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TIFFANY HOT & SEXY BAND 51

Katherine Garbera, Isabel Sharpe, Kimberly Raye, Kira Sinclair

TIFFANY HOT & SEXY BAND 51

KATHERINE GARBERA

Was nach Mitternacht geschah

Drei, zwei, eins – happy New Year! Da fühlt Carter schon Lindseys heißen Kuss; verführerisch schmiegt sie sich an ihn. Das neue Jahr fängt gut an! Aber vielleicht ist schon am Neujahrsmorgen alles wieder vorbei …

ISABEL SHARPE

Heißer als jeder Cappuccino

Cappuccino, Espresso oder Latte Macciato? Im Coffeeshop erfüllt Chris jeden Wunsch. Besonders, wenn sie den attraktiven Zac bedient! Aber bald muss sie zurück nach New York. Heißt es dann: Love to go?

KIMBERLY RAYE

Verboten Sexy

„Heirate mich.“ Cole muss sich verhört haben. Unmöglich kann Nikki, sein wildes, heißes Bad Girl, ihn das gefragt haben. Es sei denn, Nikki hat sich die ganze Zeit verstellt …

KIRA SINCLAIR

Die Bikini-Strategie

Wie schafft man es, dass sich ein kamerascheuer Traummann entspannt? Die hübsche Kennedy, die mit Asher an Bord seines Schiffs eine Doku drehen will, setzt auf sexy Ablenkung. Wo ist ihr knapper Bikini?

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Was nach Mitternacht geschah

1. KAPITEL

„Hallo, meine Hübsche.“

Carter Shaw.

Bad Boy, Snowboarder und Lindsey Collins’ schlimmster Albtraum. Carter war alles, was sie nicht war, und wenn sie ganz ehrlich zu sich war, alles, was sie je hätte sein wollen.

„Hallo, Nervensäge.“

Er lachte dieses tiefe Lachen, das so typisch für ihn war.

Sie versuchte, die Tatsache zu ignorieren, dass seine Augen dieses Graublau besaßen, das sie an den frühen Morgen auf der Piste erinnerte, wenn die Sonne gerade aufging. Sein dichtes, leicht gelocktes Haar trug er im Moment kurz geschnitten. Er hatte es schon viel länger getragen, aber dieser sportliche Schnitt zog noch mehr Aufmerksamkeit auf sein markantes Gesicht. Seinen sexy Bartansatz hätte sie nur zu gerne berührt. Gut aussehend, sportlich und gelassen wie er war, wirkte er auf sie immer so, als wäre er in Kalifornien aufgewachsen und gehörte auf ein Surfbrett statt auf ein Snowboard.

„Nettes Event“, meinte er, „vorausgesetzt, man mag so viel Glamour.“

Sie schaute sich rasch um und musste gegen ihren Willen lächeln. Der Club im Lars Usten Resort und Spa feierte Silvester im großen Stil. Viele Leute. Viel Champagner. Lustige Hüte und Tröten für jeden. Es gab eine große Tanzfläche und ein üppiges Buffet.

„Genau der richtige Rahmen für mich“, erwiderte sie.

„Das stimmt“, sagte er mit einer Bewegung seiner Hand.

„Du widersprichst mir nicht? Was ist los? Machst du mich etwa an?“, fragte sie. „Du wolltest mich zwar häufig küssen, hast aber auch jedes Mal behauptet, dass du letztendlich ein Snowboard einer Super-G-Skifahrerin vorziehen würdest.“

„Nun, im Moment siehst du sehr viel besser aus als mein Snowboard.“

Lindsey schüttelte bei seinen Worten den Kopf. Etwas war in dieser Nacht bei ihm anders. Er wirkte nicht so arrogant wie sonst. Beide waren an diesem Abend zu der Hochzeit ihrer gemeinsamen Freunde, Elizabeth und Bradley, gekommen. Das frisch verheiratete Paar hatte sich längst zurückgezogen, aber Lindsey wäre sich wie Bridget Jones vorgekommen, wenn sie am Silvesterabend allein in ihrer noch spärlich möblierten Wohnung sitzen würde.

Bis jetzt war Lindsey nie gerne an Silvester bis Mitternacht aufgeblieben. Warum auch? Ihr ganzes Leben war darauf ausgerichtet gewesen, internationale Goldmedaillen zu gewinnen – und jemanden um Mitternacht zu küssen war ihr im Vergleich zu ihren Zielen immer etwas langweilig vorgekommen. Zumindest war das bisher so gewesen. Aber heute Nacht fühlte sie sich anders. Ein wenig außer Kontrolle geraten. Und wenn sie ganz ehrlich war, wünschte sie sich, etwas tun zu können, was sie noch nie getan hatte. Das letzte Jahr hätte ihr Jahr werden sollen, aber es war alles anders gekommen. Sie hatte einen demütigenden Sturz bei den Winterspielen in Sotschi erlitten, der ihre Karriere beendet und ihr Leben verändert hatte. Und statt die Veränderungen hinzunehmen, hatte sie sich hier in Park City, Utah im Lars Usten Resort, zurückgezogen.

Es war so einfach gewesen. Das Resort war eine ideale Mischung aus rustikaler Gemütlichkeit und Luxus, ihre Schüler waren so nett und angenehm. In den letzten sechs Monaten hatte sie hier die Gelegenheit gehabt, sich von mehreren Knieoperationen zu erholen.

Aber in diesem Jahr … nun, in diesem Jahr wurden die Würfel neu gemischt. Und sie würde genau hier und in diesem Moment damit beginnen, das Glück auf die Probe zu stellen. Die Band spielte einen Hit von Van Morrison, und sie warf Carter einen neckischen Blick zu. „Das ist mein Song.“

„Dein Song?“

Sie wies auf ihre Augen. Ach du meine Güte, stimmt. „Das Mädchen mit den braunen Augen.“

Der Song passte tatsächlich zu ihr.

„Dann lass uns tanzen“, meinte er, ergriff ihr Handgelenk und führte sie auf die Tanzfläche. Er zog sie zu sich. Sie ließ es geschehen und gab vor, nichts von all den Dingen, die sie über Carter gehört hatte, zu wissen.

Dass er einen lockeren Lebenswandel führte und mit dem Leben und den Frauen spielte. Dass er hohe Risiken einging und mehr als nur einen Unfall auf den Pisten verursacht hatte. Dass er charmant war und fast jede Frau in seinen Bann zog. Sie schluckte nervös, als sie spürte, dass er seine Hand jetzt auf ihre Hüfte gelegt hatte und sie beim Tanzen noch näher an sich heranzog. Sie konnte die Frauen verstehen.

Und er duftete gut. Es war ein frischer, würziger Duft, der sie an die Natur und an die Pisten erinnerte.

Sie wandte leicht den Kopf ab.

Heute Nacht war sie nicht sie selbst. Sie sollte die Tanzfläche verlassen und zur Tür hinausgehen. Sie sollte nach Hause fahren und damit aufhören, etwas zu tun oder sein zu wollen, was sie nicht war.

Aber sie hatte sich irgendwie verloren und brauchte dringend etwas, durch das sie sich wieder lebendig fühlte. Etwas, das früher der Geschwindigkeitsrausch ausgelöst hatte, wenn sie die Piste hinuntergerast war.

„Hey, meine Hübsche. Ist alles in Ordnung?“

Nein. Es war definitiv nichts in Ordnung, aber das würde sie bestimmt nicht ausgerechnet Carter auf die Nase binden.

„Ich habe nur Durst.“

„Dann komm, ich hole dir etwas zu trinken. Wir können uns einen Platz suchen und etwas plaudern.“

„Worüber könnten wir schon reden?“, fragte sie.

„Über die Wohltätigkeitsveranstaltung, damit Kinder Skifahren lernen können. Ich weiß, die findet erst nächsten November statt, aber wir beide sind Schlüsselfiguren darin.“ Seine Augen glitzerten humorvoll. „Oder vielleicht über die Tatsache, dass ich dich um Mitternacht küssen werde. Du kannst es dir aussuchen.“

Plötzlich sprachlos geworden, ließ sie zu, wie er sich abwandte und sich langsam einen Weg durch die Menge bahnte. Er war beliebt, und jeder blieb stehen, um mit ihm zu sprechen oder ein Foto mit ihm zu machen. Er lächelte gelassen und wirkte so, als ob er es genießen würde.

Verflixt, wahrscheinlich genoss er es auch. Sie hatte ihren Trainer sagen gehört, dass er das Rampenlicht liebte und das Rampenlicht ihn. Und sie hatte nie erlebt, dass etwas dieser Aussage widersprochen hätte. Wie machte er das nur?

Sie wünschte sich, sie hätte selbst etwas von seiner unerschütterlichen Selbstsicherheit, die manchmal als Arroganz herüberkam. Aber sie war nun einmal anders, und sie würde sich kaum über Nacht verändern.

Ein Teil des Problems war, dass sie gerade an einer unglaublich romantischen Winterhochzeit teilgenommen hatte, die ihr vor Augen geführt hatte, wie allein sie im Grunde genommen war. Hinzu kam, dass Penny, eine der Brautjungfern, seit Kurzem mit Will zusammen war. Der gut aussehende Will war ihr Urlaubsabenteuer gewesen, aber mit Penny schien sich etwas Festeres zu entwickeln.

Und sie war allein.

Einsam.

Verzweifelt …

Nein. Nicht verzweifelt. Obwohl es sich so angefühlt hatte, bevor Carter mit einem Martini und einem Drink für sich zurückkehrte. Er nahm neben ihr auf dem Sitz Platz und legte seinen Arm auf die Rückenlehne.

Ach, zum Teufel, dachte sie, als er noch näher an sie heranrutschte. Sie würde kein weiteres Jahr wie all die anderen verbringen. Dieses Jahr würde anders werden, und Carter Shaw würde in dieser Nacht ihr gehören.

Carter hatte sich zu Lindsey hingezogen gefühlt, seit er sie das erste Mal gesehen hatte. Sie waren beide siebzehn Jahre alt gewesen, als sie für ESPN, den Sportkanal, interviewt wurden. Als sie ihn damals mit ihren hübschen schokoladebraunen Augen anschaute, hatte es wie ein Blitz bei ihm eingeschlagen.

Aber sie war immer die Eiskönigin gewesen, wie die Medien sie zu Recht nannten. Zu kühl für jemanden, der so wild und draufgängerisch war wie er. Allerdings kannte er sie jetzt besser. Mehr als zehn Jahre später begehrte er sie immer noch, aber er sah sie durch die Augen eines Mannes und nicht mehr durch die eines Jungen, dessen Hormone außer Rand und Band geraten waren.

Obwohl er zugeben musste, dass sie ihn immer noch total verrückt machte.

Und es war Silvester. Er hatte mehr Jahresübergänge, als er zugeben wollte, betrunken mit Menschen verbracht, an deren Namen er sich noch nicht einmal erinnerte.

Er war sich bewusst, dass er sich im Laufe des letzten Jahres verändert hatte. Die Winterspiele hatten ihm zwar noch einmal Platzierungen eingebracht, die noch auf seiner Erfolgsliste gefehlt hatten, aber er war erschüttert gewesen, als er seinen nordischen Engel stürzen gesehen hatte. Dadurch, dass ihre Karriere ein so unerwartetes Ende gefunden hatte, war ihm klar geworden, dass es an der Zeit war, sein eigenes Leben genauer anschauen zu müssen. Er würde nicht für immer in der obersten Liga der Snowboarder mitspielen können.

Also war er nach Park City gekommen. Okay, vor allem, weil Lindsey da war. Er wollte sehen, ob sie jetzt, da sie nicht mehr ständig trainierte, um an der Weltspitze zu bleiben, Interesse für ihn zeigte. Aber sie behandelte ihn immer noch so, als ob er irgendein Mann in diesem Saal war, dabei wünschte er sich so sehr, der Einzige zu sein.

Vor allem in dieser Nacht.

„Na, meine Hübsche, hast du über den Kuss nachgedacht?“, fragte er leise.

Es war schwer, an etwas anderes zu denken, wenn er ihr so nahe war. Heute trug sie ihr langes hellblondes Haar aufgesteckt. Zarte Strähnen umrahmten ihr herzförmiges Gesicht und betonten ihren schmalen Nacken. Ihr Mund war voll und sinnlich. Sie hatte ein pinkfarbenes, glänzendes Lipgloss aufgetragen, und es war schwer, den Blick davon abzuwenden. Er lehnte sich vor und hätte sie fast geküsst, doch er zog sich wieder zurück.

Bis Mitternacht würde er warten.

Er würde nicht seinen niederen Trieben nachgeben. Nicht mehr. Er hatte sich jetzt unter Kontrolle.

„Es ist mir mal durch den Kopf gegangen“, schnurrte sie und fuhr mit dem Zeigefinger leicht über seine Unterlippe, bevor sie kurz mit geschlossenen Augen über sein Kinn glitt.

„Ich habe darüber nachgedacht. Du weißt, dass du mich schon seit einer Ewigkeit interessierst.“

„Seit einer Ewigkeit?“, wiederholte sie. „Ist das nicht ein bisschen übertrieben?“

Nicht wirklich. Aber er hatte nicht vor, heute Nacht zuzugeben, dass er bereits seit zehn Jahren von ihr besessen war. Sie war immer seine Traumfrau gewesen. Die Eine in seinem Leben, die immer außerhalb seiner Möglichkeiten gewesen war.

Bis jetzt.

Er wickelte eine zarte Haarlocke, die ihren Nacken berührte, um seinen Finger. Ihr Haar war unglaublich seidig. Sie trug ein smaragdgrünes Kleid, das ihre makellose cremefarbene Haut betonte.

„Das ist keine Übertreibung. Ich wollte dich schon küssen, als wir vom ESPN interviewt wurden.“

Sie legte den Kopf leicht in den Nacken. „Du warst bereits damals ein Draufgänger. Und wir beide wussten, dass du eine gefährliche Ablenkung von meiner Karriere gewesen wärst. Beinahe hätte ich es zugelassen.“

„Und was hat dich daran gehindert?“

„Meine Eltern. Sie haben viel geopfert, damit ich dahin kam, wo ich war, und kein noch so heißer Snowboarder mit einem Tattoo konnte das ändern.“

„Mit einem Tattoo. Ist das ein Minuspunkt für mich?“, fragte er und rieb sich den Nacken, an dem sich das erste Tattoo befand, das er sich hatte machen lassen. Es war ein Symbol für Mut. Er hatte dieses Zeichen in Japan gesehen, als sein Vater, der ein international anerkannter Geschäftsmann war, ihn mit auf eine Reise genommen hatte. Carter war damals fünfzehn Jahre alt gewesen und in Nagano Snowboard gefahren, während sein Vater seinen Terminen nachging. Das Tattoo war ein Weg gewesen, die Aufmerksamkeit seines Vaters zu erlangen. Was sollte er sagen? Er war damals ein Teenager gewesen.

Sie fuhr mit einem ihrer manikürten Fingernägel über das Zeichen. „Jetzt nicht mehr. Aber damals warst du viel zu wild und rebellisch für mich. Ich musste mich auf das Skifahren konzentrieren.“

„Du warst immer viel schneller als ich“, winkte er ab. Er wusste, dass viele Leute die Flips und Drehungen auf seinem Snowboard als extrem gefährlich einschätzten, aber Lindsey war mit weit mehr als einhundert Kilometern in der Stunde die Piste hinuntergerast. Das hatte er immer bewundert.

Sie fuhr mit dem Finger an seinem Nacken entlang und rief Schauer der Erregung in ihm hervor. Offensichtlich bemerkte sie seine Reaktion, denn sie lehnte sich näher und seufzte leise.

„Warum bist du mir dann immer voraus?“, flüsterte sie ihm ins Ohr.

Seine Fähigkeit zu denken war plötzlich verschwunden. Ihr Atem war warm, und er konnte nur noch an ihren Mund denken. Er drehte den Kopf, beugte sich leicht vor und wollte ihre Lippen schmecken, als plötzlich eine Kellnerin an ihrem Tisch erschien.

Carter fluchte leise und zwang sich zu einem Lächeln. „Ja, bitte.“

„Diese hier sind für Sie“, erklärte die junge Frau und legte zwei Karten und Kugelschreiber auf den Tisch, bevor sie wieder ging.

Sie hatte sich entschieden, die Nacht mit Carter zu verbringen, aber ihre Nerven waren doch angespannter, als sie erwartet hatte. In Filmen hatte sie gesehen, wie Frauen einen Mann köderten, mit ihm tanzten und lachten und schließlich mit ihm im Bett landeten. Aber ihr war das Flirten noch nie leichtgefallen.

Carter besaß etwas, das für sie unwiderstehlich war. Sein Tattoo hatte sie schon immer fasziniert, und sein leichter Bartansatz fühlte sich genauso an, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie würde sich in dieser Nacht von den Martinis Mut holen. Sie musste zugeben, dass sie sich langsam entspannte und ihr die Situation zu gefallen begann.

Sehr sogar.

„Was ist das?“ Sie nahm eine der Karten, die die Kellnerin zurückgelassen hatte. Soeben hatte er sie küssen wollen, und sosehr sie sich danach sehnte, war sie doch froh über die Verzögerung. Sie wollte ihn erst um Mitternacht küssen.

„Darauf ist eine Liste von Vorsätzen für das neue Jahr gedruckt, und du kannst eigene dazuschreiben“, meinte er. „Was wünschst du dir denn, meine Hübsche?“

Sie zog eine Augenbraue hoch. „Warum nennst du mich immer so?“

„Weil du bildhübsch bist“, meinte er. „Außerdem habe ich Angst, deinen Namen auszusprechen, weil du dich dann daran erinnern könntest, dass du mich eigentlich nicht magst.“

„Ich würde nicht sagen, dass ich dich nicht mag“, wehrte sie ab. Er war zu verwegen, als dass sie sich immer in seiner Gegenwart wohlfühlen könnte, aber heute Abend gefiel ihr seine Art. Sie wollte vergessen, wer sie war und was im letzten Jahr geschehen war. Und sie wünschte sich, am ersten Januar als eine andere Frau aufzuwachen.

Wie bemitleidenswert ist das denn? dachte sie. Sie sollte aufhören zu trinken. Sie hatte zwei Martinis und war nicht betrunken, höchstens ein wenig beschwingt. Es waren die sentimentalen Gedanken, die sie störten.

„Also gut, was würdest du denn über mich sagen?“

„Mir gefällt dein Tattoo“, gab sie zu. „Und deine Bartstoppeln. Wodurch werden sie so weich?“

Er lachte. „Ich habe noch mehr Tattoos.“

„Wirklich?“, fragte sie. „Wo?“

„Wenn alles zwischen uns gut läuft, zeige ich sie dir.“

Sie errötete ein wenig. Sie war nicht so cool, wie sie es sich gewünscht hätte, aber wich nicht aus. Sie würde das durchziehen, würde impulsiv und verwegen sein. So gar nicht wie ihr altes Lindsey-Selbst.

Um abzulenken, schaute sie auf die Karte, die vor ihr lag. „Hast du Vorsätze?“

„Ist das dein Ernst?“, fragte er mit spöttischem Blick. „Sehe ich wirklich so aus, als ob ich vorhätte, mich zu bessern?“

Sie schüttelte den Kopf, aber ihr wurde in diesem Moment bewusst, dass er sich als den Playboy und Draufgänger sah, für den sie ihn immer gehalten hatte. „Ich bin mir nicht sicher. Ich denke, es gibt einen Teil von Carter Shaw, den die Welt nie gesehen hat.“

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Ich meine, da gibt es diese Tattoos, aber ansonsten bekommt man, was man sieht.“

Das bezweifelte sie. Sie kam ihm langsam auf die Schliche. Warum kämpfte er so hart darum, jemand zu sein, der er nicht war? Aber tat sie das nicht auch? Ja, weil es einfacher war, sich so zu verhalten, als der Welt die Wahrheit über sich zu zeigen.

„Wie willst du dich im nächsten Jahr ernähren?“, las sie von der vorgedruckten Liste auf der Karte vor und hoffte, dass ihr Mut sie bis Mitternacht nicht verlassen würde. Es waren ja nur noch fünfzehn Minuten. Sie wollte Carter. Sie wollte, dass dieses Silvester anders als alle vorigen würde.

„Wie ich mich ernähren will?“ Er zog die Stirn in Falten. „Ich bin mir noch nicht sicher, aber ich werde mit meinem Cousin auf Grönland eine Rentierfarm besuchen. Vielleicht esse ich also Rentier?“

„Ich wette, es schmeckt nicht wie Hühnchen“, bemerkte sie mit dem Anflug eines Lächelns. „Wann geht ihr dorthin?“

„Im Herbst. Wir wollen die Nordlichter sehen. Drei Wochen lang werden wir mit den Einheimischen leben und jede Nacht nach der Aurora Borealis Ausschau halten.“

Das hörte sich … kalt an, aber auch faszinierend. „Hast du das vorher schon einmal gemacht?“

„Nein. Das ist das erste Jahr, in dem ich nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen werde.“

Sie sah ihn überrascht an. „Was? Warum nicht?“ Wenn ihr verletztes Knie nicht wäre, das die extremen Belastungen des Profisports nicht mehr zugelassen hatte, würde sie weitertrainieren, um in vier Jahren bei den nächsten Winterspielen mitzumachen.

„Ich habe mehr Goldmedaillen und Auszeichnungen, als ein Mann verlangen kann. Es wird Zeit, dass ich mich auf etwas Neues konzentriere.“

„Und das wäre?“, fragte sie und rückte näher. Das hier interessierte sie. Was konnte nach Jahren des Trainings und der Wettkämpfe kommen? Carter hatte es wahrscheinlich leichter, da er aus einer angesehenen, sehr wohlhabenden Familie kam. Er war ein reiches, verwöhntes Kind gewesen, das alles bekommen hatte, was es wollte. Allerdings wusste sie auch, dass er genauso hart wie sie gearbeitet hatte, um an den Winterspielen teilzunehmen.

„Das weiß ich noch nicht. Aber dies wird das Jahr sein, in dem ich es herausfinden will. Ich arbeite an dieser Wohltätigkeitssache für Kinder, bei der du auch mitmachst. Es ist etwas Neues für mich. Mein Vater freut sich darüber, dass ich etwas zurückgeben will. Kannst du glauben, dass er so etwas zu mir gesagt hat?“ Carter verzog das Gesicht. „Ich habe in den letzten Jahren viel zurückgegeben.“

Für einen Moment konnte sie einen Blick auf den wahren Carter werfen. „Das hast du. Ich habe von dem Snowboard gehört, das du entwickelt hast. Es hat das Snowboarden verändert.“

„Ja, aber das war keine große Sache“, erklärte er und grinste. Und mit diesem jungenhaften Lächeln verschwand der echte Mann wieder hinter der Fassade. „Was willst du bei deiner Ernährung ändern?“

„Nichts Besonderes. Ich habe bisher immer eine Abneigung gegen bestimmte Milchprodukte gehabt. In diesem Jahr will ich Käse ausprobieren.“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Käse?“

„Ja.“

„Du isst keinen Käse?“, fragte er.

Sie hatte Freunde, die genau wie er reagierten, wenn sie das erwähnte. „Ich mag eben keinen Käse. In welcher Form auch immer.“

„Cheeseburger?“

„Nein.“

„Pizza?“

„Nur mit Pesto und frischen Tomaten. Kein Käse.“

„Das ist seltsam“, meinte er.

„Als ob du normal wärst!“

„Wer will schon normal sein?“, bemerkte er. „Okay … Scherz beiseite. Welche neuen Dinge willst du ausprobieren?“

Sie überlegte lange, bis sie dank der zwei getrunkenen Martinis endlich ihren ganzen Mut zusammennahm. „Dich.“

2. KAPITEL

„Mich?“

„Ja, dich. Erinnerst du dich, wie oft du mich küssen wolltest?“

Und ob er das tat! Seit ihrem ersten Treffen war es zu einer Art Spiel für ihn geworden. Er wollte sie, aber sie hatte sich ihm gegenüber immer abweisend verhalten. Natürlich hatte ihn das nicht aufgehalten. Er hatte sie unbarmherzig aufgezogen und sie immer wieder scherzhaft mit diesem Kuss bedrängt.

„Das letzte Mal, als ich dich fragte, habe ich dich wohl erschreckt“, erklärte er und kam zu einem der Hauptgründe, warum er heute Abend neben Lindsey Collins saß, die trotz ihrer Aussage wohl kaum in dieser Nacht in seinem Bett landen würde. Er hatte sie in Sotschi bei den Winterspielen bedrängt. Hatte sie dahin getrieben, dass sie sich einverstanden erklärte, ihn zu küssen, wenn er seine eigene Weltrekordzeit brechen würde.

Obwohl er eigentlich nie erwartet hatte, dass sie ihren Teil der Wette einhielt. Er hatte sie nur in die Enge treiben wollen, da es nach zehn Jahren unerfüllten Flirtens lächerlich erschien, weiterzumachen. An diesem Tag hatte er sich auch von seinem Coach und den Sponsoren bedrängt gefühlt, weil er einen Vertrag unterschreiben sollte, der ihn verpflichtete, das zu tun, was er immer getan hatte. Und statt wie ein Mann zu handeln, war er zu Lindsey, die sich auf das Abfahrtsrennen vorbereitete, gelaufen, um sie ein wenig zu ärgern.

„Du hast mich nicht erschreckt. Um Gottes willen, denke nur nicht, dass mein Sturz etwas mit dir zu tun hatte“, sagte sie betroffen und legte ihre Hand auf seine.

Sie beugte sich vor, und der Duft ihres Parfüms umgab ihn. Der Ausdruck in ihren braunen Augen war ehrlich, als sie ihm die Hand drückte. „Mein Sturz war … ich bin mir nicht sicher, was ihn ausgelöst hatte, aber ganz bestimmt warst du es nicht. Ich habe mir die Aufzeichnungen tausend Mal angeschaut. Ich wünschte, ich würde übertreiben, aber das tue ich nicht. Immer und immer wieder habe ich mir die Abfahrt angesehen und versucht herauszufinden, was ich anders gemacht habe. War dir aufgefallen, wie gut ich im oberen Teil gefahren bin?“

„Ja.“ Er hatte sie wie alle anderen auch gesehen, nur dass er – wie immer bei ihr – diesen Stolz gespürt hatte. Dann war sie plötzlich auf halber Strecke gestürzt. Sein Herz hatte für eine Sekunde ausgesetzt. Sie hatte so schmal und verletzlich gewirkt, als sie in die orangefarbene Sicherheitsabgrenzung gerast war. Schuld und Angst hatten ihm die Kehle zugeschnürt.

„Wahrscheinlich habe ich den Ski einfach verkantet. Mein Trainer hat mehrere Theorien darüber. Aber ganz ehrlich, bestimmt bin ich nicht aus Angst vor deinem Kuss gestürzt.“

„Du hast schon viele Männer geküsst, nicht wahr?“

Sie verzog das Gesicht. „Eine Lady schweigt über solche Dinge.“

„Entschuldigung.“

„Ich muss zugeben, dass ich es damals kaum erwarten konnte, dich endlich einmal zu küssen. Ich wünschte mir so, dass es wundervoll sein würde. Allerdings war mir auch klar, dass das Ganze ein Schuss in den Ofen sein könnte.“

Er lachte, warf den Kopf zurück und vergaß für ein paar Sekunden alles außer Lindsey.

„Allerdings hätte es auch die beste Erfahrung sein können, die jeder von uns je gemacht hätte.“

Sie ließ seine Hand los und lehnte sich in den Sitz zurück. „Ich nehme an, dass du deswegen mein Vorsatz fürs neue Jahr geworden bist.“

Lindsey war heute Abend irgendwie anders und er selbst auch. Die heutige Hochzeit ließ ihn über Dinge nachdenken, die er normalerweise ignorierte. Das und die Tatsache, dass er ab morgen kein Athlet mehr sein würde. Er würde nicht mehr jeden Tag trainieren müssen. Er würde sich neue Wege suchen.

„Champagner oder prickelnder Traubensaft?“, fragte die Kellnerin, die mit einem Tablett Gläser zum Tisch kam.

„Für mich den Saft bitte“, erklärte Carter. Er wollte jeden Moment dieser Nacht mit völliger Klarheit erleben, und obwohl er durchaus der Meinung war, dass er mit allem, was das Leben ihm vor die Füße warf, fertig werden konnte, gelang es ihm nüchtern auf jeden Fall besser.

„Saft?“, fragte Lindsey und zog eine Augenbraue hoch. „Für mich Champagner bitte.“

Die Kellnerin stellte ihnen die Gläser auf den Tisch, und dann kam eine zweite Kellnerin und reichte ihm einen blauen Hut und ihr ein goldenes Plastikdiadem. Sie setzte ihr Diadem sofort auf und klimperte kokett mit den Wimpern. „Sehe ich jetzt wie eine Prinzessin aus?“

„Die Königin sollte Angst um ihren Thron bekommen“, murmelte er.

„Als ob ich hinter so etwas her wäre. Du hast Glück, Carter. Du hast Glück, weil du dich immer noch fürs Snowboarden entscheiden kannst. Das Leben ist seltsam, wenn man nicht mehr jeden Tag früh aufstehen muss, um zu trainieren“, erklärte sie und nippte an ihrem Champagner.

Das war nicht gerade das, was er zu hören erhofft hatte. Er fand Lindsey zauberhaft, aber sie war ein Mysterium für ihn. Schon immer hatte er sie begehrt, sie aufgezogen und geneckt, aber sich nie richtig Zeit genommen, sie kennenzulernen. Und heute Abend begriff er, dass alle vorgefassten Meinungen, die er über sie gehabt hatte, falsch waren.

Sie war nicht die Eiskönigin, die sie immer vor der Kamera und auf dem Schnee gespielt hatte. Sie war authentisch und verletzlich und so verdammt sexy …

Lindsey hatte noch nie zuvor ein Diadem getragen. Obwohl dieses hier nur aus Plastik und falschen Steinen bestand, war sie doch aufgeregt, es tragen zu können. Sie kam sich auf einmal wie ein junges Mädchen vor. „Das ist meine erste richtige Silvesterparty. Traurig, nicht wahr?“

„Nicht wirklich. Du hast dich eben auf andere Dinge konzentriert.“

„Ja, aber du hast trainiert und immer noch Zeit für Partys gefunden“, meinte sie.

„Ich bin eben gut in Multitasking“, erwiderte er.

„Das sind die meisten Männer aber nicht.“

Er warf ihr einen zynischen Blick zu. „Willst du wirklich den alten Kampf der Geschlechter aufwärmen? Heute Nacht?“

Nein, das wollte sie nicht. Sie wollte es genießen, sich als normale Frau zu fühlen, statt immer abseits vom Mainstream zu stehen. Eiskönigin hatten die Medien sie genannt. Die Wahrheit war, dass sie sich so daran gewöhnt hatte, ihre Gefühle zu verbergen, dass es ihr jetzt schwerfiel, sie zu zeigen.

„Natürlich nicht. Ich hatte keine Ahnung, dass du so ein schwaches Ego hast“, zog sie ihn auf.

„Das ist es nicht. Aber du solltest wissen, gegen wen du antrittst.“

„Wie meinst du das? Willst du den großen Boss heraushängen lassen?“, fragte sie und versuchte, nicht zu lächeln. Carter hatte seit dem Moment, als sie ihn das erste Mal getroffen hatte, gegen jede Regel und Tradition rebelliert. Sie fand es schwer, zu glauben, dass er irgendetwas ernst nahm oder überhaupt eine vorgefasste Meinung besaß. Aber sie wusste, dass er eine Kämpfernatur war und niemals aufgab, bevor er alles gegeben hatte.

Sie war gewohnt zu gewinnen und hatte gewusst, wie sie auf der Piste das erreichen konnte, was sie wollte, aber sie wusste nicht, wie man Spiele wie dieses hier gewann.

Sie seufzte.

Wem wollte sie etwas vormachen? Sie würde auch im neuen Jahr nicht anders sein als all die Jahre zuvor. Wann war sie schon einmal etwas anderes gewesen als ein langweiliges Mädchen, das die Natur liebte und am liebsten über das Skifahren redete? Selbst ihre eigene Familie fand manchmal, dass sie zu einseitig war.

„Möchtest du tanzen?“, fragte Carter und brachte sie damit wieder in die Gegenwart zurück. „Eine letzte Runde auf der Tanzfläche, um das alte Jahr zu beenden.“

Sie nickte. „Das gefällt mir, und um Mitternacht werde ich dich küssen.“

„Sollte ich aufpassen?“, murmelte er, erhob sich und reichte ihr die Hand.

Sie stand auf und brauchte einen winzigen Moment, um auf den ungewohnten High Heels ihr Gleichgewicht zu finden. Sie legte eine Hand auf seine Brust. „Nicht nötig, ich weiß, dass du mich küssen willst.“

Sein Blick glitt über ihre Lippen, bevor Carter ihr wieder in die Augen sah. „Ich werde nervös, wenn ich unter Leistungsdruck stehe. Vor allem in der Öffentlichkeit. Vielleicht küsse ich dann gar nicht so gut.“

„Das bezweifle ich“, meinte sie. „Mit Leistungsdruck und Öffentlichkeit hast du noch nie ein Problem gehabt.“

„Ich wünschte, ich wäre so selbstbewusst, wie du annimmst.“

„Bist du es denn nicht?“, flüsterte sie und sog tief seinen männlichen Duft ein. Sie standen jetzt eng beieinander, weil die Menschen auf die Tanzfläche strömten, um den letzten Song des Jahres zu tanzen. „Ich weiß, dass du in einen Konferenzsaal mit wichtigen Geschäftsleuten gegangen bist, die wegen deiner Kampagne für das Snowboard gegen dich aufgebracht waren, und dass du sie dann schließlich trotzdem überzeugt hast, deine Wohltätigkeitsveranstaltung zu unterstützen. Du hast Mut und genug Nerven, Shaw. Nervosität und Lampenfieber sind dir fremd.“

Das hatte sie immer an ihm bewundert. Er umarmte das Leben mit der Leidenschaft, die sie nur empfand, wenn sie die Piste hinunterfuhr. Die Menschen glaubten, dass das, was sie tat, gefährlich war, aber für sie war dieser Sport ganz normal. Es war eine kontrollierte Abfahrt, für die sie ihr ganzes Leben lang trainiert hatte. Sie war gut in dem, was sie tat. Das war alles.

Aber sie wollte mehr. Sie wollte das Leben auch in anderen Bereichen spüren. Allerdings wurde sie jetzt, da Mitternacht vor der Tür stand, nervös. Carter hatte viele Frauen geküsst. Das hatte sie in all den Jahren von ihren Kollegen gehört. Und sie … nun, sie hatte nicht sehr viele Männer geküsst. Die wenigen Affären, die sie gehabt hatte, waren schnell vorbei gewesen und hatten sie nicht wirklich berührt.

Sie wollte nicht, dass es mit Carter so war. Sie hatte ihn bereits vor langer Zeit in ihrer Fantasie als Sexgott auf ein Podest gesetzt. Und wenn er es nicht war?

Oder schlimmer noch, wenn er großartig war und sie vollkommen ungeschickt?

Oh, das konnte passieren, wenn man seine eigene Sicherheitszone verließ. Carter sah sie intensiv an, und sie hoffte, dass sie ebenso faszinierend wirkte wie er und nicht einfach verwirrt.

„Was ist?“

„Wir müssen nicht tanzen“, meinte er leise.

„Ich möchte aber.“ In ihrem Kopf befand sich ein Bild von diesem Silvesterabend. Und in diesem Bild sah sie in ihrem grünen Kleid wunderschön aus und tanzte mit diesem gut aussehenden Mann.

Sie ergriff seine Hand. Es wäre zu viel verlangt gewesen, wenn die Band „The Way You Look Tonight“ gespielt hätte, obwohl sie es sich so gewünscht hatte, stattdessen tanzten sie jetzt zu „Wrecking Ball“. Ein Song, der nicht gerade für die Liebe gemacht war.

Aber hier ging es auch gar nicht um Liebe.

Zwischen ihr und Carter ging es immer um pure Lust. Und heute Abend würde sie endlich über die Zielgerade laufen und den Kuss erhalten, mit dem er sie vom ersten Moment an aufgezogen hatte.

Das Komische daran war, dass sie noch genauso viel Angst davor hatte wie damals mit siebzehn. Er hatte sie jetzt an sich gezogen, und für einen Moment legte sie den Kopf auf seine Schulter, als ob sie ein Paar wären. Ein Paar, das sich um Mitternacht liebend in die Augen schauen und sich dann mit einem innigen Kuss ein Versprechen für die Zukunft geben würde.

Dann berührte Carter ihre Hüfte und glitt mit der Hand zu ihrem Rücken hinauf.

Sie legte den Kopf in den Nacken, um ihn anzuschauen.

„Der Countdown beginnt“, flüsterte er.

Er hat bereits begonnen, dachte Lindsey. Und das bereits vor zehn Jahren.

Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und starrte auf seinen Mund. Diese vollen geschwungenen Lippen.

„Zehn. Neun. Acht. Sieben. Sechs. Fünf …“

„Bereit?“

„Drei. Zwei. Eins.“

Sie stellte sich auf Zehenspitzen, schlang die Arme um seinen Nacken und berührte mit den Lippen seinen Mund. Seine Lippen waren so weich, dass sie vor Überraschung leicht den Mund öffnete. Sein Atem war warm und duftete nach Minze.

Um sie herum feierten und küssten sich Leute, doch Lindseys Welt reduzierte sich auf Carter. Carter Shaw.

Natürlich küsste er fantastisch. Er war ein Mann mit viel Erfahrung, aber sie hatte nicht das Gefühl, dass dies ein routinierter Kuss war. Er war sehr persönlich und weckte eine Leidenschaft in ihr, die sie seit dem Sturz verdrängt hatte. So, als ob sie sich durch seinen Kuss nach langer Zeit endlich einmal entspannen konnte.

Sie umfasste seine Schultern, und er legte die Hände um ihre Taille und zog sie noch näher an sich heran. Unwillkürlich schmiegte sie sich an seine Brust, die sich so stark anfühlte. Er hielt sie, als ob er es nie mehr zulassen würde, dass sie fiel. Oder stürzte. Und das war genau das, was sie brauchte.

Sie legte die Hände um sein Gesicht, fuhr mit den Fingern über seine Bartstoppeln und zog sich dann leicht zurück. Doch so einfach ließ er sie nicht gehen. Er küsste sie erneut und hauchte dann sanfte, verführerische Küsse auf ihr Kinn, bevor er den Kopf hob und sie anschaute.

„Also stümperhaft war das jetzt nicht gerade“, meinte er.

„Ganz und gar nicht. Das war …“

„Unerwartet?“, schlug er vor.

Er streichelte leicht mit den Händen ihre Taille. Die Band hatte zu einem romantischen Song gewechselt, und er zog sie wieder an sich und bewegte sich mit ihr zu der Musik. Sie wollte nicht, dass er sie losließ. Vielleicht war es der Alkohol oder die Tatsache, dass es Neujahr war, aber etwas machte diesen Moment mit Carter perfekt.

Der vernünftigere Teil von ihr wollte ihr erklären, dass sie sich alles nur einredete, doch sie brachte ihn zum Schweigen. Für eine Nacht wollte sie einmal wie jede andere Frau sein. Sie wollte leben.

Sie umfasste Carters Schultern und zog ihn zu sich. Dann küsste sie ihn, wie sie es in den Filmen gesehen hatte. So, wie sie es in der Vergangenheit getan hatte. Sie hatte immer gefunden, dass die Wirklichkeit den Filmküssen in vielem nachstand, aber dieses Mal war alles anders. Carter schmeckte so gut. Sein Kuss war warm und … ja, wunderbar. Absolut perfekt. Ihr Puls beschleunigte sich, prickelnde Schauer durchströmten sie. Dann drehte er sich leicht und schob sie sanft – ohne den Kuss zu unterbrechen – von der Tanzfläche, bis sie die nahe gelegene Wand in ihrem Rücken spürte. Carters warmer, muskulöser Körper presste sich gegen ihren. Seine Hände glitten fordernd über ihren Körper, während er mit den Lippen zu ihrem Hals glitt und heiße Küsse darauf hauchte.

Mit den Händen fuhr sie über seinen Rücken bis zu seinen schmalen Hüften und zog ihn dann noch näher an sich heran. Sie spürte seine Erektion gegen ihren Unterkörper drücken und wusste, dass er mehr wollte.

Sie wollte auch mehr. Sie brauchte mehr. Viel mehr!

„Möchtest du die Party verlassen?“, fragte sie.

„Ich habe ein Zimmer im Resort.“ Er atmete schwer. „Möchtest du mitkommen?“

Sie nickte nur. Sie wollte auf keinen Fall viel reden, aus Angst, sie könnte ihre Meinung wieder ändern.

Heute Nacht wollte sie impulsiv sein.

„Ja, ich will mitkommen. Ich will dich.“

„Ich will dich auch. Ich will dich bereits seit langer, langer Zeit“, erklärte er, ergriff ihre Hand und führte sie aus dem Hotelclub hinaus. In der Hotelhalle war es nach der lauten Musik fast schockierend leise, aber einige Angestellte lächelten und wünschten ihnen ein gutes neues Jahr.

Sie hielt ihre Hand in Carters verschränkt und vertraute ihm, dass er sie durch die Nacht führte. Durch diesen Neubeginn. Den Beginn, den sie sich wünschte, aber nicht gewusst hatte, wie sie ihn finden sollte.

Sie waren jetzt allein im Fahrstuhl, und Carter ließ ihre Hand los. „Bist du sicher, dass du das willst? Ich will nicht, dass du morgen etwas bereust.“

„Ich verspreche dir, dass ich es nicht tun werde.“ Sie wusste, dass sie die Wahrheit sagte. Sie würde es viel mehr bereuen, wenn sie ihn jetzt verlassen, wenn sie diesen Moment ungenutzt verstreichen lassen würde.

Auf einmal wurde ihr bewusst, wie viel Angst sie seit ihrem Sturz hatte. Der Sturz hatte nicht nur ihrer Karriere ein Ende gesetzt, sondern sie auch fast das Leben gekostet.

Sie hatte Glück gehabt.

Jetzt wollte sie die verlorene Zeit aufholen, wollte das Beste aus ihrem Leben machen, aber sie hatte Schwierigkeiten, die letzte Hürde zu überspringen und es auch wirklich zu tun.

Vielleicht war es ja Carter Shaw, der ihr den Schubs in die gewünschte Richtung geben könnte.

Sie schaute ihn fragend an. „Hast du Zweifel?“

Er sah sie mit einem Blick an, der jede Faser ihres Körpers zum Leben erweckte, und ihr wurde auf einmal klar, wie sehr er sie begehrte. Er trat auf sie zu, drängte sie gegen die Fahrstuhlwand und küsste sie leidenschaftlich.

Seine Brust rieb gegen ihre erregten Nippel, und sie spürte seine Erektion an ihrem Bauch. Sanft umfasste er mit der Hand ihren Hinterkopf, während er mit der Zunge ihren Mund erforschte. Er küsste sie mit solch einer Hingabe, dass die Sehnsucht nach mehr sie fast überwältigte.

Der Fahrstuhl hatte das gewählte Stockwerk erreicht, und die Türen öffneten sich. Aber er küsste sie immer noch, als ob er nicht von ihr lassen könnte. Die Türen begannen sich bereits wieder zu schließen. Er zog sich fluchend von ihr zurück und verhinderte rasch mit dem Fuß, dass sie sich wieder ganz schlossen.

„Ich werde meine Meinung nicht ändern, meine Hübsche. Das kann ich dir versprechen.“

3. KAPITEL

Carter führte sie in seine Suite. Er hatte das Licht über seinem Bett angelassen, da er nie ein Freund von dunklen Zimmern gewesen war. Lindsey zu küssen war, wie das erste Mal auf einer Halfpipe zu fahren und den Spaß seines Lebens zu haben.

Sie weckte etwas in ihm, das weit über die körperliche Lust hinausging. Heute waren sie beide auf der Hochzeit gewesen. Sie als Brautjungfer und er als Trauzeuge. Sie hatten gezwungenermaßen als Paar auftreten müssen, aber irgendwie hatte es sich richtig angefühlt.

Lindsey umfasste seinen Po, und er stöhnte. Er wollte es langsam angehen, aber wenn sie ihn weiter so berührte, würde er sie sofort hier an der Wand des Hotelzimmers nehmen.

Bei dem Gedanken durchlief ihn ein Schauer. Er konnte sich nicht erinnern, jemals eine Frau so begehrt zu haben.

„Möchtest du etwas trinken?“, fragte er und zwang sich, ein paar Schritte von ihr abzurücken. Er hoffte, dass die Distanz seine Gedanken klären und ihn etwas abkühlen würde. Ihr erstes Mal sollte etwas ganz Besonderes sein.

„Es gibt nur etwas, das ich in diesem Raum will, Carter, und ich schaue es in diesem Moment an.“

Sie kickte die High Heels weg, kam auf ihn zu und nestelte mit den Händen an der Seite ihres Kleides herum. Das Kleid öffnete sich, und ihm wurde klar, dass sie sich ausziehen würde.

„Langsam, meine Hübsche, wir haben die ganze Nacht“, sagte er und zog die Schuhe aus.

„Es ist kurz nach Mitternacht, Carter. Was bedeutet, dass wir nur sechs Stunden bis zum Anbruch des Tages haben, und ich möchte keine Sekunde verpassen.“

Sie war in dieser Nacht so anders. Er würde jetzt gerne dieses Spiel mitmachen und so tun, als ob das die echte Lindsey wäre. Aber er wusste, dass es nicht so war.

Was ging heute Abend in ihr vor? Wollte sie einmal in eine andere Rolle schlüpfen?

Sie legte die Hand auf seine Brust und lehnte sich gegen ihn. Der Duft ihres Parfüms umgab ihn und verwirrte seine Sinne. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, küsste seinen Nacken genau über dem Tattoo und schob mit den Händen das Jackett über seine Schultern und Arme.

Er ließ es zu Boden fallen und glitt dann mit der Hand in den offenen Reißverschluss ihres Kleides. Ihre Haut fühlte sich kühl und seidig an. Seine Hand wanderte über ihre Rippen zu ihrer Brust hinauf. Für einen Moment hielt sie den Atem an und knabberte an seinem Ohr.

„Ich bin neugierig, wo sich deine anderen Tattoos befinden“, flüsterte sie, während sie begann, sein Hemd aufzuknöpfen.

Ihr Atem schlug warm gegen seinen Nacken und erregte ihn noch mehr. Verlangen durchpulste ihn wie heiße Lava, und sein Penis war so hart, dass es schmerzte. Er kapitulierte und hörte auf, darüber nachzudenken, wie er diese Nacht gestalten wollte.

Lindsey hatte ihre eigenen Pläne, allerdings hatte er auch noch ein paar.

Er schob die Hand noch weiter in ihr Kleid und glitt zum Verschluss des BHs hinauf. Geschickt öffnete er ihn und streichelte die Stelle zwischen ihren Schulterblättern, während er Lindsey an sich zog und küsste.

Der Kuss war ein Versprechen auf eine Nacht, die er nie vergessen würde. Ein Kuss, der so sinnlich und innig war, als ob er niemals enden wollte.

Sie schlüpfte mit den Händen unter sein Hemd und krallte ihre Fingernägel leicht in den Stoff des T-Shirts, das er darunter trug. „Wie kann ich deine Tattoos sehen, wenn ich noch nicht einmal deine Haut berühren kann?“

Er lachte. „Setz dich aufs Bett.“

„Nein.“

„Ich dachte, du wolltest mich anschauen?“

„Das will ich auch, aber das bedeutet noch lange nicht, dass du das Kommando übernehmen kannst.“

Lindsey griff entschlossen zu seinen Schultern und zog ihm das Hemd über die Arme.

„Du hast meine Manschetten vergessen.“

„Nein, habe ich nicht“, erwiderte sie. „So bist du gefangen, und ich habe das Sagen.“

Er war überhaupt nicht gefangen. Vielleicht war seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt, aber er konnte immer noch ihre Taille umfassen. Was er jetzt auch tat. Doch sie trat sofort zurück und stupste mit dem Zeigefinger gegen seine Brust. „Warum setzt du dich nicht aufs Bett?“

Er lachte erneut, erregt und überrascht von ihrem Verhalten. Er folgte ihrer Aufforderung und öffnete seine Manschetten. Sobald er das Hemd ausgezogen hatte, lehnte er sich, auf die Ellbogen gestützt, zurück und schaute sie an. „Und was jetzt?“

„Hm … Lass mich mal sehen.“ Sie kam an seine Seite, beugte sich und küsste ihn hart und fordernd. Dann stand sie abrupt wieder auf. „Zieh dein T-Shirt aus.“

„Zieh dein Kleid aus, ich kann es kaum erwarten, dich nackt zu sehen.“

„Kann ich mein Diadem aufbehalten?“, fragte sie kokett.

„Klar. Was wäre eine Eiskönigin ohne ihre Krone?“

Sie trat einige Schritte zurück, zog ihr Kleid aus und ließ dann den BH erst über den einen Arm und dann über den anderen gleiten, bis er lässig an einem Zeigefinger herunterhing. Da stand sie – seine nordische Schönheit. Seine wunderschöne Eiskönigin. Sehr selbstsicher und unglaublich sexy.

Er wollte aufstehen, doch sie winkte ab. „Habe ich gesagt, dass du dich bewegen darfst?“

„Ich dachte, du willst, dass ich mich bewege“, erklärte er.

„Noch nicht.“

Er sank zurück auf das Bett und verzog das Gesicht, als seine Hose in seine Erektion schnitt. Entschlossen zog er den Reißverschluss auf, hob die Hüften an und schob die Hose die Beine hinunter.

„Du siehst so gut aus, Carter. Du könntest ein Unterwäschemodel sein.“

Er hatte bereits einige Werbespots, auch in der Unterwäschebranche, gedreht, aber er hatte in der letzten Zeit, außer bei seinem Sponsor, keine neuen Verträge mehr unterschrieben. Seine Privatsphäre war ihm wichtiger geworden. Er erhob sich, schob das T-Shirt etwas höher, damit sie das nächste Tattoo sehen konnte, und ging zu ihr. Sie strich über das Tattoo, das sich auf seiner linken Seite befand. Die Berührung ihrer Finger war warm und zärtlich.

Die Körperzeichnung verschwand zum Teil in seinen Boxershorts, und sie zog das elastische Taillenband etwas hinunter, damit sie es ganz sehen konnte.

„Ist das ein Berg?“

„Ja. Nagano.“

„Warum Nagano?“

Er stöhnte. „Du willst nicht ernsthaft jetzt darüber reden, oder?“, fragte er und war sich schmerzhaft bewusst, dass er kaum zwei zusammenhängende Worte herausbringen konnte, während sie sich vorbeugte, um sein Tattoo zu betrachten. Ihre schönen, vollen Brüste berührten fast seinen Körper, und ihr Atem schlug gegen seine Hüfte. Sie war seinem steifen Glied so nahe, dass er sich nur leicht zu drehen brauchte, damit er sie berührte.

„Nicht jetzt, aber später“, meinte sie. „Ich will mehr darüber wissen.“

„Ich bin definitiv für später“, stöhnte er, umfasste ihre Brüste und rieb mit dem Daumen über ihre bereits erregten Brustwarzen.

Entschlossen packte sie sein T-Shirt und zog es ihm über den Kopf. Dann legte sie die Hände an seine muskulöse Brust und schob ihn zurück. Als er den Rand des Bettes an seinen Beinen spürte, legte er einen Arm um ihre Taille und zog sie mit sich aufs Bett. Tief atmete er ihren süßen Duft ein und hob sie auf seine Oberschenkel, sodass er sie anschauen konnte.

Sie löste ihr Haar, und es fiel wie ein seidiger Vorhang herunter, als sie die Hände um sein Gesicht legte und ihn küsste. Sie war nicht mehr so dominant wie eben, sondern schien das Spiel aufgegeben zu haben. Er hielt sie mit einem Arm umfangen und streichelte mit der anderen Hand ihren Rücken. Als er sanft die kleine Vertiefung über ihrem Po berührte, erschauerte sie.

Leise stöhnte sie auf, während er mit ihr auf die Seite rollte, sodass sie sich anschauen konnten.

„Ich habe jetzt wohl das Kommando übernommen“, bemerkte er lächelnd.

„Das weiß man noch nicht.“ Sie beugte sich über ihn und folgte mit den Fingerspitzen seinem Brusthaar, bis es als schmale Spur in seinen Boxershorts verschwand. Dann fuhr sie mit dem Finger unter den elastischen Bund und streichelte kurz die Spitze seines Penis. Unwillkürlich kam er ihr mit den Hüften entgegen.

Er atmete mehrere Male tief ein und aus, um die Kontrolle zu behalten. Dann umfing er mit dem Mund ihren Nippel und saugte daran, während er mit dem Finger bis zu ihrem Bauchnabel glitt.

Erregt schob sie die ganze Hand in seine Boxershorts und glitt an seinem erigierten Penis hinauf und hinab. Er erschauerte und übergab sich ganz der Lust, die sie hervorrief. Getrieben von der geweckten Leidenschaft, strich er mit den Lippen über ihren Körper, während er ihr den Slip über die Hüften und ihre langen Beine zog.

Dann schlüpfte er rasch aus seinen eigenen Boxershorts. Nichts sollte mehr zwischen ihnen sein.

„Nimmst du die Pille?“, fragte er.

„Wie bitte?“, hauchte sie benommen.

„Bist du vor einer Schwangerschaft geschützt?“

Sie nickte. „Und du … hast nichts?“

Angesichts seines Rufes eine faire Frage, trotzdem … „Nein. Und du?“

„Nein.“

„Gut.“

Er umfasste ihre Knöchel und hob ihre Beine an. Er lächelte, als sie sich auf die Ellbogen stützte.

Sie lag jetzt vor ihm. Das blonde Haar fiel ihr leicht zerzaust über die Schultern, ihre vollen Brüste mit den rosigen Brustwarzen hoben und senkten sich mit jedem Atemzug. Er betrachtete die weichen blonden Löckchen zwischen ihren Beinen und die langen, schlanken Beine, die er immer so bewundert hatte.

Es war das erste Mal, dass er sie so sah, und er wollte für immer dieses Bild von Lindsey in sich bewahren.

Nackt. Erregt. Und das Beste von allem war – sie gehörte für eine Nacht ganz ihm.

Er legte ihren Fuß auf seine Brust und glitt mit der Hand vom Knöchel bis zu ihrem Oberschenkel hinauf. Dann tat er das Gleiche mit dem anderen Bein, folgte dann mit dem Mund dem gleichen Pfad, küsste die Narben an ihrem Knie und glitt höher, bis er ihre weiblichste Stelle erreicht hatte. Sanft küsste er dann ihre Klitoris.

Sie stöhnte leise und hob ihm die Hüften entgegen, als er sie mit der Zunge liebkoste. Er spürte, wie weich und offen sie für ihn war, und glitt mit dem Finger in sie … fand ihren Geschmack so berauschend, dass er nicht aufhören konnte, bis sie leicht an seinem Haar zog.

„Carter.“

„Ja, meine Hübsche.“

„Ich möchte dich in mir spüren.“

„Ich bin in dir“, erwiderte er, die Stimme rau vor Leidenschaft.

Sie seufzte, veränderte die Position und umfasste seinen harten Penis, um ihn dann mit der Zunge zu verwöhnen und ihn schließlich mit den Lippen zu umschließen.

Ihre Zärtlichkeiten erregten ihn so, dass er unwillkürlich zurückzuckte. Das erste Mal wollte er richtig in ihr kommen. Er wollte ihr Gesicht sehen, wenn sie zum Höhepunkt kam. Entschlossen zog er sich zurück, und als er sich aufsetzte, sah er den äußerst zufriedenen Ausdruck auf ihrem Gesicht. Ihre verruchte Seite war ihm völlig neu, und er fragte sich, was noch alles in Lindsey steckte.

„Hey“, stieß er hervor und kniete sich. „Ich hoffe, du bist bereit für mich.“

„Und wie.“ Als sie die Beine um ihn schlang, glitt er mit der Spitze in sie.

Sie war eng und fühlte sich so gut an, dass er sofort tief in sie eindringen musste. Sie legte die Arme um seine Schultern, hob ihm die Hüften entgegen und flüsterte ihm heiße Worte ins Ohr: wie sehr sie ihn brauchte und dass er ganz tief in sie stoßen sollte.

Und er tat genau das, was sie sagte. Erst bewegte er sich langsam und dann in einem schneller werdenden Rhythmus. Gleichzeitig fuhr er mit dem Finger zu ihrer Klitoris, um sie zu streicheln. Er wusste, dass er bald kommen würde, und wollte ihr den gleichen Genuss bieten.

Sie stöhnte, rief seinen Namen, bog sich ihm fast verzweifelt entgegen, bis sie irgendwann aufschrie. Ihr Körper wurde steif, und er spürte, wie ihre Muskeln sich fest um seinen Schwanz zusammenzogen. Er stieß noch heftiger zu, immer härter, immer schneller, bis er spürte, dass auch sie den Gipfel der Lust erreichte. Er schaute in ihre vor Leidenschaft verhangenen Augen, als er sich bebend in sie ergoss. Dann stützte er sich mit den Unterarmen ab und legte sich sanft auf sie. Schwer atmend zog er sie mit auf die Seite.

Sie legte den Kopf auf seine Schulter und fuhr mit der Hand über seine Brust. Er spürte ihren unregelmäßigen Atem an seiner Haut, und dann seufzte sie leise.

Bereute sie bereits, was sie getan hatte?

„Ich nehme an, das ist der Beweis.“

„Der Beweis wofür?“, fragte er und fürchtete fast ihre Antwort. Er wollte einen Moment einfach nur hier liegen, mit ihr in den Armen, und das Gefühl haben, sie nicht gehen lassen zu müssen.

„Dass du wirklich nicht ungeschickt bist“, erklärte sie.

4. KAPITEL

Ihr ganzer Körper prickelte, und sie fühlte sich lebendiger als im ganzen letzten Jahr. Sie rückte ein wenig von Carter ab, stützte sich auf den Ellbogen und betrachtete ihn. Gott, ein Mann sollte nicht so unverschämt gut aussehen. Nicht, wenn er neben ihr im Bett lag. Er schien nur aus Sehnen und Muskeln zu bestehen. Ihm eilte der Ruf voraus, dass er ein lasterhaftes Leben führte. Dafür war er allerdings verdammt gut in Form.

Er hatte auch gesagt, dass er sich aus dem Profisport zurückziehen wollte, aber sein Körper war nach wie vor durchtrainiert, stark und perfekt.

Seine Augen waren halb geschlossen. Eine Hand lag auf ihrer Taille, und ab und zu streichelte er sie. Seine Hände waren groß und kräftig, dennoch waren seine Berührungen unglaublich sanft. Der Mut, der sie dazu gebracht hatte, diesen Raum zu betreten und sich in sein Bett zu legen, hatte sie noch nicht verlassen. Ihr war zwar ein wenig schwindlig vom Alkohol und Sex, aber sie war auch unglaublich glücklich.

Gott, sie hatte nicht gewusst, dass Sex so gut sein konnte. Jetzt verstand sie, warum Leute versucht waren, ihr Training dafür ausfallen zu lassen.

„Hat es dich nicht überrascht?“, fragte sie vorsichtig. Vielleicht war der Sex ja für ihn immer gleich gut.

„Verdammt, du fragst vielleicht Sachen“, meinte er. Er rieb sich die Augen, griff nach einem Kissen und legte es unter den Nacken.

„Wenn ich nicht frage, werde ich es nie wissen. Und du bist dafür bekannt, ein Playboy zu sein“, erinnerte sie ihn.

Er zog eine Augenbraue hoch.

„Das wirst du jetzt nicht versuchen zu leugnen, oder? Ich habe von vielen deiner Affären und One-Night-Stands gehört.“

„Warum sollte ich, wenn du mir sowieso nicht glauben wirst?“

„Ich weiß es nicht. Eigentlich kenne ich dich ja gar nicht richtig“, gab sie zu. Mit zwei Fingerspitzen fuhr sie über das Tattoo des Nagano an seiner Hüfte. Sie war dort zweimal bei Weltmeisterschaften Ski gefahren.

Sie wusste nicht, was sie als Nächstes tun sollte. In keinem der Ratgeber, die sie je gelesen hatte, stand, wie man sich verhalten sollte, wenn man bei einem heißen Snowboarder im Bett landete, der sehr erfahren in Liebesdingen war. Ihre Mutter hätte wahrscheinlich gesagt, man solle dafür sorgen, dass es gar nicht erst so weit kommt. Sie war eben sehr praktisch veranlagt.

Er setzte sich auf, ergriff ihre Hand, führte sie langsam zu seinen Lippen und küsste sie. Dabei schaute er ihr direkt in die Augen. Sie sah die Ehrlichkeit in seinem Blick und noch etwas anderes. Etwas, das sie nicht benennen konnte.

Er beugte sich zu ihr. Sie schloss die Augen, weil es sich so intensiv anfühlte. Das Zimmer roch nach Sex und Carter. Nach diesem würzigen Aftershave, das sie bereits am Anfang des Abends wahrgenommen hatte.

„Für mich war es etwas ganz Besonderes.“

„Warum?“, fragte sie und öffnete die Augen. Sie wollte hören, dass sie anders als die anderen Frauen war. Carter hatte ihre wildesten Erwartungen übertroffen. Er stellte alles in den Schatten, was sie je mit einem Mann erlebt hatte.

