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TIFFANY SEXY BAND 87

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Stepping Up - Tanz und Träume

1. KAPITEL

Gellende Schreie rissen Meagan Tippan aus dem Schlaf. Gerade eben noch hatte die Produzentin von „Stepping Up“, Amerikas neuer Reality-Dance-Show, tief geschlafen, und jetzt saß sie aufrecht im Bett. Ihr Herz raste.

Keine zwei Sekunden später schaltete sich das Sprinklersystem in der restaurierten viktorianischen Strandvilla ein. Unwillkürlich drückte Meagan den Rücken durch, um den eiskalten Tropfen, die ihr dünnes T-Shirt durchweichten, zu entgehen.

Brannte es tatsächlich irgendwo im Haus? Der Gedanke kam wie ein dritter Schock.

Schnell schob sie die durchnässten Laken zur Seite und hastete zur Tür. Hier im Haus gab es zwölf junge Tanztalente, die all ihre Hoffnungen in die Show setzten. Diese jungen Menschen wollten ihren Traum leben und keinen Albtraum.

Tänzer und Crew mussten unbedingt so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden.

Sie ging auf den Flur hinaus und sah, wie Ginger Scott, eine der beiden Choreographen der Show, die sechs weiblichen Kandidaten die Treppe nach unten führte.

„Ist jemand verletzt?“ Meagan musste schreien, weil das prasselnde Wasser die panischen Stimmen fast übertönte.

„Nein. Nur verängstigt.“ Ginger, die für die Kandidaten wie eine Ersatzmutter war, schob sich die nasse blonde Mähne aus der Stirn.

Genau dasselbe tat Meagan gerade mit ihrem hellbraunen Haar. „Wo brennt es denn?“

„Ich habe überhaupt kein Feuer gesehen. DJ sagt, unten brennt auch nichts.“

DJ war Gingers Zwillingsbruder und trainierte die männlichen Kandidaten.

„Die Feuerwehr ist schon unterwegs.“ DJ kam die Treppe herauf. „Könnte aber alles eine elektrische Fehlschaltung sein. In so einem alten Haus kommt das vor.“

Na, fantastisch, dachte Meagan, das fehlt gerade noch. Zehn Wochen lang sind wir jetzt kreuz und quer durchs Land gefahren und haben Castings abgehalten, bis wir die zwölf Kandidaten zusammenhatten, und ständig geht irgendetwas schief.

Gerüchte über einen Fluch, der angeblich auf der Sendung lag, machten bereits die Runde.

Und jetzt hatte anscheinend noch irgendein Kurzschluss gleich in der ersten Nacht, die sie hier im Haus verbrachten, zu einem Brand geführt.

„Alles okay da oben?“, rief einer der Tänzer aus dem Erdgeschoss. „Braucht ihr Hilfe?“

„Nein! Bleibt unten“, rief Meagan zurück, wobei sie Wasser in den Mund bekam. „Hier gibt’s kein Feuer.“ Jedenfalls hatte sie noch keins gesehen, aber das behielt sie lieber für sich. Sie wollte Team und Tänzer nicht noch mehr in Panik versetzen.

„Alle nach draußen auf den Rasen, damit wir durchzählen können.“ Sie scheuchte Ginger und DJ die Treppe hinab. Je eher sie die Situation in den Griff bekamen, desto besser. Allerdings machte sie sich keine falschen Hoffnungen mehr. Absolute Kontrolle war in diesem Geschäft einfach nicht möglich. Ihre eigene Karriere als Tänzerin war durch eine Knieverletzung abrupt beendet worden, und wann immer sie in ihren 32 Jahren geglaubt hatte, Herr der Lage zu sein, war wieder etwas anderes dazwischengekommen.

Schließlich standen alle Kandidaten der Show schlotternd vor Meagan im Garten vor dem Haus. Mit ihren durchtrainierten Körpern in durchnässten T-Shirts sahen sie aus, als würden sie für irgendein Erotikmagazin posieren.

Das müssen wir rausschneiden, dachte Meagan. Sicher war der ganze Vorfall von den festinstallierten Kameras gefilmt worden, und bestimmt würde der Sender darauf bestehen, Szenen von diesem Vorfall im Rahmen der Hintergrundberichte zu senden. Schließlich waren auch alle bisherigen Missgeschicke über den Sender gegangen. Umstürzende Kulissen, Transportbusse, die mit einer Panne liegen blieben, und auch noch ein verrückter Fan, der in einer Hotellobby Feuer gelegt hatte.

Gab es tatsächlich so etwas wie einen Fluch? Das war einfach unmöglich!

Sie fuhr zum Haus herum, als sei das Gebäude von einem bösen Geist besessen. Nein, sie würde sich ihren Traum nicht kaputtmachen lassen!

Die Idee zu dieser Show war ihr gekommen, nachdem sie in Dallas zehn Jahre lang eine sehr erfolgreiche News-Sendung produziert hatte. Diesen Posten aufzugeben, um mit einer Reality-Dance-Show vielleicht gute Quoten zu erzielen, war ein großes Risiko gewesen.

Die Kameras waren nass, und das Haus, in dem sie die nächsten zwölf Wochen hatten verbringen wollen, war vom Wasser zerstört.

Meagan wusste, wie die Verantwortlichen im Sender tickten. Keiner dieser Leute hatte viel Geduld. Ihre Show, die Erfüllung ihres Traums, verwandelte sich in einen einzigen Albtraum. Jederzeit konnte es passieren, dass die Sendung eingestellt wurde.

Der Gewinner der Show würde ein neues Auto bekommen, Bargeld und einen Vertrag beim Sender, aber auch die übrigen Kandidaten würden durch die Auftritte in den Sendungen so bekannt, dass sich ihre Leben von Grund auf verändern würden.

Fand das alles mit dem heutigen Tag ein jähes Ende?

Um sich zu beruhigen, rief sie sich die berühmten Jury-Mitglieder ins Gedächtnis, die sie für die Live-Shows hatte gewinnen können. Ein weltbekannter Choreograf, ein Talentscout einer angesehenen Casting-Agentur und ein echter Popstar. Ganz bestimmt wollte der Sender diese Leute nicht bezahlen, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen.

Andererseits brauchte sie sich nichts vorzumachen: Die Chefetage im Sender entschied rücksichtslos. Was Gewinn versprach, wurde gefördert, was Verluste einbrachte, wurde gekippt.

Irgendetwas musste sie unternehmen, um das Haus und damit ihre Show zu retten.

Ohne auf die zu hören, die ihren Namen riefen, lief sie zurück zum Haus. Ganz offensichtlich brannte es nirgendwo. Die eigentliche Zerstörung richtete das Wasser aus der Sprinkleranlage an.

Sie lief ins Haus und in den Keller hinunter, um alle Sicherungen auszuschalten, die sie finden konnte. War nicht neben Waschmaschine und Trockner ein Sicherungskasten gewesen?

Ja, dort hing der Kasten. Leider so hoch, dass kein Normalsterblicher ihn erreichen konnte. Entnervt stapfte Meagan durch das Wasser, das auf dem Kellerboden stand, und erklomm die Waschmaschine.

Als sie hinter sich Schritte auf der Kellertreppe hörte, rief sie sofort: „Ich sagte doch: Alle raus in den Garten!“ Dann zerrte sie an dem metallenen Abdeckblech des Kastens, aber er ließ sich nicht öffnen. „Alle sollen raus, dort seid ihr sicher!“ Sie hörte platschende Schritte und verzog das Gesicht. „Was ist so daran so schwer zu begreifen, ich …“

„Komm da runter, bevor du dich noch verletzt.“

Bei dem Befehlston in der tiefen Stimme erstarrte sie. Samuel Kellar leitete das Security-Team des Senders. Er war knapp eins neunzig groß, blond, blauäugig und sexy. Außerdem war er selbstherrlich, machte sie mit jedem zweiten Wort rasend vor Wut, und leider dachte sie viel zu oft über ihn nach.

Alle nannten ihn Sam, und in den letzten Monaten hatte er, besonders bei den offenen Castings, sämtliche Sicherheitsmaßnahmen koordiniert.

In dieser Zeit hatte Meagan sich davon überzeugen können, dass es nur sehr wenige Menschen auf der Welt gab, die sie so schnell wütend machen konnten wie Sam. Niemals bat er um irgendetwas, er gab immer nur Befehle! Allerdings war es ihr ein absolutes Rätsel, wieso sie ihn nicht nur ständig anschreien wollte, sondern sich auch gleichzeitig wünschte, er würde vor ihren Augen einen Strip hinlegen.

Sie war nicht der Typ, der andere anschrie. Und mit einem Mann wie Sam zu schlafen, kam für sie auch nicht in Frage. Sie bevorzugte es sanft und fügsam. Arrogante und herrische Typen wie er waren ihr zuwider. Leider ließ Sam sich bisher von ihren bissigen Kommentaren in keiner Weise einschüchtern. Fast kam es ihr vor, als würden ihm die Wortgefechte Spaß machen.

Entnervt zerrte sie an der Abdeckklappe, reckte dabei den Po in die Höhe – und erstarrte vor Verlegenheit in dieser peinlichen Haltung.

Jetzt bekam Sam, der ihr tagtäglich allein dadurch auf die Nerven ging, weil er so sexy war, auch noch den perfekten Ausblick auf ihren Hintern! Sie ahnte, dass ihre durchnässte pinkfarbene Boxershorts nicht viel der Fantasie überließ.

Als ehemaliger Angehöriger der Special Forces, war Sam Kellar ein sehr disziplinierter Mensch. Er sah sich als Gentleman, aber letztlich war auch er nur ein Mann. Nicht mal die kalte Dusche aus der Sprinkleranlage konnte die Glut in ihm löschen, die der Anblick von Meagans herzförmigem, sexy Po in ihm auslöste. Anscheinend war er noch schärfer auf sie, als er gedacht hatte, obwohl sie natürlich ganz klar tabu für ihn war. Einerseits arbeiteten sie zusammen, und andererseits löschte sie konsequent jeden Funken Lust, der zwischen ihnen aufflackerte, mit ihrer routinierten Rolle der Eisprinzessin.

„Komm da runter, Meagan!“ Ganz bestimmt würde sie ihm wie üblich widersprechen.

Vergeblich zerrte sie an der Abdeckklappe. „Erst wenn ich das Wasser abgeschaltet habe.“

„Das übernehme ich“, versprach er ihr. „Jetzt komm schon, bevor …“

Noch bevor er den Satz beenden konnte, rutschte sie ab, und Sam schlang die Arme um ihre langen schlanken Beine, damit sie nicht fiel.

