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TIFFANY HOT & SEXY BAND 33

TAWNY WEBER

Ein Offizier und Herzensbrecher

Sein Leben als Navy SEAL ist gefährlich. So gefährlich, dass Blake beschließt: Es ist besser, Single zu bleiben. Erst als er Alexia begegnet, spürt er: Manche Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden. Ein paar wilde Stunden am Strand mit ihr sind Blake nicht genug – er will mehr. Da erfährt er, dass sie die Tochter von Admiral Pierce ist – seinem Vorgesetzen …

KATHERINE GARBERA

Vernaschen verboten!

Remy Cruzel konnte nicht anders – er musste Staci heute einfach küssen. Seitdem weiß der Starkoch: Mit der süßen Konditorin an seiner Seite kann er wahre Kunstwerke kreieren. Doch wie soll Staci seine Muse sein? Schließlich ist sie auf dem Weg in den Kocholymp seine schärfste Konkurrenz – und sie zieht alle Register, um zu gewinnen …

MEG MAGUIRE

Sexy, rau und hemmungslos

Wenn eine Romanze eine Kerze ist, dann ist das zwischen ihm und Jenna eine Stange Dynamit. Noch keinen ganzen Tag teilt sich der Boxtrainer Mercer ein Apartment mit ihr, schon fallen sie leidenschaftlich übereinander her. Leider ist sie entschlossen, seinen Boxclub zu schließen, um dort eine Partnervermittlung zu eröffnen. Doch das wird er verhindern – mit allen Mitteln …

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Ein Offizier und Herzensbrecher

1. KAPITEL

Ein ohrenbetäubender Knall erfüllte die Luft, als sieben Gewehre gleichzeitig abgefeuert wurden. Eine Salve, eine zweite, eine dritte. Einundzwanzig Schüsse insgesamt. Mit unbewegten Mienen schulterten die Mitglieder der Ehrenwache ihre Waffen und blieben so starr und reglos stehen wie die Eichen am Rande des Friedhofs.

Der Hornist spielte die feierliche Trauermelodie. Lieutenant Blake Landon stand aufrecht und blinzelte gegen die Sonne. Es folgte die Predigt des Geistlichen, von der er aber kaum etwas mitbekam.

Das wirklich Wichtige wurde ohnehin nicht erwähnt. Der Priester sprach von Ehre und von Mut, doch mit keinem Satz über Phils großartigen Humor. Über seine Art, jeden noch so gefährlichen Einsatz leichtzunehmen. Der Priester hatte keine Ahnung davon, dass Phil jedes Mal, bevor er mit dem Fallschirm abgesprungen war, das Foto seiner Mutter geküsst und eine Hasenpfote gestreichelt hatte. Und er wusste nichts von Phils Liebe zum Meer. Wo immer sie auch im Auslandseinsatz gewesen waren, Phil hatte jede freie Minute genutzt, um ans Wasser zu fahren. Sonne, Wasser, Surfen – Phil hatte oft gesagt, das wäre sein gerechter Ausgleich dafür, dass die Angst immer präsent war. Sie alle wussten, dass jeder Einsatz tödlich enden konnte. Das war der Preis.

Doch von alldem sagte der Priester nichts. Hier, auf dem riesigen Gelände des Arlington Nationalfriedhofs, war Lieutenant Phil Hawkins einer der vielen Soldaten, die für ihren Verdienst für das Vaterland geehrt wurden. Und verabschiedet. Für immer.

Die gesamte SEAL-Einheit war gekommen, und Blake stand inmitten seines Teams. Den Männern, mit denen er gemeinsam kämpfte. Und auf die er sich immer einhundertprozentig verlassen konnte.

Er presste die Kiefer zusammen, als der Priester endete und das Fahnenritual begann. Er ließ den Blick über die entfernten Bäume wandern, um nicht mit ansehen zu müssen, wie die Flagge an Phils Mutter übergeben wurde.

Dann war die Beerdigung zu Ende. Blake merkte kaum, wie die Menschen um ihn herum sich zu rühren begannen. Wie erstarrt stand er an dem Fleck. Selbst wenn er hätte gehen wollen, er konnte es nicht.

Es schien eine Ewigkeit her gewesen zu sein, dass er gemeinsam mit Phil und Cade in der Ausbildung gewesen war. Sie waren unzertrennlich gewesen und wild entschlossen, mit allen Kräften ihr Land zu verteidigen. Nun war die Trennung für immer.

Blake spürte, wie sich jemand neben ihn stellte, und sah auf. Admiral Pierces schlohweißes Haar reflektierte die Sonne. Der alte Mann klopfte Blake auf die Schulter. „Lieutenant, ich weiß, das ist ein schwerer Verlust für Sie und Ihr Team. Mein Beileid.“

„Danke, Sir“, erwiderte Blake. Seine Stimme klang fremd. Er sah, wie Phils Mutter die Finger in den Stoff der Flagge krallte, und konnte den Anblick kaum ertragen.

„Mit der Zeit wird es leichter“, sagte der Admiral.

„Sollte es das?“, entgegnete Blake und richtete den Blick auf seinen Mentor. Er hatte so viel von ihm gelernt in der Vergangenheit.

„Nein“, antwortete der Admiral und seufzte. „Aber man muss lernen, damit umzugehen. Stellen Sie sicher, dass es Sie nicht in Ihrer Arbeit beeinflusst.“

Einfach so? Blake spürte wilden Protest in sich aufsteigen. Wie sollte man weitermachen, wenn man einen Kameraden verloren hatte, einen Freund! Doch seine Jahre bei den SEALs hatten ihn gelehrt, wann er zu schweigen hatte. Er presste die Lippen zusammen und nickte steif.

Der Admiral schien nichts anderes erwartet zu haben, denn er erwiderte das Nicken. Dann glitt sein Blick einige Meter weiter. „Lieutenant Commander!“, rief er.

Cade Sullivan, der Dritte im einst unzertrennlichen Bund, sah zu ihnen herüber. Zum Abschied strich er Phils Mutter, neben der er stand, tröstend über den Arm und kam zu ihnen herüber.

„Sir?“, sagte er, als er vor dem Admiral stehen blieb.

„Sie beide sind ab sofort vom Dienst befreit“, erklärte Pierce. „Für zwei Wochen.“

Blake und Cade wechselten einen Blick. Es war nur eine Sache von Sekunden, bis sie wussten, dass sie sich einig waren. Und zum zweiten Mal wollte Blake einer Anweisung widersprechen. Er brauchte keinen Urlaub, er brauchte Ablenkung! Gerade jetzt! Einen Auftrag, irgendetwas zu tun!

Als hätte er seine Gedanken gelesen, warf ihm der Admiral einen ernsten Blick zu. „Sie kommen gerade von einer gefährlichen Mission und haben einen Mann verloren. Es ist dringend notwendig, dass Sie sich eine Auszeit nehmen. Abseits des Stützpunktes. Ich nehme an, Sie haben einen Ort, an den Sie bis zum siebzehnten September gehen können?“

Für einen Augenblick bekam auch Cades strahlende Fassade Risse. Blake wusste, dass sein Freund die gleiche Wut verspürte, die gleiche Verzweiflung. Doch dann hatte Cade sich wieder gefasst und lächelte.

„Klingt nach einer guten Gelegenheit, die Familie einmal wiederzusehen. Mein Vater wird sich freuen. Vielen Dank, Sir. Unser Team wird die unverhoffte Auszeit genießen.“

Blake musste zugeben, dass Cade kein unbegabter Lügner war. Die Art, wie seine Worte und sein Lächeln in diesem Moment zusammenspielten, hätte jeden überzeugt. Außer Blake. Er kannte ihn einfach zu gut. Fakt war, dass jeder einzelne Mann im Team lieber sofort wieder in einen Einsatz zurückgekehrt wäre und dass Cade es hasste, seine Familie zu besuchen. Doch er ließ es sich nicht anmerken.

Vielleicht war Cade deshalb von Phil immer „Slick“ genannt worden. Es war diese Fähigkeit, sich auf charmante Weise durchzumogeln, die ihn auszeichnete. Blake hingegen war der „Boy Scout“, der Pfadfinder, der immer nur sein Bestes gab. Und Phil selbst war der „Joker“ gewesen. Ein Clown, der in allen Situationen noch einen Witz auf den Lippen hatte. Blake erinnerte sich an Phils letzte Worte, bevor die Bombe explodiert war: „Klopf, klopf, wer ist da?“

Ein Würgen erfasste Blake. Er kämpfte es nieder.

Cade entschuldigte sich unter dem Vorwand, den anderen Männer Bescheid geben zu wollen, und so blieben Blake und der Admiral allein zurück.

„Und Sie, Landon?“, sagte der Admiral ruhig.

Blake zwang die Kiefer aufeinander. Er hatte keine Wahl. Dieser Urlaub war ein Befehl, dem er zu folgen hatte.

„Ich finde sicher etwas, was ich in der freien Zeit tun kann“, erwiderte er. Nein, er würde nicht nach Hause fahren. In der ärmlichen Wohnwagensiedlung, in der er aufgewachsen war, war er noch weniger willkommen als Cade im luxuriösen Anwesen seiner reichen Familie.

Er würde nach Kalifornien fahren. Die Seele baumeln lassen, sich Alcatraz ansehen und die Golden Gate Bridge. Tourist sein.

„Gut“, sagte der Admiral. „Dann erwarte ich Sie am Fünfzehnten.“

Blake hob überrascht die Brauen. „Ich dachte, wir sollen am siebzehnten zurück sein?“ Es waren nur zwei Tage, doch er wäre froh darum, früher wieder zurückzukommen.

„Es geht um die Feier anlässlich meines Dienstaustrittes“, sagte der Admiral und lächelte. „Ich rechne fest mit Ihnen. Sie werden meine Tochter kennenlernen.“ Mit diesen Worten klopfte er Blake auf die Schulter, wandte sich um und ging über das weite Feld davon.

Seine Worte hallten in Blake nach.

Die Tochter des Admirals kennenlernen?

Verdammt …

Heiß. Heiß. Heiß.

Es gab eine Menge Dinge, für die man dem Leben dankbar sein konnte: gute Freunde, die eigene Gesundheit oder Karamellbonbons mit Schokolade.

Aber nichts ging über den Anblick eines durchtrainierten, fast nackten Männerkörpers.

