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Tiffany Hot & Sexy, Band 8

TAWNY WEBER

Seide, Sex und Schokolade

… stehen ganz oben auf Isabels erotischer Wunschliste! Wild, zärtlich und ein bisschen rau will sie mit dem attraktiven Dante ihre Fantasien ausleben. Aber sie muss vorsichtig sein: Ihr Körper darf ihm gehören, jederzeit und überall. Doch verlieben will Isabel sich auf keinen Fall in den sexy Rebellen in schwarzem Leder …

TORI CARRINGTON

Heiße Spiele um Mitternacht

„Ich brauch mal wieder einen netten Mann im Bett.“ Nina findet nichts dabei, Sex ohne die ganz große Liebe zu genießen. Und einer ihrer beiden Freunde Kevin und Patrick nimmt sie beim Wort. Aber bei dem heißen Spiel mit verbundenen Augen weiß Nina nicht, wer ihr anonymer Lover ist. Er entführt sie in den Himmel der Lust und raubt ihr dabei das Herz …

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… und führe mich in Versuchung

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Tawny Weber

Seide, Sex und Schokolade

PROLOG

Vor zehn Jahren

„Traust du dich, den schlimmsten Jungen auf der Western High zu küssen?“ Suzie grinste schadenfroh.

Isabel Santos wäre am liebsten weggelaufen. Sie sollte einen fremden Jungen küssen? Noch dazu einen Bad Boy?

„Du musst beweisen, dass du es mit uns aufnehmen kannst“, fuhr Suzie fort.

„So lautet die Regel“, erklärte Isabels beste Freundin Audra weich. „Wenn du zu den Wicked Chicks gehören willst, musst du eine solche Mutprobe bestehen.“

Isabel warf ihr einen Blick zu, der Unerschrockenheit demonstrieren sollte. Aber innerlich zitterte sie. Seit Audra diesem wilden Mädchenclub angehörte, fühlte Isabel sich ausgeschlossen. Dank ihrer überfürsorglichen Eltern ging sie jetzt auf eine Privatschule für Mädchen und sah ihre Freundin kaum noch. In letzter Zeit redete Audra ständig darüber, was die Wicked Chicks anstellten und mit wem sie sich vergnügten. Isabel war eigentlich nicht der Typ, der hinter Jungs her war und viel auf Partys ging, sondern hing lieber ihren Tagträumen nach. Aber sie wollte dazugehören. Also hatte sie ihre Eltern angelogen und war heimlich mit den Wicked Chicks auf diese Gartenparty gegangen.

„Ich kann eine Mutprobe bestehen.“ Isabel reckte das Kinn und streckte auch ihre Brüste heraus. Aber das Ergebnis war nur deprimierend. Im Vergleich zu den Chicks, die ihre beachtliche Oberweite durch tief ausgeschnittene Tops betonten, war sie eine Spätentwicklerin. Sie blickte um sich. Aus einem Ghettoblaster dröhnte Popmusik, und die Jugendlichen tanzten im Mondschein ausgelassen dazu. Ihr Blick fiel auf einen unappetitlichen Halbstarken in Leder und Ketten. Ja, sie konnte das tun. Schließlich war sie kein Kind mehr, sondern sechzehn Jahre alt. Sie hatte alles genau geplant. Wenn sie öfter mit ihrer besten Freundin zusammen sein wollte, musste sie Mitglied des Clubs werden. „Wer ist der schlimmste Junge?“

„Dante Luciano“, antworteten Audra, Suzie und die dritte im Bunde, Bea, im Chor.

Ihr wurde flau im Magen. O nein. Nicht Dante Luciano.Er hatte den schlechtesten Ruf weit und breit. Sogar Audra, die selbst als Teufelsbraten bekannt war, hatte Ehrfurcht vor all den Problemen, die er machte. Angeblich hatte er mehr Mädchen vernascht und Alkohol getrunken als ein ausgewachsener Rockstar, und sein Sündenregister reichte von Vandalismus bis hin zu Prügeleien. „Ich weiß nicht einmal, wie er aussieht.“

Audra deutete auf eine Gruppe von Jungen auf der anderen Seite des Rasens. „Der mit den Jeans und dem schwarzen T-Shirt ist es.“

Isabels Herz klopfte laut. Noch nie hatte sie jemanden gesehen, der so schön war. „Wow.“ Sie schnappte nach Luft.

Suzie und Bea lachten.

Er war groß, schlank, muskulös und erinnerte Isabel an einen griechischen Gott. Die schwarzen, lockigen Haare fielen ihm in die Stirn und bis auf die Schultern. Bislang kannte sie nur Jungen. Dante dagegen war offensichtlich ein Mann. Sie betrachtete seine gebräunten muskulösen Oberarme. Gerüchten zufolge arbeitete er nach der Schule für seinen Vater auf dem Bau. Wie würde es sich anfühlen, ihn zu berühren? Seine glatte Haut unter den Fingern zu spüren? Bei dieser Vorstellung stockte ihr der Atem. Sie hatte das ganze Theater nie verstanden, das um Sex gemacht wurde. Sicherlich waren manche Jungs wirklich niedlich. Aber sie überall berühren, küssen und ihre Haut schmecken zu wollen? Bis zu diesem Moment war ihr das unbegreiflich gewesen. Doch jetzt bekam sie eine Ahnung davon.

Aber was sollte sie zu ihm sagen? Wie sollte sie es anstellen, ihn zu küssen? Sollte sie sich ihm vorstellen und ihn um einen Kuss bitten? Oder ihn einfach küssen? Musste er den Kuss erwidern? Sie warf Audra einen panischen Blick zu.

Aber ihre Freundin zuckte nur die Achseln. „Du musst das nicht tun“, murmelte sie mitfühlend.

Doch, wenn sie zum Club gehören wollte, musste sie ihn küssen. Erneut betrachtete sie Dante, und ihr wurde seltsam heiß. Sie wollte ihn wirklich küssen. Plötzlich war die Mutprobe nur eine willkommene Ausrede dafür. Sie drückte Audra kurz die Hand und machte sich wie ferngesteuert auf den Weg zu ihm. Die ganze Szenerie kam ihr unwirklich vor. Dass sie Dante Luciano küssen musste, war das Einzige, an was sie dachte.

Doch dann kam ihr ein anderer Junge zuvor, und sie blieb stehen. „Hey, Kumpel. Du hast keinen Alkohol mehr da“, sagte er zu Dante.

Dieser zog einen Schlüssel aus seiner Hosentasche. „Hier, hol Nachschub aus dem Schrank von meinem Dad.“

Erst jetzt realisierte Isabel, dass die Party im Garten von Dantes Eltern stattfand. Er schreckte wirklich vor nichts zurück, und sogar seine tiefe und heisere Stimme klang sexy.

„Wirklich nett von deinem Vater, dass er so spendabel ist.“ Sein Kumpel grinste ironisch.

„Richtig.“ Dante grinste ebenfalls. „Morgen wirst du mir aus der Patsche helfen müssen.“

„Sieht ganz danach aus, als ob jemand auf dich wartet.“ Der Junge lachte.

Isabel brauchte einige Sekunden, um zu begreifen, dass sie gemeint war. Sie wurde rot, als die Jungen sie anstarrten, und hätte am liebsten die Flucht ergriffen. Doch Dantes Gesichtsausdruck ließ sie wie angewurzelt stehen bleiben. Sie nahm kaum wahr, dass sein Freund mit einem Grinsen das Feld räumte.

„Hallo.“ Dante verzog den Mund langsam zu einem Lächeln.

Für Isabel schrumpfte die Welt auf die Größe des Platzes, an dem sie stand. Sie schluckte. „Hallo.“ Ihr Herz raste. Als er sie näher zu sich winkte, unterdrückte sie ein hysterisches Kichern und trat direkt vor ihn. Zum ersten Mal konnte sie ihm in die Augen sehen. Sie waren grün und funkelten wie Smaragde. Dass sein Blick vom Alkohol etwas vernebelt zu sein schien, war ihr egal. Wenn sie nur wüsste, was sie sagen könnte.

Er strich ihr eine Haarsträhne zurück und ließ seine Finger dann über ihre Schulter wandern. Isabels Brustspitzen richteten sich auf, und eine seltsame, intensive Hitze breitete sich in ihr aus. Sie wusste nicht, was in ihrem Körper vorging, aber es fühlte sich auf verwirrende und beängstigende Weise gut an. Was sollte sie tun? Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.

„Als Gastgeber dieser kleinen Party …“, jetzt fuhr er mit der Hand durch ihre Haare, „… ist es meine Pflicht, dich willkommen zu heißen. Meine Mom besteht darauf, dass ich höflich bin.“ Und dann zog er sie an sich und küsste sie. Sie legte die Hände auf seine Brust und schnappte nach Luft, während er ihre Überraschung nutzte, um den Kuss zu vertiefen.

Angst und Vergnügen erfüllten Isabel, und in ihrem Kopf tauchten romantische Traumbilder einer Liebe auf, die beim ersten Kuss entbrannte. Sie war schon vorher geküsst worden, aber nie auf diese Weise. Es war die pure Magie. Sein Zungenspiel war sanft und süß, und sie spürte ein wildes, intensives Ziehen im Unterleib. Doch als er ihr die Hand auf die Brust legte, rang sie nach Atem und wich zurück.

Dante lachte. „Du bist richtig süß, Kleine, hm?“

„Das ist schlecht, nicht wahr?“, fragte sie zittrig. Sie hatte es vermasselt. Als sie von Gefühlen überwältigt wurde, die sie nicht verstand, stiegen ihr Tränen in die Augen.

Er lächelte ein wenig und strich dann mit dem Finger über den Träger ihres Tanktops. „Das ist nicht schlecht. Ich wette, dass du genauso süß schmeckst, wie du aussiehst … überall. Wie ein reifer, frisch gepflückter Pfirsich.“

Als sie sich vorstellte, wie er sie überall küssen und schmecken würde, starrte sie ihn, hin- und hergerissen zwischen Verlangen und Angst, an.

„Dante? Magst du tanzen?“, fragte ein rothaariges, stark geschminktes Mädchen neben ihnen, das ihre Hand aufreizend über ihren Hals, ihre Brüste und dann zu ihrer Hüfte wandern ließ.

„Süß“, wiederholte Dante und bedachte Isabel mit einem so heißen Blick, dass sie das Gefühl hatte dahinzuschmelzen. Er küsste sie sanft auf die Wange. „Aber ich lasse mich nicht mit süßen Mädchen ein.“

Als er eine Minute später mit der Rothaarigen eng umschlungen zu „As Long As You Love Me“ tanzte, blinzelte Isabel gegen die Tränen an. Dieses Mädchen wusste definitiv mit ihm umzugehen. Als sie die Hand auf seinen Po legte, wandte Isabel sich ab. Sie wollte – musste – sofort hier weg und sah sich nach Audra um, konnte sie aber nicht entdecken. Also eilte sie ins Haus.

