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TIFFANY SEXY, BAND 81

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1. KAPITEL

„Bobby kommt zur Hochzeit.“

Jennifer Jones, die sich gerade einen Schluck ihres Daiquirie genehmigen wollte, erstarrte einen Moment, dann blinzelte sie und sah die Braut an. Marcie Allen, die Barfrau der „Tavern“, war eine lebhafte Rothaarige und ihre beste Freundin. Die Bar in Austin, Texas, gehörte Marcies Verlobtem.

Die Nachricht von Bobbys Rückkehr traf Jennifer wie ein Schlag. Das Gefühlschaos, in das er sie gestürzt hatte, als er sie vor sieben Jahren verließ, war von einem Moment auf den anderen wieder präsent. Ihr Herz hämmerte so laut, dass sie glaubte, alle müssten es hören können. Bobby war damals ohne ein Wort der Erklärung aus ihrem Leben verschwunden. Lediglich einen kurzen Brief hatte er ihr hinterlassen. Dessen Inhalt hatte sich in ihr Gedächtnis eingebrannt: Liebe Jen, ich gehe zur Armee. Es ist besser so. Ich wünsche dir viel Glück.

Das war alles gewesen. Er hatte nicht einmal hinzugefügt, dass er sie liebte. Allein an den Mann zu denken riss die alte Wunde sofort wieder auf. Selbst ihre Eltern waren damals am Boden zerstört gewesen. Sie hatten Bobby wie einen eigenen Sohn geliebt.

Ich habe ihn auch geliebt, aber das ist vorbei, sagte sie sich und stellte das Glas so heftig zurück auf die Theke, dass der Cocktail über den Rand schwappte. „Was hast du gesagt?“, brachte sie mühsam über die Lippen. Sie wusste, dass sie sich jämmerlich anhörte.

Marcie stand einfach nur schweigend da. Sie war sehr blass und wirkte fast so aufgewühlt, wie sie selbst sich fühlte.

Das muss ein schlechter Scherz sein! Jennifer lachte nervös und nahm ihren Drink wieder in die Hand. Marcie war seit zwanzig Jahren ihre Freundin und hatte viele Qualitäten – aber absolut kein Talent, wenn es darum ging, Witze zu reißen. Und das mit Bobby konnte sie unmöglich ernst gemeint haben.

„Das war ein ziemlich schlechter Scherz, Marcie.“ Jennifer war so erleichtert, dass sie nicht einmal richtig wütend sein konnte. Sie würde zuerst ihren Daiquirie trinken, den sie jetzt wirklich nötig hatte, und Marcie dann den Hals umdrehen. Genüsslich nahm sie einen Schluck. „So bringst du mich nicht dazu, dieses limonengrüne Kleid anzuziehen, das ich auf deiner Hochzeit tragen soll.“

Ihre Freundin sah sie beklommen an, und Jennifer drehte sich der Magen um. „Bitte sag mir, dass es ein Scherz war. Sag mir, dass Bobby nicht zur Hochzeit kommt.“ Nur seinen Namen auszusprechen tat schon weh.

„Ich würde keine Witze über Bobby machen.“ Marcie wurde plötzlich wieder sehr lebhaft und angriffslustig. „Und das Kleid ist gelbgrün. Das ist die Farbe der kommunikativen Heilung in der Meditation. Genauso soll meine Beziehung sein. Genau diesen Heilungsprozess musst du durchlaufen und ein für alle Mal mit Bobby abschließen. Deshalb bin ich sogar froh, dass er herkommt.“

Erinnerungen und die damit verbundenen bittersüßen Gefühle stürmten auf sie ein. „Ich muss keinen Heilungsprozess durchlaufen!“, protestierte Jennifer. Sie hatte ihr Leben einfach fortgesetzt, nachdem Bobby ihr das Herz gebrochen hatte, und sich ihren Traum erfüllt. Sie war Tierärztin geworden. In Hill Country hatte sie eine kleine Praxis eröffnet und sich mit einer Eigentumswohnung zufriedengegeben statt des Landhauses am Lake Travis, das Bobby und sie eigentlich hatten kaufen wollen. Inzwischen hatten sich ihre Eltern ein Haus am See geleistet, in dem sie oft zu Besuch war. Das reichte ihr. Sie mochte ihre Wohnung, und sie mochte ihr Leben.

„Du verabredest dich noch nicht einmal mit anderen Männern.“

„Doch!“ Okay. In letzter Zeit nicht mehr, weil diese Verabredungen jedes Mal ein Fiasko gewesen waren. Wut und Entrüstung stiegen in ihr auf. „Ich kann nicht glauben, dass Bobby derart dreist ist, hier aufzutauchen, nachdem er so lange weg war.“ Sie schüttelte ärgerlich den Kopf. „Als wenn ihm nicht völlig egal wäre, was hier passiert.“

„Es ist ihm keineswegs egal“, meinte Marcie und ließ die Bombe platzen: „Ich muss dir gestehen, dass ich schon länger Kontakt zu ihm habe.“

Jennifer konnte das einfach nicht glauben. „Und du hast keinen Ton gesagt?“

„Richtig.“

„Wir lange schon?“

„Einige Jahre.“

Jennifer spürte, wie ihr Herz einen Schlag lang auszusetzen schien. „Einige Jahre?“

„Es ist ihm nicht egal“, wiederholte Marcie. „Er macht sich Gedanken um dich.“

Jennifer starrte ihre Freundin eine Weile an, dann verschränkte sie die Arme und wandte den Blick ab. Selbst nach all diesen Jahren konnte sie sich an Bobbys ersten Kuss erinnern, als wenn es gestern gewesen wäre. Bobby war von San Antonio nach Austin gekommen, um wie sie die Universität dort zu besuchen, und sie waren sich auf dem Campus begegnet. Sie führte ihren Golden Retriever spazieren und er seinen Schäferhund. Die Hunde waren schnell Freunde geworden und sie und Bobby genauso schnell ein Liebespaar. Bei der Erinnerung an diesen Kuss hob sie die Hand an die Lippen.

Marcie schnippte vor ihrem Gesicht mit den Fingern und riss sie aus ihren Erinnerungen.

„Hallo?“

Jennifer konzentrierte sich wieder auf ihre Freundin, für die Bobby im Lauf der Zeit eine Art großer Bruder geworden war. Die beiden standen sich nah, da war es nur natürlich, den Kontakt nicht abzubrechen. Sie wollte nicht egoistisch sein, doch da Marcie geglaubt hatte, ihre Beziehung zu Bobby vor ihr verheimlichen zu müssen, war sie es wohl gewesen. „Es tut mir leid. Es geht um deine Hochzeit. Wenn du ihn dabeihaben willst, ist das völlig in Ordnung.“ Hauptsache, es drängte sie niemand, mit ihm zu reden.

Marcie schien die Botschaft zwischen den Zeilen zu lesen und zeigte Verständnis. „Danke, Jen.“

Jennifer setzte ein Lächeln auf. „In zwei kurzen Wochen bist du eine verheiratete Frau.“

Ihre Freundin strahlte und warf einen Blick auf ihren Verlobten Mark Snyder, der sich auf der gegenüberliegenden Seite der Bar mit einigen Gästen unterhielt.

„Ja“, murmelte sie verträumt.

Als ob Mark ihren Blick gespürt hätte, sah er Marcie an und winkte sie zu sich hinüber. Sofort ging sie zu ihm.

Jennifer war froh, ein paar Minuten allein zu sein. Sie beschloss, sich ein bisschen frisch zu machen, nahm ihre Handtasche, drehte sich um und ließ sich vom Sitz gleiten. In dem Moment, als ihre Füße den Holzboden berührten, prallte sie gegen eine muskulöse Brust und wurde von starken Händen gehalten. Einen Moment verharrte sie regungslos. Instinktiv wusste sie sofort, wer vor ihr stand, und sie fühlte sich wie unter Strom, auch wenn sie verzweifelt dagegen anzukämpfen versuchte. Es war Bobby Evans, dessen körperliche Nähe sie unweigerlich elektrisierte. Sein maskuliner Duft versetzte ihr einen Kick.

Er trug Jeans und ein schwarzes T-Shirt. Mit seiner Größe von eins neunzig überragte er sie um zwanzig Zentimeter. Langsam ließ sie den Blick über die breite Brust und die blonden Haare gleiten und sah ihm in die intensiv blauen Augen. Als sich ihre Blicke trafen, stockte ihr der Atem. Schlagartig wurde ihr so heiß, wie der Sex mit ihm immer gewesen war. Er war jetzt dreißig Jahre alt und wirkte noch aufregender, kraftvoller und anziehender als früher. Seine Haut war gebräunt. Die feinen Linien um seine Augen zeigten, dass er Erfahrungen in einem Leben gesammelt hatte, von dem sie ausgeschlossen gewesen war.

„Hallo, Jen“, sagte Bobby in dem intimen Tonfall, mit dem er ihr früher im Bett unanständige Dinge ins Ohr geflüstert hatte.

Sie schluckte. Die Dinge, die sie und Bobby angestellt hatten, waren sehr erotisch und unbeschreiblich sexy gewesen. Er hatte ihr mit seiner Art sämtliche Hemmungen genommen und ihr erlaubt, sich ganz in ihrer Lust zu verlieren. In diesen Momenten hatte nichts außer ihnen beiden existiert. Aber das war Vergangenheit. „Bobby?“, sagte sie und tat überrascht. Nun, sie war tatsächlich überrascht. Über diese Sache würde sie noch ein Wörtchen mit Marcie reden – Hochzeit hin oder her.

„Du siehst gut aus, Jen.“

Sie geriet in Verlegenheit, weil sie ausgerechnet heute ihre älteste Levis, ein schlichtes T-Shirt und nicht einmal tolle Schuhe trug. Auch Schmuck hatte sie keinen angelegt. Es war nicht ihr Tag gewesen. Schon am frühen Morgen hatte sie einen Hund einschläfern müssen, den sie jahrelang in ihrer Praxis behandelt hatte. Der Besitzer hatte vor Trauer laut geschluchzt. Auch der Rest des Tages war nicht besser verlaufen, deshalb brauchte sie einen Daiquirie und ein bisschen Aufmunterung. Nun musste sie auch noch das Wiedersehen mit Bobby durchstehen.

Marcie hatte recht. Es war Zeit, ihre Beziehung mit ihm ein für alle Mal hinter sich zu lassen und neu anzufangen. „Danke, du auch“, entgegnete sie. Ihre Stimme bebte leicht, dennoch schaffte sie es, einigermaßen kühl und gelassen zu klingen. Ihre Haut prickelte, weil er noch immer ihre Arme umfasste. Der Barhocker stand direkt hinter ihr, deshalb konnte sie nicht zurückweichen. Außerdem würde sie nicht weglaufen, sich verstecken oder ihn glauben lassen, sie könnte nicht damit umgehen, dass er in ihrer Nähe war. Schließlich war sie eine erwachsene Frau. Beiläufig fügte sie hinzu: „Ich bin überrascht, dass du schon so früh auftauchst. Ich dachte, du kommst erst in zwei Wochen, kurz vor der Hochzeit, nach Austin.“

„Besser zu früh als zu spät.“ Er ließ ihre Arme los und schaute sie schweigend an.

