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Sex an Bord/Führ mich in Versuchung!/Maggies Doppelleben

Mara Fox

Sex an Bord

PROLOG

Anthony Enderlin beobachtete Emma durch die Glastür zum Pausenraum und überlegte, ob dies ein günstiger Zeitpunkt wäre, sich der Frau vorzustellen, die ihn mit ihrer verführerischen Stimme in die Anwaltskanzlei Anderson-Harding gelockt hatte. Obwohl sie bisher immer nur miteinander telefoniert hatten und sich noch nie persönlich begegnet waren, kam es ihm so vor, als ob sie sich kannten. Emmas Stimme hatte seine erotische Fantasie entzündet und ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Dabei hatten sie nur wenige Male miteinander gesprochen, um über das neue Computerprogramm zu reden. Dass ihre Stimme eine solche Wirkung auf ihn hatte, beunruhigte Tony. Also hatte er beschlossen, von Denver, Colorado, nach Jacksonville in Florida zu fliegen, um die Software selbst zu installieren. Seinem Chef hatte er sein Vorhaben als eine Mischung aus Pilotprojekt und Urlaub verkauft.

Plötzlich hörte er Schritte im Gang. Emmas beste Freundin, die Anwältin Tina Henderson, genannt der „Hai“, kam näher, und Tony trat rasch zur Seite. Es war ihm peinlich, dass er vor dem Aufenthaltsraum der Angestellten herumlungerte.

Seufzend fuhr er sich mit der Hand durchs Haar. Eigentlich hätte er längst im Büro gegenüber sein müssen, wo ein anderer Anwalt darauf wartete, dass Tony endlich seinen Computer überprüfte. Die Festplatte war wahrscheinlich wieder mit Sexseiten aus dem Internet, Viren und überflüssigen Spielen verseucht.

Eine Arbeit, für die er als Entwickler des Programms eigentlich überqualifiziert war. Er hatte das Projekt mit Emma, seiner Ansprechpartnerin in der Kanzlei, koordiniert. Als er sich um den Auftrag bemüht hatte, hatte er nicht vorgehabt, jeden einzelnen Rechner durchzuchecken, sondern hatte vor allem den Kontakt mit Emma vertiefen wollen.

Er hatte sich eingeredet, dass sie unmöglich so gut aussehen konnte, wie ihre Stimme vermuten ließ, und dass die Faszination schwinden würde, sobald er sie persönlich kennengelernt hätte. Dann könnten sie Freunde werden, denn er unterhielt sich gern mit ihr. Außerdem kam er mit Freundschaften besser zurecht als mit Liebesgeschichten. Eine Frau konnte noch so attraktiv sein, aber auf Dauer reizte ihn seine Arbeit mehr. Was er brauchte, war eine Frau, die es schaffte, ihn aus seiner Computerwelt herauszulocken.

Tina, der „Hai“, eilte an Tony vorbei. Er vermied den Blickkontakt, indem er so tat, als ob er in das Fax in seiner Hand vertieft war. Tina kannte ihn noch nicht. Bisher war es ihm gelungen, ihr aus dem Weg zu gehen.

Sie war sehr attraktiv, aber Emmas zartere Schönheit wirkte auf ihn noch viel anziehender. Seit er Emma zum ersten Mal gesehen hatte, war es für ihn schwierig, sie sich als platonische Freundin vorzustellen. Sie wirkte wie die Heldin eines historischen Romans. Oder wie die weibliche Hauptfigur aus einem der virtuellen Rollenspiele, mit denen er sich in seiner Freizeit vergnügte. Er hatte eine Schwäche für Abenteuer mit Rittern, Drachen und Schwertkämpfen.

Und er liebte es, die Prinzessin zu retten.

Diese Prinzessin indes hatte genug Köpfchen, um selbst auf sich aufpassen zu können. Durch ihre Telefongespräche wusste er, dass sie klug, witzig und sexy war, auch wenn sie sich nach dem peinlichen Ende einer Büroaffäre zurzeit von ihren Kollegen absonderte.

Sie war also auch ein bisschen schüchtern. Interessant.

Es war ein faszinierender Widerspruch, den Tony näher ergründen wollte. Er sah Emma inzwischen nicht mehr als künftige Freundin, er wollte mehr. Er wusste nur nicht, wie viel mehr. Ein halber Kontinent lag zwischen ihnen. Außerdem war er nicht gerade ein Frauenheld – dazu verbrachte er viel zu viel Zeit vorm Bildschirm. Und lange vermochte eine Frau ihn ohnehin nicht zu fesseln.

Dann würde die „Beziehung“ eben nur kurzfristig sein. Besser, er war sich von Anfang an darüber klar.

Er konnte charmant sein, hatte seine Schwester einmal zu ihm gesagt. Und dem Klatsch zufolge war Emma gerade von einem Idioten erster Güte verletzt worden. Ein edler Ritter wäre jetzt genau das Richtige für sie.

Vielleicht konnte er ihre sanfte Stimme bald aus allernächster Nähe hören, wenn sie ihr Liebesgeflüster in sein Ohr hauchte.

Er lächelte. Bis jetzt hatte er es jedoch noch nicht einmal geschafft, Emma zu treffen und ihr die Hand zu schütteln, weil er die Firmencomputer auf Vordermann bringen musste.

Langsam wurde er ungeduldig. Er musste endlich versuchen, der Frau seiner Träume näherzukommen.

1. KAPITEL

Emma Daniels saß im Pausenraum und schaute trübsinnig auf ihr Sandwich mit Keimsprossen und Avocadoscheiben. Neben dem Sandwich lag ein riesiges Stück weiße Schokolade, dem sie jedoch tapfer widerstand.

Ich verdiene diesen Schokoriegel dafür, dass ich Haltung bewahre, aber wenn ich Süßigkeiten esse, werde ich nicht mehr in meine engen Sachen passen, und die brauche ich, wenn ich wieder auf Männersuche gehen muss.

Bei dem trostlosen Gedanken sank sie seufzend noch tiefer in den Sessel.

Da es kurz nach zwei Uhr nachmittags war, hatte sie den Pausenraum für sich allein, bis ihre Freundin Tina Henderson hereinplatzte. Mit ihrem grünen Gucci-Kostüm war sie wie immer top gestylt.

„Was starrst du so trübsinnig auf den Schokoriegel?“

Emma schaute auf. „Ich bereite mich innerlich auf das härteste Ritual unserer Zeit vor – Dating. Das, was du so mühelos beherrschst. Wie schaffst du es nur, selbst bei diesem feucht-schwülen Wetter immer so frisch auszusehen? Mein Haar ist dann immer besonders kraus.“ Unzufrieden zupfte sie an ihrem Zopf. Seit einem Monat regnete es fast ununterbrochen.

„Wie kann sich dein Haar bei der Frisur noch kräuseln? Dein französischer Zopf ist so fest, dass mein Kopf schon bei dem Anblick vor lauter Mitleid wehtut.“

Emma verzog das Gesicht. „Ich spiele mit dem Gedanken, die Naturkrause beim Friseur glätten zu lassen. Wie war es heute im Gericht?“

„Großartig. Wir haben den Prozess gewonnen. Wann hörst du endlich auf, deine Zeit als einfache Sekretärin zu vertrödeln, und machst eine Ausbildung? Ich brauche eine gewiefte Assistentin. Ich brauche dich.“ Tina öffnete den Kühlschrank.

„Ich habe die Anmeldefrist für das Institut wieder verpasst.“

„Warum? Ich dachte, diesmal wäre es dir ernst gewesen.“

„Das war es auch. Aber Melissa hat mich in Beschlag genommen. Wir bereiten jeden Einzelnen auf die Installation des neuen Computerprogramms vor. Sie hat mich händeringend um Unterstützung gebeten und mich mit einem dicken Überstundenzuschlag geködert. Der Vorteil ist, dass ich mein Kreditkartenkonto ausgleichen konnte. Der Nachteil ist, dass ich vor lauter Stress die Einschreibung vergessen habe.“ Emma deutete auf ihre neuen Schuhe der Marke Jimmy Choo. „Dafür habe ich mir einen Einkaufsbummel gegönnt. Doch jetzt habe ich den Anmeldeschluss für das nächste Semester mit roter Tinte in meinen Kalender eingetragen, und ich werde den Termin garantiert nicht versäumen.“

„Sehr lobenswert. Dennoch fürchte ich, dass ich wohl eher in Rente gehe, bevor du dich zu diesem Schritt durchringst.“

Emma wiegte den Kopf. „Ein kleines Problem ist, dass mir mein Job als Sekretärin gefällt. Ich wünschte nur, dass der Posten etwas mehr Anerkennung und eine bessere Bezahlung mit sich bringen würde.“

„Jeder in der Kanzlei weiß deine Arbeit zu würdigen.“

Emma schüttelte den Kopf. „Nicht jeder. Ich sollte mich wirklich weiterbilden. Da wir gerade von Rechtsanwaltsgehilfen sprechen, hast du Lee Matheson angestellt?“

„Ich sollte es tun. Er ist ein heißer Typ.“ Tina warf ihr einen fragenden Blick zu. „Hast du gewusst, dass er verlobt ist?“

Ärgerlich wippte Emma mit dem Fuß. „Ja. Während ich noch überlegt habe, ob ich ihn anrufen sollte, war eine andere schneller. Ich, die Königin der Zauderer, bin mal wieder leer ausgegangen. Aber ich werde mich ändern.“

Tina nickte und kramte im Kühlschrank. „Was hiervon gehört dir? Ich bin am Verhungern.“

Emma schob den Teller mit ihrem Sandwich ans andere Ende des Tisches. „Du kannst mein Sandwich haben. Ich habe für Notfälle drei Reisgerichte im Gefrierfach.“

„Du rettest mir das Leben.“ Erfreut stürzte Tina sich geradezu auf das Sandwich. „Ich hätte dich heute vor Gericht wirklich gebrauchen können. Die Angeklagte wurde so nervös, dass sie Wasser über meine Unterlagen verschüttet hat. Du hättest die Notizen in dreifacher Ausführung dabeigehabt.“

Emma stand auf und öffnete den Kühlschrank. Dreifache Absicherung – das war typisch für sie. Stirnrunzelnd holte sie eine Packung Reis mit Huhn hervor und studierte das Etikett auf der Aluschale. Vorsicht war ja gut und schön, doch man konnte es damit auch übertreiben.

„Hey, Emma, was ist los? Warum starrst du so finster vor dich hin? Ist es immer noch wegen Brad?“

Emma schob das Fertiggericht wieder ins Gefrierfach und drehte sich zu ihrer Freundin um. Sie kämpfte gegen die plötzlich aufsteigenden Tränen an. „Er hat mich in eine verdammt peinliche Situation gebracht.“

„Ja, ich weiß.“ Tina legte das Sandwich auf den Teller. „Er wurde entlassen. Das sollte dir Genugtuung geben.“

„Er wurde im Kopierraum mit Angela erwischt. Warum musste er ausgerechnet hier im Büro ihre Silikonbrüste befummeln? Ich traue mich wegen all der mitleidigen Blicke nicht einmal mehr mittags in den Pausenraum. Das einzig Gute ist, dass ich die Kollegen jetzt für ein paar Tage nicht zu sehen brauche. Sie sollen diese Woche alle auf dem neuen Computersystem geschult werden.“

„Du bauschst die Sache zu sehr auf“, erwiderte Tina.

„Findest du?“ Emma schüttelte den Kopf. „Warum hat Brad nicht stärker darauf gedrängt, dass wir Sex haben? Ich wollte es ja, nur nicht so schnell. Ich dachte, wir sollten uns erst näher kennenlernen, bevor wir intim miteinander werden.“

Tina schnaubte. „Du hattest keinen Sex mit Brad, weil der Funke nicht übergesprungen ist. Du hast instinktiv gespürt, dass er ein Verlierer ist.

„Möglich.“ Emma zuckte mit den Schultern. „Jedenfalls geht das mit den Dates nun wieder von vorn los. Und das nervt. Entweder zögere ich zu lange, und der Mann stellt sich im Nachhinein als toller Typ heraus, oder ich greife zu, und der Kerl ist eine Niete. Entweder mir bricht jemand das Herz oder er verletzt meinen Stolz. Warum tun wir uns das an? Es ist wie eine Reihe von stressigen Vorstellungsgesprächen.“ Seufzend setzte sie sich wieder. „Vielleicht sollte ich mir ein Bauchnabelpiercing zulegen oder ein Tattoo.“

Tina schmunzelte. „Für ein Piercing bist du nicht der Typ. Eine Tätowierung wäre vielleicht okay, sofern du damit etwas Besonderes ausdrücken möchtest. Ich finde es einfach schrecklich, wenn ein Mann sich den Namen seiner Freundin in die Haut ritzen lässt, bloß weil er nach einem Saufgelage nicht mehr alle Sinne beisammen hat.

Emma mochte nicht zugeben, dass sie sich schon immer ein Tattoo gewünscht hatte und sich nur nicht traute, sich eins machen zu lassen. „Warum halten wir uns überhaupt mit Männern auf?“

„Weil sie nun einmal über eine bessere Ausrüstung verfügen, als wir sie uns je übers Internet besorgen könnten“, antwortete Tina trocken. „Wie lange ist es eigentlich her, dass du dich einer Herausforderung gestellt hast, wenn es um Männer ging, und dich auf eine Romanze eingelassen hast?“

„Da der Begriff Romanze normalerweise nicht zu deinem Wortschatz gehört, lass mich raten, worauf du hinauswillst. Hat es etwa zufällig mit einer Kreuzfahrt für Singles zu den Bahamas zu tun?“

Tina spießte die Sojasprossen auf dem Teller mit einer Gabel auf. „Darcy hat mich hängen lassen. Deshalb suche ich dringend jemanden, der die Kabine mit mir teilt. Ich habe gerade eine hohe Anzahlung für meine Eigentumswohnung geleistet und könnte den Gruppenrabatt wirklich brauchen.“

„Du hast ja schon einige Kollegen zum Mitfahren überredet. Überhaupt riecht mir eine Singlereise zu sehr nach einem Akt der Verzweiflung.“

„Sieh es mal locker. Wir werden unseren Spaß haben.“

„Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen? Du hast das doch nun wirklich nicht nötig.“

„Stell dir die Schiffsfahrt wie ein romantisches Abenteuer vor. Ich fahre mit, weil es eine Gelegenheit ist, auszuspannen und Männer kennenzulernen.“ Tina reckte sich genießerisch. „Ich freue mich jedenfalls schon auf sonnige Tage und heiße Nächte.“

Emma lächelte. „Du meinst heißen Sex. Aber wie soll das gehen, wenn wir in einer Kabine schlafen? Ich würde dir nur im Weg sein.“

„Mach dir darüber keine Gedanken. Das werde ich schon hinkriegen. Gib dir einen Ruck. Es wird dir bestimmt gefallen.“

Emma zögerte. „Eine Affäre auf einer Kreuzfahrt zu haben klingt so … gefährlich.“ „Es kann nicht viel schlimmer werden als die Sache mit Brad“, konterte Tina.

„Das ist nicht fair.“

„Bist du etwa auf der Suche nach einer festen Beziehung? Hast du dir schon mal die Scheidungsstatistiken angesehen? Ich kenne ein paar Anwälte, die sich auf Scheidungsrecht spezialisiert haben, und die verdienen weit mehr Geld als ich.“

Emma riss die Verpackung des Schokoriegels auf. „Wenn man bedenkt, dass meine Eltern sich nach fünfundzwanzig Jahren Ehe haben scheiden lassen, dann muss ich dir recht geben.“

„Mach die Reise mit mir, gönn dir ein kleines Liebesabenteuer und lern tauchen, schnorcheln oder vielleicht sogar Jetski fahren. Es wird aufregend sein. Und bei deiner Rückkehr werden alle über deine tolle Ausstrahlung reden statt über deinen Ex.“ Tina zwinkerte ihr zu.

Der Gedanke war verlockend. „Vielleicht wäre mein Leben tatsächlich interessanter, wenn ich spontaner wäre“, räumte Emma ein.

„Honey, mit dem richtigen Mann wird es mehr als interessant.“

„Ich müsste nur nach einem schönen gebräunten Körper Ausschau halten, da es ja nicht von Dauer sein soll.“ Emma legte den ausgewickelten Schokoriegel hin. „Ich könnte mich ganz darauf konzentrieren, nur für den Moment zu leben.“

„So gefällst du mir schon besser.“

Emma nickte entschlossen. „Ich denke, ein Strand im Mondschein und ein gut aussehender Typ wären genau das Richtige für mich. Ich werde nichts, aber auch gar nichts auf dieser Reise auslassen.“

Tina lachte. „Hey, Mädchen, bleib locker.“

Emma lächelte. „Ich glaube, ich habe doch noch Appetit bekommen.“ Genüsslich biss sie in die weiße Schokolade. „Warum soll man sich das Beste bis zuletzt aufheben? Von jetzt an esse ich das Dessert immer zuerst.“

Beklommen sah Tony Enderlin sich in der winzigen Einzelkabine um. „Worauf habe ich mich nur eingelassen?“, fragte er sich laut und kämpfte gegen einen ernsten Anfall von Platzangst an. „Ich hätte nicht an Bord gehen sollen.“

Die Kabine war im Grunde gar nicht so klein. Über seinem Kopf war Platz genug, obwohl er immerhin deutlich über einen Meter achtzig groß war. Dennoch fiel ihm das Atmen schwer. Er hatte den Eindruck, dass die Tür den Raum hermetisch abdichtete und nicht genügend Sauerstoff hereinließ.

Im Alter von sechs Jahren war er mit seinem Cousin zum Spielen in einen Kanalisationsschacht gestiegen, und dann hatte sein Gefährte sich vor ihm versteckt. In seiner Panik war Tony in die falsche Richtung gelaufen und in ein engeres Rohr geraten, wo er über ein totes Tier gestolpert und in eine Pfütze mit brackigem Wasser gefallen war.

Beim Versuch, sich aufzurichten, war von allen Seiten Schmutz auf ihn gerieselt. Vor Ekel hatte Tony sich reglos in der Dunkelheit zusammengekauert. Es waren die längsten vierundzwanzig Stunden seines Lebens. Er war nicht in der Lage gewesen, sich zu bewegen, nicht einmal als sein Cousin ihn endlich gefunden hatte. Diese Angstattacken überfielen ihn in engen Räumen immer wieder, sosehr er sich auch bemühte, seine Phobie zu überwinden.

Tony sank aufs Bett, rollte sich auf den Rücken und schloss die Augen. Er stellte sich vor, er wäre draußen an Deck und hätte nur den endlosen blauen Himmel über sich. Langsam normalisierte sich sein Puls.

Geht doch, sagte er sich.

Ein Mitarbeiter der Kanzlei hatte die Reise nach einem heftigen Streit mit seiner Frau gebucht. Kurz darauf hatten sie sich wieder versöhnt. Da er als verheirateter Mann schlecht auf eine Kreuzfahrt für Singles gehen konnte – es sei denn, er legte es auf die Scheidung an –, hatte er Tony sein Ticket angeboten.

Ach, gib es zu. Du bist nur hier, weil Emma Daniels ebenfalls an Bord ist.

Anscheinend war sie zu diesem Trip überredet worden, um über das peinliche Fiasko mit ihrem Freund hinwegzukommen, und dann war Tony die Schiffskarte in den Schoß gefallen. Seine mexikanische Großmutter, der er seinen zweiten Vornamen Andrés verdankte, würde den Heiligen danken und es Schicksal nennen. Er nannte es eine Chance.

Könnte eine Frau wirklich so viel Aufwand wert sein?

Oh ja. Emma hatte einen scharfen Verstand und einen ausgeprägten Sinn für Humor. Und ihr verführerischer Körper passte perfekt zu ihrer erotischen Stimme.

Seit er in Jacksonville war, hatte er Emma immer nur von Weitem gesehen. Anderson-Harding war eine große Firma, und er kannte schon fast alle Mitarbeiter. Nur nicht die Frau, derentwegen er gekommen war.

Schmunzelnd erinnerte er sich an den Anwalt, der den Arbeitsspeicher seines Computers für das Herunterladen von pornografischen Fotos verbraucht hatte. Eine der Blondinen auf dem Bildschirm hatte eine entfernte Ähnlichkeit mit Emma, und das allein hatte schon genügt, um bei Tony heiße Fantasien auszulösen. Offensichtlich hatte er in der letzten Zeit zu viel gearbeitet.

Vielleicht hatte Emma nur deshalb einen so starken Eindruck auf ihn gemacht – während der endlosen Stunden vorm Rechner war ihre Stimme am Telefon seine einzige Ablenkung gewesen. Er hatte sich auf ihre Gespräche gefreut, selbst wenn sie sich nur über belanglose Themen unterhalten hatten. Ihre weiche Stimme und ihr heiseres Lachen hatten ihn völlig verzaubert.

Das ist albern. Emma ist eine ganz normale Frau. Kein verführerisches Märchenwesen und keine mittelalterliche Prinzessin. Schon nach ein paar Dates wird sie mich langweilen, und dann werde ich froh sein, wieder vor dem Computer zu sitzen.

Zurzeit jedoch konnte er sich nicht konzentrieren. Er konnte nicht arbeiten. Er mochte keine ungelösten Rätsel, und seine Reaktion auf Emma war ihm ein Rätsel.

Ungeduldig stand Tony auf und packte seine Badehose aus. Wozu eigentlich noch mehr Zeit verschwenden? Er wollte auf einem Liegestuhl am Pool relaxen und sich einen Drink genehmigen.

Er hatte vor, seinen Urlaub zu genießen. Warum auch nicht? Er lächelte. Er würde mit den Frauen auf diesem Schiff flirten. Es würde Spaß machen wie seine Rollenspiele am Computer. Und es wäre sicher nicht schlecht, seine Energie nicht nur auf Emma zu konzentrieren, eine Frau, die unmöglich dem Bild entsprechen konnte, das er sich von ihr gemacht hatte.

Tina betrat ihre Kabine und schaute sich zufrieden um. Die Betten an der Wand sahen bequem aus, und der Raum war größer, als sie erwartet hatte. Vor der Balkontür hing ein bunter Vorhang. „Eine Kabine mit Balkon – das ist Luxus“, rief sie begeistert.

Emma nahm ihre Sachen aus dem Koffer, ohne zwischendurch aufzublicken. „Der Balkon ist toll. Ich hoffe nur, dass ich nicht die ganze Reise dort draußen verbringe und aufs Meer starre, weil ich zu feige bin, mich unter die Leute zu mischen. Ich bin total nervös.“

„Du wirst dich schnell hier einleben. Warum packst du so sorgfältig aus? Ich habe mein großes Gepäck bei einem attraktiven jungen Mann gelassen – ich glaube, er ist Italiener, obwohl sein Englisch wunderbar klang.“

Emma schaute auf. „Ich kann nichts finden, wenn nicht alles ordentlich …“

„Oh, wow! Was hast du mit deinem Haar gemacht?“

Befangen griff Emma sich in die glatten Strähnen, die ihre Schultern streiften. „Ich habe es kürzer schneiden und aufhellen lassen. Dann hat mir der Friseur auch noch einen teuren Festiger aufgeschwatzt, der meine Naturkrause bändigt. Es ist nur deine Schuld. Du hast mir immer vorgehalten, dass der französische Zopf schon lange out ist.“

Tina warf ihre Tasche aufs Bett und zupfte mit den Fingern an Emmas neuer Frisur. „Es sieht klasse aus. Vielleicht sollte ich auch mal wieder auf Blond umsteigen.“

„Dein Haar ist wunderschön. Immer wieder anders und doch genau richtig. Wie machst du das bloß?“

„Ich leiste mir den besten Friseur der Stadt und vertraue auf seine Kunst. Mir kommt es in erster Linie auf Abwechslung an. In Wahrheit kann ich mich kaum erinnern, wie meine natürliche Haarfarbe ist“, fügte Tina scherzhaft hinzu.

„Warum kann ich nicht etwas risikofreudiger sein, so wie du?“, sinnierte Emma.

„Weil du, so wie du bist, perfekt bist. Dein Problem ist, dass du ein verzerrtes Bild von dir selbst hast.“

„Wie meinst du das?“

„Nun, du hast alle Voraussetzungen, schön, interessant und verführerisch zu sein, aber du spielst deine Trümpfe nicht aus.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich weiß, wie.“

„Warum lässt du es zu, dass Typen wie Brad dich fertigmachen? Schön sein, das bedeutet, seine Vorzüge ins rechte Licht zu rücken. Oh, das erinnert mich an etwas.“ Sie wühlte in Emmas Koffer, bis sie einen einteiligen Badeanzug fand, den sie mit theatralischer Geste in den Papierkorb fallen ließ. „Du musst dir unbedingt einen Tanga zulegen.“

„So etwas könnte ich nie tragen!“

„Warum nicht?“ Tina klopfte Emma auf den Po. „Honey, du hast eine tolle Figur. Gewöhn dir ruhig an, damit anzugeben.“

„Ich habe ein enges schwarzes Kleid mitgebracht, so wie du es mir gesagt hast.“ Verlangend schaute Emma zum Papierkorb.

„Das ist gut. Das kleine Schwarze ist ein Muss. Und ich habe extra Schminke für dich eingepackt. Dein neues Ich wird ein geheimnisvolles Wesen sein, das nur so viel Wahrheit enthüllt, wie noch interessant ist.“

„Ich bin nicht gut im Lügen.“ Emma hob die Stimme. „Warum soll ich lügen?“

„Ich habe nicht gesagt, dass du lügen sollst. Du sollst nur die Wahrheit interessanter machen. Sei mutig. Du spielst ein Spiel. Die Männer auf einer Singlereise wissen das, und sie möchten garantiert mitspielen.“

Nachdenklich tippte Emma sich mit dem Zeigefinger ans Kinn. Sie hatte Vertrauen zu Tina. Für sie war Tina keine Konkurrenz, sondern nur eine Freundin.

„Hey, bist du noch da?“ Tina bückte sich, um ihre kleine Reisetasche aufzuheben.

Emma sank aufs Bett. „Es war ein merkwürdiges Gefühl, an Bord dieses riesigen Schiffes zu gehen. Als dann irgendwo ein Horn tutete, bekam ich sogar eine Gänsehaut.“

„Das ist in Ordnung. Es wird ein aufregendes Erlebnis werden, wenn ich nur endlich … ah, ich habe ihn gefunden.“ Triumphierend zog Tina einen leuchtendroten Tanga aus der Tasche. „Was meinst du? Ist der sexy?“

„Ist so etwas in diesen Gewässern überhaupt erlaubt?“

„Wen kümmert’s?“

„Es war so, als ob ich an Bord der Titanic gehen würde.“

„Wovon redest du?“

Emma strich mit der Hand über die Tagesdecke. „Ich habe Angst, Schiffbruch zu erleiden und von einer Krise in die andere zu schlittern.“

„Könnte es schlimmer werden als die Sache mit Brad?“, fragte Tina direkt.

Emma verzog das Gesicht. „Wohl kaum“, räumte sie ein.

„Dann hast du deinen seelischen Untergang überlebt und kannst nun nach vorn schauen. Verführerisch zu sein, das bedeutet nichts anderes, als für alle Abenteuer offen zu sein. Es ist ein Gemütszustand. Wirf deine Netze aus und becirc die Männer, aber mach dir bewusst, dass du bestimmst, wie weit sie gehen dürfen. Und genieß es.“

„So habe ich es noch nie betrachtet.“

Tina lächelte. „Du grübelst zu viel. Diesmal überlass dich einfach nur deinen Gefühlen.“

Emmas Miene hellte sich auf, und ihre blauen Augen funkelten unternehmungslustig. „Ich werde mir einen winzigen Bikini in der Schiffsboutique kaufen. Ich wette, ich kann alles bekommen, was eine Frau sich auf einer Reise ins Paradies nur wünschen kann.“

„Und wir werden uns ein Tattoo machen lassen, um unser Abenteuer zu feiern.“

„Das wäre klasse.“

Später gingen Tina und Emma an Bord shoppen. Emma merkte kaum, wie das Schiff ablegte, weil sie gerade in einer Umkleidekabine stand. Als sie unsicher an einem smaragdgrünen Tanga zupfte, ließ sie Tina hinter den Vorhang lugen. „Ich glaube nicht, dass ich dafür die richtige Figur habe.“

„Oh, doch, das hast du.“ Tina nickte entschieden.

Gegen ein paar hundert Dollar bereicherte Emma ihre Urlaubsgarderobe um zwei winzige Bikinis mit dazu passenden Pareos, noch ein kurzes schwarzes Kleid und diverse sexy Dessous.

Hungrig von der Einkaufsorgie holten sie sich Lunch aus einem Restaurant mit opulenter Salatbar und nahmen ihr Essen mit an Deck.

„Sieh dir den endlosen Horizont an. Und wie schnell wir fahren. Wir sollen noch vor dem Dinner die Bahamas erreichen.“

„So weit sind sie ja nicht von Florida entfernt“, antwortete Tina sachlich.

„Trotzdem ist es eine ganz andere Welt. Hier auf dem Meer kommt es einem so vor, als wäre nur der Himmel die Grenze.“ Und als wären alle anderen Beschränkungen nur selbst auferlegt.“ Emma deutete mit einer ausholenden Geste auf den tiefblauen Ozean.

„Stimmt. Aber mir ist das zu theoretisch.“ Tina wandte sich von der Reling ab und beobachtete die Männer, die sich auf den Liegestühlen aalten. Sie seufzte theatralisch. „So viele Männer und so wenig Zeit. Ich werde meinen Salat essen, bevor er welk wird, und dann das Schiff erkunden. Du kannst ja hierbleiben und noch ein bisschen philosophieren, wenn dir das lieber ist.“

Emma löste sich nur ungern von dem atemberaubenden Ausblick aufs Meer. Sie tröstete sich damit, dass sie noch oft genug Gelegenheit haben würde, ihn zu bewundern. „Was machen wir heute Abend?“

„Wir gehen an Land.“

Die beiden Frauen machten gemeinsam einen Rundgang über das Schiff, buchten ihre Ausflüge und ließen sich Termine für Massagen und Maniküre geben. Wenn sich ein Abenteuer ergeben sollte, würden sie zu allem bereit sein.

2. KAPITEL

Emma konnte es kaum fassen, dass sie wirklich an diesem Abend auf der kleinen Insel Grand Bahama in einer Strandbar saß. Fasziniert beobachtete sie, wie die glutrote Sonne im Meer versank.

Sie hatte Tina ein paar Häuser weiter mit einem attraktiven Mann in einem Lokal allein gelassen. Tina war viel zu beschäftigt gewesen, um sich für die Abendröte oder irgendetwas anderes zu interessieren. Emma hatte sich unbehaglich in Gesellschaft der beiden gefühlt, weil sie buchstäblich übereinander hergefallen waren.

Aber war das nicht genau das, weshalb sie hierhergekommen war? Um mehr als nur den Sonnenuntergang zu genießen? Gedankenverloren spielte sie mit einer Haarsträhne. Wie sollte sie es anstellen, jemanden kennenzulernen?

Sie überdachte einige von Tinas nicht allzu subtilen Methoden. Sie musste es ihr einfach nachmachen, sich einen gut aussehenden Mann suchen und sich mit ihm unterhalten. Allerdings nicht so, wie sie normalerweise Gespräche anfing. Diesmal wollte sie das Interesse ihres Gegenübers wecken – die Art von Interesse, die zu einer aufregenden Nacht führte.

Es gab nur ein Problem. Emma tippte sich mit dem Finger ans Kinn. Um dreiundzwanzig Uhr waren die Passagiere zum Cocktail beim Kapitän eingeladen. Das Schiff sollte um Mitternacht schon wieder ablegen. Also selbst wenn sie noch einen Flirt auf der Insel haben sollte, würde er nicht zum Ziel führen.

War das wirklich ein Problem oder eher eine gute Gelegenheit zu einem unverbindlichen Test? Sie ließ ihren Blick über die Bar schweifen und bemerkte einen breitschultrigen Mann, der allein an einem Tisch saß. Sein durchtrainierter Körper wirkte beinahe zu groß für den kleinen Korbstuhl. Mit seinem dunklen, welligen Haar, das im Nacken den Kragen seines weiten weißen Hemdes streifte, und seiner Sonnenbräune wirkte er wie ein moderner Pirat.

Emma entdeckte einen freien Tisch in seiner Nähe und beschloss, den Platz zu wechseln. Irgendwann wird er zu mir herüberschauen, dachte sie, während sie aufstand. Sie stolperte beinahe, als er sie tatsächlich ansah und aufstand, während sie näher kam.

Er lächelte sie so freundlich an, als würde er sie kennen. Vielleicht verlieh ihr das den Mut, vor ihm stehen zu bleiben.

Sein Blick schien sie zu streicheln. „Ich habe dich beobachtet, wie du den Sonnenuntergang genossen hast, und ich habe mir gewünscht, dich kennenzulernen.“

Sie streckte ihm die Hand hin. „Hallo, ich bin Emma. Ich bin mit dem Schiff hier und bleibe nur einen Abend. Es ist so nett, sich mit einem Einheimischen zu unterhalten. Das heißt, falls du überhaupt von hier bist …“ Sie verstummte mitten im Satz, als der Fremde ihre Hand drückte. Sie verspürte ein heißes Kribbeln. Begann so das Spiel mit dem Feuer?

„Emma, du hast so schnell gesprochen, dass ich nicht alles verstanden habe.“

„Oh, habe ich einen Akzent? Du nicht. Das ist erstaunlich. Ich sagte gerade, dass ich eine Kreuzfahrt mache und ein bisschen …“, fast hätte sie zugegeben, dass sie nervös war, doch sie konnte sich noch rechtzeitig stoppen, „… durstig bin“, ergänzte sie hastig. „Kannst du mir einen Drink empfehlen?“

Für Tony war es aufregend, Emmas Hand zu halten. Aber hatte er nicht vorgehabt, Emma aus seinen Gedanken zu vertreiben?

„Nun“, drängte sie. „Was trinkt ihr Einheimischen?“

Er unterdrückte ein Lächeln. Es war das zweite Mal, dass sie ihn als Einheimischen bezeichnete.

Und obwohl er keine Ahnung hatte, welche Sprache man auf dieser Insel sprach, war er sich ziemlich sicher, dass Emma es auch nicht wusste. Also würde er sich auf sein Spanisch besinnen und das „R“ rollen, um ihr Interesse zu fesseln. „Ich bin … Andrés, und ich weiß genau, was wir bestellen sollten.“

„Okay, da bin ich ja mal gespannt“, antwortete sie mit rauchiger Stimme.

Am Telefon hatte Emma nicht annähernd so kokett geklungen. Eher sachlich und zurückhaltend. Doch dann legte sie die Hand auf seine Schulter und lenkte ihn mit einem einzigen Blick von seinen Gedanken ab. Ihre ausdruckvollen blauen Augen zogen ihn völlig in ihren Bann.

Bei ihrem Lächeln erwachte sein Verlangen, und als sie sich beide setzten, betrachtete er sehnsüchtig ihre langen schlanken Beine, die von ihrem knappen Rock betont wurden.

Er gab dem Kellner ein Zeichen und bestellte zweimal die Spezialität des Hauses. Das flackernde Kerzenlicht und die Korbmöbel verliehen der Strandbar ein exotisches Flair. Tony fühlte, dass ihm die Atmosphäre zu Kopf stieg.

„Ich bin so aufgeregt, hier zu sein.“ Emma lächelte ihn an. „Es ist wie eine andere Welt.“

Spontan griff er über den Tisch nach ihrer Hand. „Es ist schön.“

Sie errötete. „Ich sehe sogar mich selbst in einem ganz neuen Licht.“

„Woher kommst du?“

„Aus Florida.“

„Und aus welcher beruflichen Tretmühle bist du geflohen? Oder stecken persönliche Gründe dahinter?“

„Ich bin Sekretärin in einer Anwaltskanzlei“, antwortete sie. „Aber dieser Urlaub ist keine Flucht vor dem Alltagsstress.“ Sie machte eine vage Handbewegung. „Es geht um meine Angst.“

Ihre Ehrlichkeit beeindruckte ihn. „Keine Ausreden? Kein Versuch, andere für dein Tief verantwortlich zu machen – deinen Chef zum Beispiel, deine Kollegen, deinen Freund oder vielleicht … deinen Ehemann?“

Emma berührte ihren Ringfinger. „Es gibt keinen Mann, keinen Liebhaber oder sonst jemanden, den ich zur Verantwortung ziehen könnte außer mich selbst. Ich brauchte einfach eine Auszeit.“

„Und schon hast du jemanden kennengelernt“, meinte Tony lächelnd.

„Und noch dazu einen sehr interessanten Mann.“ Sie fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen.

Der Kellner stellte die Drinks auf den Tisch und musterte Emma anerkennend, was sie nicht einmal wahrzunehmen schien. Sie hatte ihre großen Augen auf Tony gerichtet, warf ihm ein provozierendes Lächeln zu und schlug lässig ihre schlanken Beine übereinander.

Fasziniert beobachtete er, wie sie das Glas an ihre Lippen führte und trank. Ihr voller Mund wirkte so sinnlich. Flüchtig überlegte er, ob er ihr verraten sollte, dass in dem süßen Cocktail außer Schokolade und Sahne auch hochprozentiger Alkohol steckte. Doch stattdessen erwiderte er nur: „Ich finde dich auch sehr interessant.“

Ihr Lächeln verriet ihm, dass sie seine bewundernden Blicke registriert hatte. „Ich habe mir meine Freundin Tina zum Vorbild genommen. Sie schafft es immer, das Leben spannend zu machen“, erwiderte sie. „Dies soll meine ganz persönliche Entdeckungsreise werden.“

Andrés trank einen Schluck. „Und was hoffst du zu finden?“, wollte er wissen und erwartete eine kokette Antwort.

Aber sie schien einen Moment wirklich nachzudenken, nagte an ihrer Unterlippe und erklärte dann sehr ernsthaft: „Einen Weg, wie ich ganz ich selbst sein kann. Ich möchte das Leben mehr genießen. Kennst du das Gefühl, wenn man glaubt, etwas zu versäumen, und zugleich ahnt, dass einem nur etwas Mut zur Veränderung fehlt?“

Tony kannte dieses Gefühl nur zu gut. Manchmal, nach zehn oder zwölf Stunden am Computer, in denen er nur per E-Mail mit anderen menschlichen Wesen Kontakt hatte, fragte er sich, ob er dieses einsame Leben wirklich wollte. „Oh ja, ich weiß, was du meinst.“

Emma seufzte. „Ich bin mir nicht sicher, was genau ich vermisse. Doch was immer es ist, hier mit dir zusammenzusitzen tut mir unheimlich gut.“

Sie hob das beschlagene Glas, nahm das Papierschirmchen heraus und saugte an einem Ananasstück. Tony vergaß seinen Drink. In diesem Moment wünschte er sich nichts sehnlicher, als sie zu küssen.

Er wusste, dass er ihr ehrlich sagen sollte, dass er kein Einheimischer war.

Würde das die romantische Stimmung verderben? Wäre es vielleicht besser, erst einmal abzuwarten, was Emma vorhatte?

Sie sah ihn mit einem glutvollen Blick an.

Ja, er wollte es darauf ankommen lassen.

Emma kam es so vor, als würde er direkt in ihre Seele schauen. Oder als ob sie schon intim miteinander gewesen wären, und dabei hatte er sie kaum berührt, geschweige denn geküsst. Um ihre Verwirrung zu überspielen, fragte sie: „Ist hier Kakao mit drin? Ich muss zugeben, dass ich süchtig nach Schokolade bin.“

„Ja, es ist eine Art Milchshake“, erwiderte Andrés.

„Wirklich köstlich.“

Zärtlich strich er über ihre Hand. Seine warmen Fingerkuppen waren ein bisschen rau und kitzelten ihre Haut. Emma erschauerte.

„Wie willst du es anfangen? Ich meine, das Leben mehr zu genießen?“ Seine schmeichelnde Stimme lullte sie angenehm ein.

Emma nippte wieder an ihrem Cocktail und beugte sich seufzend vor. Es tat gut, einem attraktiven Mann so nah zu sein, der sie offenbar auch noch anziehend fand.

„Du hast doch einen Plan“, bohrte er weiter.

Sie richtete sich auf. „Natürlich habe ich einen Plan.“ Peinlich berührt trank sie noch einen Schluck.

„Was willst du als Erstes tun?“ Jetzt klang es fast so, als wollte er sie necken.

„Ich werde einige Seiten von mir erforschen, die bisher zu kurz gekommen sind.“ Emma redete sich ein, dass sie nur von seiner Aufmerksamkeit berauscht war.

Unverwandt ruhte sein Blick auf ihr. „Das klingt spannend.“

Sie streichelte seine Hand. „Im Moment fühle ich mich nicht gehemmt“, gestand sie wahrheitsgemäß.

Andrés griff in ihr Haar und wickelte eine Strähne um seinen Finger. Dabei streifte er ihr sensibles Ohrläppchen.

Ihr Herzschlag stockte, und das Atmen fiel ihr schwer. Warum konnte er nicht auch ein Passagier auf dem Schiff sein?

„Wovon haben wir gerade gesprochen?“, murmelte sie unsicher. Was sollte sie tun? Sie sehnte sich so sehr danach, dass er sie küsste. Wie sollte sie es ihm zu verstehen geben? Und wo könnten sie ein abgeschiedenes Plätzchen für weitere Zärtlichkeiten finden?

„Wir haben davon gesprochen, Grenzen auszutesten.“

„Ich bin leider nicht besonders gut darin.“ Emma runzelte die Stirn und versuchte sich zu konzentrieren. „Frag meine Freundin Tina. Ich bin zu zurückhaltend.“

„Du wirkst auf mich wie eine Frau, die stark genug ist, alles zu tun, was sie will.“

Um zu verbergen, wie stark seine Worte sie berührten, trank sie noch einen Schluck. Der Rum wärmte sie von innen, und unter dem bewundernden Blick des Fremden glaubte sie fast dahinzuschmelzen. Hatte sie sich je so sehr nach den Liebkosungen eines Mannes gesehnt?

„Ich wünschte, du wärst auch auf dem Schiff … Ich meine, es wird eine tolle Reise werden.“ Sie wollte, dass er sie endlich küsste. Sicher würde sie danach zur Besinnung kommen.

„Ich wünsche mir selbst nichts sehnlicher.“ Lächelnd drückte er ihre Hand.

Was, wenn es mir gefällt, wie er mich berührt? Was, wenn ich nicht will, dass er aufhört?

Alles okay?“, fragte er besorgt.

Seltsam, manchmal klang Andrés so typisch amerikanisch. „Ich habe vergessen, wo du eigentlich herkommst.“

„Ich habe es dir noch gar nicht erzählt, querida.“

Das wiederum klang exotisch. Interessierte es sie denn überhaupt, woher er stammte? Emma seufzte.

Er lächelte sie so warm an, als ob sie ihm etwas bedeutete. „Weshalb der Seufzer, querida?“

„Wegen verpasster Gelegenheiten.“ Sie neigte den Kopf. „Wolltest du schon einmal jemand anders sein?“ Nervös biss sie sich auf die Unterlippe. Wenn sie nicht bald mit dem albernen Gerede aufhörte, würde er wahrscheinlich die Flucht ergreifen.

Er schaute ihr tief in die Augen. „Heute Abend wäre ich am liebsten Passagier auf deinem Schiff.“

„Wäre das nicht schön?“ Sie seufzte schon wieder. „Mach bitte keine Witze darüber.“

Einen Moment lang wirkte er nachdenklich, dann zwinkerte er ihr zu. „Ich werde dich als Pirat entführen und mit dir fortsegeln. Dann werde ich dich mit Seidentüchern fesseln und sehr, sehr glücklich machen.“

Welch verlockendes Szenario. Emma beugte sich wieder vor. Er sah wirklich aus wie ein Pirat. „Ich liebe Rollenspiele.“ Nur dass sie sie bisher nur in ihrer Fantasie erlebt hatte. „Ich würde mich wahnsinnig gern von dir kidnappen lassen, aber ich muss wieder aufs Schiff. Heute Abend gibt der Kapitän einen Empfang, doch ich werde dabei nur an dich denken.“

Seine Augen funkelten. „Das hoffe ich, denn ich werde nicht aufhören können, an dich zu denken.“

„Das ist sehr schmeichelhaft.“

„Ich schmeichle dir nicht. Ich finde dich faszinierend. Du bist eine kühle blonde Schönheit, aber ich sehe das Feuer in deinen geheimnisvollen Augen. Dieser Widerspruch ist ungeheuer aufregend.“

Ihre Augen wirkten geheimnisvoll? Wahrscheinlich kam das, weil sie beschwipst war. Wie viel Alkohol mochte in diesem Drink stecken? Anscheinend genug, um sie von ihren Hemmungen zu befreien. Oder lag es daran, wie Andrés sie anschaute?

Er nahm wieder ihre Hand und hielt sie fest.

Emma spürte ein Kribbeln in ihrem Bauch. Sie begehrte diesen Mann so sehr.

„Woran denkst du?“, fragte er, obwohl er es zu wissen schien. In seinem Blick loderte die gleiche Leidenschaft, die auch in ihr brannte.

Sie lehnte sich noch weiter vor. Es war egal, dass sie in der Öffentlichkeit waren. Sie wollte nur einen kleinen Geschmack von …

„Hey, Emma?“

Mit einem selbstbewussten Lächeln trat Tina an ihren Tisch, und Emma wurde jäh aus ihren Träumen gerissen.

3. KAPITEL

„Emma, wir sollten aufbrechen. Wir müssen uns noch für den Empfang des Kapitäns umziehen.“ Tina streckte ihre manikürte Hand aus. „Hallo, ich bin Emmas Freundin Tina.“

„Ich weiß, dass wir zurückmüssen.“ Emma schaute auf die Uhr, dann stellte sie die beiden einander vor. „Das ist Andrés.“

Andrés schaute Tina nur flüchtig an. Normalerweise zog sie überall die Aufmerksamkeit der Leute auf sich. Nicht dass sie etwas dafür konnte. Dennoch war Emma froh, dass es diesmal anders war.

Tina musterte Andrés irritiert. „Kennen wir uns nicht?“

„Woher sollten Sie mich kennen? Sind Sie öfter hier?“

„Das nicht. Trotzdem kommen Sie mir bekannt vor. Und ich habe ein gutes Gedächtnis.“

„Was ist mit dem Mann, mit dem du zusammen warst?“, warf Emma ein.

Tina winkte ab. „Ich treffe mich nach dem Empfang mit ihm. Heute Nacht werde ich wohl nicht in unserer Kabine schlafen. Aber ich hatte gedacht, wir könnten zusammen zum Schiff zurückkehren. Bist du sicher, dass es okay ist, wenn du allein nachkommst?“

Früher hätte Emma gezögert. Heute Abend war sie jedoch wie ausgewechselt. „Ich möchte noch ein bisschen bleiben. Keine Sorge, ich werde mich nicht verspäten.“

„Ich werde gut auf sie aufpassen“, versprach Andrés. Unvermittelt stand er auf und zog Emma hoch. „Ich möchte Emma noch etwas von der Schönheit unserer Insel zu zeigen, bevor sie abfährt.“

Verblüfft schaute Tina ihnen nach, als sie nach dem Bezahlen die Bar verließen. Emma versuchte sich umzudrehen und sich von ihr zu verabschieden, aber Andrés fasste sie an beiden Händen und führte sie weiter fort.

„Wenn du sie nur ein klein wenig ermutigst, wird sie vorschlagen, uns zu begleiten, und das ist nicht das, was mir vorschwebt.“

„Was schwebt dir denn vor?“ Plötzlich bekam sie Angst vor ihrer eigenen Courage. Sie wusste, dass sie nicht einfach so mit einem Mann, den sie nicht kannte, mitgehen sollte.

„Heute ist Vollmond, und ich möchte am Strand mit dir allein sein.“

Emma nickte nur. Der Gedanke war zu verlockend. Heller Sandstrand streckte sich endlos vor ihnen aus, und daneben sah man das Meer mit den schaumgekrönten Wellen.

Emma streifte ihre hochhackigen Sandaletten ab und ging leichtfüßig neben Andrés her. Wasser schwappte sanft an ihre Zehen, während sie davon träumte, Andrés den Schokoladengeschmack des Cocktails von den Lippen zu küssen.

„Es ist nett von dir, dass du mich zu den Docks begleitest.“

Er blieb stehen und zog sie an sich. Sie hatten die Bar schon weit hinter sich gelassen und waren völlig allein. „Es ist überhaupt nicht nett. Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten.“ Beinahe andächtig strich er mit den Fingern durch ihr Haar. „Ich habe die ganze Zeit daran gedacht, wie es wäre, dich zu berühren. Dein Haar glänzt wie Gold, und deine Augen leuchten wie Sterne am Himmel.“

Seine Worte waren wie Liebkosungen. Wie konnte ein so maskuliner Typ so zärtliche Dinge sagen? „Ich mag es, wie du mit mir sprichst.“

„Du bist wie eine schöne Nixe, die geschickt wurde, um einen armen Fischer zu umgarnen. Ich würde dir überallhin folgen.“

Sie seufzte bedauernd. „Nur leider kannst du mir nicht auf das Schiff folgen.“

„Und wenn ich dich überraschen würde? Würdest du wütend sein oder dich freuen? Würdest du mir vergeben, dass ich um jeden Preis mit dir zusammen sein möchte?“

„Ich glaube, ich würde mich freuen, dich wiederzusehen.“ Unwillkürlich stieg ihr das Bild vor Augen, wie er sie als seine Gefangene hielt. „Wir könnten unsere Fantasien ausleben“, sagte sie leise.

„Das würde ich sehr gern tun, chula.“ Andrés sah sie voller Leidenschaft an und murmelte heiser ein paar Worte auf spanisch.

Erwartungsvoll schmiegte sie sich an ihn. „Bitte“, hauchte sie.

Er rieb seine raue Wange an ihrer und küsste ihr Ohrläppchen, bis sich ihre Sehnsucht zu einem fast schmerzhaften Verlangen steigerte.

„Bitte“, flüsterte sie noch einmal, diesmal etwas lauter. Sanft liebkoste er ihren Mund mit seinen weichen Lippen und seiner Zunge. Dabei ließ er seine Hände über ihr Top gleiten, berührte ihre Brüste und reizte die aufgerichteten Spitzen durch den dünnen Stoff.

Es war das erste Mal, dass sie in der Öffentlichkeit keinen BH trug. Vielleicht würde sie nie wieder einen BH tragen, so herrlich fand sie es, die Hände eines Fremden direkt auf ihrer Haut zu spüren.

Er küsste sie wieder, und Emma verlor sich immer tiefer in einen rauschhaften Zustand. Andrés fuhr mit den Händen unter ihr Shirt und streichelte ihre Brüste. Sie keuchte. Seine Leidenschaftlichkeit war überwältigend.

„Würdest du dein Top für mich ausziehen? Ich möchte deine Brüste sehen.“

„Und wenn uns jemand beobachtet?“ Die Idee war ungeheuerlich, und doch reizte es sie, sich ihm nackt im Mondlicht zu zeigen.

„Es ist niemand in der Nähe, chulita.“

Der fremdartige Klang des Wortes löste ein Kribbeln in ihr aus, auch wenn sie nur ahnen konnte, was es bedeuten mochte.

Emma streifte das Shirt ab und ließ es nachlässig fallen. Andrés liebkoste ihre Brüste mit beiden Händen und senkte den Kopf, um an einer Spitze zu saugen. Emma krallte ihre Zehen in den Sand, während sie sich an seinen Schultern festhielt. Der sanfte Wind vom Meer ließ sie frösteln, und zugleich strömte eine heiße Welle der Erregung durch ihren Körper. Sie klammerte sich noch fester an ihn.

„Du schmeckst so gut, chula. Schmeckst du überall so gut?“

Sie wusste nicht, was sie ihm darauf antworten sollte. Wie weit würden sie zu gehen wagen? Was wollte er? Er strich mit den Händen über ihren nackten Bauch, dann umfasste er ihre Hüften und presste sie an sich, sodass sie deutlich spürte, wie sehr er sie begehrte. Ihr kurzer Rock war hochgerutscht, und Andrés streichelte ihren Po.

„Ein Tanga, wie schön. Ich würde ihn gern zur Seite schieben, um dich noch intimer zu verwöhnen.“

„Bitte“, flüsterte Emma. Bitte berühr mich einfach.

Er musste ihre Gedanken gelesen haben, denn er strich langsam über das winzige Dreieck aus Seide, bis Emma zu zittern begann.

„Das gefällt dir, nicht wahr, chulita? Ich kann es fühlen.“

Sie konnte nicht einmal nicken. Ihr wurden vor Erregung die Knie weich, und als er endlich mit den Fingern unter den Stoff glitt, um ihre empfindsamste Stelle zu erkunden, stöhnte sie auf.

Andrés streichelte sie, raunte ihr spanische Wörter ins Ohr und hielt sie, während sie sich unaufhaltsam dem Höhepunkt näherte.

Da zog er sich auf einmal zurück.

Der Tanga rutschte wieder an seinen Platz. Dafür streichelte Andrés sanft ihre Brustspitze und rieb sie zwischen seinen Fingern.

„Du bist so süß, chulita. So verführerisch. Wie der Cocktail, den du getrunken hast.“ Er küsste ihre Brustspitze und ließ zugleich seine Hand wieder zwischen ihre Beine wandern.

Emma konnte nicht widerstehen. Sie strich mit der Hand über seine Hose, fühlte seine Erektion. Wenn es doch nur einen Ort gäbe, wo sie richtig Sex haben könnten! Sie wollte Andrés endlich tief in sich spüren. Sie streichelte ihn noch intensiver.

Er stöhnte, dann schob er ihr den Tanga bis zu den Knien hinunter.

Auf einmal fiel Emma ein, dass sie ein Kondom brauchten. Warum nur hatte sie keins eingesteckt? Sie hatte einfach nicht gedacht … „Ich habe keinen Schutz dabei“, flüsterte sie.

„Pst, chula, ich kümmere mich um dich.“

Ängstlich hielt sie den Atem an. Hoffentlich meinte er damit, dass er das Nötige dabeihatte, sonst würde sie ihn abwehren müssen.

Aufreizend berührte er die kleine sensible Knospe zwischen ihren Beinen, und Emma vergaß das Problem mit dem Kondom. Sie bog sich ihm entgegen, bis er mit den Fingern eindrang und sie rhythmisch streichelte. Emma überließ sich ganz der Flut wunderbarer Gefühle, die er in ihr auslöste, und bewegte instinktiv ihr Becken. Dabei schluchzte sie beinahe vor Verlangen.

„Komm für mich, amorcito“, sagte Andrés.

Mit einem kleinen Schrei erreichte sie den Gipfel der Lust.

Sie konnte kaum den Kopf heben. Ihr Tanga war in den Sand gefallen, ihre Haut glühte, und sie war atemlos von dem fantastischen Höhepunkt.

Andrés, der sie noch immer fest umarmt hielt, zog ihren Rock wieder herunter und streichelte sie.

Emma versuchte, sich zu orientieren. Sie war am Strand mit einem Fremden, der ihr gerade einen atemberaubenden Höhepunkt geschenkt hatte. Verwundert stellte sie fest, dass sie nicht das Bedürfnis hatte, sich deswegen Gedanken zu machen. Im Moment interessierte sie nur, ob es nun vorbei war, oder ob sie vielleicht …

Ihre Armbanduhr piepte.

„Pass auf, sonst versäumst du noch die Cocktailparty.“ Andrés’ Stimme klang rau.

Emma spürte, wie er zitterte. Das gab ihr ein Gefühl der Macht, das sie noch nie erlebt hatte. „Keine Sorge, ich habe den Wecker zwanzig Minuten vorgestellt.“

Andrés lachte heiser. „Du bist unglaublich. Ich bringe dich jetzt zum Schiff. Ich weiß, dass du dich auf den Empfang freust.“ Behutsam löste er sich von ihr.

Sie verlor beinahe das Gleichgewicht, als er sich bückte und den Tanga aufhob. Dann schaute er sie an und ließ den Tanga in seiner Hosentasche verschwinden.

Sprachlos öffnete Emma den Mund. Was sollte sie sagen? Wie erregend sie es fand, dass er ihren Tanga behalten wollte? Hatte sie wirklich zugelassen, dass dieser Fremde sie intim berührte?

Sie hatte es nicht nur zugelassen, sie wollte, dass es wieder passierte. Glücklich lächelte sie vor sich hin. Sie hatte tatsächlich ein Abenteuer gehabt. Und was für eins.

Andrés hob ihr Shirt auf und reichte es ihr. Dabei streifte er flüchtig ihre Brüste.

Emma musste sich beherrschen, ihn nicht auf den Boden zu ziehen und auf der Stelle zu verführen.

„Ich möchte, dass du mit mir aufs Schiff kommst“, stieß sie hastig hervor. „Bitte.“

„Aber Fremde haben keinen Zutritt an Bord.“

„Wir denken uns eben etwas aus.“

„Und der Empfang beim Kapitän?“

„Meine Freundin wird mich nicht vermissen, außerdem schläft sie heute Nacht nicht in unserer Kabine.“ Damit war ein Problem schon mal gelöst. „Wir werden in wenigen Stunden ablegen, und ich möchte bis dahin mit dir zusammen sein.“

Sie hielt den Atem an und fürchtete schon, Andrés würde ihr schamloses Angebot ablehnen. Aber sein Lächeln sagte alles. Er nahm ihre Hand, und sie eilten über den Strand zum Hafen.

Unterwegs versuchte Emma sich zu sammeln. Ich sollte mich schämen, dachte sie. Doch ihr Herz klopfte wild. Sie hatte eine neue Seite an sich entdeckt, Sinnlichkeit, die sie bisher nicht kannte. Und sie wollte dieses Gefühl genießen, zumindest die nächsten Stunden.

Als sie den Hafen erreichten, stockte Emma beim Anblick des Schiffs, das festlich mit Lichterketten geschmückt war, der Atem. Sie zitterte ein bisschen. „Jetzt müssen wir dich irgendwie an Bord schmuggeln“, sagte sie zu Andrés.

„Und wie hast du dir das gedacht?“

„Ich werde den Mann, der den Ausweis kontrolliert, irgendwie ablenken. Vielleicht kratze ich mich am Bein, oder ich ziehe den Rock hoch.“ Sie überlegte, was Tina wohl in einer solchen Situation tun würde.

Andrés wirkte nachdenklich. „Weißt du zufällig, wie euer Chefkoch heißt? Es müsste im Prospekt stehen. Ist es vielleicht ein Brite namens Jonathan Sparks?“

„Kann sein. Klingt vertraut. Woher weißt du das?“

„Er … kommt manchmal auch in die Bar, in der wir beide uns kennengelernt haben. Der Typ ist ziemlich locker. Er wird mir bestimmt helfen. Ich nehme die Gangway für die Besatzung und behaupte einfach, dass ich ihn besuchen möchte.“

Emma lehnte sich an ihn. „Das wäre toll, wenn das klappt. Aber …“

Er strich unauffällig mit den Fingern über ihre Brüste. „Es wird schon gut gehen. Ich möchte mit dir zusammen sein, querida.“

„Okay.“ Sie seufzte, kaum fähig zu atmen, geschweige denn zu denken, wenn er sie so berührte. „Ich habe Kabine F55.“ Sie schmiegte sich noch enger an ihn. Zum Glück waren nur wenige Leute um sie herum. Wahrscheinlich waren die meisten schon auf dem Empfang des Kapitäns, oder sie erforschten noch die Stadt.

Andrés zog durch ihr Shirt an einer aufgerichteten Brustspitze. „Ich möchte wissen, wie es ist, einen Drink von deiner Haut zu schlürfen. Lass dir so einen alkoholischen Milchshake auf die Kabine bringen, und ich werde dir zeigen, was man damit alles machen kann.“

Emma schmolz jetzt schon vor Verlangen dahin. Jeder vernünftige Gedanke schien in ihr ausgelöscht zu sein.

Andrés küsste ihre Wange. „Chula, du wartest hier noch eine Viertelstunde. Wenn ich bis dahin nicht wieder da bin, weißt du, dass es geklappt hat.“

Sie nickte, und er löste sich lächelnd von ihr.

Emma hatte das Gefühl zu schweben. Die Szene wirkte fast irreal. Bei der Vorstellung, sich mit Andrés in ihrer Kabine zu treffen, wurde ihr beinahe schwindelig vor Lust. Dies war das Abenteuer ihres Lebens.

Nach einem Blick auf die Uhr schaute sie sich noch einmal um, bevor sie an Bord ging. Der Mann, der ihren Ausweis prüfte, begrüßte sie freundlich. „Miss, der Empfang des Kapitäns hat gerade begonnen, falls Sie daran teilnehmen möchten.“

„Danke.“ Emma lächelte vor sich hin. Leichtfüßig eilte sie zu ihrer Kabine.

Dabei mied sie die elegante Haupttreppe mit dem beleuchteten Geländer, die sich wie eine Girlande durch die verschiedenen Decks schlängelte. Denn dort würde es zu dieser Zeit von Menschen in glitzernden Abendroben und schwarzen Smokings auf dem Weg zum Empfang wimmeln. Normalerweise hätte Emma sich solch ein aufregendes Erlebnis nicht entgehen lassen, aber sie hatte ein sehr heißes Date. Ohne einen Funken von Bedauern nahm sie den Fahrstuhl.

Ihre Finger zitterten so sehr, dass sie Mühe hatte, die Schlüsselkarte für ihre Kabine in den Türschlitz zu schieben. Ihr Herz klopfte wie rasend.

Sie betrat den Raum und blieb stehen. Was nun? Sie erinnerte sich an Andrés’ Wunsch, einen Cocktail von ihrer Haut zu trinken, studierte die Getränkeliste auf dem Schreibtisch und bestellte zwei Mocha Meltdown. Danach sank sie atemlos aufs Bett. Was genau mochte Andrés vorhaben?

Sie zitterte vor Erregung. Hastig sprang sie auf und eilte ins Badezimmer, um sich kurz frisch zu machen. Hinterher zog sie sich einen leichten Seidenkimono mit Hibiskusmuster über und trug etwas Lidschatten und Mascara auf. Sie bürstete ihr Haar und lächelte ihr Spiegelbild an.

Ich bin hübsch, dachte sie. Ich habe dieses verräterische Strahlen in den Augen. Jeder, der mich jetzt sehen könnte, würde wissen, was ich vorhabe.

Und ich werde jede Minute davon genießen.

Dabei fielen ihr die Kondome ein. Leg sie am besten unters Kopfkissen. Man möchte ja schließlich nicht mittendrin unterbrechen. Sie kicherte und fühlte sich herrlich verrückt.

Ein Klopfen ließ sie hochschrecken, und sie eilte an die Tür.

Andrés stand im Gang und lächelte selbstgefällig wie ein kleiner Junge, dem ein Streich gelungen war.

„Du hast es geschafft!“ Emma zog ihn am Arm in die Kabine. „Ich fing schon an, mir Sorgen zu machen. Vor allem, als mir klar wurde, dass der Chefkoch heute Abend wegen des großen Empfangs bestimmt keine Zeit hat.“

„Ich habe jemand anders von der Besatzung getroffen, den ich kenne. Die Jungs kommen öfter auf die Insel. Jedenfalls hat mich dieser Typ an Bord gelassen.“

Emma lehnte sich an den Schreibtisch. „Ja, die Männer haben natürlich auch mal Landgang. Ich dachte immer, sie müssten die ganze Zeit arbeiten.“

„Manchmal müssen auch Vorräte aufgestockt werden. Bei der Gelegenheit machen die Jungs oft einen Stopp in der Bar.“ Andrés ging zu Emma hinüber. „Möchtest du dich etwa über die Landgänge der Crew unterhalten, obwohl wir nur ein paar Stunden für uns haben?“

Sie schüttelte den Kopf.

Er fuhr mit einer Hand unter den Saum des Kimonos. „Der steht dir gut.“

Emma erschauerte. „Danke.“

Er ließ seine Finger höher wandern.

Sofort schwanden ihre Bedenken. Andrés hatte recht. Es war egal, wie er an Bord gelangt war. Hauptsache, er war da, um das zu beenden, was er am Strand angefangen hatte.

„Du bist so sinnlich. Ich liebe es, wenn dein Blick vor Lust verhangen ist. Ich spüre genau, wann dein Verstand aufhört zu arbeiten. Du wirst dann ganz weich und anschmiegsam.“ Er berührte ihren sensibelsten Punkt und übte sanften Druck darauf aus, während er sie zärtlich küsste.

„Magst du das, Sweetheart?“, murmelte er.

Sie wollte, dass er sie chula oder chulita nannte oder eins der anderen spanischen Koseworte benutzte, die sie so verrückt machten, aber sie brachte kein Wort heraus. Stattdessen presste sie die Lippen auf seinen Mund und begann ein erotisches Spiel mit seiner Zunge. Seine intimen Berührungen schürten das Feuer in ihr nur noch mehr, bis sich ihre Spannung explosionsartig entlud und Emma sich laut aufstöhnend an ihn schmiegte.

Als Emma wieder ruhiger atmete, wurde ihr bewusst, dass Andrés sie gerade zum zweiten Mal zum Höhepunkt gebracht hatte. Sie fragte sich, seit wann sie so leicht zu verführen war.

„Du bist so leidenschaftlich. Das gefällt mir sehr, Sweetheart.“

Leidenschaftlich? Sie? „Du weißt eben, wie du mich berühren musst. Es muss an deinem südländischen Temperament liegen.“

„Nun, ja, chula. Wahrscheinlich.“

Sie deutete unsicher auf die Liege. „Das ist mein Bett“, sagte sie ein bisschen verlegen. „Unter dem Kopfkissen liegen Kondome.“

Andrés nahm ihr die Befangenheit sofort. „Zuerst will ich dich verwöhnen.“ Er senkte den Kopf und nahm eine ihrer Brustspitzen durch den dünnen Stoff in den Mund, saugte an ihr und blies dann sanft über die feuchte Stelle.

Emma erschauerte. „Das fühlt sich wundervoll an.“

Er liebkoste ihre Brust weiter mit seinen Lippen, während er die andere Spitze mit seinen Fingern reizte.

Seine Zärtlichkeiten ließen sie erbeben. Ihr Puls raste. Sie wollte, dass er endlich mit ihr ins Bett ging. „Andrés.“

Da ertönte ein Klopfen an der Tür.

Er lächelte sie an. „Hast du Drinks für uns bestellt, querida?“

Sie nickte nur. Lange würde sie diese Spannung nicht mehr ertragen können. Sie wollte einfach nur, dass er sie liebte. Jetzt gleich.

Während sie sich im Bad versteckte, öffnete Andrés und nahm das Tablett vom Steward in Empfang. Dann schloss er die Tür und stellte die Gläser auf den Nachttisch. „Komm her, chulita.“

Mit weichen Knien ging sie zu ihm und schmiegte sich in seine Arme. „Ich wünschte, du könntest an Bord bleiben“, flüsterte sie.

Andrés küsste sie sanft. „Ich auch, Sweetheart.“

„Ich mag es lieber, wenn du mich chula oder chulita nennst. Ich habe dann das Gefühl, dass ich mit einem geheimnisvollen Fremden zusammen bin.“

Er nahm etwas aus dem Glas. Es war ein mit Schokolade überzogenes Ananasstück. „Bitte, chula.“

Sie biss in das süße Fruchtfleisch, und gleich danach küsste er sie, während er die Hände über ihren Körper gleiten ließ.

„Hm, du schmeckst so gut“, murmelte er.

Emma konnte nicht genug von ihm bekommen. Sie zog am Saum seines Hemdes und streichelte seine breite Brust. „Ich möchte dich fühlen. Zieh das bitte aus.“

Er gab ihr noch einen Kuss und streifte dann sein Hemd ab. Sein gebräunter Oberkörper war muskulös und kaum behaart. Emma rieb seine Erektion durch den Stoff.

„Jetzt die Shorts, bitte, zieh sie aus.“

„Erst unser Milchshake. Sonst wird er noch ganz warm.“

„Was hast du damit vor?“

Andrés löste sich von ihr und holte ein flauschiges weißes Handtuch aus dem Badezimmer. „Das benutzen wir als Unterlage, amorcito.“

Emma riss die Augen auf. Was hatte er vor? Und was zum Teufel machte sie mit einem völlig Fremden in ihrer Kabine?

Sein Lächeln verriet ihr, dass er ihre Unsicherheit bemerkt hatte. „Komm her, chula. Es wird dir gefallen. Ich verspreche es dir.“

Dennoch zögerte sie, obwohl alles sie drängte, sich in seine Arme zu werfen.

„Ich möchte nur diesen Cocktail von deiner makellosen Haut schlürfen. Bitte, Emma, vertrau mir.“ Er fasste nach dem Gürtel ihres Kimonos. „Darf ich dich ausziehen?“

Wie rücksichtsvoll, dass er fragte. Sie konnte nicht widerstehen und wollte den Knoten öffnen, doch Andrés hielt ihre Hände fest.

Langsam, ohne den Blick von ihr zu wenden, löste er den Gürtel und streifte ihr die Seide von den Schultern.

„Du bist so schön“, flüsterte er bewundernd. Behutsam hob er sie auf seine Arme und legte sie behutsam aufs Bett. Dabei schaute er sie an, als wäre sie der einzige Mensch auf Erden. Sanft strich sie über seinen Bauch und ließ die Hand tiefer gleiten.

Er atmete scharf ein.

„Ich vertraue dir, und ich möchte mit mir zusammen sein“, gestand sie leise. Dennoch rollte sie sich auf die Seite und zog die Beine an, als wollte sie ihren Körper verstecken. Sie fühlte sich so nackt und verwundbar.

„Du vertraust mir? Ehrlich?“

Emma nickte.

„Dann öffne dich mir. Leg dich auf den Rücken, bitte, amorcito.“

Zögernd erfüllte sie ihm den Wunsch, streckte die Beine aus und wartete nervös und erregt zugleich ab.

Andrés trank einen Schluck, dann beugte er sich über sie und küsste sie. Er schmeckte verführerisch nach Schokoladenlikör. Mit den Händen erkundete er ihren Körper von den Brüsten bis zu ihrer sensibelsten Stelle. Emma seufzte hingerissen.

„Oh, Andrés.“

Als er sie streichelte, fasste sie nach seinem Glied. Sie wollte ihm das gleiche intensive Vergnügen schenken, das seine Zärtlichkeiten ihn ihr auslösten.

Er hielt ihre Hand fest. „Ich kann nicht denken, wenn du mich berührst, chula.“

„Ich auch nicht“, gestand sie.

„Gut. Denn ich möchte, dass du nur fühlst. Ich möchte dir den Himmel auf Erden bereiten.“

Er goss etwas von dem Cocktail auf ihren Bauch, wo sich die kalte Flüssigkeit in ihrem Nabel sammelte. Emma erschauerte, hielt aber ganz still, um nichts zu verschütten. Da neigte Andrés sich über sie, um sie zu küssen.

Instinktiv bog sie sich ihm entgegen und achtete nicht darauf, dass die Flüssigkeit dabei an ihren Seiten hinablief.

Er zog sich zurück. „Nun hast du das Handtuch schmutzig gemacht.“ Er lehnte sich über ihren Bauch und nahm die letzten Tropfen mit seinen Lippen auf.

Emma beobachtete ihn erregt. Sie vermochte vor Lust kaum zu atmen. Hatte sie je so brennende Leidenschaft verspürt?

„Ich will dich. Bitte“, drängte sie.

„Gib mir noch ein paar Minuten. Ich möchte, dass du es genießt. Ich habe schon lange davon geträumt, dies mit dir zu tun.“

„Schon lange?“, wiederholte sie.

Andrés räusperte sich. „Ich meine, ich habe schon lange von einer Geliebten geträumt, die so hingebungsvoll wie du ist.“ Er löste sich von ihr.

„Komm zurück“, sagte sie leise. „Ich muss dich unbedingt fühlen.“

„Es ist immer noch etwas im Glas.“

Fragend schaute sie ihn an. Er stand mit dem eisgekühlten Drink und einem Cocktaillöffel in der Hand neben dem Bett. „Ich möchte, dass du die Beine anwinkelst und das Becken anhebst, chula.“

„Bist du sicher?“ Sie fühlte sich so ausgeliefert, und dennoch vertraute sie ihm.

„Bitte.“

Emma gehorchte, und er träufelte etwas Schaum auf ihre empfindsamste Stelle. Sie zuckte zusammen. „Andrés, das ist zu kalt“, protestierte sie und empfand zugleich ein seltsames Vergnügen dabei.

Ihre Hüften bewegten sich unwillkürlich. Sie zitterte. Als sie glaubte, die prickelnde Kälte nicht länger ertragen zu können, leckte er den Schaum mit der Zunge ab, wobei er sich besonders stark auf ihre kleine Lustperle konzentrierte.

Emma hielt den Atem an und bog sich Andrés entgegen. Die Verbindung von kalt und heiß hatte sie so sehr sensibilisiert, dass sie immer tiefer in einen Strudel der Ekstase gerissen wurde. Es war so schön, dass sie gleich wieder kommen würde.

Doch wieder löste Andrés sich von ihr.

Sie stöhnte verzweifelt auf.

„Pst, chulita. Ich bin noch nicht fertig mit dem Dessert.“

Wieder ließ er etwas eiskalten Schaum auf den ohnehin schon gereizten Punkt tropfen, und Emma hätte beinahe aufgeschrien, wenn er die Kälte nicht mit seinen heißen Lippen gelindert hätte.

Diesmal hörte er nicht auf, sie zu liebkosen. Die Wellen der Lust trugen sie immer höher, und als er dann auch noch zusätzlich mit dem Finger in sie eindrang, verlor sie völlig die Kontrolle über sich.

Kaum hatte sie wieder in die Realität zurückgefunden, sah sie, wie Andrés sich ein Kondom überstreifte.

Sie berührte sein Glied. „Ich möchte dich in mir fühlen. Du sollst mein Dessert sein“, flüsterte sie erregt. „Ich habe dich vom ersten Moment an gewollt.“ Sie hob sich ihm entgegen, als er anfing, ihre Brüste zu streicheln. „Du bist wirklich gut.“

„Das liegt an dir, chula. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so hingebungsvolle Frau geliebt zu haben.“ Andrés küsste sie. „Du hast mir heute Abend schon so viel gegeben.“

Seine Worte brachten eine Saite in ihr zum Klingen. Aber sie durfte nicht vergessen, dass dies nur ein flüchtiges Abenteuer war und dass er wahrscheinlich allen Frauen, mit denen er schlief, solche Dinge sagte.

Endlich legte er sich zu ihr ins Bett. Emma schmiegte sich an ihn und strich begierig mit den Fingerspitzen über seine Erektion.

Er stöhnte. „Wenn du so weitermachst, werde ich mich nicht mehr lange zügeln können.“

„Das sollst du auch nicht! Ich brauche dich.“ Sie wollte, dass er sie so heftig begehrte wie sie ihn, und vergaß darüber alle Hemmungen.

Er legte sich auf sie und glitt langsam in sie hinein. Es war unbeschreiblich, ihn so groß und hart in sich zu fühlen, während er sie mit leuchtenden Augen ansah.

Andrés war der einfühlsamste Mann, mit dem sie je zusammen gewesen war. Er schien genau zu spüren, welchen Rhythmus sie brauchte, um von Neuem vor Lust dahinzuschmelzen. Doch als sie kurz vor dem Höhepunkt war, hielt er sich bewusst zurück, bis sie sich ungeduldig unter ihm wand, die Beine um seine Hüften legte, um ihn noch tiefer in sich aufzunehmen, und ihn mit heiserer Stimme weiter anspornte.

Da steigerte er sein Tempo, bis sie verzückt seinen Namen herausschrie. Hingerissen von ihrer Leidenschaft, verströmte er sich und sank mit einem befriedigten Stöhnen auf sie.

4. KAPITEL

Die Schiffsglocken rissen Emma aus ihrem kurzen Schlaf, und sie rollte sich auf dem Handtuch herum. Der Schokoladenfleck machte ihr bewusst, dass das Zwischenspiel mit Andrés kein Traum gewesen war. Sie rekelte sich genüsslich. So gut hatte sie sich seit Jahren nicht gefühlt.

Aber jetzt wirkte die Kabine leer.

Und trotz aller Befriedigung spürte Emma einen Stich in der Brust, und sie wusste, sie musste aufpassen, dass sie nicht zu viele Gefühle in dieses Abenteuer investierte. Schließlich war das Ganze ein Experiment, um ihre Sinnlichkeit zu entdecken und mehr Spontanität zu entwickeln. Es ging nicht darum, eine Beziehung anzufangen. Sie konnte es sich nicht leisten, dass irgendjemand wieder auf ihren Gefühlen herumtrampelte.

Emma hob den Kopf und blickte sich um. Hatte Andrés vielleicht eine Notiz hinterlassen? Vielleicht seinen Namen und seine Adresse? Sie wickelte sich das Handtuch um die Hüften und eilte zum Schreibtisch. Mit Tinas knallrotem Lippenstift hatte er ein Herz auf den Spiegel gemalt. Eine romantische Geste, aber Emma hatte sich etwas anderes erhofft. Im Stillen schalt sie sich dafür.

„Nimm eine Dusche, und bring die Kabine in Ordnung“, sagte sie laut. „Tina wird bald zurück sein.“

Emma schaute sich nach verräterischen Hinweisen um, aber Andrés hatte bereits aufgeräumt. Nur die beiden Gläser standen noch halb voll auf dem Tablett. Sie trank einen Schluck und öffnete die Balkontür, um die frische Nachtluft hereinzulassen. Draußen herrschte noch reger Betrieb, offenbar würde das Schiff bald ablegen.

Es ist nach Mitternacht, und dank Andrés fühle ich mich immer noch wie die Prinzessin im Märchen.

Sie schlang die Arme um ihre Taille. Sie hatte es getan. Sie hatte ihre Hemmungen ablegt und ihre Grenzen ausgetestet. Dies war eine Entdeckungsreise im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach einem letzten Blick auf den Hafen in der Hoffnung, einen großen, dunkelhaarigen Mann zu erspähen, der zum Schiff schaute, ging sie unter die Dusche.

Danach sank sie seufzend in ihrem Kimono aufs Bett. Nur eine Minute später stürmte Tina wie ein Wirbelwind herein.

„Für den ersten Abend hast du es erstaunlich gut gemacht. Dieser Latino war echt heiß. Ich hätte selbst keinen Besseren finden können. Hat er dir schmutzige Sachen auf Spanisch ins Ohr geflüstert? Habt ihr es auf der Herrentoilette in der Bar getrieben?“

Emma schmunzelte.

Tina legte ihre Handtasche aufs Bett. „Ich mag dieses kleine Grinsen. Was ist der Grund dafür?“

„Du siehst toll aus. Wie war der Empfang?“

„Okay, du bist also noch nicht bereit, mir dein Geheimnis anzuvertrauen.“

„Du zuerst.“

Tina ließ ihre Stola von den nackten Schultern rutschen. „Na schön. Der Kapitän ist mir zu alt, aber ich habe ein Auge auf den Offizier geworfen, der für die Sicherheit zuständig ist. Er ist Italiener, hat einen süßen Akzent und dieses gewisse Blitzen in den Augen. Ich weiß nicht, ob es den Mitgliedern der Crew verboten ist, sich mit Passagieren einzulassen, aber wenn es eine solche Vorschrift gibt, ist er bestimmt bereit, sie zu missachten.“ Sie streifte ihre roten High Heels ab. „Oh, und dann habe ich noch einen Anwalt getroffen, den ich kenne.“

„Und was tust du dann hier, wenn ein Anwalt und ein Schiffsoffizier hinter dir her sind?“, fragte Emma. „Übrigens wolltest du die Nacht doch eigentlich mit dem Typen aus der Bar verbringen?“

„Der Anwalt ist nicht hinter mit her. Als Kollege ist er für mich sowieso tabu. Außerdem habe ich mir Sorgen um dich gemacht. Schließlich hattest du gesagt, dass du auch auf den Empfang gehen würdest.“

„Ich hatte ein besseres Angebot.“ Auch wenn Andrés fort war, hatte sie etwas Kostbares von ihm behalten – die Erinnerung an eine wundervolle Nacht. Nie zuvor hatte sie derart beglückenden Sex erlebt.

„So versonnen habe ich dich noch nie lächeln sehen. Was ist passiert?“

„Wir haben uns am Strand geküsst. Es war einfach irre.“

„Nein!“ Aufgeregt setzte sich Tina zu Emma aufs Bett.

Emma nickte. „Doch.“

„Und weiter?“

„Es war so klasse, dass ich ihn an Bord geschmuggelt und wir hier weitergemacht haben.“

„In dieser Kabine? Heute Abend?“

„Du würdest mir nicht glauben, wenn ich dir davon erzählte.“ Emma verschränkte die Hände vor der Brust. „Mir ist immer noch schwindelig.“

„War es wirklich so toll?“

„Andrés war wunderbar. Ich wusste nicht, dass man so erotische Sachen mit einem Milchshake machen kann.“

Verblüfft riss Tina die Augen auf, dann lachte sie. „Wo hattest du denn plötzlich einen Milchshake her? Und den Mut? Ich bin so stolz auf dich, Mädchen.“

Emma fühlte, wie sie errötete, aber sie hatte es nicht für sich behalten können.

„Zu schade, dass du den Mann zurücklassen musstest.“ Tina sah sich um. „Oder versteckt er sich etwa auf dem Balkon?“

Emma schüttelte den Kopf, dann umarmte sie ihre Freundin spontan. „Danke, dass du mich zu dieser Kreuzfahrt überredet hast, Tina. Ich werde dir nie vergessen, was du heute Nacht für mich getan hast.“

„Klingt eher so, als hätte dieser Andrés die ganze Arbeit gemacht.“ Tina stand auf und strich ihr Kleid glatt. „Jetzt lass uns in den Klub gehen. Wir wollen tanzen und uns amüsieren.“

Emma holte tief Luft. „Nicht heute Nacht. Ich möchte lieber hierbleiben. Für heute hatte ich schon genug Aufregung.“ Ein Schauer überlief sie. „Ich war sogar ganz offen zu ihm.“

„Was meinst du damit?“

„Ich habe ihm gesagt, dass ich das Leben intensiver genießen möchte, dass ich ganz ich selbst sein möchte.“ Sie tippte sich mit dem Finger ans Kinn. „Und weißt du was, Tina?“

„Was denn?“

„In dem Moment habe ich erkannt, dass ich mich wirklich mag. Ich möchte mich nicht von Grund auf verändern. Ich möchte nur meine Hemmungen ablegen und mir ein paar neue Wege erschließen, mich auszudrücken.“ Sie lehnte sich zurück. „Ist das nicht merkwürdig?“

Tina lächelte. „Nein, das ist großartig. Es ist der Schlüssel zu mehr Selbstvertrauen.“ Sie entdeckte die Spuren von ihrem Lippenstift auf dem Spiegel. „Das Herz ist eine nette Geste. Er scheint dich wirklich zu mögen. Zu schade, dass er dir nicht seine E-Mail-Adresse dagelassen hat.“

„Das habe ich auch schon gedacht“, gestand Emma betrübt. „Ich hätte ihn gern wiedergesehen.“

Tina zog ihre Lippen nach und sah Emma im Spiegel an. „Du hast Action gewollt und Action bekommen. Also los. Du willst heute Nacht bestimmt nicht allein schlafen.“

„Doch, genau das möchte ich. Ich möchte wenigstens von Andrés träumen.“ Emma umarmte sich selbst. „Ich verspreche dir, dass ich mich morgen gleich als Erstes nach anderen Männern umsehen werde.“

„Okay, aber ich lasse dich nur vom Haken, weil du heute Abend schon den Jackpot gezogen zu haben scheinst.“ Tina verließ die Kabine ebenso plötzlich, wie sie hereingekommen war.

Emma wanderte ruhelos in der Kabine umher. Eine Zeit lang beschäftigte sie sich damit, die Sachen zusammenzulegen, die Tina unordentlich aufs Bett geworfen hatte. Schließlich zog sie ihren Shorty an, setzte sich auf den Balkon und legte die Füße aufs Geländer. Die See glitzerte im Mondschein, und Emma schaute eine Weile in die Ferne.

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