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Kühler Marmor - heiße Haut/Gefesselt von dir/Erotische Geständnisse

Marie Donovan

Kühler Marmor – heiße Haut

1. KAPITEL

Auf dem Bauch ausgestreckt, lag Craig nackt vor Freya Martinson auf dem Sofa. Er schlief tief und fest, aber das störte sie nicht. Immerhin hatte sie ihn ganz schön beansprucht an diesem langen Nachmittag und ihn die verschiedensten Positionen einnehmen lassen.

Ihr Blick glitt über seinen muskulösen Rücken und die hellbraunen Locken, die seine Unterarme bedecken. Freya stand auf und lockerte ihre verkrampften Schultern. Sie war nicht so müde wie Craig, aber er hatte sich auch mehr angestrengt, und sie würde jetzt ihr Werk vollenden, während er sich erholte.

Sie war mit sich zufrieden. Die Arbeitszeit ihres männlichen Modells war noch nicht abgelaufen, und die Farben auf der Leinwand begannen bereits zu trocknen. Noch ein paar letzte Pinselstriche, dann würde das Bild fertig sein und konnte dem Kunden geliefert werden.

Ihr geübter Blick wanderte über Craigs Rücken und den festen Po. Die Kunden hatten sich ein Motiv aus der griechischen Mythologie gewünscht: den schönen Narziss, der sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebte. Craig war perfekt für diese Rolle, attraktiv und eitel, so wie die meisten Männer, die sie in letzter Zeit getroffen hatte.

Nach dem Ende ihrer letzten Beziehung hatte Freya den Sommer damit verbracht, ihre Wunden zu lecken, und im Herbst war sie mit ihrer besten Freundin Megan O’Malley wieder auf Single-Partys und Feste gegangen. Schließlich hatten sie aber beide aufgegeben und beschlossen, ohne Männer zu überwintern und ihre Energien lieber in die Arbeit zu stecken. In der Theorie hörte sich das auch ganz vernünftig an, aber in der Praxis …

Das Telefon klingelte und Craig murmelte im Schlaf vor sich hin. Er hatte eine Gänsehaut, offenbar fror er. Freya machte es nicht mehr viel aus, dass es in ihrem Loft zog, aber sie holte ein Laken und legte es ihm fürsorglich über die Schultern. Dann steckte sie sich ein Headset ins Ohr, um die Hände frei zu haben.

Die Anruferin war Evelyn, ihre Agentin.

„Hallo, Freya. Hier ist Evelyn. Wie geht es dir, Liebes?“ Auch wenn sich Evelyn Colby anhörte wie die nette Großmutter von nebenan, so war sie in geschäftlichen Dingen eher wie ein Pitbull, der sich richtig in einen Auftrag verbeißen konnte.

„Alles bestens, Evelyn. Übrigens bin ich gerade dabei, das Porträt des Narziss zu beenden“, deutete Freya an, in der Hoffnung, das Gespräch beenden zu können, bevor die Farbe getrocknet war.

„Das freut mich, aber deshalb rufe ich nicht an. Sitzt du gerade?“ Evelyn, normalerweise die Ruhe in Person, klang diesmal sehr aufgeregt.

„So ist es.“ Freya machte es sich auf dem harten Stuhl vor der Leinwand bequem.

„Du hast den Stuart-Auftrag bekommen“, verkündete Evelyn.

„Was für einen Auftrag?“

„Ich hatte letzten Herbst deine Mappe an die Stuarts geschickt, und jetzt haben sie sich endlich entschieden.“

Freya richtete sich kerzengerade auf.

„Wollen sie ein Ölgemälde?“

Freyas Loft sollte in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Sie benötigte Geld für eine größere Anzahlung, damit die Bank ihr einen Kredit gab, oder sie würde umziehen müssen. Dann würde es keine großen Fenster mehr geben, keinen Raum für Dutzende von Leinwänden und Steinblöcke.

„Kein Gemälde – eine große Marmorskulptur für ihre neue Villa am See“, erklärte Evelyn. „Carrara-Marmor steht hier auf meinen Notizen. Er wird in diesem Moment aus Italien für dich angeliefert.“

Freya schnappte nach Luft. „Du liebe Güte! Wer kann sich so was leisten?“

„Die Stuarts können das, und was noch wichtiger ist: sie können es sich auch leisten, dich dafür zu bezahlen, dass du diese Statue modellierst.“

„Wie viel sind sie bereit, dafür auszugeben?“, fragte Freya ganz aufgeregt. Vielleicht würde sie ihr Loft doch nicht verlieren.

Triumphierend nannte Evelyn ihr das Honorar.

Freya fiel der Pinsel aus der Hand. „Das ist ja eine sechsstellige Summe!“

„Stimmt, meine Kleine! Du hast das große Los gewonnen.“

In diesem Augenblick öffnete Craig die Augen und lächelte Freya zu. „Hey, Baby.“ Craig versuchte, Freya um die Taille zu fassen.

Sie schob seine Hand weg. Dieses Angebot war einfach umwerfend.

„Habe ich dich gerade bei etwas gestört?“, wollte Evelyn wissen.

Freya schaute zu Craig hinüber, der sich gerade ausgiebig streckte. „Nein, das war nur mein Modell. Wie sind die Stuarts gerade auf mich gekommen?“

„Sie lieben die Kunst und Kultur der alten Griechen und Römer. Erinnerst du dich an den Brunnen mit den Wassernymphen, den du im letzten Jahr gemacht hast?“

„Na klar, das war ein tolles Projekt.“ Sie hatte den Nymphen die Gesichter der Frau und der Töchter des Besitzers gegeben. Glücklicherweise waren es sehr attraktive Frauen gewesen.

„Ich habe ihnen Fotos von diesem Brunnen geschickt und einige deiner letzten Arbeiten. Sie waren ganz vernarrt in deine griechisch-römischen Bilder.“

„Wirklich?“ Freya fühlte sich auf einmal ganz beschwingt. Seit Jahren hatte sie zusehen müssen, wie andere Künstler Stipendien bekamen, um sich selbst in Schokolade zu tauchen oder Skulpturen aus leeren Toilettenrollen zu fertigen. Jetzt war ihre Zeit gekommen. Sie würde der Kunstszene, ihren Eltern und ihren Freunden zeigen, was in ihr steckte. Und eine ganze Menge Geld würde sie dabei auch noch verdienen. Das war sowieso die einzige Sprache, die sie alle verstanden.

„Du sollst diesen italienischen Marmor in Mars verwandeln, den römischen Gott des Krieges. Ganz nackt. Wenn sie deine Skizzen mögen, bekommst du auch noch den Auftrag für die Wandgemälde in ihrer großen Säulenhalle. Natürlich nur gegen ein zusätzliches Honorar.“ Ihre Agentin lachte. „Ich fax dir den Vertrag gleich zu, Freya. Ich muss jetzt Schluss machen, da kommt gerade ein anderes Gespräch rein. Gratuliere! Ach, noch was – die Skizzen müssen in drei Wochen fertig sein.“

„Warte!“

Aber Evelyn hatte bereits aufgelegt.

Nur drei Wochen für das wichtigste Projekt ihres Lebens? Freya würde Megan anrufen. Die würde sie aufheitern und verhindern, dass sie in Panik verfiel.

„Gute Neuigkeiten?“, fragte Craig.

Seine Stimme ließ Freya zusammenzucken. Fast hatte sie vergessen, dass er noch da war.

„Fantastische Neuigkeiten!“ Die besten in ihrer gesamten Karriere. Vorausgesetzt, sie fand das passende Modell. Sie betrachtete Craigs hübsches Gesicht. Wie ein Kriegsgott sah er leider nicht aus. Eher wie ein Gott der Weichlinge.

Er setzte sich auf und warf das Laken zur Seite. Darunter kam sein gebräunter und erregter Körper zum Vorschein. „Na, wollen wir das zusammen feiern?“

„Tut mir leid, Craig. Aber ich habe es mir zur Regel gemacht, mich nie mit einem meiner Modelle einzulassen.“ Schnell trat Freya einen Schritt zurück.

„Na komm schon, Freya. Das muss ja außer uns niemand erfahren.“ Auffordernd klopfte er neben sich auf das Sofa. „Hier gibt’s genügend Platz für zwei …“

Sollte sie seinetwegen ihre Regel brechen? Er sah ziemlich attraktiv aus, und sie hatte eine ziemlich lange Auszeit gehabt, was Sex anging …

„Außerdem, wer sagt denn, dass wir uns miteinander einlassen müssen?“ Er grinste sie an, und seine Hand glitt zwischen seine Beine.

Okay, die Auszeit würde leider noch eine Weile anhalten. Mit Craig würde sie auf keinen Fall schlafen. Noch so jemand wie ihr Exmodell Jack hätte ihr an diesem Punkt ihrer Karriere gerade noch gefehlt. Nach dem Ende ihrer Affäre hatte er bösen Klatsch über sie verbreitet. Noch Monate danach waren alle ihre männlichen Modelle davon ausgegangen, dass sie zusätzlich zum Honorar auch noch mit ihr ins Bett durften. Als Sonderbonus sozusagen.

Sie warf Craig einen alten schwarzen Bademantel zu. „Zieh dich an, Craig. Ich bin fertig.“

„Mit dem Bild? Lass mal sehen.“ Schnell sprang er vom Sofa auf, und Freya war sich nicht sicher, ob sie erleichtert oder beleidigt sein sollte, mit welcher Geschwindigkeit er seine sexuellen Annäherungsversuche aufgab.

„Meine Rückenmuskulatur ist aber viel stärker entwickelt. Und meine Haare haben mehr goldfarbene Strähnchen“, stellte Craig kritisch fest.

Freya verdrehte die Augen. „Das soll auch keine fotorealistische Darstellung sein. Außerdem sehen die Farben anders aus, wenn sie getrocknet sind.“

Craig fuhr sich durch die Haare. „Also, ich muss schon sagen, eigentlich finde ich mich ziemlich spektakulär hier auf dem Bild.“

Genau wie Narziss liebte Craig in erster Linie sich selbst. Aber was soll man von einem männlichen Modell auch sonst erwarten?

Flores schaute sich vorsichtig im Treppenhaus um und lauschte auf ungewöhnliche Geräusche. Aber nur laute Hip-Hop-Klänge kamen aus einem Apartment, und es roch nach chinesischem Essen. Da der Korridor leer schien, machte er sich auf den Weg zu Franciscos Apartment. Selbst mit seinen detektivischen Fähigkeiten fiel es Marco oft schwer, Franciscos neuesten Wohnort aufzuspüren. Ständig zog er bei einer anderen Freundin ein und hatte allein in den letzten achtzehn Monaten in sechs verschiedenen Städten gelebt.

