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Der Anwalt und das sexy Tattoo-Girl

1. KAPITEL

Da war er, der perfekte Moment! Mit angehaltenem Atem ließ Gabe Nelson sich auf ein Knie sinken und klappte die blaue Schatulle auf. „Willst du mich heiraten?“

Das Licht der Deckenleuchter in dem edlen New Yorker Restaurant ließ den zweikarätigen Diamanten funkeln.

„Ich … Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

Seit sechs Monaten war Kara Gabes Freundin. Im Moment sah sie den Ring an, als sei es kein Schmuckstück, sondern eine zweiköpfige Schlange.

Das war nicht gerade die Reaktion, die Gabe sich erhofft hatte.

Er schluckte schwer. „Sag Ja.“ Er hob eine ihrer perfekt manikürten Hände an die Lippen und küsste sie in die Handfläche. Verdammt, er hatte die Militärzeit überstanden und den Kampf an die Spitze der Staatsanwaltschaft in Manhattan gewonnen. Er gab nicht so leicht auf.

Sie zog die Hand zurück. „Es tut mir leid, Gabe. Du bist ein toller Mann, ehrlich. Jede Frau könnte sich glücklich schätzen, mit dir verheiratet zu sein. Aber …“

Au! Das tat weh!

Er setzte sich wieder und steckte die Schmuckschatulle ins Jackett. „Es liegt nicht an mir, es liegt an dir? Das sagt man doch so.“

„Ehrlich gesagt …“ Einen Moment senkte sie den Blick auf die Hände in ihrem Schoß. „Es liegt sowohl an dir als auch an mir.“

„Was soll das heißen?“ Es fiel ihm nicht leicht, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie ihn verletzte. Er und Kara gehörten zusammen.

Sie strich sich über das tadellos frisierte aschblonde Haar. „Wir lieben beide Jazz und Symphonien, wir segeln gern und trinken gern guten Wein.“

„Absolut richtig. Wir passen zusammen.“ Er trank einen Schluck Champagner. „Wo liegt das Problem?“

Sie atmete tief durch. „Ich bewundere dich, Gabe, und ich hoffe sehr, dass wir Freunde bleiben, aber diesem Dinner habe ich zugestimmt, um dir zu sagen, dass wir uns nicht mehr treffen sollten. Ich brauche einen Partner, mit dem ich Neues kennenlerne.“

Es dauerte einen Moment, bis der erste Schock etwas nachließ. „Gemeinsam können wir sehr viel Neues kennenlernen.“

„Das ist süß, Gabe, aber unter einer neuen Erfahrung verstehst du, Rotwein statt Weißwein zum Fisch zu trinken. Ich will nicht denselben alten Kram machen, den wir ständig tun.“

Er biss die Zähne zusammen. „Ich bin also langweilig.“

„Du bist berechenbar.“ Sie stand auf und legte die Serviette neben den Teller. „Es tut mir leid, Gabe. Eines Tages triffst du die richtige Frau. Aber ich bin es nicht.“

Während sie das Restaurant verließ, wurde an fast allen Tischen getuschelt, aber das war für Kara als Senatorentochter nichts Neues.

Peinlich berührt starrte Gabe auf seinen Teller. Er hatte doch alles perfekt geplant. Er war jetzt dreißig, und Kara war die Einzige, mit der er sich ein gemeinsames Leben vorstellen konnte. Sie war auf Wahlveranstaltungen und Charitys an seiner Seite. Sie war eine perfekte Gastgeberin, und mit ihr konnte er am Ende eines langen anstrengenden Tages auf dem Sofa entspannen und John Coltrane hören.

Zugegeben, bisher fingen im Bett die Laken noch nicht an zu brennen, aber das würde sich mit der Zeit noch ergeben. Oder etwa nicht?

Jetzt hatte sie Nein gesagt. Berechenbar! Für Gabe klang das nach langweilig, egal, wie höflich sie es umschrieb.

„Die Rechnung, Sir.“

Gabe blickte hoch. Der Kellner wirkte verlegen. Offenbar hatte er die ganze peinliche Szene mitbekommen.

„Hier.“ Gabe legte seine Kreditkarte in die lederne Mappe mit der Rechnung, der Kellner ging, und Gabe erntete von den umliegenden Tischen mitfühlende Blicke. So gedemütigt hatte er sich noch nie gefühlt.

Sobald er gezahlt hatte, verließ er hastig das Restaurant und trat in die New Yorker Nacht hinaus und entschloss sich zu einem Spaziergang durch den Central Park. Er musste durchatmen und nachdenken.

Gerade als er im Park am Bootsanleger vorbeikam und sich fragte, wieso Karas Abfuhr ihn eher betäubte als verletzte, erklang hinter einem der Bootshäuser ein schriller Frauenschrei.

„Nimm deine Drecksgriffel von mir, oder ich ramm dir die Eier so hoch, dass du nicht mehr schlucken kannst.“

Er rannte in die Richtung, aus der die Stimme erklungen war.

Dort stand eine Frau mit dem Rücken zu ihm und ballte die Fäuste. Vor ihr lag der Angreifer am Boden und schnappte nach Luft.

„Wenn ich Nein sage, heißt das Nein, kapiert?“ Sie beugte sich vor, wodurch ihr kurzer Rock an den Schenkeln noch weiter nach oben glitt. Die Netzstrümpfe an ihren langen Beinen verschwanden auf Höhe der Waden in pinkfarbenen Doc Martens.

„Okay, ich hab’s verstanden. Aber so hart hättest du nicht zutreten müssen, du frigides Miststück.“

Gabe trat aus dem Schatten. „Hüten Sie Ihre Zunge und rühren Sie sich nicht. Ich rufe die Polizei.“ Er zog das Handy hervor und wählte.

„Keine Cops, bitte. Freddie war nur etwas übereifrig, aber ich habe das Missverständnis aus der Welt geräumt.“ Die Frau streckte schnell einen Arm in seine Richtung aus, und Gabe erkannte das Tattoo an ihrer Schulter.

„Devin?“

Langsam drehte sie sich zu ihm herum und riss die Augen auf. „Verdammter Mist.“

Wieso musste ihr in dem riesigen New York ausgerechnet Gabe Nelson zu Hilfe eilen?

Devin Padilla sah den Bruder ihrer besten Freundin an und verschränkte die Arme. „Was tust du hier?“

„Ich gehe nach Hause. Und das solltest du auch tun.“

Devin bemerkte den missbilligenden Tonfall und das Stirnrunzeln, als er sie musterte. Natürlich hielt er nicht viel von ihrem Outfit. Zugegeben, das zarte Top mit dem Spitzenbesatz spannte über ihren vollen Brüsten, und der kurze Rock betonte ihren runden Po. Aber schließlich arbeitete sie in einer Bar und musste den Kunden schon was zum Ansehen bieten, wenn sie genug Trinkgeld bekommen wollte, um finanziell über die Runden zu kommen und noch etwas für Victor zu sparen, vorausgesetzt sie würde ihn jemals finden.

„Liegt die Bar, in der du arbeitest, nicht Downtown?“

„Manchmal übernehme ich zusätzlich die eine oder andere Schicht im ‚The Mark‘.“ In der Hotelbar in der Upper East Side waren die Gäste immer sehr spendabel.

„Hallo?“, erklang eine Stimme vom Fußweg. „Hier unten liegt ein Verletzter.“

„Stell dich nicht so an, Freddie. Jetzt steh schon auf.“

„Du kennst den Kerl?“, hakte Gabe nach.

„Ist ein Stammgast. Hat gesagt, er bringt mich zur U-Bahn.“ Wütend sah sie auf den Mann hinab. „Aber dann hat Freddie anscheinend gedacht, wir könnten hier im Park noch eine kleine Nummer schieben.“

Freddie kämpfte sich auf die Knie hoch. „Ist doch nicht meine Schuld, wenn du mal flirtest und mir dann wieder die kalte Schulter zeigst. Daraus wird kein Mann schlau.“

„Wie bitte?“ Drohend hob sie einen der Doc Martens, so dass Freddie hastig von ihr wegrutschte. „Was gibt es hieran nicht zu verstehen, du Mistkerl?“

Gabe legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Ich werde die Lady nach Hause begleiten, Freddie.“

„Vergiss es!“ Sie schüttelte seine Hand ab. Keinen Moment länger als nötig wollte sie mit dem sexy Staatsanwalt verbringen. „Bis zur U-Bahn sind es nur zwei Blocks.“

„Ein Gentleman sorgt immer dafür, dass seine Begleitung sicher zu Hause ankommt.“ Er legte Devin sein Jackett um die Schultern, damit Freddie endlich aufhörte, ihr auf die Brüste zu starren.

Erst als das Zittern nachließ, wurde ihr bewusst, wie aufgebracht sie gewesen war.

Langsam rappelte Freddie sich auf. „Ich sag’s dir, Mann, mit der Kleinen hast du nur Ärger.“

Sofort wollte Devin sich wieder auf ihn stürzen, aber Gabe hielt sie zurück. Verdammt, jetzt fing sie doch wieder an zu zittern! Diesmal aber, weil er sie berührte. Was hatte Hollys spießiger Bruder nur an sich, dass ihr Herz in seiner Nähe wie ein Rennwagen losraste?

An dem heißen Körper, den er unter dem Designeranzug verbarg, konnte es nicht liegen, obwohl sie die breiten Schultern, die muskulöse Brust, die schmalen Hüften und die kraftvollen langen Schenkel längst registriert hatte. Genauso wenig konnten es die unergründlichen grauen Augen sein oder die vollen festen Lippen, mit denen er bestimmt unglaublich sinnlich küssen konnte.

„Das Risiko gehe ich ein.“ Gabe strich ihren Arm entlang zum Ellbogen, und sie bekam eine angenehme Gänsehaut.

„Mann, du schaufelst dir dein eigenes Grab.“ Damit verzog Freddie sich in die Dunkelheit.

„Hau bloß ab!“ Devin sah ihm noch nach, bevor sie Gabe sein Jackett zurückgab und sich auf den Weg zur U-Bahn machte. „Danke für die Hilfe, aber …“

„Du kommst allein zurecht, schon verstanden.“ Bereits nach drei Schritten holte er sie ein. „So leicht wirst du mich nicht los.“

In Devins Magen kribbelte es. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, wenn er sie begleitete. Bei ihr zu Hause könnte er sie im Wohnzimmer rücklings an die Wand pressen. Oder sie taten es auf dem Tresen in der Küche, oder im …

„Außerdem würde meine Schwester mich umbringen, wenn sie erfährt, dass ich dich mitten in der Nacht allein durch den Central Park laufen lasse.“

Richtig. Sein Schwester. Es ging ihm um Pflichterfüllung, nicht ums Vergnügen. Vielen Dank für die kalte Dusche! „Schön“, stieß sie aus, „aber dann nehmen wir ein Taxi. Du zahlst.“

„Sehr gern.“

Er hielt ein Taxi an, hielt ihr die Tür auf, setzte sich zu ihr und nannte dem Fahrer ihre Adresse, die er nur zu gut kannte, weil seine Schwester direkt im Apartment unter Devin gewohnt hatte.

Als das Taxi losfuhr, wollte sie das Schweigen brechen. „Wie geht’s Holly? Ich habe sie jetzt nicht mehr gesprochen, seit sie vor einem Monat mit Nick nach Istanbul geflogen ist.“

„Sie ist begeistert.“ Gabe lockerte sich die Krawatte und öffnete die obersten Knöpfe seines makellos gebügelten weißen Hemds. „Aber unsere Eltern machen sich Sorgen, weil sie in ihrem Zustand noch verreist.“

Devin schluckte und drehte sich ganz bewusst zum Fenster. Sie hatte schon unzählige muskulöse Kerle tätowiert, aber bei Mister GQ reichte ein Blick, und ihr wurde heiß. Verdammt, es waren doch nur zwei geöffnete Knöpfe! Ein bisschen Brusthaar, sonst nichts!

Es dauerte etwas, bis sie wieder sprechen konnte. „Holly ist schwanger, na und? Auch Schwangere verreisen, und bitte vergiss nicht, dass Nick den Gynäkologen und eine Krankenschwester zu den Dreharbeiten mitgenommen hat.“

Devin kannte kein anderes Paar, das sich so ergeben war wie Nick und Holly. Wenn sie an die zwei dachte, vergaß sie beinahe, wie wenig sie von der Liebe hielt. Beinahe. Leider gelang es ihr nicht, Gabes Nähe zu vergessen. Sobald er sich bewegte, streifte sein Schenkel ihren. Und der Duft seines Rasierwassers umgab sie. Es stand wirklich schlimm um sie.

„Darf ich dich was fragen?“

Es klang, als würde er so schnell sprechen, damit ihn nicht der Mut verließ.

