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Sinnlich berührt – gekonnt verführt / Geheime Wünsche werden wahr / Sexy Überraschung auf Hawaii

Kathy Lyons

Sinnlich berührt – gekonnt verführt

1. KAPITEL

„Gelobt sei der Herr für die Erschaffung der Kaffeebohne!“ James Samuel Finn trat an den Tresen des Straßencafés und bestellte einen doppelten Caffè Latte.

„Ich mache ihn extra stark“, sagte die Bedienung lächelnd. „Sie sehen aus, als hätten Sie heute Morgen Energie nötig.“ Sam schenkte ihr ein kleines Lächeln, während er ein großzügiges Trinkgeld über den Tresen schob.

„Stimmt. Aber es hat sich wenigstens gelohnt.“

„Gut für Sie!“ Sie wandte sich dem nächsten Gast zu.

Ja, dachte Sam. Gut für mich, aber noch besser für die Firma. Die ganze Nacht lang hatte er an seinem Prototyp gearbeitet, den er um zehn Uhr als Modell präsentieren sollte. Er war gerade aus seinem Overall geschlüpft, hatte sich die zerzausten Haare ein wenig geglättet und gönnte sich jetzt noch kurz vor dem großen Termin einen Kaffee. Viel brachte das Koffein allerdings nicht: Er war noch immer so müde, dass er sich keineswegs wie der geniale Erfinder fühlte, für den ihn die ganze Welt hielt.

„Fahren Sie endlich aus dem Weg, Sie alte Schachtel!“ Er schreckte auf, als er plötzlich jemanden brüllen hörte. „Sie blockieren die ganze Straße!“

Sam blickte auf die Fahrbahn, und auch wenn das helle Sonnenlicht in seinen Augen wehtat, war es nicht schwer, den Schreihals ausfindig zu machen: Ein Taxifahrer beschimpfte eine Frau in den Siebzigern, die versuchte, ihren Crown Victoria einzuparken. Der alte Ford war viel zu groß für die schmalen Parkplätze Chicagos – und die Fahrerin zu klein, um über das Heck des Wagens hinaussehen zu können. Hinter ihr staute sich der Verkehr, und der Taxifahrer schnauzte die Frau an: „Kommen Sie schon, Lady. Sie sind zu alt, um hinter dem Steuer zu sitzen, das wissen Sie so gut wie ich!“

„Jetzt reicht’s!“ Ohne sich um den wütenden Taxifahrer zu kümmern, ging Sam auf die Straße und trat an die Fahrertür des Crown Victoria. Diese Frau brauchte Hilfe, keine Beleidigungen! Er bedeutete der Fahrerin, die Scheibe herunterzukurbeln, griff durch das offene Fenster an das Lenkrad und steuerte den Wagen vorsichtig in die Lücke, während die aufgeregte Frau Gas gab.

„Vielen Dank“, sagte sie, als das Auto endlich stand und der Verkehr wieder fließen konnte. „Das Parkhaus war voll, und ich komme nicht oft in die Stadt. Aber mein Enkel Kevin hatte einen Unfall. Er hat sich die Zähne angeschlagen, und ich musste mit ihm dringend zu einem Arzt. Normalerweise wäre meine Tochter …“ Sie unterbrach sich, immer noch sehr aufgewühlt.

„Ärgern Sie sich nicht“, sagte Sam beruhigend und zwinkerte dem etwa acht Jahre alten Jungen auf dem Rücksitz zu. „Solchen Typen verdankt Chicago seinen schlechten Ruf!“

„Nein, nein, er hat ja recht.“ Die grauhaarige Frau stellte den Motor ab. „Ich möchte mir schon lange ein kleineres Auto kaufen, aber uns fehlt das Geld.“

Sams müdes Gehirn kam auf Touren: Sie war die perfekte Testperson für seine neueste Erfindung! Er hatte eine revolutionäre Einparkhilfe konstruiert, mit deren Hilfe niemand mehr Probleme mit kleinen Parklücken haben würde. Sensoren gaben ein Bild an einen Monitor weiter, der im Inneren des Autos befestigt war. Kurzentschlossen überredete er die Fahrerin, ihm ihren Autoschlüssel zu überlassen, und griff zu seinem Handy. Jetzt brauchte er Hilfe von Roger, seinem besten Freund und Geschäftspartner.

Eine Stunde später waren Kevins Zähne gerichtet, Sams Anzug war voller Straßendreck, sein Caffè Latte eiskalt – und der Crown Victoria verfügte über eine hochmoderne Einparkhilfe. „Sehen Sie hier“, erklärte Sam der erstaunten Lady das Display. „Auf diesem Monitor können Sie genau erkennen, wie weit der Bordstein oder andere Hindernisse noch entfernt sind.“

„Das gibt es doch normalerweise nur bei den neuesten Modellen!“

Sam nickte. Sie musste nicht wissen, dass das System viel leistungsstärker war als alles, was auf dem Markt verfügbar war. Für sie war nur wichtig, dass sie jetzt auch mit ihrem riesigen Ford in Chicago einen Parkplatz finden würde.

„Wenn Sie mir Ihre Telefonnummer geben, rufe ich Sie in ein paar Wochen an“, sagte er. „Dann können Sie mir erzählen, wie Sie mit dem Gerät zurechtkommen und ob alles richtig funktioniert.“ Er wartete, bis sie ihm ihre Telefonnummer auf einen Zettel geschrieben hatte, trat dann zurück und beobachtete, wie sie mit Leichtigkeit aus der Parklücke fuhr und sich in den fahrenden Verkehr einfädelte.

„Dir ist schon klar, dass unser System mehr wert ist als das ganze Auto?“, fragte Roger.

„Sie ist die ideale Versuchsperson. Und wir müssen das Gerät in der Realität testen, das weißt du“, antwortete Sam.

„Das mag sein.“ Rogers Stimme klang ironisch. „Ich hatte da allerdings eher an einen Versuch unter erschwerten Bedingungen auf dem NASA-Testgelände oder auf einer Ölplattform gedacht. Nicht an eine alte Frau auf den Straßen Chicagos.“

„Auf Chicagos Straßen herrschen erschwerte Bedingungen.“

„Wirklich? Na gut, meinetwegen. Aber was wirst du dem Vorstand zeigen, in …“, Roger sah demonstrativ auf seine Armbanduhr, „… weniger als einer Stunde?“ Sam verzog das Gesicht und ging schnell in Richtung des Firmengebäudes auf der anderen Straßenseite.

„Keine Ahnung. Ich werde mir etwas einfallen lassen.“

„Es ist nicht genug Zeit dafür, sich etwas einfallen zu lassen. Hast du die letzte Kalkulation gesehen, die ich dir per Mail geschickt habe?“

Sam nickte, während sie die Eingangstür des Geschäftshauses passierten. Plötzlich erregte ein heller Fleck im Foyer seine Aufmerksamkeit: Eine junge, wunderschöne Frau in einem gelben Sommerkleid ging an ihm vorbei zu den vorderen Aufzügen. Und sofort übernahm seine Libido die Kontrolle: Mit Schwung bog er ebenfalls in Richtung der Hauptfahrstühle ab – immer der erotischen Erscheinung hinterher.

„Ich habe ein paar Unterlagen zusammengestellt, um den Vorstand zu beruhigen“, erklärte sein Geschäftspartner. „Aber vielleicht haben sie die Kalkulationen gelesen. Bitte sag mir …“

„Wo ist sie?“ Sam sah sich suchend nach der Grazie in Gelb um. Es war nicht nur ihr Kleid, das ihn sofort gefesselt hatte, auch ihre Art zu lächeln hatte für den Bruchteil einer Sekunde sein müdes Hirn auf Touren gebracht.

„Wie bitte?“ Roger runzelte die Stirn. „Triffst du dich nicht mehr mit Cindy?“

„Nein.“ Sam schüttelte den Kopf. „Schon seit Monaten nicht mehr.“

„Wirklich? Warum nicht?“

Sam zuckte mit den Schultern. Wohl aus demselben Grund, aus dem er Marty und Josie und Tammy nicht mehr sah: „Sie hatte nur Interesse daran, sich mit dem Multimillionär James S. Finn zu treffen. Der einfache Sam war ihr völlig egal.“

Roger schnaubte. „Der Sam, der gern dreckige Overalls trägt und dessen Rasierwasser nach Motoröl riecht?“

Sam antwortete nicht. Er war zu sehr damit beschäftigt, das Mädchen in Gelb zu beobachten. Er wollte unbedingt in denselben Fahrstuhl wie sie.

Julie Thompson war für den Kampf gerüstet. Nicht, dass sie eine Rüstung oder Ähnliches trug, aber in ihrem hellgelben Sommerkleid und den hochhackigen Sandalen fühlte sie sich schön, sexy und begehrenswert. Nichts konnte sie in diesem Outfit stoppen! Kein Auftrag, der ihr durch die Lappen ging. Keine Miete für ihr winziges Apartment, von der sie keine Ahnung hatte, woher sie sie nehmen sollte. Keine Sorge darüber, wie sie das Geld für ihr Büro im siebzehnten Stock des Gebäudes bis Ende des Monats aufbringen sollte.

Selbstbewusst stand sie vor den Fahrstühlen, als sie das „Pling“ hörte. Geschäftsmänner, Anwälte und Sekretärinnen drängten in den Aufzug. Plötzlich fiel Julies Blick auf einen Mann in einem schmutzigen Overall. Sie vermutete, dass er ein Hausmeister war, der mit seiner Arbeitskleidung und dem vertrockneten Blatt in seinem Haar aus der geschniegelten Masse herausstach. Selbst mit dem Schmierfleck über seinem rechten Auge war er sehr attraktiv, und die muskulösen Unterarme verhießen einen durchtrainierten Körper. Komisch, dass ihr gerade seine Unterarme auffielen! Er lächelte sie an, als er merkte, dass sie ihn betrachtete.

Mühsam drängelte sie sich in die bereits überfüllte Kabine hinein. Sie drehte sich mit dem Gesicht in Richtung Tür und schaffte es irgendwie, auf den Knopf zu drücken. Als der Fahrstuhl mit einem Ruck anfuhr, verlor sie das Gleichgewicht und prallte rücklings gegen den Overall-Typen. Sie wusste genau, dass er es war, weil sie den Reißverschluss des schweren Baumwollstoffs durch ihr dünnes Sommerkleid hindurch an ihrem Po fühlte.