Marco klopfte an die mit Stahl verstärkte Tür seines jüngeren Bruders. Fünf Sicherheitsschlösser und eine Kette wurden geöffnet, bevor Francisco seinen Kopf herausstreckte. Marco nahm seine Reisetasche und betrat das Apartment.

„Hallo, Francisco!“, begrüßte er seinen unverschämt gut aussehenden Bruder.

„Du bist einen Tag zu früh. Gut, dass du mich erwischt hast. Ich bin gerade von einem Job nach Hause gekommen.“

„Arbeitest du noch als Modell?“, fragte Marco neugierig.

„Immerhin kann ich meine Miete davon zahlen. Die scheinen hier im kalten Norden total auf Latinos abzufahren.“ Francisco schloss die Tür, wobei er darauf achtete, kein Sicherheitsschloss zu vergessen und die Kette wieder vorzulegen. „Ich habe dich erst morgen erwartet.“

„Ich bin nach Milwaukee geflogen und habe mich in den nächsten Zug gesetzt.“ Die vier verschiedenen Flüge, bei denen er unterschiedliche Namen angegeben hatte, verschwieg Marco lieber. Auf keinen Fall wollte er Francisco Angst einjagen. Deshalb erzählte er seinem jüngeren Bruder einfach eine Geschichte von einer Mafiabraut, mit der er versehentlich geschlafen habe, und dass er sich für eine Weile verstecken müsse. Von Rodriguez und seinen Männern wollte er ihm erst mal nichts sagen.

„Ich hätte dich doch abholen können.“

„Womit denn? Mit deinem Fahrrad?“ Marco stellte seine Tasche ab und umarmte seinen Bruder. Sechs Jahre lagen zwischen ihnen, und man hätte sie fast verwechseln können. Franciscos Augen hatten die Farbe von Espresso, während seine, Marcos, haselnussbraun waren.

„Was ist mit diesen Löckchen hier?“ Francisco fuhr mit den Fingern durch Marcos Haare.

„Halt dich zurück.“ Marco duckte sich. „Meine Haare sind immer noch kürzer als deine, Miss Shirley Temple.“

„Shirley Temple? Wie diese klebrig-süßen Cocktails?“ Francisco arbeitete ab und zu als Barmann in einem Nachtklub.

„Vergiss es!“ Marco trug sein Haar lieber kurz, aber der längere, lässigere Stil passte besser zu seiner Rolle als Mitglied der Rodriguez-Organisation. Wenn kolumbianisches Kokain im Wert von mehreren Millionen Dollar durch seine Hände ging, konnte er nicht wie ein Penner aussehen. Oder noch schlimmer, wie ein unterbezahlter Undercoveragent. Das war in Wirklichkeit sein Job. Sein Boss hatte sich geweigert, für italienische Anzüge und handgefertigte Lederschuhe aufzukommen. Aber jetzt war es an der Zeit, wieder zu sich selbst zurückzufinden.

„Wenn du eine Schere hast, werde ich sie mir morgen schneiden“, sagte Marco.

Francisco warf ihm einen seltsamen Blick zu. „Vielleicht solltest du damit noch warten. Das Haar wird dich warm halten. Die Temperaturen sollen in dieser Woche unter den Gefrierpunkt sinken. Du kannst meine Daunenjacke haben.“

Marco ahnte bereits, dass Francisco etwas auf dem Herzen lag. „Was ist los? Wieso brauchst du die Jacke nicht?“

„Ich muss dich um einen Gefallen bitten.“ Francisco setzte dabei sein charmantestes Lächeln auf, bei dem die Frauen reihenweise umfielen.

„Wie viel brauchst du diesmal?“ Marco griff nach dem Banknotenbündel in seiner Hosentasche.

„Ich brauch kein Geld von dir, sondern deinen Körper.“

„Diesen Spruch höre ich normalerweise nur von den señoritas und nicht von meinem Bruder.“ Marco zog verwundert eine Augenbraue hoch.

Francisco ließ sich auf seine Couch fallen. „Als ich letzte Woche in der Bar gearbeitet habe, hat mich ein Castingagent angesprochen. Ich soll für eine neue Fernsehserie vorsprechen.“

„Gratuliere!“ Marco machte es sich neben seinem Bruder auf der Couch gemütlich und streckte genüsslich die Beine aus. Er hatte eine sechsunddreißigstündige Reise hinter sich.

Hope for Tomorrow heißt die Serie. Sie soll in Los Angeles gedreht werden und vor allem die spanische Bevölkerung ansprechen. Jede Episode wird auf Spanisch übersetzt. Der Agent meinte, sie suchen einen attraktiven talentierten Latino für die Hauptrolle.“

„Zumindest das mit dem Latino dürfte bei dir stimmen.“ Marco stieß seinem Bruder mit dem Ellbogen in die Rippen. Aber als er sah, wie sich Franciscos Gesicht verdüsterte, hörte er auf zu grinsen. „Und wo liegt das Problem?“

„Ich kann es nicht.“

„Das war doch nur Spaß. Du hast großes Talent, und wir beide wissen, dass die Frauen dich umwerfend finden.“

„Das meinte ich nicht. Ich habe bereits einen Auftrag als Modell hier in Chicago angenommen. Leider überschneiden sich die Termine.“ Francisco fuhr sich durch die Haare und zog eine Grimasse, als er das Haargel an seinen Fingern bemerkte. „Die Agentur wird mich feuern, wenn ich nicht aufkreuze. Das kann ich mir einfach nicht leisten.“

„Mach dir keine Gedanken und flieg nach L.A. Ich übernehme den Termin hier für dich“, erklärte Marco. Das war die perfekte Chance, seinen Bruder aus der Stadt zu bekommen. Rodriguez und seine Leute durften ihn auf keinen Fall finden. Auch seine Mutter hatte Marco bereits in Sicherheit gebracht und ihr eine Hochzeitsreise auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer spendiert. Es würde ihm nichts ausmachen, als Modell zu posieren und sich dann ein neues Versteck zu suchen.

„Wirklich? Ich hatte insgeheim auf deine Hilfe gehofft.“ Francisco sah seinen Bruder dankbar an. „Das würdest du für mich tun? Mit deinen längeren Haaren bist du mir zum Verwechseln ähnlich.“

„Verlass dich aber nicht drauf, dass ich den Job für dich an Land ziehe“, warnte ihn Marco. „Ich vertrete dich nur, bis du aus Kalifornien zurück bist.“

Francisco sprang vom Sofa und zog Marco auf die Füße. „Muchas gracias, hermano. Dafür hast du was gut bei mir.“ Dann schlug er seinem Bruder freundschaftlich auf den Rücken.

Marco grinste. „Ich habe eine ganze Menge bei dir gut! Wenn meine Kumpels wüssten, dass ich auf einem Laufsteg herumstolziere, wäre mein Ruf im Eimer.“ Ganz davon zu schweigen, was passieren würde, wenn Rodriguez Fotos von ihm sähe …

„Es ist keine Modenschau. Irgendein Künstler sucht ein Modell für sein Projekt. Geh einfach hin, und sag, dass du Francisco Flores bist.“

„Das ist alles? Hört sich einfach an.“ Marco hatte kein besonderes Interesse daran, für Francisco einzuspringen, aber die Sicherheit seines Bruders war es ihm wert.

„Es ist ganz leicht. Models werden für ihr Aussehen bezahlt und nicht für ihr Hirn.“ Francisco holte einen Koffer aus dem Schrank. „Dusch dich und entspann mal so richtig. In der Zwischenzeit muss ich mir überlegen, was ich für das Casting anziehe. Der Termin ist bereits morgen.“

Marco ging in das winzige Badezimmer. „Tja, das Leben eines Schauspielers ist gar nicht so einfach. Aber da du sowieso nicht willst, dass der Künstler mich morgen engagiert, werde ich mir auch keine Gedanken machen, was ich anziehe.“ Er schloss die Tür des Badezimmers und hörte nicht mehr, wie Francisco murmelte: „Glaub mir, um Kleidung geht es bei diesem Job nicht.“

2. KAPITEL

Marco verrenkte sich fast den Hals, um die Adresse zu lesen. Er stand vor einem Loft im Norden von Chicago. Dios mío, es war ganz schön kalt! Die Schneeflocken wirbelten ihm ins Gesicht, als er an der Stahltür klingelte. Marco war zwar nicht sehr bewandert in nordischer Mythologie, aber die große schlanke Blondine, die ihm die Tür öffnete, musste die Wiedergeburt einer Wintergöttin sein. Die langen blonden Haare fielen ihr weich über die Schultern, und wunderschöne blaue Augen strahlten ihn an.

„Du musst Francisco sein. Komm rein, und wärm dich auf.“ Sie streckte ihm eine mit Farbe bekleckste Hand entgegen und zog ihn in das Loft. Ihre üppigen Brüste wippten dabei sanft unter dem hellblauen Sweater.

Sie hatte ihn Francisco genannt. Auf keinen Fall wollte Marco, dass der Name seines Bruders aus diesem sexy Mund kam. „Um ehrlich zu sein, werde ich meistens Marco genannt“, sagte er deshalb.

„Oh, wahrscheinlich habe ich da deinen Agenten einfach falsch verstanden. Ich bin übrigens Freya Martinson.“

Freya? Diese blonde Göttin war also die Künstlerin. Sie führte ihn in einen großen Raum, der mit Bildern und anderen Malutensilien vollgestellt war. In einer Ecke des Lofts sah er ein zerwühltes Bett.

„Ich hänge deine Jacke auf, und dann kannst du dich hier umziehen.“ Freya deutete dabei auf eine kleine Kabine, die mit einem Vorhang abgetrennt war.

„Umziehen?“

„Damit ich sehen kann, ob du für mein neues Projekt geeignet bist.“ Sie verschwand in einen Nebenraum, um die Kamera einzustellen.

Francisco hatte angedeutet, dass es sich nicht um einen normalen Modeauftrag handelte. Deshalb beschloss Marco, erst mal alles zu tun, was die blonde Göttin ihm sagte. Er verschwand in der Kabine und zog seine schwarzen Jeans und sein kurzärmliges schwarzes Hemd aus. Dann sah er sich um, welche Sachen er vorführen sollte, aber außer einem schäbigen Bademantel konnte er nichts entdecken.

„Dein Agent hat mir gesagt, dass du bereits Erfahrung als Modell hast. Ist das richtig?“

„Natürlich habe ich das schon öfters gemacht“, antwortete Marco.

„Oh, klasse! Das erleichtert die Arbeit.“ Sie sprach mit einem leichten Akzent, so wie er auch.

„Was soll ich denn jetzt anziehen?“, fragte er schließlich.

„Du hast Sinn für Humor.“ Ihr Kichern brachte ihn zum Lächeln, auch wenn er den Witz nicht verstanden hatte. „Zieh einfach den Bademantel über.“

Anscheinend hingen die Sachen, die er vorführen sollte, woanders. Nachdem er sich bis auf seinen Slip ausgezogen hatte, wickelte Marco sich in den schwarzen Frotteemantel und trat dann heraus. Beinah hätte er Freya umgerannt. Den blauen Sweater hatte sie ausgezogen und trug jetzt ein tief ausgeschnittenes weißes T-Shirt. Ihre Haut war so zart und hell wie eine Marmorstatue.

Freya schaute hinter der Digitalkamera hervor. „Stell dich hier auf die Plattform und leg den Bademantel ab.“

Wie bitte? Maro sah sie fragend an. Aber sie war schon wieder mit der Kamera beschäftigt. Er dachte an seinen Bruder, dem er einen Gefallen tun wollte, öffnete langsam den Gürtel und ließ den Mantel auf den Boden fallen. Sie ging um ihn herum und begutachtete seine Muskeln. Dafür wird Francisco auch noch bezahlt?, dachte er.

„Würdest du dich auch rasieren?“, fragte sie.

Verlegen fuhr er sich über das Kinn. Weil er den Auftrag sowieso nicht bekommen wollte, hatte er sich heute Morgen nicht rasiert. „Ich dachte, Dreitagebärte sind im Augenblick angesagt.“

„Ich meine nicht dein Gesicht, sondern deine Brust. Die meisten Modelle lassen sich epilieren.“

„Ich soll die Haare auf meiner Brust entfernen?“ Wahrscheinlich musste er sich demnächst mal mit seinem jüngeren Bruder unterhalten, was für kubanische Männer akzeptabel war und was nicht.

Sie zuckte die Schultern. „Aber vielleicht ist das auch gar nicht nötig. So viele Haare hast du nicht auf der Brust. Deine Muskeln kann ich trotzdem noch sehen.“

„Okay.“ Marco wusste nicht, ob er erleichtert sein sollte oder beleidigt. Er zuckte zusammen, als ihre Finger über seinen Rücken strichen.

„Du hast einige Narben. Wahrscheinlich kommt das von einem aufregenden Leben.“

„Ich habe nicht immer als Modell gearbeitet.“ Erst seit dreißig Sekunden.

„Du bist irgendwie anders als die Modelle, die ich sonst kenne. Die meisten sind einfach nur hübsche Jungs. Aber du … du hast etwas ganz Besonderes.“

Es fiel ihm schwer, geradeaus zu schauen, während er ihren warmen Atem auf seinem Nacken fühlte. „Ich hoffe, das sollte ein Kompliment sein“, brachte er mühsam hervor und versuchte zu vermeiden, dass er hart wurde. Auch wenn sein Bruder ihm manchmal auf die Nerven ging, wollte er ihm seine Karriere als Modell nicht verderben, indem er vor seiner Auftraggeberin eine Erektion bekam.

„So war das gemeint“, versicherte sie ihm. „Du hast mich gerade für meinen neuen Auftrag inspiriert.“

„Mit welcher Art von Kunst beschäftigst du dich?“

„Ach, ich mache verschiedene Sachen … Malerei, Fotografie und Bildhauerei. Aber das Thema ist immer das gleiche.“ Dabei deutete sie mit der Hand auf ihr riesiges Atelier.

Jetzt fiel es Marco auf. Alle Bilder und Skulpturen hier stellten nackte Männer dar. Worauf hatte er sich da bloß eingelassen? Er zuckte zusammen, als ihre seidigen Haare seine Schulter streiften. Freya hatte ihn kaum berührt, aber er war bereits voll erregt.

„Marco, ich glaube, du bist das perfekte Modell für meinen Auftrag.“ Freya lächelte. „Zieh bitte noch deinen Slip aus, damit ich alles von dir sehen kann.“

Wie konnte er sich weigern? Langsam zog er seinen Slip nach unten. Seine Erektion war nicht zu übersehen. Er versuchte still zu stehen und nicht vor Scham den Kopf zu wenden.

Ihre blauen Augen glänzten. „Fantastisch. Du hast den schönsten Körper, den ich je gesehen habe.“

„Danke.“ Die blonde Göttin liebte seinen Körper. Er begann an seinem Auftrag Gefallen zu finden.

Sie lächelten sich an. Freya konnte ihr Glück noch nicht fassen. Von den Fotos, die seine Agentur geschickt hatte, war sie nicht sonderlich beeindruckt gewesen. Er hatte hübsch ausgesehen, aber etwas zu sanft. Doch in Wirklichkeit war alles ziemlich hart an ihm. Seine haselnussfarbenen Augen blickten sie so herausfordernd an, wie sie das von einem durchschnittlichen Modell nicht gewohnt war. Die schwarzen Locken und seine braune Haut zeigten, dass er spanische Vorfahren hatte.

Er sah aus wie Michelangelos David mit einer Erektion. Wie gern hätte sie jetzt seine starken Muskeln berührt! Aber das war ausgeschlossen, weil es absolut unprofessionell gewesen wäre. Sein Waschbrettbauch und seine fester Po wurden durch das dämmrige Winterlicht noch stärker hervorgehoben. Am liebsten hätte sie ihn mit beiden Händen umfasst.

Für sie Modell zu stehen, schien Marco zu erregen, und seine Erektion war genau das, was sie benötigte – für ihren Auftrag. Natürlich nicht für sich selbst. Von männlichen Modellen hatte sie erst mal genug. Seine Erregung besagte nicht viel. Die meisten Modelle waren narzisstisch veranlagt und wurden scharf, wenn sie ihren Körper zeigen durften.

Aber ganz ehrlich, für Marco würde sie ihre Regeln vielleicht sogar brechen. Sie löste sich von diesem gefährlichen Gedanken und konzentrierte sich wieder auf seinen nackten Körper.

Sie bemerkte, dass seine Erektion ihm etwas peinlich war, aber er versteckte sie nicht und hielt seinen Kopf stolz erhoben. Sein Blick bohrte sich in sie, und ihre Brustwarzen richteten sich auf. Dann wanderte sein Blick über ihr dünnes weißes T-Shirt. Seine Augen verdunkelten sich, und seine Erregung schien sich noch zu verstärken. Als Freya spürte, dass sie feucht wurde, brach sie den Blickkontakt ab und entfernte sich einen Schritt von Marco und seinem verführerischen Körper.

„Wir sollten jetzt die geschäftlichen Einzelheiten besprechen.“ Mit zitternden Fingern griff sie nach dem Vertrag der Model-Agentur.

Ihr sexuelles Interesse war Marco nicht verborgen geblieben, und er lächelte sie an, wobei er strahlend weiße Zähne zeigte.

„Du kannst deinen Slip wieder anziehen.“ Sicherlich war das mit Marco nur eine vorübergehende Attraktion. Seine Nacktheit würde sie sicherlich mit der Zeit nicht mehr berühren.

Marco bückte sich nach seinem Slip. „Ich habe es mir zur Regel gemacht, geschäftliche Dinge niemals nackt zu diskutieren. Das hebe ich mir für mein Vergnügen auf.“ Er schaute Freya herausfordernd an, so als ob er eine Antwort auf seinen zweideutigen Kommentar erwartete.

„Ich sehe mir nackte Männer nur rein professionell für meine Arbeit an“, sagte sie und wich seinem Blick aus. Er war nur einige Schritte von ihr entfernt, und sie konnte sein herb-frisches Eau de Cologne riechen.

„Sehr schade“, entgegnete Marco, den Slip verführerisch in der Hand haltend. „Vielleicht hast du bisher noch nicht den richtigen nackten Mann getroffen.“

Freya wurde rot. Er war ganz schön direkt. Eigentlich sollte sie seinem intensiven Blick jetzt ausweichen. Aber das konnte sie nicht. Irgendwie hatte sie die Kontrolle verloren und begegnete ihm wie eine Frau und nicht wie eine Künstlerin. Ob Botticelli wohl auch auf das Modell für seine Venus scharf gewesen war? Marco könnte jetzt seine Erektion umfassen, wenn er seine Hände nur ein klein wenig bewegte. Ob sein Glied sich so wunderbar anfühlte, wie es aussah? Tief in Freya begann es wild zu pulsieren. Einen verrückten Moment lang war sie versucht, vor ihm niederzuknien und ihn mit den Lippen zu liebkosen.

Sie musste sich dazu zwingen, sich wieder auf die Papiere zu konzentrieren, die sie in der Hand hielt. Als sie wieder aufblickte, hatte er seinen Slip wieder angezogen, die verräterische Wölbung zeichnete sich allerdings immer noch deutlich unter dem schwarzen Stoff ab. Freya räusperte sich und versuchte seine Aufmerksamkeit auf den Vertrag zu lenken.

Marco durchschaute ihre Taktik und lächelte. „Was willst du mir denn jetzt zeigen?“ Das Funkeln in seinen Augen offenbarte seine wahren Gefühle.

„Den Papierkram“, betonte sie. „Deine Tagesgage und dein Stundenlohn sind hier genau aufgeführt.“

„Ich bekomme also den Job?“ Er klang verwundert.

„Ja. Oder willst du ihn etwas nicht?“ Bisher hatte noch keines ihrer Modelle auf einen Job verzichtet.

„Na ja, wie soll ich sagen … ich dachte, du wolltest dir erst noch eine Reihe anderer Männer ansehen, bevor du eine Entscheidung triffst.“

„Nein, es eilt. Ich brauche dich sofort.“ Freya wurde rot, als ihr bewusst wurde, dass Marco ihre Antwort durchaus anders deuten konnte. „Ich habe nicht viel Zeit für meinen Auftrag, und dein Agent hat mir gesagt, dass du die nächsten Wochen noch frei bist“, fügte sie rasch hinzu.

Er fuhr sich durch die schwarzen Locken. „Ich habe noch einige andere Verpflichtungen, von denen meine Agentur nichts weiß.“

Freya wurde ungeduldig. „Heißt das, du lehnst den Auftrag ab? Dann werde ich mich an deine Agentur wenden, damit sie mir jemand anderen schickt.“

„Nein.“ Entschlossen zog er den Bademantel wieder an. „Ich nehme den Job an.“

„Unterschreib hier.“ Sie legte ihm den Vertrag zur Unterschrift vor.

Er schaute kaum auf die Papiere, als er unterzeichnete. „Ich hoffe, wir werden beide etwas davon haben, Reina.“

„Ich heiße Freya. Meine Freunde nennen mich manchmal auch Rey.“

„Rey – dieses Wort gibt es auch in der spanischen Sprache. Es ist männlich und bedeutet König. Reina heißt Königin. Ich finde, es klingt weicher und passt viel besser zu einer so schönen Frau wie dir als Rey.“

Er fand sie hübsch? Das hatte sie von Männern schon oft gehört. Aber eigentlich hieß das nur, dass sie mit ihr ins Bett wollten. „Freya war eine nordische Göttin“, erklärte sie.

„Was für eine Göttin?“ Er trat einen Schritt näher.

„Äh… eine Frühlingsgöttin.“ Und außerdem eine Liebesgöttin. Aber so genau musste er das nicht wissen. „Und da es jetzt Winter ist, darfst du dich wieder anziehen. Sonst wird dir kalt.“ Sie wollte, dass er sich endlich wieder anzog. Nackt war er ihr viel zu gefährlich.

„War’s das schon für heute?“ Er schien ein wenig enttäuscht zu sein.

„Ich habe gleich noch einen Termin in meiner Galerie. Wir sehen uns dann am Montag.“

„Es wird mir ein Vergnügen sein, für dich Modell zu stehen“, versicherte er ihr und reichte ihr zum Abschied die Hand, um ihre Abmachung zu besiegeln.

Freya konnte ihren Blick nicht von seinen Fingern lösen. Sie wusste, dass es keine gute Idee war, diesen Mann zu berühren. Aber ein Händedruck war sicherlich in Ordnung. Oder? Zögerlich legte sie ihre Hand in seine. Sein Daumen streichelte sanft ihre Handfläche, und aus dem geschäftlichen Händedruck wurde eine zärtliche Berührung. Freya atmete schneller, und einen verrückten Moment lang dachte sie, er würde ihre Hand küssen. Er hatte etwas von einem spanischen Piraten in alten Schwarz-Weiß-Filmen. Diese Typen hatten es ihr schon immer angetan. Schnell entzog sie ihm wieder ihre Hand und griff nach einem Stift, damit er nicht bemerkte, welche Wirkung er auf sie hatte.

Marco grinste und verschwand in der kleinen Umkleidekabine. Als er nach kurzer Zeit wieder angezogen vor ihr stand, fragte er: „Wenn du später noch nichts vorhast, würde ich dich gerne zum Essen einladen. Und dann kannst du mir mehr von deinem Projekt erzählen.“

Freya hatte bereits eine erste Skizze mit Kohle von ihm gemacht. Er beugte sich über ihre Schulter, um einen Blick auf den Block zu werfen, und nahm den leichten Zimtduft ihrer Haut wahr. Sofort war er wieder erregt.

Sie blickte von ihrer Skizze auf und strich sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht. „Ich bin leider heute schon verabredet.“

„Was ist mit morgen?“ Eigentlich hätte er die Antwort bereits kennen müssen. Aber er versuchte es trotzdem. Schon lange hatte eine Frau ihn nicht mehr so angezogen.

„Sie legte den Pinsel zur Seite und schaute ihn kühl an. „Marco, ich bezahle dich, damit du für mich Modell stehst. Ich bin dein Boss und sollte nicht mit dir ausgehen.“

Sie hatte gesagt, dass sie mit ihm nicht ausgehen sollte. Nicht, dass sie es nicht tun würde. Offenbar waren ihre Gefühle widersprüchlich. „Ja klar, das verstehe ich.“

„Gut. Du bist genau das passende Modell für diesen Auftrag, und ich will nicht, dass es zwischen uns zu Missverständnissen kommt.“ Jetzt lächelte sie ihn an. Obwohl sie versuchte distanziert zu wirken, errötete sie leicht.

Sein Verstand konnte nachvollziehen, dass sie sich wahrscheinlich nur so unterkühlt gab, um professionell zu wirken. Aber sein Körper wollte am liebsten ihr T-Shirt zur Seite ziehen, um zu sehen, ob ihre Brüste genauso hell und zart waren wie der Rest von ihr. Sie räusperte sich, und ihm fiel auf, wie heftig die kleine Ader an ihrem Hals pulsierte. Er streckte seine Hand aus und streichelte Freya an dieser Stelle. Sie genoss die zarten Berührungen. Da sie ihn nicht wegstieß, wurde er mutiger und ließ die Hand tiefer gleiten. Himmel, sie trug keinen BH!

„Marco?“ Ihre blauen Augen wirkten jetzt keineswegs mehr kühl.

„Ja?“ Ihre Brustwarzen zeichneten sich deutlich unter dem weißen T-Shirt ab. Ihr Blick fiel auf den Reißverschluss seiner Hose. Er hatte seine Erregung nicht verbergen können, und sie atmete schneller. Sie wünschte, er würde ihre Brustwarzen zwischen seinen Fingern rollen und sie dann in den Mund nehmen. Wie mochte es wohl sein, wenn er an ihnen saugte?

„Was machst du da?“, fragte sie mit heiserer Stimme.

Er lächelte, obwohl ihm seine Erektion mittlerweile lästig wurde. „Du hast Zeichenkohle auf dem Gesicht.“ Ein schwarzer Strich war auf ihrem Hals zu sehen, allerdings weit entfernt von den Stellen, an denen er sie jetzt berührte. Aber das brauchte sie nicht zu wissen. Er versuchte so unschuldig wie möglich auszusehen, als er die nicht vorhandenen Flecken aus ihrem Gesicht wischte.

„Ich glaube, das dürfte genügen“, sagte sie, um einen ironischen Ton bemüht. Stattdessen hörte sie sich ziemlich erregt an.

Er versuchte ihre Grenzen auszutesten und legte seinen Zeigefinger unter die schmalen Träger des T-Shirts. „Hier habe ich noch etwas vergessen.“ Sein Finger wanderte noch ein wenig tiefer.

Sie hielt die Luft an, trat einen Schritt zurück, und er musste den Träger des T-Shirts wieder loslassen, sonst wäre er zerrissen. Ihre Blicke trafen sich. Aber sie schaute diesmal als Erste weg. Sie ging zu ihrem Arbeitstisch und blätterte in ihrem Kalender. „Kannst du am Montag um zehn Uhr kommen?“

Na klar! Er konnte jederzeit kommen, wenn sie das wollte – jetzt, morgen oder bei ihrem nächsten Termin. „Das ist kein Problem.“

„Prima.“ Sie schluckte.

Am Montag würde sie nicht mehr wissen, dass sie ihn fürs Nacktsein bezahlte. Er würde sich freiwillig ausziehen.

3. KAPITEL

„Wo ist Marco Flores?“ Juan Carlos Rodriguez’ manikürte Finger spielten mit einem goldenen Feuerzeug. Sein Blick fiel auf die funkelnde Biscayne Bay, die sich sechzig Stockwerke tiefer unter seinem elegant eingerichteten Büro ausbreitete. Er drehte seinen schweren Ledersessel zu seinem Assistenten Gabriel. Gabriel war von Anfang an misstrauisch gegenüber Marco Flores gewesen. Rodriguez hatte es auf seine Eifersucht geschoben, da Flores nicht nur ein gerissener Geschäftsmann war, sondern auch nichts dagegen hatte, sich die Finger schmutzig zu machen. Ganz im Gegensatz zu Gabriel.

„Die Polizei hat keine Ahnung, wo ihr Kronzeuge ist. Vor einigen Tagen ist er spurlos verschwunden.“ Gabriel sah ihn an, ohne mit der Wimper zu zucken. „Unser Informant hat ihn auch nicht gefunden, Señor.“

„Wie viel zahlen wir unserem Informanten eigentlich, damit er uns diese Informationen liefert?“ Rodriguez öffnete ein Rosenholzkistchen und nahm eine dicke Zigarre heraus. Er roch daran, aber das tat er mehr aus Gewohnheit als aus irgendeinem anderen Grund. Die Dämpfe bei der Herstellung von Kokain und anderen Drogen hatte seinen Geruchssinn zerstört.

„Einige Tausend im Monat, wenn man von dem Kokain absieht“, gab Gabriel zu. „Aber immerhin hat er herausgefunden, dass der Mann, der für uns gearbeitet hat, in Wirklichkeit Marco Flores heißt und ein Undercoveragent ist.“

Rodriguez schnitt seine Zigarre mit einer kleinen goldenen Schere ab und zündete sie an. Er wartete, bis die Flamme sich in der Spitze gleichmäßig ausgebreitet hatte, bevor er an der Zigarre zog. Zumindest konnte er den Tabak noch schmecken. Rodriguez hatte Flores als einen möglichen Nachfolger in Betracht gezogen. Sie waren beide Kubaner, erfolgreiche Unternehmer und skrupellos im Umgang mit ihren Gegnern. Mit dem einzigen Unterschied, dass Flores sich jetzt gegen ihn gewendet hatte. Juan Carlos Rodriguez hatte den Spitznamen El Lobo – der Wolf. Und wie ein Wolf würde er jetzt seine Beute jagen, auch wenn er von unfähigen Leuten umgeben war.

„Wieso verschwende ich meine Drogen und mein Geld an diesen Mann, den du angeheuert hast?“

Der jüngere Mann zuckte die Achseln. „Wir wissen immerhin, dass er nicht mehr in der Stadt ist.“

„Und somit beschränkt sich die Suche auf den winzigen Teil der Vereinigten Staaten, der nördlich von Miami liegt!“ Der Drogenboss blies einen Rauchkringel in die Luft und schaute Gabriel aus zusammengekniffenen Augen an. „Mein Prozess beginnt in wenig mehr als einem Monat, und Marco Flores weiß genug über mich, um mich zu Fall zu bringen.“

Marco saß aufrecht in seinem Bett und griff nach einer eingebildeten Waffe. Sein Magen krampfte sich zusammen. Seit Jahren hatte er nicht mehr an dieses Floß gedacht, dieses schreckliche Gefährt aus verfaultem Holz und ausrangierten Autoreifen. Es war ein Wunder, dass es nicht in den Florida Straits versunken war, diesem gefährlichen Gewässer zwischen Kuba und den Keys.

Er fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Er hasste es, wenn sie so lang waren, denn es erinnerte ihn an die Zeit bei Rodriguez. Er lachte bitter. Sein Bruder war nicht der einzige Schauspieler in der Familie.

Letzte Nacht hatte er sich so einen Actionfilm angesehen und war dabei eingeschlafen. Inzwischen war es bereits elf Uhr morgens.

In der kleinen Küche machte er sich als Erstes einen starken Kaffee und rief dann seinen Bruder auf dem Handy an.

„Ja?“, fragte eine Stimme.

„Francisco, bist du das?“

„Hey, Marco. Wie geht es dir?“, meldete sich Francisco mit fröhlicher Stimme.

„Wenn es noch kälter wird, dann frieren mir die cojones ab.“ Marco trug ein langärmliges Shirt und Skiunterwäsche. Trotzdem war ihm noch kalt.

„Sehr bedauerlich, dass du jetzt nicht hier sein kannst in L.A. Ich sitze am Strand, lasse mir den kühlen Meereswind um die Ohren blasen und halte eine heiße Blondine im Arm.“

Marco runzelte grimmig die Stirm. „Ich bin hier in Chicago geblieben, weil du mich angefleht hast, deinen Job zu übernehmen.“

„Das stimmt nicht ganz. Ich habe dich gebeten, zum Casting zu gehen. Hat man dir den Job tatsächlich angeboten?“

„In der Tat. Obwohl ich unrasiert und halb durchgefroren war. Ich habe mich bemüht, so schlecht wie möglich auszusehen.“

„Und du hast ihn angenommen? Für mich?“ Francisco schniefte melodramatisch. „Das rührt mich wirklich sehr.“

Marco schnitt eine Grimasse. Wenn er den Vertrag nicht einhielt, würde Freya sich bei der Agentur über seinen Bruder beschweren. Aber er würde nicht lange in Chicago bleiben können. Francisco war in den letzten Jahren zwar oft umgezogen, aber wenn Rodriguez’ Leute trotzdem sein Apartment fanden, dann würden sie auch ihn, Marco, schnappen.

„Im Ernst. Das ist großartig für meine Karriere. Rey Martinson ist ein ziemlich angesagter Künstler. Das Museum für Modernde Kunst will eine kleine Auswahl seiner Werke im nächsten Jahr vorstellen. Welches Modell würde nicht gerne für so einen Künstler arbeiten?“

„Der Künstler heißt Freya Martinson und ist eine Sie.“ Wie konnte man Freya mit ihren seidigen goldenen Haaren und den aufregenden Brüsten für einen Mann halten?

„Wirklich? Das zeigt mal wieder, wie wenig ich auf meine Agentin geben kann. Wenn ich diesen Job in der Fernsehsendung bekomme, werde ich sie feuern.“

„Das solltest du tun. Ich musste mich nackt ausziehen, wusstest du das?“

„Du meinst, sie suchte ein Aktmodell?“ Francisco brach in schallendes Gelächter aus. „Da wäre ich zu gerne dabei gewesen.“

„Das ist nicht witzig, Francisco!“

„Ich schwöre dir, ich hatte keine Ahnung davon. Meine Agentin hatte mir das nicht erzählt. Sonst hätte ich dich doch nicht geschickt, hermano. Ich hätte den Auftrag dann nämlich selbst angenommen. Wie sieht Freya Martinson denn aus? Attraktiv“

„Sie ist groß, blond und blauäugig“, erwiderte Marco betont beiläufig. Er wollte Franciscos Fantasie nicht noch mehr anregen und ihm erzählen, wie sexy Freya in Wirklichkeit war.

„Manche Männer haben einfach Glück. Das letzte Mal, als ich einen Job als Aktmodell hatte, war die Künstlerin eine runzlige ältere Dame, die mich durchs Studio gejagt hat“, bemerkte Francisco.

Marco wusste, dass es in Künstlerkreisen viele Exzentriker gab, und sein Bruder zog ohnehin die verrücktesten Menschen an.

„Aber die Alte durfte mich nur ansehen. Anfassen war verboten. Immerhin habe ich auch noch meinen Stolz“, fuhr Francisco fort.

Auch Marco hatte seinen Stolz. Aber er war sich nicht sicher, wie lange er denn noch behalten würde. Er hätte Freya ja schon bei ihrem ersten Treffen am liebsten gebeten, seine Erektion mit ihren feingliedrigen Fingern zu berühren.

Sein Bruder unterbrach seine lasziven Gedanken. „So gern ich dir bei deiner blonden Künstlerin auch aushelfen würde, ich habe hier noch ein zweites Casting.“

„Das ist ja großartig! Bleib einfach dort, solange du willst.“ Je länger, desto besser, dachte Marco. „Wenn du Geld brauchst, kann ich dir was schicken.“

„Echt?“ Francisco wirkte ziemlich überrascht. „Diese Künstlerin scheint dir ganz schön den Kopf verdreht zu haben. Seit der Schule habe ich dich schon lange nicht mehr so von einer Frau schwärmen hören.“

„Nein, das ist es nicht.“ Marco war einfach nur um die Sicherheit seines Bruders besorgt, und Modell zu stehen war ein geringer Preis, den er dafür zahlen musste. „Außerdem fängt Freya nichts mit ihren Modellen an.“ Er war selbst darüber erstaunt, wie enttäuscht er klang. „Lass es dir gut gehen, hermano. Adiós.“ Marco legte den Hörer auf und schaute sich in dem kleinen Apartment um.

Nachdem einer seiner Informanten verschwunden war, hatte er sich in dem Haus, das ihm die Polizei zur Verfügung gestellt hatte, nicht mehr sicher gefühlt. Der Mann war sicherlich als Futter für die Haie vor Floridas Küste geendet. Schon seit geraumer Zeit hatte Marco das Gefühl, dass Rodriguez einen Maulwurf in die Zentrale der Drogenfahndungsbehörde von Miami eingeschleust hatte. Aber wenn Rodriguez ihn, Marco, töten wollte, dann musste er sich ganz gewaltig anstrengen. Er starrte aus dem Fenster. Im kalten Chicago zu sein und zu leben war immer noch besser, als im sonnigen Miami tot zu sein.

4. KAPITEL

Freya hängte einen neuen, mitternachtsblauen Bademantel in die Umkleidekabine. Der alte Mantel wanderte zu den Stoffresten, die sie beim Malen als Putzlappen verwendete. Für Marco war der Bademantel zu klein gewesen, seine Muskeln waren um einiges kräftiger entwickelt als die ihres letzten Modells. Wie gern würde sie jetzt über seine samtige Haut streichen! Wieso konnte sie sich nicht in einen netten, ganz normalen Mann verlieben? Jemand, der Monet für einen französischen Wein hielt und bei dem Namen Jackson Pollock an einen Fisch aus dem Mississippi dachte? Aber Freya hatte sich schon immer von dunklen, gefährlich aussehenden Typen angezogen gefühlt. Während sie noch darüber nachdachte, klingelte das Telefon.

„Freya Martinson“

„Hallo, Freya, hier ist Evelyn.“

„Ich habe gute Nachrichten für dich. Ich habe das perfekte Modell für den Mars gefunden. Heute beginne ich mit der Arbeit.“

„Ich habe auch ein paar gute Neuigkeiten. Ich habe gerade meinem Anwalt den Vertrag mit den Stuarts gefaxt. Es scheint alles in Ordnung zu sein.“

Freya atmete erleichtert auf. Ihr größter Auftrag schien hiermit gesichert zu sein. „Du kannst dir nicht vorstellen, was das für mich bedeutet, Evelyn.“

„Deshalb rufe ich dich an, Freya.“ Evelyn klang auf einmal nicht mehr ganz so freundlich. „Die letzten beiden Bilder, die du mir gezeigt hast, sind nicht mehr so gelungen wie deine früheren Arbeiten.“

Freya bekam weiche Knie. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe“, brachte sie mühsam heraus. Wollte Evelyn nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten? Wie konnte sie sich auf dieses neue Projekt konzentrieren, wenn sie sich über ihre Zukunft Sorgen machen musste?

„Deine Technik ist nach wie vor ausgezeichnet, aber die Gefühle haben mir gefehlt. Die Bilder sahen irgendwie … wie soll ich sagen … langweilig aus.“

Das schmerzte mehr, als Freya sich eingestehen wollte. Trotz ihrer jahrelangen Erfahrung in der Kunstszene war sie immer noch nicht dickhäutig geworden. „Langweilig?“

„Ich mag deine Farben, aber mir hat die emotionale Verbindung zu dem Thema gefehlt.“

Freya zog die Brauen zusammen. Ihre Abneigung gegen Craig musste sich in seinem Porträt widergespiegelt haben.

„Die beiden letzten Bilder schicke ich dir zurück. Nur deine besten Arbeiten sollten in die Ausstellung kommen.“

„In Ordnung.“ Vielleicht hatten ihre Freunde aus der Schwulenbar dafür Verwendung. Wenn Craig sich darüber aufregte, war das sein Problem.

„Die Skulptur für das römische Bad der Stuarts ist wichtig für dich, Freya. Das kann dich in deiner Karriere ziemlich weit voranbringen.“

„Was schlägst du vor, Evelyn? Ich will diesmal auf keinen Fall versagen.“

„Das ist doch ganz einfach. Sei leidenschaftlich!“

„Leidenschaft?“ Freya zog eine Grimasse.

Evelyn räusperte sich höflich. „Wenn ein Künstler sich auf seine Karriere konzentriert, dann vergisst er manchmal andere wichtige Dinge im Leben, wie zum Beispiel Familie, Freunde und … äh … persönliche Beziehungen.“

Mit anderen Worten, mir fehlt der Sex, übersetzte Freya die vorsichtige Formulierung.

Evelyn fuhr fort: „Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, wenn du mal eine Pause einlegst und deine Batterien wieder auftankst.“

Wahrscheinlich sind damit nicht die Batterien für meinen Vibrator gemeint, dachte Freya.

„Ich hoffe, ich habe dich nicht verletzt, Freya“, sagte Evelyn nach einer kurzen Pause. „Aber wenn du bei den Stuarts nicht ein großartiges Kunstwerk ablieferst, dann wird es in Zukunft für mich schwierig sein, dir lukrative Aufträge zu vermitteln.“

Freya wusste genau, was das zu bedeuten hatte. Wenn du diesmal versagst, dann kannst du dich von deiner Karriere verabschieden. „Danke für deine Ehrlichkeit, Evelyn. Du kannst dich auf mich verlassen.“

„Danke, meine Liebe. Und jetzt lasse ich dich weiterarbeiten.“ Evelyn legte auf.

Freya schaute aus dem Fenster. Die grauen Wolken verdüsterten ihre Stimmung noch mehr. In diesem Augenblick klingelte es an der Tür, und nervös fuhr sie herum. Neue Projekte gaben ihr immer einen Adrenalinstoß. Dass das etwas mit Marco zu tun haben könnte, wollte sie auf keinen Fall wahrhaben. Sie ging ins Foyer und öffnete die Tür.

„Marco, bist du das?“

Er war dem Wetter entsprechend angezogen und hatte sich einen dicken Schal um den Hals gewickelt, der sein Gesicht halb verdeckte. Sogar eine Sonnenbrille hatte er trotz des bewölkten Wetters auf. „Ganz real und lebendig.“

Freya musste ein Lächeln unterdrücken. „Gib mir deinen Mantel.“ Sie schloss die Tür und Marco zog die Kapuze seiner schokoladenbraunen Skijacke zurück.

„Du kannst es wohl nicht erwarten, an die Arbeit zu gehen?“

„Du bist ein vielschichtiger Mann“, sagte Freya und zupfte dabei seinen Rollkragen ein wenig zurecht.

„Was willst du damit sagen?“, fragte Marco betont beiläufig, aber seine Oberarmmuskeln spannten sich dabei unwillkürlich an. Es wurde Freya bewusst, dass sie ihn immer noch berührte, und schnell nahm sie ihm deshalb seine dicke Jacke ab.

„Du trägst mehrere Kleidungsstücke in Schichten übereinander. Das hält dich wärmer.“ Was dachte er denn sonst, was das heißen sollte?

„Stimmt. Ich trage in der Tat mehrere Kleidungsstücke übereinander, die nur darauf warten, langsam ausgezogen zu werden.“ Er stand jetzt so nah bei ihr, dass sie die feinen Bartstoppeln auf seinen Wangen erkennen konnte. „Möchtest du einen Kaffee?“, fragte sie und ging in Richtung Küche.

„Vielleicht später. Ich hatte heute schon einige Tassen kubanischen Kaffee. Genug Treibstoff, um ein Flugzeug zu starten.“

„Du bist also Kubaner?“ Das erklärte seine dunkle Haut und seinen leichten Akzent.

Fast sah es so aus, als ob er es bereute, so viel von sich offenbart zu haben. „Ja.“

„Ich bin in Schweden geboren, aber wir sind nach Chicago gezogen, als ich zwölf war.“

„Ich war auch zwölf, als ich in die USA kam“, erzählte er.

„Echt? Das ist so ein schwieriges Alter, um seine Freunde zu verlassen und in ein neues Land zu ziehen. Ich habe einen Monat lang geheult. Es hatte sich alles so geändert.“

Marco steckte seine Hände in die Hosentaschen und begann sich ihre Bilder anzusehen. „Wir sollten wahrscheinlich bald anfangen, bevor sich das Licht verändert, oder?“

„Oh, das stimmt.“ Freya schaute zu den hohen Fenstern an der Nordseite ihres Lofts. Der Schnee fiel in dicken Flocken und dämpfte das natürliche Licht. Marco wollte nicht über Kuba reden? Auch gut. Schließlich bezahlte sie ihn nicht dafür, dass er seine schmerzlichen Erinnerungen mit ihr teilte. „Wie wäre es, wenn du in die Kabine gehst und dich umziehst?“ Er schloss den Vorhang hinter sich, und sie schaltete ein elektrisches Heizöfchen an.

„Ein neuer Bademantel?“, fragte er aus der Kabine.

„Ja. Hoffentlich passt er dir besser. Außerdem ist er wärmer.“

„Danke. Ich weiß das zu schätzen.“ Er hörte sich erstaunt an, als ob er in seinem Leben nicht viel Freundlichkeit erfahren hätte.

„Kein Problem.“ Sie strich das Laken auf dem Sofa glatt und sah nach, ob die Batterien in ihrer Digitalkamera funktionierten. Dann wendete sie das Blatt auf ihrem großen Skizzenblock und schlug eine leere Seite auf. Es war auf einmal ziemlich warm geworden im Studio, und Freya zog ihren Wollpulli aus. In der langärmligen roten Bluse, die sie darunter trug, fühlte sie sich viel wohler. Die Haare flocht sie zu einem Zopf und steckte ihn auf dem Kopf fest.

„Ist das für mich?“ Marco stand nur wenige Schritte von ihr entfernt.

„Was meinst du?“ Ohne dass es ihr bewusst war, schaute sie auf ihre harten Brustwarzen, die sich unter der dünnen Bluse abzeichneten.

„Der Heizofen. Der ist neu.“

Freya winkte ab. „Nicht der Rede wert. Du sollst dich hier wohlfühlen. Warme Muskeln sind beweglicher, und du kannst damit dann auch die Positionen länger halten.“ Sie errötete leicht, denn es fielen ihr gerade einige Positionen ein, die allerdings nichts mit ihrer Arbeit zu tun hatten.

Er grinste, und kleine Lachfältchen bildeten sich um seine Augen. „Welches ist denn deine Lieblingsposition?“

„Das kommt drauf an.“ Er meinte hoffentlich eine Pose beim Modellstehen, oder?

„Worauf kommt es an?“ Er trat noch etwas näher an sie heran.

„Darauf, was sich am besten anfühlt. Ich meine, was am besten aussieht.“ Sie ertappte sich dabei, wie sie seinen Zitrusduft einatmete. Marco war ihr gefährlich nah gekommen, und sie trat einen Schritt zurück. Fast wäre sie über ihre Staffelei gestolpert.

„Vorsicht!“ Marcos Hände griffen unter ihre Arme. So hielt er zwar ihren Körper im Gleichgewicht, aber auf ihre Nerven hatte das eher den gegenteiligen Effekt. Wie konnte er sie so schnell packen? Sie hatte seine Bewegung kaum wahrgenommen.

„Hast du dich verletzt?“ Er strich sanft über ihre Armbeuge, wobei sein Daumen ihren Brüsten ziemlich nahe kam.

„Nein, es ist alles in Ordnung.“ Unwillkürlich atmete sie schneller. Insgeheim wünschte sie sich, er würde seine Hände nicht um ihren Ellbogen legen, sondern um ihre Brüste.

Auch Marco atmete schneller, und sein Gesicht kam ihren Lippen immer näher. Freya schluckte und machte sich von ihm los. Sie eilte zu der erhöhten Plattform, auf der die Modelle zu stehen hatten. „Sollen wir anfangen?“ Sie war stolz, dass ihre Stimme so ruhig klang.

„Ich dachte, das hätten wir bereits getan“, murmelte er, folgte Freya aber gehorsam.

Sie wusste nicht so genau, wie sie sich verhalten sollte, und entschied sich für die Rolle der kühlen nordischen Eisprinzessin. Damit hatte sie schon einige andere Modelle abgeschreckt. Aber einfach war das nicht, wenn man einen so attraktiven Mann vor sich hatte. Vor der Plattform blieb sie stehen und begutachtete die Dekoration. Das blütenweiße Laken auf dem breiten Sofa war kunstvoll drapiert, sodass sie einen guten Kontrast erhalten würde.

Er setzte sich auf das Sofa. Dabei öffnete sich der Frotteemantel ein wenig, und ihr Blick wanderte an Marcos Schenkeln nach oben. Trug er etwa einen Slip unter dem Mantel? Oder war er völlig nackt? Das konnte sie nicht genau erkennen.

Marco registrierte amüsiert ihren forschenden Blick. „Dein Sofa ist ziemlich bequem.“ Er klopfte mit der Hand auf den Platz neben sich.

Nichts wäre ihr in diesem Augenblick lieber gewesen, als sich zu ihm zu setzen. Es gab genug Platz auf dem Sofa für sie beide, sogar zum Liegen, aber … Nein! Freya nahm stattdessen auf ihrem Malstuhl Platz. Der war zwar weniger einladend als das weiche Laken aus ägyptischer Baumwolle, auf dem Marco jetzt saß, aber dafür weitaus sicherer.

Er legte den Kopf schräg und schaute Freya an, die seinem Blich auswich. Normalerweise unterhielt sie sich immer mit den Modellen, um ihnen die Nervosität zu nehmen, aber heute fiel ihr nichts ein. „Der neue Bademantel passt dir ausgezeichnet“, bemerkte sie, um ein Gespräch zu beginnen. Eigentlich passte er ihm zu gut und verdeckte seine muskulöse Brust und seinen festen Po. Andererseits musste sie es ihm nur sagen, wenn sie ihn nackt sehen wollte. Seit ihrer Zeit auf der Kunsthochschule war Freya gegenüber männlichen Modellen noch nie schüchtern gewesen, warum also jetzt?

„Zieh dich aus.“ Ihre Stimme klang belegt.

„Ich gehöre ganz dir, Reina“, erwiderte er und löste den lockeren Knoten seines Gürtels.

Freya musste schlucken. Er wollte ihr ganz gehören? Aber das bezog sich natürlich nur auf seine Funktion als Modell.

Langsam öffnete Marco den Bademantel. Freya hielt die Luft an, als sie immer mehr von seiner samtweichen gebräunten Haut sah. Während er den Mantel abstreifte, ließ er sie nicht aus den Augen. Die Frage nach seinem Slip erübrigte sich. Er trug heute keine Unterwäsche. Der Mantel fiel auf den Boden, und Marco lag jetzt völlig nackt vor ihr auf dem Sofa.

Freya hielt sich an ihrem Stuhl fest und ärgerte sich über ihre Dummheit. Sie hätte wissen müssen, welchen Effekt sein nackter Körper auf sie hatte. Breite Schultern, eine muskulöse Brust, schmale Hüften, lange sehnige Beine. Seine Erektion war sogar noch beeindruckender, als sie es in Erinnerung hatte. Am liebsten würde sie ihn an sich pressen. Offensichtlich konnte er Gedanken lesen, denn sein hartes Glied richtete sich noch mehr auf und berührte jetzt fast seinen Bauchnabel.

Nein, sie hatte nicht den Verstand verloren, sie verhielt sich wie eine Masochistin. Vor ihr stand der attraktivste Mann der Welt, und sie durfte ihn nicht berühren, wenn sie ihrem Ruf als ernsthafte Künstlerin treu bleiben wollte.

„Was möchtest du, Reina?“, fragte er.

Sein Akzent und seine sinnliche Stimme brachten ihre Gefühle noch mehr in Aufruhr. „Ich will dich.“ Diese Antwort war ihr einfach so herausgerutscht, und das versetzte sie in Panik. „Und wieso nennst du mich immer Reina?“

„Du bist so schön wie eine Königin. Ich bin gespannt, was die Königin mit mir alles anstellen will.“ Er stand auf und trat auf sie zu.