Mit einem Schulterzucken drehte sie sich zu ihm. „„Klar doch.“

„Findest du, dass ich …“ Er strich sich durch das kurze nussbraune Haar. „Findest du mich … langweilig?“

Langweilig? Das wäre wirklich das Letzte, was ihr zu Gabe Nelson einfallen würde. Vielleicht ein bisschen ernst und förmlich. In erster Linie aber absolut heiß. Langweilig? Niemals.

Gabe drehte sich wieder von ihr weg. „Dein Zögern reicht mir als Antwort.“

Mist. Sie kam sich vor wie ein verlegener Teenager mit einer Schwäche für den jüngeren Bruder ihrer besten Freundin, der zwar die reinste Augenweide, aber leider absolut tabu war.

Noch bevor sie sich eine Antwort zurechtlegen konnte, hielt das Taxi vor ihrem Apartmenthaus an, und Gabe stieg sofort aus, um ihr die Tür aufzuhalten.

„Lassen Sie das Taxameter laufen“, wies er den Fahrer an. „Ich bin gleich zurück.“

Ohne auf seine ausgestreckte Hand zu achten, erhob sie sich, ging an ihm vorbei, und Gabe folgte ihr die Stufen zur Eingangstür hinauf.

„Danke.“ Sie suchte in ihrer Tasche nach dem Schlüssel, weil sie schnell in ihr Apartment wollte, um sich ihre Wohlfühlhose anzuziehen, sich mit Eiscreme vollzustopfen und diesen peinlichen Abend zu vergessen. „Hör mal, du bist nicht langweilig. Höchstens ein bisschen verklemmt.“

„Verklemmt?“

„Du weißt schon, altmodisch und konservativ.“

Erschrocken schnappte sie nach Luft, als Gabe sie herumdrehte und mit den Hüften an die Tür drückte. „Wie konservativ findest du das hier?“ Er packte ihre Schultern und presste die Lippen auf ihre.

Nach der ersten Schocksekunde entspannte Devin sich und erwiderte den Kuss. Die Handtasche glitt ihr aus der Hand. Sie schlang beide Arme um seinen Nacken und öffnete den Mund.

Fordernd ließ er die Zunge über ihre Unterlippe gleiten.

Verdammt! Sie hatte sich nicht getäuscht. Diese Lippen könnte sie stundenlang küssen. Tagelang! Und dann noch diese Zunge …

Nein, verklemmt war Gabe ganz sicher nicht.

Verführerisch fuhr sie mit der Zunge in seinen Mundwinkel, und Gabe stöhnte auf.

Mit einem Knie drückte er ihr die Schenkel auseinander und presste sein Bein fordernd an ihren Schoß.

Fast hätte sie ihm ein Bein um die Hüften gelegt, da brach er den Kuss so unvermittelt ab, wie er ihn begonnen hatte.

„Lieber Himmel, Devin, ich …“

Mit beiden Händen drückte sie ihm gegen die Brust. „Wenn du jetzt sagst, dass es dir leid tut, dann …“

Er trat einen Schritt zurück und steckte die Hände in die Taschen. „Dann rammst du mir die Eier so hoch, dass ich nicht mehr schlucken kann?“

„So was in der Art.“

„Dann sage ich einfach nur Gute Nacht.“ Er musste lächeln. „Und träum was Schönes.“

Fassungslos sah sie zu, wie er im Taxi wegfuhr. Mister Moral hatte getan, was noch kein Mann vor ihm getan hatte. Er hatte sie heiß gemacht und hängen lassen.

2. KAPITEL

„Der Boss will dich sehen. Du sollst raufkommen in den Siebten. ASAP.“

„Na, toll.“ Gabe blickte hoch zu seinem Vertreter Jack Kentfield und schob sich vom Schreibtisch zurück. Wenn man ins Penthouse gerufen wurde, konnte das nur zwei Gründe haben: Entweder hatte man etwas verbockt und durfte sich dafür die Abreibung abholen, oder man hatte die Chefetage erfreut und bekam dafür eine Anerkennung.

„Wenn du in zehn Minuten nicht wieder hier bist, schicke ich den Suchtrupp los“, rief Jack ihm nach, als er zum Fahrstuhl ging. „Oder ich fange an, für einen Kranz zu sammeln.“

Die Fahrstuhltüren schlossen sich, und Gabe fragte sich, was ihn dort oben erwartete. Er konnte sich nicht erinnern, irgendetwas falsch gemacht zu haben, aber wenn er ehrlich war, hatte er sich seit letzter Woche nicht mehr richtig auf seine Arbeit konzentrieren können. Seit dem Abend, als er Devin im Park getroffen hatte.

Der Abschiedskuss war wie eine Explosion gewesen, heißer als alles, was er bisher erlebt hatte. Wie weich ihre Lippen gewesen waren! Und wie sinnlich ihr warmer Körper sich an seinen geschmiegt hatte!

Zumindest begriff er jetzt, wieso Karas Abfuhr ihn eher betäubt hatte als verletzt. Es war vollkommen idiotisch von ihm gewesen, Kara einen Antrag zu machen. Gemeinsame Interessen und Erfahrung auf dem politischen Parkett! Wie war er bloß auf den Gedanken gekommen, die Leidenschaft würde sich erst später entwickeln?

Der Fahrstuhl hielt an, und Gabe wurde von der Sekretärin ins Büro von Thaddeus Holcomb, geführt. Der derzeitige Bezirksstaatsanwalt saß hinter einem wuchtigen Schreibtisch aus solider Eiche. Dicke Bände mit juristischen Abhandlungen und Gesetzestexte füllten die Wandregale, kunstvoll unterbrochen von Medaillen, Anerkennungen und ein paar Familienfotos.

„Sie wollten mich sprechen?“ Gabe setzte sich in einen der zwei Ledersessel vor dem Tisch.

Holcomb schloss die Akte, in der er gerade gelesen hatte und schob sie über den Tisch. „Die Polizei hat im Park-Avenue-Mord gestern Abend jemanden festgenommen.“

Gabe nickte. Das war heute früh überall berichtet worden. Ein Handwerker wurde beschuldigt, eine 85-Jährige und die Krankenschwester, die bei ihr lebte, sexuell missbraucht und ermordet zu haben. Eine Zeugin hatte den Mann beim Verlassen des Hauses gesehen, kurz bevor man die Leichen entdeckt hatte. „Morgen wird Anklage erhoben. Kentfield kümmert sich darum.“

Holcomb schüttelte den Kopf. „Die Presse stürzt sich darauf. Ich will Ihnen den Fall übertragen.“

Stirnrunzelnd verschränkte Gabe die Arme. Jack war kein Sympathieträger, aber er kam mit der Presse so gut zurecht wie alle anderen. Es musste mehr dahinterstecken, als sein Boss zugab. „Was halten Sie zurück?“

„Gar nichts.“ Holcombs betont unschuldiger Blick ließ Gabe noch misstrauischer werden. „Sie sind mein bester Ankläger. Sie kümmern sich um den Fall.“

„Wie Sie wünschen.“ Gabe ergriff die Akte und wollte aufstehen.

„Ich bin noch nicht fertig.“ Durchdringend musterte Holcomb ihn. „Wenn ich es richtig verstehe, wollen Sie sich um meine Nachfolge bewerben, wenn ich nächstes Jahr in den Ruhestand gehe.“

„Ja, Sir.“ Es war in Gabes Karriere der nächste logische Schritt.

„Ich schätze, Sie erwarten dafür eine Empfehlung von mir.“

„Darauf hatte ich gehofft.“

„Sie sind ein exzellenter Anwalt, Gabe, aber ich kann Sie nicht empfehlen.“ Holcomb lehnte sich zurück, und Gabes Puls ging schneller. „Zu diesem Amt gehört mehr, als Fälle erfolgreich abzuschließen. Der Leiter dieser Behörde repräsentiert die Bevölkerung.“

Gabe schluckte. „Und Sie finden, ich sei dazu nicht bereit?“

Holcomb drehte an dem goldenen Siegelring, den er immer am kleinen Finger der rechten Hand trug. „Erinnern Sie sich noch an die Eröffnungsfeier vom Familiengericht?“

Gabe wurde eiskalt. Als ob er das je vergessen könnte!

Bei der Zeremonie hatte er den stellvertretenden Bürgermeister mit falschem Namen angesprochen, die Frau des Gouverneurs versehentlich beleidigt und anschließend noch die übergroße Schere fallen gelassen, als er versucht hatte, die dämliche Schleife durchzuschneiden.

Das Schlimmste war allerdings der anschließende Empfang gewesen, denn Smalltalk war nicht seine Stärke. Er hatte es wirklich versucht, aber je mehr Mühe er sich gegeben hatte, desto peinlicher waren die Unterhaltungen geworden.

Es machte ihm nichts aus, vor einem fünfköpfigen Gericht oder einer Jury zu stehen, aber wenn er mit irgendwelchen Fremden zwanglos plaudern sollte, wurde jeder Satz zur Qual.

„Ihre Stärken liegen im Gerichtssaal, aber für einen Bezirksstaatsanwalt gehören Händeschütteln und Smalltalk zum Tagesgeschäft.“

„Ich kann das lernen“, wandte Gabe ein. „Geben Sie mir eine Chance.“

Nachdenklich beugte Holcomb sich vor. „In ein paar Wochen findet das Fest von San Gennaro statt. Beweisen Sie mir dort, dass Sie mit den Menschen in Kontakt treten und sie dazu bringen können, für Sie zu stimmen.“

„Abgemacht.“ Gabe stand auf. Ihm blieb nicht einmal ein Monat, um zu lernen, wie man locker und unbefangen plauderte. Im Moment hatte er keine Ahnung, wie er das anstellen sollte.

„Außerhalb der Sprechzeiten? Blödsinn.“ Devin beendete den Anruf auf ihrem Handy.

Leo Zambrano, ihr Boss und Mentor, blickte von dem Oberarm hoch, den er gerade tätowierte. Er grinste. „Ist dir bewusst, dass du mit einem Anrufbeantworter sprichst?“

„Diese miese, kleine Ratte von Privatdetektiv hat einfach sein Telefon abgestellt.“ Sie ging um ihren Arbeitsplatz herum. Seit sie achtzehn war, arbeitete sie hier im Tattoo-Studio „Ink the Heights“. Damals hatte Leo sie im Lager erwischt, aber statt sie rauszuschmeißen hatte er ihr einen Ausbildungsplatz gegeben.

„Dieser Mistkerl hat meine tausend Dollar kassiert, behauptet, er verfolge eine heiße Spur, und dann ist er einfach abgehauen.“ Devin atmete tief durch. „Wie soll ich Victor jetzt finden? Bisher bin ich immer nur in Sackgassen gelandet, und jetzt habe ich kein Geld mehr für einen weiteren Detektiv. Es hat Monate gedauert, bis ich diese tausend Dollar zusammenhatte.“

Zum ersten Mal seit Jahren hatte sie geglaubt, sie sei ganz dicht dran, ihren Bruder aufzuspüren, und jetzt war diese Hoffnung erloschen.

Vor ein paar Wochen hatte sie in der „Times“ einen Artikel über ein Heim für geistig Behinderte in der Bronx gelesen, in dem die Bewohner misshandelt, bespuckt und nicht ausreichend ernährt worden waren. Was, wenn Victor auch in so einem Heim leben musste? „Ich schwöre, wenn diese Ratte sich hier noch einmal blicken lässt, dann werde ich …“

Grinsend fuhr Leo mit der Tätowierung fort. „Ich könnte dir was leihen.“

„Nein.“ Sie blieb stehen. „Ich will dein Geld nicht. Hast du mir nicht schon genug geholfen? Du hast mich gerettet.“

„Zurzeit bist du es eher, die mich rettet. Du bist sehr talentiert, und ich habe ständig Angst, dass du hier alles hinschmeißt, um in irgendeinem schicken Studio anzufangen.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Was soll ich sagen? Ich habe nun mal eine Schwäche für ungehobelte Typen mit Helfersyndrom.“

„Und ich mag freche Gören, die unbedingt ihren Kopf durchsetzen wollen.“ Leo bedeckte das Tattoo mit einem Verband. „Das wär’s für heute, Hector. Nächste Woche geht’s mit den Schattierungen weiter.“

„Danke, Mann.“ Auf dem Weg nach draußen legte Hector ein paar Geldscheine auf den Tresen. „Bis nächste Woche.“

Leo zog sich die Einmalhandschuhe aus und kochte sich einen Kaffee. „Und, Devin? Gehst du zur Polizei?“

Fast hätte sie aufgelacht. „Wegen tausend Dollar jagen die Cops dem Dreckskerl nicht nach.“

„Und was ist mit Hollys Bruder?“ Er trank einen Schluck Kaffee. „Arbeitet der nicht bei der Staatsanwaltschaft?“

„Gabe?“ Sie packte ein paar Werkzeuge zum Sterilisieren in den Autoklaven. So konnte Leo nicht sehen, dass sie rot wurde. „Was ist mit ihm?“

„Vielleicht kann er Victor für dich aufspüren.“

Mitten in der Bewegung hielt sie inne. „Wie denn?“

„Als Staatsanwalt kennt er doch Leute vom Jugendamt und von der Fürsorge.“

Mist, wieso war sie darauf nicht selbst gekommen?