„Sam!“ Sie stützte sich mit beiden Händen an der Decke ab und sah zu ihm hinunter. Ihre Blicke trafen sich.

Sofort war die Glut wieder mit voller Kraft da. Ihnen war beiden klar, dass Meagan halb nackt war und dass Sam sie umschlungen hielt. Mit diesem Blick gestanden sie sich ein, dass sie sich so eine ähnliche Situation schon beide oft ausgemalt hatten.

„Lass mich los!“ Es klang ein bisschen panisch.

Diese Panik hatte Sam fast immer in ihrer Stimme gehört, wenn diese überwältigende Hitze zwischen ihnen aufkeimte. „Damit du dir deinen hübschen Hals brichst? Ganz sicher nicht.“

Ohne ihr Zeit zum Widerspruch zu geben, strich er mit den Händen an ihren Schenkeln hinauf bis zur Taille und hob Meagan von der Waschmaschine herunter. Das war aus seiner Position heraus nicht ganz leicht.

Sie landete so eng an ihn geschmiegt wie die nasse Shorts ihr am runden Po klebte. Sam war schon viel zu lange scharf auf sie, um jetzt verbergen zu können, wie heiß ihr sinnlicher Körper ihn machte.

„Was fällt dir ein?“

Ihre Hüften pressten sich an seine, ihre Hände spürte er an der Brust. Wie oft hatte er davon geträumt, dass sie ihn mit diesen Händen berührte, und nicht nur an der Brust!

Das erotische Knistern war fast hörbar, obwohl nach wie vor das Wasser aus der Sprinkleranlage prasselte.

Meagan reagierte mit geballtem Zorn. „Sam, verdammt! Das Haus versinkt im Chaos!“ Sie wand sich aus seinen Armen, und widerstrebend ließ er sie los. „Ich muss das Wasser abschalten.“ Wieder wandte sie sich der Waschmaschine zu.

Auf keinen Fall wollte er sie dort noch einmal hinaufklettern lassen. Mühelos zog er sie am Arm zu sich herum.

Ihr Gesicht war so dicht vor seinem, dass er sie hätte küssen können. Er hätte dem Drang gern nachgegeben, aber leider hatte sie recht: Das Wasser musste abgeschaltet werden.

„Was für eine sture Frau!“ Er sagte es leise und mehr zu sich. „Ich mach das schon. Deshalb bin ich doch überhaupt hier heruntergekommen. Außerdem habe ich dich ins Haus rennen sehen. Da habe ich gleich gewusst, dass du wieder irgendwas Unvernünftiges vorhast.“

Aus weiter Ferne hörte man Sirenen, und unwillkürlich glitt Sams Blick zu Meagans aufgerichteten dunkelroten Nippeln, die man durch das durchnässte T-Shirt deutlich sah. Er wollte nicht, dass eine ganze Horde Feuerwehrmänner diesen Anblick zu genießen bekam.

„Sam!“ Empört verschränkte sie die Arme vor der Brust.

Er rieb sich übers Gesicht, als könnte er dadurch das Bild ihrer perfekten Brüste aus seinem Gedächtnis löschen. „Tut mir leid. War keine Absicht. Es ist einfach … so passiert.“ Er zog sich die Regenjacke aus, die er sich angezogen hatte, bevor er ins Haus gelaufen war, und reichte sie ihr. „Zieh die hier an, bevor ein Dutzend Feuerwehrmänner auch ganz unabsichtlich die Blicke schweifen lässt.“ Die Vorstellung gefiel ihm überhaupt nicht.

Er wandte sich ab, stemmte sich auf die Waschmaschine und schlug mit der Faust auf die Abdeckklappe, die sofort aufsprang.

Verblüfft sah sie zu ihm hoch. „Die hatte ich schon gelockert.“

Er musste schmunzeln, aber er antwortete nichts. Es gefiel ihm viel zu sehr, wie leicht er sie auf die Palme bringen konnte, ohne es überhaupt zu wollen.

Schnell unterbrach er den Sicherungskreis der Sprinkleranlage, und die Berieselung hörte schlagartig auf. Jetzt erklangen die lauten Stimmen der Feuerwehrleute, und aus dem Stockwerk über ihnen waren schwere Schritte zu hören.

Sam stieg von der Waschmaschine und stand wieder knöcheltief im Wasser. Zum Glück war Meagan in die viel zu große Regenjacke eingehüllt. Allerdings fand er es auch irgendwie erotisch, dass sie ein Kleidungsstück von ihm trug.

Sie strich sich das Haar aus dem Gesicht, das auch völlig ungeschminkt unglaublich attraktiv war. Wassertropfen hingen an ihren dichten dunklen Wimpern und rahmten ihre grasgrünen Augen ein. Ihr Blick glitt über sein nasses T-Shirt mit dem Aufdruck des Senders und kehrte zu seinem Gesicht zurück.

„Leute, ihr müsst hier raus“, ertönte eine Männerstimme von der Treppe und riss sie beide von einer Sekunde zur anderen aus dem sinnlichen Zauber.

„Wir kommen“, rief Sam zurück und wandte sich an sie. „Ich werde erklären müssen, was hier vorgefallen ist. In der Zwischenzeit kümmert einer meiner Leute sich um Hotelzimmer für alle.“ Mit einer Geste gab er ihr zu verstehen, sie solle nach oben gehen.

Mit einem Mal wirkte sie verletzlich.

„Ich … also bei all den Feuerwehrleuten und deinen Männern da oben … danke für die Jacke. Und dass du das Wasser abgestellt hast.“

Gerade dachte er, Meagan und er würden allmählich etwas besser miteinander auskommen, als sie fortfuhr: „Aber ich hätte es auch fast geschafft.“

„Natürlich hättest du das.“ Mühsam verkniff er sich ein Lächeln. „Aber wenn ich schon mal hier bin, Meagan, dann kann ich mich doch auch nützlich machen.“

Bei seinen Worten öffnete sie den Mund, dann stemmte sie die Hände in die Seiten. „Du bist einfach unmöglich.“ Einen Moment lang starrte sie ihn noch wütend an, dann machte sie kehrt und stapfte durchs Wasser zur Treppe.

Sam sah ihr nach. Unmöglich war nicht er, sondern der Glaube, sie könnten dieses Spielchen noch lange weiterspielen. Sie wollte ihn, und er wollte sie. Daran ließ sich nichts ändern, egal, auf wie viele Waschmaschinen er noch kletterte.

2. KAPITEL

Ganz konservativ in dunkler Bluse und dunklem Rock trat Meagan aus dem Fahrstuhl in das Büro der Sendeleitung. Während der paar Stunden im Hotelbett hatte sie nur an die Decke gestarrt und daran gedacht, wie Sams Körper sich an ihren geschmiegt hatte.

Konzentrier dich, sagte sie sich. Hier geht es um mehr als deinen Job. Es ging um ihren Traum, um ihre Karriere als Tänzerin, zu der es nie gekommen war. Diese Leidenschaft fürs Tanzen wollte Meagan nutzen, um anderen, die das Tanzen ebenso liebten, bei der Erfüllung ihrer Träume zu helfen. Genau das hatte ihre Tanzlehrerin damals für sie getan, als Meagan noch ganz jung gewesen war und von einer Laufbahn als Ballerina geträumt hatte.

Sie holte tief Luft. Sie wollte durchsetzen, dass sie die Show jetzt in dem Hotel drehten, in das sie spontan gezogen waren. Meagan ging zu June, der Sekretärin, die mit dem üblichen freundlichen Lächeln hinter dem riesigen Schreibtisch aus Mahagoni saß.

„Guten Morgen, Meagan. Ich sage Sabrina, dass du hier bist.“

Dicht hinter Meagan erklang eine tiefe Männerstimme mit sehr sinnlichem Tonfall. „Guten Morgen, Eisprinzessin. Wie geht’s dir heute?“

Meagan erstarrte. Wenn Sam hier war, bedeutete das höchstwahrscheinlich, dass der Sender beschlossen hatte, die Show abzusagen. Sam sollte für Schadensbegrenzung sorgen, wenn die Kandidaten erfuhren, dass sie alle nach Hause fahren konnten.

Bei dem Gedanken wurde ihr fast übel. Reiß dich zusammen, sagte sie sich. Gib ihm Kontra, genau wie er es von dir erwartet. Sie wandte sich zu ihm um, aber der belustigte Blick seiner blauen Augen hielt sie wie gefangen. „Die Eisprinzessin ist ziemlich durchgefroren, danke fürs Mitgefühl.“

Schnell wandte sie sich ab, auf der Flucht vor Sams durchdringendem Blick. Er würde sonst erkennen, dass ihr überhaupt nicht kalt war. Vielmehr war ihr so heiß, dass sie sich am liebsten Kühlung zugefächelt hätte. Sie konnte seinen heißen Blick förmlich spüren, mit dem er jede ihrer Bewegungen registrierte.

Sie setzte sich auf eines der Ledersofas, schlug die Beine übereinander und nahm sich eine Zeitschrift.

„Du bist heute ziemlich leicht reizbar.“ Er setzte sich ihr gegenüber. „Normalerweise ist es nicht so einfach, dich auf die Palme zu bringen.“

„Unter Schlafmangel wird jede Prinzessin übellaunig.“

Er lächelte belustigt, doch bevor er etwas erwidern konnte, ging die Tür zum Büro ihrer Chefin auf. Sabrina hatte ihr langes blondes Haar sorgfältig am Hinterkopf zusammengesteckt, und ihr weißes Kostüm saß tadellos.

„Kommt rein, ihr zwei. Tut mir leid, dass ihr warten musstet.“ Sobald sie eingetreten waren, deutete Sabrina zu einem kleinen Besprechungstisch, und auf einmal saß Meagan zwischen ihrer Chefin und Sam. Wie von Zauberhand tauchte eine Tasse Kaffee vor ihr auf.