Er lachte. „Gib mir eine Minute Zeit, um mich zu waschen, und dann werden wir unsere Unterhaltung fortsetzen.“

Schnell stieg er aus dem Bett, lief barfuß zum Badezimmer und kam dann zwei Minuten später mit einem warmen feuchten Waschlappen für sie zurück. Nachdem sie sich frisch gemacht hatte, brachte er ihn wieder zurück ins Badezimmer, und sie schaute sich im Zimmer um. Ihr Diadem lag neben dem Bett auf dem Boden.

Sie hob es auf, legte es auf den Nachttisch und krabbelte wieder unter die Decke. Als sie mit dem Kopf gegen das Bettoberteil lehnte, kam ihr der Gedanke, dass er es vielleicht angenehmer finden würde, wenn sie ginge.

Die Situation wäre einfacher gewesen, wenn sie ihn mit zu sich genommen hätte. Dann wäre es nicht so peinlich.

Schließlich kehrte er mit der Eleganz und Geschmeidigkeit eines Tigers wieder in das Zimmer zurück. Sie zwang sich zu einem Lächeln und setzte ihr Pokerface auf. Das war der Ausdruck, den sie bei Interviews nach einem schlechten Rennen oder in der Zeit nach ihrem Sturz aufgesetzt hatte, als klar geworden war, dass sie wahrscheinlich nie mehr Rennen fahren würde.

Während sie bei seinen Bewegungen das Spiel seiner Muskeln betrachtete, wurde ihr bewusst, was für einen perfekten Körper er hatte. Nicht zu vergleichen mit ihrem, der von dem Sturz Knochenbrüche und Narben davongetragen hatte. Sie beneidete ihn um seinen gesunden Körper und gab sich Mühe, ihre aufsteigenden Emotionen in den Griff zu bekommen. Dies war nicht die Nacht für negative Gefühle.

„Verdammt.“

„Was ist los?“, fragte sie alarmiert.

„Du machst mich so an, dass ich gleich noch einmal von vorne beginnen möchte.“

„Von vorne beginnen?“ Sie war noch so in ihre eigenen Gedanken verstrickt, dass sie ihm nicht sofort folgen konnte.

„Ja“, erklärte er. „Wir hatten gerade erst Sex, aber ich habe schon wieder Verlangen nach dir. Ich möchte dich verwöhnen und sicher sein, dass ich keine Stelle deines Körpers ausgelassen habe.“

Sie zog eine Augenbraue hoch. „Grundsätzlich hätte ich nichts dagegen, aber ich möchte zuerst von dir hören, warum es für dich besonders war.“

Er rieb sich mit der Hand über die Brust und setzte sich neben sie auf das Bett. „Meine Hübsche, das ist doch klar, du warst immer etwas Besonderes für mich.“

Ihr war bewusst, dass er auswich, aber sie ließ es stehen, schließlich war heute Neujahrstag. Er war ihr Geschenk, um ein fabelhaftes Jahr zu beginnen, und sie konnte an seinem Tonfall erkennen, dass er im Moment keine Lust auf weitere Ausführungen hatte.

Sie seufzte, fuhr mit den Fingerspitzen über sein Tattoo und dachte an all die Risiken, die sie in ihrem Leben eingegangen war, und wie sie sich immer ausgezahlt hatten. Carter war das größte Risiko, das sie je auf sich genommen hatte. Sie hatte ihn in der Hoffnung, dass er sie durch lustvoll erlebten Sex aus der Gleichförmigkeit ihres Lebens reißen könnte, in seine Suite begleitet.

Das war alles.

Aber genau das war so schwer. Sie war eine Planerin, und einer Situation gegenüberzustehen, über die sie keine Kontrolle hatte, machte sie nervös.

Wäre sie irgendeine andere Frau gewesen, wäre er jetzt einfach zurück ins Bett gegangen und hätte erneut leidenschaftlichen Sex mit ihr gehabt. Aber hier ging es um Lindsey. Seinen schönen nordischen Engel, mit dem immer alles anders gewesen war. Die heutige Nacht war da keine Ausnahme.

Sie streichelte ihn im Moment mit dieser unschuldigen Art, die ihn so erregte, aber leider schien sie mit den Gedanken weit weg von ihm zu sein.

„Erzähl mir etwas über dein Tattoo.“

Durch ihren Themenwechsel brauchte er zwar nicht länger darüber nachzudenken, welche Antwort er ihr geben sollte, aber er war auch ein wenig enttäuscht. Er wollte, dass sie Antworten von ihm forderte und nicht nur an der Oberfläche blieb. Aber wahrscheinlich verlangte er zu viel. Sie war für ihn zwar etwas Besonders, aber er leider nicht für sie.

Für den Bruchteil einer Sekunde schmerzte dieser Gedanke, doch dann schob er ihn zur Seite und legte sich neben Lindsey. Er zog ein Kissen zu sich und stopfte es sich unter den Kopf.

„Was willst du wissen?“

„Wann hast du es dir machen lassen?“

„Zusammen mit dem Kraftzeichen hier an meinem Hals. Es war auf einer Reise mit meinem Vater, als ich ein Teenager war.“

„Wie konntest du ihn damals von einem Tattoo überzeugen? Hat dein Vater dir wirklich die Erlaubnis gegeben?“, fragte sie mit einem Lächeln.

Carter dachte an seinen Vater, den er damals fast als Feind empfunden hatte. Mittlerweile verstanden sie sich gut, aber während er heranwuchs, war ihm sein Vater wie ein Mann vorgekommen, der nie richtig gelebt oder etwas Wagemutiges getan hatte. Carter wollte genau das Gegenteil sein. Seine Mutter war bei der Geburt gestorben, und sein Vater hatte sich nie davon erholt.

„Nein, er hatte mir nicht die Erlaubnis gegeben. Aber ich war auf mich allein gestellt, sprach ein wenig Japanisch und sah aus, als ob ich bereits achtzehn Jahre alt gewesen wäre. Ich mochte diesen Berg, wollte seine Pfade und Schluchten kennenlernen und mit dem Snowboard hinabfahren. Ich wollte etwas von seiner Wildheit einfangen, deshalb dieses Tattoo.“

Er hob den Kopf und schaute in ihre hübschen braunen Augen. „Das ist ja fast poetisch. Pass auf, Shaw, du verlierst dein Image als Bad Boy.“

„Ich habe mich mit sechzehn unerlaubt tätowieren lassen, das ist Bad Boy genug“, erwiderter er und drängte rasch die Gefühle zur Seite, die diese Frau so leicht bei ihm an die Oberfläche brachte. Er war keiner jener Männer, die viel Zeit mit Grübeln verbrachten. Es war allein Lindsey zuzuschreiben, dass in ihm alte Erinnerungen aufkamen.

„Und jetzt bist du siebenundzwanzig und ziehst dich aus dem Profisport zurück? Wie die Zeit vergeht, nicht wahr?“, bemerkte sie, drehte sich auf den Rücken und legte die Arme über dem Kopf ab.

Die Bewegung lenkte seine Aufmerksamkeit auf ihre Brüste, und er umkreiste sie leicht mit den Fingern. Ihre Haut war weich und warm. Er könnte nie genug davon bekommen und sie ewig so weiterstreicheln.

Dann drehte sie sich wieder auf die Seite und schaute ihn an. „Ich möchte nicht über die Vergangenheit reden“, gestand sie.

„Ich auch nicht.“

Die Gegenwart war bei Weitem interessanter als das, was in der Vergangenheit geschehen war. Das war das erste Mal, dass er Lindsey nahe war, dass er sie in seinen Armen hielt. Nahe genug, um das kleine Muttermal zu bemerken, das sie unterhalb der Brust hatte. Er lehnte sich vor, um es zu küssen.

„Was machst du?“

„Ich will mir alles von dir einprägen. Jeden Zentimeter von dir möchte ich mir merken.“

„Ich dachte, es braucht immer eine Weile, bis ein Mann sich vom Sex erholt hat“, meinte sie.

Er schüttelte den Kopf. „Vielleicht manche Männer. Ich denke, es hängt von der Frau und dem Mann ab, die zusammen sind. Mit dir brauche ich keine Erholungsphase.“

„Was glaubst du, warum das so ist?“, fragte sie neugierig.

Er streichelte sie, indem er bei der Schulter begann und bis zur Hüfte hinunterfuhr. „Keine Ahnung. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Warum sollte ich auch? Sex sollte Spaß machen, das reicht.“

„Das sollte es“, sagte sie nachdenklich. „Allerdings habe ich das nicht immer so erlebt, aber natürlich habe ich auch nicht so viel Erfahrung wie du.“

„Hey, meine Hübsche, ich weiß nicht, was es ist, aber irgendetwas liegt dir auf dem Herzen.“

„Ich habe Angst“, gestand sie. „In der Bar war alles noch so unbeschwert, aber jetzt, wo ich hier in deinem Bett bin, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich habe keine Erfahrung mit Situationen wie diese hier.“

Er seufzte. „Es gibt kein richtiges oder falsches Verhalten. Wir stellen unsere eigenen Regeln auf, okay?“

Er wollte, dass sie einfach sie selbst war. Durch sie wurde er auf eine Art und Weise lebendig, die zuvor nur das Snowboarden geschafft hatte. Sie gab ihm etwas, das er bisher noch in keiner Beziehung gefunden hatte. Vielleicht kam es auch nur daher, weil er endlich mit der Frau ins Bett gegangen war, die er begehrte, seit er siebzehn Jahre alt war.

Auf keinen Fall wollte er, dass sie glaubte, sie müsse sich in einer bestimmten Weise verhalten. Mit anderen Frauen hatte er auch guten Sex gehabt, aber er hatte nie mehr von ihnen gewollt. Die Begegnungen waren locker und freundschaftlich gewesen, ohne tiefe Gefühle, die verletzt werden konnten. Aber dies hier war Lindsey, und er wollte mehr von ihr.

Er wollte mehr? Ja, aber wie viel, wusste er noch nicht. Das hier war alles noch neu für ihn.

„Okay, welche Regeln sollten wir denn haben?“, fragte sie. „Werden wir das noch einmal wiederholen?“

„Hm … Ich dachte, das wäre offensichtlich“, meinte er und wies auf seine Erektion.

Sie lachte, und der Klang ihres Lachens berührte ihn wie ein warmer Sonnenstrahl an einem kalten Tag.

Einen Moment später umfasste sie sein Glied und glitt mit der Hand sanft daran hinauf und hinab. „Okay, aber nach diesem hier, was dann?“, fragte sie, als sie sich vorbeugte, um ihn zu küssen.

„Das werden wir herausfinden. Hier geht es nicht um einen Trainingsplan, den man rigoros einhalten muss.“ Sie nickte, und er sah, dass etwas in ihrem Kopf vor sich ging. Was dachte sie? Da er keinen blassen Schimmer hatte, schob er den Gedanken rasch zur Seite.

Er hatte eine nackte, sehr verführerische Lindsey in seinem Bett, und er hatte vor, es zu genießen.

Nachdem sie sich das zweite Mal geliebt hatten, schliefen sie einander in den Armen liegend ein. Lindsey erwachte von Carters leisem Schnarchen. Er lag auf der Seite, das Gesicht ihr zugewandt. Einen Arm hatte er über sie gelegt, und ihre Hände waren verschränkt. Sie konnte kaum den Blick von ihm wenden, aber sie hatte leichtes Kopfweh und Durst.

Richtigen Durst!

Vorsichtig legte sie seinen Arm zur Seite und entzog ihm die Hand. Dann verließ sie leise das Bett und ging ins Badezimmer. Dort schloss sie die Tür hinter sich und begnügte sich mit der Nachtbeleuchtung. Sie sah sich im Spiegel, vermied aber den Augenkontakt mit ihrem Spiegelbild, während sie sich ein Glas Wasser füllte und es langsam austrank.

Versunken in ihre Gedanken, schloss sie den Toilettensitz und setzte sich darauf.

Sie wusste jetzt ebenso wenig, was sie tun sollte, wie vor sechs Stunden. Die Haut ihres Nackens brannte ein wenig, und sie erschauerte. Das war das Werk von Carter Shaws Bartstoppeln. Wer hätte gedacht, dass sie tatsächlich in seinem Bett landen würde.

Sie stellte das leere Wasserglas ab und beugte sich über das Waschbecken. Ihre bisherigen sexuellen Erfahrungen waren nicht gerade umwerfend gewesen. Sah sie jetzt, da ein Mann und nicht ihre eigene Hand ihr einen Orgasmus besorgt hatte, anders aus? Sie suchte in ihrem Gesicht nach Zeichen, fand aber keine. Sie sah immer noch wie Lindsey aus. Aber in ihr war etwas erwacht. Etwas hatte sich verändert, und sie hatte keine Ahnung, was sie als Nächstes tun sollte.

Sie biss sich auf die Lippe. Hierzubleiben und darauf zu warten, dass Carter erwachen würde, schien ihr keine gute Idee zu sein. Diese Nacht war ein einmaliges Erlebnis. Sie war intensiv, ausgelassen und ein wenig frivol gewesen. Es war eine Erfahrung, die sie so noch nie gemacht hatte. Es hatte ihr gefallen, und sie bedauerte nicht, was sie getan hatte.

Man lebt nur einmal, nicht wahr? Aber jetzt brach ein neuer Tag an, und es war an der Zeit, neue Pläne zu machen.

Wie unglaublich diese Nacht auch gewesen sein mochte, es gab keinen Zweifel daran, dass eine Beziehung zwischen ihr und Carter ausgeschlossen war. Außer dem Sport verband sie nichts Gemeinsames, und selbst da waren Ski und Snowboard sehr verschieden. Sie kannten sich ja nicht einmal richtig.

Er würde zurück in seine Welt gehen, und es würden sich durch die gemeinsame Arbeit im Komitee ihre Wege kreuzen. Allerdings bezweifelte sie, dass sie sich oft sehen würden.

In ihrem Herzen spürte sie einen kleinen Stich, aber sie ignorierte ihn. Natürlich tat es weh, nach diesen intimen Stunden Carter wieder als Fremde gegenüberzustehen. Doch diese Nacht würde sich nicht wiederholen. Carter gehörte zu den Bad Boys und war ganz und gar nicht der Typ Mann, auf den sie sich einlassen wollte. Außerdem war ihr Leben auch ohne ihn im Moment schon chaotisch genug.

Lindsey seufzte. Ihre Kleidungsstücke waren im Schlafzimmer verstreut. Sie würde sie jetzt einsammeln, anziehen und dann rasch die Flucht antreten müssen, bevor er erwachte. Aber zuerst einmal sollte sie den Bademantel, der an der Tür hing, anziehen. Es schien ihr unpassend, im kalten Licht des anbrechenden Tages nackt herumzulaufen.

Vorsichtig öffnete sie die Tür und hörte dann Carters tiefe Stimme. „Ich danke Ihnen.“

Er war wach.

Er saß auf dem Bettrand, hob den Kopf und warf dann das schnurlose Telefon aufs Bett. „Ich habe Frühstück bestellt.“

„Ich finde, dass ich jetzt besser gehen sollte“, stieß sie hastig hervor. „Ich habe das Gefühl, dass …“

„Wohin musst du denn so eilig? Ich weiß, dass du heute nicht arbeiten musst.“

Ihre Augen weiteten sich überrascht. „Woher weißt du das?“

„Weil du gestern getrunken und Party gemacht hast. Ich weiß, dass du nach solch einer Nacht nicht Ski fahren würdest“, erklärte er. „Glaube mir, du wärst nicht richtig in Form.“

„Hast du das schon einmal getan? Bist du jemals nach solch einer Nacht gefahren?“

„Ja! Und ich kann es nicht empfehlen.“ Es entstand eine Pause. „Ich werde jetzt meinen Bademantel holen, und dann können wir frühstücken. Okay?“

Sie wollte Carter nicht näher kennenlernen. Das Risiko, ihn zu mögen, wuchs mit jeder Minute, die sie bei ihm blieb.

„Ich bin mir nicht sicher.“

„Wirklich? Hast du es mit der Angst zu tun bekommen?“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und grinste herausfordernd. „Nach allem, was in der vergangenen Nacht zwischen uns geschehen ist, willst du einfach davonlaufen?“

Lindsey zwang sich, ihm in die Augen zu schauen. „Ich bin kein Kind, das man mit einer belanglosen Herausforderung manipulieren kann.“

„Diese Nacht war nicht belanglos, sie war gigantisch. Beweise mir, dass du kein Feigling bist, und bleib.“

Sie verdrehte die Augen. „Also gut. Ich bleibe zum Frühstück.“

Carter nickte. „Ich bin gleich wieder da.“

Lindsey ging zu dem Tisch in einer Ecke des Zimmers hinüber, von der man einen wundervollen Blick auf die Bergkette hatte. Die Berge, die ihr so vertraut waren. Es gab keine Abfahrt, die sie noch nicht gefahren war. Sie hatte so oft dort trainiert, dass sie ihr wie ein Zuhause vorkamen.

Aber das waren sie jetzt nicht mehr. Und ihr wurde bewusst, dass heute Morgen nicht Carter Grund für ihre schlechte Laune war. Es waren auch nicht die Berge, obwohl sie eine Rolle in ihrer Stimmung spielten. Sie ärgerte sich über sich selbst. Darüber, dass sie gestürzt war und sich damit selbst geschadet hatte. Bis jetzt hatte sie es sich nicht eingestehen können, sondern diese Tatsache immer verdrängt. Aber die Nacht mit Carter hatte den Schutzdamm eingerissen.

Kaffee und Frühstück würden ihre Laune nicht bessern können. Das wusste sie, also zog sie sich so rasch wie möglich an, ergriff ihre Handtasche und ihr Diadem und flüchtete aus dem Zimmer, bevor Carter das Badezimmer verließ.

Sie brauchte Zeit und Abstand. Durch Carter würde sie nur noch mehr ins Chaos stürzen.

5. KAPITEL

Man brauchte kein Genie zu sein, um zu erkennen, dass Lindsey allein sein wollte. Aber Carter hatte nicht umsonst so viel in der Welt des Snowboardens und im Leben erreicht. Wenn er etwas wollte, gab er nicht auf, bis er es hatte. Und nach letzter Nacht war ihm klar geworden, dass er mehr von Lindsey wollte.

Er duschte, zog sich an, frühstückte und ging hinaus, um nach ihr zu suchen. Sie arbeitete für das Resort, und wahrscheinlich wohnte sie in der Nähe. Beide waren sie den größten Teil ihres Lebens Sportler aus Leidenschaft gewesen. Und wenn Lindsey auch nur etwas von ihm hatte, würde sie in der Nähe der Berge leben wollen, um ihre freie Zeit auf den Pisten zu verbringen.

Er schrieb Will Spaldings, dem zweiten Trauzeugen, dessen Fast-Verlobte Penny eine Freundin von Lindsey war, eine SMS und fragte, ob er wüsste, wie er mit Lindsey in Kontakt treten könnte. Dann legte er den Kopf auf das Lenkrad und kam sich wie ein kompletter Idiot vor.

War er jetzt verrückt geworden?

Will schrieb zurück, dass er Penny gefragt hätte, und gab ihm Lindseys Telefonnummer mit der Frage: Warum?

Ja, Shaw, warum brauchst du ihre Nummer? fragte Carter sich selbst.

Noch immer saß er in seinem Mietwagen und versuchte herauszufinden, welche Piste sie heute Morgen herunterfahren könnte, als er sie aus einem Wagen steigen und zum Hotel hinübergehen sah. Sie hatte Skihosen in einem dunklen Pink und eine cremefarbene Daunenjacke an. Ihr hellblondes Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, und sie trug ein Stirnband.

Sie sah aus, wie sie immer ausgesehen hatte. Als ob sich nichts verändert hätte.

Bis zu diesem Moment war ihm nie der Gedanke gekommen, dass Lindsey Collins, Liebling des alpinen Sports, ihn in dieser Nacht nur benutzt haben könnte. Es war nicht das erste Mal, dass ihm das passiert war, aber normalerweise hatte er es bemerkt und in Kauf genommen. Guter Sex ohne Bindung war nicht das Schlechteste, wenn man seine Freiheit liebte.

Allerdings war er davon ausgegangen, dass Lindsey anders wäre. Er schloss seinen Wagen ab und folgte ihr über den Parkplatz zur Après-Ski-Bar. Sie setzte sich an einen der Tische in der Nähe des großen Kamins und sah zu den Pisten hinauf. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war weder friedlich noch glücklich.

Sie wirkte verärgert und irgendwie verloren.

Warum war Lindsey so aufgebracht?

Vielleicht war er zu weit gegangen, als er sie in seine Suite mitnahm. Hatte er eine weitere Sünde zu seiner langen bereits bestehenden Liste hinzugefügt? Er ging zu der Bar hinüber, bestellte zwei Tassen heiße Schokolade und ging damit zu ihr an den Tisch.

„Carter.“

„Lindsey.“

Sie zog den Becher näher an sich heran, legte die Hände darum und schaute auf die Schlagsahne wie eine Wahrsagerin, die nach einer Antwort suchte.

„Wofür ist die denn?“

„Das weiß ich nicht.“ Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und seufzte. „Vielleicht will ich mich entschuldigen.“

„Für was? Ich weiß, dass ich es bin, die sich entschuldigen sollte, weil ich einfach gegangen bin. Aber ich bin heute Morgen ziemlich schräg drauf, und ich hätte etwas Dummes sagen oder tun können, also dachte ich, dass es besser wäre, wenn ich erst einmal mit mir selbst zurechtkomme und …“

Das verstand er. Er hatte die meiste Zeit seines Lebens damit verbracht, mit sich klarzukommen, und nach Antworten gesucht, die er immer noch nicht gefunden hatte.

„Ist schon okay. Das verstehe ich. Lass uns noch einmal von vorne beginnen“, sagte er.

„Wie? Sollen wir vorgeben, dass wir uns nicht schon mit siebzehn begegnet sind? Oder sollen wir so tun, als ob letzte Nacht nie geschehen wäre?“

„Keines von beiden. Lass uns einfach den Morgen noch einmal neu beginnen.“ Er ergriff ihre Hand. „Ich kann es kaum erwarten, in die Berge zu gehen. Willst du mitkommen? Wir können zur Abwechslung einmal zusammen die Piste unsicher machen.“

Sie entzog ihm die Hand und trank einen Schluck Kakao. „Ich kann nicht.“

Er lehnte sich in den Stuhl zurück und schaute sie an. Sie hatte den Blick von ihm abgewendet und sah zu den Bergen hinüber. „Ich werde mich auch zurücknehmen.“

„Das ist nicht der Punkt. Ich kann nicht die Piste hinunterfahren.“

„Warum nicht?“

Sie schüttelte den Kopf. „Wir hatten heute Nacht zusammen Spaß, Carter. Wir sind keine Freunde, und ich …“

„Ich habe nicht bemerkt, dass du im Moment überhaupt Freunde in der Nähe hast. Ich will nicht gemein sein, aber es ist offensichtlich, dass du jemanden brauchst.“ Er versuchte, die Wut, die in ihm aufstieg, im Zaum zu halten. „Ich dachte, dass ich dir über die Jahre bewiesen hätte, dass ich kein totaler Versager bin.“

„Niemals habe ich so über dich gedacht“, erklärte sie und sah ihn an.

In ihrem Blick lag etwas, das er nie zuvor gesehen hatte. Es war Furcht, aber auch Resignation und Enttäuschung.

„Ich habe Angst, Carter. Ich kann nicht die Berge hinabfahren, weil ich jedes Mal, wenn ich den Skilift nehme, oben erstarre. Kindern auf den Anfängerhügeln das Skifahren beizubringen ist kein Problem, aber ich bin nicht in der Lage, eine richtige Piste hinabzufahren.“

Seine Wut verrauchte sofort. Das hatte er nicht erwartet. Lindsey hatte Angst? Das passte so gar nicht in das Bild der mutigen, furchtlosen Frau, die er gekannt hatte. Sie war bereits mit zehn Jahren die steilsten, gefährlichsten Pisten in einer Geschwindigkeit hinabgerast, von der andere nur träumten, und jetzt hatte sie Angst?

„Okay“, meinte er. „Aber wir werden dir diese Angst nehmen.“

Sie schüttelte den Kopf und trank einen weiteren Schluck Kakao. „Das glaube ich nicht. Es ist nett von dir, das vorzuschlagen, aber seien wir doch mal ehrlich: Wir sind immer sehr gegensätzlich gewesen und …“

„Das sieht jetzt anders aus. Du hast immerhin eine Nacht in meinen Armen verbracht.“

„Das war Sex“, erinnerte sie ihn. „Du hast immer gesagt, dass Sex etwas rein Körperliches ist und nichts mit Emotionen zu tun hat.“

„War der Sex für dich rein körperlich?“, fragte er und zwang sich, gelassen zu wirken.

„War er für dich anders?“, stellte sie die Gegenfrage.

Sie ließ nichts von ihren wahren Empfindungen durchblicken. Aber warum sollte ihn das überraschen? Das hier war Lindsey Collins, die Eiskönigin.

Lindsey wollte nicht mit Carter über ihre Ängste sprechen. Sie wollte auch nicht darüber nachdenken. Was sie brauchte, war eine Ablenkung, und genau das konnte er ihr bieten.

„Entschuldige, aber heute Morgen stehe ich ein wenig neben mir. Deswegen bin ich gegangen. Ich kann es nicht gut erklären, noch nicht einmal mir selbst.“

„Was kannst du nicht erklären?“, fragte er und sah sie mit seinen blaugrauen Augen durchdringend an.

„Bis du gestern Abend an meinen Tisch gekommen bist, habe ich über meine Zukunft nachgedacht und versucht herauszufinden, was ich als Nächstes tun sollte.“ Sie seufzte. „Im Jahr davor habe ich mich in dieser Zeit auf eine Goldmedaille vorbereitet.“

„Das weiß ich. Aber Dinge ändern sich nun einmal.“

„Das tun sie, und ich endete hier in dem Tal, in dem ich Skifahren gelernt und meine Karriere begonnen habe. Ich dachte, das hier wäre der richtige Ort für einen Neustart, aber da habe ich mich wohl geirrt. Ich kam nicht mit den Pisten zurecht … ich meine, zu Beginn noch nicht einmal mit den Anfängerhügeln.“

Sie hätte gerne aufgehört zu reden, aber sie war unfähig, die Worte zurückzuhalten. Sie musste ihre Ängste jemandem mitteilen, und Carter, so unterschiedlich sie auch waren, würde sie wahrscheinlich am ehesten verstehen.

„Der Neuanfang ist also nicht gelungen“, meinte er und fuhr mit der Fingerspitze über den Rand seines Bechers.

Das Bild, wie er so über ihre Brustknospen gestrichen war, erschien in ihrem Kopf, und sie rutschte nervös auf ihrem Stuhl herum. Verdammt! Sex hatte hinterher noch nie solche Bilder und Gefühle in ihr hervorgerufen. Carter hatte etwas in ihr verändert.

„Ja, so ist es. Ich war beim Psychologen, und der hat gemeint, dass mein Unterbewusstsein einen Neustart blockiert, weil ich das Alte noch nicht losgelassen habe.“

Er nickte. „Ich verstehe. Mein Therapeut hat oft zu mir gesagt, ich sollte vorwärtsgehen und nicht zurückschauen. Wenn man eine Herausforderung gemeistert hat, sollte man sich eine neue suchen. Mir ging es also auch einmal wie dir.“

„Interessant! Hat er eine Theorie, warum du Blockaden hattest?“ Vielleicht lag in Carters Problem ein Hinweis zur Lösung ihres eigenen.

„Ja, aber das ist sehr persönlich.“ Für einen winzigen Moment konnte sie einen Blick auf den wahren Carter werfen. Auf den, der sich hinter seinem sexy Charme und seinem Draufgängertum verbarg.

„Tut mir leid“, erwiderte sie leise. „Ich wollte nicht neugierig sein.“

Er zuckte die Schultern. „Das Thema habe ich ja aufgebracht.“

Carter legte einen Arm auf den Tisch und sah sie an. „Ich möchte dir helfen, wieder auf die Pisten zurückzukehren, und wiedergutmachen, was auch immer ich mit deinem Sturz zu tun hatte.“

„Ich sagte dir doch, es war nicht deine Schuld.“

Er lächelte. „Ja, das hast du, aber ich möchte gerne etwas für dich tun. Außerdem liebe ich es, dir beim Skifahren zuzuschauen. Es wäre schade, wenn ich das nie mehr sehen würde.“ Dann wurde er ernst. „Wie geht es denn deinem Knie? Bist du wirklich nie mehr richtig Ski gefahren?“

Lindsey schüttelte den Kopf. Wie oft hatte sie ihre Skier hierher gebracht und so getan, als ob sie die Pisten hinuntergefahren wäre.

Wem wollte sie eigentlich etwas vormachen?

„Meinem Knie geht es gut. Ich fahre ja keine Rennen, sondern gebe den Kindern Unterricht, aber das ist nicht wirklich Skifahren.“

„Zumindest nicht für dich“, erklärte er.

„Nein, nicht für mich. Aber wieso interessiert dich das eigentlich? Ich nehme dir die Schuldgefühle nicht ab. Was steckt wirklich dahinter?“

„Vielleicht spüre ich, dass dies der einzige Weg ist, dich wiedersehen zu können.“

Er hatte recht, aber sie wollte es nicht zugeben.

„Wir sind zusammen in einem Komitee, Carter. Wir werden uns oft sehen.“

Er trank einen Schluck der heißen Schokolade. „Ich hätte ein wenig mehr von dir erwartet.“

Ihre Erwartungen waren ebenfalls hoch. „Tut mir leid. Ich denke, die Kombination von zu viel Alkohol, Sex und nicht geklärter Zukunft macht diesen Morgen so schwierig.“

„Du denkst zu viel“, erklärte er leise. „Glaub mir, ich habe mehr Erfahrung als du. Brich aus diesem Teufelskreis aus. Schüttle die Gedanken einfach ab.“

Einfach alles abschütteln? Wenn das so leicht wäre. Sie seufzte leise. Ein Teil von ihr wünschte sich, so zu sein wie letzte Nacht. Eine selbstsichere Frau, die sich von Carter nahm, was sie wollte. Eine Frau, die an sich selbst glaubte. Und sicher war es nicht nur der Alkohol, der das bewirkt hatte. Diese Frau musste in ihr stecken.

Sie musste nur herausfinden, wie sie diese Selbstsicherheit zurückgewinnen konnte.

Carter lockte sie mit seinem Angebot. Er war immer derjenige, der sie herausforderte.

„War es dein Ernst, dass du mir helfen willst, wieder Ski fahren zu können?“

„Ja. Willst du mein Angebot annehmen?“, fragte er, lehnte sich zurück und lächelte selbstzufrieden. „Ich wusste, dass du das tun würdest. Frauen können mir einfach nicht widerstehen.“

Das war Teil des Problems. Sie war nicht wie die Masse der Frauen. Das heißt, sie wollte nicht wie die Masse sein. Sie wünschte sich, etwas Besonderes zu sein. Und genau das gelang ihr nicht. Zumindest nicht im Moment, da sie sich selbst kaum kannte. Es war, als ob sie sich selbst neu erfinden müsste.

Carter wurde klar, dass Lindsey ihn als Lustobjekt gesehen hatte. Und nach all den Frauen, mit denen er über die Jahre gespielt hatte, sah ein Teil von ihm dies als karnische Rückzahlung an. Aber der Teil von ihm, der sie begehrte und in ihr seine Traumfrau sah, kochte innerlich vor Wut. Sie sah ihn an, als ob er ein Fremder wäre. Er war für sie nur der eine Typ Mann, dem sie nicht vertraute.

„Was meinst du, meine Hübsche? Wollen wir es versuchen?“

„Ja. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich es tun sollte, da du einen schlechten Einfluss auf mich hast.“

Er schaute sie an und musste trotz seiner Verstimmung lächeln. „Wie kommst du denn darauf?“

„Leidenschaftliche Küsse, dann zweimal Sex in der Nacht … und zum Schluss willst du auch noch mit mir Ski fahren.“

Ihm wurde klar, dass ihr Letzteres wirklich Sorgen machte. „Ich werde dich nicht die Pisten hinunterjagen, Lindsey. Ich will dich nur daran erinnern, warum du diesen Sport so sehr geliebt hast.“

Sie legte den Kopf schief, sodass ihr blonder Pferdeschwanz in Bewegung geriet, und er erinnerte sich an das Gefühl ihres seidenweichen Haares auf seiner nackten Haut. Sein Puls ging schneller, und ihm wurde bewusst, dass er sie unbedingt in seinem Leben behalten wollte, um sie wieder in sein Bett zu bekommen.

Er hatte noch nicht genug von ihr gehabt, als sie gegangen war, und jetzt würde er tun, was immer notwendig war, um diese Nacht zu wiederholen.

„Was weißt du über meine Liebe zum Abfahrtslauf?“

„Nur, dass ich am Boden zerstört wäre, wenn ich gefallen wäre und sechs Monate nicht snowboarden könnte. Und selbst wenn ich mich jetzt aus dem Profilager zurückziehe, will ich immer noch auf dem Brett stehen. Ohne mein Snowboard bin ich nicht ich selbst.“

Sie warf ihm einen trotzigen Blick zu. „Ich hasse es, dass du mich so leicht durchschaust.“

Er lachte, aber ein Teil von ihm war von ihrer Aussage verletzt. „Warum?“

„Weil du leichtfertig bist und glaubst, dass du nur genug wagen müsstest, um alles zu bekommen.“

„Diese Gleichung ist für mich in der Vergangenheit immer aufgegangen.“

„Da hast du recht. Vielleicht benötige ich ja auch ein wenig von dieser Einstellung. Was schlägst du also vor?“

„Du musst zum Ursprung deiner Angst vordringen.“

„Woher willst du das wissen?“, fragte sie. „Hast du auch etwas, wovor du Angst hast?“

Natürlich habe ich das, dachte er. Aber es gefiel ihm, dass sie vor allem seine Selbstsicherheit sah, an der er so hart gearbeitet hatte. Er würde sie nicht daran hindern, ihn als den Mann zu sehen, der er sein wollte. Er würde keine Geheimnisse ausplaudern, die er nicht preisgeben wollte.

„Klar! Ich bin traumatisiert, weil Frauen wie du mich immer verlassen haben“, witzelte er.

Sie knabberte leicht an ihrer Unterlippe, und er erinnerte sich daran, wie sich ihr Mund beim Küssen angefühlt hatte. Er begehrte sie schon seit Jahren. Würde er jemals genug von ihr bekommen?

Die Medien hatten sie die Eiskönigin genannt, weil sie selbst vor ihren wichtigsten Rennen immer gelassen und cool blieb. Andere Ski-Athleten lächelten und machten Witze, doch Lindsey hatte sich immer zurückgehalten und war dann den Berg hinuntergefahren, als würde er ihr gehören. Ihm wurde jetzt klar, dass er immer der Mann hatte sein wollen, der ihr Eis zum Schmelzen brachte. Das war bis zum heutigen Tag so geblieben.

Einmal war es ihm gelungen, doch das war nicht genug.

Warum reichte ihm das nicht?

Er sollte doch glücklich sein oder zumindest zufrieden darüber, dass er Lindsey nach so langer Zeit zumindest einmal geknackt und ins Bett bekommen hatte. Aber das war nicht so.

Er wollte mehr, konnte jedoch nicht genau sagen, warum es so war. Es ging eben um Lindsey. Da war immer alles anders.

„Ich entschuldige mich noch einmal dafür, dass ich so abrupt gegangen bin“, sagte sie leise. „Ich wollte wissen, ob es mir heute Morgen gelingen würde, eine Piste hinunterzufahren … Nun, das stimmt nicht ganz.“ Sie sah ihn unverwandt an. „Du hast mir Angst gemacht, Carter. Du hast etwas in mir geweckt. Letzte Nacht habe ich mich kaum selbst wiedererkannt. In mir gibt es einen Teil, dessen ich mir vorher gar nicht bewusst gewesen bin.“

„Das ist doch gut“, meinte er. „Das ist der Teil, den du bisher versteckt hast. Eingefroren. Ich bin froh, dass du endlich auftaust.“

„Auftauen? Wow, und ich dachte, ich hätte dir in der vergangenen Nacht bewiesen, dass nichts Eisiges an mir ist“, stieß sie ein wenig atemlos hervor.

„Das war auch so, aber dann hast du dich wieder hinter eine Eiswand zurückgezogen“, bemerkte er. „Lass uns gehen.“ Er stand auf und hielt ihr die Hand entgegen.

„Wohin?“

„Vertraue mir.“

Sie ergriff seine Hand und schenkte ihm ein gezwungenes Lächeln. „Das kann ich nicht, aber ich komme trotzdem mit.“

Carter war mit ihrer Antwort nicht ganz zufrieden, aber er würde nehmen, was er von ihr bekommen konnte. Sie erhob sich und folgte ihm auf den Parkplatz zu seinem Jeep hinüber.

„Wohin gehen wir?“

„Das wirst du schon sehen.“ Er lächelte geheimnisvoll. „Ich habe eine Idee.“

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