Leider würde sie dann bei dem Mann in der Schuld stehen, den sie jedes Mal vernaschen wollte, sobald sie in seine Nähe kam. Er war der jüngere Bruder ihrer besten Freundin und spielte in einer anderen Liga. Man brauchte ihn nur anzusehen, um zu erkennen, dass es bei ihm um feste Bindungen, Ehe, zwei Kinder und ein schickes Eigenheim ging.

In so ein Bild passte Devin nun mal überhaupt nicht.

Seufzend strich sie sich eine Strähne zurück, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatte. Leo hatte sie von der Straße geholt. Trotzdem lebte sie jetzt immer noch in einer vollkommen anderen Welt als Gabe.

„Diesen Blick kenne ich. Du willst die ganze Welt auf Abstand halten, aber mit dieser Nummer kommst du bei mir nicht mehr durch.“ Leo zog sie am Pferdeschwanz. „Es ist nicht schlimm, hin und wieder Hilfe von Freunden anzunehmen, Hermanita.“

Hermanita. Kleine Schwester. Bei diesem Kosenamen fiel es ihr schwer, die abweisende Fassade aufrechtzuerhalten. „Es fällt mir nun mal schwer …“

„Dich auf andere Menschen zu verlassen? Hier geht es um Victor, deinen Bruder. Wie lange hast du ihn jetzt nicht mehr gesehen? Zwölf Jahre?“

Immer noch konnte sie sich an die letzten Minuten mit ihm erinnern. Sie hatte vor Wut gezittert und den Sozialarbeiter verflucht, der Victor weggezerrt hatte. Sein Gesicht war nass von Tränen gewesen, und sie beide hatten panische Angst gehabt. „Eher fünfzehn.“

„Das ist fünfzehn Jahre zu lang.“ Die Glocke über der Eingangstür klingelte, und Leo wusch sich die Hände, um sich der Kundschaft zu widmen. „Ruf diesen Gabe an.“

Beim Gedanken an ein Treffen mit Gabe wurde Devin flau im Magen, aber Victor zuliebe würde sie ihn kontaktieren. Seit dem Kuss dachte sie ja ohnehin ständig an ihn.

3. KAPITEL

Nadelstreifenanzüge, Bleistiftröcke und Einstecktücher. Sie war umzingelt von Yuppies! Alle mit Smartphones am Ohr, alle in Eile, kein Blick nach rechts oder links.

Kurz vor dem Büro der New Yorker Bezirksstaatsanwaltschaft sah Devin an sich hinab. Schwarzes T-Shirt, khakifarbene Cargohose und schwarze Doc Martens. Alles sauber und nicht zerknittert. Aber im Vergleich mit diesen Wall-Street-Typen wirkte sie wie eine zerlumpte Schiffbrüchige nach einem Jahr auf einer einsamen Insel.

Genau deswegen passten Gabe und sie nicht zusammen. Okay, der Kerl küsste wie ein Pornostar, aber abgesehen davon brauchte er dringend Nachhilfe in Sachen Spaß.

Ihr ganzes Leben lang hatte Devin kämpfen müssen, und jetzt war ihr Spaß sehr wichtig. Doch im Moment ging es darum, Victor zu finden.

Entschlossen drückte sie die reich verzierte Messingtür auf und ging zum Empfang. „Wo finde ich die Büros der Bezirksstaatsanwaltschaft?“

Der Mann deutete zum Fahrstuhl. „Der Empfang ist im dritten Stock.“

„Danke.“

Ohne auf die befremdeten Blicke der Spießerelite zu achten, ging sie zum Fahrstuhl.

Als die Türen sich öffneten, betrat sie erleichtert die leere Kabine und stöhnte entnervt auf. Wie sehr sie es hasste, andere um Hilfe zu bitten! Zumal sie sich bei einem Mann wie Gabe mit nichts für den Gefallen revanchieren konnte.

Als die Türen sich öffneten und Devin das Stockwerk betrat, blickte eine adrette Empfangsdame ihr entgegen. „Kann ich Ihnen helfen?“

„Ich möchte mit Gabe Nelson sprechen.“

„Haben Sie einen Termin?“ Sie blickte auf ihren Monitor. „Es ist den ganzen Vormittag über nichts bei ihm eingetragen.“

„Eigentlich nicht. Ich bin Devin, eine Freundin der Familie.“ Verlegen zog sie sich das T-Shirt glatt.

„Einfach nur Devin?“

„Er weiß dann schon, wer ich bin.“

Die Sekretärin deutete auf eine Reihe von Stühlen an der Wand, und Devin nahm Platz, während die Frau leise telefonierte.

Ein paar Minuten später kam Gabe um die Ecke. In seinem dunkelgrauen Anzug, dem hellblauen Hemd und mit der dunkelroten Krawatte sah er heiß aus. Selbst die Brille mit dem dunklen Gestell wirkte an ihm sexy.

„Devin. Was bringt dich zu mir? Ist alles okay?“

Sie stand auf. „Können wir irgendwo ungestört reden?“

„Sicher.“ Er führte sie in sein spartanisches Büro.

Schlichter Schreibtisch, zwei Besucherstühle und Ordnerregale. Auf den wenigen Fotos an der Wand konnte Devin Holly entdecken, Gabes Eltern und seine jüngere Schwester Noelle. Die andere Frau musste Ivy sein, seine Zwillingsschwester, die erfolgreiche Modefotografin. Eine große glückliche Familie. Für Devin eine unbekannte Welt.

Er öffnete einen kleinen Kühlschrank und hielt eine Plastikflasche hoch. „Möchtest du ein Wasser? Sonst kann Stephanie dir einen Kaffee bringen.“

„Ein Wasser, bitte.“ Es kam krächzend heraus. Seltsam, ihre Hände waren feucht, aber der Mund staubtrocken.

Er reichte ihr das Wasser, nahm sich auch eines und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Auffordernd deutete er zu einem der Besucherstühle. „Ich nehme an, du bist aus einem bestimmten Grund hier.“

Er öffnete die Flasche und trank. Sein Adamsapfel bewegte sich auf und ab, und Devin schlug hastig die Beine übereinander.

Na toll! Erst erregte sie der Anblick von seinem Brusthaar, und jetzt der Adamsapfel. Was kam als Nächstes? Seine Zehennägel?

„Ich habe dir etwas mitgebracht. Als Dank dafür, dass du mich neulich mit dem Taxi nach Hause gebracht hast.“ Sie holte eine Tupperdose aus ihrer Tasche und stellte sie auf den Tisch. Mit einer kleinen Bestechung anzufangen, konnte nicht schaden. „Hühnchen mit Reis, selbstgemacht.“

„Du kannst kochen?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Wer hat gesagt, dass ich es selbstgemacht habe?“

Beim Klang seines tiefen Lachens kribbelte es ihr im Magen. „Aber wenn du es nicht willst, nehme ich es wieder mit.“

Lächelnd zog er die Tupperdose zu sich. „Meine Mutter hat mir beigebracht, dass es unhöflich ist, Geschenke nicht anzunehmen.“

Devin senkte den Blick auf die gefalteten Hände in ihrem Schoß. Sie hatte von ihrer Mutter nur gelernt, wie man einen Joint baut und einen Wodka Martini richtig mixt.

Gabe stellte das Gericht in den Kühlschrank und setzte sich wieder hinter seinen Schreibtisch. „Verrätst du mir jetzt, wieso du wirklich hier bist?“

Sie rutschte auf dem Stuhl nach vorn und sah Gabe an. Wie sollte sie es bei diesen faszinierend grauen Augen schaffen, sich zu konzentrieren? Hastig blinzelte sie. „Ich brauche deine Hilfe, um meinen Bruder zu finden.“

Devin hatte einen Bruder? Und sie wusste nicht, wo er war? Gabe versuchte noch, diese neuen Informationen zu verarbeiten, als die Tür aufgerissen wurde und ein blonder Mann seinen wohlfrisierten Kopf ins Zimmer streckte.

„Wo ist die Rasmussen-Akte?“

Niemand außer Jack platzte ohne anzuklopfen in ein Büro. Und niemand außer Jack würde jetzt hereinkommen und sich dicht neben Devin auf den zweiten Besucherstuhl setzen.

„Die habe ich Stephanie gegeben.“ Also verschwinde wieder. Jetzt.

„Hallo, Schönheit.“

Gabe spürte, wie sich ihm die Nackenhärchen aufrichteten. Völlig ungeniert betrachtete Jack Devin von Kopf bis Fuß, wobei sein Blick lange bei dem Tattoo verweilte, das sich im V-Ausschnitt ihres T-Shirts zeigte. War das ein Vogel? Oder ein Schmetterling? So wie er Devin kannte, war es sicher etwas Provozierendes, vielleicht ein Pfeil mit der Aufschrift: „Zunge bitte hierhin.“

„Jack Kentfield, das Gehirn dieser Behörde.“

Verärgert trat Gabe an ein Tischbein. „Immer langsam, Casanova.“

„Devin Padilla.“ Sie reichte ihm die Hand. „Ich bin eine Freundin von Gabes Schwester Holly.“

„Jede Freundin von Holly ist auch eine Freundin von mir.“

Als Gabe sah, wie Jack Devin einen Handkuss gab, platzte er fast vor Wut. Das Einzige, was ihn davon abhielt, sich auf Jack zu stürzen, war Devin, die Jack ansah, als sei er Hundedreck an ihrer Schuhsohle. „Wenn es dir nichts ausmacht … ich wollte mit Devin gerade zum Lunch gehen.“

„Wirklich?“ Sie drehte sich zu ihm und runzelte die Stirn.

„Schön, ich verstehe den Wink.“ Jack ging zur Tür. „Weißt du, Gabe, Holcomb würde dich nicht für einen verklemmten Aktenwälzer halten, wenn er wüsste, dass du Frauen wie Devin kennst. Vielleicht würde er dir dann auf der Stelle seine Empfehlung geben.“ Damit verschwand er.

„Seine Empfehlung?“ Devin stützte die Ellbogen auf die Knie. „Wofür?“

„Ach, egal.“ Gabe nahm die Lesebrille ab und rieb sich die Nase. Verdammter Jack! Wie hatte er überhaupt erfahren, wie das Gespräch mit Holcomb verlaufen war? Er stand auf. „Gehen wir.“

Sie folgte ihm. „Du brauchst mich nicht zum Essen auszuführen.“

„Ich will nicht riskieren, dass wir noch mal gestört werden.“ Oder dass Jack noch weitere Annäherungsversuche unternahm.

„Für ein schickes Restaurant bin ich nicht passend angezogen.“

„Für den Ort, wo ich mit dir hin will, siehst du perfekt aus.“

Eine halbe Stunde später saßen sie sich in einer Burger-Bar gegenüber.

Selig stöhnend biss Devin in ihren Burger. Mit der Zungenspitze leckte sie sich einen Tropfen Salsa aus dem Mundwinkel, doch ein zweiter lief ihr bis zum Kinn.

Gabe umklammerte die Tischkante. Gab es etwas Erregenderes als eine Frau, die ihr Essen so sinnlich genoss?

Sie tupfte sich mit der Serviette das Kinn ab. „Warum hält dieser Holcomb dich für einen verklemmten Aktenwälzer?“

„Netter Versuch.“ Auch Gabe biss von seinem Burger ab. „Aber jetzt reden wir über dich und deinen Bruder.“

„Du kennst doch Leute bei der Sozial- und der Jugendbehörde.“ Sie leckte sich die Lippen, und Gabe sah wie gebannt hin. „Victor und ich wurden im Kinderheim getrennt, als er zehn und ich dreizehn war. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Außer ihm habe ich keine Familie. Ich weiß nicht mal, ob er adoptiert worden ist oder ob er weiter in Pflegeheimen gelebt hat, bis er achtzehn war. Ich habe einen Privatdetektiv damit beauftragt, aber das war ein kompletter Reinfall.“

„Und jetzt möchtest du wissen, was ich darüber herausfinden kann.“

„Ehrlich gesagt, ja.“

„Ich werde tun, was ich kann.“ Er rieb sich das Kinn. Devin hatte eine schwere Kindheit hinter sich, und er wollte ihr unbedingt helfen. „Wenn dein Bruder adoptiert worden ist und die Adoptionsakte unter Verschluss steht …“

„Ich weiß, Gabe, aber ich muss ihn unbedingt finden. Er braucht mich.“

Wieso zitterten ihre Hände? Über den Tisch hinweg legte er die Hand auf ihre, und ihm wurde heiß vor Lust. Verdammt, was war nur los mit ihm? Er ließ ihre Hand los. „Morgen rufe ich ein paar Leute an, und dann gebe ich dir Bescheid, was ich herausgefunden habe.“

„Danke.“ Bedrückt lächelte sie ihn an, und dann aßen sie eine Weile schweigend.

