Logo weiterlesen.de
TIFFANY SEXY, BAND 79

KATE HOFFMANN

Vorsicht, Verführer!

Sanft zieht Alex die eigenwillige Schönheit an sich. Im Schneesturm hat sie ihn gefunden, gerettet und in ihre Blockhütte gebracht. Jetzt ist sie nackt in sein Bett geschlüpft– als sei Sex das Natürlichste auf der Welt! Und so lernt Alex, der in Chicago den Ruf eines Verführers hat, in dieser Nacht etwas Neues: Wie es ist, sich rettungslos zu verlieben …

KATE HOFFMANN

Achtung, Abenteurer!

Furchtlos hat Weltenbummler Charlie die höchsten Berge bestiegen, die tiefsten Täler durchwandert – und nebenbei die heißesten Frauen gedatet. Aber jetzt kommt er an die Grenze der Gefahr! Denn in seinem Heimatort sieht er Eve wieder. Und seine hemmungslose Leidenschaft für sie scheint riskanter zu sein als alle Abenteuer, die er jemals bestanden hat …

KATE HOFFMANN

Halt, Herzensbrecher!

Damals war sie jung und leicht zu beeindrucken. Jung ist Angela noch immer – aber was Max Morgan angeht, um einiges schlauer! Noch einmal wird sie seinem Sex-Appeal nicht erliegen! Doch bei Max nützt auch der beste Vorsatz nichts: Zum zweiten Mal landet Angela in seinem Bett. Keiner liebt so gut wie er – was leider viel zu viele Frauen wissen …

IMAGE

PROLOG

„Angela@SmoothOperators.com

6. Januar, 5:30 h

Muss los zum Interview um 7 Uhr auf ‚Daybreak Chicago‘. Hoffe, Ihr vergesst nicht, den Fernseher einzuschalten. Ruft an und stellt Fragen! Bin ein bisschen nervös, aber gleichzeitig freue ich mich darauf. Später mehr.“

Angela Weatherby blickte hinauf zu den Videomonitoren, auf denen ihr Gesicht zu sehen war. Es wirkte viel zu ernst, also setzte sie rasch ein fröhliches Lächeln auf.

Ein Auftritt bei „Daybreak Chicago“ – was für eine Chance! Oder nicht? Plötzlich war sie sich nicht mehr sicher. Es ging um Beziehungsprobleme, und alle Welt schaute zu.

Auf ihrer Website „SmoothOperators.com“ war das etwas anderes, da war sie anonym, eine von vielen enttäuschten Frauen, die mit einem Vertreter der männlichen Spezies ein Hühnchen zu rupfen hatten. Aber hier im Frühstücksfernsehen, würde sie da nicht eher wie eine blöde Zicke rüberkommen?

Es war ein eiskalter Morgen. Angela fröstelte, als sie gemeinsam mit Celia Peralto vor die Tür des Fernsehstudios trat, um zum Parkplatz zu gehen. Celia war nicht nur ihre beste Freundin, sondern arbeitete auch für sie als Webmasterin. Als sie endlich wieder in Celias Wagen saßen, lehnte Angela sich zurück und atmete tief aus. „Und? Wie war ich? Sag mir die Wahrheit. Habe ich aggressiv gewirkt? Oder verbittert?“

„Nein, überhaupt nicht“, sagte Celia. „Du hast einen sympathischen Eindruck gemacht.“

„Nicht wie ein Moralapostel? Ich will, dass die Leute meine Website als praktische Lebenshilfe betrachten. Nicht als organisierten Männerhass. Ich mag Männer. Ich mag nur nicht, wie manche von ihnen sich Frauen gegenüber verhalten.“

Celia lächelte und startete den Motor. „Schätzchen, irgendjemand muss doch diese rücksichtslosen Machos zur Verantwortung ziehen.“

„Hast du Alex Stamos schon erreicht?“, fragte Angela, ohne auf die Bemerkung ihrer Freundin zu reagieren. „Er weicht meinen Anrufen schon seit einer Woche aus.“

„Ich habe seine Sekretärin gesprochen. Sie sagte, er sei in den nächsten Tagen geschäftlich unterwegs. Wahrscheinlich wird es schwierig, einen Termin bei dem Kerl zu bekommen, besonders, wenn er sich erst einmal über die Website informiert hat.“

„Vielleicht sollte ich diese Interviews bleiben lassen und so verfahren, wie ich es ursprünglich vorhatte.“

„Auf keinen Fall“, rief Celia. „Mach einfach mit dem Nächsten auf deiner Liste weiter und kümmere dich später um Stamos.“

„Du hast recht“, sagte Angela. „Ich könnte mir Charlie Templeton vornehmen. Oder Max Morgan.“ Ob diese Männer wirklich mit ihr reden würden? Möglicherweise musste sie ihre Strategie ändern.

1. KAPITEL

Alex Stamos starrte in die Dunkelheit. Die Scheinwerfer seines BMW bewirkten überhaupt nichts in dem Schneetreiben. Er konnte kaum den Straßenrand erkennen, und obwohl er nicht schneller als fünfzehn Meilen pro Stunde fuhr, behielt er nur mit Mühe die Kontrolle über das Fahrzeug.

Als neuer Geschäftsführer des Verlags Stamos Publishing hatte er schon einiges getan, um den Umsatz der Firma zu steigern, das war schließlich sein Job. Allerdings hatte er bis jetzt noch nie sein Leben aufs Spiel setzen müssen, um zu bekommen, was er wollte. Sein Handy, das auf dem Beifahrersitz lag, klingelte. Er griff danach und nahm das Gespräch an. „Ich stecke gerade mitten in einem Schneesturm“, sagte er. „Fass dich bitte kurz.“

„Was machst du denn in einem Schneesturm?“, fragte Tess. „Ich dachte, du wolltest heute Abend nach Mexiko fliegen und dich erholen.“

Alex hatte allerdings beschlossen, seinen Winterurlaub um ein paar Tage zu verschieben. Das Geschäft war so viel wichtiger als eine Woche Sonnenbaden und Windsurfen. „Ich muss mich erst um diese Sache hier kümmern. Ich fliege übermorgen.“

„Wo bist du jetzt?“

„Weit ab vom Schuss“, erwiderte er. „Door County.“

„Ist das nicht in der Nähe von Wisconsin?“

„Und du bist in Geografie durchgefallen, Schwesterherz? Wie das?“

Tess stöhnte. „Das war in der achten Klasse.“

„Es gibt hier einen Kunstmaler, den ich unbedingt kennenlernen muss. Er hat mich nie zurückgerufen, also habe ich beschlossen, ihm persönlich einen Besuch abzustatten.“

„Nun, falls es dich interessiert, ‚The Devil’s Own‘ bekam eine gute Kritik im ‚Publisher’s Review‘“, sagte Tess. Tess war Produktionschefin bei Stamos Publishing. Sie und Alex arbeiteten seit einem Jahr zusammen an einem neuen Geschäftskonzept, und jetzt gab es erste Anzeichen, dass sich die Anstrengungen gelohnt hatten. Bis letztes Jahr war Stamos Publishing nur als Verlag für Ratgeber und technische Leitfäden bekannt gewesen, und das Programm hatte ausschließlich aus Büchern mit so reizvollen Titeln, wie „Vegane Küche“ oder „Wie repariere ich meinen Rasenmäher?“ bestanden. Als neu eingesetzter Geschäftsführer war Alex jedoch entschlossen, die Firma in eine neue Ära zu befördern, und der erste Schritt dazu sollte die Publikation künstlerisch hochwertiger Comics mit anspruchsvollen Storys sein.

Schon als Kind hatte ihn das Familienunternehmen fasziniert. Während seine Freunde in den Sommerurlaub gefahren waren, hatte Alex in der Buchbinderei und in den verschiedenen Abteilungen gearbeitet und wirklich alles gelernt, was es über das Druck- und Verlagsgeschäft zu erfahren gab.

Damals hatte er davon geträumt, Stamos Publishing zur Nummer eins in der Comic-Branche zu machen. Vor allem hatte er gehofft, auf diese Weise jederzeit alle Comics zu bekommen, die er wollte. Aber als er älter wurde, begann er, sich ernsthafter mit den Angelegenheiten des Verlags zu beschäftigen. Er erkannte die Schwachstellen im Geschäftskonzept seines Vaters und schwor sich, die Dinge zu ändern, falls er je die Gelegenheit dazu erhalten sollte.

Diese Gelegenheit kam bald, wenn auch aus traurigem Anlass. Sein Vater war überraschend gestorben. Das war nun vier Jahre her. Vorübergehend hatte sein Großvater die Geschäftsleitung übernommen, jedoch nur so lange, bis Alex an dessen Stelle treten konnte. Somit hing jetzt das Wohlergehen der ganzen Familie – Geschwister, Cousins und Cousinen, Tanten und Onkel – davon ab, dass die Firma schwarze Zahlen schrieb.

„Ich lasse eine zweite Auflage von vierzigtausend drucken“, sagte Tess. „Ich weiß, das ist doppelt so viel wie bei der ersten Auflage, aber ich glaube, der Umsatz ist gut genug dafür.“

„Wir hatten offensichtlich recht mit diesen Bilderromanen“, sagte Alex und hielt den Blick auf die Straße gerichtet. Es waren genau genommen keine richtigen Comics, aber so etwas Ähnliches. Die Storys waren ein bisschen origineller und die Illustrationen innovativer. Sie kamen bei den Lesern sehr gut an, und zwar in allen Altersgruppen. Alex Stamos war entschlossen, sich einen ordentlichen Marktanteil zu sichern. „Sonst noch etwas?“

„Mom ist sauer“, erzählte Tess. „Eine ihrer Bridge-Partnerinnen hat ihr diese Website gezeigt. Die über die ‚Cool Operators‘.“

„‚Smooth Operators‘“, verbesserte Alex. „Was hat sie gesagt?“

„Dass ein guter griechischer Junge keine gute griechische Frau finden wird, wenn er sich benimmt wie ein Malakas, ein Schlitzohr. Wenn du das nächste Mal zum Abendessen kommst, dann will sie mit dir reden.“

„Na toll“, brummte Alex. Bestimmt würde seine Mutter ihm ein paar Blind Dates mit ‚guten griechischen Mädchen‘ aufzwingen, die sie zuvor sorgfältig ausgewählt hatte.