Doch was war das?! Das war keineswegs nur ein Reißverschluss! Dieser Hausmeister zeigte eine überaus männliche Reaktion. Ihr wurde heiß. Fieberhaft überlegte sie. Wegen der Enge im Aufzug konnte keiner von ihnen beiden seinen Platz verlassen. Sie konnte sich ja nicht einmal rühren. Also musste sie das Ende der Fahrt abwarten und seine körperliche Nähe erdulden.

Da wurde ihr bewusst, dass sie die Berührung nicht nur erduldete, sondern sogar genoss. Das erste Mal seit drei Monaten machte sie sich keine Gedanken über irgendwelche Mieten, die sie zahlen musste. Sie sorgte sich nicht mehr um ihr kleines Unternehmen, das in die Pleite zu schlittern drohte, falls sie nicht bald einen neuen Auftraggeber fand. Ihr ganzes Denken war von diesem fremden Mann erfüllt, der sich offenbar nicht ungern an sie drängte. Nebenbei bemerkt, ein ausgesprochen gut gebauter, fremder Mann, dachte sie, nachdem der erste Schreck abgeflaut war.

Plötzlich spürte sie ein Kribbeln im Bauch: Keiner würde in dieser Enge merken, was passierte. Was wäre, wenn ich …? Kaum schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, setzte sie ihn auch schon in die Tat um: Statt sich zentimeterweise von ihm zu entfernen, so weit es eben ging, presste sie ihren Po an ihn. Und mehr noch: Vorsichtig bewegte sie ihre Hüften, rieb sich aufreizend an seiner Erektion. Ihre Bewegungen waren beinahe unwillkürlich. Sie ließ sich von ihrem weiblichen Instinkt leiten. Als sie sein überraschtes leises Keuchen vernahm, musste sie sich ein Lächeln verkneifen. Doch als er nur Sekunden später seinen Druck gegen ihren Po erhöhte, unterdrückte sie ihrerseits ein Stöhnen. Belästigte sie gerade in einem vollbesetzten Fahrstuhl einen überaus attraktiven fremden Mann? Schamesröte überzog ihre erhitzten Wangen. Seit Monaten war sie nicht mehr so erregt gewesen.

Viel zu schnell war alles vorbei: Der Fahrstuhl hielt an, die Türen öffneten sich, und sie wurde mit den anderen auf den Flur des siebzehnten Stocks gespült. Julie wagte keinen Blick zurück, wollte nicht, dass ihre Augen sie verrieten. Was, wenn ihr die Erregung anzusehen war?

Sie ging zu ihrem Büro. „Web Wit and Wonder“ hieß die Werbeagentur, die sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin, der brillanten Grafikerin Karen Wilson, gegründet hatte. Leider lief die Agentur schlecht, die Aufträge kamen nur schleppend herein. Deswegen trug sie heute dieses Kleid – es sollte ihr mehr Selbstvertrauen geben, am Nachmittag stand eine wichtige Verhandlung mit einem potenziellen Kunden an.

„Hallo!“ Karen begrüßte sie überschwänglich. „Ich habe Muffins …“ Ihre Stimme änderte sich, als sie die Freundin anblickte. „Wie siehst du denn aus? Ist etwas passiert?“

Nichts entging ihren Adleraugen! Julie seufzte: „Ich brauche erst einmal einen Kaffee.“ Sie legte ihre Handtasche auf den Schreibtisch der Freundin und ging zur Cappuccino-Maschine in der Ecke hinüber. Ihr Büro war sonst nur mit dem Nötigsten ausgestattet, aber dieses hübsche Ding war ein Geschenk ihrer Eltern zur Agentur-Eröffnung gewesen. Leider war es nicht das Einzige, was von Mum und Dad stammte. Sie hatten ihr auch Geld geliehen, damit sie ihre Firma überhaupt gründen konnte. Und wenn „Web Wit and Wonder“ nicht bald florierte, würde sie ihnen dieses Darlehen schuldig bleiben müssen.

„Los, erzähl! Was ist passiert?“

Julie seufzte noch einmal. Sie wusste genau, Karen würde nicht eher ruhen, bis sie alles wusste. „Nichts Schlimmes“, wiegelte sie ab. „Es ist nur … Etwas ist im Aufzug geschehen.“

Sie erzählte Karen alles. Jedes kleinste Detail – und fühlte sich dabei fast, als würde sie die köstlichen Minuten noch einmal durchleben. Sie war nie ein Freund von schnellem, unpersönlichem Sex gewesen, deswegen wunderte sie sich über das, was geschehen war. Hatte sie sich wirklich sozusagen einem Fremden angeboten? War aus ihr etwa plötzlich eine Femme fatale geworden? Es war nur eine „Po-Affäre“ in einem Fahrstuhl gewesen, doch ihr war so, als hätte sie einen kurzen Blick auf die dunkle – und höchst erregende! – Seite des lasterhaften Treibens erhascht. Und sie musste zugeben, dass ihr diese Seite besser gefiel, als sie gedacht hätte.

Karen saß vor ihr, die Wangen gerötet: „Das müsst ihr wiederholen!“, sagte sie aufgeregt.

„Nein, auf gar keinen Fall!“ Julie wehrte ab. „Und außerdem: Wie soll das gehen?“

„Mach dich nicht lächerlich, das ist doch kein Problem. Du musst nur vor den Fahrstühlen aufpassen, bis dieser Hausmeister wieder auftaucht. Und dann …“

„Das Einzige, worauf ich jetzt aufpassen muss, ist die neue Kampagne“, unterbrach Julie ihre Freundin. „Unsere Präsentation heute Nachmittag muss perfekt sein!“

Karen überlegte einen Augenblick lang, dann antwortete sie resigniert: „Na gut, wenn du meinst. Aber wer nur arbeitet und keinen Spaß hat, den packt schnell der Frust, das weißt du?“

Julie fragte sich, ob Karen überhaupt begriffen hatte, wie schlecht es wirklich um ihre Firma stand. „Du weißt, dass ich heute Nacht über den Büchern gehockt habe und es nicht gut …“

„Ja, ja …“, unterbrach Karen sie und hob die Hand, um sie zum Schweigen zu bringen. „Zurück zur Arbeit: Ich glaube, ich habe eine paar wirklich gute Ideen.“

Julie nickte. Es gab nichts mehr zu sagen. Außer vielleicht, dass sie das gemeinsam durchstehen würden.

„Wir ziehen diesen Vertrag an Land!“ Karen klang selbstbewusst. „Ich weiß es ganz einfach!“

2. KAPITEL

Sieben Wochen später …

„Sie haben sich für jemand anderen entschieden.“ Julie starrte fassungslos auf den Bildschirm ihres Laptops. „Wir bekommen den Auftrag nicht!“

Auf der gegenüberliegenden Seite des Schreibtischs seufzte Karen. Keine von ihnen wusste, was sie jetzt sagen sollte. Weit weg von ihrem Zuhause saßen sie in ihrer völlig überschuldeten Firma und waren nur noch um Haaresbreite von der Pleite entfernt.

„Sie hätten sich für uns entscheiden müssen, unsere Ideen waren wirklich gut.“ Julie ließ sich in ihren Bürosessel zurückfallen. „Ich denke an nichts anderes als an Werbung, und du bist die beste Grafikerin, die es gibt. Zusammen kennen wir das Internet wie unsere Westentasche. Wir sollten in Geld schwimmen und nicht …“

Karen seufzte wieder, dieses Mal noch tiefer und sorgenvoller. „Okay, dann hat es eben nicht funktioniert. Das sind Idioten, doch wir müssen nach vorn sehen. Was machen wir als Nächstes?“

Julie antwortete nicht. Nach zwei Jahren voller Entbehrungen, in denen sie an allen Ecken und Enden geknausert und rund um die Uhr an ihren Schreibtischen gesessen hatten, hatte sie nicht den Mut, Karen zu sagen, dass es kein „Nächstes“ mehr gab. Sie hatte keine Kraft mehr. Ihr ganzes Herz, ihre Seele und nicht zuletzt ihren letzten Dollar hatte sie in diese Kampagne investiert.

„Mein Vater hat eine neue Bowling-Gruppe gegründet.“

„In Nebraska?“ Karen schnaubte. „Du hasst Nebraska!“

Sie hasste es auch, wenn sie nichts zu essen hatte. Sie hasste es, keine Wohnung mehr zu haben, weil ihr das Geld für die Miete fehlte. Und wenn kein Wunder geschah, würde es bald so weit sein.

„Julie, du hast doch immer noch ein Ass im Ärmel! Was können wir jetzt machen?“

„Nichts“, antwortete sie leise. „Absolut gar nichts. Wir sind am Ende.“

Karen schwieg, versuchte, die Worte ihrer Freundin zu verarbeiten. Wollte Julie wirklich nach Nebraska zurückkehren? Ihrer Familie beibringen, dass ihr Traum – den sie schon träumte, seit sie zwölf Jahre alt war – in einer riesigen Pleite untergegangen war?

Das würde sie nicht zulassen: „Gut, hör zu. Hier ist der Plan.“ Ihre Stimme klang fest und zuversichtlich. „Ich denke, du solltest dir einen Kerl suchen und dich von ihm flachlegen lassen.“

Abrupt löste Julie ihren Blick von der Decke und starrte ihrer Freundin entsetzt in die Augen. „Wie bitte?“

„Ich meine es ernst. Du hast die letzten Monate, wenn nicht Jahre, ununterbrochen gearbeitet. Jetzt ist es an der Zeit, endlich einmal zu entspannen. Dann kommen auch die neuen Ideen.“

„Was?“ Julie war immer noch fassungslos.

„Deine Energie, deine Kraft ist weg. Der Fluss deines Chi ist unterbrochen. Kein Wunder: Du hast nicht an dich und deine Bedürfnisse gedacht. Und glaube mir, nichts bringt den Fluss besser wieder in Gang als guter …“

„Karen! Du kannst nicht ernsthaft glauben, dass Sex die Antwort auf unseren Konkurs ist!“ Jetzt war es raus: Wie eine düstere Wolke schwebte das Wort über dem Schreibtisch.

Karen schüttelte den Kopf. „Wir sind noch lange nicht bankrott. Wir haben fast einen Monat Zeit, um die Agentur zu retten. Wenn dein Chi Kreativität zulassen würde … Wann hast du eigentlich den Hausmeister aus dem Aufzug das letzte Mal gesehen?“

Julie verschluckte sich beinahe vor Schreck. Hätte sie Karen bloß niemals etwas von ihm erzählt! Schon gar nicht, weil das erotische Treffen vor sieben Wochen nur der Anfang einer höchst merkwürdigen „Beziehung“ gewesen war. Seitdem hatte sie den Fremden noch ein paar Mal im Fahrstuhl getroffen. Nicht nur diese Begegnungen, auch die darauffolgenden nächtlichen Fantasien beflügelten sie über alle Maßen. Und eines war klar: Sie wollte um keinen Preis auf die erregendsten Aufzugfahrten, die sie je erlebt hatte, verzichten!

Julie dachte an das zweite Treffen mit dem Hausmeister. Sie hatte schon im Aufzug gestanden, als er vor der sich öffnenden Tür wartete. Im ersten Moment war sie sich nicht einmal sicher gewesen, ob es derselbe Mann war, doch seine Größe von gut über 1,80 Meter, sein muskulöser Körperbau und der Overall sprachen dafür. Sein Haar war von einem tiefen, glänzenden Braun, leicht gewellt und länger als das der Geschäftsleute, die neben ihr standen. Während sie ihm in seine schokoladenbraunen Augen starrte, versuchte sie, ihn auf telepathischem Weg zu fragen, ob er der Mann war, der solch einen Sturm der Gefühle in ihr ausgelöst hatte.

Er antwortete natürlich nicht. Doch er atmete tief ein, als wolle er ihr Parfüm inhalieren. Roch er das Sandelholz, das sie sich morgens auf ihre Handgelenke getupft hatte?

Sie lächelte ihn an. Die Gefühle hatten schon wieder das Ruder übernommen, sie schenkte ihm ihr verführerischstes „Komm-zu-mir“-Lächeln. Er sah es, sein Blick wanderte kurz zu ihren Lippen. Doch dann wandte er sich desinteressiert ab, stellte sich mit unbeteiligter Miene neben sie.

Ihr Ego brach von einem Augenblick auf den anderen in sich zusammen. Das war nicht ihr Hausmeister! Oder, noch schlimmer: Wenn er es war, hatte er keinerlei Interesse an einer Fortsetzung ihrer „Affäre“. Die Enttäuschung schnitt tief in ihr Herz, vielleicht, weil sie beinahe ununterbrochen an ihn gedacht hatte. An ihn und an das, was sie getan hatten! Sie unterdrückte gerade einen Seufzer, als er sich vorbeugte und auf den Knopf drückte: oberstes Stockwerk. Sein Arm streifte ihre Brust, doch das war wahrscheinlich nur ein Versehen. Aber auch als er sich wieder gerade hinstellte, streifte er ihre Brüste. Vielleicht hatte sie sich ein wenig in seine Richtung gereckt, damit er merkte, wie sehr sie auf ihn reagierte: Hart und fordernd rieben ihre aufgerichteten Brustwarzen an seinem Unterarm. Viel zu schnell war es vorbei. Die Fahrt endete, und er ging ohne ein Wort. Das war das zweite Zusammentreffen mit dem geheimnisvollen Fremden.

Das nächste Mal sah sie ihn eine Woche später, als sie auf dem Weg in die Tiefgarage war. Der Aufzug war nur halb voll, keine Chance für unbeabsichtigte Berührungen. Doch der Fremde erwies sich als einfallsreich: Eine Entschuldigung murmelnd, stellte er sich seitlich vor sie hin, beugte sich nach unten und öffnete eine Metallabdeckung am unteren Ende der Seitenwand. Alle hatten ihm Platz gemacht, nur Julie war keinen Schritt zurückgewichen. Warum auch? Sein Ellenbogen befand sich genau auf Höhe ihres Venushügels, und sie hatte sich unauffällig gegen ihn gepresst.

Oh Gott, es fühlte sich so gut an! Die Hüfte vorschieben, eine kleine kreisende Bewegung, sich wieder zurückziehen. Und noch einmal von vorne! Der Lift hielt viel zu schnell in der Tiefgarage, und sie war zu feige, um einfach im Fahrstuhl zu bleiben.

Sie fieberte diesen Treffen immer mehr entgegen und fühlte sich andererseits zutiefst verdorben. Doch ihr Hausmeister war stets höflich, zuvorkommend, und er hörte sofort auf, wenn sich die Tür öffnete. Sie las in seinem Blick, dass sie die heißeste Frau auf dem Planeten war und nichts ihn davon zurückhalten konnte, sie zu berühren.

Und jetzt saß Karen vor ihr und wollte Details hören. „Das letzte Mal war … am besten“, sagte Julie. Sie spürte, dass ihre Wangen heiß wurden.

„Ja? Erzähl!“

Julie biss sich auf die Unterlippe. „Er stand hinter mir und … schlang einen Arm um mich. Dann zog er mich eng an sich und ließ seine Hand zwischen meine Beine gleiten. Er hat die tollsten Hände, die mich je angefasst haben: kräftig und gleichzeitig so zärtlich.“

„Oh, mein Gott, erzähl weiter: Was hast du getan?“

Julie schloss die Augen, sie konnte Karen nicht ansehen, während sie sich an die erregenden Minuten erinnerte: „Nichts“, flüsterte sie schließlich. „Ich habe es einfach nur genossen.“ Niemals würde sie Karen erzählen, was sie in diesen Minuten gedacht hatte. Wie sehr sie sich danach gesehnt hatte, ihn tief in sich zu spüren! Sie wollte ihre Beine für ihn öffnen und ihn in sich aufnehmen.

Oh, mein Gott, sie wurde schon feucht, wenn sie nur an seine Hand zwischen ihren Beinen dachte!

„Aha“, sagte Karen mit bedeutungsvollem Blick. „Ich habe nur einen Rat für dich: Lass es einfach geschehen, Julie! Sei einmal in deinem Leben unvernünftig und denk nicht nach – hab nur guten Sex mit ihm! Glaube mir: Das wird dein Chi wieder in Schwung bringen!“

„Ich kann es ja wohl kaum mit jemandem im Fahrstuhl treiben, oder?“

„Warum nicht? Hast du Kondome?“

Julie nickte. Sie hatte vor Wochen einen kleinen Vorrat davon gekauft, und der hatte ein Loch in ihr extrem knappes Budget gerissen.

„Na, dann!“ Karen schrie beinahe, als sie spielerisch mit ihrer Tasche nach Julies Bein schlug. „Vergrab dich nicht schmollend die ganze Nacht im Büro. Geh los und schnapp dir den Hausmeister! Oder irgendeinen anderen Kerl.“

„Karen …“

„Im Ernst, Julie. Irgendetwas wird uns retten. Verlier nur nicht den Glauben daran.“

„Du bist die Beste“, erklärte sie. „Ich bin froh, dass du an meiner Seite bist, wenn wir Konkurs gehen.“

„Wir haben noch drei Wochen“, erinnerte Karen sie. „Drei ganze Wochen, bevor die Miete fällig wird.“ Dann ging sie nach Hause.

Julie sagte nichts, bis das Klicken der Tür ihr verriet, dass Karen sie nicht mehr hören konnte. Ihre Kehle war wie zugeschnürt, und die Tränen stiegen ihr in die Augen. Drei Wochen oder drei Jahre, das machte keinen Unterschied. Sie glaubte nicht mehr daran, dass es wieder aufwärts gehen würde. Sie hatte keine Kraft mehr, wollte nur noch nach Hause, in den Schoß der Familie zurückkehren und ihre Wunden lecken. Das Einzige, das sie überhaupt noch davor zurückhielt, sich sofort auf den Weg nach Nebraska zu machen, war, dass sie nicht als Verliererin heimkehren wollte. Als bankrotte Verliererin.

Ihre düsteren Gedanken verscheuchend, öffnete Julie ihren Laptop und begann zu tippen. Sie starrte stundenlang auf den Bildschirm, durchforstete das Internet auf der Suche nach einem Ausweg aus ihrer misslichen Lage. Doch sie fand nichts. Kein brauchbares Jobangebot. Nicht einmal ein Texter wurde irgendwo gesucht. Sie war mit ihren Fähigkeiten genauso am Ende wie mit ihren finanziellen Möglichkeiten. Als sie das erste Mal auf die Uhr sah, stellte sie erschrocken fest, dass es schon kurz vor zehn war. Zeit, nach Hause zu gehen. Klick. Julie schloss ihren Laptop. Trotz des kühlen Herbstwetters trug sie keinen Mantel, sie hatte sich heute Morgen für einen langen Pullover über ihrer Hose entschieden.

Schnell ging sie zu den Fahrstühlen und drückte auf den Knopf. Ihre Gedanken wanderten zu dem Fremden, und sie rief sich streng zur Ordnung: „So spät ist er nicht mehr hier, mach dir keine Hoffnungen!“

Beim Gong des ankommenden Fahrstuhls setzte sie automatisch ein Begrüßungslächeln auf, als sich die Türen öffneten. Und schrie vor Überraschung leise auf: Dort, lässig an die Rückwand des Fahrstuhls gelehnt, stand er ganz allein im Lift: ihr Hausmeister! Dieses Mal trug er nicht seinen üblichen Overall, sondern Turnschuhe, Jeans und ein ausgewaschenes Baumwoll-T-Shirt, das einmal blau gewesen war.

Julie sagte nichts, sie würde sowieso kein Wort herausbringen. Er lehnte sich gegen die Wand und betrachtete sie wie ein Raubtier. Als ob er nur auf sie gewartet und genau gewusst hätte, dass sie zu ihm in den Lift kommen würde.

Karens Worte hallten in ihrem Kopf wider: Lass es einfach geschehen, Julie! Sei einmal in deinem Leben unvernünftig! Julie nagte an ihrer Unterlippe. Sollte sie? Sie hatte noch drei Wochen, bevor sie Chicago für immer verlassen musste. Und plötzlich erschien ihr alles perfekt. Drei Wochen bedeuteten einundzwanzig Nächte, um sich im Großstadt-Dschungel zu vergnügen und all ihre Fantasien hemmungslos auszuleben. Genauso lustvoll und leidenschaftlich, wie sie es sich erträumt hatte. Danach würde sie nach Hause zurückkehren und einfach wieder von vorn anfangen.

Alles, was sie machen musste, war, zwei Schritte zu gehen. Und dann den Fremden tun zu lassen, was immer er wollte. Doch konnte sie das wirklich?

Ja, sie konnte! Heute war die Nacht der Nächte, jetzt war der Augenblick gekommen, um ihr Chi wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Julie trat in den Fahrstuhl. Dann tat sie das, was sie immer tat, wenn sie den Fremden traf: Sie drehte sich um, sodass sie mit dem Gesicht zu den Türen stand. Sie spürte seine Anwesenheit in ihrem Rücken, als sie ihre Hand zu den Knöpfen bewegte. Der Fahrstuhl erwachte brummend zum Leben, die Türen schlossen sich. Doch Julie nahm ihre Hand nicht von der Schalttafel weg, im Gegenteil: Aufreizend langsam wanderte ihr Finger zum „Stopp“-Button. Jetzt! sprach sie sich selbst Mut zu. Drück endlich diesen verdammten Knopf!

3. KAPITEL

Sams Herz begann hektisch zu schlagen, als er Julie sah. Und auch in seiner Hose stellte sich das altbekannte Gefühl ein: Sie wurde viel zu eng beim Anblick dieser erotischen Frau! Es war fast zwei Monate her, seit er sie das erste Mal gesehen hatte. Erst später hatte er herausgefunden, dass sie Julie Thompson hieß und Miteigentümerin sowie kreative Kraft hinter der Werbeagentur „Web Wit and Wonder“ im siebzehnten Stock war.

Erst hatte er gedacht, das Treffen mit der Frau in Gelb sei ein einmaliges Ereignis gewesen, eines von der verrückten Art, das einem in einer Stadt wie Chicago immer passieren kann. Wahrscheinlich wäre es auch so gewesen, wäre er nicht der Besitzer des Bürohauses. So hatte er Zugang zu den geheimen Sicherheitsunterlagen des Gebäudes, und es kostete ihn nur ein paar Minuten, um alles über Miss Thompson zu erfahren. Ein paar weitere Minuten dauerte es, bis er die Software der Überwachungskameras auf seinen Laptop heruntergeladen hatte. Zwar gab es in Julies Büro keine Kameras, wohl aber auf dem Flur davor. Von nun an wusste er genau, wann sie in ihr Büro ging und wann sie es wieder verließ. Und – das Wichtigste! – er wusste genau, wann sie in Richtung der Fahrstühle ging.

Eine Woche hatte es gedauert, dann war es ihm gelungen, wieder mit ihr zusammen in einem Aufzug zu stehen. Sein Herz hatte laut geschlagen, als sie neben ihm stand, doch jetzt wollte er es wissen. Wie nebenbei beugte er sich an ihr vorbei zu den Knöpfen hinüber und streifte dabei natürlich rein versehentlich ihren Busen. Wenn sie sich beschwerte, konnte er sich damit entschuldigen, dass ihm nur ein Missgeschick unterlaufen war. Er hatte die Entschuldigung bereits im Kopf, als er ihre wundervollen Brüste berührte. Und verdammt noch mal: Als er seinen Arm wieder zurückzog, hatte sie sich da ihrerseits ein wenig vorgebeugt – damit sie näher an ihn herankam?

Sam verlor fast den Verstand. Er war überzeugt gewesen, dass sie schreien und mit dem Finger auf den „Sexstrolch“ zeigen würde, hatte sich sogar schon damit abgefunden, sich bald vor einem Richter wegen sexueller Belästigung rechtfertigen zu müssen. Doch nichts dergleichen geschah. Während er noch immer versuchte, die neuen Informationen zu verarbeiten, wurde ihm eines klar: Niemals mehr würde er diese Frau aus den Augen lassen!

Sam achtete darauf, dass sie ihn nur in seinem Arbeits-Overall sah. Er hatte schon genug Frauen kennengelernt, die zu gern „Sex mit dem Millionär“ haben wollten. Unglaublich, wie viele Mädchen es gab, die eine eintönige Beziehung ertrugen, weil es ihnen allein ums Geld ging! Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, vorsichtig zu sein und seine wahre Identität so spät wie möglich preiszugeben. Wenn Miss Julie Thompson wirklich heißen Sex im Fahrstuhl haben wollte, würde sie den von einem Hausmeister bekommen, nicht von einem Firmenboss.

Er richtete seinen Tagesablauf auf sie aus. Es half, dass sie genauso ein Arbeitstier war wie er. Gern nutzte er die morgendliche Fahrt vom Erdgeschoss bis in den siebzehnten Stock für seine heimlichen Streicheleinheiten. Und nachts in seinem Bett brachte er das, was er morgens begonnen hatte, höchst erfüllend zu Ende.

Doch so lustvoll seine Träume auch waren: Langsam wurde Sam der Spiele mit sich selbst überdrüssig. Und jetzt stand sie endlich vor ihm, bot ihm ihren erregenden Po an. Sie waren allein – und es war Zeit, der Fantasie Taten folgen zu lassen!

Der Hauch von Sandelholz, der sie umgab, stieg ihm zu Kopf, und sein Blut schoss geradezu in seinen Unterleib. Normalerweise würde er jetzt ganz nah hinter sie treten und heimlich und lustvoll ihren Po, ihren Rücken oder ihre wunderschönen Brüste liebkosen. Ihr Anblick war einfach himmlisch: Ihre Kurven, ihr weiblicher und doch trainierter Körper – und wenn sie High Heels trug, befand sich alles an ihr in genau der richtigen Höhe für ihn.

Aber heute war es nicht wie sonst. Heute standen sie ganz allein in diesem Fahrstuhl. Und dank einer gerade in seinem Handy installierten Software hatte er die Kontrolle über den Lift. Sam hielt das Handy in seiner Tasche griffbereit, sein Zeigefinger ruhte auf der „Eins“. Auf der Zahl, die den Aufzug zum Stehen bringen würde.

Als sich der Lift in Bewegung setzte, beobachtete Sam die junge Frau genau. Sie ließ den Riemen ihrer Handtasche von ihren Schultern gleiten, richtete sich auf, hob ihr Kinn an. Und das Beste von allem: Ihre Hand schwebte noch immer über dem „Stopp“-Knopf. Das war die Einladung, die er brauchte – sie wollte mehr, genau wie er! Heftiger atmend beobachtete Sam, was sie tat: Würde sie es wirklich tun?

Ja! Sie drückte auf den Knopf, nur den Bruchteil einer Sekunde, bevor Sam die Eins auf seinem Handy drückte. Mit einem Ruck kam der Fahrstuhl zum Stehen, und dank seines Handys schalteten sich die Überwachungskameras im selben Moment aus. Julie gab einen überraschten Laut von sich, geriet ins Taumeln und fiel – direkt gegen ihn. Er stützte ihre Beine mit seinen Oberschenkeln, umfing sie mit seinen Armen. Eine Hand lag jetzt auf ihrer rechten Schulter, die andere auf ihrem Bauch. Und Julies Pullover wurde an der Seite nur von ein paar Bändern zusammengehalten. Wenn er seine Hand auf ihrem Bauch ein wenig wandern ließ, konnte er die Schleife öffnen. Und dann …

„Alles in Ordnung?“, fragte er leise.

„J…Ja“, antwortete Julie, während sie ihm ihr Gesicht zuwandte. „Ich muss versehentlich auf den falschen Knopf gedrückt haben.“

„Wir haben an den Aufzügen gearbeitet“, log er. „Sie sind schon seit ein paar Tagen nicht in Ordnung.“

„Oh“, flüsterte sie und kam seinem Mund noch etwas näher. „Das ist schlecht.“ Jetzt war es so weit. Ohne weiter darüber nachzudenken, nahm Sam ihre Einladung an und presste seine Lippen auf ihre.

Sie taten es wirklich! Julie hatte den Fahrstuhl gestoppt, und jetzt musste – durfte! – sie mit den Folgen leben. Sie zitterte, ihr Bauch fühlte sich dort, wo seine Hand lag, heiß an. Seine Augen waren von einem Braun, das sie noch nie gesehen hatte, sein Mund war warm, weich und verführerisch. Und seine Zunge leckte fordernd über ihre Lippen.

„Wir sind nicht in Gefahr!“, murmelte er, und Julie spürte einen Schauer über ihren Rücken jagen. „Ich glaube, ich kann es reparieren.“ Während er sie mit seinem Mund weiter liebkoste, begann er mit den Händen, ihre Brüste zu streicheln. Julie keuchte, als Sam sein Ziel erreichte: Er berührte ihre harten Spitzen. Seine Lippen auf ihrem Mund waren so erregend, und jetzt begann er auch noch, sie auszuziehen! Seine Küsse wurden fordernder, seine Zunge drängte in ihren Mund – und sie öffnete ihn bereitwillig. Sie fühlte, dass ihr Pullover nur noch sehr locker saß, aber es störte sie kein bisschen.

Dann löste sie ihre Lippen von seinen. Nicht, weil sie diesen Kuss nicht genoss, doch sie musste Atem schöpfen. Er beugte sich ein wenig zurück und sah sie prüfend an. Julie las die Frage in seinen Augen: Würde sie ihm erlauben, noch weiterzugehen? Wollte sie ihn? „Tue es einfach“, hörte sie ihre Freundin Karen sagen.

„Ich habe lange gearbeitet. Wir haben gerade einen großen Auftrag verloren“, stammelte sie. Dann keuchte sie überrascht auf, als Sam ihre Brüste leicht drückte. Seine Haut war die eines arbeitenden Mannes, rau und schwielig. Es war so erregend, wenn er sie berührte!

„Das tut mir leid“, murmelte er.

„Es ist nicht zu ändern.“ Sie hing immer noch in seinen Armen, und langsam wurde die Position ein wenig unbequem. Als sie sich aufrichtete, ergriff Sam die Gelegenheit, seine Hand unter ihren Pullover zu schieben.

„Ich kann jemanden rufen, wenn du das willst“, bot er an, sein Mund an ihrem Ohr. Er gab ihr die Möglichkeit, Nein zu sagen, die ganze Sache jetzt und hier zu beenden.

„Das wird nicht nötig sein!“ Julie schüttelte den Kopf.

Mit einer fließenden Bewegung ließ er seine Hand, die eben noch ihren Bauch gestreichelt hatte, zwischen ihre Schenkel gleiten. Mit der anderen Hand fuhr er endlich unter ihren BH. Julie schloss die Augen, ihr ganzer Körper stand unter Spannung, ihr Atem ging schwerer.

„Wenn du willst, kann ich diesen Aufzug wieder in Gang setzen“, sagte er, während er die Träger ihres BHs über ihre Schultern schob.

„Noch nicht“, flüsterte sie, überrascht von ihrem eigenen Mut. Jetzt hatte sie es gesagt, jetzt wusste er, dass sie bereit für ihn war. Und er nahm ihre Einladung mehr als gern an. Mit beiden Händen umschloss er jetzt ihre Brüste, knetete und streichelte sie. Sam war es gewohnt, zuzupacken, das spürte sie deutlich. Julie drückte den Rücken durch, presste den Kopf gegen seine Schulter, ihre Brüste gegen seine Hände. Sein Streicheln jagte einen lustvollen Schauer nach dem anderen über ihren Rücken. Sie wollte seine harten Muskeln fühlen, er sollte sie überall berühren. Sie griff hinter sich, umfasste seine strammen Oberschenkel.

„Ich heiße übrigens Sam.“

„Julie“, keuchte sie, während sie ihre Brüste noch mehr gegen ihn presste. Er massierte sie, rieb die aufgerichteten Spitzen zwischen seinen Fingern. Sie stöhnte leise auf, als er ihren Hals küsste. „Ich mag dein Parfüm“, murmelte er, bevor er mit seiner Zunge die Konturen ihres Ohres erkundete. Julie zitterte, überrascht, dass sie so heftig auf einen fremden Mann reagierte. Niemals zuvor hatte sie gefühlt, was sie in diesem Fahrstuhl erlebte. Ihr Körper war ihr plötzlich fremd und es schien, dass sie ihn genauso neu entdeckte wie Sam es gerade tat: Wenn er ihre Brüste umfasste, atmete sie stärker. Massierte er sie, stöhnte sie tief und animalisch. Liebkoste er ihr Ohr, keuchte sie und drängte sich noch näher an ihn. Julie hatte keinerlei Kontrolle mehr über ihren Körper, wusste nicht, was als Nächstes kam. Doch sie genoss dieses Gefühl und wollte immer mehr. So viel mehr!

„Du bist so verdammt sexy“, flüsterte Sam, jetzt klang seine Stimme heiser und erregt. Er ließ seine Hand wieder über ihren Bauch bis zu ihrem Hosenbund wandern. „Ich habe dich nur einmal gesehen, und du bist mir nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Du hast mich beinahe wahnsinnig gemacht.“

Er öffnete den Knopf ihrer Hose, zog langsam den Reißverschluss hinunter. Bevor sie wusste, wie ihr geschah, hatte er sein Ziel gefunden: Sie war so heiß und feucht dort unten, nur ihr Slip störte noch zwischen ihr und seinen geradezu magischen Fingern. Es gab keine andere Möglichkeit: Um nichts in der Welt wollte sie auf dieses Gefühl zwischen ihren Beinen verzichten! Sie wollte ihn ganz und gar, denn das hier war erotischer als ihre heißesten Fantasien. Es war größer, mächtiger und viel, viel besser, als sie es sich je erträumt hatte.

Endlich tat er es: Sam schob ihre Hose und ihren Slip über ihre Hüften und erkundete mit seiner Hand die Stelle, auf die sich ihr ganzes Verlangen konzentrierte. Nur eine Sekunde später drangen seine Finger in sie ein, und sie zitterte jetzt am ganzen Körper. Sein starker Arm stützte sie, während er mit langsamen Bewegungen immer tiefer und tiefer vordrang. Er rieb über ihre empfindlichste Stelle, und Julie fühlte, dass ihre Beine nachgeben wollten. Sie klammerte sich an seinen Oberschenkeln fest, verzweifelt bemüht, nicht den Halt zu verlieren und sich ihm noch mehr entgegenzustrecken. Diese süße Qual sollte niemals enden! Dieses Vergnügen, ihn in sich zu spüren, seine Finger, die sie immer weiter an den Rand des Wahnsinns brachten, die Hand, die gleichzeitig ihre Brüste streichelte und ihr Halt gab – Julie hatte so etwas noch nie erlebt! Immer erregender stimulierte er sie, und ihr Körper reagierte sofort: Die Muskeln in ihrem Bauch zitterten, sie atmete schwer, spürte ihren Herzschlag in den Ohren.

„Oh! Oh!“ Mehr als diese leisen Laute brachte sie nicht heraus. Es war fantastisch, er war fantastisch. Sam brachte sie bis kurz vor den Orgasmus, um dann einen Augenblick lang zu verharren. Lieber Gott, bitte, lass es ewig dauern! Doch dann konnte sie sich nicht mehr zurückhalten. Fest drückte Sam seine Hand zwischen ihre Schenkel, und um sie herum versank die Welt: „Jaaa!“

4. KAPITEL

Aufstöhnend kehrte Julie auf den Boden der Tatsachen zurück. Und fühlte sofort brennende Scham. Hatte tatsächlich eben gerade der Hausmeister – Sam – sie zu einem Orgasmus gebracht, wie sie ihn noch nie erlebt hatte?

Er atmete schwer an ihrem Hals. Seine Hand lag auf ihrer Brust, sein Arm umfing sie immer noch. Gott, er war so stark, so muskulös! Er würde sie bestimmt die ganze Nacht so halten können und niemals ermüden.

„Meine Güte“, unterbrach sie unsicher das Schweigen. „Was für ein großartiges Ende eines schrecklichen Tages.“ Sie spürte, dass er grinste.

„Ein guter Hausmeister ist eben zur Stelle, wenn er gebraucht wird.“

Julie lachte, er machte sich lustig über sie beide. Doch plötzlich wurde sie sich bewusst, dass sie sich immer noch halbnackt an Sam klammerte. Sie löste ihre Hände von seinen Schenkeln, beugte sich ungeschickt hinunter und zog sich den Slip und die Hose über die Hüften. Sam trat höflich einen Schritt zurück, doch Julie fühlte die brennende Röte in ihrem Gesicht. Wie könnte sie ihm in die Augen sehen – nach dem, was sie gerade getrieben hatten?

Sam rieb sich den Nacken. „Es muss hier nicht enden“, sagte er zögernd. „Wir könnten etwas zusammen trinken, essen gehen, uns …“

Schnell drehte sich Julie um und legte ihm einen Finger auf die Lippen. „Wir können nicht!“, sagte sie. „Ich meine …“ Doch was meinte sie eigentlich? Was wollte sie ihm sagen? Dass sie in drei Wochen Chicago für immer verlassen würde? Es war nicht gerade der beste Zeitpunkt, eine Beziehung einzugehen. „Ich bin ein schrecklicher Mensch“, murmelte sie. Zärtlich nahm er ihre Hand von seinem Mund.

„Ein guter Hausmeister ist stets zur Stelle, erinnerst du dich? Was immer du willst, so wird es geschehen.“

„Ich bezweifle, dass die Hausmeister-Gewerkschaft das genauso sieht“, antwortete sie trocken.

Er ließ ihre Hand los und streichelte ihr Gesicht. Sie schmiegte ihre Wange in seine Handfläche, und er streichelte sie zärtlich mit seinem Daumen. Es war ein wundervoller Moment! Dann suchte sie seinen Blick, und er sah ihr offen in die Augen. Er verurteilte sie anscheinend nicht für das, was eben geschehen war.

„Es muss ja auch kein Dinner sein“, sagte Sam. „Vielleicht lieber ein Kaffee oben bei Robotics? Oder ein Eisbecher unten im Café?“

„Ich muss gehen“, unterbrach Julie ihn. „Chicago. In drei Wochen. Ich will dich nicht belügen …“

Er küsste sie. Nicht zärtlich diesmal, sondern wild und gierig. Er stieß seine Zunge in ihren Mund, forderte sie zum erotischen Spiel auf. Mit seinen kräftigen Händen wühlte er in ihren Haaren, bog ihren Kopf nach hinten. Sie wölbte sich ihm entgegen, erwiderte seinen Kuss voller Leidenschaft und genoss, dass er die Führung übernahm. Er war stark, ihr Hausmeister! Und sich ihm zu unterwerfen, könnte erregender nicht sein.

Es dauerte nur ein paar Sekunden, da fühlte sie wieder Schauer der Lust durch ihren Körper jagen. Sie war unersättlich! „Das ist einfach verrückt“, sagte sie, als er sich kurz zurückzog.

„Ich weiß“, antwortete er grinsend, offensichtlich von seinem eigenen Versuch beeindruckt, sich zurückzunehmen und nicht sofort über sie herzufallen. Eng aneinandergepresst sahen sie sich tief in die Augen.

„Weißt du, ich habe wirklich hart gearbeitet.“ Julie wollte ihm ihren inneren Zwiespalt erklären. „Nicht nur in meiner Agentur, schon lange davor musste ich kämpfen, damit ich überhaupt nach Chicago kommen konnte.“

„Du musst mir nichts erklären.“

„Ich will es aber“, unterbrach sie ihn. „Ich will, dass du mich verstehst. Beruflich geht es mir schon seit einer Weile schlecht. Nichts funktioniert so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe gekämpft, wirklich gekämpft. Aber es hat nichts gebracht: Ich muss die Agentur schließen.“

Sie sah Mitleid und Wärme in seinen Augen. „Du meinst also, es ist besser, wenn wir uns jetzt trennen“, fasste er ihre Worte zusammen.

Als hätte sie ihn gar nicht gehört, fuhr sie fort: „Und dann traf ich dich vor fast zwei Monaten. Ich wollte dich gar nicht kennenlernen, nicht einmal mit dir reden. Ich wollte eigentlich nur Sex mit dir. Und plötzlich fühlte ich mich endlich einmal wieder … glücklich, verstehst du? Seit langer Zeit dachte ich nicht ans Büro oder an die unbezahlten Rechnungen. Ich dachte nur an dich und mich und an das, was wir miteinander tun könnten.“

„Sex ohne Verbindlichkeit.“ Sam lachte bitter. „Glaub mir, ich weiß, was du meinst. Ich weiß es genau.“

„Ich wollte dich nicht belügen, ich wollte mich nur einen Moment lang gut fühlen. Einen Moment lang die Königin der Welt sein.“

Er ließ eine Hand an ihrem Körper hinuntergleiten, packte ihre Hüften und zog sie noch enger an sich. Gott, er war schon wieder so hart, wie sie ihn in Erinnerung hatte! Genauso hart, wie sie es sich so lange in ihrer Fantasie ausgemalt hatte.

„Ich bin einverstanden damit, dass wir uns einfach nur gut fühlen“, sagte er. „Keine Verbindlichkeit, keine Beziehung. Wenn ich ehrlich bin: Das ist genau das, was ich gerade möchte.“

Julie atmete tief ein, überrascht von ihrem eigenen Mut. „Ich habe Kondome in meiner Handtasche.“ Sie blickte ihm in die Augen, sah, dass sich seine Nasenflügel weiteten, und fühlte, wie sich sein Körper anspannte. Er nahm seine Hand von ihrem Kinn und wühlte sich durch ihr Haar. Eigentlich war es unmöglich, doch es schien, als sei er noch größer und stärker als vor einem Augenblick. Das war es, was sie von ihm wollte: Stärke, Überlegenheit und unbedingten Willen. Und sie wollte sich in seinen Armen aufgeben.

Ihren Versuch, sich noch fester an ihn zu pressen, verstand er offenbar als Aufforderung, sie zu küssen. Die Berührung seines Mundes fühlte sich an wie ein leichter elektrischer Schlag und hinterließ ein angenehmes Kribbeln auf ihren Lippen. Doch Sam gab sich nicht mit Oberflächlichkeiten zufrieden. Er erforschte mit der Zunge jeden noch so verborgenen Winkel ihres Mundes, bis sie vor Verlangen keuchte. Dann konnte Julie ihre Ungeduld nicht länger bezähmen. Sie wollte endlich seine nackte Haut spüren, zerrte sein T-Shirt nach oben, ohne ihre Lippen von seinen zu lösen. Endlich konnte sie ihm die Hände auf die Brust legen, seine Muskeln mit ihren Fingern erforschen. Noch während sie ihn streichelte, drängte er sie gegen die Wand, bis sie an der Verkleidung des Fahrstuhls lehnte. Julie spreizte ihre Beine, genoss, dass Sam ganz nah an sie herantrat, sich an sie drängte und seine Hüften aufreizend bewegte. Er küsste ihren Nacken, öffnete ihren Pullover und erkundete dann mit seinem Mund ihren Körper. Und er fand schnell sein Ziel: Er leckte die harte Knospe ihres rechten Busens, saugte daran, küsste sie, um sie dann wieder loszulassen und wiederum zärtlich mit seiner Zunge zu umfahren. Julie war so auf das konzentriert, was er mit ihren Brüsten machte, dass sie kaum bemerkte, wie er ihre Hose öffnete und versuchte, sie über ihre Hüften nach unten zu schieben. Ungeduldig zerrte sie die Jeans nach unten. Jetzt, da die Regeln klar waren, hielt nichts mehr sie zurück. Sie wollte ihn in sich spüren!

Julie umfasste sein Gesicht mit den Händen: „Kondom“, stieß sie hervor, für mehr Worte fehlte ihr der Atem. Sam lächelte, ließ beide Hände unter ihren Po wandern und richtete sich auf. Er hob sie hoch, bis sie auf der Haltestange des Fahrstuhls zum Sitzen kam. Bereitwillig schlang sie ihre Beine um seine Hüften und genoss die perfekte Aussicht auf seine stahlharten Muskeln, als er sich ein wenig zur Seite drehte, um ein Kondom aus seiner Gesäßtasche zu ziehen. Dann öffnete er seine Hose – und endlich konnte sie seine Männlichkeit, von der sie so oft geträumt hatte, in ganzer Pracht bewundern. Er war genauso groß, wie sie erhofft und so manches Mal gefühlt hatte. Während Sam die Kondomverpackung öffnete, gab sich Julie ihren Gelüsten hin: Sie griff nach ihm und erkundete ihn. Ihr Daumen liebkoste die weiche Spitze, auf der eine Perle von Feuchtigkeit verriet, wie erregt er war. Sie fragte sich, wie er wohl schmecken würde, beugte sich schon vor, um zu kosten, doch er bog ihren Kopf zurück.

„Wenn du das tust, wird es ein sehr kurzes Vergnügen für uns beide werden“, sagte er heiser. Sie nickte bedauernd und ließ ihn los, konzentrierte sich jetzt ganz auf den Anblick seiner imposanten Erektion. Wie würde es sein, ihn in sich zu spüren? Beinahe erstaunt stellte sie fest, dass ihr schon wieder das Blut in den Ohren rauschte und ihr Herz hart und schnell schlug. Ein fantastischer Mann stand vor ihr, und gleich würden sich all ihre erotischen Fantasien erfüllen! Der Tag, der hinter ihr lag, war ihr plötzlich gleichgültig. Dann musste sie ihre Agentur eben aufgeben oder auch nicht – Hauptsache, sie durften diesen einen perfekten Moment erleben! Sie lächelte selbstvergessen, bis sie Sams Blicke prüfend auf ihrem Gesicht spürte.

„Was denkst du gerade?“

„Gar nichts. Und gerade deswegen ist es so schön.“

Langsam beugte er sich nach vorn, küsste sie wieder. Sie kam ihm entgegen, genoss seine weichen Lippen, das Spiel seiner Zunge. Und seine Hand, die sich streichelnd auf dem Weg zu ihrem Slip machte. Keuchend unterbrach Julie den Kuss, als er seine Finger fest zwischen ihre Beine drückte.

„Ich wollte das schon immer mal tun!“, sagte Sam.

„Sex in einem Aufzug?“

„Nein.“ Er grinste. „Das hier.“

Mit festem Griff umfasste er ihren Slip und riss ihn ihr vom Leib. Mühsam unterdrückte sie ein Stöhnen, während die Erregung wie ein Flammenmeer ihren Rücken hinaufschoss. Der Anblick seiner muskulösen Unterarme, die ihren String packten und zerfetzten, brachte ihr Blut zum Kochen.

„Du bist so verdammt heiß“, murmelte sie.

„Ich wollte gerade dasselbe sagen.“ Erneut reizte er sie an ihrer empfindlichsten Stelle, und dieses Mal störte kein Slip mehr zwischen ihr und seinen Fingern. Julie spannte ihre Muskeln an, klammerte sich noch fester an ihn. Mit durchgedrücktem Rücken wölbte sie sich ihm entgegen. Bitte, lass mich noch mehr spüren als nur seine Finger! Julie begann, ihre Hüften rhythmisch vor- und zurückzubewegen, rieb sich kreisend an ihm.

„Es gibt so vieles, das ich jetzt mit dir machen könnte“, murmelte Sam.

Tu’s doch einfach!

„Drei Wochen“, sagte er in nüchternem Ton. „Keine Verbindlichkeit. Keine Verabredungen. Keine Beziehung.“

„Keine Beziehung“, bestätigte sie. So waren die Regeln.

Er nickte, während er seine Hüften etwas anhob, um sich in eine bessere Position zu bringen. „Darin bin ich gut“, sagte er. Dann drang er in sie ein. Julie stöhnte tief, er war so riesig und so heiß! Sie musste die Schenkel weiter spreizen, damit sie ihn ganz in sich aufnehmen konnte. Niemals hatte sie sich so ausgefüllt von einem Mann gefühlt.

Endlich begann er, sich zu bewegen. Mit kraftvollen Stößen drang er immer weiter in sie ein, bis sie meinte, aus reiner Lust fast wahnsinnig zu werden. Bei jeder seiner Bewegungen stöhnte sie lauter, wollte ihn noch tiefer in sich spüren.

Und dann erhöhte er das Tempo, verstärkte seinen Griff.

Ihr Bauch bebte, die Vorboten des nahenden Höhepunkts ließen ihre Muskeln erzittern. Auf einer Welle der Lust trieb sie einem phänomenalen Orgasmus entgegen. Sam wollte noch mehr, steigerte das Vor und Zurück seiner Hüften. Dann brach er plötzlich über ihr zusammen, stützte sich an der Wand ab und kam keuchend in ihr. Julie drängte sich an ihn, wollte jedes noch so kleine Zeichen seines Hochgefühls spüren.

Oh, mein Gott! Ja!

Sam sank stöhnend zur Seite, konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Hatte er wirklich gerade ein Wunder erlebt? Keine Beziehung. Keine unangenehmen Fragen über die Zukunft. Nur den heißesten Sex, den er sich vorstellen konnte. Und das noch für drei weitere Wochen. Ich bin ein glücklicher Mann!

Julie bewegte sich, und er öffnete gerade rechtzeitig seine Augen, um sie vom Fahrstuhlgeländer rutschen zu sehen. Als sie wieder auf ihren Füßen stand, bemerkte er, dass sie immer noch ihre hochhackigen schwarzen Pumps trug. Ein verdammt erotischer Anblick! Julie lächelte ihn an, ihre Augen ein wenig verschleiert von dem Orgasmus, den sie gerade erlebt hatte. Sam änderte seine Meinung: Das war der erotischste Anblick, den er je genießen durfte!

„Du bist so schön“, murmelte er.

Sie lächelte noch stärker. „Ich fühle mich, als hätte ich gerade in einem See gebadet, nachdem ich wochenlang kein Wasser gesehen hatte.“

„Und mir ist, als sei ich fast in diesem See ertrunken.“

Sie hob eine Augenbraue, antwortete grinsend: „Brauchst du eine Mund-zu-Mund-Beatmung?“

Sams Lachen klang, als würde er tatsächlich nach Luft schnappen: „Gib mir eine Minute. Ich bin mir sicher, dass ich mich dann erholt habe.“

„Ich überlege gerade …“ Julie beugte sich zu ihm, strich mit der Hand über seine nackte Brust. „Ich glaube, ich werde morgen ein Kleid anziehen. Vielleicht eines mit einem weiten Rock. Und natürlich tiefrote High Heels.“

„Er ist auferstanden!“ Der Gedanke an Julie in einem dünnen Kleidchen und roten Stilettos hatte seine Liebesgeister erneut geweckt.

Sie lachte, als sie sah, dass sich zwischen seinen Beinen schon wieder etwas regte. Er sah Lust in ihrem Blick, aber auch einen Funken Besorgnis. Sie beugte sich hinunter, um ihre Hose wieder hochzuziehen.

Sam richtete sich auf. „Julie …“, bemühte er sich, die peinliche Pause zu überbrücken. „Ich weiß, dass das, was wir hier erleben, für uns beide sehr … ungewöhnlich ist. Aber deswegen ist es nichts Schlimmes.“

„Ich weiß“, stimmte sie ihm zu. „Und es war einfach toll. Wirklich toll!“

„Ja.“ Mehr wusste Sam nicht zu sagen, er starrte die Wand an. Dann trat er einen Schritt zurück, streifte sich das T-Shirt über, schloss seine Hose. Auch Julie zog sich schnell wieder an. Jetzt konnte niemand mehr erkennen, was eben geschehen war. Läge da nicht der zerrissene Slip auf dem Boden, würde sogar ich mich fragen, ob der aufwühlende Liebesakt nur ein Produkt meiner Fantasie gewesen ist, dachte Sam.

Sie folgte seinem Blick zu ihrem String auf dem Boden. „Oh“, keuchte sie und beugte sich schnell zu dem Höschen hinunter.

„Ich nehme ihn“, sagte Sam, schnappte ihr den Slip vor der Nase weg, knüllte ihn zusammen und steckte ihn in seine Hosentasche. Er verdrängte den Gedanken, wie komisch es war, den gebrauchten und zerrissenen Tanga einer Lady einzustecken. „Also“, sagte er betont gleichgültig. „Drei Wochen bleibst du noch in der Stadt?“

„Ja. Dann kann ich die Miete für mein Büro und für meine Wohnung nicht mehr bezahlen.“

Sam spürte ein Kribbeln in sich. Doch dieses Mal war es keine Erregung, im Gegenteil: Ihm erschienen drei Wochen plötzlich verdammt kurz. Allein sieben Wochen hatte er gebraucht, um bis hierher zu kommen. Und jetzt wollte sie in nicht einmal der Hälfte der Zeit die Stadt verlassen?

„Stimmt ja“, sagte Sam, ohne sie merken zu lassen, wie sehr ihm der Gedanke missfiel. „Ach, und morgen trägst du ein Kleid?“

„Und High Heels.“

Sam hob eine Augenbraue. „Damit kann ich arbeiten.“

Sie zwinkerte ihm zu, eine Geste, die ihm unglaublich gut gefiel. Schnell drehte sie sich um, wollte den Lift starten. Doch sooft sie auch auf den Knopf drückte: Nichts passierte. „Und was jetzt?“, fragte sie ratlos.

„Warte.“ Sam fand sein Telefon auf dem Boden in der Ecke des Lifts, hob es auf und stellte es an. Ein paar Sekunden später erwachte der Fahrstuhl zum Leben.

„Und ich dachte, ich hätte das Ganze eingefädelt.“ Ihre Stimme klang amüsiert.

„Du hast keine Ahnung, wie schwer es war, alles zu arrangieren.“

Ihr helles Lachen war das Letzte, was er hörte, bevor sich die Türen mit einem „Pling“ in der Tiefgarage öffneten. Julie trat aus dem Fahrstuhl und winkte ab, als er ihr folgen wollte. „Nein, bleib da“, sagte sie, während sie auf ihren Toyota zeigte. „Mein Wagen steht gleich dort.“

Okay, sie wollte nicht, dass er sie begleitete. Doch dank seines Handys schloss sich die Tür des Fahrstuhls nicht, und er war entschlossen, dafür zu sorgen, dass Julie sicher zu ihrem Auto kam.

„Ich warte, bis du losgefahren bist“, erklärte er. „Ich will für heute dein einziger Stalker sein.“

Sie nickte, und Sam sah Erleichterung in ihrem Blick. „Danke schön. Für alles.“ Dann wandte sie sich ab und ging zu ihrem Wagen. Er beobachtete, wie sie den Toyota öffnete, sich hinter das Lenkrad setzte, den Motor anließ und aus der Parklücke über die Rampe ins Freie fuhr.

Drei Wochen. Es gab vieles, was er in dieser Zeit tun wollte. Aber er musste sich verdammt anstrengen.

5. KAPITEL

Julie drehte Pirouetten in ihrer Wohnung. Zwischen ihrem Bett und der Wand war nur wenig Platz, doch sie liebte das Gefühl von wirbelndem Stoff an ihren nackten Beinen. Sie trug ein Sommerkleid, das wie geschaffen fürs Flirten war. Große weiße und rote Blumen auf einem leichten Baumwollstoff – nein, das Kleid war ganz bestimmt nicht als Arbeits-Outfit im Herbst gedacht. Doch sie trug einen warmen Blazer darüber. Und natürlich die versprochenen „Nimm-mich-sofort-und-auf-der-Stelle-Pumps“ dazu – perfekt für das Treffen mit Sam.

Als sie wieder stillstand, fiel ihr Rock leicht um ihre Beine. Sie ordnete den Stoff, während sich ihre Gedanken überschlugen. Was tat sie eigentlich gerade? Bereitete sie sich wirklich auf heißen Sex im Büro vor, ohne eine Beziehung mit dem Mann zu haben? Ohne den Mann überhaupt zu kennen?

Ja, das tat sie! Politisch korrekt war das Ganze bestimmt nicht. Eigentlich war es sogar regelrecht gruselig, wenn sie daran dachte, dass er sie verfolgt hatte. Doch sie hatte ihn geradezu eingeladen, oder etwa nicht? Sie hatte sich gegen ihn gedrückt, sich an ihm gerieben, die Berührung ihrer Brüste genossen. Schon vor der letzten Begegnung hatten sie viel mehr miteinander gemein gehabt, als normale Menschen miteinander teilten. Und dann die Nummer im Fahrstuhl! Sie hatte noch nie so einen Orgasmus erlebt wie in der vergangenen Nacht!

Und dann waren da noch diese anderen Momente. Sie konnte nicht vergessen, wie er ihr Gesicht betrachtet und ihre Wangen berührt hatte, während er ihr gesagt hatte, dass sie so schön sei. Es klang wie ein abgedroschenes Kompliment, aber es fühlte sich viel, viel besser an. Sein Blick hatte verraten, dass er ähnlich intensiv fühlte wie sie. Als sei sie wirklich die schönste, begehrenswerteste Frau, die er je gesehen hatte. Sam hatte ehrfürchtig und beinahe überrascht geklungen. Ehrfürchtig! Ihretwegen!

Wenn sie doch nur ein bisschen mehr Zeit hätte, um ihn richtig kennenzulernen. Sie würde zu gern wissen, ob aus ihnen noch mehr werden könnte als nur ein heißer Büro-Flirt. In der Sekunde, in der sie das dachte, rief sie sich auch schon wieder streng zur Ordnung. Sie war nicht auf der Suche nach einer Beziehung! Im Gegenteil: Sie wollte nur eine Ablenkung, nur ein paar Minuten lang nicht daran denken, dass ihr großer Traum ein unrühmliches Ende finden würde. Ihre Agentur war pleite, ihr blieb nur noch, die Scherben ihres zerbrochenen Glücks einzusammeln und nach Hause zu gehen.

Wer wäre unter diesen Umständen einem heißen Abenteuer im Fahrstuhl abgeneigt? Vor allem, wenn es in so einem Orgasmus endete! Sie durfte nicht vergessen, dass Sam lediglich eine willkommene Abwechslung war. Es war nur ein Spaß, die High Heels anzuziehen und sich das leichte Sommerkleid überzustreifen. Trotzdem musste sie noch ihre Konten kündigen, ihr Büro schließen und ihre sieben Sachen zusammenpacken.

Sie spürte, dass ihr die Tränen kamen. Nicht einmal nach dem Telefon konnte sie greifen, um ihre Eltern anzurufen. Dabei musste sie ihnen bald sagen, dass sie zurückkommen würde. Sie musste sie fragen, ob sie wieder in ihrem alten Kinderzimmer schlafen könnte. Alle würden denken, dass die kleine Julie mit ihren großen Träumen doch nur Werbung für ländliche Kaufhäuser entwerfen konnte.

Schleppenden Schrittes verließ sie schließlich ihre Wohnung, machte sich auf den Weg zu ihrem Auto. Hätte sie nur noch etwas mehr Zeit! Dann würde sie einen anderen Weg finden, ihre Agentur doch zu retten. Gab es noch eine Möglichkeit? Ihre Agentur war aufs Internet spezialisiert, aber vielleicht konnte sie auch für die Printmedien arbeiten? Sobald sie im Büro war, würde sie eine Liste von Maßnahmen erstellen, die sie ergreifen konnte, um ihre Firma zu retten. Sie stieg in ihr Auto und machte sich während der Fahrt so viele Gedanken um ihre Zukunft, dass sie Sam beinahe vergaß. Erst als sie in der Tiefgarage ausstieg und zu den Fahrstühlen ging, erinnerte das Klackern ihrer Absätze auf dem Betonboden sie an ihren Hausmeister.

Sie sah auf die Armbanduhr. Weil sie sich heute besonders sorgfältig zurechtgemacht hatte, war sie später dran als sonst. Als sich die Fahrstuhltüren öffneten, scannte sie innerhalb von Sekunden die Kabine. Kein Sam. Nur drei Männer in Business-Anzügen und einer in Jeans standen im Lift. Der Mann in der Jeans war ein Ingenieur, der bei Robotics arbeitete. Seine verblichene Hose und sein lockeres T-Shirt erinnerten sie sofort an Sam, und sie musste grinsen. Überrascht bemerkte sie, dass der Ingenieur tief einatmete und rot anlief, als er ihren Blick bemerkte.

Ups. Offenbar machten ihre sexy Gedanken sie zu einer sexy Frau. Zu einem aufreizenden Kätzchen, das die Männer allzu gern einmal streicheln wollten. Sie setzte ein unbeteiligtes Gesicht auf, betrat den Aufzug, drehte sich um und bemühte sich, nur noch an ihre Rettungsliste zu denken. Wenn schon nichts anderes, würde das ihre Gedanken abkühlen.

Die Aufzugtüren öffneten sich, und sie ging durch den langen Flur zu ihrem Büro. Alles war hell beleuchtet, das rote Licht der Überwachungskamera beruhigte sie. Unter anderem hatte sie sich deswegen für ein Büro in diesem Gebäude entschieden: Hier wurde die Sicherheit großgeschrieben, der Sicherheitsservice war aber dennoch nicht aufdringlich in jeder Minute präsent. Meistens vergaß Julie sogar, dass sie rund um die Uhr beobachtet wurde. Doch jetzt sah sie die Kameras mit neuen Augen. Nutzte Sam das Sicherheitsnetz, um sie auszuspionieren? Saß er vor einem Monitor, in der Hand eine Tasse Kaffee, und beobachtete sie? Sie spürte ein Kribbeln im Bauch.

Verstohlen sah sie den Gang hinauf und hinunter. Niemand zu sehen, gut! Sam hatte ihre Verabredung im Fahrstuhl heute Morgen nicht eingehalten, jetzt würde sie sich rächen: Sie ging weiter, bis sie sich genau im Fokus der Kamera befand, und ließ ihre Handtasche fallen. Langsam beugte sie sich vor, hielt dabei ihre Knie durchgedrückt und ihren Po in die Kamera. Sam müsste einen ausgezeichneten Blick auf ihre langen Beine in den „Nimm-mich-jetzt“-Pumps haben. Sie griff nach der Tasche und nahm sie hoch. Dann tat sie so, als würde sie sich im Stoff ihres Rockes verfangen und hob so gleichzeitig Tasche und Stoff an. Sie wartete einen Augenblick lang, zog ihre Hand noch ein wenig höher, bis ihr Bein in voller Pracht auf dem Monitor am anderen Ende der Kamera zu sehen sein musste. Dann gab sie vor, ihr Missgeschick zu bemerken und ließ den Rock mit einer lasziven Bewegung ihrer Hüften wieder nach unten gleiten. Ende der Show! Nur eines noch: Sie drehte sich um, blickte direkt in das Objektiv der Kamera und zwinkerte. Dann stolzierte sie hocherhobenen Hauptes zur Bürotür. Sie hatte eine Menge Akten zu lesen, viele Rechnungen zu sichten. Und sich zu überlegen, ob es doch noch einen Weg aus der Misere gab. Aber für diesen einen Moment fühlte sie sich einfach nur sexy. Niemals hätte sie gedacht, wie viel Spaß so eine Überwachungskamera machen konnte!

Sam starrte auf den Monitor. Den Kaffee vor ihm hatte er völlig vergessen, was kein Wunder war: Seine Erektion lenkte ihn davon ab. Er hatte vorgehabt, Julies Weg ins Büro zu beobachten, dabei zu frühstücken und sich ein paar Notizen für die anstehende Konferenz zu machen. Keinesfalls hatte er damit gerechnet, dass Julie nur für ihn so eine Show abziehen würde. Wie konnte sie wissen, dass er sie beobachtete? Das hatte sie noch nie getan. Sie hatte sich niemals anmerken lassen, dass sie die Kameras überhaupt zur Kenntnis nahm. Jetzt hatte sie bewiesen, dass sie sehr wohl von der Überwachung wusste. Der harte Widerstand, der gegen seine Hose drückte, war der Beweis. Er drückte den Knopf, um das Band zurückzuspulen. Auch wenn es einer Folter glich, konnte er einfach nicht aufhören, sich die Bilder anzusehen. Schnell ging Julie über den Gang, dann in den Aufzug. Er drückte die Vorlauf-Taste, und schon war sie auf dem Flur vor ihrem Büro. Ein Schritt, noch ein Schritt, dann ihr Blick in die Kamera, gefolgt von ihrer sexy Showeinlage! Wenn es überhaupt möglich war, war sie in Zeitlupe noch schöner als sonst. Was blitzte da Rotes an ihrem samtig schimmernden Oberschenkel auf? Sam drückte auf „Standbild“ und zoomte ihr Bein näher heran. Sein Mund wurde trocken. Unwillkürlich ballte er seine Hände zusammen: Er würde ihr dieses zarte Spitzenhöschen mit seinen Zähnen vom Leib reißen!

„Willkommen zum deprimierenden Donnerstagsbericht!“ Roger schlenderte ins Labor hinein.

Sam schlug mit der Hand auf die Tastatur, wechselte schnell zu CNN. Zwar hatte er seine persönlichen Computer mit dem Sicherheitssystem des Gebäudes verbunden, als er Julie das erste Mal gesehen hatte. Doch er wollte nicht, dass sein Geschäftspartner und Finanzvorstand von Robotics davon erfuhr. Seine Erektion war ein bisschen schwerer zu verstecken, doch Sam ließ seinen Bürostuhl weit unter den Schreibtisch rollen. Die mit Papieren bedeckte Platte ließ seine ausgebeulte Hose verschwinden.

Bemüht, übernächtigt und müde auszusehen, blickte Sam über den Rand seiner Kaffeetasse hinweg Roger an. „Sie sollten sich einen freundlicheren Gruß ausdenken, wenn Sie Ihren Chef morgens sehen.“

Roger ließ sich nicht beirren. „Ich habe hier Geschäftsberichte, noch mehr Berichte und nur so zum Spaß noch einige Papiere, die du unterzeichnen musst“, antwortete er, während er Akten aus seiner Tasche zog. „Und alle sagen: Die Lage sieht nicht gut aus.“

Sam schnaubte. „Ich glaube nicht, dass du der Einzige bist, der das vermutet.“

„Wir müssen unbedingt etwas tun.“

„Gegen die Wirtschaftskrise?“

„Zumindest gegen einen kleinen Teil davon.“ Roger zog einen schwarzen Stift aus der Tasche und reichte ihn Sam. „Unterschreib hier, hier und hier.“

Sam runzelte die Stirn und blickte zu dem beleuchteten Vergrößerungsglas, das über seinem Schreibtisch hing. Normalerweise war es für feine Arbeiten gedacht, wenn zum Beispiel filigrane Schaltungen auf eine Platine geschweißt werden mussten. Doch jetzt zog Sam es zu sich hinunter.

„Warum besorgst du dir nicht endlich eine Brille?“

„Weil ich Kontaktlinsen trage.“ Sam begann, die Papiere durchzublättern.

„Du brauchst eine Lesebrille, du kannst schließlich nicht ständig das Vergrößerungsglas mit dir herumschleppen.“

„Linsen sind besser. Man kann sie nicht verlieren und sich auch nicht auf sie setzen.“ Er blätterte um. Seine Augen wurden immer schlechter, schon seit seiner Kindheit litt er an einer Sehbehinderung. Zum Glück waren Technik und Medizin mittlerweile so weit, dass er mit Kontaktlinsen in der Lage war, am Monitor zu arbeiten. Musste er allerdings lesen oder Details erkennen, brauchte er ein Vergrößerungsglas oder andere Linsen. Deswegen war Sam damals in die Computerbranche gegangen: Jeder, der mit diesen kleinen Platinen arbeitete, brauchte dazu ein Vergrößerungsglas. Sein Handicap fiel nicht auf.

Jetzt trug er Linsen, die ihm das Sehen auf Distanz ermöglichten, deswegen konnte er Julie auf dem Monitor gestochen scharf erkennen. Aber zum Lesen brauchte er Hilfe. Statt sich eine Lesebrille zu kaufen, hatte Sam sich für das riesige Vergrößerungsglas entschieden. So konnte er sich wie ein Ingenieur fühlen. Und nicht wie ein alter Mann.

Er seufzte und kritzelte seine Unterschrift unter die Dokumente, dann lehnte er sich zurück. Es half alles nichts – er musste Julie aus seinen Gedanken vertreiben und sich wieder auf das Geschäft konzentrieren.

„Es gibt also wirklich schlechte Nachrichten? Dein Gejammer ist nicht das übliche ‚Ich hasse die Arbeit‘-Gemeckere?“

„Es sieht wirklich übel aus.“ Roger schnappte sich die Papiere und stopfte sie in seine Tasche zurück. „Wir verkaufen nicht genug Roboter.“

„Das wäre auch schwierig, weil wir keine Roboter herstellen.“ Sam schob das Vergrößerungsglas zur Seite und blickte seinem Freund ins Gesicht.

„Du weißt genau, was ich meine.“

Robotics verkaufte keine Roboter im üblichen Sinne. Die Firma stellte elektronische Bauteile her, die in Maschinen eingebaut wurden. Wie zum Beispiel in Rollstühle, elektronische Prothesen oder auch in günstige Laptops, die man sich sogar mit kleinem Budget leisten konnte. Deswegen hieß ihre Firma „Robotics für Jedermann“. Die meisten Kunden waren krank oder körperlich gehandicapt, und „Robotics“ stellte Maschinen her, die ihnen das Leben erleichterten. Das Problem war, dass die Krankenversicherungen selten für die Hilfsmittel aufkamen. Oftmals wussten die Betroffenen nicht einmal, dass es etwas gab, was ihnen den Alltag erleichtern konnte.

Seine erste Million machte Sam mit der Entwicklung von Rollstühlen, mit deren Hilfe körperlich behinderte Menschen in speziell ausgerüsteten Autos ohne Probleme ein- und aussteigen konnten. Diese Rollstühle waren immer noch der Verkaufsschlager der Firma, weil die Autoindustrie jede Werbung übernahm. Doch die anderen Entwicklungen waren nicht so leicht zu vermarkten. Sie brauchten eigene Kampagnen, um die Konsumenten zu erreichen.

„Was sagt Ginny dazu?“ Sam dachte an die Leiterin seiner Marketing-Abteilung.

„Dass sie Hilfe braucht.“

Sofort fiel ihm Julies Agentur ein. Er könnte sie anstellen. Dann würde sie in der Stadt bleiben. Er könnte …

Aber das war nicht so leicht, wie er sich das ausmalte. Viel Kapital war nötig, um Anzeigen in den größten Zeitschriften zu schalten. Auch TV-Werbung war immens teuer. Er wusste, dass Julie brillant war, wenn es um Internet-Werbung ging, aber ihre Erfahrung im Fernsehbereich war eher dürftig. Und er trug die Verantwortung für ein großes Unternehmen. Er konnte niemanden einstellen, nur weil diese Person in eine Kamera winken konnte und ihn damit fast um den Verstand brachte.

Er zog eine Grimasse und sah Roger an. „Du hast nicht nur einen schrecklichen Donnerstagsbericht. Du willst mich auch dazu bringen, eine Besprechung einzuberufen, um herauszufinden, wie wir unseren Profit steigern können.“

Roger hob zustimmend seinen Daumen. „Du hast es erfasst.“

„Aber ich habe jede Menge zu tun.“ Außerdem wartete eine Frau in roten High Heels darauf, von ihm verführt zu werden.

„Du kannst nicht mehr arbeiten, wenn wir erst pleite sind.“ Roger beugte sich vor, zog ein Blatt Papier aus dem Wust auf Sams Schreibtisch und zeigte auf eine Aufstellung. „Siehst du, was dein Labor an Kosten verschlingt? Allein in einem Monat?“

„Forschung ist nun einmal teuer.“

„Nicht das ganze Unternehmen, Sam. Nur du und dieses Labor!“

„Ich bin das Unternehmen, Roger.“ Sams Ton wurde schärfer. „Ich bin derjenige, der sich die Projekte ausdenkt, der alles erst möglich macht. Ich habe Visionen, die ich verfolge. Ich arbeite genau so, wie ich arbeiten will.“

Roger seufzte und zog sich einen Stuhl an den Schreibtisch heran. „Ich weiß, Sam. Das tun wir alle. Doch wir müssen etwas ändern, sonst sieht es wirklich schlecht aus. Du bist unser furchtloser Anführer. Dir folgen sie überall hin, du musst nur den Weg vorgeben.“

Sam wusste, dass sein Freund recht hatte. „Okay. Trommel die Truppe zusammen, wir treffen uns um zehn Uhr.“

„Gut so.“ Roger stand auf und verließ das Büro. Sam sah nicht, ob er spöttisch salutierte, wie er es sonst immer tat. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, seinen Computer wieder auf die Kameras vor Julies Büro umzustellen. Nun gut, dachte er, als er schließlich widerwillig die Leitung zu der Überwachungskamera kappte. Zwei Aufgaben standen für heute an: 1. Eine brillante Marketing-Strategie entwickeln, um das Unternehmen nach vorn zu bringen. 2. Sich eine verführerische Situation ausdenken, um eine heiße Lady in Strapsen und roten Stilettos zufriedenzustellen.

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