Jennifer schwieg ebenfalls und erwiderte seinen Blick. Was sah er, wenn er sie anstarrte? Entsprach sie dem Bild, das er in Erinnerung hatte? Das ist völlig egal, sagte sie sich, wusste aber, dass es eine Lüge war. Eines Tages, schwor sie sich, würde Bobby ihr tatsächlich völlig egal sein. In dem Moment fiel sein Blick auf ihren Mund, und ihr war klar, dass er daran dachte, sie zu küssen. Sie dachte ebenfalls daran und hasste sich für diese Schwäche. Es wäre so einfach, ihm Zustimmung zu signalisieren, um zu erfahren, ob sein Kuss noch immer nach Feuer und Leidenschaft schmeckte. Die Versuchung war groß, fast unwiderstehlich, und sie spürte den Impuls, einfach wegzulaufen.

Das tat eine erwachsene und selbstsichere Frau natürlich nicht. Zumindest nicht offensichtlich. Also räusperte sie sich. „Wie lange bleibst du hier?“ Innerlich wand sie sich. Warum hatte sie ihm diese Frage gestellt? Sie versuchte, an seinem Gesichtsausdruck abzulesen, wie er darauf reagierte. Seine Nähe und die Vertrautheit in seinem Blick berührten ihr Herz, und ein Schauer rieselte ihr über den Rücken.

Bobby hob eine Augenbraue. „Fragst du mich das, weil du wissen willst, wie lange es dauert, bis ich wieder verschwinde? Oder weil du wissen willst, wie lange ich hier sein werde?“

Sie wusste, dass er herausfinden wollte, ob sie froh war, ihn zu sehen. Ja, sie war froh darüber. Obwohl sie nicht so empfinden wollte. Ihr Leben war in Ordnung ohne ihn, und sie hatte viel zu viel Zeit damit verbracht, darüber zu grübeln, weshalb er sie verlassen hatte. Jetzt wollte sie ganz einfach, dass er möglichst schnell wieder verschwand.

Marcie bewahrte sie vor einer Antwort. „Bobby!“, schrie sie, kam herbeigelaufen und schloss ihn in die Arme.

Jennifer nutzte die günstige Gelegenheit. Eilig machte sie sich auf den Weg zur Toilette, wo sie erleichtert die Kabinentür hinter sich verriegelte. Bobby gehörte nicht zu den Männern, die einer Frau ihre Privatsphäre ließen. Wenn er mit ihr hatte reden oder streiten wollen, hatte er sich durchgesetzt – auch gegen ihren Willen. Meist hatten sie sich einfach geliebt, bis sie schließlich nachgegeben hatte. Der Gedanke daran törnte sie an. Sie schien seine Berührungen noch immer spüren zu können. Nach all den Jahren wollte sie ihn immer noch und war nicht sicher, auf wen sie wütender war. Auf Marcie, die sie nur drei Minuten vor dem Einschlag gewarnt hatte, oder auf Bobby, der sie in helle Aufregung versetzte und sie immer noch elektrisierte, und das, obwohl er sie vor sieben Jahren sitzen gelassen hatte.

„Weder noch“, flüsterte sie. Sie war sauer auf sich selbst, weil sie es zuließ, dass dieser Mann so viel Macht über sie hatte. Er hatte sie schlecht behandelt. Sie verdiente etwas Besseres als ihn. Es war egal, dass er groß, stark und wahnsinnig sexy war und ihre alten Gefühle wieder aufflackern ließ. Er hatte sie sehr verletzt, und das durfte er nicht wieder tun. Dafür musste sie sorgen. Nur das zählte.

Sie beschloss, zurückzugehen und ihm zu zeigen, dass er sie in jeder Hinsicht völlig kalt ließ. Sobald sie etwas Zeit gehabt hatte, sich darauf einzustellen, würde das auch der Wahrheit entsprechen. Im Moment musste sie eben so tun als ob. Dennoch zögerte sie, die Toilette zu verlassen, und überlegte, ob sie etwas Make-up auflegen sollte. Gut auszusehen würde ihr mehr Selbstvertrauen schenken. So könnte sie ihm zeigen, dass sie über ihn hinweg war.

Sie trat vor den Spiegel und zuckte innerlich zusammen, als sie sah, welchen Anblick sie Bobby geboten hatte. Sie war blass und ihre Frisur in Unordnung, doch sicher würde er glauben, dass sie sich extra für ihn schön gemacht hatte, wenn sie auch nur einen Hauch Farbe auflegte. Also zwang sie sich, nicht nach ihrer Handtasche zu greifen, und ging zur Tür. Früher oder später musste sie in die Bar zurückkehren und Bobby gegenübertreten, also sollte sie es lieber schnell hinter sich bringen. Anschließend könnte sie sich verabschieden und nach Hause gehen. Allein. Dort hatte sie die Möglichkeit, unbeobachtet in Selbstmitleid zu baden und Unmengen Schokolade zu essen.

Das war ein toller Plan, bis sie die Tür öffnete – und entdeckte, dass Bobby im winzigen Flur auf sie wartete. Ihr blieb nur die Treppe als Fluchtweg.

Er sah sie auf eine Weise an, die keinen Zweifel daran ließ, dass er sich an jeden Zentimeter ihres Körpers erinnerte. Seine Blicke erregten sie so sehr, dass ihr Herz raste. Er dagegen wirkte gelassen und kontrolliert, wie es schon immer seine Art gewesen war. Offensichtlich hatte er im Lauf der Jahre nicht nur an Reife gewonnen. Sein Sex-Appeal war sogar noch ausgeprägter. Es war frustrierend.

„Du trägst deine Haare länger“, sagte er. Als er sie verlassen hatte, war ihr Haar kinnlang gewesen. Jetzt fiel es ihr bis auf die Schultern. „Das gefällt mir.“

Seine Bemerkung regte sie auf. Vielleicht weil er sich das Recht herausnahm, irgendetwas an ihr zu mögen oder nicht. „Erspar mir das“, erwiderte sie und versuchte, seinen Duft zu ignorieren, der sie an leidenschaftliche Nächte erinnerte. „Erspare mir den Small Talk und die Komplimente. Du bist hier. Ich bin hier. Marcie freut sich auf die Hochzeit, und wir freuen uns mit ihr. Bitte geh mir aus dem Weg.“

Er musterte sie viel zu aufmerksam mit seinen verdammten kristallblauen Augen und sagte zunächst keinen Ton. Er bewegte sich auch nicht von der Stelle. Oder doch? Schob er leicht das Becken nach vorn? War er ihr noch näher gekommen? Sie konnte die Hitze seines Körpers spüren und schluckte. Sie saß in der Falle.

„Wir sollten reden“, sagte er schließlich mit dieser tiefen Stimme, mit der er ihr früher unerhörte Versprechen an viel zu vielen öffentlichen Orten wie diesem ins Ohr geflüstert hatte.

„Hör mal, Bobby.“ Sie hielt sich mit beiden Händen am Türrahmen fest. „Ich weiß, dass du die Sache zwischen uns um Marcies willen in Ordnung bringen willst. Schon erledigt. Alles vergessen und vergeben. Es gibt nichts, worüber wir noch reden müssten. Willkommen daheim. Du siehst gut aus. Dir gefallen meine Haare. Prima. Wir sehen uns dann beim Abendessen nach der Hochzeitsprobe.“

Völlig unbeeindruckt wich er keinen Schritt zurück. „Einfach so? Die Vergangenheit liegt hinter uns?“

„Richtig.“ Sie versuchte zu lächeln, es misslang ihr kläglich. „Alles ist gut.“

Er stützte sich mit einer Hand am Türrahmen über ihrem Kopf ab und ließ keinen Zweifel daran, dass er sich damit nicht zufriedengeben würde, denn er rückte näher an sie heran. Nur noch Zentimeter trennten sie.

„Dann sollte es kein Problem für dich sein, nach oben zu kommen und etwas mit mir zu trinken“, schlug er vor. „Um der alten Zeiten willen.“

Jennifer konnte kaum noch atmen. Ihr drehte sich der Kopf. Sie hatte einen schweren Tag gehabt und dann auch noch herausgefunden, dass ihre beste Freundin, der sie blind vertraut hatte, sich heimlich mit dem Verräter Bobby verbündet hatte. Jetzt stand der Mann vor ihr, dem insgeheim noch immer ihr Herz gehörte, obwohl er es ihr gebrochen hatte. Aus Angst um ihn hatte sie viele Nächte wach gelegen, als das Gerücht auftauchte, er sei bei irgendeiner militärischen Mission ums Leben gekommen. „Nein“, sagte sie entschieden und hätte ihm beinahe die Hand auf die Brust gelegt. „Das will ich nicht, Bobby.“

Er nahm ihre Hand und drückte sie auf seine muskulöse Brust. „Du kannst mich berühren. Ich habe dich nie gebissen. Es sei denn, du hast es gewollt. Das weißt du.“

Ihre Handfläche schien zu glühen. Energisch schob sie ihn weg. „Verdammt, Bobby Evans. Ich weiß nicht, was du zu beweisen versuchst. Ich will dich nicht berühren. Ich will auch nicht, dass du mich beißt oder mir Komplimente über meine Frisur machst. Du bist damals weggegangen. Gut. Das ist geschehen, und jetzt ist nichts mehr zwischen uns. Ich stehe definitiv nicht für eine kurze Bettgeschichte in der alten Heimat zur Verfügung.“ Sie straffte die Schultern. „Und jetzt lass mich vorbei, damit ich nach Hause gehen kann, bevor ich …“ Bevor ich anfange zu weinen und mich damit in Verlegenheit bringe. Erneut versuchte sie, ihn wegzuschieben. „Lass mich durch.“

Er ließ ihre Hand los, wich aber nicht von der Stelle. „Hör mir zu, Jennifer. So hatte ich das nicht geplant“, sagte er rau.

Sie bemerkte, dass die Gelassenheit, die er zu Schau getragen hatte, verschwunden war. Es war an der Zeit, schleunigst das Weite zu suchen, sonst würde sie noch etwas Dummes tun und ihn fragen, was genau er geplant hatte und warum. „Lass mich vorbei, Bobby“, wiederholte sie viel ruhiger, als ihr zumute war. Zu ihrer großen Erleichterung, aber auch zu ihrem Missfallen ließ er sie gehen.

Im Lauf der Jahre hatte Bobby eine Reihe Nackenschläge einstecken müssen. Doch noch nie hatte ihn etwas so hart getroffen wie Jennifers Zurückweisung. Er musste ihr eine Menge erklären. Dazu gehörte, was in der Nacht vor sieben Jahren in ihm vorgegangen war, als er beschlossen hatte, sich bei der Armee zu verpflichten. Diese schlimme Nacht verfolgte ihn bis heute. Er hatte Jennifer verlassen, weil er sie liebte und sie beschützen wollte. Doch er bezweifelte, ihr das so einfach plausibel machen zu können. Wie ein geprügelter Hund schlich er die Treppe hoch.

Marcie stand am Treppenabsatz und stemmte die Hände in die Hüften. „Bobby! Warum hast du mir nicht gesagt, dass du schon heute Abend kommst?“

„Nach der herzlichen Umarmung vorhin dachte ich, du wärst froh, mich zu sehen“, entgegnete er trocken.