„Manche sagen, jede Publicity sei gut fürs Geschäft, Alex, aber ich sehe das anders. Ich meine, du musst dich in dieser Sache unbedingt um Schadensbegrenzung kümmern, und zwar schnell. Ich betrachte gerade dein Profil auf dieser Website, und das ist alles andere als schmeichelhaft. Diese Frauen hassen dich. Lieber Himmel, ich hasse dich auch, wenn ich das lese, dabei bin ich deine Schwester.“

„Was soll ich tun? Etwa in aller Öffentlichkeit über mein Liebesleben diskutieren?“

„Wie kommst du denn darauf?“

Alex fluchte lautlos. „Die Autorin der Website hat angerufen, weil sie mich interviewen will. Angela … wie heißt sie gleich? Weatherall? Oder Weathervane?“

„Sie will mit dir sprechen?“

„Ich vermute, entweder das oder sie will mir eine Strafpredigt halten. Aber ich bin mir so gut wie sicher, dass ich nie mit ihr ausgegangen bin.“ Wieder fluchte er leise. „Wieso glaubt sie, dass die Schuld bei mir liegt? Einige Frauen sollten sich besser mal an die eigene Nase fassen. Nach drei Verabredungen denken sie ans Heiraten.“

„Du hattest sehr viele Freundinnen. Hör zu, Alex, ich weiß, dass du ein netter Kerl bist. Wieso bloß findest du keine Frau?“

Der Wagen geriet ins Schleudern, und Alex hatte alle Hände voll zu tun, ihn wieder unter Kontrolle zu bringen. „Darüber denke ich nach, wenn ich wieder da bin.“

„Dieser Künstler muss wirklich gut sein, wenn du sogar durch einen Schneesturm fährst, um ihn zu besuchen.“

„Ein bisschen Schnee kann mich nicht aufhalten“, erwiderte Alex. „Und dieser Mann ist nicht nur gut, er ist … unglaublich. Komischerweise scheint er kein Interesse daran zu haben, dass seine Sachen veröffentlich werden. Oder er verhandelt schon mit einem anderen interessierten Verleger.“

„Und du fährst stundenlang durch den Schnee, weil du hoffst, ihn auf deine Seite ziehen zu können?“

„Ich kann sehr überzeugend sein“, sagte Alex. „Mein Charme funktioniert nicht nur beim anderen Geschlecht. Und falls ich doch seine erste Wahl sein sollte, dann habe ich die Chance, ein neues Talent zu einem sehr günstigen Preis an uns zu binden. Ich werde alles daransetzen, mit einem Vertrag in der Tasche zurückzukommen.“

Wieder geriet der Wagen ins Schleudern, und Alex ließ das Handy fallen, um das Lenkrad mit beiden Händen halten zu können. Er nahm den Fuß vom Gas und tastete mit der Hand im Fußraum nach dem BlackBerry. Ohne Erfolg. „Ich muss mich aufs Fahren konzentrieren“, rief er laut. „Sonst lande ich noch im Graben. Ich rufe dich später vom Hotel aus an.“

„Gib mir Bescheid, sobald du angekommen bist“, sagte Tess noch zum Abschied, ohne dass Alex ihre Worte hören konnte.

Schließlich fand er das Handy und schob es in die Jackentasche. Im Sommer war Door County meistens voller Menschen, doch mitten im Winter war auf den Landstraßen kaum etwas los.

War er der Einzige, der verrückt genug war, durch einen Schneesturm zu fahren? Alex starrte angestrengt auf die Straße. Wo war der Fahrbahnrand? Der Schnee fiel in immer dichteren Flocken, und Alex konnte nichts mehr sehen. Nahezu lautlos stieß er gegen eine Schneewehe, kam erneut ins Rutschen und landete im Straßengraben.

Diesmal fluchte er laut und ausführlich. Was sollte er tun? Der Wagen bewegte sich weder vorwärts noch rückwärts. Selbst wenn es Alex gelänge, den Wagen aus dem Straßengraben zu bewegen – die Straße war kaum noch als solche auszumachen. Er hatte nicht einmal eine Schaufel dabei.

Alex zog die Handschuhe an, die bis jetzt auf dem Beifahrersitz gelegen hatten. Wenn er die Räder vom Schnee befreien könnte, würde er es vielleicht schaffen, den Wagen wieder auf die Straße zu bringen. Wenn nicht, müsste er den Automobilklub anrufen. Er holte eine Taschenlampe aus dem Handschuhfach und stieg aus. Mit den Füßen versank er tief im Schnee.

Es war so dunkel und es schneite so stark, dass die Taschenlampe kaum etwas nützte, also steckte Alex sie in seine Manteltasche. Er begann, mit beiden Händen den Schnee unter den Rädern wegzuschaufeln, doch für jede Handvoll, die er beseitigte, fielen zwei Handvoll neuen Schnees. Alex wusste, das einzig Vernünftige wäre, sich in den Wagen zu setzen und Hilfe zu rufen.

Er nahm sein Handy aus der Tasche, doch seine Handschuhe waren nass und seine Finger taub von der Kälte. Das BlackBerry glitt ihm aus der Hand und war im nächsten Moment im Schnee verschwunden. „Verdammt, verdammt“, schimpfte er. Hatte es überhaupt einen Sinn, nach dem Handy zu suchen?

Er entschied sich dagegen, es wäre jetzt sowieso nicht mehr zu benutzen. Alex stapfte zurück zur Fahrertür, als vor ihm auf der Straße Scheinwerfer auftauchten. Einen Moment lang fragte er sich, ob der Fahrer ihn überhaupt wahrnehmen würde, doch zu seiner Erleichterung hielt der SUV an. Alex watete durch den Schnee darauf zu. Das Beifahrerfenster wurde heruntergekurbelt.

„Hallo“, sagte Alex und beugte sich vor. „Ich stecke fest.“

„Das sehe ich“, antwortete eine weibliche Stimme.

Alex konnte ihr Gesicht nur schemenhaft erkennen. Sie trug eine riesige Fellmütze mit Ohrklappen und einen dicken Schal, der die untere Hälfte ihres Gesichts verbarg. Eigentlich sah man nur ihre Augen.

„Können Sie mich in die Stadt mitnehmen?“

„Nein“, sagte sie. „Von dort komme ich gerade. Die Straße ist praktisch unpassierbar. Ich bin auf dem Heimweg.“

Ihre Stimme klang sehr weich und ein klein wenig rau … irgendwie sexy. Alex verspürte eine gewisse Reaktion in seinem Körper.

„Ich würde einen Abschleppdienst anrufen, aber ich habe mein Handy verloren.“

„Steigen Sie ein“, sagte sie. „Sie kommen mit zu mir. Von dort können Sie einen Abschleppdienst anrufen.“

„Ich hole nur rasch meine Sachen.“ Bis Alex Reisetasche, Laptop und Aktenmappe aus dem Wagen geholt hatte, war er über und über mit Schnee bedeckt. Er kletterte in den warmen Jeep und zog die Tür zu. „Danke“, sagte er. Als er über die Schulter blickte, sah er zwei Hunde auf der Rückbank sitzen. Sie beobachteten und beschnupperten ihn. Der größere der beiden schien eine Labradormischung zu sein, der kleinere hatte etwas von einem Terrier.

„Was machen Sie denn in so einer Nacht hier draußen?“, fragte die Frau.

„Das Gleiche könnte ich Sie fragen“, gab Alex zurück und lächelte. „Ich bin froh, dass Sie so mutig waren wie ich.“

„Leichtsinnig trifft es wohl eher. Übrigens fahre ich keinen Sportwagen.“

„Es ist kein Sportwagen“, sagte Alex. „Sondern ein ganz normales Auto.“ Er musterte die Frau neugierig. Es war unmöglich festzustellen, wie alt sie war. Lediglich eine dunkle Haarlocke war unter ihrer Mütze hervorgerutscht. „Wohnen Sie in der Nähe?“

„Nur ein Stück die Straße runter.“

Er lehnte sich zurück. Er hätte nicht mehr sagen können, wo sich die Straße unter all dem Schnee befand, und doch schien die Frau genau zu wissen, was sie tat. Es dauerte nicht lang, da bremste sie und bog in eine Seitenstraße ab, die direkt in den Wald führte. Ein paar Minuten später fuhren sie durch eine schmale Einfahrt und hielten schließlich vor einem Blockhaus an. Die Frau wandte sich zu Alex. „Die Tür ist nicht abgeschlossen“, sagte sie. „Ich bringe den Wagen noch in die Garage.“

Alex nahm seine Sachen, stieg aus und kämpfte sich durch den knietiefen Schnee zur Tür. Als er seine komplett durchweichten Lederschuhe abklopfte, rannten die Hunde herbei.

Er öffnete die Tür einen Spalt weit, und die Tiere drängten sich an ihm vorbei in das spärlich beleuchtete Innere. Das Blockhaus bestand nur aus einem großen Raum. Decke und Wände waren mit Holz verkleidet. Eine Wand wurde fast vollständig von einem offenen Kamin eingenommen. Alex betrachtete staunend die außergewöhnliche Dekoration des Raumes: Jeder freie Platz war vollgestellt oder behängt mit Fundstücken aus der Natur – ein Vogelnest, ein Körbchen mit Eicheln, ein einzelnes Ahornblatt in einem Glasrahmen auf einem Tisch aus Weidenholz.

Alex blickte auf seine nassen Schuhe und machte einen Schritt weg vom Teppich. Er erstarrte, als die Hunde zu knurren begannen. Im Auto waren sie friedlich gewesen, doch jetzt erschien er ihnen wohl verdächtig, weil er ihr Revier betreten hatte.

„Das Telefon steht dort drüben.“

Die Frau stand im Halbdunkel auf der anderen Seite des Raumes. „Beißen die?“, fragte er und drehte sich um.

„Nur wenn ich es ihnen sage“, erwiderte sie leise, in ihrer Stimme schwang ein warnender Unterton mit. Kein Wunder, immerhin hatte sie gerade einem Fremden Zugang zu ihrem Zuhause gewährt. Woher sollte sie wissen, dass er kein psychisch gestörter Gewalttäter war – ein Gewalttäter mit einem teuren europäischen Wagen und italienischen Schuhen …

„Ich werde mich gut benehmen, Sie haben nichts zu befürchten“, versprach er.

Sie zuckte mit den Schultern und ging hinaus. Ihre Stiefel hinterließen kleine Pfützen auf dem Boden. Alex schlüpfte aus dem Mantel und warf ihn über einen Sessel. Dann zog er die Schuhe aus. Als die Hunde auf ihn zukamen, hielt er den Atem an. Sie schnupperten an seinen Füßen, dann schnappte sich jeder einen Schuh und hüpfte mit seiner Beute auf das Sofa.

„Gebt die sofort wieder her“, befahl Alex den Tieren. „Ihr könnt doch nicht meine Schuhe auffressen.“ Dann hörte er Schritte und wandte sich um. Sie stand ihm jetzt direkt gegenüber. Und sie war eine Schönheit.

