Logo weiterlesen.de
Wie zähme ich einen Mann?/Heißer Sommer/Die Kunst der Liebe

Cindi Myers

Wie zähme ich einen Mann?

1. KAPITEL

Warum Man Taming – eine Methode, Männer zu zähmen – funktioniert

Hallo, Man Tamer,

Sie sind ja so davon überzeugt! Wie können Sie Ihren Leserinnen nur weismachen, dass man einen Mann wie einen Hund dressieren kann? Glauben Sie im Ernst, dass Ihre Methoden bei einem richtigen Mann funktionieren?

Ein richtiger Mann

Lieber richtiger Mann,

meine Art, Männer zu erziehen, funktioniert, weil sie auf bewährten Grundsätzen der Verhaltenstherapie beruht. Verhaltenstherapie wird seit Jahrzehnten erfolgreich auf allen möglichen Gebieten eingesetzt, zum Beispiel, um Menschen dabei zu unterstützen, mit dem Rauchen aufzuhören und, ja, auch bei der Hundedressur. Darüber hinaus hilft sie Männern, schlechte Angewohnheiten abzulegen, die sie sich über Jahre angeeignet haben. Ich habe Hunderte von Zuschriften zufriedener Leserinnen, die dies beweisen.

The Man Tamer

Mit Schokolade glasierte Erdbeeren standen bei Rachel Westover an zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala. Da sie das, was auf dem ersten Platz stand, unmöglich in der Öffentlichkeit tun konnte, leuchteten ihre Augen beim Anblick der Erdbeeren auf dem Büfetttisch von Denton Morrisons prunkvoller Party strahlend auf. Der steinreiche Medienmogul legte großen Wert darauf, einmal im Jahr ein feudales Fest zu veranstalten, um seine Erfolge zu feiern und vor der Presse mit seinen neuesten Projekten zu glänzen.

Denton gehörte unter anderem auch der lokale Fernsehsender KTXK, und Rachel hatte sich vorgenommen, Denton in einem günstigen Moment wieder einmal auf ihren Vorschlag für den frei gewordenen Sendeplatz im Nachmittagsprogramm anzusprechen. Als populärste Kolumnistin in der Geschichte der Frauenzeitschrift Belinda, deren Herausgeber Denton Morrison war, fand sie es an der Zeit, ihren Wirkungskreis auf das Fernsehen auszudehnen. Erdbeeren mit Schokoglasur waren der perfekte Energielieferant für die Begegnung mit „Mr. Money“ Morrison.

Voller Vorfreude auf den Genuss legte sie drei der schönsten Beeren auf ihren Teller. Sie waren so groß wie Hühnereier und mit dunkler Schokolade umhüllt. Einfach verführerisch.

„Hast du schon mit ihm gesprochen? Was hat er gesagt?“

Rachel schaute von den Erdbeeren hoch zu ihrer besten Freundin Moira Stapleton, die vom anderen Ende des Büfets auf sie zueilte. „Hat er zugestimmt? Bekommst du den Sendeplatz?“, fragte die zierliche Dunkelhaarige mit den Rehaugen, als sie atemlos vor Rachel stehen blieb.

„Ich habe noch nicht mit ihm reden können. Ich esse mir gerade den Mut dafür an.“ Rachel deutete auf ihren Teller.

Moira machte große Augen. „Oh, die sehen lecker aus. Und dick machend.“ Eisern widerstand sie der Versuchung, sich diese kleine Sünde zu gönnen. Moira lebte bekanntermaßen von schwarzem Kaffee, Wasser und Sushi. Und das sah man.

Auf Zehenspitzen versuchte sie, das Gedränge zu überblicken. „Hast du David gesehen? Wir wollten uns hier treffen.“

„Nein, aber ich bin auch gerade erst angekommen.“ David Brewer war Buchhalter bei Morrison Enterprises und Moiras Freund.

„Er wird mich doch wohl nicht wieder versetzen?“ Besorgt runzelte Moira die Stirn. „Er ist so zerstreut. Wenn er an seinem Auto schraubt oder vor einer Sportübertragung sitzt, kann er mich darüber glatt vergessen.“

Rachel fand, dass ein verliebter Mann etwas aufmerksamer sein sollte. „Hast du eine meiner Techniken ausprobiert?“, erkundigte sie sich interessiert.

Die Sorgenfalten wurden tiefer. „Ich habe es versucht, aber ich bin wohl nicht konsequent genug. Ich meine, er braucht mich nur mit seinen großen braunen Augen anzuschauen, und ich schmelze dahin. Ich möchte einfach nur mit ihm zusammen sein, verstehst du?“

„Ich verstehe.“ Rachel klopfte ihrer Freundin auf die Schulter. „Denk aber daran, du bist die Frau. Es ist an dir, die Tonart der Beziehung zu bestimmen. Und diese Techniken funktionieren garantiert. Hast du die Liste noch?“

„Ja.“ Moira kramte in ihrer Handtasche und zog einen zerknitterten Computerausdruck hervor. „Erstens, geh mit gutem Beispiel voran“, las sie vor. „Zweitens, lobe gutes Verhalten. Drittens, lenke von schlechtem Verhalten ab. Viertens, ersetze schlechtes Verhalten durch etwas anderes. Fünftens, tadele schlechtes Verhalten. Sechstens, halte Zuneigung zurück. Siebtens, bestrafe schlechtes Verhalten. Achtens, schränke unerwünschtes Verhalten ein. Neuntens, belohne gutes Verhalten und zehntens, Akzeptanz – die letzte Möglichkeit.“ Sie schaute Rachel an. „Vielleicht bin ich schon bei Punkt zehn. Ich meine, man kann einen Menschen nicht wirklich verändern, oder?“

„Bei Verhaltenstherapie geht es nicht darum, den Menschen an sich zu verändern“, erläuterte Rachel. „Nur die Art, wie er sich verhält.“

„Ist das nicht dasselbe?“

„Natürlich nicht. Er wird danach immer noch der Mann sein, den du liebst, nur eben besser.“

Moira steckte die Liste wieder ein. „Ich weiß nicht. Vielleicht spricht nicht jeder Mann auf diese Methode an.“

Rachel schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Man muss nur beharrlich genug daran arbeiten.“

„Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber wenn es so gut funktioniert, sich einen Mann zurechtzubiegen, warum bist du dann immer noch Single?“

Diese Frage hatte Rachel schon so oft gehört, dass sie jetzt nicht einmal mehr mit der Wimper zuckte. „Das weißt du genau. Seit meine Kolumne so populär geworden ist, traut sich keiner mehr, mit mir auszugehen.“ Falls sie einmal das Glück hatte, jemanden zu finden, der noch nicht von ihrer Berühmtheit als „Man Tamer“ gehört hatte, wiesen seine Freunde ihn nach einer oder zwei Verabredungen darauf hin. Und der Betreffende machte sich dann aus dem Staub.

„Männer wollen eben nicht gezähmt werden“, erwiderte Moira. Sie schmunzelte. „Sie haben alle Angst vor dir.“

„Der Begriff Man Tamer ist nur der Titel der Kolumne. Ich will die Männer doch nicht mit der Peitsche dressieren.“

Moira kicherte. „Vielleicht solltest du es einmal versuchen. Manche Typen stehen darauf.“ Sie lehnte sich näher und flüsterte: „Übrigens, deine Schwester ist hier.“

Rachel fuhr zusammen. „Wo?“ Rhonda Westover MacMillan – Mrs. Harrison MacMillan – konnte ihre Rolle als große Schwester nicht ablegen und glaubte, sich ständig in Rachels Leben einmischen zu müssen.

„Drüben an der Terrassentür, umringt von Männern.“

Rachel beobachtete ihre Schwester, die vor fünf Herren in schwarzen Anzügen Hof hielt. Dicht neben ihr stand ihr Ehemann, fünfzehn Jahre älter und sehr viel reicher als seine Gattin. Aber natürlich gehörte all das Geld jetzt auch Rhonda. Sie gab einen großen Teil davon dafür aus, ihr wunderschönes Gesicht und ihre tolle Figur zu konservieren. Daneben zeichnete sie sich als Gastgeberin zahlreicher Wohltätigkeitsveranstaltungen und prachtvoller Partys aus – was alles nur dem Zweck diente, regelmäßig als wichtigste Society-Lady von Dallas im Gesellschaftsteil der Zeitungen aufzutauchen.

Was auch erklärte, was sie auf Dentons großem Fest machte. Die beiden verkehrten in den gleichen Kreisen, auch wenn sie nicht gerade Freunde waren.

Was würde Rhonda wohl sagen, wenn ihre kleine Schwester eine eigene Fernsehshow bekommt?, überlegte Rachel. Sie würde garantiert vor Frust bei Neiman Marcus in einen wahren Kaufrausch verfallen, sollte Rachel ihr jemals an Wichtigkeit und Berühmtheit den Rang ablaufen.

Wenn Rachel ehrlich war, konnte sie den Moment kaum erwarten.

„Wirst du zu ihr gehen und sie begrüßen?“, fragte Moira.

Rachel zuckte die Schultern. „Ich möchte nicht stören. Außerdem laufen wir uns früher oder später bestimmt sowieso über den Weg.“ Allerdings nicht, wenn sie es verhindern konnte.

Moira hörte schon nicht mehr richtig zu. Sie schaute zur Tür, und ihre Miene hellte sich auf. „Da ist David. Wir sehen uns später.“

Ohne ein weiteres Wort eilte sie zu ihrem Freund und ließ Rachel mit ihren Erdbeeren allein. Die Schokolade war auf dem Teller weich geworden, doch das würde den Genuss nur noch steigern.

Sie hob eine dicke Beere am Stiel hoch und schloss die Augen. Die köstliche Frucht verschwand in ihrem Mund, und süßer Saft vermischte sich auf ihrer Zunge mit samtigem Kakao zu einem unwiderstehlichen Mix. Rachel seufzte genussvoll.

„Entschuldigen Sie bitte, Herr Ober“, sagte eine männliche Stimme neben ihr. „Ich möchte das Gleiche wie diese Lady.“

Rachel riss die Augen auf und starrte den Mann an, der ihren Moment der Hingabe störte. Er war groß und muskulös. Trotz seines maßgeschneiderten blauen Anzugs sah er irgendwie ungeschliffen aus. Sein braunes Haar mit den goldenen Reflexen brauchte einen Schnitt. Und die Bartstoppeln an seinem Kinn verrieten, dass er sich schon ein paar Tage nicht mehr gründlich rasiert hatte. Er roch nach einem teuren Eau de Cologne und Leder – eine Kombination, die Rachel berauschend fand, obwohl er sonst gar nicht ihr Typ war. Sie bevorzugte Männer, die weniger … raubeinig wirkten.

Aber jetzt erschien ihr dieser Typ Mann gar nicht so übel. Sie hatte seit vierzehn Monaten, zwei Wochen und drei Tagen keine feste Beziehung gehabt. Eine lange Zeit.

