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Tiffany Sexy, Band 52

JULIE COHEN

Verführung per E-Mail

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Julie Cohen

Verführung per E-Mail

1. KAPITEL

Es geht mir blendend, ich mache meinen Job hervorragend, und du wirst mich nie wieder weinen sehen.

Das war Janes Mantra für diesen Morgen. Sie durfte es nur nicht laut aussprechen. Besonders nicht im Augenblick, als das Team sie nach der Präsentation mit Fragen überschüttete. Und zumal Gary Kaplan die meisten Fragen stellte – eben jener Account Manager, den sie kommenden Juni hatte heiraten wollen. Vor nicht mal einer Woche hatte er sie weinen sehen.

„Zum Glück“, schloss sie und klappte den Laptop zu, „ist das Model, das wir für die Franco-Cologne-Kampagne ausgesucht haben, schon diese Woche verfügbar, sodass wir gleich mit der Produktion anfangen können. Ich treffe mich mit ihm und seinem Agenten zum Lunch.“

„Hervorragend.“ Allen Pearce, einer der Partner der Werbeagentur, stand lächelnd auf. „Ich vertraue darauf, dass ihr der Firma keine Schande macht, während Michael und ich in New York sind. Gute Arbeit, Jane, Gary und natürlich auch von allen anderen.“

Jane hatte es geschafft. Jetzt schnell den Laptop einpacken und ins Büro. Ein paarmal tief Luft holen, sich beruhigen und den Erfolg genießen.

Als Gary sie zurückrief, blieb sie stehen und setzte eine fröhliche Miene auf, bevor sie sich umdrehte.

„Ja, Gary?“

„Wie geht’s dir?“

„Danke, gut. Und dir?“

Ihre Stimme klang fest und ruhig; trotzdem machten Stephen und Hasan, dass sie davonkamen. Hasan schenkte ihr noch ein Lächeln, das wahrscheinlich mitfühlend gemeint war.

Hinter dem letzten Kollegen schloss Jane die Tür. Wie alle Räume der Pearce-Grey-Werbeagentur war der Besprechungsraum ultramodern und minimalistisch gestaltet, mit weißen Wänden und grauen Möbeln. Eine Wand des Konferenzraumes bestand komplett aus Glas und grenzte an das Großraumbüro von Pearce Grey.

Garys knitterfreier grauer Anzug passte hervorragend dazu. Ob Gary den wohl selbst bügelte, oder wurde Kathleen auch in diesem Bereich seinen hohen Ansprüchen gerecht?

„Gary, es wäre mir lieber, wenn du mir in Gegenwart von Kollegen keine persönlichen Fragen stellst.“

„Das war keine persönliche Frage. Ich habe nur gefragt, wie es dir geht.“

Jane hatte Garys ruhiges Auftreten immer bewundert, doch jetzt ballte sie unbewusst die Fäuste.

„Das ist sehr wohl eine persönliche Frage“, sagte sie. „Mir geht’s gut, danke. Und dir?“

„Ich mache mir Sorgen um dich. Du siehst müde aus.“

„Merkwürdig, so was ist dir früher nie aufgefallen.“

Immerhin besaß er den Anstand, jetzt verlegen auszusehen. „Vor deiner Beförderung haben wir ja auch nicht so eng zusammengearbeitet. Wir brauchen dich in Topform“, fuhr er fort. „Die Franco-Cologne-Kampagne ist für die Agentur äußerst wichtig …“

„… und Giovanni Franco ist äußerst schwierig, hat seine letzten drei Agenturen zum Teufel gejagt und will alles am liebsten gestern erledigt haben“, unterbrach sie ihn. „Ich weiß. Damit komme ich schon klar.“

Dann dachte sie an Hasans Lächeln und überlegte, ob sie ihre Gefühle vielleicht doch nicht so gut verbarg, wie sie glaubte.

Er legte die Hände auf den Tisch. Gary sah blendend aus, hatte hellbraune Haare und trainierte im Fitnessstudio.

„Vielleicht sollten wir allmählich mal bekannt machen, dass wir … du weißt schon.“ Jetzt wirkte er sogar schuldbewusst.

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Du hast gesagt, ich soll entscheiden, wann wir den Kollegen mitteilen, dass wir uns getrennt haben.“

„Ja, aber ich glaube, wir sollten es lieber früher als später tun.“

Jane warf einen Blick durch die Fenster in das hektische Großraumbüro. Gary und sie hatten bei der Arbeit nie offen ihre Gefühle füreinander gezeigt. Trotzdem wussten alle, dass sie verlobt waren.

„Du meinst, für dich wäre es einfacher“, sagte Jane. „Du könntest dann endlich über deine neue Beziehung reden.“

Und sie als abgelegte Verlobte würde nichts als mitleidige Blicken ernten. Jane, die Frau, die befördert und prompt dafür sitzen gelassen wurde. Super!

„Es ist noch nicht so weit“, fügte sie hinzu. „Entschuldige mich bitte, die Arbeit wartet.“

Auf dem Weg zu ihrem Büro wich sie den Blicken ihrer Kollegen aus. Sie brauchte vor der Mittagspause wirklich noch fünf Minuten für sich. Um die E-Mail zu lesen, die Jonny ihr bestimmt geschickt hatte. Und das würde sie unter Garantie aufmuntern.

Leider warteten die Designer bereits vor ihrem Büro. Die Besprechung, natürlich. Jane konnte froh sein, wenn sie dreißig Sekunden für sich selbst hatte, bevor sie losmusste.

Freundlich lächelte sie. Die E-Mail und das echte Lächeln mussten warten. „Sind alle da?“

„Jonny. Hey, Jonny.“

Jonny schob seine Brille hoch und kniff die Augen zusammen. Er versuchte, sich auf den HTML-Code auf dem Bildschirm zu konzentrieren, aber Thoms Stimme ließ sich nur schwer ignorieren. Sie war laut, kraftvoll und unverkennbar kalifornisch. Trotzdem tippte Jonny unverdrossen weiter.

„Jonathan Richard Cole junior!“ Thom beugte sich über den Tisch im Zugabteil der ersten Klasse und wedelte mit der Hand vor Jonnys Gesicht herum.

Jonny gab auf und sah seinen Freund an. „Falls du es noch nicht bemerkt hast, ich ignoriere dich. Ich habe dir eine Bedingung gestellt, als du mich für diesen Trip entführt hast, erinnerst du dich?“

„Ich habe dich nicht entführt, Kumpel!“ Thom setzte sein unschuldigstes Grinsen auf. „Du durftest deinen Computer und eine Zahnbürste einpacken, bevor ich dich zum Bahnhof geschleift habe.“

Jonny lächelte; über Thom Erikson konnte er sich einfach nicht ärgern. Die beiden Männer standen sich immer noch nahe, obwohl Jonny Kalifornien längst verlassen hatte und nach England zurückgekehrt war.

In einer Zeit des Umbruchs und der geplatzten Träume hatte Jonny Loyalität schätzen gelernt, auch wenn diese Loyalität manchmal regelrecht aufgedrängt wurde.

„Außerdem wolltest du mich nicht mit meinem richtigen Namen ansprechen“, erinnerte Jonny ihn. „Wenn ich für dich arbeite, bin ich nicht Jonny Cole, sondern Jay Richard.“

„Ich habe es vergessen, weil du deine Clark-Kent-Brille trägst. Sorry.“

Clark Kent. Jonny nahm die Brille ab und rieb sich die Nase. Der Vergleich war gar nicht so weit hergeholt. Er wurde zwar kein Supermann, wenn er die Brille abnahm, aber sein Leben wurde ganz sicher ein anderes. Allerdings wäre er lieber von Hochhäusern gesprungen, als vor Kameras zu posieren.

„Ich wünschte, du würdest dir die Sache mit dem Pseudonym noch mal überlegen“, fuhr Thom fort. „Dein Doppelleben würde für großes Aufsehen sorgen: Ein Computerguru jobbt nebenbei als Model und erweist sich als vielversprechendes Nachwuchstalent. Vom Streber zum Star. Vom Trottel zum Traummann. Vom Freak …“

„Es reicht!“ Lachend hielt Jonny seine Hände in die Höhe. „Ich werde meinen richtigen Namen nicht benutzen, denn sobald ich genug Geld verdient habe, hänge ich das Modeln sowieso an den Nagel. Das habe ich dir von Anfang an gesagt.“

„Du machst dir was vor, mein Guter. Du bist ein Naturtalent, und jede Kamera liebt dich. Als Model könntest du eine unglaubliche Karriere machen. Und dieser neue Job ist ein echter Durchbruch. Das Gesicht von Giovanni Francos neuem Aftershave!“ Thom pfiff anerkennend.

Und Thom wusste natürlich haargenau, wovon er sprach. Dem Mann gehörte eine der erfolgreichsten Modelagenturen an der Westküste der USA. Die jetzt sogar nach Europa expandierte.

Außerdem gestand Jonny sich ein, dass dieser Job für ihn ein Geschenk des Himmels war, so wenig ihm die Vorstellung auch gefiel, ein Model zu sein.

„Als Teenager hatte ich es nicht leicht“, erklärte er Thom. „Damals war ich wirklich ein Computerfreak. Ins Fitnessstudio bin ich nur gegangen, damit ich mich gegen die Jungs wehren konnte, die mich regelmäßig verprügelten.“

„Und Erfolg ist die beste Rache, stimmt’s?“

Jonny schüttelte den Kopf. „Die Situation hat sich nicht geändert. Ich werde immer noch nach meinem Äußeren beurteilt. Als wäre ich bloß eine Hülle. Aber ich bin mehr als mein Äußeres. Ein Schriftsteller. Und darum will ich mein Leben als Model und mein wirkliches Leben strikt trennen. Sobald ich genug Geld verdient habe, werde ich wieder schreiben.“

„Schnösel.“ Erneut beugte Thom sich vor. „Wenn du Geld brauchst, kann ich dir einen Scheck ausstellen. Du musst in keine einzige Kamera mehr schauen. Das weißt du.“

„Nein“, sagte Jonny. Das kam so heftig, dass sein Freund blinzelte. „Ich meine, danke, Thom. Aber ich werde mir das Geld verdienen.“

„Wofür brauchst du überhaupt so viel Geld?“

Thom war Kalifornier, und Kalifornier redeten über alles. Durch den schmalen Gang schob eine Frau gerade einen kleinen Wagen.

„Kaffee, bitte“, sagte Jonny, während sein Blick schon zurück zum Laptop wanderte. Als nichts passierte, schaute er auf.

Verlegen lächelnd starrte die Frau ihn an. Sie sah nett aus, das blonde Haar war zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Dann sagte sie: „Verzeihung, so etwas frage ich sonst nie, aber habe ich Sie nicht schon einmal irgendwo gesehen?“

„Ich glaube nicht, dass wir uns kennen. Tut mir leid.“

Unsicher sah sie ihn an. „Na dann, hier ist Ihr Kaffee, und wenn ich sonst noch etwas für Sie tun kann …“ Sie flirtete mit ihm, auch wenn ihre Stimme etwas schüchtern klang.

„Nur den Kaffee, bitte.“

Thom nahm eine Dose Cola und schüttelte traurig den Kopf. „Du enttäuschst mich, mein Freund. Das war die perfekte Gelegenheit.“ Er beugte sich vor und blickte der Frau hinterher.

„Sogar von hinten sieht sie klasse aus.“ Er drehte sich zu Jonny um. „Weißt du, wie viele Frauen auf Models stehen? Und wie viele dieser Models Heteros sind? Du bist eine Rarität und könntest jede haben.“

„Thom, ich will keine Frau, die mich aus einer Zeitschrift wiedererkennt.“

„Du willst einen weiblichen Computerfreak.“ Thom nahm einen kräftigen Schluck Cola. „Könnte wetten, dass du in letzter Zeit ausschließlich Cybersex hattest.“

„Das musst du gerade sagen! Ich weiß genau, dass du seit dem letzten Schaltjahr mit keiner Frau mehr im Bett warst.“

„Wir reden hier nicht über mich, sondern über dich. Du wohnst mitten in der Pampa und verbringst deine ganze Zeit online. Was hältst du davon, wenn ich dich in London mit jemandem bekannt mache?“

„Nicht nötig. Ich bin bereits mit einer Freundin verabredet.“

„So so, eine Freundin.“ Thoms Interesse war geweckt. „Läuft da was zwischen euch?“

„Nein. Wir kannten uns schon als Kinder, aber dann haben wir uns aus den Augen verloren. Als ich vor ein paar Monaten nach England zurückkam, habe ich sie übers Internet ausfindig gemacht. Seitdem schreiben wir uns E-Mails und chatten ab und zu. Sie lebt in London.“

„Eine virtuelle Freundin. Und wie macht ihr das mit dem Sex? Das habe ich nie richtig verstanden. Schreibt ihr auf, was ihr mit dem anderen machen würdet, und benutzt dann Spielzeug, oder …?“

Über Thoms Neugier musste Jonny lachen. „Wir haben keinen Cybersex. Früher war ich wahnsinnig in sie verknallt, aber da waren wir Kinder. Ich habe sie nicht mehr gesehen, seit wir etwa elf waren. Sie ist nur …“

Er überlegte, wie er es am besten beschreiben sollte. Jane war seine Freundin, aber es war mehr als das. Ihre E-Mails allein hatten ihn in den letzten Monaten vor dem Verrücktwerden bewahrt, obwohl sie sich nie trafen.

„Sie hat unheimlich viel Sinn für Humor, und wir scheinen eine Menge gemein zu haben. Wir schicken uns vier oder fünf E-Mails pro Tag.“

„Oh.“ Thoms spielerisches Interesse wich größerem Ernst. „Du kannst ihr also alles erzählen?“

Wenn es doch so wäre. Wie oft hatte er sich hingesetzt und an Jane geschrieben, hatte all seine Sorgen und Probleme und Enttäuschungen dem Computer anvertraut, um sie Jane zu schicken – und dann alles wieder gelöscht, ohne die Mail abzuschicken.

Es tat ihm zu sehr weh, davon zu erzählen. Selbst, wenn er es nicht laut aussprechen musste, und selbst, wenn er sein Gegenüber dabei nicht sah. Und obwohl sie ihm so viel bedeutete.

„Jedenfalls“, sagte er, „ist sie verlobt, also wird es zwischen uns sowieso nichts werden.“

„Mann, du bist echt verrückt. Der Verlobte kann unmöglich so gut aussehen wie du. Du brauchst nur mit den Fingern zu schnippen, und schon lässt sie ihn fallen.“

„Thom“, sagte Jonny warnend.

„Okay, okay, ich mein ja nur. Aber du magst sie trotzdem, stimmt’s? Los, gib’s schon zu.“

„Als ich neun war, wollte ich sie heiraten“, gestand Jonny. „Und jetzt sind wir zum Dinner verabredet – wenn du mich gehen lässt und ich nicht die ganze Zeit vor der Kamera stehen muss.“

Thom zog seinen Palm aus der Tasche und ging die Termine durch. „Mittwoch, Donnerstag und Freitag bist du den ganzen Tag beim Fotoshooting, aber abends hast du Zeit, um deine Lady zu treffen.“

„Und um meine eigentliche Arbeit zu machen. In drei Wochen muss ich das Buch abgeben. HTML für Anfänger.“

„Es gibt ein paar wichtige Partys, besonders meine am Freitag. Doch als Erstes treffen wir uns mit der Art Direktorin von der Werbeagentur, die dich für die Franco-Kampagne gebucht hat. Sie heißt Jane Miller, und sie wird dir gefallen.“

Bei dem Namen saß Jonny mit einem Mal kerzengerade und musste sich zusammenreißen, nicht lauthals herauszuplatzen.

Er kannte Jane Miller. Und ob sie ihm gefiel.

Mit neun hatte er sie sogar heiraten wollen.

„Klingt perfekt“, sagte er dann möglichst harmlos, setzte die Brille wieder auf und startete das E-Mail-Programm auf seinem Laptop. Er hatte Jane geschrieben, bevor er aufbrach, aber jetzt musste er unbedingt noch eine Nachricht schicken.

„Noch was, Jonny.“

„Hm?“

„Setz besser deine Kontaktlinsen ein, bevor wir London erreichen, oder ich sage aus Versehen Clark Kent zu dir.“

„Kein Problem“, sagte Jonny und begann zu tippen.

Betreff: Heute
Hey Jane, ich hab doch geschrieben, dass ich nach London komme und wir uns treffen könnten. Jetzt hat sich herausgestellt, dass wir uns sowieso sehen. Ich muss dir etwas gestehen: Ich arbeite nebenbei als Model, und du bist heute mit meinem Agenten Thom Erikson und mir zum Lunch verabredet.

Er war froh, dass er ihr endlich von seinem Doppelleben erzählen konnte. Als Kind und mit vier älteren Brüdern war Jane sehr lebendig, aufregend und abenteuerlustig gewesen. Trotz ihres Aussehens einer Porzellanpuppe, mit langem gewellten Haar und frech blitzenden grauen Augen.

Jane war immer für Heimlichkeiten zu haben gewesen. Sie würde dieses Geheimnis für sich behalten können, und wahrscheinlich würde es ihr sogar Spaß machen.

Als Model arbeite ich allerdings unter dem Namen Jay Richard. Würde es dir etwas ausmachen, mich Jay zu nennen, wenn andere dabei sind? Es klingt verrückt, aber ich kann es dir erklären, sobald wir ein paar Minuten für uns haben. Ich freue mich schon, dich endlich wiederzusehen. Alles Liebe, Jonny.

Beim Abschicken überlegte er, ob Jane wohl immer noch so abenteuerlustig war wie früher.

Er hoffte es.

Jane betrat das Covent Garden Bistro und sah sich um. Sie konnte weder Thom Erikson noch das Model erkennen, das sie über ihn gebucht hatte, um Giovanni Francos neuem Aftershave ein Gesicht zu geben. Persönlich kannte sie ohnehin nur Thom Erikson. Von dem Model hatte sie nur ein Hochglanzfoto gesehen, dessen Wiedererkennungswert naturgemäß gering war. Das wusste sie nach sieben Jahren in der Werbung nur zu gut.

Könnte ich Gary nicht wunderbar eins auswischen, wenn ich was mit einem Model anfangen würde? Sie schnaubte verächtlich. Bei ihrem Job kamen ihr jede Menge verrückte Ideen, aber diese hier übertraf sie alle. Als ob ein Model sich für sie interessieren würde.

Jane zog ihren Blackberry aus der Handtasche und beschloss, die Wartezeit zu nutzen, um nach einer E-Mail von Jonny zu schauen. Dann aber lächelte ein Mann sie an.

Er hatte dunkle Haare und trug ein weites, weißes Hemd, das an den Ärmeln nicht zugeknöpft war. Die Hände steckten in den Taschen seiner ausgeblichenen Jeans. Lässig stand er vor ihr und sah sie unverwandt an. Die Augen waren dunkelblau. Selbst durch den Raum konnte sie das erkennen.

Das war ihr Model. Er musste es sein, denn er kam ihr so vertraut vor, wenn auch auf andere Weise als erwartet. Es war nicht so, als würde sie jemanden nach einem Foto wiedererkennen. Sein Anblick brachte etwas in ihr zum Vibrieren, und die Brust schnürte sich zusammen. Ihr maßgeschneidertes Kostüm schien ihr plötzlich nicht mehr genug Luft zum Atmen zu lassen.

Er hatte perfekte Zähne, sinnliche Lippen, hohe Wangenknochen, und er lächelte sie nicht nur an – er strahlte regelrecht.

Unwillkürlich wandte sie den Kopf, um sicherzugehen, dass niemand hinter ihr war. Ein derart großartiger Mann sollte sie dermaßen anstrahlen? Undenkbar.

Aber er kam quer durch das Restaurant geradewegs auf sie zu. Als er den Tisch fast erreicht hatte, streckte er ihr die Hand entgegen.

Und dann stand er leibhaftig vor ihr und hielt ihre Hand, obwohl sie sich nicht erinnerte, sie ihm gegeben zu haben.

„Jane“, sagte er, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Wenn er lächelte, zeigten sich kleine Grübchen an seinem Mund. Seine Stimme war tief, weich und freundlich.

Der Klang ihres Namens aus seinem Mund stellte irgendetwas mit ihrem Blut an, denn sie fühlte sich, als hätte sie plötzlich zu viel davon. Ihr wurde heiß, das Herz raste und die Fingerspitzen begannen zu kribbeln.

„Ja.“ Ihre Beine wurden wackelig, die Stimme zitterte und irgendetwas in ihrem weich gekochten Hirn sagte ihr, dass sie sich zusammenreißen musste, um nicht wie ein völliger Idiot dazustehen.

„Auf den Fotos sehen Sie ganz anders aus“, sagte sie.

„Das will ich auch hoffen“, erwiderte er mit einem Zwinkern, und die Wärme seiner Augen und Hände ließ sie hart schlucken.

„Ah, du hast sie gefunden.“

Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich ein Mann im weißen Leinenanzug auf. Er klopfte dem bildhübschen Mann auf die Schulter und küsste Jane zur Begrüßung auf beide Wangen. „Hey Jane, nett, dich zu sehen. Ich sehe, du hast Jay bereits kennengelernt.“

„Thom“, sagte sie verwirrt und stellte fest, dass sie immer noch die Hand des Models hielt. „Freut mich, dich kennenzulernen, Jay.“ Sie schüttelte seine Hand und versuchte, etwas Professionalität in diese Geste zu legen, die aber vor allem sinnlich blieb.

Seine warme Hand umfasste ihre. Es war mehr als ein Händeschütteln, es war so vertraut … Irgendwie hatte Jane das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen.

Erneut begegneten sich ihre Blicke. Er lächelte verschwörerisch.

Er wusste es. Er wusste haargenau, welche Gefühle er bei ihr auslöste.

„Ganz meinerseits, Jane“, sagte er selbstbewusst und verführerisch. „Anscheinend haben wir dich beim E-Mail-Lesen gestört.“ Er warf einen Blick auf ihren Blackberry, der ihre Nachrichten inzwischen heruntergeladen hatte.

„Aber nein, überhaupt nicht!“, antwortete sie, ließ seine Hand endlich los und schaltete das Gerät aus. Wie gebannt sah sie ihm wieder ins Gesicht. Er zwinkerte ihr zu.

Als wären sie Freunde. Dann trat er hinter sie und zog den Stuhl für sie hervor. Bevor sie sich setzte, flüsterte er ihr ins Ohr: „Du siehst noch besser aus, als ich dachte.“

Endlich begriff sie. Er glaubte, sein gutes Aussehen gäbe ihm das Recht, mit jeder Frau zu flirten.

„Danke.“ Er übte eine derart starke Faszination auf sie aus, dass sie es nicht schaffte, die gewünschte Portion Coolness in ihre Antwort zu legen. Er ging um den Tisch und nahm neben Thom Platz.

Jane war enttäuscht. Ihr Körper, dieser Verräter, wollte Jay neben sich. Aber so konnte, ja musste sie ihn ständig ansehen.

„Jay ist ganz aufgeregt, dass er bei der Franco-Kampagne mit dir zusammenarbeiten kann“, erklärte Thom, und Jane hätte schwören können, dass er Jay mit diesen Worten einen Wink geben wollte. „Stimmt’s, Jay?“

„Und wie.“ Sein Blick ruhte auf Jane. Sie wurde daraus einfach nicht schlau. Als wollte er ihr irgendetwas mitteilen, das über den üblichen Small Talk bei solchen Geschäftsterminen hinausging – und sogar über sein routinemäßiges Flirten. Aber was?

„Wie lange arbeitest du schon als Model, Jay?“, fragte sie möglichst unbekümmert.

Sein Blick wirkte nun bitter, beinahe reumütig … merkwürdig.

„Noch nicht lange. Thom ist ein alter Freund von mir, und er hat mich dazu verführt.“

„Es ist nicht meine Schuld, dass die Kameras dich lieben“, verteidigte sich Thom.

Jane musterte Jay flüchtig, soweit es am Tisch möglich war. Sie wusste, warum er so fotogen war. Er war schlank und kräftig. Seine Kleidung saß locker und bequem, doch sie erahnte den muskulösen Körper darunter.

Auch männliche Models waren oft zu mager. Giovanni Franco wollte einen männlichen Typ, keinen knabenhaften Jungen.

„Ich weiß nicht, ob diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruht“, erklärte Jay. „Für dich ist Modeln ein toller Beruf, aber dich zwingt ja niemand, stundenlang in der brütenden Hitze der Scheinwerfer zu verbringen.“

Jane betrachtete ihn. Er war gebräunt und hatte sich am Morgen rasiert, sodass nur ein leichter Schatten auf seinem Unterkiefer und um seinen sinnlichen Mund lag.

Sie fragte sich unwillkürlich, wie dieser Mund sich wohl an ihrem Nacken anfühlen würde. Und wie er schmeckte.

Als die Speisekarte vor ihr lag, nahm Jane sie, ohne die Kellnerin auch nur anzuschauen. Stattdessen blickte sie auf Jays Hände. Seine Finger waren genauso schlank und kräftig wie der Rest von ihm.

Über den Tisch hinweg lächelte er ihr zu, und prompt wurde ihr heiß.

„Möchten Sie etwas trinken, Wein vielleicht?“, fragte eine weibliche Stimme neben ihr. Jane riss sich von Jays Anblick los und schaute die Kellnerin an.

Und im nächsten Moment sank ihre Körpertemperatur von Fieber auf Unterkühlung.

2. KAPITEL

Es war Kathleen. Die Kathleen mit den großen Brüsten, der Wuschelmähne und den vollen Lippen.

„Du bist Kellnerin?“

Die Weinkarte in der Hand, blieb Kathleen wie angewurzelt stehen. „Das ist aber peinlich.“

„Thom“, sagte Jane, und ihre Stimme klang dabei erstaunlich ruhig, „würdest du bitte den Wein aussuchen? Ich bin gleich wieder da.“

„Klar“, hörte sie noch, doch sie war schon auf dem Weg zu den Toiletten.

Der Raum war leer. Jane trat kräftig gegen das Marmorwaschbecken. Sie wusch sich die Hände und hätte die vergangenen fünf Minuten am liebsten gleich mit abgewaschen.

„Er hat mich wegen einer Kellnerin sitzen lassen“, vertraute sie ihrem Spiegelbild an.

Es klopfte leise an der Tür.

„Jane?“

Die Tür ging einen Spaltbreit auf, und Jane sah eine Hand und die Hälfte eines Gesichts. Blaue Augen, Bartstoppeln am Kinn. Es war Jay.

„Jane? Alles in Ordnung?“

Seufzend öffnete sie die Tür.

„Ja. Alles bestens.“ Sie lächelte schwach.

Er schaute zweifelnd. „Okay, hör zu. Thom kümmert sich gerade um die Rechnung und besorgt uns einen Tisch im Restaurant nebenan. Magst du italienisch?“

Ihre Wangen glühten. Eigentlich war sie hier die Gastgeberin. „Das ist nicht nötig. Ich werde …“

„Doch“, unterbrach Jay sie. „Und behaupte nicht noch einmal, dir würde nichts fehlen. Ich weiß es besser.“

Seine Worte brachten sie zum Lachen. „Okay.“

Jay lehnte sich gegen die Wand. Er wirkte genau so lässig wie vorhin, als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, und stand ziemlich nah bei ihr. Von einem Model hätte sie erwartet, dass er ein Aftershave benutzte, zumal er dafür werben sollte, doch er roch vor allem nach warmer Baumwolle. Er griff nach ihrem Handgelenk.

„Willst du mir nicht erzählen, was los ist, Jane?“

Für den Bruchteil einer Sekunde geriet sie in Versuchung.

Es wäre so eine Erleichterung, endlich jemandem alles zu erzählen. Jays blaue Augen und eine leichte Furche zwischen den Augenbrauen drückten Besorgnis aus. Und dabei wirkte er so vertraut, als würde sie diesen Fremden schon ihr ganzes Leben lang kennen.

„Hast du die Schuhe gesehen?“, fragte sie schließlich. „Von der Kellnerin?“

Er nickte.

„Billig oder teuer?“ Ein Model musste sich mit solchen Dingen auskennen.

„Billig“, sagte er, ohne zu zögern. „Sie braucht neue Sohlen. Wenn sie den ganzen Tag in den Dingern herumläuft, wird sie Hühneraugen bekommen.“

Dieses Mal kam ihr Lachen nicht ganz so unerwartet, und sie entspannte sich ein wenig.

„Jane“, sagte er und kam noch näher. Seine Stimme wurde leiser und eindringlicher. „Ich weiß nicht, wer diese Kellnerin ist, aber glaub mir, du bist tausendmal schöner als sie. Du hast einen besseren Job und bist viel interessanter.“ Er ließ seinen Blick nach unten wandern und fügte hinzu: „Und du hast die besseren Schuhe.“

Janes Haut prickelte, denn obwohl er von ihren Schuhen sprach, schaute er nicht nur auf ihre Füße. Ein Blick nur, aber sie schmolz bereits dahin.

Könnte ich Gary nicht wunderbar eins auswischen, wenn ich was mit einem Model anfangen würde?, dachte sie erneut, doch wieder schob sie den Gedanken beiseite. Arbeit und Privatleben würde sie nicht noch einmal vermischen.

„Danke“, sagte sie. „Ich denke, wir sollten besser wieder zurück.“

„Du machst das übrigens ganz wunderbar“, sagte er noch. „Ich weiß das sehr zu schätzen.“

Eine merkwürdige Bemerkung, aber vermutlich wollte er ihr damit Mut machen. „Danke. Normalerweise bin ich sehr professionell.“

„Ich weiß.“

Sie genoss seinen sanften Griff am Handgelenk. Wahrscheinlich konnte er jeden Schlag ihres Herzens spüren.

„Willst du heute Abend mit mir essen gehen?“, platzte sie heraus.

Sie konnte die leichte Überraschung in seinem Blick sehen.

„Meinst du nur wir beide, oder …?“

„Nur wir beide“, bestätigte sie, bevor ihr Verstand einschreiten konnte. Er würde ja sowieso ablehnen. „Ich meine, es ist nicht schlimm, wenn du nicht willst. Ich weiß, dass du viel zu tun hast und …“

„Ich habe große Lust.“

Das brachte sie für einen Moment zum Schweigen. „Oh.“ Sie schluckte, stärkte ihre Stimme und sagte: „Das ist wunderbar. Wie wäre es mit acht Uhr?“

„Fantastisch.“ Sein Lächeln war sowohl aufrichtig als auch perfekt. Er nickte in Richtung Restaurant. „Sollen wir wieder zurückgehen und ganz professionell sein?“

„Auf jeden Fall.“ Gemeinsam gingen sie ins Restaurant, und mit jedem Schritt fragte Jane sich, in was sie sich da schon wieder reingeritten hatte.

Viereinhalb Stunden später fragte sie sich das immer noch.

Und sie dachte an das Mittagessen. An das Lächeln, mit dem Jay ihre Einladung zum Dinner angenommen hatte, an die Hand, die so vertraut ihr Handgelenk umfasste. Und an die Momente, in denen sie ihn beim Essen beobachtet hatte. Wie elegant er Messer und Gabel hielt. Es war lächerlich, dass es sie erregte, wie er sein Fleisch schnitt, aber so war es. Seine Bewegungen waren sparsam und ungeheuer faszinierend.

Wann immer er etwas von seinem Risotto nahm, sah sie auf seinen Mund. Die Unterlippe war etwas voller als die obere. In den Mundwinkeln saß immerzu ein kleines, aber unendlich sinnliches Lächeln. Und wie weiß seine Zähne waren!

Einmal befeuchtete er sich die Unterlippe, und Jane ließ beinahe ihr Glas fallen. Sie stellte sich sofort vor, wie sich diese Lippen wohl auf ihren anfühlten. Diese Zunge in ihrem Mund … Und wie sie seine Haare berühren würde, wenn sie ihn küsste.

Und dann sah er sie an und lächelte. Sein Blick war so warm und vertraut, als würden sie ein Geheimnis teilen.

Dieser Mann war der attraktivste, den sie je gesehen hatte. Und sie würde nicht darüber nachdenken, was er von ihrem Date erwartete. Denn vermutlich weckte er mühelos in jeder Frau solche Gefühle. Er verstand es so meisterhaft zu flirten, dass es fast ernst gemeint wirkte.

Was zum Teufel sollte sie heute Abend mit ihm anfangen?

Jane setzte sich an den Schreibtisch und klappte den Laptop auf. Im Ordner über die Franco-Cologne-Kampagne fand sie mehrere Fotos. Mit einer Hand stützte Jay sich an einen Türrahmen. Ein enges langärmliges T-Shirt, das die schlanken, aber muskulösen Konturen seines Körpers betonte. Ein leichtes Lächeln, das Grübchen an seiner linken Wange. Als würde er sich gerade unterhalten, als könnte er jeden Moment die Hand ausstrecken und den Beobachter berühren.

„Mist!“, stöhnte sie. „Wie bin ich nur auf die Idee gekommen, etwas mit einem Model anzufangen?“

Ihr Laptop produzierte ein Geräusch, das sich wie ein Luftzug anhörte. Jonny Cole hatte sich in das Chatprogramm eingeloggt, das sie manchmal benutzten. Wahrscheinlich warteten auch E-Mails von ihm auf sie. Erst hatte Jane keine Zeit dafür gehabt, dann war sie zu unruhig gewesen.

Jane klickte auf das Symbol der Chatbox.

Hallo, schöne Frau. Wie geht’s?

Jane hatte ihn seit fünfzehn Jahren nicht mehr gesehen, aber sie wusste noch genau, wie er als Kind ausgesehen hatte. Damals war er fast jeden Tag zu ihr zum Spielen gekommen, ein dünner Junge mit drahtigen Haaren, riesigen Knien und dicken runden Brillengläsern.

Jetzt, mit siebenundzwanzig, stellte sie ihn sich als dürren Mann mit Prinz-Eisenherz-Haarschnitt und runden Brillengläsern vor, so eine Art ausgewachsener Harry Potter.

Es war typisch für ihn, dass er sie „schöne Frau“ nannte. Dabei hatte er sie ebenfalls seit fünfzehn Jahren nicht gesehen.

Hey Jonny, mir geht’s gut.
Lügnerin.

Bei der postwendenden Antwort blieb ihr die Luft weg.

Auf einmal musste Jane blinzeln, weil ihr Tränen in die Augen stiegen. In den letzten Tagen hatte sie immer wieder dagegen angekämpft und so getan, als sei alles in Ordnung. Doch es machte sie krank. Den ganzen Tag war sie von Menschen umgeben, die Höchstleistungen von ihr erwarteten und gar nicht wissen wollten, was in ihr vorging. Wenn sie nach Hause kam, war sie ganz allein. Nicht einmal einen bequemen Platz zum Sitzen hatte sie, da Gary das Sofa mitgenommen hatte.

Gary und ich haben uns getrennt.

Sie tippte die Worte ein und schickte sie ab, ehe sie es sich anders überlegen konnte. Doch dann besann sie sich und schrieb die Wahrheit.

Gary hat mich wegen einer anderen verlassen.

Fast im selben Moment antwortete Jonny.

Ich verstehe. Das tut mir leid.

Er ist ein Bastard.

Das glaube ich dir aufs Wort.

Und sie ist eine Kellnerin mit schlechten Schuhen.

Vor der nächsten Antwort gab es eine kurze Pause.

Ist es wichtig, was für einen Job sie hat?
Ja, weil ich so hart dafür gearbeitet habe, Erfolg zu haben und gut in meinem Job zu sein. Gary war so stolz auf mich. Zumindest behauptete er das. Und jetzt verlässt er mich für eine Frau, die jeden Tag nach Essen riecht, wenn sie nach Hause kommt.
Ich habe mich schon gewundert, wegen der Schuhe, aber jetzt verstehe ich. Du meinst, sie hat noch nicht einmal einen guten Geschmack, und du fühlst dich unfair behandelt.
Gary trägt meistens schnieke italienische Schuhe. Ich hatte zu Hause ein Paar bequeme Slipper, über die er sich so lange mokiert hat, bis ich sie weggeworfen habe. Wieso darf sie diese unmöglichen Schuhe tragen?

Ihre Finger flogen nur so über die Tastatur. Jane war nicht länger zum Heulen zumute. Stattdessen fühlte sie sich erleichtert. Es tat gut, ihre Gedanken jemandem anzuvertrauen, der sie nicht verurteilen, sondern verstehen würde. Selbst wenn sie nur übers Internet miteinander kommunizierten und sich so lange nicht gesehen hatten. Sie schickte die Nachricht ab und begann, ohne Luft zu holen, weiterzutippen.

Heute Abend bin ich mit diesem umwerfenden Model verabredet, und ich weiß nicht, was ich machen soll.
Oh, ein richtiges Date?

Jonnys Antwort kam schnell wie der Blitz.

Ja. Und ich weiß nicht, was ich tun soll.
Entschuldige, ich muss mal eben durchs Zimmer rennen und vor Freude brüllen.

Jane lachte laut. Sie liebte Jonnys Humor, und es war typisch für ihn, dass er sich mit ihr freute, weil sie ein Date hatte.

Da bin ich wieder. Ich glaube, ich habe die Nachbarn aufgeschreckt. Aber was meinst du damit: Du weißt nicht, was du tun sollst?

Jane seufzte.

Ich habe schon seit Jahren nicht mehr geflirtet. Ich weiß gar nicht mehr, wie das geht. Selbst mit Gary habe ich nie richtig geflirtet. Wir arbeiteten zusammen und irgendwie wurden wir ein Paar. Keine Ahnung, was ich mit einem Mann anfangen soll.
Ich bin überzeugt, dass du das sehr wohl weißt.

Jane schaute an sich herunter. Unscheinbar, Karrierefrau ohne Privatleben. Sie konnte nicht einmal einen Mann halten, wenn sie mit ihm verlobt war.

Ich weiß nicht, was Männer an Frauen mögen. Ich bin mir nicht sicher, was sie sexy finden, oder was sie bei einem Date von einer Frau erwarten.

Sie klickte auf „Senden“. Dann folgte sie einem spontanen Impuls, zum zweiten Mal an diesem Tag, und schrieb:

Sag mir, was ich machen soll, Jonny. Erzähl mir, was dir gefallen würde.

Jonny starrte auf den Bildschirm und schluckte.

War er in irgendeiner merkwürdigen virtuellen Welt gelandet, oder wurde hier gerade eine seiner Fantasien Wirklichkeit?

Jane Miller war wunderbar, wunderschön und faszinierend. Fünfzehn lange Jahre hatten sie sich nicht gesehen, doch heute Morgen hatte er sie sofort wiedererkannt. Das Haar hatte sie ordentlich zurückgesteckt, doch die Strähnen, die sich gelöst hatten, waren genauso dicht und weich und lockig, wie er sie in Erinnerung hatte. Die Augen groß und grau, die Lippen perfekt geschwungen und die Haut so fein wie das Blütenblatt einer Orchidee.

Er hatte sie nicht vergessen. Als Kind war er Jane überallhin gefolgt und hatte sie unendlich bewundert.

Er hatte kaum die Hände von ihr lassen können. Sein erster Impuls nach all den Jahren war gewesen, sie in die Arme zu nehmen und diesen wunderbaren Mund zu küssen. Unwiderstehlich zog sie ihn an, und er verspürte ein ungewohntes Verlangen, diese Frau zu packen und sie in Besitz zu nehmen, so wie als kleiner Junge.

Aber da waren ihr Verlobter, auf den er Rücksicht nehmen musste, und Thom und das Versteckspiel, um das er sie gebeten hatte.

Und jetzt …

Es war ein echtes Date. Nur sie beide. Zwei erwachsene Menschen, beide Singles.

Und sie fragte ihn, was er sich wünschte. Vorsichtig tippte er seine Antwort.

Wie meinst du das?
Was würde dir gefallen? Was zum Beispiel soll ich anziehen?

Jonny schloss die Augen und atmete tief ein.

Beim Lunch hatte sie ein sehr zurückhaltendes Kostüm getragen. Unauffällige Farbe, konservativer Schnitt. Es sollte wahrscheinlich ihre Weiblichkeit nicht allzu sehr betonen, aber Jonny fiel nicht darauf herein. Er hatte genau genug hingesehen, um die schlanke Taille unter der Jacke zu erkennen, die Rundung ihrer Hüften unter dem Rock, und ihre Brüste unter der Seidenbluse.

Und diese entzückende Linie ihres Nackens, die zarten Handgelenke, die leicht gezittert hatten, als er sie berührte.

Im Gegensatz zu dem nichtssagenden Kostüm waren die Schuhe aus feinem Leder gearbeitet und ließen ihre Beine unendlich lang wirken. Er schrieb:

Du solltest schöne Schuhe anziehen. Mit Absätzen. Das ist ziemlich sexy.
Ich werde auf jeden Fall schicke Schuhe nehmen. Was noch?
Ein Kleid. Irgendwas, was deinen Körper nicht versteckt.
Hohe Absätze und ein enges Kleid. Hab’s notiert. Soll ich hübsche Unterwäsche anziehen? Vergiss es, antworte nicht darauf, natürlich soll ich.

Jonny kippte fast vom Stuhl.

„Welche Farbe?“, fragte er laut und mit heiserer Stimme, schrieb es aber nicht hin. Stattdessen stellte er es sich vor. Weiße Spitze auf dieser Porzellanhaut. Schwarzer Satin, der ihren Po umschmeichelte. Rosa Seide, die die süßen Brüste kaum verbarg.

Eigentlich war ihm die Farbe egal. Ihm rauschte jetzt schon das Blut in den Ohren. Wenn Jane allein für ihn hübsche Unterwäsche trug, würde er heute Abend Schwierigkeiten haben, nicht die ganze Zeit unruhig auf dem Stuhl hin und her zu rutschen.

Okay, und wie soll ich mich verhalten?
Sei einfach du selbst, Jane. Kein Mann kann mehr verlangen.
Du bist süß, Jonny, aber ich brauche etwas mehr Infos. Soll ich flirten? Oder ihn verführen? Wie geht das?

Janes Unterwäsche ging ihm nicht aus dem Kopf, als er an den Lunch dachte. Er hatte einfach nicht die Augen von ihr lassen können. Jane versuchte sich ganz normal zu verhalten, unterhielt sich mit Thom, tat, als würde sie die Speisekarte studieren und das Essen genießen – aber er hatte gespürt, wie ihre Aufmerksamkeit immer wieder zu ihm abgeschweift war. Wenn sie miteinander sprachen, sah sie ihm einen winzigen Moment zu lang in die Augen und musterte seinen Körper mit raschen, flackernden Blicken.

Seit er als Model arbeitete, hatte er sich an solche Blicke von Frauen gewöhnt, aber bei Jane war es etwas anderes. Jeder Blick von ihr ließ seine Haut vor Verlangen erglühen, und wenn sie ihn anschaute, hatte er das Gefühl, vor Glück laut auflachen zu müssen.

Die wechselseitige Anziehung zwischen ihnen war das Beste, was ihm seit langer Zeit passiert war. Er schrieb:

Ich meine es ernst. Sei du selbst. Du bist auch so schon verführerisch genug.
Du bist mir überhaupt keine Hilfe, Jonny! Ich muss wissen, wie ich möglichst sexy wirke. Was würdest du von einer Frau halten, die sich über den Tisch beugt und dir scheinbar zufällig ihr Dekolleté präsentiert? Oder ist das zu auffällig?

Jonny schluckte erneut. Jane Miller, das Mädchen seiner Träume, beugte sich in ihrem engen Kleid vor, zeigte ihm ihr Dekolleté, vielleicht sogar ein Stückchen Dessous …

Das könnte funktionieren.
Was noch? Ich bin echt völlig unbegabt, denk dran. Erzähl mir, was dir gefallen würde.

Lieber Himmel! Jonny holte tief Luft, schloss die Augen und tippte blind drauflos. Vor seinem inneren Auge sah er Jane, die genau das tat, was ihn anmachte.

Schlag die Beine übereinander, sodass der Rock etwas hochrutscht, lache, lehn dich in deinem Stuhl zurück. Trag dein Haar offen und spiel mit einer Strähne. Streck den Arm aus und berühre flüchtig meinen Arm oder die Hand. Wirf den Kopf zurück, auf diese aufregende Weise, wie du es immer machst. Komm näher, bis wir dieselbe Luft einatmen. Zeig mir mit deinen Blicken, wie du dich fühlst.

Er öffnete die Augen nur, um auf „Senden“ zu drücken. Dann beobachtete er, wie seine Worte in der Dialogbox auftauchten. Schwarz auf weiß wirkten sie viel steifer als in seinem Kopf. Es schien eher ein Befehl als eine Fantasie zu sein.

Sein Herz schlug schneller, teils vor Angst, vor allem aber vor Aufregung. Das Blut schien durch seine Adern zu rasen und brachte ihn regelrecht zum Glühen.

Seine abenteuerlustige Jane, das furchtlose Mädchen, das auf Bäume kletterte und ohne hinzuschauen in den See sprang. Was für ein Spiel spielte sie mit ihm? War sie wirklich so unsicher, wie sie behauptete?

Den ersten Schritt hatte sie gemacht, indem sie ihn zum Essen einlud, und jetzt trieb sie das Ganze weiter, bevor sie sich überhaupt wiedergesehen hatten. Er konnte ihr sagen, was er von ihr wollte. Doch am meisten wünschte er sich, dass sie einfach sie selbst war.

Aber vielleicht gefiel ihr nicht, was er geschrieben hatte?

Die Sekunden dehnten sich zu Minuten. Unruhig rutschte Jonny auf seinem Stuhl hin und her. Die Hose war unangenehm eng geworden. Er stellte sich vor, wie Jane in ihrer Wohnung saß und seine Worte las, vielleicht hob sich ihre Augenbraue ein bisschen, während sie darüber nachdachte, was sie machen sollte.

Er streckte schon die Hand nach der Tastatur aus, um zu fragen, ob sie noch da war, als ihre Antwort kam.

Okay, das kriege ich hin. Aber ich habe noch eine Frage. Was hältst du vom Küssen?
Gefällt mir sehr.

Während er tippte, verzog sich der Mund zu einem breiten Lächeln. Ungläubig schüttelte er den Kopf über diese Unterhaltung.

Aber was ist mit dem ersten Kuss? Sollte er eher unschuldig und vorsichtig sein, oder fängt man gleich mit einem Zungenkuss an? Ist es besser, nur den Appetit anzuregen, oder kann man von Anfang an wild und leidenschaftlich sein? Was meinst du?
Ich denke, das hängt von den Umständen ab.

Atemlos tippte Jonny seine Antwort ein. Dann fuhr er fort:

Du weißt schon, was sich in der Situation einfach richtig anfühlt.

Er schickte die Nachricht los, konnte sich aber nicht daran hindern, noch weiterzuschreiben:

Ich persönlich mag es am liebsten leidenschaftlich. Was erwartest du von einem ersten Kuss, Jane?

Die Antwort kam prompt.

Ich will alles.

Unwillkürlich stand er auf und lief im Hotelzimmer herum. Wieso bis acht Uhr warten, statt auf der Stelle ein Taxi zu ihr zu nehmen und sie noch im Türrahmen zu packen und zu küssen, mit all der Leidenschaft, die jetzt sein Blut pulsieren ließ?

Als er sich wieder setzte und weiterschrieb, zitterten seine Hände.

Du kannst alles haben.
Und meinst du, dass wir miteinander schlafen sollten?

Er konnte kaum antworten.

Willst du das denn?
Ich glaube ja.

Jonny saß reglos da, aber in ihm tobte seine Fantasie. Mit jeder Faser seines Körpers stellte er sich vor, Janes nackte glatte Haut auf seiner zu spüren. Wie ihre Brüste und Hüften sich unter seinen Fingern anfühlten, und wie sie bei der Berührung aufkeuchte. Das Gewicht ihrer Beine, die sie um seine Taille schlang. Ein leises Kichern an seinem Ohr. Ihr Mund, weich wie Blütenblätter, die kleinen Hände, die seinen Rücken streichelten. Ihre feuchte Hitze.

Er stöhnte laut.

Eine Sache noch, Jonny, nur aus Interesse, dann lasse ich dich in Ruhe. Was ist deine wildeste Fantasie?

Vor Verlangen wurde er fast wahnsinnig. Wie wild tippte er drauflos, ohne darüber nachzudenken, was er da schrieb.

Wir halten es beim Abendessen nicht länger aus, stehen auf und gehen, und sobald wir draußen sind an der kühlen Frühlingsluft, fallen wir übereinander her. Unsere Hände wühlen sich unter die Kleidung des anderen, wir berühren jedes Fitzelchen Haut, das wir erwischen, wir küssen uns und scheren uns nicht um die Leute, die an uns vorbeigehen. Unsere Kleidung ist im Weg, aber andrerseits ist das auch aufregend, weil jede Berührung Appetit macht auf mehr.

Er klickte auf „Senden“ und schrieb ohne Unterbrechung weiter.

Und wir lachen, Jane, dann winken wir ein Taxi heran und fahren zum nächsten Hotel, wo wir durch die Tür stürzen und uns die Kleider vom Leib reißen. Oder wir nehmen uns nicht einmal die Zeit, sie auszuziehen, sondern haben an der nächsten Wand absolut irren Sex.

Während er schrieb, meinte er Janes ungeduldige Hände an seinem Gürtel zu spüren. Sie schob die Hose nach unten und nahm ihn in die Hand. Er drückte sie gegen die Wand, hielt sie fest, während sie die Beine um ihn schlang. Er schob das Kleid hoch und nahm sich ihre Brustspitzen vor. Ein unterdrückter Schrei entfuhr ihr. Beide Körper rieben sich aneinander, sie kamen zusammen, ihr Stöhnen zeugte von Ekstase und Vergnügen.

Im Rest der Nacht lassen wir uns Zeit, erforschen einander und reden und lernen uns wieder kennen.

Tief und zitternd holte er Luft und schaute sich noch einmal an, was er geschrieben hatte.

Er brauchte einen Moment, doch dann begriff er, dass er gerade Cybersex mit Jane hatte.

Die Hand am Mund, biss er sich auf den Finger. Sein Herz hämmerte fast schmerzhaft, und seine Hose war enger denn je.

Was hatte er getan?

Sie hatte ihn nach seiner Fantasie gefragt. Sie wollte nicht wissen, was er für den Abend plante oder was er für das Beste hielt, denn dann würden sie gewiss über Janes Trennung sprechen und es langsam angehen lassen, bis sie vollkommen über den Berg war.

Nein. Sie hatte ihn nach seiner wildesten Fantasie gefragt, und er hatte sie ihr beschrieben. Ein wilder Kuss in aller Öffentlichkeit und Sex im Stehen.

Wahrscheinlich würde sie ihm jetzt die Onlineversion einer schallenden Ohrfeige verpassen.

Wieder rutschte er unbehaglich auf seinem Stuhl. Keine Antwort. Vielleicht war sie angewidert. Vielleicht war sie so wütend, dass sie ihm eine langte, wenn sie sich gegenüberstanden.

Vielleicht machte es sie genauso an wie ihn.

Danke, Jonny. Ich werde dich auf dem Laufenden halten.

Jonny sprang auf und lief durch das Hotelzimmer. Danke? Auf dem Laufenden halten? Was sollte das heißen?

Noch eine halbe Stunde, und er würde Bescheid wissen.

3. KAPITEL

Auf dem Weg vom Taxi zum Treffpunkt zupfte Jane am Ausschnitt ihres Kleides herum, der tiefer war, als sie es gewohnt war. Vor einem Jahr hatte sie es für eine Cocktailparty gekauft, es dann aber doch nicht getragen. Heute Abend hatte sie es auf Jonnys Rat hin wieder hervorgekramt.

Beim Gedanken daran, was er ihr noch geraten hatte, wurde ihr heiß. Sie stellte sich vor, sie würde Jay packen und in ein Taxi zerren, um mit ihm in ihrer Wohnung wilden Sex zu haben. Mit diesem perfekten, wunderschönen Mann.

In den Schuhen mit den hohen Absätzen rieben die Beine bei jedem Schritt aneinander und steigerten ihre Erregung zusätzlich. Die Begegnung mit Jay zum Lunch und Jonnys unerwarteten Worte hatten Bilder vor ihrem inneren Auge heraufbeschworen, die fast schockierend eindeutig waren. Jane hätte nie gedacht, dass Jonny so offen über Sex reden würde. Doch andererseits hatten sie schon immer ein bisschen geflirtet, seit sie sich wiedergefunden hatten. Aber Jane hatte immer wieder klargemacht, dass sie verlobt war.

Ob Jonathan Cole es auch im wirklichen Leben so faustdick hinter den Ohren hatte? Vielleicht gaben sich bei ihm die Frauen die Klinke in die Hand, die sich zu einem Computerfreak mit Brille hingezogen fühlten. An diesem Nachmittag hatte sie eine Seite von Jonny kennengelernt, von der sie nichts geahnt hatte, ebenso wenig wie von ihren eigenen Sehnsüchten. Jede Einzelheit, die er beschrieb, klang aufregend und goldrichtig.

Sie störte ein bisschen, dass er vielleicht seine Erfahrungen mit einer anderen Frau beschrieben hatte. Obwohl sie ja selbst gerade drauf und dran war, diese Erfahrung mit einem andern Mann zu machen.

In der Bar war es voll, aber mit ihrer übersensibilisierten Antenne entdeckte sie ihn sofort.

Er trug einen schicken schwarzen Anzug und ein weiß gemustertes Hemd mit offenem Kragen. Das kurze braune Haar war lässig gestylt. Er hatte sich rasiert, was die Linie seiner Wangenknochen besonders betonte.

Er schaute auf die Uhr und machte ein etwas verunsichertes Gesicht. Das gab Jane frisches Selbstvertrauen. Er wartete auf sie.

Als er sie sah, stand Jay auf und kam ihr entgegen. Sein Lächeln war schlichtweg atemberaubend.

„Du bist gekommen“, sagte er, und seine Stimme klang merkwürdig erleichtert. Er küsste sie auf die Wangen, und sie atmete seinen Duft ein. Seine Lippen waren zart und fest zugleich; Jane erschauerte.

Er trat zurück und musterte sie von oben bis unten. Schon auf dem Weg hierher war ihre Erregung stetig gestiegen. Doch unter seinem Blick spürte Jane, wie ihre Brustspitzen unter dem Seiden-BH hart wurden.

„Du siehst fantastisch aus.“

„Danke.“ Bei seinem Blick hätte sie das fast glauben mögen. Er war ein Charmeur, aber sie konnte Komplimente gut gebrauchen – gerade in Begleitung eines perfekt aussehenden Mannes, dessen Anzug wirkte, als sei er nur für ihn persönlich entworfen worden.

„Du siehst klasse aus“, sagte sie, auch wenn er das vermutlich ständig hörte.

Sie setzte sich und schlug die Beine übereinander, sodass der Rock an ihren nackten Schenkeln ein Stückchen hochrutschte. Jays Blick entging ihr nicht. Auch nicht, dass er schluckte.

Danke, Jonny, dachte sie.

„Ich hatte schon Angst, du würdest nicht kommen“, erwiderte er, während er Platz nahm. „Ich dachte, ich hätte vielleicht zu dick aufgetragen und dich damit in die Flucht getrieben.“

„Ich habe dich eingeladen, erinnerst du dich?“

Die Kellnerin erschien. „Möchtest du ein Glas Champagner?“, fragte Jay. „Ich finde, wir haben eine Menge zu feiern.“

Jane nickte, und die Kellnerin eilte davon.

„Normalerweise trinke ich keinen Champagner“, erklärte Jay und lachte kurz auf. „Aber ich trage eigentlich auch keine Anzüge. Einer der Vorteile bei diesem Modeljob ist, dass ich die Sachen manchmal behalten kann, aber ich habe keine Lust, mich jeden Tag so aufzutakeln.“

„Ich trage auch selten Kleider“, gab Jane zu.

„Dann freue ich mich besonders, dass du heute eins angezogen hast.“ Seine Stimme war leise, und der Klang ließ Jane fast dahinschmelzen. Doch stattdessen erinnerte sie sich an Jonnys Rat und begann, mit einer Haarsträhne zu spielen.

Jay bemerkte es und befeuchtete sich die Lippen. „Jane, es funktioniert tatsächlich“, flüsterte er rätselhaft. Er streckte die Hand aus, als wollte er sie berühren, doch in diesem Moment kam die Kellnerin mit dem Champagner.

Sie hoben die Gläser und stießen an.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit einem Model ausgehe.“

„Äh, na ja.“ Jay stellte das Glas ab und beugte sich über den Tisch. „Ich wollte dir davon erzählen. Ich mache es nur übergangsweise.“

„Wirklich?“ Wollte er jetzt allen Ernstes übers Geschäft reden? „Bedeutet das, dass du nicht für die nächste Kampagne für Giovanni Franco zur Verfügung stehst?“

Er hob die Hände. „Ich werde dich schon nicht hängen lassen, Jane. Aber ich spreche nicht von der Kampagne, ich spreche von mir. Ich möchte ehrlich zu dir sein und dir erzählen, warum ich damit angefangen habe. Von allein wäre ich nie auf die Idee gekommen.“

„Okay“, sagte sie und fragte sich, warum er ihr das erzählte. Das Champagnerglas in der Hand, lehnte sie sich zurück.

Er holte tief Luft, legte die Hände vor sich auf den Tisch und betrachtete sie. Jane war überrascht, wie besorgt er aussah, als würde er mit sich ringen, um ihr etwas mitzuteilen, das ihm nicht leichtfiel.

Schließlich hob er den Kopf und sah sie direkt an. „Ich habe meinen Dad sehr geliebt“, sagte er schließlich.

Jane blinzelte verwundert, weil ein nahezu Fremder ihr das bei ihrem ersten Treffen erzählte.

„Er war mein Held“, fuhr Jay fort. „Er schien so aufrichtig, arbeitete hart und bewunderte meine Mutter über alles.“

Wieder sah er ihr in die Augen, als wollte er sich vergewissern, dass sie verstand, was er meinte. Jane nickte, obwohl sie immer noch erstaunt war. Seine blauen Augen strahlten so viel Aufrichtigkeit und Gefühl aus. Aus irgendeinem Grund war es ihm offenbar wichtig, ihr davon zu erzählen. Es war ungewöhnlich, aber es war ein Zeichen des Vertrauens.

„Als er starb, war ich am Boden zerstört. Aber lange nicht so sehr wie meine Mutter.“ Für einen Moment wirkte er gedankenversunken, dann schüttelte er den Kopf und strich sich mit den Fingern durchs Haar. „Sie war nicht in der Lage, sich um das Geschäft zu kümmern, also übernahm ich es, als ich zurückkam.“ Wieder zerzauste er sich das Haar und sah Jane an. Der Schmerz spiegelte sich in seinem Blick wider. „Er hat nichts hinterlassen. Alles war weg. Das Geschäft, der gesamte Besitz, alles war verpfändet. Er hatte Schulden und offene Rechnungen in Höhe von mehreren tausend Pfund.“

Verblüfft stellte sie ihr Glas auf den Tisch.

Er war vollkommen offen. Jedes Wort zeigte ihr, wie verletzt er war, auch sein Gesichtsausdruck und der Klang seiner Stimme. Dieser Mann machte sich nicht nur Sorgen über die finanzielle Situation seiner Mutter, er fühlte sich verraten, ernüchtert und bitter enttäuscht.

„Wie konnte das passieren?“, fragte sie.

„Er war spielsüchtig, aber er hat es jahrelang verheimlicht.“

Sanft legte sie ihre Hand auf seine. „Das ist ja furchtbar. Es tut mir so leid.“

Jay nickte. „Ich habe es meiner Mutter nicht erzählt, ich kann es einfach nicht. Ich hatte einige Mühe, um Zeit zu gewinnen, damit ich die Schulden zurückzahlen kann, und muss jetzt jede Möglichkeit nutzen, um Geld zu verdienen. Ich habe ein paar Berateraufträge hier und Extraprojekte da übernommen, und als Thom mich mal wieder damit nervte, ob ich nicht als Model für ihn arbeiten wollte, sagte ich zu.“

„Also modelst du nur, um die Schulden deines Vaters zu bezahlen.“

„Ja.“ Er stieß die Luft aus und lächelte. Dies war kein 1000-Watt-Model-Lächeln, sondern ein gedämpftes, trauriges. „Jetzt geht’s mir besser, nachdem ich es dir erzählt habe. Thom weiß nichts davon. Niemand weiß davon. Meine Mutter denkt, ich sei plötzlich ganz wild darauf, fotografiert zu werden.“

Jane drückte seine Hand. „Ich weiß, wie es ist, ein Geheimnis zu haben. Eigentlich hört es sich gar nicht so schwer an. Alles, was man tun muss, ist den Mund halten und sich ganz normal verhalten. Aber so einfach ist das nicht.“

Sie dachte an die letzten Tage bei der Arbeit und an Gary.

„Reden hilft“, sagte sie und dachte an Jonny.

Jay nahm ihre Hand. „Es geht mir besser, weil ich es dir erzählt habe.“

Warum ich?, wollte sie fragen und schaute in sein Gesicht. Zärtlichkeit und Aufrichtigkeit las sie darin, und auf unerwartete Weise schien ihr jeder seiner Züge vertraut zu sein. Dieses Gefühl von Verbundenheit war vom ersten Moment an da gewesen. Und obwohl Jane es sich nicht erklären konnte, ließ es sich nicht leugnen. Sie biss sich auf die Lippe und nickte.

„Du bist so wunderschön, Jane“, murmelte er. Aus seinen dunkelblauen Augen betrachtete er sie noch immer. Die Luft um sie herum schien sich zu verdichten, die Zeit schien beinah stillzustehen, wohingegen ihr Puls sich beschleunigte. Jay war ihr so nah, dass sie dieselbe Luft atmeten.

Jonnys Worte kamen ihr in den Sinn. Er hatte diesen Moment beschrieben. Und dann hatte er sich ausgemalt, wie es weitergehen könnte … Sie könnte ihren Mund auf die Lippen dieses Mannes drücken. Dann würde sie seine Hände spüren, die Beine um ihn schlingen, während er sie hochhob und ihr Kleid beiseiteschob, um in sie einzudringen. Schnell und heftig und atemlos.

Die Vorstellung ließ Jane nicht mehr los.

Sie kannte Jay nicht. Und sie wusste nicht, ob es nicht einfach sein natürlicher Charme war, der diese Sehnsüchte in ihr weckte. Aber sie wusste, dass sie ihn wollte. Und er schien sie ebenfalls zu begehren.

Acht Monate lang war sie verlobt gewesen, hatte jedoch nie auch nur annähernd so große Lust verspürt. Nach der Hölle der vergangenen Tage, nach dem Alltagstrott und der harten Arbeit in den letzten Jahren musste sie diese wunderbare Gelegenheit ergreifen.

Mit der freien Hand berührte sie Jays Gesicht. Sie legte ihre Finger auf seine Wange. Langsam strich sie bis zu den Grübchen. Seine Haut war glatt und fast erschreckend warm. Sanft neigte Jay den Kopf, als wollte er den Druck ihrer Berührung verstärken.

„Ich glaube, ich möchte nichts essen“, sagte sie heiser.

„Ich auch nicht.“

Sie standen gleichzeitig auf, die Hände immer noch ineinander verschlungen. Jay warf einen Geldschein auf den Tisch, und ohne ein weiteres Wort verließen sie die Bar. Überdeutlich spürte Jane jede einzelne Partie ihres Körpers. Wegen der hohen Absätze fiel es ihr leicht, die Hüften hin und her zu wiegen. Unter dem Kleid rieben ihre nackten Schenkel aneinander, und der weiche Stoff umspielte ihre Beine.

Auch seinen Körper nahm sie deutlich wahr. Sein Gang war locker, dennoch spürte sie seine Ungeduld. Fest hielt er ihre Hand und zog Jane eng an sich, sodass sie ihn zwei-, dreimal mit der Schulter und der Hüfte streifte. Selbst seinen hastigen und flachen Atem spürte sie.

Er war größer als sie. Trotz der hohen Absätze müsste sie sich auf die Zehenspitzen stellen, um ihn zu küssen.

Er stieß die Tür auf. Kaum standen sie draußen auf dem Gehweg, da drehte Jane sich zu ihm, griff nach dem Aufschlag seines Anzugs und zog Jay an sich.

„Großartige Idee“, murmelte er und legte seinen kräftigen Arm um ihre Taille. Fest drückte er Jane an sich.

Dieser Kuss war mit keinem anderen zu vergleichen, den sie je in ihrem Leben erlebt hatte. Jays Lippen waren warm und passten perfekt zu ihrem Mund. Sie fühlten sich so neu, fremd und zugleich vertraut an. Einen Moment lang küssten sie sich sanft und genussvoll, Jane fühlte sich wie Alice auf dem Weg ins Wunderland.

Und dann spürte sie die Gier. Jane ließ seinen Anzug los und berührte sein Gesicht. Sie zerzauste sein weiches, kurzes Haar und drängte sich verlangend an ihn. Wie rasend begann sie, ihn zu küssen. Und als Nächstes spürte sie seine Zunge. Ein Stöhnen entfuhr Jane, das ihn zu ermutigen schien. Er zog sie enger an sich und küsste sie noch stürmischer.

Sie streichelte seinen Nacken und seine breiten Schultern. Als sie sich an Jonnys Beschreibung eines Kusses erinnerte, versuchte sie, jedes Fitzelchen Haut zu berühren, das sie erreichen konnte. Jane schob die Finger zwischen die Knöpfe seines Hemdes und spürte seinen Herzschlag.

Mit der anderen Hand zerrte sie unter der Jacke sein Hemd aus der Hose. Seufzend presste sie die gespreizten Finger auf seine nackte Haut und massierte die kräftigen Muskeln.

„Jane“, murmelte Jay rau. Dann biss er sie sanft in die Oberlippe, ehe er den Kopf senkte und sie auf den Hals küsste.

Sie spürte seine Lippen an ihrem Ohr. Ein brennendes Verlangen rann durch ihren Körper … Jetzt lagen nur noch wenige Zentimeter zwischen seiner Hand und ihrer Brust. Mit der Zunge liebkoste er ihren Hals, woraufhin Jane warm erschauerte und den Kopf zurücklehnte.

Menschen gingen vorbei. Sie befanden sich mitten in Chelsea, aber Jane kümmerte sich nicht darum. Noch nie hatte sie sich so frei gefühlt. Sie schloss die Augen und sperrte London aus.

Sie konzentrierte sich auf diesen Mann, der genau wusste, wie er sie mit einer Berührung erregen konnte. Der genau spürte, was sie wollte. Der leidenschaftlichste Mann, den sie je kennengelernt hatte.

Kraft und Stärke. Sie genoss es, ihm so nah zu sein. Er schob ein Bein zwischen ihre Oberschenkel und umarmte sie fiebrig. Und sie spürte, wie sehr er sie wollte.

Doch obwohl er sie feurig küsste und sie fest im Arm hielt, entging ihr seine Zärtlichkeit nicht. Mit den Händen tastete er sich vorsichtig vor.

Sie fühlte sich begehrt und bewundert.

Sehnsüchtig öffnete sie die Augen. Sie musste sein Gesicht sehen, während er sie küsste. Als sie den Kopf hob, musste sie jedoch blinzeln – weil sie plötzlich in die Linse einer Kamera schaute.

Klick.

„Äh … ich glaube, wir werden beobachtet“, sagte sie unsicher.

Jay löste sich von ihren Lippen und richtete sich auf, ohne Jane loszulassen.

„Entschuldigen Sie, aber haben Sie nichts Besseres zu tun?“

Der Tourist, der sie fotografiert hatte, senkte die Kamera. „So etwas bekomme ich in Oklahoma City nicht zu sehen!“ Er grinste und ging weiter.

Jay sah dem Mann ungläubig nach. Dann schaute er Jane an, und sie brachen in lautes Lachen aus.

„Ich dachte, du bist an Kameras gewöhnt“, meinte Jane amüsiert.

„Ich bin Model, kein Pornostar“, entgegnete er und lächelte. „Und jetzt?“

Sie steckte ihm das Hemd wieder in die Hose und strich es sorgfältig glatt. „Ich denke, wir sollten uns einen Ort suchen, wo wir ungestörter sind. Lass uns ein Taxi nehmen.“

„Wie ungestört?“ Sein Gesichtsausdruck wurde ernst. „Mein Hotel ist zufällig nur ein paar Straßen weiter, aber wenn du lieber irgendwo anders …“

„Dann brauchen wir also kein Taxi.“ Schnell bückte sie sich und zog die Schuhe aus. Sie umfasste seine Hand, in der anderen hielt Jane die Pumps. „Komm, wir laufen zu deinem Hotel.“

4. KAPITEL

Im Aufzug hielt Jane seine Hand fest und schmiegte sich eng an ihn. Mist, formte sie mit den Lippen, als ein anderer Mann eintrat, kurz bevor die Türen zugingen. Jay zog die Augenbrauen hoch und sah vielsagend auf den Nothalteknopf.

Kurz darauf waren sie in seinem Hotelzimmer. Der Raum hatte hohe Decken und war in hellen Farben gestrichen. Die Einrichtung bestand aus modernen Einzelstücken. Sie entdeckte ein Paar Jeans auf dem Sessel, einen Laptop auf dem Tisch und ein großes, weiches Bett.

Jay schloss die Tür hinter sich, und Jane schaute ihn herausfordernd an.

„Und?“, fragte er leise. „Was möchtest du jetzt tun?“

Sie ließ die Zeit verstreichen und entschied, die Frage nicht mit Worten zu beantworten. Stattdessen küsste Jane ihn noch leidenschaftlicher als zuvor. Jetzt waren sie allein. Und das Wissen, was in diesem Zimmer geschehen würde, fachte ihr Verlangen an. Gierig und hungrig küssten sie sich.

Sie zerrte an seinem Anzug und zog seinen muskulösen Körper eng an sich. Jay drückte eine Hand auf ihren Rücken. Noch deutlicher als zuvor spürte sie seine Erregung.

Für einen Moment musste sie den Kuss unterbrechen, um nach Atem zu ringen. Ohne sie loszulassen, trat Jay zurück, nur ein kleines Stück, und musterte sie von oben bis unten. Seinen Blick aus den dunkelblauen Augen nahm sie wie eine sanfte Berührung wahr.

„Jane, du bist so wunderschön“, sagte er heiser.

Das war albern, und ehrlicherweise schüttelte sie den Kopf. „Du bist viel schöner.“

„Du bist schön“, beharrte er. „Viel schöner, als ich mir vorgestellt hatte. Sieh doch.“

Er deutete auf den großen Spiegel an der Badezimmertür, damit sie sich betrachtete. Ihr Kleid war schlicht, aber edel schwarz und eng anliegend. Einer der Träger war von der Schulter gerutscht. Ihre Frisur wirkte, als wäre Jane gerade erst aufgestanden – oder vom Joggen zurückgekehrt. Vor Aufregung und Verlangen waren ihre Wangen gerötet, die Augen rauchgrau und der Blick verhangen. Ihre Lippen schimmerten rot, nachdem er sie geküsst hatte.

Jane war sich nicht sicher, ob sie das alles schön fand, vor allem im Vergleich mit dem perfekten Mann neben sich. Und doch – sie sah sexy aus, und verführerisch.

Im Spiegel fing sie Jays Blick auf und hielt ihm stand. Langsam, aber entschlossen und ohne wegzusehen, hob sie den Saum ihres Kleides an, griff nach ihrem Tanga, schob ihn über die Hüfte und ließ ihn an den Beinen entlang nach unten gleiten, bis die schwarze Spitze auf dem Boden lag.

Jay stöhnte lustvoll.

Im Bruchteil einer Sekunde hatte er sie zu sich herumgedreht, drückte sie an die Wand neben der Eingangstür und küsste Jane begierig. Mit der Hand hob er einen ihrer Oberschenkel, den Jane instinktiv um seine Hüfte schlang. Dadurch rutschte ihr Kleid nach oben; der weiche Stoff seines Anzugs rieb angenehm an ihrer empfindsamen Haut, als sie das Bein langsam wieder sinken ließ.

Höchste Zeit für mehr nackte Haut. Ungeduldig schob sie das Jackett von seinen Schultern und zerrte an seinem Hemd. Jay lächelte und half ihr, bis die störenden Kleidungsstücke auf dem Fußboden lagen.

Atemlos betrachtete sie ihn.

Muskeln und gebräunte Haut. Sie streckte die Hände nach ihm aus. Er schien regelrecht zu glühen. Jane ließ die rechte Hand einen Augenblick auf seiner Brust liegen und fühlte sein Herz rasen.

Impulsiv berührte sie eine seiner Brustwarzen und wartete auf eine Reaktion. Sein Atem ging schneller.

„Ich will dich überall anfassen“, murmelte er mit rauer Stimme und ließ die Hände über die Innenseiten ihrer Schenkel gleiten. Dabei schob er das Kleid noch höher und begann mit den kleinen Locken zwischen ihren Beinen zu spielen. Zitternd hielt sie sich an seiner nackten Schulter fest. Ihr wurden die Knie weich; nur sein Körper und die Wand gaben ihr Halt.

Langsam, viel langsamer, als sie nach seinen Küssen erwartet hatte, streichelte er sie. Im nächsten Moment fand er ihre kleine Perle. Die Lust kam so plötzlich und war so wunderbar, dass Jane ein leidenschaftliches Stöhnen entfuhr.

Er lächelte verführerisch, während seine Berührungen eine Woge des Verlangens durch ihren Körper sandten. Er ließ den Finger in sie hineingleiten, und sie erbebte. Die Augen geschlossen, lehnte sie den Kopf an die Wand.

So etwas hatte sie noch nie erlebt. Und er hörte nicht auf, immer weiter drang er in sie ein und zog sich zurück, um sie dort zu streicheln, wo sie am empfindsamsten war. Dieser Mann war nicht nur wunderschön, er war auch noch der beste Lover, den sie sich vorstellen konnte. Daran zweifelte sie nicht, dabei hatten sie noch gar nicht richtig begonnen.

Schwer atmend beugte er sich vor und streifte mit der freien Hand einen Träger von Janes Schulter. Ihre nackte Brust verwöhnte er mit zärtlichen Bissen. Dann zog er ihr das Kleid ganz aus und nahm eine Brustspitze in den Mund.

Diesmal schrie sie lustvoll auf. Überrascht vom Klang ihrer eigenen Stimme, schlug sie die Augen auf. Jane hatte die Beine leicht gespreizt und atmete unregelmäßig. Ihre nackten Brüste schimmerten, feucht von seinen Liebkosungen.

In diesem Moment wurde ihr klar, was sie da gerade tat. Sie stand in einem Hotelzimmer und hatte Sex mit einem Fremden. Wie viele Frauen hatte er wohl bereits hierher eingeladen?

Sie sah die Grübchen seiner Wangen. Komplizenhaft zwinkerte er ihr zu. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das tun würden“, sagte er heiser.

„Es stand auch nicht gerade in meinem Terminkalender“, erwiderte sie. Ihre Stimme klang atemlos und zittrig. Jane konnte nicht anders und erwiderte sein Lächeln.

Er küsste sie zärtlich auf beide Wangen. „Es ist kein Abenteuer, Jane. Vertraust du mir?“

Seufzend rieb sie sich an ihm, und mit jeder Faser ihres Körpers sehnte sie sich danach weiterzugehen. Mühsam nickte Jane.

Sein Lächeln vertiefte sich, und sie hätte schwören können, dass es sogar ein bisschen teuflisch wurde. „Ich weiß, dass das nicht zum Plan gehörte, aber ich will es unbedingt.“

Welcher Plan?, wollte sie fragen. Doch da kniete er schon vor ihr und küsste sie, wo er sie zuvor gestreichelt hatte. Keuchend schloss sie die Augen, überwältigt von den Gefühlen, die sie beherrschten. Er verwöhnte sie ausgiebig, jetzt weniger zärtlich, sondern drängend, und trug sie unausweichlich dem Höhepunkt entgegen.

Mit beiden Händen wühlte sie in seinem kurzen Haar und zog ihn noch fester an sich. Sie wollte mehr, sie wollte alles.

Sie spürte Jays weiches Haar und seinen warmen Mund. Beide Hände gegen die Wand gestützt, gab sie sich den aufregenden Empfindungen hin und wandte das Gesicht von einer Seite zur anderen. In ihrem Kopf drehte sich alles, und der machtvoll über sie hereinbrechende Orgasmus war schlichtweg himmlisch.

Als sie wieder ruhiger atmete, war er aufgestanden und sah sie bewundernd an. „Es ist wunderbar, wie du dich fallen lassen kannst“, sagte er und küsste sie.

„Und jetzt will ich dich“, stieß sie keuchend hervor. Mit zittrigen Fingern öffnete sie seinen Gürtel und schob die Hose nach unten.

Er war heiß und hart und groß. Lautes Stöhnen drang an ihr Ohr.

„Es ist noch viel besser als in meiner Fantasie“, flüsterte er und drückte ihr erst einen, und dann noch einen Kuss auf die Wange. Schnell bückte er sich und zog ein Päckchen aus der Hosentasche.

Ihre Lust erwachte von Neuem, während Jane ihm lächelnd zusah. „So gut vorbereitet?“

„Ich muss zugeben, ich habe darauf gehofft.“ Er riss die Verpackung auf und streifte sich das Kondom über.

Er war vollkommen. Jeder Zentimeter an ihm. Und sie wollte ihn so sehr. Insgeheim hatte sie mit einem wilden, heißen Liebesspiel gerechnet. Doch seine Berührungen waren sanft und zärtlich. Als sie ihn an ihrem Bauch spürte, drängte sie sich ihm sehnsüchtig entgegen.

Er stöhnte leise. „Jane“, murmelte er an ihren Lippen, „bist du dir wirklich sicher? Wir können auch aufhören, wenn du willst.“

„Ich will aber nicht aufhören.“ Sie bekräftigte ihre Worte mit einem stürmischen Kuss, der keinen Raum für Zweifel ließ.

Vielleicht machte er so etwas häufiger. Jedenfalls dürfte es ihm kaum schwerfallen, eine Frau für eine heiße Nacht zu finden. Jane dachte nicht länger darüber nach. In diesem Moment war er mit ihr zusammen, mit keiner anderen, und ihr Begehren und ihre Lust waren überwältigend.

Er hob sie auf seine Hüften. Instinktiv schlang sie die Beine um seine Taille; und bevor sie ihn dazu auffordern konnte, drang er tief in sie ein.

„Du fühlst dich so wunderbar an“, flüsterte er und begann, sich zu bewegen.

Heiß loderte ihr Verlangen auf. Sie trieb erneut einem Höhepunkt entgegen. Sie presste sich an ihn und konnte kaum glauben, dass diese unglaubliche Geschichte tatsächlich ihr passierte, ihr und ihm. Ein Blick in den Spiegel, und sie sah seinen kräftigen Körper. Erregt beobachtete sie, wie sich seine Muskeln jedes Mal anspannten, wenn er in sie eindrang. Dann betrachtete sie sein Gesicht, die weichen Züge und die dunklen Augen.

Sie beugte sich vor und küsste ihn. Gleichzeitig erzitterte sie am ganzen Körper. Sie keuchte und stöhnte lustvoll, während er ebenfalls nach einem letzten, drängenden Stoß heftig erschauerte.

„Jane“, murmelte er und hielt sie fest umschlungen. „Oh Jane. Wow.“ Sanft küsste er sie auf den Mund, auf die Wange, auf die Stirn. Beide waren schweißnass und außer Atem.

Er hielt sie fest, bis die Wellen der Lust allmählich abklangen. Währenddessen schien ihr gesunder Menschenverstand wieder zu erwachen. Sie, Jane Miller, tat so etwas eigentlich nicht. Sie war keine wilde Sexbombe. In Wirklichkeit war sie ganz anders.

Bis vor ein paar Tagen verlobt mit einem anderen Mann.

Vorsichtig setzte sie beide Füße auf den Boden. Und überhaupt, wer war er eigentlich? Er war schön, und sie mochte ihn. Jane zog den Träger ihres Kleides wieder hoch, nachdem Jay sich von ihr gelöst hatte.

Sie mochte ihn sogar sehr.

Aber sie arbeitete mit ihm zusammen. Streng genommen arbeitete er für sie; sie war seine Auftraggeberin. Und was sie getan hatten, war alles andere als professionell.

Jay küsste sie ein letztes Mal, seine Augen glänzten. „Das war die beste Idee, die ich je hatte.“

Er sah geradezu lächerlich glücklich aus, obwohl seine Hose immer noch auf seinen Knöcheln saß und er sogar die Schuhe noch trug. Jane schluckte. Auch wenn sie ihn sehr mochte, war es deswegen noch längst keine gute Idee gewesen. Ganz und gar nicht. Ihre Karriere war alles, was ihr geblieben war, und sie hatte sie schon wieder aufs Spiel gesetzt, indem sie ihren Job und ihr Liebesleben vermischte.

Sie biss sich auf die Lippe und strich sich mit den Fingern durchs unordentliche Haar.

Jay streifte gerade die Schuhe ab und zog den Reißverschluss der Hose hoch. Ernüchterung hin oder her, Jane verspürte leises Bedauern. Andererseits sollte sie erleichtert sein, weil sie sich heute Abend nicht noch einmal verführen lassen wollte.

„Und was möchtest du jetzt machen?“, fragte Jay vergnügt. „Sollen wir doch noch essen gehen, oder möchtest du den Rest dieses fantas…“

Als sich ihre Blicke trafen, hielt er abrupt inne. Sein glücklicher Gesichtsausdruck wich einem besorgten Stirnrunzeln. Schnell trat er auf sie zu. „Jane? Ist alles in Ordnung mit dir?“

Sie räusperte sich, weil sie wollte, dass ihre Stimme fest klang, wenn sie ihm sagte, dass sie gehen würde. „Es geht mir gut. Aber, Jay …“

„Nenn mich nicht so, wenn wir allein sind.“

Verwirrt sah sie ihn an. „Wie soll ich dich denn nennen?“

„So wie ich wirklich heiße.“ Er neigte den Kopf und lächelte sie an, dann zupfte er verlegen den Träger ihres Kleides gerade.

„Und wie heißt du wirklich?“

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