Sabrina legte die Hände flach auf den Tisch. „Also, wo fangen wir an? Uns war von Anfang an klar, dass diese Show ein Tanz auf dem Vulkan wird, aber wer hätte gedacht, dass es in diesem Vulkan so stark brodelt? Die gute Nachricht lautet, dass viel Wirbel üblicherweise zu starken Quoten führt. Auf einigen der Klatsch- und Tratschseiten im Netz wird bereits über die Vorfälle der letzten Nacht berichtet, und immer wieder kommt das Gerücht hoch, dass ein Fluch auf der Show liegt. Auf Twitter und Facebook gibt es heiße Diskussionen, und deshalb werden wir einfach auf dieser Welle schwimmen und die Geschichten um den Fluch bestärken. Geplant ist, dass wir in den nächsten zwei Wochen Aufzeichnungen der Castings zeigen. Damit bleiben euch zwei Wochen Zeit, um euch in einem neuen Haus einzurichten. Wir werden auch eine Reihe von Promo-Spots zeigen, die den Fluch als Thema aufgreifen. Meagan, du bist dafür verantwortlich, dass wir entsprechendes Filmmaterial bekommen. Lass die Kandidaten über das sprechen, was gestern Nacht passiert ist. Dazu noch ein bisschen Unheimliches und Übernatürliches, was den Fluch unterstützt. Zwischen den ersten beiden Episoden bauschen wir die Geschichte mit dem Fluch auf, und anschließend sehen wir weiter, je nachdem, wie die Quoten aussehen.“

In Meagans Kopf drehte sich alles. Die Show wurde nicht abgesetzt! Das war fantastisch. „Ich weiß nicht genau, wie wir die Ausschnitte von den Kandidaten beim Tanzen und Üben mit dem Fluch zusammenschneiden sollen.“

Sabrina lächelte. „Für die erste Episode bekommt ihr zwei Stunden Zeit, anschließend senden wir im Standardformat abwechselnd Reality-TV und den Wettbewerb, bei dem die dreiköpfige Jury entscheidet, wer nach Hause geht. Beim Finale können die Zuschauer mitstimmen.“

„Was ist mit den Superstars für die Liveshows?“

„Die bekommst du als Belohnung, wenn die Promo-Spots mit dem Fluch das Interesse bei den Zuschauern wecken, das wir uns erhoffen. Wir investieren weiter in dich und die Show, solange die Quoten das rechtfertigen.“

Meagan konnte es kaum glauben. Inmitten der ganzen Katastrophen sah alles auf einmal spektakulär aus. „Sabrina, ich bin sprachlos. Ich werde dich nicht enttäuschen.“

„Das weiß ich. Aber hier im Sender geht es auch um Haftungsfragen. Wir müssen mehr in den Schutz aller Beteiligten investieren. Sam und du, ihr müsst gemeinsam ein neues Haus finden, in dem wir filmen und die Kandidaten sicher unterbringen können. Zu eurer Sicherheit gibt’s rund um die Uhr Security.“

Meagans Herz raste. Unwillkürlich sah sie zu Sam. „Was genau bedeutet das? Security rund um die Uhr?“

„Wir haben Sam gebeten, bei der Show persönlich den gesamten Schutz zu übernehmen“, erklärte Sabrina und stand auf. „Ihr zwei werdet uns großartige Quoten bescheren.“

Nach dem Meeting folgte Sam Meagan in den Aufzug. Sobald die Türen der Kabine sich geschlossen hatten, wandte sie sich zu ihm.

„Als Leiter der Security hast du bestimmt Besseres zu tun, als für mich und die Tänzer den Babysitter zu spielen.“

Fragend zog er eine Braue hoch. „Du kannst es wirklich nicht erwarten, mich loszuwerden, stimmt’s?“

„Das Einzige, was wir perfekt hinbekommen, ist das Streiten.“

„Dann wird es Zeit herauszufinden, ob wir auch noch anderes zusammen perfekt beherrschen.“ Entspannt lehnte er sich zurück und musterte sie. „Wenn ich dem Sender nicht versichert hätte, dass ich mich um die Sicherheit kümmere, während du dich auf die Quoten konzentrierst, gäbe es jetzt überhaupt keine Show mehr. Mag sein, dass du mich für einen riesigen Mistkerl hältst, aber ich wollte verhindern, dass sie abgesetzt wird und ihr alle todunglücklich seid.“

Sie stieß die Luft aus und hielt sich den Magen. „Ich wusste, dass sie alles canceln wollten.“

„Haben sie aber nicht. Du hast noch eine Chance. Wir beide haben sie. Und das bedeutet …“ Der Fahrstuhl hielt an, und einige Leute wollten einsteigen. „Lass uns das draußen besprechen.“

Meagan atmete tief durch und folgte ihm in die Lobby, wo einer von Sams Leuten auf ihn zukam.

„Genau nach dir habe ich gesucht, Mann.“ Josh Strong war ein 28-jähriges ehemaliges Mitglied der SEALs. Den Dienst hatte er quittiert, damit er sich um seine kranke Mutter kümmern konnte.

Josh war immer hellwach, und Sam konnte sich glücklich schätzen, einen Mann wie ihn in seinem Team zu haben.

„Ich habe die Liste mit den Anwesen für das Team der Dance-Show fertig.“

Sam wollte Meagan ins Gespräch einbeziehen, aber sie war bereits weitergegangen. Natürlich. Sie flüchtete bei der ersten Gelegenheit. „Einen Moment, Josh, bin gleich zurück.“ Schnell folgte er Meagan. Wenn sie die Show als Team zum Erfolg führen wollten, kam es nicht in Frage, dass sie sich aus dem Weg gingen.

Auf dem Parkplatz holte er sie gerade noch rechtzeitig ein, um die Fahrertür ihres Acura mit einer Hand zuzuhalten. Der Wind drehte sich, und eine Strähne ihres hellbraunen Haars streifte seine Wange. Es duftete nach Vanille und Honig, und sofort wurde ihm die Jeans eng.

„Wir müssen reden, Meagan.“

„Sam.“ Sie reckte das Kinn vor, und ihr Mund war nur Zentimeter von seinem entfernt. „Wir müssen reden, aber nicht jetzt. Ich muss zurück ins Hotel, um erste Szenen zu schneiden und nach den Tänzern zu sehen. Und nur damit das klar ist: Nicht du entscheidest, wann wir reden oder sonst etwas tun. Frag mich, dann können wir diskutieren und zusammen entscheiden. Verstanden?“

Schon klar, er verstand sie blendend. Wahrscheinlich verstand er besser als sie selbst, was sie brauchte. „Geh heute Abend mit mir essen.“

„Das klang nicht nach einer Frage.“

„Und wenn ich es als Frage formuliert hätte, hättest du Ja gesagt?“

Zögernd senkte sie die langen Wimpern, dann sah sie ihm wieder in die Augen. Trotz lag in ihrem Blick. „Nein.“

Das Zögern war ihm nicht entgangen. Wenn er sich jetzt ein bisschen vorbeugte, würde er sie genau so wie gestern Nacht berühren. Alles in ihm sehnte sich danach. Ja, er war scharf auf sie. „Was, wenn ich die Liste mit den Häusern, die für die Sendung in Frage kommen, mitbringe?“

„Du kannst mir die Liste auch zumailen. Das ist Erpressung.“

„Schuldig im Sinne der Anklage.“ Er stieß sich vom Auto ab, blieb aber weiter so dicht bei ihr, dass ihm ihr verführerischer Duft weiter in die Nase stieg. „Wir dürfen diese Unterhaltung nicht aufschieben. Schließen wir Waffenstillstand, dann können wir darauf hinarbeiten, dass die Show die Quoten bekommt, die du dir erträumst.“

„Also schön“, stimmte sie schließlich zu. „Und beim Dinner erkläre ich dir noch mal den Unterschied zwischen einer Bitte und einem Befehl.“

Er musste lachen. „Einverstanden.“ Es imponierte ihm, wie Meagan ihm immer wieder Kontra gab.

Ihre Miene entspannte sich. „Danke, Sam, dass du die Show gerettet hast.“

„Wow! Ein Dank von dir! Scheint so, als würden sich die Wogen zwischen uns glätten.“

„Das könnte sich schnell wieder ändern, wenn du vergisst, dass ich am Set das Sagen habe. Wenn du irgendwelche Abläufe ändern willst, dann komm zuerst zu mir, und wir sprechen darüber.“

„Es sei denn, ich sehe, dass irgendjemand unmittelbar gefährdet ist.“

Nachdenklich neigte sie den Kopf zur Seite. „Damit kann ich leben.“

Sie sahen sich in die Augen. Das Prickeln war wieder da.

Sam beugte den Kopf vor und sprach sehr leise. „Du wärst überrascht, wie toll es zwischen uns sein könnte.“ Dann zog er sich schnell wieder zurück, bevor er am Ende noch eine Dummheit beging und sie in aller Öffentlichkeit küsste. „Wir sehen uns um sieben.“ Er schlenderte zurück zum Gebäude. Ihm war klar, dass Meagan ihm nachsah.

„Sam“, rief sie. „Lieber Viertel nach sieben.“

Lachend stimmte er mit einem Nicken zu. Meagan war und blieb für ihn eine einzige Herausforderung, aber einer Herausforderung hatte er noch nie widerstehen können.

Zurück im Bürotrakt traf er auf Sabrina, die mit Handtasche und Schlüsseln in der Hand auf ihn zukam.

„Ich denke, ich sollte dir noch etwas mitteilen“, sagte sie. „Aber das darf nicht nach außen dringen.“

„Ich bin ganz Ohr.“

„Als in der Chefetage das Okay zu Meagans Show gegeben wurde, hat die Senderleitung darauf bestanden, dass ein paar Leute bei der Produktion dabei sind. Zu diesen Leuten gehört Kiki Reynolds. Du solltest sie im Auge behalten.“

„Könnte sie Probleme machen?“

„Möglicherweise.“

Dankbar für den Tipp nickte er Sabrina lächelnd zu und ging weiter.

Anscheinend würde Meagan noch gegen sehr viel mehr ankämpfen müssen als nur gegen die Anziehungskraft zwischen ihm und ihr. In den nächsten Monaten stand ihr eine Menge bevor, und Sam schwor sich, stets an ihrer Seite zu sein.

3. KAPITEL

Für Meagan war Sam Kellar ein schrecklicher Quälgeist. Wieso sonst dachte sie an ihn, obwohl sie eigentlich gerade die Kandidaten-Interviews überwachen sollte?

Entnervt rieb sie sich die Schläfen. Immer noch trug sie den Rock, allerdings hatte sie die High Heels gegen flache Schuhe getauscht. Fürs Umziehen war ihr keine Zeit geblieben, dafür umso mehr Zeit fürs Grübeln über alle möglichen Dinge, an die sie besser nicht denken sollte, wie zum Beispiel Sam, seine blauen Augen und sein verlockend muskulöser Körper.

Nein, sie wollte nicht mit ihm zusammenarbeiten. Nicht auszudenken, dass sie bis zum Ende dieser Show nun mit ihm zusammenwohnen sollte! Wenn sie auch nur einen Moment lang schwach wurde, würde Sam ihr Bett erobern, und dann würde er ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen.

Mühsam konzentrierte sie sich auf die Lounge des Hoteltrakts, in dem die Crew und Kandidaten der Show logierten. Gerade wurden die letzten Interviews aufgezeichnet. Der Sender wollte dramatische Szenen, und die würde Meagan als Produzentin der Show abliefern.