Schließlich stellte sie ihr Glas Wasser ab. „Nachdem das geklärt ist, will ich die Sache mit dem verklemmten Aktenwälzer hören.“

„Das ist nicht sehr spannend.“ Genau wie er.

„Lass mich das selbst beurteilen.“ Sie streckte die Beine lang aus, verschränkte die Arme vor der Brust und sah Gabe erwartungsvoll an.

„Okay, okay, aber beschwer dich nicht, wenn ich dich ins Koma langweile. Das höre ich nämlich oft.“ Sobald er es ausgesprochen hatte, bereute er seine Worte.

„Hör mal, an jenem Abend, als wir im Taxi gesessen haben …“ Ihr Tonfall ließ ihn aufblicken. „Du bist nicht langweilig, Gabe. Wenn dieser Holcomb dir das einreden will, dann ist er ein Idiot.“

„Er ist mein Boss, aber ich teile ihm deine Ansicht gern mit. Das bringt sicher eine Menge.“ Dass seine Ex-Freundin auch fand, er sei ein öder Langweiler, behielt er lieber für sich.

„Ich versuche doch nur zu helfen. Kein Grund, gleich so bissig zu werden. Also, was kann ich tun?“

„Gar nichts.“ Fasziniert betrachtete Gabe sie. So blaue Augen! Und dazu das pechschwarze Haar und die hellbraune Haut!

„Der aalglatte Jack ist da anscheinend anderer Ansicht. Du möchtest von deinem Boss eine Empfehlung für irgendwas, stimmt’s?“

Gabe trank einen Schluck Malzbier und nickte. „Ich möchte seine Nachfolge als Bezirksstaatsanwalt antreten, wenn er abdankt.“

„Und er will das nicht befürworten, weil er dich für zu spießig hält.“

„So ungefähr.“

„Dann müssen wir dich eben locker machen.“ Sie kam um den Tisch herum und musterte ihn von allen Seiten wie einen Stier auf einer Viehauktion. „Gutes Material, damit lässt sich was anfangen. Und ehrlich gesagt bin ich die unspießigste Person, die du kennst.“

Gutes Material? Wofür hielt sie ihn? „Nein, danke, ich verzichte.“

„Ein Nein wird nicht akzeptiert.“ Sie setzte sich wieder hin und sah ihm eindringlich in die Augen. „Sieh es als Gegenleistung, weil du versuchst, Victor zu finden.“

„Du bist Hollys Freundin.“ Und seit dem Kuss auch das nächtliche Objekt seiner Begierde. Ein Grund mehr, wieso diese Vereinbarung nur in einer Katastrophe enden konnte. „Ich brauche keine Gegenleistung. Beim Fest von San Gennaro werde ich meine Chance nutzen.“

Sie schob sich das Haar hinters Ohr, in dem vier Piercings steckten. „Was hat dieses Fest damit zu tun?“

„Holcomb will bei diesem Fest sehen, ob ich einen Draht zum Mann auf der Straße finde. Dass ich die Leute dazu bringen kann, für mich zu stimmen.“

„Damit bleiben uns noch knapp sechs Wochen. Das ist mehr als genug.“

„Wofür?“ Er schob seinen Teller zurück.

Aus den Tiefen ihrer Tasche holte sie Block und Stift und fing an zu schreiben. „Um dich locker zu machen.“

4. KAPITEL

„Wo willst du mit mir hin?“ Gabe verschränkte die Arme und lehnte sich an den Türknauf.

Drei Tage war es her, seit Devin verkündet hatte, sie wolle ihn locker machen, und jetzt tauchte sie in seinem Apartment in Tribeca auf und sah aus, als sei sie dem Musical Hair entsprungen.

„Zu einem Rave.“ Sie trug einen Mini-Jeansrock und weiße Boots, dazu ein Fransen-Top, das sie zurechtzog, wobei ihre Brüste sich aufreizend bewegten. „Das ist eine Party, auf der die Leute die ganze Nacht lang tanzen.“

Gabe musste lächeln. „Ich weiß sehr wohl, was ein Rave ist.“

„Tja, dann komm schon. Es ist gleich Mitternacht.“

Er sah an seinem Polohemd und der Khakihose hinunter. „Bin ich dafür nicht ein bisschen underdressed?“

Sie schüttelte den Kopf, und ihr langes schwarzes Haar, dass sie sich mit einem mit Blumen bedruckten Stirnband nach hinten gebunden hatte, wippte. „Bei so einem Event ist alles erlaubt.“

Gequält verzog er das Gesicht. „Das habe ich auch gehört.“

„Wenn du jetzt auf Drogen und Sex anspielst …“ Sie verengte die Augen. „Hältst du mich für so dumm, dass ich deinen Job gefährde?“

„Ich halte dich überhaupt nicht für dumm.“ Sie hatte zwar nicht die exklusive Ausbildung seiner Kollegen, aber mit der Cleverness, die sie sich auf der Straße angeeignet hatte, konnte sie es mit den meisten von ihnen aufnehmen.

„Bei der echten Rave-Kultur geht es um Frieden und Respekt, um Individualität und das gemeinsame Erleben.“ Ungeduldig tappte sie mit ihrem Lacklederschuh auf den Boden. „Du musst locker werden, und deshalb bringe ich dich in Kontakt mit deinen jungen Wählern. Jetzt sträub dich nicht und komm mit.“

Ihm blieb keine Wahl. Er steckte Schlüssel und Brieftasche ein, verließ das Apartment und folgte ihr den Flur entlang. „Wo geht’s denn genau hin?“

„Zu einer leerstehenden Lagerhalle im Großmarktviertel.“

Während er ihr folgte, konnte er den Blick nicht von ihrem runden Po abwenden, über dem der Rock eng anlag. Wieso mussten ausgerechnet die bösen Mädchen immer so heiß aussehen?

Sie fuhren mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss, und sobald die Türen sich öffneten, stürmte Gabe förmlich aus der kleinen Kabine. Er brauchte Abstand zu Devin, um sich beherrschen zu können.

Sie bückte sich, um einen ihrer Stiefel hochzuziehen, und dadurch rutschte ihr Rock höher, und ihr enges Top klaffte auf.

Gabe fluchte leise. Zeigte sie nicht schon genug Haut? „Ich rufe uns ein Taxi.“ Ohne einen weiteren Blick zurück durchquerte er die Lobby, ging nach draußen und hob den Arm. Je schneller sie zu diesem Rave kamen, desto eher wäre es auch vorbei.

„Nicht so hastig.“ Sie drückte seinen Arm nach unten. „Wir fahren U-Bahn, das ist für dich sicher auch neu.“

„Ich fahre auch mit der U-Bahn. Ab und zu.“

„Ach, ja?“ Oben an der Rolltreppe blieb sie stehen. „Wann war das letzte Mal?“

Er senkte das Kinn. „Okay, das ist schon etwas her. Aber nur, weil ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, seit es wieder wärmer ist.“

Genießerisch musterte sie Gabe von Kopf bis Fuß. „Das sieht man dir an.“

Sie drängte sich an ihm vorbei und lief die Treppe hinunter, und Gabe sah ihr wieder auf den hinreißenden Po. Dass eine Frau ihn so unverhohlen musterte, hatte er noch nie erlebt, und er wusste nicht, was er davon halten sollte.

Doch, gestand er sich ein, es gefiel ihm sogar sehr.

„Kommst du jetzt oder nicht?“ Sie war bereits unten.

Noch nicht, aber vielleicht später … Schnell verdrängte er den Gedanken und folgte Devin. „Bin schon bei dir.“

Die U-Bahn-Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, abgesehen davon, dass Devin sich auf dem Bahnsteig zu einem Bongo-Spieler stellte und mit ihm sang. Und während der Fahrt half sie einem Kerl im Spidermankostüm bei der Suche nach seinem Handy.

An der dritten Haltestelle stiegen sie aus, und Devin führte Gabe ein paar Blocks weiter zu einem großen Ziegelgebäude.

„Hier ist es?“ Er blickte sich in der menschenleeren Gegend um.

„Wart’s ab.“ Sie klopfte an eine solide Metalltür.

„Devin!“ Ein stämmiger Kerl mit Glatze öffnete die Tür und zog Devin zur Begrüßung in die Arme. „Wo hast du denn die ganze Zeit gesteckt?“

„So hier und da.“ Herzlich erwiderte sie die Umarmung, und sobald der Türsteher zur Seite trat, führte ihn Devin einen langen Gang entlang und eine Treppe hinab. Je tiefer sie gelangten, desto lauter hörten sie den Beat der Techno-Musik.

Gabe beugte sich zu Devins Ohr. „Das ist vielleicht der richtige Zeitpunkt, um dir zu gestehen, dass ich kein großer Tänzer bin.“

„Keine Sorge.“ Sie nahm seine Hand. „Bleib nur dicht bei mir.“

Gabe nickte kurz, folgte Devin durch eine Tür und betrat damit eine völlig andere Dimension.

Der riesige Raum war voller Menschen, vom College-Kid bis zum Mittvierziger. Manche trugen wie Gabe ganz normale Straßenkleidung, andere waren kostümiert. Gabe sah Ballettröckchen, Hot Pants, viel Strass, Perücken in Neonfarben, seltsame Hüte und auffällige Brillen. Bei einer Frau hätte er schwören können, dass ihr Bodysuit komplett aus Klebeband bestand.

Am entfernten Ende des Raums stand ein DJ auf einer Bühne hinter gigantischen Pulten, und ausgeklügelte Lasershows wurden auf Leinwände projiziert.

„Komm mit.“ Devin zog ihn in die Menge. „Lass uns tanzen.“

Zumindest glaubte Gabe, dass sie das gesagt hatte, denn er sah nur ihre Lippenbewegungen.

Die Menge drückte sie aneinander, und Devin warf lachend den Kopf in den Nacken und hob die Arme. Dann fing sie an, sich wiegend zu bewegen, und Gabe fürchtete, seine Erektion würde jeden Moment den Reißverschluss sprengen.

„Was tust du da?“ Er formte die Worte sehr deutlich mit den Lippen.

Lächelnd legte sie ihm eine Hand in den Nacken und zog ihn enger an sich.

Gabe verspannte sich. Sie musste doch merken, wie sehr sie ihn erregte.

Verdammt! Was war aus seiner Selbstbeherrschung geworden? Gabe biss die Zähne zusammen und konzentrierte sich auf einen Punkt über Devins linker Schulter, um sich davon abzulenken, wie ihre Brüste sich unter dem engen Top bewegten.

Sie packte ihn an den Hüften. „Jetzt beweg dich mal“, schrie sie. „Du bist ja so steif wie eine Statue.“

Ja, er war steif, aber nicht so, wie sie es meinte. „Ich hab doch gesagt, dass ich nicht tanzen kann!“

Sie kam mit dem Mund dicht an sein Ohr. „Stell es dir wie Sex im Stehen vor.“ Vielsagend lächelte sie. „Das kannst du doch, oder?“

Gabe erwiderte das Lächeln. „Ich versuch’s.“

„Gut.“ Sie tanzte weiter und behielt dabei die Hand an seiner Hüfte, damit er sich weiter mit ihr bewegte.

Ganz allmählich gab er sich dem Rhythmus der Musik hin und spürte den sanften Druck von Devins Hand. Bei jedem Schritt streifte ihre Brust seine, und sein Puls raste.

Er riss den Blick von ihr los und überblickte die Menge, sonst würde aus dem simulierten Sex noch echter werden. Gleich hier auf der Tanzfläche.

Nicht weit entfernt versuchte ein Mann in Lederkluft sich am Moonwalk. Dabei drehte er sich um und sah Gabe in die Augen.

Ganz langsam breitete sich ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht des Mannes aus, während er eine Hand hob und so tat, als würde er mit einer Waffe auf Gabe zielen. Dann schwenkte er langsam zu Devin und tat so, als würde er abdrücken.

Verdammt! Gabe kannte den hässlichen Kerl. Drei Monate lang hatte er ihn jeden Tag im Gericht gesehen, und als die Jury den Angeklagten schuldig sprach und das Gericht das lebenslange Urteil verhängte, hatte Gabe die Blicke dieses Mannes, der immer auf der Galerie gesessen hatte, im Nacken gespürt.

„Wir müssen hier raus!“ Er löste Devins Hand von seinem Nacken. „Sofort.“

„Was ist?“

Er zog sie mit sich von dem Kerl weg, an dem sie leider vorbei mussten, wenn sie zur Tür wollten. „Gibt es hier noch einen anderen Ausgang?“

„Hier lang“, schrie sie zurück und drängte sich mit Gabe im Schlepptau durch die Menge in Richtung Bühne.

„Was war denn los?“, wollte Devin wissen, sobald sie aus dem Gebäude getreten waren.

Einen Moment lang hatte sie auf der Tanzfläche den Eindruck gehabt, Gabe würde sich der Musik hingeben und die verrückte Lust zulassen, die zwischen ihnen prickelte. Doch im nächsten Moment war er zur Tür gestürmt.

„Augenblick noch.“ Hastig sah er sich nach allen Seiten um und zog Devin mit sich in eine schmale Gasse. „Hier können wir uns ein paar Minuten verstecken. Ich will nur sicher sein, dass uns niemand folgt.“

„Wer sollte uns denn folgen?“ Trotz ihrer langen Beine fiel es ihr schwer, mit ihm Schritt zu halten. „Was ist das hier? CSI?“

„Nein.“ Er zog sie mit sich in die Schatten. „Das ist die Realität.“

Bei seinem ernsten Tonfall bekam sie eine Gänsehaut. „Was ist da drin passiert?“, fragte sie flüsternd. „Wieso verstecken wir uns hier um ein Uhr nachts in einer Gasse?“

Er stützte sich an die Ziegelwand und atmete tief durch. „Ich habe dort drin jemanden gesehen, dem ich lieber nicht mehr begegnen würde.“

Sie sah sich um. Ein alter Kühlschrank, Müll, verstopfte Gullys und widerliche Pfützen. Es musste wirklich ernst sein, wenn er sich hier mit ihr versteckte. „Was hat der Kerl dir angetan?“

„Es geht eher darum, was ich ihm angetan habe.“ Gabe warf ihr einen langen prüfenden Blick zu. „Ich habe seinen jüngeren Bruder ins Gefängnis gebracht.“

„Verständlich, dass er nicht gut auf dich zu sprechen ist.“ Sie zog die Nase kraus. „Wie lange müssen wir hier ausharren? Hier riecht es eklig, und da drüben unter der alten Zeitung bewegt sich was.“

„Nur noch ein paar Minuten.“ Er streckte den Kopf um die Ecke und zog ihn schnell wieder zurück. „Bis ich sicher bin, dass die Luft rein ist.“

Erschöpft lehnte sie sich neben Gabe an die Wand. „So sah mein Plan für heute Abend nicht aus. Aber wenigstens habe ich dich aus deiner gewohnten Umgebung gerissen.“

„Das kann man wohl sagen.“

Sie wandte sich zu ihm und sah ihm in die Augen. Etwas in seinem Blick ließ sie die Luft anhalten, und es fiel ihr schwer, einen zusammenhängenden Gedanken zu fassen. „Du hast das da drin ganz gut gemacht. Noch ein paar Minuten länger, und du hättest mit Leuchtstäben Kreise durch die Luft gezogen.“

Oder ich hätte mich mitten auf der Tanzfläche an dir gerieben.

Das mit Gabe konnte doch nur körperlich sein, oder? Er sah heiß aus, da würde jede Frau weiche Knie bekommen. Und dass ihr Herz so raste, musste daran liegen, dass sie sich hier mit ihm versteckte.

Leider befürchtete sie, dass das alles einen anderen Grund hatte. Sie fing an, Gabe zu mögen.

Er lehnte sich über ihrem Kopf mit dem Unterarm an die Mauer. Sofort nahm sie nichts mehr vom Gestank in der Gasse wahr. Sie roch nur noch Gabes Rasierwasser und musste schlucken. „Du …“

Schnell hob er die Hand. „Still.“

Jetzt hörte sie auch die Schritte und die Stimmen, die allmählich lauter wurden.

„Verdammt, wir haben ihn verloren.“ Die Männerstimme klang verärgert. „Bist du dir ganz sicher, dass er es war?“

„Glaubst du, ich würde die Fresse von dem Typ vergessen, der Frank eingelocht hat?“

„Was hat ein Staatsanwalt auf einem Rave zu suchen?“

„Woher soll ich das wissen? Vielleicht ist er undercover.“

Devin konnte am Ende der Gasse die Silhouetten von zwei bulligen Männern ausmachen. Atemlos schob sie sich enger an Gabe, der die Arme um sie schlang und sie mit sich hinter einen großen Müllcontainer zog.

„Sie können noch nicht weit sein. Komm weiter.“

Die Männer gingen weiter, und die Stimmen verklangen in der Dunkelheit.

„Puh, das war knapp.“ Erzitternd stieß Devin die Luft aus, und Gabe strich ihr mit beiden Händen über den Rücken. „Meinst du, wir können jetzt raus?“

„Noch nicht.“ Sein Mund war dicht an ihrem Ohr, und seine Lippen streiften kitzelnd ihr Ohrläppchen. „Wir müssen ihnen ein bisschen Vorsprung lassen.“

„Klingt nach einem Plan.“ Wie sollte sie der Versuchung widerstehen, wenn er ihr so nah war? Sie drehte sich frontal zu ihm. „Irgendeine Idee, wie wir uns bis dahin die Zeit vertreiben?“

„Oh, da fällt mir eine Menge ein.“ Er wollte einen Schritt zurücktreten, doch sie schlang ihm einen Arm um den Nacken und ließ ihn nicht weg.

„Lass mich raten. Scharade? Wahrheit oder Pflicht? Personenraten?“ Sie strich ihm durch die kurzen Nackenhaare. Mit einem Knie drückte sie ihn rücklings gegen die Ziegelmauer. „Oder vielleicht etwas … Intimeres?“

Fordernd schob sie den Schenkel zwischen seine Beine, und er stöhnte auf. „Du machst mich wahnsinnig.“

„Ist doch gut.“ Sie neigte den Kopf zur Seite und strich mit den Lippen an seiner Wange entlang. „Sehr gut sogar.“

„Oder sehr schlimm.“ Aufstöhnend drehte er den Kopf zu ihr, und ihre Münder trafen sich in einem fiebrigen Kuss.

Er umfasste ihr Gesicht, hielt sie fest und presste die Lippen auf ihre.

Leise seufzend lehnte sich an ihn. Ihr zitterten die Knie. Sie brauchte Halt. Sie hatte angefangen, aber Gabe ließ keinen Zweifel daran, wer die Kontrolle hatte. Bei ihm machte es ihr nichts aus, sich zu fügen. Sie fühlte sich sicher.

Und zugleich jagte es ihr eine höllische Angst ein.

Sie konnte nicht sagen, ob der Kuss eine Minute oder eine halbe Stunde gedauert hatte.

Er ließ die Hände auf ihre Schultern sinken, und gerade als sie ihm den letzten Knopf am Polohemd öffnen wollte, hob sie abrupt den Kopf.

„Hörst du das auch?“ Sie drehte sich zur Seite. Die alte Zeitung raschelte, und Devin fragte sich, ob sie wissen wollte, wie groß die Ratte war, die darunter hauste. „Meinst du, wir können jetzt hier weg, bevor dieser Abend noch schrecklicher wird?“

Er strich ihr durchs Haar und lächelte. „Einiges an diesem Abend hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich kann’s kaum erwarten, was du als nächste Lektion für mich geplant hast.“

Eine nächste Lektion? Meinte er das ernst?

„Aber für heute habe ich genug.“ Er ergriff ihre Hand, und zusammen verließen sie die dunkle Gasse. „Mehr Spaß und Abenteuer verkrafte ich jetzt nicht.“

5. KAPITEL

„Was ist denn mit dir los?“ Cade Hardesty, Gabes bester Kumpel, setzte sich neben ihn auf die Tribüne und stieß ihn mit dem Ellbogen an, wobei Gabes Bier aus dem Plastikbecher überschwappte. „Strahlendblauer Himmel, die Yankees führen, und du bist mit den Gedanken überhaupt nicht beim Spiel. Hast du eine schlimme Woche hinter dir?“

„Das kann man wohl sagen.“ Der Park-Avenue-Fall bereitete Gabe Kopfschmerzen. Es gab keinerlei Indizien und auch kein Motiv. Es fehlte nicht einmal irgendetwas in dem Apartment. Und die Aussagen der einzigen Zeugin waren widersprüchlich. Wie sollte Gabe darauf eine Anklage aufbauen?

Über Victor hatte er auch nichts herausgefunden. Die damalige Betreuerin rief ihn nicht zurück. Vielleicht sollte er gleich am Montag zu ihr ins Büro fahren. Das war immer noch besser, als Devin zu enttäuschen.

Devin!

Jedes Treffen mit ihr endete damit, dass er erregt und unbefriedigt war. Wieso konnten sie die Hände nicht voneinander lassen? Das konnte er im Moment überhaupt nicht gebrauchen. Er stand doch kurz davor, auf der Karriereleiter die nächste Stufe zu erreichen.

„Willst du darüber reden?“ Cade trank sein Bier aus und winkte die hübsche blonde Verkäuferin heran.

„Sind wir jetzt Mädchen?“, fuhr Gabe ihn an. „Was kommt als Nächstes? Lackieren wir uns gegenseitig die Nägel?“

„Sicher nicht.“ Cade zwinkerte der Verkäuferin zu und gab ihr einen Zwanziger. Errötend reichte sie ihm das Wechselgeld und zwei Becher Bier, von denen er einen an Gabe weitergab. „Zehn Dollar, dass sie mir bei der nächsten Bestellung ihre Nummer gibt.“

„Da wette ich nicht.“ Gabe schüttelte den Kopf. Keine Frau konnte Cades Charme widerstehen. Kein Wunder, schließlich sah er wie der typische Surfer aus Kalifornien aus, blond, athletisch und immer gut gelaunt.

Genau das Gegenteil von Gabe. Er wusste genau, dass er oft kühl und düster wirkte.

„Auch egal.“ Cade trank von seinem Bier. „Ich will dir deine Woche nicht noch mehr vermiesen.“

In dem Moment vibrierte Gabes Handy. Es war eine Nachricht von Devin.

Gabe zögerte. Wollte sie sich mit ihm zum nächsten Abenteuer verabreden? Oder wollte sie den ganzen Deal abblasen? Was wäre ihm lieber?

„Devin? Hollys Freundin von damals?“ Ungeniert sah Cade aufs Display. „Wieso bekommst du eine Nachricht von Devin? Ist sie jetzt Anwältin? Ich habe gehört, dass sie in einer Bar hinter dem Tresen steht und die halbe Menschheit tätowiert.“

Stimmt, dachte Gabe. Außerdem ist sie klug, humorvoll und lebenslustig.

„Liest du die Nachricht auch irgendwann oder starrst du weiter nur aufs Display?“

Hastig öffnete Gabe die Nachricht.

Phase Zwei: Morgen Abend um sieben. Bei mir.

„Was für eine Phase Zwei?“

„Das geht dich nichts an.“ Gabe wandte sich von seinem Freund ab und tippte seine Antwort.

Wo willst du mit mir hin?

Nach wenigen Sekunden kam die Antwort.

Es ist eine Überraschung. Es wird dir gefallen, versprochen. Kein Tanzen.

Lächelnd schrieb er zurück:

Sehr beruhigend. Was soll ich anziehen?

Wieder kam ihre Antwort umgehend.

Ganz egal. Hauptsache, du bewegst deinen hübschen Hintern rechtzeitig zu mir.

Leise lachend steckte er das Handy wieder weg.

„Was läuft da zwischen Devin und dir?“ Cade verschränkte die Arme, und als Gabe nur mit den Schultern zuckte, seufzte er theatralisch. „Also schön, dann hast du also Geheimnisse vor deinem besten Freund, den du schon aus dem Kindergarten kennst. Der den Sündenbock gespielt hat, als du die antike Vase deiner Mutter kaputtgemacht hast. Der dir beim Umzug ins Apartment in den fünften Stock geholfen hat. Der …“

„Okay, okay.“ Gabe hob die Hände. „Sie hilft mir bei einem Problem, das ich bei der Arbeit habe.“

„Am Samstagabend? Bei ihr zu Hause?“ Cade verdrehte die Augen.

Gabe sah aufs Spielfeld, doch er bekam nichts vom Match mit. „Ich bewerbe mich als Bezirksstaatsanwalt, den Antrag habe ich letzte Woche eingereicht.“

Anerkennend klopfte Cade ihm auf den Rücken. „Das ist fantastisch, Mann. Dafür bist du genau der Richtige.“

„Danke.“ Leider würde ihm Cades Meinung keine Wählerstimmen einbringen. „Aber den Posten bekomme ich nicht, wenn mein bisheriger Boss mich nicht dafür empfiehlt. Er will, dass ich mehr Volksnähe beweise. Und genau an dem Punkt kommt Devin ins Spiel. Sie soll mich lockerer machen.“

„Dafür gibt es doch Imageberater.“

„Daran hatte ich auch schon gedacht, aber dann ist Devin aufgetaucht und hat mir ihre Hilfe angeboten. Deshalb …“ Jede weitere lahme Erklärung ging im Jubel der Menge über einen geglückten Spielzug unter.

„Wie du meinst.“ Cade konzentrierte sich wieder aufs Spiel. „Aber sag hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Diese Lady bringt dir nur Ärger.“

Das hörte Gabe nicht das erste Mal.

„Hier.“ Devin zog Gabe in ihr Apartment und drückte ihm einen Stapel Kleidung in die Hand. Blaue Leinenschuhe, ausgewaschene Jeans und ein graues T-Shirt mit dem Logo einer Band darauf. „Zieh das an.“

Gabe sah sich die Etiketten an. „Woher weißt du, welche Größen ich habe?“

„Von Holly.“ Für diese Umsicht verlieh Devin sich in Gedanken selbst eine Medaille.

Verwundert blinzelte er. „Du hast sie in Istanbul angerufen?“

„Es war ein modischer Notfall.“ Sie schob ihn ins Bad. „Und jetzt beweg deinen Hintern. Wir müssen los.“

„Zu Befehl, Madam.“

Sobald er im Bad verschwunden war, lehnte sie sich an die Wand und strich sich eine Strähne hinters Ohr. Heute musste es einfach besser klappen als beim letzten Mal, sonst ließ Gabe sicher den ganzen Deal platzen. Und ohne seine Hilfe würde sie Victor niemals aufspüren.

„Schon was über Victor gehört?“ Sie biss sich auf die Lippe.

„Noch nicht“, antwortete er aus dem Bad heraus. „Ich habe seine Betreuerin ausfindig gemacht, aber sie hat noch nicht zurückgerufen. Wenn ich bis Montag nichts von ihr höre, dann … verdammt!“

„Was ist los?“ Sie ging zur Tür.

„Diese Jeans ist ein bisschen eng.“

Fast hätte sie losgelacht. „Soll sie auch.“

„Meine Boxershorts rollt sich beim Anziehen auf.“

„Dann lass sie weg.“ Nackt in der Jeans, das war ein verlockender Gedanke. „Es bleibt unser kleines Geheimnis.“

Im Bad hörte sie Stoff rascheln und hoffte, dass er ihrem Tipp folgte.

„Und was mache ich jetzt mit meinen Sachen?“

Bingo! „Wirf alles in den Wäschekorb, das wasche ich morgen für dich. Sieh’s als Belohnung dafür, dass du mitspielst.“ Und obendrein war es ein Aufhänger, um ihn wiederzusehen. Hingen Männer eigentlich genauso an ihren Boxershorts wie Frauen an ihren Tangas?

Die Tür ging auf, und Gabe kam selbstbewusst wie ein Model aus dem Bad.

Schon im Anzug und in seinem Freizeitlook war er ein echter Hingucker gewesen, aber gab es etwas Männlicheres als Jeans und T-Shirt? Die Jeans betonte seinen göttlichen Po und die kraftvollen Schenkel. Und das T-Shirt spannte über seiner breiten Brust und fiel locker über den Bauch bis zum Gürtel.

Devin rang nach Luft. Ganz offensichtlich ging Gabe regelmäßig trainieren. Kein Mensch bekam einen solchen Körperbau, indem er sich jeden Tag an den Schreibtisch setzte. Da spielte es auch keine Rolle, ob er mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr.

„So schlimm?“ Fragend zog er eine Braue hoch.

„Du siehst toll aus.“ Sie fand selbst, dass es nicht sehr überzeugend klang. Bevor sie sich noch mehr zum Narren machte, schnappte sie sich schnell die Handtasche. „Komm, lass uns gehen.“

Er folgte ihr zur Tür. „Verrätst du mir jetzt, was du vorhast?“

„Wir ziehen im Village durch die Pubs. Es ist ein Kultur-Event.“

„Was ist daran kulturell, wenn man von Pub zu Pub zieht und langsam immer betrunkener wird?“

„Es ist eine literarisch begleitete Tour durch Pubs, in denen ein paar von New Yorks größten Schriftstellern getrunken und geschrieben haben. Edgar Allen Poe, Eugene O’Neill, Louisa May Alcott. Und das alles ist für den guten Zweck.“

„Wow, Devin, das klingt …“

Ihr Herz setzte einen Schlag lang aus, während sie auf seine Reaktion wartete.

„Das ist perfekt. Was ist denn der wohltätige Zweck?“

Sie atmete tief durch. „Turn the Page.“ Sie öffnete die Tür ihres Apartments. „Dort bilden wir Freiwillige aus, die in die Schulen gehen und Kids helfen, denen das Lesen schwerfällt.“

Höflich hielt Gabe ihr die Tür auf und ließ ihr den Vortritt. „Wir?“

Ups! Das hatte sie nicht verraten wollen, aber wie üblich funktionierte ihr Verstand nicht richtig, wenn Gabe in ihrer Nähe war. Sie schloss ab. „Ich helfe da hin und wieder aus.“

„Hin und wieder, ja?“ Mit einer Hand an ihrem Rücken geleitete er sie die Treppen hinab bis ins Foyer. Dort blieb er stehen und tippte ihr auf die Brust. „Mich kannst du nicht täuschen. Nach außen hin gibst du dich als Löwin. Aber tief da drin bist sanft wie ein Kätzchen.“

„Bin ich gar nicht.“ Sie drückte die Tür auf und trat auf die Straße hinaus. Wie konnte er behaupten, er würde sie besser kennen als sie sich selbst? Und wieso musste er auch noch recht haben?

„Klar doch.“ Gabe lief ihr hinterher. „Deshalb hilfst du mir auch bei Holcomb.“

„Dafür hilfst du mir, Victor zu finden.“

„Und wieso hilfst du leseschwachen Kids?“

„Ich mag die Harry-Potter-Bücher.“

Er musste lachen. „Wenn du’s sagst.“

„Da wären wir.“ An der Ecke blieb sie stehen und deutete auf das blauweiße Schild über ihren Köpfen. „Das ‚White Horse‘. Hier haben Norman Mailer, Hunter S. Thompson und Frank McCourt sich einen hinter die Binde gegossen. Hier beginnt die Tour.“

Lächelnd zog Gabe sie am Ellbogen zur Seite, als eine Gruppe Studenten aus dem Pub kam. „Machst du bei dieser Tour die Führung?“

„Sehr witzig.“ Sie schüttelte seine Hand ab und ärgerte sich über sich selbst, weil seine Berührung sie jedes Mal so nervös machte. „Als ob mir irgendjemand irgendwohin folgen würde.“

„Ich würde es tun.“ Er hielt ihr die Tür auf und ließ ihr den Vortritt. „Im Grunde bin ich dir ja bereits gefolgt. Hierher.“

Er war ihr so nahe! Fast spürte sie die Wärme seines Sixpacks am Rücken.

Ihre gestammelte Antwort konnte zum Glück ohnehin niemand verstehen, weil es in dem Pub so laut war.

Sie gingen zu einer kleinen Gruppe am anderen Ende des Raums.

Die Frau, die mitten in der Gruppe stand, löste sich von den anderen und kam auf Devin zu.

„Chica! Du bist gekommen.“ Sie umarmte Devin.

„Versprochen ist versprochen.“

„Wer ist denn der Hübsche?“

Devin hüstelte. „Ariela, Gabe. Gabe, Ariela.“

Er schüttelte ihr die Hand, und Ariela musterte ihn anerkennend aus ihren großen braunen Augen. „Schön, endlich mal einen Freund von Devin kennenzulernen. Sie ist unsere zuverlässigste Ehrenamtliche. Jeden Dienstag ist sie pünktlich zur Stelle.“

Devin warf ihr einen warnenden Seitenblick zu. „Arielas Bruder gehört der Tattoo-Shop, in dem ich arbeite. Sie hat mich zu ‚Turn the Page‘ gebracht.“

„Jeden Dienstag, ja?“ Gabes graue Augen bekamen einen belustigten Ausdruck.

„Manchmal auch donnerstags, wenn jemand ausfällt. Devin war schon oft unsere letzte Rettung.“ Ariela sah auf die Uhr. „Aber jetzt muss ich unseren Tour-Guide suchen. Bis später.“

„So, so, donnerstags auch.“ Gabe wandte sich an Devin. „Das ist eine Menge Harry Potter pro Woche.“

„Man kann Ariela einfach nichts abschlagen. Sie ist wie eine Naturgewalt.“

Ein paar andere Ehrenamtliche winkten Devin von der Bar aus zu, und sie winkte zurück.

„Gibt es hier überhaupt jemanden, den du nicht kennst?“ Gabe folgte ihr.

„Die da kenne ich nicht.“ Devin deutete zu einer bildschönen Blondine, die gerade die Bar betrat. Die Frau trug ein Designer-Outfit, und ihre Frisur saß perfekt.

„Aber ich.“ Angespannt legte er Devin eine Hand auf die Schulter. „Das ist meine Ex.“

6. KAPITEL

Erst Franks hasserfüllter Bruder und jetzt Kara! Wieso musste er in einer Stadt mit acht Millionen Einwohnern ausgerechnet den paar Leuten über den Weg laufen, die er nicht sehen wollte?

„Einen Bourbon. Pur.“ Gabe schob dem Barkeeper einen Geldschein über den Tresen.

„Geh es lieber langsam an.“ Devin zwängte sich zu ihm an den Tresen. „Wir haben noch einen langen Abend vor uns.“

„Gleich einen Doppelten.“ Er nickte in Devins Richtung. „Und für die Lady, was immer sie möchte.“

Sie bestellte sich einen Scotch mit Wasser und schwieg, bis der Barkeeper ihnen die Drinks gebracht hatte. „War’s eine üble Trennung?“

„Eher peinlich.“ Gabe trank einen Schluck und blickte zu Kara. Im Moment wirkte sie überhaupt nicht gelangweilt, wie sie dort inmitten ihrer glühenden Bewunderer stand. „Vor ein paar Wochen.“

„An dem Abend im Park?“

„Genau.“ Er trank noch einen Schluck. „Da hatten wir uns gerade getrennt.“ Die Details seines missglückten Antrags verschwieg er ihr.

„Mist.“ Mit dem Ellbogen stützte sie sich auf die Bar und blickte in ihren Whisky. Dann richtete sie sich abrupt auf und fuhr zu Gabe herum. „Moment mal. Der ganze Unsinn, dass du langweilig bist …“

Verdammt! Auf keinen Fall wollte er von Devin bemitleidet werden, weil seine Ex fand, er sei so aufregend wie wachsende Grashalme. Schlimm genug, dass sie von Holcombs Meinung über ihn wusste.

„War das ihretwegen?“ Devin warf einen Laserblick in Karas Richtung. „Was genau hat sie zu dir gesagt?“

So ein verdammter Mist!

„Alle mal bitte herhören!“ Ariela klopfte mit einem Löffel an ihr Glas.

Das ersparte Gabe die Antwort, und er seufzte erleichtert auf.

„Im Namen von Turn the Page danke ich euch allen, dass ihr gekommen seid. Bestimmt könnt ihr kaum erwarten, dass die Tour losgeht, deshalb mache ich es kurz: Ganz besonders danken möchte ich einer sehr großzügigen Spenderin, die heute bei uns ist.“

Gabe ahnte, wen Ariela damit meinte.

Sie streckte die Hand aus, und Kara trat zu ihr, strich sich das Haar zurück und lächelte strahlend in die Menge.

Seltsam, dachte Gabe, erst jetzt wird mir bewusst, wie sehr sie es genießt, im Mittelpunkt zu stehen. Restaurants, Theater und Konzert, die Welt ist ihre Bühne, und ich bin in ihrem persönlichen Schauspiel nur ein Nebendarsteller gewesen.

Ein Glück, dass sie Nein gesagt hatte!

Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie Devin das Glas zum Mund hob, um ihr Lächeln zu verbergen. Sie würde sich niemals in den Mittelpunkt drängen. Arielas Anerkennung für ihre wohltätige Arbeit schien ihr eher unangenehm gewesen zu sein.