„Hallo“, sagte er leise.

Ihre Augen waren dunkel geschminkt, ihr schulterlanges Haar war fransig geschnitten und einzelne Strähnen waren violett gefärbt. War das wirklich die Frau, die ihn gerettet hatte? Er hatte versucht, sich ihr Gesicht und ihren Körper vorzustellen, aber mit dem Erscheinungsbild, das sich ihm jetzt bot, hatte er überhaupt nicht gerechnet.

„Sie lieben Schuhe“, erklärte sie, nahm den Hunden die Schuhe ab und gab sie Alex zurück.

Erst nachdem er ihre Stimme gehört hatte, war er sicher: Das war seine Retterin. Aber wieso fühlte er sich so stark zu ihr hingezogen? Sie war genau das Gegenteil von den Frauen, die er normalerweise attraktiv fand. Er stand eigentlich auf hochgewachsene Blondinen, schlank und biegsam, durchtrainiert und vielleicht sogar chirurgisch aufgepeppt. Diese hier war klein, hatte eine fast knabenhafte Figur und offenbar einen exzentrischen Geschmack.

„Legen Sie sie dort hinein.“ Sie deutete auf einen Schrank neben der Tür. „Türen können sie nicht aufmachen … noch nicht. Zurzeit überlegen sie, wie sie ihre Technik optimieren können, mit der sie fremde Eindringlinge zerreißen.“

Alex lächelte, doch sie erwiderte sein Lächeln nicht, sondern blickte ihn unverwandt und leicht misstrauisch an. Also verstaute er erst mal seine Schuhe und schaute sich dann um. „Nett haben Sie es hier. Leben Sie allein?“

„Nein“, antwortete sie. „Ich habe die Hunde. Und zwei Katzen. Und draußen im Stall zwei Pferde.“

„Eine richtige Arche Noah“, scherzte er. Sie erwiderte nur stumm seinen Blick. Er versuchte es direkter. „Sie sind also nicht verheiratet?“

„Und Sie?“

„Nein“, sagte er und grinste. Dann trat er auf sie zu und streckte die Hand aus. „Ich bin Alex Stamos.“ Einen Moment lang wartete er, dann ertrug er das Schweigen nicht länger. „Jetzt sind Sie an der Reihe, mir Ihren Namen zu sagen.“

„Tenley“, sagte sie, ohne ihm die Hand zu reichen.

„Ist das Ihr Vor- oder Nachname? Oder beides? Wie zum Beispiel Ten Lee?“

Statt ihm eine Antwort zu geben, schüttelte sie nur den Kopf. „Ich habe noch nicht zu Abend gegessen. Sind Sie hungrig?“

„Ich könnte tatsächlich etwas essen, Tenley.“

Eigenartiges Mädel mit einem eigenartigen Namen, dachte er. Aber faszinierend. Sie schien nicht den geringsten Wert darauf zu legen, ihn zu beeindrucken. Und sein Charme schien auf sie nicht die geringste Wirkung zu haben.

Normalerweise waren Frauen auf Anhieb von ihm hingerissen. Alex zog sein Jackett aus und hängte es über eine Stuhllehne. Seine Hose war feucht und seine Socken ebenfalls.

„Sie sollten wohl einen Abschleppdienst anrufen. Sonst verschwindet ihr Auto noch völlig unter dem Schnee. Da steht das Telefon.“ Wieder deutete sie auf den Apparat.

„Ich rufe den Automobilklub an.“ Alex zögerte. „Ich habe die Nummer gar nicht. Sie ist auf meinem BlackBerry gespeichert, und das liegt im Schnee.“

„Ich rufe Jesse an. Er hat in der Stadt eine Autowerkstatt.“ Alex schaute zu, wie sie wählte. Tenley war auf sehr unkonventionelle Weise ausnehmend hübsch. Alex atmete tief ein und wieder aus. Sie hatte einen sehr schönen Mund mit vollen, sinnlichen Lippen.

Als sie sich zu ihm umdrehte, blinzelte er und fühlte sich ertappt. Er hatte gerade begonnen, sich ihren Körper auszumalen, der noch unter der dicken Winterkleidung verborgen war. „Es wird eine Weile dauern“, sagte sie. „Möglicherweise bis morgen.“

„Haben Sie gesagt, dass das nicht geht?“

Ihre Mundwinkel zuckten – das erste Lächeln, das er ihr bis jetzt entlockt hatte. „Nein. Jesse hat alle Hände voll zu tun. Es gibt noch mehr Leute, die im Schnee feststecken. Sie sind immerhin in Sicherheit. Ihr Auto kann warten. Falls Sie nichts dagegen haben, mache ich uns jetzt etwas zu essen.“

Alex ärgerte sich im Stillen. Der Auftakt war wohl missglückt. Was soll’s, dachte er. Ein Abendessen zu zweit ist bestimmt amüsanter, als allein in irgendeiner Pension herumzuhocken. „Kann ich helfen?“, fragte er und folgte ihr in die Küche.

Alex saß auf einem hochbeinigen Stuhl an der Kochinsel und beobachtete Tenley. Die Spannung zwischen ihnen war fast körperlich spürbar. Die Luft schien zu knistern, als wäre sie elektrisch aufgeladen.

Was war nur in sie gefahren? Tenley hatte geglaubt, etwas Gutes zu tun, als sie ihn gerettet hatte. Dabei wäre Alex wahrscheinlich auch ohne sie zurechtgekommen. Sie hätte nach Hause fahren, den Sheriff anrufen und ihn um Hilfe bitten können. Aber nein, sie musste Alex hierher mitnehmen. Und jetzt würde sie ihren Gast wohl die ganze Nacht nicht mehr loswerden.

Tenley war es gewohnt, allein zu sein, mit den Hunden, den Katzen, den Pferden und den Geistern, die sie manchmal bis in ihre Träume verfolgten. Einen Fremden im Haus zu haben, brachte sie durcheinander – umso mehr, als dieser Fremde geradezu alarmierend gut aussehend war.

Wenn sie ehrlich war, fühlte sie sich in Gesellschaft anderer Menschen unwohl. Seit dem Unfall vor fast zehn Jahren hatte sie es sich zur Gewohnheit gemacht, Abstand zu halten zu allem, was auch nur im Entferntesten zu einer Beziehung führen könnte. Es war einfacher so. Ihren Bruder zu verlieren, hatte ihr die Kraft genommen, Gefühle zu entwickeln, und damit auch die Motivation, höfliche Konversation zu machen.

„Hören Sie auf, mich anzustarren.“ Tenley konzentrierte sich auf die Möhre, die sie gerade klein schnitt, und versuchte, Alex’ Blicke zu ignorieren. Sie spürte, dass ihr Gesicht heiß wurde, und kämpfte gegen den Impuls an, nach draußen zu rennen, um sich abzukühlen.

Es gab Arbeit im Stall, die Pferde mussten gefüttert werden. Sie müsste also nicht hier in der Küche bleiben. Aber zum ersten Mal seit sehr langer Zeit empfand Tenley so etwas wie … Interesse. Sie hätte nicht sagen können, warum, aber Alex’ neugieriger Blick ließ ihr Herz schneller schlagen. Er machte sie nervös – seit dem Augenblick, als er die Hand ausgestreckt hatte, um sich vorzustellen.

Vielleicht kam das daher, dass sie schon so lange allein lebte. Und momentan war sie nicht besonders glücklich. In den vergangenen Jahren war sie zufrieden gewesen in ihrer selbst gewählten Einsamkeit, mit langen Spaziergängen im Wald, mit ihren Tieren und gelegentlichen kurzen Affären. Aber in diesem Winter war es anders, und die Einsamkeit bedrückte sie immer mehr.

Sie reichte Alex eine Möhre und nutzte die Gelegenheit, ihn anzuschauen. Alex Stamos. Aus irgendeinem Grund kam ihr der Name bekannt vor, doch sie wusste nicht woher. Er war geschäftlich unterwegs. Vielleicht war er einer von diesen Immobilienleuten aus Illinois, die ein Hotel nach dem anderen auf der Halbinsel bauen wollten. Wahrscheinlich hatte sie seinen Namen irgendwo in der Zeitung gelesen.

Warum nur reagierte sie so stark auf ihn? Schließlich bevorzugte sie eher Männer, die ein klein wenig raubeinig waren. Meistens suchte sie sich einen Touristen aus, von dem sie sicher sein konnte, dass er über kurz oder lang wieder aus ihrem Leben verschwinden würde. Ein paar Affären mit Männern aus der nahe gelegenen Kleinstadt hatte sie jedoch auch schon gehabt.

Tenley richtete den Blick wieder auf die Arbeitsplatte. Es gab wohl nicht viele Frauen, die Alex Stamos von der Bettkante schubsen würden.

Noch einmal schaute sie zu ihm hinüber. Er beobachtete sie noch immer. Sie atmete tief ein und erwiderte seinen Blick. Für einen langen Moment sahen sie sich einfach nur an.

„Ich mag dieses Spiel“, sagte er. „Meine Schwester und ich haben das als Kind oft gespielt. Ich habe immer gewonnen.“

„Ich finde es unangenehm“, entgegnete Tenley. „Hat Ihnen nie jemand erklärt, dass das unhöflich ist?“

Er zuckte mit den Schultern und schaute woanders hin. „Doch, aber ich dachte, in diesem Fall gilt das nicht. Ich meine, es ist ja nicht so, dass Sie eine dicke Warze auf der Nase haben oder zwei Köpfe. Ich schaue Sie an, weil ich Sie sehr hübsch finde. Was ist daran verkehrt?“

„Ich bin nicht hübsch“, brummte sie und warf mit einer Zwiebel nach ihm. Dann schob sie ihm Messer und Schneidebrett zu. „Hier, schneiden Sie das klein.“

Tenley legte es nicht darauf an, dass er sie attraktiv fand. Seit einem Jahr gab sie sich größte Mühe, Männern aus dem Weg zu gehen. Der letzte Mann, mit dem sie geschlafen hatte, war mehr als nur ein kurzer Flirt gewesen. Sie hatte sich dabei ertappt, dass sie sich mehr wünschte, etwas, das sie nicht genau benennen konnte.

Aber sie wusste, wie es sich mit der Liebe verhielt. Wenn man sich körperlich anziehend fand, hatte man früher oder später Sex miteinander, dann noch mehr Sex, dann begann man sich zu mögen, und am Ende verliebte man sich ernsthaft. Aber Liebe war nie von Dauer. Tenley hatte ihren Bruder über alles geliebt. Sie hatte geglaubt, niemals über seinen Verlust hinwegzukommen. So etwas wollte sie nie wieder durchmachen.