Alexia Pierce spürte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann, als sie den Mann am Strand musterte. Seine Muskeln waren wohlproportioniert, und er bewegte sich mit einer solchen Lässigkeit, dass er alle Blicke auf sich zog, ohne es selbst zu bemerken. Er war groß und breitschultrig, und Alexia war sich sicher, dass er viel trainierte. Doch er wirkte nicht wie ein Bodybuilder, der Muskeltraining als Selbstzweck betrieb.

Sein dunkles Haar war für ihren Geschmack ein wenig zu kurz geschnitten. Unwillkürlich strich sie sich über die eigenen Locken, die nach dem Bad im Meer wild ihr Gesicht umrahmten.

Der Mann war zu weit entfernt, um seine Augen zu sehen, doch seine Brauen waren dunkel und sexy. Die Sommersonne hatte seine Haut in einen gesunden Goldton getaucht, und Alexia unterdrückte ein Grinsen bei dem Gedanken, wie er wohl unter den blauen Shorts aussah.

Es brachte nichts, sich etwas vorzumachen. Dieser Fremde gehörte zu der Sorte Mann, die sogar eine unabhängige und selbstbewusste Frau wie Alexia zum Schwärmen brachte.

Sie beschattete die Augen mit der Hand und beobachtete, wie der Mann mit einer eleganten Bewegung in die Wellen eintauchte. Fast beneidete sie das Wasser, das nun an seinem hinreißend muskulösen Körper entlangstreichen konnte.

„Brauchst du ein Handtuch?“

„Wie bitte?“ Alexia wandte sich abwesend zu ihrem Bruder um. „Wofür?“

„Um dir den Sabber vom Kinn abzuwischen.“

Alexia lachte. „Idiot.“ Sie schleuderte ihm spielerisch das rote Handtuch um die Ohren und ließ sich dann auf die Strandliege fallen. „Das ist nur Schweiß. Ich bin es einfach nicht gewohnt, dass es in der zweiten Septemberwoche noch so heiß ist.“

Und auch nicht, dass dermaßen heiße Typen direkt vor meiner Nase herumspazieren, ergänzte sie im Stillen.

„Klar. Es liegt an der Hitze.“ Der Sarkasmus in Michaels Worten war nicht zu überhören. „Hast du nicht eine Beziehung?“

Alexia machte eine wegwischende Handbewegung. Selbst wenn sie in einer Beziehung gewesen wäre – was sie nicht war, Edward war nur ein netter Kollege, mit dem sie ein paar Mal ausgegangen war –, hinschauen war erlaubt.

„Beziehung würde ich das nicht nennen“, sagte sie. „Wir beschnuppern uns.“ Seit drei Monaten versuchte sie sich einzureden, dass Edward der richtige Mann für sie sei. Irgendetwas in ihr aber sträubte sich, so gern sie auch eine Beziehung eingegangen wäre. Sie suchte nach mehr. Nach jemand Besonderem. „Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, was das zwischen uns ist.“

Michael musterte sie über den Rand seiner Sonnenbrille hinweg. Seine Augen waren von dem gleichen samtig dunklen Braun wie Alexias.

„Du bist für diesen Typen ans andere Ende des Landes gezogen. Für mich klingt das nach einer Beziehung.“

Alexia ließ den Blick wieder zurück zum Meer wandern. Von dem Schwimmer war nicht mehr zu sehen als die Spitze seines Ellenbogens. Und doch erregte schon das Alexia mehr als die Vorstellung, Edward vollkommen nackt vor sich zu sehen.

Sie seufzte leise. Genau da lag das Problem. Sie und Edward passten hervorragend zusammen. Sie hatten sich an der Universität kennengelernt, als Edward einen Lehrauftrag für Psychoakustik innegehabt hatte. Alexia war eine seiner Studentinnen gewesen, und Edward war für sie noch immer einer der begabtesten und großartigsten Wissenschaftler auf seinem Gebiet. Sie verstanden sich blendend, und ihnen ging niemals der Gesprächsstoff aus. Doch Alexia fühlte sich in keiner Weise sexuell von Edward angezogen, und eine Beziehung ohne Sex konnte sie sich einfach nicht vorstellen. Sie wollte das Glühen, die Ekstase, das Gefühl, sich jemandem voll und ganz hinzugeben, ebenso wie gute Gespräche und einen liebevollen Umgang miteinander. Mit Edward war das undenkbar.

„Falsch“, sagte sie. „Ich bin quer durchs Land hierher gezogen weil es eine hervorragende Chance für meine berufliche Karriere ist. Diese Forschungsstelle ist unvergleichlich, Michael. Ich werde mit traumatisierten Menschen arbeiten und ihnen dabei helfen, mit modernen Psychotherapiemethoden wieder gesund zu werden. Aber nicht nur das. Ich werde auch in die Öffentlichkeitsarbeit eingebunden sein und das Programm bekannt machen.“

„Du bist eine Physikerin mit Schwerpunkt Akustik und einem Abschluss in Psychologie. Was hat das bitte schön mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu tun?“

Alexia verzog die Mundwinkel. „Wie wäre es mit ein bisschen mehr Begeisterung? Der Job ist wirklich großartig. Und er hat mich nach Kalifornien zurückgebracht. Ich dachte, das würde dich freuen. Was die PR-Kampagne angeht, so wollen die Investoren jemanden, der direkt in das Programm eingebunden ist. Ich bin einfach besser in diesen Kommunikationsdingen als Edward, und da die Forschung den Schwerpunkt ohnehin eher auf weibliche Missbrauchsopfer legt, ist eine Frau an der Spitze die beste Lösung.“

„Um es anders auszudrücken: Dr. Darling ist nicht so gut in Sachen Sex wie du?“

Alexias Lächeln erstarb. Michael hatte den wunden Punkt getroffen. Edward war ein hervorragender Wissenschaftler. Aber was war mit dem ganz realen Sex? Alexia war sich nicht sicher, ob Edward auch da würde punkten können.

„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht runterziehen“, sagte Michael. „Ich freue mich wirklich, dass du wieder hier bist. Und sobald du anfängst, in aller Öffentlichkeit ständig über Sex zu reden, bin ich wenigstens bei unseren Eltern aus dem Fokus heraus. Klingt doch gut, oder?“

Alexia wurde ernst. „Die beiden werden die Krise kriegen, oder?“

„Exakt.“

Alexia hatte schon als kleines Mädchen einige Dinge mit Sicherheit gewusst. Zum einen, dass sie anders war als andere. Sie war intelligenter und schneller. Und sie passte nirgendwo richtig dazu. Doch die wichtigste und schmerzlichste Erkenntnis war, dass ihr Vater sie niemals lieben würde.

Mit 13 hatte sie dann den Entschluss gefasst, nicht mehr überall die Streberin zu sein. Sie hatte die Schule geschwänzt, sich mit Fast Food und Zucker vollgestopft und alles versucht, um den inneren Schmerz zu betäuben. Doch bis heute war sie sich nicht sicher, ob ihr Vater es jemals auch nur mitbekommen hatte.

Mit 16 Jahren war sie schließlich betrunken und halb nackt von der Militärpolizei auf dem Stützpunkt aufgegriffen worden, mit einem dreizehn Jahre älteren Offizier. Ihr Vater war außer sich gewesen. Mit eisiger Stimme hatte er ihr prophezeit, dass, sollte sie noch ein einziges Mal über die Stränge schlagen, er sie aus dem Haus jagen und sie kein Mitglied seiner Familie mehr sein würde. Alexia hatte nur mit den Schultern gezuckt. Die Meinung ihres Vaters war ihr ohnehin längst egal gewesen. Und als hätte er genau das von ihr erwartet, war seine Antwort nur ein stummes Nicken.

Kurz darauf schickte er Michael auf eine Schule in Europa.

Ihren Bruder. Den einzigen Menschen, dem sie wirklich etwas bedeutete, der sie liebte und akzeptierte, wie sie eben war. Und aus dessen Leben ihr Vater sie am liebsten vollkommen verbannt hätte.

Ja. Der Admiral war furchterregend.

„Mach dir keine Sorgen“, sagte Michael leise, als wüsste er genau, was in ihr vorging. „Mom freut sich wahnsinnig, dass du wieder da bist. Und Vater wird sich auch daran gewöhnen. Dein Forschungsgebiet wird ihnen nicht gefallen, dafür aber umso mehr, dass du im Fernsehen auftreten und dich auf Millionärspartys herumtreiben wirst. Sie werden stolz auf dich sein.“

„Klar“, seufzte Alexia. „Solange ich nicht über Sex rede.“ Sosehr sie sich auch wünschte, unabhängig zu sein, ein Teil von ihr kämpfte noch immer verzweifelt um die Anerkennung ihrer Familie. Doch sie würde sich nicht verbiegen lassen. Auf gar keinen Fall.

„Eigentlich können sie einem leidtun, findest du nicht?“, sagte Michael. „Wir sind nicht gerade Vorzeigekinder. Um es ihnen leichter zu machen, versuche ich immer, so hetero wie möglich rüberzukommen.“

„Vielleicht konzentrieren sie sich ja auch mehr auf die Tatsache, dass durch meine Forschung Missbrauchsopfer eine Chance auf ein besseres Leben bekommen?“, wagte Alexia zu hoffen.

Michael runzelte die Stirn. „Vergiss es. Solange du in der Öffentlichkeit über Sex redest, werden sie sich auch genau darauf konzentrieren.“ Er machte eine wegwischende Handbewegung. „Aber genug davon. Wir werden es ihnen niemals recht machen. Mich interessiert viel mehr, was da tatsächlich zwischen dir und Dr. Darling läuft.“

„Sein Nachname ist Darshwin“, seufzte Alexia und griff nach der Sonnencreme. „Und, ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Edward ist großartig. Intelligent, charmant, wir können toll miteinander reden. Er spricht sogar über seine Gefühle. Ist das nicht toll? Was könnte es Besseres geben?“

„Na ja. Einen Mann, der dir Gefühle schenkt, über die du reden könntest“, erwiderte Michael ruhig.

Ja, dachte Alexia und seufzte erneut. Richtig.

„Seit wann bist du so ein Schlaumeier?“, fragte sie, während ihr einmal mehr auffiel, wie gut aussehend ihr Bruder war. Michael verdiente sein Geld als Model. Und er sah nicht aus wie jemand, der sich viele Gedanken machte. Doch er war nicht halb so oberflächlich, wie man auf den ersten Blick annehmen konnte.

