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Tiffany Sexy, Band 46

KRISTIN HARDY

Sommer, Sonne, heißer Sex

Sommer, Sonne, Strand – und Sex? Im Urlaub in Mexiko trifft die hübsche Delaney überraschend Dominick wieder. Er war der Erste, der sie geküsst hat. Jetzt machen sie dort weiter, wo sie damals aufgehört haben! Ein heißer Urlaubsflirt beginnt, der in Dominicks Hotelbett endet. Aber was wird aus ihrer Affäre, wenn sie beide nach Los Angeles zurückkehren?

LESLIE KELLY

Rote Rosen auf nackter Haut

Isabella wäre die perfekte Frau zum Heiraten, findet Nick. Seit Kindertagen kennt er die schöne Nachbarstochter, jetzt will er sie erobern. Aber neuerdings gibt es noch eine zweite Frau in seinem Leben, für die er lichterloh brennt: die geheimnisvolle Stripteasetänzerin „Crimson Rose“. Nick ahnt nicht, wie viel diese beiden Frauen gemeinsam haben!

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Kristin Hardy

Sommer, Sonne, heißer Sex

1. KAPITEL

„Du hattest recht.“ Dominick Gordon ließ den Blick über die makellos blaue Oberfläche des karibischen Ozeans gleiten. Sein dunkles Haar flatterte im Fahrtwind.

Eric Novak, sein drahtiger blonder Freund, saß neben ihm auf der Bank. Er drehte sich zu Dominick um. „Was hast du gesagt?“

„Deine Idee, hierherzukommen, war richtig. Es ist perfekt.“ Das Taucherboot flog geradezu übers Wasser. Sie waren auf dem Weg zum nächsten Riff. Der schmale Streifen Land am Horizont, das war Yucatan. Cozumel – für Dominick zurzeit der Inbegriff eines Paradieses – lag etwas näher.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren hatte Dominick das Gefühl, frei durchatmen zu können. Eine Woche lang nur schwimmen, tauchen, schlafen – nach allem, was er hinter sich hatte, erschien ihm das wie der ultimative Luxus, genau wie dieser Ausflug. Eric hatte nur für sie beide ein Tauchboot gemietet. Was für einen Sinn hatte der berufliche Erfolg schon, wenn man sich niemals erlaubte, dessen Früchte zu genießen?

Irgendwie hatte er fast vergessen, wie das geht.

„Kannst du das noch mal wiederholen, ich meine, nur fürs Logbuch“, sagte Eric.

Dominick rückte seine Sonnenbrille zurecht und lehnte sich zurück. „Typisch Anwalt.“

„Wieso, das ist doch etwas fürs Guinnessbuch der Rekorde. Zum allerersten Mal ist es gelungen, Dominick Gordon das Eingeständnis abzuringen, dass er unrecht hatte.“

„Das habe ich nicht gesagt. Wahrscheinlich wäre es wirklich klüger gewesen, zu Hause zu bleiben und an meinem Konzept für den Börsengang zu arbeiten.“ Die Verantwortung für das Autowerkstatt-Unternehmen „Gordon’s Auto Centers“ lastete schwer auf Dominicks Schultern.

„Mann, kannst du nicht einmal für fünf Minuten an etwas anderes denken? Wie oft habe ich dir gesagt, dass es im Moment nichts zu tun gibt, außer abzuwarten? Es ist der perfekte Zeitpunkt für einen Urlaub. Zu Hause würdest du jetzt herumsitzen und an den Nägeln kauen. Hier …“, Erick machte eine weit ausholende Geste, „… kannst du dank meiner weisen, vorausschauenden Planung endlich ausspannen und es den Fischen gleichtun.“

„Weise und vorausschauend?“

Eric neigte huldvoll den Kopf. „Mutter Natur hat es gut mit mir gemeint.“

„Als dieser Delfin dich überrascht hat, hast du etwas ganz anderes gesagt.“

„Nun ja, Mutter Natur ist eben eine Frau, und die sind flatterhaft. Das wüsstest du, wenn du so etwas wie ein Liebesleben hättest.“ Sie verlangsamten die Fahrt, denn das Wasser wurde flacher.

„Nicht schon wieder.“ Dominick fühlte sich wirklich reif für einen Urlaub. Aber sein Leben noch komplizierter machen durch eine Frau, wenn er es doch gerade erst geschafft hatte, sich aus seiner letzten Beziehung zu lösen? Nein danke.

Das Boot hielt an. Dominick zog den Reißverschluss seines Taucheranzugs zu und befestigte die Halterung der Sauerstoffflasche.

Eric tat das Gleiche. „Was ich damit sagen will, ist, dass du langsam immer langweiliger wirst. Ich fange an, mich zu fragen, wieso ich mich überhaupt noch mit dir abgebe.“

„Weil du sonst keinen hast, der dir dein Geld aus der Tasche ziehen kann.“

„Das waren gezinkte Karten gestern“, sagte Eric erbost. „Nie im Leben hattest du wirklich einen Royal Flush.“

„Finde dich damit ab, ich hatte einfach Glück.“

„Von wegen Glück. Ich werde mir diese Karten noch einmal genauer angucken.“

„Es waren deine.“ Dominick zog die Kapuze über. „Und du hast sie schon mindestens dreimal kontrolliert.“

„Ich glaube es immer noch nicht.“

Dominick schüttelte den Kopf. „Ich kann dich nicht mehr hören. Bis gleich, bei den Fischen.“

„Du spielst in Zukunft besser fair, sonst kannst du bei den Fischen übernachten.“

„Du spielst in Zukunft besser cleverer, sonst bist du bald pleite“, gab Dominick zurück und ließ sich rückwärts ins Wasser fallen.

„Okay, muchachas, hier kommt der Stoff“, verkündete Delaney, als sie und Sabrina auf die von Palmen überschattete Terrasse traten. Beide trugen mehrere gefüllte Cocktailgläser auf einem Tablett. Die übrigen fünf Mitglieder des „Sex & Supper Clubs“, wie sie ihre Clique nannten, lagen schläfrig auf Badetüchern oder Liegestühlen in der Sonne.

Kelly rührte sich als Erste. „Hat da jemand etwas von Alkohol gesagt?“, erkundigte sie sich und richtete sich auf.

Delaney stellte ihre Gläser auf dem Rand des Swimmingpools ab.

„Also, eine Virgin Margarita für unsere kleine, frisch verheiratete künftige Mama.“ Sie reichte Kelly, der man ihre Schwangerschaft noch kaum ansah, den alkoholfreien Cocktail. „Und hier eine gar nicht so jungfräuliche Margarita für unsere lang verheiratete Cilla.“

„Vergiss nicht, ich bin jünger als du“, sagte diese.

„Die Ehe lässt einen vorzeitig altern.“

„Überhaupt nicht. Regelmäßiger Sex ist gut für die Gesundheit.“

„Sehe ich aus, als würde ich in der Hinsicht etwas verpassen?“, gab Delaney zurück.

Cilla überlegte. „Schwer zu sagen. Der neue Haarschnitt steht dir so gut.“

Delaney hatte sich eine Woche zuvor, wie so oft aus einem spontanen Impuls heraus, von ihrem langen Haar getrennt. Mit dem neuen Kurzhaarschnitt sah sie wie eine freche, kleine Elfe aus. Im Übrigen war das Leben einfach zu kurz, um es mit Föhnen und Stylen zu verschwenden, fand sie.

„Ist der neue Schnitt nicht super?“, erwiderte sie. „Waschen und Trocknen dauert genau fünf Minuten.“

„Du siehst aus wie die Fee aus Peter Pan, nur Augen und Wangenknochen.“

„Tinkerbell, so, so.“ Delaney lachte. „Trink noch ein paar Cocktails, dann bekomme ich noch Flügel.“ Sie nahm das nächste Glas in die Hand. „Bist du sicher, dass du ein Bier willst, Paige? Bevor du mit diesem Gitarrenspieler zusammen warst, habe ich dich niemals Bier trinken sehen. Man könnte meinen, er übt einen schlechten Einfluss auf dich aus.“

„Das will ich hoffen.“ Paige ließ sich auf ihren Liegestuhl im Schatten sinken. „Zach hat mich in die feineren Genüsse eingeweiht, die das Leben bietet.“

„Hört, hört.“ Thea nippte an ihrem eigenen Bier. „Allerdings würde ich das hier nicht unbedingt Bier nennen. Und schon gar nicht fein.“

„Du bist voreingenommen, weil du mit einem Snob zusammenlebst, der auf eine bestimmte Biersorte steht“, bemerkte Delaney.

„Brady hat mich auch in die feineren Genüsse eingeweiht“, erwiderte Thea.

„Ja, ja, ich weiß schon: der regelmäßige Sex.“ Delaney musterte ihre Freundinnen, die alle entweder verheiratet oder fest liiert waren. Thea und Paige vielleicht nicht ganz so fest, aber die anderen … Sabrina hatte ihre große Liebe vom College, Stef Costas, geheiratet, Kelly war mit Stefs Partner Kev verheiratet, Trish lebte mit Sabrinas Cousin Ty zusammen. Sogar Cilla, die lange Zeit genauso unbezähmbar gewesen war wie sie, war inzwischen fest gebunden.

Delaney blieb als Letzte übrig, die darauf beharrte, Single zu bleiben. Aber es war nicht mehr das Gleiche wie früher. Das Leben war nicht mehr so wie früher. Es war, als würde sie immer näher an den Abgrund gedrängt, in dem sich das „Land der Erwachsenen“ befand.

Ach, was. Zum Teufel damit.

Sie stellte ihren Cocktail neben ihrem Liegestuhl im Sand ab und löste das Tuch, unter dem sie einen Bikini mit Leopardenmuster trug. Sie war jung, sie war frei. Das Leben war schön. Welchen Sinn hatte das Grübeln? Jetzt gab es erst einmal eine Woche Sonne, Wasser und ganz viel Spaß.

Mit einem wohligen Seufzer lehnte sie sich zurück und nippte an ihrer Margarita. „Okay, Leute, mit sofortiger Wirkung befinde ich mich im Urlaub“, verkündete sie. „Und ich beabsichtige, mich wie verrückt zu amüsieren und absolut nichts Sinnvolles zu tun.“

„Aber du hast nicht vergessen, dass du versprochen hast, zur Eröffnung meiner Boutique zu kommen, oder?“, erinnerte sie Cilla.

„Natürlich nicht.“ Delaney nahm noch einen Schluck. „Ah, das tut gut.“ Sie prostete den anderen zu. „Darauf, dass wir alle über einundzwanzig sind.“

„Über einundzwanzig?“, wiederholte Paige. „Ich dachte, du wolltest nie erwachsen werden.“

„Wer spricht von Erwachsenwerden? Ich meinte damit nur, dass wir alle ganz legal Alkohol trinken dürfen.“

„Erwachsen zu sein hat noch ein paar andere Vorteile“, stellte Trish fest.

„Nenn mir einen.“

„Guter Sex“, sagte Kelly sofort. „Die Jungs an der Highschool haben ja keine Ahnung.“

„Och, ich weiß nicht. Der beste Küsser meines Lebens war mein erster Freund“, entgegnete Delaney.