An der Tür rannte sie ein Jugendlicher fast um. „Eltern! Polizei!“, rief er. „Lauft weg!“

Eine halbe Stunde später saß Isabel in Lucianos Wohnzimmer und hörte sich die Strafpredigt an, die ein Polizist ihr und einem Dutzend anderer Jugendlicher hielt. Das war definitiv schlimm. Ihre Eltern würden furchtbar enttäuscht von ihr sein. Sonst gab sie ihnen nie Anlass dazu. Sie war kurz davor, laut zu schluchzen. Verdammt, wie hatte sie sich nur in diese Situation bringen können? Sie gehörte nicht hierher. Ihre Reaktion auf Dante hatte das bewiesen. Sie war noch ein halbes Kind.

Suzie, die neben ihr saß, grinste sie unbekümmert an. Wie Dante und den meisten anderen war es Audra augenscheinlich noch gelungen zu entkommen. „Hey, du hast es geschafft. Du wirst verhört wie eine Wicked Chick.“

Isabel kämpfte mit den Tränen, als ihr klar wurde, dass sie kein schlimmes Mädchen sein wollte. Das Einzige, was sie jetzt wollte, war Dante Luciano.

1. KAPITEL

„Ich brauche einen richtigen Mann.“ Isabel Santos warf ihrer besten Freundin über den Tisch hinweg einen trübsinnigen Blick zu und sah sich dann in dem behaglichen italienischen Restaurant um. Um halb elf Uhr abends waren als einzige Männer nur noch zwei Kellner solo, die allerdings ganz offensichtlich etwas miteinander hatten. Außerdem gab es noch einen Aushilfskellner und den Koch, die Isabel jedoch ebenfalls von ihrer Liste der potenziellen Anwärter strich.

„Ich muss zugeben, dass ein Mann ein einfallsreicheres Geburtstagsgeschenk gewesen wäre als ein Nachthemd“, meinte Audra. „Aber ich war nicht sicher, welche Größe ich für dich aussuchen soll.“

Isabel kicherte. „Es ist nicht die Größe, die zählt, sondern die Qualität.“ Sie sprach die Worte besonders deutlich aus, weil ihr der Wein bereits zu Kopf gestiegen war. Sie hätte es wirklich bei einem Glas belassen sollen. Aber sie war so sauer, weil sie sitzen gelassen und zudem ein Jahr älter geworden war, dass sie sich ein zweites und dann ein drittes Glas bestellt hatte. „Ich brauche einen richtigen Mann. Einen heißen, sexy Mann, der weder Gespräche führen noch umsorgt oder verhätschelt werden will. Na, du weißt schon. Ein Tier im Bett.“ Audra Walker-Martinez, ihre älteste Freundin, war wahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt, dem sie das zu sagen wagte. Und die war eine Expertin, was heiße, sexy Männer anging.

„Ich bin sehr dafür, dass du dir einen heißen Mann angelst. Besonders jetzt, da du dieses Weichei abserviert hast. Aber vielleicht sollten wir warten, bis du …“

„Ich habe Lance nicht abserviert, sondern er mich“, unterbrach Isabel sie höhnisch und hob die Stimme. „Er war lausig im Bett. Aber ganz egal, wie oft ich mir sage, dass es kein Verlust ist, fühle ich mich immer noch ganz wund. Ich bin sechsundzwanzig, Audra. Die Jahre, in denen ich eigentlich meine Sexualität erforscht und meine wilden Fantasien ausgelebt haben sollte, sind vorbei. Ich kann es mir nicht leisten, länger zu warten.“ Sie wurde rot, als der Koch ihr einen missbilligenden Blick zuwarf und die Kellner grinsten.

Audra zog eine Augenbraue hoch. „Ich wollte gerade vorschlagen, dass wir warten, bis du nüchtern bist, bevor wir einen Männerplan schmieden. Aber wir können auch jetzt sofort damit anfangen.“

Zuerst kicherte Isabel über die absurde Idee. Doch dann dachte sie daran, dass sie bei allem, was sie sich im Leben vornahm, so vorging – spontan und ohne groß nachzudenken. Und die meisten ihrer Pläne hatten funktioniert. Also, warum nicht? „Ich will meine Fantasien ausleben.“ Sie nahm ihre Handtasche und holte ihr Notizbuch heraus. „Und da ich wenig Zeit habe, weil ich bald meinen Laden eröffnen will, sollte der Zeitrahmen dafür begrenzt sein.“ Sie zückte den Stift. „Okay, zuerst muss das Ziel definiert werden. Heißer Sex trifft es nicht ganz. Was meinst du? Eine sexuelle Affäre? Eine kurze Bettgeschichte?“ Sie sah, dass Audra das Gesicht verzog. „Was ist?“

Ihre Freundin zögerte. „Nun, das bist nicht du“, sagte sie schließlich. „Ich meine, die Sache mit dem Plan schon. Dir ein Ziel zu setzen und alles unter Kontrolle haben zu wollen. Aber eine vorübergehende, unverbindliche Sexaffäre ohne Gefühle? Da spielt der Wein wohl kräftig mit.“

„Nein. Schließlich hatte ich schon einmal eine Affäre.“

„Die war ein Fehlschlag, erinnerst du dich? Der Lügner war verheiratet und hatte es dir nicht gesagt. Du warst noch Monate danach ziemlich angeschlagen.“

Isabel versuchte den Einwand mit einem Achselzucken abzutun. Doch sie war tatsächlich sehr wütend gewesen und hatte sich betrogen gefühlt. Am meisten hatte sie sich allerdings über sich selbst geärgert. Sie hatte sich auf eine Romanze mit einem sexy Mann eingelassen und die Warnsignale ignoriert. Dass er verheiratet war, hatte sie schließlich von seiner Frau erfahren, die hoffte, dass sie und ihr Mann sich wieder zusammenraufen würden. Am schlimmsten war gewesen, dass der Schuft wegen seiner Lügen nicht einmal Gewissensbisse gehabt hatte. Er hatte geglaubt, tun zu können, was immer er wollte, solange er und seine Frau getrennt lebten. Für ihn hatte es keine Rolle gespielt, dass Isabel eine völlig andere Vorstellung von Freiheit hatte als er.

Aber das war vor zwei Jahren gewesen, bevor sie auf einem Wochenendseminar die Macht der Kontrolle entdeckt hatte. Das war für sie wie eine Offenbarung gewesen. Seitdem verfügte sie über das Rüstzeug, eine verantwortliche Unternehmerin mit einem soliden Geschäftsplan zu werden. Also, warum sollte sie dieselben Prinzipien nicht auch anwenden, um sich ein aufregendes Sexleben zu organisieren und dennoch die Kontrolle über ihr Leben zu behalten?

Wenn sie es sich jetzt überlegte, rührten die Probleme in ihren bisherigen Beziehungen – besonders in der mit Lance – höchstwahrscheinlich daher, dass sie ihr Liebesleben bislang dem Schicksal und dabei den Männern die Führung überlassen hatte. Oh, sicher hatte sie gehofft, dass Lance der Richtige wäre. Aber Hoffen war nicht Planen. Ihre genauen Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren und sich dann spezifische Ziele zu setzen war bestimmt die Erfolg versprechendere Strategie. „Ich will heißen Sex“, sagte sie entschlossen.

Der Aushilfskellner, der den Nebentisch abräumte, warf ihnen einen überraschten Blick zu. Als Audra ihm zuzwinkerte, errötete er und verdrückte sich.

Isabel verdrehte die Augen. Im Gegensatz zu Audra, die spontan flirten konnte, hatte sie noch nicht herausgefunden, wie sie die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Mannes erregen konnte. Oder was sie tun sollte, wenn sie einen Mann erst einmal so weit hatte. Sie machte sich zu viele Gedanken, dumm zu wirken oder zu versagen. Deshalb vermied sie es, spontan zu sein. Nicht, dass sie Komplexe hatte. Sie wusste, dass sie mit ihren schulterlangen dunklen Locken hübsch war.

Audra dagegen trug ihre schwarzen Haare mit den dunkelroten Spitzen kurz. Auch sonst unterschieden sie sich sehr. Ihre Freundin galt als wild und rebellisch und Isabel als süß und zurückhaltend. Dennoch waren sie sich ähnlicher, als die Leute glaubten. Nicht nur, was ihre Unsicherheiten anbelangte, sondern auch darin, mehr aus sich und ihrem Leben machen zu wollen. Audra arbeitete als Lingerie-Designerin, und Isabel, die als Floristin im Laden ihrer Eltern begonnen hatte, war kurz davor, ein eigenes innovatives Geschäft zu eröffnen, das sie zu einem Erfolg machen wollte.

Und jetzt würde sie dank eines klugen Plans auch noch ihr Liebesleben auf Vordermann bringen. „Ich bitte dich, hör auf, kleine Jungs zu erschrecken“, meinte sie, zitternd vor Ungeduld. Hilf mir lieber. Betrachte es als Geburtstagsgeschenk.“

„Ich habe dir ein Seidennachthemd geschenkt“, erwiderte Audra, nahm ihr aber das Notizbuch und den Stift aus den Händen.

„Ja, aber zusätzlich kannst du mir einen Mann schenken, für den ich das Nachthemd tragen kann. Dein Design verdient Publikum, richtig?“ Sie gestand sich ein, dass sie fast verzweifelt klang. Natürlich hatte sie Chancen beim anderen Geschlecht. Aber sie zog immer nette Männer an, die ihrem Aktienportfolio und ihrem Cholesterinwert mehr Aufmerksamkeit schenkten als fantastischem heißen Sex. Lance zum Beispiel sah gut aus, war gescheit und ehrgeizig. Aber der Sex mit ihm war nie ein Feuerwerk der Lust gewesen und hatte sie nicht wirklich zufriedengestellt.

„Geht in Ordnung.“ Audra schrieb ein paar Stichpunkte auf. „Du willst also heißen Sex. Was törnt dich an? Wovon fantasierst du?“

„Zuerst muss ich einige Regeln aufstellen“, erklärte Isabel.

Ihre Freundin verdrehte nur die Augen, schrieb aber dennoch die Zahlen eins bis drei auf.

„Nur drei?“

„Mehr gibt es nicht. Zu viele Regeln stehen dir nur im Weg.“ Audra hob fragend die Augenbraue.