„Lassen Sie sich durch mich nicht stören“, bat der Mann mit eindeutig australischem Akzent. „Ich genieße die Show.“

Rachel schluckte den Rest der Erdbeere herunter und stellte den Teller ab. Ob es an der Wärme in diesem Raum lag oder an der Hitze, die sie durchströmte, seit sie dem Blick dieses attraktiven Muskelmannes begegnet war, wusste sie nicht. Jedenfalls war die Schokolade an ihren Fingern geschmolzen und rann über ihre Hand. „Wo sind die Servietten?“, fragte sie.

„Ich sehe keine“, sagte der Fremde, ohne sich die Mühe zu machen, danach zu suchen. Seine blauen Augen funkelten belustigt.

„Irgendwo müssen Servietten sein!“ Rachel sah sich hektisch um. Die Schokolade drohte entweder auf ihr weißes Seidenkleid oder den weißen Berberteppich zu tropfen. Und natürlich war nicht einmal so etwas wie ein Untersetzer aus Papier in Sicht.

Sie spielte schon mit dem Gedanken, sich die Hände an der Tischdecke abzuwischen, als der Mann wieder sprach. „Könnte sein, dass ich helfen kann.“

Ehe Rachel protestieren konnte, umfasste er ihr Handgelenk und führte ihre Finger an seinen Mund. Erschrocken rang sie nach Atem. Er fing tatsächlich an, die Schokolade abzulecken.

Bei der ersten Berührung seiner Zungenspitze verharrte Rachel wie erstarrt. Ihr Herz klopfte wild. Träumte sie? Sie kannte diesen Mann nicht einmal, und trotzdem nahm er sich solche Freiheiten heraus. Schlimmer, ihr wurden die Knie weich, während er ihre Haut mit der Zunge liebkoste, und sie fühlte Hitze in sich aufsteigen.

War es nicht erbärmlich, dass ein völlig Fremder sie dermaßen erregen konnte? Sicher, er war ein besonders attraktives Exemplar. Wäre sie sexuell nicht so … ausgehungert, hätte sie ihn längst in die Schranken gewiesen.

Stattdessen ließ sie ihn gewähren. Seine warme Zunge glitt elektrisierend über ihre sensible Haut, bis Rachel am ganzen Körper erschauerte. Am liebsten hätte sie sich mit ihrer freien Hand an seiner breiten Schulter abgestützt. Aber sie war wie gelähmt und brauchte ihre ganze Kraft, um sich aufs Atmen zu konzentrieren.

Als die Schokoladenspuren restlos beseitigt waren, ließ der Mann ihre Hand los, und sie standen sich schweigend gegenüber. Er wirkte beinahe so benommen, wie sie sich fühlte, und unter seinem Blick schoss heftige Röte in ihre Wangen. Sie hatte sich gehen lassen. Dabei hatte sie an diesem Abend Wichtiges zu besprechen und konnte sich nicht leisten, von einem gut aussehenden Typ abgelenkt zu werden – egal wie sexy er war.

„Ich … ich kann nicht glauben, was Sie gerade getan haben“, stammelte sie und riss ihren Blick von ihm los, um ihre Fassung zurückzugewinnen.

„Muss am Champagner liegen.“ Er trat einen Schritt zurück und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Gibt es hier vielleicht auch ein anständiges Bier?“

Rachel warf einen Seitenblick auf den Teller mit den Erdbeeren und überlegte, ob sie es riskieren könnte weiterzuessen. Sie brauchte jetzt wirklich Schokolade. Vielleicht, wenn Mr. Wonderful weg war … „Ich glaube, da hinten gibt es Bier vom Fass.“

Er verzog das Gesicht. „Nicht dieses amerikanische Gesöff. Ich meine ein richtiges Bier.“

Die Überzeugung in seinem Tonfall brachte sie beinahe zum Lachen. „Lassen Sie mich raten – Sie meinen ein australisches Bier.“

„Mein Akzent hat mich verraten, was?“ Er grinste. Ein Schneidezahn stand leicht schief, und Rachel fühlte Schmetterlinge im Bauch. Seit wann waren schiefe Zähne sexy? Offenbar seit jetzt.

„Wer sind Sie?“, fragte sie. Trotz des feinen Anzugs schien er nicht hierher zu passen.

„Garret Kelly.“ Er streckte seine Hand aus. Eine große, warme Hand, die ihre umschloss. Sein Lächeln wurde breiter. „Ups, da hab ich wohl eine Stelle übersehen.“ Er hob ihre Hand und betrachtete sie. „Hier, direkt am Daumen.“

Bevor Rachel es verhindern konnte, senkte er den Kopf und nahm ihren Daumen in den Mund. Diesmal stützte sie sich tatsächlich an seiner Schulter ab. Sie war sich schwach bewusst, dass sie dabei war, die Beherrschung zu verlieren. Der freche Garret Kelly hatte sie einfach verhext.

Er spielte immer noch mit seiner Zunge an ihrem Daumen, als eine allzu vertraute Stimme in ihr Ohr dröhnte. „Ich freue mich, dass ihr euch kennengelernt habt, aber solltet ihr euch nicht lieber zurückhalten, bis ihr allein seid?“

Sofort riss Rachel ihre Hand los und sprang zurück, stieß dabei an den Büfettisch und brachte Porzellan und Kristall zum Klirren. „Mr. Morrison! Es ist nicht so, wie Sie denken!“

Mit seinem kahl geschorenen Kopf, dem goldenen Ohrring und dem Anzug, der so geschnitten war, dass er seinen Bauch kaschieren sollte, ähnelte Denton Morrison eher einem Kellner als einem Konzernchef. „Das ist perfekt!“, meinte er grinsend. „Die Presse wird begeistert sein.“

Rachel mochte gar nicht daran denken, welche Spielchen ihr milliardenschwerer Chef, der Publicity noch mehr liebte als Geld, sich gerade in Gedanken mit ihr und dem australischen Hünen ausmalte. Sehnsüchtig schaute sie zu den Erdbeeren. Was würde sie nicht alles für ein weiteres Malheur mit Schokolade geben – aber ohne Zuschauer!

Garret unterdrückte ein Stöhnen. Er könnte sein impulsives Benehmen dem Champagner zuschreiben. Davon hatte er allerdings nur ein Glas getrunken. Einen Teil der Schuld trug die hübsche Lady vor ihm. Wenn sie schon derart leidenschaftlich auf eine Erdbeere reagierte, wie mochte sie dann erst im Bett sein?

Warum sollte er es leugnen? Er hatte eine große Schwäche für das weibliche Geschlecht. Vor allem für Frauen mit langen gebräunten Beinen, vollem blondem Haar und Kurven an den richtigen Stellen. Für Frauen, die nach Schokolade schmeckten und nach teurem Parfum dufteten, deren Haut sich wie Satin unter seinen Lippen anfühlte.

„Rachel Westover und Wild Man Kelly – warum ist mir das nicht früher eingefallen?“ Denton schlug Garret jovial auf den Rücken. Bei Garret schrillten augenblicklich die Alarmglocken. Worauf wollte Denton hinaus?

„Wild Man Kelly?“ Rachel hatte sich wieder gefasst und musterte ihn jetzt skeptisch mit ihren grünen Augen. Garret runzelte die Stirn. Er hasste das Etikett, das Denton ihm verpasst hatte, doch da der Spitzname der Presse bereits bekannt war, versuchte er, damit zu leben.

„Sie sehen den Star der Dallas Devils – das ist unser Lacrosse-Team“, verkündete Denton und schlug Garret wieder auf den Rücken.

Garret funkelte Denton ärgerlich an. Versuch das noch einmal, Kumpel …

„Lacrosse?“ Rachel sah verwirrt aus.

„Indoor-Lacrosse“, sagte Denton. „Die Sportart, die zurzeit den größten Zulauf im Land hat. Vom Tempo und der hohen Trefferquote her mit Basketball vergleichbar, von der Härte und Athletik her mit Hockey.“

„Und Ihre neueste Errungenschaft“, vermutete Rachel.

„Lacrosse wird in Dallas ganz groß herauskommen“, fuhr Denton angeregt fort. „Und Wild Man wird dabei helfen. Letztes Jahr war er die Nummer eins sowohl unter den Torschützen als auch in der Strafbox. Er ist wirklich ein wilder Mann! Die Fans und die Presse lieben ihn.“

Garret wünschte, Denton würde auf der Stelle damit aufhören. Er stellte ihn ja fast wie eine Art Steinzeitmenschen hin. „Woher kennen Sie Denton?“, fragte er Rachel.

„Sie arbeitet für mich“, erklärte Denton, bevor sie antworten konnte. „Ich sage euch, dass ihr beide euch getroffen habt, ist einfach perfekt.“

Perfekt wofür?, überlegte Garret.

„Stichwort Arbeit.“ Rachel legte eine Hand auf Dentons Arm. „Kann ich Sie kurz sprechen – allein?“ Sie warf Garret einen Blick zu.

Er verstand den Wink und nickte Rachel zu. „Freut mich, Sie kennengelernt zu haben, Miss Westover.“

„Ihr beide werdet euch sicher bald wiedersehen“, meinte Denton.

„Oh, zweifellos.“ Garret konnte immer noch die Schokolade auf seiner Zunge schmecken und Rachels seidenweiche Haut an seinem Mund fühlen. Er konnte nicht abwarten, sie wiederzutreffen – damit sie sich richtig kennenlernen könnten.

Geh mit gutem Beispiel voran, lobe gutes Verhalten, lenke ab … Moira hatte Rachels Ratschläge noch im Ohr, als sie David mit einem angestrengten Lächeln begrüßte. „Ich bin so froh, dass du es noch geschafft hast.“

„Nun ja, ich dachte, ich sollte mich lieber mal auf der Feier meines Chefs blicken lassen.“ Er nahm einem vorbeigehenden Kellner ein Glas Champagner vom Tablett und schlenderte mit Moira Richtung Büfett. „Lass uns etwas essen und eine Runde drehen, dann können wir uns dünnmachen. Die Stars lassen den Puck um acht fallen. Ich möchte wenigstens gern bis zum zweiten Drittel zu Hause sein.“

Eishockey. Moira verdrehte die Augen. In letzter Zeit war Davids Vorstellung von einem heißen Date ein Abend auf der Couch mit dem Sportkanal. Sie konnten während der Werbepausen schmusen, doch ansonsten waren Unterbrechungen von ihm nicht erwünscht.

Während David einen Teller mit Essen belud, überlegte Moira, welchen von Rachels Grundsätzen sie anwenden sollte. Sie hatte ihren Freund schon dafür gelobt, dass er gekommen war. Sollte sie es jetzt mit Ablenkung versuchen?