„Dein erster Freund?“

„Jake“, erklärte sie. „Jake the Snake.“

Cilla verschluckte sich an ihrem Drink. „Sag bloß, mit Snake meinte er seinen …“

„Nein“, erwiderte Delaney energisch. „Wenigstens glaube ich das nicht. Ich weiß nicht. Mehr als Küssen und Händchenhalten lief ja damals nicht, aber – oh, Mann – der Junge konnte küssen.“

„Ach ja, junge Liebe.“ Trish fächelte sich Luft zu.

„So würde ich es nicht gerade nennen.“

Sabrina zog die Augenbrauen hoch. „Es war nicht deine erste Liebe?“

„Komm schon. Ich war damals vierzehn.“

Trish drehte sich auf die Seite, um Delaney besser anschauen zu können. „Wer war dann deine erste Liebe?“

Delaney lachte. „Das sage ich dir, sobald ich ihm begegnet bin.“

„Das wirst du eines Tages. Ganz bestimmt.“

„Mag sein. Ich habe nicht gerade schlaflose Nächte deswegen.“ Delaney beobachtete eine Gruppe junger Männer, die mit nacktem Oberkörper am Strand Volleyball spielten, und befeuchtete sich die Lippen. „Kommt schon“, sagte sie. „Erzählt mir mehr über die Vorteile des Erwachsenseins.“

„Unabhängigkeit“, sagte Trish.

Delaney schnaubte verächtlich. „Ha, ha. Wer von euch musste sich nicht erst mit dem Partner abstimmen, bevor ihr Urlaubspläne machen konntet?“

„Na und? Du musstest dir von der Arbeit freinehmen“, gab Trish zurück.

Delaney kreuzte zwei Finger. „Kein Wort über die Arbeit. Dieses Wort ist für die nächsten sieben Tage tabu.“

„Stimmt etwas nicht?“, fragte Paige.

„Ich arbeite für Janet Whitcher. Natürlich stimmt etwas nicht.“ Ihr Job bei Vision Quest Marketing war eine echte Hassliebe. Delaney liebte ihre Arbeit und hasste ihre Chefin. „In diesem Augenblick läuft für DataStor, auch bekannt als der unbeliebteste Kunde aller Zeiten, ein Fotoshooting, das ich betreuen sollte.“

„Hast du mal nebenbei erwähnt, dass du eigentlich Urlaub hast?“, fragte Sabrina.

„Den ich schon vor anderthalb Monaten gebucht hatte? Oh ja. Ich habe gefragt, ob sie das Shooting verschieben könnten. Janet hat mir ungerührt erklärt, dass ich meinen Urlaub verschieben müsste.“

„Aha, dann sehen wir hier also nur eine Astralprojektion von dir“, stellte Cilla fest.

„Genau.“ Delaney leerte ihr Glas. „Im Grunde ist mein Leben ein Horrortrip. Also lasst uns essen, trinken und das Leben genießen, solange es möglich ist.“ Sie drehte ihr Glas um, aus dem der allerletzte Tropfen in den Sand fiel.

„Arme, kleine Tinkerbell.“ Cilla beugte sich über Delaneys leeres Glas. „Wird ein zweiter Cocktail deinen Schmerz lindern?“

Delaney beäugte den dunkelhaarigen Mann in Badehose, der gerade an ihnen vorbeiging. „Mehrere Cocktails und vielleicht eine Ganzkörpermassage von diesem Bild von einem Mann.“

„Ich glaube, er gehört zum Animationsteam“, warf Paige ein, als sie alle gleichzeitig die Sonnenbrillen abnahmen, um den jungen Mann von hinten zu begutachten.

„Animation? Habt ihr eine Ahnung, wie gut sich das in meinen Ohren anhört“, sagte Delaney.

„Du denkst schon wieder daran, was?“, fragte Eric.

Dominick blickte auf. „Wer, ich?“

„Ja, du. Du machst schon wieder so ein Gesicht.“

Sie saßen in einer Strandbar in der Nähe der Fähranlegestelle in Playa del Carmen. Im leichten Wind raschelten die getrockneten Palmblätter auf dem Dach. In der Ferne sah man die Lichter von Cozumel.

Dominick nahm das Glas, das der Barkeeper ihm über den Tresen zuschob. „Willst du wissen, was ein wirklich guter Tequila ist?“

Eric, der sich gerade etwas Salz zwischen Daumen- und Zeigefingerwurzel streute, sah fragend auf.

Mitleidig betrachtete Dominick seinen Freund. „Tequila ist wie Whiskey. Billiges Zeug ätzt einem den Schmelz von den Zähnen. Deshalb braucht man Salz und Zitronensaft. Aber Añejo-Tequila …“ Er nahm einen Schluck und behielt ihn genießerisch im Mund, bevor er schluckte. „… rinnt einem die Kehle hinunter wie zwanzig Jahre alter Bourbon.“

Eric beobachtete ihn skeptisch. „Das fändest du wohl witzig, was? Mir beim Trinken zuzuschauen und zu sehen, wie mir Rauch aus den Ohren quillt.“

Dominick lächelte breit. „Anwälte sind immer so misstrauisch.“

„Gründe du mal eine Existenz mit nichts als Schulden, weil du für deine Ausbildung einen Kredit aufnehmen musstest.“

„Na schön. Bleib bei Salz und Zitronensaft, wenn du unbedingt willst. Aber dir entgeht etwas.“ Dominick nahm noch einen Schluck.

Ohne vorher Salz auf seine Hand zu streuen und zu lecken, nahm Eric einen kleinen Schluck. Überrascht spitzte er die Lippen und trank noch mehr. „Nicht schlecht.“

„Bedanke dich bei mir.“

„Okay. Als Gegenleistung nehme ich dir nachher deinen Laptop weg, wenn wir ins Hotel zurückkommen.“

„Was?“

„Du hast schon wieder deine E-Mails gecheckt, nicht wahr?“

„Wie kommst du darauf?“, fragte Dominick unschuldig. Es kamen immer mehr Menschen in die Bar. Auf der Bühne installierten mehrere Männer gerade die Soundtechnik für die Band.

„Du vergraulst uns noch die Mädels, wenn du weiterhin ein Gesicht machst, als würden aller Menschen Sorgen auf deinen Schultern lasten. Wir sind hier nicht in einer Vorstandssitzung.“

„Wenn ich sie vergraule, bleiben doch mehr für dich, oder?“

„Aber ich kann mich nicht um alle gleichzeitig kümmern. Das ist ein logistisches Problem, verstehst du?“

„Ich habe vollstes Vertrauen in dich, Eric. Du kommst schon irgendwie klar.“ Dominick lehnte sich zurück, soweit es auf dem Barhocker möglich war. „Ich entspanne mich einfach nur.“

Eric orderte einen zweiten Drink. „Damit du noch besser entspannen kannst“, erklärte er. „Als dein Anwalt rate ich dir, dich zu betrinken.“

„Na, dann – auf den ganz großen Durchbruch.“

„Ha!“ Eric schlug mit der Faust auf den Tresen. „Ich wusste es. Du hast schon wieder an daran gedacht. Wirklich, du brauchst dir um den Börsengang keine Gedanken zu machen. Die Zahlen sprechen für sich. Die Aktien werden sich von ganz allein verkaufen. Vorausgesetzt, wir machen einen guten Job bei der Unternehmenspräsentation. Dafür musst du in Form sein. Und damit das klappt, musst du dich jetzt entspannen. Deshalb sind wir schließlich hier.“

Dominick warf seinem Freund einen belustigten Blick zu. „Tatsächlich? Und es hat gar nichts damit zu tun, dass du dir das Columbia Deep Riff anschauen und an den Señoritas dein Spanisch ausprobieren wolltest?“

„Mir geht es nur um dein Wohl“, erwiderte Eric unbeeindruckt.

„Ich hätte mich auch einfach zu Hause entspannen können.“

„Pah! Du entspannst dich ja nicht einmal hier.“

„Jetzt lass es endlich gut sein. Warum musst du mich eigentlich die ganze Zeit nerven?“

Eric grinste. „Wahrscheinlich reiner Egoismus. Früher war es wirklich amüsanter mit dir.“ Sein Gesichtsausdruck wurde ernst. „Vielleicht aber auch, weil ich dein Freund bin und mir nicht gefällt, was ich sehe. Du schuftest jetzt seit fünf Jahren wie ein Verrückter, seit dem Tag, als …“

„Schon gut“, fiel im Dominick ins Wort.

Eric zögerte. „Du bist kurz vor dem Burn-out, Mann. Zeit für eine Pause. Du hast kompetente Leute in deiner Firma, und falls sie ein Problem haben, wissen sie, wie sie dich erreichen können. Also, tu uns und dir den Gefallen – sei einmal nicht der Big Boss in spe, sondern einfach nur ein Kerl, der zu Hause eine Autowerkstatt hat.“

„Oh ja. Super. Das macht Frauen an.“

„Machst du Witze? Ich wette, hier sind mindestens ein Dutzend KfZ-Mechaniker, die heute Abend noch ihr Glück finden werden. Und mindestens ein Millionär in spe, der es nicht tun wird – es sei denn, es gelingt ihm noch, ein bisschen lockerer zu werden.“

Es war immer noch ziemlich schwül, aber die Brise, die vom Ozean kam, machte es erträglich. Es war lange her, seit Dominick zum letzten Mal die weiche Haut einer Frau berührt hatte. Vielleicht hatte Eric ja recht. Vielleicht wäre ein kurzes Intermezzo mit der richtigen Frau perfekt, um für eine Nacht seine Sorgen zu vergessen.

Ihm war es tatsächlich zur Gewohnheit geworden, ständig ans Geschäft zu denken.

„Schau dich um“, forderte Eric ihn auf. „Hier wimmelt es nur so von attraktiven Frauen. Lächle doch mal einer zu, nur so zur Abwechslung. Du darfst dir zuerst eine aussuchen, okay? Wie wär’s mit der Rothaarigen dort drüben? Oder der Blonden? Oder – oh, Mann.“

Dominick folgte Erics Blick.

Und war genauso verblüfft wie er.

Sie war blond und sehr schlank. Ihr Haar war kurz geschnitten, was ihr ein elfenhaftes Aussehen verlieh. Auch ihr grünes Kleid hatte etwas Elfenhaftes, es war ziemlich kurz und betonte die langen, seidig glatten Beine. Sie wirkte irgendwie … übermütig. Und sie war keineswegs allein; eine Gruppe junger Frauen war mit ihr zusammen in die Bar gekommen, aber er interessierte sich nur für sie.

„Die da vorn mit dem langen, dunklen Haar, die ist ein Model“, sagte Eric aufgeregt.

„Glaub ich nicht.“ Dominick machte sich nicht einmal die Mühe hinzusehen.

„Nein, wirklich. Ich habe sie vor ein paar Jahren im Sports-Illustrated-Kalender gesehen. Schau dir dieses Gesicht an, und, oh, Mann, ihr Körper, einfach unglaublich.“

„Hm“, machte Dominick, der den Blick nicht von der Blonden losreißen konnte. Es war, als wäre der Raum heller dort, wo sie stand. Ihre Bewegungen waren lebhaft und temperamentvoll.

So war sie bestimmt auch im Bett.