Derek Rogers war der junge, heiße Gastgeber der Show. Im Moment interviewte er eine der letzten weiblichen Kandidaten. Gleich waren die Aufzeichnungen vorüber, und dann würde Meagan sich mit Sam zum Dinner treffen.

„Was hast du gedacht, als der Feueralarm losging?“ Interessiert beugte Derek sich zu Tabitha Ready, die mit 28 die älteste der Kandidatinnen war. Viele der anderen Tänzerinnen sahen bewundernd zu ihr auf. Sie war eine hübsche Brünette mit außerordentlichem Talent. Leider war sie auch eine Drama-Queen und hatte einige der jüngeren Kandidatinnen mit ihrer ständigen Hysterie bereits angesteckt.

Als Antwort auf die Frage ließ Tabitha sich tiefer in den Sessel sinken und verschränkte die Arme vor ihrer pinkfarbenen Strickjacke. „Ich war mir sicher, dass wir alle sterben müssen. Ständig passieren am Set so seltsame Dinge. Ich danke dem Schicksal dafür, dass Jensen da war.“ Jensen war einer der Tänzer, und er war ganz offensichtlich in Tabitha verknallt.

Die Zuschauer würden begeistert sein.

Auch in Jeans und dem T-Shirt mit dem „Stepping Up“-Logo sah Derek unverschämt gut aus. Er wechselte einen kurzen Blick mit Meagan, der ihr verriet, dass auch er wusste, wie wertvoll diese Szene war.

„Wie ich gehört habe, hat Jensen dich aus dem Haus getragen“, hakte er nach, um das Gespräch in dieser Richtung weiterzuführen.

„Ja, das hat er! Es war entsetzlich. Wir haben zwar kein Feuer gesehen, aber wir alle haben Rauch gerochen. Jeden Moment hätte alles in die Luft fliegen können.“ Sie senkte die Stimme. „Sie wissen ja, dass ein Fluch auf dieser Show liegt.“

Wann immer das Wort „Fluch“ ausgesprochen wurde, verkrampfte Meagan sich innerlich, obwohl sie vom Sender die eindeutige Anweisung bekommen hatte, dieses Thema weiter zu vertiefen. Der Erfolg der Show hing von dramatischen Entwicklungen im Haus der Kandidaten ab, und das Gerücht eines Fluchs passte perfekt ins Konzept, doch Meagan war davon wenig begeistert. Die Geschichte mit dem Fluch würde die Tänzer in ihrer Konzentration stören, andererseits waren die Gerüchte über den Fluch durch den Feueralarm im Haus neu hochgekocht, und die Produzenten freuten sich auf noch bessere Quoten.

„Wir haben entsetzliche Angst, was als Nächstes passiert“, vertraute sie Derek an. „Heute Nacht kann sicher keiner von uns schlafen. Ich weiß gar nicht, wie wir unter diesen Bedingungen tanzen sollen.“

Der Kameramann zoomte auf Dereks unergründliche Miene. „Weißt du, was du dann am besten tun solltest?“

Es war ein Risiko gewesen, den ehemaligen Quarterback und Sportmoderator Derek für die Dance-Show zu engagieren, zumal er immer offen und ehrlich sagte, was ihm durch den Kopf ging.

„Du brauchst einen Talisman“, erklärte Derek. „Sportler haben alle einen. Bei mir war es mein Glücks-Slip.“

„Ein Slip?“ Angewidert verzog Tabitha das Gesicht. „Wie ekelig!“

Lächelnd hob er die Hände. „Erzähl mir bloß nicht, du hättest keine Glücksunterwäsche.“

Es dauerte eine Sekunde, aber dann lachte Tabitha schallend los, genau wie alle anderen im Studio. „Tja, vielleicht keine so blöde Idee.“

„Ich weiß von mindestens fünf Spielern in meinem NFL-Team, die für wichtige Spiele immer ihre Glücks-Boxershorts hatten. Die Jungs hätten jeden Eid geschworen, dass die Shorts sie unbesiegbar machen, und so war es dann auch.“ Er tippte sich an die Stirn. „Es kommt nur auf deine Überzeugung an.“

Tabitha lächelte vielsagend. „Und wenn ich überhaupt keine Unterwäsche trage?“

Als kluger Kerl bekam Derek den Flirtversuch sicher mit, doch er ließ es sich nicht anmerken. „Dann nimm Socken.“ Die ganze Crew lachte wieder los, und Meagan war überzeugt, dass die Zuschauer auch darüber lachen würden. „Im Ernst, Tabitha, wichtig ist nur, dass du den Glücksbringer immer bei dir haben kannst. Ein Mitspieler von mir hat vor jedem Spiel seine Frau geküsst. Wenn die nicht mit zu den Auswärtsspielen gereist ist, war der Kerl zu nichts zu gebrauchen.“

„Dann sollte ich vielleicht Jensen küssen.“ Tabitha war begeistert.

„Und was passiert, wenn einer von euch ausscheidet?“

Die Luft schien zu knistern, das Schweigen war angespannt. Es war ein perfekter Moment für die Show. Emotionen und Verletzlichkeit, das war es, womit die Zuschauer sich identifizieren konnten.

Tabitha zeigte sich als echter Flirt-Profi. „Dann sollte ich dich vielleicht als meinen Glücksbringer auswählen.“

Lächelnd hielt Derek ihr die Wange hin. Sie küsste ihn, und die ganze Crew grinste.

Es gab noch ein paar Fragen, und dann war das Interview zu Ende. Gerade als Meagan dachte, die Aufnahmen würden mit Gelächter statt mit Angst wegen des Fluchs enden, stolperte Tabitha am Rand des Sets und fiel der Länge nach aufs Gesicht.

Um Viertel vor sieben, exakt eine halbe Stunde, bevor er mit Meagan zum Dinner verabredet war, betrat Sam das Hotel und ging zu den Fahrstühlen.

Meagan und er mussten eine ganze Reihe von Absprachen treffen, und dafür mussten sie heute Abend ungestört sein. Doch auch wenn sie allein waren, würde Sam sie nicht anrühren, weil sie zusammenarbeiten mussten.

Leider konnte er sich noch so oft in aller Ruhe und Vernunft sagen, was zwischen ihm und Meagan geschehen durfte und was nicht, er musste dennoch ständig an sie denken. So etwas war ihm noch bei keiner Frau passiert.

Er stand im Fahrstuhl und drückte den Knopf für die Etage, die der Sender exklusiv für die Show angemietet hatte. Während er die zwanzig Stockwerke hinauffuhr, schlug ihm das Herz vor Aufregung, und er ahnte, dass ihn dieses kräftige Klopfen in der Brust noch in Schwierigkeiten bringen könnte, sogar in verdammt große Schwierigkeiten.

Die Kabine hielt an, der dezente Ton einer kleinen Glocke ertönte, und die Türen glitten auf.

Im selben Moment erfüllte ein gellender Schrei die Luft, und Sam sprintete aus dem Fahrstuhl. Doch sofort bremste er wieder ab.

In der Lounge der Etage, fast direkt am Fahrstuhl, waren Kameras aufgebaut, um die Interviews mit den Kandidaten zu führen. Tabitha, eine der Kandidatinnen, lag bäuchlings auf dem Boden und hatte Blut am Mund.

Meagan hockte neben ihr, dahinter standen die Zwillinge Ginger und DJ, die offenbar helfen wollten, aber nicht wussten, was sie tun konnten. Kiki, eine attraktive Rothaarige um die dreißig, stand im Hintergrund und wirkte belustigt.

Bei ihrer Miene verzog Sam das Gesicht. Er ging zu Meagan. „Braucht sie einen Notarzt?“

„Ja!“, schrie Tabitha. „Ja, den brauche ich. Mein Schneidezahn fehlt! Mir ist ein Zahn ausgefallen!“

Die übrigen Kandidaten stürmten wie eine wilde Horde ans Set, stellten lauter Fragen, und Panik drohte auszubrechen.

Der Kameramann drehte ungerührt weiter und filmte die gesamte Szene.

Noch während er Tabitha beim Aufstehen half, wechselte Sam einen Blick mit Meagan. Ohne eine Silbe stellte er ihr eine Frage, damit er die Dreharbeiten, die für die Show nötig waren, nicht ruinierte. Und zum Glück konnte er Meagans Blick wie üblich leicht deuten. „Bitte bring sie zur Ruhe“, flehte sie ihn wortlos an.

Dieses Verständnis ohne jedes Wort war ein weiterer Beweis für die enge Verbindung zwischen ihnen.

„Es ist der Fluch!“, schrie Tabitha. „Es ist der Fluch!“

Die übrigen Tänzerinnen schrien auf.

Entnervt sahen Sam und Meagan sich an, dann machten sie sich zusammen daran, die Panik einzudämmen.

Die Hände von Meagan zu lassen würde für Sam genauso schwer werden, wie diese Gruppe von hysterischen Tänzern zur Ruhe zu bringen. Nahezu unmöglich.

Eine Viertelstunde später war der Notarztwagen wieder weg, und Sam und Meagan hatten sich darauf geeinigt, dass Tabitha von Josh ins Krankenhaus gebracht wurde, um sie dort vor der Medienmeute abzuschirmen.

„Josh war bei den SEALs“, erklärte Sam Meagan. „Wenn er nicht mit Tabitha zurechtkommt, dann schafft es niemand.“

Schnaubend stieß sie die Luft aus. „Ihr kennt Tabitha schlecht, sonst würdest du so etwas nicht sagen. Glaub mir, dein Mann braucht Unterstützung.“ Ehe Sam widersprechen konnte, winkte Meagan Kiki heran, und Sam entging nicht Joshs interessierter Blick.

Er beugte sich zu Josh. „Ich habe gehört, dass sie ihren letzten Lover umgebracht hat.“

Kiki kam zu ihnen und wirkte verärgert, dass man sie herbeizitierte.

„Du musst Tabitha ins Krankenhaus begleiten.“ Meagan deutete auf Josh. „Das hier ist Josh Strong, einer von Sams Männern. Er kommt aus Sicherheitsgründen auch mit.“

Kiki wirkte angewidert. „Wieso ausgerechnet ich?“

Bei dieser respektlosen Erwiderung zog Sam fragend die Brauen hoch, doch Meagan blieb bewundernswert gelassen.

