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TIFFANY HOT & SEXY BAND 48

Susanna Carr, Kira Sinclair, Kimberly Raye, Anne Marsh, Wendy Etherington

TIFFANY HOT & SEXY BAND 48

SUSANNA CARR

Wie wild willst du sein?

Der Kuss war reine Routine: Jason wollte Claire nur zeigen, wie man verführerisch küsst. Aber als er ihren weichen Mund spürt, wird ihre kühle Abmachung plötzlich heiß …

KIRA SINCLAIR

Tief in uns

Eigentlich soll ihm die Archäologin Avery nur bei der Suche nach einem Schiffswrack helfen. Doch kaum kommt die aufregende Rothaarige an Bord, wird Knox atemlos – vor Lust …

KIMBERLY RAYE

Die Rückkehr des Bad Boys

Jesse ist sicher: Unter dem braven Outfit, das Gracie trägt, schlägt das wilde Herz von früher. Sie mag ja jetzt Bürgermeisterin sein. Aber er ist immer noch der Bad Boy – der sie verführen will …

ANNE MARSH

Ein Meer von heißen Geheimnissen

Es war aufregend, Mia wiederzusehen, denkt Tag Johnson. Wie lange ist der One-Night-Stand mit ihr her – vier Jahre? Schade, dass ihr Kreuzfahrt gleich ablegt! Doch als die Leinen los sind, ist Mia noch an Land …

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Wie wild willst du sein?

1. KAPITEL

Claire Miller bog auf den Parkplatz ein, vor Aufregung konnte sie kaum atmen. „Schluss damit“, sagte sie zu sich selbst. „Er ist der Bruder deiner besten Freundin. Ein Kunde wie alle anderen, nicht mehr.“

Aber ihr Herz hörte nicht auf sie. Es raste einfach weiter.

Das tat es immer, wenn es um Jason Strong ging. Für alle in der Stadt war er der Sunnyboy und Glückspilz. Er leitete die traditionsreiche Weinbar seiner Familie, in der er auch regelmäßig Weinverkostungen anbot.

Außerdem war Jason der Star in Claires wildesten Fantasien. Seit er ihr Kunde war, träumte sie noch häufiger von ihm, und allmählich wurde ihr das selbst peinlich.

Eine ihrer Sexfantasien spielte dummerweise auch noch in seinem Büro, und schon mehr als einmal hatte Claire mitten während eines Meetings mit ihm davon geträumt, alle Unterlagen schwungvoll vom Tisch zu schleudern, Jason auf die Tischplatte zu drücken und ihm das Hemd aufzureißen, um ihm mit der Zunge über die Brust und den muskulösen Bauch zu lecken.

Dann würde er sich natürlich nicht beherrschen können. In ihrer Fantasie riss er ihr die Kleider vom Leib, bevor sie sich auf ihn setzte und einen heißen Ritt begann. Doch irgendwie hörte die Fantasie immer damit auf, dass sie selbst es war, die auf den Schreibtisch gedrückt wurde, während Jason sie von hinten nahm. Der Schreibtisch quietschte bei jedem seiner harten Stöße, und Claire feuerte Jason mit ihren Lustschreien an.

Das war noch eine der harmloseren Fantasien, aber leider ging sie Claire immer durch den Kopf, wenn sie sich mit Jason bei ihm im Büro traf. Erst letzte Woche hatte sie beim Brainstorming gedankenversunken tatsächlich einen Stapel Aktenordner vom Schreibtisch gewischt.

Seitdem vermied sie es, sich mit Jason in seinem Büro zu treffen.

Trotzdem raste ihr Puls, als sie das Schild des Mountain Creek Wine Cellar sah.

Konzentier dich! Keine Fantasien!

Sie parkte das Auto, nahm ihre Aktentasche, stieg aus und atmete tief durch.

Es war September, und es duftete nach Herbstlaub und Kaminfeuer. Leider halfen ihr auch die vertrauten Gerüche nicht, sich zu beruhigen, weil sie sich unwillkürlich ausmalte, nackt mit Jason vor einem prasselnden Kaminfeuer zu liegen.

Entnervt zog sie die Aufschläge ihres Blazers zusammen und blickte in die Ferne zum verschneiten Berggipfel des Mount Rainier. Die Weinbar bot einen fantastischen Ausblick, aber das galt auch für alle anderen Weinlokale, die sich hier am Stadtrand wie Perlen auf einer Kette am Rand der kurvigen Straße entlangzogen.

Stirnrunzelnd bemerkte Claire eine weitere Weinhandlung, die auf der anderen Straßenseite neu eröffnet hatte. Kein Wunder, dass Jason sie hergebeten hatte. Weinlokale mit Weinverkostung lagen im Trend, und im knallharten Wettbewerb war Claire Jasons Geheimwaffe.

Auf dem Weg zum Eingang entdeckte sie auf einer Terrasse ein paar Nachbarn, die die Herbstsonne genossen. Im Vorbeigehen hörte sie eine der Frauen die anderen fragen: „Wer war das?“

Seufzend ging Claire weiter. Diese Reaktion kannte sie. Wahrscheinlich würden die anderen jetzt antworten, dass sie ihnen irgendwie bekannt vorkam, aber dass sie sie nicht einordnen konnten.

Seit der Highschoolzeit versuchte Claire nicht aufzufallen und unscheinbar zu bleiben. Sie war hier in Woodinville aufgewachsen, doch wenn man die Bewohner dieser Kleinstadt fragen würde, was sie über Claire sagen konnten, würden sie höchstens „nett“ oder „süß“ antworten.

Claire war gut darin, ihre Kunden durch cleveres Marketing ins Rampenlicht zu bringen, doch sie selbst blieb lieber im Hintergrund. Dort fiel es nicht auf, unter welcher Anspannung sie tagtäglich stand.

Sobald sie die Weinbar betrat, spürte sie die lebhafte Atmosphäre. Mit dem dunklen Holzfußboden und den roten Wänden wirkte die Bar fast zu modern für dieses verschlafene Städtchen. Über eine breite Wendeltreppe, die sich um ein riesiges Weinregal wand, erreichte man die Räumlichkeiten im ersten Stock, wo Kunden neue Weine verkosten konnten.

Nach allen Seiten hin konnte man durch große Glasfronten die wunderschöne Aussicht auf die umliegenden Berge und Wälder genießen. Im Gegensatz zu typischen, angestrengt auf urig getrimmten Weinlokalen wirkte der Mountain Creek Wine Cellar warm und anheimelnd.

An den Tischen aus dunklem Holz genossen bereits ein paar Gäste den Beginn der Happy Hour. Claire sah Jason mit einem Tablett mit Appetizern aus der Küche kommen, und bei seinem Anblick schluckte sie.

Jason Strong war groß und muskulös. Das Hemd mit Buttondown-Kragen schmiegte sich an seine breiten Schultern und die Brust. Claires Blick glitt über den flachen Bauch hinab zur ausgebleichten Jeans und den Schenkeln. Schon während der Schulzeit war Jason athletisch und gut aussehend gewesen, aber jetzt, mit achtundzwanzig, sah er umwerfend aus.

Jedes Detail seines kantigen Gesichts war ihr vertraut, vom ausgeprägten Kinn und der leicht gebogenen Nase bis zum kurzen dunkelbraunen Haar.

Er unterhielt sich mit einer Gruppe älterer Damen, wodurch Claire seine tiefe, melodische Stimme hörte. Die Frauen hingen förmlich an seinen Lippen. Anscheinend war Claire nicht die Einzige, die ihm den ganzen Tag lang hätte zuhören können.

Er zog einen Mundwinkel hoch, und dann lächelte er.

Unwillkürlich seufzte sie. Als Experte im charmanten Flirten kannte er die Wirkung seines Lächelns.

Anscheinend spürte er ihren Blick, denn auf einmal sah er zu ihr.

Sie nickte möglichst gelassen. Beim freudigen Ausdruck in seinen hellblauen Augen hämmerte ihr das Herz in der Brust, aber sie würde Jasons Reaktion nicht überbewerten. Er war einfach nur ein netter Kerl.

„Claire!“ Er winkte sie zu sich an die Bar bei der Wendeltreppe.

Früher war sie für ihn bloß die nervige Freundin seiner kleinen Schwester gewesen. Er war nur zwei Jahre älter als sie, doch früher war es Claire vorgekommen, als lebe er dadurch in einer völlig anderen, unerreichbaren Welt.

„Okay, Jason.“ Sie setzte sich auf einen Barhocker und legte die Tasche ab. „Da bin ich. Was ist das für ein Notfall?“

„Trink erst mal was.“ Er ging hinter die Bar und stützte sich auf den Tresen. „Einen Merlot, richtig?“

Überrascht zog sie die Brauen hoch. Er erinnerte sich noch an ihren Lieblingswein? Dabei diskutierten sie hier doch meist nur über die gemeinsamen Projekte. „Nein danke. Jetzt sag schon: Was ist passiert?“

„Nächstes Wochenende gebe ich hier eine Party für Weinfreunde. Jeder kann kommen, nicht nur der Wein-Club.“ Ausladend deutete er auf die gesamte Bar. „Und das müssen wir groß bewerben.“

„Schon wieder ein Event? Am nächsten Wochenende?“ Sie gab sich Mühe, dass es nicht genervt klang. Jason war ihr bester Kunde, und sie konnte jeden Auftrag gebrauchen. Das hier ging jedoch etwas zu weit.

Jason war der geborene Glückspilz. Was immer er sich vornahm, gelang ihm. Jedes Projekt, jede neue Idee, alles wurde zum Erfolg.

„Genau. Nächsten Freitag.“ Als er erneut lächelte, vergaß Claire einen Moment lang zu atmen. „Alle Menschen lieben Partys.“

Nicht die grauen Mäuse, dachte Claire, aber zu denen gehörte Jason nun mal nicht. Partys waren genau sein Ding, und Claire war die Letzte, die ihm in dieser Hinsicht etwas vorschreiben konnte.

„Glaubst du, du schaffst das in so kurzer Zeit?“

Bedrückt dachte sie an all die vielen Aufgaben, die sie im Laufe der Woche noch für andere Kunden erledigen musste. Aber wenn sie jetzt Nein sagte, wäre das wie das Eingestehen einer Niederlage. „Na klar.“ Das bekräftigende Lächeln fiel ihr schwer.

Sie sah, wie er mit den Fingern auf den Tresen trommelte. Dieser Mann schien ständig unter Höchstspannung zu stehen. „Dein Event-Kalender ist schon voll.“

„Ich weiß. Ist das nicht toll? Das Geschäft brummt, seit wir den Fokus auf Social Media legen.“ Er kam um die Bar herum. „Warte einen Moment, Claire, ich muss kurz in die Küche. Bin gleich wieder da.“

Am liebsten hätte sie ihm hinterhergesehen, doch in dem Moment bekam sie eine Nachricht auf ihrem Smartphone.

Wie läuft’s mit der Transformation?

Sofort verzog Claire das Gesicht. Die Nachricht kam von Max Blair, der lebenden Legende im Bereich von Social Media. Letzten Monat hatte er ihr auf einer Konferenz einen möglichen Job bei sich in Aussicht gestellt. Aber als Bedingung dafür musste sie ein neues Image gestalten. Der Knackpunkt daran war, dass sie dieses Image für sich selbst erschaffen musste.

Max Blair war selbstsicher und erfolgreich. Zu seinen Kunden gehörten unter anderem auch Hollywoodstars, und während der Konferenz war ihm eine ganze Horde von Anhängern wie Groupies nachgelaufen. Er galt als innovativ und zukunftsweisend für die gesamte Branche. Anscheinend fiel niemandem sein ständiges Prahlen auf und dass er jede Unterhaltung aufs Thema „Sex“ lenkte.

Claire hatte kein Interesse an Partys mit Stars und Sternchen, aber wenn sie sich dieser Herausforderung stellte und erfolgreich war, dann winkte ihr ein Job in einem der landesweit größten Unternehmen für Social Media. Als Schützling von Max Blair würde sie ihrer Familie und sich selbst beweisen, dass sie es endlich geschafft hatte.

Was haben Sie gerade an?

Sie musste etwas antworten. Auf der Konferenz hatte sie behauptet, sie könne sich in ein wildes Partygirl verwandeln, und das musste sie Max jetzt beweisen. Was sie anhatte? Sie blickte an ihrem Blazer hinab und schüttelte den Kopf.

Nichts als ein zufriedenes Lächeln.

Das klang unbeschwert und flirtend, und sie wünschte, sie wäre im Gespräch mit Max Blair genauso schlagfertig gewesen. Leider fielen ihr die passenden Antworten oft erst Stunden später ein.

Seine Reaktion kam umgehend.

Das macht mich neugierig. Irgendwelche Pläne für heute Abend?

Normalerweise bestanden ihre Abende aus Arbeit. Nur selten ging sie mit Freundinnen aus, aber auch diese Wahrheit kam als Antwort nicht infrage. Er hielt sie für eine Frau ohne Aussicht auf Erfolg. Während der Konferenz hatte er behauptet, sie habe keinen einzigen originellen oder aufregenden Gedanken im Kopf. Und dann hatte er ihr erklärt, wieso sie mit ihrem kleinen Ein-Personen-Unternehmen mit seiner großen Firma nicht mithalten könne.

Das Schlimmste daran war, dass er recht hatte, doch das würde sie ihm nie eingestehen. Ihre Ideen basierten auf dem, was sich bei anderen bewährt hatte. Mit harter Arbeit und Beharrlichkeit hatte sie sich alles erkämpft.

Auf der Konferenz hatte es sie so geärgert, wie schnell er sie und ihre Firma abtat, dass sie mit ihm diskutiert hatte, ohne auf die entsetzten Gesichter seiner Anhänger zu achten.