„Ich frage mich, warum Sie geschminkt sind. Sie brauchen das gar nicht. Ich glaube, ohne Make-up wären Sie sogar hübscher.“

„Vielleicht will ich ja nicht hübsch sein“, murmelte Tenley.

Alex musste lachen. „Warum sollten Sie nicht hübsch sein wollen? Zumal Sie es wirklich sind.“

Seine Frage verunsicherte sie. Sie legte keinen Wert auf neugierige Männer, Männer, die sie über ihr Leben ausfragten, bevor sie mit ihr ins Bett wollten. Was ging es ihn an, warum sie tat, was sie tat? Er war völlig fremd hier und wusste gar nichts über sie. Und das sollte auch so bleiben.

Tenley drehte sich um und warf die bereits geschnittenen Möhren in einen gusseisernen Topf. Vielleicht hatten die Leute in der Stadt recht, und sie würde sich langsam in eine schrullige alte Jungfer verwandeln, die nur noch mit ihren Tieren redete.

„Mögen Sie Paprika?“, fragte sie und öffnete den Kühlschrank.

„Antworten Sie jemals direkt auf eine Frage?“

„Rot oder grün? Ich mag lieber rote.“

„Sie beantworten also keine Fragen“, stellte Alex fest. „Rot.“

Tenley lächelte. „Sie schmecken wirklich besser, nicht?“ Sie reichte ihm das rote Gemüse. Dann beugte sie sich über die Spüle, wusch sich das Make-up vom Gesicht und trocknete es mit einem Handtuch ab, das neben der Spüle hing.

Als sie die Augen wieder öffnete, hatte Alex einen merkwürdigen Ausdruck im Gesicht. „Besser?“, fragte sie.

„Ja“, erwiderte er leise. „Sie sehen … anders aus.“ Er zögerte. „Sie sind schön.“

Tenley schluckte und versuchte, nicht zu lächeln. „Danke“, sagte sie leise. „Sie auch.“

Kaum hatte sie es ausgesprochen, wollte sie sich auf die Zunge beißen. Das hatte sie jetzt davon − nur weil sie allein lebte und Selbstgespräche führte. Sie sprach aus, was sie dachte, ohne es zu merken.

Alex öffnete den Mund und schloss ihn wieder. „Danke.“

„Ich sage das nicht einfach so. Es stimmt. Wirklich, Sie sind sehr attraktiv.“ Oh nein, jetzt machte sie es noch schlimmer. „Ist mir nur aufgefallen, das ist alles. Ich lege es nicht darauf an … Sie wissen schon.“

„Nein, weiß ich nicht“, erwiderte er. Er ging mit der Paprika zur Spüle und wusch sie unter fließendem Wasser. „Aber Sie könnten es mir erklären.“

Jetzt gab es kein Zurück mehr. „So wie Sie mich ansehen … ich werde das Gefühl nicht los, dass Sie mit mir … flirten wollen.“

Alex drehte sich um und lehnte sich mit der Hüfte gegen den Küchentresen. „Stimmt. Spricht etwas dagegen?“

„Es wird nicht funktionieren. Ich … ich bin nicht daran interessiert.“

„Woran?“

„An Sex.“

Nun schob Alex die Brauen zusammen, dann schüttelte er den Kopf. „Denken Sie wirklich, ich habe es darauf abgesehen? Ich wollte nur ein bisschen Spaß haben. Mit Ihnen reden. Ich wollte nicht …“

„Ich will nicht, dass Sie denken, dass ich …“

„Oh, das habe ich nicht gedacht. Ich schätze, ich bin es gewohnt …“

„Ich verstehe. Und ich wollte Sie nicht …“

„Ich verstehe“, wiederholte er und machte einen Schritt auf Tenley zu. Sie hielt den Atem an.

Das war verrückt. Sie wollte, dass er sie küsste. Mit jedem anderen Mann wäre sie schon fast im Schlafzimmer. Aber Alex war anders. All diese Gefühle, die er in ihr weckte. Sie sehnte sich nach seiner Berührung, aber sie wusste, wie riskant das wäre. Sie war hin- und hergerissen zwischen Angst und Verlangen. Was sollte sie tun?

Alex nahm ihr die Entscheidung ab. Er strich mit den Fingerspitzen über ihre Wange, beugte sich vor – und eine Sekunde später berührten sich ihre Lippen. Ein heißer Schauer lief Tenley über den Rücken. Alex ließ sich Zeit, küsste sie nur und wartete auf ein Signal von ihr.

Tenley seufzte und öffnete die Lippen. Wieder überlief sie ein heißer Schauer. Lange nicht mehr hatte sie sich wie eine Frau gefühlt. Es war erstaunlich, was ein einziger Kuss bewirken konnte.

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, begierig, mehr von Alex zu bekommen. Es spielte keine Rolle, dass sie sich gerade erst begegnet waren. Und es war vollkommen egal, dass sie nichts über ihn wusste. Er löste wundervolle Empfindungen in ihr aus. Nur das allein zählte.

Alex löste sich kurz von ihr. Sie spürte seinen Atem an ihren Lippen. „Vielleicht sollten wir mit dem Abendessen weitermachen“, schlug er vor.

Tenley lächelte und nickte. Sie hatten noch die ganze Nacht. „Im Kühlschrank sind Weißwein und Bier, und in dem Schrank darüber steht eine Flasche Rotwein. Nimm dir, was du willst.“

„Was kochst du?“ Er spähte über sie hinweg in den Topf. „Riecht gut.“

„Camper-Eintopf. Was immer an Essbarem da ist, kommt in den Topf. Hackfleisch, Kartoffeln, Paprika, Möhren, Zwiebeln. Ich glaube, ich gebe noch ein bisschen Mais dazu.“

Kein Gourmet-Mahl. Kochen war nicht gerade ihre Stärke. Tenley fragte sich, ob sie überhaupt irgendwelche Stärken hatte. Als sie es hätte herausfinden sollen, war ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt worden.

Ihr Großvater war Kunstmaler, genau wie ihr Vater. Ihre Mutter schrieb Gedichte. Kreativität lag ihr also im Blut. Aber hinsichtlich ihrer Zukunft, genau wie in jeder anderen Hinsicht, hatte sie es nicht gewagt, ernsthafte Pläne zu machen, aus Angst, es würde doch nichts daraus werden. Also beschränkte sie sich darauf, ihren Großvater zu unterstützen, der eine eigene Kunstgalerie betrieb. Darin jedenfalls war sie gut, auch wenn es mehr ein Job war als ein Beruf oder gar eine Berufung.

Alex holte die Flasche Merlot aus dem Küchenschrank und stellte sie auf den Tresen. Tenley reichte ihm einen Korkenzieher, und er öffnete geschickt die Flasche und füllte zwei Gläser. „Ein schönes Blockhaus“, bemerkte er.

„Es gehörte meinen Großeltern. Mein Urgroßvater hat es für sie gebaut, als Hochzeitsgeschenk. Nachdem meine Großmutter gestorben war, zog Großvater in die Stadt, und ich bin hier eingezogen.“

„Was machst du beruflich?“

„Das Gleiche wollte ich gerade dich fragen“, gab Tenley zurück. „Was bringt dich mitten in einem Schneesturm nach Door County? Es muss etwas sehr Wichtiges sein.“

„Geschäfte“, antwortete Alex. „Ich bin hier, um einen Maler zu besuchen. T. J. Marshall. Kennst du ihn zufällig?“

Tenley stockte der Atem. Dieser Mann wollte ihren Großvater besuchen? Wie war das möglich? Sie war für alle Termine zuständig, und sie erinnerte sich nicht … Oh nein. Daher kannte sie seinen Namen. Alex hatte mehrmals eine Nachricht auf der Mailbox hinterlassen. Wegen eines Romans, den er veröffentlichen wolle. Jedoch arbeitete ihr Großvater bereits mit einem Verlag zusammen. Also hatte sie die Nachrichten ignoriert. „Ja“, sagte sie. „Jeder kennt ihn. Was willst du von ihm?“

„Er hat uns einen Bilderroman geschickt. Ich möchte ihn gern veröffentlichen.“

Tenley runzelte die Stirn. Ihr Großvater malte Landschaften. Er wusste nicht einmal, was ein Bilderroman war. Sie schon. Sie hatte sogar schon einmal einen für Josh Barton, den Nachbarssohn, geschrieben. Als Weihnachtsgeschenk und dafür, dass er sich um die Tiere gekümmert hatte. „Hast du ihn dabei?“, fragte sie.

„Ja.“

„Könnte ich ihn sehen?“

„Natürlich. Magst du Bilderromane?“

„Ich habe ein paar gelesen“, erwiderte sie.

„Dieser hier ist unglaublich. Sehr düster. Wer das geschrieben hat, muss von einigen Geistern verfolgt werden. Oder er hat eine tolle Fantasie. Es geht um ein Mädchen namens Cyd, das Tote auferwecken kann.“

Während Alex zu seiner Aktenmappe ging, nahm Tenley ihr Glas und trank drei große Schlucke. Wenn das ihr Roman war, wie hatte der in Alex’ Hände gelangen können? Hatte der vierzehnjährige Josh beschlossen, sich als Kunstagent zu versuchen?

Alex kehrte mit einem Aktenordner zurück und reichte ihn Tenley. „Die Geschichte ist sehr dramatisch und ungewöhnlich. Es ist schwer, Comics zu finden, die sowohl künstlerisch wertvoll sind als auch eine richtig gute Story enthalten. Hier ist beides der Fall.“

Tenley öffnete den Ordner und erkannte sofort das Titelblatt. Ihr Weihnachtsgeschenk für Josh! Sie blätterte durch die fotokopierten Seiten. Was hatte Josh getan? Er war begeistert gewesen, aber sie hätte nie gedacht, dass er eine Kopie machen und an einen Verlag schicken würde. Sie hatte ihm einfach nur ein Geschenk machen wollen. Josh war genau wie sie ein Fan von Bilderromanen. Der hier war allerdings nicht zur Veröffentlichung gedacht gewesen.

Tenley hatte schon immer ein widersprüchliches Verhältnis zu ihren künstlerischen Talenten gehabt. Es wäre doch nur folgerichtig gewesen, selbst als Künstlerin Karriere machen zu wollen. Tenley jedoch kämpfte dagegen an. Sie und ihr Bruder hatten immer davon geredet, eines Tages ihr eigenes Ding zu machen, Door County zu verlassen und sich in einer Großstadt Arbeit zu suchen. Sie hatte Schauspielerin werden wollen und Tommy Architekt.