„Weil ich dringend mit Sam die Liste der Anwesen durchgehen muss, um einen Drehort für die Show zu finden. Andererseits kann ich nicht riskieren, dass in der Presse irgendwelche negativen Schlagzeilen auftauchen, und als meine rechte Hand hast du die nötigen Befugnisse. Josh hier steht dir zur Seite, und du kümmerst dich um Tabitha und ihre Verletzung.“

„Sollte ich bei der Suche nach dem richtigen Anwesen nicht dabei sein?“ Kiki klang wie ein verwöhntes Kind, dass Angst hat, weniger Kekse zu bekommen als alle anderen.

„Wenn ich mir einen ersten Überblick verschafft habe, kannst du gern mit dabei sein“, versicherte Meagan ihr. „Aber im Moment musst du dich um Tabitha kümmern. Geh, bitte.“

Kiki zog die Stirn kraus, sah zu Josh und deutete nach links. „Hier lang.“

„Es geht doch nichts über die Nichte des Senderbosses, die dir bei der Arbeit aufgezwungen wird.“ Sam konnte sich gut vorstellen, wie sehr Kiki es verabscheute, unter Meagan zu arbeiten.

Meagan wandte sich ihm zu. „Woher weißt du das?“

„Es ist in meinem Job wichtig, Dinge zu wissen. Bei ihr wäre ich an deiner Stelle sehr vorsichtig. Falls es tatsächlich so etwas wie einen Fluch gibt, ist sie der Grund. Die drei letzten Shows, an denen sie beteiligt war, waren Misserfolge.“

„Ja, ich weiß.“ Sie seufzte. „Ich habe viele Geschichten über sie gehört, aber solange ich keinen Gegenbeweis in der Hand habe, vertraue ich ihr. Außerdem spielt meine Meinung ohnehin keine Rolle, denn sie gehört laut Vertrag zum Team der Show. Ich kann nur dankbar sein, dass meine Regisseurin der reinste Engel ist. Ihr kann ich voll und ganz vertrauen. Sie wurde mir ebenfalls vom Sender aufgedrückt, aber sie ist fantastisch.“

Mir kannst du genauso vertrauen, dachte er, aber von dieser Vorstellung wäre sie sicher nicht begeistert.

Fünfzehn Minuten später waren die Kandidaten und Kandidatinnen in ihre Zimmer zurückgekehrt, und die Crew, die ebenfalls im Hotel einquartiert war, hatte sich in die Bar in der Lobby zurückgezogen.

Derek stand mit Sam und Meagan zusammen. „Was ist mit euch beiden? Ihr braucht nach diesem Aufruhr doch sicher auch einen starken Drink oder zwei, stimmt’s? Diese hysterischen Kids sind viel anstrengender als jedes Footballspiel.“

„Ich habe dich vorgewarnt.“ Meagan lachte. „Trink für mich einen mit. Ich habe noch viel Arbeit vor mir.“

Fragend sah Derek zu Sam, der abwehrend eine Hand hochhielt.

„Ich trinke nie im Job, und die nächsten Wochen bin ich rund um die Uhr im Dienst.“ Er mochte Derek, der während seiner Sportlerlaufbahn viele Pokale gewonnen hatte und dennoch vollkommen skandalfrei geblieben war.

Derek lächelte herzlich. „Also gut, dann trinke ich für jeden von euch noch einen dazu, okay?“ Zwinkernd folgte er der restlichen Crew.

Sam sah zu Meagan, die die Stirn runzelte.

„Ich wünschte, diese Nacht wäre schon vorbei.“

„Noch nicht.“ Ihm fielen die dunklen Ringe unter ihren Augen auf. Auf ihrer makellosen hellen Haut sahen sie aus wie dunkle Monde. „Du siehst erschöpft aus, Meagan.“

„Na, vielen Dank, Sam. Genau das hören Frauen gern.“

„Wenn ich sage, dass du müde aussiehst, ist das doch keine Beleidigung. Es ist eine besorgte Feststellung. Ich sollte dir etwas zu essen besorgen und dir die Auswahl der passenden Häuser abnehmen, damit du dich ausruhen kannst. Meine Männer behalten hier alles im Auge.“

„Du und deine Männer, ihr konntet euch auch nicht ausruhen. Die letzte Nacht war für uns alle die reinste Hölle.“ Sie stützte die Hände in die Hüften und seufzte. „Lass uns zusehen, dass wir etwas zu essen bekommen, bevor sich uns die nächsten Schwierigkeiten in den Weg stellen.“

Ohne ein weiteres Wort betraten sie den Fahrstuhl, und in der engen Kabine nahm Sam den femininen Duft von Meagan wahr. Er sah ihre grünen Augen. Auch wenn Meagan Schwierigkeiten bedeutete, würde er ihr aus dem Weg gehen wollen?

4. KAPITEL

Das überfüllte Hotelrestaurant zu meiden war Meagan sehr clever vorgekommen, aber jetzt zweifelte sie an dieser Entscheidung.

In der dunklen, etwas abgeschiedenen Nische des winzigen chinesischen Restaurants war sie sich Sams Nähe noch stärker bewusst als je zuvor. Sie war scharf auf ihn und ihren Gefühlen ausgeliefert.

Über die Speisekarte hinweg sah er ihr in die Augen. „Gutes chinesisches Essen hatte ich schon ewig nicht mehr.“

Völlig unabhängig von seinen Worten hörte Meagan ein „Ich habe dich noch nicht gehabt, und ich will dich“ aus seinem Tonfall.

Oder war das Wunschdenken? Egal, wie sehr sie Sam hassen wollte und sich immer wieder sagte, dass hinter seiner überheblichen Selbstherrlichkeit nichts steckte, ahnte sie, dass es bei ihm noch viel mehr zu entdecken gab. Und deshalb empfand sie so intensiv für ihn. Während Tabithas Anfall heute Abend hatte Sam sie am Set nicht nur respektiert, sondern ihr in all dem Chaos auch sehr bereitwillig und effizient geholfen.

Sie betrachtete sein kantiges Kinn, die hohen Wangenknochen und die vollen Lippen und versuchte erst gar nicht, ihr Interesse zu verbergen. Sein Gesicht war so markant und perfekt wie sein ganzer Körper.

Sie wandte sich der Speisekarte zu. Wieso konnte sie nicht aufhören, sich ständig vorzustellen, sie sei wieder mit Sam im Keller, wie am Abend zuvor? Beide völlig durchnässt, sie erst fast nackt, und dann in seiner Jacke.

Es war nicht nur die Anziehungskraft, die von ihm ausging. Es lag an der Art, wie er sie beschützte und ihr half. Damit brachte er sie dazu, ihm am liebsten die Kontrolle vollkommen zu überlassen, und das machte ihr Angst. Genau das hatte sie ein paarmal in ihrem Leben getan, und jedes Mal hatte es in die falsche Richtung geführt.

Sie gaben ihre Bestellung auf, und sobald der Kellner gegangen war, herrschte wieder die angespannte Stille.

„Ich muss dir etwas gestehen.“ Er beugte sich vor, und es kam ihr vor, als wisse er, was sie gerade gedacht hatte.

So, wie sie Sam bisher erlebt hatte, stimmte das vielleicht sogar.

„Und das wäre?“ Ihre Kehle war staubtrocken, ihre Stimme klang krächzend.

„Bei all dem Trubel wegen Tabitha habe ich die Liste mit den Anwesen in meinem Zimmer vergessen.“

Sofort gingen ihr eine Reihe von sehr schmutzigen, unentschuldbaren Bildern durch den Kopf. Was würde geschehen, wenn sie mit ihm in seinem Zimmer landete? Sams heißem Blick nach zu urteilen, malte er sich genau das gerade aus.

Ihr wurde überall heiß. Am liebsten hätte sie sich mit Eiswasser überschüttet. Sie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her. „Damit fällt der Anlass für dieses Dinner weg, meinst du nicht?“

„Ich schätze, das hängt davon ab, aus welcher Perspektive man es sieht.“ Unverwandt sah er sie aus seinen blauen Augen an.

Ihr Herz setzte einen Schlag lang aus.

„Im Grunde …“

Er unterbrach sich, als der Kellner ihnen Frühlingsrollen servierte. Sam wechselte ein paar Worte mit dem Mann und schien es nicht eilig zu haben, seinen Satz zu beenden.

Meagan platzte fast vor Ungeduld. Wie ging sein Satz weiter?

Der Kellner ging, und Sam biss von einer der Frühlingsrollen ab.

Am liebsten hätte Meagan ihn über den Tisch hinweg gewürgt. Wie konnte er bloß so ruhig bleiben?

Stattdessen griff sie nach ihrem Wasser und nahm einen großen Schluck, um die benebelnde Erregung abzuschütteln, in die Sam sie beide einhüllte.

Bestimmt deutete sie mehr in seine Worte hinein, als er gemeint hatte. Gut möglich, dass nur sie die Stimmung als so erotisch aufgeheizt empfand. Sam verhielt sich, als habe er diesen Satz, dessen Ende sie so brennend interessierte, niemals begonnen.

„Willst du nicht essen?“ Er griff nach einer zweiten Frühlingsrolle.

„Hast du denn vor, mir etwas übrig zu lassen?“ Sie zog sich Senf und Sojasoße heran und mischte beides in einem Schälchen.

„Wir können nachbestellen. Ich hatte kein Lunch, da wäre das sicher keine schlechte Idee.“

Sie konnte nicht länger bissig und kratzbürstig sein, auch wenn sie sich dadurch vor ihm schützte. Gestern Nacht war er bei ihr gewesen, anschließend hatte er den ganzen Tag gearbeitet, und sie hatte von ihm kein einziges Wort der Klage gehört. Er musste genauso erschöpft sein wie sie. Sie schob das Schälchen mit dem Dip näher zu ihm und nahm sich eine Frühlingsrolle. „Nimm ruhig. Ich hatte was zum Lunch, außerdem möchte ich mir Platz fürs Hauptgericht lassen.“

Er dippte seine Frühlingsrolle in das Schälchen. „Was diese Anwesen betrifft: Eine der besten Optionen ist ein Strandhaus. Es liegt abgeschieden, ist ausreichend groß, verfügt über ein kleines Nebengebäude, und obendrein hat der Eigentümer noch ein zweites Haus ein paar Hundert Meter weiter am Strand, das gerade erst frei geworden ist. Dort könntest du Leute von der Crew unterbringen. Beides zusammen würde etwas über dem Budget liegen, aber meiner Meinung nach solltest du dich dafür einsetzen.“

„Wow“, entfuhr es ihr. „Das klingt zu schön, um wahr zu sein.“

„Na ja, es gibt einen Haken.“

„Natürlich. Den gibt es immer.“ Auffordernd winkte sie ihm zu. „Raus mit der Sprache.“

„Es gibt außer uns noch einen weiteren Mietinteressenten, und der Eigentümer will eine schnelle Antwort. Morgen schon.“

„Das ist doch verrückt, Sam. So schnell können wir unmöglich eine Entscheidung fällen.“

Der Kellner füllte ihnen die Gläser auf.

