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TIFFANY HOT & SEXY BAND 59

Kimberly Van Meter, Tawny Weber, Stefanie London, Taryn Leigh Taylor

TIFFANY HOT & SEXY BAND 59

KIMBERLY VAN METER

Entfacht!

Die Frau, die irrtümlich in Laytons Bett liegt, ist einfach supersexy! Fast zu spät erfährt er, dass er drauf und dran ist, die Schwester seines besten Kumpels zu verführen …

TAWNY WEBER

Fitness für zwei

Wer schafft die meisten Liegestütze? Keine Frage für den durchtrainierten Navy SEAL Mitch Donovan! Bis er gegen Livi Kane antritt. Diese aufregende Frau könnte ihn glatt in die Knie zwingen …

STEFANIE LONDON

Dem Bodyguard gefährlich nah

Als Bodyguard weiß Max genau, was er tun muss, um Rose Lawson zu beschützen. Aber leider hat er keine Ahnung, wie gefährlich sein Verlangen für die schöne Schmuckdesignerin werden kann …

TARYN LEIGH TAYLOR

Lippenstift auf nackter Haut

Der Typ neben Chloe im Flieger ist heiß. Dass sie in einem Hotel übernachten, ist noch heißer. Aber dass sie dasselbe Zimmer bekommen, nur weil sie zufällig denselben Nachnamen haben, ist schon fast zu heiß …

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Entfacht!

1. KAPITEL

Alexis Matheson träumte von Weihnachtsgebäck und selbst gemachten Süßigkeiten. Doch gerade als sie im Schlaf anfing, sich Sorgen darüber zu machen, dass ihr Backthermometer nicht richtig funktionierte, änderte sich die Szenerie schlagartig.

Auf einmal lag sie in den Armen eines Lovers, den sie nicht genau erkennen konnte, und gab sich einem leidenschaftlichen Kuss hin, der heißer war als jeder Backofen. Im Traum fragte sie sich, wer dieser Unbekannte sein mochte – und wieso sie sich überhaupt mit einem Sextraum quälte. Schließlich hatte sie doch beschlossen, in Sachen Sex eine Fastenzeit einzulegen, bis sie ihr Gefühlschaos wieder im Griff hatte.

Verdammt. Anscheinend war ihr Unterbewusstsein der Ansicht, dass dies wahrscheinlich noch viel zu lange dauern würde.

Oh, der Lover in ihrem Traum war ziemlich gut. Was er da mit seiner Zunge und seinen Händen anstellte … Wie war sie eigentlich auf die Idee gekommen, Sex sei auf absehbare Zeit nicht gut für sie?

Stöhnend schlang sie die Arme um den Mann und seufzte genießerisch, als er mit den Lippen ihren Hals hinabwanderte. Spielerisch knabberte und saugte er, und es prickelte so sinnlich, dass sie eine Gänsehaut bekam.

Alles fühlte sich so wirklich an! Und gleichzeitig auch so traumhaft. Wenn die Männer in ihren Träumen so fantastisch waren, sollte sie den realen Sex vielleicht komplett aufgeben.

Haha. Sehr witzig.

Wieder stöhnte sie auf, als eine kräftige Hand sich auf ihre Brust legte. Der Druck der Finger verstärkte sich – und Alexis riss die Augen auf.

Da stimmte etwas nicht. Es fühlte sich zwar himmlisch an, aber das war nicht der entscheidende Punkt. Das, was da gerade geschah, konnte sich niemals nur in ihrem Kopf abspielen.

Noch bevor Alexis einen klaren Gedanken fassen konnte, wurde sie wieder geküsst, und es fühlte sich verdammt gut an.

Aber Moment mal, sie war doch allein ins Bett gegangen!

Diese eine Schrecksekunde reichte, und das Adrenalin verjagte den sinnlichen Genuss. Die Lust, die ihr Lover ihr gerade noch mit seinen unglaublichen Talenten beschert hatte, wich der Panik, dass sie als weiteres Opfer in irgendeiner Verbrechensstatistik landen könnte.

Mit aller Kraft stieß sie den Mann, der auf ihr lag, zurück. Sie riss ihr Knie hoch und landete damit einen strategischen Volltreffer zwischen seinen Beinen.

Vor Schmerz aufstöhnend, rollte er zur Seite und krümmte sich.

Ihr schossen sämtliche Szenen aus Büchern und Filmen über Serienkiller durch den Kopf, die sie je gelesen oder gesehen hatte. Das gab ihr die Kraft, den Kerl trotz seiner Größe mit einem weiteren Tritt aus dem Bett und auf den Boden zu befördern.

„Dieses Bett ist bereits belegt, kapiert?“

Sobald sie den dumpfen Aufprall auf dem Teppich hörte, sprang sie auf und schaltete das Licht an. Sie schnappte sich einen Schuh – der erstbeste Gegenstand, der ihr in die Finger kam –, und schleuderte ihn dem Fremden entgegen, als dieser sich gerade aufrappelte.

Lieber Himmel, der Kerl war nackt!

Er wich dem Schuh aus und schrie: „Verdammt, was tust du? Hör auf, Sachen nach mir zu werfen! Ich bin bereits nach deinem Tritt k. o. gegangen!“ Während er mit beiden Händen seine Weichteile schützte, blinzelte er ins Licht wie ein Maulwurf in die Sonne. „Pass doch auf!“

„Nein, du passt gefälligst auf. Dies ist mein Zimmer, und, noch entscheidender, das ist mein Bett. Ich gebe dir genau zehn Sekunden, um mir zu verraten, wer du bist, sonst bekommst du Martha Stewart zu spüren.“

Drohend hob sie das Buch, von dessen Cover ebenjene Martha Stewart, die Expertin für Küche, Haus und Garten, den Betrachter anlächelte. Alexis wedelte damit, um ihrer Drohung Nachdruck zu verleihen, doch der kräftige dunkelhaarige Mann sah aus, als würde er einen Treffer schadlos überstehen.

Selbst unter diesen Umständen hätte Alexis blind sein müssen, um nicht zu bemerken, dass der Eindringling einen bemerkenswerten Körper hatte. Natürlich! Ausgerechnet ein ungebetener Gast in ihrem Bett hatte so einen sexy Body! Wieso hatte sie bei Männern bloß immer ein solches Pech?

„Ganz ruhig“, versuchte er, sie zu beschwichtigen. „Und jetzt leg das verdammte Buch weg, oder hast du komplett den Verstand verloren?“

„Falsche Antwort.“ Alexis zielte auf seinen Kopf und schleuderte das Buch.

Er versuchte, dem Wurfgeschoss auszuweichen, doch es traf ihn an der Schulter. „Verdammter Mist! Das tat weh!“, rief er und schnappte sich seine Jeans. Noch während er stolpernd aus dem Zimmer rannte, zog er sich die Hose an.

Trotzdem erhaschte Alexis einen Blick auf seinen nahezu perfekten Hintern. Wie unsagbar traurig, dachte sie, bevor sie hinter ihm herstürmte. Sie war fest entschlossen herauszufinden, wer dieser Kerl war, der sich erdreistete, zu ihr ins Bett zu steigen.

Im Eifer des Gefechts war sie jedoch so unachtsam, dass sie über ihren Koffer stolperte und sich dabei den Knöchel verdrehte.

Doch sie kümmerte sich nicht darum, sondern stand sofort wieder auf und rannte weiter dem Fremden mit dem Knackarsch hinterher, der gerade aus dem Zimmer ihres Bruders Erik verschwand.

„Mann, deine Schwester ist ja total verrückt.“ Von der Tür aus warf er ihr einen wütenden Blick zu.

Erst in dem Moment wurde ihr bewusst, wo sie sich eigentlich befand. Sie hatte mit ihrer besten Freundin Emma im Haus ihres Bruders übernachten wollen und hatte sie in seinem Zimmer einquartiert – ohne zu wissen, dass Erik nach Hause kommen würde. Ach, verdammt!

Abrupt blieb sie stehen. Dieses Durcheinander wäre unter anderen Umständen vielleicht unglaublich witzig gewesen, aber der Schmerz in ihrem Knöchel wurde immer schlimmer.

Alexis warf Emma einen kurzen, entschuldigenden Blick zu. Diese beobachtete aus vor Überraschung geweiteten Augen und völlig perplex das Geschehen, während sie sich die Bettdecke bis unters Kinn gezogen hatte. Arme Emma! Für diese Panne würde Alexis ihr eine Extraladung Zitronenschnitten backen müssen.

Erik, der ewige Diplomat, stellte sich zwischen Alexis und den zornig dreinblickenden Mann. Selbst in dieser verfahrenen Situation übernahm ihr Bruder die Rolle der Vernunft. „Hey, hey, immer langsam“, versuchte er, die beiden zu beschwichtigen.

„Reg dich endlich ab, Teuerste!“ Der Fremde war anscheinend immer noch sauer auf Alexis, weil sie ihn mit ihrem Kniestoß in die Weichteile fast entmannt hatte. „Ich wusste doch gar nicht, dass du in dem Bett liegst. Komm mal wieder runter!“

„Was macht ihr denn noch hier?“ Sanft schob Erik Alexis ein Stück zurück, um seinen Freund zu beschützen.

Sie trat einen Schritt nach hinten und zuckte zusammen, als ihr der stechende Schmerz im Knöchel den Atem raubte. „Au“, stieß sie aus und hob den Fuß an, um ihn zu entlasten. „Ich glaube, ich habe mir den Knöchel verletzt.“ Wütend erwiderte sie Eriks besorgten Blick. „Und dass wir hier sind, war eigentlich gar nicht geplant. Emma und ich sind mit ihrem SUV zu ihren Eltern aufgebrochen. Und gerade als wir den Highway runterfahren, fällt mir auf, dass ich das Ladekabel für meinen Laptop vergessen habe. Also sind wir umgekehrt. Aber als wir dann wieder losfahren wollten, waren die Straßen wegen des Schnees teilweise schon gesperrt. Da haben wir beschlossen, mit der Abfahrt bis morgen Vormittag zu warten. Bis dahin müssten die Straßen alle ja wieder geräumt sein.“

„Ach, deshalb steht dein Auto nicht vor dem Haus“, stellte Erik fest.

„Richtig. Ich habe angenommen, du würdest arbeiten.“ Schnaubend drängte Alexis sich an Erik vorbei, um sich neben Emma aufs Bett zu setzen, damit sie ihren Knöchel begutachten konnte.

In dem Moment flüsterte Emma ihr zu: „Lex, du hast keine Hose an.“

Na großartig! Hätte sie denn mit so einer Plauderrunde rechnen können? Normalerweise schlief sie nackt, da war es schon ein Wunder, dass sie heute überhaupt ein Shirt und einen Slip trug.

Sie zuckte nur mit den Schultern. Im Moment interessierte sie sich mehr für ihren Knöchel als für alles andere. „Und wenn schon … Verdammt, der Knöchel schwillt an.“ Einen Augenblick lang vergaß sie den Kerl, ihren Bruder und das ganze Durcheinander, denn, verdammt noch mal, das tat echt weh!

Allerdings gab es im Zimmer außer ihr noch andere Menschen mit schlechter Laune. Der Fremde mit dem Knackarsch meldete sich wieder zu Wort: „Sie hat mich vom Bett gestoßen, getreten und mit einem Schuh beworfen.“

„Du hast mich zu Tode erschreckt.“ Wütend erwiderte sie seinen Blick. Wieso regte der Kerl sich überhaupt auf? Wenn er nicht zu ihr ins Bett gekommen wäre, hätte sie sich nicht verteidigen müssen. Wo er mit seinen Händen überall gewesen war, das ließ sie im Moment lieber unerwähnt. Solche Details würden nur für noch mehr Aufregung sorgen, und darauf hatte sie jetzt überhaupt keine Lust.

So ruhig und gelassen ihr Bruder auch war, selbst er würde wahrscheinlich ausrasten, wenn er erfuhr, dass sein Kumpel sie im Schlaf begrapscht hatte.

„Okay, okay.“ Erik hob die Hände. Offensichtlich war er todmüde und ihm fehlte die Geduld, sich diesen Unsinn die ganze Nacht lang anzuhören. „Jetzt beruhigen wir uns alle wieder. Das Ganze war ein großes Missverständnis. Zum Glück ist ja niemandem etwas passiert.“

Je länger der Schmerz in ihrem Fuß pochte, desto wütender wurde Alexis. „Das sehe ich anders.“ Sie rieb sich den Knöchel. „Ich bin über meinen Koffer gestolpert, als ich diesen Perversen aus meinem Zimmer gejagt habe.“

„Pervers?“, regte der Mann sich auf. „Ich bin doch kein …“

Entnervt schüttelte Erik den Kopf. „Er ist nicht pervers. Normalerweise jedenfalls nicht. Das ist Layton Davis“, stellte er ihn seiner Schwester vor. „Er hat mich nach Hause gefahren, nachdem wir einen großen Brand gelöscht hatten. Ich habe ihm das Gästezimmer angeboten, weil ich dachte, ihr wärt fort. Zumindest war das mein letzter Informationsstand.“

Sehr schön, jetzt gab man also ihr die Schuld. Sie warf Layton einen vernichtenden Blick zu. War sie unvernünftig? Gut möglich. Letztlich war es doch nur eine unglückliche Verkettung von Umständen gewesen. In jeder Sitcom hätten die Leute darüber gelacht.

Leider verdarb der Schmerz Alexis jegliche gute Stimmung, und wenn sie merkte, dass sie bei einer Auseinandersetzung den Kürzeren ziehen würde, war sie meist ohnehin schon schlecht gelaunt.

„Tja, wir sind nun mal nicht weg.“ Es gelang ihr nicht, den missmutigen Tonfall zu verbergen. „Aber wer steigt denn einfach so in ein fremdes Bett, ohne zu merken, dass darin schon jemand liegt?“

„Jemand, der hundemüde ist und nicht ahnt, dass das Bett schon besetzt ist.“ Auch Layton hörte man deutlich an, wie gereizt er war. Ganz offensichtlich war er genauso wenig dazu bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen, wie Alexis.

Erik zuckte mit den Schultern und rieb sich die Augen. „Ich habe es nicht besser gewusst. Wie wäre es, wenn wir aufhören, uns gegenseitig Vorwürfe zu machen und uns ein Beispiel an Emma nehmen?“

Alle blickten Emma an.

Mist. Einen Moment lang hatte Alexis sie tatsächlich vergessen.

Ihre Freundin brachte ein verlegenes Lächeln zustande, und Alexis fühlte mit ihr. Du tust mir leid, Süße. Das ist sicher schrecklich für dich. Doch sie schwieg, weil jedes Wort Emma nur noch mehr in Verlegenheit gebracht hätte. Alexis wusste, dass ihr das alles hier unsagbar peinlich war. Emma war viel zurückhaltender und konservativer als sie.

Peinliche Stille herrschte, während jeder der Anwesenden für sich zu dem Schluss kam, dass es sinnlos war, diese Debatte noch weiter fortzuführen, und dass sie am besten alles auf sich beruhen ließen.

„Okay, gut. Da es draußen schweinekalt ist und die Straßen spiegelglatt sind, sollten wir uns nun hier für die Nacht einrichten“, verkündete Erik.

„Deine Schwester braucht sicher Eis oder was anderes zum Kühlen.“ Layton seufzte zögernd. Man hörte ihm an, dass er es selbst nicht ausstehen konnte, jetzt hilfsbereit zu sein, weil er immer noch sauer war. Mit einer knappen Geste deutete er auf Alexis’ angeschwollenen Knöchel. „Wie wär’s, wenn ich etwas Eis hole, während ihr euch überlegt, wer heute Nacht wo schläft?“

Alexis wollte ihm schon sagen, er solle sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, weil sie ihre Verletzungen selbst versorgen könne, doch Layton war bereits Richtung Küche verschwunden. Vielleicht brauchte er auch selbst etwas Eis, um seinen Schritt zu kühlen.

Erst in dem Moment bemerkte sie, dass ihr Bruder sich eine Tagesdecke wie eine Toga umgeschlungen hatte.

„Wieso läufst du hier mit der Decke rum?“

„Weil ich nichts anhabe.“ Er zog sich die Decke etwas höher.

Aha. Ja, gute Idee. Wenn sie jetzt noch ihren Bruder splitternackt hätte sehen müssen, hätte Alexis eine Therapie gebraucht, und die konnte sie sich nicht leisten. Aber Moment mal … Wenn er unter der Decke nackt war, dann … Ihr Blick ging zu ihrer Freundin.

„Warte, hast du dich nackt zu Emma ins Bett gelegt?“, bohrte sie nach. Emma musste sich zu Tode geekelt haben. Erik sah zwar nicht schlecht aus, aber – igitt! Erik war für Emma doch wie ein großer Bruder. Früher hatte er sie genauso begeistert gepiesackt wie seine kleine Schwester.

„Ja“, gab er zu, und Emma wurde rot.

War es ihrer Freundin peinlich, dass er in ihrer Gegenwart nackt gewesen war? Oder schämte sie sich, weil ihr gefallen hatte, was sie gesehen hatte? Bah! Allein der Gedanke daran war zu viel für Alexis.

„Wie kommt’s, dass ich dich gar nicht schreien gehört habe?“

„Ich schreie nur selten“, erwiderte Emma, als würde das alles erklären.

„Das hättest du tun sollen, wenn sich so ein blöder Kerl auf dich gesetzt hätte.“ Alexis kaufte ihr die Erklärung keine Sekunde lang ab. Doch leider konnte sie nicht weiter nachhaken, denn in diesem Moment kehrte Layton mit einer Packung tiefgefrorenem Broccoli in einem Geschirrtuch zurück.

„Ich übernachte gern auf dem Sofa“, erklärte er.

„Und ich überlasse dir dein Bett und schlafe bei Alexis“, sagte Emma zu Erik. „Es ist mir wirklich peinlich, dass ich hier war, während du …“

„Das braucht dir doch nicht peinlich zu sein“, unterbrach Alexis sie, während sie immer noch über Emmas Reaktion nachdachte. „Er war ja eigentlich im Dienst.“

Die erneut eintretende peinliche Stille war für Alexis wegen all der Fragen, die ihr durch den Kopf gingen, kaum auszuhalten.

Schließlich sagte Emma: „Ich bin nicht gerade vollständig bekleidet. Und Erik auch nicht. Also …“

„Richtig.“ Alexis schnappte sich die Packung Broccoli und stand vom Bett auf. Doch bei dem Schmerz, der ihren Knöchel durchzuckte, rang sie nach Luft.

Erik wollte ihr zu Hilfe eilen, aber dafür hätte er die Decke fallen lassen müssen – und damit riskiert, sich in voller Pracht zu präsentieren.

„Verdammt!“, stieß Layton leise und unwillig aus, bevor er Alexis auf die Arme hob.

„Hey! Lass mich runter!“ Es war ihr peinlich, dass er sie einfach hochhob, als sei sie federleicht. Noch peinlicher war ihr, wie angenehm sie es fand, seine starken Arme zu spüren.

„Das tue ich. In deinem Zimmer.“ Ohne auf ihren Protest zu achten, ging Layton zur Tür.

Alexis warf Emma einen flehenden Blick zu, als könne ihre Freundin sie retten. Dabei verhielt Layton sich nur höflich und hilfsbereit. Wohl oder übel fügte sie sich in ihr Schicksal. Noch schlimmer kann es jetzt ohnehin nicht mehr werden, dachte sie.

Doch gleichzeitig wusste Alexis, dass so ein Gedanke bedeutete, dass man das Schicksal herausforderte. Und das endete niemals glimpflich.

2. KAPITEL

Layton war müde und schlecht gelaunt, und sein Schritt schmerzte immer noch. Aber er musste zugeben, dass Alexis zwar wie eine Bombe mit allzu kurzer Zündschnur war, sich jedoch in seinen Armen ziemlich gut anfühlte.

Allein dieser Gedanke bewies, dass er nicht ganz richtig im Kopf sein konnte.

„Auch wenn’s etwas spät kommt: Es tut mir leid, dass ich … du weißt schon.“

Sehr wortgewandt, dachte er und biss sich bei seiner unbeholfenen Entschuldigung auf die Unterlippe. Aber wie sollte man sich elegant bei einer Frau dafür entschuldigen, dass man sie während eines erotischen Traumes angefasst hatte?

„Ich will damit nur sagen, dass ich eigentlich nicht so ein Typ Mann bin“, fügte er unwillig hinzu.

Anscheinend rechnete Alexis ihm zumindest seine Ehrlichkeit an, denn sie nickte, obwohl ihre Wangen knallrot waren. „Schon klar. War eben ein Missverständnis, schätze ich.“

„Genau.“

Layton ließ sie auf ihr Bett sinken und wollte bereits gehen, als Alexis ihn zurückhielt.

„Ich, also … ja, das dem Tritt tut mir auch leid. Erste Lektion bei der Selbstverteidigung. Auf die empfindlichen Teile zielen.“

„Sehr wirkungsvoll. Wenn ich jetzt trotzdem noch Kinder haben kann, grenzt das an ein Wunder.“

Als sie begriff, dass er es scherzhaft meinte, musste sie lächeln.

Gerade, als Layton das Zimmer verließ, kam Emma herein. Sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu, dann setzte sie sich zu Alexis aufs Bett.

„Ziemlich viel los, oder?“ Leicht verlegen lachte Alexis auf und versuchte, das Eis zu brechen. „Ich kann mir denken, dass das mit Erik ziemlich peinlich für dich war. Das tut mir leid, ehrlich. Bist du jetzt für den Rest deines Lebens traumatisiert?“

„Mach dir mal keine Sorgen“, murmelte Emma.

Doch Alexis fiel auf, dass die Wangen ihrer Freundin leicht gerötet waren. Konnte es sein, dass Emma den Anblick ihres Bruders genossen hatte? Zugegeben, objektiv betrachtet musste sie eingestehen, dass Erik ziemlich ansehnlich war. Da war es nicht unwahrscheinlich, dass sein Körper Emma gefallen hatte. Aber in dieser Richtung dachte Alexis lieber nicht weiter. Seit der ersten Klasse war Emma ihre beste Freundin. Erik hatte ihr an den Zöpfen gezogen und sich über sie lustig gemacht, als sie ihre Zahnspange bekommen hatte.

Innerlich erschauderte Alexis. „Verbuchen wir diesen Abend als unglückliches Vorkommnis und versuchen wir, ihn zu vergessen. Und morgen fahren wir los, sobald die Straßen wieder einigermaßen befahrbar sind. Wie klingt das für dich? Einverstanden?“

„Okay.“ Emma legte sich ins Bett und kuschelte sich unter die Decke. Sie war bereit, sich wieder ins Traumland zu begeben.

Leider fiel das Alexis nicht so leicht. Ihr rauschte immer noch das Adrenalin durch die Adern, und obendrein konnte sie die heißen Küsse aus ihrem Traum nicht vergessen, die sich dann als real entpuppt hatten. Innerlich war sie so unruhig, als säße sie auf einem Ameisenhaufen.

Dass ein Traum sie so sehr erregte, hätte sie sofort stutzig machen müssen. Sie hätte ahnen können, dass etwas nicht stimmte, denn kein Traum konnte sich so himmlisch anfühlen.

Selbst dann nicht, wenn Weihnachtsgebäck und Süßigkeiten darin vorkamen.

Alexis hielt sich für relativ klug, denn schließlich stand sie kurz davor, ihren Masterabschluss in Wirtschaftswissenschaften zu machen. Wenn sie jedoch auf ihre Erfolgsquote in Beziehungen zurückblickte, hätte sie auf den Gedanken kommen können, sie sei vielleicht doch nicht so schlau.

Genau aus diesem Grund hatte sie sich geschworen, bis zum Abschluss ihres Studiums nicht mal an Männer zu denken. Jungs sind schlimm, Jungs sind böse, so hatte ihr Vater es ihr immer wieder eingetrichtert.

Abgesehen von ihrem Bruder natürlich. Erik war die große Ausnahme. Er war ein wahrer Engel.

Aber alle anderen Jungs waren für Alexis vorerst absolut tabu.

Unwillkürlich seufzte sie wehmütig auf. Lebe wohl, Spaß! Willkommen, Enthaltsamkeit!

Es ist ja nicht für immer, sagte sie sich. Nur bis ich mein Leben wieder fest im Griff habe.

Aber wieso fühlte sich der Entschluss dann wie ein Todesurteil an?

Layton rieb sich die schmerzende Stirn und versuchte, das dumpfe Pochen in der Schulter zu ignorieren, wo das Buch ihn getroffen hatte. Nicht zu vergessen der taube Schmerz in seinem Schoß, wo Alexis’ Knie ihn gerammt hatte.

Ja, Erik hatte erzählt, dass seine kleine Schwester vorübergehend bei ihm wohnte, solange sie noch an ihrer Masterarbeit schrieb. Allerdings hatte er mit keiner Silbe erwähnt, dass diese Frau eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellte.

Und wie umwerfend sie aussah, das hatte Erik auch zu erzählen vergessen.

Ihr Aussehen kann dir auch egal sein, sagte Layton sich und schloss vor Schmerz die Augen. Sexy und verrückt, das war wirklich eine üble Kombination. So wie saure Gurken und Ei auf einem Erdnussbuttersandwich. Oder Tabasco auf Schokolade. So was war übel und bereitete letztlich nur Bauchschmerzen.

Doch obwohl er wusste, dass es am besten gewesen wäre, einfach einzuschlafen und nicht mehr an Alexis Matheson zu denken, schaffte er es nicht. Wie sollte er vergessen, wie diese attraktive Frau sich in seinen Armen gewunden hatte? Wie ihre Lippen sich angefühlt hatten?

Schuldbewusst atmete er tief durch. Wenn Erik gewusst hätte, wo seine Lippen gewesen waren, hätte Layton jetzt noch an ganz anderen Körperstellen Schmerzen gehabt. Aber verdammt! Wenn sie schon im Schlaf so heiß war, wie mochte es dann wohl sein, wenn sie wach war?

Diese Gedanken sind nicht gerade hilfreich, sagte er sich.

Genauso wenig wie die Tatsache, dass sie fast nackt gewesen war. Als sie aus dem Bett gesprungen war, hatte Layton sehr deutlich ihre wunderschönen, weiblich gerundeten Hüften gesehen.

Und den Anblick ihrer Brüste würde er auch so schnell nicht vergessen. Wunderschön, rund und genau richtig für zwei kräftige Hände. Ihr dünnes Seidenhemdchen hatte nicht viel verborgen. Und was er nicht hatte sehen können, hatte er zuvor mit den Händen erfühlt, wenn auch unabsichtlich. Jetzt ging ihm diese Erinnerung einfach nicht mehr aus dem Kopf!

Wie aufs Stichwort bekam er eine Erektion.

Mist.

Erik hätte ihm die Hölle heißgemacht, wenn er gewusst hätte, welche Gedanken ihm gerade im Zusammenhang mit seiner Schwester durch den Kopf gingen.

Aber sie ist doch kein Kind mehr!

Genervt schob Layton seine Erektion zurecht und seufzte frustriert. Ganz bestimmt würde er sich jetzt hier auf dem Sofa seines Kumpels nicht selbst befriedigen.

Schlaf endlich ein! Und wenn du morgen früh aufwachst, siehst du zu, dass du von hier wegkommst!

Im Augenblick wünschte er sich, er hätte Eriks Angebot einfach ausgeschlagen und versucht, sich über die glatten Straßen nach Hause durchzukämpfen.

Erik war sein Kumpel, ein guter Kerl und noch besserer Feuerwehrmann. Sie arbeiteten in derselben Schicht und passten aufeinander auf. Folglich durfte Layton jetzt nicht anfangen, sich an Eriks Schwester heranzumachen.

Rastlos schlug er die Decke zurück und stand vom Sofa auf. Er brauchte Aspirin gegen die Schmerzen in seiner Stirn. Barfuß ging er in die Küche.

Gerade als er auf der Suche nach Schmerztabletten die Hängeschränke durchforstete, erklang eine Stimme hinter ihm, und er drehte sich um.

„Okay, ich kann vielleicht über die Tatsache hinwegsehen, dass du zu mir ins Bett gestiegen bist, ohne mich vorher um Erlaubnis zu fragen, aber jetzt durchwühlst du meine Schränke? Muss ich mir Gedanken machen? Wenn ich dich dabei erwische, wie du die Schublade mit meiner Unterwäsche durchsuchst, dann werden wir niemals Freunde.“

Alexis lehnte im Türrahmen. Der dünne Bademantel verhüllte kaum mehr als das Shirt und der Slip, worin er sie zuvor gesehen hatte. Was hatte er eigentlich in seiner Vergangenheit Schlimmes angestellt, dass er diese harte Schicksalsprüfung verdiente?

Unwillkürlich fiel ihm auf, dass sie ihren rechten Fuß nicht belastete.

„Ich suche nach Aspirin. Mir hat nämlich jemand einen Schuh an den Kopf geworfen“, erwiderte er und gab sich große Mühe, den Blick auf ihr Gesicht zu richten und ihn nicht tiefer wandern zu lassen. „Du musst ja wirklich schlimm umgeknickt sein. Du solltest den Knöchel unbedingt untersuchen lassen.“

„Das ist nicht so schlimm. Ein bisschen verstaucht, weil ich dir nachgejagt bin. Morgen früh ist das wieder in Ordnung.“

„Ganz sicher? So eine Zerrung darf man nicht zu leicht nehmen.“

„Danke für den Ratschlag. Ich nehme ihn mir zu Herzen“, sagte Alexis, während sie zu ihm hinüberhumpelte. Aus dem hintersten Schrank holte sie ein Fläschchen mit Pillen hervor und warf es Layton zu. Er fing es lächelnd auf.

„Danke.“

„Keine Ursache.“ Sie wartete ab, während er sich zwei der Tabletten in die Hand schüttete. „Also, das mit dem Schuh tut mir leid. Es war das Erste, was mir in die Finger gekommen ist. Zu dem Zeitpunkt habe ich befürchtet, du könntest ein Mörder sein.“

„Wie viele Mörder legen sich vorher zu dem Opfer ins Bett und schlafen ein bisschen? Erst ein Nickerchen und dann der Mord?“ Er schluckte die Pillen und spülte sie mit Wasser aus der Leitung hinunter. Dann wischte er sich den Mund ab. „Wenn du mal ganz logisch nachdenkst, war es doch wirklich sehr unwahrscheinlich, dass ich ein Mörder bin.“

„Logisches Nachdenken fällt wohl niemandem leicht, der gerade aus dem Tiefschlaf gerissen wird.“

„Okay, da gebe ich dir recht.“ Layton fragte sich, ob sie auch noch ansprechen würde, was vor dem Erwachen geschehen war. Gab es Regeln dafür, wie man sich in einer solchen Situation zu verhalten hatte? Immerhin waren sie beide bereit gewesen, aufs Ganze zu gehen, kurz bevor sie aufgewacht waren … Sollten sie nun trotzdem so tun, als habe es die heiße Umarmung nicht gegeben? Sehr ernüchternd, dachte er, auch wenn sie so teuflisch sexy ist. „Und wieso bist du jetzt wach und schläfst nicht?“

„Das ist nun mal so, wenn man hochschreckt und so einen Adrenalinschub bekommt, weil der Überlebensinstinkt einsetzt. Danach kommt man so schnell nicht wieder zur Ruhe.“

„Tut mir leid“, erwiderte er. „Muss ich deswegen jetzt ein schlechtes Gewissen haben?“

„Ein bisschen schon.“

„Ich fühle mich mies“, gab er zu. „Aber ich wusste doch nicht, dass du in dem Bett liegst. So ein Typ bin ich wirklich nicht.“

Sie nickte und nahm seine Entschuldigung damit an. Sie wussten beide, dass er nicht nur auf ihr Missgeschick mit dem Knöchel anspielte.

„Mach dir deswegen keine Gedanken. Mir ist schon Schlimmeres passiert und ich habe es unbeschadet überstanden. Danke für dein Mitgefühl.“ Ein kleines Lächeln umspielte ihre vollen sinnlichen Lippen.

Layton musste sich erneut daran erinnern, dass sie für ihn tabu war. Allerdings konnte er nicht aufhören, an Dinge zu denken, die er gern mit ihr gemacht hätte.

Alexis humpelte zum Kühlschrank. „Wenn ich nicht schlafen kann, trinke ich immer ein Glas warme Milch. Möchtest du auch eins?“

Bah! „Warme Milch? So was trinke ich nicht mehr, seit ich drei war. Aber mach ruhig. Lass dich von mir nicht aufhalten.“

„Tu ich nicht.“ Ihr Lächeln wurde breiter.

Ja, dachte er, sie ist echt explosiv. Schlagfertig, widerspenstig und aufsässig. Und all das sexy verpackt, mit heißen Hüften und vollen Brüsten.

Ein Glück, dass ich morgen früh von hier verschwinde, dachte er. Sonst könnte ich der Versuchung vielleicht nicht widerstehen, mich davon zu überzeugen, dass sie auch am Tag so gut schmeckt und sich so herrlich anfühlt wie in der Nacht.

Sie goss sich einen Becher Milch ein und stellte ihn in die Mikrowelle. „Wie lange bist du schon mit Erik befreundet?“

„Eine ganze Weile. Wir sind in derselben Schicht. Wenn du in unserem Job so eng mit jemandem zusammenarbeitest, dann kann dich das zu unzertrennlichen Freunden machen. Erik ist ein cooler Typ.“

„Sehr cool sogar, aber ich bin da ja nicht objektiv.“ Die Mikrowelle machte Ping, und Alexis nahm ihren Becher heraus.

„Und das trinkst du jetzt wirklich?“ Layton verzog das Gesicht.

„Bis zum letzten Tropfen.“

„Na schön.“ Er sah ihr nach, als sie die Küche verließ, und diesmal konnte er gar nicht anders, als den Blick nach unten zu ihrem Po wandern zu lassen. Ja, es war wirklich ein Glück, dass er von hier verschwinden würde, sobald die Straßen passierbar waren. Er war schließlich auch nur ein Mann, und er wollte die Freundschaft mit Erik nicht riskieren.

Allerdings würde Alexis Matheson ihn garantiert bis in seine Träume verfolgen.

3. KAPITEL

Trotz der unruhigen Nacht wachte Alexis am nächsten Morgen früh auf. Das lag jedoch in erster Linie daran, dass Emma bereits wach war und schon geduscht hatte. Offenbar konnte sie es nicht erwarten, endlich aufzubrechen.

„Was bist du doch für ein Sonnenscheinchen.“ Alexis gähnte. „Hast du gut geschlafen? Trotz allem, was passiert ist?“

„Bestens. Leider musste ich feststellen, dass du einem immer noch die Decke wegziehst. Wenn ich mich nicht wie ein Burrito darin eingewickelt hätte, hättest du mir gar nichts übrig gelassen.“

Alexis lachte leise. „Schlechte Angewohnheiten wird man nur schwer los. Tut mir leid.“

„Schon gut, ich hab dich ja trotzdem lieb. Aber der arme Kerl, der dich mal heiratet, tut mir jetzt schon leid. Der wird sein Leben lang jede Nacht um die Decke kämpfen müssen.“

„Ich fürchte, das stimmt.“ Noch immer war sie nicht ganz wach und fühlte sich verspannt. Jetzt brauchte sie unbedingt einen starken Kaffee. Sie schwang die Beine aus dem Bett, doch als sie den rechten Fuß belastete, schrie sie vor Schmerz fast auf. Was für eine grausame Art, schlagartig hellwach zu werden!

Vorsichtig hob sie den Fuß an und verzog das Gesicht, als sie die dunkle, bläulich verfärbte Schwellung sah. So ein Mist, das sah nicht gut aus!

Behutsam versuchte sie erneut, aufzustehen, aber es gelang ihr nicht.

Alexis biss sich auf die Unterlippe. „Emma? Wir haben ein Problem.“

Offenbar hatte ihre Freundin sie nicht gehört. „Meinst du, du kannst in einer Stunde fertig sein, damit wir loskönnen?“, rief Emma ihr aus dem Bad zu, wo sie sich gerade das Haar kämmte. „Ich bin sicher, bis dahin sind alle Straßensperrungen wieder aufgehoben.“

„Emma? Komm doch bitte mal einen Moment her.“ Alexis ließ sich wieder aufs Bett sinken und seufzte schwer. „Houston, wir haben ein Problem.“

„Was ist denn los?“ Doch Emmas Blick fiel ganz von allein auf Alexis’ Knöchel und die dicke Schwellung. Erschrocken schnappte sie nach Luft. „Lieber Himmel, nein! Das sieht schrecklich aus, Lex. Du musst zu einem Arzt. Das ist ja viel schlimmer geworden.“

Dem konnte Alexis nicht widersprechen, aber sie würde Emma bestimmt nicht das ganze Wochenende verderben, indem sie es mit ihr in irgendeiner Notaufnahme verbrachte. „Es ist Wochenende. Das bedeutet Notaufnahme. Und so eine Rechnung kann ich mir im Moment nicht leisten. Ich lebe gerade von Tütensuppen und Leitungswasser. Da werde ich wohl oder übel warten müssen, bis mein Hausarzt wieder Sprechstunde hat. Außerdem können die im Krankenhaus mit meinem Knöchel ohnehin nichts tun, was ich hier nicht auch tun könnte.“

„Und wenn da was gebrochen ist?“ Besorgt sah Emma ihre Freundin an.

„Da ist nichts gebrochen“, beharrte Alexis. Sie war sich ziemlich sicher, dass das stimmte, doch ein leiser Zweifel regte sich auch in ihr. Es tat wirklich entsetzlich weh. Und die Schwellung machte es nicht besser. „Wahrscheinlich muss ich den Fuß nur konsequent kühlen.“

„Und hochlegen“, fügte Emma hinzu und schüttelte bedrückt den Kopf. „Kommt überhaupt nicht infrage, dass du dich damit jetzt zwei Stunden lang ins Auto setzt.“

„Nein, nein, von dem blöden Knöchel lassen wir uns nicht unser Mädchenwochenende verderben. Auf diese Party freue ich mich schon seit Wochen. Du weißt selbst, dass Arnold am Boden zerstört sein wird, wenn ich nicht mit ihm zusammen Kekse esse. Das habe ich ihm doch versprochen.“

Emmas Eltern leiteten in Colorado Springs eine Schule für geistig behinderte Erwachsene, und die beiden Freundinnen hatten beschlossen, sie auf der Weihnachtsfeier der Schule zu überraschen. Am Samstag wollten sie dort helfen und dann den Rest des Wochenendes damit verbringen, sich zu amüsieren.

Es machte Alexis Spaß, in der Schule als Freiwillige zu helfen. Die Menschen dort gaben niemals vor, jemand zu sein, der sie in Wirklichkeit nicht waren. Ganz im Gegensatz zu jenen Männern, die sich üblicherweise zu ihr hingezogen fühlten.

„Arnold müssen wir auf ein andermal vertrösten“, stellte Emma entschlossen fest. „Wenn du nicht ins Krankenhaus willst, dann sage ich den Trip auch ab. Ich kann dich doch so nicht hier allein lassen.“

Genau das wollte Alexis um jeden Preis vermeiden. „Nein“, widersprach sie. „Du sagst den Trip auf keinen Fall ab. Es ist doch gar nicht so schlimm. Du tust ja so, als würde mir jeden Moment der Fuß abfallen. Ich muss ihn nur ein bisschen schonen, mehr nicht.“

Emma deutete auf den Knöchel. „Dein Fuß sieht aus, als hätte dich ein Baseballschläger getroffen. Wenn er nicht gebrochen ist, dann ist es zumindest eine schlimme Verstauchung.“

Es ließ sich nicht leugnen, der Fuß sah entsetzlich aus. Die geplante Pediküre konnte sie auf absehbare Zeit vergessen. „Bitte sag nicht meinetwegen ab.“

„Ich kann dich nicht so hierlassen.“ Emma war entsetzt, dass Alexis so etwas überhaupt in Betracht zog.

„Im Ernst, ich werde doch nur im Haus herumhumpeln und mir den ganzen Tag lang Filme ansehen. Das ist kein Grund für dich, deine Pläne zu ändern. Wenn du das tätest, würde ich mich noch zehnmal schlechter fühlen.“

Leider kannte Emma sie viel zu lange und zu gut. „Lüg doch nicht. Du wirst Lichterketten aufhängen, Kekse backen und den Weihnachtsbaum aufstellen und schmücken, denn du schaffst es einfach nicht, untätig herumzusitzen. Du hast die Aufmerksamkeitsspanne einer Stechmücke und kannst keine fünf Minuten stillsitzen. Damit du diesen Fuß nicht belastest, müsste man dich schon an einen Stuhl fesseln.“

„Übertreib doch nicht.“ Alexis gab sich empört. „Nur zu deiner Information: Erst kürzlich habe ich mit dem Häkeln angefangen, und dafür braucht man sehr viel Geduld.“

„Du hast es vielleicht ausprobiert, nach einer Viertelstunde entnervt die Häkelnadel weggeworfen und seitdem nicht mehr angerührt.“

„Okay, das stimmt, Häkeln ist nicht so mein Ding. Aber Yoga auch nicht, und du hast mir doch selbst immer gesagt, ich müsse etwas finden, was mir hilft zu entspannen.“

„Richtig, und du bist immer noch auf der Suche, weil du Hummeln im Hintern hast. Also entschuldige bitte, aber ich glaube dir kein Wort, wenn du behauptest, du würdest dich das ganze Wochenende lang schonen.“

Alexis wusste genau, dass ihre Freundin recht hatte, aber bei dem Gedanken, dass Emma alles abblies, nur weil sie gestern umgeknickt war, bekam sie Gewissensbisse. Es tat ihr unendlich leid, dass sie ihr das Wochenende vermieste. Unsicher stand sie auf, um sich in die Küche zu schleppen, damit sie endlich ihren Kaffee bekam. Sofort trat Emma hilfsbereit an ihre Seite und stützte sie.

„Das tut mir so leid.“ Alexis fühlte sich schrecklich. „Ich wollte uns nicht das gemeinsame Wochenende verderben.“

„Das macht doch nichts.“

Doch, es machte sogar sehr viel. Alexis hörte Emma die Enttäuschung an, daran änderte auch das angestrengte Lächeln nichts, mit dem ihre Freundin sie zu beruhigen versuchte. So war Emma eben. Immer dachte sie zuerst an alle anderen und dann erst an sich selbst.

Erik und Layton standen gerade in der Küche und kochten sich Kaffee, als Emma und Alexis hereinkamen.

Beim Anblick seiner humpelnden Schwester runzelte Erik die Stirn. „Lex? Tut dir der Knöchel immer noch weh?“

„Besser ist es jedenfalls nicht geworden“, erwiderte sie bedrückt und ließ sich seufzend auf einen Stuhl am Esstisch sinken. Ihre Stimmung verdüsterte sich immer mehr, und das schneller, als draußen die Temperatur fiel. Ein weiterer Schneesturm braute sich zusammen. „Ehrlich gesagt, über Nacht ist es schlimmer geworden.“

Layton trat zu ihr. „Lass mich mal sehen.“

„Nicht nötig, danke.“

Doch Erik mischte sich sofort ein. „Lass Layton mal einen Blick riskieren, Lex. Er hat eine Sanitäterausbildung gemacht.“

Was hätte sie dagegen einwenden können? Schließlich wollte sie ja auch nicht ins Krankenhaus gebracht werden. „Also schön“, gab sie unwillig nach.

Vorsichtig betastete er den Knöchel und bewegte den Fuß, wobei er genau auf Alexis’ Reaktion achtete. Ein paarmal stöhnte sie leise auf, doch als er an einer bestimmten Stelle drückte, entfuhr ihr ein Schrei.

Layton nickte und setzte den Fuß behutsam ab. „Tja, ich glaube nicht, dass was gebrochen ist, aber du hast eine wirklich schlimme Zerrung. Wenn du ins Krankenhaus fährst, werden sie es röntgen. Damit kann man zwar nicht erkennen, wo genau der Fuß gezerrt ist, aber ein Röntgenbild zeigt eindeutig, ob du dir was gebrochen hast oder nicht.“

„Aber du sagst doch selbst, du glaubst nicht, dass er gebrochen ist, stimmt’s?“ Alexis sah ihm in die Augen.

„Das glaube ich auch nicht, aber es könnte immerhin sein, dass du irgendwo einen Knochenriss hast. Du solltest das lieber untersuchen lassen.“

„Siehst du?“ Emma gab ihr einen kleinen Klaps auf den Hinterkopf, weil sie immer so halsstarrig war. „Ich fahre dich ins Krankenhaus.“

„Nein, ich will nicht ins Krankenhaus.“ Alexis blieb stur. „Und du wirst die Weihnachtsfeier in der Schule deiner Eltern nicht verpassen. Erik, bitte sag Emma, dass ich schon groß bin und selber für mich sorgen kann, selbst wenn ich verletzt bin.“

„Lex, es macht mir wirklich nichts aus. Ich würde sowieso nicht gern allein fahren. Dann machen wir eben gemeinsam den Filmmarathon, von dem du gesprochen hast. Das wird bestimmt lustig.“

„Erik kann doch mit dir mitfahren“, schlug Alexis vor und bemerkte, wie Emma erschrak. Wieso sie die Dienste ihres Bruders angeboten hatte, konnte sie selbst nicht sagen, aber in ihren Ohren klang es sehr vernünftig. Erik war der geborene Gentleman.

„Oh! Das ist nicht nötig. Ich bin sicher, er hat seine eigenen Pläne.“ Emma blickte von Alexis zu Erik. „Es macht mir nichts aus, wirklich nicht. Ich kann absagen. Lex sollte hier nicht allein zurückbleiben, wenn ihr Fuß so schmerzt.“

Fast flehend sah Alexis ihren Bruder an. Bitte, großer Bruder, enttäusch mich jetzt nicht.

Doch es war Layton, der sich ins Gespräch einmischte. „Ich kann zwar selbst kaum glauben, dass ich das jetzt sage, aber … Ich könnte doch hierbleiben und dir helfen. Dann hätte deine Freundin kein schlechtes Gewissen, dich hier allein zurückzulassen. Schließlich ist es ja zum Teil auch meine Schuld, dass du dir den Knöchel überhaupt gezerrt hast.“

Aller Augen waren auf Layton gerichtet. Hatte er tatsächlich gerade angeboten, hier für Alexis den Babysitter zu spielen?

„Schon gut, Mann“, sagte Erik. „Das brauchst du nicht zu tun. Du kannst doch nichts dafür. Es war von Anfang an nur ein großes Missverständnis.“

„Ich weiß, aber … ach, verdammt … ich habe heute sowieso nichts Besonderes vor. Ein paar Bier trinken und abhängen, das waren meine Pläne. Außerdem habe ich die entsprechende Ausbildung. Wenn die Schwellung schlimmer wird, schnappe ich mir deine Schwester und zwinge sie einfach, mit mir in die Notaufnahme zu fahren.“

„Da hat er recht“, stimmte Erik an Alexis gewandt widerstrebend zu.

„Tja, wenn Erik damit einverstanden ist, Emma zu begleiten … Ich schätze, damit wären beide Probleme gelöst. Emma, was denkst du darüber?“

Emma schüttelte sofort den Kopf, doch in diesem Punkt würde Alexis nicht nachgeben. „Es ist gefährlich auf den Straßen. Du weißt selbst ganz genau, wie riskant es wäre, allein loszufahren. Und ich lasse nicht zu, dass du deine Pläne meinetwegen änderst. Erik ist der perfekte Gentleman, das kann ich dir garantieren. Er gehört zu den Guten.“

Emma wurde rot, während sie von einem zum anderen sah. „Ich weiß doch, dass Erik ein lieber Mensch ist. Ich will nur nicht, dass er sich genötigt fühlt, etwas zu tun, worauf er keine Lust hat.“

Jetzt räusperte Erik sich. „Es macht mir nichts aus. Und ich sehe es genau wie Lex. Bei diesem Wetter solltest du auf keinen Fall allein fahren.“

„Es stimmt, das Wetter hat sich nicht gebessert, wie ich gehofft hatte.“ Unentschlossen biss Emma sich auf die Lippe. „Und es macht dir ganz sicher nichts aus, mich zu begleiten?“

„Überhaupt nichts. Es gibt bestimmt eine Menge, worüber wir uns unterhalten können. Du kannst mir erzählen, wie dein Leben jetzt aussieht. Ich kenne dich ja noch immer nur als die Freundin meiner frechen kleinen Schwester.“

„Frech?“, wiederholte Alexis empört. „Tu jetzt nicht so, als wärst du immer der Brave gewesen. Nur weil Mom und Dad immer über alles hinweggesehen haben, was du angestellt hast, heißt das ja nicht, dass es niemand mitbekommen hat. Nur zu deiner Information: Ich habe ihnen verraten, dass du es warst, der Moms Porzellanelefanten zerbrochen hat, den sie aus Afrika mitgebracht hatte. Das war bei deiner Party im letzten Schuljahr.“

„Kleine Petze. Du hast mir versprochen, dass du es nie verrätst. Dafür habe ich dir ziemlich viel Schweigegeld gezahlt.“ Erik musste lächeln. „Vielleicht hätte ich dir schlimmere Strafen androhen sollen für den Fall, dass du nicht den Mund hältst.“

„Das waren schöne Zeiten.“ Alexis lachte. „Okay, dann sind wir uns einig? Erik fährt mit Emma mit, und Layton bleibt hier bei mir?“

Sie sahen sich alle an und nickten zustimmend.

Emma atmete tief durch. „Also gut, wenn das beschlossene Sache ist, dann müssen wir zusehen, dass wir loskommen. Falls dieses Unwetter noch mehr Schnee mit sich bringt, möchte ich wenigstens schon ein paar Meilen hinter mir haben, bevor es wieder schneit.“

„Ich kann in einer Viertelstunde fertig sein. Einverstanden?“

Emma nickte, und Erik und sie verließen die Küche, um sich fertig zu machen.

„Und plötzlich sind nur noch wir beide da“, stellte Layton fest.

„Ja. Weißt du, eigentlich brauchst du gar nicht zu bleiben“, flüsterte sie ihm verschwörerisch zu. „Ich weiß dein Angebot wirklich zu schätzen. Emma hätte sich nie darauf eingelassen, wenn Erik und du nicht eure Hilfe angeboten hättet. Sobald die zwei weg sind, warten wir noch eine halbe Stunde, und dann kannst du auch fahren.“

Lächelnd schüttelte er den Kopf. „Tut mir leid, aber das geht nicht. Mein Angebot war ernst gemeint. Was wäre ich denn für ein Mann, wenn ich dich hier hilflos zurücklasse? Du kannst dich ja kaum rühren.“

Das überraschte sie. Er wollte tatsächlich bleiben? Im Grunde war sie davon ausgegangen, dass er ihr nur bei ihrer Argumentation hatte helfen wollen. „Im Ernst?“

„Ja. Ich meine, mir ist natürlich klar, dass es nicht wirklich meine Schuld ist, aber ich fühle mich trotzdem ein bisschen mitverantwortlich dafür, dass du jetzt nicht mehr laufen kannst. Da ist es doch das Mindeste, dass ich mein schlechtes Gewissen beruhige, indem ich dir helfe.“

Darauf wusste Alexis nichts zu erwidern. Einen kurzen Moment lang schwieg sie. Heiße Kerle waren eben einfach ihre große Schwäche. Doch der Letzte, mit dem sie jetzt etwas anfangen durfte, war der beste Kumpel ihres Bruders. Aber wie wahrscheinlich war es schon, dass an diesem Wochenende zwischen ihnen etwas laufen würde?

Ich kann einen heißen Kerl um mich haben und mich trotzdem beherrschen, sagte sie sich. Ich lasse die Finger von ihm. Ich schaffe das.

Mit ihrem Lächeln versuchte sie in erster Linie, sich selbst zu überzeugen. „Okay, aber sag hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Als ich gesagt habe, ich würde mir einen Filmmarathon gönnen, habe ich nicht gelogen.“

„Ich mag Filme.“

„Frauenfilme.“

„Filme mit heißen Frauen? Klingt doch gut.“

Sie musste lachen. Er war teuflisch charmant. Genau der Typ Mann, nach dem sie sich umdrehen würde. Aber nicht diesmal. Auf keinen Fall.

Layton Davis … es wird nichts passieren.

Keine zwanzig Minuten später war Erik abfahrbereit. Emma wartete bereits in seinem SUV auf der Beifahrerseite, aber er musste Alexis im Wohnzimmer noch die übliche Großer-Bruder-Predigt halten.

Layton hörte schweigend zu, obwohl er seinen Kumpel gern daran erinnert hätte, dass Alexis kein Kind mehr war. Dann folgte er Erik zum Wagen hinaus.

„Ich weiß, du bist ein anständiger Kerl, sonst würde ich dich bestimmt nicht mit Alexis allein lassen, aber ich muss dich vor meiner Schwester warnen. Sie ist … temperamentvoll.“

Fragend zog Layton die Brauen hoch. „Temperamentvoll? Erik, so redet man über Pferde!“

„Ach, verdammt, das ist die peinlichste Unterhaltung meines Lebens. Hör mal, sie verguckt sich immer in die falschen Typen, und ich will nicht, dass sie verletzt wird. Sie hat schon eine Menge durchgemacht. Ihr letzter Freund … Sagen wir einfach, dass ich kein Fan von dem Kerl war. Also, was ich zu sagen versuche … Fang nichts mit ihr an und pass bloß auf, dass sie nichts mit dir anfängt. Sei nett zu ihr – aber nicht zu nett.“

„Komm schon, Mann, so was brauchst du mir gar nicht erst zu sagen. Ich bin doch nicht hier, um was mit deiner Schwester anzufangen. Ich will lediglich helfen.“

Bei Eriks erleichtertem Blick bekam Layton Gewissensbisse. Er musste zugeben, dass Alexis heiß war. Wenn er ganz ehrlich war, musste er sich eingestehen, dass sie den heißesten Po hatte, den er je gesehen hatte. Doch es war ihm ernst mit dem, was er sagte. Er war nicht hier, um mit dieser Frau herumzumachen.

Erik klopfte ihm auf die Schulter und stieg in seinen Wagen. „Der Kühlschrank ist voll, bedien dich. Ich ruf an, wenn wir angekommen sind.“

„Fahrt vorsichtig.“ Layton winkte ihnen nach.

Die ersten Schneeflocken des Tages fielen träge vom Himmel und schmolzen sofort auf Laytons Gesicht. Er blickte nach oben. Hoffentlich hatten die zwei schon den Großteil der Strecke hinter sich, ehe das Unwetter richtig losging.

Er wandte sich um und kehrte ins Haus zurück, wo Alexis gerade in der Küche herumhumpelte.

„Was tust du da?“

„Gar nichts. Und was tust du?“

„Ich halte dich davon ab, deinen Fuß zu sehr zu belasten. Was ist denn aus dem Filmmarathon geworden?“

„Dafür haben wir immer noch viel Zeit. Zuerst will ich Popcorn machen. Möchtest du auch?“

Selbst gemachtes Popcorn? Woher kannte sie seine Schwäche? „Weißt du denn, wie man das macht?“

„Das hoffe ich stark, sonst ist der ganze Aufwand letztlich umsonst.“

Er lachte. „Okay, du kleine Klugscheißerin, sosehr ich mich auch über Popcorn freuen würde, du musst deinen Fuß entlasten. Ich habe zwar gesagt, dass ich nicht glaube, dass du dir was gebrochen hast, aber du hast ihn dir auf jeden Fall verstaucht, und deshalb wirst du ihn hochlegen und kühlen.“

Unwillig verzog sie das Gesicht, doch Layton ließ ihr keine Gelegenheit zum Widerspruch, indem er sie auf die Arme hob. Alexis verstummte vor Schreck. Mühelos trug er sie ins Wohnzimmer, legte sie aufs Sofa und schob ihr ein dickes Kissen unter den geschwollenen Knöchel. „So, und hier bleibst du jetzt liegen, während ich dir Eis hole.“

„Sollte ich jetzt noch einmal darauf hinweisen, dass Emma recht hatte, als sie gesagt hat, ich könnte nicht gut stillsitzen?“

„Das habe ich mittlerweile schon selbst erkannt.“

„Mein großes Dilemma: Ich kann einfach nicht untätig herumsitzen. Als ich Windpocken hatte, habe ich meine Mutter fast verrückt gemacht, weil ich nicht aufgehört habe zu kratzen und zu zappeln. Dadurch ist natürlich alles nur noch schlimmer geworden. Meine Mom sagt, das seien die zwei längsten Wochen ihres Lebens gewesen.“

Diese Geschichte sagte viel über Alexis aus. Layton machte sich keine Illusionen, sie würde keine fügsame Patientin sein. Doch sie hatte etwas an sich, das ihn zu ihr hinzog, obwohl er sich besser von ihr hätte fernhalten sollen. Vielleicht war es die Erinnerung an die Traumküsse oder auch nur ihr fantastischer Po.

Oje, diese Gedanken waren gefährlich! Hastig verdrängte er sie wieder.

In der Küche wickelte Layton eine Handvoll Eiswürfel in ein Geschirrtuch, dann kehrte er zu Alexis zurück und legte es behutsam auf ihren Knöchel. „Das sollte helfen, aber wenn dein Fuß heilen soll, dann musst du ihn schonen. Du darfst ihn nicht belasten.“

„Ja, ja, schon gut“, entgegnete sie mürrisch. „Bist du denn sicher, dass du hierbleiben willst? Das wird für dich in etwa so aufregend, als würdest du zusehen, wie Farbe trocknet.“

„Kommt auf die Gesellschaft an.“

Alexis erwiderte seinen Blick und neigte den Kopf zur Seite.

Ihrem hinreißenden Lächeln durfte er nicht trauen, dennoch fand er es faszinierend.

„Ist das so?“, fragte sie vielsagend. „Meinst du damit, dass du meine Gesellschaft magst? Du bist gern mit der Frau zusammen, die dich mit einem Tritt fast entmannt hätte?“

„Wenn man das mal außer Acht lässt … ja.“

Flirteten sie gerade? Es fühlte sich wie Flirten an. Und es gefiel ihm verdammt gut.

Schon immer war er verrückt nach den Mädchen gewesen, die er nicht haben konnte. Und Alexis machte es nur noch schlimmer, weil sie so unglaublich sexy war.

Erneut gingen ihm Eriks Worte durch den Kopf und er wandte sich rasch ab, um nicht der Versuchung zu erliegen, ihr auf die wundervollen Brüste zu starren.

„Du bringst mich noch in große Schwierigkeiten“, stellte er leise lachend fest und richtete sich auf. „Ist dir klar, dass dein Bruder dich für ein zierliches, empfindliches Geschöpf hält, das zerbricht, wenn es zu grob behandelt wird?“ Er wartete einen Augenblick, bevor er vielsagend lächelte. „Na, was sagst du dazu?“

Sie erwiderte sein Lächeln. „Ich finde, dass ich schon groß bin und dass mein Bruder sich nicht um meine Angelegenheiten kümmern muss.“

„Das mag stimmen, aber ich bin nicht der Typ Mann, der hinter dem Rücken seines Kumpels was mit dessen kleiner Schwester anfängt. Weißt du, was ich meine?“

„Das ist bewundernswert“, stellte sie fest und musste widerwillig zugeben, dass sie das wirklich fand.

„Aber wieso kommt es mir vor, als würdest du das genaue Gegenteil meinen, wenn du es so sagst?“

Sie lachte nur, und der Klang jagte ihm einen wohlig prickelnden Schauer über den Rücken.

„Ich habe dir doch gesagt, du brauchst nicht zu bleiben. Ich komme gut allein zurecht.“

„Ich habe deinem Bruder mein Wort gegeben. Ich gehe nirgendwohin.“

Darauf wusste Alexis ausnahmsweise nichts zu erwidern. Doch auch sprachlos war sie immer noch so sexy, dass Layton von einer Sekunde zur nächsten eine Erektion bekam. Seine Jeans wölbte sich. Verdammt, das würde die schwerste Herausforderung seines Lebens werden! Dabei hatte er Alexis doch gerade erst getroffen! Trotzdem knisterte es zwischen ihnen, das ließ sich einfach nicht leugnen. Wenn sie nicht damit aufhörte, ihn anzusehen wie ein saftiges Steak, dann würde er hart kämpfen müssen, um sein Wort nicht zu brechen.

„Erzähl mir doch mal mehr über den Kerl, der sich dir gegenüber so mies verhalten hat.“ Er setzte sich neben ihr aufs Sofa. Rein freundschaftlich, sagte er sich, nicht wie ein hungriger Wolf, der sich jeden Moment auf seine Beute stürzen will. „So wie Erik ihn beschrieben hat, war er ein richtiger Mistkerl.“

„Das hat Erik gesagt?“

„Mehr oder weniger. Ich hatte den Eindruck, dass er nicht viel von dem Kerl gehalten hat.“

Sie zuckte nur mit den Schultern, als sei das Ganze für sie völlig belanglos. Doch Layton erkannte, dass hinter der gleichgültigen Fassade der Kummer in ihr noch immer groß war. Das überraschte ihn, denn Alexis gab sich doch so, als sei sie es, die den Männern das Herz brach, und nicht umgekehrt.

„Was gibt’s da schon zu erzählen? Ich habe eben eine grauenhafte Menschenkenntnis“, stellte sie fest.

„Das glaube ich kaum.“

„Nein? Tja, ich kann nicht abstreiten, dass es mich immer zu den schlimmsten Kerlen hingezogen hat. Was meine bisherigen Beziehungen angeht, habe ich ziemlich versagt.“

„Wir haben bei der Partnerwahl alle schon mal danebengegriffen. Für mich gehört das zum Leben eben dazu. Man lernt nie aus.“

Alexis lachte und drückte die Eispackung enger an den Knöchel. „Also, ehe ich nicht meinen Masterabschluss habe, beschränke ich das Lernen ganz auf mein Studium.“

„Klingt sehr vernünftig.“ Und das war es auch. Aber wieso sehnte er sich dann so sehr danach, sie von diesem Entschluss abzubringen?

4. KAPITEL

Alexis blickte auf ihren Knöchel. Seltsam, wie die Umstände manchmal dazu führten, dass sich alles so blitzschnell änderte. Gestern noch hatte sie mit Schuhen nach Layton geworfen, und heute fiel ihr auf, wie schön das kurz geschnittene dunkle Haar seine kantigen, männlichen Gesichtszüge betonte.

Auch wenn sie sich vorgenommen hatte, die Finger von ihm zu lassen, so konnte sie doch immerhin den Anblick genießen. Und der war wirklich außergewöhnlich. Eine muskulöse breite Brust, kraftvolle Arme, ein fester, trainierter Bauch, schmale Hüften – ja, Layton hatte alles, wovon Frauen träumten.

„Okay, dann verrate mir doch mal den wahren Grund, wieso du freiwillig angeboten hast, mit mir hier zurückzubleiben.“ Wenn sie Layton keine Möglichkeit zu irgendwelchen Ausflüchten ließ, würde das Ganze sicher interessant werden.

„Wie kommst du darauf, dass mein Angebot nicht lediglich selbstlos und hilfsbereit war?“

„War es das denn?“

Einen Augenblick schwieg Layton, doch dann verriet ihn das Funkeln in seinen wundervollen dunklen Augen. „Okay, dann bin ich jetzt ganz offen. Du bist eine schöne Frau, und zufällig habe ich eine Schwäche für Frauen wie dich. Und trotzdem … Ich habe deinem Bruder versprochen, dass ich mich dir gegenüber nicht unangemessen verhalte.“

„Ein wahrer Gentleman“, stellte Alexis leise fest, doch ihr Herz schlug bei seinem Eingeständnis gleich ein bisschen schneller. War es schlimm, dass sie sich bereits ausmalte, wie er nackt unter ihr lag? Verdammt, ihr Verlangen ging mit ihr durch.

„So weit würde ich nicht gehen“, entgegnete er bedauernd. „Ich wäre ein Lügner, wenn ich behaupten würde, ich hätte meine Gedanken und Fantasien voll im Griff. Du würdest jeden Mann in Versuchung bringen. Das ist wirklich eine große Herausforderung für meine Ehrenhaftigkeit.“

Sie lächelte, froh, dass sie nicht die Einzige war, die hier ständig an Sex dachte. „Anscheinend haben wir mehr gemeinsam als nur die Verbindung zu Erik.“

„Vorsichtig, solche Bemerkungen sind gefährlich.“

„Für wen? Ich bin erwachsen und brauche keinen Aufpasser.“

Layton lachte auf. „Ich habe es deinem Bruder versprochen.“

„Das ist ja dann dein ganz persönlicher Fehler.“

„Verdammt, Erik hat mich vor dir gewarnt, und anscheinend war die Warnung sehr berechtigt.“

„Ach ja? Wovor genau hat er dich denn gewarnt?“

„Einfach nur davor, dass du dich immer wieder in Schwierigkeiten bringst und eine Schwäche für böse Jungs hast. Und dass ich mich von dir fernhalten sollte.“

Sie schmollte. „Das ist nicht sehr schmeichelhaft. Das klingt, als wäre ich noch ein Kind.“

„Du bist definitiv kein Kind mehr.“ Sein Blick ging zu ihren vollen Brüsten.

Wenn es an Alexis’ Körper eines gab, dessen Wirkung sie sich sehr wohl bewusst war, dann waren es ihre beeindruckenden Brüste.

Er räusperte sich, als merke er erst jetzt, dass er sie anstarrte. Mühsam wandte er den Blick ab. „Aber ich muss mich an meinen letzten Rest Integrität klammern, verstehst du?“

„Wie ehrenhaft.“

Er verzog den Mund. „Tja, ich habe großen Respekt vor deinem Bruder. Er ist ein anständiger Kerl, und ich werde jetzt nicht anfangen, seine Schwester gierig anzusehen wie ein leckeres Stück Fleisch auf meinem Teller.“

„Gehört das zu den weniger bekannten Grundregeln in eurer verschworenen Gemeinschaft?“, zog sie ihn auf.

„Nenn es, wie du willst, aber so läuft es nun mal.“

„Du fügst dich immer mehr in die klassische Rolle des heldenhaften Feuerwehrmannes.“ Leicht spöttisch lächelte sie ihn an. Dieser Schlagabtausch gefiel ihr wirklich gut. „Ich frage mich gerade, ob hinter deiner strahlenden Fassade nicht ein Schurke lauert.“

Layton lachte, und bei diesem Klang durchlief sie ein wohliger Schauer. „Du hast ja keine Ahnung.“

War sie durchtrieben, weil sie auf einmal unbändige Lust hatte herauszufinden, was für ein Schurke Layton sein konnte? Wahrscheinlich. Schließlich hatte sie sich selbst doch geschworen, sich nicht von ihrem Weg abbringen zu lassen, bis sie ihren Masterabschluss hatte. Als sie diesen Entschluss gefasst hatte, war ihr das sehr klug vorgekommen. Und jetzt? Jetzt fand sie es albern und dumm.

„Was würdest du sagen, wenn ich dir gestehe, dass ich mich zu dir hingezogen fühle?“

Sein Lächeln blieb gelassen, doch in seinem Blick änderte sich etwas, und sie spürte ein Prickeln auf der Haut. „Dann würde ich sagen, dass du dich lieber beherrschst, damit das Ganze hier nicht peinlich wird.“

Seinen Bluff durchschaute sie sofort. Alexis erkannte genau, wenn ein Mann scharf auf sie war. Da gab es zahllose kleine Anzeichen, und Layton zeigte so viele davon, dass man schon blind sein musste, um sie nicht zu bemerken. Sie fühlte sich ein bisschen wie eine Raubkatze auf der Jagd nach einer armen Gazelle, deren Ende bereits besiegelt ist.

Layton behauptete zwar, er würde sich beherrschen, und das respektierte sie auch in gewisser Weise, doch es kam ihr vor, als sprühe er Funken, und früher oder später würde einer dieser Funken ein Feuer entfachen.

Theatralisch aufseufzend reckte sie sich auf dem Sofa und betrachtete ihren verletzten Fuß. „Soll ich mal ganz ehrlich sein? Die Tatsache, dass ich mich danach sehne, mir mit dir ein Zungenduell zu liefern, ist das beste Anzeichen dafür, dass du irgendwo ganz tief in dir empfänglich dafür bist.“

Sein unbeschwertes Lachen verblüffte sie. „Ich glaube, du hast mich gerade eben beleidigt. Aber seltsamerweise macht mir das überhaupt nichts aus, denn im Moment kann ich an nichts anderes denken als an dieses Zungenduell.“

„Siehst du? Du bist ein hoffnungsloser Fall. Seien wir doch mal ehrlich: Wir sind beide erwachsene Menschen, und wir fühlen uns zueinander hingezogen. Außerdem wissen wir beide sehr genau, dass wir die schmutzigen Fantasien, die uns durch den Kopf gehen, besser nicht ausleben sollten. Deshalb … deshalb ist es wahrscheinlich das Beste, wenn du einfach nach Hause fährst, bevor irgendwas Unerfreuliches passiert, was wir beide hinterher bedauern würden.“

„Etwas Unerfreuliches?“

„Ja. Zum Beispiel, dass wir uns die Kleider vom Leib reißen.“

Layton schluckte.

Dass sie ihn sprachlos gemacht hatte, bereitete Alexis mehr Vergnügen, als sie sich eingestehen wollte.

„Bist du immer so direkt?“

„So ziemlich. Meine Mom hat immer gesagt, ich würde unter mangelndem Taktgefühl leiden. Aber mein Dad meinte dann jedes Mal, von Leiden könne ja wohl nicht die Rede sein.“

Layton lachte und zwinkerte ihr zu. Er war so unglaublich anziehend!

„Also ich werde bestimmt nicht gehen. Ich habe Erik mein Wort gegeben, bei dir zu bleiben und dafür zu sorgen, dass du deinen Fuß schonst. Du musst dich wohl oder übel mit meiner Gesellschaft abgeben.“

Eine Weile erwiderte Alexis seinen Blick, dann zuckte sie mit den Schultern. „Okay, aber dann bin ich nicht mehr für das verantwortlich, was zwischen uns läuft.“

„Da wird überhaupt nichts laufen.“ Layton lachte auf. „Du gibst wohl niemals auf, oder? Du kommst mir so stur und unnachgiebig vor wie ein Hund, der seinen Knochen nicht mehr hergeben will.“

Wieder hob sie die Schultern. „Wir werden ja sehen.“

„Wie wär’s damit? Du suchst dir einen Film aus, den wir uns jetzt ansehen, und ich mache uns indessen Rührei mit Speck zum Frühstück.“

Alexis horchte auf. Das Einzige, was sie jetzt von ihrem Kurs abbringen konnte, war ihre zweite große Leidenschaft: Essen. „Du kannst kochen?“

„Ja, ich kann kochen. Irgendwelche speziellen Wünsche?“

Wie hätte sie so ein Angebot ablehnen können? Alexis hasste es zu kochen, aber sie liebte das Essen. „Am allerliebsten hätte ich jetzt ein Denver-Omelett. Ich glaube, dafür haben wir alle Zutaten im Kühlschrank.“

„Denver-Omelett, kommt sofort.“ Layton ging zur Küche. Ei, Speck, Zwiebeln, Paprika, das ist kinderleicht, sagte er sich. „Und während ich uns Frühstück mache, kannst du schon mal ein paar Filme vorschlagen.“

Das klang nicht schlecht, aber Alexis wollte nicht den ganzen Tag lang im Haus herumsitzen. Da sie für ihr Studium ohnehin so viel Zeit mit Lernen verbrachte und dafür notgedrungen am Schreibtisch sitzen musste, brauchte sie in ihrer spärlichen Freizeit den körperlichen Ausgleich nur noch dringender.

Ihr Blick ging zum Fenster hinaus. Immer noch fielen die Schneeflocken dick und träge vom Himmel herab. Der angekündigte Schneesturm hatte sie noch nicht erreicht. Wahrscheinlich blieb noch ausreichend Zeit, um die Lichterketten aufzuhängen, bevor das Schneetreiben zunahm und der Sturm einsetzte.

Vielleicht konnte sie Layton dazu überreden, ihr dabei zu helfen? Aber wie sollte sie das bloß anstellen?

Alexis hatte keine Hemmungen, ihren Charme einzusetzen, um zu erreichen, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Und sie hatte den Eindruck, dass es Layton nichts ausmachen würde, wenn sie beide etwas frische Luft bekamen. Wahrscheinlich würde es nicht mehr allzu schwer sein, ihn dazu zu bringen, das Haus zu verlassen, wenn er erst einmal erkannt hatte, wie gefährlich es gemeinsam mit ihr auf der Couch werden konnte. Schließlich hatte er selbst verkündet, dass es sein fester Vorsatz war, die Zeit mit ihr mit jugendfreien Beschäftigungen zu verbringen.

Es dauerte nicht lange, bis Layton mit zwei Tellern zurückkehrte, auf denen er das Frühstück angerichtet hatte. Beim Anblick des köstlichen Omeletts stieg Alexis’ Meinung vom Freund ihres Bruders gleich noch mehr.

„Hast du dich schon für einen Film entschieden?“

„Nein, ich weiß was viel Besseres.“ Sie nahm einen Bissen Omelett. „Oh, das schmeckt fantastisch. Es ist wirklich äußerst praktisch, dich in der Nähe zu haben. Sympathisch, gebaut wie ein römischer Gott und noch dazu ein guter Koch? Okay, jetzt raus mit der Sprache, was ist deine geheime Schwäche?“

„Ich habe eine Schwäche für hübsche, aufsässige Frauen“, erwiderte er schlagfertig, während er sich über sein Frühstück hermachte.

„Wie groß ist diese Schwäche denn?“, hakte sie sofort neugierig nach.

Prüfend musterte Layton sie. „Schluss damit. Jetzt iss dein Omelett.“

„Ganz schön herrisch.“

„Hast du eigentlich jemals gehorcht, wenn dir jemand gesagt hat, was du zu tun hast?“

Alexis tat so, als müsse sie darüber eingehend nachdenken. „Bei meinem Dad.“ Aber lange schaffte sie es nicht, eine ernste Miene zu behalten, und musste schließlich auflachen. „Aber du bist nicht mein Dad, also versuch gar nicht erst, mich herumzukommandieren.“

„Nehme ich hiermit zur Kenntnis.“ Er deutete auf ihren Teller. „Und? Schmeckt’s dir?“

„Absolut fantastisch“, antwortete sie mit Begeisterung. „Du bist ein echter Glücksfang. Los, Layton, verrate es mir! Jagst du die Ladys – oder jagen die Ladys dich?“

Lächelnd warf er ihr einen Seitenblick zu und zeigte dabei seine ebenmäßigen, strahlend weißen Zähne. Er könnte als Model in einer Zahnpastawerbung auftreten, dachte Alexis. Und man müsste nichts retuschieren.

„Ich bin oft genug der Jäger gewesen, aber hin und wieder bin ich auch gejagt worden.“

„Im Grunde geht’s letztlich immer nur um die Jagd, stimmt’s? Sobald du bekommen hast, was du willst, ist das Mysteriöse und Aufregende verflogen, richtig?“ Es gelang ihr nicht, den leicht verbitterten Klang aus ihrer Stimme fernzuhalten. Vielleicht war sie tatsächlich immer noch nicht ganz über ihren letzten Freund hinweg. Dem war es auch nur ums Erobern gegangen.

Doch Layton runzelte die Stirn und schüttelte langsam den Kopf. „Manche Typen sind tatsächlich so. Aber ich nicht.“

Alexis lachte schallend auf. Sie glaubte ihm keine Sekunde lang. „Du brauchst mir nichts vorzumachen, Layton. Ich weiß sehr gut, dass es den Kerlen immer nur ums Flachlegen geht.“

„Wenn ich mit einer Frau zusammen bin, dann gibt es für mich außer ihr keine andere.“

Es klang so aufrichtig und ernst, dass Alexis einen Moment stutzte. Dass einem Mann mit Laytons Aussehen Treue etwas bedeutete, brachte sie aus dem Konzept. Konnte sie ihm das tatsächlich abkaufen? „Im Ernst?“

Er zuckte nur mit den Schultern, als sei es ihm vollkommen gleichgültig, ob sie ihm glaubte oder nicht. „Die Jagd macht Spaß, das will ich gar nicht leugnen, aber ganz ehrlich: Das wirklich Schöne passiert erst, wenn man sich wirklich gut kennt. Du darfst die Vertrautheit nie unterschätzen. Sich bei einem Partner so zu geben, wie man wirklich ist, das ist mit nichts zu vergleichen.“

„Wow, ich bin beeindruckt, Herr Doktor.“ Sie scherzte, um zu überspielen, wie sehr es sie verunsicherte, dass das Gespräch auf einmal eine so ernsthafte Wendung nahm. „Ich habe doch nur Spaß gemacht.“

Leider stimmte das nicht ganz. Riker, ihr Exfreund, hatte ihr Selbstwertgefühl so ins Wanken gebracht, dass sie sich nicht mehr traute, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Sie hatte sich schon zu oft in den Menschen getäuscht. Zugegeben, Layton wirkte wie ein anständiger Kerl, aber war das am Anfang nicht bei allen Männern so? Es war sicherer, wenn sie alles schön oberflächlich hielt. Damit konnte Alexis vermeiden, am Ende verletzt zu werden.

Sie hatte keinerlei Bedenken, ihre eigenen Regeln zu brechen, wenn sich ihr die Gelegenheit auf heißen, überwältigenden Sex bot, aber mehr würde sie nicht zulassen.

„Versteh mich nicht falsch, du brauchst mich überhaupt nicht davon zu überzeugen, dass du kein Frauenheld bist. Ob du Jäger oder Sammler oder beides bist, das ist mir völlig egal.“

„Wieso fällt es dir so schwer, mir zu glauben, dass ich ein anständiger Kerl bin?“

„Weil ich zu viele Männer wie dich kennengelernt habe. Ich weiß es einfach besser.“

„Irgendwas sagt mir, dass du noch nie in deinem Leben einen Mann wie mich kennengelernt hast.“

Damit machte er ihr jeden weiteren Widerspruch unmöglich.

Er hatte es so voller tiefer Überzeugung ausgesprochen, dass Alex einen Augenblick lang jeden Zweifel an seiner Aufrichtigkeit verlor. Aber war nicht genau das ihr Problem? Hatte sie nicht immer geglaubt, die Männer seien ihr gegenüber aufrichtig? Und jedes Mal hatte es dieses entsetzliche Erwachen gegeben, wenn sie festgestellt hatte, dass ihr Vertrauen missbraucht worden war. Sie war es leid, immer wieder auf die Männer reinzufallen. „Spar dir den Hundeblick, mein Lieber. Ich habe kein Interesse an diesen Spielchen. Ich meine, ich habe nichts gegen ein bisschen Spaß, aber du brauchst dir nicht die Mühe machen zu lügen, um dir deinen Weg zu ebnen.“

Layton runzelte die Stirn und schüttelte verärgert den Kopf. „Oh Mann, Erik hat wirklich recht gehabt. Dir müssen sie ja tatsächlich übel mitgespielt haben, dass du in deinem Alter schon so verbittert bist. Also, all den Männern zuliebe, die dir in deinem Leben noch über den Weg laufen: Wieso erzählst du mir nicht, was mit diesem anderen Kerl vorgefallen ist? Dann kann ich dich vielleicht eher davon überzeugen, dass nicht alle Männer so sind.“

Er wollte es wirklich hören? Alexis überspielte ihre Überraschung mit einem leisen Lachen. Mit seiner Bemerkung hatte er bei ihr einen wunden Punkt getroffen. Wenn sie daran dachte, wie Riker sie hintergangen hatte, tat es immer noch weh. Aber im Moment war ihr nicht danach, all ihre Gefühle offenzulegen und einem völlig Fremden ihr Herz auszuschütten. Nur weil sie sich nach Sex sehnte, hieß das nicht, dass sie riskieren wollte, verletzlich zu sein.

„Also schön, Mister Wundervoll … wieso hast du eigentlich keine Freundin?“

Layton beugte sich vor und stellte seinen Teller auf dem Sofatisch ab. „Ich schätze, ich brauche von alldem mal eine kleine Auszeit.“

„Was meinst du denn damit?“

„Dates, Verabredungen, all das. Davon habe ich genug.“

Sie reichte ihm ihren leeren Teller, und er stellte ihn auf seinem ab. „Das musst du mir erklären.“

Lächelnd schüttelte er den Kopf und hob ihr behutsam die Eispackung vom Knöchel. „Ich bin das Spielchen einfach leid. Beim ersten Date gibt es immer Smalltalk und die ganze Unsicherheit, wie es sich entwickelt. Letztlich ist das doch eine riesige Zeitverschwendung. Die Zeit würde ich viel lieber damit verbringen, Bergtouren zu machen oder mit dem Fahrrad durch die Gegend zu fahren. Stattdessen sitze ich einer Frau gegenüber, die ich gerade erst getroffen habe, und versuche, mit ihr Konversation zu treiben. Ich weiß nicht … darauf habe ich im Moment einfach keine Lust mehr.“

Alexis lachte. „Okay, anscheinend bin ich hier nicht die Einzige, die sich in der Vergangenheit schon die Finger verbrannt hat.“

„Punkt für dich.“

„Wie hieß sie denn?“

„Wie hieß deiner?“

„Riker.“

Layton blickte sie an. „Riker?“, wiederholte er in gespielter Fassungslosigkeit. „Na, dann weiß ich schon, warum es schiefgehen musste. Jeder, der Riker heißt, bedeutet nichts als Ärger.“

In dem Punkt konnte sie ihm nicht widersprechen. „Er war heiß.“

„Das war sie auch.“

Wieder lachte sie. Es war seltsam befreiend, flirtend über etwas so Persönliches zu sprechen. Sie hatten beide ihre Wunden erlitten, und jetzt betasteten sie die Narben, ohne dem anderen damit wehzutun. Wenn sie sich selbst gegenüber ganz ehrlich war, brannte sie vor Neugier, was für eine Frau es gewesen war, die so dumm war, diesem Mann das Herz zu brechen.

Wenn Alexis klug war, hielt sie alles oberflächlich und unbeschwert.

Aber als kluge Frau wäre sie gar nicht erst in der Situation gelandet, in der sie sich jetzt befand. Was nützte es also, sich jetzt solche Gedanken zu machen?

5. KAPITEL

Ihre freche Art war unheimlich sexy.

Alexis war ein Mensch voller Widersprüche. Heiß und aufbrausend, aber trotz all dem Sex-Appeal wie ein Mädchen, das so oft und tief verletzt worden war, dass es sich von allem und jedem zurückzog, um nicht wieder enttäuscht zu werden.

Layton konnte gut nachvollziehen, dass Erik dem letzten Kerl, der Alexis verletzt hatte, am liebsten eine Abreibung verpasst hätte. Schließlich verspürte auch er den Wunsch, sie vor aller Welt zu beschützen, obwohl er sie erst seit gestern kannte.

Da sie ihm etwas von sich erzählt hatte, beschloss er, ihr auch einen kleinen Einblick in seine Beziehungsvergangenheit zu geben. „Also schön, er hieß also Riker. Bei mir war es Julianne. Alle nannten sie nur Jules.“

Entschieden schüttelte Alexis den Kopf und schnippte mit den Fingern. „Schon klar. Finger weg von Frauen, die sich Jules nennen. Uralte Regel.“

„Wirklich?“

„Unbedingt. Du solltest dich auch von allen Tiffanys fernhalten. Oder von Brittanys. Fallen alle in dieselbe Kategorie.“

„Guter Ratschlag.“ Er nickte und fügte nach kurzem Schweigen hinzu: „Du dagegen solltest dich nie mit Kerlen einlassen, die wie Personen aus Star Trek heißen. Denen darf man nicht trauen. Denn die wollen nur in Galaxien vordringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

Als Alexis schallend zu lachen anfing, musste Layton selbst lächeln. Sie war so unbeschwert und frei, völlig anders als die Frauen, denen er bisher begegnet war. Von Sekunde zu Sekunde fiel es ihm schwerer, sich daran zu erinnern, wieso er sich von ihr fernhalten sollte.

„Sonst noch nützliche Ratschläge vom Insider? Was weißt du noch, das mir im Umgang mit den Männern helfen könnte?“

Er tat so, als müsse er nachdenken. Doch leider ging ihm nichts anderes durch den Kopf als der drängende Wunsch, sie zu küssen. Aus ihrem Pferdeschwanz hatten sich ein paar dunkle Strähnen gelöst und umspielten ihre Wangen. Dass es sie nicht zu stören schien, gefiel ihm. Er mochte es, dass sie anscheinend nicht ständig auf ihre Frisur achtete. Jules hatte immer großen Wert darauf gelegt, dass ihr Äußeres perfekt war, und das hatte Layton irgendwann genervt. Vorsicht, meine Frisur, nicht anfassen! oder Nicht jetzt, du verschmierst mir den Lippenstift! So oder so ähnlich hatte er es häufig zu hören bekommen, bevor letztlich alles zwischen ihnen in die Brüche gegangen war.

„Wie fühlt sich dein Knöchel an?“, erkundigte er sich, um seine Gedanken wieder auf unverfänglichere Themen zu lenken.

Alexis’ Blick ging zu ihrem Knöchel, und sie nickte. „Schon besser. Kühlen hilft.“

„Du solltest den Fuß trotzdem lieber noch nicht belasten.“ Ich bin nur hier, um zu helfen, sagte er sich. „Und was nun? Sehen wir uns jetzt Filme an?“

„Könnten wir uns nicht auch mit etwas anderem beschäftigen?“

„Womit zum Beispiel?“

„Zum Beispiel mit … Lichterketten aufhängen.“

„Wie bitte?“

„Pass auf, hier kommt mein Deal: Ich kann hier nicht einfach stundenlang herumsitzen und nichts tun. Ich muss mich irgendwie beschäftigen, aber jetzt hänge ich hier im Haus fest, obwohl ich heute eigentlich unterwegs sein wollte. Und du hast schon anklingen lassen, dass du es nicht für clever hältst, wenn wir uns die Zeit mit Körperkontakt vertreiben. Das bringt mich zu meinem Vorschlag, dass du mir vielleicht dabei helfen könntest, die Lichterketten aufzuhängen. Schließlich muss ich ja meinen zierlichen, verletzten Körper schonen.“

Nach einer effektvollen Pause fuhr sie fort: „Oder wir bleiben einfach hier drinnen, kuscheln uns auf dem Sofa aneinander und … da du und ich ja ganz allein im Haus sind – völlig ungestört in unserer Privatsphäre – da könnten wir natürlich auch alles Mögliche tun, wonach uns der Sinn steht und was uns Spaß macht. Es bräuchte ja niemand zu erfahren.“

„Das ist so unfair.“ Er stöhnte auf. Von einer Sekunde zur nächsten spannte seine Jeans wieder, weil da unten jemand etwas von Spaß gehört hatte und sofort zum Mitspielen bereit war. Wie sollte Layton es da schaffen, die Finger von Alexis zu lassen?

„Ich habe nie behauptet, fair zu spielen.“ Ihr Lächeln war verführerisch. „Wenn ich ein Spiel anfange, dann will ich auch gewinnen.“

Und verdammt, sie war wirklich auf dem besten Weg! Das musste er ihr lassen. Welche Wahl hatte er denn? Entweder vergaß er alles, was seiner Meinung nach gut für Alexis war, und ließ sie draußen herumhumpeln und Lichterketten aufhängen, oder er blieb mit ihr im Haus, biss die Zähne zusammen und versuchte, weiter anständig zu bleiben und die Finger von ihr zu lassen. Letztlich gab es da nur einen Ausweg, denn er war kein Heiliger.

Seufzend gab er nach. „Also schön, du gewinnst diese Runde. Ich schätze, es ist immer noch besser, nach draußen zu gehen und sich zu beschäftigen, als hier drin die ganze Zeit gegen die Versuchung anzukämpfen, weil du dich auf dem Sofa an mich kuschelst. Aber nur unter einer Bedingung.“

„Nämlich?“ Misstrauisch zog Alexis die Brauen zusammen.

„Du sitzt mit deinem niedlichen Hintern nur da und lässt mich die Arbeit erledigen. Das Letzte, was ich von deinem Bruder hören will, sind Vorwürfe, weil ich zugelassen habe, dass du mit deinem verletzten Fuß herumgehüpft bist und dich noch schlimmer verletzt hast.“

Sie zog eine Grimasse. „Wenn man dir zuhört, könnte man denken, ich sei eine Schwerverletzte. Mir geht’s doch bestens. Trotzdem füge ich mich deinen Bedingungen. Ich gebe die Anweisungen, und du erledigst die körperliche Schwerstarbeit.“

Lachend griff er nach den leeren Tellern. „Und wann soll diese Deko-Party beginnen?“

„Also, da wir uns nicht im Freien aufhalten sollten, wenn das Unwetter einsetzt, würde ich sagen, wir fangen in fünf Minuten an. Gleich, nachdem du das Geschirr weggeräumt hast und wir uns angezogen haben. Abgemacht?“

Layton stimmte zu.

Alexis war sogar noch ein bisschen früher fertig als er. Prüfend musterte er sie von Kopf bis Fuß, um sicher zu sein, dass sie warm genug gekleidet war. Leider gelang es ihm nicht, bei ihrem Anblick nur daran zu denken, dass ihre Kleidung wettertauglich sein sollte.

Verdammt! Sie sah so heiß aus, als könne sie den Schnee zum Schmelzen bringen. Weiße, flauschige Boots, eine mit weißem Pelz abgesetzte Jacke und eine weiße Schneehose. Sie war gekleidet wie ein Skihäschen in irgendeinem exklusiven Skiresort, das gar keine Lust aufs Skifahren hatte, sondern einfach gut aussehen wollte, während es in der Berghütte heiße Schokolade trank. „Versuchst du, dich farblich der Umgebung anzupassen?“

Mit dem Scherz versuchte er verzweifelt, sie eher wie eine kleine Schwester zu behandeln als wie die Frau mit den sinnlichen Kurven, die da vor ihm stand. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob du dafür nicht noch ein bisschen zu wenig Weiß trägst.“

Sie tat so, als würde sie schmollen. „Entschuldige bitte, wenn ich mich weigere, Modetipps von jemandem anzunehmen, der es okay findet, in einer Pyjamahose nach draußen zu gehen.“

„Falsch. Das ist meine Freizeithose. Kein Pyjama.“ Layton zwinkerte und lächelte, weil er bei ihrem Anblick einfach nicht anders konnte. „Wie dir vielleicht bereits aufgefallen ist, schlafe ich immer nackt. Einen Pyjama besitze ich überhaupt nicht.“

Es sah niedlich aus, wie sie rot wurde, und er musste zugeben, dass ihre Verlegenheit seinem Ego schmeichelte. Schluss damit, sagte er sich. Sie ist Eriks kleine Schwester! Schon vergessen? Mühsam verdrängte er seine Erregung. „Okay, dann her mit den Lichterketten. Fangen wir an.“

Falls Alexis bemerkte, wie schwer es ihm fiel, artig auf Distanz zu bleiben, dann ließ sie es sich nicht anmerken, und dafür war er ihr sehr dankbar. Allmählich fühlte er sich wie eine Dynamitstange, und diese Frau war das Streichholz. Wie würde Erik reagieren, wenn er erfuhr, dass der Kerl, den er damit beauftragt hatte, auf seine kleine Schwester aufzupassen, es mit ihr getrieben hatte?

Er konnte sich die Reaktion seines Kumpels gut vorstellen. Er wäre sicher alles andere als begeistert.

Und damit hätte Erik auch recht.

Layton atmete tief durch. Ich wäre ein Mistkerl, dachte er, der es nicht mal einen einzigen Tag lang schafft, seinen Schwanz in der Hose zu behalten!

In der Garage entdeckte er den Karton mit den Lichterketten und trug ihn auf die Veranda.

„Ich teste die Lichter, und du hängst sie auf.“ Alexis klang bestens gelaunt. Ihre Augen glänzten vor Begeisterung, und ihr Atem kondensierte in der kalten Luft. „Ich bin ja so froh, dass ich es ein bisschen früher schaffe, die Lichter aufzuhängen, als ich gedacht hatte. Eigentlich bringe ich sie gern schon direkt nach Thanksgiving an, aber da hatte ich gerade Prüfungen. Ich habe pausenlos dafür gebüffelt, weil mein Professor mich ohnehin schon hasst.“

„Du machst also einen Masterabschluss, ja? Das ist echt beeindruckend.“

Strahlend lächelte sie ihn an. „Mein Dad sagt, ich sei die ewige Studentin. Er ist fest davon überzeugt, ich würde nur meinen Master machen, damit ich mir noch keinen Job suchen muss.“

„Und? Stimmt das?“

Übertrieben empört schnappte sie nach Luft. „Selbstverständlich nicht. Ich will nur in der Hackordnung gleich ganz oben landen, und das gelingt mir nur mit einem Masterabschluss.“

„Du willst also der Boss sein?“

Sehnsüchtig und herausfordernd zugleich nickte sie ihm zu. „Ja, verdammt, das will ich. Ich weiß ja nicht, ob es dir schon aufgefallen ist, aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die gerne Anordnungen befolgen. Ich bin besser darin, anderen zu sagen, was sie tun sollen.“

Wie kam es bloß, dass er sich ausmalte, wie das wohl im Bett aussehen würde? Und warum in aller Welt fand er diese Vorstellung so heiß und erregend? Verdammt, Layton! Konzentrier dich auf das, was du tust! Wenn du deine Gedanken weiter so schweifen lässt, verbrennst du dir die Finger!

„Es muss solche und solche geben, damit es auf dieser Welt funktioniert.“ Er zwang sich zu lächeln, während Alexis die erste Lichterkette prüfte. Zufrieden nickte sie, als alle Lämpchen blinkten und leuchteten. Sie reichte sie ihm und zog die nächste aus dem Karton.

In gleichmäßigen Abständen befestigte Layton Haken an den Dachbalken der Veranda, bevor er die Lichterkette daran aufhängte. „Versteh mich bitte nicht falsch, aber auf mich wirkst du gar nicht wie die typische Hausfrau. Wieso ist es dir so wichtig, alles für Weihnachten zu schmücken?“

„Weihnachten ist für mich die schönste Jahreszeit. Das war schon immer so.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Die Feiertage helfen mir, meine inneren Akkus wieder aufzuladen. Und sie lässt mich wieder an Menschlichkeit und Mitgefühl glauben.“

„Meinst du das ernst?“ Er drehte sich zu ihr um und sah sie ungläubig an. „Sehr seltsam. Für mich ist Weihnachten der Inbegriff dafür, dass die Menschen versuchen, sich für unnötiges Zeug gegenseitig das Geld aus der Tasche zu ziehen.“

„Das gibt’s natürlich auch, aber hast du noch nie die Geschichten über Menschen gehört, die sich ganz uneigennützig für irgendeinen Fremden einsetzen?“

„Ja, ich schätze, das ist schön.“

„Du schätzt?“

„Nein, das kam jetzt falsch rüber. Es ist schön. Wahrscheinlich erlebe ich so was nur viel zu selten. Zur Weihnachtszeit kommen mir die Menschen noch gieriger als sonst vor. Das vermiest mir die Feiertage jedes Jahr.“

„Wie traurig.“

Er hob die Schultern. „Nein, so ist das Leben nun mal. Ich mag übrigens den St. Patrick’s Day am liebsten.“

„Wie kommt das?“

„An diesem Tag wird es toleriert, dass alle sich mit Bier betrinken.“ Als Layton sah, wie sie die Augen verdrehte, musste er lachen. „Einen schöneren Feiertag könnte ich mir nicht vorstellen.“ Aus reiner Gewohnheit prüfte er die Lichterkette auf lose Kabelenden und Risse in der Isolierung. „Ich würde lügen, wenn ich so tun würde, als würde ich Weihnachten gar nicht mögen. Die Weihnachtsbeleuchtung und die geschmückten Schaufenster gefallen mir auch, aber ich habe schon zu viele Häuser niederbrennen sehen, weil der Weihnachtsbaum in Flammen aufgegangen ist. So ein Anblick lässt sich schwer vergessen.“

Alexis blickte von ihrer Lichterkette auf und sah ihn ernst an. „Das muss hart sein.“

„Ist es auch. Ich will dir die gute Laune ja nicht verderben, aber gerade die Weihnachtszeit ist für uns bei der Feuerwehr und für die Polizei nicht leicht. Wusstest du, dass gerade während der Feiertage die Anzahl an Selbstmorden und familiären Gewalttaten schlagartig ansteigt?“

„Na, du verbreitest wirklich gute Laune.“ Sie reichte ihm die nächste Lichterkette. „Hast du schon mal überlegt, ob du nicht eine Karriere als Motivationstrainer einschlagen solltest?“

„Tut mir leid, das liegt an meinem Beruf.“

„Ich verzeihe dir. Aber du kannst mir erzählen, was du willst, du wirst mir die Vorfreude auf Weihnachten nicht verderben. Ich liebe die Weihnachtszeit und bin fest entschlossen, jeden Tag davon zu genießen.“

Ihre Entschlusskraft beeindruckte ihn. Egal, welche Hindernisse sich ihr in den Weg stellten, sie hielt an ihren Vorsätzen fest. „Eine Frage habe ich allerdings noch.“

„Welche denn?“

„Wieso schmückst du das Haus deines Bruders? Ist er denn auch so ein Weihnachtsfan wie du?“

„Um Himmels willen, nein! Erik legt auf so etwas überhaupt keinen Wert. So was wie Schmücken und Dekorieren interessiert ihn nicht. Deshalb lässt er mir auch freie Hand. Eines Tages habe ich meine eigene Wohnung, und dann mische ich mich bei meinem Bruder nicht mehr ein. Dann kann er hier tun und lassen, was er will.“

„Der arme Kerl, der mal bei dir landet. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es bei euch zu Hause dann aussieht.“

„Es wird fantastisch aussehen. Wer immer auch bei mir landet, wird ein wahrer Glückspilz sein, denn ich backe die weltbesten Lebkuchenmänner, und meine Blowjobs sind unvergleichlich.“

Layton trat einen Schritt zurück, geriet ins Stolpern und landete mit dem Hintern im Schnee.

„Alles in Ordnung?“ Es gelang ihr kaum, weiterhin ein ernstes Gesicht zu machen und nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.

„Mir geht’s gut.“ Grummelnd rappelte er sich hoch und klopfte sich den Schnee von der Hose. „So was solltest du nicht zu einem Mann sagen, den du kaum kennst.“

Alexis blickte unschuldig drein wie ein Engel, doch es lag auch ein Hauch von Sünde in ihrem Lächeln.

„Ich sage ja nur, wie es ist.“ Sie hielt ihm die nächste Lichterkette hin, als hätte sie überhaupt nichts Verfängliches gesagt. „Beeil dich lieber ein bisschen, lange dauert es bestimmt nicht mehr bis zu dem Unwetter.“

„Bist du eigentlich der Teufel höchstpersönlich?“, fragte er leise, doch sie hörte ihn trotzdem.

„Kein Teufel, aber wahrscheinlich ein gefallener Engel.“

Ein gefallener Engel mit sündigem Plan.

Und Layton verlor die Willenskraft, sich gegen diesen Plan zu sträuben.

Lieber Himmel, worauf hatte er sich hier bloß eingelassen?

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