Er hatte sie nach Details ihrer Strategien gefragt. Trotz ihrer Nervosität hatte sie ihm ihre bisherigen Erfolge geschildert, und obwohl ihre Kunden keine großen Namen trugen und sie auch kein Büro voller Angestellter hatte, hatte sie Max Blairs Interesse geweckt.

Ausgerechnet ihr hatte er einen möglichen Job in Aussicht gestellt, und für sie war es beängstigend und aufregend zugleich gewesen, so im Mittelpunkt zu stehen.

Einen Moment überlegte sie, wie sie witzig und ausgelassen auf seine Frage antworten sollte. Was hatte sie für heute Abend vor?

Ich verteidige meinen Titel beim Wet-T-Shirt-Contest. Und Sie?

Das müsste ihm etwas zu denken geben. Claire presste die Lippen aufeinander, um nicht zu lächeln.

In dem Moment wurde ihr das Smartphone aus der Hand gerissen, und sie fuhr erschrocken herum. Jason stand hinter ihr.

„So ein schmutziges Grinsen habe ich noch nie im Leben gesehen.“

„Blödsinn, du musst doch irgendwo einen Spiegel haben.“ Sie streckte die Hand aus. „Gib mir das Smartphone zurück.“

Jason schüttelte den Kopf. „Du verbringst viel zu viel Zeit über diesem Ding.“

Eine neue Nachricht kam herein, und ihr Magen zog sich zusammen. „Wärst du so freundlich, es mir wiederzugeben?“

Jason warf einen Blick auf das Display und erstarrte. „Wet-T-Shirt-Contest? Und wer ist dieser Max?“

„Gib es mir.“ Sie wollte sich das Smartphone schnappen, aber er ließ sie nicht drankommen.

„Erst wenn du mir sagst, wer dieser Max ist.“

„Was schreibt er?“ Sie zog ihn am Arm, wurde jedoch kurzzeitig abgelenkt, als sie die warmen festen Muskeln spürte. Wie mochte es sich anfühlen, von diesen Armen gehalten zu werden? „Schreib ihm nichts.“ Es klang schrill.

„Wow, du gerätst ja richtig in Panik!“ Prüfend blickte Jason aufs Display und tippte weiter. „Du musst ihn sehr mögen.“

Nein, sie mochte ihn nicht, aber durch seine Anerkennung würde sie vom Mauerblümchen zur Ballkönigin mutieren. „Das ist kompliziert.“

„Ist es das nicht immer?“

Entsetzt schnappte sie nach Luft, als er auf Senden drückte. „Was hast du ihm geantwortet?“

Er zuckte mit den Schultern. „Nur ein ganz gewöhnlicher Heiratsantrag.“

Sie klammerte sich an seinem Arm fest. „Wie bitte?“

„Nur ein Scherz.“ Sein Lächeln verstärkte sich. „Wieso hast du noch nie was von diesem Kerl erzählt?“

„Da gibt es nichts zu erzählen.“ Mittlerweile sprang sie, um an das Smartphone zu kommen, und stieß dabei gegen Jason. Mit beiden Händen berührte sie seine Brust, während sein männlicher Duft sie umgab.

„Willst du wirklich bei einem Wet-T-Shirt-Contest mitmachen?“

Seine blauen Augen zogen sie in ihren Bann. „Glaubst du, ich könnte gewinnen?“

Warum schwieg sie manchmal nicht einfach? Ihr musste doch klar sein, dass Jason sie dann von Kopf bis Fuß mustern würde. Ihre Haut kribbelte am ganzen Körper, als sie sah, wie seine Pupillen sich weiteten. Ihre Brüste fühlten sich schwer an, und das pinkfarbene Top spannte darüber. Erst als Jason ihr wieder in die Augen sah, konnte sie durchatmen.

„Eine Frau wie du würde so was nicht tun.“ Wieder summte ihr Smartphone, und fast hätte Claire verzweifelt geseufzt. Stirnrunzelnd las Jason den Text. „Hast du mal bei so was mitgemacht?“

„Nein“, gab sie zögernd zu. „Wieso?“

„Dann hast du jetzt ein Problem.“ Er reichte ihr das Smartphone. „Klingt so, als würde dieser Max herkommen, um dich in Aktion zu erleben.“

So ein Unsinn! Max würde seine wertvolle Zeit nie dafür vergeuden, in so eine Kleinstadt zu kommen. Schnell las sie die letzte SMS.

Nächsten Freitag bin ich in Seattle. Würde gern vorbeikommen, um mich mit Ihnen zu treffen. Sehen Sie diese Herausforderung als Bewerbungsgespräch. Transformieren Sie sich innerhalb einer Woche, dann gehört der Job Ihnen.

Panisch rang sie nach Luft. „Das darf nicht wahr sein!“

Besorgt musterte Jason Claire. So hatte er sie noch nie erlebt. Sanft legte er ihr einen Arm um die zierlichen Schultern und las die Nachricht. „Was denn für eine Transformation?“

„Max Blair hilft Celebritys über Social Media bei der Imagepflege. Er ist der Star unserer Branche, und jetzt bietet er mir einen Job an.“ Sie schlug die Hände vors Gesicht. „Aber dafür muss ich mich selbst als wildes Partygirl neu erfinden.“

Claire Miller als Partygirl? Unvorstellbar. Dieser Max Blair wusste anscheinend genau, wo ihr wunder Punkt lag. Claire war ruhig und verschlossen und manchmal so ehrgeizig, dass es schon fast an Besessenheit grenzte. Doch bei jedem Treffen entdeckte Jason neue Züge an ihr und ahnte, dass sie tief in ihrem Herzen sehr romantisch war. „Und auf so ein Bewerbungsverfahren lässt du dich ein?“

„Ich will diesen Job.“ Sie setzte sich wieder auf den Barhocker und stützte sich schwer auf den Tresen. „Ein Job bei Max, dafür würde jeder in meiner Branche alles geben. Dann würden zur Abwechslung mal alle mich beneiden, und jeder meiner Kollegen würde meinen Namen kennen.“

„Und was hält dich ab?“

„Dafür muss ich … mich draufgängerischer geben, als ich bin.“

Claire war tatsächlich nicht sehr draufgängerisch. Auf Jason wirkte sie wie sein Lieblingswein, ein trockener Riesling: ausgewogen zwischen süß und würzig. Vielleicht noch etwas blumig, wenn man ihre geheime Schwäche für Romantik mit einbezog. „Ich finde so ein Bewerbungsverfahren sehr fragwürdig. Bist du sicher, dass er nicht nur versucht, Frauen ins Bett zu bekommen?“

„Ach bitte, Jason! Sei doch nicht paranoid.“

„Was ist daran paranoid?“ Oft genug hatte er seiner Schwester Kim und Claire aus der Klemme helfen müssen. Er hatte sich nicht als Beschützer aufgedrängt, aber er konnte nichts dafür, wenn er sich Sorgen machte.

Claire kam ihm oft noch vertrauensseliger vor als seine Schwester. „Was weißt du denn über diesen Mann, Claire?“

Sie seufzte. „Seine Erfolge sind legendär. Er hat vielen einflussreichen Menschen bei ihrer Karriere geholfen. Jede Woche bekommt er hunderte Bewerbungen, aber mir hat er den Job angeboten. Mir!“

Offenbar war Claire allein dadurch verführt worden, dass ihr diese Stelle angeboten wurde. „Ist es dein Traumjob?“

Nachdenklich wiegte sie den Kopf. „Von so etwas hätte ich nie zu träumen gewagt.“

Er setzte sich neben sie. „Und was ist mit deinem Unternehmen? Du hast es dir ganz allein aufgebaut. Du bist dein eigener Boss.“

„Ich weiß.“ Sie hob den Kopf. „Ich mag die Selbstständigkeit, aber durch dieses Angebot würde ich ein Star in meiner Branche werden.“

Schweigend musterte er sie. Er hätte nie gedacht, dass ihr öffentliche Anerkennung so wichtig war.

Sie stützte den Kopf auf. „Ich kann ein Image aufbauen und dafür sorgen, dass es authentisch wirkt. Das habe ich oft genug für meine Kunden gemacht. Aber für mich selbst?“

Wieder zuckte er mit den Schultern. „Wo ist da der Unterschied?“

Lächelnd sah sie zu ihm. „Online kannst du mit der richtigen Strategie erfolgreicher, beliebter und interessanter wirken, als du in Wirklichkeit bist. Aber in der Realität? Das kann ich vergessen.“

„Was ist so schwierig daran, etwas Verrücktes zu tun? Hauptsache, du hast Augenzeugen. Der Knackpunkt ist eher, dass du den Rest deines Lebens damit leben musst.“

„Bei dir ist das anders. Du bist so beliebt, dass dir niemand etwas verübelt.“ Sie strich sich Top und Blazer glatt. „Aber als Experte wirst du mir helfen, mich selbst neu zu erfinden.“

„Auf keinen Fall! Das mache ich nicht. Wenn dieser Kerl schon als Bewerbung so seltsame Dinge fordert, dann frage ich mich, was er von dir verlangt, wenn du den Job erst mal hast.“

Sie schlug auf den Tresen. „Jason, ich fordere einen Gefallen von dir ein.“

„Nein.“ Er stand auf. „Ich schulde dir zwar was, aber damit habe ich eher ein Referenzschreiben gemeint oder ein Fass Wein.“

Langsam erhob sie sich. „Weißt du eigentlich, wie viele Gefallen du mir schuldest? Wie oft habe ich alles stehen und liegen lassen, um mich in eines deiner Projekte zu stürzen?“ Mit einem Finger deutete sie auf ihn. „Hilf mir, mich innerhalb einer Woche in ein wildes Partygirl zu verwandeln, dann sind wir quitt.“

Das brachte ihn ins Grübeln. „Im Ernst?“

„Versprochen.“ Inständig hoffte sie, dass er zustimmte. „Max lehnt meine Methoden ab, und dies wäre meine Chance, ihm zu beweisen, dass ich weiß, wovon ich rede. Also, machst du mit?“

Seufzend fuhr er sich durchs Haar. Ganz offensichtlich wollte Claire dieser selbst ernannten Legende etwas beweisen, doch er bezweifelte, dass ihr überhaupt ein Job winkte. In ihrer naiven Begeisterung sah sie das Risiko nicht. Er musste dafür sorgen, dass sie nichts tat, was ihr auf lange Sicht schaden konnte.

„Einverstanden“, sagte er widerstrebend. „Was genau verlangt Max von dir?“

„Du bist dabei? Du wirst es nicht bereuen.“ Hastig öffnete sie ihre Aktentasche und überlegte, was sie Max alles über ihr wildes Leben erzählt hatte. „Zum Beispiel habe ich ihm erzählt, ich sei in einem Roller-Derby-Team.“

Jason lachte schallend los. „Roller Derby? Kannst du überhaupt auf Rollerskates fahren?“

Claire liebte den Klang seines ansteckenden Lachens. „Weißt du nicht mehr, wie ich schon damals bei euch auf der Straße mit Kim um die Wette gelaufen bin? Beim Roller Derby ist es im Grunde das Gleiche, nur dass die Frauenteams versuchen, sich gegenseitig umzustoßen. In diesen Teams haben alle Furcht einflößende Spitznamen, und Kim hat sich meinen ausgedacht: Ich heiße Claire Carnage.“

„Meine Schwester hilft dir dabei?“ Er richtete sich auf. „Wozu brauchst du mich dann noch?“

„Weil Kim am anderen Ende des Landes lebt.“ Und weil ihre beste Freundin nichts von Max Blair hielt.

Verwundert sah Jason zu, wie Claire sich auf dem Tresen Notizblock und Textmarker zurechtlegte. „Was wird das hier?“

Sie legte einen Ordner auf den Tresen. „Eine Strategie für diese Woche.“

Entschieden winkte er ab. „Du brauchst doch keine Checkliste, um dir einen schlechten Ruf zu erarbeiten! Hier geht es nur um diesen einen Kerl.“

„Dieser Kerl ist ein Experte beim Thema ‚Image‘. Er kennt alle Tricks und wird nach Schwachstellen suchen. Dieses neue Image muss absolut überzeugend sein.“

„Im Ernst, Claire.“ Er legte ihr eine Hand auf den Arm. „Wenn du dir ein falsches Image aufbauen willst, dann machen wir das auf meine Art. Alles ganz spontan.“

Sie zog den Arm weg. „Jason, du kennst mich seit der Kindheit. Hast du in all der Zeit jemals erlebt, dass ich etwas ganz spontan tue?“

Er zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Da habe ich nie drauf geachtet.“

Sie biss die Zähne zusammen. Natürlich hatte er sie nie beachtet. In seinem Leben spielte sie nur eine unbedeutende Nebenrolle, auch wenn er der Star ihrer Träume war. „Dann lass es mich dir erklären: Spontane Dinge funktionieren bei mir nie.“

Er stützte sich auf den Tresen. „Du improvisierst nie? Gehörst du auch zu den Menschen, die Rezepte immer exakt befolgen?“

„Und du bist der Typ, der ein Rezept nie bis zum Ende durchliest, bevor er anfängt.“ Hatte sie ihn nicht oft in der Küche seiner Eltern gesehen, wie er dort Snacks für seine Freunde und sich zubereitet hatte? „Wahrscheinlich liest du überhaupt kein Rezept, sondern überlegst dir einfach beim Kochen, was du als Nächstes tust.“

„Das solltest du auch mal probieren. Und jetzt leg den Planer weg, Claire.“

Sie zögerte. Ihr methodisches Vorgehen war der Halt, den sie brauchte. Wenn sie sich genau an einen geplanten Ablauf hielt, konnte sie nichts vergessen. „Wir haben nicht viel Zeit.“

„Dir bleiben sieben Tage, also lass uns einfach anfangen. Bis nächsten Freitag mache ich dich zum wilden Partygirl. Wenn du diesen Job allerdings nicht bekommst und hier bleibst, musst du mit deinem Ruf leben.“

„Ich bekomme diesen Job.“ Sie wich seinem Blick aus. Alle sollten sie als talentierte und fähige Expertin anerkennen. Vielleicht könnte sie sogar ihre Familie überzeugen. Und in ihren schwärzesten Stunden könnte sie sich daran auch selbst wieder aufrichten.