„Ich … ich will, dass du dich auf die Plattform stellst“, erwiderte sie und dachte, der Mann ist wie ein künstlerisches Meisterwerk. Vor lauter Verwirrung kicherte sie hysterisch.

„Alles in Ordnung?“, fragte Marco besorgt.

„Aber sicher. Ich überlege mir nur, in welcher Stellung ich dich jetzt am liebsten hätte.“ Freya nahm einen Hocker und ging zur Plattform. „Stell deinen rechten Fuß hier drauf.“

Er tat es. In dieser Position kam seine Erektion noch mehr zur Geltung. Nur mit Mühe konnte Freya ihr Verlangen unterdrücken und griff stattdessen nach der Zeichenkohle. Wenn sie ihre Rechnungen bezahlen wollte, musste sie schon mehr tun, als ihr Modell lüstern anzustarren. „Wir fangen jetzt mit einigen Positionen zum Aufwärmen an. Dreh dich bitte ein wenig in der Taille.“

Er wandte sich ein wenig von ihr weg.

„Nein, ich meine, du sollst dich mehr zu mir bewegen. Ich will deine Brust sehen.“ Mit einigen schnellen Strichen skizzierte sie ihn, aber er hielt die Pose nicht.

„Du hast dich bewegt. Kannst du länger in dieser Position verharren?“

„Ja, klar.“ Er bewegte sich, nahm jedoch nicht die richtige Position ein. Freya legte ihre Zeichenkohle hin und ging zu ihm, um ihm zu helfen. Doch sobald sie ihn berührte, vergaß sie vollkommen, welche Position sie im Sinn gehabt hatte. Seine Haut war heiß, und ihre Hände glitten über seine muskulösen Schultern, zwischen seine Schulterblätter und dann über seinen Rücken nach unten.

„Freya …“, murmelte Marco und wollte sie berühren.

Sie schlug ihm auf die Finger. „Okay, äh …“ Sie holte tief Luft und versuchte zu vergessen, wie aufregend sich seine Haut anfühlte. „Marco, beweg bitte deine Schultern eine Vierteldrehung in meine Richtung.“

Er sah sie an. „Ich glaube, es würde mir besser gelingen, wenn du mich so hinstellst, wie du mich haben willst.“

Genau das war das Problem. Wenn sie ihn noch einmal berührte, konnte sie für nichts mehr garantieren. Seine Augen funkelten herausfordernd, seine Erektion schien sich noch verstärkt zu haben. Nicht dass sie sehr darauf achtete, oder etwa doch? Am besten hätte sie ihm nur verbale Anleitungen geben sollen oder vielmehr orale … Im Geist hätte Freya sich ohrfeigen können, weil ihre Fantasie plötzlich mit ihr durchging.

Sie trat einen Schritt zurück. „Das sieht gut aus, Marco.“ Was gelogen war, aber gleichzeitig der Wahrheit entsprach. Seine Position war nicht sehr gelungen, als ob sein Torso von seinem Unterkörper getrennt wäre. Aber sein Körper war das Schönste, was sie je außerhalb einer italienischen Kunstgalerie gesehen hatte.

Freya versteckte sich hinter ihrer Staffelei und skizzierte die stark ausgeprägten Muskeln seiner Beine. Sie ertappte sich dabei, wie sie auf seine Erektion starrte und sie mit besonderer Präzision zeichnete. Als sie anschließend den Blick höher wandern ließ, verzog sie unwillkürlich den Mund. Er hielt seine Arme abgewinkelt wie ein Butler, der ein Tablett trug, und verdeckte so einen Teil seines Brustkorbs.

„Dreh dich ein wenig in der Hüfte.“ Freya machte ein Foto und betrachtete das Display ihrer Digitalkamera. Nein, es war nicht das, was sie sich vorgestellt hatte. Sie musste es noch einmal versuchen und löschte das Foto.

„Okay, Marco, dreh dich noch ein wenig. Ja, so ist es gut. Und jetzt schau über die linke Schulter.“ Sie sah durch die Kamera und musste leider feststellen, dass Marco ziemlich verkrampft wirkte. „Lass uns eine Pause einlegen. Ich mach uns erst mal Kaffee.“

Er streckte sich und schlüpfte wieder in den Bademantel. Freya schaute kurz zu ihm rüber. Marco rollte gerade die Schultern. Jetzt, wo er nicht posierte, wirkte er viel entspannter. Irgendetwas schien mit ihm nicht zu stimmen. Er hatte keine Erfahrung als Modell, und er sah auch anders aus als auf den Fotos, die ihr die Agentur geschickt hatte. Darauf wirkte er jünger. Während sie den Kaffee zubereitete, dachte sie über eine mögliche Erklärung nach. Wahrscheinlich hatte er schon seit Längerem nicht mehr als Modell gearbeitet und war aus der Übung. Was hatte er in der Zwischenzeit wohl getan? Freya seufzte und sagte sich, dass es ihr egal sein konnte, was er gemacht hatte. Das ging nur ihn etwas an.

Marco bewegte seine verspannten Muskeln, erstaunt darüber, wie schwierig es war, Modell zu stehen. Er hatte Freya enttäuscht, obwohl er sein Bestes gegeben hatte. Das war wohl die Strafe dafür, dass er sich über den Job seines Bruders lustig gemacht hatte …

Freya kam mit zwei gefüllten Kaffeebechern und Gebäck zurück. „Hier, probier mal die Kekse. Meine Mutter hat sie mir zu Weihnachten geschickt. Meine Eltern verbringen den Winter in Spanien.“

Marco hatte das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen. „Freya, es tut mir leid, dass es vorhin nicht geklappt hat. Ich bin heute irgendwie etwas verspannt.“ Er stand hinter Freya, um die Zeichnung zu betrachten, die sie von ihm angefertigt hatte. Als er sich mit einer Hand auf dem Tisch abstützte, berührte er wie zufällig ihre Taille. „Deine Proportionen sind perfekt“, murmelte er.

„Vollendete Körperproportionen waren für die Römer äußerst wichtig“, entgegnete sie und bemühte sich um eine selbstsichere Stimme.

„Das ist immer noch so – auch für ihre lateinamerikanischen Nachkommen“, fügte er hinzu. Sein Arm streifte ihre linke Brust, und Freya drehte sich zu ihm und betrachtete sein Profil. Ihre Brustwarzen richteten sich auf, und sie spürte ein eigenartiges Kribbeln im Bauch.

„Ich war schon immer fasziniert von den geraden Linien ihrer Architektur. Vor allem von den Säulen. Sie sind so lang und massiv, dass sie jedes Gewicht tragen können.“ Der Gedanke, sich rittlings auf ihn zu setzten und seine „Säule“ tief in sich aufzunehmen, erregte Freya. Sie fühlte, dass er noch härter wurde, und ihr Entschluss, sich bei der Arbeit strikt professionell zu verhalten, geriet immer mehr ins Wanken.

Seine Hände strichen zärtlich über ihre Hüften und ihren festen Po. Sie fühlte seinen heißen Atem in ihrem Nacken. Sein Bademantel stand offen, seine Brust presste sich an ihre Schultern. Schließlich gab Freya der Versuchung nach und schmiegte sich vorsichtig an ihn.

Marco überzog ihren Nacken mit zärtlichen Küssen.

Sie drehte sich um und streifte den Bademantel von seinen Schultern. Bewundernd betrachtete sie Marcos nackten Körper, und diesmal erlaubte sie es sich, ihn länger zu berühren. Sie streichelte ihn sanft und ließ die Finger über seine nur leicht behaarte Brust gleiten. Zärtlich rieb sie seine flachen Brustwarzen, während er ihre rote Bluse aufzuknöpfen begann.

Seinem begeisterten Blick nach zu schließen, war es eine gute Idee gewesen, heute den roten Spitzen-BH anzuziehen.

„Wunderschön.“ Er hob ihre Brüste leicht an, drückte sie zusammen und schmiegte sein Gesicht in die kleine Mulde dazwischen.

Die feine Zitrusnote seines Shampoos vermischte sich mit dem Moschusduft seines männlichen Körpers, und ihr wurden die Knie weich. Marco setzte sich auf ihren Stuhl und fuhr fort, streichelnd ihren Körper zu erkunden. Intuitiv spürte er, was sie am meisten erregte, und rieb ihre Brustwarzen, die sich gegen die dünnen Körbchen ihres BHs pressten. Als er den Verschluss ihres BHs öffnete und Marco ihre Brüste umfasste, stöhnte sie laut seinen Namen und drückte seinen Kopf fester an sich. Sie wünschte sich so sehr, dass Marco ihr brennendes Verlangen endlich befriedigte.

Er nahm eine Brustwarze in den Mund und reizte sie mit der Zunge. Die andere Brustwarze rollte er zwischen seinen Fingern. „Dios mío, du hast die schönsten Brüste, die ich je gesehen habe. Und was für eine zarte Haut du hast! Deine Brustwarzen haben eine wunderschöne hellrosa Farbe.“ Er strich mit den Fingerspitzen über die harten Knospen, und Freya bäumte sich unter seiner Berührung lustvoll auf. „Haben diese Brüste jemals die Sonne gesehen?“

Freya schüttelte den Kopf.

„Du solltest dich ohne Bikinioberteil in die Sonne legen. Ich werde deine Brüste mit Sonnenöl einreiben, damit du dort keinen Sonnenbrand bekommst …“ Zärtlich streichelte er die empfindsame Haut ihrer Brüste. „Ich kenne einen Privatstrand südlich von Miami, an dem wir ganz alleine sein können. Ich könnte es nicht ertragen, wenn dich ein anderer Mann außer mir sieht.“

Fast spürte Freya schon die Sonnenstrahlen auf ihren nackten Brüsten, und sie glaubte, das Meer zu riechen. Verträumt schloss sie die Augen, ließ sich in ihrer Fantasie in die Wellen gleiten.

„Ich werde dich nackt ins Wasser tragen, und die Wellen werden uns sanft umspielen, wenn wir uns lieben.“ Sein sexy spanischer Akzent wurde stärker, und sie geriet immer mehr in den Sog seiner männlichen Ausstrahlung. Geschickt öffnete Marco ihre Jeans und glitt mit einem Finger zwischen ihre Beine. Sie hielt sich an seinen Schultern fest und bewegte die Hüften. Seine Berührung erregte sie so sehr, dass ihr fast schwindlig wurde. Sie war kurz davor, zu kommen und vor Lust abzuheben, als ein Summen in ihrem Kopf sie wieder auf die Erde holte.

Sie öffnete die Augen, und auf einmal wurde ihr bewusst, dass jemand an der Tür sein musste. Wer konnte das sein? Evelyn? Sie hatte angedeutet, dass sie vorbeikommen wollte, um sich ihr Modell anzusehen. Auf gar keinen Fall durfte sie wissen, dass sie, Freya, sich mit ihrem Modell vergnügte, bevor überhaupt die ersten Skizzen angefertigt waren!

„Ich muss die Tür aufmachen.“ Freya löste sich von Marco und bediente die Sprechanlage für den automatischen Türöffner. Gleichzeitig zog sie sich die Bluse wieder über. „Ja?“

Zum Glück war es nicht ihre Agentin, sondern ihre Freundin Megan. „Ich bin es. Zufällig hatte ich hier in der Nähe zu tun und dachte, ich schau mal bei dir vorbei. Wir könnten eine Kleinigkeit essen gehen.“

Marco drückte Freya sanft gegen die Wand und biss zärtlich in ihr Ohrläppchen. „Lass dir für deinen Besucher eine Ausrede einfallen. Dafür werde ich dir dann von mir eine Kostprobe zum Naschen geben“, flüsterte Marco ihr ins Ohr. Er nahm ihre Hand und führte sie zwischen seine Beine. Er fühlte sich köstlich an – wie Samt über Stahl. Sie streichelte die Spitze seines Gliedes und bewunderte seine Härte. Oh, sie würde es jetzt so gerne in ihren Mund nehmen und ihn mit der Zunge verwöhnen, so wie sie sich das bereits bei ihrem ersten Treffen gewünscht hatte.

„Sag ihr, dass du beschäftigt bist“, drängte er und hielt sie mit seinem nackten Körper an die Wand gedrückt. Seine Erektion streichelte sie zwischen ihren Schenkeln.

„Marco.“ Freya legte ihre Hände auf seine Brust. Aber anstatt ihn wegzuschieben, spielten ihre Finger mit seinen bronzefarbenen Brustwarzen. Das erregte sie noch mehr. Sie begehrte ihn so sehr. Wenn er sich so wie jetzt an sie presste, hörte ihr Verstand auf zu arbeiten. Aber irgendwie gelang es ihr trotzdem, sich Marco zu entziehen „Wir sollten unsere Sitzung heute beenden. Zieh dich an.“

Er biss die Zähne zusammen, und sie konnte es ihm nicht verübeln, dass er sauer war. Sie sandte ihm widersprüchliche Signale, aber sie konnte einfach nicht anders. Er war ihr Angestellter und nicht ihr Betthase.

„Ich werde jetzt die Tür öffnen. Wenn du nicht willst, dass meine Freundin dich nackt sieht, dann solltest du dich anziehen.“ Freya vermied es, ihm dabei in die Augen zu schauen.

„Ob deine Freundin mich sieht, ist mir egal. Die ganze Welt wird demnächst meinen nackten Körper sehen, wenn deine Statue ausgestellt wird.“

Offenbar meinte er es ernst, denn er marschierte nackt durch das Loft. Wieso sah dieser Mann nur so unverschämt gut aus? Freya öffnete die Tür und hoffte, dass die hereinfliegenden Schneeflocken seinen heißen Po etwas abkühlten.

Megan O’Malley stand mit weit geöffneten grünen Augen in der Türöffnung. „Wer ist denn das?“

Marco war offensichtlich noch immer nicht in der Umkleidekabine verschwunden.

Megan verrenkte sich fast den Hals, als sie versuchte, über Freyas Schulter zu spähen. „Ich kann nichts sehen“, beschwerte sie sich.

In diesem Augenblick hörte Freya, dass der Vorhang der Umkleidekabine schwungvoll zugezogen wurde.

„Spielverderber!“, rief Megan mit gespielter Empörung. „Es wurde auch langsam Zeit, dass du dir ein wenig Spaß gönnst, Freya. Wer ist dieser scharfe Typ?“

„Marco, mein neues Modell.“ Und sonst nichts.

„Ist seine Vorderansicht genauso hübsch wie seine Rückseite?“

„Sogar noch besser.“ Huch! Das war Freya einfach so herausgerutscht.

„Na, na“, Megan schaute ihre Freundin durchdringend an. „Du wirst ja so rot wie deine Bluse, die übrigens falsch zugeknöpft ist.“

Freya schaute verlegen an sich herunter.

„Ich glaube, ich geh lieber wieder. Du hast sicherlich gerade etwas Besseres vor, als mit mir zu essen.“ Megans Hand lag bereits auf dem Türgriff.

„Halt. Bleib hier!“ Freya knöpfte ihre Bluse ordentlich zu. „Es ist nichts passiert.“

„Deshalb gehe ich jetzt. Es sollte endlich mal was bei dir passieren.“

Marco kam aus der Kabine und grinste Megan freundlich an. „Du musst Megan sein.“

Megan nahm seine ausgestreckte Hand und strich sich verlegen eine schwarze Strähne aus dem Gesicht.

„Megan, das ist Marco. Er ist das Modell für den Stuarts-Auftrag.“

„Schön, dich kennenzulernen“, murmelte Marco und schüttelte Megans Hand.

Freya beobachtete die beiden ein wenig säuerlich. Wenn Marco weiterhin so viel Hitze verbreitete, dann würde ihre Freundin bald schmelzen wie der Schnee an ihren Schuhen.

„Für heute sind wir fertig, Marco. Kannst du morgen um zehn Uhr wieder hier sein? Und danke, dass du gekommen bist.“

„Es ist noch zu früh, dich bei mir zu bedanken, corazón“, flüsterte Marco ihr zu, als sie ihn zur Türe begleitete. „Du darfst dich erst bei mir bedanken, wenn du gekommen bist.“ Dabei strich er ihr zart über die Wangen, den Hals und in die tief ausgeschnittene Bluse. Ihre Brustwarzen reagierten sofort auf diese Berührung. Zum Abschied winkte er Megan freundlich zu und verschwand dann, ohne sich noch einmal umzudrehen.

„Meine Güte!“ Megan fächelte Freya etwas kühle Luft zu. „Diese Augen! Ich dachte, ihr beide geht gleich in Flammen auf!“

„Sei nicht albern. Er interessiert mich nicht.“ Freya versuchte sich wieder in den Griff zu bekommen.

„Dann kann ich also seine Telefonnummer haben?“, fragte Megan.

Freya warf ihrer Freundin einen finsteren Blick zu.

Megan hob in gespielter Unschuld die Hände. „Reg dich nicht auf, Süße! Du hast nur meinen Verdacht bestätigt.“

„Lass uns jetzt was essen gehen.“ Freya griff nach ihrer warmen Jacke. Die würde sie noch nicht einmal benötigen, denn Marco machte sie so heiß, dass sie nackt durch die Kälte laufen könnte, ohne es zu merken.

Freya studierte die umfangreiche Speisekarte, die auf umweltfreundlichem Papier gedruckt war. „Ich bin gespannt auf das Tagesmenü.“

„Als Erstes brauche ich einen Kaffee. Und dann ein warmes Hauptgericht, damit ich mich wohlfühle.“

„Ich weiß nicht, worauf ich Appetit habe“, erwiderte Freya. „Zumindest auf nichts, was hier auf der Karte steht.

Megan musste ihre Gedanken gelesen haben, denn sie fragte: „Wie wäre es mit etwas Scharfem? Am besten etwas Lateinamerikanisches, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenläuft“

„Megan!“ Freya war froh, dass ihre Wangen noch von der Kälte gerötet waren und man ihr die Verlegenheit nicht ansah.

„Was?“, fragte Megan mit gespielter Unschuld. „Du könntest einen langen, dicken, saftigen Burrito vertragen.“

Freya wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. „Marco steht nicht auf meinem Speiseplan. Er ist mein Modell und wird von mir bezahlt. Außerdem ist er Kubaner, und Burritos kommen aus Mexiko.“

„Kubaner? Oh ja, heiße, tropische Nächte, Salsa, Ricky Martin …“, schwärmte Megan.

„Ricky Martin kommt doch aus Puerto Rico!“

„Jemand der so einen sexy Po hat wie Ricky, kann von mir aus auch vom Mars kommen.“ Megan fächelte sich mit der Speisekarte etwas Luft zu.

Der Kellner nahm die Bestellungen entgegen und stellte ein Brotkörbchen mit Vollkornstangen auf den Tisch. Freya entschied sich für Chili con Carne mit Maisbrot, und Megan wählte Teriyaki aus dem Wok und dazu Naturreis. Sie war in Japan aufgewachsen, denn ihre Mutter war Japanerin und ihr Vater ein amerikanischer Geschäftsmann.

„Wieso sitzt du eigentlich mit mir hier beim Essen, anstatt mit einem heißen nackten Kerl auf dem Sofa zu liegen?“ Megan knabberte an einer Vollkornstange.

„Dazu habe ich keine Zeit. Wenn ich diesen Auftrag nicht gut erledige, dann wird Evelyn mich fallen lassen. Sie war mit meinen letzten Arbeiten nicht zufrieden. Sie hat die Leidenschaft in meinen Bildern vermisst.“

„Dann ist das doch perfekt. Du verliebst dich in Marco, und davon profitiert dann auch deine Arbeit.“

„So funktioniert das nicht, Megan.“

Megan warf ihrer Freundin einen skeptischen Blick zu. „Jetzt hör mir mal zu. Meine Kenntnisse in Kunstgeschichte sind ein wenig eingerostet, aber soweit ich weiß, haben das bereits andere Künstler gemacht. Wie war das zum Beispiel mit Picasso?“

„Das stimmt.“

„Oder diesem französischen Bildhauer … Rodin?“

„Ja.“ Das war einer von Freyas Lieblingskünstlern.

„Es kann mir auch niemand sagen, dass Paul Gauguin nur eine rein künstlerische Beziehung zu seinen barbusigen Südseeschönheiten hatte.“

„Wahrscheinlich nicht.“

„Trotzdem hat das ihrem guten Ruf nicht geschadet, oder?“

„Na ja … es war eine andere Zeit. Außerdem waren es Männer.“ Selbst Freya musste zugeben, dass ihre Begründung recht schwach klang.

Megan streckte ihr die Zunge raus. „Wieso sollten nur männliche Künstler ihren Spaß haben?“

Freya richtete sich plötzlich kerzengrade auf. „Du hast recht. Vielleicht sollten sie nicht die Einzigen sein.“

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