Als sie sich vorbeugte, um einer ihrer Freundinnen etwas ins Ohr zu sagen, glaubte Dominick, ihren heißen Atem auf seiner Wange zu spüren. Er blickte auf ihre Lippen und glaubte zu wissen, wie sie sich anfühlen würden. Sie mochte aussehen wie eine Elfe, in seinen Armen würde sie sich anfühlen wie eine Frau. Sie würde sich an ihn schmiegen und seufzen, wenn er sie berührte.

Wenn er auch nicht wusste, wie sie nackt aussah, seine Fantasie hatte längst ein detailliertes Bild von ihr entworfen.

„Dass es erlaubt ist, so sexy zu sein“, hörte er sich sagen. „In aller Öffentlichkeit.“

„He, du kannst sie doch nicht anbaggern“, sagte Eric erbost.

„Du hast doch gesagt, ich soll mich amüsieren.“

„Ja, schon, aber nicht mit ihr. Das ist mein Job. Such dir eine aus, die zu dir passt.“

Dominick leerte sein Glas in einem Zug. „Glaub mir, Alter, ich bin schon dabei.“

Als einer der hohen Bartische frei wurde, stürzte Delaney sich gleich darauf. „Sorry, Jungs“, sagte sie zu einer Gruppe Jugendlicher, die nicht schnell genug gewesen waren.

„Warum teilen wir uns nicht den Tisch?“, fragte einer der Jungen und zwinkerte ihr zu. Sein Haar war orangerot gefärbt und stand in alle Richtungen ab.

Delaney musste ein Lächeln unterdrücken. Der Knabe war allerhöchstens einundzwanzig. „Ich denke, wir brauchen keine Gesellschaft.“

„Ich wette, ich könnte dir einen Drink ausgeben und dich vom Gegenteil überzeugen.“

„Es braucht schon mehr als einen Drink, um mich vom Gegenteil zu überzeugen.“

Vertraulich beugte er sich zu ihr. „Glaub mir, ich habe auch noch viel mehr zu bieten.“

Sie lachte unbekümmert und nahm ihm damit den Wind aus den Segeln. „Heute nicht mehr, vielen Dank.“ Sie musste sich beherrschen, um ihm nicht tröstend über den Kopf zu streichen.

„Und ich dachte, der wäre ganz dein Typ.“ Kelly setzte sich neben sie auf einen der Barhocker. „Du hast doch eine Schwäche für böse Jungs.“

„Böse Jungs, nicht kleine Jungs. Der ist mindestens zehn Jahre zu jung, um interessant zu sein.“

„Wirst wohl auf deine alten Tage noch wählerisch, was?“, fragte Sabrina belustigt.

„Oder langweilig?“, warf Paige ein.

„Jetzt lasst es aber gut sein.“

„Überleg doch mal“, sagte Paige. „Erst willst du unbedingt in eine etwas ruhigere Bar, und dann weist du einen Mann ab, der mit dir flirten will. Ich glaube, die Symptome sind ziemlich eindeutig.“

„Oh, ich bitte dich.“ Delaney verdrehte die Augen. „Du bringst mich noch dazu, dass ich mich betrinke. – Und da wir gerade dabei sind, wem soll ich was von der Bar mitbringen?“

Langweilig? Sie? Niemals. Nur weil sie keinen Wert darauf legte, sich wie in einer Sardinenbüchse bei ohrenbetäubendem Acidhouse fast erdrücken zu lassen oder sich mit einem Jüngling abzugeben, der ihr kleiner Bruder sein könnte, wurde sie noch lange nicht alt! Ha, sie würde diese Woche genießen, und die hatte gerade erst angefangen.

„Also dann“, sagte sie. „Vier Margaritas, zwei Piña Coladas, ein alkoholfreier Daiquiri“, zählte sie auf. „Wer hilft mir beim Tragen?“

„Ich komme gleich“, sagte Cilla.

Fast wie in alten Zeiten, sagte sich Delaney, als sie am Tresen stand und versuchte, die Aufmerksamkeit des Barkeepers auf sich zu lenken. Der ganze „Sex & Supper Club“ war endlich wieder einmal zusammen unterwegs. In letzter Zeit was das kaum möglich gewesen, und wenn, dann immer nur für ein nettes Abendessen. Vorbei waren die Zeiten, als sie die Clubs und Bars bis in die frühen Morgenstunden unsicher gemacht hatten. Wenn man erst einmal den Mann fürs Leben gefunden hatte, verging einem wohl die Lust auszugehen.

Delaney redete nie darüber, aber manchmal hatte sie auch gar keine Lust mehr dazu.

Es lag daran, dass sie einfach zu viel arbeitete. Deshalb würde sie die Dinge jedoch ganz sicher nicht langsamer angehen, ganz sicher wurde sie nicht langweilig. Nicht in einer Million Jahren. Und auf gar keinen Fall würde sie sich fest binden. Mochte ja sein, dass die anderen den Mann ihres Lebens gefunden hatten. Delaney freute sich für sie. Aber mit einer festen Beziehung waren auch gewisse Zwänge und Verpflichtungen verbunden.

Auch wenn es Sabrina, Trish und den anderen anscheinend nichts ausmachte, Delaney würde das verrückt machen. Sich ein paar Wochen – oder Monate – mit einem Mann zu versüßen, das war eine Sache. Man konnte jederzeit Schluss machen, oder? Eine richtig ernsthafte Beziehung, das war etwas anderes.

Delaney war in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem es von allem immer zu wenig gegeben hatte. Nur Kinder waren mehr als genug da gewesen, nämlich sechs. Als Jüngste hatte Delaney immer um ihr Recht kämpfen müssen. Nicht dass sie ihre Familie nicht liebte. Aber als Delaney endlich ausgezogen war, hatte sie sich geschworen, sich nicht so schnell auf Kompromisse und Verpflichtungen einzulassen. Sie hatte genug davon, immer alles teilen zu müssen.

Hola, señorita.“ Endlich hatte der Mann hinterm Tresen sie bemerkt.

Hola, Rodolfo.“ Sie las den Namen von dem kleinen Schild an seinem Hemd ab. Dann zählte sie auf Spanisch ihre Wünsche auf. Als Letztes nannte sie den Daiquiri ohne Rum.

„Ohne Rum?“, wiederholte er auf Englisch. „Wollt ihr euch nicht amüsieren?“

„Oh, das tun wir, keine Sorge. Wir haben immer unseren Spaß.“

„Ich auch. Vielleicht sollten wir uns zusammen tun, señorita.

„Willst du mich anmachen, Rodolfo?“

„Was ist ‚anmachen‘?“

„Mich einladen, mit dir Spaß zu haben.“

„Ah.“ Er entblößte zwei perfekte, weiß schimmernde Zahnreihen. „Señorita, nur ein toter Mann würde eine Frau wie dich nicht ‚anmachen‘, und ich bin kein toter Mann.“

Delaney zwinkerte ihm zu. Flirten war etwas Wunderbares. Man fühlte sich so gut dabei. Wie sollte sie sich jemals für einen einzigen Mann entscheiden und auf dieses Vergnügen für immer verzichten? Nie mehr die Spannung eines ersten Dates erleben? Dieses Gefühl … nicht zu wissen, wie ein Abend enden würde – oder mit wem?

„Das wurde aber auch Zeit“, sagte sie, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. „Ich dachte schon, ich müsste …“ Die Worte blieben ihr im Hals stecken, als sie sich umgedreht hatte. Sie konnte den Mann, der vor ihr stand, nur stumm anstarren.

Atemberaubend, das war das einzige Wort, das ihr einfiel. Er hatte so ein Gesicht, das wie gemeißelt wirkte, wie eine griechische Statue.

Ihre Knie zitterten.

Er war groß, so groß, dass sie den Kopf zurücklegen musste, um ihn anzusehen. Gleichzeitig war sein Gesicht so nah, dass sie das Gefühl hatte, sich nur leicht bewegen zu müssen, um seine Lippen auf ihren zu fühlen. Seine Augenbrauen waren dunkel und gerade, sie hatten dieselbe Farbe wie sein Haar. Ein dunkler Schatten lag auf seinem Kinn, offenbar hatte er sich mindestens zwei Tage lang nicht rasiert. Seine Augen wirkten fast schwarz …

… und nahmen einen belustigten Ausdruck an. „Ihre Drinks sind fertig.“

Oh, diese Stimme, so tief und ein bisschen rau. Eine richtige Schlafzimmerstimme. Sie gab Rodolfo das Geld und wandte sich wieder dem Fremden zu. „Wollten Sie mit mir sprechen oder mit dem Mann an der Bar?“

Er musterte sie von oben bis unten. Ihr wurde heiß unter seinem Blick. „Definitiv mit Ihnen. Wie stehen meine Chancen?“

Delaneys Mundwinkel zuckten. „Sie haben meine ungeteilte Aufmerksamkeit.“ Vor allem die ihrer Hormone.

„Das ist schon mal ein Anfang. Die Welt ist klein, was?“

Er sah toll aus, aber besonders geistreich schien er nicht zu sein. „Oh, äh, Sie meinen wohl, wir sind beide Amerikaner und begegnen uns hier in Mexiko.“ Sie verzog den Mund zu einem Lächeln und zog die Schultern hoch. „Was für ein Zufall aber auch.“

Er lachte. „Nicht wahr? Ich würde das Schicksal nennen.“

„Wirklich?“

„Absolut. Was bringt Sie hierher? Urlaub?“

„Nein, ich arbeite hier.“

Er schien überrascht zu sein. „Was denn?“

„Oh.“ Sie blickte sich um. „Ich bin, äh, ich bekämpfe die Agutiplage.“

„Aguti?“

„Sie wissen schon, diese kleinen braunen Dschungeltiere, die aussehen wie Ratten auf Stelzen, nur ohne Schwänze?“

„Und die bekämpfen Sie?“

Delaney machte einen Schmollmund. „Die sind wesentlich stärker und aggressiver, als man glaubt.“

„Und das sind Sie auch, ja?“ Bevor sie merkte, was er vorhatte, hatte er schon die Hand ausgestreckt und auf ihre nackte Schulter gelegt. „Ich schätze, ich nehme mich besser in Acht.“

Es hätte nicht diese elektrisierende Wirkung auf sie haben sollen. Ein kurzes Geplänkel, ein Lächeln, eine schnelle Berührung. Mehr war es doch nicht. Ihr Herz sollte nicht so heftig pochen. Wieso stand sie hier und wusste plötzlich nicht, was sie sagen sollte? Sie, die doch immer eine schlagfertige Antwort parat hatte? Sie befeuchtete sich die Lippen.

Seine dunklen Augen schimmerten noch schwärzer. „Wissen Sie, dass Sie wunderschöne Lippen haben? Ich wette, Sie haben an der Schule Flöte gespielt.“

„Flöte?“, wiederholte sie hilflos.

„Ja, Sie haben eindeutig die Lippen dafür.“

Reiner Zufall, dass er richtig riet. „Na, wenn das kein origineller Spruch ist.“

„Das ist kein Spruch.“

„Nein? Sind Sie etwa Dirigent auf der Suche nach neuen Musikern?“

Er schüttelte den Kopf. „Ich kann mir Sie auch nicht in einem Orchester vorstellen. Eher in einer Band. Und ich wette, jedes Mal wenn Sie die Flöte an die Lippen setzen, brechen Sie einem armen Jungen das Herz.“

„Sie wetten ziemlich oft.“

Sein Lächeln wurde breiter. „Ich habe eine Glückssträhne.“ Er sah sie eindringlich an. Irgendwie lag da so ein amüsierter Ausdruck in seinem Blick – als ob er sich lustig machte über sie.

Da kam ihr ein Verdacht. „Meine Freundinnen haben Sie wohl auf mich angesetzt, was?“ Delaney stellte sich auf die Zehenspitzen und blickte zu ihrer Clique hinüber. Sie beobachteten sie interessiert, aber keine von ihnen lächelte.

„Nein“, erwiderte er. „Ich hatte keinerlei Unterstützung. Wieso?“

Die Lippen aufeinander gepresst, hob sie das Kinn. „Wer sind Sie?“

„Weißt du das wirklich nicht?“ Er lächelte breit. „Komm schon, sag bloß, du hast schon das Gedächtnis einer Dreißigjährigen.“

„Wenn Sie mir schmeicheln wollten, hätten Sie gesagt, einer Fünfundzwanzigjährigen.“

„Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich dich auf vierundzwanzig geschätzt.“

Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. „Ich glaube es nicht“, sagte sie langsam. Sie sah ihn vor sich, das gleiche Gesicht, nur jünger. Er war kleiner gewesen und sein Haar bei weitem nicht so dunkel. „Nein!“

„Was?“

„Das kann doch nicht sein.“ Entgeistert sah sie ihn an. „Ich kenne dich. Du bist Jake, oder? Jake von der South Junior High. Jake …“

„Gordon“, ergänzte er. „Hallo, Delaney.“

Dominick hatte Delaney sofort erkannt, auf den ersten Blick, und er hatte genauso intensiv reagiert wie damals. Damals war ihm noch nicht richtig klar gewesen, was in ihm vorging. Das hatte sich inzwischen geändert, oh ja. Es war schlicht und einfach sexuelles Verlangen, so primitiv und so intensiv, wie er es schon oft empfunden hatte. Allerdings nie in Verbindung mit einer solchen Überraschung.

Er hatte sie nie vergessen.

Die Frage, ob er sie ansprechen sollte, hatte er sich gar nicht gestellt. Selbst wenn er es versucht hätte, er hätte sich nicht von ihr fernhalten können. Dass sie ihn nicht erkannt hatte, machte alles noch aufregender.

„Du hast …“, sie schwenkte hilflos die Hand, „… hast dich verändert.“

Dominick warf den Kopf zurück und lachte. „Na, zum Glück. Wie lange ist es her, fünfzehn Jahre?“

„Sechzehn“, verbesserte sie ihn.

Sie benutzte ein anderes Parfum als damals. Damals war es ein leichter, verspielter Duft gewesen, jetzt einer, der ihn an verrauchte Jazzclubs erinnerte, an kehliges Lachen und Saxophonklänge.

„Was machst du hier?“, fragte sie.

Er zuckte die Schultern. „Urlaub machen. Tauchen.“

„Fünfzehn Jahre vergehen, und …“

„Sechzehn“, korrigierte er.

„Sechzehn. Und wo lebst du?“

„In Long Beach, mehr oder weniger.“

„Einmal Surfer, immer Surfer, was? Ich wohne in West L.A.“

„Ich dachte, du kämpfst hier gegen die Agutiplage.“

„Das ist mein Nebenjob“, erwiderte sie schlagfertig. „Sechzehn Jahre. Ich habe dich nie mehr gesehen, nachdem du auf die Privatschule gewechselt bist, weder in Anaheim noch in L.A. Jetzt betrete ich eine schummerige Bar in einer mexikanischen Kleinstadt, und plötzlich stehst du vor mir.“

Amüsiert sah er sie an. „Wie ich schon sagte, die Welt ist klein.“

„Tja.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust und musterte ihn von oben bis unten. „Du siehst gut aus.“

„Du auch.“ Delaney, und doch nicht Delaney. Ihr Gesicht war nicht mehr so pausbäckig, ihr Haar kürzer als je zuvor. Aber es glänzte so seidig, dass er es am liebsten berührt hätte. Er hatte sie angesprochen, weil er sie als Mädchen gekannt hatte. Jetzt war sie eine Frau, und das änderte alles. „Ich finde, wir sollten uns eine ruhige Ecke suchen, wo wir reden können.“

Sie lachte, als ob sie genau wüsste, was er dachte. „So, findest du? Weißt du, was ich finde? Ich finde, wir sollten …“

„Wo bleiben unsere Drinks?“

Dominick drehte sich um. Eine der Frauen, mit denen Delaney in die Bar gekommen war, hatte sich dicht neben ihre Freundin gestellt. Sie wollte wohl die Drinks abholen, vielleicht aber auch nachschauen, mit wem Delaney gerade flirtete. Immer passten sie aufeinander auf – und immer waren sie von unersättlicher Neugier getrieben.

„Entschuldigung“, sagte Cilla und griff an Delaney vorbei, um ein paar der Cocktailgläser vom Tresen zu nehmen. „Ich bin Cilla.“

„Dominick“, erwiderte er, ohne nachzudenken.

Delaney, die drei gefüllte Cocktailgläser gerade zu halten versuchte, sah ihn scharf an. „Dominick?“

Er nickte. „Kann ich euch helfen?“

„Oh ja, gern“, sagte Cilla.

Die restlichen Gläser in Händen, folgte er den beiden Frauen.

Delaney warf ihm einen fragenden Blick zu, als sie sich einen Weg durch die Menge bahnten. „Seit wann nennst du dich Dominick?“

„So heiße ich schon immer. Jake war nur ein Spitzname, den mein Vater mir gegeben hat, weil ich als Kind so von dem Ringkämpfer geschwärmt habe.“

„Jake the Snake.“

„Bingo. Als ich dann aufs St.-Joseph’s-College wechselte, fand ich es an der Zeit, diesen Spitznamen abzulegen.“

„Und nicht nur den“, fügte sie trocken hinzu.

Prüfend sah er sie an. Ihre Stimme klang weniger verletzt als herausfordernd. Aber Delaney hatte ihn schon immer gern provoziert. Der Abend versprach interessant zu werden.

„Möchtest du dich zu uns setzen?“, fragte sie, als sie an ihrem Tisch ankamen.

Er wollte viel mehr als das. Er wollte mit ihr allein sein. Er erinnerte sich genau, wie es war, sie zu küssen. Jetzt konnte er den Blick gar nicht von ihrem Mund lösen und stellte sich vor, es wieder zu tun. Aber er war nicht mehr vierzehn, und küssen würde ihm nicht genügen. Bei weitem nicht.

Vorerst allerdings … „Ich bin mit einem Freund hier. Ich hole ihn, dann kannst du uns beide vorstellen.“

Um wenigstens ein bisschen von dem auszudrücken, was er empfand, beugte er sich vor und streifte Delaneys Lippen mit seinen, bevor er sich umdrehte und zu Eric zurückging.

„Er ist umwerfend“, rief Kelly. „Ich kann nicht glauben, dass du nur eine Bar zu betreten brauchst, damit ein Mann wie dieser dir in den Schoß fällt. Wenn ich nicht so glücklich wäre, wäre ich neidisch.“

„Wo ist er hingegangen?“, wollte Paige wissen.

Delaney konnte nicht sofort antworten. Ihre Lippen prickelten immer noch. Es war kein richtiger Kuss gewesen, ja kaum eine Berührung. Warum also klopfte ihr Herz so verrückt?

Und warum glaubte sie, seine warmen Lippen immer noch auf ihren zu spüren?

„Hallo! Erde an Delaney“, sagte Paige.

„Er holt seinen Freund“, erwiderte sie. „Übrigens war das Jake.“

Cilla sah sie verständnislos an. „Er sagte doch, sein Name sei Dominick.“

„Er ist es“, beharrte Delaney. „Jake, mein Freund aus der achten Klasse.“

„Etwa der, in den du nicht verliebt warst?“ Ungläubig musterte Paige sie.

„Na ja, damals hat er anders ausgesehen“, verteidigte sich Delaney. „Er war kleiner, sehr viel kleiner. Und dicker. Und er hatte keinen Schnurrbart.“

„Mit vierzehn? Wen wundert’s.“

„Und sein Haar war viel heller, außerdem hatte er nicht diese …“ Sie deutete auf ihre Schultern. Und woher hatte er diese Stimme? Diese raue, sexy Stimme, die in ihr den Wunsch auslöste, sich schnurrend an ihn zu schmiegen wie eine Katze? Sie hob ihr Glas und trank. „Ich kann immer noch nicht fassen, dass er es ist.“

Aber er war es. Tief im Innersten wusste sie, dass er es war, denn sie empfand dasselbe wie damals, die gleiche Sehnsucht. Damals hatte er Schluss mit ihr gemacht und hatte die Schule gewechselt. Und jetzt, dreitausend Meilen von ihrer beider Zuhause entfernt, waren sie einander wiederbegegnet. Sechzehn Jahre danach hatte sie noch einmal eine Chance. Eine Chance, ihn auszulachen, es ihm heimzuzahlen und ihn um den Verstand zu bringen.

Und ihn dann stehen zu lassen.

2. KAPITEL

Delaney blickte Jake und Eric strahlend entgegen. Dann drehte sie sich zu ihren Freundinnen um. „Also, Leute, hier ist jemand, den ich von der Junior-Highschool kenne. Jake …“

„Dominick“, verbesserte er.

„Richtig. Dominick Gordon.“ Sie lächelte boshaft. „Ich finde immer noch, dass Jake the Snake besser zu dir passt.“

Der Mann, der neben ihm stand, prustete vor Lachen. „Jake the Snake?“

„Ein alter Spitzname“, brummte Dominick. „Das ist übrigens Eric Novak, zeitweise mein Freund.“

„Hallo, Eric. Ich bin Delaney“, stellte sie sich vor. „Und das sind meine Freundinnen vom College: Sabrina, Cilla, Paige, Thea, Trish und Kelly. Hoffentlich hast du gut aufgepasst“, fügte sie hinzu.

Eric strahlte, als könnte er sein Glück nicht fassen. „Freut mich, euch kennenzulernen.“

„Auf neue Freundschaften.“ Delaney hob ihr Glas.

„Und auf alte“, fügte Dominick hinzu. Sie stießen an und tranken.

Eric stellte sein Glas ab und sah Thea an. „Sie haben mal als Model gearbeitet, oder?“, platzte er heraus.

Betreten schwiegen die Freundinnen. Keine von ihnen wusste so recht, was Thea in New York erlebt hatte. Aber es war klar, dass sie ungern daran erinnert wurde. Delaney fragte sich, wie sie wohl reagieren würde.

Unfassbar. Thea lächelte.

Das musste an Brady liegen, dem Mann, Theas neue Liebe. Dieser Mann schien ihr gutzutun.

„Das ist Jahre her“, erwiderte Thea ruhig. „Jetzt arbeite ich als Tanzlehrerin.“

„Und du lebst mit dem besten Bierbrauer im Nordwesten zusammen“, fügte Delaney hinzu, der Erics schmachtender Blick nicht entgangen war.

Eric schloss kurz die Augen. „Das Krachen, das ihr da hört, ist mein zerschmettertes Herz“, erklärte er. „Trotzdem danke.“

„Die Wahrheit tut manchmal weh.“

„Wie konnten Sie nur?“, fragte er Thea. „Warum haben Sie nicht auf mich gewartet?“

„Tut mir leid“, sagte Thea. „Schlechte Planung meinerseits.“

„Und ein Exemplar des Kalenders von Sport Illustrated haben Sie auch nicht dabei?“

Sie hob die Schultern und drehte die Handflächen nach oben. „Sind gerade ausgegangen.“

Betrübt betrachtete Eric die Hände der Frauen, die alle einen Ring trugen. „Ich nehme an, keine von Ihnen ist noch Single?“

„Delaney ist die Einzige“, sagte Kelly und lächelte dann sehr vielsagend.

„Und so wird es auch bleiben“, fügte Delaney energisch hinzu. „Wie ist es mit dir, Jake the Snake?“

„Bis jetzt bin ich dem Lasso ausgewichen“, erwiderte er.

„Aha. Und was tust du, wenn du nicht gerade dem Lasso ausweichst? Oder ist das ein Fulltime-Job?“

„Och, ich …“

„Er besitzt eine Autowerkstatt“, erklärte Eric.

Delaney lächelte. „Du hast also den Betrieb deines Vaters übernommen?“

„Falls du einen Reifenwechsel brauchst, wende dich vertrauensvoll an Dominick.“

„Ich werde darauf zurückkommen.“ Ihre Augen funkelten. „Weißt du noch, wie uns dein Vater erwischt hat, als wir mit dem Aufzug rauf- und runtergefahren sind?“

Dominick schnitt eine Grimasse. „Wer könnte das vergessen.“

„Gib zu, dass es Spaß gemacht hat. Wie geht es übrigens deiner Familie?“

Er zuckte die Schultern. „Nun ja, meiner Mutter geht’s gut. Sie arbeitet immer noch als Lehrerin.“

„Und die Zwillinge? Sie waren damals noch Babys.“

„In ein paar Wochen gehen sie aufs College.“

Schockiert sah sie ihn an. „Aufs College?“, wiederholte sie. „Das ist unglaublich.“

„Wem sagst du das?“

„Und dein Vater?“

Dominick schwieg einen Moment. „Wir haben ihn vor fünf Jahren verloren. Zungenkrebs.“ Er lächelte gequält. „Er konnte einfach nicht von seinen Zigarren lassen.“

Es war offensichtlich, wie schwer ihm das Lächeln fiel. „Oh, Jake, ich …“ Sie brach ab. „Ich meine, Dominick. Es ist schwer, sich daran zu gewöhnen.

„Macht nichts. Vater hat mich bis zum Schluss Jake genannt.“

„Es tut mir leid“, sagte Delaney. „Er war ein toller Mann. Er hat mich immer zum Lachen gebracht.“

Dominick lächelte. „Er hat dich immer gemocht. Hat mir die Hölle heiß gemacht, als wir uns getrennt hatten.“

„Gut so.“ Tadelnd sah sie ihn an.

„Bist du mir immer noch böse?“, fragte er.

„Na klar. Du hast immer noch mein T-Shirt mit dem Bild von den ‚Smashing Pumpkins‘.“

„Tatsächlich?“ Er blickte angelegentlich in sein Glas.

„Es war ein Sammlerstück.“

„Betonung auf ‚war‘.“

Delaney kniff die Augen zusammen. „Was soll das heißen?“

„Du kannst es wiederhaben, wenn du willst.“ Er räusperte sich. „Teilweise jedenfalls.“

„Teilweise?“, wiederholte sie drohend.

„Es ist mir nach einer Weile zu klein geworden. Da habe ich es zum Polieren benutzt.“

Hörbar stieß Delaney den Atem aus. „Ich habe dieses T-Shirt geliebt. Du hättest es zurückschicken können. Meine Eltern sind erst vor ein paar Jahren weggezogen.“

„Könnte sein, dass es dir auch nicht mehr passt.“ Er musterte sie. „Aber es wäre bestimmt interessant, das zu überprüfen.“

Da er sie voller Begehren ansah, verschlug es ihr einen Moment lang die Sprache. „Hm. Jedenfalls schuldest du mir etwas.“

„Vielleicht einen Drink?“, schlug er vor.

„Eher einen Gutschein für einen kostenlosen Reifenwechsel, unbegrenzt gültig.“ Er hatte sehr geschickte Hände, nicht nur beim Reifenwechseln.

„Kein Problem.“

„Ich nehme dich beim Wort, mein Lieber. Schließlich hast du mir damals das Herz gebrochen. Wenn ich nicht heulend auf dem Bett gelegen habe, bin ich mit einer Weltuntergangsmiene herumgelaufen und habe alle verrückt gemacht.“

„Wie lange?“

„Oh, fast eine ganze Woche. Jeff Doane hat mir in der Not beigestanden“, fügte sie noch boshaft hinzu.

„Also, das tut jetzt wirklich weh. Du hast mir nie erzählt, dass zwischen dir und Jeff Doane etwas war.“

„Du hast mich nie gefragt“, gab sie zurück. „Außerdem hast du mich ja verlassen. Ich weiß gar nicht, wieso ich überhaupt noch mit dir rede.“

„Ich bin zu allem bereit.“

Seine dunklen Augen schienen zu glühen. Delaney hielt die Luft an. Sie hatte ihn damals stundenlang geküsst, auf der Tribüne neben dem Schulhof oder hinter der Werkstatt seines Vaters. Es war wie eine Offenbarung gewesen, dieser erste Kuss, der sanfte Druck seiner Lippen, sein heißer Atem. Sie war ganz verrückt gewesen nach seinem Mund. Es war so erregend gewesen, auch wenn weder er noch sie genau gewusst hatten, wohin das alles führen würde. Seitdem hatte sie immer wieder von ihm geträumt, und davon, was sie alles miteinander hätten tun können.

Jetzt könnten sie es tun.

„Tja, hm.“ Verzweifelt suchte sie nach Worten. Die Band stimmte gerade ein neues Lied an, eine eigenwillige Version von „Livin’ la Vida Loca“.

„Lass uns tanzen.“ Delaney sprang auf. Ihr ging es nicht darum, Dominick auszuweichen. Sie brauchte einfach Zeit. Er sollte nicht noch einmal versuchen, sie mit einem Kuss zu verwirren. Nicht, solange sie nicht bereit dazu war. Und seinen Blicken nach zu schließen, schien er sich von ihr weit mehr zu wünschen als nur Küsse.

Sie hatte nichts dagegen, wenigstens theoretisch. Sex mit ihm wäre bestimmt nicht schlecht – um nicht zu sagen fantastisch –, allerdings nur solange sie die Situation kontrollierte. Wenigstens ein bisschen musste sie ihn bestrafen. Er sollte sich bloß nicht einbilden, ein Lächeln würde genügen, nachdem er sie vor sechzehn Jahren einfach so abserviert hatte. Ohne Fleiß kein Preis.

Sie ging zur Tanzfläche, ohne sich nach ihm umzuschauen.

Es war so voll, dass sie gezwungen waren, ziemlich eng zu tanzen. Trotzdem hatte Delaney noch genug Bewegungsfreiheit. Und sie konnte gut tanzen. Wenn ihr erst mal der Rhythmus in die Beine ging, dann war Tanzen fast so gut wie Sex.

Es war ganz anders als das wilde Herumhüpfen an der Highschool. Delaney war kein Kind mehr, und sie tanzte auch nicht mehr wie früher. Sie ließ die Hüften kreisen und wiegte sich zum Takt der Musik wie eine Frau.

Er stellte sich vor, wie sie sich vor ihm ausziehen, das eng anliegende Kleid langsam höher schieben würde, bis zur Taille, dann über die Brüste und schließlich über den Kopf. Dann würde sie es zur Seite werfen und zu ihm kommen, nackt. Ihre Haut würde golden schimmern. All das suggerierte sie mit ihren Bewegungen: Hemmungslosigkeit, Erregung, Verlangen.

Verlangen.

Er fühlte den Rhythmus mehr, als dass er ihn hörte. Der ganze Raum schien zu vibrieren. Delaney legte die Hände auf seine Schultern, ohne eine Sekunde ihren Tanz zu unterbrechen. Sie bewegten sich synchron, so, als wären sie ein Körper.

So, als hätten sie Sex.

Delaneys Augen erschienen ihm noch größer, und irgendwie dunkler, ihr Blick war herausfordernd. Sie ließ die Hände durch sein Haar gleiten. Er fühlte sich wie elektrisiert. Ihre Bewegungen waren so sexy. Er stellte sich vor, wie sie sich auf ihm bewegen würde. Langsam und ohne ihren Blick von seinem zu lösen, ließ sie die Hände abwärts gleiten. Ihre Hüften stießen gegen seine, ihre Lippen berührten fast seine. Er spürte ihre Hände auf seiner Brust. Eine Hand schob sich unter seinen Kragen.

Mit jeder Sekunde wurde er erregter. Sie fühlte sich so gut an, duftete so gut. Unwillkürlich legte er die Hände auf ihre Hüften. Er musste sie berühren, oder er würde den Verstand verlieren. Es war alles zu viel, dieser Rhythmus, Delaneys Bewegungen, wie sie ihn ansah. Dominick war so damit beschäftigt, sich unter Kontrolle zu halten, dass er kaum bemerkte, was sie mit ihren Händen anstellte. Delaney berührte einen Knopf an seinem Hemd, dann noch einen.

„Es ist ziemlich warm hier, nicht?“, flüsterte sie ihm ins Ohr.

Er zuckte zusammen, als sie die Hände unter sein Hemd schob. Dann bemerkte er das triumphierende Funkeln in ihren Augen. Hilflos ließ er geschehen, dass sie über seine nackte Brust strich. Er wünschte, er wäre weit weg von all diesen Menschen, allein mit ihr …

Als sie die Finger an den nächsten Knopf legte, hielt Dominick ihr Handgelenk fest. „Das reicht“, sagte er heiser.

Sie lachte heiser. „Oh, ich glaube nicht. Das ist erst der Anfang.“

„Dann lass uns rausgehen.“

„Was denn? Ist es dir hier zu unangenehm? Komm schon, Jake, es wird dir gefallen. Bleib hier und tanz mit mir.“ Sie ließ die andere Hand unter sein Hemd gleiten und beugte sich vor, bis ihre Lippen seine beinah streiften. „Trau dich.“

So hatten sie sich damals gegenseitig angestachelt.

Trau dich.

„Draußen.“ Er drehte sich um und zog sie von der Tanzfläche.

Fackeln warfen spärlich Licht auf den angrenzenden Strand. Delaneys und Dominicks Schatten tanzten im Sand. Hier waren die Musik und das Stimmengewirr aus der Bar nur schwach zu hören. Der Mond spiegelte sich im Ozean. Es war fast windstill und vollkommen ruhig. Die wenigen Paare, die sich außer ihnen hier aufhielten, waren mit sich selbst beschäftigt.

„Was soll das?“, fragte Delaney, als Dominick sie endlich losließ. Sie hatte laufen müssen, um mit ihm Schritt zu halten, nachdem er wortlos mit ihr hinausgeeilt war. Vorerst hatte sie nicht protestiert, sondern war ihm einfach gefolgt. Jetzt stieg eine heiße Wut in ihr auf, auf ihn und auf sich.

Weil Delaney wusste, dass sie ihrer Erregung und ihrem Verlangen ausgeliefert war.

„Ich wollte weitertanzen“, sagte sie.

„Du hast nicht mehr getanzt.“

„Nein? Was denn sonst?“

„Du weißt genau, was du getan hast.“ Er sah sie fest an. „Ich habe keine Lust, mich auf der Tanzfläche zum Idioten zu machen.“

„Wie kannst du so etwas sagen, mein Schatz? Du tanzt doch sehr gut.“

„Ich rede nicht vom Tanzen, und das weißt du genau. Was immer zwischen uns passiert, geht nur uns etwas an“, erklärte er und musterte sie glutvoll. „Und ich möchte mich dabei konzentrieren können.“

Er war sowohl wütend als auch erregt, und das wiederum steigerte ihre Sehnsucht. Trotzdem entgegnete Delaney kühl: „Wie kommst du darauf, dass irgendetwas passieren könnte? Kann es sein, dass du dir da etwas einbildest, Mr. Neandertaler?“ Delaney versuchte, an ihm vorbei in die Bar zurückgehen.

Aber er fing sie ab und drückte sie mit dem Rücken gegen den Stamm einer Palme. „Ach, meinst du?“ Sein Atem strich über ihre Lippen, während er sich vorbeugte. Ihre Körper berührten sich leicht.

Sofort wurde ihr heiß zwischen den Oberschenkeln. Dominicks Hemd stand immer noch offen, seine Haut schimmerte im Schein der Fackeln kupferbraun. Mit dem schwarzen Bartschatten, den dunklen Augen und dem halb zerzausten Haar wirkte er fast ein wenig gefährlich, auf jeden Fall sehr entschlossen.

Delaney befeuchtete sich die Lippen. „Lass mich los.“

„Willst du das wirklich?“ Sanft strich er mit der Fingerspitze über ihr Schlüsselbein. „Auf der Tanzfläche hatte ich einen ganz anderen Eindruck.“

Ein wohliger Schauer durchrieselte ihren Körper. Seit sie Dominick in der Bar gesehen hatte, war sie von seinem Mund fasziniert und stellte sich vor, wie er sich anfühlen würde.

Sie begehrte ihn.

Unablässig ruhte sein Blick auf ihr. Ihr Herz pochte, als ob sie gerannt wäre, als ob dieses Herz plötzlich zu groß für ihren Körper geworden wäre. Sie atmete schwer und nahm nichts mehr wahr außer Dominick. Sie war wie hypnotisiert von seinem Blick. Wie von selbst öffneten sich ihre Lippen.

Zu schnell, dachte sie und wich mit dem Kopf zurück. Es geht viel zu schnell … Sie war völlig verwirrt. Erst hatte sie einfach einem spontanen Impuls nachgegeben, und nun war plötzlich aus dem Spaß Ernst geworden.

Sie brauchte mehr Zeit.

„Nein“, flüsterte sie.

Herausfordernd lächelte er. „Willst du es nicht wissen? Wie es wäre, nach all der Zeit? Oh, doch das willst du wissen.“ Sein Blick drang bis in ihr Innerstes. „Komm schon, Delaney“, flüsterte er. „Küss mich. Trau dich.“

Mit einem lautlosen Fluch gab sie nach.

Ihr erster Gedanke war, dass es ganz anders war, ganz anders als damals. Dominick war damals immer sehr behutsam und vorsichtig gewesen. Jetzt küsste er sie stürmisch, sodass es ihr den Atem nahm.

Und sie erwiderte den Kuss mit der gleichen Leidenschaft.

Ah, sie begehrte ihn so sehr. Eher Verlangen als Hingabe ließ sie die Lippen öffnen. Eine Berührung war nicht genug, Delaney wollte mehr. Erregt stöhnte sie auf, als Dominicks Zunge ihre berührte. Aber bevor sie sich auch nur annähernd zufriedengeben konnte, zog er sich zurück und knabberte spielerisch an ihrer Unterlippe.

Es war wie früher, und doch nicht. Als sie sich das letzte Mal geküsst hatten, war Dominick fast noch ein Junge gewesen. Jetzt stand sie vor einem erwachsenen Mann, und seine Bartstoppeln kitzelten sie an der Wange.

Und seine Leidenschaft erregte sie.

Seine starken Hände und Arme erregten sie. Sein Körper erregte sie. Er war so muskulös. Auch wenn er eher drahtig wirkte, war er stark. Sie genoss es, das Spiel seiner Rückenmuskeln zu spüren, nachdem sie die Arme um ihn geschlungen hatte.

Sie hörten nicht auf, sich zu küssen. Zeit spielte keine Rolle mehr, nur die Berührung ihrer Lippen, der Tanz ihrer Zungen. Unglaublich, dass sie noch am Morgen nicht einmal gewusst hatte, ob Dominick überhaupt noch lebte. Und jetzt war sie wie von Sinnen, so sehr begehrte sie ihn. Am liebsten wollte sie ihn überall gleichzeitig spüren.

Als hätte er ihre Gedanken gelesen, unterbrach er den Kuss, um seine Lippen auf ihren Hals zu pressen. Sie konnte nur hilflos den Kopf gegen die Palme lehnen, während er noch einen Schritt näher trat und mit dem Mund suchend über ihren Hals strich bis zum Ausschnitt ihres Kleids.

Beim letzten Mal waren sie beide überwältigt gewesen, sie hatten nicht gewusst, was die Berührung der Lippen, ein bloßer Kuss in ihnen auslösen konnte. Genauso aufgewühlt war sie gewesen, als er seine Hand auf ihre Brust gelegt hatte. Es hatte sich so aufregend gut angefühlt, sogar durch den Stoff ihres T-Shirts.

Nur einmal hatte sie seine Finger auf der nackten Haut gespürt, nachdem er die Hand unter ihren BH geschoben hatte. Die Gefühle waren ein wenig beängstigend gewesen, deshalb war Delaney mit ihm niemals weiter gegangen. Und kurz danach hatte er die Beziehung beendet.

All die Jahre hatte sie sich immer wieder gefragt, wie es wohl gewesen wäre, wenn sie ihn damals nicht aufgehalten hätte. Aber was hätte ein vierzehnjähriger Junge schon über Sex wissen können?

Jetzt lagen die Dinge anders. Er hatte dazu gelernt und kannte alle Tricks. Küssen war nicht die interessante neue Erfahrung, sondern eine Aufforderung, ein Vorgeschmack – um den Wunsch nach mehr zu wecken.

Auch sie war kein Mädchen mehr, sie war eine Frau, die wusste, was sie wollte.

Und sie wollte ihn.

Delaney auf der Tanzfläche zu beobachten, sie zu berühren, das allein hatte ein heißes Verlangen in Dominick geweckt. Er wollte nur noch eines: erst ihren Mund in Besitz nehmen, dann ihren schlanken Körper. Als sie aufstöhnte, vertiefte er den Kuss.

Sanft nahm sie seine Unterlippe zwischen die Zähnen und biss leicht zu. Eine Sekunde lang spürte er den Schmerz, bis sie mit der Zunge über die Stelle strich. Hm, er könnte süchtig werden nach diesen geschmeidigen Lippen. Er wollte mehr.

Natürlich könnte er sich einreden, dass er eigentlich nur mit ihr hatte reden wollen. Doch das war nicht die ganze Wahrheit. Was er vom ersten Augenblick an wirklich gewollt hatte, war das: sie an sich drücken, ihre weichen Lippen berühren, ihren Mund in Besitz nehmen, sie neu entdecken, spüren, wie sie sich anfühlte, wie sie duftete. Er musste sie haben, nackt.

Jetzt.

„Ich glaube, wir sollten …“ Hörbar atmete er ein, als er merkte, dass sein Reißverschluss geöffnet wurde. „Was machst du da?“

Delaney lachte an seinen Lippen. „Ein Mann in deinem Alter sollte so eine Frage nicht stellen.“ Überrascht hielt sie die Luft an. „Hoppla, Jake the Snake, kein Slip? So ein wohlerzogener Junge wie du?“

Dass seine Erregung noch wachsen könnte, hatte er nicht gedacht. Bei der ersten Berührung ihrer Finger wurde er hart. „Hör auf“, stieß er stöhnend hervor.

„Aufhören?“, fragte sie verführerisch und streichelte ihn. „Wieso?“

Er war sicher, noch zwei Sekunden, und er würde kommen. Das durfte nicht passieren. „Erstens befinden wir uns hinter einer Bar.“

„Na und? Früher haben wir uns hinter einer Garage getroffen.“

„Aber nicht so wie jetzt.“ Wieder glitt ihre Hand warm über ihn, Dominick fluchte leise. „Es sind doch Leute hier.“

„Hier?“ Sie blickte sich um und schob die Hand noch tiefer in seine Hose. „Die sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Außerdem ist der Urlaub schließlich genau dazu da, mal ein bisschen ungezogen zu sein. Komm schon.“ Sie küsste sein Ohrläppchen und reizte es mit der Zunge. „Trau dich.“

„Hör auf!“

Unbeirrt verstärkte sie den Druck ihrer Finger. „Gefällt es dir nicht?“

Oh, und wie es ihm gefiel. Er stand kurz davor, sie in eine dunkle Ecke zu ziehen, um ihr das Kleid hochzuschieben und …

Sie schmiegte sich an ihn und ließ die Zunge aufreizend langsam an seinen Hals entlanggleiten. „Mir gefällt es“, flüsterte Delaney. „Mir gefällt es, wenn du hart wirst. Und mir gefällt es, zu wissen, dass ich der Grund dafür bin.“

So hatte sie ihn damals nie angefasst. Hätte sie es getan, wäre er bestimmt nicht zurückhaltend geblieben. Jetzt musste er seine volle Selbstbeherrschung aufbieten.

Verlangend streichelte er ihre Brüste. Als sie den Atem anhielt, lächelte er und hielt ihre Hand fest. „Ich glaube, wir tauschen jetzt besser.“ Er legte ihr eine Hand an die Taille, die andere schob er unter ihren Rock. Wieder stöhnte Delaney. Dominick schmunzelte. „Ja, ich glaube, jetzt bin ich dran.“

Erneut küsste er sie begierig. Gleichzeitig ließ er seine Hand an der Innenseite ihrer Beine aufwärts gleiten, bis unter den winzigen Slip, den sie trug. Sie war bereit für ihn, heiß und feucht. Dominick fühlte sich wie elektrisiert.

Nichts ließ sich vergleichen mit dem Begehren, das er empfand, wenn er sie so intim berührte, dass sie vor Verlangen bebte und seufzte. Es war so gut, zu wissen, dass er die Macht hatte, sie so zu erregen. Dass er sie so dicht an den Gipfel der Lust führen konnte.

Dennoch brauchte er mehr. Delaney zu berühren, war nicht genug, sich an einander zu drücken wie zwei Teenager, reichte nicht. Dominick wollte alles, er wollte sie nackt.

„Lass uns von hier weggehen“, flüsterte er. „In welchem Hotel wohnst du?“

„Aqua Blue.“

„Ich im La Hacienda. Das ist näher.“

„Das war das Zauberwort“, gab sie leise zurück.

Er küsste sie. „Nein“, sagte er, als er sich kurz von ihr löste. „‚Kondom‘ ist das Zauberwort. Ich habe welche.“

Die Bemerkung quittierte sie mit einem aufreizenden Lächeln. „Ich habe noch mehr.“

Dominicks Zimmer war dunkel, die Balkontür geschlossen. Delaney ging sofort darauf zu und stieß sie weit auf.

„Was tust du?“

„Ich möchte das Meer hören.“ Sie trat hinaus und blickte hinunter. Der Strand lag nun in völliger Dunkelheit da. Am Horizont blinkten die Lichter von Cozumel. Delaney drehte sich um und lehnte sich gegen die Brüstung, während Dominick auf sie zutrat. Schon als Teenager hatte er gut ausgesehen, jetzt war er noch viel, viel attraktiver. Sein Gesicht wirkte kantiger, als hätte ein Bildhauer alles Überflüssige weggemeißelt. Er war jetzt ein Mann, ganz und gar. Und sehr selbstsicher, das zeigte sich sogar in der Art, wie er ging.

Und im Augenblick gehörte seine Aufmerksamkeit ihr allein.

Sie erschauerte, als er vor ihr stehen blieb und ein Bein zwischen ihre Schenkel schob. Sein Hemd stand immer noch offen, und sie beobachtete fasziniert die Bewegungen seiner Muskeln. Langsam, ganz langsam zog sie mit der Fingerspitze die Linien seiner Bauchmuskeln nach. Unter der Berührung erzitterte er.

Bewusst nahm sie sich Zeit, sie wollte es genießen. Nachdem sie den letzten Knopf an seinem Hemd geöffnet hatte, schob sie es ihm von den Schultern. Ihre Hände bebten kaum merklich, als sie seine Gürtelschnalle betastete.

Kurz darauf streifte Dominick seine Jeans ab und stand nackt vor ihr. Er hatte einen umwerfend maskulinen Körper.

Ihr wurde der Mund plötzlich trocken. Wie hypnotisiert bewegte sie sich von der Balkonbrüstung weg. „Also stimmt es, was man so sagt über große Hände.“

„Warum ziehst du dich nicht aus? Es ist heiß hier draußen“, erwiderte er, ohne auf ihre Bemerkung einzugehen, und griff nach dem Saum ihres Kleids.

„Du hast recht, es ist heiß“, sagte sie schnell und setzte sich auf die Liege, die in der Ecke auf dem Balkon stand. „Und ich wette, es wird gleich noch heißer.“

Sie hatte ihn damals nie nackt gesehen, geschweige denn, berührt. Das hier war neu. Und es hatte nichts mit dem Jake zu tun, den sie als Jungen gekannt hatte. Der Mann vor ihr war Dominick. Und er war genau der, den sie wollte. Sie streckte die Arme aus und zog ihn zu sich heran. Dann schloss sie die Lippen um ihn.

Wie schön er war, groß und hart. Sie leckte über die samtene Spitze.

Dominick stöhnte auf.

Sie lächelte und wiederholte die Berührung, diesmal allerdings ein bisschen fester. Dann küsste sie ihn der ganzen Länge nach. Dominick zitterte leicht. Zufrieden neigte sie den Kopf zur Seite und nahm ihn nun in den Mund. Dabei hielt sie ihn mit einer Hand fest und strich mit der anderen über seinen Rücken und seinen Po.

Er hatte einen perfekten Po. Mm, ihr Verlangen wurde immer stärker. Sie reizte ihn mit Lippen und Zunge, während sie ihn lustvoll streichelte.

Vor Erregung stöhnte er auf. Wie war es möglich, dass auch sie immer erregter wurde, obwohl sie doch keine Lippen auf ihren Brüsten spürte, keine Hand zwischen ihren Beinen? Sie bewegte den Kopf auf und ab und setzte die sanfte Folter fort, die sie ihm mit der Hand bereitete.

Dominick stieß einen Fluch aus. Seine Finger drückten gegen ihre Schultern, sobald sie es noch einmal tat, und noch einmal. Da hielt er mit beiden Händen ihren Kopf fest. „Hör auf, sonst komme ich.“

„Tu es doch.“

„Auf keinen Fall. Es gibt noch zu viel anderes, was ich tun möchte.“ Er zog Delaney zu sich hoch. „Vor allem möchte ich dir dieses Kleid vom Leib reißen.“

In einer Bewegung zog er es ihr über den Kopf. Lachend hob sie die Arme, um es ihm zu erleichtern. „Hast du keine Angst, nackt auf dem Balkon gesehen zu werden?“

„Ist mir egal“, murmelte er rau und drückte sie auf die Liege. „Außerdem sieht dich keiner, wenn du dich brav hinlegst.“

Lächelnd gehorchte sie. Ihr Herz schlug immer schneller.

Einen Moment blieb er stehen und betrachtete sie schweigend. Sein Blick drückte totale Faszination aus. Delaneys Atem ging stoßweise. Dann begann Dominick, sie zu streicheln. Er ging nicht sehr sanft vor, als er ihr den BH auszog, aber es machte sie an, ähnlich wie zuvor, als er sie wütend aus der Bar geführt hatte. Sie mochte es ein bisschen wild. Genau so gefiel er ihr. Sie erbebte, als sie seine Zunge auf der nackten Haut spürte.

Sobald er mit der Zungenspitze über eine ihrer Brustspitzen strich, flüsterte Delaney bittend seinen Namen. Sie genoss es und wollte gleichzeitig mehr. Dann blies er sacht über die feuchte Knospe und wurde mit einem sehnsüchtigen Seufzen belohnt.

Überrascht sah Delaney ihn an. „So etwas konntest du damals noch nicht.“

Ohne zu antworten, nahm er abwechselnd eine ihre Spitzen in den Mund, saugte und leckte daran, während er ihre Brüste mit den Händen hielt. Mit jeder seiner Berührungen stieg ihre Lust. Schließlich stimulierte er eine der Brustspitzen mit den Zähnen., Eine überwältigende Erregung durchfuhr sie, so heftig wie ein Stromschlag.

Delaney zuckte zusammen und gab einen erstickten Laut von sich. „Das hast du in der achten Klasse wirklich noch nicht gekonnt“, flüsterte sie atemlos. Sie keuchte, da er wie zur Bestätigung ihre Brustspitzen noch einmal in den Mund nahm.

Dann strich er verzehrend langsam mit der Zungenspitze über ihren straffen Bauch. „Ich habe in der Zwischenzeit einiges dazu gelernt. Möchtest du eine praktische Demonstration?“

„Oh ja, mir gefiel … die Praxis schon immer besser als die Theorie.“ Um Dominicks Berührungen noch intensiver zu genießen, stützte sie sich auf die Ellenbogen.

„Mir auch.“ Er rutschte zu Delaneys Füßen und schlang die Arme um ihre gespreizten Beine. Sie spürte sein raues Kinn an der Kniekehle.

Ein überwältigendes Begehren pochte in ihr. Gleich würde er sie um den Verstand bringen – doch nein, er küsste nur ihre Oberschenkel, erst den einen, dann den anderen. Allmählich bahnte er sich einen Weg aus Küssen bis zu der Stelle, wo sie seiner Berührung am stärksten entgegenfieberte. Als er endlich dort angekommen war, spürte sie nur ganz kurz seine Zungenspitze, dann noch einmal. Delaney erschauerte vor Verlangen.

Er richtete sich auf und strich mit den Fingerspitzen um ihren empfindsamsten Punkt. Sie wusste, wo sein Blick ruhte, spürte seinen warmenAtem und dann, endlich, seinen Mund.

Ekstatisch bewegte sie den Kopf von einer Seite auf die andere. Dominick hatte dazu gelernt, oh ja, vieles, was sie damals nicht einmal geahnt hatte. Seine Berührungen waren so erregend, dass sie nicht hätte sagen können, was größer war, die berauschende Lust oder ihre Sehnsucht nach Erlösung. Schon beim Küssen ging er sehr geschickt mit seiner Zunge um, aber jetzt … Kein Vergleich! Jede Bewegung seiner Zungenspitze sandte neue heiße Schauer durch ihren ganzen Körper. Hilflos gefangen in ihrem Begehren, wand sie sich unter ihm und stöhnte auf.

Zunächst bemerkte sie kaum, wie er eine Hand unter ihren Po schob. Aber dann fand er noch mehr empfindsame Zonen, wo er sie streichelte, während er sie gleichzeitig mit Lippen und Zungen in einen Zustand reiner Verzückung versetzte.

Sie hatte nicht gewusst, dass sie den Moment kurz vor dem Höhepunkt verlängern konnte, sich immer höher tragen lassen konnte, ohne wirklich den Gipfel zu erreichen. Ihr Herz pochte wild, jeder einzelne Muskel war angespannt, jede Faser ihres Körpers war auf diesen einen Punkt konzentriert, wo Dominick sie mit Lippen und Zunge verwöhnte und langsam um den Verstand brachte. Dann drang er mit zwei Fingern in sie ein, und sie konnte es nicht länger zurückhalten. In einer gewaltigen Flut brachen sich ihre Gefühle Bahn. Keuchend seufzte sie auf und erbebte auf dem Höhepunkt.

Dennoch hörte er nicht auf. Während sie ekstatisch erschauerte, küsste er sie immer wieder, ohne Unterlass. Und, sie konnte es kaum fassen, anstatt langsam abzuklingen, loderte die Lust erneut in ihr auf. Wieder erreichte sie den Gipfel, und diesmal war es noch intensiver. Sie schrie auf und ließ sich zitternd an Dominicks Schulter sinken.

Irgendwann begann sie, leise zu lachen.

Dominick hob den Kopf. „Du lachst? Du solltest mir jetzt eigentlich vorschwärmen und mir sagen, dass diese Erfahrung dein Leben für immer verändern wird.“

„Oh, das wird sie. Bestimmt“, versicherte sie. „Aber wir sollten jetzt lieber hineingehen, bevor noch jemand wegen uns die policia ruft.“

„Wenn, dann wahrscheinlich sogar die Kripo, weil jemand denkt, hier wäre jemand umgebracht worden.“

„Man nennt es wohl nicht umsonst den kleinen Tod.“ Mühsam richtete sie sich auf. Ihre Beine schienen mit einem Mal sehr schwach zu sein. „Allerdings bin ich sonst nie so laut.“

Dominick half ihr auf und schob sie durch die Tür ins Zimmer. „Das kaufe ich dir nicht ab. Ich wette, du machst immer alle möglichen Geräusche.“ Lachend packte er sie von hinten und warf sie aufs Bett, sodass sie kreischte. „So zum Beispiel.“

Sie sah ihn an und lächelte vielsagend. „Gib mir einen Grund, Geräusche zu machen, dann wirst du schon sehen.“

Das ließ er sich nicht zweimal sagen.

Unglaublich, wie schnell sie von heißer Leidenschaft zu fröhlichem Gelächter und wieder zurück fanden. Wieder spürte Delaney seine heißen Lippen auf ihrem Körper, und seine Hände auf ihren Brüsten. Als sie die Hand nach unten ausstreckte, stellte sie fest, dass seine Erregung nicht im Mindesten nachgelassen hatte, im Gegenteil.

„Ich hoffe, dass du das mit den Kondomen vorhin ernst gemeint hast“, sagte Dominick heiser.

„Sie sind in meiner Tasche, auf dem Nachttisch.“

Er reichte ihr die Tasche. Mit bebenden Fingern kramte sie ein Kondom hervor und riss die Folie auf. „Dreh dich auf den Rücken“, forderte sie Dominick auf.

„Warte, ich möchte …“

„Tu, was ich sage.“ Schon drückte sie seine Schulter nach unten.

Dominick konnte sich nicht erinnern, in seinem ganzen Leben jemals so erregt gewesen zu sein. Es tat beinah weh. Das Verlangen, in Delaney einzudringen und sich in ihr zu verlieren, war so stark, dass es schmerzte. Ungeduldig wartete er darauf, dass sie ihm das Kondom überstreifte.

Aber er spürte nur ihre Zunge. Mühsam beherrscht, presste er die Hände auf die Decke und ballte sie zu Fäusten. „Ich will … in dir sein“, forderte er heiser. Dann erst merkte er, dass sie ihm das Kondom mit dem Mund überstreifte. Unter den Berührungen ihrer Zunge erschauerte er. Er presste die Zähen aufeinander. „Du willst mich wirklich um den Verstand bringen, was?“

Sie lächelte nur geheimnisvoll, dann streichelte sie ihn mit der Hand.

Dominick war nicht sicher, wie lange er die süße Folter aushalten würde.

Endlich setzte Delaney sich mit gespreizten Beinen rittlings auf ihn. „Wie war das noch? Du wolltest in mir sein?“, fragte sie herausfordernd.

Da legte er die Hände an ihre Hüfte, schob Delaney energisch aufs Bett und legte sich auf sie. Sie sah aus wie eine Sexgöttin, ihre Augen groß und dunkel, ihre Lippen feucht und geschwollen vom Küssen. Ein wissendes Lächeln schenkte sie ihm, dann nahm sie ihn in die Hand und führte ihn.

Endlich war es so weit. Das Flirten, die Zärtlichkeiten, alles hatte nur auf diesen Augenblick abgezielt. Endlich gab es absolut keine Barriere mehr zwischen ihnen.

Er bewegte kurz die Hüften, und endlich waren sie vereint. Lustvoll stöhnten sie auf.

„Ist es gut so?“ Er zitterte vor Anspannung, während er sich zwang, abzuwarten.

„Oh ja“, erwiderte sie außer Atem.

Allmählich verfiel er in einen sinnlichen Rhythmus, immer noch zitternd, weil er die Selbstkontrolle nicht aufgab.

„Oh, das ist besser als gut, das ist wundervoll“, keuchte sie. „Und es wird bestimmt noch besser, wenn du erst richtig loslegst.“

„Aber das habe ich schon.“

„Nein, bis jetzt versuchst du, vorsichtig zu sein und nicht zu schnell.“

„Ich will dir nicht wehtun.“

„Glaub mir, das tust du nicht.“

Langsam wurden seine Stöße kräftiger und tiefer. Damals vor sechzehn Jahren hatte er sich vorzustellen versucht, wie es wohl sein mochte. Er hatte sich ausgemalt, wie es sich anfühlen würde, in sie einzudringen, wie sie sich anfühlen würde, so weich, feucht und heiß.

Er hatte ja keine Ahnung gehabt. Nichts war auch nur annähernd so gut wie die Wirklichkeit. Schlank, schön und stark, schlang sie die Beine um seine Taille und beantwortete seine Stöße mit derselben leidenschaftlichen Intensität. Mit jedem Mal fühlte es sich besser an, seine Lust stieg und stieg. Er musste seine volle Willenskraft anstrengen, um sich unter Kontrolle zu halten.

„Komm schon“, flüsterte sie und schlang die Arme noch fester um seinen Rücken. „Lass dich gehen, lass endlich los. Oh ja, genau so.“

Kurz darauf spürte er ihre Fingernägel an seinem Rücken. Da fielen die letzten Schranken, und sein Tempo trieb sie beide unaufhaltsam in einen sinnlichen Sog.

Die entfesselte Lust wurde zur süßen Qual, und diese Qual wurde wieder zu stürmischer Lust. Delaney glaubte, es nicht mehr zu ertragen oder nicht zu ertragen, wenn es zu Ende wäre. Noch nie hatte sie eine solche Ekstase erlebte. Aufstöhnend klammerte sie sich an Dominicks Schultern, die feucht von Schweiß waren. Sie wusste, dass sie einem Augenblick der Erfüllung entgegentrieb, wie sie ihn nie zuvor erlebt hatte.

Als sie den Kopf zurückwarf und die Augen öffnete, begegnete sie Dominicks Blick. Seine Augen schienen zu glühen, seine Züge waren angespannt. „Komm, gib es mir“, forderte er sie heiser auf und drang noch einmal tief in sie ein.

Plötzlich passierte es. Ihr Höhepunkt war so intensiv, dass sie das Gefühl hatte, ihr Körper würde sich auflösen, ihr Inneres sich verflüssigen. Jemand schrie, das war sie selbst.

Mit ein paar weiteren Stößen fand auch Dominick eine nie zuvor erlebte Erfüllung.

Delaney wachte auf, als die ersten Sonnenstrahlen durch die Jalousien drangen, die sie vergessen hatten zu schließen. Gegen vier Uhr morgens waren sie eingeschlafen, wie sie sich vage erinnerte. Vor Erschöpfung – nicht etwa, weil sie keine Lust mehr gehabt hätten. Kein Wunder, dass ihr keine Nebensächlichkeiten wie die Jalousien in den Sinn gekommen waren. Sie setzte sich auf, jeder einzelne Muskel ihres Körpers protestierte.

Dominick wachte ebenfalls auf. „Hallo.“ Er küsste sie auf die Nase.

Stöhnend wandte sie sich ihm zu. „Bist du dafür verantwortlich, dass mein Körper sich anfühlt, als ob jemand mit der Dampfwalze darübergefahren wäre?“

Er lächelte breit. „Ich glaube, mich zu erinnern, dass jemand zu mir gesagt hat, ich soll nicht so vorsichtig sein.“

„Du hättest ja nicht unbedingt gehorchen müssen.“ Genüsslich wie eine gesättigte Katze dehnte und streckte sie sich. „Na schön, es war die Sache wert, auch wenn ich für den Rest meines Lebens gelähmt bin.“

Mit einer Hand strich er über ihren Oberkörper. Sie erschauerte wohlig, als er ihre nackte Brust berührte. „Ich denke, du wirst es überleben.“ Dann beugte er sich vor und umschloss eine Brustspitze mit den Lippen. „Wir müssen dich einfach … in die Dusche schaffen, zusammen mit jemandem, der mit heißem Wasser und einem Stück Seife umgehen kann.“

„Zum Beispiel mit dir, meinst du wohl?“

„Warum kommst du nicht einfach mit, um es herauszufinden?“

Er stand auf und ging mit ihr ins Badezimmer. Dort drehte er den Wasserhahn auf.

„Heiß“, sagte Delaney. „So heiß wie möglich.“

„Ich glaube nicht, dass es das hier gibt. Heißes Wasser ist hier nicht sehr populär.“ Dominick griff zur Seife, während Delaney sich dankbar unter den warmen Wasserstrahl stellte. „Und jetzt zu deinen überanstrengten Muskeln“, flüsterte er.

Im nächsten Moment spürte sie seine Finger zwischen ihren Beinen.

Warmes Wasser ist doch etwas Wunderbares. Jedenfalls war Dominick sehr zufrieden, als sie das Badezimmer verließen.

Delaney lag nackt auf dem Bett: „Hm, ich fühl mich fast wieder wie ein Mensch. Stell dir vor, sie würden damit Werbung machen: ‚Zehn Tage, zehn Nächte, unvergesslicher Sex garantiert‘.“ Sie gähnte. „Das heißt also, ich habe noch wie viele Nächte? Sieben?“

„Nicht ganz.“

„Sechs?“

„Eher zwei. Und eine halbe“, erklärte er bedauernd. „Ich fliege am Sonntag zurück.“

„Sechzehn Jahre wartest du ab, bevor du mir die besten Orgasmen meines Lebens bescherst, und dann verschwindest du gleich wieder? Du darfst unmöglich wieder derjenige sein, der zuerst geht.“ Theatralisch verzog sie die Lippen zu einem Schmollmund. Dominick hatte allerdings den Eindruck, dass sie es nicht nur scherzhaft meinte.

Er selbst war keineswegs glücklich über diese Situation. „Ich habe keine Wahl. Ich bin schon eine ganze Woche hier. Du hättest früher kommen sollen.“

Delaney drehte sich auf den Bauch. „Besser spät als nie.“

„Besser als fast alles, was mir dazu einfällt.“ Dominick setzte sich zu ihr und ließ die Hand über ihren Rücken und über die Wölbung ihres Pos gleiten. „Wie viele Kondome hast du noch?“

„In meinem Hotelzimmer sind noch welche.“ Sie sah ihn herausfordernd an. „Möchtest du mitkommen und danach suchen?“

„Vielleicht. Was hast du heute vor? Vielleicht verbringen wir den Tag zusammen?“ Er würde alles tun, um mit ihr zusammen zu sein. Okay, alles außer Shopping.

„Ich wollte am Strand rumhängen, Cocktails trinken und vielleicht Merengue lernen. Was schlägst du vor?“

Weil er nicht anders konnte, drückte er einen feuchten Kuss auf ihren nackten Po. „Du meinst, abgesehen von …?“

„Ja, abgesehen davon.“

Lächelnd ging er ums Bett herum, bis er am Fußende angekommen war, und schob langsam ihre Beine auseinander. „Lass mich nachdenken.“ Zärtlich leckte er die Innenseite ihres Oberschenkels und beobachtete fasziniert, wie sie eine Gänsehaut bekam. „Eric geht heute wieder tauchen, und ich wollte mir eigentlich Tulúm anschauen. Du könntest ja mitkommen.“

„Tulúm? Du meinst die Maya-Ruinen?“

Spielerisch schob er die Nase zwischen ihre Schenkel. „Es gibt dort eine Pyramide. Nicht so groß wie die in Chichén Itzá, aber direkt am Strand. Wir könnten uns ein Auto mieten.“

Delaney rutschte ein Stück von ihm weg. „Nur wenn ich fahre.“

„Hm, warum macht mich dieser Gedanke nervös?“

Lächelnd streifte sie sich ihr Kleid über. „Keine Ahnung. Ich habe einen sehr gemäßigten Fahrstil, ich werde …“

Hastig nahm Dominick sie in die Arme und verschloss ihre Lippen mit seinen. „Ich glaube nicht, dass du jemals bei irgendetwas gemäßigt bist. Das gehört zu den Dingen, die ich an dir mag.“

„Oh, wirklich“, sagte sie lachend. „Erzähl mir von diesen Dingen.“

„Zum Beispiel, dass du unter diesem Kleid absolut nichts anhast?“

„Damit du etwas zum Nachdenken hast, wenn wir zu meinem Hotel fahren. Was noch?“

„Komm doch mit mir nach Tulúm, dann sag ich es dir.“

„Lass mich fahren.“

Er nahm ein Zehn-Peso-Stück vom Nachttisch. „Na gut, wir werfen eine Münze.“

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