„Das bin ich, aber einen ungünstigeren Zeitpunkt hättest du dir überhaupt nicht aussuchen können. Ich hatte Jennifer gerade eben erst erzählt, dass du zur Hochzeit kommst, und fünf Minuten später tauchst du überraschend hier auf. Weißt du, wie ich jetzt dastehe? Sie denkt bestimmt, ich hätte das geplant. Sie ist total sauer auf uns. Auf mich. Und sie sollte auf keinen Fall wütend auf mich sein, denn sie ist meine Trauzeugin.“

„Ich weiß. Ich bringe das in Ordnung.“

„So schnell wie möglich. Ich will, dass das aus der Welt ist. Am Freitag feiern wir unsere Junggesellenparty. Jennifer hat mir geholfen, alles zu organisieren, und jetzt bist du hier reingeplatzt! Wenn sie mir die Freundschaft kündigt, weiß ich nicht, was ich tue. Du musst einen Weg finden, die Sache zu regeln.“ Marcies Stimme wurde brüchig. „Sie hat mich nicht einmal angesehen, als sie aus der Bar gestürmt ist.“

„Ich gehe sofort zu ihr“, sagte Bobby schnell. „Wenn ich ihr erst einmal erklärt habe …“

„Nein, nicht heute Abend. Sie braucht immer erst Zeit, um ihren Ärger zu verdauen – falls du das vergessen hast. Ich rufe sie an und erkläre ihr alles. Du gehst besser erst zu ihr, wenn sie eine Nacht über die Sache geschlafen hat.“

„Mit der Sache meinst du mich, oder?“

„Ja!“, sagte Marcie. „Du hast ihr das Herz gebrochen.“

„Das wollte ich nicht.“

„Aber du hast es getan. Und jetzt, wo du wieder da bist, braucht sie etwas Zeit für sich. Lass mich zuerst mit ihr reden. Bitte.“

Bobby erinnerte sich sehr gut an alles, was Jennifer anging. „Ich warte bis morgen früh, dann bin ich bei ihr.“ Er ging an Marcie vorbei zurück in das Lokal, um ihr keine Chance zu geben, ihm zu widersprechen.

Er war von einem alkoholkranken Vater großgezogen worden und hatte befürchtet, eines Tages genau wie er zu werden. Davon hatte der alte Säufer ihn in jener düsteren Nacht überzeugt, und er hatte befürchtet, Jennifers Leben zu zerstören. Inzwischen war ihm klar, dass weder er noch sie ihre Beziehung wirklich hinter sich gelassen hatten. Er würde nicht wie früher vor der Zukunft davonlaufen oder zulassen, dass Jennifer das tat. Er musste herausfinden, was hätte sein können. Nach dem Wiedersehen mit ihr wusste er, dass es ihr genauso ging, auch wenn sie noch nicht bereit war, das zuzugeben.

Verschlafen drückte Jennifer auf die Schlummertaste ihres Weckers und sah auf die Digitalanzeige. Es war halb sieben Uhr morgens, und sie musste in zwei Stunden in ihrer Tierarztpraxis sein. Als sie schließlich die Decke wegschob, sprang ihre Katze zu ihr aufs Bett und schnurrte laut. „Ich weiß, Julie. Du willst dein Frühstück.“ Nachdem die Katze ihre morgendlichen Streicheleinheiten bekommen hatte, setzte Jennifer das Kätzchen auf den Boden und nahm ihr Handy vom Nachttisch. Widerwillig schaltete sie es ein.

Marcie hatte am Abend zuvor ein halbes Dutzend Mal angerufen, aber sie hatte ihrer Freundin nichts zu sagen. Zumindest nicht, bis ihr Ärger verraucht war. Offensichtlich dachte Marcie, dass die bevorstehende Hochzeit ihr das Recht gab, zu tun, was immer sie wollte. Die Sache mit Bobby ging eindeutig zu weit. Natürlich musste sie ihm auf der Junggesellenparty irgendwann gegenübertreten, aber dazwischen lag ein Tag voller Arbeit. Das würde sie ablenken und ihr Zeit geben, um über ihre verletzten Gefühle hinwegzukommen. Sie schlüpfte in ihre pinkfarbenen Slipper und zog den pinkfarbenen knielangen Morgenmantel über.

Wenn sie schlecht geschlafen hatte, war sie immer gereizt. Heute Morgen war sie jedoch nicht nur gereizt, sondern extrem schlecht gelaunt. Die Tatsache, dass sie Bobby immer noch wollte, machte ihr schwer zu schaffen. Schnell putzte sie sich die Zähne. Danach ging sie in die dunkelblau eingerichtete Küche. Sie brauchte viel Kaffee, bevor sie duschte. Als sie Wasser in die Maschine füllen wollte, klopfte es an der Wohnungstür. Sie erstarrte. Ihr Herz raste. Das konnte nur Bobby sein.

Entschlossen ging sie zur Tür und zog den Gürtel ihres Morgenmantels fester. Sie konnte das. Sie konnte Bobby gegenübertreten und stark sein. Sie war stark. Sie war glücklich. Bobbys Auftauchen änderte überhaupt nichts daran. „Wer ist da?“

„Ein Mann, der Geschenke bringt.“

Als sie seine allzu vertraute Stimme hörte, schnellte ihr Puls nach oben. Dass er sie noch immer allein mit seiner Stimme mühelos auf Touren bringen konnte, regte sie fast genauso auf wie die Vorstellung, dass er tatsächlich mit einem Geschenk vor der Tür stand. Dachte er wirklich, auf diese Weise sieben Jahre des Schweigens ungeschehen machen zu können? „Geh weg, Bobby!“ Ihre Stimme klang heiser. „Ich will kein Geschenk – was auch immer es ist.“

„Dieses willst du“, versicherte er. „Dafür garantiere ich.“

„Nein“, erwiderte sie streng. Aber ich will dich. Sie hasste ihn dafür, dass er nach all dieser Zeit noch so viel Macht über sie hatte. „Verschwinde, Bobby.“

Nach kurzem Schweigen entgegnete er: „Venti White Mocha, extraheiß, ohne Milchschaum und Schlagsahne.“

Jennifer war baff. Er hatte wirklich Nerven, am frühen Morgen mit ihrem Lieblingskaffee bei ihr aufzukreuzen. Das war Bestechung. Sie vergaß ihre ungekämmten Haare und dass sie nur einen Morgenmantel und kein Make-up trug. Sie vergaß sogar ihre Sorge, bei einem Wiedersehen mit ihm die Kontrolle über ihre Gefühle zu verlieren. Um ihm gehörig den Kopf zu waschen, riss sie die Tür auf, doch sein Anblick verschlug ihr die Sprache.

Er stand nur wenige Zentimeter von ihr entfernt da, sah zum Anbeißen und gefährlich sexy aus. Er trug Jeans, war unrasiert und zwinkerte ihr zu. In den Händen hielt er einen Kaffeebecher und eine Schachtel mit ihren Lieblingsdonuts. In diesem Moment wurde ihr bewusst, dass ihm ihr Herz schon viel zu lange gehörte. Er verdiente ihre Liebe nicht, nachdem er sie ohne jede Erklärung verlassen hatte. Daher war es gut, dass er wegen Marcies Hochzeit nach Hause gekommen war. Jetzt hatte sie die Gelegenheit, ihm gegenüberzutreten und ein für alle Mal über ihn hinwegzukommen.

2. KAPITEL

Sein Blutdruck schoss in die Höhe, als Jennifer ihm die Tür öffnete. Der knappe Morgenmantel, den sie trug, gab den Blick auf ihre Beine frei und umschmeichelte ihre Kurven. Bobby war total heiß auf sie, aber sein Verlangen ging weit über die körperliche Ebene hinaus. Sofort erinnerte er sich daran, wie sie früher in seinen Armen aufgewacht war und wie sie das Leben miteinander geteilt hatten.

„Ein Friedensangebot.“ Er deutete auf den Kaffee und die Schachtel mit Jennifers Lieblingsdonuts. „Als Ausgleich dafür, dass ich gestern Abend unerwartet aufgetaucht bin. Ich konnte Marcie wegen eines Funklochs vorher nicht mehr per Handy erreichen. Sie ist sauer auf mich, weil sie deshalb Probleme mit dir bekommen hat. Sie wusste nicht, dass ich früher in die Stadt komme, Jen.“

Jennifer biss sich auf die volle Unterlippe, an der er gern selbst geknabbert hätte. So wie vor vielen Jahren. Danach hatte er immer sanft über ihre Lippe geleckt. Er betrachtete ihren Mund. Dann fiel sein Blick auf ihre Brust, die sich mit jedem Atemzug langsam hob und senkte.

„Das funktioniert nicht.“ Jennifer reckte störrisch ihr Kinn vor.

Bobby sah ihr an, dass sie sich verzweifelt an ihren Entschluss klammerte, ihn auf Distanz zu halten. Das bedeutete, es funktionierte. Er lächelte sie freundlich an. „Oh, nun komm schon, Jen. Lass mich reinkommen.“

Sie musterte ihn argwöhnisch. „Wenn ich dich reinlasse, dann nur, weil ich den Kaffee und die Donuts haben will. Sonst nichts.“

Ja. Das ist ein Ja. „In Ordnung.“ Bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging er mit der festen Absicht auf sie zu, nach dem Frühstück viel mehr aus diesem Morgen zu machen. Wie er vorhergesehen hatte, wich sie zurück und gab ihm notgedrungen den Weg frei. Dennoch war er ihr so nahe gekommen, dass er ihren blumigen Duft wahrnehmen konnte. Einen Duft mit einem Hauch Jasmin, den er sich während der vergangenen sieben Jahre sicher eine Million Mal in seiner Fantasie vorgestellt hatte.

Als er im Flur war, widerstand er dem Drang, sich zu Jennifer umzudrehen. Sie stand in seiner Reichweite, aber er durfte der Versuchung nicht nachgeben. Selbst wenn er die Hände freihätte, wäre es viel zu früh, sie zu berühren. Die Zeit dafür würde kommen, also ging er den Flur hinunter. Er war entschlossen, wieder einen Platz in ihrem Leben einzunehmen. Der erste Schritt dazu war, sich Zutritt zu ihrem Heim und in ihre Privatsphäre zu verschaffen. Er wollte wissen, wie sie jetzt lebte und ob sie sich verändert hatte. Abgesehen von der Tatsache, dass sie selbst so früh am Morgen schöner war denn je.

„Bobby!“, wandte sie ein. „Du kannst hier nicht einfach so eindringen.“ Dann viel die Tür ins Schloss. Ihre Stimme klang atemlos und sexy, als sie ihn einholte und sagte: „Wir können die Donuts an der Küchentheke essen.“

Lässig ging er die paar Stufen in das tiefer gelegene, behaglich eingerichtete Wohnzimmer hinunter, in dem die Farbe Blau vorherrschte. Jennifer liebte diese Farbe. Ihr früheres Schlafzimmer war ganz in Dunkelblau gehalten gewesen. Sie hatte darauf bestanden, dass es ein „Samtblau“ sei. Plötzlich fiel ihm ein, wie er sie geküsst und ihr gesagt hatte, dass ihre Lippen samtweich seien, um sie dann auf der „samtblauen“ Bettdecke zu lieben. Er setzte sich auf das Sofa und stellte den Kaffee und die Donuts auf den Tisch. Dann legte er eine Hand auf das Polster und strich langsam darüber. „Ist das dunkel- oder samtblau?“ Als sie errötete, wusste er, dass sie sich noch genauso gut an diesen Tag erinnerte wie er. „Komm, setz dich zu mir“, bat er und bewahrte sie so vor einer Antwort.

Sie verschränkte die Arme vor der Brust, starrte das Sofa, seine Hand und den Kaffee an. „Warum bist zu zurückgekommen, Bobby?“

Das war eine Fangfrage. Wegen Marcies Hochzeit, könnte er antworten, das entsprach zum Teil der Wahrheit, war aber vor allem ein Vorwand. Das wussten sie beide. Er hatte Jennifer noch nie belogen und würde jetzt nicht damit anfangen. Außerdem gab es keine simple Antwort. Er hatte einfach zurückkommen und sie sehen müssen, doch es war noch viel zu früh, ihr das zu sagen. „Was ist verkehrt daran, wenn alte Freunde zusammen frühstücken?“, meinte er stattdessen. „Der Kaffee wird kalt.“

„Alte Freunde? Sind wir alte Freunde?“

Sie sahen sich einen Moment lang in die Augen. Die sexuelle und emotionale Spannung war fast greifbar. „Sind wir das nicht?“, forderte er sie heraus.

Jennifer wirkte unentschlossen und ging einer Antwort aus dem Weg. „Ich sollte mich anziehen.“

„Ich habe absolut nichts dagegen, wenn du deinen Morgenmantel anbehältst“, neckte er sie sanft. Obwohl er sie in der Vergangenheit schon unzählige Mal nackt gesehen hatte, wurde sie rot.

„Bobby“, ermahnte sie ihn.

„Tut mir leid“, meinte er ehrlich. Er wollte sie nicht in Verlegenheit bringen, aber er wollte sie. „Ich konnte nicht widerstehen. Ich verspreche, nicht hinzuschauen.“ Als sie ihn ungläubig ansah, hob er die Hände. „Okay, okay, ich hör schon auf.“ Er rieb sich über das Kinn und gab sich geschlagen. „Wie wäre es, wenn ich verspreche, nicht lange zu bleiben?“

Nachdenklich musterte Jennifer ihn. „Ich weiß nicht, ob ich dir etwas an den Kopf werfen oder einfach den Kaffee trinken und die Donuts essen soll.“

„Ich schlage vor, dass du dir eine Dosis Koffein genehmigst, bevor du weitere Schritte unternimmst.“

„Kein schlechter Vorschlag.“ Sie setzte sich auf das andere Ende des Sofas und trank einen Schluck Kaffee. „Okay. Im Moment ist es tatsächlich viel besser, den Kaffee zu trinken, als dir etwas an den Kopf zu werfen.“

„Gut zu hören.“

Jennifer blinzelte. „Danke. Die Dosis Koffein habe ich gebraucht.“

„Das hast du jeden Morgen gesagt.“

„Ohne meinen Kaffee bin ich wohl noch nie zu genießen gewesen“, gab sie zu und griff nach einem Donut, der mit Schokolade glasiert war.

„Einige Dinge ändern sich vermutlich nie“, neckte er sie. Er wollte sie küssen, schmecken, sie auf das Sofa legen und jeden Zentimeter ihres Körpers spüren. Nur mit Mühe hielt er sich zurück.

„Bobby …“ Sie biss sich auf die Unterlippe.

„Du hast Schokolade am Mund“, sagte er und nutzte es aus, dass sie in der einen Hand den Kaffee und in der anderen den Donut hielt. Er beugte sich zu ihr und wischte die Schokolade mit einem Finger weg, obwohl er sich danach sehnte, sie ihr von den Lippen zu lecken. Stattdessen leckte er seinen Finger ab. „Gut.“

„Stopp.“ Jennifer stellte den Kaffeebecher ab und legte den Donut zurück in die Schachtel. „Ich weiß, worauf das hinauslaufen soll.“

„Und das wäre?“

Sie schaute ihn finster an. „Bobby.“

Er beugte sich ein bisschen näher zu ihr. „Ich mag es, wenn du meinen Namen sagst. Selbst wenn du böse bist.“

„Ich bin nicht böse.“ Jennifer stand auf. „Und Sex mit dir kommt für mich nicht infrage. Ich bin nicht der Typ für eine kurze Affäre für die nächsten zwei Wochen.“

„Warte. Haben wir über Sex geredet, und ich wusste nichts davon? Was die zwei Wochen angeht, stimme ich dir zu.“ Bobby senkte verführerisch die Stimme. Er fand Jennifer einfach entzückend. Sie war völlig durcheinander und kurz davor, ihm den Hals herumzudrehen. „Zwei Wochen wären niemals genug.“

Perplex starrte sie ihn an und machte den Mund auf, um etwas zu erwidern. In dem Moment klingelte ihr Handy in der Tasche des Morgenmantels.

„Du weißt, dass es Marcie ist“, sagte er. „Du solltest mit ihr reden und sie aus ihrer Misere erlösen. Sie denkt, dass du auch auf sie böse bist.“

„Ich bin böse auf sie.“

„Sie wusste nicht, dass ich komme.“

„Marcie wusste nicht, dass du schon gestern Abend kommen wolltest, aber sie hat zugegeben, dass ihr beide jahrelang miteinander Kontakt hattet – wovon ich nie etwas wusste.“ Jennifers Stimme wurde eine Sekunde lang brüchig. „Das sollte keine Rolle spielen, aber Marcie war offensichtlich klug genug zu wissen, dass es eine Rolle spielt. Ich fühle mich hintergangen, und am liebsten würde ich dir etwas an den Kopf werfen. Und ich bin sauer auf mich, weil mir das alles nicht egal ist, obwohl es das sein sollte.“ Sie hob hilflos die Hände. „Ich gehe unter die Dusche. Bitte sei nicht mehr hier, wenn ich zurückkomme.“

Es spielte eine Rolle, weil er ihr noch etwas bedeutete, das war Bobby klar. Das hieß, er hatte zwei Optionen. Entweder gab er ihr Zeit, wie Marcie es ihm nahegelegt hatte, oder er tat, was er in der Vergangenheit getan hätte, ging zum Angriff über und ließ keinen Zweifel daran, was er wollte. Er entschied sich für die Frontalattacke, stand auf, zog Jennifer in seine Arme und küsste sie. Sie schmeckte wie Tee mit Honig an einem heißen Sommertag. Anfangs leistete sie Widerstand, doch in dem Moment, als er mit seiner Zunge über ihre strich, gab sie sich seinem Kuss hin. Als ihr Handy erneut klingelte, ließ er eine Hand auf ihren Rücken gleiten, mit der anderen angelte er das Handy aus der Tasche ihres Morgenmantels. Er zwang sich, den Kuss zu beenden. „Rede mit Marcie. Du bist böse auf mich, nicht auf sie. Sie braucht dich.“ Er gab Jennifer das Handy, sah sie einen Augenblick an und drehte sich dann um, um ihre Wohnung zu verlassen.

„Komm nicht wieder zurück, Bobby“, rief sie ihm nach.

Er hielt inne und wandte sich ihr noch einmal zu. „Ich bin bereits zurückgekommen.“ Er verließ ihre Wohnung, ohne sich noch einmal umzudrehen. Der atemberaubende Kuss hatte deutlich gemacht, dass sie noch immer verrückt nacheinander waren. Im Moment musste es ihm genügen, dass sie ihre Freundschaft mit Marcie kittete. Morgen war ein weiterer Tag, an dem er seine Chance bekommen würde. Da war er sicher.

„Du weißt, dass du ihn immer noch willst“, sagte Marcie.

Seit dem Kuss waren viele Stunden vergangen. Jennifer stand in Marcies Küche und bereitete Schokoladenmousse für die Junggesellenparty am kommenden Abend zu. Das weitläufige Grundstück mit dem Haus im Rancherstil, in dem früher Marks Eltern gelebt hatten, war perfekt für diesen Spaß. Sie zog eine Grimasse und deutete mit dem Löffel auf ihre Freundin. „Ich will ihn nicht mehr. Und wenn ich gewusst hätte, dass du mir damit in den Ohren liegst, hätte ich mich nicht bei dir entschuldigt und wäre nicht hergekommen.“

Marcie kostete von der Mousse. „Mm. Schmeckt das gut.“ Ihre Augen strahlten. „Doch. Du hättest dich entschuldigt. Denn auch wenn du stur sein kannst, bist du eine gute Freundin. Und du willst Bobby immer noch.“

Jennifer funkelte ihre Freundin an, ignorierte deren Behauptung und leckte den Löffel ab. Als sie merkte, dass sie sich dabei vorstellte, die Schokoladencreme von Bobbys Körper zu schlecken, ließ sie den Löffel in die Spüle fallen, als wäre er siedend heiß. „Ich sollte Mark helfen, den Champagner aus meinem Wagen zu holen.“

„Damit du dein Auto zurückbekommst und vor dieser Unterhaltung flüchten kannst? Vergiss es.“ Marcie lächelte teuflisch. „Warum gehst du nicht einfach mit Bobby ins Bett, damit du ihn dir endgültig aus dem Kopf schlagen kannst? Das würde es uns allen leichter machen.“

„Hörst du jetzt damit auf?“ Jennifer stemmte die Hände in die Hüften und wurde so daran erinnert, dass sie extra ihre Lieblingsjeans zu diesem Anlass angezogen hatte, die schwarze, weil die ihren Hintern knackiger aussehen ließ als die blaue. Es wäre immerhin möglich, dass Bobby auftauchte.

„Ja, mach ich, wenn du mit deiner Vermeidungsstrategie aufhörst“, konterte Marcie. „Zieh einen Schlussstrich unter die Sache mit Bobby, und orientiere dich neu.“ Sie hob eine Hand, als Jennifer widersprechen wollte. „Sag mir nicht, dass du das längst getan hast, denn wir wissen beide, dass es nicht stimmt. Jetzt hast du die Gelegenheit dazu. Schlaf mit ihm. Dann hast du wenigstens die Genugtuung zu wissen, dass du nach dem Sex einfach weggehen kannst, so wie er es damals getan hat. Sexuelle Energie ist sehr heilsam.“

„Oh, du meine Güte“, platzte Jennifer heraus. „Genug von der heilsamen Energie.“

„In Ordnung.“ Marcie nahm eine Flasche Champagner aus einer Kiste, die auf dem Boden stand. „Dann versuchen wir es mal damit, dass du dir Mut antrinkst, um ein bisschen lockerer zu werden.“

Jennifer starrte ihre Freundin aufgebracht an. „Ich muss nicht lockerer werden, weil ich nicht mit Bobby schlafen werde. Das habe ich dir doch schon gesagt.“

„Niemals?“

Ihr Herz schien eine Sekunde lang stillzustehen. Das war Bobbys Stimme hinter ihr. Sie sah in Marcies viel zu amüsiertes Gesicht und murmelte kaum hörbar: „Ich bringe dich um.“ Dann wirbelte sie herum. Bobby sah wie die pure Sünde aus, dabei trug er einfach Jeans und ein Hemd. „Niemals“, versicherte sie ihm, hatte aber weiche Knie.

Seine Mundwinkel zuckten amüsiert. „Niemals ist eine lange Zeit. Ich behalte mir das Recht vor, zu versuchen, deine Meinung zu ändern.“

Plötzlich hatte sie Schmetterlinge im Bauch. Sie wollte, dass er sie wollte. Sie wollte ihn wieder küssen. So sehr, dass es ihr Angst machte. Wie leicht er ihr wieder das Herz brechen konnte, jagte ihr einen furchtbaren Schrecken ein.

Marcie räusperte sich. „Bobby wärst du so nett, zusammen mit Mark unsere Autos auszuladen?“

„Sicher. Wo sind die Schlüssel?“

„Mark hat meine Autoschlüssel. Ist dein Auto abgeschlossen, Jen?“

Sie nickte. „Ich hole den Schlüssel.“ Sie konnte nur zu ihrer Handtasche im engen Flur gelangen, wenn sie sich an Bobbys muskulösem sexy Körper vorbeischlängelte. Genauso wie er ihr jetzt im Weg stand, blockierte er in ihrem Kopf den Weg in die Zukunft. Verdammt, Marcie hatte recht. Sie war noch längst nicht über Bobby hinweg. „Sie sind in meiner Handtasche.“ Mit einer Handbewegung forderte sie ihn auf vorzugehen. „Ich folge dir nach draußen.“

Er blieb noch einen Moment stehen. Sein Blick fiel auf ihren Mund, und sie fragte sich, ob er daran dachte, dass er sie geküsst hatte. Schließlich trat er zurück in den Flur und deutete ihr an, sie solle vorausgehen.

„Ladies first.“

Er ließ ihr nur sehr wenig Platz und hob herausfordernd die Augenbrauen. In diesem Augenblick begriff Jennifer, dass Marcie auch in dem anderen Punkt recht hatte. Was immer passierte, musste zu ihren Bedingungen geschehen. Sie musste Bobby und der Vergangenheit ins Gesicht sehen. Also straffte sie die Schultern und marschierte los, während sie an ihre schwarze Jeans dachte, in der sie vor ihm herumstolzierte. Sie fragte sich, ob er sie noch immer attraktiv fand. Vermutlich, sonst hätte er sie wohl nicht geküsst. Es sollte ihr egal sein, aber sie wusste, dass es das definitiv nicht war.

Obwohl sie nur Zentimeter davon entfernt war, ihn zu berühren, richtete sie den Blick nach vorn und weigerte sich, ihn anzusehen. Es kam ihr vor, als würde sie ihn spüren, als sie an ihm vorbeiging, und sie stellte sich vor, ihn zu berühren. Ihre Haut prickelte. Und dann nahm sie seinen würzigen und sehr maskulinen Duft wahr, an den sie sich so gut erinnerte. Sie kannte den Namen des Eau de Cologne. Die Kombination, wie es sich mit seinem Körperduft zu einem Aphrodisiakum vermischte, brachte sie fast um den Verstand.

Jennifer nahm ihre Handtasche vom Tisch neben der Tür und drehte sich um. Bobby stand direkt hinter ihr. Sie schluckte. Er war ihr so nah, dass sie eine Gänsehaut bekam. Sie steckte definitiv in Schwierigkeiten. Ihm aus dem Weg zu gehen war offensichtlich keine Option, aber sie würde auch keinen Sex mit ihm haben. Sie hielt die Schlüssel hoch. „Ich begleite dich nach draußen.“ Ja, dachte sie, und sobald der Champagner ausgeladen ist, fahre ich nach Hause. Sie musste ihm aus dem Weg gehen.

Mark kam in den Flur. „Ich habe die Anweisung, alle Champagnerkisten aus den Autos zu holen.“ Er sah Bobby an und schüttelte ihm die Hand. „Hallo.“

„Hast du Marcie schon zu einem Fallschirmsprung überredet?“, fragte Bobby.

„Nein, sie ist zu feige“, antwortete Mark. „Aber ich bin auf jeden Fall dabei. Wann geht es los?“

Marcie kam eilig an Marks Seite und funkelte ihn an. „Untersteh dich. Du absolvierst vor unserer Hochzeit keinen Fallschirmsprung! Du bist ein Computerprogrammierer, der zu einem Barbesitzer geworden ist. Und obwohl das für deine Vielseitigkeit spricht, gehörst du nicht wie Bobby zu den Special Forces.“

Jennifer hatte nicht einmal gewusst, dass Bobby einem Sondereinsatzkommando angehörte. Ihr wurde leicht flau im Magen.

„Trotzdem werde ich einen Sprung versuchen, solange Bobby hier ist und an meiner Seite sein kann“, widersprach Mark. „Und du könntest ruhig mitkommen, denn wenn mir was passiert, muss die Hochzeit ohnehin abgesagt werden.“

„Mark!“, rief Marcie empört.

Bobby und Jennifer wechselten einen Blick und verschwanden nach draußen, wo es noch immer heiß war.

Nachdem er die Tür hinter sich zugemacht hatte, meinte Bobby: „Ich wünschte, ich hätte gestern Abend nicht das Thema Fallschirmspringen angesprochen. Seitdem streiten sie ständig miteinander.“

„Sie bekommen kalte Füße“, erklärte Jennifer. „Das passiert öfter vor Hochzeiten und ist nicht dein Fehler. Außerdem geht das schon ein paar Tage so.“ Als sie neben ihrem blauen Mazda 626 stehen blieben, holte sie tief Luft und sah Bobby an. „Das ist der Grund, weshalb ich unsere Vergangenheit wirklich hinter mir lassen will, Bobby. Die nächsten zwei Wochen geht es um Marcie und Mark, nicht um uns. Ich schlage vor, dass wir einen Waffenstillstand schließen.“

Er schaute sie an. „Einverstanden. Waffenstillstand. Als Erstes könnten wir gemeinsam überlegen, wie ich die Sache mit dem Fallschirmsprung wieder hinkriege. Mark ist definitiv dazu entschlossen, und sie ist definitiv dagegen. Warum überzeugst du Marcie nicht davon, einfach mitzukommen?“ Er hob die Augenbrauen. „Ein flotter Vierer, hm?“

Sie ignorierte den Scherz. „Marcie regt allein schon die Idee auf. Druck auf sie auszuüben hat keinen Sinn.“

„Nun, ich habe den Ausdruck in Marks Blick gesehen. Er ist darauf aus, etwas zu beweisen, und lässt sich nicht davon abbringen. Wir können die Sache so beenden, wie ich es gesagt habe. Begleite uns, und überzeuge Marcie davon, ebenfalls mitzukommen.“

Jennifer schüttelte den Kopf. „Ich soll aus einem Flugzeug springen? Niemals. Das habe ich viel zu wenig unter Kontrolle.“

„Du kannst einen Tandemsprung mit mir machen. Dann habe ich die Kontrolle und sorge für deine Sicherheit.“

Bobby hätte die Kontrolle. Genau das war ihr Problem. Er hatte immer die Kontrolle. Nicht nur, als er sie verlassen hatte und während der letzten sieben Jahre, in denen sie ihn insgeheim gewollt, gebraucht und sich Gedanken um ihn gemacht hatte, sondern auch jetzt. Sie war es, die vor ihm wegrannte, doch sie musste die Kontrolle übernehmen und mit der Gegenwart zurechtkommen.

„Du kannst mir vertrauen“, sagte er mit tiefer, rauer Stimme. „Als ich weggegangen bin …“

Jennifer griff zum einzig probaten Mittel, das ihr zur Verfügung stand, um ihn zum Schweigen zu bringen. Sie legte eine Hand auf seine breite Brust, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn. Jetzt übernahm sie die Kontrolle. Sie hatten sich damals nicht wirklich geliebt. Liebe war ehrlich und von Dauer. Sie waren heiß aufeinander gewesen. In diesem Moment ging es nur um ihre Lust auf ihn. Der Mann, mit dem sie den besten Sex ihres Lebens gehabt hatte, war zwei Wochen lang hier. Sie wäre eine Idiotin, wegzurennen und sich dieses sexuelle Vergnügen entgehen zu lassen. Nein, sie würde voll und ganz auskosten, was er ihr zu bieten hatte, und sich dann von ihm verabschieden.

Dieser Kuss war der Anfang. In dem Moment, in dem sie seine Lippen mit ihren berührte, zog Bobby sie an sich und vertiefte den Kuss. Er strich durch ihre Haare, streichelte ihren Rücken und ließ sie seinen harten, muskulösen Körper spüren. Sie seufzte vor Verlangen. Natürlich hatte sie ihn nicht nur geküsst, um ihn zum Schweigen zu bringen, sondern auch, weil sie sich nach ihm sehnte und ihn haben wollte. Aus demselben Grund schob sie eine Hand unter sein Hemd und strich über seine glatte Haut.

Diese Lust auszuleben und zu genießen war so viel besser, als über die Vergangenheit zu reden. Er wusste genau, wo er sie berühren musste, und sie wusste genau, wo sie ihn berühren musste. Sie hatte den heißen Sex mit Bobby nie vergessen können. Als sie sich an ihn schmiegte, stiegen Bilder von ihren leidenschaftlichen Liebesspielen vor ihrem geistigen Auge auf.

„Jennifer“, murmelte er schließlich und starrte sie an. „Ich …“

Sie legte ihm einen Finger auf die Lippen. „Sag nichts, sondern küss mich.“

„Bobby!“, rief Marcie von der Haustür aus. „Ein Mann am Telefon will dich dringend sprechen.“

„Verdammt.“ Er nahm ihre Hand in seine und küsste sie. „Entschuldige. Ich habe dem Militär eine Notfallnummer hinterlassen. Ich bin beurlaubt, aber …“

„Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Jennifer war ungeheuer erleichtert. Denn sie hatte dieses Spiel angefangen, ohne es zu planen.

„Bobby!“, rief Marcie erneut.

Er musterte sie misstrauisch aus kristallblauen Augen. Offensichtlich überlegte er, was sie als Nächstes tun würde. Nach kurzem Zögern küsste er sie noch einmal.

„Bleib hier“, sagte er entschlossen. „Wir müssen reden.“ Dann lief er schnell zum Haus.

Sie sah ihm nach und entschied, die Vergangenheit zu ignorieren. Es war einfacher so. Nein, sie würden nicht reden, sondern einfach im Bett auf ihre Kosten kommen – allerdings zu ihren Bedingungen. Die Party am kommenden Abend war eine ideale Gelegenheit, um Spaß zu haben und ein Abenteuer zu erleben. Sie stieg in ihr Auto und fuhr los. Die Kiste Champagner im Kofferraum konnte warten. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich ausmalte, wie sie die Schokoladenmousse in ihre erotischen Pläne einbeziehen könnte. Sie würde sie langsam und genüsslich von Bobbys Körper lecken.

Bobby hatte bisher noch keine Frau getroffen, die er so begehrte wie Jennifer. Weder vor noch nach der Beziehung mit ihr. Das Blut in seinen Adern schien sich in ihrer Nähe in glühende Lava zu verwandeln. Er war so versessen darauf, das Telefongespräch hinter sich zu bringen und zu ihr zurückzukehren, dass er zur Tür joggte. Doch als er hörte, dass sie wegfuhr, blieb er wie angewurzelt stehen und sah ihrem Auto hinterher. „Verdammt.“ Er hatte sie in den Armen gehalten. Sie hatte ihn geküsst und war im nächsten Moment verschwunden – so unvermittelt und ohne ein Wort, wie er sich vor sieben Jahren aus dem Staub gemacht hatte. Er verdiente es, angetörnt und dann stehen gelassen zu werden. Er verdiente alles, was sie ihm antat.

Er kämpfte gegen den Drang an, zum Ende der Einfahrt zu rennen, um ihr den Weg abzuschneiden und ihr das zu sagen – und noch mehr. Aber wenn die Armee rief, war ein Soldat zur Stelle – selbst wenn er darüber nachdachte, nicht wieder in den Dienst einzutreten. Besonders da er wusste, worum es sich bei diesem Anruf handelte. Er war erst ein paar Stunden lang in der Stadt gewesen, als er trotz seiner Beurlaubung einen „offiziellen Befehl“ erhalten hatte. Er sollte einem Mann namens Rocky Smith auf den Zahn fühlen, dem das Fallschirmsportunternehmen „Texas Hotzone“ in San Marcus, gut vierzig Kilometer entfernt von Austin, gehörte. Anscheinend stand der ehemalige Soldat der Special Forces mit einem mexikanischen Drogenbaron in Verbindung. Wegen dieser Order war er überhaupt erst auf die Idee gekommen, mit Mark zum Fallschirmspringen zu gehen.

Als er an den Verandastufen ankam, erwartete ihn Marcie bereits am Treppenabsatz. Sie hatte die Hände in die Hüften gestemmt. „Jennifer ist mit dem Champagner weggefahren. Was hast du mit ihr angestellt?“

Er nahm immer zwei Stufen auf einmal. „Nichts.“ Er hatte allerdings viel mit ihr anstellen wollen. Jeden Zentimeter ihrer Haut küssen zum Beispiel.

Marcie sah ihn skeptisch an und reichte ihm das Telefon. Er bekam die Anweisung, über eine abhörsichere Telefonverbindung erneut Kontakt aufzunehmen, und legte auf.

„Das war alles?“, fragte sie perplex.

Er nickte. „Ich soll Meldung machen.“

„Nicht jetzt?“

„Nein, am Tag nach der Hochzeit“, meinte Bobby. Tatsächlich hatte er ein paar Tage mehr Zeit, sich zu entscheiden, ob er sich für eine weitere Dienstzeit als Soldat verpflichtete. „Weißt du, wenn du weiterhin so aufgewühlt und gereizt bist, wirst du Mark noch vertreiben, bevor er dir sein Jawort gegeben hat.“

Marcie machte den Mund auf, um zu protestieren, machte ihn dann aber wieder zu. „Ich weiß.“

„Ihr seid beide nervös und aufgeregt“, meinte Bobby. „Wenn dein zukünftiger Ehemann zum Fallschirmspringen gehen will, um der Hektik rund um den großen Tag einige Stunden lang zu entgehen, solltest du ihn nicht zurückhalten. Begleite ihn.“

„Ich will nicht, dass er sich verletzt.“

„Ihm passiert nichts. Und dir auch nicht. Versöhne dich mit ihm. Jetzt sofort. Rede mit ihm, und sorge dafür, dass die Hochzeit auch wirklich stattfindet, wegen der ich hergekommen bin. Wir sehen uns morgen.“

Als Marcie nickte und ins Haus ging, machte Bobby sich auf zu seinem Leihwagen. Er musste sich mit seinem Vorgesetzten beim Militär in Verbindung setzen, um zu berichten, was er bisher über Rocky in Erfahrung gebracht hatte. Jennifer arbeitete am kommenden Tag, also setzte er auf die Party am Abend, um sie zurückzugewinnen. Eigentlich war er froh über die Unterbrechung. Er war im Begriff gewesen, ihr sein Verhalten in der Vergangenheit zu erklären, doch es war wichtig, vorher sicherzustellen, dass sie ihm ohne Vorbehalte zuhörte.

3. KAPITEL

Als die Party startete, war Jennifer für ihren Plan, Bobby zu verführen, bestens gerüstet. Sie trug Cowboystiefel und hellblaue Röhrenjeans, die sie extra gekauft hatte. Dazu hatte sie sich für das rosafarbene, schmal geschnittene T-Shirt mit tiefem V-Ausschnitt und den BH von „Victoria’s Secret“ entschieden, weil sie wusste, dass ihre vollen Brüste darin besonders verlockend in Szene gesetzt wurden.

Nun stand sie auf der Terrasse hinter Marks und Marcies Haus und nippte an ihrem Champagner. Wie alle anderen Gäste auch hatte sie bei der Ankunft ihren Autoschlüssel abgeben müssen. Eine Maßnahme, auf der Mark vorsorglich bestand.

Im Garten hinter dem Haus standen die Bierfässer, dort war das Barbecue aufgebaut, lange Tische mit einem Buffet und dem Zubehör für die Margaritas standen bereit. Auf einer kleinen Tanzfläche tanzte ein Teil der zahlreichen Gäste – Freunde, und Nachbarn – ausgelassen zu Carrie Underwoods „Casanova Cowboy“, das der DJ gerade aufgelegt hatte.

Jennifers Partystimmung wurde nur dadurch getrübt, dass Marcie sie ebenso forschend wie neugierig musterte. Da sie den ganzen Tag über in ihrer Tierarztpraxis gewesen war, hatte sie bislang den Fragen ihrer Freundin aus dem Weg gehen können.

„Dieser Kuss gestern Abend, das tief ausgeschnittene T-Shirt heute, der pinkfarbene Lippenstift …“ Marcie nahm sich eine Erdbeere aus der Schale auf dem Tisch. „Du hast vor, mit Bobby ins Bett zu gehen und ihn dann abzuservieren, stimmt’s?“

Sie sah Marcie finster an. „Sei so gut und kümmere dich um deinen zukünftigen Ehemann und nicht um den Mann, der früher einmal mein zukünftiger Ehemann war, es aber nicht mehr ist.“

Ihre Freundin tauchte die Erdbeere in geschmolzene Schokolade. „Du findest ihn also noch immer zum Anbeißen?“

Jennifer lächelte. „Vielleicht.“ Die Wahrheit war, dass sie sich inzwischen an all die sexy Dinge erinnerte, die sie miteinander getrieben hatten. Außerdem war ihr nicht aus dem Kopf gegangen, wie einfach sich das Wiedersehen mit ihm gestaltete, wenn sie es beim Sex beließen. Und genau das hatte sie vor.

Mark kam zu ihnen. „Wir fangen gleich mit den Spielen an. Wie wäre es, wenn wir mit ‚Wahrheit oder Wagnis‘ beginnen?“

Marcies Augen leuchteten auf. „Ich kann es kaum erwarten.“ Sie fütterte Mark mit der angebissenen Erdbeere. „Tatsächlich kann ich mir alle möglichen Wagnisse vorstellen, die du für mich eingehen könntest.“

Trotz des Partytrubels nahm Jennifer Bobbys Stimme wahr. Ein Schauer rieselte ihr über den Rücken. Instinktiv sah sie hoch, als er durch die Tür kam, die auf die Terrasse führte. Seiner Ausstrahlung und Präsenz konnte sich niemand entziehen.

Ohne jeden Skrupel verschlang sie ihn mit Blicken. Sie wollte absolut keinen Zweifel daran lassen, dass es ihr nur um Sex ging. Die verblichene Jeans betonte seine langen, muskulösen Beine und die schmalen Hüften, das dazu passende Jeanshemd seine breite Brust. Er hatte immer einen sehr durchtrainierten Körper mit stahlharten Muskeln gehabt und war im Lauf der Jahre nicht nur reifer, sondern auch noch aufregender geworden. Das konnte sie nicht leugnen.

Auch sie war jetzt eine erwachsene Frau, die wusste, was sie wollte – ihn. Genauso wie einige junge Frauen, die sich in seiner Nähe versammelten. Jennifer kannte die Frauen nicht, aber es war offensichtlich, dass sie bereits beschwipst und auf ein sexuelles Abenteuer aus waren. Sie starrten Bobby an und kicherten, doch er hatte nur Augen für sie, Jennifer, und sie erwiderte seinen sinnlichen Blick.

Als der DJ „Let’s make love tonight“ von Marvin Gaye auflegte, lächelten sie sich an. Jennifer wusste, dass sie beide dasselbe dachten: Sie würden noch an diesem Abend miteinander ins Bett gehen. Sich wortlos inmitten einer Menschenmenge mit Bobby zu verstehen war nichts Neues für sie. So war es schon immer zwischen ihnen gewesen. Sie wandte sich ab, weil ihr klar war, dass er zu ihr kommen würde. Sie konnte es kaum erwarten. Die Aussicht, ihn auszuziehen und mit ihm zu schlafen, war ungeheuer verlockend. Ihm die Kleider vom Leib zu reißen und ihn zu verführen hatte ihr schon immer großen Spaß gemacht. Diesmal würde sie es besonders genießen.

„Wir stellen schon mal die Spiele zusammen.“ Marcie blinzelte ihr zu. „Viel Vergnügen bei deinen.“

Oh, den werde ich haben, dachte sie. Als Marcie und Mark ins Haus gingen, kam Bobby an ihre Seite. Sie nahm seinen erotischen Duft wahr und erschauerte. Es war lange her, dass allein schon die Nähe eines Mannes sie scharfgemacht hatte. „Du bist gekommen.“ Sie hielt ihr Glas hoch. „Willst du was trinken?“ Sie deutete auf den Tisch. „Oder essen?“

„Ich will nur dich.“ Er rückte näher an sie heran. „Ich bin deinetwegen gekommen“, fügte er mit tiefer, heiserer Stimme fast besitzergreifend hinzu.

Sofort wurde ihr unglaublich heiß. „Du bist wegen Marcie und Mark hier. Wie alle Gäste.“

„Ich gehe wegen Marcie und Mark zur Hochzeit.“ Bobby ließ sie nicht aus den Augen. „Zu dieser Party bin ich gekommen, um dich zu sehen. Genau aus diesem Grund bin ich zwei Wochen vor der Hochzeit hier aufgetaucht.“

Jennifers Herz klopfte heftig. Sie wollte das nicht hören. Betont lässig trank sie ihr Glas aus, dabei bemerkte sie, dass ihr der Champagner zu Kopf stieg. Verärgert stellte sie es auf den Tisch, legte eine Hand auf seine Brust und erhob sich auf die Zehenspitzen, bis ihr Mund nur noch Zentimeter von seinem entfernt war. Jetzt konnte sie ihn fast schmecken. Genau das wollte sie, ihn küssen, alles vergessen und sich in ihren Empfindungen verlieren. „Wenn du mir zu erklären versuchst, warum du hier bist oder warum du damals weggegangen bist, werde ich böse. Also halt den Mund, wenn du mich willst.“

Er legte eine Hand auf ihre. Seine blauen Augen wirkten fast schwarz. „Ich will dich, aber ich halte nicht den Mund, bevor du dir angehört hast, was ich zu sagen habe. Wenn das bedeutet, dass du böse wirst, dann nehme ich das in Kauf. Damit kann ich umgehen.“

„Ich nicht“, sagte sie. „Dann sehe ich dich also beim Abendessen nach der Hochzeitsprobe – und nicht vorher.“ Sie versuchte, ihn wegzuschieben.

Bobby zog sie an sich und hielt sie fest. „Wir sind noch nicht fertig.“

„Sagst du“, erwiderte Jennifer atemlos.

„Richtig. Das sage ich.“

„Du hast aber nichts zu sagen. Schon seit sieben Jahren nicht mehr, seit du mich verlassen hast, ohne auch nur zurückzuschauen.“

„Ich habe an jedem Tag in diesen sieben Jahre zurückgeschaut“, entgegnete er brüsk.

„Ich will das nicht hören.“ Dennoch ging sie mit, als er sie zur Verandatür zog. Er wollte reden? Auch gut. Dann würden sie eben reden. Sie hatte ihm eine Menge zu sagen. Am liebsten hätte sie ihn angeschrien oder ihm etwas an den Kopf geworfen.

Sie hatten noch nicht einmal die Tür erreicht, als Sally, die zierliche Kellnerin, ihnen in den Weg trat und sie aufhielt. „Die Polizei ist da! Sie wollen zu Mark und Marcie!“

Jennifer blieb fast das Herz stehen. Das konnte nicht wahr sein. Sie hatten vorher mit allen Nachbarn geredet und angekündigt, dass es lauter werden könnte. Flehentlich sah sie Bobby an. „Lass mich los. Ich muss dafür sorgen, dass der DJ die Lautstärke drosselt!“ Im selben Moment setzte die Musik aus. Eine Polizistin mit hochgesteckten Haaren und sehr weiblicher Figur und ein breitschultriger, muskulöser Polizist betraten den Garten. Die anderen Gäste murmelten etwas und lachten leise.

Bobby zog sie an seine Seite. „Ist es das, wofür ich es halte?“

„Ich hoffe nicht. Marcie und Mark haben ausdrücklich darauf bestanden, dass sie nicht …“

„Was ist los, zum Teufel?“, wollte Marcie wissen.

„Ich bin auf der Suche nach dem Besitzer des Hauses“, sagte die Polizistin.

„Das bin ich“, meldete Mark sich.

Die Polizistin sah ihn streng an und trat dicht an ihn heran. „Ich fürchte, die Musik ist zu laut.“ Nur wenige Zentimeter vor ihm blieb sie stehen.

„Hat sich jemand beschwert?“, fragte Marcie schnell. „Wir haben mit den Nachbarn geredet und …“

„Ich beschwere mich.“ Der Polizist kam zu ihr und blieb ebenfalls nur Zentimeter entfernt von ihr stehen. „Entweder drosseln Sie die Lautstärke, oder Sie drehen die Hitze auf. Machen Sie eine entsprechende Meldung auf der Tanzfläche, Ma’am.“

Marcie wurde blass. „Wie bitte?“ Mit leichter Panik in der Stimme wandte sie sich an ihre Freundin. „Jennifer?“

Jennifer konnte Marcies Panik nachvollziehen. Sie hatte ihr ausdrücklich versprochen, dass es auf der Party keine Stripper geben würde, doch sie war ziemlich sicher, dass die „Polizisten“ genau das waren. Als Trauzeugin war es ihre Aufgabe, die Sache in Ordnung zu bringen. „Da muss ein Fehler passiert sein.“ Sie trat vor, doch Bobby zog sie zurück und schlang die Arme um ihre Schultern.

„Es ist zu spät“, meinte er, als sie widersprechen wollte.

Die Art, wie er ihre Reaktion vorhergesehen hatte, und die Art, wie er sie anfasste – so vertraut, als wäre er nie fort gewesen –, berührten sie tief. Zu ihrem Entsetzen nahm die Polizistin die Mütze ab und ließ ihr Haar über die Schultern fallen. Im nächsten Moment wurden Marcie und Mark zur Tanzfläche geführt und auf Stühle platziert. Alle Gäste versammelten sich um sie.

Sie und Bobby blieben nebeneinander hinter den anderen Gästen stehen, waren aber noch nah genug am Geschehen, um eine gute Sicht zu haben. „Du solltest weglaufen“, meinte Jennifer. „Denn Marcie wird mir dafür die Schuld geben und dich für meinen Komplizen halten, wenn du in meiner Nähe bist.“ Sie fuhr zusammen, als Marcie dem Polizisten einen Klaps auf den Hintern gab. Er hatte ein Kleidungsstück nach dem anderen abgelegt und war inzwischen fast nackt, ebenso wie seine Kollegin. „Du meine Güte.“

Bobby lachte. „Ich denke nicht, dass sie sauer ist. Und Mark auch nicht. Im Gegenteil. Er scheint begeistert zu sein.“

Jennifer sah zu Mark hinüber und musste Bobby recht geben. „Das ist mir alles zu abstrus.“ Sie wandte sich ab. „Die beiden heiraten demnächst und amüsieren sich gemeinsam mit Strippern.“

„Wir können ins Haus gehen und selbst Räuber und Gendarm spielen“, bot er amüsiert an.

„Ich dachte, du wolltest nur reden und nicht spielen.“

Er zog sie an sich. „Ich habe dir gesagt, dass ich nur dich will. Auf jede erdenkliche Weise.“

Sie musterte ihn argwöhnisch. „Taten sagen mehr als Worte“, erwiderte sie. „Sex ohne jegliche Bedingungen. Entweder nimmst du das Angebot an, oder du lässt es bleiben.“

Bobby strich über ihre Hüfte, und sie erschauerte.

„Du hast doch gesagt, dass du nicht der Typ bist, der sich auf eine zweiwöchige Affäre einlässt. Was ist aus dieser Ansage geworden?“

Jennifer hatte diese Szene in ihrer Fantasie schon hundertmal durchgespielt. „Ich habe entschieden, dass ich mit dir so eine Affäre haben will.“ Sie wollte ihn gerade ins Haus führen, als ein Raunen durch die Menge ging.

„Wo ist die Trauzeugin?“, erklang die Stimme des vermeintlichen Polizisten. „Die Braut möchte, dass die Trauzeugin zu ihr kommt. Wo ist Jennifer?“, rief er.

„Oh nein.“ Sie drehte sich zur Tanzfläche um. Bobby ließ sie los, blieb aber in ihrer Nähe. Der Stripper, der nur noch einen String trug, kam zum Rand der Tanzfläche und sah sie an.

„Sind Sie die Trauzeugin?“

„Ja“, antworteten die anderen Gäste unisono. „Das ist sie!“

„Sie müssen sich auf der Tanzfläche melden. Das ist ein Befehl der Braut.“

„Auf keinen Fall!“

„Ich bin hier, um der Braut zu Diensten zu sein. Wenn Sie nicht freiwillig mitkommen, muss ich Gewalt anwenden.“

Jennifer ergriff die Flucht, doch sie stolperte über ihre eigenen Füße, ruderte mit den Armen, wollte sich an einem der Tische festhalten und landete mit den Händen in der großen Schüssel mit der Schokoladenmousse. Entsetzt schrie sie auf.

Bobby war sofort bei ihr, schlang von hinten einen Arm um ihre Taille und zog sie an sich. Die Schokoladenmousse tropfte von ihren Händen. Jennifer schnappte nach Luft, als Bobby sie hochhob, sie wie ein Baby in den Armen wiegte und ins Haus trug. Sie hielt die beschmierten Hände in die Luft und wagte es nicht, sich an ihm festzuhalten. Als sie ihm einen verzweifelten Blick zuwarf, lachte er so mitreißend und sinnlich, dass ihr heiß wurde.

„Wenn du nicht sofort aufhörst zu lachen, weiß ich nicht, was ich tue“, drohte sie empört.

„Ich kann nicht anders.“ Er war mit ihr in der Küche angekommen. „Süße, wenn du vor meiner Nase in Schokoladenmousse fällst, hast du zwei Optionen: Entweder lache ich oder lecke die Mousse von dir ab.“ Er stellte sie vor der Spüle auf den Boden, sah sie voller Verlangen an, nahm eine ihrer Hände, hob sie an seinen Mund und leckte einen ihrer Finger ab. „Oder beides.“

Jennifer stockte der Atem. Es war nicht gerade nach Plan gelaufen, wie sie den Mann und die Schokoladenmousse bekommen hatte, aber sie beschwerte sich nicht, als er sich zu ihr beugte, um sie zu küssen.

Jennifers Ankündigung, sie sei mit einer kurzen Affäre einverstanden, und ihr Plan, ihn mit Sex abzuspeisen, machten Bobby sauer. Dennoch nützte ihm ihr Plan, denn er wusste, dass Sex der erotische und emotionale Schlüssel zu der Tür war, die in ihre gemeinsame Vergangenheit führte. Und das würde Jennifer auch bald herausfinden.

Er starrte sie an. Die Schokoladenmousse, die von ihren Händen tropfte, war das Einzige, was ihn davon abhielt, sie auf die Küchentheke zu setzen, sich zwischen ihre Schenkel zu drängen und sie leidenschaftlich zu küssen. Ach, was soll’s, dachte er, wen kümmern die paar Flecken? Sie würden später zusammen duschen. In dem Moment, als er sich zu ihr beugte, tropfte ein gewaltiger Klecks der Mousse auf seine Stiefel. Jennifer und er sahen nach unten. Als sie wieder aufschauten, trafen sich ihre Blicke, und sie lächelten sich an.

„Entschuldige“, sagte sie. „Ich sollte mich wahrscheinlich waschen, sonst mache ich alles noch schlimmer.“

Bobby musste grinsen. „So verlockend ich es finde, die Schokolade aufzulecken – eine strategisch bessere Platzierung wäre mir lieber.“ Damit brachte er Jennifer zum Lächeln. Er liebte ihr strahlendes Lächeln.

Sie wandte sich zur Spüle um, und er drehte für sie den Wasserhahn auf. „Wirklich zu dumm, dass ich angesichts des Strippers, der nicht einmal hier sein sollte, in die Mousse gefallen bin.“

„Mark und Marcie schienen die Überraschungsgäste nicht zu stören.“ Bobby machte seinen Stiefel sauber und ließ den Blick über Jennifers runden Po gleiten. Er war völlig verrückt nach ihr.

„Marcie ist nicht glücklich. Sonst hätte sie den Stripper nicht aufgefordert, mich um jeden Preis zu ihr zu bringen.“ Jennifer drehte das Wasser ab und griff nach einem Handtuch.

„Sie wusste, dass ich den Mann niemals auch nur in deine Nähe gelassen hätte.“ Er trat hinter sie und stützte die Hände rechts und links neben ihr auf der Spüle ab. „Ich habe dich vermisst, Jen.“ Er rieb sein Gesicht an ihren seidigen, langen blonden Haaren. Er wollte sie nicht nur – er brauchte sie.

„Bitte nicht“, flüsterte sie. „Sag nicht solche Sachen.“

„Ich kann nicht anders.“ Er legte eine Hand auf ihren Bauch. Sein Puls beschleunigte sich, während er daran dachte, wie er Jennifer früher in den Armen gehalten hatte, in sie eingedrungen war und gehört hatte, wie sie seinen Namen schrie. Er wollte sie wieder seinen Namen schreien hören. Immer wieder.

Sie legte eine Hand auf seine. „Wir waren uns einig, nicht zu diskutieren.“

„Nur Sex.“ Seine Stimme klang rau.

„Ja“, bestätigte sie sanft. „Nur Sex.“

Mit beiden Händen strich er ihr über die schmale Taille und die vollen Brüste. „Ist es das, was du willst?“

Jennifer gab einen erstickten Laut von sich und ließ den Kopf an seine Schulter sinken. „Ja“, wisperte sie.

Bobby streichelte ihre Brustwarzen durch den dünnen Stoff des Tops. „Ich erinnere mich an dein Parfüm. Es duftet nach Jasmin.“ Er schob das Top zur Seite und zupfte an ihren Brustspitzen, die hart wurden. „Weißt du, woran ich mich noch erinnere?“

Sie erschauerte. „Ich will es nicht wissen. Keine Erinnerungen.“

„Ich erinnere mich daran, wie feucht du wurdest, wenn ich deine Brüste gestreichelt und sie geleckt habe. Wenn ich es richtig anstelle, kommst du gleich hier in der Küche.“

„Nein.“ Jennifer rang nach Atem.

Bobby schob ihr das Top mitsamt dem BH herunter und zog aufreizend an den aufgerichteten Spitzen. „Wettest du darauf?“

„Ja“, wisperte sie und stöhnte lustvoll. „Darauf wette ich.“

„Hast du vergessen, wie sehr mich Herausforderungen reizen?“ Er lachte leise, hob sie hoch, setzte sie auf die Küchentheke und schob ihre Schenkel auseinander. Dann umfasste er ihre Brüste, presste sie zusammen und leckte an einer Spitze. „Denkst du immer noch, dass ich dich nicht hier zum Höhepunkt bringen kann?“

Jennifer keuchte, umklammerte die Kante der Arbeitsplatte und biss sich auf die Unterlippe. „Es ist nicht … wenn ich komme, dann deshalb, weil …“

Er saugte an der Brustspitze. „Weil ich es bin?“ Er legte die Hände an ihre Wangen. „Weil ich dich so gut kenne?“

Jennifer blinzelte. „Hör auf, Sex als Waffe einzusetzen.“

„Ist es nicht das, was du vorhast? Sex zu benutzen, um mich auf Distanz zu halten?“ Er konnte das nicht zulassen. Schließlich blieben ihm nur zwei Wochen Zeit, bis er die größte Entscheidung seines Lebens treffen musste, seitdem er Jennifer vor sieben Jahren verlassen hatte. Sollte er sich für eine weitere Dienstzeit bei der Armee verpflichten oder bei ihr bleiben? „Du hättest wissen müssen, dass dieser Plan nicht aufgeht. Dafür haben wir viel zu gut zusammengepasst. Das tun wir immer noch.“

„Und du solltest besser als jeder andere wissen“, entgegnete sie gepresst, „dass Sex manchmal einfach nur Sex ist.“

Da war er wieder – der Vorwurf, dass sie ihm nichts bedeutet hatte. „Denkst du, Sex war alles, was uns verbunden hat?“, fragte er betroffen.

Jennifer reckte das Kinn vor. „Etwa nicht?“

Bobby war frustriert, doch draußen hatte der DJ jetzt einen Countrysong aufgelegt. Plötzlich drangen gedämpfte Stimmen bis ins Haus. Offensichtlich war der Striptease vorbei, und sie würden nicht mehr lange ungestört sein. „Egal, wie unsere Beziehung damals zu Ende gegangen ist, Jennifer“, sagte er. „Wir waren ein Liebespaar.“ Er küsste sie lange und hart. „Ich lasse nicht zu, dass du das vergisst.“ Langsam zog er ihren BH und ihr Top wieder an Ort und Stelle – keinen Moment zu früh.

„Jennifer!“, hörten sie Marcie rufen.

„Das ist nicht vorbei.“ Bobby stellte sie auf die Füße. „Nicht annähernd.“

„Darauf wettest du besser nicht“, sagte Jennifer. „Sonst verlierst du.“

„Es ist Zeit, ‚Wahrheit oder Wagnis‘ zu spielen.“ Marcie stand in der Tür und kicherte.

Bobby beugte sich zu Jennifer. „Geh das Wagnis ein, zu Ende zu bringen, was wir angefangen haben.“ Er redete nicht von Sex, obwohl auch Sex ganz in seinem Sinn war. Er meinte die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft. „Fangen wir an zu spielen“, meinte er an Marcie gewandt.

Marcie ließ die Musik abstellen und informierte alle darüber, dass die Spiele beginnen sollten. Kichernd wandte sie sich an Jennifer: „Das wird ein Heidenspaß!“

Jennifers Nerven lagen blank. Sie hatte sich bereits mit Bobby auf ein Spiel eingelassen, und sie hatte die erste Runde verloren. Jetzt bekam sie es auch noch mit einer beschwipsten Marcie zu tun.

Eine Viertelstunde später hatten sich zwanzig Gäste auf Teppichen niedergelassen, die im Kreis auf der Tanzfläche lagen. Marcie saß neben Mark und deutete auf den anderen Platz neben sich. „Komm, Jen!“

Sie setzte sich und sah sich nach Bobby um, den sie seit dem Intermezzo in der Küche nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Gegen ihren Willen verspürte sie Enttäuschung. War er gegangen? Warum? Und warum kümmerte sie das überhaupt? Weil ich diesen Orgasmus haben will, den er mir versprochen hat, sagte sie sich und weigerte sich, eine andere Antwort auch nur in Betracht zu ziehen.

Als ob Bobby ihre Gedanken erraten hätte, tauchte er plötzlich direkt ihr gegenüber hinter Scott Wright, einem Nachbarn, auf. Jennifers Herz raste, als er sich zu Scott beugte und ihm etwas zuflüsterte. Eine Sekunde später stand Scott auf, und Bobby setzte sich auf dessen Platz. Er sah sie an und hob eine Augenbraue, um sie wissen zu lassen, dass er bereit für die zweite Runde ihres persönlichen Spiels war. Jennifer nahm die Stimmen um sich herum kaum mehr wahr, so intensiv war die sexuelle Spannung zwischen ihr und Bobby. Obwohl sie genau das Gegenteil geplant hatte, schmolz ihr Widerstand wie Schokolade in der Sonne.

Marcie stieß sie unübersehbar mit dem Ellbogen in die Seite. „Da ist Bobby. Hast du ihn gesehen?“

Jennifer wand sich, er dagegen verzog den Mund zu einem amüsierten Lächeln. Ihre Brustwarzen wurden hart, als sie daran dachte, was er mit seinem sexy Mund erst vor Kurzem alles angestellt hatte. Als Marcie eine Glocke läutete, zuckte sie zusammen.

Es wurde still, und Marcie sagte: „Hallo, ihr alle.“ Als die versammelten Gäste sie anstarrten, legte sie einen Arm um Jennifers Schultern und strich ihr durch die Haare. „Erkläre ihnen, wie das Spiel geht, Jen.“

Jennifer seufzte, löste sich sanft aus Marcies Umklammerung und sah in die Runde. „Also, es gibt ein Spielbrett, einen Würfel und einen Stapel mit Wahrheitskarten und einen mit Wagniskarten, die reihum gehen. Derjenige, der eine ungerade Zahl würfelt, muss eine Karte von jedem Stapel ziehen und sich dann entscheiden, ob er die Frage wahrheitsgemäß beantworten oder lieber das Wagnis eingehen will.“

„Ich füge eine weitere Regel hinzu! Das ist das Vorrecht der Braut.“ Marcie musterte die Mitspieler. „Wer weder das eine noch das andere tun will, muss ein Kleidungsstück ausziehen.“

Das ging nun wirklich zu weit. Jennifer schüttelte den Kopf und wollte aufstehen. Ihr reichte es. Das ging nun wirklich zu weit. Marcie hielt sie aber fest.

„Oh nein“, protestierte sie und wandte sich an die anderen Gäste: „Die Trauzeugin versucht, sich zu drücken.“

Stimmen wurden laut, die sie zum Bleiben aufforderten, und Jennifer hatte keine andere Wahl, als sich auf das Spiel einzulassen. „Die Braut und der Bräutigam fangen an“, rief sie, um sich zu rächen.

„In Ordnung!“ Marcie war begeistert. Sie würfelte eine gerade Zahl und gab das Brett an Mark weiter, der eine ungerade Zahl würfelte und zwei Karten zog. Marcie kicherte erwartungsvoll. „Lies laut vor, was auf den Karten steht.“

„Wahrheitskarte: Wer ist der beste Liebhaber bzw. die beste Liebhaberin, den oder die du jemals hattest?“ Mark grinste und sah Marcie an.

Sie lächelte. „Lies die andere vor.“

„Wagniskarte: Lege vor allen Mitspielern einen Striptease hin.“ Er überlegte nicht lange. „Ich entscheide mich für die Wahrheit. Marcie ist die beste Liebhaberin, die ich jemals hatte.“

Alle buhten und riefen, dass er zu leicht davongekommen sei.

„Ich bin der Bräutigam“, erklärte Mark. „So und nicht anders sollte es sein. Zumindest bis ich vor dem Altar stehe.“ Als Marcie ihn mit offenem Mund anstarrte, fügte er hinzu: „Das war nur ein Witz.“ Er gab ihr einen Kuss.

Danach war Sally an der Reihe. Jennifer hatte sie im Verdacht, die Stripper engagiert zu haben. Sie würfelte eine ungerade Zahl und zog zwei Karten. „Wahrheit: Hast du jemals einen Vibrator benutzt?“ Sie rümpfte die Nase. „Wagnis: Küsse die Person rechts neben dir. Mit Zunge.“

Diese Person war Mark. Würde das gut gehen? Marcie umklammerte Jennifers Arm. Alle starrten Sally an. Die Sekunden schienen quälend langsam zu verstreichen. Sally biss sich auf die Lippen und sagte: „Ich entscheide mich für die Wahrheit. Manchmal ist ein guter Vibrator besser als ein Mann, der nicht weiß, was er tut.“

Alle in der Runde atmeten erleichtert auf, weil das Unheil abgewendet war. Das Spiel ging weiter. Eine der Brautjungfern zog ihr T-Shirt aus und präsentierte sich im BH. Ein Freund von Mark und eine weitere Brautjungfer küssten sich leidenschaftlich, obwohl Jennifer gedacht hatte, dass die beiden sich nicht mochten. Dann wurde das Brett an Bobby weitergereicht.

Er würfelte eine ungerade Zahl und schaute ihr in die Augen. „Wahrheit“, las er vor. „Was ist das Unanständigste, was du jemals mit einer Feder getan hast?“ Er verzog den Mund langsam zu einem Lächeln, sah aber nicht hoch.

Jennifer merkte, dass sie rot wurde, weil sie genau wusste, woran er dachte. Vor Jahren hatte er sie einmal an die Bettpfosten gebunden und sie mit einer Feder fast um den Verstand gebracht. Sie konnte nur hoffen, dass er nicht vorhatte, das zu erzählen. Andererseits hatte er sieben Jahre lang Zeit gehabt, Dinge mit Federn anzustellen, an die sie vermutlich nicht mal im Traum dachte. Die Vorstellung deprimierte sie.

„Wagnis“, las er. „Trinke vier Tequila auf ex.“

Bobby starrte auf die Karte, und Jennifer wurde unbehaglich zumute. Der Bobby, den sie vor sieben Jahren gekannt hatte, würde niemals vier Tequila oder ähnlich hochprozentigen Alkohol trinken. Er genehmigte sich den ganzen Abend über höchstens eine Flasche Bier. Er hatte ihr erklärt, dass er nicht die Kontrolle verlieren wollte. Sie hatte aber vermutet, dass er deswegen kaum Alkohol anrührte, weil sein Vater zu viel trank. Er hatte jedoch nie darüber gesprochen und abgeblockt, wenn sie es versucht hatte.

Er hat sich mir gegenüber nie wirklich geöffnet, dachte sie. Vermutlich war Sex tatsächlich das Einzige gewesen, was sie verbunden hatte.

Einige Frauen begannen zu rufen: „Das Hemd. Zieh das Hemd aus, Bobby.“

Langsam suchte sein Blick sie, Jennifer, und schließlich zog er einen Stiefel aus, wofür die anderen ihn ausbuhten. Er zog auch den anderen Stiefel aus.

„Das ist alles, was ihr bekommt“, sagte er streng.

Jennifer war ungeheuer erleichtert.

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