„Erstens: Ich behalte die Kontrolle und habe das Sagen in der Beziehung.“

Ihre Freundin nickte und schrieb es auf. Dann formulierte sie selbst: „Zweitens: Wenn du dich einmal auf den Plan eingelassen hast, kannst du es dir nicht noch einmal überlegen. Alles oder nichts. Sonst kneifst du noch, bevor du richtig angefangen hast. Ich kenne dich.“

„Gut.“ Isabel überlegte einen Moment. „Drittens: Kein alberner Gedanke daran, sich zu verlieben – es geht nur um wilden, leidenschaftlichen Sex.“

„Das setzen wir voraus. Warum willst du dafür eine Regel verschwenden?“

„Weil ich denke, dass man sich sehr schnell in romantische Gefühle hineinsteigern kann, wenn der Sex mit dem richtigen Mann so toll und wundervoll ist. Genauso wie man sich schon beim ersten Kuss verlieben kann.“

„In Ordnung“, meinte Audra. „Dann lass uns zu deinen Fantasien kommen.“

„Ich will einen umwerfend sexy Mann“, erinnerte Isabel sie.

„So ein Mann wird dir nicht viel bringen, wenn er nicht die richtigen Knöpfe drückt. Und mit jedem Depp, der dir deine Fantasien erfüllt, kannst du den heißesten Sex deines Lebens haben.“

Nach kurzem Überlegen verwarf Isabel diese Theorie. Sie wollte einen sexy Mann und keinen talentierten Deppen. Dennoch war die Sache mit den Fantasien nicht von der Hand zu weisen. „Wie erstelle ich eine Fantasieliste?“

„Stell dir den sexiesten Mann vor, den du jemals gesehen hast. Ob tatsächlich oder im Film oder sonst irgendwo. Wer macht dich heiß, wenn du nur an ihn denkst?“

Da musste sie nicht lange überlegen. Sofort kam ihr ein Gesicht mit leuchtend grünen Augen in den Sinn, das von schwarzen Haaren umrahmt war. Und ein Körper zum Dahinschmelzen. Das war der sexieste Mann, dem sie jemals begegnet war. „Erinnerst du dich an Dante Luciano?“

„Nett“, meinte Audra ebenso anerkennend wie amüsiert. „Gegen Dante war ich ein Waisenkind.“ Und da sie einer der wildesten Teenager gewesen war, die jemals die Highschool im Ort besucht hatten, wollte das etwas heißen.

„Sein Vater erledigt den Geschäftsumbau für mich, weißt du?“ Nachdem Isabels Eltern in diesem Jahr in den Ruhestand gegangen waren, hatten sie ihr Geschäft und das dazugehörige Apartment verkauft und ihr dann das Geld für die Eröffnung ihres Ladens gegeben. Als neuen Geschäftsstandort hatte sie sich dieses reizende viktorianische Haus in der Main Street in Santa Vera ausgesucht. Das kleine Touristenstädtchen im Norden Kaliforniens war nur einige Kilometer von ihrer Heimatstadt Auburn entfernt, sodass sie viele der Stammkunden ihrer Eltern behalten konnte. Dennoch war es weit genug entfernt, um ihr das Gefühl zu geben, endlich auf eigenen Füßen zu stehen.

„Hattest du dich damals auf einer Party nicht kurz mit ihm unterhalten?“

Isabel zuckte nur die Achseln. Sie hatte nie mit Audra über diesen Abend geredet. Zuerst hatte sie drei Monate lang Hausarrest und Telefonverbot gehabt. Und danach hatte sie nicht hören wollen, dass sie sich Dante aus dem Kopf schlagen sollte, weil er in einer anderen Liga spielte.

„Nur gut, dass du damals nichts mit Dante angefangen hast.“ Audra lachte. „Er und sein Vater hatten große Probleme miteinander. Ich erinnere mich, dass er einige Male bei uns übernachtet hat, weil ihn sein Vater aus dem Haus geworfen hatte.“

Isabel runzelte die Stirn. Bislang war sie nie eifersüchtig auf den wilden Lebensstil ihrer Freundin gewesen. „Hast du jemals mit Dante … na, du weißt schon …“

Audra grinste vielsagend und zwinkerte ihr zu. Als Isabels Miene sich verfinsterte, lachte sie und schüttelte den Kopf. „Nein, mehr als ein Flirt ist da nie gelaufen. Dante war einige Jahre älter als ich und eng mit meinem Bruder befreundet. Als ich so weit war, seinem Standard zu entsprechen, hatte er die Stadt schon verlassen.“ Während Isabel erleichtert aufatmete, tippte Audra mit dem Stift auf den Notizblock. „Also, stell dir deinen Traummann vor, und lass deinen erotischen Fantasien freien Lauf. Welche soll er dir erfüllen?“

Erst sah sie ihre Freundin an. Dann bestellte sie sich noch ein Glas Wein.

Wer hätte gedacht, dass es so wehtut, ein Jahr älter zu werden, überlegte Isabel. Sie hatte einen Kater und zudem das ungute Gefühl, dass ein Desaster drohte. All ihre großen Pläne lagen ausgebreitet vor ihr auf dem Tisch. Konnte sie diese Vorhaben noch umsetzen? Mit der Renovierung des Ladens war sie jetzt eine Woche im Rückstand. Bei einer weiteren Woche Verzug konnte es passieren, dass es ihr nicht gelang, den Vertrag mit dem Stadtrat bezüglich des Frühlingsfestes zu erfüllen, den sie für einen erfolgreichen Geschäftsstart dringend brauchte.

In die Geschäftsidee hatte sie ihr gesamtes Geld, Jahre der Planung, ihre Träume und Hoffnungen investiert. Und jetzt lief sie Gefahr, all das zu verlieren, weil sich der Handwerker den Fuß gebrochen hatte. Ihre Eltern, die für sie ihr Blumengeschäft verkauft hatten, erwarteten, dass sie sich mit dem geplanten Blumen- und Geschenkeladen eine eigene Existenz aufbaute. Ich kann sie einfach nicht enttäuschen, dachte sie verzweifelt.

Isabel nahm ihr Notizbuch, um zu planen, wie sie die Renovierungsarbeiten doch noch rechtzeitig über die Bühne bringen könnte. Als sie die Seiten umblätterte, entdeckte sie die Fantasie-Liste und riss die Augen auf. O nein. Hatten Audra und sie tatsächlich einen Plan geschmiedet, um einen umwerfend sexy Mann für sie an Land zu ziehen? Sie überflog die Seiten und musste widerwillig lächeln. Dieser Männerplan war wirklich ausgezeichnet.

Regeln:

1. Die Kontrolle behalten.

2. Es ist verboten, es sich noch einmal anders zu überlegen oder abzuspringen.

3. Verlieben ist tabu.

Schritte:

Finde den perfekten Mann dafür.

Stelle sicher, dass Du Lust auf ihn hast. Prüfe, ob der Funke überspringt.

Halte Dich an folgende Reihenfolge: Baue die erotische Spannung auf. Setze Dir ein Zeitlimit. Zwei Wochen für eine Affäre sind ideal. Erinnere Dich an die dritte Regel.

Fantasien:

Heißer, sexy Kuss, der Dich zum Dahinschmelzen bringt.

Heiß, wild und ein wenig rau an einer Wand.

Langsamer, sexy Tanz, um ein Gefühl für die gemeinsamen Schwingungen und Bewegungen zu bekommen.

Intensive Leidenschaft an einem halb öffentlichen Ort.

Romantischer Sex wie aus einem Liebesroman inklusive eines Ritts auf einem weißen Pferd am Strand.

Die ganze Palette sexueller Genüsse, vervollständigt mit Schlagsahne, Erdbeeren und viel heißer Schokoladensoße.

Heiße Sexspiele in Dusche, Badewanne, Whirlpool.

Gefesselt und ausgeflippt – für zusätzlichen Kick Schokolade ins Spiel bringen.

Isabel kicherte. Richtig. Als wenn sie Zeit für so etwas hätte. Denn jetzt musste sie sich dringend um die Renovierung kümmern. Sie riss die Seiten aus dem Notizbuch und warf sie mit einem Grinsen auf den Schreibtisch, bevor sie die Telefonnummer ihres verhinderten Handwerkers wählte. „Mrs. Luciano? Hallo, Isabel Santos hier. Ich wollte mich erkundigen, wie es Mr. Luciano geht.“

Die nette ältere Lady berichtete ihr von der komplizierten Fraktur. Sie erzählte, wie sehr diese Einschränkung Mr. Luciano zu schaffen machte und von ihren Sorgen, dass sie dadurch Geschäftseinbußen erleiden könnten.

Danach war Isabel klar, dass sie es nicht über sich bringen würde, einfach aus dem Vertrag mit Mr. Luciano auszusteigen und einen neuen Handwerker zu engagieren. „Haben Sie eine Vorstellung, wie lange sich die Renovierung dadurch hinziehen kann?“ Sie wünschte, sie wäre eine harte Geschäftsfrau, die einfach auf der Einhaltung der vereinbarten Termine bestünde.

„Ich habe jemanden gefunden, der für ihn einspringt“, versicherte Mrs. Luciano.„Ein wunderbarer Tischler. Tatsächlich einer von Franks besten Mitarbeitern – auch wenn er selbst das nie zugeben würde. Er meinte, dass er direkt zu Ihnen kommt, um sich zuerst einen Eindruck von dem Job zu verschaffen. Danach werde ich ihm die schriftlichen Unterlagen geben.“

„Ich habe eine Kopie des Arbeitsplans und einen Entwurf der Renovierungsarbeiten hier und könnte beides für ihn ausdrucken. Das würde uns ein paar Zwischenschritte ersparen.“

„Wundervolle Idee. Dann wird Frank nicht erfahren … ich meine, dann muss er es nicht selbst tun. Je mehr Ruhe er bekommt, desto besser.“

Isabel runzelte die Stirn. „Mr. Luciano ist doch einverstanden mit seinem Ersatzmann, oder?“

„Keine Sorge. Das ist die perfekte Lösung. Luciano Construction verspricht, pünktlich Qualitätsarbeit abzuliefern. Ich bin sicher, dass der Rückstand schon sehr bald aufgeholt sein wird.“

Mit einem erleichterten Lächeln verabschiedete sich Isabel und wollte per Mausklick die erforderlichen Unterlagen ausdrucken lassen. Doch der Drucker meldete einen Papierstau. Sie fluchte, zog das Papier aus dem Gerät und wiederholte den Druckbefehl. Erneuter Papierstau. Also beugte sie sich über den Drucker, um der Sache auf den Grund zu gehen. Eine Minute später wich sie erschreckt zurück, denn das Gerät begann zu drucken, ohne dass sie das Papierausgabefach wieder richtig befestigt hatte. Schnell schnappte sie sich die bedruckten Papiere, bevor sie auf den Boden fielen, und legte sie auf den Schreibtisch.

Sie sah die erste Seite ihres Männerplans auf dem Boden liegen und hob sie auf. Bevor sie jedoch die zweite finden konnte, hörte sie draußen ein ohrenbetäubendes Motorengeräusch. Sie eilte zum Fenster und sah, wie eine riesige Harley vor ihrem Haus anhielt.

Nachdem der Fahrer den Motor ausgestellt hatte, war es plötzlich ganz still. In wenigen Sekunden schien er jedes Detail ihres Hauses und des Grundstücks in Augenschein genommen zu haben.

Aber hallo. Isabel grinste. Der Mann war umwerfend sexy und wurde ihr direkt vor die Tür geliefert. War eine ihrer Fantasien Wirklichkeit geworden? Oder hatte Audra ihr etwa ein verspätetes Geburtstagsgeschenk geschickt? Mit einem amüsierten Kichern ging sie hinaus auf die breite Veranda. Obwohl der Motorradhelm sein Gesicht und die schwarze Lederjacke seine Figur halb verdeckten, war er ganz offensichtlich ein Mann, bei dem Frauen weiche Knie bekamen. Isabel wurde plötzlich heiß.

Sie beobachtete, wie er vom Motorrad stieg und sich auf den Bürgersteig stellte. Langsam ging sie die Stufen hinunter. Lust ist vergänglich, sagte sie sich. Der Männerplan war schließlich nur ein Witz, eine verrückte Idee aus einer Weinlaune heraus gewesen. Als sie sich die sexuellen Fantasien in Erinnerung rief, realisierte sie, dass dieser Mann viel zu sexy, tough und groß für sie war. Bei der Vorstellung, wie groß er sein könnte, fächelte sie sich mit der Hand Luft zu.

Der Mann machte den Reißverschluss seiner Lederjacke auf, und Isabel verfolgte gebannt, wie er die Jacke auszog und seine muskulösen Arme entblößte. Nachdem er die Jacke auf den Sitz seiner Harley gelegt hatte, nahm er den Helm ab.

Ihr stockte der Atem. Schwarze, etwas längere Locken umrahmten ein Gesicht mit hohen Wangenknochen, einem markanten Kinn und intensiven grünen Augen, wie für die Sünde gemacht. Sie sah auf seinen Mund, den er zu einem leicht spöttischen Grinsen verzogen hatte, und wusste, dass er ihr gefährlich werden konnte, sehr gefährlich. Vor ihrem geistigen Auge sah sie ihn als Hauptdarsteller in jeder der sexuellen Fantasien ihres Männerplans. Er war der schärfste Mann, den sie jemals getroffen hatte, der Mann, nach dem sie völlig verrückt gewesen war: Dante Luciano, Bad Boy der Extraklasse.

Isabels Herz schien einen Schlag lang auszusetzen. Es ist unglaublich, aber er ist es, dachte sie und musterte ihn von oben bis unten. Er war groß, sexy und wirklich umwerfend. Am Ohr hatte er ein Piercing, auf dem Bizeps ein Ethno-Tattoo, und die Brust, die sich unter dem schwarzen T-Shirt abzeichnete, schien wie in Stein gemeißelt zu sein. Er war noch attraktiver geworden, was sie wirklich nicht für möglich gehalten hätte.

„Wie geht es Ihnen?“, fragte Dante.

Sogar seine tiefe Stimme war sexy, und der heisere Unterton ließ sie innerlich erbeben. Er wirkte ein bisschen gefährlich und ungeheuer verführerisch. Sie schluckte und räusperte sich. „Gut, danke.“ Irritiert darüber, dass ihr Puls immer noch raste, straffte sie die Schultern. Als er ihr kurz in die Augen und dann auf ihre Brüste schaute, hielt sie die Luft an. Obwohl das T-Shirt aus Seide ihre Kurven züchtig verhüllte, fühlte sich sein Blick wie eine Liebkosung an. Ihr wurde noch heißer.

„Sweet Scentsations in der Main Street, richtig? Ich bin Dante Luciano. Luciano Construction.“ Er sah Isabel jetzt wieder ins Gesicht, und seine hypnotischen Augen ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihm gefiel. „Ich hoffe, ich habe Sie nicht warten lassen. Mir wurde ausgerichtet, dass Sie eine Liste für mich haben, um die ich mich kümmern soll.“

Dante Luciano nahm die Frau, die ihn anstarrte, ausgiebig in Augenschein. Dunkle Locken umrahmten das zarte Gesicht mit den grauen Augen. Sie hatte eine zierliche, aber sehr weibliche Figur. Nicht übel. Aber noch besser war, dass er ihr zu gefallen schien. Ihr langer beigefarbener Rock aus fließendem Stoff und das einfache Oberteil in einem zarten Violett waren für seinen Geschmack etwas zu damenhaft. Doch seine Fantasie reichte aus, um sich vorzustellen, was sich unter der Unmenge von Stoff verbarg. Mit ihr zusammenzuarbeiten könnte sich als sehr süße Ablenkung herausstellen.

Wer hätte gedacht, dass Santa Vera solch nette Anblicke zu bieten hatte? Er versuchte das klaustrophobische Gefühl abzuschütteln, das ihn bei der Rückkehr in die Kleinstadt erfasst hatte. Santa Vera sorgte immer dafür, dass er sich sehr unbehaglich fühlte, wenn er hier war. Sobald er seiner Mutter den Gefallen getan hatte, würde er die Stadt so schnell wie möglich wieder verlassen. Er war sicher, dass die Einwohner hier froh über sein Verschwinden sein würden. „Isabel Santos?“

„Ich bin Isabel“, murmelte sie. „Woher wussten Sie von meiner Liste?“

Dante runzelte irritiert die Stirn. „Sylvia Luciano ist meine Mutter. Sie sagte mir, dass Sie einige Änderungen bei der geplanten Renovierung wünschen.“ Jetzt musterte die Frau ihn erneut, diesmal deutlich kühler. Offensichtlich hatte sie seinen Namen jetzt registriert. Er wusste nicht, ob er spöttisch grinsen oder seufzen sollte. War er selbst nach einem Jahrzehnt immer noch der Bad Boy Santa Veras? Eigentlich müssten die Leute nach all der Zeit doch über etwas anderes tratschen. Andererseits war er tatsächlich immer noch ziemlich wild.

„Ich habe nicht realisiert, dass Sie für Ihren Vater arbeiten.“

„Ich helfe nur vorübergehend aus.“

„Richtig. Kurzfristig. Klingt wie der perfekte Plan …“ Mit einem Mal wirkte sie fasziniert. Dante kam sich vor wie eine riesige Schachtel Pralinen, und er war sicher, dass er es sehr genießen würde, wenn sie die Leckereien kostete. Dann schien sie ihre Gedanken abzuschütteln und sagte: „Also arbeiten Sie jetzt für mich, hm?“

Als er mit den Achseln zuckte, setzte sie ein professionelles Gesicht auf. Dante zog eine Grimasse. Er hasste es, wenn Leute maskenhaft wurden. Normalerweise grinste er dann höhnisch und drehte sich weg. Doch Isabel weckte in ihm den Wunsch, sie dazu zu bringen, die Maske abzulegen. Das war merkwürdig, da er es sich normalerweise gern leicht machte. Wenn er damit anfing, eine Frau – egal, wie sexy sie war – zu etwas überreden zu wollen, endete das immer in einer Beziehung. Und die waren nie einfach.

Deshalb wusste er auch nicht, warum er Isabel sein charmantestes Lächeln schenkte. Dasjenige, das Frauen normalerweise dahinschmelzen ließ. Er beugte sich gerade so weit zu ihr, dass sie die Augen aufriss. Jetzt nahm er ihr sinnliches Parfum wahr. „Ich würde sagen, wir werden zusammenarbeiten – wenn Sie wissen, was ich meine.“ Er grinste und ging davon aus, dass sie empört und verklemmt reagieren würde. Stattdessen zuckten ihre Mundwinkel humorvoll.

„Wenn Sie glauben, dass ich von Nutzen bin, wenn es darum geht, eine Wand einzuziehen, werden Sie sehr enttäuscht sein. Ich habe viele Talente“, sie machte eine bedeutungsvolle Pause, die Dantes sexuelle Vorstellungskraft in Gang setzte, „aber Bauarbeiten stehen nicht auf der Liste.“

„Nein?“ Erneut ließ er den Blick über ihren Körper wandern, bevor er Isabel in die Augen schaute und ihr zuzwinkerte. „Und was steht auf Ihrer Liste?“

„Sie würden überrascht sein“, sagte sie mit einem leicht nervösen Lachen. „Ich schlage vor, dass wir uns für den Moment auf die Renovierung konzentrieren.“

Er sah sich in der Nachbarschaft um. Die Häuser, Geschäfte, der Bürgersteig – alles wirkte idyllisch, malerisch, rechtschaffen. Und verklemmt und engstirnig. Dante gab zu, dass er aufgrund seiner Vergangenheit ein bisschen bitter war. In Wahrheit hatte er damals seinen schlechten Ruf als Halbstarker verdient. Dennoch fühlte er sich in Santa Vera nicht wohl und sehnte sich an den Strand zurück. Er vermisste Südkalifornien schon jetzt. „Bislang habe ich lediglich erfahren, dass Sie die Auftraggeberin sind und dass es eine Deadline gibt. Klären Sie mich über die Details auf?“

„Sicher. Das Apartment oben ist schon fertig, aber die Ladenfront nur zum Teil. Bevor Ihr Vater sich den Fuß gebrochen hat, hatten wir gerade über einige Änderungen des ursprünglichen Plans gesprochen.“ Isabel ratterte eine Liste von Arbeiten herunter, die noch zu erledigen waren. Unter anderem der Einbau einer kleinen Küche mit zwei großen Kühlschränken, das Verlegen von Bodenfliesen und das Kacheln eines Bades.

„Verdammt, das ist eine Menge Arbeit. Und alles soll bis zum ursprünglichen Termin erledigt sein?“ Dante überlegte, wie er das rechtzeitig schaffen könnte. Ende des Monats wollte er sich wieder auf den Weg machen. Bis dahin blieben ihm nur sechsundzwanzig Tage. „Ich hoffe, dass es für Sie in Ordnung ist, wenn ich viel hier sein werde.“ Ihre Augen nahmen einen umwölkten, sexy Ausdruck an. Er wusste nicht, wodurch er diese Veränderung bewirkt hatte. Aber ihr heißer Blick ging ihm durch und durch, und es reizte ihn herauszufinden, wie weit er sie noch aus der Reserve locken könnte.