„Meagan, ich will dich nicht drängen. Ich habe das Grundstück noch nicht mal gesehen. Andererseits grenzt das Anwesen direkt an den Strand. Du hättest dort viel Platz zum Filmen, und mein Team könnte leicht jeden Unbefugten aufhalten, der sich nähert. Glaub mir, das ist ein sehr wichtiger Aspekt.“ Er wickelte das Besteck aus der Serviette. „Dieser verdammte Fluch entwickelt sich zu einem echten Problem. Die Medien schnüffeln auf der Suche nach Gerüchten und Tratsch auch ständig überall herum.“

„Ja, der verdammte Fluch.“ Sie legte sich die Serviette auf den Schoß, griff nach der Frühlingsrolle, legte sie aber wieder hin. „Versteh mich nicht falsch, in erster Linie bin ich froh, dass der Sender nicht alles cancelt. Aber ich mache mir Sorgen, dass der Grundgedanke der Show nicht mehr im Vordergrund steht, und dass wir Schwierigkeiten bekommen können.“

„Was meinst du damit?“

„Mein Vater ist Pastor in einer Kleinstadt in Texas. Und wenn ich Kleinstadt sage, dann meine ich so ein winziges Kaff wie in dem Film ‚Footloose‘.“

„Du befürchtest, jemand könnte an der Show Anstoß nehmen?“

„Ja und nein. Ich möchte eine glaubwürdige Show machen, bei der es ums Tanzen geht. Wenn wir zeigen, wie echte Talente sich entwickeln, wird die Show ein langfristiger Erfolg. Wenn wir Zuschauer gewinnen, indem wir vorgeben, dass die Show mit einem Fluch belegt ist, wie soll es dann weitergehen? Wird es dann reichen, dass wir die Kandidaten tanzen lassen und ihre persönliche Entwicklung verfolgen? Werden die Zuschauer die Kandidaten inbrünstig lieben oder ablehnen, so wie wir es uns wünschen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Dieser Fluch ist der reinste Albtraum. Mir wäre es lieber, wenn es diese Gerüchte nie gegeben hätte.“

„Verstehe.“

Sie biss ab und seufzte genießerisch. „Und entweder ist das hier einfach köstlich, oder ich habe unglaublichen Hunger.“

„Kann ich nicht beurteilen.“ Er lächelte. „Ich bin viel zu hungrig, um objektiv zu sein.“

„Ich tendiere dazu, dass es gut schmeckt. Hoffentlich ist der Rest genauso köstlich.“

Eine Weile aßen sie in überraschend entspanntem Schweigen, bevor Sam sich auf seinem Stuhl zurücklehnte. „Ich hätte dich nie für ein Mädchen aus der Kleinstadt gehalten.“

„Tja, ich bin geflüchtet, sobald ich konnte.“

„Und in L.A. gelandet.“

„Auf Umwegen. Nach der Ausbildung habe ich eine Nachrichtensendung in Waco, Texas produziert. Durch ein paar glückliche Fügungen bin ich später in Dallas bei einem viel größeren Sender gelandet, und dann habe ich die Gelegenheit für diese Show bekommen. Jetzt will ich es auf keinen Fall in den Sand setzen.“

„Dann müssen wir uns dieses Anwesen unbedingt ansehen.“ Er richtete sich auf. „Ein perfektes Set und ausreichende Security könnten dem Unsinn mit dem Fluch ein Ende setzen. Wir sollten gleich morgen früh losfahren und es uns ansehen.“

„Das geht nicht. Ich muss bei Dreharbeiten sein und anschließend schneiden.“

Der Kellner brachte ihnen den nächsten Gang, und Sam schwieg, bis der Mann wieder weg war.

„Bei einem so engen Zeitplan ist es umso wichtiger, dass wir uns das richtige Haus sichern, damit wir dieses Problem abhaken können.“ Er sah ihr in die Augen. „Ich habe einen Schlüssel. Wenn du willst, können wir los, sobald wir hier fertig sind. Oder ich sehe es mir an und sage dir, ob es Zeitverschwendung ist. Aber wenn es gut ist, musst du dir morgen einfach die Zeit nehmen.“

„Nein“, widersprach sie hastig. Der nächste Tag war komplett verplant, aber ihr war auch klar, dass sie eine solche Entscheidung niemand anderen überlassen durfte. Die Location war viel zu wichtig für den Erfolg der Show. „Gleich heute Abend. Lass uns heute Abend noch hinfahren.“

Ein paar prickelnde Sekunden lang sahen sie einander nur an, und Meagan wurde bewusst, was sie gerade vorgeschlagen hatte. Sie ließ sich darauf ein, mit Sam zu einem abgelegenen Strandhaus zu fahren. Unwillkürlich griff sie nach der Gabel und stieß sie in eine Wasserkastanie.

Sam musste lachen, und sie sah hoch. „Was ist so witzig?“

„Dein Entsetzen, als dir klar geworden ist, dass wir zwei irgendwo allein sein würden. Einer meiner Männer kann dich hinfahren. Oder nimm jemanden aus deinem Team mit, wenn du willst.“

Sein Angebot verblüffte sie. Ihre eigene Reaktion verwunderte sie jedoch noch mehr. Sie brauchte keine Anstandsdame. „Du warst doch in einer Spezialeinheit, stimmt’s?“

„Vierzehn Jahre lang.“

Da er jetzt Anfang dreißig war, musste er bereits als Teenager in die Army eingetreten sein. „Dann, schätze ich, bist du erfahren genug, um mich zu beschützen.“ Sie verdrängte die Neugier. Sie wollte nicht noch mehr über Sam erfahren, als sie bereits wusste. Sie wollte ihn nicht mögen.

Sie spürte seine Blicke so deutlich, dass sie gar nicht hinzusehen brauchte. Schließlich sah sie auf, weil sie sein schweigendes Mustern nicht länger ertrug. „Wieso siehst du mich so an?“

Leise lachte er. „Ich habe mich gerade gefragt, ob es auch jemanden gibt, der mich vor dir beschützen kann.“

Sam konnte einfach nicht anders, er musste Meagan durch sein Flirten provozieren. Wenn sie ihn dann voller Zorn ansah, fand er sie noch aufregender.

Und augenscheinlich wirkte es. Zum ersten Mal, seit sie hier im Restaurant saßen, beugte sie sich zu ihm vor, bis ihre Lippen fast in Kussweite waren, und sagte: „Mach mich nicht wütend, dann brauchst du auch keinen Schutz vor mir.“

„Dir gefällt es, wenn ich dich in Rage bringe, das weißt du ganz genau.“

„Wieso sollte mir das gefallen?“

„Ich glaube, anfangs hast du gedacht, du könntest mich dadurch auf Abstand halten. Aber jetzt, Sweetheart, hast du mich rund um die Uhr am Hals. Weißt du schon, was du mit mir anfängst?“

„Zuallererst“, entgegnete sie ohne jedes Zögern, „wirst du ganz dringend Schutz brauchen, wenn du mich noch ein einziges Mal ‚Sweetheart‘ nennst.“

„Ich bin bereit für jede Strafe. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn du alles an mir auslässt. Dann bist du den Druck los.“ Er senkte die Stimme und wurde schlagartig ernst. „Gut möglich, dass es eine ganze Menge gibt, was wir einfach ausleben sollten, damit es uns nicht weiter belastet. Könnte doch sein, dass wir dann viel unbeschwerter miteinander umgehen können.“

Aus geweiteten Augen sah sie ihn an.

Sein Verlangen wurde von Sekunde zu Sekunde heißer und drängender.

Was stellte diese Frau bloß mit ihm an? Während sie sich mit eisernem Willen wehrte, raubte sie ihm den letzten Rest an Selbstbeherrschung.

Im Grunde gefiel ihm alles an ihr, von der Art, wie sie beim Nachdenken die Stirn krauszog, bis zu ihrer Begeisterung für die Show.

Die Sekunden streckten sich eine kleine Ewigkeit, die prickelnde Spannung stieg, und Meagan hatte immer noch nichts zu seinem Vorschlag gesagt.

Auf ihr Schweigen hin zog er eine Braue hoch. „Kein schnippischer Konter?“

„Vielleicht würde es alles nur noch komplizierter machen.“ Jetzt sprach sie ganz eindeutig über Sex. „Noch schlimmer.“

„Das habe ich bis vor ein paar Minuten auch geglaubt, aber jedes Mal, wenn wir uns nahekommen, gibt es fast eine Explosion. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir es nicht mehr beherrschen können, deshalb sollten wir es ganz gezielt in einer Situation zünden, in der wir noch die Kontrolle haben.“ Ich will endlich allein mit dir sein und die Mauern einreißen, die du um dich herum aufgebaut hast, fügte er in Gedanken hinzu.

„Du kennst mich doch überhaupt nicht.“ Es klang, als könnte sie sich nicht einmal selbst überzeugen. „Du weißt nicht, was mir gefällt.“

„Aber ich will es wissen. Du bist aus einem winzigen Ort in die Großstadt geflüchtet, und jetzt arbeitest du für einen riesigen Sender, in dem nichts als die Quote zählt. Sehr mutig von dir. Du sitzt hier allein mit mir, obwohl du weißt, wohin das führen könnte.“ Sanft sprach er weiter: „Ab morgen werden die Kameras und die Crewmitglieder überall um uns herum sein.“

„Sam, ich …“

„Meagan!“

Noch bevor er ein Wort sagen konnte, waren sie umringt von ein paar Leuten des Teams, die die Hotelbar auf der Suche nach dem nächstbesten Restaurant verlassen hatten. Zwei Kameraleute setzten sich an den Nachbartisch, und sprachen mit Meagan über das Filmmaterial, das sie heute gedreht hatten.

Sam aß auf und staunte darüber, wie aufmerksam und respektvoll Meagan jeden Einzelnen in ihrem Team behandelte, obwohl sie beim Essen gestört worden war.

Anscheinend hatte es ihn schlimm erwischt, wenn er von ihr so hingerissen war.

Allerdings warf sie ihm keinen einzigen Blick zu. Suchte sie vielleicht schon nach einem Weg, seinen Vorschlag abzulehnen?

Sobald er mit dem Essen fertig war, rückte Sam vom Tisch ab. „Ich sehe mir das Anwesen an und sage dir dann, was ich davon halte.“

Sofort rückte auch sie mit ihrem Stuhl nach hinten. „Ich komme mit. Nichts ist im Moment so wichtig wie die Location.“

Sobald Sam und Meagan aus dem Restaurant in die schwüle, warme Nachtluft traten, trafen sich ihre Blicke. Sex lag in der Luft, und die Welt um sie herum schien zu schrumpfen.

„Dein Auto oder meins?“ Mit der Frage versuchte er, sich von dem heißen Verlangen abzulenken, das ihn erfüllte.

Mit zur Seite geneigtem Kopf musterte sie ihn. „Du fährst. Mir brennen die Augen, weil ich im Schnitt so lange auf den Bildschirm gestarrt habe. Außerdem bist du als Beifahrer bestimmt unerträglich.“

„Also spielst du lieber den Beifahrer und kritisierst meinen Fahrstil, ja?“

„So sieht’s aus.“

Er lachte auf und hätte sie fast aus einem Impuls heraus an der Hand genommen und mit sich gezogen. Mühsam beherrscht deutete er nach vorn. „Wenn wir außen ums Hotel herumgehen, kommen wir direkt zur Tiefgarage, ohne wieder von der halben Crew überfallen zu werden.“

„Musst du nicht erst die Liste mit den Adressen aus deinem Zimmer holen?“

„Diese Adresse habe ich schon in mein Navi eingespeichert. Wir fahren eine knappe Dreiviertelstunde, also sollten wir gleich aufbrechen. Es ist schon fast neun.“

Meagan seufzte und ging voraus. „Morgen früh fangen wir um sechs Uhr an zu drehen. Ich weiß jetzt schon, dass ich den Tag, das Leben und alle Anwesenden hassen werde.“

„Dann ist es ja gut, dass ich fahre. Schlaf auf dem Weg ein bisschen, wenn du willst.“

Abrupt blieb sie stehen.

„Was ist?“

„Hör auf, so nett zu mir zu sein. Ich find’s besser, wenn du mich immer auf die Palme bringst.“

Weil du dich dann sicherer fühlst, dachte er. „Ich dachte nur, dass du vielleicht mehr Schlaf brauchst als ich.“

Sofort stemmte sie die Hände in die Seiten. „Wieso sollte ich mehr Schlaf brauchen? Nur weil ich …“ Sie verstummte und musste lächeln. „Wow! Das klappt, wann immer du willst, stimmt’s?“

Lächelnd nickte er. „Das schaffst du aber auch bei mir. Ich weiß, wie ich dich ärgern kann, und du machst es bei mir.“

„Da hast du recht“, gab sie zu.

Verdammt, er wollte diese Frau! „Verschwinden wir von hier, bevor die nächste Gruppe aus dem Hotel kommt. Oder schlimmer noch: bevor Tabitha zurück ist.“

„Absolut richtig.“ Sie musste lächeln.

Als er ihr die Beifahrertür seines Ford Pick-ups aufhielt, warf Meagan ihm einen befremdeten Blick zu. „Das brauchst du nicht für mich zu tun. Ich schaffe das auch allein.“

Mit einer Hand stützte er sich an den Wagen. Meagans femininer Duft stieg ihm in die Nase. „Im Grunde meines Herzens bin ich immer noch Soldat. Einer Lady die Tür aufzuhalten ist für mich so selbstverständlich, wie es für dich ist, mir das Leben schwer zu machen.“

Sie lachte laut auf. „Ich schätze, es gibt nicht viele Menschen, die es schaffen, dir das Leben schwer zu machen, deshalb nehme ich das mal als Kompliment.“

„Da gibt es tatsächlich nicht viele, und dass du mich so einschätzt, ist bestimmt ein Kompliment für mich.“

Wieder war der Funken zwischen ihnen da.

„Es ist tatsächlich ein Kompliment“, gab sie leise zu. „Sam, ich … also, ich habe dir das Leben jetzt so schwer gemacht, dass ich finde, es ist Zeit, dir zu sagen, wie sehr ich zu schätzen weiß, wie du heute Abend die Probleme am Set geklärt hast. Anstatt alles an dich zu reißen, wie ich gedacht hätte, hast du mich in meiner Rolle respektiert.“

„Das werde ich immer, es sei denn, jemand gerät in unmittelbare Gefahr. Und für diesen Fall wünsche ich mir, dass du mich und meine Rolle auch respektierst.“

„Ja, absolut.“

„Also wirst du nicht noch einmal in ein Haus laufen, das jeden Moment in Flammen aufgehen kann? Du wirst auf mich warten?“

Sie schürzte die Lippen. „Es sei denn, jemand ist in unmittelbarer Gefahr, und ich kann helfen.“

Drohend senkte er die Stimme. „Meagan.“

„Ja, schon gut.“ Sie hob beide Hände. „Ich werde warten. Wahrscheinlich. Ich werde es versuchen.“

Innerlich fühlte Sam sich zum Zerreißen angespannt. Es kam ihm vor, als habe jeder gemeinsame Moment mit Meagan, jeder Gedanke und jede Vermutung über sie ihn zu diesem Augenblick hingeführt.

Der Morgen danach wäre sicher nicht so unbeschwert, wie sie beide sich das erhofften, denn ganz bestimmt wäre eine gemeinsame Nacht niemals genug. Und eine Affäre im Job konnte nicht gut enden.

Ganz in der Nähe erklangen Stimmen, und der Moment war vorüber.

„Komm mit, wir müssen los.“

Sie stieg ein und zog die Tür hinter sich zu.

Erst als der Motor ansprang, wurde Meagan klar, dass sie weder Handy noch Handtasche bei sich hatte. Normalerweise wäre das jetzt der Moment, an dem sie darauf bestehen würde, dass sie zurückfuhren.

Stattdessen hing ihr Blick wie gebannt an Sams kräftigen Unterarmen, während er den Pick-up aus der Tiefgarage lenkte. Alles an ihm war stark und kraftvoll. Die Hände, das Gesicht und sein durchdringender Blick.

Sie wollte ihn so sehr. Mit jedem Blick, jeder Geste und jedem Wort weckte er ihre Fantasien, und gleichzeitig wusste sie, dass er für sie der Falsche war.

Ihm auf Dauer aus dem Weg zu gehen war absolut unmöglich. War eine Nacht mit ihm die Lösung? Würden sie damit den Druck loswerden, wie er gesagt hatte? Oder würde das Feuer danach nur noch stärker auflodern?

5. KAPITEL

Meagan sah starr nach vorn, als der Pick-up die Tiefgarage verließ. Liebend gern hätte sie sich ihm zugewandt, ihn angesehen, gemustert, um dann näher zu ihm zu rutschen und endlich mit ihm zusammen zu sein.

„Ruh dich aus, wenn du magst“, schlug er vor. „Ich wecke dich, wenn wir fast da sind.“

„Danke.“ Seufzend ließ sie sich tiefer in den Sitz gleiten und schloss die Augen. In ihrem Kopf spielte ihr ganz eigener Film. Wie heiß Sam aussah! Wie fantastisch er ausgesehen hatte, als er klitschnass im Keller vor ihr gestanden hatte!

Konzentrier dich! sagte sie sich. Es gibt gute Gründe, wieso du dich nicht gehen lassen darfst. Wenn du mit Sam ins Bett gehst, glaubt er bestimmt, von nun an hätte er am Set das Sagen. Wir werden uns streiten, und das hat Auswirkungen auf alle anderen.

Sie mussten bereits eine halbe Stunde unterwegs sein, als Sam sagte: „Ich kann dich denken hören, Meagan.“

Sie tat gar nicht erst so, als würde sie schlafen, und wandte sich zu ihm. „Und was hast du gehört? Hat das irgendeinen Sinn ergeben? Ich selbst werde nämlich nicht schlau daraus.“

„Möchtest du darüber reden?“

„Jetzt? Mit dir? Ich kann schlecht mit dir über dich reden.“

Er lachte leise. „Ich weiß mehr über mich als sonst jemand auf der ganzen Welt.“

Es klang tief und sexy. Allmählich wurde ihr sein Lachen vertraut, und es gefiel ihr verdammt gut.

„Also schön: Wie alt warst du, als du in die Army eingetreten bist?“

„An meinem achtzehnten Geburtstag habe ich mich eingeschrieben.“ Keine Sekunde lang zögerte er mit der Antwort, so, als habe er genau mit dieser Frage gerechnet. Dabei war ihnen beiden klar, dass Meagan ganz andere Themen beschäftigten.

„Und wieso?“

„Es ist meine Bestimmung, und ich wollte es. Mein Vater war in der Army, genau wie mein Bruder und meine Onkel.“

„Hattest du keine Angst? Du warst doch fast noch ein Kind, Sam.“

„Ich hatte keine Angst, aber meine Mom. Zu der Zeit war mein Bruder im Irak stationiert, und mein Dad war auch noch im aktiven Dienst. Wie die meisten Soldatenfrauen hat sie es fast immer geschafft, die Angst zu verdrängen, sie könnte ihren Ehemann verlieren. Aber dass sie ihre beiden Jungen verlieren könnte, hat ihr sehr zu schaffen gemacht.“

„Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie hart das für sie gewesen sein muss.“

„Mein Vater hat ihr zuliebe versucht, mich zu überreden, noch ein paar Jahre zu warten. Aber ich habe ganz offen mit ihr darüber gesprochen, und sie hat mir ihren Segen gegeben.“

„Und du bist losgezogen und hast dich eingeschrieben.“

Er nickte. „Gelandet bin ich in einem langweiligen Schreibtischjob. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Vater ein paar Strippen gezogen hat, obwohl er das nie zugegeben hat. Gesunde und kräftige junge Männer landen bei der Army nicht am Schreibtisch.“

„Seltsam“, erwiderte sie. „Wenn er doch selbst im aktiven Dienst war, hätte ich gedacht, dass er dich unterstützt.“

„Er wollte meine Mutter schützen. Außerdem wollte er, dass ich das College beende, damit ich die Offizierslaufbahn einschlagen kann, was mein Bruder damals abgelehnt hat.“

„Wie ich dich einschätze, war der Schreibtischjob für dich die reinste Hölle.“

„Ja, ich bin fast verrückt geworden. Ich hatte ein schlechtes Gewissen dabei, gemütlich im Büro zu sitzen, während mein Dad, mein Bruder und zahllose andere draußen für unser Land kämpfen. Ich habe versucht, mich versetzen zu lassen, aber letztlich hat sich alles bestens gefügt. Ich habe meinen Abschluss bekommen, habe die Ausbildung zum Offizier gemacht und bin dann zu den Special Forces gegangen.“

„Wieso zu den Special Forces?“

„Das war schon immer mein Ziel. Ich wollte die Herausforderung und alles geben, in jeder Hinsicht.“

Nachdenklich wog sie diese Worte ab. „Aber dann war es vorbei“, stellte sie schließlich fest und hoffte, dass er seine Gründe erklärte.

„Ja.“ Tief atmete er durch. „Ein paar Kugeln in meinem Bein haben mir meinen Traumberuf genommen.“

„Oh, Sam!“ Leiser fügte sie hinzu: „Das tut mir leid.“ Am liebsten hätte sie die Worte sofort zurückgenommen. Seit ihrer eigenen Verletzung wusste sie, wie wenig der Betroffene es hören wollte.

„Ja, mir auch, denn selbst, wenn mich der Arzt wieder tauglich geschrieben hätte, hätte ich nie wieder hundert Prozent geben können. Und ich wollte nicht das Leben anderer riskieren, indem ich die Augen vor meiner persönlichen Realität verschließe.“

Mit einem Mal kam ihr ihr verlorener Traum von einer Tanzkarriere winzig und unbedeutend vor. „Das war sehr mutig, Sam.“

Als er kurz zu ihr sah, zeigte sich Verwunderung auf seinem attraktiven Gesicht. „Nein. Die Männer und Frauen draußen an der Front sind mutig. Ich habe lediglich meinen Willen ihrer Sicherheit untergeordnet.“

Meagan wusste genau, wie sehr es schmerzte, sich nach Dingen zu sehnen, die man nie mehr haben konnte. „Wo leben deine Eltern? Hier? Bist du deshalb in L.A. gelandet?“

„Ich bin hier geboren, aber als Soldatenkind bin ich viel herumgekommen. Meine Eltern sind gerade in Japan. Meine Mom ist als Krankenschwester beim Roten Kreuz seit dem letzten Tsunami dort beschäftigt, und mein Dad hat als hochrangiger Offizier ohnehin immer viel zu tun. Und was ist mit deinen Eltern?“

„Habe ich erwähnt, dass mein Vater in einer texanischen Kleinstadt Pfarrer ist? Meine Mutter hilft ehrenamtlich sehr viel bei der Gemeindearbeit. Wir stehen uns nicht wirklich nahe, aber als Einzelkind lieben sie mich und ich sie auch.“ Bei diesem Eingeständnis krümmte sie sich fast zusammen. Wieso verriet sie ihm so etwas Persönliches?

Sein Blick zeigte ihr, wie sehr er sich bewusst war, was sie hier teilten. Seltsam, dass er sie nicht drängte, noch mehr ins Detail zu gehen. Anscheinend spürte er, wie unangenehm ihr dieses Thema war.

„Vielleicht erzählst du mir eines Tages mehr darüber.“

Sein Einfühlungsvermögen überwältigte sie. „Vielleicht tue ich das.“ Es überraschte sie selbst, wie ernst es ihr war. „Erzähl mir mehr über Japan und deine Eltern.“

„Da gibt es nicht mehr viel zu erzählen. Es geht ihnen gut. Sie beteiligen sich an den Aufräumarbeiten, die sich noch Jahre hinziehen werden. Gleich nachdem ich aus der Army ausgetreten bin, war ich bei ihnen und habe ein paar Monate mitgeholfen.“

Ein paarmal während seiner Erzählung hatte Meagan ein kleines Schwanken in seiner Stimme bemerkt. Sam war ganz und gar nicht der, für den sie ihn zunächst gehalten hatte. „Und wie kommt es, dass du jetzt beim Sender arbeitest?“

„Mein Onkel, der früher bei den SEALs war, arbeitet für den Sender. Monatelang hat er mich zu überreden versucht, dass ich den Job im Security-Bereich annehme. Lange habe ich mich gesträubt, weil es für mich nichts außer der Army gab.“

Unwillkürlich rieb er sich das rechte Bein, und sie fragte sich, wie schlimm Sam damals körperlich und seelisch verletzt worden war.

„Da sind wir.“ Er bog in eine lange Auffahrt, aber der Ausblick aufs Haus war durch Bäume versperrt.

Die Fahrt war vorüber, doch Meagan wollte mehr über Sam erfahren. Das widersprach natürlich dem Plan, die Faszination mit einer Nacht voller Sex abzustreifen.

Sie war völlig durcheinander. Ihr war klar, dass Sam zu der Sorte Mann gehörte, die eine Frau im Sturm eroberte und ihr ganzes Leben auf den Kopf stellte. Genau das machte ihr Angst.

Sobald der Pick-up vor dem zweistöckigen Anwesen anhielt, griff sie nach dem Türgriff, umso schnell wie möglich aus dem Wagen zu kommen. Sie brauchte Abstand zu Sam, um ihre Gefühle zu überdenken.

Behutsam hielt er ihren Arm fest. Unter der Berührung seiner Hand schien ihre Haut zu glühen. Jeder Entschluss, schnell zu flüchten, erstarb in ihr.

„Hey.“ Er sprach ganz leise. „Was ist denn los?“

Dass er sie so leicht durchschauen konnte, irritierte sie noch mehr. „Nichts, gar nichts, ich wollte nur …“

„Beunruhigt?“

Nach kurzem Zögern nickte sie. „Ja, das bin ich.“ Irgendwie wirkte Sam auf sie noch anziehender, weil sie ihm gegenüber so ehrlich zu ihren Gefühlen stehen konnte. „Ich bin beunruhigt.“

Sobald sie es ausgesprochen hatte, rückte Sam noch näher zu ihr. Immer noch hielt er ihren Arm, und immer noch war er der kraftvolle, alles kontrollierende, sexy Sam, dem sie einfach nicht widerstehen konnte.

Sie roch seinen würzig-männlichen Duft, der sie warm und verlockend einhüllte. Nur das Mondlicht drang durch das Geäst zu ihnen. Ihre Gesichter lagen im Schatten, und das war gut so, denn sonst hätte Sam ihr das brennende Verlangen sofort angesehen.

Tief durchatmen und wieder klar denken! Doch mit dem Atemzug nahm sie nur noch mehr von seinem verführerischen männlichen Duft wahr, und sie wollte bleiben, wo sie war. „Sam, ich weiß nicht, was …“

„Ich auch nicht.“ Und dann küsste er sie.

Oh Gott, er küsste sie! Es war wundervoll.

Wie war er ihr so nahe gekommen? Sein Schenkel presste sich an ihren.

Er fuhr ihr durchs Haar, drückte die Lippen sanft und warm auf ihre, fast spielerisch, und dann glitt er mit der Zunge an ihrer entlang.

„Meg …“

„Sag nichts.“ Mit einer Hand in seinem Nacken drückte sie ihn wieder an sich. Fast verzweifelt hoffte sie, dass es hier nur um Sex ging, doch insgeheim fürchtete sie, dass sie diese Ebene schon hinter sich gelassen hatten. „Küss mich noch mal.“

Das tat er. Nur ein Kuss, kein Wort. Er forderte nichts und zwang ihr nicht seinen Willen auf, wie sie es eigentlich von ihm erwartet hatte.

Verlangend presste er den Mund auf ihren. Sie spürte seine Zunge und gab sich dem verführerischen Kuss hin.

Aufstöhnend drängte sie sich an ihn. Mehr! dachte sie. Mehr von dieser Glut, diesem harten Körper, mehr von Sam.

Dabei wusste sie doch, dass es nicht richtig war. Aber es fühlte sich so gut an.

Hier und jetzt. Sie wollte ihn so sehr! Mit beiden Händen strich sie über seine kraftvollen Schultern.

Aufstöhnend zog er sie noch enger an sich. Mit einer Hand strich er ihr über den Rücken und drückte sie an seine Brust. Mit der anderen glitt er an ihrem Schenkel entlang und unter ihren Rock.

Tief drang er mit der Zunge vor. Genießerisch erkundete er ihren Mund, und Meagan glaubte, die Liebkosung überall zu spüren, selbst dort, wo Sam sie gar nicht berührte. Ihre Sehnsucht brannte.

„Du riechst gut. Das macht mich verrückt.“ Spielerisch küsste er sie auf Wange und Hals. „Wir müssen uns das Haus ansehen, und für das hier haben wir jetzt überhaupt keine Zeit, aber ich kann dich einfach nicht loslassen.“

Es klang so ehrlich, so erregt und aufrichtig, dass Meagan keine Chance zum Widerstand hatte. Auch sie wollte ihn nicht loslassen. Sie wollte nicht mal darüber nachdenken, wieso jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war. „Dann mach weiter“, flüsterte sie, und kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, küsste Sam sie wieder.

Es war wie ein lustvoller Rausch. Seine Hände schienen überall gleichzeitig zu sein, und sie strich rastlos überall über seinen muskulösen Körper.

Wie kam es, dass sie plötzlich auf dem Rücken lag? Wieso war ihre Bluse auf einmal offen? Sam lag auf ihr, und sie hatte kaum mitbekommen, dass er näher gerückt war.

Sein Handy klingelte, und er riss sich von ihr los. Leise fluchte er, entnervt von der Unterbrechung. „Ich muss rangehen.“

„Ich weiß.“ Sie hörte selbst, wie erregt und atemlos sie klang. „Zumal ich mein Handy nicht bei mir habe.“

„Richtig.“ Aber er rührte sich nicht. „Ich muss meins suchen.“

Sie wollte nicht, dass er sich bewegte. Es durfte nicht sein, dass dieser gemeinsame Moment schon so schnell wieder vorbei war.

Das Handy hörte auf zu klingeln. Immer noch bewegte er sich nicht. Sachte strich er mit den Lippen über ihren Mund. „Ich wollte nicht, dass es so außer Kontrolle gerät. Im einen Moment waren wir noch …“

„Und im nächsten …“ Sie lächelte.

Lächelnd richtete er sich auf und sah ihr in die Augen. Die Stimmung änderte sich. Es war, als würde die Luft um sie herum dichter werden. Wortlos blickten sie sich an.

Meagan spürte die Verbindung fast körperlich. Überall, in jeder Faser.

Irgendetwas passierte mit ihnen. Was war das? Sie konnte es nicht erklären.

Wieder klingelte das Handy, und seufzend machte Sam Anstalten, sich aufzurichten. Doch dann tat er etwas völlig Unerwartetes. Er gab ihr einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze und zog Meagan mit sich hoch.

Auf dem Armaturenbrett lag das Handy, und er prüfte die entgangenen Anrufe. „Es war beide Male Josh. Er hat mir auf die Mailbox gesprochen.“

Sie nickte, aber in Gedanken war sie immer noch bei Sams zartem Kuss auf ihre Nase. Es war vielleicht albern, aber diese kleine Liebkosung ließ bei ihr die Schmetterlinge im Bauch aufflattern.

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