„Ich dachte, wir könnten heute Abend vielleicht einmal etwas anderes machen“, begann sie. „Es gibt einen neuen Klub drüben in Deep Ellum. Die Band soll super sein, und du entdeckst doch gerne neue Talente.“

„Ja, aber nicht in einer Hockeynacht.“ Er musterte sie finster. „So gut solltest du mich inzwischen kennen.“

Wirklich? Zu Beginn ihrer Beziehung war David ein fröhlicher, aufmerksamer Partner gewesen. Er hatte sie immer mit seinen dummen Witzen zum Lachen bringen können, und er hatte sich zudem als einfühlsamer Liebhaber herausgestellt. Doch in letzter Zeit schien er ihrer so sicher zu sein, dass er sie als selbstverständlich hinnahm.

„Hey, ist das etwa Garret Kelly?“

„Wer?“ Sie schaute auf und folgte Davids Blick. „Wo?“

„Der große Kerl da am Tresen. Das ist er. Lass uns rübergehen.“ Zielstrebig zog er Moira an der Hand durch den Raum.

„Wer ist Garret Kelly?“, fragte sie.

„Nur der beste Lacrosse-Spieler im ganzen Land. Letztes Jahr, als er noch bei Denver Mammoth spielte, war er Torschützenkönig in der Liga.“

Schon wieder Sport. Moira stöhnte.

Sie erreichten die Gruppe an der Theke. „Hey, ich bin Dave Brewer.“ David streckte seine Hand aus. „Ich bin ein großer Fan von Ihnen.“

„Nett, Sie kennenzulernen, Dave.“ Garret lächelte Moira an. „Und wer ist diese bezaubernde Lady?“

Moira hielt sich unwillkürlich gerader und widerstand der Versuchung, sich das Haar zu richten. Endlich mal ein Gentleman.

„Das ist Moira“, sagte David. Er schaute sie nur flüchtig an, bevor er sich wieder Kelly zuwandte. „Ich habe gehört, dass Sie jetzt bei den Dallas Devils unter Vertrag sind. Das ist klasse. Ich kann es kaum abwarten, Sie spielen zu sehen.“

„Ich freue mich darauf“, antwortete Garret. Er lächelte wieder Moira an. „Moira, darf ich Sie mit meinen Teamkameraden bekannt machen? Zu meiner Linken sehen Sie Bud Mayhew. Neben ihm stehen unser Torwart Tate Maguire und seine Frau Leslie. Dann Guy Clifford, Slate Williams und Peter Rutherford.“

Die Vorgestellten lächelten und sagten Hallo.

„Ich bin ganz hingerissen von Ihren Schuhen“, meinte Leslie Maguire. „Sie müssen mir unbedingt ein paar gute Läden verraten.“

„Tun Sie es nicht, ich flehe Sie an.“ Ihr Mann Tate schlug einen fast beschwörenden Tonfall an. „Ich habe ja jetzt schon kaum noch Platz im Kleiderschrank.“

„Du kannst immer noch auf das Gästezimmer ausweichen“, entgegnete Leslie bedeutungsvoll.

„Okay, ich habe verstanden. Kauf so viel ein, wie du willst“, lenkte Tate scherzhaft ein. „Solange du nicht von mir verlangst, dich zu begleiten.“

„Ich weiß, was Sie meinen“, mischte David sich wieder in die Unterhaltung. „Moira liegt mir ewig in den Ohren, ich soll mit ihr shoppen gehen. Warum Frauen sich einbilden, dass wir Männer uns dafür interessieren könnten, ist mir zu hoch.“

Moira sah ihn stirnrunzelnd an. Sie hatte David fast nie gebeten, mit ihr einkaufen zu gehen. Im Grunde konnte sie sich nichts Schlimmeres vorstellen, als sich das Lamentieren eines Mannes anhören zu müssen, während sie Schuhe anprobierte. Sie wandte sich an Leslie. „Ich würde Ihnen gern ein paar Geschäfte zeigen“, erklärte sie höflich. „Und Sie müssen meine Freundin Rachel kennenlernen. Sie hat einen tollen Geschmack.“

„Rachel Westover?“ Garret wollte gerade sein Bierglas an die Lippen führen und hielt nun mitten in der Bewegung inne. „Sie kennen sie?“

„Sicher. Sie ist meine beste Freundin.“ Moira wappnete sich gegen eine abfällige Bemerkung über Rachels Kolumne.

„Ich hab sie vorhin getroffen. Drüben am Büfett.“ Er trank einen Schluck Bier. „Interessante Frau.“

„Ja, Rachel ist sehr … interessant.“ Und sie musste einen ziemlich starken Eindruck auf Garret Kelly gemacht haben. Moira taxierte ihn unauffällig. Guter Anzug, aber keine Krawatte. Eher der etwas ungehobelte, lässige Typ. Ganz bestimmt nicht die Sorte Mann, die Rachel sonst bevorzugte. Ein richtiger Kerl hatte allerdings auch seinen Reiz.

War er Manns genug, um es mit „The Man Tamer“ aufzunehmen? Moira lachte in sich hinein. Es könnte sein, dass Rachel endlich ihr passendes Gegenstück gefunden hatte. Zweifellos würde es Spaß machen, den Zweikampf zu beobachten – aus sicherer Entfernung.

Rachel schaute Wild Man Kelly nach. Ihre Finger kribbelten immer noch von der Berührung seiner Zunge. In ihren Brüsten spürte sie ein Ziehen, und das Pochen zwischen ihren Beinen verriet, wie stark der Fremde sie innerhalb weniger Sekunden erregt hatte. Er hatte sie so unwiderstehlich in seinen Bann gezogen, dass sie nicht protestiert hätte, wenn er sie plötzlich auf den Büfetttisch gelegt und ausgezogen hätte.

Bis jetzt hatte er seinem Spitznamen wirklich alle Ehre gemacht. Wenn sie nicht etwas Wichtiges mit Denton hätte besprechen müssen, hätte sie nichts dagegen gehabt, Garret besser kennenzulernen. Er war zwar nicht ihr Typ, aber er war vielleicht der richtige Mann für eine heiße Affäre – vorausgesetzt, dass er sich nicht von ihrem Ruf abschrecken ließ.

„Worüber wollten Sie mit mir sprechen?“, fragte Denton. „Ich habe nicht den ganzen Abend Zeit.“

Dentons knapper Hinweis holte Rachel in die Wirklichkeit zurück. „Haben Sie eine Entscheidung getroffen wegen des freien Sendeplatzes auf KTXK?“

„Nein. Ich habe die Chance, die Rechte an Wiederholungen der Serie ‚Space Cadet Coed‘ zu erwerben.“

Space Cadet Coeds? Hab ich noch nie gehört.“

„Eine Topserie aus Japan“, erklärte er. „Ich denke, sie wird auch bei uns ein Hit.“

„Wer will schon einen japanischen Import sehen, wenn man einen Star aus der eigenen Stadt haben könnte?“ Rachel richtete sich zu ihrer vollen Größe von einem Meter achtundsechzig auf. „Meine Kolumne ist in Sachen Partnerschaft die Nummer eins in Texas“, betonte sie selbstbewusst. „Eine Fernsehshow zum Thema Man Taming würde die Zielgruppe der zwanzig- bis vierzigjährigen Frauen ansprechen, außerdem würde sie gleichzeitig die Auflage von Belinda erhöhen, weil noch mehr Menschen neugierig auf die Kolumne wären.“

Gequält verzog Denton das Gesicht. „Rachel, Sie wenden Methoden der Hundedressur auf den Umgang mit Männern an. Das ist ein hübsches Konzept für eine Kolumne. Im Fernsehen kann ich mir das aber nicht vorstellen.“

„Es ist keine Hundedressur!“, protestierte sie laut. Als sie merkte, dass ein halbes Dutzend Leute sich zu ihnen umdrehte, holte sie tief Luft und versuchte, ruhig zu bleiben. „Ich werbe lediglich für die Anwendung von bewährten Grundsätzen der Verhaltenstherapie.“

„Hundedressur“, wiederholte Denton.

„Nennen Sie es, wie Sie wollen, aber es funktioniert. Ich habe Hunderte von Briefen zufriedener Leserinnen, die das bestätigen.“

Denton wirkte auf einmal nachdenklich. „Wollen Sie damit sagen, dass Sie mit Ihren Methoden jeden Mann zähmen und in den perfekten Partner verwandeln können?“

„Natürlich.“

„Sogar so jemanden wie Wild Man Kelly?“

Rachel schaute zu Garret, der, eine Hand in der Hosentasche, inmitten einer Schar Bewunderer am Biertresen stand. Das zu lange Haar, die Bartstoppeln und die lässige Haltung verrieten den eingefleischten Junggesellen, der sich nicht viel aus seiner Erscheinung machte. Zweifellos war seine Wohnung ein Schweinestall. Und seine Vorstellung von einer ausgewogenen Mahlzeit beschränkte sich garantiert auf ein Stück Pizza in der einen Hand und ein Bier in der anderen. Hunderte von Frauen hatten ihr von ähnlichen Männern geschrieben.

„Ich habe schon schlimmere Exemplare gesehen.“ Allerdings hatte kein anderer Mann es bisher geschafft, ihre Hormone innerhalb von zwei Minuten derart durcheinanderzuwirbeln.

„Dann können wir uns vielleicht auf einen Deal einigen.“

„Wie bitte?“ Sie blinzelte verständnislos.

„Ich schlage Ihnen eine Wette vor.“ Denton rieb sich die Hände. „Sie wenden Ihre Methoden bei Garret Kelly an, und wenn Sie es schaffen, ihn zu zähmen, bekommen Sie Ihre Show.“

„Das ist fantastisch!“ In ihrer Erleichterung hätte sie Denton beinahe umarmt, doch sie hielt sich gerade noch rechtzeitig zurück. „Die Wette habe ich schon gewonnen.“

„Seien Sie sich da nur nicht zu sicher“, erwiderte Denton. „Kelly hat viel zu viel Testosteron im Blut, der ist nicht zu bändigen.“ Er lachte leise. „Ich nenne ihn nicht umsonst Wild Man.“

Rachel sah wieder zu Garret. Eine kleine Brünette strahlte ihn an, und ihre ganze Haltung drückte die Botschaft aus: Nimm mich, ich gehöre dir.

Vielleicht wurde es nicht gerade ein Kinderspiel, diesen Mann zu zähmen. Aber niemand konnte behaupten, dass Rachel sich vor Herausforderungen drückte.