„Süße, nur weil ich nicht so eine Intelligenzbestie wie du bin, heißt das nicht, dass ich mir keine interessanten Gedanken mache.“

Alexia lächelte. Es war gut gewesen, wieder nach Kalifornien zu ziehen. Michael und sie waren als Kinder unzertrennlich gewesen, und noch heute gab es diese tiefe geschwisterliche Verbundenheit zwischen ihnen. Es war gut, jemanden zu haben, auf den sie sich voll und ganz verlassen konnte.

Ihr Blick wanderte zurück zu dem fremden Mann, der gerade wieder aus dem Wasser kam. Das war definitiv ein Typ, der sie zum Träumen bringen konnte. Sein Körper war hinreißend, und er verströmte eine ruhige Kraft, die sie faszinierte. Es brachte nichts, sich etwas vorzumachen. Dieser Mann reizte sie. Und ihre Gedanken begannen zu wandern. Wie es wohl wäre, mit ihm …

„Ich weiß, ich bin nicht immer mit dir einer Meinung“, sagte Michael in diesem Moment. „Aber dieser Typ ist definitiv ein Hingucker.“

„Geht so“, versuchte Alexia ihr Interesse herunterzuspielen. Dabei fühlte sie sich, als würde sie wie Wachs in der Sonne zerschmelzen, während sie den Fremden einfach nur ansah.

„Geht so? Mehr nicht?“ Michael schüttelte den Kopf. „Was hat New York dir angetan? Du solltest schon längst auf dem Weg sein und rausfinden, wer dieser Typ ist!“

„Wie war das? Ich bin doch in einer Beziehung.“

„Du bist dir nicht sicher, ob es eine Beziehung ist.“

„Dann sollte ich das herausfinden, nicht wahr? Und zwar bevor ich so was Verrücktes mache, wie mich an wildfremde Männer ranzuschmeißen, nur weil ich sie ausgesprochen attraktiv finde, oder?“

„Attraktivität ist ein sehr guter Grund“, entgegnete Michael. Dann hob er eine Braue. „Aber vielleicht ist er ja auch einfach nicht dein Typ.“

„Und ich glaube nicht, dass er ein Typ für dich ist“, erwiderte Alexia lachend. Allein der Gedanke, dass dieses Prachtexemplar, bei dem sie sofort an ihre 10 Lieblingsstellungen aus dem Kamasutra denken musste, schwul sein könnte, war fürchterlich. Das wäre Verrat an allen Frauen dieser Welt!

„Finden wir es heraus“, sagte Michael grinsend, während der Fremde näher kam. Alexia war sich nicht sicher, ob es daran lag, dass er sein Handtuch und seine Sachen in ihrer Nähe abgelegt hatte, oder ob er nicht doch die feinen telepathischen Signale empfangen hatte, die sie in seine Richtung aussandte.

„Michael“, zischte sie nervös und wünschte sich auf einmal, einfach so im Erdboden zu versinken. „Wage es nicht …“

Doch Michael hatte sich schon geschmeidig erhoben. „Entschuldigung!“, rief er in Richtung des fremden Mannes.

Dieser wandte sich zu ihnen um. Der Blick aus seinen dunkelblauen Augen wanderte von Michael zu Alexia hinüber. Sie spürte ein feines Beben in sich aufsteigen. Und die Welt schien plötzlich stillzustehen.

„Ich bin Michael“, sagte ihr Bruder und streckte dem Fremden die Hand hin. „Und das ist meine Schwester Alexia.“

„Blake“, antwortete der Mann leise, und in seinem Tonfall nahm Alexia ganz fein den Klang der Südstaaten wahr.

„Wir haben uns gefragt, ob Sie uns kurz Gesellschaft leisten möchten“, sagte Michael und zog eine Flasche Wasser aus der Kühlbox. „Sie könnten dabei helfen, eine Grundsatzfrage zu klären.“

Blake musterte den jungen Mann, der ihn angesprochen hatte, nur flüchtig. Viel zu sehr nahm ihn dessen Begleiterin gefangen. Eine hinreißende junge Frau mit dunkelroten Locken und sonnengebräunter Haut. Zu jeder anderen Zeit hätte er sich über das Angebot, ihr Gesellschaft zu leisten, gefreut. Doch nicht jetzt. Fast zwei Wochen Urlaub lagen hinter ihm, und statt sich besser zu fühlen, ging es ihm von Tag zu Tag schlechter. Er wohnte in Cades Appartement, und die Tatsache, dass Cade nach einigen Tagen bei seiner Familie in einer schauderhaften Stimmung war, machte es nicht leichter. Deshalb hatte beschlossen, den Nachmittag am Strand zu verbringen. Doch selbst die Sonne und das Meer konnten seine Trauer um Phil nicht überdecken. Das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, war oberflächlicher Small Talk.

Denk dir einfach irgendeine Ausrede aus und geh, dachte er.

Doch da waren die Worte schon aus seinem Mund geflohen: „Was für eine Grundsatzdiskussion?“

„Alexia ist der Meinung, zu einem guten Date gehört ein gemeinsames Essen und ein guter Film“, sagte der junge Mann, schob seine Sonnenbrille hoch und rollte mit den Augen. „Langweilig, oder? Ich persönlich bin eher für Tanzen im Club. Wofür sind Sie zu haben?“

Blake hatte die Wasserflasche gerade an die Lippen gesetzt und hielt mitten in der Bewegung inne. Flirtete dieser Typ ihn an?

Er unterdrückte ein Lachen und tauschte einen Blick mit der rothaarigen Schönheit. Sie lächelte ihm zu, und plötzlich erschien es Blake, als würde er aus einem tiefen schwarzen Loch wieder auftauchen, von dem er nicht einmal gewusst hatte, dass er hineingefallen war.

„Ich mag beides“, sagte Blake. „Essengehen und Tanzen. Ich bin der traditionelle Typ.“

„Ah.“ Der junge Mann lächelte und wirkte in keiner Weise gekränkt. Doch sein Nicken zeigte Blake, dass er verstanden hatte – aus ihnen konnte nichts werden. „Dann ist es also ein Unentschieden.“

„Sie müssen Michael verzeihen. Er hält viel von ‚Wer nicht wagt, der nicht gewinnt‘.“

„Eine gute Einstellung“, gab Blake zurück und musterte die Frau genauer. Sie war nicht im üblichen Sinne schön, aber ihre Ausstrahlung faszinierte ihn. Es war, als umgebe sie ein sonniges Lächeln, und das Funkeln in ihren Augen war verführerisch.

Ein zierliches Rosentattoo rankte sich über ihre Schulter und den Oberarm, und ihr Körper war weiblich, aber trotzdem durchtrainiert. Blake spürte ein plötzlich aufwallendes Verlangen in sich. Ein Gefühl, das er schon fast vergessen hatte. Und plötzlich wusste er, dass er diese Frau wiedersehen wollte, koste es, was es wolle.

Sein ganzes Leben lang hatte Blake sich strikt an Regeln gehalten. Seine Karriere fußte darauf, dass er Anweisungen befolgte und sich voll und ganz ins Team einbrachte. Eine Erinnerung schoss ihm durch den Kopf. Phils breites Lachen, kurz bevor ein Granatsplitter sein Leben ausgelöscht hatte. Und wieder kroch die Dunkelheit zurück ins Blakes Herz.

Er richtete den Blick auf das Meer und versuchte, sich zu beruhigen. Phil hatte sich auch immer an die Regeln gehalten. Und trotzdem hatte er sein Leben verloren.

Die junge Frau, die dort im Sand saß und ihn anlächelte, wirkte nicht wie jemand, der sich besonders viel um Regeln kümmerte. Und vielleicht war es genau das, was er im Moment brauchte?

Er spürte, wie jeder Millimeter seines Körpers sich nach dieser Unbekannten verzehrte. Der Anblick ihrer golden schimmernden Haut, der sanfte Schwung ihrer Hüften – es raubte ihm fast den Atem. Und zum ersten Mal seit Wochen fühlte er sich lebendig.

Nein. Er konnte es sich nicht erlauben, sich auf eine Affäre einzulassen. Das würde ihn noch mehr aus der Bahn werfen. Was er brauchte, war ein neuer Auftrag. Und die Rückkehr in sein geregeltes Leben. Er hatte Schlimmeres durchgestanden, als einfach nur auf eine hinreißende Frau zu verzichten.

„Danke für das Wasser“, sagte er und lächelte den Geschwistern kurz zu. „Ich muss jetzt gehen.“

Doch schon während er sich umdrehte, bereute er die Entscheidung.

2. KAPITEL

„Edward, ich muss mit dir reden“, sagte Alexia mit gedämpfter Stimme, als sie abends gemeinsam in einem Restaurant saßen. „Glaub mir, ich habe wirklich lange darüber nachgedacht.“

Ja, das hatte sie. Und das Gespräch mit Michael hatte den Ausschlag gegeben. Oder doch die Begegnung mit dem sexy Fremden? Was genau der Auslöser gewesen war, konnte sie nicht sagen. Doch sie wusste, sie musste einige Dinge klären, bevor sie in der kommenden Woche ihren neuen Job antrat.

„Glaub mir, du bedeutest mir sehr viel“, begann sie. „Ich schätze unsere Freundschaft sehr. Aber ich glaube nicht, dass wir versuchen sollten, mehr daraus zu machen.“

Sie hielt den Atem an, während sie auf Edwards Reaktion wartete. Er lächelte sanft und nahm einen Schluck Wasser, als würde er Zeit zum Nachdenken gewinnen wollen. Für einen Moment hörte man nichts als die Gespräche der anderen Restaurantgäste und das leise Klappern von Geschirr im Hintergrund.

„Ich bin mir sicher, dass wir das hinbekommen“, sagte Edward dann. „Es ist normal, dass man ein wenig Angst bekommt, bevor man sich auf eine neue Beziehung einlässt. Du solltest dich davon nicht irritieren lassen.“

Nein. Nervosität war normal. Aufregung. Und Vorfreude. Und die kleine Unsicherheit beim Gedanken daran, ob er sie nackt sehen wollen würde. Ob er offen war für verrückte Experimente im Bett. Aber dieses fade und fast gelangweilte Gefühl, das war mit Sicherheit nicht normal!