„Willst du noch diese Woche beim Roller Derby mitmachen?“ Bei dem Gedanken lachte er leise, doch dann wurde er ernst. „Glaubst du wirklich, dass Max einen Job für dich hat? Bist du sicher, dass er nicht nur mit dir spielt?“

„Es gibt eine Stellenausschreibung, das habe ich überprüft.“ Trotzdem konnte Max all das als Spiel ansehen. Er war wie einer dieser Schulhof-Tyrannen von früher. Aber jetzt würde sie allen Max Blairs dieser Welt beweisen, wie wertvoll ihre Methoden und ihre Arbeit waren.

„Claire, wir fangen heute Abend an.“

„Heute Abend?“ Sie sah ihm in die blauen Augen und kämpfte gegen ihre Panik an. „Musst du denn nicht arbeiten?“

„Um zehn Uhr schließen wir, und anschließend will ich auf eine Party.“

„Zu Ericas Lagerfeuer?“ Jedes Jahr veranstaltete Erica auf ihrer Farm diese Lagerfeuerparty. Viele von Claires früheren Schulkameraden und all ihre Freundinnen würden dort sein. „Da komme ich auch hin. Irgendwelche Vorschläge?“

Er lächelte. „Komm zu spät, und zeig so viel Haut wie möglich.“

2. KAPITEL

Claire fühlte sich nackt, und sie fror, als sie am Abend über das Feld auf das Lagerfeuer zuging. War das wirklich klug, auf einen Mann zu hören, wenn es darum ging, sich passend zu kleiden? Warum hatte sie auch noch den Mantel im Auto liegen lassen? Der würde sie jetzt nicht nur wärmen, sondern auch ihre Kurven verhüllen.

Die hautenge Jeans hatte sie ganz hinten im Schrank gefunden. Eigentlich hatte sie die nur für den Fall aufgehoben, dass sie ein paar Kilos abnahm. Anscheinend hatte sie bisher noch kein einziges Gramm verloren. Sie blickte an der dunklen Jeans hinunter auf ihre kniehohen Lieblingsstiefel. An den Sachen war nichts Ungewöhnliches, dennoch fühlte sie sich anders. Sie sah verändert aus und wusste nicht, wieso.

Ziellos schlenderte sie durch die Gästeschar und bemerkte, dass viele sie eingehender als sonst ansahen. Die Männer musterten ihre scheinbar durchsichtige burgunderrote Bluse, als hofften sie, einen Nippel zu erspähen. Da konnten sie lange starren.

Wo steckte Jason? Hoffentlich kam er bald. Sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte, damit alle sie für wild und ausgelassen hielten.

Unwillkürlich steuerte sie auf einige ihrer Freundinnen zu, die wie bei jeder Party etwas abseits standen. In ihrer Gesellschaft fühlte Claire sich am wohlsten. Sie wiegten sich neben dem Tisch mit dem Mischpult im Takt und sahen den anderen beim Tanzen zu.

„Claire?“ Ungläubig sah Deanna ihr entgegen. „Hast du dir die Brüste machen lassen?“

„Quatsch.“ Am liebsten hätte Claire die Arme vor den Brüsten verschränkt. „Alles so wie immer.“ Nur der Push-up-BH war neu.

„Du siehst fantastisch aus.“ Alison zog sich die Ärmel des dunklen Kapuzenshirts über die Hände.

„Danke.“ Nervös strich Claire sich über den Pferdeschwanz. Wieso taten ihre Freundinnen so überrascht? Sie hatte sich doch auch früher schon mal hübsch gemacht, wenn auch nicht mit einem so engen Oberteil, das aussah, als würde sie nichts darunter tragen.

„Mir gefällt das Top“, stellte eine andere Freundin fest.

„Hab ich von Mirandas Boutique.“ Claire hatte sich bei einer ihrer Kundinnen Hilfe geholt, und Miranda hatte begeistert die Beraterrolle übernommen. Claire fand das Top zu gewagt, und dennoch vermutete sie, dass der Look Jason nicht weit genug ging.

„Wer ist denn der Kerl?“, fragte Deanna. „So hast du dich noch nie angezogen. Du zeigst sogar Dekolleté. Das muss doch einen Grund haben.“

„Nein, eigentlich nicht.“ Sie verstummte, als sie Jason auf das Lagerfeuer zukommen sah.

Dieser Mann wusste, worauf es bei einem wirkungsvollen Auftritt ankam. Fast alle drehten sich zu ihm. Ihn schien eine Aura von kraftvoller Energie zu umgeben. Einige der Männer johlten und rissen grüßend die Faust hoch.

Sie sah, wie Jason einen Freund begrüßte, und sofort raste ihr Puls. Im flackernden Licht wirkte er mit seinen scharfen Gesichtszügen fast wie ein Raubtier.

Er begrüßte einen weiteren Freund, bevor er Claire entdeckte. Man sah ihm das Erstaunen an, als er sie von Kopf bis Fuß musterte.

War das eine positive Reaktion oder eher negativ? Unsicher winkte sie ihm zu.

„Claire? Ist das alles für Jason?“ Deanna klang ungläubig.

Ihr Magen zog sich zusammen, als er direkt auf sie zukam.

„Süße, das ist keine gute Idee.“ Alison verzog das Gesicht.

„Wieso denn nicht?“ Claire wandte den Blick nicht von Jason ab. Im Grunde kannte sie die Antwort bereits. Jason spielte in einer anderen Liga als sie.

Deanna zögerte. „Du bist nicht sein Typ. Jason Strong mag simple Frauen. Frauen, die keine Erwartungen stellen.“

„Dumme Frauen“, fügte Alison hinzu.

„Schlichte“, ergänzte eine andere Freundin.

„Schsch! Er kommt zu uns rüber“, flüsterte Alison hektisch, bevor sie ein strahlendes Lächeln aufsetzte. „Hi, Jason!“

Claire dachte über das nach, was ihre Freundinnen gesagt hatten. Jason war kreativ und klug. Sie hatte miterlebt, wie er mit Mitarbeitern gemeinsam Ideen entwickelte und wie er Probleme löste. Allerdings hatten ihre Freundinnen recht: Seine Freundinnen waren alle schön und sexy, aber sie trugen selten etwas zur Unterhaltung bei.

Die Frauen reagierten geschmeichelt, als er sie begrüßte, und Claire konnte das gut nachvollziehen. Auch ihr wurde in seiner Nähe immer warm, aber das ließ sie sich nicht anmerken. Allerdings schaffte sie es nicht, ihre Verblüffung zu verbergen, als Jason ihr die Hand hinhielt. „Komm, und tanz mit mir, Claire.“

Mit Jason tanzen? Davon war nie die Rede gewesen! Anfangs sträubte sie sich, doch er legte ihr nur gelassen einen Arm um die Taille und zog sie mit sich zur Tanzfläche.

Sie biss die Zähne zusammen. „Ich tanze nicht, Jason.“

Er legte die Arme um sie. „Lass dich einfach von mir führen.“

Zögernd legte sie ihm die Arme auf die breiten Schultern. Bei der Berührung begann ihre Haut zu kribbeln, und ihr wurden die Knie weich.

„Vielleicht hätte ich mich etwas klarer ausdrücken sollen, was deinen Look betrifft“, raunte er ihr ins Ohr, während er ihr beide Hände auf den Rücken legte. „Du bist ja von Kopf bis Fuß bedeckt.“

„Wir haben September, es ist kühl, und es könnte sogar regnen.“ Noch bevor sie Mirandas Boutique betreten hatte, hatte sie für sich entschieden, nicht so freizügig zur Party zu kommen, wie Jason es sich vorgestellt hatte.

„Die Bluse gefällt mir.“ Er strich über die Spitze. „Sieht aus, als hättest du darunter nichts an. Sehr aufregend.“

„Das ist der Gedanke dahinter. Aber der Stoff darunter hat genau meine Hautfarbe.“ Leider fühlte es sich im Moment für sie an, als würde sie nichts von seinen warmen Händen trennen.

„Nächstes Mal ziehst du dich etwas farbenfroher an, damit du noch mehr auffällst.“ Er strich ihr den Rücken hinab. „Wie lange bist du schon hier?“

„Bin gerade erst gekommen.“ Sie klang atemlos. Das Herz raste ihr in der Brust.

„Perfekt.“ Er beugte sich vor, und Claire schloss zitternd die Augen, als er ihr ins Ohr flüsterte: „Und jetzt entspann dich. Schließlich ist das hier eine Party.“

Wie konnte sie sich in Jasons Armen entspannen? Beim Mann ihrer heißesten Fantasien? Sie verschränkte die Finger in seinem Nacken und hätte ihm am liebsten durchs Haar gestrichen und ihn geküsst. „Ich versuch’s“, brachte sie heiser heraus.

„Außerdem musst du auf jedes Foto mit drauf. Es muss aussehen, als würdest du dich großartig amüsieren. Leg den Kopf in den Nacken, und lach laut, wenn das Foto geschossen wird.“

Sie hörte ihm kaum noch zu. Sein Duft war männlich, sein Körper fest und warm. Sie wollte sich an seine Brust lehnen, seine Haut lecken und ihn schmecken.

„Und drittens musst du etwas Verrücktes tun.“

Fragend sah sie ihn an. „Wie verrückt?“

Vielsagend lächelte er. „Ich würde sagen: Nimm jede Herausforderung an.“

Ihr Blick hing an seinen Lippen. Was würde er von ihr verlangen? Unzählige erotische Bilder schossen ihr durch den Kopf. Woher kam dieses sehnsüchtige Ziehen?

Unvermittelt wandte sie den Blick ab. „Warum sollte ich das tun? Ich habe doch keine Ahnung, was jemand von mir verlangen könnte.“

„Das schaffst du schon.“ Er ließ sie los. „Ja, ich glaube, das wär’s. Viel Glück.“

Erschrocken legte sie ihm die Hände auf die Brust. „Warte einen Moment. Wohin willst du?“

Mit dem Daumen deutete er zum Lagerfeuer. „Ich geh jetzt.“

„Das ist alles?“ Sie packte ihn am Hemd, damit er nicht wegkonnte. „So leicht kommst du mir nicht davon, Jason“, zischte sie ihm leise zu.

„Komm schon, Claire.“ Er legte die Hände auf ihre. „Spiel deine Rolle. Ehrlich gesagt, brauchst du gar nicht viel zu tun. Dein Outfit reicht schon. Die Typen werden dich umschwärmen, sobald ich mich zurückziehe.“

„Ich bin nicht auf Männerjagd.“

„Stimmt, du tust das alles für den Job bei Max.“ Er biss die Zähne zusammen. „Wenn du ihm deine hemmungslose Seite zeigen willst, dann beweis es, indem du alle Männer zurückweist.“

„Um die Aufmerksamkeit eines bestimmten Mannes zu bekommen, muss ich zeigen, dass ein anderer Mann mich will? Prima, dann bekommst du diese Rolle übertragen. Du bleibst.“

Jasons Instinkte warnten ihn. Er musste dringend weg von Claire. Vor Verlangen konnte er kaum noch atmen, und es fiel ihm schwer, sie nicht zu berühren. Er wollte den Mund an ihren Hals pressen, um ihren Pulsschlag zu spüren. Er wollte sie streicheln und alles in ihr wecken, was sie der Welt nicht zeigte. Er wollte dieser eine Mensch sein, dem sie sich völlig öffnete.

Aber das ergab überhaupt keinen Sinn! Er kannte Claire Miller seit einer Ewigkeit.

„Jason“, flüsterte sie. „Der Song ist zu Ende. Alle sehen uns an. Wir müssen aufhören.“

„Wieso? Du erreichst doch genau, was du willst.“ Mit einem Kopfnicken deutete er zum DJ-Pult. „Deine Freundinnen machen Fotos.“

Erschrocken trat sie einen Schritt zurück und strich sich übers Haar. „Na toll. Danke für die Hilfe. Das reicht für heute, meinst du nicht?“

Ohne auf seine Antwort zu warten, ging sie von ihm weg in Richtung Lagerfeuer.

Verdammt! Mühsam widerstand er dem Drang, ihr zu folgen. Wieso war er überhaupt an ihr interessiert? Sie war ganz anders als die Frauen, zu denen er sich sonst hingezogen fühlte. Normalerweise ging er bei komplizierten Frauen wie ihr auf Abstand.

Andererseits war Claire viel interessanter als die Frauen, mit denen er bisher zusammen gewesen war. Sie wirkte mysteriös, obwohl er sie schon fast sein ganzes Leben lang kannte. Sie war wie ein guter Wein, bei dem man immer neue Nuancen entdeckte. Warum versteckte sie ihre Sinnlichkeit?

Jason zuckte zusammen, als ihm jemand auf die Schulter schlug. Sein rothaariger Freund Dustin sah jedoch nicht ihn an, sondern blickte Claire nach. „Wer war die Kleine?“

„Claire.“ Seine Stimme klang rau.

„Claire Miller? Sie sieht verändert aus.“ Dustin runzelte die Stirn. „Habt ihr was miteinander? Wusste gar nicht, dass sie dein Typ ist.“

Das war sie auch nicht. Claire ging es um Verlässlichkeit und ihre Ziele. Sie passte zu ihm wie Wasser zum Öl. „Was habe ich denn für einen Typ?“

Dustin grinste. „Wild und heiß.“

Nachdenklich erwiderte er den Blick seines Freundes. Bisher hatte Claire noch nichts Ausgefallenes getan. Sie hatten lediglich miteinander getanzt. Ihre Freundinnen hatten gestaunt, weil er Claire zum Tanzen aufgefordert hatte. Reichte das wirklich, um ihr einen Ruf aufzubauen?