Nach dem Bootsunfall hatte Tenley jedoch ihre Träume aufgegeben. Ihre Eltern waren vor Trauer fast durchgedreht und hatten sich schließlich scheiden lassen. Man hatte darum gestritten, wo Tenley leben sollte, und am Ende war beschlossen worden, dass sie in Door County bei ihren Großeltern bleiben sollte, während ihre Eltern an entgegengesetzte Küsten geflohen waren.

Sie spornten Tenley immer wieder an, als Malerin oder Bildhauerin mehr aus ihrem Talent zu machen. Doch als Künstlerin, die eigene Werke veröffentlichte, wäre sie noch verletzlicher, als sie sich jetzt schon fühlte. Es gab so viele Arten, verletzt zu werden, und so viele Erwartungen, die nie erfüllt werden konnten. Nachdem Tenley in all den Jahren ein einziges Mal etwas niedergeschrieben hatte, führte das Schicksal ausgerechnet diesen Mann zu ihr? Was sollte das bedeuten?

„Das ist interessant“, murmelte sie. „Aber ich glaube, da treibt jemand sein Spiel mit dir. T. J. Marshall malt Landschaften. Das ist nicht von ihm.“

„Du kennst seine Arbeit?“

„Ja. Alle kennen seine Arbeit. Er hat in der Stadt eine Galerie. Vielleicht meinst du einen anderen T. J. Marshall.“

„Wie viele Personen mit diesen Initialen gibt es denn in Sawyer Bay?“, fragte Alex.

Zwei, dachte Tenley. Thomas James und Tenley Jacinda. „Nur eine“, log sie.

„Und du kennst ihn? Dann kannst du mich ihm vorstellen. Erzähl mir von ihm. Wie alt ist er? Was für einen Background hat er? Hat er früher schon kommerzielle Illustrationen gemacht?“

Was sollte sie ihm antworten? Dass es Tenley Jacinda Marshall war, nach der er suchte? Dass sie sechsundzwanzig Jahre alt war, keinen Abschluss in Kunst oder Design aufzuweisen und ihr bisheriges Leben in Door County verbracht hatte? Und dass sie nie vorgehabt hatte, jemand anderem außer Josh Barton ihre Story vorzulegen?

„Ich weiß, das wird sich verkaufen. Es ist genau das, wonach der Markt jetzt verlangt“, fuhr Alex fort. „Eine Protagonistin, eine dichte Story mit moralischen Konflikten und großartige Bilder.“

Wollte er ihr tatsächlich etwas dafür bezahlen? Ein bisschen mehr Geld wäre nicht schlecht. Pferdefutter, Tierarztrechnungen – das Leben war nicht billig. Mehr Geld bedeutete jedoch mehr Verantwortung. Sie mochte ihr Leben jedoch so, wie es war: unkompliziert.

„Ich mache jetzt mal den Salat“, sagte sie.

Alex streckte die Hand aus und hielt sie am Arm fest. „Versprich mir, dass du mich ihm vorstellst“, bat er. „Es ist wichtig.“

„Also gut“, sagte Tenley. „Aber heute nicht mehr.“

Er lachte. „Nein, heute nicht mehr.“ Er beugte sich vor und gab ihr einen schnellen Kuss auf die Lippen. Dann blickte er sie fragend an. „Wirst du mir jemals etwas über dich erzählen?“

„Mein Leben ist nicht besonders interessant“, sagte Tenley. Sie erschauerte, als Alex ihr Kinn streichelte. Obwohl sie ihn kaum kannte, sehnte sie sich nach seiner Berührung. Er war hergekommen, um sie zu sehen, doch sie hatte das Gefühl, dass es besser wäre, ihre Identität nicht preiszugeben – jedenfalls nicht innerhalb der nächsten zwölf Stunden.

„Du hast mich vor der Katastrophe bewahrt“, sagte er. „Ich hätte dort draußen erfrieren können.“

„Früher oder später wäre jemand vorbeigekommen“.

Sie schwiegen, während sie das Abendessen vorbereiteten. Doch Tenleys Gedanken rasten. Früher war es immer so einfach gewesen, sich von einem Mann zu nehmen, was sie wollte. Körperliche Lust ist ein Bedürfnis, das man stillt, redete sie sich ein. Sie wählte ihre Partner fürs Bett sorgfältig aus und zögerte nicht, wenn sie einen passenden gefunden hatte.

Jetzt war es völlig anders. Eine derart starke Anziehung hatte sie noch nie empfunden. Es war, als gäbe es eine Verbindung zwischen ihnen, die tiefer reichte als alles, was Tenley bisher erlebt hatte. Alex sah unglaublich gut aus mit seinem dunklen Haar, seinen dunklen Augen und einem offenbar perfekten Körper. Er war intelligent und humorvoll, und er machte den Eindruck, als könne er eine Frau nach allen Regeln der Kunst verführen.

Es wäre vielleicht nicht schlecht, sich mal verführen zu lassen, anstatt selbst den Anfang zu machen. Alex sollte sich beeilen, sie hatten nur diese Nacht. Morgen würde er herausfinden, wer hinter den Initialen T. J. Marshall steckte. Und dann würde sich alles ändern.

„Möchtest du noch Wein?“, fragte Alex.

Tenley nickte. „Gern.“

Sie aßen vor dem Kaminfeuer. Alex war sich der sexuellen Spannung zwischen ihnen deutlich bewusst. Die Umgebung war ja auch überaus romantisch – ein offenes Feuer, draußen ein Schneesturm, und die Nacht hatte erst begonnen. Bei jeder anderen Frau hätte er seinen Charme spielen lassen, und es hätte keine Stunde gedauert, bis er sie gehabt hätte. Aber etwas an Tenley bewog ihn, sich Zeit zu lassen. Sie war nicht irgendeine Frau, sie faszinierte ihn auf eine nie gekannte Weise.

Im Laufe der Zeit hatte Alex seine Verführungstechnik perfektioniert. Die meisten Frauen fanden es abstoßend, wenn ein Mann nach ein paar gemeinsam verbrachten Stunden schon mit ihnen ins Bett hüpfen wollte. Also hatte er gelernt, sich zu beherrschen. Er schlief niemals mit einer Frau gleich bei der ersten Verabredung. Auch nicht nach der zweiten. Ab der dritten jedoch sah er keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten.

Im Moment fiel es ihm ausgesprochen schwer, nicht an Sex denken. Vor allem aber war er nicht sicher, ob er die Zeichen richtig deutete. Er fand Tenley höllisch sexy, hatte aber keine Ahnung, ob sie beide auf dasselbe zusteuerten. In dem einen Moment schien sie interessiert zu sein, im nächsten Moment überhaupt nicht.

Das Gespräch verlief harmonisch, doch es war nicht gerade informativ. Immerhin hatte er erfahren, dass Tenley schon immer in Door County gelebt hatte und dass das Blockhaus ihren Großeltern gehört hatte. Ihr Vater war Maler, ihre Mutter schrieb Gedichte. Sie hatte es zwar nicht ausdrücklich erwähnt, doch wenn er ihre Bemerkungen richtig interpretierte, waren ihre Eltern geschieden. Als er gefragt hatte, wo sie wohnten, hatte sie schnell das Thema gewechselt.

Sie sorgte dafür, dass sich das Gespräch hauptsächlich um ihn drehte, um seine Firma, sein Leben in Chicago, seine Kindheit und vor allem um sein Interesse an Bilderromanen.

„Mein Großvater hat den Verlag 1962 gegründet“, erzählte Alex. „Zunächst ausschließlich für technische Handbücher, später auch für Leitfäden und Ratgeber, als ‚Doityourself‘ in Mode kam. Mein Vater hat dann die Firma übernommen und weitere Titel hinzugefügt. So spannende Sachen wie ‚Das perfekte Soufflé‘, ‚Ukulele für Anfänger‘ und so weiter.“

„Und dann kamst du mit deiner Idee für Bilderromane.“

„Ich lese Comics seit meiner Kindheit. Aber inzwischen sind Comics nicht mehr einfach nur Comics. Es sind faszinierende Mischungen aus Design und Fiktion. Die Besten wurden sogar verfilmt und haben damit einen neuen Trend gesetzt.“

„Und dieses Buch von T. J. Marshall? Warum findest du das so gut?“

„Die Geschichte ist … tragisch. Da ist die Heldin, die kurz mit dem Tod in Berührung kommt und danach entdeckt, dass sie Tote ins Leben zurückholen kann. Aber sie muss entscheiden, wer es wert ist und wer nicht. Diese Fähigkeit hält nur eine kurze Zeit an und verschwindet dann wieder. Dazu kommt, dass sie von der Regierung verfolgt wird, die ihre Fähigkeiten für ihre Zwecke missbrauchen will.“

„Und dir gefallen ihre – ich meine, seine Zeichnungen?“

„Ja“, erwiderte Alex. „Sie sind so … kraftvoll, sie schaffen eine düstere Atmosphäre, die genau der Story entspricht. Und ich finde es erstaunlich, dass jemand gleichzeitig so gut schreiben und so gut zeichnen kann.“

„Du willst diese Geschichte also veröffentlichen? So wie sie ist?“

Alex schüttelte den Kopf. „Nein. Es gibt schon ein paar Dinge, über die man sprechen müsste. Die Story muss erweitert werden. Es gibt eine Nebenhandlung, aus der man wesentlich mehr machen könnte. Außerdem habe ich ein paar Fragen zur Persönlichkeit der Heldin, und die Vorgeschichte enthält ein paar Ungereimtheiten. Dazu kommt, dass wir gerne eine Trilogie daraus machen würden.“

Tenley runzelte die Stirn. „Eine Trilogie?“

„Ja. Es soll mehr als nur ein Buch daraus werden. Der Erfolg eines Verlegers besteht nicht darin, ein Buch zu akquirieren, sondern eine Karriere aufzubauen.“

„Um richtig viel Geld zu machen?“

„Nicht unbedingt richtig viel. Kommt darauf an, wie sich das jeweilige Buch verkauft. Unsere Marketingabteilung ist hervorragend. Ich denke, die würden das hinbekommen, dass der Künstler recht gut davon leben könnte.“

Tenley stand auf und räumte den Tisch ab. Alex stand ebenfalls auf und folgte ihr mit der leeren Weinflasche in die Küche. Tenleys Stimmungsschwankungen waren ihm immer noch ein Rätsel, doch sie störten ihn nicht mehr so sehr wie am Anfang.

„Kann ich helfen?“, fragte er und stellte sich neben sie.

„Klar“, sagte sie.

Ihre Hände berührten sich, als er nach der Spülmittelflasche griff. Alex fühlte sich wie elektrisiert. Er nahm Tenleys Hand und strich mit den Fingern über die Innenfläche.