„Ich werde schon mit ihm fertig“, entgegnete sie, und ein Schauer überlief sie bei dem Gedanken. Okay, sie hatte einiges mit ihm vor. Alles zu seiner Zeit …

„Denton, wie wunderbar, Sie zu sehen!“ Rhonda, ihr Timing so perfekt wie immer, rauschte in einer Parfumwolke heran. Sie bot Denton ihre Wange, die er gehorsam küsste. Dann tat sie so, als ob sie sich Rachels Anwesenheit erst jetzt bewusst wurde. „Hallo, Rachel. Ich wusste nicht, dass du auch hier bist.“

„Natürlich nicht. Warum solltest du auch eine so unbedeutende Person wie mich bemerken?“ Rachel trat einen Schritt dichter an Denton heran, um zu verhindern, dass er völlig von Rhonda in Beschlag genommen wurde. „Denton und ich haben gerade über unsere Pläne für eine Fernsehshow, die auf meinen Man-Tamer-Kolumnen aufbaut, diskutiert.“

Rhondas Lächeln schwand. „Oh nein! Sag nicht, dass du vorhast, dich – und den Rest der Familie – bloßzustellen, indem du deine lächerlichen Ideen publik machst.“

„Hallo? Ich schreibe monatlich eine Kolumne, die zweihunderttausend Leser erreicht. Ich stehe in der Öffentlichkeit.“

„Die Kolumne gehört zu den beliebtesten Rubriken der Zeitschrift Belinda“, fügte Denton hinzu. Dass er für sie Partei ergriff, gefiel Rachel, obwohl sie den Verdacht hatte, dass er einfach nur Spaß daran hatte, die Schwestern gegeneinander aufzuhetzen.

Rhondas Miene hellte sich kein bisschen auf. „Ich nehme an, dass die Flut von Reality-TV und oberflächlichen Talkshows ein Beweis für das sinkende Niveau des Publikums ist“, meinte sie. „Dennoch ist es schwer zu akzeptieren, dass ausgerechnet ein geliebtes Familienmitglied sich dazu herablassen könnte.“

Nur mit Rücksicht auf Dentons Gegenwart verzichtete Rachel darauf, ihre Schwester zu ohrfeigen. Sie zwang sich zu einem honigsüßen Lächeln. „Stell dir einfach vor, dass es meine Art ist, den Menschen zu helfen“, erwiderte sie. „Bei deiner wohltätigen Ader müsstest du das doch verstehen.“

„Wo wir gerade von Wohltaten sprechen …“ Rhonda legte die Hand auf Dentons Arm und fixierte ihn lächelnd. „Es geht um die Gala für das Kinderkrankenhaus …“ Ohne Rachel eines weiteren Blickes zu würdigen, steuerte sie mit Denton fort.

Seufzend kehrte Rachel ans Büfett zurück und versorgte sich noch einmal mit Erdbeeren – und einer Handvoll Servietten. Sie wollte ihren Frust in Schokolade ersticken und ihren nächsten Schachzug bei Garret Kelly planen. Ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich vorstellte, wie sie an Garrets Arm hing und ihn Rhonda vorstellte. „Dies ist Wild Man Kelly“, würde sie sagen, „der Star der Dallas Devils und ein sehr guter Freund von mir.“ Rhondas älterer Ehemann war trotz seines Reichtums und seiner herausragenden gesellschaftlichen Stellung keine Konkurrenz für einen muskulösen Sportler mit einem erotischen ausländischen Akzent.

Rhonda würde grün vor Neid werden, und Rachel fand, dass diese Farbe wunderbar zu ihrer großen Schwester passte.

2. KAPITEL

„Männer wie Garret Kelly glauben, dass sie mit ihrem Leben glücklich sind, aber das liegt nur daran, dass sie nicht wissen, was ihnen fehlt.“ Rachel rührte Süßstoff in ihren Eistee, als sie am folgenden Montag mit Moira im Café saß. „Ich kann Männern wie ihm zeigen, wie sie ihr Leben bereichern.“

„Zu deinem Besten hoffe ich, dass regelmäßiger Sex dazugehört“, antwortete Moira. „Das ist etwas, das deinem Leben schon eine Weile fehlt.“

Rachel ignorierte den Stich. „Ich kann mir diese Art der Ablenkung nicht leisten“, sagte sie. „Für mich ist dies eine ernste Angelegenheit. Wenn ich beweisen kann, dass meine Methoden auch bei einem Raubein wie Garret Kelly erfolgreich sind, kann ich endlich meine Fernsehkarriere starten.“

Moira würzte ihren Salat mit Pfeffer nach. „Ein Mann mit dem Spitznamen Wild Man könnte ein harter Brocken für dich sein.“

„Ich werde es schaffen.“ Egal was Denton oder Rhonda oder sonst jemand denken mochten. „Ich werde meine ganze Energie in dieses Projekt stecken. Ich werde die TV-Show bekommen.“

„Trotzdem ist nichts dagegen einzuwenden, wenn du dich dabei ein bisschen amüsierst“, meinte Moira. „Garret Kelly ist ungeheuer sexy. Wenn man den großen, kräftigen Typ mag.“

Bei der Erinnerung, wie sich Garrets Mund um ihre Finger schloss, wand sich Rachel auf ihrem Stuhl. „Ja. Er ist in Ordnung.“

„In Ordnung? Du hättest erleben sollen, wie die Frauen ihn angehimmelt haben. Und er hat sich nach dir erkundigt.“

Rachel blinzelte. „Wirklich? Was hat er gesagt?“

„Ich habe erwähnt, dass du meine Freundin bist, und er hat erwidert, dass er dich sehr interessant findet. Und er sagte das auf eine Art, aus der ich nur schließen kann, dass er dich näher kennenlernen möchte.“

„Umso besser. Das macht die Sache einfacher.“ Hauptsache, sie behielt einen kühlen Kopf dabei.

„Heißt das, du wirst einfach zu ihm gehen und verkünden, dass du The Man Tamer bist und ihn in einen Mustermann verwandeln willst?“, fragte Moira.

Rachel schüttelte den Kopf. „Nein, das braucht er nicht zu wissen. Es wird leichter für mich sein, wenn er ahnungslos ist. Dann wird er sich nicht so heftig gegen meine Techniken sperren.“

„Und was ist mit dir? Wirst du seinen Techniken widerstehen können?“ Moira lachte. „Ich finde, du solltest nicht zu widerspenstig sein.“

„Sehr witzig.“ Rachel konnte nicht leugnen, dass zwischen ihr und dem attraktiven Sportler auf Dentons Party die Funken gesprüht hatten. Wer könnte ihr verbieten, diese Anziehung zu ihrem Vorteil zu nutzen?

Garret war am Dienstagabend gerade auf dem Weg nach Hause, als sein Handy klingelte.

„Ist da Wild Man Kelly?“, fragte eine weibliche Stimme neckend.

„Der und kein anderer“, antwortete er gespielt munter trotz seines Unmuts darüber, dass ein Fan seine Privatnummer herausgefunden hatte.

„Hier ist Rachel Westover. Wir haben uns auf Denton Morrisons Party kennengelernt.“

Er lächelte, und sein Unbehagen war schlagartig verflogen. „Wie könnte ich das vergessen? Haben Sie wieder ein Malheur mit Schokolade?“

„Das nicht. Ich hoffte nur, wir könnten uns bald einmal wiedersehen.“

Dass sie sich an ihn erinnerte und ihn ausfindig gemacht hatte, schmeichelte ihm. „Wie ist es mit heute Abend? Ich komme gerade von der Arbeit, also muss ich mich vorher noch frisch machen, aber ich könnte Sie um …“, er schaute auf seine Armbanduhr, „… halb sieben treffen?“

„Arbeit? Sie meinen Ihr Training?“

„Nein, ich meine einen richtigen Beruf. Lacrossespieler verdienen nicht so viel wie zum Beispiel Footballspieler. Wir müssen wie ganz normale Menschen für unseren Lebensunterhalt arbeiten.“

„Und was machen Sie?“

„Ich habe eine eigene Brandschutz- und Sicherheitsfirma. Wir installieren Alarmanlagen, Feuerlöscher und Ähnliches.“

„Wer hätte das gedacht? Also dann treffen wir uns um halb sieben. Kennen Sie den Club Tangerine in der Fünfzehnten Straße?“

„Ich werde ihn schon finden. Dann bis später.“

Auf der Fahrt zu seiner Wohnung dachte Garret über Rachel nach. Er wusste kaum etwas über sie außer ihrem Namen und der Tatsache, dass sie auf irgendeinem Gebiet für Denton tätig war. Und dass sie wunderbar weiche Haut und eine Leidenschaft für Schokolade hatte.

Er bog in den Parkplatz des noblen Apartmentgebäudes von Morrison Enterprises ein, in dem sich seine Wohnung befand. Als er aus dem Wagen stieg, winkte Bud Mayhew ihm von seinem Stellplatz in der Nähe zu. Mayhew war ebenfalls neu in Dallas, wie die meisten Teamkameraden. Er stammte aus Alberta in Kanada und war ein recht ruhiger Typ, der seine Fähigkeiten auf dem Spielfeld für sich sprechen ließ.

„Wollen wir uns nachher zusammen das Hockeyspiel bei mir ansehen?“, fragte Bud, während er näher kam.

„Tut mir leid. Ich habe ein Date.“

„Oh? Mit wem?“

„Mit einer Lady namens Rachel. Ich hab sie auf Dentons Party kennengelernt.“

Bud grinste. „Moiras Freundin, stimmt’s?“

„Genau die.“

„Wenn sie nur halb so gut aussieht wie Moira, kannst du dich glücklich schätzen.“

Garret warf seinem Freund einen überraschten Blick zu. Dies war das erste Mal, dass er Bud eine Bemerkung über eine Frau machen hörte. „Du findest also, dass Moira eine Schönheit ist?“

„Sicher. Sie ist toll. Nur leider vergeben.“ Bud runzelte die Stirn. „Obwohl dieser Dave echt ein mieser Typ ist.“

„Ich könnte bestimmt ihre Nummer von Rachel bekommen. Dann könntest du sie einmal anrufen.“

„Nein danke.“ Bud schüttelte den Kopf.

„Warum nicht? Was wäre denn schon dabei?“

Bud schob die Hände in die Hosentaschen und starrte auf den Fußboden. „Was sollte ich denn sagen? Ich würde wie ein Idiot klingen.“

Garret schmunzelte. „Wir sind alle Idioten, wenn es um Frauen geht.“

„Meinetwegen, aber ich bin nicht scharf darauf, es jedes Mal zu beweisen, wenn ich den Mund öffne.“ Er trat einen Schritt zurück. „Mach dich für dein Date zurecht. Wir sehen uns.“

Garret nickte und winkte Bud zu, dann ging er zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe zu seinem Apartment hoch. Er könnte Bud raten, über seinen Schatten zu springen. Doch er hielt sich mit derlei Ratschlägen zurück, weil er selbst auch nicht gern auf andere hörte.

Schließlich brauchte ihm niemand zu sagen, dass es zwischen ihm und Rachel auf Dentons Party gewaltig geknistert hatte. Mit etwas Glück könnte sich daraus etwas richtig Gutes entwickeln.