Von den Männern in ihrer Vergangenheit hatte Jason nicht viel gehalten, doch keiner von denen hatte einen so skandalösen Ruf wie er. Sie war zu unschuldig und süß für ihn.

Allerdings war es jetzt Claires Ziel, innerhalb einer Woche viele Männer auf sich aufmerksam zu machen, und das konnte sie in Schwierigkeiten bringen. Ich muss auf sie aufpassen, sagte er sich, auch wenn ich dann ständig gegen meine eigene Lust ankämpfen muss.

Um sicher zu sein, dass Claire nicht in Gefahr geriet, musste er sich selbst in Gefahr begeben. Und diese Gefahr war Claire.

3. KAPITEL

Jason fand Claire auf der anderen Seite des Lagerfeuers, wo sie anstand, um sich einen Drink zu holen. Sobald sie ihn entdeckte, verließ sie die Schlange und ging in Richtung der geparkten Autos.

Er holte sie ein. „Wieso bist du nach dem Tanz verschwunden?“

„Der Song war vorbei.“

„Es lief doch ganz gut. Dustin sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Wahrscheinlich macht er sich im Lauf des Abends noch an dich ran.“

Sie zog die Nase kraus. „Dustins Aufmerksamkeit ist mir nicht wichtig.“

„Was ist mit deinem Image? Hast du’s dir anders überlegt?“

„Wenn du es wirklich wissen willst“, sie atmete tief durch und sah ihm in die Augen, „Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt.“

„Jeder steht gern im Mittelpunkt“, widersprach er. „Auf der Konferenz hast du doch auch mit Max diskutiert und bist damit in den Mittelpunkt gerückt.“

„Das waren besondere Umstände, es ist mir nicht leichtgefallen. Online kann man sich sein Image beliebig zurechtbasteln.“

„Diese Woche besteht dein Projekt darin, dich in den Mittelpunkt zu rücken und allen zu zeigen, was in dir steckt. Willst du das nun oder nicht?“

Sie warf einen Blick zu den geparkten Autos, und man merkte ihr deutlich an, wie liebend gern sie flüchten wollte. „Ich finde, wir sollten das alles gründlicher durchdenken.“

Fast hätte er die Augen verdreht. „Ausgelassenheit lässt sich nicht planen. Mach einfach irgendwas Verrücktes. Alle fotografieren es und posten das Foto. Es spricht sich herum, und Max erfährt es. Worauf wartest du?“

Die Anspannung umgab sie wie ein Schutzschild. „Nein, wirklich, Jason.“ Sie wrang die Hände. „So schaffe ich das nicht.“

Woher kam ihre Panik? So hatte er sie noch nie erlebt. Claire machte sich oft Sorgen, ob ein Projekt erfolgreich war, aber das hier überstieg alles, was er bisher an ihr erlebt hatte. „Warum nicht?“

Sie presste die Lippen zusammen. „Ich bin noch nie so ins kalte Wasser gesprungen. Immer einen kleinen Schritt weiter, das ist mein Motto, und selbst dabei bin ich noch vorsichtig.“

„Warum denn?“

„Keine Ahnung. Liegt bestimmt daran, dass ich mir nie allzu große Hoffnungen machen will, nur für den Fall, dass ich scheitere.“

„Aber diesmal musst du für deinen Traumjob aus dir herausgehen.“

Sie schlug die Hände vors Gesicht. „Das zieht mir den Boden unter den Füßen weg.“

Er stieß die Luft aus. Wieso war bei ihr alles so kompliziert? „Claire, hast du denn noch nie eine Dummheit gemacht, über die alle sich das Maul zerrissen haben? Und jetzt spricht niemand mehr davon.“

„Das liegt daran, weil ich so etwas nie gemacht habe. Nie.“ Sie stemmte die Hände in die Seiten. „Ich benehme mich unauffällig. So bin ich erzogen worden. Mein Ruf ist mir wichtig, diesen Grundsatz kann ich nicht über Nacht aufgeben.“

Er sah ihr an, wie sehr sie mit sich kämpfte. „Na, das kann ja spannend werden. Hast du irgendwelche dunklen Geheimnisse, von denen ich wissen sollte? Bist du noch auf Bewährung?“

„Das alles ist völlig unsinnig. Lass es uns einfach abbrechen.“ Sie verschränkte die Arme. „Ich kann niemanden davon überzeugen, dass ich eine impulsive und abenteuerlustige Frau bin.“

„Doch, das kannst du.“ Er wollte, dass sie all die Leidenschaft, die sie für den Job aufbrachte, jetzt für ihre eigene Sinnlichkeit einsetzte. „Es sieht dir nicht ähnlich aufzugeben.“

Sie zuckte zusammen. „Es war albern zu glauben, ich hätte eine reelle Chance auf diesen Job. Solche Karrieren sind für andere Menschen, nicht für mich.“

„Claire, ich habe dich immer für dein Durchhaltevermögen bewundert. Ich wünschte, ich hätte deine Selbstdisziplin und deinen eisernen Willen.“

„Du führst doch ein tolles Leben. Wozu brauchst du da Selbstdisziplin?“

Das konnte er ihr nicht beantworten. „Wenn jemand innerhalb weniger Tage ein neues Image aufbauen kann, dann bist du das.“

Sanft lächelte sie. „Danke, Jason, aber es wird nicht reichen, wenn ich mich anders als sonst verhalte. Selbst wenn ich hier auf dieser Party irgendwas Verrücktes mache, würden alle nach Erklärungen suchen, weil ich sonst immer so vernünftig bin.“

„Dann erledige ich das für dich.“

Verwirrt blinzelte sie. „Was sagst du da?“

Er war über sein eigenes Angebot verblüfft, doch je länger er darüber nachdachte, desto mehr Sinn ergab es. „Dustins Bild von dir hat sich geändert, weil er dich mit mir zusammen gesehen hat.“

„Inwiefern hat sich sein Bild von mir verändert?“

„Er hält dich jetzt eher für den Typ Frau, mit dem ich sonst zusammen bin.“ Er zuckte mit den Schultern. „Mein Ruf überträgt sich auf dich. Offenbar brauchst du gar nichts Verrücktes zu tun. Das übernehme ich für dich.“

„Wie soll das funktionieren?“

„Ganz einfach: Ich tue so, als sei ich verrückt nach dir.“

Claire konnte kaum glauben, was er da vorschlug. „Du glaubst, wenn du so tust, als hättest du dich in mich verknallt …“

Er verzog das Gesicht. „Sagen wir lieber, ich bin scharf auf dich.“

Ihr Puls setzte kurz aus, als sie sich ausmalte, das wäre tatsächlich so. „Und wenn du verrückt nach mir bist, wie wirkt sich das auf mein neues Image aus?“

„Ich bringe die Leute dazu, über dich zu sprechen und dann verbreiten sich die Gerüchte.“

„Die Leute bemerken mich, nur weil du mir Aufmerksamkeit schenkst?“ Sie merkte, dass es ihm peinlich war, doch gleichzeitig wusste sie, dass es stimmte. „Du bist ein Meinungsbildner. Wenn du etwas empfiehlst, beeinflusst du damit deine Bekannten und Freunde.“

Er rieb sich das Gesicht. „Ich habe mich nicht um diese Rolle gerissen. Dieser Stempel wurde mir einfach aufgedrückt.“ Er atmete tief durch. „Du hast so viel erreicht, aber die Leute nehmen dich erst zur Kenntnis, wenn ich dafür sorge. Im Grunde ist das nicht fair.“

Schon früh hatte sie gelernt, dass das Leben nicht fair war. Ihre Schwestern hatten in der Schule nie Probleme gehabt, und Claire hatte tagaus, tagein gelernt und dennoch keine so guten Zensuren bekommen.

„Und? Was hältst du von meinem Vorschlag?“

Dass Jason Strong mit ihr flirtete und sie verführte? Es wäre wie in ihren Fantasien. Eine ganze Woche lang. Sie gab sich nachdenklich, doch vor Aufregung konnte sie sich kaum beherrschen.

Selbst wenn er tatsächlich scharf auf sie wäre, würde es nicht lange anhalten. Bisher hatte er an jeder Frau schnell das Interesse verloren. Aber auf diese Art könnte Claire die Erfahrung genießen, und es wäre nicht peinlich, wenn die angebliche Affäre ein Ende fand.

Eindringlich sah er ihr in die Augen, und sie konnte seinem Blick nicht ausweichen. „Ja oder Nein, Claire? Aber ich muss dich vorwarnen: Ich habe das Sagen.“

Sein entschlossener Blick wirkte auf sie wie ein Bann. „Ich wusste, dass das Ganze einen Haken hat.“

„Was immer ich auch tue, vertrau mir einfach.“

„Einfach so?“ Einerseits war sie bereit, ihm überallhin zu folgen, andererseits fiel es ihr schwer, die Kontrolle aufzugeben, nur weil Jason es verlangte.

„Und zweitens: Wenn ich schon so tue, als sei ich total in dich verknallt, dann kannst du wenigstens so tun, als würdest du anbeißen.“

Dachte er etwa, sie könne ihn zurückweisen? Hatte sie ihre Schwäche für ihn so gut versteckt, dass er glaubte, sie könne ihn abstoßend finden?

„Einverstanden?“ Als sie nicht antwortete, runzelte er die Stirn. „Ja oder Nein, Claire?“

„Ja.“ Es klang, als müsse sie sich überwinden.

Er nickte nur knapp, wodurch Claire nicht sagen konnte, ob es zufrieden, erleichtert oder resigniert war. „Und jetzt werde ich dich küssen.“

Unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück. „Wieso?“

„Regel Nummer eins“, erinnerte er sie und umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen.

„Ich will doch nur wissen, wieso du das hier für den richtigen Zeitpunkt hältst. Wenn wir einen Plan entworfen hätten …“

In dem Moment presste er die Lippen auf ihre, als könne er keine Sekunde länger warten.

All ihre Schutzbarrieren fielen in sich zusammen. Claire konnte selbst kaum glauben, wie lustvoll sie den Kuss erwiderte. In ihr brodelte das Verlangen, während sie mit der Zungenspitze in Jasons Mund eindrang. Als er ihre Zunge tiefer einsaugte, stöhnte Claire auf. Die Lust durchzog sie von Kopf bis Fuß.

Sie wollte ihm noch näher sein, mit ihm verschmelzen. Begehrlich packte sie seinen Hinterkopf, während sie den Kuss erwiderte. Am ganzen Körper prickelte es. Sie sehnte sich danach, seine Hände auf ihrer nackten Haut zu spüren.

Schließlich zog Jason sich langsam zurück.

Sie versuchte, wieder ruhig zu atmen. Wie lange hatte dieser Kuss gedauert? Sie hatte keine Ahnung.

Jason wirkte genauso verblüfft wie sie. Er ließ die Hände sinken, als habe er sich die Finger verbrannt.

Sie schluckte und ließ ihn widerstrebend los. Wie gebannt hing ihr Blick an seinen geröteten Lippen. „Ich muss gehen.“

„Du willst weg?“ Seine Stimme klang rau. „Schon wieder?“

„Wenn ich jetzt bleibe, müssen wir dieses Spielchen weiterspielen, aber uns fehlt die Strategie.“ Wenn sie blieb, würde sie sich am Ende noch an Jason klammern und ihm die Kleider vom Leib reißen. „Deshalb ist jetzt für mich der beste Zeitpunkt zu gehen.“

„Lass mich dich zum Auto begleiten.“ Er ballte die Fäuste, und Claire erkannte, dass er sie nicht wieder berühren würde. „Unterwegs überlegen wir uns, wie wir weiter vorgehen.“

Kurz darauf betrat Claire ihr Apartment. Wie sollte sie diese Woche überstehen, wenn Jason so küssen konnte? Sie schaltete das Licht an, schloss die Tür und lehnte sich von innen dagegen. Wenn sie nicht aufpasste, wurde sie süchtig nach seinen Berührungen.

In diesem Moment klingelte ihr Smartphone, und teils erleichtert, teils enttäuscht sah sie, dass der Anruf von ihrer besten Freundin kam. „Kim?“

„Gerade eben habe ich ein Foto bekommen, auf dem du und mein großer Bruder euch küsst. Sag mir, dass das eine Fotomontage ist!“

Claire schlug sich die Hand vors Gesicht. Jemand musste sie auf der Party fotografiert haben. Jetzt war das Foto bei ihrer Freundin gelandet, die am anderen Ende des Bundesstaats lebte und sich dort um die Weinberge von Mountain Creek kümmerte. „Woher hast du das Foto?“

„Glaubst du, ich habe keinen Kontakt mehr nach Woodinville?“ Kim machte eine Pause. „Du und Jason? Wann ist das denn passiert?“

Claire seufzte. „Es ist nicht so, wie es aussieht.“

„Das sagst du immer.“ Kim stöhnte entnervt. „Aber das hier sieht heiß aus. Man könnte denken, er schleppt dich gleich in seine Höhle.“

Bei dieser Vorstellung wurden Claire die Knie weich. „Er hilft mir nur bei einem Projekt.“

„Blödsinn, du hast seit einer Ewigkeit eine Schwäche für ihn.“

„Ganz im Ernst, er hilft mir.“ Sie ging zu ihrem Sofa.

„Und Jason hat auch eine Schwäche für dich. Als es ums Marketing für die Weinbar ging, hat er sich nicht an eine große Agentur gewandt, sondern an dich.“

„Das wusste ich gar nicht.“ Claire sank aufs Sofa. Sie hatte immer gedacht, Kim habe ihr diesen Job verschafft.