Wie sollte sie es ihm nur beibringen? Das Letzte, was Alexia wollte, war Edward verletzen. Doch die Begegnung mit Blake am Strand hatte alles verändert. Ihr war klar geworden, dass sie sich eine Beziehung, wie sie sie mit Edward erwartete, nicht vorstellen konnte. Sie wollte dieses erregte Prickeln spüren, Funkenflug, Verlangen und Lust. Es hätte nicht viel gefehlt, und sie wäre Blake quer über den Strand nachgejagt. Alles nur, weil er Gefühle in ihr auslöste, die Edward niemals würde auslösen können.

Verdammt, Blake hatte sie so heiß gemacht und eine sexuelle Lust in ihr geweckt, dass sie unter der Dusche zwei Mal gekommen war, als sie sich auf dieses Dinner vorbereitet hatte. Es gab einfach keinen Zweifel mehr, dass sie und Edward niemals ein Paar werden würden.

Edward schien das nicht zu verstehen. Er ignorierte, was er nicht sehen wollte, und meistens kam er damit durch. Doch dieses Mal würde es nicht funktionieren.

„Süße, wir haben doch eine tolle Zeit zusammen“, sagte er und lächelte. Seine strahlend weißen Zähne blitzten, und das Licht funkelte auf seinen blonden Haaren. „Wir passen perfekt zusammen. Unsere Ziele, unsere Werte, alles, was uns wichtig ist. Und darum geht es doch, oder?“

Alexia verzog die Mundwinkel. Irgendwie hatte er recht. Ja. Sie hatten eine gute Zeit. Aber das reichte einfach nicht!

Sie schob den Teller zur Seite und griff über den Tisch nach seiner Hand. „Das stimmt“, sagte sie leise. „All das sind Dinge, die für eine wirklich großartige Freundschaft wichtig sind. Aber nicht für eine …“

Sie brach ab. Sie konnte es einfach nicht sagen. Rasch griff sie nach ihrem Cocktail und nahm einen tiefen Schluck. Wie sagte man jemandem, dass man einfach null Interesse an ihm hatte? Sexuell? Sie war kurz davor, einen Job anzutreten, in dem sie offen über Sexualität reden musste. Wieso war es jetzt nur so schwierig? Wie sollte sie mit traumatisierten Missbrauchsopfern arbeiten, wenn sie nicht einmal über ihre eigenen Bedürfnisse offen reden konnte?

„Hör zu“, sagte Edward und schloss seine Finger fester um ihre. „Ich weiß, was du meinst. Du glaubst, es müsste dieses mysteriöse Prickeln zwischen zwei Menschen geben, damit eine Beziehung funktionieren kann. Und das fehlt zwischen uns.“

Richtig. Er hatte es erfasst. „Und du glaubst nicht, dass es dieses Prickeln braucht?“

Alexia hatte genug im Bereich Sexualforschung gearbeitet, um zu wissen, dass es Männer gab, die einfach kein Interesse an Sex hatten. Aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass Edward in diese Kategorie gehörte. Wenn es so wäre, dann würde er doch als Erster versuchen, es zu ändern, oder etwa nicht? Und wenn er sein eigenes Versuchskaninchen wäre!

„Menschen finden sich anziehend, weil das unser Fortleben gewährleistet“, sagte Alexia und entspannte sich augenblicklich, weil das Gespräch nun wissenschaftlichen Boden betrat. Das war etwas anderes, als persönliche Bedürfnisse zu besprechen. „Du weißt, was die Statistik sagt? Beziehungen ohne sexuelle Anziehung haben wenig Chance auf Bestand.“

„Und Beziehungen, die allein auf sexueller Anziehung beruhen, haben noch weniger Chancen. Sie sind intensiv und heiß – und sie verglühen schneller, als man bis drei zählen kann.“ Edward lehnte sich vor. „Es ist wirklich schlauer, eine Beziehung auf gemeinsamen Interessen aufzubauen. Auf Freundschaft und Verständnis. Das ist viel aussichtsreicher als ein paar überbordende Orgasmen.“

Alexia schwieg unschlüssig. Sie wusste, es war richtig, was er sagte. Warum nur fühlte es sich dann so fade an?

„Wir sind beide Wissenschaftler, die sich auf die Sexualität des Menschen spezialisiert haben“, fuhr Edward fort. „Und wenn wir beide es tun, dann wissen wir, dass wir es mit allem Verständnis tun, das man für dieses Thema haben kann. Wir kennen uns mit Sex aus. Wir wissen alles darüber. Und so sollte es sein, oder nicht?“

Wow. Was für ein Bettgeflüster. Wirklich atemberaubend sexy …

Alexia konnte gerade noch ein Schmunzeln verhindern, das Edward bestimmt falsch – oder noch schlimmer: richtig – verstanden hätte. Sie atmete tief durch. Dann nahm sie einen weiteren Schluck von ihrem Cocktail. War das die Art von Beziehung, die sie führen wollte? Nein. Wirklich nicht.

Edward blickte sie fest an. „Denk darüber nach“, sagte er dann, ließ ihre Hand los und widmete sich wieder seinem Essen. „Und in der Zwischenzeit kommst du einfach hier an. Du richtest deine Wohnung ein, genießt das Wochenende. Vielleicht triffst du ein paar alte Freunde, das wäre doch nett. Und hattest du nicht von einer Familienfeier erzählt?“

„Ja“, presste Alexia heiser hervor. „Mein Vater geht in Rente. Und es gibt eine große Feier zu seinen Ehren.“ Ihr Magen krampfte sich zusammen. Das würde alles andere als spaßig werden, so viel wusste sie schon jetzt. Sie hob die Hand und bedeutete dem Kellner, dass sie noch einen Cocktail wünschte.

„Nimm dir einfach die Zeit, die du zum Nachdenken brauchst“, sagte Edward leise. Und er sah in diesem Moment so verständnisvoll aus, dass es Alexia in der Seele wehtat. Sie wusste bereits, dass sie ihre Meinung nicht ändern würde. Auch nicht in einigen Tagen. Oder Wochen.

Sie seufzte schwer. Doch Edwards Körpersprache zeigte ihr deutlich, dass jetzt nicht der richtige Moment war, um das Thema weiterzuführen. Sie mussten ein anderes Mal darüber reden. Alles andere wäre nicht fair. Und bei allem Zwischenmenschlichen war Edward noch immer ihr Boss. Das durfte sie nicht vergessen.

Ihre Gedanken wanderten zurück zu Blake, der so unfassbar sexy gewesen war, dass sie ihn einfach nicht mehr vergessen konnte. Allein sein knackiger Hintern in diesen Boxershorts war zum Anbeißen gewesen. Blake war ein Mann, der ihre Fantasie anregte und sie spüren ließ wie nie zuvor, dass sie eine Frau war. Alexia wusste, dass sie sich glücklich schätzen konnte, sich ihrer eigenen Sexualität so offen und erfüllend bewusst zu sein. Frauen, die missbraucht worden waren, blieb diese Selbstverständlichkeit oft versperrt. Umso wichtiger war ihre Arbeit, die dabei helfen konnte, ihnen den Weg zurück in ein normales Leben zu ermöglichen.

Alexia unterdrückte ein Lächeln. Zu ärgerlich, dass sie keine Gelegenheit bekommen hatte, Blakes wahre Qualitäten kennenzulernen. Sie hätte das unter Forschung verbuchen können. Oder einfach nur unter sagenhaft gutem Sex.

Keine zwei Stunden später stieg Alexia aus einem Taxi und ließ den Blick über die Strandpromenade schweifen. JR’s, ein Club direkt am Meer, zog sie wie magisch an. Sie hatte keine Lust gehabt, schon nach Hause zu fahren, und bei der Vorstellung, noch mehr Zeit mit Edward zu verbringen, der tat, als wäre alles in bester Ordnung, drehte sich ihr fast der Magen um. Nein, sie wollte tanzen. Und das JR’s war dafür der ideale Ort.

Sie kannte den Club noch von früher und wusste, dass sich hier viele örtliche Navy-Jungs herumtrieben. Das hatte einen entscheidenden Vorteil. Sobald irgendjemand ihr zu sehr auf die Pelle rückte, genügte es, den Namen ihres Vaters zu erwähnen, und sofort ließen alle respektvoll von ihr ab.

Und nicht zuletzt war ein Abend im JR’s absolut ungefährlich. Sie würde sich nie im Leben auf einen Soldaten einlassen. Alexia wusste aus ihrer Familie genug über das Militär. Und jeder Soldat stellte im Zweifelsfall den Dienst für sein Land über die Liebe. Sie wollte nicht das hübsche Mädchen im Hintergrund sein. Sie wollte einen Mann, mit dem sie auf Augenhöhe kommunizieren konnte. Und das war mit einem Soldaten einfach nicht möglich.

Nichts hatte sich hier verändert. Als sie das JR’s betrat, schlug ihr laute Musik entgegen, und die Hitze der tanzenden Körper in Verbindung mit dem aufblitzenden Stroboskoplicht nahm ihr kurz die Orientierung.

Alexia atmete tief durch. Vielleicht hätte sie doch einfach nach Hause fahren sollen. Doch sie wusste, dass sie keine Ruhe finden würden. Michael hatte an diesem Abend ein Date und war nicht verfügbar. Sie musste alleine klarkommen.

Noch immer spürte sie die sexuelle Erregung in sich, die sie seit der Begegnung mit Blake geflutet hatte. Nichts hatte diese Anspannung lösen können. Vielleicht war tanzen eine gute Idee.

Gerade als sie sich der Tanzfläche zuwenden wollte, fiel ihr Blick auf einen Mann an der Bar. Ihr Herzschlag beschleunigte sich.

Blake?

War er es wirklich?

Er trug eine Jeans und ein schlichtes T-Shirt, doch auch so sah er so umwerfend sexy aus, dass Alexia der Atem stockte. Dann musste sie lächeln. Was für ein Zufall … Das Schicksal schien es gut mit ihr zu meinen.

Blake schien nicht zu wissen, dass diese Bar bekannt dafür war, dass sie vorwiegend von Angehörigen der Navy besucht wurde. Was hieß, dass sich hier auch viele einsame Damen mit ganz eindeutigen Absichten tummelten. Ansonsten hätte es ihn wohl nicht so in Erstaunen versetzt, dass eine vollbusige Blondine gerade versuchte, sich mehr als eindeutig an ihn heranzumachen. Er konnte sie kaum abwehren.