„Ohne Kara Humphries und die Stiftung ihrer Familie wäre all dies hier nicht möglich gewesen. Wir sind überglücklich, sie dieses Jahr zum ersten Mal als Sponsor gewonnen zu haben. Hoffentlich können wir noch viele Jahre auf ihre Unterstützung zählen.“

Karas Lächeln verstärkte sich noch, und die Gäste applaudierten höflich, abgesehen von Devin, die so tat, als müsse sie würgen.

Ariela deutete zu einem jungen Mann mit Brille und dunkelgrauem Hut am anderen Ende der Bar. „Jetzt übergebe ich an Josh, der heute Abend die Tour leitet. Bitte trinkt alle aus und spendet großzügig.“

„Ziemliche Primadonna, oder?“ Devin leerte ihren Whisky und stellte das Glas zurück auf den Tresen.

„Deine Freundin?“

„Nein, deine Ex.“ Sie zog ihn am Arm zu Josh. „Komm mit, ich will hören, was er sagt. Es heißt, hier habe Dylan Thomas sich zu Tode getrunken.“

Die nächsten Stunden vergingen wie im Flug. Gabe hörte sich Joshs literarische Anekdoten an und plauderte mit den übrigen Teilnehmern. Mit Devin an seiner Seite zog er von Pub zu Pub und entspannte sich im Verlauf des Abends immer mehr.

Dass er sich so ungezwungen inmitten dieser Gruppe aus Fremden bewegte, lag einzig und allein an Devin. Energiegeladen wie ein Dynamo machte sie Gabe nach und nach mit allen bekannt und sorgte dafür, dass die Unterhaltung nie ins Stocken geriet.

„Und? Macht’s schon Spaß?“, wollte sie wissen, als sie in dem Pub saßen, in der Bob Dylan und Jack Kerouac Stammgäste gewesen waren.

„Erstaunlicherweise ja.“ Er stellte einen Fuß auf die Ringstrebe an seinem Barhocker. „Aber morgen früh habe ich bestimmt alle Namen wieder vergessen.“

„Du machst das prima.“ Kühl sah sie kurz in Karas Richtung, die nicht weit entfernt am Tresen stand, dann blickte sie Gabe wieder herzlich an. „Das macht mir Hoffnung.“

„Danke.“ Durch Devin war er mit den anderen Teilnehmern der Tour ins Gespräch gekommen, und gleichzeitig hatte sie Kara auf Distanz gehalten. Ein paar Mal hatte Gabe geglaubt, seine Ex wolle zu ihm kommen, aber dann hatte Devin ihr einen wütenden Blick zugeworfen und Gabe besitzergreifend eine Hand auf den Arm gelegt. Es hatte sich warm und vertraulich angefühlt. Vielleicht ein bisschen zu vertraulich.

Zu beobachten, wie Kara den ganzen Abend lang Hof hielt, hatte ihm bewiesen, was für ein kolossaler Fehler es gewesen wäre, sie zu heiraten.

„Bitte austrinken, gleich ziehen wir zu unserer letzten Station weiter“, verkündete Josh. „In der ‚Minetta Tavern‘ hat schon E. E. Cummings gezecht, und dort gibt es die berühmten Black Label Burger.“

Allein bei der Erwähnung von fester Nahrung fing Gabes Magen an zu knurren.

„Ich muss mal kurz dem Ruf der Natur folgen.“ Devin reichte ihm ihr halbvolles Glas. „Mach solange keinen Unsinn.“

„Damit warte ich natürlich, bis du wieder hier bist.“ Er stellte das Glas hinter sich auf den Tresen.

Während sie sich ihren Weg durch die Menge bahnte, bewunderte Gabe ihren perfekten Po. Der Hüftschwung erregte ihn, und schnell rief er sich wieder in Erinnerung, wie fatal es wäre, dieser Anziehung nachzugeben. Sie war die beste Freundin seiner Schwester. Es ging um Holcombs Empfehlung. Um die anstehende Wahl.

„Gabe.“

Es klang leicht atemlos.

„Kara.“ Er wandte sich ihr zu. „Gut siehst du aus.“

„Und du siehst …“ Sie musterte ihn. „… anders aus.“

„Es war Zeit für eine Veränderung.“

„Hoffentlich nicht wegen etwas, was ich gesagt habe.“ Kara zog sich einen Barhocker heran und legte Gabe eine Hand aufs Knie. „Ganz im Ernst, Gabe, ich mache mir Sorgen. Diese Frau, mit der du hier bist. Ich hätte dich heute Abend schon früher angesprochen, aber ich habe befürchtet, sie würde sich mit einem Messer auf mich stürzen.“

Hatte sie eigentlich schon immer so viele Vorurteile gehabt? „Ich bin schon groß.“ Er schob ihre Hand von seinem Bein. „Ich kann auf mich selbst aufpassen.“

„Das kannst du sicher, aber …“

„Hey, Süßer. Hast du mich vermisst?“ Devin kam zu ihm und gab ihm einen heißen Zungenkuss. Gabe konnte den Kuss kaum erwidern, da schmiegte sie sich an ihn und sah ihn dabei an, als wolle sie ihm auf der Stelle die Kleider vom Leib reißen. „Schon okay, du brauchst nichts zu sagen. Dein Ständer spricht für sich.“

Als Kara erschrocken nach Luft schnappte, hätte Gabe fast aufgelacht.

„Alles okay bei Ihnen?“ Devin trat einen kleinen Schritt näher zu Kara. „Ich kann Erste Hilfe.“

„Alles bestens.“ Abwehrend hob Kara die Hand. „Danke.“

„Gut.“ Devin wandte sich wieder zu Gabe und legte ihm eine Hand auf die Brust. „Was meinst du, sollen wir die letzte Bar auslassen und zu mir nach Hause gehen? Von E. E. Cummings habe ich sowieso nie viel gehalten.“

„Ich weiß nicht.“ Leise lachend ging er auf ihr Spiel ein. „Black Label Burger, das klingt sehr verlockend.“

„Komm mit, du wirst es nicht bereuen.“ Sie gab ihm einen Kuss in die Halsbeuge, und Gabes Pulsschlag raste los.

„Tja, in dem Fall … Es war nett, dich mal wiederzusehen, Kara.“ Die höfliche Lüge kam ihm glatt über die Lippen. Er legte einen Arm um Devin und leitete sie zur Tür.

Devin schob ihm eine Hand in die hintere Jeanstasche und kniff ihm in den Po.

Heiße Erregung durchschoss ihn. Wollte Devin jetzt wirklich, dass er mit zu ihr kam? Oder hatte sie das nur wegen Kara gesagt?

Devin wusste, dass sie mit dem Feuer spielte, aber als sie von der Toilette zurückgekommen war, hatte sie gesehen, wie diese Blondine in Designerkluft sich Gabe gekrallt hatte!

Beim Kuss hatte sie sehr deutlich gefühlt, wie sehr es Gabe erregte, und dann hatte sie ihm Sex angeboten. Hatte Gabe es ernst gemeint, als er eingewilligt hatte?

„Ich kann gar nicht verstehen, was du jemals in ihr gesehen hast.“ Sie zog die Hand aus seiner Hosentasche. Verdammt, die Jeans saß tatsächlich eng. Verstohlen warf sie einen Blick auf seinen Po. Fantastisch! „Ich meine, abgesehen von den hübschen Brüsten, der schmalen Taille und den langen Beinen.“

„Devin.“

„Schätze, ihr Hintern hat auch eine Rolle gespielt.“

„Schluss jetzt.“ Er stellte sich vor sie und hob ihr Kinn an. „Wir müssen reden.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Worüber denn?“

„Darüber, was eben in der Bar passiert ist.“ Mit seinem Körper drückte er sie in einen Hauseingang. „Und jetzt frag mich noch mal.“

Ihre Wangen glühten. „Was soll ich dich fragen?“

„Was du mich in der Bar gefragt hast.“ Er lehnte die Stirn an ihre. „Ob ich mit zu dir kommen will.“

„Willst du mit zu mir kommen?“ Eigentlich müsste sie das Feuer dämpfen und nicht noch anfachen. Aber mit Gabe zu verbrennen, musste himmlisch sein.

„Ja, verdammt“, stieß er aus.

7. KAPITEL

Devins Apartment war genau wie sie. Chaotisch, einzigartig und faszinierend.

Doch Gabe blieb kaum Zeit, die Figurensammlung aus „Game of Thrones“ zu bewundern, die über dem Spülbecken der winzigen Küchenzeile angeordnet war. Er hatte auch keinen zweiten Blick für die Taschenbücher auf dem Tisch im Flur übrig.

Für ihn gab es nur eins: Er wollte Devin und zwar nackt.

Hinter sich hörte er, wie die Tür ins Schloss fiel.

„Möchtest du etwas trinken?“ Sie schaltete die Lichter an. „Bier, Wein, Kaffee oder Wasser?“

Wortlos beobachtete er sie, wie sie im Apartment umherlief, Schmutzwäsche aufsammelte und ein Bild geraderückte.

Sie war nervös! Devin Padilla, die Frau, die sich immer cool gab, war tatsächlich nervös.

Er setzte sich aufs Sofa und klopfte auf das Kissen neben sich. „Komm her.“

„Ich kann uns auch was kochen, wenn du Hunger hast.“ Sie blickte in ihren Kühlschrank. „Vielleicht ein Omelett?“

„Ich habe keinen Hunger.“ Er lehnte sich zurück und lächelte belustigt. „Komm jetzt endlich her.“

Langsam näherte sie sich dem Sofa. Jeder Schritt ihrer kniehohen Boots auf dem Holzboden hallte in dem stillen Apartment wider. Schließlich setzte sie sich neben ihn aufs Sofa.

„Erzähl mir von deinen Tattoos.“ Er drehte ihr Handgelenk um und strich über die Buchstaben, die dort eintätowiert waren. „Was bedeutet das hier?“

Einen Moment zögerte sie mit der Antwort. „Es heißt: Angstfrei durchschreite ich die Welt.“ Sie hob die Schultern. „Es gibt mir Stärke, entschlossen meinen Weg zu gehen, was auch immer geschieht.“

„Sehr interessant.“ Mit einem Finger schob er ihr den Träger des BHs und das Top von der Schulter, um die rotgelbe Tätowierung am Ansatz ihrer linken Brust zu entblößen. „Und was ist das hier? Ein Vogel?“

„Ein Phönix.“ Ihr Atem ging schneller. „Er entspringt der Asche meiner unglücklichen Kindheit.“

„Und was ist mit der Spinne hinter deinem Ohr?“ Er streifte ihr das seidige Haar nach hinten. „Sieht gefährlich aus.“

Einladend ließ sie den Kopf in den Nacken sinken. „Damals war ich achtzehn und wollte taff wirken. Aber ich war nur dumm.“

Er neigte den Kopf vor und leckte die empfindsame Stelle. Devins Haut schmeckte wie Honig und Marshmallows, warm, willig und überaus weiblich. „Sehr sexy. Gibt es da noch mehr Tattoos?“

Mit einem Finger strich sie zu seinem Hosenknopf. „Wieso ziehst du mich nicht aus und findest es selbst heraus?“ Vor Verlangen war ihre Stimme heiser.

Suchend blickte er sich um. Wo ging es hier ins Schlafzimmer? Für das, was er mit ihr vorhatte, brauchte er Platz. Er wollte diese Frau, die angstfrei die Welt durchschritt, langsam und gefühlvoll verführen. Es sollte für sie eine neue und überwältigende Erfahrung werden. „Wo ist dein Bett?“

„Du sitzt drauf. Das Sofa lässt sich ausklappen.“ Sie neigte den Kopf dichter zu ihm, doch Gabe stand sofort auf und zog sie mit sich hoch.

Keine Sekunde später hatte er die Kissen vom Sofa geworfen und stieß innerlich er ein Dankgebet aus, als das bezogene Bett sich problemlos entfaltete.

Devin wollte sich das Tanktop ausziehen, doch Gabe hielt sie auf. „Dieses Vergnügen hast du mir versprochen. Ich will jedes einzelne deiner Tattoos entdecken. Wie die sieben Weltwunder.“

„Bist du jetzt Indiana Jones auf der Suche nach dem Tattoo?“ Verheißungsvoll lächelnd machte sie es sich auf dem Bett bequem. „Aber ich muss dich warnen, es sind mehr als sieben.“

Eindringlich erwiderte er ihren Blick. „Dieser Herausforderung stelle ich mich.“

„Und was ist mit dir? Ziehst du dich nicht aus?“

„Ladys first.“ Er hob einen ihrer langen Lederboots an. „So heiß es auch wäre, wenn du in diesen Dingern die Schenkel um mich schließt, jetzt müssen wir sie loswerden.“

„Schätze, auch das können wir nachholen.“ Sie seufzte auf, als Gabe ihr den langen Stiefel auszog und ihr über die Zehen den Fuß entlang und die Wade hinaufstrich.

Ja, dachte Gabe, es muss unbedingt ein nächstes Mal mit Devin geben. Bei ihr gab es viel mehr als nur die Tätowierungen zu entdecken.

„Was haben wir denn hier?“ Sanft strich er mit den Daumen über ihre Fußknöchel. „Zweimal dieselbe Tätowierung?“

„Nicht ganz.“ Sie spreizte die Beine leicht. „Links sind meine Initialen eingearbeitet, rechts die von Victor.“

„Hübsch.“ Er strich ihre nackten Waden hinauf. „Und hier gibt es nichts weiter zu sehen?“

Sie schüttelte den Kopf. „Dafür musst du ein bisschen … höher suchen.“

„Zum Beispiel hier?“ Mit einer Hand strich er unter den fransigen Saum ihrer abgeschnittenen Jeans.

„Wärmer.“

„Und hier?“ Er strich den Schenkel hinauf zu ihrem Schoß, bis Devin die Luft scharf einsog.

„Noch wärmer.“

„Hier?“ Er streifte ihre Leiste.

„Glühendheiß.“

„Du bist überall glühend heiß, Sweetheart.“ Langsam zog er ihr den Reißverschluss nach unten, und der Anblick des roten Slips erregte ihn noch mehr. Sein Puls raste, als er ihr die Shorts über die langen Beine hinunterzog. „Heiß von Kopf bis Fuß.“

„Bitte“, stieß sie stöhnend aus und bereute gleichzeitig, dass sie bettelte. Sie hatte ihn verführen wollen – und schon jetzt war sie ihm willenlos ausgeliefert. Beim Versuch, die Kontrolle an sich zu reißen, schob sie ein Bein über seine Hüften und setzte sich rittlings auf ihn.

„Nicht so schnell.“ Er drehte sich mit ihr herum und drückte sie aufs Bett. „Da muss es noch mindestens drei weitere Tätowierungen geben.“

Verlangend drängte sie sich an ihn. „Die verschwinden ja nicht. Kannst du die Erkundungstour nicht später beenden? Ich will jetzt kommen.“

Ihre direkte Art schockierte ihn nicht, im Gegenteil. Lustvoll strich er ihr unter den Slip und reizte sie dicht über der kleinen Knospe. „Du wirst auch kommen, mehrmals.“

„Jetzt.“ Sie hob die Hüften an und seufzte entnervt auf, als er die Hand zurückzog.

„Vertrau mir, das Warten lohnt sich.“ Er schob ihr das Top nach oben, und Devin richtete sich auf, damit er es ihr über den Kopf ziehen konnte. Der BH war aus roter Spitze, genau wie der Slip. „Zurück zu den Tattoos.“

Spielerisch umfuhr er jede einzelne Tätowierung mit den Fingerspitzen, den Lippen und der Zunge. Den Seestern an der Hüfte, die Waldnymphe auf der Schulter, den Blütenkranz um den Bauchnabel und auch den verzierten Schädel dicht über ihrem Po.

Endlich tastete er nach dem Verschluss des BHs. Devin konnte vor Lust kaum noch stillliegen.

„Ich finde, es ist Zeit, das auch auszuziehen.“ Quälend langsam, als würde er einen Schatz entdecken, streifte Gabe ihr den BH ab und betrachtete voller Verlangen ihre Brüste. Dann wandte er sich endlich ihrem Slip zu. „Und der hier muss auch weg.“

„Und nun zu dir.“ Devin griff nach seinem Hosenbund.

„Ich sagte es doch bereits.“ Leidenschaftlich küsste er sie – das erste Mal in dieser Nacht – und glitt mit den Lippen an ihrem Körper hinab, wodurch sein Reißverschluss für Devin außer Reichweite war. „Ladys first.“

„Gabe!“ Sie keuchte, als sie seinen warmen Mund zwischen den Brüsten spürte, dann am Bauch und noch tiefer. Sein Atem strich sanft und kitzelnd über den schmalen Streifen kleiner Härchen dicht über ihren Schenkeln. Devin stöhnte.

„Du bist so … empfindsam!“ Ohne den Kopf von ihrem Schoß zu heben, drang er mit einem Finger in sie ein. „Und so feucht.“

Sie zuckte vor Erregung zusammen, wünschte sich verzweifelt, er würde diese besondere Stelle finden und berühren, damit sie endlich kommen konnte.

„Was hast du, Sweetheart?“ Langsam und lustvoll drang er mit einem zweiten Finger ein. „Hat sich noch nie jemand die Zeit genommen, deinen wundervollen Körper ausgiebig zu erkunden? Gab es noch keinen, der zuerst an deine Lust gedacht hat?“

„Nicht so oft, wie ich es mir gewünscht hätte.“ Sie wand sich unter ihm und packte seine Schultern.

„Das liebe ich so an dir, die Ehrlichkeit.“ Er sprach ganz dicht über ihrem Schoß.Ihr blieb keine Zeit, darüber nachzudenken, dass er etwas an ihr liebte. Mit seiner heißen Zunge glitt er über ihre intimsten Stellen, leckte fordernd und saugte abwechselnd – mit derselben Zielstrebigkeit, mit der er alles im Leben anging.

Stöhnend ließ Devin ein Bein über die Bettkante sinken und gab sich seinen Zärtlichkeiten noch williger hin. Sie genoss es, wie er ihre Klitoris spielerisch reizte. Sie versuchte, Geduld zu beweisen, aber es war nicht einfach, weil er immer wieder abbrach, kurz bevor sie kam.

Er hob den Kopf und sah sie lächelnd an. „Bist du noch bei mir?“

„Ja, verdammt.“ Sie versuchte, seinen Kopf wieder zwischen ihre Schenkel zu drücken. „Hör nicht wieder auf, ich bin fast so weit.“

„Siehst du, was ich meine?“ Sein Lächeln wurde breiter. „Ehrlichkeit, und dafür sollst du belohnt werden.“

Er senkte den Kopf wieder, leckte ein einziges Mal kräftig, und Devin bäumte sich auf. Ein überwältigender Höhepunkt durchströmte sie wie das Donnern bei einem Sommergewitter, und sie kostete ihn mit angehaltenem Atem aus. Als ihre Empfindungen am Stärksten waren, stöhnte sie Gabes Namen – wie um sich zu beweisen, dass er es war, der konservative, anzugtragende Gabe, der sie in ein zitterndes Knäuel aus purem Verlangen verwandelt hatte.

„Was für eine Belohnung!“, stieß sie kurz darauf aus, als sie wieder halbwegs vernünftig denken konnte.

„Das war nur der Anfang.“ Er streifte sich Sneakers und T-Shirt ab. Unter der eng anliegenden Jeans zeichnete sich seine Erektion sehr deutlich ab. „Bist du bereit für mich?“

„Seit wir das ‚White Horse‘ verlassen haben.“ Sie starrte schamlos auf seinen Hosenbund und zog daran. „Ich will dich endlich in mir spüren.“

Lächelnd beugte er sich vor und küsste sie. Auf seinen Lippen schmeckte sie noch ihre eigene Lust.

„Der Gedanke gefällt mir.“ Aus der hinteren Jeanstasche zog er seine Brieftasche, öffnete sie und zog eine Reihe von Kondomen hervor, die er lächelnd hin und her schwenkte. „Jackpot.“

Sie hockte sich auf die Fersen und erwiderte das Lächeln. „Ziemlich selbstbewusst.“

„Nennen wir es vorsichtigen Optimismus.“ Er schob die enge Jeans vorsichtig an sich hinunter. Als Devin sein großes, hartes Glied und die glänzende Spitze sah, rutschte ihr ein „Wow“ heraus.

Sein Lächeln wurde breiter. „Genau so eine Reaktion wünscht sich jeder.“

Typisch Mann.

„Du kennst ja das Sprichwort.“ Sie musterte ihn von Kopf bis Fuß. Bei der Vorstellung, diese große Erektion gleich in sich aufzunehmen, war sie sofort wieder erregt. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“

„Sweetheart, wir haben bereits tiefste Nacht.“ Er rollte sich ein Kondom über, und Devin wandte den Blick keine Sekunde ab.

„Ich will nicht, dass du dich zurückhältst. Ich will deine ungezügelte Lust.“

„Das siehst du sicher anders, wenn ich nach einer Minute schon gekommen bin.“

Zärtlich umfasste sie sein Gesicht. „Das bedeutet lediglich, dass wir schneller zur zweiten Runde kommen.“

Belustigt zog er die Brauen hoch. „Interessante Sichtweise.“

„Was soll ich sagen? Bei mir ist das Glas immer halb voll.“ Sie zog ihn an sich und küsste ihn heiß, packte seinen muskulösen Po. Nach ein paar Minuten wurde der Kuss weicher und liebevoller, und Gabe zog sie auf die Matratze.

Verdammt, wie sollte sie das alles nur als Freude am Sex sehen, wenn Gabe sich so rücksichtsvoll verhielt und sie gleichzeitig so heiß küsste? Atemlos unterbrach sie den Kuss. „Hör nicht auf, Gabe.“

„Käme mir nie in den Sinn.“

Er schob sich auf sie, und sie spreizte die Schenkel. Aufreizend strich er mit seinem harten Penis zwischen ihren Schenkeln entlang und drang dann quälend langsam in ihre feuchte Mitte ein.

„Ja“, stieß sie tonlos aus und schlang die Beine um seine Hüften.

Seine grauen Augen waren vor Erregung fast schwarz. „Devin, du fühlst dich … so gut an.“

„Du auch, Gabe.“ Sie ließ den Mund über seine Brust gleiten und leckte einen seiner Nippel. „Und ich mag, wie du schmeckst.“

Er stöhnte auf.

„Gefällt dir das?“ Sie saugte an seinem Ohrläppchen. „Und das hier?“

Als Antwort drang er schneller und härter ein.

„Gabe, ich komme gleich.“ Mit den Beinen umklammerte sie ihn, als brauche sie Halt in diesem sinnlichen Wirbelsturm.

„Lass es zu.“ Er lehnte die Stirn an ihre. Eindringlich blickte er ihr in die Augen, als könne er ihr bis in die Seele sehen. „Lass es geschehen.“

„Nur, wenn du auch kommst.“

„Gleich nach dir, Sweetheart.“

Dreimal drang er tief ein, und Devin erbebte. Die erotische Anspannung, die sich in ihr aufgestaut hatte, explodierte wie ein brechender Staudamm. Endlos durchströmten die Lustwellen sie, bis Gabe sich an sie presste und am ganzen Körper zitterte, als auch er kam.

Vereinigt und erhitzt lagen sie da, bis er sich auf die Seite drehte und aus ihr zurückzog, um das Kondom loszuwerden.

Sie setzte sich auf und rutschte an die Bettkante.

„Alles okay?“ Er setzte sich zu ihr.

„Alles perfekt.“ Sie nahm die Kondome vom Tisch. „Wir brauchen mehr Kondome.“

Es war überwältigend gewesen, sich ihm hinzugeben, aber jetzt würde sie ihn vor Lust um den Verstand bringen. Sie legte die Kondome in Reichweite beiseite und glitt mit den Lippen an seinem Körper hinunter bis zur Kuppe seines Glieds, das sich bereits wieder aufrichtete. Jede Sekunde würde sie genießen.

8. KAPITEL

Am nächsten Morgen wachte Gabe auf und tastete neben sich im Bett nach Devin. Einen Moment war er enttäuscht, bis er das Wasserrauschen aus dem Bad hörte.

Sex unter der Dusche! Der perfekte Start in den Tag.

Besonders, wenn er so gut war wie der Sex auf Devins Schlafsofa. Oder der auf dem Küchentresen. Oder der an der Wand.

Er sprang aus dem Bett, lief zum Bad und drückte die Klinke hinunter. Abgeschlossen. „Hey, Devin, lass mich rein. Ich kann dir den Rücken schrubben. Ich seife dich ein, wo immer du willst.“ Lauschend presste er ein Ohr an die Tür. Nichts zu hören.

Anscheinend hörte sie ihn nicht.

Er ging zurück zum Bett, und noch während er sich die Jeans anzog, wurde das Wasser in der Dusche abgestellt.

Gabe malte sich aus, wie ihr Wassertropfen über die vollen Brüste rannen. Dann atmete er tief und langsam durch, um nicht mit einer Erektion dazusitzen, wenn sie aus dem Bad kam. Um sich abzulenken, blickte er sich in ihrem Apartment um. Wie viele Bilder sie hatte! Es waren zwar alles Nachdrucke, aber sie gefielen ihm.

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