„Du hast schöne Hände“, stellte er fest. Ihre Nägel waren dunkelrot lackiert, und sie trug an mehreren Fingern Ringe, auch an den Daumen.

Alex zog einen nach dem anderen ab und legte sie auf den Rand der Spüle. Es war fast, als ob er Tenley ausziehen würde, um die Frau hinter der Fassade zu entdecken. Er führte ihre Hand an seine Lippen und küsste ihr Handgelenk.

Sie sah ihn stumm mit großen Augen an. Alex hielt den Atem an und wartete ab, wie sie reagieren würde.

Er küsste eine Fingerspitze, dann den ganzen Finger und erzielte damit genau die gewünschte Wirkung. Tenley lehnte sich an ihn, und einen Augenblick später trafen sich ihre Lippen.

Im Gegensatz zu ihrem ersten vorsichtigen Kuss war dieser sinnlich und intensiv. Alex schlang beide Arme um Tenley und drückte sie an sich. Ihre Lippen schmeckten nach Wein. Der Kuss machte ihn atemlos. Sein Herz pochte wild.

Er streichelte ihre Arme, dann legte er sie sich um den Nacken. Tenley seufzte leise und schmiegte sich an ihn.

Alex hatte das Gleiche schon mit allen möglichen Frauen getan, doch nie hatte es eine solche Wirkung auf ihn gehabt. Normalerweise hatte er sich genau unter Kontrolle, aber jetzt fiel es ihm schwer, sich zu beherrschen. Er wollte die Frau besitzen und herausfinden, wer sie war. Sie war süß, aber auch kompliziert, verletzlich, und trotzdem gleichzeitig tough. Und alles an ihr forderte ihn heraus. Alles an ihr weckte sein Verlangen.

Vielleicht war es das. Er kannte sich aus mit Frauen, er wusste, wie er mit ihnen umgehen musste, um sie ins Bett zu kriegen. Tenley war jedoch eine Herausforderung. Sie reagierte nicht wie andere Frauen auf seinen Charme. Aber es war nicht nur das, was ihn zu ihr hinzog. Sie lebte ganz allein hier im Wald, zusammen mit ihren Tieren. Wo war ihre Familie? Wo waren die Leute, die sie liebten? Und wie kam es, dass eine attraktive Frau wie Tenley keinen Lover oder Ehemann hatte?

Alex spürte, dass hier etwas nicht stimmte, und er verspürte ein überwältigend starkes Bedürfnis, aufzudecken, was Tenley offenbar vor ihm zu verbergen suchte. Sie hatte ihn vor dem Sturm und der Kälte gerettet, doch jetzt hatte er das Gefühl, als ob sie es wäre, die Rettung brauchte.

Das Telefon klingelte. Tenley zuckte zusammen und wich vor Alex zurück. Ihre Wangen waren gerötet und ihre Lippen feucht. „Ich … ich muss drangehen.“

Alex nickte und ließ sie los. Sie beobachtete ihn, während sie ans Telefon ging. Er lehnte sich gegen den Küchentresen und wartete, überzeugt, dass sie gleich dort weitermachen würden, wo sie gerade aufgehört hatten. Aber Tenley kehrte nicht zu ihm zurück, nachdem sie aufgelegt hatte.

„Jesse hat deinen Wagen in die Stadt gebracht“, sagte sie.

„Gut.“

„Aber erst nachdem der Schneepflug ihn gerammt hat. Er sagt, es ist nicht schlimm. Die hintere Stoßstange muss ausgetauscht werden. Und ein Seitenstück. Und ein Rücklicht. Und noch ein paar Kleinigkeiten.“

Alex stöhnte. „Kann ich noch damit fahren?“

„Nein, ich glaube nicht.“

„Toll“, brummte er. „Was zum Teufel soll ich denn jetzt machen?“

„Ich schätze, ich muss dich fahren“, erwiderte Tenley. „Heute Abend kommst du sowieso nirgendwo mehr hin, also was soll’s. Jesse sagt, die Schneepflüge arbeiten völlig umsonst, weil der Wind sofort alles wieder zuweht.“ Sie trat auf Alex zu. „Ich … ich muss nach den Pferden sehen.“

„Ich komme mit“, schlug Alex vor.

„Es ist schon spät. Du bist doch bestimmt müde. Du kannst das Gästezimmer haben, das ist am Ende des Flurs. Im Schrank vor dem Badezimmer sind Handtücher. Bedien dich einfach selbst.“

Sie holte ihre Stiefel von dem Platz neben der Hintertür und schlüpfte in ihre Jacke. Kurz darauf ging sie hinaus in den Sturm. Alex sah ihr an der Tür nach. Tenley verschwand in der Dunkelheit. Als der Wind ihm eine Ladung Schnee ins Gesicht blies, schloss er rasch die Tür und lehnte sich von innen dagegen.

Was als ganz normale Geschäftsreise begonnen hatte, hatte eine sehr interessante Wendung genommen. Sollte er es darauf ankommen lassen und zu Fuß Richtung Stadt wandern, oder sollte er die Nacht hier verbringen unter demselben Dach mit einer Frau, die ihn gleichermaßen faszinierte und verwirrte?

Er nahm seine Reisetasche und ging zum Gästezimmer. Als er den Lichtschalter endlich gefunden hatte, entdeckte er auf dem Bett zwei schlafende Katzen. Sie lagen so eng beieinander, dass man kaum die eine von der anderen unterscheiden konnte. Sie rührten sich nicht, als er die Reisetasche geräuschvoll abstellte, doch als die Hunde dazu kamen, öffneten sie die Augen und beobachteten die beiden misstrauisch.

„Ich fürchte, es wird Zeit für euch zwei“, sagte Alex und setzte die Katzen behutsam auf den Boden. Sie rannten sofort hinaus, die Hunde ihnen nach.

Dann ließ sich Alex aufs Bett fallen. Er schloss die Augen und dachte an den Kuss. Er hatte zwar keine Ahnung, wie es weitergehen sollte, aber er wünschte, sie wären nicht unterbrochen worden.

Er hatte schon viele Frauen gehabt, aber mit dieser hier fühlte sich alles … neu an. Als ob er es zum allerersten Mal ausprobierte. Er wollte sie, hier in seinen Armen, in seinem Bett. Aber er würde nichts weiter unternehmen. Er war ihr Gast und, sosehr er sie auch begehrte, er würde die Situation nicht ausnutzen.

Außerdem, noch wichtiger war sein eigentliches Ziel: eine Unterschrift von T. J. Marshall zu bekommen.

2. KAPITEL

Das Wasser war kalt und schwarz. Selbst mit weit aufgerissenen Augen konnte sie nichts erkennen. Bleib wach, bleib wach, rief eine Stimme in ihrem Inneren, immer wieder. Oder war es Tommys Stimme? War er es?

Sie klammerte sich an den Rand des Bootes, das auf den Wellen hüpfte. Bleib beim Boot. Versuch nicht, zum Ufer zu schwimmen. Tenley wusste, auch die Rettungsweste würde sie nicht vor Unterkühlung bewahren. Sie würde nicht ertrinken. Sie würde langsam das Bewusstsein verlieren und auf den See hinausgetrieben werden.

„Tommy!“ Sie rief seinen Namen, und dann spürte sie seine Hand auf ihrer. „Es tut mir leid, es tut mir leid.“ Sie griff nach seinen Fingern, aber da war nichts. Er war nicht da. Er hatte beschlossen, loszuschwimmen. Sie sollte beim Boot bleiben. „Ich komme dich holen“, rief er. „Ich verspreche es.“

Wie lange war das her? Minuten? Stunden? Tenley konnte sich nicht mehr erinnern. Warum war sie so verwirrt? Wieder rief sie seinen Namen. Und dann noch einmal. Und immer wieder, bis ihre Stimme versagte und ihre Kehle ganz rau war.

Das Geräusch kam ganz plötzlich, ein leises Brummen oder Rauschen. Ein Bootsmotor? Kam Tommy sie holen, wie er es versprochen hatte? Doch als das Geräusch näher kam, stellte Tenley fest, dass es nicht von einem Motor stammte, sondern von einer Welle. Einer Welle, die so groß war, dass sie den Mond und die Sterne verdeckte. Sie hielt den Atem an. Wo kam diese Welle her?

Ungeheure Wassermengen stürzten auf sie ein und erdrückten sie, drückten sie tief unter die Oberfläche. Ihre Lungen brannten, und sie versuchte, nach oben zu kommen. Luft! Luft! Vielleicht war es besser, nicht mehr zu kämpfen. Hatte Tommy das gemacht? War er jetzt in Sicherheit, oder hatte die schwarze Welle ihn auch verschluckt? Nein, das … das konnte nicht sein. Sie musste …

Als Tenley erwachte, saß sie aufrecht im Bett und schnappte nach Luft. Einen Moment lang wusste sie nicht, wo sie war. Sie rieb sich die Arme, aber die waren ganz warm, umhüllt von den langen Ärmeln ihres T-Shirts. Sie war in Sicherheit. Aber wo war Tommy? Warum war er nicht …?

Ein Gefühl von Schwäche und Übelkeit stieg in ihr auf, als ihr klar wurde − wieder einmal −, dass Tommy fort war. Manchmal hatte Tenley wunderbare Träume von ihrer gemeinsamen Kindheit. Sie waren die besten Freunde gewesen, Zwillinge, die Kinder eines Malers und einer Dichterin. Sie waren sehr frei aufgewachsen.

Damals hatten sie am Seeufer gelebt, in der Wohnung über Großvaters Atelier. Das Segelboot hatte er ihnen zum dreizehnten Geburtstag geschenkt, und seitdem waren sie jeden Sommer über die Bucht geschippert. Der Wind hatte die Segel gebläht, und die Sonne hatte ihr jugendliches Glück beschienen.

Doch im Lauf der Jahre waren sie draufgängerisch geworden, waren von den zerklüfteten Felsen ins Wasser gesprungen, waren nachts durch die Wälder gestreift oder über die Bucht hinaus zu einer der kleinen Inseln gesegelt.

Sie waren sich bewusst gewesen, wie schnell das Wetter umschlagen konnte. Aber sie liebten es beide, ihre Grenzen auszutesten und sich gegenseitig herauszufordern.

Ein Schauer überlief Tenley, und sie zog sich die Decke hoch bis ans Kinn. Es war ihre Idee gewesen, zur Insel hinauszusegeln und die Nacht dort zu verbringen. Obwohl der Wind vom See her blies, hatten sie sich nicht davon abbringen lassen.