„Kommen Sie herein. Ich werde Sie herumführen“, war alles, was sie sagte. „Anschließend werde ich Ihnen die Liste geben.“

Er deutete an, dass sie vorangehen sollte. Mit einem Blick registrierte er, dass das Haus außen in gutem Zustand war und sehr einladend wirkte. Als sie vor ihm die Holzstufen zum Haus hinaufstieg, betrachtete er ihren Po und ihre Beine unter dem Seidenrock. Für eine eher kleine Frau hatte sie erstaunlich lange Beine, lang genug, um sie einem Mann um die Hüften zu schlingen. Mit Vergnügen stellte er sich vor, seine Hände über ihre seidigen Beine gleiten zu lassen. Zunächst über ihre Waden direkt unter dem Rocksaum, dann hinab über die zarten Knöchel bis zu den Zehen und schließlich wieder hinauf zu den Waden und weiter nach oben.

„Sie arbeiten doch als Handwerker?“, riss Isabel ihn aus seiner erotischen Träumerei und machte die Tür auf. „Ihr Vater sagte nichts davon, dass es sich um einen Familienbetrieb handelt. Ich zweifle nicht an Ihren Fähigkeiten. Aber es wäre definitiv von Vorteil, wenn Sie Erfahrung in diesem Job hätten.“

„Ich helfe nur aus, wie gesagt.“ Sein Vater schäumte wahrscheinlich vor Wut darüber, dass sein seiner Meinung nach nichtsnutziger Sohn ihm aus der Patsche half. Wenn Sylvia Luciano es ihm gesagt hatte, die immer bemüht war, den häuslichen Frieden zu wahren. „Aber ich habe genug Erfahrung, um mit allem umzugehen, wonach Ihnen der Sinn steht.“

Isabels Puls beschleunigte sich. Sie würde wetten, dass er mit allem sehr gut umgehen konnte … Noch immer konnte sie nicht glauben, dass Dante Luciano, der Mann ihrer Träume, hier bei ihr war. War er eine Halluzination? Ein Traum? Ihre körperliche Reaktion auf ihn war definitiv real. Sie erinnerte sich an die für sie so demütigende Begegnung vor zehn Jahren und schwor sich, dieses Mal einen kühlen Kopf zu behalten. Zum Glück schien er sich nicht an sie zu erinnern. Das war ihre Chance, ihm so ebenbürtig wie möglich zu begegnen. Sicherlich könnte sie ab und zu einen Blick auf ihn riskieren, während er bei ihr arbeitete. Aber sie würde nicht rot werden und stammeln, wenn er sie dabei erwischte. Schließlich war sie jetzt kein unerfahrener und braver Teenager mehr. „Ja, aber ich rede von der Renovierung“, meinte sie lässig. „Vermutlich haben Sie keine Referenzen oder etwas in der Art?“

Er grinste. „Keine Referenzen. Aber es hat sich noch nie jemand beschwert.“

Erneut ließ Isabel den Blick über seinen Körper wandern, und einige ihrer feucht-heißen Träume, in denen er die Hauptrolle gespielt hatte, schossen ihr durch den Kopf. Sie war sich sicher, dass Beschwerden das Letzte waren, was er am Morgen danach zu hören bekam. Als sie ihn wieder ansah, errötete sie leicht.

Dantes Grinsen wurde breiter. Dann begann er, die Rohre und elektrischen Leitungen der vorderen Hälfte des Hauses zu inspizieren, die immer noch einer Baustelle glich. „Was haben Sie vor, wenn der Laden fertig ist?“

„Sweet Scentsations wird nicht nur frische Schnittblumen, Bouquets und Pflanzen anbieten, sondern auch selbst gemachte Süßigkeiten von einem hiesigen Confiseur und eine kleine Auswahl an Geschenken, Karten und Ballons. Alles aus einer Hand.“

„Clever. Ist Santa Vera denn groß genug für so einen spezialisierten Laden? Selbst in größeren Städten schlagen viele clevere Geschäftsideen fehl.“

„Ja, aber Santa Vera ist voller Touristen und hat sich während der letzten drei Jahre zudem zu einer beliebten Hochzeitsstadt entwickelt. Ich hätte nicht mein gesamtes Kapital investiert, wenn ich nicht vorhätte, den Laden zu einem Erfolg zu machen“, erwiderte Isabel bestimmt. Es stand viel auf dem Spiel für sie. An einen möglichen Fehlschlag wollte sie nicht einmal denken.

Dante ging nicht näher darauf ein. Stattdessen fragte er nur: „Und was ist dort hinten?“

Sie folgte ihm in die hinteren Räume und betrachtete seinen knackigen Po, der durch seine verblichenen Jeans perfekt in Szene gesetzt wurde. Es juckte ihr in den Fingern, über den weichen Denim zu streichen. Konzentrier dich, und sei professionell, ermahnte sie sich. Sie atmete tief durch. „Hier will ich einen Lagerraum und eine kleine Küche einrichten. Außerdem ist ein weiterer Kühlraum für die Blumen sowie auf der Rückseite des Gebäudes ein kleines Gewächshaus vorgesehen. Das steht auf der Liste mit den Änderungen.“ Sie fuhr fort, ihn über die Details der anfallenden Arbeiten aufzuklären.

Doch als Dante die Hände in die Vordertaschen seiner Jeans schob und ihr Blick auf seinen Bizeps fiel, geriet Isabel mitten im Satz ins Stocken. Verlegen starrte sie ihn an und bemerkte das amüsierte Funkeln, aber auch das brennende Interesse in seinen grünen Augen. O nein, auch diesmal war sie auf dem besten Weg, eine komplette Idiotin aus sich zu machen. Er musste das Haus verlassen, damit sie wenigstens ihre Gedanken wieder unter Kontrolle bekam. Denn ihre Lust auf ihn unter Kontrolle zu bekommen war hoffnungslos. „Ich habe die Liste in meinem Büro“, sagte sie schließlich. „Wir können sie jetzt durchgehen.“

Er schüttelte den Kopf. „Ich war mehrere Stunden auf der Harley unterwegs und muss zuerst einmal richtig ankommen und duschen. Aber wenn Sie mir dir Liste mitgeben, werde ich sie mir durchlesen und mich an Sie wenden, falls ich noch Fragen habe.“

Umso besser. Dann würde er früher gehen. Auf dem kurzen Weg zu ihrem Büro hielt Isabel sich einen Vortrag darüber, wie wichtig es war, den Kopf nicht zu verlieren und Dante nicht merken zu lassen, wie sehr er ihr unter die Haut ging. Sie nahm die ausgedruckten Listen und heftete sie eilig zusammen. Als sie dann ihre Zukunft in den Händen hielt, blieb sie unschlüssig stehen.

Eine innere Stimme erinnerte sie spöttisch an ihren Männerplan. Ja, sie wollte einen Mann, mit dem sie all ihre heißen sexuellen Fantasien in die Tat umsetzen konnte. Und jetzt, da der Mann, der jahrelang ihre Fantasien beherrscht hatte, vor ihrer Haustür stand, wurde sie rot, kam ins Stottern und floh in ihr Büro. Das war nicht in Ordnung. Schließlich war der erste Punkt auf ihrem Männerplan gewesen, dass sie nicht die Kontrolle verlor. Sie versuchte ihre Nervosität abzuschütteln. Dante war nur ein Mann – wenn auch ihr Traummann –, aber darum ging es jetzt nicht. Der Punkt war, ob sie es schaffen würde, in die Offensive zu gehen, oder sich verstecken würde.

Sie wusste es noch nicht. Jedenfalls war er jetzt gewissermaßen ihr Angestellter, und sie musste sich professionell verhalten. Auf dem Rückweg redete Isabel sich gut zu und hielt ihm dann aus sicherer Distanz die Papiere hin.

„Ich hatte mich schon gefragt, ob Sie zurückkommen würden.“ Er nahm den dicken Stapel Papiere entgegen. „Verdammt, wie viele Änderungen planen Sie denn? Hat Frank Ihnen die wirklich alle im gesetzten Zeitrahmen zugesagt?“

„Ja.“

Dante sah auf das oberste Blatt. „Furchterregend“, meinte er, als er die lange Liste mit den farbig markierten Stichpunkten überflog.

„Die Ausdrucke lagen bereits auf meinem Schreibtisch.“ Isabel ignorierte seinen Kommentar. „Ich wollte sie eigentlich noch in einem Ordner abheften. Aber da Sie es eilig haben, wollte ich Sie nicht warten lassen.“

Er schien die unausgesprochene Botschaft zu verstehen und wandte sich zum Gehen. Doch dann überlegte er es sich anders. Er nahm ihre Hand in seine und strich zärtlich mit dem Daumen darüber. Die Zeit stand still, während er ihr in die Augen sah. Sie erstarrte, zog ihre Hand jedoch nicht weg. Auf Dantes Gesicht breitete sich ein triumphierendes Lächeln aus.

Das brachte Isabel zur Räson. Plötzlich wollte sie seinem aufgeblasenen Ego einen Dämpfer verpassen. „Vielleicht sollte ich Sie in ein kleines Geheimnis einweihen“, murmelte Isabel leicht verrucht, worauf sie stolz war.

„Ich bin auf alle Ihre Geheimnisse gespannt.“ Er hob ihre Hand zu seinen Lippen, küsste ihre Fingerknöchel und strich dann damit über seine Wange.

„Belassen wir es einfach bei diesem einen Geheimnis, hm?“ Sie entzog ihm ihre Hand und tätschelte seine Wange. „Ich bin hier der Boss, und ich halte es für keine gute Idee, Arbeit und Vergnügen zu vermischen. Aber ich bin sicher, dass Sie im Randbezirk von Santa Vera einige willige alte Freundinnen treffen oder auch neue finden werden. Bestimmt werden Sie keine Probleme haben, auf Ihre Kosten zu kommen.“

Dante grinste sie an. „Eine Herausforderung interessiert mich viel mehr. Wir werden eine Menge Zeit miteinander verbringen. Warum machen wir nicht das Beste daraus?“

„Welch ein charmantes Angebot. Aber nein, danke.“ Isabel lachte amüsiert. „Außerdem bezweifle ich, dass wir viel Zeit miteinander verbringen werden.“

„Warum nicht? Haben Sie Angst?“ Er trat näher.

So nah, dass sie den würzigen Duft seines Aftershaves wahrnehmen konnte und die goldenen Einsprengsel in seinen grünen Augen sah. Heißes Begehren stieg in ihr auf, und als er eine ihrer Locken um seinen Zeigefinger wickelte, hätte sie beinahe geseufzt. Aber sie wich nicht zurück wie ein braves Mädchen. Stattdessen verdrehte sie die Augen und schnaubte spöttisch. „Soll das eine Herausforderung sein? O bitte. Und jetzt? Ich bestätige Ihnen hiermit, dass ich mich Ihnen nicht an den Hals werfen muss. Auch wenn Sie auf Tuchfühlung gehen.“

„Auf Tuchfühlung? Warum reden wir nicht darüber?“

„Warum lassen wir es nicht?“

Dante lachte. „Wissen Sie, ich war wirklich alles andere als begeistert darüber, nach Santa Vera zurückzukommen. Aber ich muss zugeben, dass ich mich jetzt tatsächlich auf meinen knapp vierwöchigen Aufenthalt in der Kleinstadthölle freue.“

Zwanzig Minuten später schloss Dante sein Motelzimmer auf. Zuvor hatte er sich noch schnell das Grundstück angesehen, das sein Boss kaufen wollte. Denn mit seinem Aufenthalt in Santa Vera konnte er drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: seiner Mutter aushelfen, seinen Vater ärgern und seinem regulären Job nachgehen.

Ironischerweise war er trotz des Streits mit seinem Vater dessen Metier treu geblieben, nahm aber kaum noch selbst einen Hammer in die Hand. Als Troubleshooter einer der größten Bauunternehmen der Westküste reiste er von Baustelle zu Baustelle, wo er sich persönlich um alle dort anstehenden Probleme kümmerte. Da er ständig unterwegs war, kam keine Langeweile auf. In den Städten, die er im Auftrag von Tremaine Business besuchte, fand er immer schnell Bekannte und auch Frauen, die sich mit ein paar Wochen gemeinsamer Zeit ab und zu zufriedengaben. Eigentlich war alles perfekt, auch wenn es sich für ihn in letzter Zeit nicht so anfühlte. Ich bin nicht einsam, redete Dante sich ein. Sein Leben war genau so, wie er es haben wollte.

Da sein Chef den seltsamen Ehrgeiz hatte, Grundstücke auf der ganzen Welt zu besitzen, schickte er ihn manchmal los, um mögliche Objekte auszukundschaften. Aber auch diese Herausforderung reizte Dante nicht mehr. Abgesehen von seinem beruhigenden Geldpolster auf der Bank, einem Haus am Strand und seiner Harley war er in vielen Dingen immer noch der Teufelsbraten, der er vor zehn Jahren gewesen war, als sein Vater dem Sheriff gesagt hatte, er solle seinen Sohn aus der Stadt eskortieren.

Er seufzte, als er sich in dem einfachen Motelzimmer umsah, und packte seinen MP3-Player und die Andockstation aus. Musik würde ihn entspannen. Doch dann klingelte sein Handy. „Luciano“, meldete er sich.

„Hast du dir das Grundstück angesehen?“, fragte sein Boss ohne lange Vorrede.

„Ja. Zufällig liegt es direkt gegenüber dem Haus, in dem ich arbeite. Guter Standort, nettes Grundstück. In den nächsten Tagen werde ich ins Haus hineingehen, um zu sehen, in welchem Zustand es ist.“

„Das ist egal. Wir werden es abreißen. Laut der Berichte soll es eines dieser altmodischen Ungetüme sein. Das ist nichts für meine Zwecke.“

Dante verzog das Gesicht. Er wusste, dass einer der riesigen Tanzclubs, die Tremaine bevorzugt aus Chrom und Glas bauen ließ, in der Main Street wie ein Fremdkörper aussehen und die Leute in der Stadt sehr verärgern würde. Aber das war nicht sein Problem. Er machte nur seinen Job.

„Ich erwarte also deinen Bericht mit den exakten Grundstücksdaten und weiteren Informationen.“ Tremaine legte auf.

Gerade als Dante das Handy aufs Bett werfen wollte, klingelte es erneut. Ein kurzer Blick sagte ihm, dass es seine Mutter war. Doch er meldete sich nicht. Er musste sich entspannen und ausruhen, bevor er sich mit ihren Fragen und unausgesprochenen Erwartungen auseinandersetzte. Natürlich würde er sie zum Abendessen einladen, sonst wäre sie verletzt. Und seiner Mutter nicht wehzutun war eine der wenigen Regeln, an die er sich strikt hielt. Aber jetzt würde er zuerst kurz duschen und ein Nickerchen machen.

Er musste wieder an Isabel Santos denken und fragte sich, was ihn so an ihr faszinierte. Denn abgesehen von ihrem Aussehen war sie wirklich nicht sein Typ. Seine Erfahrungen hatten ihn gelehrt, bei ernsthaften und süßen Frauen vorsichtig zu sein. Normalerweise ließ er sich nur mit solchen ein, die ebenfalls lediglich ihren Spaß haben wollten und unverbindliche Affären bevorzugten.

Dante überflog die Liste, die sie ihm gegeben hatte. Verdammt, da wartete eine Menge Arbeit auf ihn. Er blätterte auf die letzte Seite um, die von Hand geschrieben war, und las:

Heiß, wild und ein wenig rau an einer Wand.

Intensive Leidenschaft an einem halb öffentlichen Ort.

O ja, Baby, dachte er, und der Mund wurde ihm trocken, als er sich und Isabel in diesem Szenario vorstellte. Schnell, intensiv und ein bisschen wild war genau nach seinem Geschmack. Die Idee, mit Isabel im Stehen Sex zu haben, ließ das Blut durch seine Adern rauschen. Für einen Moment fragte er sich, wie lange er brauchen würde, um zurück zu ihrem Haus zu kommen. Dann verwarf er den Gedanken wieder, las die Liste zu Ende und blinzelte. Wenn diese Frau derart heiße Fantasien entwickelte, musste er sie unbedingt näher kennenlernen. Sehr nah. Offensichtlich war die reizende Miss Santos doch nicht so süß, wie er gedacht hatte.

2. KAPITEL

„Zuerst dachte ich einen Moment lang, du spielst mir einen Streich“, sagte Isabel in ihr Handy, als sie auf das altmodische Rathaus mit der Backsteinfassade zuging. „Denn abends hatten wir noch über Dante Luciano geredet, und am nächsten Morgen fährt er auf einer Harley vor meinem Haus vor.“

„Ja, das ist schon komisch“, stimmte Audra zu. „Ich bin sicher, dass er nicht halb so heiß war, wie du ihn in Erinnerung hattest, richtig?“

Sie schwieg. Denn sie wollte ihrer Freundin nicht eingestehen, dass allein mit Dante zu reden besser gewesen war als jede ihrer bisherigen sexuellen Fantasien.

„Hat er sich an dich erinnert?“

„Nein. Ich war nicht sein Typ.“ Schließlich hatte er sich nicht auf süße Mädchen eingelassen. Vor zehn Jahren hatte er ihr furchtbare Angst gemacht. Isabel dachte daran, wie er sie gestern mit seinen Blicken beinah ausgezogen hatte. Diesmal hatte sie ihm ganz offensichtlich sehr gefallen. Sie erschauerte. Und heute hatte sie definitiv keine Angst mehr vor ihm.

„Nun, dieser Teufelsbraten ist ohnehin eine Nummer zu groß für dich. Für ihn fehlt es dir an Erfahrung.“ Audra lachte leise.

Isabel war ein bisschen beleidigt. Schließlich war sie eine erwachsene Frau. Sie konnte ihren Männerplan durchziehen. Andererseits war Dante wahrscheinlich wirklich andere Kaliber als sie gewohnt. Sie seufzte. „Ich muss Schluss machen. In ein paar Minuten habe ich einen Termin im Rathaus.“

„Warum? Du willst doch nicht wieder ein Ehrenamt übernehmen, oder?“

Sie zuckte zusammen.

„Warum machst du das? Hast du nicht genug damit zu tun, dich auf deine Geschäftseröffnung vorzubereiten und dich hier einzuleben? Bitte, Isabel, hör auf, die Weltverbesserin zu spielen, und gönn dir eine Pause.“

Isabel atmete hörbar aus. Sie war keine Weltverbesserin. Sie wollte nur dazugehören. Deshalb engagierte sie sich ehrenamtlich. „Ich gehe zum Handelsausschuss des Stadtrats, der für das Sweetheart Festival im Frühjahr zuständig ist“, erwiderte sie. „Wenn man einen Laden in der Main Street hat, muss man vertraglich zusichern, am Festival teilzunehmen. Man muss eine Unmenge Anforderungen erfüllen.“ Mit plötzlicher Begeisterung fügte sie hinzu: „Aber die Werbung für mein Geschäft wird phänomenal sein. Ich möchte die Blumen für alle Events und möglichst auch die Präsentkörbe für die Würdenträger der Stadt liefern. Offensichtlich ist es sehr wichtig, sich frühzeitig beim Stadtrat eine gute Position zu verschaffen.“

„Wie auch immer. Lass dich nicht verrückt machen, okay? Und schau dir währenddessen die heißen Ladenbesitzer in Santa Vera mal genauer an. Ich bin mir sicher, dass einer von ihnen sich gut für deinen Männerplan eignet.“ Mit einem leisen Lachen legte Audra auf.

Isabel rümpfte die Nase. Nach dem Wiedersehen mit Dante, der ihr fast den Verstand geraubt hatte, wollte sie sich mit keinem anderen Mann begnügen. Aber schließlich war Audra die Expertin in Sachen Sex. Wahrscheinlich ließ sich jemand wie Dante tatsächlich nur auf Frauen ein, die über viel sexuelle Erfahrung verfügten.

Zwei Stunden später marschierte Isabel wütend aus dem Rathaus. Ihr Plan war gründlich fehlgeschlagen. Sie war so erpicht darauf gewesen, an der Sitzung des Handelsausschusses teilzunehmen. Schließlich wollte sie sich unter den führenden Geschäftsleuten Santa Veras behaupten. Es waren zehn Führungspositionen zu vergeben gewesen, und das Gremium hatte praktischerweise nur aus zehn Mitglieder bestanden. Aber dennoch war sie leer ausgegangen, während ein anderes Mitglied zwei Ausschüsse leitete. Auch wenn man ihre Fähigkeiten angeblich schätzte, hatte man ihr keinen Ausschuss anvertraut.

„Isabel!“, rief jemand hinter ihr her. „Warte.“

Sie drehte sich um und unterdrückte einen Seufzer. Mister Perfekt. Der fehlte ihr gerade noch. „Lance.“ Sie verbiss sich einen schnippischen Kommentar. Es war nicht sein Fehler, dass er so gut drauf und aalglatt war. Wahrscheinlich hatte seine jahrelange PR-Arbeit als Immobilienmakler dazu beigetragen.

Er setzte ein verbindliches Lächeln auf. „Ich wollte mich vergewissern, dass es dir gut geht.“ Während er sie ansah, grüßte er mit einem Nicken einen Passanten.

Vielleicht hatte es deshalb nicht zwischen ihnen funktioniert. Er hatte sich nie einzig auf sie konzentriert und sie definitiv nie verstanden. Das war vorhin in der Sitzung wieder deutlich geworden. Oh, natürlich hatte Lance sie zu unterstützen versucht. Aber sein Gerede über neue Ideen und frisches Blut hatte die Leute nur gegen sie aufgebracht. Isabel sagte sich, dass es nicht seine Schuld war, und zwang sich, ein freundliches Gesicht zu machen. Sie hatte schon mehrmals versucht, mit ihm darüber zu reden, aber er verstand einfach nicht, was sie meinte. Für ihn war es so, dass jeder, der ihm nicht zustimmte, seiner Freundschaft einfach noch dringender bedurfte. Auf Lance wütend zu sein war ebenso sinnlos wie frustrierend.

„Du hast vorhin ein wenig enttäuscht gewirkt.“ Er rieb ihr die Schulter.

Sie wich zurück. Aus irgendeinem Grund bekam sie von seiner Berührung jetzt, da sie getrennt waren, eine Gänsehaut. Zudem konnte sie es nicht ausstehen, wenn die Leute sie tätschelten, als wäre sie ein kleines Kind.

„Mir war nicht klar, dass du dich für eine der ehrenamtlichen Positionen bewerben würdest, sonst hätte ich dich gewarnt. Santa Vera ist im Herzen immer noch eine Kleinstadt, was sich in der Einstellung der Leute widerspiegelt. Aber es ist nur eine Frage der Zeit. Die Leute müssen sich erst an dich gewöhnen. Gib ihnen Zeit.“

Isabel wurde noch wütender. Zeit? Sie war seit sechs Monaten hier. Wie viel Zeit brauchten sie denn noch, verdammt? Sie versuchte, sich zu beruhigen. „Ich denke, dass ich den Anforderungen des Handelsausschusses genüge. Schließlich bin ich eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Das hättest du vorhin erwähnen können, um die Leute von mir zu überzeugen.“

„Lass dir Zeit, arbeite mit, füge dich ein, und gib den Leuten die Möglichkeit, zu erkennen, wie gut du arbeitest. In ein, zwei Jahren werden sie dir die Leitung eines Ausschusses antragen.“

Isabel presste die Lippen aufeinander. Er redete mit ihr, als wenn sie ein kleines Kind wäre. Gab es nicht einen einzigen Menschen, der ihr wirklich etwas zutraute?

Erneut tätschelte Lance ihr die Schulter. „Bleib dran, und ruf mich jederzeit an, wenn du Hilfe brauchst.“

Sie verzog missmutig das Gesicht, als er sich umdrehte und wegging. Bereits zum zweiten Mal an diesem Tag hatte jemand angedeutet, dass sie völlig überfordert sei. Was war los mit ihr? War sie wirklich so inkompetent, dass sie nicht mit der Leitung eines Ausschusses zurechtkam? Oder mit einem Mann wie Dante Luciano? Sie seufzte. Dante war vielleicht tatsächlich ein Mann, an den sie sich vorher nicht herangetraut hätte. Aber war es nicht der Zweck des Männerplans, aus ihrem alten Trott auszubrechen und umwerfenden, scharfen Sex zu haben?

Als Isabel später am Nachmittag ein Bouquet mit Lilien zusammenstellte, erinnerte sie sich daran, dass sie schon ihr ganzes Leben lang beschützt und klein gehalten worden war. Weil jeder es von ihr erwartet hatte, war sie tatsächlich immer auf Nummer sicher gegangen. Selbst dieser Laden war ein gut kalkuliertes Risiko – so viel sie emotional auch in diesen Schritt investiert hatte. Und jetzt, da sie nach den Sternen greifen wollte, wurde ihre Kompetenz bezweifelt. Sie wünschte sich, dass irgendjemand ihr nur ein einziges Mal zutrauen würde, besser als gut zu sein. Sie wollte dazugehören. Bislang war sie stets die Außenseiterin gewesen. Sie war es leid, sich zurückzuhalten und verkannt zu werden.

Sie hantierte so heftig mit den Blumen, dass sie eine Blüte vom Stengel abbrach. Entnervt warf sie den Stengel in Richtung Abfalleimer, traf aber nur den Rand, und der Stengel fiel auf den Boden. „Verdammt“, schimpfte sie.

„Sie machen keinen glücklichen Eindruck.“

Vor Schreck zuckte Isabel zusammen. Dabei brach sie noch eine Blüte ab, und die Vase rutschte gefährlich nah an den Rand ihres Arbeitstisches.

„Hey.“ Plötzlich war Dante an ihrer Seite. „Ich wollte Sie nicht erschrecken.“ Geistesgegenwärtig hielt er die Vase fest und stellte sie wieder mitten auf den Tisch.

Ihre Finger zitterten. Sie machte den Schreck dafür verantwortlich: Aber ihr war klar, dass sie sich etwas vormachte.

„Sind Sie in Ordnung?“

Seine Nähe ließ Isabels Herz schneller schlagen. Sie machte ein großes Aufhebens darum, die Blumen wieder akkurat in die Vase zu stellen, bevor sie ihn verstohlen von den Arbeitsstiefeln bis hinauf zu seinen breiten Schultern musterte. Heute wirkte er noch sexier als gestern. Seine grünen Augen hatten diesen lasziven Ausdruck, der sie dahinschmelzen ließ. Seine Haare, die ihm bis zum Kragen des grünen T-Shirts reichten, waren so zerzaust, als käme er geradewegs aus dem Bett. Sie strich mit den Fingern über den glatten Stengel der Lilie und stellte sich vor, wie sich seine seidigen Haare anfühlen würden … an der Haut ihrer Hände, ihres Bauchs und der Innenseiten ihrer Oberschenkel …

Ihr stockte der Atem. Dante war wirklich ein Prachtkerl. Und sie war so verrückt nach ihm, dass ihr selbst ihre Fantasien nicht peinlich waren. „Mir geht es gut“, antwortete sie mit einiger Verzögerung. „Ich habe Sie nur nicht hereinkommen hören und bin es gewohnt, hier allein zu arbeiten. Das ist alles.“ Als er das Gesicht langsam zu einem Grinsen verzog, reckte Isabel das Kinn. „Ich hatte mich erschreckt“, gab sie zu. „Danke, dass Sie die Vase gerettet haben. Es ist die letzte hohe Glasvase, die ich vorrätig habe. Und ich hasse es, meine Kunden zu enttäuschen.“

„Und da ich es hasse, enttäuscht zu werden, kann ich das sehr gut verstehen.“ Dantes grüne Augen funkelten so verheißungsvoll, als wollte er ihr eigentlich zu verstehen geben, dass er eine Frau nie enttäuscht zurückließ.

Ihr wurde heiß. Ein Mann, der garantierte, eine Frau im Bett glücklich zu machen? Einer, der ihre wilden, erotischen Fantasien erfüllen würde? In der Vergangenheit hatten sich ihre Fantasien immer darum gedreht, was sie mit ihm anstellen wollte. Aber jetzt … Seine Worte inspirierten Isabel zu einer völlig neuen Fantasie, in der er ausschließlich sie verwöhnte.

„Ich möchte morgen früh anfangen“, fuhr er fort. „Doch zunächst sollten wir die Liste und die Planung durchgehen“, fügte er mit tiefer, heiserer Stimme hinzu. Seine grünen Augen wirkten jetzt fast schwarz.

Sofort richteten sich ihre Brustspitzen unter dem dünnen Pullover auf. Seit sechs langen Wochen waren Lance und sie getrennt. Und der Sex, den sie vorher gehabt hatten, war nicht der Rede wert gewesen. Sicherlich löste Dantes unschuldige Bemerkung deshalb eine so heftige körperliche Reaktion bei ihr aus. „Es muss schön sein, seine alte Heimat zu besuchen“, sagte sie, um sich abzulenken. „Ich bin in Auburn aufgewachsen, das nur sechzehn Kilometer entfernt ist. Dennoch ist es hier wie in einer anderen Welt. Wenn Sie irgendwelche Ideen für die Renovierung haben, lassen Sie es mich wissen. Schließlich stammen Sie aus Santa Vera, und ich möchte alles tun, damit der Laden ein Erfolg wird.“

„Ich bezweifle, dass meine Einblicke in die Stadt Ihnen irgendwie nützen könnten.“ Er klang auf einmal angespannt und fast wütend.

Isabel sah ihn forschend an. Aber er erwiderte den Blick, ohne eine Miene zu verziehen. Verdammt, selbst mit diesem stoischen Gesichtsausdruck war dieser Mann total begehrenswert. Ihr Puls beschleunigte sich weiter.

„Ich wusste nicht, dass Sie das Geschäft schon geöffnet haben.“ Dante deutete auf das Blumenbouquet.

„Das habe ich auch nicht. Aber ich versuche, die Stammkunden aus dem vorherigen Blumengeschäft meiner Eltern zu halten. Das ist einfacher, als das neue Geschäft aus dem Nichts heraus zu etablieren. Mit kleinen Schritten zum Erfolg, ist meine Devise.“

„Warum sich mit kleinen Schritten begnügen?“ Er grinste sie herausfordernd an und kam erst einen und dann zwei Schritte näher.

Und zwar so nah, dass sie den würzigen Duft seines Eau de Cologne und die Hitze seines Körpers wahrnahm. Sofort war sie wie elektrisiert, und ihr Herz raste. Auf dieser Party damals war sie ihm schon einmal so nah gewesen, erinnerte sie sich. Doch diesmal wusste sie, was sie zu tun hatte.

„Wenn man etwas will, sollte man in die Offensive gehen.“ Dantes Stimme klang sehr verführerisch. „Vielleicht bekommt man es ja nicht beim ersten Mal, aber es macht viel mehr Spaß, als auf Nummer sicher zu gehen.“

„Finden Sie nicht, dass es klüger ist, vorsichtig zu agieren, wenn man sich auf unbekanntes Terrain begibt?“

„Wie wollen Sie jemals auf einen grünen Zweig kommen, wenn Sie kein Risiko eingehen?“ Er zuckte die Achseln, und Isabel konnte die Bewegung fast spüren, so nah stand er vor ihr. „Wenn man etwas will, muss man zur Tat schreiten. Sonst kommt jemand anders, der es einem vor der Nase wegschnappt, während man untätig herumsitzt und es sich wünscht.“ Er sah sich um und deutete auf die Fotos, mit denen sie Werbung für ihre Blumenarrangements machte, und auf die blühenden Pflanzen auf der Fensterbank. „Ganz offensichtlich sind Sie eine gute Floristin und eine gescheite“, er ließ seinen Blick bewundernd über ihren Körper gleiten, „und definitiv schöne Frau. Warum also holen Sie sich nicht einfach, was immer Sie wollen?“

Sie hatte das Gefühl, als würde Dante all ihre Hemmungen mit einem Schlag wegfegen. Er glaubte daran, dass sie nach den Sternen greifen konnte. „Haben Sie sich jemals etwas zum Geburtstag gewünscht?“ Sie schaute auf seinen Mund. Sie wollte seine Lippen schmecken, mit der Zunge über seine volle Unterlippe streichen und ihn zu einem wilden, heißen Kuss verlocken.