Alexia biss sich auf die Unterlippe und unterdrückte ein Lachen. Ganz offensichtlich war diese Barbie nicht sein Typ. Er machte den Eindruck, als müsse er gerettet werden.

Langsam schlenderte sie zur Bar hinüber. Sie war nur noch wenige Schritte entfernt, als Blake sich zu ihr umdrehte und ihre Blicke sich trafen. Ein Funkeln trat in seine blauen Augen, und Alexias Herz begann wie rasend zu schlagen.

War es richtig, was sie hier tat? Sie hatte doch Gefühle für Edward! Es war kein Problem, bei einem Fremden, der sexy am Strand entlanglief, ins Schwärmen zu geraten. Doch irgendwie hatte sie das Gefühl, diese Schwärmerei könnte gefährlich werden. Und das war falsch! Sie wollte doch herausfinden, ob sie eine Zukunft mit Edward hatte. Das konnte sie nicht, solange Blake sie so unwiderstehlich ansah …

Andererseits konnte sie ihn auf keinen Fall dieser Barbiepuppe überlassen, die nicht lockerließ.

Rasch trat sie hinter Blake und legte einen Arm auf seine Schulter. Die Blondine musterte sie abschätzig unter langen falschen Wimpern hervor.

„Er ist mit mir zusammen hier“, sagte Alexia kühl, ohne die Frau aus den Augen zu lassen.

„Er trägt keinen Ring“, plärrte die Barbie zurück.

Alexia verzog keine Miene. Doch sie musste sich zusammenreißen, um nicht laut aufzustöhnen. Blakes Muskeln unter ihren Händen fühlten sich an wie Stahl. Und er sandte eine Hitze aus, die ihr den Atem raubte. Alexia beugte sich vor und küsste ihn sanft auf die Wange. Er roch nach Meer, nach Freiheit und nach Lust. Unwiderstehlich.

Blake fasste sie an der Taille und zog sie dichter an sich. Alexia zog scharf den Atem ein. Pures Verlangen durchfuhr sie und jagte ein erregtes Prickeln über ihre Haut. Blake saß auf dem Barhocker, und da sie selbst aufrecht stand, befand sich sein Kopf auf Höhe ihrer Schulter. Er hätte nur den Kopf ein wenig drehen müssen, um ihre hart aufgestellten Brustwarzen unter dem Stoff des Oberteils zu sehen … Oder sie mit den Lippen zu berühren …

Alexia zwang sich, die Gedanken zur Seite zu schieben. Doch sie konnte nicht verhindern, dass ein verlangendes Glühen sich zwischen ihren Schenkeln ausbreitete und ihr Slip feucht wurde.

„Wie ich eben sagte“, wiederholte sie so ruhig wie möglich. „Wir sind zusammen hier.“

„Alles klar“, entgegnete die Blondine und musterte sie abschätzig. Dann atmete sie zischend aus, schlang Blake die Arme um den Hals, zog ihn an sich und küsste ihn unvermittelt auf den Mund.

„Für den Fall, dass du dich anders entscheidest, ich bin noch eine Weile hier“, sagte sie, als sie sich wieder von ihm löste. Blake war so geschockt, dass er nichts erwidern konnte.

Alexia presste die Lippen zusammen. Am liebsten hätte sie sich die Frau geschnappt und auf der Stelle verprügelt. Wut war eine Emotion, die sie gut kannte. Zu gut vielleicht. Aber Eifersucht war ihr neu. Und in diesem Moment, als das merkwürdig nagende Gefühl tief in ihr aufstieg, beschloss sie, dass es ihr nicht gefiel.

Die Blondine verschwand widerwillig, und Alexia merkte, dass sie noch immer die Fäuste geballt hatte. Sie atmete tief durch und versuchte, sich zu entspannen. Zeitgleich löste sie sich von Blake. Diese Berührung war alles andere als entspannend. Und sie musste jetzt zumindest so tun, als hätte sie sich unter Kontrolle.

Mit zwei Schritten trat sie vor ihn und blickte ihn an.

„Danke“, sagte er und blickte kopfschüttelnd der Barbie hinterher. „Unglaublich. Sie hat einfach kein Nein akzeptiert.“

„Manche Menschen hören so etwas nicht“, entgegnete Alexia und unterdrückte es nur mit Mühe, ihr Gesicht in leidvoller Erinnerung an das Essen mit Edward zu verziehen. „Ich habe die meiste Zeit meines Lebens damit verbracht, Menschen dazu zu bringen, mein Nein zu hören. Oder mein Ja. Oder irgendwas von mir.“

Sie lachte, um die Angst zu überspielen, zu viel Privates mit einem fast Fremden geteilt zu haben. Doch Blake sah nicht aus, als wäre ihm ihr Gerede zu viel. Im Gegenteil. Sein Blick war offen und ehrlich interessiert.

„Auf mich wirkst du nicht gerade wie jemand, der sich nicht bemerkbar machen kann“, sagte er nun.

Alexia merkte, wie sie sich innerlich entspannte. Ganz offensichtlich hatte Blake kein Interesse daran, sie möglichst schnell wieder loszuwerden. Und das war gut. Sehr gut sogar. Sie lächelte. „Und du bist ein Meister der charmanten Worte, oder?“

Blake zuckte mit den Schultern. „Nicht wirklich. Das klingt nach einem Spiel. Und ich bin kein Spieler.“

Interessant … Wenn Alexia nicht schon längst Feuer gefangen hätte, dann wäre es jetzt der Fall gewesen. Blake war nicht der Typ für Spiele? Für was dann?

„Okay. Dann wirst du es in dieser Kneipe nicht leicht haben“, sagte Alexia. „Das JR’s ist berüchtigt für Leute, die auf interessante Spiele aus sind. Und ist es nicht so, dass wir alle ständig Spiele spielen? Immer und überall?“

Blake sah sich um und wirkte auf einmal merkwürdig verloren. So, als hätte er keine Ahnung, wie er überhaupt hergekommen war. Und was er hier sollte.

Alexia spürte, wie sich ihr Herz zusammenzog. Dieser Mann trug ein Geheimnis mit sich herum. Und es war diese Verletzlichkeit in seinem Blick, die sie fast dazu brachte, ihn in die Arme zu schließen und an sich zu ziehen.

Sie musste herausfinden, was mit ihm los war. Was ihn so verwundet hatte. Wenn sie es ansprach, würde er vielleicht darüber reden und ein wenig von der Last loslassen können.

In diesem Augenblick drängelte ein Mann von der Tanzfläche herüber zur Bar und schob Alexia dicht an Blake heran. Sofort spürte sie das Begehren wieder in sich aufflammen. Sie konnte es nicht mehr leugnen. Blake faszinierte sie, und ihr Körper reagierte sofort mit sehnsüchtiger Lust. Doch warum sollte sie sich dessen schämen? Sie war eine Frau, die das Leben und die Liebe zu genießen verstand und sich ihrer eigenen Sexualität bewusst war. Das bedeutete nicht, dass sie jedem Verlangen nachgeben musste.

Zumindest nicht sofort …

Blake musterte Alexia prüfend. Was sie gesagt hatte, gab ihm zu denken. Spielten tatsächlich alle ein Spiel? Nicht nur hier, in diesem Club, sondern alle Menschen? Ständig? Ein ganzes Leben lang? Wenn man es so betrachtete, befand auch er sich inmitten eines merkwürdigen Spiels.

Er hatte den ganzen Abend versucht, die Begegnung am Strand zu vergessen. Sich einzureden, dass Alexia nicht aufregend und sexy war und dass es ihm nichts ausmachte, diese Chance nicht genutzt zu haben.

Und jetzt stand sie plötzlich neben ihm und war noch umwerfender als in seiner Erinnerung. Sie hatte eine Ausstrahlung, die ihn fast umwarf. Sicher, stark, frei. Und so intensiv, dass er sich ihr kaum entziehen konnte.

Sein Blick wanderte über ihre roten Locken, den goldenen Schein ihrer Haut und über die hinreißenden Kurven, die ihre Figur unwiderstehlich machten. Sie trug ein türkisfarbenes Kleid, das jede Rundung hervorhob, und High Heels, die ihre langen schlanken Beine betonten. Und jeder Zentimeter von ihr war absolut umwerfend.

„Gut“, sagte Alexia nach einer langen Pause und wirkte dabei, als müsste sie sich aus einem Traum losreißen, der Blake sehr interessiert hätte. Kam er darin vor? Vielleicht sogar nackt?

Sie räusperte sich und lächelte. Freundlich, aber es sah nicht aus, als wäre sie in Flirtlaune. „Was hat dich in diesen Club verschlagen? Das scheint nicht dein gewohntes Umfeld zu sein.“

„Wie kommst du darauf?“

„Na ja“, sagte Alexia und deutete mit einer Hand in den Raum. „Das ist eine Kneipe für Soldaten und Seemänner. Fast nur Navy-Jungs hier.“

Blake runzelte die Stirn und nahm einen Schluck von seinem Bier. „Und du bist der Meinung, ich würde hier nicht hingehören?“

Das irritierte ihn. Er war am Tag nach der Schulprüfung der Navy beigetreten und hatte dort ein Zuhause gefunden. Einen Ort, an dem er sich wohlfühlte, und bei den SEALs eine Aufgabe, die ihn erfüllte. Blake konnte sich nicht vorstellen, in seinem Leben irgendetwas anderes zu machen.

„Ich weiß nicht recht“, antwortete Alexia und musterte ihn von oben bis unten. Er spürte den Blick ihrer dunkelbraunen Augen wie Feuer auf der Haut und musste sich zusammenreißen, um Alexia nicht merken zu lassen, wie stark er auf sie reagierte.

„Deinem Körper nach zu urteilen, könntest du bei der Navy sein, ja“, sagte sie, während ihr Blick einen Moment zu lange auf seiner Jeans verweilte. Blake schluckte schwer. Noch einige Sekunden länger, und sie würde sehr deutlich zu sehen bekommen, dass er ein Mann war …

„Aber dir fehlt die angeberische Art, die ich normalerweise von Navy-Typen kenne“, sagte sie schließlich und riss ihren Blick von ihm los.

„Angeberei, ja?“, antwortete er grinsend. „Bekommt man das bei der Navy zur Uniform dazu?“

Ihm gefiel der Gedanke, dass Alexia in ihm keinen Soldaten sah. Keinen Kämpfer, der schon so viel mitgemacht hatte. Niemanden, der geehrt worden war. Sie hatte nicht Lieutenant Landon vor sich. Nur einen gewöhnlichen Mann. Und das fühlte sich gut an.

„Nein“, sagte sie in diesem Moment. „Dieser Hang zur Angeberei ist angeboren. Zumindest glaube ich das. Eine Uniform kann ihn allerdings sehr verstärken.“

„Und du magst Uniformen?“ Es war mehr eine rhetorische Frage. Jede Frau stand auf Uniformen. Wieso sollte ausgerechnet Alexia eine Ausnahme bilden?

„Ich bin nicht gerade ein Fan davon, um ehrlich zu sein“, sagte sie kühl.

Blake, dem der Barmann gerade ein neues Bier gegeben hatte, erstarrte mitten in der Bewegung. Meint sie das ernst?

Als hätte sie seine Verwunderung gesehen, lächelte Alexia breit. „Versteh das bitte nicht falsch. Ich finde es bewundernswert, was unsere Soldatinnen und Soldaten im Einsatz leisten. Aber wenn es um Beziehungen geht, halte ich mich fern.“

„Beziehungen.“ Frauen benutzten dieses Wort für alles Mögliche, das sollte mich nicht irritieren, dachte Blake und merkte einmal mehr, dass ihm der Gedanken, Alexia könnte in ihm einfach nur einen Flirt sehen, nicht die Aussicht auf Sex mit einem Navy-Soldaten, extrem gut gefiel. Er hatte nicht vor, ihr die Wahrheit über seinen Beruf zu verraten.

Alexia lachte auf. „Ja, Beziehungen. Ich bin ein Fan von der Idee, dass es Beziehungen gibt.“

Blake runzelte die Stirn. Hieß das, sie wechselte ständig die Partner? Oder war sie in einer festen Beziehung, und das hier war gar kein Flirt? Es war schwer zu sagen.

„Die meisten Frauen hier“, ergänzte sie und deutete auf die tanzende Menge, „sind allerdings nur am Ziel interessiert. Nicht am Weg.“

„Und was ist das für ein Ziel?“

„Sie wollen sich einen Seemann angeln“, sagte Alexia und rückte ein Stück näher an ihn heran. Blake konnte die Hitze wahrnehmen, die von ihr ausging, und ihren Duft nach Sonne und Meer. Sexy.

„Manche suchen nur ein Abenteuer für eine Nacht“, fuhr sie fort. „Andere wollen jemanden fürs Leben.“

„Du bist zynisch“, sagte Blake lachend. „Und ich dachte immer, Frauen würden sich untereinander unterstützen.“

Alexias dunkle Augen funkelten. Sie lehnte sich noch ein Stückchen weiter zu ihm hinüber. „Glaub mir, wenn die blonde Barbie vorhin eine Freundin von mir gewesen wäre, hätte ich nicht eingegriffen. Allerdings siehst du aus, als könntest du jemanden an deiner Seite gut gebrauchen.“

Blake sah sie überrascht an – und bemerkte dann das Verständnis, das sich in ihren Augen spiegelte. Es war, als hätte sie ihm tief in die Seele geblickt und würde nun versuchen, den dort entdeckten Schmerz zu besänftigen.

Verflucht! Was war nur mit ihm los? Er war ein Mal in Gefangenschaft geraten und hatte seine Feinde in den Wahnsinn getrieben. Keine Emotion und keine Information hatten sie aus ihm herausgepresst, und heute reichten zwei Bier und eine Rothaarige, um ihm alles zu entlocken.

Blakes Gedanken rasten. Es gab drei Möglichkeiten. Entweder er stand auf und ging, bevor diese Frau auf die Idee kommen konnte, tiefer in seiner Seele zu bohren. Die zweite Möglichkeit war, seine Irritiation zuzugeben. Und sich so verletzlich zu machen. Nein, das kam nicht infrage. Also Möglichkeit drei: Er musste sie aus dem Konzept bringen.

„Und in welche Kategorie fällst du?“, fragte er und unterdrückte das Verlangen, einfach die Hand auszustrecken und mit ihren wunderschönen Locken zu spielen, die seidig glänzten.

„Ich denke nicht, dass man mich in eine Schublade stecken kann“, antwortete Alexia. „Und mir gefällt das auch nicht. Man wird zu leicht enttäuscht, wenn man alles und jeden mit einer Kategorie versieht. Denkst du nicht auch?“

Wunderschön, sexy und dann auch noch schlagfertig? Blake unterdrückte ein Seufzen. Solche Frauen sollte man möglichst schnell hinter sich lassen. Doch merkwürdigerweise schaffte er das bei Alexia nicht.

Aus dem Augenwinkel sah er, wie Cade und einige andere Kameraden den Club betraten. Spätestens jetzt würde Alexia mitbekommen, dass er Soldat war.

„Jeder lässt sich einordnen“, sagte er ruhig. „Die Frage ist nur, gehörst du zu den Frauen, die nach einem flüchtigen Abenteuer suchen? Oder wartest du auf den Mann fürs Leben? Und wenn Uniformen dich nicht interessieren, was tut es dann? Ein saftiges Bankkonto?“

Er nahm einen Schluck Bier und war sich sicher, dass er Alexia mit diesen Worten in die Flucht geschlagen hatte – und damit die aufregendste Begegnung seines Lebens. Doch merkwürdigerweise fühlte es sich nicht gut an. Gar nicht gut.

3. KAPITEL

Ein Funkeln glomm in Alexias Augen auf, und für einen Moment erwartete Blake, ihre geballte Faust in der Magengrube zu spüren. Doch etwas ganz anderes geschah.

„Gehen wir“, sagte Alexia und deutete mit einem lässigen Nicken zum Ausgang.

Blake runzelte die Stirn, nicht sicher, ob er sie richtig verstanden hatte. Dann schob Alexia sich so nah an ihm vorbei, dass ihr Körper den seinen streifte und er deutlich die Rundung ihrer Brüste unter dem feinen Stoff ihres Kleides wahrnehmen konnte.

Blake stöhnte leise auf. Er hätte sich nur ein wenig vorbeugen müssen, um sie zu küssen. Diese sinnlichen Lippen brachten seine Fantasie auf Touren. Und die fast unmerkliche Berührung zwischen ihm und Alexia war das Aufregendste, was er jemals gefühlt hatte. Wie heiße Glut jagte die Lust durch seinen Körper.

„Komm schon“, sagte sie und winkte ihn mit dem Zeigefinger zu sich.

Blake war so verblüfft, dass er ihr ohne ein weiteres Wort folgte.

„Ich bin draußen“, raunte er Cade zu, als er an ihm vorbeikam.

Cade musterte ihn kurz, dann glitt sein Blick zu Alexia hinüber, die schon an ihm vorbeigegangen war. Er hob die Brauen. „Wie ich sehe, nutzt du deine Zeit gut“, antwortete er grinsend.

Blake hielt es für besser, nicht zu antworten. Nur kurz dachte er daran, einfach bei seinen Kameraden zu bleiben, statt Alexia nach draußen zu folgen. Doch manchen Dingen musste man sich stellen. Alleine.

Als er aus der Tür trat, hüllte ihn die laue Luft der Sommernacht ein, und die plötzliche Stille nach der lauten Musik im Club tat ihm gut. Er wandte den Blick zur Seite.

Alexia stand einige Meter entfernt, die Hände in die Hüften gestemmt. In ihrem Blick lag ein wütendes Funkeln.

Blake schlenderte zu ihr hinüber und setzte sein charmantestes Lächeln auf. „Und jetzt? Wolltest du keine Zeugen dabeihaben, wenn du mich um die Ecke bringst?“

„Ich hatte nur das Gefühl, dass dir ein wenig frische Luft guttun würde“, entgegnete Alexia kühl. „Bevor das überschießende Testosteron dafür sorgt, dass du noch mehr Unsinn redest.“

Dann brach sie plötzlich in helles Gelächter aus.

Blake hob die Augenbrauen. Wo war ihr Ärger hin? Alexias Temperament war so wechselhaft, dass er ihr kaum folgen konnte. Und das war äußerst erregend, auch wenn er es sich nicht gerne eingestand. Seit Langem hatte er sich nicht mehr so lebendig gefühlt wie in ihrer Nähe. Sie hatte eine Lebensfreude in sich, die auf ihn abfärbte und ihn zugleich verunsicherte. Ganz kurz spielte er mit dem Autoschlüssel in seiner Tasche. Es wäre wahrscheinlich besser, möglichst schnell das Weite zu suchen. Doch er konnte es nicht.

„Oh, glaub nicht, dass ich es dir nicht übel nehme“, sagte sie schließlich. „Aber ich bin mir sicher, dass du genau wusstest, wie verletzend das ist, was du sagst. Und dass du einen Grund dafür hattest.“

Wie bitte? Alexias Worte trafen ihn wie ein Schlag.

Sie lächelte sanft. „Ich bin dir zu nahegekommen, oder?“, fragte sie leise. „Irgendetwas hat dich tief verletzt. Und nun komme ich, eine vollkommen Fremde, und stochere einfach so in deinem Seelenleben herum. Du musstest mich wegstoßen. Das ist eine ganz normale Reaktion.“

„Ist das dein Ernst?“

„Irritiert es dich, dass ich nicht ausgeflippt bin?“ Sie legte den Kopf schräg. „Man kann Frauen nicht einfach so in Schubladen einordnen.“

„Okaaaay“, sagte Blake gedehnt. „Ich schätze, das war der Punkt, an dem ich ins Straucheln gekommen bin.“ Plötzlich schien es gar nicht so abwegig zu sein, noch ein wenig mehr Zeit mit Alexia zu verbringen. Er wollte herausfinden, was hinter ihrer Fassade steckte. „Hast du Lust auf einen Spaziergang?“

Alexia musterte prüfend den kleinen Weg, der am Strand entlangführte. Normalerweise war es nicht klug, mit fremden Männern nächtliche Spaziergänge zu unternehmen. Aber am Strand war selbst jetzt noch genug los, um sich sicher zu fühlen. Alexia hob das Kinn und lächelte. „Ja. Habe ich.“

Als sie den Strand erreichten, blieb Alexia stehen und streifte sich die High Heels von den Füßen. Blake reichte ihr instinktiv die Hand, damit sie sich an ihm festhalten konnte. Die Berührung durchzuckte ihn wie ein elektrischer Schlag. Alexias Hand war feingliedrig und doch kraftvoll, dabei aber samtig weich. Es war die Art von Hand, von denen er sich wünschte, sie würde seine nackte Haut erkunden, den Reißverschluss seiner Jeans öffnen und sich ihm voll und ganz widmen. Selbstsicher. Verführerisch.

Verdammt. Er scheuchte die Gedanken fort, ließ Alexia los und trat einen Schritt zurück. Er musste auf sich aufpassen. Diese Frau konnte ihm wirklich gefährlich werden.

„Ziehst du deine Schuhe nicht aus?“, fragte sie.

„Nein.“ Rasch ging er weiter und merkte, wie der feine Sand in seine Sneakers rann. Egal. Hauptsache, er behielt so viel von seiner Kleidung an wie möglich.

Blake war kein Playboy wie Cade, aber er hatte in der Vergangenheit mehr als genug Erfahrung mit Frauen gesammelt, um zu wissen, was ihm gefährlich werden konnte. Und was er wollte. Drei Dinge waren wichtig, damit er sich auf eine Frau einließ.

Das Timing. Es machte einen Unterschied, ob er gerade von einem gefährlichen Auslandseinsatz zurückkam oder kurz davor war, eine neue Mission anzunehmen. Im letzten Fall hatte er immer eine perfekte Ausrede, um keine Verpflichtungen einzugehen.

Dann das Gefühl, dass die Funken sprühten. Viele von Blakes Kameraden stiegen mit jeder Frau ins Bett, die ihnen über den Weg lief. Blake war anders. Ihm ging es nicht darum, sein Selbstbewusstsein über solche billigen Mittel aufzubauen. Was er wollte, war dieses besondere Knistern. Er musste das Gefühl haben, dass leidenschaftliche Funken zwischen ihm und einer Frau sprühten. Nur dann machte Sex wirklich Spaß und war wild und intensiv.

Doch am allerwichtigsten war, ob die Frau eine feste Beziehung wollte oder nicht. Und ob er selbst sich das mit ihr vorstellen konnte.

Sein Blick wanderte zu Alexia hinüber. Sie lächelte versonnen, und sofort reagierte sein ganzer Körper auf sie. Er spürte die Erregung wachsen. Ja. Da war definitiv eine Menge aufregendes Prickeln zwischen ihnen. Funkenflug wie in einem Feuersturm. Nur die Frage des Timings machte ihm Sorgen. Und die Frage, welche Abgründe noch in Alexia verborgen lagen.

„Ich habe den Strand wirklich vermisst“, sagte sie in diesem Moment und blickte aufs Meer hinaus.

„Wo bist du gewesen?“

„In New York.“ Sie musterte ihn. „Hört man nicht an meinem Akzent, dass ich eigentlich aus Kalifornien komme?“

Blake wusste einiges über Sprachwissenschaften und beherrschte selbst Spanisch, Russisch und Arabisch fließend.

„Ich treffe viele Menschen aus unterschiedlichsten Gegenden“, sagte er. „Nein, du hast keinen Dialekt, an dem man dich erkennen könnte.“

„Bist du sicher? Wirklich nicht?“

Sie klang fast beleidigt, und Blake lächelte.

„Ich bin Experte, was das angeht“, sagte er. „Du kannst mir also glauben.“

Zum ersten Mal seit Phils Tod fühlte er sich irgendwie entspannt. Und genau deshalb beschloss er, ein wenig mehr von sich preiszugeben.

„Ich wette, du bist viel in der Welt herumgekommen, oder?“, fragte er deshalb. „Nicht nur in den USA. Laut deiner Aussprache warst du eine Weile in Europa. Und auch Asien würde ich vermuten.“

Alexia hielt mitten in der Bewegung inne und musterte ihn prüfend. „Hat Michael dir heimlich irgendetwas über mich erzählt?“

Blake lachte auf. Als Soldat auf einem Schiff gab es immer wieder Zeiten, in denen man vor Langeweile kaum wusste, wie man die Tage herumkriegen sollte. Deshalb hatte er ein geheimes Spiel entwickelt. Er versuchte herauszufinden, woher seine Kameraden kamen, indem er ihre Aussprache analysierte.

„Nein, dein Bruder hat mir nichts verraten“, sagte er. „Ich habe doch gesagt, ich bin ein Experte für Sprachen.“

„Und du scheinst clever zu sein“, antwortete Alexia lachend. „Hast du beruflich mit Sprachen zu tun?“

„Mehr oder weniger“, sagte Blake ausweichend. Er wollte jetzt nicht über seine Arbeit reden. Auf keinen Fall.

Er musterte Alexia. Sie wirkte so zufrieden mit sich selbst, als wäre sie in vollem Einklang mit ihrem Körper und ihrer Persönlichkeit. Wie es sich wohl anfühlte, so zu sein?

„Und du? Bist du Psychologin oder etwas in der Art?“

„Wie eben schon gesagt, du bist clever.“ Sie erreichten eine kleine Party am Strand und beobachteten, wie lachende Menschen sich in die nächtlichen Fluten des Meeres stürzten.

„Ich habe einen Abschluss in Psychologie, ja. Aber ich arbeite nicht in einer Praxis.“

„Was machst du dann?“

„Bis vor Kurzem habe ich in einem New Yorker Labor gearbeitet. Als Akustik-Physikerin.“

„Ernsthaft?“ Blake hob die Brauen. Eine Wissenschaftlerin also. Mit einem zusätzlichen Diplom in Psychologie. Ganz kurz spürte er einen Fluchtimpuls in sich aufsteigen.

„Ja, ernsthaft“, entgegnete sie lachend. „Das ist mein Spezialgebiet. Psychoakustik.“

Blake runzelte die Stirn. Was sollte das sein? Wirres Brabbeln? „Okay. Und was genau ist … Psychoakustik?“

„Wir wollen herausfinden, welche Auswirkungen Klänge auf die psychische und physische Verfassung des Menschen haben.“

„Forschung also.“

Alexia nickte. Dann heftete sie den Blick fest auf ihn. „Mein aktuelles Forschungsprojekt hat einen anderen Schwerpunkt. Es geht um Sexualität. Und wie moderne Therapiemethoden sich positiv auf die Sexualität auswirken können.“

Blake schluckte. Sex. Jetzt, wo das Wort gefallen war, fühlte er sich verwundbarer als jemals zuvor. Doch zugleich stieg eine verborgene Erregung in ihm auf. „Erzähl mir mehr darüber.“

Ein amüsiertes Funkeln trat in Alexias Blick. Es war klar, dass sie genau wusste, worüber er mehr erfahren wollte.

„Es geht um mehr als nur kleine Veränderungen. Wir arbeiten daran, mithilfe von psychoakustischen Mitteln das Unterbewusstsein so zu verändern, dass Menschen mit sexuellen Problemen wieder gesund werden können. Das ist vor allem für Opfer von sexuellem Missbrauch sehr wertvoll.“

Alexia leuchtete regelrecht vor Begeisterung, als sie über ihr Forschungsthema sprach. Blake registrierte es mit steigender Neugier.

„Du verbindest also Musik mit therapeutischer Arbeit?“

„Ja, könnte man so sagen. Es geht um mehr als das, aber im Prinzip hast du es erfasst.“

Blake konnte nichts davon leugnen. Allein der Klang von Alexias Stimme, dunkel und ein wenig rau, löste ein deutliches Verlangen in ihm aus. Schon wenn sie nur über ihren Job sprach.

„Und wie bist du von der reinen Klangforschung dazu gekommen?“, fragte er nach.

„Als ich meinen Abschluss in Psychologie gemacht habe, war ich eine Weile in einer Klinik für Missbrauchsopfer tätig“, sagte Alexia und starrte ernst auf das Meer hinaus. „Es war herzzerreißend. Ganze Leben wurden durch ein einziges furchtbares Ereignis zerstört, und egal, was wir versucht haben, um diesen Menschen zu helfen, sie haben dieses Trauma nie ganz überwinden können.“

Blakes Gedanken wanderten zu Phil. Zu dem Moment, bevor die Granatensplitter einschlugen. Er schluckte schwer. Alexia hatte recht. Manche Dinge konnte man einfach nicht vergessen.

„Ich langweile dich bestimmt, oder?“, fragte sie.

„Nein, im Gegenteil!“ Blake grinste. „Abgesehen davon, dass ich Frauen mit Köpfchen mag, gefällt es mir, wie engagiert du beim Thema Sex wirst.“

Alexia lächelte feinsinnige. „Guter Sex ist wohl das Beste, was einem passieren kann.“

„Und was ist mit schlechtem Sex?“

Ihr Lächeln wurde breiter, und in ihrem Blick lag so viel Wärme und Verständnis, dass es Blake fast den Atem raubte. Alexia war alles andere als oberflächlich. Sie schien jemand zu sein, der sich wirklich für Menschen interessierte. Und ihnen helfen wollte.

Mühsam riss er sich zusammen und deutete auf einige Felsen, die den Strand vom Meer abgrenzten. „Wollen wir uns setzen? Oder willst du lieber zurück?“

Alexia nahm ihre Unterlippe zwischen die Zähne, und Blake fühlte den fast unwiderstehlichen Impuls, diese Frau in seine Arme zu ziehen und einfach nur zu küssen. Doch er beherrschte sich. Wenn er jetzt zu schnell handelte, würde er mit Sicherheit alles verderben. Und plötzlich war ihm nichts wichtiger, als Alexia wiederzusehen.

„Ja, ein paar Minuten können wir noch bleiben“, sagte sie schließlich.

Während sie sich auf den Felsen setzte, fragte Blake sich kurz, was nun den Ausschlag gegeben hatte. Was hatte sie gedacht?

„Gut, ich weiß nun also, dass du deine Arbeit liebst“, sagte er und wandte sich ihr zu. „Was begeistert dich sonst noch?“

Alexias Gesicht wirkte plötzlich traurig. Als hätte er mit seinen Worten eine noch nicht verheilte Wunde wieder aufgerissen. Und da Blake sich selbst gerade fühlte, als wäre er eine einzige riesige Wunde, konnte er sich gut in Alexia hineinversetzen.

Sie blickte auf. In ihren Augen lag eine Intensität, die Blake so noch nie zuvor erlebt hatte.

„Ich habe sehr lange nur für meine Arbeit gelebt“, sagte sie leise. „Schon als Kind habe ich gelernt, dass es für viele Menschen nicht normal ist, wenn jemand sich mit einer so unbändigen Begeisterung in Dinge stürzt, wie ich es gerne tue. Deshalb habe ich mich zurückgezogen und ganz auf meine Karriere konzentriert.“

Blake nahm die Traurigkeit in ihren Worten wahr und hätte sich am liebsten dafür getreten, das Thema angesprochen zu haben. Er wollte Alexia nicht traurig machen!

Doch jetzt, wenn es ohnehin schon geschehen war – sollte er weiter nachfragen? Vielleicht konnte er ihr dabei helfen, die Schatten der Vergangenheit hinter sich zu lassen?

Bevor Blake länger darüber nachdenken konnte, hatte er Alexias Hand in seine genommen. Er spürte ein leichtes Zittern darin. Mit der anderen Hand fasste er Alexia sanft am Kinn und brachte sie dazu, ihn anzusehen.

„Man kann nicht immer nur arbeiten“, sagte er leise. „Du solltest diese Leidenschaft auch anders einbringen. Vielleicht brauchst du ein neues Hobby.“

Alexia lachte leise auf. Ein amüsiertes Funkeln blitze in ihrem Blick auf. Nicht ganz das, was Blake erwartet hatte.

„Hobbys sind prima“, antwortete sie. „Aber ich glaube, es gibt noch andere Dinge, in die ich mich leidenschaftlicher stürzen möchte.“

Und plötzlich schlug Blake das Herz bis zum Hals.

Sie steckte in Schwierigkeiten. In wirklich riesigen Schwierigkeiten!

Alexia kannte sich selbst zu gut, um die Zeichen nicht zu erkennen. Und sie wusste, sie sollte so schnell wie möglich Abstand gewinnen, bevor es zu spät war. Doch sie konnte nicht. Ihr Herz raste, und irgendwo tief in ihr schlummerte eine süße Vorfreude. Es war eine Mischung aus Lust, Angst und Hoffnung, die sich in ihr ausbreitete.

Es war nicht gut, sich auf Blake einzulassen, schließlich kannte sie ihn kaum. Doch alles in ihr wollte ihn. Ihre Brustwarzen stellten sich auf, als sie den verführerischen Duft seines Aftershaves wahrnahm, und eine angenehme Hitze breitete sich in ihren Schenkeln aus. Und dazwischen.

Die Bartstoppeln an seinem Kinn waren unwiderstehlich. Und sie war sich sicher, dass seine Küsse umwerfend schmeckten.

Sie musste schnellstmöglich gehen, bevor sie noch eine riesige Dummheit beging. Schließlich hatte sie Jahre darauf verwendet, sich Dummheiten abzugewöhnen. Und darauf war sie stolz. Warum nur flüsterte eine kleine Stimme in ihrem Kopf dann gerade, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, um sich doch noch einmal auf etwas Verrücktes einzulassen?

Blake rückte ein wenig näher an sie heran. Alexia sog scharf den Atem ein und spürte, wie ihr Herzschlag sich beschleunigte.

„Ich weiß, es geht viel zu schnell“, sagte er leise. „Aber ich muss dich einfach küssen.“

In Bruchteilen einer Sekunde lösten sich alle Zweifel in Luft auf. Zurück blieb nichts als eine Lust, die Alexias ganzen Körper durchströmte. Und als Blakes Lippen ihre berührten, vergaß sie alles um sich herum.

Sein Atem strich sanft über ihre Wange, und sein Kuss war ein süßes und zugleich prickelndes Versprechen. Als Blake mit den Fingerspitzen über Alexias Schulter strich, fühlte sie sich, als wäre sie direkt in ein Märchen hineingefallen. Sie hatte ihren Prinzen gefunden. Und er war unglaublich.

So unglaublich, dass sie mit jeder Faser ihres Körper auf ihn reagierte. Ein Beben lief durch sie hindurch, als seine Berührungen fordernder wurden, der Kuss tiefer, intensiver. Seine Fingerspitzen hinterließen samtig glühende Spuren auf ihrer Haut. Er wusste genau, was er wollte. Als er mit seinen Händen ihren Rücken hinabglitt und über ihre Seiten wanderte, ihren Brüsten entgegen, stockte ihr der Atem, und ihr Herz begann rasend zu schlagen.

Sie wollte Blake. So sehr. Wie sie niemals einen anderen Mann in ihrem Leben gewollt hatte. Sie wusste, dass sie mit Edward einen großartigen Menschen an ihrer Seite hatte, doch das genügte ihr nicht.

Alexia wollte mehr.

Sie wollte einen Mann, der ihr Nächte schenkte, die sie nie mehr vergaß. Der sie von einem Orgasmus in den nächsten führte, der sie in Höhen schickte, die sie nie zuvor erreicht hatte.

Und wenn es nur für ein einziges Mal war.

Alexia hielt den Atem an. Das war der Schlüssel! Eine einzige unvergessliche Nacht. Eine Nacht, in der sie mit Blake alles erleben konnte. Das würde genügen.

„Das hier ist vollkommen verrückt“, murmelte sie.

Blake nickte unmerklich und ließ seine Zungenspitze genüsslich über ihre Unterlippe gleiten. „Ja, das ist es. Aber es fühlt sich verdammt gut an.“

Ja, das tat es.

Alexia schlang die Arme um Blakes Nacken und ließ sich mit einem leisen Stöhnen in seine Umarmung sinken. Sein durchtrainierter Körper … Muskeln hart wie Stahl … Noch nie hatte sich jemand so gut angefühlt.

Urplötzlich löste sich Blake von ihr und musterte sie. Alexia spürte seinen Blick so intensiv auf sich, als würde er direkt in ihre Seele sehen. All die Dinge wahrnehmen, die sie sonst für sich behielt. Und alle ihre geheimen Sehnsüchte erkunden.

Ein feines Lächeln umspielte seine Mundwinkel, als hätte er gerade beschlossen, ihr genau diese Sehnsüchte zu erfüllen. Und Alexia zweifelte nicht daran, dass er es konnte.

Nie in ihrem Leben hatte sie sich mehr danach gesehnt, einen Menschen zu berühren. Seine Haut an ihrer zu spüren, immer näher, immer intensiver. Sie wollte ihn fühlen, ihn riechen, ihn schmecken. Sich Blake hingeben mit allem, was sie war. Eine einzige Nacht, in der sie gemeinsam alles auskosteten.

„Hast du jemals etwas so unglaublich stark gewollt und gewusst, dass es falsch ist?“, flüsterte sie und seufzte leise. „Kennst du das, wenn man sich nach etwas sehnt und doch sicher ist, dass man nicht einmal daran denken sollte?“

„Nein.“

Alexia lachte hilflos auf und legte ihre Stirn an Blakes starke Schulter.

„Aber ich weiß, wie es ist, jemanden so sehr zu wollen“, flüsterte er ihr ins Ohr. Seine Stimme war so leidenschaftlich, dass Alexia nicht anders konnte, als ihn anzusehen.

Blake streichelte über ihre Wangen und vergrub die Hände dann in ihrem dichten Haar. Er hielt sie fest, während er den Blick nicht eine Sekunde von ihr abwandte.

Alexias Herz machte einen Sprung. Die Art, wie er sie ansah, war hypnotisch. Unwiderstehlich. Das Mondlicht schimmerte auf seinen Wangenknochen, und für einen Moment glaubte Alexia, Blake wäre gar nicht real, sondern einer ihrer Fantasien entsprungen. Doch dafür fühlte es sich zu gut an. Er war da. Hier bei ihr. Und sie konnte für eine einzige Nacht aus ihrem Leben aussteigen und etwas Verrücktes wagen.

Später würde sie wieder in ihren Alltag zurückkehren. Es war ganz einfach.

Doch jetzt, jetzt wollte sie Blake und das besondere Prickeln zwischen ihnen.

All ihre Sinne schienen plötzlich bis aufs Äußerste geschärft zu sein, und eine nie gekannte Erregung flutete jeden Millimeter ihres Körpers. Sie konnte kaum glauben, was Blake in ihr auslöste, nur indem er sie fast unmerklich berührte.

„Sollten wir nicht darüber reden?“, flüsterte sie, ein letzter verzweifelter Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen. „Damit wir wissen, was wir hier überhaupt machen?“

„Baby, du kannst mir glauben, ich weiß sehr genau, was ich hier mache.“

Wie zum Beweis schenkte er ihr einen weiteren, noch atemberaubenderen Kuss, und ihre Zungenspitzen begannen ein aufregendes Spiel, das die Leidenschaft weiter und weiter entfachte.

Alexia grub ihre Finger in Blakes Schultern und vergaß alles um sich herum. Es hatte keinen Sinn zu diskutieren. Sie musste nicht immer alles verstehen, oder? Das, was ihre Körper erzählten, genügte vollkommen. Und es war besser als jede Diskussion der Welt.

4. KAPITEL

Blake war es gewohnt, immer und überall die Kontrolle zu behalten. Er war darauf trainiert. Doch was Alexia in ihm auslöste, war vollkommen anders als alles, was er jemals gekannt hatte. Sie brachte ihn dazu, seine schützende Hülle fallen zu lassen.

„Du fühlst dich so verdammt gut an“, flüsterte sie ihm ins Ohr, während ihre Hände bewundernd über seine muskulösen Arme strichen. „Stark. Und sexy.“

„Dabei hast du das Beste noch gar nicht gesehen“, sagte er leise lachend.

„Dann wird es Zeit“, antwortete sie. Es klang wie eine Herausforderung, der er sich nicht entziehen konnte. Sie drängte sich näher an ihn, und Blake stöhnte leise auf.

Alexia war eine Frau, die genau wusste, was sie wollte, und die sich nicht scheute, es einzufordern. Gab es etwas Aufregenderes als das? Sie sollten irgendwo hingehen, wo sie alleine waren.

Der Navy-Stützpunkt fiel aus, ebenso Cades Apartment. Ein Hotel erschien irgendwie billig. Blieb also nur Alexias Wohnung …

Sie lehnte sich dichter an ihn und er spürte die weiche Rundung ihrer Brüste und die hart aufgestellten Nippel, während sie zarte Küsse auf seine Wange hauchte. Als sie sein Ohr erreichte, stöhnte er auf.

Nein. Er würde nicht warten können. Er wollte sie jetzt. Sofort!

Er ließ den Blick über den Strand wandern. Die Gefahr, dass irgendjemand sie erwischen würde, war gering.

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