Doch gegen den Wind zu segeln, hatte länger gedauert als erwartet, und als sie das offene Wasser erreicht hatten, war es schon dunkel gewesen. Tommy wollte zurück, doch Tenley hatte nicht nachgegeben und ihn angestachelt, weiterzusegeln. Ein paar Minuten später hatte eine heftige Böe das Boot umgeworfen.

Normalerweise, im ruhigen Gewässer innerhalb der Bucht, war es immer ganz leicht gewesen, das Boot wieder aufzurichten, aber hier arbeiteten die Wellen gegen sie. Bald waren sie völlig erschöpft. Tenley konnte die Umrisse der Insel erkennen und schlug vor, dorthin zu schwimmen. Aber in der Dunkelheit war es unmöglich gewesen, die Entfernung abzuschätzen. Am Ende war Tommy losgeschwommen, um Hilfe zu holen.

Stunden später hatte man sie gefunden, am nächsten Morgen ihren Bruder. Sein Körper war an das felsige Ufer im Norden der Stadt gespült worden. Tenley schüttelte den Kopf und versuchte, die schrecklichen Erinnerungen zu verscheuchen. Es war fast einen Monat her, seit sie das letzte Mal von ihm geträumt hatte. Einerseits wünschte sie, nie wieder von diesen Träumen gequält zu werden. Aber manchmal waren die Träume auch gut. In solchen Träumen war sie wieder glücklich mit ihrem Bruder vereint.

Sie schlug die Decke zurück, stand auf und streckte die Arme über den Kopf. Es war eiskalt im Zimmer. Der Wind fand immer genügend Spalten zwischen den Balken des alten Blockhauses, und draußen tobte immer noch ein Sturm.

Tenley rieb sich die Augen und wandte sich Richtung Küche. Sie schlief selten mehr als vier oder fünf Stunden pro Nacht. Eine lange Zeit hatte sie aus Angst vor den Albträumen kaum gewagt, überhaupt zu schlafen. Aber mit der Zeit hatte sie gelernt, damit zu leben und die guten Träume zu genießen.

Die Hunde lagen vor Alex’ Tür. Sie schürte die Glut des Feuers im Kamin und legte ein Scheit nach. Während die Flammen um das Holz herumzüngelten, dachte sie daran, wie sie und Alex sich in der Küche geküsst hatten.

Es war so verlockend gewesen, weiterzumachen und herauszufinden, wohin es sie führen würde. Dass die Luft zwischen ihr und Alex brannte, war nicht zu bestreiten. Allerdings war sie nicht sicher, ob sie wirklich etwas daraus machen wollte. Sie hatte es lieber unkompliziert, und wenn sie Sex mit Alex hätte, wer konnte wissen, zu welchen Komplikationen das führen würde?

Unruhig ging sie auf und ab. Sie hatte keine Ahnung, wie spät es war. Uhren hatte sie vor langer Zeit aus ihrem Leben verbannt. Sie ließ ihren Körper entscheiden, wann es Zeit war, zu schlafen oder aufzuwachen. Außerdem schlief sie seit Tommys Tod sowieso nie eine Nacht durch. Wozu sich also an einen Zeitplan halten?

Tenley nahm eine Decke vom Sofa und hüllte sich darin ein. Dann ging sie langsam durch den Flur und blieb vor der Tür des Gästezimmers stehen. Dog und Pup lagen immer noch da und hielten Wache. Vielleicht wussten die Tiere besser als sie, welche Gefahren hinter dieser Tür lauerten.

„Ab mit euch“, flüsterte sie und schnippte mit den Fingern. Die Hunde standen auf, streckten sich und trotteten ins Schlafzimmer. Tenley hielt den Atem an, öffnete die Tür und spähte hinein.

Der matte Schein der Nachttischlampe fiel auf Alex’ Gesicht. Tenley ging hinein und blieb neben dem Bett stehen. Alex und die Steppdecke waren ein einziges Knäuel, ein Arm und ein Bein waren unbedeckt, ebenso wie sein Oberkörper, obwohl es kalt im Zimmer war. Tenley betrachtete sein Gesicht, das zerzauste Haar, die breite Brust und die prachtvollen Bauchmuskeln.

Eine tiefe Sehnsucht nahm ihr fast den Atem. Der Wunsch, Alex zu berühren, wurde übermächtig. So lange hatte sie ihre Gefühle und Sehnsüchte unterdrückt, dass sie nicht wusste, wie sie jemals wieder etwas empfinden sollte, es sei denn, indem sie sich hemmungsloser Lust hingab. Bis jetzt hatte sie von einem Mann nie mehr gewollt als nur Sex. Aber jetzt, da sie Alex beim Schlafen zusah, sehnte sie sich plötzlich nach einer tieferen Verbindung, nach etwas, das sie aus der Dunkelheit befreien würde, in der sie schon so lange lebte.

Tenley rieb sich die Augen, dann streckte sie die Hand aus und berührte Alex’ nackten Körper. Wie heiß sich seine Haut anfühlte. Wenn sie ein bisschen Wärme und Geborgenheit bekommen könnte, dann könnte sie den Traum vergessen, die Schuld vergessen. Ein paar Minuten Körperkontakt, das wäre alles, was sie brauchte.

Plötzlich und ohne über die Folgen nachzudenken, legte Tenley sich zu Alex und schmiegte sich mit dem Rücken an ihn. Sie spürte, dass er sich bewegte, schloss die Augen und wartete ab, was passieren würde.

Alex stützte sich auf einen Ellenbogen und strich mit der Hand über ihren Arm. Tenley blickte über die Schulter und sah die Verwirrung in seinem Blick. Dann drehte sie sich langsam auf den Rücken, schlang Alex eine Hand um den Nacken und zog seinen Kopf zu sich herab, bis ihre Lippen sich berührten.

Ihr wurde heiß, als er zärtlich mit der Zunge eindrang und ihren Mund erkundete. Sie öffnete die Lippen noch weiter und gab sich dem Kuss vorbehaltlos hin. Alex seufzte leise, zog sie an sich und legte sich auf sie. Ihre Körper schienen wie füreinander geschaffen zu sein. Sie legte den Kopf zurück und schmiegte sich an ihn, als könnte sie nicht genug von ihm bekommen.

Langsam verblasste die Erinnerung an den Albtraum und wich dem Gefühl heißer Lust. Alex glitt mit einer Hand an ihrem Bein aufwärts und dann unter ihr T-Shirt. Plötzlich erstarrte er, als ob er nicht glauben könnte, dass sie nichts darunter trug. Sie schob ihrerseits die Hand unter den Rand seiner Boxershorts und tastete sich ungeduldig vor.

Je intimer ihre Berührungen wurden, desto störender wurde die Kleidung, die sie noch voneinander trennte. Tenley konnte es nicht erwarten, endlich Alex’ nackten Körper an ihrem zu spüren. Sie setzte sich auf, zog sich das T-Shirt aus und warf es zur Seite. Sie hörte, wie er den Atem anhielt, und lächelte. „Es fühlt sich besser an ohne Kleider.“

Er erwiderte ihr Lächeln und streifte sich die Boxershorts ab. Als sie sah, wie erregte er war, hatte Tenley keinerlei Hemmungen, sich jetzt zu nehmen, was sie wollte. Sie schloss die Finger um ihn, streichelte und massierte ihn, bis Alex aufstöhnte, in ihr Haar griff und sie zu sich heranzog, um sie noch einmal lange und begierig zu küssen.

„Bin ich wach, oder träume ich?“, fragte er heiser.

„Du träumst“, flüsterte sie.

„Es fühlt sich gar nicht an wie ein Traum.“ Er legte die Hand auf eine ihrer Brüste und reizte mit dem Daumen die aufgerichtete Spitze. „Du bist so warm, und deine Haut ist so weich. Ich will dich schmecken.“

„Schließ die Augen“, sagte Tenley. „Und öffne sie nicht, bevor ich wieder da bin.“

Sie wollte aus dem Bett klettern, doch er hielt ihre Hand fest. „Geh nicht weg.“

„Ich bin gleich wieder da. Versprochen. Schließ die Augen.“

Er gehorchte, und Tenley rannte ins Bad. Sie wühlte in dem Schränkchen über dem Waschbecken, bis sie die Schachtel mit den Kondomen gefunden hatte.

Als sie zu Alex zurückkehrte, saß er aufrecht im Bett. Sie hielt das Päckchen hoch. „Ich glaube, die werden wir brauchen.“

Er grinste frech. „Alle?“

Tenley wurde rot. Es war eine Weile her, seit sie Sex gehabt hatte. „Ja“, sagte sie. „Alle.“

„Du überschätzt vielleicht meine Fähigkeiten.“

„Und du unterschätzt vielleicht meine.“

Mit einer schnellen, kraftvollen Bewegung packte er ihre Hand und zog Tenley zu sich herab, bis sie auf ihm lag. „Sag mir, was du willst.“

Was sie wollte? Sie wollte sich verlieren, wollte an nichts mehr denken, wollte schweben. Sie wollte die Vergangenheit vergessen, die Gegenwart und die Zukunft. Sie wollte nichts als Lust. Sie wollte die Wärme eines anderen Menschen spüren. Und vor allem wollte sie spüren, dass ein Mann sie begehrte und ihr heiße Lust bereitete.

Tenley öffnete eins der Päckchen. Kurz darauf saß sie mit gespreizten Beinen auf Alex und nahm ihn in sich auf. Ganz tief. Sie seufzte befriedigt. „Das war es, was ich wollte“, murmelte sie und schloss die Augen.

„Ich auch“, flüsterte er.

Alex hatte nicht damit gerechnet, dass es sich so gut anfühlen würde. Vielleicht weil er mit gar nichts gerechnet hatte.

Er hatte sich immer Zeit genommen, wenn er scharf auf eine Frau war − denn er wusste, dass er das Interesse verlieren würde, sobald sie in seinem Bett war. Doch von dem Augenblick an, da Tenley sich zu ihm gelegt hatte, wusste er, dass etwas Außergewöhnliches passieren würde.

Das hier war kein Spiel, keine Zerstreuung, die er suchte, weil er nichts Besseres fand. Es war reine Begierde, ohne Hintergedanken und ohne irgendwelche Erwartungen. Pure Lust. Er schloss die Augen und ergab sich stöhnend seinen Empfindungen. Wie gut sie sich anfühlte, so warm und feucht. Und eng.

Es war ihm egal, was es zu bedeuten hatte oder was für Folgen es hätte. Alles, was er wusste, war, dass er Tenley wollte, und sei es auch nur für eine oder zwei Stunden in einer kalten, verschneiten Winternacht.

Er glitt mit den Fingern durch ihr Haar und zog ihren Kopf zu sich heran, bis ihre Lippen sich berührten. Sie hatte nichts an sich, was er normalerweise bei Frauen attraktiv fand, und doch begehrte er sie, konnte nicht genug von ihr bekommen. Ihre Haut war blass und unglaublich weich. Ihre Brüste waren klein, aber perfekt. Sie war alles, was er bis jetzt nie gehabt – und bis jetzt auch nie gewollt hatte. Er streichelte ihre Brüste, ihren Bauch, ihre Hüften. Schließlich setzte er sich auf, legte ihre Beine um seine Taille und schmiegte die Wange an ihren Hals.

Tenley schloss die Augen und bewegte die Hüften. Ihr Haar bedeckte ihr Gesicht, als sie den Kopf beugte. Alex schob es zur Seite. Er wollte sehen, wie sich ihre Züge in der Ekstase verklärten. Auch wenn es ihm schwerfiel, die Kontrolle zu behalten, es war faszinierend, sie zu beobachten.

Ihr Gesicht drückte so intensive Gefühle aus, dass er sich fragte, was in ihr vorging. Sie schien sich völlig ihrer Lust zu ergeben und fast verzweifelt nach Erlösung zu suchen. Er schob die Hand zwischen ihre Schenkel und stimulierte sie. Ein kleiner Schrei entfuhr ihr, da wusste er, er hatte den richtigen Punkt gefunden und konnte ihr das geben, was sie wollte.

Ihr Atem ging schneller. Alex konzentrierte sich auf ihren Rhythmus und versuchte, den Höhepunkt hinauszuzögern, damit ihre lustvollen Gefühle noch intensiver wurden. Und dann kam sie. Sie erschauerte, rief fast verzweifelt seinen Namen und nahm ihn noch einmal ganz tief in sich auf.

Das war genug. Ihr zuzuschauen, wie sie Befriedigung fand, erregte ihn so sehr, dass er jede Kontrolle aufgab. Ein letzter tiefer Stoß, dann überließ er sich seinen Empfindungen und folgte ihr auf den Gipfel.

Tenley sank erschöpft auf ihn und schlang die Arme um seinen Nacken. „Das war gut“, flüsterte sie an seinem Ohr.

„Mm“, erwiderte er. „Sehr gut.“

Sie lehnte sich ein wenig zurück und lächelte wie eine Sexgöttin. „Sollen wir es noch mal tun?“

Alex grinste. „Lass mir eine kleine Atempause.“ Er zog sie an sich. „Das ist die beste Art, eine kalte Winternacht zu verbringen.“ Sie zitterte ein wenig, und Alex strich über ihren Arm. „Frierst du?“

Tenley schüttelte den Kopf. „Wie wär’s mit einer heißen Schokolade? Darauf hätte ich jetzt Lust.“ Gleich darauf stieg sie aus dem Bett und ging, nackt wie sie war, zur Tür. „Kommst du? Das tut vor dem Schlafengehen wirklich gut.“

Alex brummte unwillig, stand aber auf und folgte ihr. Erst heißer Sex, dann heiße Schokolade. Er wusste nicht viel über Tenley, aber eins war klar: Sie war eine Frau voller Widersprüche. Alex zog die Decke vom Bett, wickelte sich darin ein und folgte Tenley in die Küche.

Es war ganz dunkel, bis auf das flackernde Licht des Kaminfeuers. Tenley öffnete den Kühlschrank. Alex bewunderte die Umrisse ihres perfekten Körpers in dem kalten weißen Licht. „Du bist schön“, stellte er fest.

„Nein“, erwiderte sie. „Du brauchst mir so was nicht zu sagen. Ich brauche keine Bestätigung. Ich wollte es genauso wie du.“

„Ich sage nur, was ich denke“, sagte Alex. „Du magst wohl keine Komplimente?“

„Nein, ich fühle mich dabei … unwohl.“

„Ich liebe Komplimente“, scherzte er.

Tenley goss Milch in einen Topf und stellte ihn auf den Herd. „Ich finde, du hast schöne Augen“, sagte sie. „Und mir gefällt dein Mund.“

„Danke. Mir gefällt dein Mund auch.“

„Danke.“

„Siehst du, geht doch.“

„Das Geheimnis einer wirklich guten heißen Schokolade liegt im Kakao. Man muss echtes Kakaopulver und Zucker verwenden, kein Instantpulver.“

Alex setzte sich auf einen Küchenstuhl. „Ich war immer der Meinung, das Geheimnis liegt in der richtigen Größe der Marshmallows. Große sind besser als kleine, sie schmelzen langsamer.“

Tenley öffnete einen Schrank über dem Herd, förderte eine Riesenpackung Marshmallows zutage und warf sie Alex zu. „Finde ich auch. Je größer, je lieber.“

„Oh, noch ein Kompliment. Danke.“

Wie schlagfertig! Tenley musste lachen. „Gern geschehen.“ Sie drehte sich zum Herd um. Alex stand auf und ging zu ihr und drückte Tenley an sich. Das allein reichte schon, um ihn erneut zu erregen.

Sie legte den Kopf zurück, als er die Lippen auf ihren Hals drückte. „Warum riechst du so gut? Was ist das?“, wollte er wissen.

„Seife“, erwiderte sie. „Oder mein Shampoo.“

„Wirklich gut.“ Die Frauen, mit denen Alex sonst zu tun hatte, rochen immer wie eine Parfümerie. Er schloss die Augen und inhalierte tief. Er wollte diesen Duft nie wieder vergessen. „Ich bin froh, dass du zu mir gekommen bist“, flüsterte er.

Tenley drehte sich zu ihm um, stellte sich auf die Zehenspitzen und berührte seine Lippen mit ihren. „Es ist zu kalt, um allein zu schlafen.“ Dann strich sie ihm eine Strähne aus der Stirn und lächelte. „Jetzt brauche ich aber meinen Kakao.“

Wieder öffnete sie einen der Schränke, nahm zwei Behälter heraus und gab erst den heißen Kakao und dann eine großzügige Menge Zucker in den Topf. Sie rührte die Mischung um und füllte die heiße Flüssigkeit in zwei große Becher, die zur Hälfte mit Marshmallows gefüllt waren.

„Komm, setzen wir uns an den Kamin“, schlug sie vor.

Alex folgte ihr und legte die Decke vor dem Kamin auf den Boden. Tenley bewegte sich nackt so unbekümmert, als ob sie bekleidet wäre. Sie legte sich auf den Bauch, streckte sich lang aus und gewährte ihm freie Aussicht auf ihren perfekten Po.

„Was machst du eigentlich hier?“

Sie nippte an ihrer heißen Schokolade und leckte sich ein Stück Marshmallow von der Oberlippe. „Entspannen?“

„Das meine ich nicht. Ich meine, was machst du hier, ganz allein, in diesem Blockhaus. Warum ist niemand bei dir?“

Bei dieser sehr persönlichen Frage drehte sich Tenley auf den Rücken und setzte sich auf. „Du meinst, warum niemand bei mir wohnt?“

„Wie zum Beispiel ein Mann.“

„Ich bin gern allein. Ich brauche keinen Mann.“ Sie zögerte. „Nicht dass es mir keine Freude macht, dass du jetzt bei mir bist.“

Ihre Sätze waren klar und einfach. „Ich kann jederzeit gehen, wenn du lieber allein sein willst“, sagte Alex.

„Nein. Es ist schön, ab und zu Gesellschaft zu haben.“

„Jemand, mit dem man reden kann?“

„Jemand, den man berühren kann“, erwiderte Tenley. Sie legte die Hand auf seine Brust. „Geht es dir nicht auch manchmal so, dass du Körperkontakt brauchst? Ich schätze, du suchst dir dann eine Frau und danach ergibt eins das andere, oder? Männer haben es leicht. Niemand stellt euer Bedürfnis nach Sex infrage.“

„Und deins stellt man infrage?“

„Nicht man. Ich selbst. Ich glaube, das passiert sehr vielen Frauen. Frauen wird unterstellt, dass sie es nicht so brauchen wie Männer.“

„Aber du brauchst es?“

„Ich habe keine Angst zuzugeben, dass ich es sehr genieße“, sagte sie. „Sex gibt mir das Gefühl … lebendig zu sein.“

„Gut zu wissen“, stellte Alex fest. Er nahm ihr den Becher aus der Hand, stellte ihn auf dem Boden ab und nahm ihr Gesicht in beide Hände. „Du bist das eigenartigste Mädchen, das mir je begegnet ist.“

„Du meinst, ein bisschen komisch?“

„Ich meine, faszinierend.“

Verlangen flackerte in ihm auf, und er drückte Tenley auf den Boden, bis sie auf dem Rücken lag. Sie streckte die Arme über den Kopf und bot ihm ihre Brüste dar. Alex nahm sich Zeit. Ganz langsam strich er mit den Lippen über ihre nackte Haut, vom Hals bis zum Nabel.

Er wusste, wie man eine Frau zum Höhepunkt brachte, und er wollte das für Tenley tun. Er tastete zwischen ihren Schenkeln, bis er die Perle ihrer Lust gefunden hatte. Tenley reagierte sofort, warf den Kopf zurück und keuchte auf.

Erfreut über ihre Reaktion, beugte er sich über sie und leckte genau diese Stelle. Tenley schrie auf. Aber Alex ließ sich Zeit. Er war ein einfühlsamer Liebhaber, aber normalerweise ging es ihm beim Sex hauptsächlich um sein eigenes Vergnügen. Mit Tenley war das anders. Er wollte unbedingt, dass es für sie unvergesslich wurde.

Wenn er fort wäre, wollte er sicher sein, dass sie danach jeden anderen Mann an ihm messen würde. Es war lächerlich, aber aus irgendeinem Grund war ihm das wichtig. Sie sollte sich an ihn erinnern und sich nach seinen Berührungen sehnen.

Ihre Finger glitten durch sein Haar, und er spürte, dass er im Begriff war, die Kontrolle zu verlieren. Er verlangsamte seinen Rhythmus. Er wollte Empfindungen in ihr auslösen, die sie noch nie zuvor erlebt hatte. Er reizte und liebkoste sie, immer wieder. Mit den Lippen. Mit der Zunge. Mit der Hand. Sie flüsterte seinen Namen, als wollte sie ihn anflehen, ihr endlich zu geben, was sie wollte.

Als ihre Stimme immer verzweifelter klang, wurde Alex so erregt, dass er selbst kurz davor war, die Kontrolle zu verlieren. Er verlagerte das Gewicht, spürte die Wolldecke an seiner nackten Haut und erschauerte. Mit leichten, vorsichtigen Bissen brachte er Tenley ganz nah an den Gipfel, und dann war es um sie geschehen.

Sie stöhnte laut, ihr ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Tiffany Sexy Band 79" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen