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Heiße Lust am Strand / Der Fremde in meinem Bett / Ein Milliardär für sinnliche Stunden

Tawny Weber

Heiße Lust am Strand

1. KAPITEL

„Sag schon! Wie war deine Verabredung?“

Cilla erstarrte. Ihre Hand mit dem Löffel voller Zitronenjoghurt stockte vor ihrem Mund. Vor dieser Frage hatte sie sich gefürchtet.

Sie zog die Nase kraus und blickte sich im Frühstücksraum des Labors um. Bis in dieses düstere Kabuff gelangte das Sonnenlicht durch den typischen Dunst von San Francisco nur mühsam. Glücklicherweise war niemand da, der mithören konnte. Sie leckte den Joghurt vom Löffel und gab nach.

„Ich glaube, mir ginge es besser, wenn ich die Männer aufgeben würde“, gestand sie ihrer Freundin und Kollegin Nikki Hanson. „Das war jetzt die sechste misslungene Verabredung in diesem Jahr, und es ist erst August.“

„Irgendwie wundert mich das gar nicht, denn ich kann immer noch nicht glauben, dass du es ausgehalten hast, mehr als einmal mit ‚Dr. Verklemmt‘ auszugehen, Cilla.“ Nikki biss in ihr Sandwich.

Sie sprachen von Bryan Smith-Updike, einem Physiker, mit dem Cilla die letzten vier Samstagabende verbracht hatte. An den ersten drei Abenden waren sie im Theater, in der Oper und in der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften gewesen. Sie hatte sich tödlich gelangweilt, aber nicht so sehr wie am vierten Wochenende, als sie miteinander ins Bett gegangen waren.

„Es war wirklich nicht gerade toll“, gab Cilla zu. „Der Kerl war ein ‚Glimmstängel‘.“

„Der ist ja noch schlimmer als der ‚Schnaufer‘. Wie hieß er noch gleich? Maxwell, der verrückte Wissenschaftler?“

„Nein. Das war der ‚Zähler‘. Du verstehst, rein-zwei-drei, raus-zwei-drei. Der ‚Schnaufer‘ war der Biochemiker von letztem Jahr.“

„Vielleicht ist schnaufen ja eine Spur besser als zählen?“, fragte Nikki zweifelnd. „Na ja, wenigstens hat ‚Mr Verklemmt‘ am Ende die Unterhose runtergelassen, oder?“

„Ja, leider“, bestätigte Cilla und verzog das Gesicht. Sie schob den letzten Rest Joghurt von sich und beschäftigte sich mit der Tüte, in der sich klein geschnittene Gemüsestücke befanden.

Die traurige Wahrheit war, dass sich ihr Liebesleben wie in einer „Spirale des Grottenschlechten“ immer weiter abwärts bewegte.

Cilla wollte Sex lieben. Noch besser, sie wollte ein Liebesleben, das es wert war, so genannt zu werden. Sie glaubte fest daran, dass es ein gesundes Gleichgewicht zwischen Körper und Geist geben müsse. Ihr Geist funktionierte hervorragend, und sie arbeitete daran, ihren Körper ebenfalls in gutem Zustand zu halten. Sie aß gesund, hatte regelmäßig Bewegung und Sex, verdammt noch mal. Sie hatte viele Untersuchungen darüber gelesen, wie wichtig regelmäßiger, befriedigender Sex für die Gesundheit war, doch leider kam sie auf diesem Gebiet immer zu kurz.

„Also war deine Verabredung ein Reinfall“, hakte Nikki nach.

Ihre Freundin wollte offenbar alle schmutzigen Einzelheiten hören. Cilla schob sich eine Kirschtomate in den Mund und überlegte, wie sie eine Antwort umgehen konnte. Schlimmer als die Geschichte vom „Schnaufer“ konnte es jedoch nicht werden, also zuckte sie die Schultern.

„Ja. Obwohl es für ihn gut war“, sagte sie und schluckte. „Sogar ganz toll. Weißt du noch, dass ich dir von Bryan erzählt habe und wie unzufrieden er mit den Berechnungen war, an denen er arbeitete?“ Cilla wartete, bis Nikki verwirrt nickte.

„Nun“, fuhr sie fort, „der Durchbruch ist ihm gelungen. Mittendrin ruft er plötzlich ‚Heureka‘, rollt sich von mir runter und grapscht nach seiner Hose, in der er immer einen Notizblock und einen Stift bereithält.“ Sie musste lächeln, als sie Nikkis verblüffte Miene sah. „Ja. Er war so fasziniert, den mathematischen Code endlich geknackt zu haben, dass er noch nicht einmal protestierte, als ich ihn aus der Tür schob, bevor er noch seine Hose zugemacht hatte.“

Nikki schüttelte mitleidig den Kopf. „Wo treibst du eigentlich immer diese Typen auf?“

„Ich habe offenbar ein Talent dafür“, meinte Cilla grübelnd.

„Diesen Kerl finde ich sogar noch schlimmer als den Nobelpreisträger, mit dem du ausgegangen bist. Den mit dem Foto von Einstein neben dem Kondom in der Brieftasche.“

„Und der beim Sex beides benutzen wollte“, bestätigte Cilla und zog bei der Erinnerung die Nase kraus. „Das Kondom war ja okay, aber der Einzige von uns, der hinterher eine Frisur wie nach wildem Sex hatte, war der alte Albert.“

Nur bei Nikki konnte sie so etwas zugeben. Es war ihr schon immer schwergefallen, Freundschaften zu schließen, weil ihre Eltern jahrelang auf der Flucht vor ihren Gläubigern von Stadt zu Stadt gezogen waren. Obendrein war sie sehr schüchtern und zurückhaltend. Sie nahm gleichzeitig drei Jobs an, um ihre Ausbildung zu finanzieren, und sie wohnte zu Hause, um Kosten zu sparen. Auch im Studium war sie von einem College zum anderen gezogen.

Als sie bei Trifecta anfing, nahm Nikki sie unter ihre Fittiche. Inzwischen war Nikki ihre beste Freundin und gehörte zu den wenigen Kollegen, mit denen sie auch privaten Kontakt hatte. Das Forschungslabor National Physics Trifecta hatte sich auf drei Sparten der Physik spezialisiert: Astro-, Nuklear- und Quantenphysik. Cilla arbeitete in der Astrophysik. Nikki war trotz ihrer niedlichen Grübchen und üppigen schwarzen Locken eine knallharte Vertreterin der Quantenphysik.

Nikki arbeitete nicht nur in einer anderen Abteilung, sie war auch ein ganz anderer Typ als sie selbst, denn sie war optimistisch und fröhlich, und mit ihrer kurvenreichen Figur verdrehte sie vielen Männern den Kopf.

Cilla war blond, kühl und zurückhaltend. Sie wirkte eher unnahbar. Das war keine Absicht, doch sie konnte es nicht ändern. Mit der Zeit hatte sie einen Weg gefunden, das Beste daraus zu machen. Sie stellte fest, dass es den Mitarbeitern im Labor reichte, wenn sie jeden Tag mindestens eine freundliche Bemerkung machte. Zwar hielt jeder sie für etwas reserviert, aber man brachte ihr so viel Respekt und Achtung entgegen, wie es für ihr Alter und ihre Position eigentlich nicht üblich war.

Um sich diesen Respekt zu erhalten, hielt sie es für lebenswichtig, dass alle Einzelheiten ihres miserablen Liebeslebens streng vertraulich und privat blieben.

Im Labor gab es sehr strikte Regeln für den Umgang und die Beziehungen des Personals untereinander. Man akzeptierte Freundschaften, aber weiter gehende Beziehungen wurden missbilligt. Cilla lehnte es ohnehin ab, mit einem Kollegen ausgehen. Sie hatte schon zu viele dieser Beziehungen zerbrechen sehen. Irgendwie kam der Mann dabei immer mit einer intakten Karriere davon, während die Frau den Preis zahlen musste.

Bei ihr würde nichts und niemand ihre Karriere gefährden, weder ihre Schüchternheit noch ihr mangelhaftes Liebesleben. Das konnte sie sich nicht leisten, und bisher hatte diese Strategie sich als richtig erwiesen.

Jetzt musste sie nur noch einen Weg finden, ihr Liebesleben in den Griff zu bekommen. Nach Jahren mit schlechten Beziehungen ging sie die Sache seit einiger Zeit wie eine wissenschaftliche Hypothese an und suchte sich sorgfältig Männer aus, die intellektuell ihrem Niveau entsprachen, denn die Stimulation des Gehirns war ebenfalls wichtig für die sexuelle Befriedigung.

Zumindest war sie sich dessen relativ sicher gewesen. Allerdings war es verdammt schwierig, diese Theorie zu testen, wenn alle Männer, mit denen sie sich traf, weniger sexuelle Kenntnisse hatten als Neuntklässler von Biologie.

Langsam begann sie an ihrer Hypothese zu zweifeln und noch mehr daran, dass sie jemals ein vernünftiges Liebesleben haben würde.

„Okay. Also war der Sex in letzter Zeit ein bisschen, na ja, mies, aber gib die Männer noch nicht auf“, sagte Nikki mit gezwungener Fröhlichkeit, um Cillas düstere Überlegungen zu durchbrechen. „Wie wäre es mit Kyle, dem neuen Typen im Labor? Er ist doch ganz niedlich trotz seiner Hornbrille.“

Cilla schüttelte schon den Kopf, noch bevor Nikki den Satz beendet hatte. „Wir arbeiten doch zusammen. Du weißt, was Dr. Shelby davon hält. Wenn ich anfange, mit den Männern aus dem Labor auszugehen, dann spricht sich das herum, und es würde mich verfolgen. Mein Privatleben wäre Gesprächsstoff für den Tratsch am Wasserspender, und bei jedem Erfolg würden die Leute sich fragen, mit wem ich dafür geschlafen habe.“

Nikki sah sie lange an, Cilla vermutete, sie suchte eine Lücke in dieser Argumentation, dann zuckte sie die Schultern und sagte: „Wir haben keinen Wasserspender.“

Cilla verzog das Gesicht.

„Warum suchst du dir nicht lieber einen heißen Typen statt dieser Waschlappen?“, schlug Nikki vor und wischte sich den Mund ab, bevor sie eine Tüte Mais-Chips öffnete.

Cilla lief das Wasser im Mund zusammen. Ob es wegen der Chips war oder wegen der Vorstellung von Sex mit einem heißen Typen, wusste sie nicht.

„Vielleicht, weil Langeweile zu einem schlechten Vorspiel führt?“

Das wusste sie aus Erfahrung, weil sie bei den letzten drei Männern während des Vorspiels fast eingeschlafen war. Ein Mann, der nicht über Wissenschaft reden konnte, würde sich mit ihr langweilen. Das lag an ihrer Schüchternheit. Wenn sie fachsimpeln konnte, war alles in Ordnung, aber geselliges Plaudern? Fehlanzeige.

„Mein Gott, Cilla, was soll ein Mann denn bei dir tun? Über die Relativitätstheorie diskutieren, während er sich auf dich legt? Du musst dein Gehirn abkoppeln von deiner …“

„Okay!“ Cilla unterbrach Nikki, bevor die spezielle Teile ihrer Anatomie aufzählen konnte. „Ich verstehe schon, aber ich denke anders darüber. Ich glaube wirklich, dass es ohne gemeinsame Interessen sinnlos ist, sich mit jemandem zu treffen oder mit ihm ins Bett zu gehen.“

„Man kann auch über andere Themen als die Wissenschaft sprechen.“

„Aber schau mal, selbst wenn ich mir woanders Partner suchen wollte, wann hätte ich denn die Zeit dazu?“, protestierte Cilla. „Ich arbeite fünfzig Stunden in der Woche. An den Wochenenden helfe ich meiner Mom. Das Projekt zur Berechnung kosmischer Strings startet nächsten Monat. Sobald ich die Zusage bekomme, werde ich so viel zu tun haben, dass ich nicht mal Zeit habe, mich selbst zu befriedigen, geschweige denn zum Ausgehen.“

Sobald, nicht falls, denn sie erwartete keinen Fehlschlag.

„Eine Frau hat immer Zeit, sich Vergnügen zu bereiten“, sagte Nikki in predigendem Tonfall.

Cilla hob die Schultern und biss herzhaft von einem Möhrenstäbchen ab.

„Also …“ Nikki zog das Wort in die Länge, wobei sie sorgfältig ihre Finger an einer Serviette abwischte.

„Also was?“, fragte Cilla, der das Glitzern in den schokoladenbraunen Augen ihrer Freundin nicht gefiel.

„Also, ich habe eine Idee. Nimm dir Urlaub.“

Die Verspannung in Cillas Nacken lockerte sich, denn das klang wundervoll.

„Irgendwo ganz weit weg von hier, nur totale Entspannung.“

Eine Vision von Sand und Sonne entstand vor Cillas innerem Auge. Wäre das nicht herrlich? „Hm, ich könnte vielleicht diesen Sommer eine Kreuzfahrt buchen“, murmelte sie.

„Nein. Jetzt gleich. Nächste Woche. Bevor du von deinem Terminplan mit Siebzigstundenwochen und all den geplanten Interviews und dem Gastdozenten und dem anstehenden Projekt begraben wirst.“

Bevor Cilla sie weiter nerven konnte, stürmte Glenn Shelby, der Leiter von Trifecta, in den Frühstücksraum und hielt ihnen begeistert einen Vortrag über die Vorzüge frisch gepressten Orangensaftes. Wie immer wirkte er total überdreht. Seine Einstellung, nichts sei unmöglich, sollte seine Teams inspirieren, aber die meisten von ihnen spielten regelmäßig mit dem Gedanken, seinen morgendlichen Fruchtsaft mit Schlafpillen zu würzen.

Cilla schaute von ihm zu Nikki, die entschlossen lächelte, und wieder zurück zu ihrem Chef.

Ihre Lippen formten ein unhörbares Nein in Nikkis Richtung, und die Spannung legte sich wieder fest in ihren Nacken. Der Weg zum Erfolg war nicht mit spontanen Urlaubswünschen gepflastert und auch nicht mit Unannehmlichkeiten für den Chef.

Nikki ignorierte sie natürlich.

„Glenn, Cilla braucht Urlaub.“

„Urlaub? Jetzt?“

Cilla funkelte Nikki böse an. „Machen Sie sich keine Sorgen, Dr. Shelby. Ich weiß, wir haben alle im Moment viel Arbeit“, sagte sie.

Nikki hatte nicht einmal so viel Anstand, Cilla einen entschuldigenden Blick zuzuwerfen, bevor sie sie sozusagen in den Abgrund stieß.

„Glenn, wie Sie wissen, ist Cilla die Leiterin des Projekts ‚Kosmische Strings‘, das nächsten Monat anläuft. Es ist von größter Wichtigkeit, dass wir Trifecta dabei gut aussehen lassen, oder?“ Nikki wartete nicht auf seine Antwort und beachtete auch nicht Cillas wütende Blicke, sondern zog es einfach durch. „Und hier liegt das Problem. Ich glaube, sie hatte keinen Urlaub mehr seit – oh, Ewigkeiten. Haben Sie nicht erst letzte Woche gesagt, dass nur ein ausgeruhter Geist ein wacher Geist ist?“

Der Direktor sah Cilla prüfend durch seine Bifokalbrille an. An seinem finsteren Gesichtsausdruck konnte man erkennen, dass sich ihre Gesundheit vor seinen Augen zunehmend verschlechterte.

„Ja, ja. Gutes Argument. Nächsten Monat sollen alle in Topform sein. Alle Abteilungen haben größere Projekte geplant, aber Ihres ist das wichtigste. Immerhin haben wir nicht jedes Jahr so einen bedeutenden Gast wie A. A. Maddow als Projektleiter.“

Zweiten Projektleiter, hätte Cilla am liebsten protestiert. Zum ersten Mal war sie die erste Projektleiterin. Trotzdem gab sie nach und warf stattdessen Nikki einen eiskalten Blick zu. Nikki grinste.

„Ich kann Los Cabos sehr empfehlen, wenn Sie einen schönen Strand suchen“, sagte Dr. Shelby, nahm seine Mahlzeit aus der Mikrowelle und ging zur Tür. „A. A. hat es mir empfohlen, als wir seinen Vertrag machten. Wie immer hat er auch damit recht. Ein Urlaub in Los Cabos ist entspannend und erholsam. Es wird Ihnen dort gefallen.“

Er ging, und die Tür schloss sich hinter ihm mit einem lauten Knall.

Das war es dann. Cilla überlegte noch, ob sie ihm hinterherlaufen und ihre Gegenargumente äußern sollte, aber es war sowieso zwecklos. A. A. Maddow war der Superstar in der Welt der Wissenschaften, ein brillanter Physiker und für den Wolf-Preis nominiert. In den nächsten drei Monaten sollte er an ihrer Seite arbeiten. Nach Glenns Meinung war sein Beitrag extrem wichtig, um ihre Theorie abzuklären und das Finanzkomitee davon zu überzeugen, dass auch ein kleines Labor wie Trifecta große Zuschüsse verdient hatte.

Der Direktor würde nicht riskieren wollen, dass irgendein Mitarbeiter bei dem großen Ereignis nicht in Höchstform war.

„Ich kann nicht glauben, dass du das getan hast“, sagte sie und verpackte sorgfältig die Reste des Gemüses.

„Bedanke dich mit einem schönen Mitbringsel“, sagte Nikki und grinste frech.

„Dir danken? Ich könnte dich mit deiner eigenen Chipstüte erschlagen“, schimpfte Cilla, versuchte sich dann aber zu beherrschen. Sie atmete tief ein und sagte in ihrem vernünftigsten Tonfall: „Ich trage Verantwortung und habe Verpflichtungen, Nikki. Ich habe keine Zeit, Margaritas zu trinken und am Strand herumzuliegen.“

„Du sollst nicht nur am Strand liegen.“ Nikki sah sie streng an. „Du brauchst einen Mann.“

„War das nicht der Ausgangspunkt unserer Unterhaltung?“

„Ganz genau. Du brauchst einen heißen Typen, einen attraktiven, gut gebauten Mann, bei dem du sofort an Orgasmen denkst.“

Bei dieser Vorstellung stockte Cilla der Atem. „Nein. Ich will mich nur erholen“, protestierte sie.

„Was ist erholsamer als eine ungehemmte sexuelle Eskapade?“

Wo konnte man besser eine sexuelle Eskapade haben als weit weg von zu Hause, bei einem Urlaub von der Arbeit und weit entfernt von den Gerätschaften, von denen sie in ihrem Alltagsleben umgeben war?

Cilla wusch sich die Hände. Das Wasser floss kühl über ihre Haut. Sie beobachtete die fließende, klare Flüssigkeit, und ihr Geist war voller Bilder von heißem Sex am Strand mit einem muskulösen, gut gebauten Lover.

„Ich kann doch nicht mit der Absicht dorthin fahren, Urlaubssex zu haben“, murmelte sie.

„Warum nicht? Vergiss das ganze wissenschaftliche Palaver, das du mit deinen üblichen Lovern führst, und finde einen Kerl, der dich sexuell antörnt. Dann treibt ihr es eine Woche lang.“

„Wozu soll das gut sein?“ Cilla trocknete sich die Hände ab. Sie dachte über die Auswirkungen nach. Wenn sie es weit weg vom Labor tat, würde niemand etwas mitbekommen. Ihr Atem ging schneller. Mein Gott, wie fühlte sich ein heißer Orgasmus eigentlich an?

Sie sah das Grinsen auf Nikkis Gesicht und wiederholte: „Wozu soll das gut sein – nur für Sex?“

„Muss es einen anderen Zweck geben? Erst einmal musst du einen Kerl finden, der dich antörnt. Nicht einen, bei dem du dir selbst erst einreden musst, dass er sexy ist.“ Nikki lächelte ein bisschen boshaft und zeigte dabei ihre Grübchen. Sie kam zu Cilla ans Waschbecken, um ihr Geschirr zu spülen. „Such dir einen Kerl, der genug Standfestigkeit für eine ganze Nacht hat. Einen geilen Typen, der nur deinen Körper will.“

Das war eine verrückte Idee. Total verrückt.

Was sagte es über sie aus, dass sie so etwas überhaupt in Betracht zog?

Als spüre sie Cillas schwächer werdende Ablehnung, legte Nikki ihr eine Hand auf den Arm und lächelte sie an. „Liebe Freundin, es wird Zeit, dass du dir einen Loverboy suchst.“

Cilla bezahlte den Taxifahrer, während der Hotelpage ihre Koffer aus dem Wagen lud. Das Gespräch mit Nikki lag jetzt zwei Wochen zurück, aber sie konnte immer noch nicht recht glauben, dass sie tatsächlich gefahren war.

Los Cabos, Mexiko. Luxus am Meer mit dem Charme des alten Mexikos. Weiße Sandstrände, türkisblaues Wasser und herrliche tropische Pflanzenwelt. Cilla hatte sich noch nie so frei gefühlt. Hier kannte sie niemanden, und niemand kannte sie. Sie brauchte sich nicht darum zu kümmern, was andere für eine Meinung von ihr hatten.

Sie war hier, um sich eine Auszeit zu nehmen.

Dr. Shelby hatte von der entspannenden Atmosphäre und den schönen Aussichten geschwärmt, und er hatte recht.

Sie zwang sich, dem Pagen nicht auf den Hintern, sondern nur auf die breiten, muskulösen Schultern zu sehen, und folgte ihm und ihrem Gepäck zur Rezeption des Hotels.

Eine halbe Stunde später hatte sie die praktische Reisekleidung abgelegt und trug ein knallbuntes Kleid. Sie löste den Zopf und ließ ihr langes Haar offen herabwallen. Die praktische Stimme in ihrem Kopf sagte ihr, dass es sich im Wind nur verwirren würde, aber das war ihr egal. Freiheit und zerzaustes Haar gehörten zusammen.

Cilla trat vor die Hintertür ihres Bungalows und atmete tief ein. Vor ihr ausgebreitet lag der schönste Strand, den sie je gesehen hatte. Weicher, einladender Sand, so weit man sehen konnte. Dahinter das Meer, dunkelblau im Licht des frühen Abends. Die Wellen schlugen schäumend auf den dunkelgoldenen Sand.

Schon dieser Anblick wirkte kräftigend auf sie. Vielleicht lag es am Himmel, an dem sich Purpurfarben mit orange getöntem Pink vermischten, denn die Sonne ging gerade unter. Oder war es die wilde Kraft der Wellen, der salzige Geruch und das leise Meeresrauschen?

Ohne sich die Sandalen anzuziehen, sprang Cilla leichtfüßig die Holztreppe hinunter, die von ihrer kleinen Terrasse in den noch warmen Sand führte. Sie genoss das Kribbeln der Sandkörnchen an ihren nackten Füßen und lief auf das Wasser zu. Als sie die halbe Strecke gegangen war, sah sie ihn.

Ihr Herz setzte aus, und ihre Füße weigerten sich, weiterzugehen.

Ihr Mund wurde trocken wie der Sand an ihren Knöcheln. Als der leichte Wind ihr eine Haarsträhne vor die Augen wehte, schob sie sie schnell weg, damit sie ihr nicht die Sicht versperrte.

Oh! Mein! Gott!

Er war unbeschreiblich. Er sah aus wie ein Meeresgott, der über die Wellen ritt. Das Wasser auf seiner goldenen Haut glänzte im Licht der untergehenden Sonne. Seine Muskeln wölbten sich, als er die Arme ausstreckte, während er auf dem Surfbrett balancierte.

War er Wirklichkeit oder ein Teil ihrer lustvollen Vorstellung? Sie hatte Angst, er würde verschwinden, wenn sie blinzelte.

Sie brannte darauf, diesen nackten Oberkörper zu berühren, über die feuchte Haut zu streichen, die seine Bauchmuskeln perfekt modellierte. Sie starrte ihn an, als er sich dem Ufer näherte, beobachtete ihn, wie er auf dem Brett in die Hocke ging und auf der nächsten Welle bis auf den Strand ritt.

Diese Körperbeherrschung. Das war der Typ Mann, der für Sex im Stehen, an eine Wand gelehnt, geeignet war. Er würde eine Frau nicht fallen lassen, wenn sie während des Höhepunkts weiche Knie bekam.

Aus einigen Metern Entfernung beobachtete sie, wie er über den Sand ging. Nun sah sie, wie jung er war. Höchstens Mitte zwanzig. Seine tropfnassen Haare ringelten sich in tiefschwarzen Locken um das männlich schöne Gesicht.

Er blieb an einem bunt bemalten Bungalow stehen und verstaute sein Surfbrett. Offenbar war er kein Gast. Arbeitete er vielleicht in einem Surfshop oder im Hotel?

Was auch immer, ein süßer Junge wie er würde kein Interesse an einer bald dreißigjährigen Wissenschaftlerin haben.

Egal, was Nikki meint, ich bin nicht wegen einer Liebesaffäre hierhergekommen, sagte Cilla sich. Doch da war er. Der tollste Mann, den sie je gesehen hatte. Ein Mann, der sicher wusste, wie man eine Frau lustvoll stöhnen ließ, wie man ihr einen heißen Orgasmus verschaffte, nach dem sie um mehr betteln würde.

Er drehte sich um. Sah sie direkt an. Aus sechs Metern Entfernung hielt er ihren Blick gefangen, zog einen Mundwinkel nach oben in einem unwiderstehlichen jungenhaften Grinsen.

Er kam auf sie zu. Cilla stand wie festgewachsen im Sand und wusste nicht, ob sie verführerisch lächeln oder sich umdrehen und wegrennen sollte.

2. KAPITEL

Alex Maddow schüttelte den Kopf, dass die nassen Haare flogen und Tropfen um seinen Kopf sprühten. Das Hochgefühl, das er beim Wellenreiten immer empfand, durchströmte seinen Körper. Er atmete die salzige Abendluft tief ein und seufzte vor Zufriedenheit.

Es gab nichts Schöneres, als bei Sonnenuntergang zu surfen. Die Farben des Himmels, das Peitschen der kühler werdenden Luft auf seinem Körper, wenn er über das Wasser flog. Unbeschreiblich war das passende Wort.

Dann sah er sie. Sie sah aus wie ein funkelnder Edelstein vor dem blütenweißen Hotelbungalow. Ebenfalls unbeschreiblich.

Obwohl das Wasser ihn abgekühlt hatte, fühlte er Erregung in sich aufsteigen.

Normalerweise kannte er zumindest den Namen der Frau, bevor er plante, auf welche Weise er ihren Körper genießen würde. Andererseits hatte er vor ihr noch nie diese Reaktion der intensiven, augenblicklichen Lust auf den ersten Blick an sich erlebt.

Sie erinnerte ihn an eine dieser elfenhaften Prinzessinnen, von denen seine Mutter ihm früher vorgelesen hatte – und in die er sich immer verliebt hatte. Sie war groß und schlank, ihr Gesicht hatte hohe Wangenknochen. Silberblondes Haar wallte um ihre Schultern wie ein seidener Schleier. Das schlicht geschnittene Sommerkleid hatte ein lebhaftes Muster.

Alex lächelte in freudiger Erwartung. Niemand konnte Albert Alexander Maddow vorwerfen, dass er eine Chance nicht nutzte, wenn das Schicksal sie ihm vor die Nase hielt.

Um Zeit zu gewinnen, schlenderte er auf sie zu und strich sich dabei die nassen Locken aus dem Gesicht. Je näher er kam, desto mehr war er fasziniert.

Aus der Nähe sah sie sogar noch besser aus. Ihre Brauen wölbten sich über tiefblauen Augen, die fast denselben Ton hatten wie der Himmel. Ihr Mund war hübsch geformt mit einladend vollen Lippen. Er wollte an diesen Lippen knabbern, darüberlecken und schmecken, ob sie so köstlich waren, wie sie aussahen.

Hatte er sich jemals so heftig und plötzlich zu einer Frau hingezogen gefühlt? Alex wusste es nicht, und es war ihm gleichgültig. Nur dieser Moment war wichtig – und diese Frau.

„Traumhaft“, sagte er, als er nur noch ein paar Schritte von ihr entfernt war. Einzeln betrachtet, waren ihre Gesichtszüge nicht auffallend hübsch, aber insgesamt gesehen, waren sie umwerfend.

„Was, hier zu surfen?“, fragte sie nach kurzem Zögern.

Selbst ihre Stimme war sexy. Dunkel und eine Spur rau, stand sie im Gegensatz zu ihrem elfenhaften Äußeren.

„Die Aussicht“, behauptete er. Als Mann, der ebenso stolz auf seine Intuition war wie auf seinen Verstand, hielt er seine Instinkte zurück, um später umso mehr Erfolg zu haben.

Sie hob eine Augenbraue und blickte über seine Schultern hinter ihn. Er folgte ihrem Blick und nahm die Schönheit des Sonnenuntergangs in sich auf. Wie immer fesselte ihn der Anblick. Die ständige Wandlung des Meeres erfüllte seine Seele mit Frieden.

„Es ist sicher wundervoll, ein Teil von alldem zu sein“, sagte sie und wies mit dem Kinn auf die brausenden Wellen.

Sie tat so, als interessiere er sie nicht, aber ihre steifen Schultern und der kleine Schritt rückwärts sprachen eine andere Sprache.

Sie ging nicht weg. Wenn das kein gutes Zeichen war.

„Kannst du surfen?“, fragte er, obwohl er die Antwort kannte. Sie hatte diesen romantischen, abenteuerlustigen Blick.

„Ich habe es noch nie versucht, nein“, sagte sie und schaute ihm in die Augen.

Dieser Blick sagte ihm deutlich, dass sie überlegte, wie er ohne Badehose aussah.

Als hätte sie gemerkt, dass er verstanden hatte, blinzelte sie. Ihre Wangen färbten sich rosa, aber sie schaute nicht weg.

Ein provozierendes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er würde es genießen, ihr die Aussicht und seine Talente zu zeigen.

„Surfen ist wie Sex“, sagte er leise. „Wie ein intensiver Ritt auf einem Liebhaber, der weiß, wie er dich ganz nach oben bringt. Dann geht es zurück zur Erde mit einem sanften Kuss und dem Versprechen, es wieder zu tun.“ Er war gespannt, ob sie wieder erröten würde.

„Was du nicht sagst“, antwortete sie ohne Röte auf den Wangen. Sie sah ihn kühl an, dann schüttelte sie den Kopf. „Irgendwie bezweifle ich, dass es einem Anfänger viel Spaß macht. Ich stelle mir vor, dass man am Anfang eher um sich schlägt, hinunterfällt und Meerwasser schluckt.“

„Nicht mit dem richtigen Lehrer“, versicherte er ihr und trat einen kleinen Schritt näher auf sie zu.

„Vielleicht nehme ich Surfunterricht, solange ich hier bin“, sagte sie ausweichend.

„Ich kann es dir beibringen.“

Sie lachte nervös, als würde sie sagen: Das hättest du wohl gern.

„Schon okay“, versicherte er und fand es geschickt von ihr, jetzt abzublocken. Er war schließlich ein Fremder – noch. „Der Surflehrgang ist ein Angebot des Hotels. Ich bin einer ihrer Ausbilder.“

Das schien sie nicht zu beruhigen. Alex lächelte möglichst vertrauenswürdig und trat einen kleinen Schritt zurück. „Erkundige dich im Hotel. Du kannst jeden nach Alex fragen. Sie werden dort für mich bürgen.“

Trotzdem zögerte sie noch.

„Sag wenigstens, vielleicht“, schlug er vor, bevor sie ablehnte.

Ihre schönen tiefblauen Augen funkelten belustigt, dann zuckte sie mit den Schultern.

„Vielleicht“, murmelte sie und drehte sich um, ohne ihm noch einen Blick zu gönnen.

Er sah ihr nach, und dabei hatte er das Gefühl, als hätte ihm jemand sein Surfbrett auf den Kopf geschlagen. Er fühlte sich gleichzeitig erregt und verwirrt.

Verrückt, sagte er sich.

Er schüttelte den Kopf, wobei ihm die nassen Locken in die Augen fielen und ihn daran erinnerten, dass er seine Haare noch schneiden lassen musste, bevor er am Ende des Monats seinen neuen Job antrat.

Am nächsten Morgen saß Cilla auf der Terrasse, genoss die Sonne und trank ihren Kaffee. Das schwere Aroma erfüllte ihre Sinne: dunkel, kräftig und stark. Die perfekte Begleitung für ihr Frühstück – französischer Toast, Muffins und Obstsalat aus frischen Früchten.

Lauter Lieblingsspeisen. Genau, was ich brauche, um diesen Urlaub richtig zu beginnen, dachte sie. Besonders nach diesem unglaublich heißen, scharfen Traum, den sie gehabt hatte. Die lebhaften Bilder von ihr mit dem umwerfenden Mann vom Strand und wie sie es hemmungslos auf seinem Surfbrett trieben gingen ihr nicht aus dem Kopf. Sie rutschte hin und her auf dem Korbstuhl und wünschte, der Kellner würde das Eiswasser nachfüllen. Sie musste sich dringend abkühlen.

Vielstimmige Begrüßungen in Spanisch und Englisch erklangen vom Rand der Terrasse her. Cilla wandte ihren Blick vom Ozean ab, um nach dem Grund für die Unruhe zu sehen.

Als hätten ihre Träumereien ihn herbeigezaubert, schlenderte der sexy Surfgott die gefliesten Stufen herauf und begrüßte die Gäste und das Hotelpersonal.

Im Sonnenlicht sah er sogar noch besser aus. Die halbe Nacht hatte sie sich eingeredet, dass nur die Surfromantik und das Licht der untergehenden Sonne es fertiggebracht hatten, ihn wie einen griechischen Gott aussehen zu lassen.

Aber nein, sogar in einem blütenweißen T-Shirt, das seinen Oberkörper bedeckte, war er immer noch der schönste Mann, den sie je gesehen hatte. Ihr Herz raste.

Er schien jeden hier zu kennen. Offenbar hatte er die Wahrheit gesagt und arbeitete für das Hotel.

Als säße sie hier bei ihr am Tisch, hörte Cilla Nikkis Stimme in ihrem Kopf: Nichts wie ran. Er ist heiß. Er ist sexy. Er ist der perfekte Urlaubslover.

Wie bei ihrem ersten Zusammentreffen wusste sie auch jetzt nicht, ob sie auf diese Stimme hören oder so schnell wie möglich weglaufen sollte.

Er sah zu ihr herüber, sagte etwas zu den Leuten um ihn herum und kam quer über die Terrasse auf sie zu. Sein schiefes Lächeln ließ ihn noch unwiderstehlicher wirken. Der Kellner brachte eine Tasse Kaffee, bevor er noch an ihrem Tisch war.

„Darf ich mich zu dir setzen?“

Ihre Nerven flatterten, teils wegen der sexuellen Spannung, teils wegen ihrer üblichen Schüchternheit. Trotz der kleinen Stimme in ihrem Kopf, die ihr riet, wegzulaufen, wies sie einladend auf den leeren Stuhl.

„Ich habe mich gestern nicht richtig vorgestellt. Ich bin Alex“, sagte er, setzte sich und nahm sich einen Muffin aus dem Körbchen auf dem Tisch.

„Priscilla, aber man nennt mich meistens Cilla“, sagte sie und reichte ihm automatisch die Hand.

Das war ein Fehler, wie sie feststellte. Von seiner Hand ging erregende Hitze auf sie über. Ihr Körper war sofort bereit, vor Wonne zu zerfließen, gleich hier. Eine Lustpfütze auf dem Frühstückstisch.

Nein. Das geht so nicht, sagte sie sich und entzog ihm ihre Hand. Sie musste sich dringend abkühlen und griff nach dem Krug mit Eiswasser, den der Kellner inzwischen gebracht hatte.

„Hast du gut geschlafen, Cilla?“

Hat er meine Gedanken gelesen und weiß, dass ich mich hin und her gewälzt habe, schwitzend von einem Traum-Orgasmus?

„Nach einer Reise schlafe ich in der ersten Nacht nie gut“, entschuldigte sie sich.

„Du hättest mir erlauben sollen, dir zu helfen“, meinte er und biss von dem Muffin ab.

„Irgendwie glaube ich, dass ich mit deiner Hilfe eher noch weniger geschlafen hätte.“ Sie lachte nervös. Er flirtete tatsächlich mit ihr. Aufregung und ein bisschen Angst breiteten sich in ihr aus.

„Oh nein. Intensive körperliche Betätigung ist sehr gut für einen tiefen Schlaf. Wusstest du das nicht?“

Sein Grinsen forderte sie heraus. Obwohl sie eigentlich keine Chance hatte, dieser Herausforderung zu begegnen, konnte sie nicht widerstehen.

„Das Gerücht ist mir bekannt, aber soweit ich weiß, muss die Betätigung wirklich gut sein. Mittelmaß frustriert nur, oder?“

„Mittelmaß lohnt sich überhaupt nicht“, stimmte er zu.

Sein Blick streifte kurz über ihre Brüste. Schon das allein erregte sie.

„Genau meine Meinung.“

„Also hättest du mich dir doch helfen lassen sollen“, erwiderte er und grinste unverschämt.

„Und woher weiß ich, dass du gut bist?“, konterte sie, ohne zu wissen, wo sie den Mut hernahm.

„Von Empfehlungen natürlich.“

Cilla konnte sich nicht zurückhalten, sie musste laut lachen. Es war lustig, so über Sex zu sprechen.

„Du kannst heute Abend auf mein Angebot zurückkommen“, bot er ihr an, und sein unverschämter Gesichtsausdruck war die reine sexuelle Provokation.

„Ich bin noch nicht sicher, ob ich überhaupt surfen lernen will“, sagte sie und beendete das doppeldeutige Spiel mit einem leichten Schulterzucken.

Sein Gesichtsausdruck zeigte ihr, dass er noch nicht bereit war, aufzugeben.

„Ist das ein Spiel?“, fragte er beiläufig, aber sie hörte einen Hauch von Irritation in seinem Ton.

„Ich spiele nicht.“

Alex lachte, und darin lag ein ungläubiger Unterton.

Sie hob fragend eine Augenbraue, denn immerhin war er derjenige, der sich an ihren Tisch gesetzt und sich an ihren Muffins bedient hatte.

Er sah sie nachdenklich an. „Tut mir leid. Ich fürchte, ich bin ein bisschen verwirrt. So unklare Signale bin ich von einer Frau nicht gewohnt. Ich würde gern mehr Zeit mit dir verbringen, um dich besser kennenzulernen. Viel, viel besser.“

Ihre Haut prickelte, Hitze durchströmte ihren Körper. Das Gerede um den heißen Brei war vorbei.

„Ich dachte, das täten wir bereits.“ Obwohl offenbar nicht in dem Maße, wie er oder auch sie es gern hätte.

„Du weißt, was ich meine“, sagte er und wischte damit ihre Antwort vom Tisch.

Cilla biss sich auf die Unterlippe. Plötzlich fühlte sie sich verunsichert und irritiert, trotz des heißen Verlangens, das er in ihrem Körper entfacht hatte, und trommelte mit den Fingern auf dem Tisch.

„Ja, und?“, fragte sie schließlich. „Wenn eine Frau dir nicht gleich zu Füßen liegt, dann spielt sie ein Spiel?“

Seine Miene blieb ausdruckslos.

„Na ja, nicht unbedingt zu Füßen“, sagte er scherzhaft. „Aber ich merke normalerweise ganz genau, ob sie mich näher kennenlernen möchte. Ob sie sich dann entschließt, entsprechend zu handeln, ist natürlich eine andere Frage. An dieser Stelle beginnt das Spiel.“

Cilla war schon wieder irritiert über seine Worte. Sie waren ziemlich tiefschürfend für einen Surflehrer.

„Ich versichere dir, wenn ich mir Zeit nehme, zu entscheiden, was ich möchte, dann ist das kein Spiel.“

Sein kurzes, sexy Grinsen zeigte, dass er seinen Vorteil sah und ihn für sich nutzen wollte.

„Womit kann ich dir bei deiner Entscheidung helfen?“, fragte er entgegenkommend und legte eine Hand auf ihre. Funken schienen zu sprühen. Heiß, intensiv, beinahe überwältigend. Wenn er mich so leicht anmachen kann, nur mit einem Blick und einer Berührung, was kann er dann mit meinem Körper tun, wenn ich ihn lasse?

Cilla versuchte ihre Atmung wieder zu beruhigen.

Woher soll ich wissen, ob er sich ebenfalls zu mir hingezogen fühlt? Er ist ein schöner Mann mit einer tollen Ausstrahlung. Er kann jede Frau haben. Kann ich damit umgehen, wenn ich nachgebe? Die Wahrscheinlichkeit einer Blamage ist hoch. Ist es mir das wert?

Sie schaute Alex nochmals an und seufzte innerlich. Oh ja. Das ist es, da bin ich ziemlich sicher.

Ziemlich sicher, aber nicht ganz und gar. Sie brauchte Zeit zum Überlegen. Sie nahm die Serviette vom Schoß und legte sie auf den Tisch.

„Willst du gehen?“ Er sah enttäuscht aus.

„Ich muss mich noch dringend um ein paar Dinge kümmern. Da wir uns in den achtzehn Stunden, die ich hier bin, schon zweimal über den Weg gelaufen sind, sehen wir uns bestimmt wieder.“

Wenn es so weit war, wollte sie alles gründlich durchdacht haben. So oder so werde ich bereit sein, versprach sie sich, murmelte einen Abschiedsgruß und ging.

Alex schaute Cilla nach. Ihr ordentlich geflochtener silberblonder Zopf schwang zwischen ihren Schultern hin und her. Es verwirrte ihn, dass sie sein Spiel nicht mitspielte. Sie musste eigene Regeln haben, oder er hatte seine Karten noch nicht zugeteilt bekommen. Er würde ihre Spielregeln schnell lernen, da war er sich sicher.

„Abgang?“

Alex sah immer noch Cillas wiegenden Hüften nach, bis er sie aus den Augen verlor, als sie um die Ecke bog, um zu ihrem Bungalow zu gehen. Er wandte sich zu Juan um, dem Sohn des Hotelbesitzers, der als Bedienung bei seinen Eltern aushalf.

„Ich paddle noch“, sagte er im Surferjargon und stand auf, um Juan zu helfen, die Teller und Tischabfälle abzuräumen. „Möchtest du heute Nachmittag mit mir surfen gehen?“

Juan musste über den Themenwechsel grinsen.

„Ich kann nicht. Wir haben zu wenig Personal. Hast du Lust, heute Nachmittag ein paar Surfanfänger zu übernehmen?“ Juan wischte den Tisch ab und zog an den nächsten weiter. „Du springst doch hoffentlich für Manuel ein, oder?“

„Von mittags bis um acht“, bestätigte Alex. Er unterrichtete gern, darum hatte er seine Hilfe angeboten, aber nur für ein paar Stunden täglich.

„Und gibst du der hübschen Blondine Privatstunden?“, stichelte Juan.

„Vielleicht“, murmelte Alex. Ein leuchtendes Blau fiel ihm ins Auge, und er sah Cilla zum Strand hinuntergehen. Sie trug eine große Strandtasche und hatte ein auffälliges Kleid an. Ein riesiger Sonnenhut bedeckte ihr wundervolles Haar.

„Ich habe mich mit ihr unterhalten“, sagte Juan. „Sie ist eine kluge Lady. Mit ihr kann man über alles sprechen. Anders als diese Surf-Betty, mit der du letztes Mal hier warst, deren IQ kleiner war als ihre BH-Größe.“

Juan nannte jede Frau, die auf den Wellen war, eine Surf-Betty.

Alex überlegte und versuchte sich an seinen letzten Besuch vor acht Monaten zu erinnern. Dann fiel es ihm wieder ein. Eine hübsche Brünette, gute Surferin.

Ja, die Schlaueste war sie nicht gewesen, aber großartig auf dem Surfbrett. Trotzdem wollte ein Mann sich gelegentlich mit der Frau, mit der er zusammen war, auch unterhalten.

Nur wenige Leute in Los Cabos wussten, was er in den übrigen zehn Monaten des Jahres tat, wenn er nicht hier surfte. Nicht dass er sich für seine Karriere schämte. Er war ein verdammt guter Wissenschaftler. Schon sehr früh hatte er ausgezeichnete Leistungen erbracht und war in einem Alter fertig mit dem College, in dem die meisten erst anfingen. Er war ein Ausnahmetalent, hatte schon jung gelernt, sich ein Ziel zu setzen und es mit viel fleißiger Arbeit konsequent zu verfolgen, bis er es erreichte. Bisher hatte er mehrere Auszeichnungen erhalten, bis hin zum Wolf-Preis.

Das war seine Arbeit, aber hier ging es um sein Vergnügen.

„Ich bin im Urlaub“, sagte Alex entschuldigend. Er sprach niemals über sein anderes Leben, wenn er hier war.

„Sie hat versucht, mich nach dir auszufragen. Wollte wissen, was du hier so machst“, sagte Juan.

Alex schaute schnell zu seinem Freund. Er sah das Grinsen und das Funkeln in seinen Augen.

„Und was hast du ihr gesagt?“

„Sie soll dich selber fragen.“

Alex grinste.

„Das wollte sie aber nicht.“

Sein Lächeln verblasste, dann musste Alex über sein aufgeblasenes Ego grinsen. Eine Frau wie Priscilla – Cilla –, die nicht so einfach zu haben war, sollte ihm doch wohl ein bisschen Zeit und Mühe wert sein.

„Tu mir einen Gefallen“, sagte er. „Wenn sie wieder fragt, halt dich weiter zurück.“

„Du willst ihr also was vorschwindeln?“

Alex starrte seinen Freund schockiert an. „Selbstverständlich nicht. Im Moment bin ich Surflehrer, und sie ist im Urlaub.“

Juan grinste verständnisvoll und hob das Tablett mit dem schmutzigen Geschirr auf seine Schulter. Dann nickte er in die Richtung, in die Cilla gegangen war. „Du sagst immer, dass du nur für den Augenblick lebst, Amigo. Eines Tages triffst du eine Frau, bei der du von morgen träumst.“

Alex lachte und sah Cilla zu, wie sie ihr Handtuch auf dem Liegestuhl ausbreitete und sich dann aufrichtete. Schnell hatte sie das leuchtend blaue Kleid ausgezogen und schüttelte anschließend den Kopf, sodass der silberblonde Haarzopf über ihren Rücken glitt. Alex stellte sich vor, wie er ihn mit den Fingern auflöste und kleine Küsse auf ihre Schultern drückte.

Sein Blick glitt über ihren Rücken, der jetzt nackt war bis auf die Träger ihres lila Bikinis. Fasziniert betrachtete er ihre schlanke Taille, die sanfte Rundung ihrer Hüften und ihre Beine. Sein Herz schlug mit einem Mal heftig, als ritte er beim Surfen auf einem Wellenkamm. Wie werden sich diese Beine anfühlen, wenn sie um meine Hüften geschlungen sind?

Vor ihm lagen ein paar Tage mit wundervollen Sonnenuntergängen. Ich werde sie alle mit Cilla verbringen und jede Sekunde genießen.

3. KAPITEL

Es war spät am Nachmittag und Cilla kämpfte mit sich. Sie wäre verrückt, so etwas zu tun. Eine Million vernünftige Argumente sprachen dafür, sich sofort umzudrehen und über den Strand zu ihrem Bungalow in den Dünen zurückzukehren.

Sie war eine engagierte Wissenschaftlerin und er ein attraktiver Surfer. Sie hatten keine gemeinsamen Gesprächsthemen. Andererseits – für seine Lippen hätte sie durchaus andere Verwendung …

Es gab genug Leute in ihrem Job, mit denen sie sich unterhalten konnte, wenn ihr Urlaub beendet war. Sie sollte besser nicht so viel nachdenken.

„Komm schon, du willst es doch“, ermunterte Alex sie.

Das Lächeln auf seinem schönen Gesicht zeigte, dass er genau Bescheid wusste über ihre Bedenken wegen des Surfunterrichts, der vor einer Stunde begonnen hatte.

Sie konnte nur hoffen, er erriet nicht auch, was für Zweifel sie hatte oder dass sie viel mehr von ihm wollte als einen Ritt auf seinem blau-weiß gestreiften Surfbrett. Allerdings war sie sich dessen nicht sicher, wenn sie sein breites Lächeln sah.

Im Licht des Spätnachmittags stand er zwischen zwei in den Sand gerammten Surfbrettern. Dieser Strandabschnitt war fast menschenleer, die nächsten Strandbesucher waren winzige Punkte in weiter Entfernung. Die Sonne schien heiß, der Wind war nur ein laues Lüftchen – und Alex war wundervoll.

Seine gebräunte Haut schimmerte in der Sonne, leichter Sonnenölduft mischte sich mit salzigem Meeresgeruch. Seine einfache blaue Badehose saß tief auf den Hüften. Sie schaute von den sandigen Haaren über seine Brust und dann den schmalen Haarstreifen entlang, der nach unten zu dem Körperteil verlief, der sie zur Ekstase bringen konnte.

Nur eine Idiotin würde ablehnen.

„Ich will es wirklich tun“, sagte sie atemlos und meinte mehr als nur die Unterrichtsstunde. Alex’ Miene wurde ernst. Seine dunklen Augen schauten sie intensiv und konzentriert an. Ihr Atem ging schneller. Sie zog die Unterlippe ein, knabberte daran und fragte sich, ob sie das Surfen aufgeben und sofort zu ihrem Bungalow zurückgehen sollte.

„Komm schon“, lud er sie wieder ein. „Es wird Zeit. Wir haben alles vorbereitet. Jetzt brauchen wir nur noch aufs Wasser zu gehen.“

Diesmal hatten die Angst nichts mit sexueller Spannung zu tun. Sie musterte das über zwei Meter lange Surfbrett, dann blickte sie auf die Wellen, die an den Strand rauschten.

Alex strich beruhigend über ihre nackten Arme. Ein freches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Seine Hände glitten weiter über ihre Arme, aber die Bewegungen wurden langsamer. Sanfter. Verführerischer. Ihr Herz schlug immer heftiger, sie fühlte es gegen ihre Rippen pochen.

Seine Finger hinterließen eine heiße Spur auf ihrer Haut. Er kam näher, nur einen Schritt, doch alle ihre Sinne nahmen ihn in sich auf. Seine Körperwärme. Seinen Geruch. Seine sexuelle Kraft.

Ihr Blickwinkel verengte sich. Die Geräusche und die Hitze der Sonne verblassten. Sie sah nur noch sein Gesicht, die oliv getönte Haut und die hohen Wangenknochen. Seine vollen Lippen, wie gemacht für heiße Küsse.

Ohne es zu bemerken, berührte sie mit der Zunge ihre Oberlippe. Das Begehren in seinen nachtschwarzen Augen wurde stärker, aber er bewegte sich nicht. Cilla wusste nicht, ob er sie mit seiner Zurückhaltung quälen wollte oder ob er ein Gentleman war, der sich nicht mit einer Schülerin einließ.

Sie musste den nächsten Zug machen. Sie. Die Frau, die ihre letzte männliche Eroberung mit einem lahmen Spruch über eine physikalische Theorie aus der Reserve zu locken versuchte.

Sie wählte die feige Variante und lehnte sich zurück statt nach vorn.

Er sah sie mit einem rätselhaften Blick an und zeigte dann auf das Meer.

„Du schaffst es ganz schnell, wenn wir einmal angefangen haben. An diesem Strandbereich sind die Wellen nicht so wild. Perfekt, um ein Gefühl für das Brett zu bekommen.“

„Okay. Wir tun es“, sagte sie.

Alex’ Lachen mischte sich mit dem lauten Rauschen der Brandung. Sie ergriff das Surfbrett. Weil sie es sich nicht unter den Arm klemmen konnte wie er, balancierte sie es nach seinen Anweisungen auf dem Kopf.

„Wäre es früher am Tag nicht besser gewesen?“, fragte sie und folgte ihm zum Wasser. Sie musste kämpfen, um ihr Gleichgewicht zu halten, weil sie mit den Füßen im weichen Sand einsank.

„Nein. Jetzt ist es perfekt. Du lernst zuerst die Grundlagen, und ich wette, bis heute Abend stehst du auf dem Brett. Nichts ist so schön, wie bei Sonnenuntergang über das Wasser zu gleiten.“

„Wie gestern Abend? Gehst du jeden Abend surfen?“

„So oft ich kann“, gab er zu und schaute begeistert aufs Meer hinaus.

Er tat es so, wie sie den Sternenhimmel oder den Körper eines schönen Mannes ansehen würde. Mit Freude, Zufriedenheit und Bewunderung.

Das wollte sie auch empfinden, dieses Selbstbewusstsein, das sich in Alex’ Gesicht spiegelte, als sähe er durchaus alle Schwierigkeiten, akzeptierte sie aber und wollte sie sofort angehen.

Für eine Frau, die sich selbst jeden Tag Zuversicht einreden musste, war dieser Blick wie eine Droge.

Als Alex ihr seine Aufmerksamkeit zuwandte und sie intensiv ansah, lag Wärme und Anerkennung in seinem Blick – und lustvolles Interesse. Noch nie hatte jemand sie so angesehen. Als würde es ihn gleichzeitig glücklich machen, ihn erregen und erfreuen, mit ihr zusammen zu sein.

Das war für sie noch verführerischer als der Blick auf die Brandung.

Als sie das Ufer erreichten, befestigte sie auf sein Geheiß die Leine des Surfbretts an ihrem linken Fußknöchel, dann hob sie es auf und folgte ihm ins Meer.

Cilla schnappte nach Luft, weil das Wasser im Vergleich zum warmen Sand sehr kalt war. Neben Alex watete sie hinaus, bis es ihr an die Hüften reichte, und versuchte, seine einfach aussehenden Bewegungen nachzuahmen, bis sie sich auf das Brett ziehen konnte.

Er musste gegen das Rauschen der Wellen anschreien. „Wir paddeln jetzt an dem ersten Brecher vorbei. Weißt du noch, wie du die Hände halten musst? Wie beim Schwimmen.“

Schwimmen ist aber viel einfacher, entschied Cilla nach ein paar Minuten. Sie lag auf dem Bauch auf dem Surfbrett und kämpfte gegen die Wellen, die sie in eine Richtung schoben, während die Strömung sie in eine andere Richtung zog.

Obwohl ihre Arme schon brannten, blieb sie dicht hinter Alex. Ihre Augen tränten vom Salzwasser, das ihr ins Gesicht sprühte. Als ihr eine Welle peitschend ins Gesicht schlug, rang sie nach Luft. Atmen und Gehen waren ihr lieber als Surfen.

„Hier ist es gut“, rief Alex ihr über die Schulter zu. Er setzte sich auf. „Komm schon. Hoch!“

Ohne jede Eleganz zog sie sich wackelnd hoch, bis auch sie rittlings auf dem Brett saß.

Jetzt konnte sie Luft holen und sich umschauen. Sie atmete immer noch schwer von der Anstrengung, aber der Anblick überwältigte sie. Wasser, überall Wasser. In der Ferne schien das Meer in den Himmel überzugehen. Trotz des mühsamen Atmens und der schmerzenden Muskeln überkam sie ein Gefühl des Friedens.

„Es ist unglaublich hier draußen.“

„Du sagst es“, antwortete er erfreut. „Egal, was mir in meinem Leben passiert, wenn ich hier draußen bin, kann ich damit umgehen.“

Cilla blinzelte gegen die Sonne, die vom Wasser reflektiert wurde. „Das Meer gibt dir Kraft?“

„Irgendwie schon.“ Er wirkte nachdenklich, während er das Meer anblickte wie eine Geliebte. „Es ist eher so, dass ich hier draußen merke, wie viel sich meiner Kontrolle entzieht. Das Meer zeigt mir, wie unwesentlich manche Dinge sind und wie wichtig andere sein können.“

Er schüttelte sich, als würde er den Mantel des Philosophen abwerfen. Cilla war fasziniert.

„Außerdem heißt es hier: Mensch gegen Natur“, sagte er grinsend und zeigte auf die große Welle, die sich vor ihnen aufbaute. „Wenn du es genießen kannst, mit dem Ozean eins zu werden, dann erkennst du deine eigene Kraft.“

Cilla starrte auf die Welle. Ihre Augen wurden immer größer, ihr Magen schien bis auf den Meeresgrund zu sinken. Sie würgte und spielte mit dem Gedanken, umzukehren.

„Denke daran, was ich dir erklärt habe“, sagte Alex und legte sich wieder flach auf sein Surfbrett. Er hakte die Zehen unter, mit den Händen hielt er sich am Rand des Brettes fest. „Mit der Welle paddeln, bis sie sich aufbaut, dann auf die Füße kommen und in die Hocke gehen. Halte die Knie locker, konzentriere dich auf dein Körpergefühl.“

Wie eine gute Schülerin folgte Cilla seinen Anweisungen. Trotz ihrer schmerzenden Muskeln paddelte sie wie wild und fühlte, wie das Wasser das Brett anhob.

In Todesangst und wie betäubt beobachtete sie dennoch Alex und ahmte seine Bewegungen nach. Als die Welle sich aufbaute, ergriff sie die Seitenränder des Brettes. Ihr Herz schlug hämmernd, als sie sich nach oben drückte und die Füße unter den Körper zog. Sie löste die Finger vom Rand des Surfbretts, dann stand sie mit gebeugten Knien darauf und breitete die Arme aus, um das Gleichgewicht zu halten.

Alex, der schon auf der Welle ritt, schaute zu ihr herüber, um zu sehen, ob alles in Ordnung war. Er lachte ihr zu und zeigte mit beiden Daumen nach oben.

Befriedigung breitete sich in Cilla aus. Ja. Sie hatte es getan. In diesem Moment, für diese kurze Zeit, glaubte sie, dass sie mit allem in ihrem Leben fertig werden konnte.

Dreißig Minuten später bewegte sie sich gemäß Alex’ Anweisungen wieder in Richtung des Ufers. Sie erreichte den Strand und löste das Seil von ihrem Knöchel, bevor sie sich vom Brett rollte.

Eine erstaunliche Energie durchströmte sie und überschwemmte sie mit Gefühlen der Erregung und Freiheit, die sie nie zuvor gespürt hatte. Weil sie mit ihren zitternden Armen das Surfbrett nicht mehr tragen konnte, zog sie es über den Sand. Atemlos stapfte sie den Strand hinauf. Sie schaffte nur zehn Schritte, dann konnte sie nicht mehr widerstehen und ließ das Brett in den Sand fallen. Sie breitete die Arme aus und drehte sich lachend um sich selbst.

„Wow“, stieß sie aus. „Das war unglaublich.“

Es war ein erregendes Gefühl. Wie der beste Sex ihres Lebens plus Schokoladeneis plus den Blick über den Gand Canyon – alles auf einmal in einem einzigen Gefühl lustvollen Rauschs. Auch Alex stieg aus dem Meer. Er sah wieder wie ein junger Gott aus.

Ihr stockte der Atem bei der Eindringlichkeit seines Blicks. Er lachte nicht, sondern starrte sie an, als wäre sie das Unglaublichste, das er je gesehen hatte. Ihr Lächeln verschwand, ihre Brust hob und senkte sich in schnellen, tiefen Atemzügen.

Er steckte sein Surfbrett nicht einmal aufrecht in den Sand, sondern warf es zur Seite und rannte auf sie zu. Hitze stieg tief aus ihrem Bauch auf. Ihr war so heiß, dass der Badeanzug eigentlich dampfen müsste.

Wenige Zentimeter vor ihr blieb Alex stehen. Die Haare hingen in nassen Locken um seinen Kopf, Wassertropfen liefen seine Kehle hinunter auf seinen Oberkörper. Sie hätte sie gern abgeleckt. Würde er salzig schmecken wie das Meer?

Alex streckte seine Arme aus und umfasste ihren Kopf mit beiden Händen. Die Beine drohten nachzugeben, ihre aufgerichteten Brustwarzen drückten an den Badeanzug. Als sein Körper sich an ihren presste, spürte sie seine Erektion.

Bevor sie mehr tun konnte, als erfreut festzustellen, wie hart und groß sie sich anfühlte, küsste er sie schon.

Es war wie das Surfen. Erregend und gefährlich. Seine Lippen glitten weich und süß über ihre, erst dann erforschte er mit der Zunge ihre Unterlippe. Sie seufzte innerlich vor Glück, weil es so perfekt war.

Plötzlich änderte sich alles. Sie wusste nicht, wie es kam, aber der Kuss war nicht mehr länger sanft, sondern heiß, obwohl Alex sie nur leicht mit der Zunge berührte. Cilla kam es vor, als geriete die Welt aus der Umlaufbahn, und sie rutschte in einen dunklen Abgrund der Lust. Sie gab die Kontrolle auf, denn sie konnte nichts anderes mehr tun als genießen, und so überließ sie sich der Leidenschaft.

Alex hätte nie gedacht, dass er einmal etwas finden würde, das ihn ebenso fesseln konnte wie das Meer. Bis er Cilla kennenlernte. Sexy, süß und verdammt köstlich, dachte er und vertiefte den Kuss.

Er strich durch die nassen Haare, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten, hielt ihren Kopf und küsste sie heiß. Lippen, Zunge und Blicke vereinigten sich wie in einem wilden, leidenschaftlichen Tanz. Sein Herzschlag war so heftig wie bei einem Ritt auf den höchsten Wellen.

Ein unbekanntes Gefühl regte sich in seinem Herzen. Ein anderer Mann hätte jetzt vielleicht gezögert und sich Sorgen gemacht, weil eine Frau, die er erst seit weniger als vierundzwanzig Stunden kannte, ihn so leicht einfangen konnte, aber er fühlte sich sicher, denn er wusste, dass so etwas wie Liebe nicht existierte. Das war nur ein schönes Wort.

Cilla schlang die Arme um seinen Nacken und stöhnte lustvoll. Ihr Körper drückte sich an ihn, ihre glatten Schenkel glitten an seinen entlang. Alex war beeindruckt. Cilla hatte nicht gelogen, als sie sagte, dass sie keine Spiele spielte. Nein, diese Frau nahm sich, was sie wollte. Als er spürte, wie ihre Hände über seine Arme strichen und seine Muskeln betasteten, da wusste er, dass sie ihn wollte.

Lustvoll erkundete sie seinen Mund, und Alex stürzte immer tiefer in den Abgrund des Verlangens. Er ließ sich in den Sand sinken und zog Cilla mit sich.

Sie seufzte zustimmend und strich leicht mit ihren Fingernägeln über seine Brust. Alex stöhnte, als Hitzewellen durch seinen Körper schossen und seine Sinne in höchste Alarmbereitschaft versetzten.

Er stützte sich auf einen Ellbogen und vertiefte den Kuss. Mit den Fingern der anderen Hand strich er über die seidige Haut ihrer Schulter und ließ sie tiefer gleiten. Als er sich nicht mehr zurückhalten konnte, umfasste er ihre Brust.

Cilla schnappte nach Luft und schmiegte sich fester in seine Hand. Alex stöhnte. Zu fühlen, wie sich die Brustwarze unter seinen Fingern aufrichtete, törnte ihn unglaublich an.

Aus weiter Ferne erinnerte ihn eine Stimme daran, dass sie an einem öffentlichen Strand lagen, auch wenn er abgelegen war. Am liebsten hätte er Cilla sofort auf die Füße gezogen und zum nächsten verschwiegenen Fleck gezerrt, um sie nackt zu sehen und sein beinahe schmerzhaftes Verlangen zu befriedigen.

Selbstbeherrschung war für ihn in diesem Augenblick sehr hart. Fast so hart wie seine Erektion, die er gegen Cillas Schenkel presste. Er wollte mehr von ihr als nur einen heißen Augenblick im Sand. Er wollte alles, was er von ihr bekommen konnte.

„Sollen wir uns jetzt frisch machen und zum Abendessen gehen?“, fragte er mit belegter, rauer Stimme. „Und danach vielleicht zum Tanzen?“

Ihr Blick, der vor Lust verschleiert war, wurde allmählich wieder klar.

Sie sah ihn an, als suchte sie in seiner Miene die Antwort auf alle Geheimnisse des Universums. Dann seufzte sie tief und drängte dabei ihre Brüste mit den harten Brustwarzen gegen seinen Oberkörper. Er konnte kaum ein Stöhnen unterdrücken.

„Und wenn wir Abendessen und Tanzen ausfallen lassen und einfach in meinen Bungalow gehen?“, fragte sie einladend.

Schon sah Alex sie beide nackt unter dem Strahl der Dusche, während sie sich gegenseitig einseiften und Salz und Sand wegspülten.

Seine Fantasie war begeistert von der Einladung und formulierte schon die Zustimmung, aber sein Mund antwortete etwas anderes.

„Wir könnten doch beides tun“, sagte er. Sein Körper hätte die Worte am liebsten zurückgenommen.

Cilla schaute ihn weich an, er sah etwas Süßes in den Tiefen ihres Blicks. Dieser Blick ließ ihn jeden Versuch, seine Worte zurückzuziehen, vergessen.

Alex lachte leise und lehnte seine Stirn an ihre. Dabei schloss er kurz die Augen und atmete tief ein. Was war los mit ihm? Er war bekannt für seinen scharfen Verstand, und hier lehnte er die Aussicht auf wilden Sex ab, weil er mehr als nur eine lockere Beziehung wollte.

Das war doch verrückt.

„Gehen wir zum Essen“, schlug er vor und entzog sich widerstrebend ihrer Wärme. Sofort wurde ihm kalt, als sein nasser Körper der kühlen Luft ausgesetzt war. Er schauderte ein bisschen und kam auf die Füße. Dann streckte er ihr eine Hand hin, um ihr aufzuhelfen.

4. KAPITEL

Cilla zog ein rückenfreies Kleid an. Beim Zuknoten der Satinbänder im Nacken betrachtete sie sich im Spiegel. Die blaugrüne Farbe des Stoffs ließ ihre Haut schimmern. Das weiche Material umschloss ihre Brüste, und man konnte sehen, dass sie keinen BH trug.

Sie war nicht vertraut mit den Regeln des Flirtens, und das machte sie etwas nervös. Ihr wäre es lieber, über die Entstehung von Sternen zu diskutieren.

Erst beim Hochstecken der Haare fiel ihr auf, dass ihre Hände zitterten. Ihr Spiegelbild blickte ihr mit erweiterten Pupillen entgegen. Sie ließ die Hände sinken. Sie würde ihr Haar offen tragen, dann konnte sie notfalls ihr Gesicht dahinter verstecken.

Sie sah auf die Uhr. In fünf Minuten würde Alex sie abholen. Nervös griff sie nach der Bürste und strich sich damit durch die Haare.

Es klopfte an der Tür. Vor Schreck ließ sie die Bürste fallen. Mit zitternder Hand trug sie etwas Lippenstift auf.

Sie drückte eine Hand gegen ihren Magen, dann holte sie tief Luft und öffnete die Tür.

„Hi“, sagte sie außer Atem.

„Selber hi.“

Oh Mann! Alex sah toll aus. Bisher hatte sie ihn nur mit nassen oder locker ins Gesicht fallenden Haaren gesehen. Jetzt trug er sie zurückgebürstet, wodurch seine Wangenknochen und seine nachtschwarzen Augen betont wurden. Der oberste Knopf seines weißen Hemdes stand offen. Die schwarze Hose betonte seine schmalen Hüften. Sehr sexy! Unwillkürlich fragte sie sich, ob er Boxershorts oder einen Slip darunter trug.

Ihre Ängstlichkeit schmolz in der Hitze reiner Lust.

„Wow“, sagte er heiser und lehnte eine Schulter an den Türrahmen. Dabei sah er sie verführerisch lächelnd an. Dieses Lächeln versprach ihr die Erfüllung jeder ihrer Fantasien. „Du siehst umwerfend aus.“

„Komm rein“, lud sie ihn ein. Im Geiste suchte sie nach Gesprächsthemen, aber sie konnte nur noch an Sex denken. Mit Alex. Anders gesagt, sie wollte ihn so schnell wie möglich nackt sehen. Sie überlegte sich, wie es am schnellsten gehen würde. Ja, ködere ihn, unterhalte ihn, fessle ihn.

Er betrat den Raum und schloss die Tür hinter sich. Dann überreichte er ihr eine einzelne Blume. Sie war leuchtend rot und duftete betörend süß.

„Danke“, murmelte sie leise.

Cilla nahm die Lilie und berührte dabei Alex’ Hand. Sie sah ihm in die Augen, und ihr Herz stolperte. Noch nie hatte ihr ein Mann Blumen geschenkt. Gelegentlich hatte sie von einem Verehrer eine wissenschaftliche Zeitschrift bekommen, aber nur, wenn ein Artikel von ihm darin stand.

„Ich liebe Blumen“, sagte sie schnell und hielt die duftende Blüte lächelnd an ihre Nase. „Meine Mutter hat viele Blumentöpfe, aber immer nur für Kräuter und Gemüse, nicht für Blumen.“

Alex folgte ihr in den kleinen Wohnraum und setzte sich auf das Rattansofa, während Cilla ein Wasserglas suchte und die Blume hineinstellte.

„Wein?“, fragte sie und holte die Flasche, die sie vorsichtshalber kalt gestellt hatte.

„Gern.“

Sie entkorkte sie und merkte beim Einschenken der Gläser, dass ihre Hand nicht mehr zitterte.

„Wohnt deine Mutter in einer Wohnung?“, fragte er freundlich lächelnd.

Fast hätte Cilla doch noch Wein vergossen. Olympia Robichoux in einer Wohnung? Unvorstellbar. Olympia hatte immer nur in einem Haus wohnen wollen, denn das war stilvoller, behauptete sie. Man konnte auch leichter daraus verschwinden, wie sie es mehrmals erlebt hatte. Cilla schüttelte die negativen Gefühle ab, die immer bei dem Gedanken an ihre Mutter in ihr aufstiegen. Sie reichte Alex ein Glas, bevor sie sich selbst mit einem Schluck stärkte.

„Nein. Meine Eltern sind viel umhergezogen“, erzählte sie und setzte sich neben ihn auf das Sofa. Das klang besser, als von den Zwangsräumungen zu erzählen. Wie immer kapselte sie ihre unglückliche Kindheit ab, in einer kleinen Ecke in ihrem Kopf, die sie nicht öffnen wollte. „Meine Mutter besitzt nur Dinge, die leicht zu transportieren sind. Weil mein Vater immer frische Tomaten wollte, schleppte sie riesige Tontöpfe von Haus zu Haus.“

„Schleppt sie sie immer noch?“

„Mein Dad ist tot“, sagte sie. Er drückte mitfühlend ihr Knie. „Mom hat vor drei Jahren ein Haus gekauft, darum ist die Zeit des Umherziehens für sie vorbei.“

Nun ja, eigentlich hatte sie ihrer Mutter das Haus gekauft, und das war ziemlich verrückt, denn sie hatte gerade selbst eine Eigentumswohnung erworben. Ihre Mom hatte eine Heimat gebraucht, damit sie sich endgültig niederlassen konnte. Sie hatte nur die Wahl gehabt, ihrer Mutter ein Haus zu kaufen oder sie bei sich einziehen zu lassen.

Das war eine einfache Entscheidung gewesen.

„Zeit des Umherziehens? Das klingt nach einer interessanten Kindheit.“

In diesem tiefen, sexy Ton von Alex gesprochen, hörte sich das richtig interessant an. Beinahe sexy und aufregend statt jämmerlich und einsam.

„So hört es sich an, hm.“

Er sah sie lange an, durch sie hindurch und direkt in ihr Herz.

„Und du? Was mochtest du am liebsten?“

Sein leicht besorgter Ton sagte ihr, dass sie zu viel verraten hatte. Sie wollte ein Liebesabenteuer mit ihm, keine Erforschung ihres Innenlebens. Also lächelte sie und entspannte ihre Schultern.

„Ich gebe zu, ich mag auch am liebsten frische Tomaten.“

„Aha, also Vaters Tochter?“

Wieder traf es sie wie ein Stich ins Herz. Vaters Tochter. Das hatte sie in ihrer Jugend so oft gehört. Von ihrem Vater, der auf sein kleines Mädchen stolz war, das wie er die Naturwissenschaften liebte und Karriere machen würde, und auch von ihrer Mutter. Die hatte allerdings immer vorausgeschickt: Musst du unbedingt wie er sein?

Nein. Das sollte kein Gesprächsthema sein. Nicht hier. Nicht jetzt, darum schüttelte sie den Kopf und meinte: „Ich bin kein Kind mehr.“

„Nein“, gab er zu und hob eine Hand.

Cilla hielt die Luft an. Wo würde er sie berühren? Ihr Herz raste, als er ihre Haarspitzen zwischen den Fingern hielt. Sein Handrücken war nur wenige Zentimeter von ihrer Brust entfernt. Sie spürte, wie ihre Brustwarzen hart wurden. Sie schmiegte sich ein wenig an seine Hand, gleichzeitig wollte sie aber, dass er den Anfang machte.

Als könnte er ihre Gedanken lesen, grinste Alex. Sein unverschämt sinnliches Lächeln verriet, dass er wusste, was in ihrem Kopf vorging, und dass er vorhatte, jede ihrer sexuellen Fantasien in die Tat umzusetzen.

Jetzt aber wollte er sie besser kennenlernen.

Er spielte weiter mit ihrem Haar und meinte: „Du bist definitiv ganz und gar eine Frau. Eine, die zeigt, was sie will, und es auch bekommt.“ Er zeichnete mit einem Finger ein Muster auf ihre nackte Schulter. „Hast du selber Tomatenpflanzen, oder versorgt dich deine Mutter?“

„Ich habe leider einen schwarzen Daumen“, musste sie zugeben. Sie konnte sich kaum auf das Gespräch konzentrieren. Sie spürte nur noch seinen Finger, der ein immer größeres Muster auf ihre Haut zeichnete. „Meine Mom gibt mir jede Woche einen Korb voller Tomaten mit, wenn ich vorbeikomme und Dinge für sie erledige. Gartenarbeit, Besorgungen, Hausarbeiten. Das alles wartet auf mich, wenn ich nach Hause komme.“

„Ist deine Mom eigentlich schon älter?“

„Nein“, sagte sie mit einem Schulterzucken, wodurch seine Hand näher an ihre Brust kam. Sie konnte sich nur noch darauf konzentrieren. „Sie ist Mitte fünfzig.“

„Ist sie behindert?“

Seine Hand strich den Satinträger entlang bis zu ihrer Brust. Cilla atmete flach, wollte mit nichts seine Bewegung behindern.

„Wohl eher nicht“, murmelte sie. „Sie ist gesund wie ein Pferd, aber sie lebt in ihrer eigenen kleinen Welt und vergisst vieles einfach. Zum Beispiel, Rechnungen zu bezahlen oder den Rasen zu mähen oder Sachen bei der Reinigung abzuholen.“

„Also machst du das dann für sie?“

Sein sinnliches Lächeln entzündete die Leidenschaft in ihr. Tiefes, intensives Begehren wärmte ihr Inneres und breitete sich aus. Ein Hitzestrahl zuckte durch ihren Körper, direkt zwischen ihre Beine.

„Jemand muss es tun. Ich …“ Unzufrieden unterbrach sie sich, denn sie merkte, was sie da gesagt hatte, zugegeben hatte.

Wie machte er das bloß? Cilla rutschte ein wenig auf dem Sofa hin und her und versuchte ihr Missbehagen zu verbergen. Sie sprach nicht gern über ihre Familie. Hatte sie nicht das Thema gewechselt? Sollten sie sich jetzt nicht den sexy Themen widmen?

Er sah sie neugierig an.

„Und was ist mit dir?“, fragte sie daher. „Ist deine Familie hier aus der Gegend?“

Es war ihr peinlich, kaum dass die Worte aus dem Mund waren. Eine blöde Frage. Alex kam ganz offensichtlich nicht von hier, auch wenn er hier arbeitete.

„Meine Mom hat eine Wohnung in Cabo“, sagte er überraschenderweise.

Sie erforschte sein Gesicht und glaubte einen Ausdruck belustigter Resignation in seinen dunklen Augen zu erkennen.

„Es ist bei ihr wie bei deinen Eltern. Sie zieht herum, aber so oder so landen wir mindestens einmal im Jahr hier. Sie besitzt eine Wohnung in der Stadt, damit sie etwas zum Vorzeigen hat. Vielleicht fühlt sie sich sesshafter mit einem Heimatstandort.“

„Wohnst du bei ihr?“, fragte sie. Sie versuchte vorsichtig in sein Privatleben einzudringen.

Ist ein Mann, der noch bei seiner Mutter wohnt, nicht ein Muttersöhnchen?

Ist doch egal, ermahnte sie sich. Alex ist nur mein Spielzeug, er braucht keine Eigenschaften eines Lebenspartners zu haben.

„Nein, sie hat die Wohnung für einen Monat an ein Paar aus Montana untervermietet. Weil ich nie weiß, wann ich hier sein kann und wo sie als Nächstes hinwill, ist es einfacher, wenn ich im Hotel wohne.“

Definitiv kein Muttersöhnchen.

„Ist das ein Problem für dich?“, fragte Cilla und dachte, dass so eine unklare Beziehung sie wahnsinnig machen würde. So wahnsinnig wie ihre frustrierende Beziehung zu ihrer eigenen Mutter? War das möglich? Sie hätte ihn gern gefragt, wie er damit umging und ob er sich verantwortlich fühlte.

Das Denken fiel ihr jedoch schwer. Er war ihr so nah. Zum ersten Mal in ihrem Leben funktionierte ihr Gehirn nicht richtig.

„Ein Problem? Nein“, sagte er abwesend.

Er betrachtete ihr Gesicht, schaute dann auf ihre Brüste. Sie spürte den Blick wie eine warme Liebkosung tief in ihrem Inneren.

„Was machst du denn beruflich?“, fragte er.

Er wollte offensichtlich zu einem sicheren Gesprächsthema zurück, aber jetzt hatte er doch noch das Thema gefunden, mit dem er ihrer Leidenschaft einen Dämpfer verpassen konnte. Cilla stellte sich vor, sie würde ihm sagen, dass sie einen Doktortitel in Astrophysik hatte.

Oh nein, nur das nicht. In diesem Urlaub, für diesen Mann wollte sie nichts als eine Frau sein.

„Ich bin hier im Urlaub“, sagte sie ruhig und ergriff die Chance, mit einem Finger über seinen Oberschenkel zu streichen. „Ich möchte jetzt nicht über meine Arbeit sprechen.“

Er lächelte träge, dann glitt sein bewundernder Blick über ihre Brüste. Ihre Haut erhitzte sich.

„Niemand hat mich je so angesehen wie du“, platzte sie heraus. Kaum waren die Worte draußen, hätte sie sie am liebsten zurückgenommen. Sie wartete mit zusammengepressten Lippen und großen Augen auf seine Reaktion.

Alex lachte. Ein tiefes, heiseres Lachen, bei dem sie an Mondlicht und Seidenlaken denken musste.

„Ich sehe dich so gern an. Du erinnerst mich irgendwie an eine Elfenprinzessin. Eine sehr begehrenswerte, sehr interessante, magische Elfenprinzessin“, sagte er mit einem verführerischen Lächeln.

Cilla wusste nicht, was schneller reagierte, ihr Herz oder ihr Körper. Wer hätte gedacht, dass ein Mann sie allein mit süßen Worten und zarten Berührungen so erregen konnte?

Sie konnte sich nicht länger zurückhalten und beugte sich zu ihm. Begehren flammte in seinen dunklen Augen auf. Wie in Zeitlupe glitten ihre Lippen über seine. Weich. Oh, so weich.

Sein Blick hielt sie fest. Sie war zu keiner Bewegung mehr fähig. Konnte kaum noch atmen.

Eine kleine Bewegung genügte ihm, um die Kontrolle zu übernehmen. Sie überließ ihm gern die Initiative.

Weich und zärtlich glitten seine Lippen über ihre. Der Kuss war anfangs wie aus einem Märchen, dann wurde er intensiv erotisch. Alex strich mit einer Hand von ihren Schultern zur Taille und umfasste sie. Die andere schob er in ihr Haar und zog Cilla näher an sich.

Seine Zunge glitt heiß und feucht über ihre Lippen. Er bat nicht um Einlass, er verlangte ihn. Sein Kuss war eine erotische Einladung, seine Zunge und seine Lippen erforschten verführerisch ihren Mund. Ihr Puls raste. Als er mit seinen Zähnen über ihre empfindliche Unterlippe strich, durchfuhr sie ein heißer Schauer, und ihre Brustwarzen zogen sich zusammen. Heiß wünschte sie sich, er würde sie dort berühren.

Cilla drängte sich einladend an ihn, doch Alex wich langsam zurück. Sie war bitter enttäuscht. Es war wie eine Ohrfeige für ihr Selbstvertrauen, Selbstvertrauen, das sie nur als Wissenschaftlerin besaß. Hohn für ihr Begehren.

Im nächsten Moment fiel ihr der wild rasende Puls an seiner Kehle auf. Sie senkte den Blick, und es war unübersehbar, wie erregt er war.

So, so. Ich bin es wohl nicht allein, die Schwierigkeiten hat, wie mir scheint.

Ihr Selbstvertrauen war wiederhergestellt.

„Wir sollten gehen. Ich habe uns einen Tisch reserviert“, sagte Alex.

Cilla erkannte die Erregung in den Tiefen seines Blicks und leckte sich über die Lippen. Sie rückte nur ein winziges bisschen näher. Er schluckte.

Sie atmete zitternd ein und traf die Entscheidung.

„Wir lassen das Essen ausfallen.“ Sie lächelte ihn verführerisch an und zog seinen Kopf zu sich. Dicht an seinen Lippen, die ihr sinnliche Köstlichkeiten versprachen, flüsterte sie: „Wie fangen gleich mit dem Nachtisch an.“

Ein Schock durchfuhr seinen Körper, als sie ihn küsste. Küsste, als wollte sie ihn verschlingen.

Er konnte es kaum noch erwarten, er wollte – musste – sie nackt sehen, ihre Brüste in seinen Händen spüren. Die Farbe ihrer Brustwarzen sehen, die sich so verlockend unter dem seidigen Stoff des Kleides abzeichneten.

Er kam Cilla ganz nah, um ihren Duft einzuatmen. Er erinnerte ihn an Frühlingsnächte im Garten.

Er musste sie berühren. Sie schmecken. Ihren Körper an seinem spüren. Er wollte sie nackt ausziehen, damit er seine Lippen auf diese weiche Haut pressen konnte, die golden schimmerte nach einem Tag in der Sonne.

Seine starke Erektion bewies ihm, wie aufregend sie war. Mit ihr ins Bett zu gehen, bevor sie nicht einmal miteinander essen gegangen waren, erschien ihm … heiß. Sexy. Wild und verführerisch.

Und aufdringlich.

Das gehörte sich nicht bei einer Elfenprinzessin.

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