„Vergiss bloß nicht, was Jason so alles getrieben hat. Er hat noch nie was Ernstes mit einer Frau angefangen. Ihm geht es immer nur um seinen Spaß.“

„Ich weiß.“ Und was war mit ihr? Durfte sie vielleicht auch mal etwas Spaß haben?

„Trotzdem lässt du dich auf etwas mit ihm ein? Ehrlich, Claire, wie dumm bist du?“

Claire schloss die Augen und umklammerte das Telefon.

Erschrocken schnappte Kim nach Luft. „Tut mir leid. Ich weiß genau, wie sehr du dieses Wort hasst.“

„Es macht mir nichts mehr aus.“ Das Wort löste nur noch einen kleinen Stich aus. „Dass ich nicht klug bin, wurde in vielen Tests bewiesen.“

„Diese Testergebnisse spiegeln doch nur einen Teil wider.“

Claire konnte sich noch sehr gut an die zahllosen Tests erinnern, die die Neuropsychologen mit ihr als Kind gemacht hatten. Am deutlichsten konnte sie sich an die Wut ihrer Eltern erinnern, als sie die Ergebnisse bekommen hatten. Sie belegten nicht nur Claires Lernschwächen, sondern auch ihren unterdurchschnittlichen IQ. Ihre Eltern hatten sich schlichtweg geweigert, das zu akzeptieren.

„Man muss ziemlich clever sein, diese Schwächen zu überwinden“, fuhr Kim beharrlich fort. „Du hast etwas aus dir gemacht. Du hast jetzt dein eigenes Unternehmen.“

„Ich habe all meine Cleverness eingesetzt, um meinen geringen IQ zu verheimlichen.“ Claires Eltern hatten es der Schule, den Ärzten und der gesamten Verwandtschaft verschwiegen. Niemand durfte von ihren Lernschwächen erfahren, und Claire hatte das auch nicht gewollt.

Ihre Eltern waren mit Claire zu einem anderen Experten gegangen und dann zu einem weiteren, bis sie schließlich beschlossen hatten, nicht weiter nach Antworten zu suchen. Ihrer Meinung nach musste Claire lediglich konzentrierter lernen und hart an sich arbeiten.

„Ich weiß, dass du deine Eltern liebst, aber sie haben sich in dieser Situation falsch verhalten.“

„Sie hatten nur Angst, es könne auf sie zurückfallen.“ Claires Eltern galten in ihrem Fachgebiet als Genies und als Computerprogrammierer basierten ihre Karrieren einzig und allein auf ihrer Intelligenz.

„Sie haben nicht mal zugelassen, dass du dir von irgendjemandem Hilfe holst.“

„Du bist der einzige Mensch, dem ich davon erzählt habe. Meine Eltern haben es nicht mal meinen Schwestern verraten.“ Entsetzt schnappte sie nach Luft. „Hast du es Jason erzählt?“

„Natürlich nicht. Niemand weiß von deinen IQ-Tests oder dass ich meine Jungfräulichkeit an Dustin verloren habe.“

Erleichtert lehnte sie sich auf dem Sofa zurück. „Danke, dass du es geheim hältst.“

„Aber Jason wären solche Tests sowieso egal. Die bedeuten nur etwas, wenn du noch zur Schule gehst.“

„Nein, sie sind auch in der realen Welt wichtig. Ich habe gelernt, dass man mithalten muss, sonst wird man fallen gelassen.“

„Meinst du damit deine Eltern? Sie sind nach Silicon Valley gezogen, weil sie dort an ihrem Traumprojekt arbeiten können. Du wolltest lieber bleiben. Basta.“

Claire wollte nicht mehr darüber reden. „Ich will nicht, dass Jason von meiner Schwäche erfährt“, sagte sie leise. „Dann wird er mich anders behandeln. Vielleicht bezweifelt er dann auch meine beruflichen Vorschläge.“

„Nicht unbedingt.“

Ihr fiel auf, dass auch Kim nicht mehr so sicher klang. „Behalten wir’s einfach für uns, okay?“ Claire beschloss, die Woche mit Jason zu genießen und in der gespielten Affäre ihre Fantasien auszuleben. Wenn danach Schluss war, tat es niemandem weh.

4. KAPITEL

Er hätte sie nicht küssen sollen! Und jetzt sollte er aufhören, ständig daran zu denken.

Am nächsten Abend ging Jason zu Claires Apartment und kämpfte gegen seine Aufregung an. Heute Abend musste er sich ganz auf seinen Job konzentrieren.

Leider war bei Claire Miller alles kompliziert. Sie erleichterte ihm den Job, aber ständig diskutierte sie mit ihm über die winzigsten Details. Von seinen Plänen für die Weinbar bis hin zu seinen Überzeugungen stellte sie immer wieder alles infrage.

So etwas war Jason nicht gewohnt. Erst durch seine Arbeit mit Claire war ihm aufgefallen, dass seine Freunde und Mitarbeiter ihm immer nur zustimmten. Er brauchte jemanden wie Claire, die mit ihm stritt und ihn antrieb.

Offenbar war er ihr so wichtig, dass sie ihm deutlich die Meinung sagte. Wenn sie ihm haarklein erklärte, wieso seine Ideen nicht funktionieren konnten, war es ihr egal, ob sie ihn damit gegen sich aufbrachte.

Wenn sie wüsste, wie viel ihm ihre Meinung bedeutete, würde sie gar nicht mehr aufhören, ihm zu widersprechen. Schon als Kind war sie ihm auf die Nerven gegangen. Sie war nur schwer zu ignorieren gewesen. Aber dann auf der Highschool hatte sich alles verändert. Nach und nach hatte sie sich immer mehr zurückgezogen und war immer stiller geworden.

Erst seit sie für ihn arbeitete, war sie ihm gegenüber nicht mehr still. War sie nur ihm gegenüber so direkt? Das würde ihm gefallen. Für Claire wollte er etwas ganz Besonderes sein.

Er klopfte an ihre Apartmenttür und wartete. Nach dem Kuss hatte er die ganze Nacht lang an Claires Mund gedacht. Es war wie ein Sog gewesen, er hatte ihr gar nicht widerstehen können. So etwas hatte er bei anderen Frauen noch nicht erlebt.

Die Apartmenttür schwang auf, und Jasons Herz setzte einen Schlag lang aus, als er Claire sah. Es juckte ihn in den Fingern, ihr durch das glatte blonde Haar zu streichen, das ihr bis über die Schultern reichte.

Sein Blick glitt zu dem eng anliegenden, ärmellosen Kleid, das ihr bis zur Mitte der Schenkel reichte. In den Schuhen mit den nadeldünnen Absätzen wirkten ihre Beine noch länger, und das rote Kleid betonte ihre helle Haut. Unwillkürlich sah er zu dem Reißverschluss, der vorn an ihrem Kleid vom Ausschnitt bis hinunter zum Saum reichte.

„Hi, Jason, komm doch rein.“

Ihr Lächeln war völlig natürlich, und ihre blauen Augen strahlten. Ihn hatte der gestrige Kuss völlig überrumpelt, aber Claire wirkte jetzt gar nicht nervös. Hatte nur er wegen dieses Kusses nicht schlafen können?

Er betrat ihr Apartment und zog die Tür hinter sich zu. Am liebsten hätte er den Reißverschluss des Kleids ganz langsam immer weiter geöffnet. Es wäre so, als würde er ein Geschenk auspacken. Mit den Zähnen würde er ihn langsam nach unten ziehen und ihren sinnlichen Körper Stück für Stück entblößen.

Vergiss diesen Reißverschluss! Abrupt wandte er den Blick ab und sah sich erstaunt in ihrem farbenfroh eingerichteten Apartment um. Auf dem Holzfußboden lag ein knallroter Läufer, und auch das Sofa war rot. Daneben stand eine Lampe mit hellgelbem Schirm, und darunter entdeckte er eine Sammlung von Glasskulpturen, die Claire von sämtlichen Flohmärkten dieser Gegend zusammengetragen haben musste.

Lange betrachtete er die ausdrucksstarken Farbdrucke an den Wänden. Wie passte dieses lebhafte und sinnliche Apartment zu Claire, die immer dunkle Blazer und Jeans trug und sich lieber im Hintergrund hielt?

„Ich muss noch was im Arbeitszimmer erledigen.“ Mit einer Handbewegung deutete sie an, ihr zu folgen. „Dauert keine Minute.“

Beim Anblick ihres Hüftschwungs schluckte er. Warum war ihm bisher nie ihr weiblicher Körper aufgefallen? Seine Brust fühlte sich wie eingeschnürt an, und ihm wurde noch heißer. Sonst trug Claire immer Sachen, die ihre Kurven verbargen.

Über die Schulter sah sie sich nach ihm um und warf dabei das Haar zur Seite. Als sie seinen Blick bemerkte, blieb sie stehen. „Ist mein Outfit okay?“

„Es ist perfekt“, brachte er gepresst heraus.

Erleichtert lächelte sie. „Ich weiß ja nicht, was man zu einer Charity-Weinverkostung anzieht. Dieses Kleid habe ich mir erst heute früh gekauft. Miranda hat mich hierzu überreden müssen.“

Danke, Miranda! Wie hatte die Frau Claire dazu gebracht, mal etwas Neues zu wagen? Claire war der sturste Mensch, den er kannte.

„Übrigens habe ich mich über dich geärgert.“

Das hätte er sich denken können. „Weswegen?“ Sicher hatte es mit dem Kuss zu tun. Sollte er erwähnen, dass er den Kuss gar nicht mehr vergessen konnte?

„Das weißt du nicht?“ An der Tür zu ihrem Arbeitszimmer blieb sie stehen. „Heute früh kommt von dir die Nachricht, dass ich zu diesem Event mitmuss. Und dann antwortest du weder auf meine SMS noch auf meine Anrufe.“

Verlegen lächelte er. „Tut mir leid, ich hatte mein Smartphone vergessen.“ In Wahrheit hatte er, um sich abzulenken, den ganzen Tag lang trainiert. Beim langen Laufen hatte er sich völlig verausgabt, und dennoch hatte er nur an Claire denken können.

„Und dann kommt vor ein paar Minuten nur die kurze Mitteilung, dass du mich abholst. Keinerlei Diskussion, keine Frage, nur die Mitteilung.“

„Wo liegt das Problem?“

Sie hob die Hände. „Ich brauche mehr Vorlauf.“

„Wieso?“ Er deutete auf sie. „Du bist angezogen und bereit.“ Ihr Look übertraf seine Erwartungen bei Weitem. In seinem grauen Anzug und dem weißen Hemd würde er neben ihr in den Hintergrund treten. Alle würden nur sie beachten, und darauf freute er sich. Würde Claire versuchen, sich zu verstecken? Oder würde sie es genießen?

„Du begreifst es einfach nicht!“ Entnervt öffnete sie die Tür zu ihrem Arbeitszimmer.

Verwundert betrachtete Jason die weißen Wände und das schlichte Büromobiliar. Im Gegensatz zu ihrem lebhaften Apartment wirkte das Arbeitszimmer schlicht und nüchtern. An den Wänden hingen Whiteboards, Planer und Kalender, und ihr Schreibtisch war ordentlich aufgeräumt.

„Was ist das denn hier?“ Zögernd trat er ein.

„Das hier ist die Kommandozentrale für mein Social-Media-Marketing.“ Sie ging zu ihrem Schreibtischstuhl. „Ich muss nur noch eine E-Mail abschicken, dann können wir los.“

Wie beeindruckend! Hatte er jemals irgendetwas mit so großer Sorgfalt erledigt? Im Grunde lebte er immer noch von seinem Ruf als Glückspilz. Im Unternehmen seiner Familie konnte er seine Stärken ausspielen, aber noch nie hatte er sich so intensiv wie Claire in irgendein Projekt gestürzt.

„Okay.“ Sie tippte etwas ein und fuhr ihren Computer herunter. „Fertig.“

Auf einem der Whiteboards war die Strategie für seine Weinbar Schritt für Schritt aufgelistet. „In diesen Ablaufplan hast du viel Arbeit gesteckt.“

„So gelingt mir die Arbeit am besten.“ Sie stand auf. „Ich sollte auch einen Ablaufplan für die Operation ‚gespielte Affäre‘ aufstellen.“

Nachdenklich sah er sie von der Seite an. „So würde ich es nicht bezeichnen.“

Sie verschränkte die Arme. „Welche Bezeichnung würdest du vorziehen?“

Probelauf, dachte er. Ein Experiment, bevor wir uns eingestehen, wie sehr wir uns zueinander hingezogen fühlen und im Bett landen. Jason wollte die Glut erkunden, die zwischen Claire und ihm herrschte, und der Kuss hatte ihm Hoffnung gemacht.

Mühsam konzentrierte er sich auf das Whiteboard. „Warum musst du denn alles in zeitlicher Abfolge auflisten? Wir könnten sicher ein paar Schritte überspringen.“

Hastig stellte sie sich schützend vor die Wand. „Dieses System habe ich über Jahre hinweg perfektioniert.“

Deutlich erkannte er, wie sehr ihre Arbeit ihr am Herzen lag. „Du brauchst nicht immer ein System. Gestern Abend hat das Improvisieren doch gut funktioniert.“

„Das bedeutet nicht, dass es jedes Mal klappt.“

„Claire, falls du es nicht bemerkt hast: Ich bin nicht so lernbegierig wie du.“ Schon früher hatte sie jede freie Minute mit der Vorbereitung für irgendein Schulprojekt verbracht. „Ich bin eher der praktische Typ. Ich fange einfach an und überlege mir dann, wie ich weitermache.“ Er sah ihr das Entsetzen an. „Und genau deswegen wird der heutige Abend für dich eine Art Testlauf.“

Misstrauisch erwiderte sie seinen Blick. „Was willst du denn testen?“

Lächelnd breitete er die Arme aus. „Heute Abend werde ich dich ins Scheinwerferlicht rücken.“

Erschrocken ließ sie die Schultern sinken. „Nein!“

Ihm war klar gewesen, dass sie so reagieren würde. „Es ist nur ein kleiner Event. Ein paar Millionäre und Menschenfreunde. Leider niemand aus unserem Umfeld.“

„Du schubst mich in einen Raum voller Fremder, die für mich unverständliches Zeug reden?“ Ihre Stimme bekam einen schrillen Klang. „Soll ich vielleicht auch noch ganz spontan eine kurze Ansprache halten?“

„Nein. Bleib einfach an meiner Seite und lächle. Manchmal werde ich mich kurz um die Weinverkostung kümmern müssen, aber ich lasse dich nicht im Stich.“ Beruhigend strich er ihr über die Schulter. „Vertrau mir, Claire, ich pass auf dich auf.“

Resigniert sah sie ihn an, aber ihre Anspannung ließ etwas nach. „Okay, Jason, ich nehme dich beim Wort.“

Der Wohltätigkeitsevent war ein großer Erfolg. Gerade als Jason in den Raum zurückkehrte, in dem die Weinprobe stattfand, hörte er Claires perlendes Lachen. Er wandte sich um, und dort stand sie, umgeben von einigen Männern.

Hoffentlich entspannte sie sich allmählich. Zuerst hatte sie sich sofort in eine Ecke begeben und ihm etwas über die Wohltätigkeitsorganisation erzählt, zu deren Gunsten dieser Event stattfand. Welcher Mensch recherchierte, bevor er auf eine Party ging? Offenbar jemand wie Claire Miller.

Aber jetzt unterhielt sie sich lächelnd, und bestimmt bemerkte niemand außer ihm, wie nervös sie mit dem Daumen am Weinglas rieb. Es kam ihm vor, als habe sie ständig Angst, irgendeinen Fehler zu machen. Jason wünschte, er könnte ihr diese Angst nehmen.

Im Moment jedoch war sie für die Männer in ihrer Umgebung der Mittelpunkt des Universums. Sie wirkte wie eine Göttin. Jason bemerkte, dass noch weitere Männer sich zu der Gruppe gesellten.

Claire schenkte einem der Männer ihr strahlendes Lächeln, was den Kerl erröten ließ.

Ihr Lächeln machte Jason nicht eifersüchtig. Anscheinend bevorzugte sie einen bestimmten Typ Mann, dem Jason nicht entsprach. Das war nicht schlimm. Offenbar stand sie auf weltgewandte, reiche Kerle in Designeranzügen, die ehrgeizig ihre eigenen Unternehmen leiteten. Männer wie Max Blair.

Beim Gedanken an ihn zog Jason die Brauen zusammen. Er hatte über den Kerl recherchiert, und was er von Max’ Website erfahren hatte, beeindruckte ihn nicht sehr. Wieso bewunderte Claire diesen Kerl so sehr? Die Referenzen dieses Mannes bestanden zum Großteil aus Schnappschüssen von ihm in Gesellschaft irgendwelcher Starlets und Rockstars. Für Jasons Geschmack gab der Kerl zu viel an.

Er ging auf sie und ihren Verehrerkreis zu, und als sie ihm zulächelte, schlug sein Herz schneller, und der Duft ihres Parfüms ließ seinen Puls rasen.

In dem Moment, als er ihre Hand nahm und er ihre schmalen Finger sah, kam ihm eine Idee. „Darling, wo hast du denn deinen Ring gelassen?“

Verkrampft packte sie seine Hand. „W… was?“ Ihr Blick ging automatisch zu ihrer Hand, bevor sie schnell in die Runde sah.

„Den ich dir gegeben habe.“ Am Handgelenk spürte er, wie schnell ihr Puls schlug. „Der mit dem Diamanten.“

Ratlos sah sie ihn an. Anscheinend begriff sie nicht, worauf er anspielte.

„Schon vergessen?“ Er lächelte. „Du hast Ja gesagt. Tausendmal Ja.“

„Ich … ich …“ Immer noch sah sie ihn ratlos an.

Er hob ihre Hand an die Lippen und gab ihr einen Kuss auf die Knöchel. „Keine Sorge, Claire, wahrscheinlich hast du ihn im Waschraum abgelegt.“

Er entschuldigte sich bei der Gruppe, und auch Claire nickte entschuldigend in die Runde, bevor sie ihm verkrampft durch den Raum folgte.

„Jason, ich fasse es nicht, dass du das getan hast.“

„Was denn? Dich aus dieser Gruppe zu retten?“ Er führte sie einen Flur entlang. Eigentlich wusste er, dass sie nicht gerettet zu werden brauchte. Die Männer hatten sie beeindrucken wollen, und anscheinend war ihr überhaupt nicht aufgefallen, dass einer davon vor Gier schon fast gesabbert hatte.

Abrupt blieb sie vor der Tür zum Waschraum stehen. „Hast du etwa gerade angedeutet, wir seien verlobt?“

Er runzelte die Stirn. „Ja natürlich. Was dachtest du denn, wovon ich rede?“

Sie wurde knallrot. „Wir wollen doch nur so tun, als hätten wir eine Affäre.“

„Es ist egal, was wir behaupten. Hauptsache, du spielst mit, wenn ich improvisiere.“

Sie platzte fast vor Wut. „Du hörst sofort auf, den Plan immer wieder zu ändern. Vielleicht ist es dir nicht aufgefallen, aber ich habe gerade eben inmitten dieser Gruppe kein Wort herausbekommen.“

„Ich musste dich von dieser Gruppe loseisen. Der Typ mit der Brille wollte sich gerade an dich ranmachen.“ Obwohl er keinerlei Anspruch auf Claire hatte, störte ihn das. Leider fühlte es sich für ihn an, als würde diese gespielte Affäre sehr real werden.

„Du hast dich nicht an den Plan gehalten, und ich hatte keine Ahnung, worauf du hinauswillst.“ Sie verschränkte die Arme. „Und das kann ich nicht ausstehen.“

Jason verspürte Gewissensbisse. „Du brauchst in solchen Situationen gar nicht groß zu reagieren. Überlass dann einfach alles mir.“

Sie verengte die Augen. „Wie würde es dir gefallen, wenn ich ganz spontan den Plan ändere?“

„Ich würde mich darauf einstellen.“

Sie wurde noch wütender. „Was hättest du denn gesagt, wenn ich verkündet hätte, du … du … du seist mein Sexsklave?“

Er zog eine Braue hoch, nicht auf die steigende Erregung achtend. „Versuch’s doch.“

„Glaubst du, ich könnte dich nicht schockieren und aus dem Konzept bringen?“

„Ich bin gespannt.“

„Na schön.“ An den Aufschlägen seines Jacketts zog sie ihn mit sich in den Waschraum und knallte die Tür zu.

Eindringlich sah er sie an. „Okay, Claire, und was genau ist jetzt dein Plan?“

„Ich improvisiere.“ Sie schloss hinter sich ab und lehnte sich an die Tür. „Die da draußen glauben jetzt, wir hätten hier Sex.“

„Ich warte.“

Jason lehnte an der Wand. Er hatte die Füße übereinandergeschlagen und hielt die Arme verschränkt.

Nach einer Eingebung suchend blickte Claire sich in dem kleinen Raum um. Weiße Wände, schwarz-weiß gefliester Boden, Waschbecken und ein Stapel Handtücher.

„Sollten wir nicht irgendwelche Laute von uns geben?“ Er blickte auf seine Uhr. „Flüstern und stöhnen? Rhythmisch an die Tür klopfen?“

Sie ging zu ihm. „Okay, okay. Du kannst dich also spielend an eine Situation anpassen, und ich kann das nicht.“ Sie breitete die Hände aus. „Herzlichen Glückwunsch.“

Sein Lächeln erstarb. „Claire, das ist doch kein Wettkampf. Wenn du Hilfe gebraucht hättest, hätte ich dir beigestanden.“

„Kannst du mir jetzt vielleicht helfen?“ Sie deutete zur Tür. „Wir sind zusammen im Waschraum verschwunden. Alle denken, wir wären jetzt nackt. Sollen wir rausgehen und so tun, als könnten wir diesen ominösen Ring nicht finden?“

„Nur falls jemand fragt: Er ist riesig. Beeindruckend. Es hat dir den Atem verschlagen.“

Fassungslos sah sie ihn an. „Wie bitte?“

Fast hätte er losgelacht. „Ich spreche von dem Ring. Aber niemand glaubt, dass ich hier mit dir nach dem Ring suche. Wir sollten noch ein paar Minuten bleiben, bevor du diesen Raum zutiefst befriedigt wieder verlässt. Hier steht mein Ruf auf dem Spiel.“

Sie massierte sich die Schläfen. „Schön, dass wenigstens du es witzig findest.“

„Aber du kannst nicht so wieder rausgehen. Nicht nach heißem Sex mit mir“, verkündete er. „Du musst zerknitterter sein, sonst glaubt niemand, dass ich dich angefasst habe.“

Sie knetete den dunkelroten Rock ihres Kleids. „So?“

Prüfend betrachtete er ihre Hüften, und ihr wurde heiß unter der Musterung. „Noch nicht zerknittert genug.“

„Was ist mit meinem Haar?“ Darauf würden die Gäste zuerst achten. Sie beugte sich vor und rubbelte sich durchs lange blonde Haar. Dann strich sie alles wieder nach hinten und sah Jason fragend an.

Er lachte leise. „Die Leute werden glauben, hier drin habe es einen Wirbelsturm gegeben. Hier, lass mich mal.“

Sanft massierte er ihr die Kopfhaut und strich ihr durchs Haar.

Claire nahm nichts mehr wahr außer seiner Berührung. Nur mühsam unterdrückte sie ein wohliges Stöhnen, doch dann riss sie sich zusammen. „Deine Haare müssen auch zerzaust sein.“

„Tu, was du willst.“

Genießerisch schloss sie die Augen, während er ihr weiter durch die blonden Strähnen strich und sie ihm das kurze dunkelbraune Haar zerzauste. Sie strich ihm über den Nacken zu den Ohrläppchen und musste lächeln, als sie ihn erzittern spürte.

„Außerdem muss mein Lippenstift verschmiert sein.“ Sie achtete nicht auf ihr wild klopfendes Herz. „Es muss aussehen, als sei ich heiß und innig geküsst worden.“

„Du bist ja ein Naturtalent.“ Mit beiden Händen umfasste er ihren Kopf. „Hattest du schon häufiger gespielte Affären?“

Worauf ließ sie sich hier bloß ein? Sie kam sich wie in einer Achterbahn vor. Einerseits wollte sie bei der nächsten Gelegenheit aussteigen, andererseits wollte sie sich an Jason klammern und es immer weiter genießen.

Mit einem Daumen strich sie sich über die Lippen. Wie empfindsam ihr Mund war, als würde er sich nach Jasons Kuss sehnen. „Ist das genug verschmiert? Es soll nicht zu offensichtlich sein.“

Er ließ die Hand an ihrem Rücken hinab zur Taille gleiten. Dann beugte er sich vor und musterte ihre Lippen. „Ich sehe keinen großen Unterschied.“

„Du brauchst auch Lippenstiftspuren.“ Wieder rieb sie sich über den Mund. Ihre Lippen kribbelten unter Jasons Blick. Sie hielt die Hand hoch. „Soll ich es dir auf den Mund schmieren oder auf den Kragen?“

Seine Pupillen weiteten sich. „Wo immer du willst. Wo sollte ein Mann deiner Meinung nach geküsst werden?“

Ihr stockte der Atem. Überall, dachte sie. Ich würde mit den Lippen über seine Brust und seinen Bauch tiefer gleiten und mit der Zunge seine Erektion umspielen. Ich würde alles von ihm schmecken wollen.

Benommen ließ sie den Daumen über seinen Mund gleiten. Sie wollte zwischen seine Lippen dringen. Er sollte an ihrem Daumen saugen.

Widerstrebend ließ sie die Hand sinken.

„Und? Was meinst du?“

Beim rauen Klang seiner tiefen Stimme lief ihr ein sinnlicher Schauer über den Rücken. „Ich kann nichts entdecken. Es ist zu wenig.“

„Du drückst nicht genug. Tu so, als würdest du mich heiß und lustvoll küssen.“ Er biss die Zähne zusammen. „Als ob du nicht genug von mir bekommen kannst.“

„Vielleicht sollte ich dich einfach wirklich küssen. Nur damit es realistisch wirkt“, fügte sie schnell hinzu.

„Richtig.“ Er zog sie etwas näher an sich. „Jedes Detail ist wichtig.“

Ohne weiter nachzudenken, presste sie die Lippen auf seine und ließ alle Gefühle für ihn in diesen Kuss einfließen. Hemmungslos und wild, genau wie in ihren Fantasien. Heiße Lust durchströmte sie, und Jason erwiderte ihr Verlangen begierig. Mit beiden Händen packte er ihr Kleid.

„Ja, genau so“, stieß sie dicht an seinem Mund aus.

Er presste sie an die Wand, während Claire ihm mit beiden Händen durchs kurze Haar fuhr. Sie saugte an seinen Lippen, biss spielerisch hinein.

Tief stöhnte er auf. „Mehr.“ Verlangend vertiefte er den Kuss und drang mit der Zunge vor. „Dein Lippenstift soll überall auf mir verschmiert sein.“

Fieberhaft zerrte sie an seinem Jackett. Warum hatte er bloß so viel an? Sie wollte seine Muskeln spüren und die Wärme seiner Haut.

Er unterbrach den Kuss, streifte sich das Jackett ab und ließ es auf den Boden fallen. Claires Puls raste.

Ihr Stöhnen klang in der kleinen Kabine wider, als Jason ihren Po packte und sie hochhob. Claire konnte den Blick nicht von seinen Augen abwenden. Sie umklammerte seine Schultern und schlang die Schenkel um seine Hüften.

Ungeduldig schob er ihr das Kleid über die nackten Schenkel hoch.

Besitzergreifend küsste er sie, ohne jede Zurückhaltung.

Ungeduldig zerrte sie ihm das Hemd aus dem Gürtel und tastete nach den Knöpfen.

Mit einer Hand strich er ihr zwischen die Schenkel und stöhnte auf, als er spürte, wie feucht sie war.

„Ja“, stieß sie keuchend aus. „Genau so.“

Sie bäumte sich auf. Alles wollte sie ihm geben. Er sollte sie ausziehen und mit den Fingern in sie eindringen. Sie konnte es nicht erwarten, seine heißen Lippen zwischen den Schenkeln zu spüren. Sie wollte mehr. Alles.

Leise stöhnend strich er mit den Lippen an ihrem Hals hinab, während er sie gleichzeitig zwischen den Schenkeln reizte. Unwillkürlich umklammerte sie seine Hüften fester, packte sein Hemd und seufzte lustvoll auf. „Jason.“

In dem Moment klopfte es an der Waschraumtür, es ließ sie beide erstarren. Erschrocken blickte Claire ihm in die Augen. Vor Verlangen zitterte sie am ganzen Körper.

„Jason?“ Von draußen erklang eine Männerstimme. „Tut mir leid zu stören, aber wir brauchen dich an der Bar.“

Tief durchatmend lehnte er die Stirn an Claires Schulter. „Komme gleich“, rief er dann in Richtung Tür.

Die Stille in dem kleinen Raum schien zu pulsieren.

Claire wusste, dass der magische Moment vorüber war, trotzdem konnte sie sich nicht bewegen. „Ich geh da nicht raus“, flüsterte sie und schlang die Beine noch fester um seine Hüften. „Das ist zu peinlich. Ich bleib hier, bis die Party vorbei ist.“

„Dann wäre unsere ganze Arbeit hier umsonst.“ Jason löste ihre Umklammerung und stellte sie wieder auf die Füße.

Bei seinem belustigten Tonfall setzte ihr Herz einen Schlag lang aus. Das hatte sie komplett vergessen. Es ging ihm nur um den Anschein.

Hastig wandte sie den Blick ab, damit er ihr die Enttäuschung nicht ansah.

Wie sehr wünschte sie sich, dass es real war! Was musste sie tun, damit diese Lüge zur Wahrheit wurde?

5. KAPITEL

Nach dem Event fuhr Jason Claire nach Hause. Innerlich stand er immer noch unter Hochspannung. Bei der Erinnerung an den Geschmack ihrer Haut leckte er sich unwillkürlich die Lippen. Immer wieder sah er zu ihr und dachte daran, wie samtig sich ihr Haar anfühlte und wie sinnlich ihre Lippen waren.

Es war so heiß und wild gewesen. Wieso hatte Claire ihn so leidenschaftlich geküsst? Nur um ihre Rolle zu spielen? Wahrscheinlich. Mehr steckte sicher nicht dahinter. Claire Miller handelte immer überlegt. Bei ihr gab es keinen Zufall.

Warum störte ihn das überhaupt? Er wollte nichts Ernstes. Doch wann immer er sich mit Claire unterhielt, lag da dieses Kribbeln in der Luft.

„Na, wie hat es sich angefühlt, im Mittelpunkt zu stehen?“ Lächelnd sah er kurz zu ihr.

Beim Klang seiner Stimme fuhr sie herum. „Es war schon etwas peinlich, als wir zusammen aus dem Bad gekommen sind.“ Verlegen rutschte sie auf dem Sitz hin und her. „Aber bis dahin war alles okay.“

„Nur okay? Die Männer haben dich wie eine Göttin angesehen.“

Schnaubend sah sie aus dem Seitenfenster. „Übertreib nicht.“

„Du hättest ihnen erzählen können, der Himmel sei orange, und sie hätten artig genickt und es dir geglaubt.“

„Diese Männer waren so schrecklich klug wie meine Eltern. Es war anstrengend, die ganze Zeit über von ihnen gemustert zu werden.“

Überrascht lachte er auf. „Ich glaube, darüber hat sich noch nie jemand beschwert.“

„Es war nett, aber letztlich ist mir egal, wie reich jemand ist oder welchen Einfluss er hat. Mir wäre es viel lieber, die ungeteilte Aufmerksamkeit von jemandem zu haben, der mir etwas bedeutet.“ Sehnsüchtig ließ sie sich in den Sitz sinken.

Ja, dachte Jason, auch ich will ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie müsste mir lediglich einen Wink geben, und schon käme ich auf Händen und Knien angekrochen.

„Diese Leute haben mit technischen Begriffen um sich geworfen, von denen ich keine Ahnung hatte.“ Sie stöhnte auf. „Sie haben über ihre Entwürfe diskutiert, und ich konnte nur lächeln und nicken.“

„Du hast gut geschauspielert. Ich dachte, du folgst der Unterhaltung sehr interessiert.“

„Den Trick habe ich schon vor Jahren beim Dinner mit meiner Familie gelernt. Je weniger du sagst, desto klüger wirkst du.“

Jason runzelte die Stirn. Wieso sollte sie ihrer Familie gegenüber Wissen vortäuschen? „Du brauchst doch nicht so zu tun, als seist du jemand anderer.“

„Und dadurch die Chance verpassen, die mysteriöse Lady zu spielen?“

„Die spielst du jeden Tag.“

„Nein, das tue ich nicht. Du weißt so gut wie alles über mich.“

„Ich weiß nur das, was du mich von dir wissen lässt.“ Jason hielt an einer roten Ampel und blickte wie immer an dieser Stelle zu der alten Scheune, die von Jahr zu Jahr mehr zerfiel. Seit er denken konnte, stand sie leer. Aber in seiner Fantasie war dies sein Restaurant.

Er sah schon wieder nach vorn, da zuckte er noch einmal zurück. Auf dem Zu verkaufen – Schild stand jetzt in Großbuchstaben VERKAUFT.

Die Enttäuschung traf ihn wie ein Hieb. Jemand hatte das Grundstück gekauft. Man hatte ihm seinen Traum weggenommen.

Erst als Claire sich ihm zuwandte, wurde ihm klar, dass er geseufzt hatte.

„Alles okay?“

Er räusperte sich. „Jemand hat die Scheune gekauft.“

Sie blickte an ihm vorbei auf das alte Gebäude. „Die steht schon seit Jahren zum Verkauf. Was glaubst du, wird dort jetzt gebaut? Noch eine Pferdefarm kann Woodinville nicht gebrauchen.“ Prüfend sah sie ihn an. „Glaubst du, es wird eine Weinbar?“

Die Ampel wurde grün, und Jason fuhr weiter. Es war ihm egal, ob noch eine weitere Weinbar eröffnete. Immer hatte er davon geträumt, was er aus dieser Scheune machen könnte, und jetzt zerplatzte der Traum wie eine Seifenblase.

„Ich dachte immer, das sei genau der richtige Ort für ein Restaurant.“ Er konnte selbst nicht glauben, dass er es laut ausgesprochen hatte.

Wieder sah sie zu der alten Scheune. „Deine Weinbar ist sehr beliebt, aber mit einem Restaurant zu expandieren, das könnte riskant sein.“

Er nickte nur. Ihm war sein Traum geraubt worden, weil er ihn nicht energisch genug verfolgt hatte. „Es sollte mein eigenes sein.“

„Du willst ein Restaurant besitzen?“

Unter ihrem Blick wurde ihm heiß. Was würde sie jetzt sagen? Dass er überhaupt nicht die Voraussetzungen dafür hatte? Verlegen lächelte er ihr zu. „Ich habe mit dem Gedanken gespielt.“ Es sollte wie ein flüchtiger Gedanke klingen, wie einer seiner Einfälle.

„Ich habe immer gedacht, dir würde es nur um den Wein deiner Familie gehen. Deine Schwester lebt dafür, und ich habe angenommen, bei dir sei das genauso.“

„Als ich jünger war, wollte ich nichts mit dem Unternehmen meiner Eltern zu tun haben. Meine Großeltern haben nur für dieses Stück Land gelebt und bei meinen Eltern ist es nicht anders. Auch Kim liegt es im Blut, es ist ihr Lebenstraum.“

„Aber nicht deiner?“

„Nein.“ Er wollte nicht weitersprechen, aber er konnte es nicht zurückhalten. Nicht bei Claire. „Eine Zeit lang wollte ich Gourmetkoch werden.“

Mit angehaltenem Atem wartete er auf Claires Reaktion. Wahrscheinlich listete sie jetzt alles auf, was dagegen sprach.

„Deshalb finde ich dich in der Weinbar so oft in der Küche.“ Sie lehnte den Kopf zurück. „Es erklärt auch, warum du so viel Fantasie und Arbeit in die Appetizer steckst.“

„Das Kochen übernimmt bei uns die Mannschaft in der Küche.“ Allmählich entspannte er sich wieder ein bisschen. „Aber ich bestimme mit, was auf die Speisekarte kommt. Das ist fast genauso, als sei ich ein Gourmetkoch.“

„Du könntest doch Kochen lernen, wenn du willst.“

„Wie denn?“ Er sah zu ihr. „Ich muss die Weinbar leiten, ebenso wie Verkostungen und Kurse, Events und Promotion. Das ist ein Vollzeit-Job.“

„Na und? Auch hier in Seattle kann man sich zum Gourmetkoch ausbilden lassen.“

„Ja, ich weiß.“ Er zögerte, doch dann sprach er ganz offen weiter: „Vor fünf Jahren habe ich mich da beworben, aber sie haben mich nicht angenommen.“

„Wieso nicht? Hast du dich im nächsten Jahr wieder beworben?“

Jason zuckte mit den Schultern. Die Absage hatte ihn tief getroffen. „Nein, warum? An meiner Situation hatte sich während des Jahres ja nichts geändert.“

„Haben sie gesagt, dass dir Erfahrung fehlt?“ Sie wandte sich ihm zum. „Hast du dich um einen Job in einem Restaurant bemüht?“

Wie hatte er vergessen können, wie beharrlich Claire war? In jedem wunden Punkt stocherte sie herum. „So einfach war das nicht.“

„Hast du dich gar nicht erkundigt, welche Voraussetzungen dir gefehlt haben?“

Abwehrend hielt er die Hände hoch. „Claire, was hätte ich denn tun können? Manchmal kann man Entscheidungen nicht beeinflussen.“

„Du bekommst ein Nein und gibst einfach auf? Dann war es dir anscheinend nicht so wichtig.“

„Doch, das war es.“ Er biss die Zähne zusammen und bog zu ihrem Apartmenthaus ab. Es war ihm extrem wichtig gewesen, und dann war alles innerhalb eines Sommers in sich zusammengestürzt. „Ich war so sicher, dass ich angenommen würde, und dann haben sie mich abgelehnt.“

„Und nach der einen Bewerbung hast du aufgegeben?“

Es war die beste Ausbildungsstelle, und Jason war fest davon ausgegangen, dass er es schaffte. Bis zu dem Zeitpunkt hatte er immer alles bekommen, was er wollte. Er hatte auf anderen Wegen versucht, in die Welt der kulinarischen Küche zu gelangen, war jedoch überall auf Ablehnung gestoßen. „Die Kochschule, Chefkochs und Restaurantbesitzer – alle haben mir deutlich zu verstehen gegeben, dass ich es nicht schaffe.“

„Unfassbar!“ Anklagend deutete sie auf ihn. „Du hast die Begabung und das nötige Geld, deine Ziele zu erreichen. Aber du hast beim ersten Nein aufgegeben. Für seinen Traum muss man kämpfen, bis man es schafft. Dann feiert man kurz, sucht sich das nächste Ziel und steuert darauf zu.“

Erschöpft schüttelte er den Kopf. „So läuft das nicht.“

„Träumst du denn nicht mehr davon, Gourmetkoch zu sein?“

„Manchmal. Und dann erinnere ich mich daran, dass es nie dazu kommen wird.“

Verächtlich schnaubte sie. „Nur weil eine Schule und ein paar Idioten dich abgelehnt haben?“

Er hielt vor ihrem Apartmentblock an. Niemand außer Claire widersprach ihm so lange, bis er am liebsten aufspringen und weglaufen wollte. Er schaltete den Motor aus und drehte sich zu ihr. „Irgendwann bekommst du vielleicht auch zu hören, dass du dir deinen Traum nie verwirklichen wirst. Zuerst glaubst du es nicht, aber wenn du es von Menschen zu hören bekommst, die du respektierst, dann musst du es irgendwann akzeptieren.“

Sie erwiderte nichts.

Er erkannte ihr Mitgefühl, aber er wollte kein Mitleid. „Ich wünsche dir das nicht, aber wenn es dir passiert, dann kannst du mir ja noch mal erklären, was genau ich falsch gemacht habe.“

Mit zitternden Fingern löste Claire den Gurt. Sie musste aus diesem Auto raus. Sofort. Einen Fuß hatte sie bereits nach draußen gesetzt, als sie innehielt. „Ich weiß genau, wie sich das anfühlt.“ Sie sah Jason nicht an. „Mir hat man oft genug eingetrichtert, dass ich nicht gut genug bin.“

„Und ganz bestimmt hast du allen bewiesen, wie sehr sie sich irren.“ Auch er löste den Gurt.

„Nein. Das konnte ich gar nicht.“ Sie sagte es flüsternd, als würde sie eine große Sünde eingestehen, und in gewisser Weise kam es ihr auch so vor.

Vor Jahren hatte eine Bekannte ganz beiläufig ihre Dyskalkulie eingestanden. Claire war noch nie jemandem begegnet, der dieselbe Rechenschwäche hatte wie sie, aber sie hatte geschwiegen und die andere Frau nicht mal gefragt, wie sie damit zurechtkam.

Warum verspürte sie jetzt den Drang, mit Jason darüber zu reden? Die Erfahrungen hatten ihn sicher enttäuscht, aber ansonsten gelang ihm einfach alles im Leben. Sie dagegen kämpfte jeden Tag, als müsse sie endlos gegen den Strom schwimmen.

„Als ich mich selbstständig gemacht habe …“, sagte sie, als er ihr beim Aussteigen half und die Autotür zuschlug, „… wurde mir prophezeit, dass ich scheitern würde. Selbst jetzt noch, drei Jahre später, muss ich mir anhören, dass ich es nicht schaffen kann.“

Ihre Eltern hielten sie schlichtweg nicht für klug genug für ein eigenes Unternehmen. Leute wie Max Blair fanden, sie sei nicht innovativ genug, um dauerhaft Erfolg zu haben. All diese Kommentare weckten die Unsicherheiten tief in ihr, und jeden Tag fürchtete Claire, dass sie es nicht schaffen würde, aller Welt zu beweisen, wie sehr sie sich in ihr täuschten.

„Wer behauptet so was? Du bist der fleißigste Mensch, den ich kenne.“

„Das ist aber keine Garantie für Erfolg.“ Sie wandte sich zu ihm.

„Du wirst immer erfolgreich sein, Claire, weil du den nötigen Biss hast. Bei Hindernissen kämpfst du nur umso mehr.“

„Ich wünschte, ich müsste nicht so sehr kämpfen.“ An manchen Tagen verließen sie all ihr Mut und jede Kraft. „Wieso kann mir nicht auch mal etwas mühelos gelingen? Wer will schon ständig kämpfen und schuften? Das ist keine sehr beneidenswerte Eigenschaft.“

„Doch, das ist es“, entgegnete er ruhig. „Du nimmst diese Fähigkeit als selbstverständlich hin, aber du hast dir mit deiner Beharrlichkeit deinen Traum erfüllt.“

Nachdenklich runzelte sie die Stirn, während Jason sie zur Tür begleitete. Bisher hatte sie ihre Lernschwächen als Fluch gesehen, aber letztlich hatte sie nur deshalb diese Beharrlichkeit entwickelt.

„Claire?“

Sie blickte hoch. Jason und sie standen an der Tür. „Danke, dass du mich zu diesem Event mitgenommen hast.“ Hastig kramte sie nach ihren Schlüsseln.

„Was da heute Abend im Waschraum passiert ist …“

Mühsam unterdrückte sie das Zittern ihrer Finger, während sie die Tür aufschloss.

„Was sollen wir deswegen unternehmen?“

Sie erstarrte und kämpfte ihre Erwartungsfreude nieder. Langsam drehte sie sich zu Jason um, und bei seinem eindringlichen Blick fing ihr Herz an zu rasen. „Was meinst du damit?“

„Wir entwickeln hier diese Story, die in weniger als fünf Tagen wieder endet.“

Sie wünschte, es würde ewig dauern. „Ja, das stimmt.“

„Wo soll das alles deiner Meinung nach hinführen?“ Seine Stimme klang rau und tief.

Mehr als alles andere wollte sie das fortsetzen, was heute Abend zwischen Jason und ihr geschehen war. Aber vielleicht bedeutete es auch nur ihr so viel. Machte sie sich nur lächerlich, wenn sie versuchte, etwas mit dem heißesten Typ der Stadt anzufangen?

Andererseits hatte sie kaum etwas zu verlieren. Wenn sie den Job bei Max Blair bekam, würde sie ohnehin nach L. A. umziehen.

„Claire?“

„Ich möchte, dass diese Lüge wahr wird.“ Auf seinen verständnislosen Blick hin fuhr sie fort: „Ich möchte, dass aus dieser gespielten Affäre eine echte wird. Nur für diese eine Woche, ohne jede Verpflichtung.“

Sie wandte den Blick ab. Ihr Herz schlug wild, und unter Jasons Blick wurde sie rot, während sie ungeduldig auf seine Antwort wartete.

Es war vollkommen still.

Schließlich blickte sie Jason wieder an. Hoffentlich fing er jetzt nicht an zu lachen. Sein Blick war so durchdringend, dass sie ihn nicht deuten konnte.

„Damit unsere Affäre glaubwürdiger wirkt?“

Dachte er, sie würde ihn nur ausnutzen? Nein, das durfte er nicht denken. „Weil ich dich will, Jason.“ Mist, wieso zitterte ihr jetzt die Stimme? „Ich will fortführen, was heute Abend geschehen ist. Ich will mit dir ins Bett. Aber ich will dich zu nichts drängen“, fuhr sie hastig fort. „Wenn du kein Interesse hast, ist das auch okay.“

Auf seinen Lippen lag ein Lächeln, und Claire hielt gespannt die Luft an. „Es ist deine Entscheidung, Jason. Na? Was sagst du?“

Jason lehnte sich an den Türrahmen. „Ich frage mich, wie es mit dir sein könnte.“

Hatte er sich das zuvor noch nie gefragt? „Es könnte unsere berufliche Beziehung beeinträchtigen.“

Sachte strich er ihr über die Wange. „Durch Sex ändert sich alles.“

„Zwischen uns hat sich alles schon verändert.“ Sie war so unglaublich nervös. In diesem Moment war sie ganz dicht dran, ihre erotische Fantasie auszuleben. „Von jetzt an werden wir uns immer fragen, wie es gewesen wäre.“

„Stimmt.“ Sein Blick ging zu ihren Lippen. „Immer.“

„Lass es uns lieber herausfinden.“ Sei nicht feige, sagte sie sich. Sag ihm genau, was du willst. „Alles ganz unverbindlich und zeitlich begrenzt. Wenn es vorbei ist, machen wir uns keine Vorwürfe.“

Ungläubig erwiderte er ihren Blick. „Du bist nicht die Frau für kurze heiße Affären.“

Das stimmte, aber woher wollte er das wissen? „Wie kommst du darauf?“

„Ich kenne dich seit Jahren. Du hast die Männer immer lange zappeln lassen.“

„Hast du mich beobachtet?“

„Irgendjemand muss doch auf dich aufpassen.“ Seine Stimme klang heiser.

Verblüfft öffnete sie den Mund. „Ich dachte, für dich sei ich immer nur die nervige Freundin deiner kleinen Schwester gewesen.“

„Warst du auch.“ Wieder lächelte er. „Deshalb ist eine Affäre zwischen uns auch riskant. Du könntest Gefühle entwickeln.“

Da hatte er recht. Das Risiko, dass sie sich in Jason verliebte, war hoch, aber wenn sie wusste, dass es nur auf Zeit war, würde sie sich keine großen Hoffnungen machen. „Jason, ich möchte nur ein bisschen Spaß mit dir.“

Sein Griff verstärkte sich. „Für eine Affäre mit mir bist du zu gutherzig. Ich könnte dich nicht davor bewahren, dass du letztlich darunter leidest.“

Sie runzelte die Stirn. Wieso hielt Jason sie für so verletzlich? „Ich kann gut auf mich selbst aufpassen. Eine langfristige Beziehung wäre für mich nur ein Hindernis beim Erreichen meiner Ziele.“

Langsam strich er ihr über die Wange. „Und wie lautet jetzt dein Plan?“

„Du und ich, fünf Tage lang.“ Sie sprach es hastig aus wie einen Wunsch, den man schnell äußert, wenn man eine Sternschnuppe am Himmel sieht. „Ohne Verpflichtungen.“

Ungläubig lachte er auf. „Das klingt gar nicht nach dir, Claire, das ist …“

„Unbedacht? Überstürzt?“ Nervös stimmte sie in sein Lachen ein. „Stimmt.“

Nachdenklich strich er ihr mit dem Daumen über die Unterlippe. „Wann hast du dir das überlegt?“

„Gerade eben.“ Es war das größte Risiko ihres Lebens. Sie hatte keinerlei Plan, und das machte ihr Angst. Aber sie gab nicht nach.

„Keine Strategie? Kein Ablaufplan?“ Belustigt sah er ihr in die Augen. „Könnte sein, dass du das noch bereust.“

Sie umfasste sein Handgelenk und zog seine Hand weg. „Jason, bereuen würde ich höchstens, wenn ich diese Gelegenheit verstreichen lasse.“

„Du überraschst mich immer wieder, Claire.“

Ein größeres Kompliment konnte er ihr nicht machen. „Anscheinend färbst du auf mich ab. Und jetzt verrate mir, was du willst.“

„Ob ich eine fünftägige Affäre mit dir will? Verdammt, ja, das will ich!“ Verlangend und heiß küsste er sie. „Dachtest du wirklich, ich würde dazu Nein sagen?“

6. KAPITEL

Claire packte Jason an den Jackettaufschlägen, zog ihn mit sich ins Apartment und schlug die Tür hinter sich zu. Während Jason sich schon das Jackett abstreifte, ließ sie die Handtasche auf den Boden fallen.

Aufgeregt beobachtete sie ihn. Seine Wangen waren gerötet, und bei jedem Atemzug weiteten sich seine Nasenflügel. Aus seinen Augen sprach nackte Lust.

Für ihn ist es nur Sex, sagte sie sich. „Wo waren wir stehen geblieben, bevor wir unterbrochen wurden?“ Sie zerrte ihm das Hemd aus dem Gürtel.

Entschlossen legte er die Hände auf ihre. „Noch nicht.“

Ihr Herz setzte kurz aus. Wieso hielt er sie auf? Hatte er es sich anders überlegt?

Er erfasste den Reißverschluss vorn an ihrem Kleid. „Davon träume ich schon den ganzen Abend.“ Langsam zog er den Reißverschluss herunter, und das Geräusch war in der Stille des Apartments überlaut zu hören.

Mit angehaltenem Atem ließ Claire sich von ihm ausziehen. Wie gebannt glitt sein Blick tiefer, über den pinkfarbenen BH und ihre helle Haut. Vor Verlangen dröhnte ihr der Puls in den Ohren, als er ihren winzigen Slip entblößte.

Ohne jedes Wort legte er die Hände auf ihren flachen Bauch, und unter der Berührung zogen sich ihre Muskeln zusammen. Erkundend strich er über ihre nackte Haut.

Genießend ließ sie den Kopf in den Nacken sinken. Es kam ihr vor, als würde jede Kraft sie verlassen. Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie seine Hände am Rücken nach unten gleiten spürte. Mit den Fingerkuppen strich er ihr unter den Saum des Slips.

Von einer Sekunde zur nächsten kam ihr das Kleid unerträglich schwer vor. Ungeduldig streifte sie es ab.

Seltsam, aber es war ihr überhaupt nicht peinlich, nur mit BH, Slip und High Heels vor dem Mann ihrer Träume zu stehen. Unter seinen verlangenden Blicken fühlte sie sich umwerfend schön. Sie sah, wie er schluckte. Hatte sie solche Macht über ihn? Aufreizend strich sie ihm vorn über die Hose, wo sie seine Erektion deutlich spürte. So hart und groß. Ihr wurde heiß.

„Jason.“ Lustvoll massierte sie ihn. „Ich will, dass du als Nächstes …“

Er lachte leise auf. „Hätte ich mir doch denken können, dass du einen Plan hast.“ Er öffnete ihr den BH.

Erzitternd schloss sie die Augen. Als der BH von ihren Brüsten glitt, spürte sie seine Finger an ihren Brustwarzen. „Dieser Plan wird dir gefallen, ganz bestimmt.“

Er beugte sich vor und umspielte mit der Zungenspitze ihre Brust.

Innerlich kochte sie vor Lust. Voller Ungeduld umfasste sie seinen Kopf.

„Lass es einfach geschehen. Lass den Dingen ihren Lauf.“ Spielerisch biss er sie in einen Nippel.

Seufzend erbebte sie. Mehr! dachte sie. Ich will mehr! Jason sollte sich nicht zurückhalten. Sie wollte keine Rücksicht. Sie wollte seine primitive, wilde Lust spüren. „Reiß mir die Kleider vom Leib, und drück mich aufs Sofa“, gestand sie errötend. „Und dann nimm mich von hinten.“

Keuchend stieß sie die Luft aus, als er sie wieder in den Nippel biss, diesmal stärker als zuvor. Den kurzen lustvollen Schmerz linderte er sofort mit zarten Küssen.

„Du weißt nicht, worum du da bittest.“ Er richtete sich auf, während er ihr eindringlich in die Augen sah.

„Das weiß ich sehr genau, Jason.“ Sie würde nicht nachgeben. Es war neu für sie, ganz direkt auszusprechen, wonach sie sich sehnte. Würde er darauf eingehen?

In einer Hand hielt er verkrampft ihren BH. Nur mit Mühe konnte er sich beherrschen. „Keine Sorge, Claire, du bekommst von mir alles, was du dir wünschst. Du brauchst mir nur zu sagen, was du bei mir empfindest.“

„Mir geht es blendend.“ Sie streifte sich den Slip ab. „Ich will deine Brust an meinem Rücken spüren. Du sollst meine Hüften packen und mich über das Sofa drücken. Und dann will ich dich in mir spüren, ganz tief in mir.“

Sie unterdrückte einen überraschten Aufschrei, als er sie mit einem Arm um die Taille packte und sie umdrehte. Ihr Rücken drückte sich an seine Brust, und sie spürte jeden einzelnen Knopf seines Hemds. Wie dick und hart sein Glied sich an ihrem nackten Po anfühlte!

„Du machst mich verrückt, Claire.“ Mit einer Hand drückte er ihre Brust. „Ich brenne, und es wird nicht lange dauern, bis ich explodiere. Es wird hart und schnell.“

„Perfekt.“ Verlangend leckte sie sich die Lippen. Ungehemmt stöhnte sie auf, als er die Hand zwischen ihre Schenkel schob.

„Du verdienst viel mehr.“ Er strich ihr über die erregte kleine Knospe, und Claire drängte sich seiner Berührung entgegen. „Ich sollte dir viel mehr geben.“

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