„Sie meinen, eine Kerze ausgeblasen und an etwas gedacht, das man sich wünscht? Sicher“, murmelte er mit sexy tiefer Stimme. „Warum?“

Isabel erschauerte vor Aufregung. „Ich habe letzten Samstag Geburtstag gefeiert“, flüsterte sie.

„Was haben Sie sich gewünscht?“

Sie leckte sich die Lippen, holte tief Luft und sah ihm dann in die grünen Augen. Nicht das sinnliche Versprechen, das sie darin las, machte ihr Mut – auch wenn es sehr verlockend war –, sondern dass er sie voll und ganz akzeptierte. Er schien bis in ihre Seele zu sehen und ihre Ängste, Unsicherheiten und Komplexe zu bemerken. Trotzdem wollte er sie. Er zeigte ganz offen, dass er sie begehrte, was sehr erregend war. „Ich habe mir einen Geburtstagskuss gewünscht. Einen wirklich heißen und ganz besonderen Geburtstagskuss“, wich sie aus, weil sie ihm die ganze Fantasie nicht offenbaren wollte.

Dante verzog den Mund langsam zu einem sinnlichen Lächeln und trat noch einen Schritt näher. Isabel brannte darauf, durch seine Haare und dann über seine Arme zu streichen. Er umfasste ihren Nacken. „Herzlichen Glückwunsch“, murmelte er, bevor er sie küsste.

Sie spürte seine Lippen auf ihren, und es war noch schöner und prickelnder als in ihren Träumen. Zweimal strich er mit seinem Mund über ihren. Dann schaute er ihr tief in die Augen, während er mit der Zunge über ihre Unterlippe fuhr. Sie rang um Atem. Er schloss die Augen, während er weiterhin verlockend über ihre Lippen strich. Als er den Kuss schließlich vertiefte und sie einlud, sein Zungenspiel ebenso heiß zu erwidern, vergaß sie alles um sich herum und ging hingebungsvoll auf seine Liebkosungen ein. Sie spürte seinen harten Körper und stöhnte verlangend auf.

Daraufhin beendete Dante den leidenschaftlichen Kuss mit einer letzten, zärtlichen Berührung ihrer Lippen und zog sich zurück.

Sie seufzte, völlig entrückt.

„Ich hoffe, dass der Kuss deinem Wunsch gerecht wurde“, flüsterte er.

Erneut seufzte Isabel nur selig.

„Ich wollte mit dir über deine Liste reden“, murmelte er, während er sie immer noch fest in den Armen hielt. „Es sind einige Dinge dabei, die mir wirklich sehr gefallen. Ich möchte sichergehen, dass ich alles richtig verstanden habe.“

Sie war noch immer so aufgewühlt, dass sie kaum mitbekam, was er sagte. „Liste?“, murmelte sie.

„Richtig. Die Liste der sexuellen Szenarios. Sie entsprechen alle meinem Geschmack. Aber eine davon ist meine absolute Top-Fantasie.“

Was? Eilig wich sie zurück. „Welche Liste?“

„Na, die Liste deiner sexuellen Fantasien.“ Dante zog sie wieder in seine Arme.

Isabel erstarrte. „Du hast meine …“ Sie überlegte fieberhaft, wie er an die Liste gekommen war, die zuletzt auf ihrem Schreibtisch gelegen hatte. „Wie …?“

„Sie war bei der Liste mit den anstehenden Renovierungen, die du mir gestern gegeben hast.“

Sie schloss die Augen und nickte. Natürlich. Peinlicher konnte es wirklich nicht mehr werden.

„Hey“, sagte Dante sanft. „Es gibt nichts, wofür du dich schämen müsstest. Sexuelle Fantasien zu haben ist normal. Probleme haben nur die Leute, die verdrängen, dass sie sich solche Dinge ausmalen.“

Das bedeutet sicherlich, dass er keinerlei Probleme hat, dachte Isabel. Doch anscheinend hielt er sie für prüde. „Ich schäme mich nicht“, sagte sie ehrlich. „Aber es ist mir peinlich, nicht bemerkt zu haben, dass mir die Liste abhandengekommen ist.“

„Ich gebe sie dir gern zurück.“ Er grinste. „Aber noch lieber würde ich die Fantasien gemeinsam mit dir ausleben.“

Diese Worte erregten sie so sehr, dass sie die Arme verschränkte, um ihre aufgerichteten Brustspitzen zu verdecken. Ihr fehlten die Worte. Oh, sie wusste, was sie sagen wollte: Lass uns loslegen. Doch es war eine Sache, wilden, hemmungslosen Sex zu haben, und eine andere, ihn mit einem Mann zu haben, der für sie arbeitete. Außerdem hatte sie eine Unmenge Zweifel und Ängste, sosehr Dante auch ihre Lust anheizte. Die entscheidende Frage war: Konnte sie es mit einem Mann wie ihm aufnehmen? Verdammt, er brachte sie nur mit einem Kuss beinahe zum Höhepunkt. Natürlich wollte sie ihre Fantasien endlich in die Tat umsetzen. Doch vor allem durfte sie die Kontrolle nicht verlieren. Also beherrschte sie sich. „Danke für das Angebot. Aber ich muss passen.“

„Bist du sicher?“ Er zwinkerte ihr amüsiert zu. „Denn ich wette, dass diese Liste – abgesehen von ein, zwei Änderungen – das Konzept für bestmöglichen Sex ist.“

„Änderungen?“

„Ja, aber nur zwei.“ Erneut bedachte er Isabel mit einem sexy Lächeln, strich mit dem Finger über ihren Arm und mit den Lippen über ihr Ohr. Sie spürte seinen heißen Atem und wand sich. „Ersetze das Pferd durch eine Harley und den Strand durch Wald.“

Sofort stellte sie sich und Dante nackt auf dem breiten Sitz der schwarzen Harley vor. Der Motor unter ihnen vibrierte, während sie rittlings auf ihm saß und sich rhythmisch bewegte. Isabel leckte sich die Lippen. „Du versuchst tatsächlich, meine Liste zu ändern?“ Sie lachte verblüfft. „Warum stellst du dir nicht eine eigene Liste zusammen?“

„Weil deine fast perfekt ist und nur noch in zwei Punkten meinen Fantasien angepasst werden muss.“

„Und du bist der richtige Mann, um diese Fantasien auszuleben?“

„Baby, ich bin der perfekte Mann dafür.“

Obwohl Isabel ihm insgeheim zustimmte, kämpfte sie darum, die Oberhand zu behalten. „Du hast ein ziemlich großes Ego. Kommst du damit oft ans Ziel?“

„Mir hat mehr als eine Lady bestätigt, dass ich Experte auf dem Gebiet bin.“

Obwohl in Dantes Augen Humor aufblitzte, ging sie nicht davon aus, dass er sie neckte. „Darauf würde ich wetten.“

„Dir das zu zeigen würde mich glücklich machen.“ Sein Atem streifte ihre Schläfe.

Sie erbebte vor Lust. Dieser Mann konnte sie allein mit seiner Stimme in Ekstase versetzen – sogar ohne dabei unanständig zu werden. „Ich muss passen“, bekräftigte sie erneut und wich zurück. Dante ließ es zu, ohne zu protestieren. Aber der Ausdruck in seinen Augen sagte ihr, dass er ihre Angst spürte und genau wusste, wie er sie noch dazu bringen würde, wilden Sex mit ihm zu haben. Sie eilte aus dem Zimmer, bevor sie ihn bitten konnte, genau das zu tun.

Dante sah ihr nach, während das Blut in seinen Adern heftig pulsierte. Sie hatte einen so süßen Hüftschwung, der von dem Seidenrock in Szene gesetzt wurde. Nachdem er Isabels sinnliche Lippen unter seinen gespürt hatte, konnte er nur noch daran denken, mit ihr zu schlafen. Noch immer hatte er ihren Geschmack auf der Zunge, spürte ihren Körper und berauschte sich an ihrem blumigen Duft. Sie erregte ihn unglaublich. Doch so interessiert sie auch an Sex mit ihm war – und ihr Zungenspiel hatte gezeigt, wie sehr sie es war –, sie wollte dieser Anziehung nicht nachgeben. Ganz offensichtlich wollte sie in jedem Fall die Kontrolle behalten. Und er war ein Mann, der es liebte, Frauen dazu zu bringen, die Kontrolle zu verlieren.

Ihre Liste hatte ihn die halbe Nacht lang kein Auge zutun lassen, weil er jede ihrer Fantasien im Kopf durchgespielt hatte. Er kämpfte gegen seinen Frust an und erwog für einen Augenblick, ihr zu folgen und sie dazu zu bringen, ihre Meinung zu ändern. Aber dann entschied er sich dagegen. Er war nur knapp einen Monat hier, und Isabel schien nicht der Typ Frau für eine kurze Sexaffäre zu sein. Auch wenn er den Eindruck hatte, dass sie es gern einmal ausprobieren würde.

Wahrscheinlich war es ohnehin gut, dass er eine Pause in seinem Sexleben einlegte, während er hier war. Nach dem Gespräch mit seiner Mutter am Abend zuvor war er sich sicher, dass sie sofort merken würde, wenn er an einer Frau in der Stadt interessiert war. Dann hätte er keine Ruhe mehr vor ihr, da sie sich nicht nur Enkelkinder wünschte, sondern auch wollte, dass er sich mit seinem Vater versöhnte und in seine Heimatstadt zurückkehrte. Aber das war aussichtslos. Sein Vater hatte ihn nie verstanden und anerkannt. Aber seine Mutter wollte einfach nicht akzeptieren, dass beide Männer zu stolz waren, um aufeinander zuzugehen. Sie hatte ihn bereits zu einem Familienessen eingeladen. Doch da ihm sein Vater damals gesagt hatte, dass er in seinem Elternhaus fortan nicht mehr willkommen wäre, war Dante nicht interessiert.

Der schwerwiegendste Grund, nichts mit Isabel Santos anzufangen, war jedoch, dass ihre sexuellen Fantasien den seinen Konkurrenz machten und sie seine ideale Partnerin im Bett sein könnte. Zudem hatte er letzte Nacht von ihr geträumt. Sie zog ihn bereits viel zu sehr in ihren Bann, als dass es gut wäre, sich auf sie einzulassen. Verdammt, sie war definitiv das süßeste Weib, dem er jemals begegnet war.

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