

Als Angie aus der Kurve kam, sah sie jemanden am Tor stehen. Ihr Herz begann noch mehr zu hämmern, als sie Cole erkannte. Sie hatte ihn seit einem Jahr nicht mehr zu Gesicht bekommen gehabt und angenommen, dass er aus Seattle weggezogen wäre. Seit seiner Rückkehr waren sie sich nie über den Weg gelaufen. Und jetzt traf sie ihn an zwei Tagen hintereinander. Sie war nicht sicher, ob sie bereit war, sich wieder mit ihm zu befassen.

Wie oft würde sein Anblick sie noch an ihre zerstörten Träume und das gebrochene Versprechen einer gemeinsamen Zukunft erinnern? Cole brachte ihren Puls immer noch zum rasen. Das ist nicht fair. Sie ließ den Blick über seinen Körper wandern. Unter dem blauen Hemd zeichneten sich seine Brust und die muskulösen Arme ab. Er war unglaublich stark und konnte sie dennoch sanft umarmen. Die Jeans betonten die kraftvollen Beine. Sie hatte seine geschmeidigen Bewegungen immer bewundert.

Diese Mischung aus Kraft, Stärke und Selbstbeherrschung zog sie einfach an. Cole kleidete sich gern lässig, hatte jedoch eine imposante Präsenz. Wenn er mit seiner leisen, etwas heiseren Stimme sprach, strahlte er Autorität aus. Ihr Herz flatterte jedes Mal, wenn er den Mund zu einem Lächeln verzog und seine dunkelblauen Augen glitzerten.

Als Angie näher kam, sah sie, wie müde er war. Nein, er tat ihr nicht leid. Es war nicht ihre Aufgabe, sich Gedanken um ihn zu machen oder sich um ihn zu kümmern. Sie war nicht mehr seine Freundin. Sie wollte ihn nicht sehen und nichts für ihn empfinden. Ihre Nerven lagen blank.

Aber sie konnte ihm nicht aus dem Weg gehen. Sie hatte noch ein paar Runden zu drehen und konnte sich nicht konzentrieren, wenn er sie beobachtete. Wenn sie Cole ignorierte, würde er dort stehen, bis sie ihm zuhörte. Früher hatte ihr seine Hartnäckigkeit gefallen. Jetzt ärgerte sie sich nur darüber. Es war also besser, die Angelegenheit hinter sich zu bringen.

Angie lief langsamer und ging zum Tor. Ein Schweißfilm bedeckte ihre Haut. Ihr graues Tanktop war durchgeschwitzt. Sie strich sich ein paar Haarsträhnen aus dem erhitzten Gesicht und spürte seinen Blick auf ihrem Körper. Das Top und die Shorts fühlten sich zu eng an. Ihre Haut prickelte. Plötzlich wusste sie nicht, wohin mit ihren Händen. Sie wollte die Arme verschränken, um ihre kleinen Brüste zu verbergen, und kam sich fast nackt vor.

Sie war nicht sicher, warum das so war. Schließlich war Cole nicht mehr an ihr interessiert. Zur Hölle, früher hatte sie mal geglaubt, er fände sie sexy. Das zeigte nur, welche Illusionen sie sich gemacht hatte. Sie widerstand dem Drang, ihre Jacke oder die Jogginghose anzuziehen. Stattdessen hielt sie sich am Zaun fest und fing an, ihre Muskeln zu dehnen. „Du bist früh aufgestanden.“

„Ich bin überhaupt nicht ins Bett gegangen.“ Er sah ihr beim Stretching zu. „Ich war im Krankenhaus.“

„Verstehe.“ Angie beugte sich nach unten und zögerte, als Cole ihre Beine in Augenschein nahm. „Wie geht es Heidi?“

„Mir wurde gesagt, dass sie wach ist“, antwortete er schroff. „Da ich kein Freund oder Familienangehöriger bin, lassen sie mir nicht viele Informationen zukommen.“

Sie packte mit einer Hand ihren rechten Fuß und hob langsam das Bein nach hinten. Sofort bemerkte sie, dass sie einen Fehler begangen hatte. Sie hatte den Oberschenkelmuskel dehnen wollen. Aber dazu musste sie die Brust rausstrecken. Ihre Brustwarzen richteten sich auf. Sie warf einen Blick auf Cole. Er riss sich vom Anblick ihrer Brüste los und schaute ihr ins Gesicht. Erschrocken sah sie weg.

„Ich brauche deine Hilfe.“ Er reichte ihr die Wasserflasche, die sie neben dem Tor abgestellt hatte. „Heidis Familie in Kalifornien hat mich engagiert, um sie aufzuspüren. Das habe ich getan und dann meine Kunden darüber informiert, was passiert ist.“

„Was hat das mit mir zu tun?“ Angie nahm die Wasserflasche, achtete jedoch darauf, seine Finger nicht zu berühren.

„Ich muss herausfinden, was den Unfall verursacht hat. Sie hatte früher einen wilden Lebensstil. Ihre Familie will wissen, ob das immer noch so ist und sie ihr Hilfe zukommen lassen müssen.“

„Ich weiß nichts über Heidi“, erinnerte sie Cole und trank einen Schluck Wasser. Aber sie verschluckte sich fast, als er sie dabei beobachtete. Anschließend wischte sie sich mit dem Handrücken den Mund ab. „Ich glaube nicht, dass ich dir helfen kann.“

„Du sitzt an der Quelle.“

Angie funkelte ihn an. „Geht es wieder darum, dass du mich zur Hochzeit begleitest? Ich habe bereits Nein gesagt.“ Sie hatte nicht einmal darüber nachdenken müssen, sondern seine Bitte automatisch abgelehnt. Sie war wirklich verblüfft gewesen. Er hatte ihr das Herz gebrochen. Wie konnte er sie dann um ein Date bitten – selbst wenn es nur ein Scheindate war? War er wirklich so gefühllos?

„Ich brauche mehr als eine Einladung zur Hochzeit“, erklärte Cole. „Ich muss hinter die Kulissen blicken. Daher muss ich auch bei der Generalprobe der Hochzeit und beim anschließenden Essen dabei sein.“

„Das ist nicht nötig.“ Sie ging zu ihrem Auto. „Heidi hat eine Kopfverletzung und ist vielleicht ohnehin nicht rechtzeitig zur Hochzeit einsatzfähig.“

„Aber die Gäste, die beim Junggesellinnenabschied im Striplokal waren, sind wahrscheinlich dort“, erinnerte er sie vorsichtig.

Angie blieb stehen und drehte sich um. „Du glaubst nicht, dass es ein Unfall war.“

„Die Polizei geht davon aus, und ich konnte nicht in Erfahrung bringen, wie viel sie getrunken hatte“, gab Cole zu. „Ich glaube, dass jemand versucht haben könnte, Heidi zu verletzen. Ich weiß nur nicht, wie. Aber wahrscheinlich hat es etwas mit ihrem Privatleben zu tun.“

„Ihrem Privatleben?“ Angie fand die Wortwahl seltsam und dachte über die anderen Bemerkungen nach, die er über Heidi gemacht hatte. Ihr wurde klar, was er auszusprechen vermied. „Du meinst Drogen. Deshalb hast du mich gefragt, ob sie etwas nimmt.“

Er nickte. „Ich weiß nicht, ob sie immer noch Drogen nimmt.“

Sie versuchte, sich daran zu erinnern, wie sich Heidi in den vergangenen Tagen verhalten hatte. „Ich habe keine Anzeichen dafür gesehen.“

„Du hast auch nicht darauf geachtet. Aber wenn ich vielleicht während der weiteren Hochzeitsvorbereitungen in der Nähe bin …“ Cole verstummte hoffnungsvoll.

Seufzend verschränkte Sie die Arme. „Warum musst du mich in die Sache hineinziehen?“

„Warum lässt du mich nicht dein Begleiter sein?“, konterte er.

„Das ist doch wohl offensichtlich.“ Es spielte keine Rolle, ob es nur ein vorgetäuschtes Date war. Einen Tag mit ihm zu verbringen, würde sie daran erinnern, was sie und Cole einmal verbunden und was sie verloren hatte.

„Gehst du mit jemand anderem hin?“, fragte er angespannt.

Angie hätte gern gelogen und jede Diskussion über ihr nicht existentes Liebesleben vermieden. Doch Cole würde schnell die Wahrheit herausfinden. „Nein.“

„Wird jemand eifersüchtig, wenn du mit mir hingehst?“, fragte er düster.

Fast hätte sie laut gelacht. „Nein.“

„Was ist dann das Problem?“

Wie war es möglich, dass Cole das nicht nachvollziehen konnte? „Ich muss dir keine Gründe nennen.“ Sie drehte sich um und ging zum Auto.

Er folgte ihr. „Komm schon, Angie.“

„Schließlich hast du mir auch keinen Grund genannt, warum du mit mir Schluss gemacht hast.“

„Ach, darum geht es?“, fragte Cole ungläubig. „Ich habe dir gesagt, warum ich mich von dir trennen musste.“

„Du hast gesagt, dass du nicht bereit für eine Beziehung bist.“ Energisch machte Angie die Autotür auf. „Dass es an dir liegt und nicht an mir.“ Sie warf die Wasserflasche auf den Rücksitz. „Und dass ich etwas Besseres verdiene oder etwas in der Art.“

„Das tust du.“

Sie fiel nicht auf die Aufrichtigkeit herein, die in seiner Stimme zu hören war. Nein, was Cole wirklich meinte, war, dass er etwas Besseres verdiente. „Verabredest du dich mit jemandem?“, fragte sie mit belegter Stimme. „Regt sich deine Frau nicht auf, wenn du deine Zeit mit deiner Ex verbringst? Oder versteht sie, dass es nur für den Auftrag ist?“

„Seit dir hat es keine andere Frau mehr gegeben“, meinte Cole.

Erst jetzt wurde Angie bewusst, wie sehr sie es gebraucht hatte, diese Worte zu hören. Sie wäre am Boden zerstört gewesen, wenn er eine neue Frau gehabt hätte. „Das kann ich kaum glauben.“

„Es ist wahr.“ Er trat einen Schritt näher. „Ich habe all meine Zeit und meine Energie darin investiert, meine Privatdetektei aufzubauen.“

Sie ging einen Schritt zurück und stieß mit dem Rücken an ihr Auto. „Was hat es eigentlich damit auf sich? Mir gegenüber hast du nicht einmal erwähnt, dass du dich selbstständig machen willst. Du hast sehr engagiert in der Vermisstenabteilung bei der Polizei gearbeitet.“

„Das tue ich im Grund immer noch“, erwiderte Cole. „Mein Büro ist darauf spezialisiert, Leute aufzuspüren und Familien zusammenzuführen.“

„Ich dachte, dass alles gut war. Und dann hat sich über Nacht alles geändert.“ Dieser abrupte Wechsel hatte stattgefunden, nachdem sie aus der Deckung gekommen war und angefangen hatte, im Bett die Regie zu übernehmen. Ihr Gesicht brannte bei der Erinnerung daran. Sie hatte sich sexy und begehrenswert, stark und selbstbewusst gefühlt. Sie hatte geglaubt, dass er begeistert wäre, weil sie eine Seite von sich offenbarte, die sie sonst niemandem zeigte. Es waren ganz besondere und intime Momente gewesen.

Sie hatte sich nur etwas vorgemacht, als sie angenommen hatte, dass ihre Beziehung stabil und beständig wäre. Als Cole sie zwei Wochen später verlassen hatte, war sie völlig überrascht gewesen. Er hatte gesagt, dass er ihr nicht geben könnte, was sie brauchte. Aber wirklich gemeint hatte er, dass sie nicht begehrenswert war. Dass ihre sexuellen Fantasien nicht mit seinen übereinstimmten. Sie konnte ihm nicht geben, was er brauchte. Angie hatte ihm alles gegeben, aber sie war nicht gut genug gewesen.

„Ich wollte dir nicht wehtun“, sagte er leise.

Sie straffte die Schultern und setzte ein Lächeln auf. „Ich bin darüber hinweg“, log sie. „Ich dachte nur, dass du anders als die anderen Männer bist.“

„Wie meinst du das?“, fragte Cole stirnrunzelnd.

„Nun, du warst der Herausforderung nicht gewachsen.“ Nur sehr wenige Männer hatten in der Vergangenheit versucht, es mit Angie Lawson aufzunehmen und den Wildfang zu zähmen.

Cole ging noch einen Schritt auf Angie zu. „Glaubst du, dass ich mit dir zusammen war, weil ich eine Herausforderung gesucht habe?“ Ja, sie war eine Herausforderung. Sie war ein Dickkopf, ungeduldig, allzu unabhängig und unverfroren. Aber er sah auch die Unsicherheiten, die sie zu verbergen versuchte.

„Ich weiß nicht, warum, und es ist mir egal. Ich weiß nur, dass ich mir das nicht noch einmal antue.“

„Angie, unsere gemeinsame Zeit hat mir viel bedeutet. Ich kann dir nicht sagen, wie schwer es mir gefallen ist, dich zu verlassen.“ Dennoch war es notwendig gewesen. Denn er hatte angefangen zu glauben, dass sie sich in ihn verlieben könnte. Aber egal wie sehr er versuchte, ein besserer Mensch zu werden, er war ihrer Liebe nicht wert. Das hatte ihm seine Familie vor Jahren bewiesen.

Cole wandte sich ab. Er wollte nicht, dass sie in seinen Augen sah, wie sehr er mit sich kämpfte. „Es fällt mir sehr schwer, dich darum zu bitten. Aber ich brauche deine Hilfe.“ Er spürte ihr Zögern. Sie war eine sehr hilfsbereite Frau. Aber er wusste, wie schwierig es war, jemandem Hilfe anzubieten, der einen sitzen gelassen hatte. „Du warst immer für mich da, wenn ich dich gebraucht habe.“ Er hasste es, dass seine Stimme brüchig wurde und wie viel ihm ihre Loyalität bedeutet hatte. „Und ich war für dich da.“

„Damals waren wir ein Paar“, sagte Angie weich.

„Du bist mir immer noch sehr wichtig.“ Sie war der wichtigste Mensch in seinem Leben. Doch das konnte er ihr nicht sagen. Sie hätte es ohnehin nicht geglaubt.

„So wichtig, dass du nicht einmal in Verbindung bleiben konntest?“, fragte sie bitter.

Cole sah ihr in die Augen. Dann wäre er ständig daran erinnert worden, was er nicht haben konnte. „Ich hielt einen Schnitt für das Beste. Das war auch für mich nicht einfach und ist es immer noch nicht.“

„Und du glaubst, dass es einfacher wird, wenn du mich zur Hochzeit begleitest?“

„Nein, Angie. Aber meiner Meinung nach sind wir an einem Punkt, an dem wir freundschaftlich miteinander umgehen können. Willst du es wirklich allein mit der Braut aufnehmen? Ich könnte dir zur Seite stehen.“

„Brittany ist unerträglich.“ Sie dachte über seinen Vorschlag nach. „Mit einem Freund aufzutauchen, der Stripper ist, wäre nett.“

Cole zuckte zurück. „Wie bitte?“

„Die meisten Hochzeitsgäste werden dich für einen Stripper halten.“ Angie versuchte, ein Lächeln zu unterdrücken. „Patrick und einige der anderen Männer kennen die Wahrheit. Aber ich kann ihnen sagen, dass dich unsere Trennung total aus der Bahn geworfen hat.“

Er war nach der Trennung völlig am Ende gewesen und hatte fast ein Jahr gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen. „Du willst, dass ich weiterhin die Rolle des Strippers spiele?“

„Warum nicht? Du warst derjenige, der damit angefangen hat. Dann wundert sich wenigstens niemand darüber, dass mich plötzlich jemand zur Hochzeit begleitet. Schließlich hast du mir gestern Abend besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet. Danke dafür.“

Cole ignorierte ihren Sarkasmus. „Du ziehst es wirklich in Betracht?“

„Brittany wird einen Anfall bekommen, wenn sie sich so spät noch auf einen weiteren Hochzeitsgast einstellen muss.“ Angie verzog das Gesicht, als sie sich die Reaktion der Braut vorstellte. „Ich rede mit Cheryl, ihrer Assistentin. Sie kümmert sich um die Details.“

„Glaubst du, dass du mich heute in Heidis Krankenzimmer schleusen kannst?“ Er wusste, dass er sie bedrängte. Aber die Zeit lief gegen ihn. Wenn er in den nächsten Tagen keine Antworten fand, tat er es wahrscheinlich nie.

„Ich wollte Heidi heute nach dem von Brittany einberufenen Notfallmeeting besuchen“, erklärte sie widerstrebend. „Ich treffe dich im Krankenhaus, und wir gehen zu ihr.“

„Danke.“ Cole war nicht sicher, ob er so erleichtert war, weil er mit seinem Auftrag Fortschritte machte oder weil Angie ihm nochmals zur Seite stand.

Sie nickte und stieg in ihr Auto. „Übrigens ist mein Freund, der Stripper, total in mich verschossen. Er kann sein Glück nicht fassen, mich an Land gezogen zu haben.“

„Das lässt sich machen.“ Das musste er nicht einmal spielen. So fühlte er sich, seit er das erste Mal eine Verabredung mit ihr ergattert hatte. Er hatte keine Ahnung, wie er sie von sich überzeugt hatte. Oft hatte er das Gefühl gehabt, dass die mit ihr verbrachte Zeit nur geliehen war. Er hatte gewusst, dass sie eines Morgens aufwachte und begriff, dass sie mit einem viel besseren Mann zusammen sein konnte.

„Aber ich bin nicht wirklich in ihn verknallt“, warnte Angie ihn. „Alle schöpfen Verdacht, wenn ich zu anhänglich und liebevoll bin.“

Besonders, da sie sich in der Öffentlichkeit nicht so verhält, dachte Cole. Aber als sie allein gewesen waren, hatte sie ihm ihre Wünsche offen und deutlich mitgeteilt. „Dann handelt es sich also nur um sexuelle Anziehung?“, neckte er sie.

Sie grinste. „Ja, etwas in der Art.“

„Das wird unsere Tarnung sein. Alle werden glauben, dass wir eine sehr heiße, aber kurze Wiedervereinigung erleben“, versprach Cole. Die Wiedervereinigung musste kurz sein, damit er nicht den Kopf verlor. Wenn Angie ihn einmal berührte, einmal küsste, wollte er mehr. Viel mehr. Wenn er nicht gewusst hätte, wie es ausgehen würde, hätte er sich Hoffnungen auf eine zweite Chance gemacht. Er hätte vergessen, dass sie ihn nicht liebte – ihn von vorneherein nicht hatte lieben können.

„Eine wilde Affäre? Das wird keiner glauben.“

„Doch, das werden sie.“ Denn er würde die Chance auskosten. „Das garantiere ich.“

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