Rachel betrat das Tangerine und brauchte einen Moment, um sich an das Licht zu gewöhnen. Für einen Dienstagabend herrschte reger Betrieb, und ein DJ legte heiße Rhythmen auf. Als sie Garret an einem Tisch in der Nähe des Tresens entdeckte, kämpfte sie sich durch das Gedränge zu ihm durch. „Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe“, entschuldigte sie sich. „Ich hatte Probleme, einen Parkplatz zu finden.“

„Keine Sorge. Ich bin selbst noch nicht lange hier.“ Er machte der Kellnerin ein Zeichen. „Was darf ich Ihnen bestellen?“

„Cola light mit Zitrone.“ Rachel setzte sich. „Ich trinke keinen Alkohol, wenn ich noch Auto fahren muss.“ Ganz abgesehen davon, dass sie alle Sinne beisammenhaben wollte, wenn sie mit Garret zu tun hatte.

Sie beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. Er trug ein gestreiftes Hemd über der Hose, darunter ein dunkelgrünes T-Shirt. Außerdem hatte er sich rasiert. Für sie? Ein gutes Zeichen.

Alles in allem fand sie ihren ersten Eindruck von ihm bestätigt: Er sah gut aus, legte keinen Wert auf besonderes Styling und wirkte männlich und selbstbewusst. Und sehr sexy.

Sie bekam ihr Getränk serviert und nahm einen langen Schluck, um sich zu sammeln. Hier ging es um einen Job. Garret war ein Mann, dem der nötige Feinschliff fehlte, und sie war die Frau, die ihm den verpassen konnte.

„Sie sehen toll aus“, schmeichelte er ihr. „Ich freue mich wirklich, dass Sie mich angerufen haben. Ich spielte schon mit dem Gedanken, Denton um Ihre Nummer zu bitten.“

Das klang ja beinahe so, als hätte ihr Chef noch nicht näher mit Garret über seine Idee, sie beide der Öffentlichkeit als Paar zu präsentieren, gesprochen. „Hat Denton mit Ihnen über mich geredet?“, bohrte sie nach.

„Nein.“ Sein Lächeln schwand. „Gibt es etwas, das ich über Sie und Denton wissen sollte?“

„Nein. Ich meine, ich schreibe für eine Frauenzeitschrift, die er herausgibt. Sie heißt Belinda.“

„Nie davon gehört. Aber ich achte auch nicht besonders auf solche Dinge.“

Nun war Rachel sich ganz sicher, dass Garret ahnungslos war. Vorsichtshalber wechselte sie das Thema. „Erzählen Sie mir von sich“, bat sie. „Seit wann leben Sie schon in den Staaten?“

„Seit ein paar Jahren. Ich habe im Irak viele Amerikaner kennengelernt, die mich davon überzeugt haben, dass hier die Zukunft von Lacrosse liegt. Meine erste Station war Queensland, dann bin ich zum Verein Denver Mammoth gekommen. Und jetzt hat Denton mich für die Dallas Devils verpflichtet.“

Eine Melodie von Vivaldi, die aus ihrer Handtasche ertönte, ließ Rachel zusammenzucken. „Entschuldigung, das ist mein Handy.“

„Kein Problem.“ Er hob die Brauen, sagte aber nichts weiter.

Rachel checkte die Nummer. Rhonda. Warum rief sie sie wohl an?

Kurzerhand schaltete sie das Handy aus und steckte es wieder in ihre Tasche. „Das war meine Schwester. Ich melde mich später bei ihr.“ Sie nahm den Gesprächsfaden wieder auf. „Sie waren im Irak?“, fragte sie. „Als Soldat?“

„Nein, als Tourist.“

Sie verzog das Gesicht. „Sehr komisch.“ Der Krieg war sicher kein gutes Thema für leichte Konversation. „Warum ausgerechnet Lacrosse? Warum nicht Basketball oder Rugby?“

Er zuckte mit den Schultern. „Ich habe Rugby in der Schule gespielt, doch Lacrosse hat mir schon immer mehr gelegen.“ Er lächelte frech. „Es ist eine Sportart, bei der man sehr geschickt mit seinen Händen sein muss.“

„Und das sind Sie.“

„Und ob.“ Er trank einen Schluck und hypnotisierte sie dabei mit seinem Blick.

Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, dann hätte sie geschworen, dass ihre Cola mit Drogen versetzt war. Wie sonst waren das Kribbeln und die Hitzewellen in ihr zu erklären?

Sie schob ihren Stuhl zurück. „Lassen Sie uns tanzen.“

Er schüttelte den Kopf. „Nein danke. Ich kann nicht tanzen.“

„Jeder kann tanzen.“ Rachel zog an seiner Hand. Es war so, als ob sie versuchte, einen Felsblock zu bewegen. „Nun kommen Sie schon.“

Widerstrebend ließ Garret sich von ihr auf die Tanzfläche führen. „Beschweren Sie sich nicht, wenn ich Ihnen auf die Zehen trete.“

„Oh bitte. Bewegen Sie sich einfach im Takt der Musik.“

Zwei Minuten später hatte sie Mühe, ihr Lachen zu unterdrücken.

„Denken Sie nicht, dass ich das Grinsen nicht gesehen hätte“, sagte Garret, während er mit den Armen in der Luft ruderte, als wollte er ein Flugzeug auf die Landebahn lotsen. „Ich habe Sie gewarnt, dass ich nicht tanzen kann.“

Rachel krümmte sich beinahe vor Lachen. Sie hatte noch nie jemanden mit so wenig Gespür für Rhythmus erlebt. „Ich hoffe, Sie spielen besser Lacrosse als Sie tanzen.“

„Schauen Sie mir doch einmal zu. Nächste Woche eröffnen wir die Saison mit einem Spiel gegen die Calgary Roughnecks.“

„Vielleicht komme ich.“ Für ihre Karriere war sie bereit, gewisse Opfer zu bringen.

Der DJ legte zur Abwechslung langsamen, melodischen Jazz auf. Garret hörte mit seinen hektischen Bewegungen auf. „Das liegt mir schon eher“, meinte er und zog Rachel fest an sich.

Sie wusste, dass es klüger wäre, etwas mehr Abstand zu halten. Aber es fühlte sich zu gut an, so nah bei ihm zu sein. Außerdem war er bei diesem Tempo ein sehr viel besserer Tänzer. Sie wiegten sich zusammen im Takt der Musik, und der sanfte Rhythmus ließ sie an weit intimere Umarmungen denken.

Garret strich über ihren Rücken. Bei der Berührung überlief sie ein heißer Schauer. Sie wand sich, um sich ihm etwas zu entziehen, doch dabei streifte sie unbeabsichtigt eine harte Wölbung in seiner Hose. Unwillkürlich schaute sie auf, und ihre Blicke trafen sich. „Merkst du, welche Wirkung du auf mich hast?“, raunte er.

„Du solltest auf deine Hände aufpassen“, erwiderte sie.

„Sorry. Ich kann es nicht ändern. Sie machen sich selbstständig, wenn du in der Nähe bist.“

Eine Gewohnheit, die er ihretwegen nicht abzulegen brauchte. „Hast du wieder Champagner getrunken?“, neckte sie ihn.

„Nein, ich bin berauscht von dir.“

Es war ein kitschiger Satz, aber so wie Garret ihn mit seiner erotischen Stimme heiser flüsterte, brachte er sie zum Dahinschmelzen. Dieser Abend lief überhaupt nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte.

Garret beugte seinen Kopf zu ihr. Sein Mund war ihrem ganz nah. Rachel schloss die Augen und erwartete atemlos seinen Kuss. Sie war gespannt, wie sich seine Lippen anfühlen würden. Sie musste es wissen.

Doch statt sie zu küssen, schob Garret sie sanft von sich. Sie schlug die Lider auf und seufzte frustriert. Und da behaupteten Männer, dass nur Frauen solche Spielchen liebten.

„Der Song ist vorbei“, sagte er. Aber sein Blick ruhte weiter voller Verlangen auf ihr.

Rachel wirbelte herum und verschwand in Richtung Toiletten. Sie brauchte ein paar Minuten für sich, um sich wieder in die Gewalt zu bekommen. Schließlich war sie The Man Tamer. Sie war diejenige, die hier die Kontrolle haben sollte.

Eine kalte Dusche wäre jetzt genau das Richtige, dachte Garret. Doch da das momentan nicht möglich war, brauchte er wenigstens einen Drink. Er bahnte sich mit den Ellbogen den Weg zur Bar und bestellte irischen Whiskey. Allerdings würde ein Drink wohl kaum genügen, um das Feuer zu löschen, das Rachel in ihm entfacht hatte.

Sie kehrte mit frisch gekämmtem Haar von der Toilette zurück, und Lippenstift glänzte auf dem Mund, den er beinahe geküsst hätte. Nur aus Angst, nicht aufhören zu können und sie beide mitten auf der Tanzfläche in eine peinliche Situation zu bringen, hatte er sich in letzter Sekunde zurückgehalten.

Rachel gab sich betont forsch. „Was machen wir jetzt?“

Garret musterte sie und versuchte, ihre Gedanken zu lesen. Aber ihr Blick war unergründlich. „Willst du wirklich wissen, was ich möchte?“, fragte er.

Sie blinzelte. „Natürlich.“

Er stellte sein leeres Glas auf den Tresen und drehte sich zu ihr um. „Ich möchte dich mit zu mir nehmen und dich ausziehen.“

Rachel öffnete die Lippen, brachte jedoch keinen Laut hervor. Eine tiefe Röte schoss in ihre Wangen. Sie war erregt, und das zu wissen machte ihn noch heißer.

„Ich weiß, was du sagen willst“, fuhr er fort. „Du bist nicht so eine. Aber du bist eine Frau, und die Vorstellung reizt dich, nicht wahr? Gib es zu.“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich gebe gar nichts zu.“

Was seiner Ansicht nach so gut wie ein Ja war. „Na schön. Dann lass uns irgendwo hingehen, wo es ruhiger ist, und einen Kaffee trinken. Und reden.“ Reden war zwar nicht so gut, wie gleich zur Sache zu kommen, doch es könnte eine Art Vorspiel werden.

Gleich um die Ecke war ein Coffeeshop, und bei Kaffeegetränken, die so teuer wie sein Whiskey waren, unterhielten Rachel und Garret sich über ihre familiären Hintergründe. Ein unverfängliches Thema für das erste Date. Er erfuhr, dass sie mit einer älteren Schwester und zwei Brüdern aufgewachsen war. Ihre Eltern lebten in Houston, und ihre Geschwister lebten in verschiedenen Orten in Texas. Er erzählte ihr von seiner Mutter, die ihn und seine drei Schwestern mit dem Lohn einer Fabrikarbeiterin großgezogen hatte.

„Sie scheint eine starke Frau zu sein“, meinte Rachel.

Er nickte. „Das ist sie. Aber irgendwann war ich froh, aus diesem Frauenhaushalt herauszukommen.“

„Vielleicht hat Lacrosse dich deshalb so fasziniert – weil es so machohaft ist.“

„Glaubst du das? Dann solltest du dir wirklich unser erstes Spiel ansehen.“

„Ich wüsste ja nicht einmal, worum es geht.“

„Wenn du öfter mit mir zusammen sein willst, dann wird es Zeit, dass du dich damit befasst.“

„Will ich denn öfter mit dir zusammen sein?“, fragte sie kokett.

Ihre Blicke trafen sich, und das Blut schien schneller durch seine Adern zu rauschen. „Ich glaube nicht, dass es daran einen Zweifel gibt, oder?“

Sie schaute weg, doch ein Lächeln glitt über ihr Gesicht. „Bist du sicher, dass du dafür bereit bist?“

„Oh ja.“

Rachel wartete bis zum nächsten Tag, bevor sie Rhonda anrief. Sie trommelte mit den Fingern auf die Schreibtischplatte und zählte die Freizeichen, während sie darauf wartete, dass ihre Schwester sich meldete. Vier … fünf …

„Hallo?“

„Hier ist Rachel. Du hast gestern Abend versucht, mich zu erreichen.“

„Oh, stimmt. Warum hast du das Gespräch weggedrückt? Was hast du gemacht?“

„Ich war beschäftigt“, antwortete Rachel knapp. „Was möchtest du?“

„Ich möchte wissen, ob du diese verrückte Idee mit der Fernsehshow aufgegeben hast.“

Natürlich. Rhonda lebte in ständiger Furcht, dass man in ihren feinen Kreisen ihre Verwandtschaft zu der Frau herausfinden könnte, die unter dem Namen „Man Tamer“ für eine Frauenzeitschrift angeblich ‚schmuddelige‘ Kolumnen schrieb. „Warum sollte ich?“, fragte Rachel. „Die Idee ist gut, und sie wird ein Erfolg werden.“

„Du könntest auf so viele andere Arten erfolgreich sein“, entgegnete Rhonda. „Du hast es nicht nötig, dich auf dieses Niveau herabzulassen.“

Rachel unterdrückte ihren aufkeimenden Ärger und versuchte, vom Thema abzulenken. „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass du die Schirmherrschaft über den Winter Fantasy Ball übernommen hast. Herzlichen Glückwunsch.“

Wie Rachel gehofft hatte, brachten ihre Worte Rhonda aus dem Takt. Es entstand ein langes Schweigen, dann räusperte sich Rhonda. „Danke“, sagte sie. „Es ist für mich wirklich eine große Ehre.“

Rachel hätte beinahe laut gelacht. Bei all dem Geld, das Harrison für diesen Zweck gespendet hatte, wären Köpfe gerollt, wäre Rhonda nicht zur Schirmherrin ernannt worden. „Ich bin sicher, du wirst einen tollen Job machen.“

„Warum bist du plötzlich so nett zu mir?“, fragte Rhonda argwöhnisch.

Diesmal lachte Rachel wirklich. „Du bist meine Schwester. Darf ich nicht nett zu meiner Schwester sein?“

„Ich ahne, was dahintersteckt. Du versuchst nur, mich dafür zu entschädigen, dass du mich seit Monaten mit deiner Kolumne in Verlegenheit bringst.“

„Wenn es dir peinlich ist, ist das dein Problem, nicht meins“, erwiderte Rachel gelassen. „Ich bin sehr stolz auf meine Arbeit.“

„Ich bitte dich. Man Taming?“ Rhonda senkte ihre Stimme. „Das klingt so … anrüchig.“

Rachel lachte wieder. „Offenbar hast du meine Kolumne nie gelesen, sonst würdest du wissen, dass sie alles andere als anrüchig ist. Du solltest ruhig mal einen Blick darauf riskieren. Vielleicht lernst du noch etwas für deine Ehe daraus.“

„Meine Ehe ist in Ordnung, vielen Dank.“ Rhonda klang beleidigt. „Wenigstens bin ich verheiratet – im Gegensatz zu dir.“

„Lassen wir das“, wehrte Rachel ab. „Es tut mir leid, wenn ich dich in Verlegenheit bringe. Aber du wirst dich damit abfinden müssen.“

„Ich denke im Moment nicht an mich“, betonte Rhonda. „Ich denke an dich. Kein normaler Mann wird sich mit einer Frau einlassen, die als Man Tamer bekannt ist. Du könntest ebenso gut gleich ins Kloster eintreten.“

„Ein richtiger Mann würde sich von meinem Image nicht einschüchtern lassen.“

Rhonda ließ nicht locker. „Sag mir wie viele Dates du hattest, seit du die Kolumne schreibst.“

Rachel lächelte. „Ich hatte erst gestern Abend ein Date.“

„Mit wem?“

Rachel zögerte kurz. „Mit Garret Kelly. Dem neuen Star der Dallas Devils.“

„Oh. Ein Sportler.“ Schlimmer konnte es nach Rhondas Meinung wohl kaum sein.

„Ja, er ist ein toller Typ und sehr amüsant.“

„Mit anderen Worten, genau der richtige Kandidat für eine Zukunft zu zweit“, meinte Rhonda ironisch. „Du bist fast dreißig. Du kannst nicht ewig das Partygirl spielen.“

Nun hatte Rachel wirklich genug. „Hör zu, es war nett, mit dir zu plaudern, aber ich habe zu tun. Wiederhören.“

Bevor Rhonda reagieren konnte, legte Rachel auf, dann lehnte sie sich zurück und starrte das Telefon an. Die beiden Schwestern wussten ganz genau, mit welchen Provokationen sie die andere in Rage bringen konnten.

Normalerweise genoss Rachel die Wortgefechte mit Rhonda. Doch heute hatte sie wenig Freude daran. Insgeheim hatte sie gehofft, dass ihre Schwester sich einmal freuen würde, dass Rachels Karriere so gut lief und sie sogar nahe daran war, ihren Traum von einer eigenen Fernsehshow zu verwirklichen.

Rachel seufzte und öffnete eine neue Datei auf ihrem Computer. Rhonda war Rhonda, und es hatte keinen Sinn zu versuchen, sie zu ändern. Sie würde nie begreifen, dass Rachel nicht vernünftig und ernsthaft sein wollte, sondern dass es ihr in erster Linie darum ging, Spaß zu haben.

3. KAPITEL

Rachel überredete Moira, sie am Freitagabend zum Spiel der Dallas Devils zu begleiten. „Verrat mir bitte, warum du das tust“, bat Moira, als sie Rachel an der Bahnstation traf. „Du hasst Sport. Und ich auch.“

„Aber du bist meine beste Freundin, also kommst du mit, um mich zu unterstützen, nicht wahr?“ Rachel schob Dollarscheine in den Fahrkartenautomaten. Der Zug hielt direkt an der Sportarena und ersparte ihnen somit den Stress der Parkplatzsuche.

„Du hast meine Unterstützung nicht nötig.“ Moira nahm ihr Ticket. „Obwohl es dich wirklich schwer erwischt haben muss, wenn dich dieser Garret sogar dazu bringen konnte, dir ein Spiel anzusehen.“

„Ich tue dies für meine Karriere“, erklärte Rachel. Nun, hauptsächlich für ihre Karriere. Garret wiederzusehen war ein Bonus.

„Oh, richtig. Die Wette. Was hält der Wild Man davon?“

„Er weiß es nicht. Denton hat es ihm nicht erzählt, und ich werde es garantiert auch nicht tun.“ Der Zug fuhr in die Station ein, und die beiden Frauen stiegen ein.

Moira ließ sich in den Sitz neben Rachel fallen und schüttelte den Kopf. „Und was ist, wenn er es herausfindet?“

„Dann werde ich es lachend als einen von Dentons PR-Gags abtun. Solche verrückten Ideen sind nicht ungewöhnlich für ihn.“

„Warum sagst du es Garret dann nicht gleich und bringst es hinter dich?“

„Weil …“ Rachel kaute auf ihrer Unterlippe. „Weil ich ihn wirklich mag und nicht möchte, dass er sich als Versuchskaninchen missbraucht fühlt.“

„Irgendwann wird er von deiner Kolumne erfahren. Spätestens, wenn du es zu deiner eigenen Fernsehshow gebracht hast.“

„Bis dahin wird er mich besser kennen. Außerdem werde ich meine Methoden auf unsere Beziehung angewandt haben, und er wird einsehen, wie großartig sie sich für uns bewährt haben.“

„Eure Beziehung? Ihr kennt euch doch kaum“, wandte Moira ein.

„Stimmt, aber das könnte sich ändern.“

Sie stiegen aus und wurden von der Menge mitgezogen, die in die Arena strömte. Die beiden Frauen fanden ihre Plätze – dank Garret erste Reihe Center Court – und setzten sich.

In dem Moment erlosch die Beleuchtung auf den Rängen, und die Stimme des Stadionsprechers ertönte. „Wir begrüßen die Dallas Devils!“ Zu gewaltigem Flitterregen und Heavy Metal raste eine Motorradformation herein. Hinter jedem Fahrer saß eine spärlich bekleidete Tänzerin. Dahinter liefen die Spieler in Shorts, Trikots, Handschuhen und Schutzhelmen ein.

Die Menge johlte und pfiff, lauter noch als die Musik. Rachel hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten.

„Da ist Garret!“ Moira deutete auf den Mann mit der Nummer 36 und dem Namen Kelly auf dem Rücken. Ohne die Aufschrift hätte Rachel ihn gar nicht erkannt. Der Helm bedeckte seinen Kopf, und das gepolsterte Trikot ließ seine Schultern noch breiter wirken. Ihr Blick wanderte zu den einzigen Körperteilen, die nicht versteckt waren. „Schöne Beine“, stellte sie fest. Sie waren braun und muskulös.

„Sie haben alle schöne Beine“, meinte Moira anerkennend. „Schade, dass die Shorts nicht enger sind.“

Nachdem die kanadische und die amerikanische Nationalhymne gespielt worden waren, machten Rachel und Moira es sich auf ihren Plätzen bequem. Rachels Po hatte kaum die Sitzfläche berührt, als die Zuschauer brüllten und wieder hochsprangen. „Tor für die Devils!“, verkündete der Sprecher. Lichter blitzten auf, und eine Fanfare dröhnte aus den Lautsprechern, während die Spieler zurück in ihre eigene Spielfeldhälfte liefen.

„Was ist passiert?“, fragte Rachel.

„Wir haben ein Tor, soviel ich verstanden habe.“

Der Rest des Spiels ging ebenso temporeich weiter. Die Devils erzielten ein weiteres Tor, dann drehten die Roughnecks auf und machten die nächsten drei. Gut, dass es Wiederholungen auf der elektronischen Anzeigetafel gab, sonst hätte Rachel nie begriffen, was vor sich ging.

Selbst so fand sie es fast unmöglich zu verfolgen, wie jemand einen harten Gummiball in einem kleinen Netz am Ende eines Stocks fing und damit übers Spielfeld rannte, während gegnerische Spieler ihn mit ihren Schlägern zu stoppen versuchten. Und dann musste der Ball auch noch an einem riesigen Mann in Schutzpolstern vorbei ins Tor geschleudert werden. Unmöglich, und dennoch passierte es immer wieder, Schlag auf Schlag, auf beiden Seiten.

Im zweiten Viertel musste Garret für zwei Minuten in die Strafbox. Rachel hatte keine Ahnung warum, aber die Menge johlte und jubelte, als die Strafe verkündet wurde. Bei seinen Anhängern brandete Beifall auf, sobald Garret wieder aufs Spielfeld lief.

Überhaupt jubelten die Zuschauer die meiste Zeit. Oder wedelten mit den Armen. Oder sangen mit bei der lauten Rockmusik, die bei jeder Unterbrechung ertönte. Rachel hatte noch nie eine so fanatische Menge erlebt. „Diese Leute sind mir unheimlich“, meinte sie zu ihrer Freundin.

„Ich finde, es macht Spaß“, entgegnete Moira. „Und es ist viel spannender als Baseball.“

Das Spiel endete mit siebzehn zu sechzehn für die Devils. Die Menge raste vor Freude, dann löste sie sich rasch auf. Moira und Rachel blieben, um Garret zu begrüßen.

Er sah sie und kam zu ihnen herüber. Inzwischen hatte er seinen Helm abgenommen, und sein Haar war feucht von Schweiß. Er war nicht rasiert, und sein Trikot war im Nacken eingerissen. Aber er lächelte zufrieden. „War das ein großartiges Spiel oder etwa nicht?“, fragte er.

„Es war großartig“, bestätigte Moira.

„Auf jeden Fall ist Lacrosse sehr rasant“, stellte Rachel fest.

„Ja, es wird nie langweilig. Danke, dass ihr gekommen seid.“

„Super Spiel, Garret!“ Ein anderer Spieler, etwas kleiner und mit blondem Haar, lief zu ihnen. Er lächelte die Frauen an. „Ist der Mann nicht unglaublich? Fünf Tore und drei Vorlagen.“

„Bud Mayhew“, stellte Garret ihn vor. „Bud, du erinnerst dich sicher noch an Moira. Und dies ist Rachel.“

„Hey.“ Bud nickte ihnen zu, sagte aber nichts mehr.

„Ich erinnere mich an Sie“, erklärte Moira. „Sie waren auf Dentons Party.“

„Ja.“ Er schaute sich nervös um. „Hey, ich gehe lieber duschen. Wir sehen uns.“ Er drehte sich um und eilte davon.

Moira sah ihm stirnrunzelnd nach. „Nicht besonders charmant, nicht wahr?“

„Oh, Bud ist ein großartiger Kerl. Nur etwas schüchtern.“

„Er hat keinen Grund dazu.“ Moira lächelte. „Er ist sehr attraktiv.“

„Ich werde es ihm ausrichten.“ Garret wandte sich an Rachel. „Ich mache mich nur rasch frisch, dann lade ich euch beide ein, um den Sieg zu feiern.“

„Ich kann nicht. Ich muss nach Hause“, erwiderte Moira. Sie klopfte Rachel auf die Schulter. „Doch du bleibst.“

Rachel hielt Moira nicht zurück. Eigentlich hatte sie sie zwar mitgenommen, um es langsamer mit Garret angehen zu lassen, aber inzwischen fragte sie sich, warum sie sich die Mühe machen sollte. Garret und sie waren beide ungebunden und erwachsen. Wenn die Anziehung zwischen ihnen so stark war, warum sollten sie ihr nicht nachgeben?

Als Garret aus dem Umkleideraum zurückkehrte, trug er ein blaues Sakko, eine dunkle Hose und ein weißes Hemd, das am Kragen offen stand. Er hatte sich rasiert und roch nach einem teuren Eau de Cologne. Rachel nickte anerkennend. „Du hast dich ganz schön verwandelt.“

„Man tut, was man kann.“ Er legte eine Hand auf ihren Rücken und führte sie aus der Arena zu seinem schwarzen Supercap Pick-up. Rachel amüsierte sich im Stillen. Wer in Texas als Mann etwas auf sich hielt, der entschied sich eindeutig für einen Truck.

„Wohin fahren wir?“, fragte sie.

„Ich habe gehört, dass es bei O’Malley’s erstklassige Steaks geben soll.“

Rachel war damit einverstanden, und kurze Zeit später bekamen sie in dem Restaurant einen Ecktisch zugewiesen. Sie bestellten Drinks, und Garret musterte Rachel, die ihm gegenübersaß. „Erzähl mir, wie dir das Spiel gefallen hat“, forderte er sie auf.

„Es war aufregend, aber alles ging so schnell, dass ich gar nicht richtig begriffen habe, worum es eigentlich ging. Ich konnte nie sehen, wo sich der Ball gerade befand.“

„Das Tempo macht den Reiz des Spiels aus.“ Garret arrangierte Salz- und Pfefferstreuer, Würzflaschen und Gläser auf einem Spielfeld, das er mit ihren Bestecken markierte. „Nehmen wir an, ich fange den Ball. Wenn viele gegnerische Verteidiger um mich herum sind, gebe ich ihn an einen Teamkameraden ab, der frei steht. Ansonsten laufe ich selbst mit dem Ball Richtung Tor, wobei ich ihn die ganze Zeit in meinem Netzschläger wiegen muss. Meine Mitspieler werden inzwischen versuchen, dem Torwart die Sicht zu versperren.“

„Nicht so schnell. Was heißt ‚den Ball wiegen‘?“

„Ihn im Netz meines Schlägers hin und her bewegen. Wie ein Baby. Es entspricht dem Dribbeln beim Basketball. Da ist es auch nicht erlaubt, den Ball einfach nur festzuhalten.“

Rachel schüttelte den Kopf. „Ich sehe immer noch nicht, wie man dabei ein Tor machen kann.“

„Reine Übungssache und Geschicklichkeit.“ Garret nippte an seinem Drink. „Ich bin sehr geschickt mit meiner Ausrüstung.“ Er zwinkerte ihr vielsagend zu.

Der Kellner kam, um ihre Bestellung aufzunehmen. Danach knüpfte Garret wieder an ihr Gespräch an. „Jetzt bist du dran. Erzähl mir mehr von deinem Beruf. Was genau schreibst du? Modetipps? Reportagen? Klatschkolumnen?“

Rachel hätte sich irgendwie herauswinden können, doch sie entschied sich, offen zu sein. „Ich verfasse regelmäßig eine Kolumne mit dem Titel The Man Tamer. Ich gebe Frauen Ratschläge, wie sie ihre Freunde oder Ehemänner erziehen können.“

„The Man Tamer?“ Garret verschluckte sich an seinem Drink. „Meine Güte. Ist das dein Ernst?“

Sie nickte. „Die Kolumne ist sehr beliebt. Wahrscheinlich ist sie sogar die beliebteste Rubrik im ganzen Heft.“

Er tupfte sich den Mund mit der Serviette ab und lehnte sich zurück. Dabei musterte er Rachel prüfend. „Und was befähigt dich zu solchen Ratschlägen?“

„Ich habe ein Examen in Psychologie von der Southern Methodist University.“

„Aber hast du auch viel praktische Erfahrung mit Männern?“

Die Intensität seines Blickes verriet, was wirklich hinter der simplen Frage steckte. „Wenn du wissen willst, ob ich ein Flittchen bin, lautet die Antwort Nein.“ Sie hob ihr Kinn. „Ich bin sehr wählerisch, was Männer betrifft.“

„Allzu wählerisch kannst du nicht sein, da du bereit warst, mit mir auszugehen.“

„Vielleicht ist der Wild Man für mich als Man Tamer eine interessante Herausforderung“, erwiderte sie.

Bildete sie es sich nur ein, oder blitzten seine Augen interessiert auf? Obwohl er nichts weiter zu dem Thema sagte, war die Atmosphäre beim Essen erotisch aufgeheizt. Rachels Sinne waren sensibilisiert. Der Wein schmeckte auf einmal süßer, und sie war sich intensiv der Ausstrahlung des Mannes ihr gegenüber bewusst. Der Duft seines Aftershaves betörte sie, seine zufälligen Berührungen lösten ein Kribbeln in ihr aus, und unter seinem glühenden Blick wurde ihr heiß.

Garret bezahlte die Rechnung, und schweigend gingen sie zum Wagen. An der Beifahrerseite blieb er stehen und drehte Rachel zu sich herum. „Davon träume ich schon die ganze Zeit“, murmelte er. Dann küsste er sie.

Fast besitzergreifend legte er seinen Mund auf ihren. Die Liebkosungen seiner Zunge ließen sie erschauern. Mit einer Hand streichelte er sanft ihre Schulter, während er sich mit der anderen am Kofferraum abstützte. Rachel war zwischen dem kühlen Metall und Garrets Körper gefangen, dennoch konnte sie sich keinen Ort vorstellen, an dem sie in diesem Moment lieber gewesen wäre.

Sie war atemlos, benommen und sehr erregt, als er sich schließlich von ihr löste.

Er atmete tief ein. „Ich mag dein Parfum.“

„Ich benutze kein Parfum.“

„Umso besser.“ Er öffnete die Wagentür und berührte ihren Ellbogen. „Möchtest du mit zu mir kommen? Nur auf einen Kaffee?“

Das war kein Nur-auf-einen-Kaffee-Kuss gewesen, aber Rachel ließ es durchgehen. Heute Nacht wollte sie sich nur von ihren Gefühlen leiten lassen. „Sehr gern.“ Selbst wenn es nur beim Kaffee blieb, wollte sie sein Zuhause sehen. Die Wohnung eines Mannes verriet viel über seinen Charakter.

Auf der Fahrt zu seiner Wohnung versuchte Garret sich etwas zu beruhigen. Einen Gang herunterzuschalten. Rachel war eine Frau mit Stil, und er wollte es sich nicht mit ihr verderben, bevor es überhaupt richtig mit ihnen angefangen hatte. Sie würden Kaffee trinken. Mehr nicht.

Zumindest versuchte er, sich das einzureden.

Hundegebell ertönte, sobald Garret den Schlüssel in seine Wohnungstür steckte. Erschrocken zuckte Rachel zusammen. „Was ist das?“

„Das ist Barney. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben. Er ist ein lieber Tollpatsch.“ Garret machte die Tür auf, und Barney – ein Wirbelwind mit buschigem braunem Fell und Schlappohren, sprang schwanzwedelnd hoch, um sie zu begrüßen. „Runter, Freundchen“, befahl Garret. „Sitz. Sitz!“

Barney ignorierte den Befehl und rollte sich stattdessen vor ihnen auf den Rücken. Die Zunge hing ihm aus dem Maul, und sein Schwanz schlug wild gegen das Sofa.

„Du bist ein guter Junge“, lobte Garret ihn. Er kraulte dem Hund den Bauch, und Barney schloss vor Entzücken halb die Augen.

„Er ist auf jeden Fall … groß“, stellte Rachel fest und musterte den Hund respektvoll. „Was ist das für eine Rasse?“

„Er ist ein Mischling. Ein bisschen hiervon und ein bisschen davon.“ Garret sammelte ein halbes Dutzend Kleidungsstücke vom Fußboden auf und stopfte sie in einen Wandschrank im Flur, dann zog er sein Sakko aus und warf es über das Sofa. „Fühl dich wie zu Hause. Ich mache inzwischen Kaffee.“

Als er zurückkehrte, saß Rachel steif auf einem Stuhl und beobachtete den Hund stirnrunzelnd. Barney lag auf dem Sofa, streckte sich so weit wie möglich zu ihr hin, hechelte glücklich und wedelte wild mit dem Schwanz. „Ich glaube, er mag dich“, meinte Garret und scheuchte den Hund vom Sofa.

„Er ist zumindest sehr … zutraulich.“

„Du brauchst wirklich keine Angst vor ihm zu haben.“ Garret pfiff Barney heran und hielt ihm einen Hundekeks hin. „Hier ist ein Leckerli für dich, Junge.“ Dann warf er den Cracker ins offen stehende Gästezimmer. Der Hund rannte hinterher. Sobald er in dem Raum verschwunden war, stand Garret auf und schloss die Tür. „Jetzt wird er uns nicht mehr stören.“

Er trat an die Stereoanlage und durchstöberte die CDs, die unordentlich darauf verteilt waren, und wählte weichen Blues als Hintergrundmusik aus. Allein mit Rachel in seiner Wohnung war er auf einmal sehr nervös. Vielleicht lag das an ihrem Gerede vom Man Taming, oder daran, dass er sie mehr begehrte, als er seit Langem eine Frau begehrt hatte. Jedenfalls fühlte er sich wie ein Schuljunge beim ersten Date.

„Ich sehe mal lieber nach dem Kaffee“, sagte er und wollte in die Küche gehen.

„Mach dir keine Umstände.“ Rachel hielt ihn zurück, indem sie eine Hand an seine Brust legte und sich dicht vor ihn stellte. „Ich glaube nicht, dass einer von uns jetzt wirklich Lust auf Kaffee hat, oder?“

Bevor er antworten konnte, verführte sie ihn mit einem leidenschaftlichen Kuss, der ihn den Kaffee, Barney und alles andere außer Rachel in seinen Armen vergessen ließ. Er ging rückwärts in Richtung Schlafzimmer, ohne sie loszulassen oder den Kuss zu beenden. Der Gedanke an sein ungemachtes Bett und die herumliegenden Kleidungsstücke lenkte ihn kurz ab, aber dann fing Rachel an, ihm das Hemd aus der Hose zu ziehen, und sofort verflog jeder Gedanke, der nicht direkt mit Rachel oder Sex zu tun hatte.

Als sie sein Hemd aufknöpfte, riss er es sich buchstäblich vom Leib und warf es durchs Zimmer. Ebenso schnell folgten seine restlichen Sachen. Rachel beobachtete ihn, und ihre Lippen zuckten seltsam, so als ob sie ein Lachen unterdrückte.

„Was ist so komisch?“, fragte Garret und sah an seinem nackten Körper herunter.

Sie schüttelte den Kopf. „Du verschwendest keine Zeit, nicht wahr?“

„Ich möchte keine Sekunde verschwenden, die ich damit verbringen könnte, dich zu lieben. Und ich fange an, mich einsam zu fühlen, weil ich der Einzige in diesem Raum bin, der ausgezogen ist.“

„Dann leiste ich dir lieber Gesellschaft.“ Doch sie trat einen Schritt zurück und ließ nicht zu, dass er sie berührte. „Du sollst zuschauen. Ich möchte nicht, dass meine Sachen zerrissen werden.“

„Dein Wunsch ist mir Befehl.“ Gehorsam setzte er sich aufs Bett.

Rachel zog sich scheinbar ganz in Ruhe aus, legte jedes Kleidungsstück sorgfältig zusammen und dann auf einen Stuhl. Garret wagte kaum zu blinzeln, als sie nach und nach ihren Körper entblößte. Sie hatte lange Beine, weiche Rundungen an Bauch und Hüften und volle Brüste. Er krallte seine Finger ins Laken. Ihm gefiel, dass Rachel bereit war, sich vor ihm zu entkleiden und damit zu zeigen, dass sie ihn ebenso sehr begehrte wie er sie. Als sie völlig nackt war, streckte er die Hand nach ihr aus. „Komm her.“

Langsam trat sie zu ihm. Mit vor Erregung glänzenden Augen betrachtete er ihre leicht wippenden Brüste. Ohne Zögern setzte sie sich mit gespreizten Beinen auf seinen Schoß, schlang die Arme um seinen Nacken und küsste ihn leidenschaftlich.

Garret zog sie fest an sich, fühlte die harten Knospen ihrer Brüste an seinem Oberkörper und strich sanft über ihre Schenkel. „Davon träume ich, seit ich dich mit deinen Schokoladenfingern gesehen habe.“ Er presste das Gesicht an ihren Hals und atmete ihren süßen Duft ein.

Rachel legte ihre Hände flach an seine Brust und drängte ihn behutsam zurück. Dann legte sie sich neben ihn auf die zerwühlten Laken. Auf einen Ellbogen gestützt, sah sie ihn an. „Du hast keine Angst vorm Man Tamer?“, fragte sie scherzhaft.

„Angst ist nicht annähernd das, was ich in diesem Moment empfinde.“ Er führte ihre Hand an seine Erektion. „Ich bin eher verrückt vor Lust.“

Er stöhnte tief, als sie sanft zudrückte. „Vorsichtig“, warnte er sie. „Das Ding ist sehr empfindlich, und es könnte zu früh …“

Rachel ließ ihn los und legte sich wieder hin. Ihre Hand ruhte auf seiner Brust. „Auch wenn es unromantisch ist, wir sollten kurz über unser sexuelles Vorleben reden. Ich möchte keine Einzelheiten hören, sag mir nur, ob es etwas gibt, über das ich mir Sorgen machen muss.“

„Nein. Erstens hat mich der Mannschaftsarzt auf Herz und Nieren untersucht und erklärt, dass ich fit und gesund bin. Und zweitens steige ich nicht mit jeder, die mir über den Weg läuft, gleich ins Bett.“

„Das ist gut zu wissen.“ Sie lächelte.

Garret wartete, doch als sie still blieb, stieß er sie an. „Was ist mit dir? Muss ich mir Sorgen machen?“

„Höchstens, weil ich seit anderthalb Jahren keinen Sex mehr hatte und ich dich ziemlich fordern könnte. Ich hoffe, du hast viele Kondome parat.“

Er rollte sich zu ihr herum. „Daran soll es nicht scheitern.“

Garret küsste ihre Lippen, ihren Hals, ihre Schultern und ihre Brüste. Rachel schob ihre Finger in sein Haar, als er mit seinem Mund sanft über ihren Bauch strich. Jeder Nerv in ihr schien unter seiner Berührung zum Leben zu erwachen. Er streichelte ihre Hüften und ihren Bauch, ließ seine Finger kreisen, vermied dabei aber ihre erogensten Zonen. Sie bog sich ihm entgegen, aber er drückte sie sanft herunter. Rachel lächelte. Sie wusste es zu schätzen, wenn ein Mann sich Zeit nahm.

Ihr Lächeln schwand, als er ihre sensible Brustspitze mit den Lippen umschloss und mit der Zunge reizte. Sie keuchte und krallte die Fingernägel gegen seinen Rücken. Heißes Verlangen durchströmte sie, und sie stöhnte laut.

„Gefällt dir das?“ Sie fühlte an ihrer Haut, dass Garret lächelte, als er mit seinen Lippen zur anderen Brust wanderte, um sie mit der gleichen Intensität zu verwöhnen. Eine schier unerträgliche Spannung baute sich in ihr auf. Wann hatte ein Mann sie je so schnell an den Rand der Beherrschung gebracht?

Garret glitt tiefer an ihrem Körper hinab, zeichnete mit der Zungenspitze einen feuchten Pfad um ihren Bauchnabel und auf die empfindsamen Innenseiten ihrer Oberschenkel. Rachel drängte sich ihm wieder entgegen, stumm bittend, und dieses Mal erfüllte er ihr den unausgesprochenen Wunsch und strich mit der Zunge über ihre empfindsamste Stelle. Verzückt seufzte sie, als er sie so stimulierte, dann verstummte sie wieder angesichts der Macht der Gefühle, die sie überrollten.

Und dann spürte sie nur noch wilde Begierde. Unaufhaltsam trieb sie dem Höhepunkt entgegen, während dieser fantastische Mann sie berührte. Ihr Körper spannte sich an; dann wurde sie von einer überwältigenden Welle der Erlösung durchflutet.

Noch bevor sie wieder richtig zur Besinnung gekommen war, hatte Garret sich geschützt und drang kraftvoll in sie ein. Wieder flammte ihr Verlangen heftig auf. Fest umklammerte sie seine Schultern und sah ihm dabei in die Augen.

Er lächelte und streichelte ihr Haar. „Es fühlt sich so gut an, in dir zu sein“, flüsterte er und begann, sich zu bewegen. Er glitt in sie hinein, nur um sich wieder zurückzuziehen und ihr Begehren dadurch weiter anzuheizen. Sie drängte ihm ihr Becken entgegen, um ihn bei jedem erneuten Eindringen intensiver zu spüren, und umfasste seinen Po, um ihn noch fester an sich zu pressen.

Sein Blick wurde verhangen, und sie schloss die Augen und warf den Kopf zurück. Sie passte sich seinem Rhythmus an, genoss es, wie er das Tempo immer mehr steigerte, bis er sich aufbäumte und mit einem lauten Schrei den Gipfel seiner Lust erreichte. Er bettete ihren Kopf an seine Schulter, als seine Bewegungen sanfter wurden, dann, immer noch mit ihr vereint, rollte er sich mit ihr auf den Rücken.

Eine Weile waren nur ihr keuchender Atem und das Rascheln der Laken zu hören, als Garret sie beide zudeckte. Rachel glitt von ihm herunter und schmiegte sich an seine Seite.

„Erstaunlich“, murmelte er. Wenigstens glaubte sie, das verstanden zu haben. Seine Stimme war gedämpft, denn er hatte erschöpft den Arm über das Gesicht gelegt.

Ja, erstaunlich, dachte sie.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Tiffany Hot & Sexy Band 0005" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen