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TIFFANY EXTRA HOT & SEXY BAND 84

TAWNY WEBER

SEALS küsst man nicht

SEAL Cade kennt sich mit gefährlichen Rettungsmanövern aus. Aber der aufregenden Eden immer wieder aus der Patsche zu helfen wird allmählich hochriskant! Für seinen gestählten Körper – und sein Herz …

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SEALS küsst man nicht

1. KAPITEL

Ich wünsche mir einen Mann, der meinen Körper anbetet, mir tollen Sex schenkt und bei dem ich mich wie eine Göttin fühle. Der mich liebt, so wie ich bin. Und der es wirklich draufhat.

Und wenn er dann noch über eins achtzig groß ist, sandblondes Haar und traumhaft grüne Augen hat, einen Körper, bei dem selbst eine Nymphomanin aufseufzt, und ein Lächeln, bei dem jede Frau schwach wird, dann wäre das wirklich cool.

Eden Gillespie holte tief Luft und blies.

Die Flamme auf dem Schoko-Cupcake erlosch.

„Und? Was hast du dir gewünscht?“ Bev Lang beugte sich vor, und die roten Locken tanzten ihr wie Sprungfedern um das fröhliche Gesicht.

„Wenn ich es dir verrate, geht es nicht in Erfüllung“, erwiderte Eden tadelnd, bevor sie loslachte. Als ob ihr Traumlover tatsächlich in ihr Leben treten würde, wenn sie es verheimlichte, dass sie auf ihn wartete!

„Nicht zu fassen, dass du es mir nicht verrätst! Wie lange sind wir jetzt befreundet?“ Bevs Empörung wirkte nicht sehr überzeugend.

Eden aß ihren Cupcake und zählte die Jahre zurück bis zum Anfang der Highschool. „Elf Jahre?“ In jenem Jahr war ihr Vater gestorben, und ihre Mutter hatte die teure Privatschule nicht mehr bezahlen können. Obwohl sie zutiefst verängstigt gewesen war, hatte Eden mutig darauf gehofft, dass die Kids auf der öffentlichen Schule sie eher akzeptierten als die kleinen Snobs von der Privatschule. Bev war neu in den Ort gezogen und hatte nicht gewusst, dass Eden nicht aus demselben Viertel kam wie die übrigen Mitschüler. Als sie begriffen hatte, wer in Ocean Point mit wem Kontakt haben durfte und mit wem nicht, da waren Eden und sie schon zu eng befreundet gewesen.

„Als deine beste Freundin seit der neunten Klasse ist es meine Aufgabe, dir zu helfen, damit dein Wunsch in Erfüllung geht.“ Bev lehnte sich auf Edens abgenutztem Esszimmerstuhl zurück und aß ihren eigenen Cupcake. „Ich finde, dies sollte für dich das Jahr des Sex werden.“

„Ein ganzes Jahr Sex?“ Eden musste lachen.

„Du solltest dich dieses Jahr um Sex bemühen“, stellte Bev klar. „Nimm’s mir nicht übel, aber du musst dich auch ein bisschen anstrengen.“

Wann hatte sie das letzte Mal Sex gehabt, der die Mühe wert gewesen war? Bestimmt nicht mit Kenny. Im Grunde noch mit keinem Mann.

Kenny, der letzte Mann, mit dem sie Sex gehabt hatte, hatte sich den Fuß gebrochen, als er versucht hatte, seine Männlichkeit zu beweisen, indem er es mit ihr aufrecht an einem Baum tat. Und anstatt einfach einzusehen, dass er kein Superman war, hatte er ihr dafür die Schuld gegeben.

Kein Wunder, dass ihr Liebesleben ein Trauerspiel war. Bei solchen Partnern.

Eden räumte die Teller ab. „Wieso ist dir mein Liebesleben auf einmal so wichtig?“

Am Klappern der hohen Absätze hörte sie, dass Bev ihr in die Küche folgte.

„Janie war gestern im Salon.“

Eden hörte die Verbitterung aus Bevs Tonfall. Bev gehörte der beste Friseursalon der Stadt. Sie trug ihr Haar zwar immer offen und wild, aber bei ihren Kundinnen vollbrachte sie echte Kunstwerke, und so kamen auch die wohlhabenden Frauen aus Oceanfront zu ihr.

„Aha.“ Eden hätte sich denken können, dass Janie und die Frauen aus ihren Kreisen ihre beste Freundin auszuhorchen versuchten. Sie stellte die Teller neben die Spüle. „Mach dir nichts draus.“

Entnervt warf Bev die Verpackungen der Cupcakes in den Müll. „Ich bin es leid, dass sie immer über dich herziehen. Diese Weiber widern mich so an mit ihren perfekten Leben, die sie sich von jemand anderem bezahlen lassen.“

„Glaubst du, sie können sich mit ihrem Geld auch perfekten Sex kaufen?“ Bei Bevs wütendem Blick musste Eden lachen. „Was denn? Soll ich mich aufregen, weil sie darüber herziehen, dass ich kein Liebesleben habe?“

„Nett ist es jedenfalls nicht, was sie sagen.“

Eden zuckte mit den Schultern. Sie hatte in ihrem Leben schon so oft so getan, als sei ihr etwas egal, dass es mittlerweile wie ein Reflex war.

Anscheinend fiel Bev auf, dass sie die Feierstimmung getrübt hatte, denn sie richtete sich auf und klatschte in die Hände. „Ich hole schnell dein Geschenk aus dem Auto. Bin gleich wieder da.“

Edens erwartungsvolles Lächeln hielt so lange, bis die Haustür ins Schloss fiel, dann drückte sie seufzend Flüssigseife in einen Schwamm.

Heißer, erfüllender Sex. Ihre Chancen darauf waren so winzig wie die Kerze, die sie eben ausgeblasen hatte.

Sie hätte sich lieber beruflichen Erfolg wünschen sollen. Seit einem halben Jahr war sie mit ihrer Ausbildung zur Tierärztin fertig, und jetzt musste sie neben ihrem Studiendarlehen auch noch die Hypothek für dieses Haus abbezahlen. Ihre Mutter hatte das Haus verkaufen wollen, und Eden hatte all ihre Ersparnisse und auch die kleine Erbschaft von ihrem Großvater ausgegeben, damit ihre Mutter es nicht an irgendeinen Fremden verkaufte.

Sie spülte die Porzellanteller, trocknete sie ab und stellte sie behutsam zurück in die Vitrine zu den übrigen Erbstücken ihrer Urururgroßmutter. Wie die meisten Möbel in diesem Haus war auch die Vitrine eine Antiquität. Manchmal kam es Eden vor, als würde dieses Haus nur darauf warten, dass sie selbst ebenfalls eine Antiquität wurde, damit sie besser zu allem anderen passte.

Bev kam mit einem großen verpackten Geschenk mit Schleife zurück. „Der Postbote kam gerade, als ich beim Auto war. Die Post habe ich dir gleich mitgebracht. Sieh mal, ich glaube, da sind auch Glückwunschkarten dabei.“

Eher Bev zuliebe als aus echter Neugier, nahm Eden ihr die Briefe ab, doch dann entdeckte sie den Brief von der Bank, der an sie und ihre Mutter adressiert war.

„Was ist das denn?“ Sie riss den Brief auf. Da Eleanor gerade mit ihrem Wohnmobil irgendwo durchs Land von einer Kunsthandwerksausstellung zur nächsten fuhr, hatte Eden keine Hemmung, diesen Brief zu lesen.

„Was in aller … Ich bringe sie um.“ Vor Wut zerknüllte sie den Brief und schleuderte ihn gegen die Wand. „Meine Mutter hat noch ein Darlehen mit diesem Haus als Sicherheit aufgenommen.“

„Ich dachte, dieses Haus gehört jetzt dir“, entgegnete Bev leise. „Du hast es ihr doch abgekauft.“

„Mein Cousin Arnie ist Anwalt. Er hat ein Schreiben aufgesetzt, dass dieses Haus mir gehört, sobald die Hypothek auf mich übertragen ist. Allerdings hat er mir geraten, damit zu warten, weil ich noch mein Studiendarlehen abbezahle.“

Wieso hatte er nicht geprüft, ob das Haus noch mit weiteren Darlehen belastet war?

„Sie hat dir nichts davon gesagt? Ihr müsst doch darüber geredet haben, als sie dir das Haus verkauft hat. Hätte sie dich da nicht vorwarnen können, dass dir noch eine dicke Rechnung droht?“

„Vorwarnen? Sie hat mich ja nicht mal angerufen, um mir zum Geburtstag zu gratulieren.“ Verbittert lachte Eden auf. „Wahrscheinlich hat sie es schlichtweg vergessen.“

„Das Darlehen?“ Bev verzog das sommersprossige Gesicht.

„Nein, meinen Geburtstag.“ Dass ihre Mutter ihren Geburtstag vergessen hatte, tat Eden mehr weh als das vergessene Darlehen über dreißigtausend Dollar.

Von etwas so Nebensächlichem wie Geld ließ Eleanor Gillespie sich in ihrem kreativen Leben nicht beeinflussen.

Eden sah zu dem zerknüllten Brief. Ihre Mutter hatte wieder mal ein Chaos angerichtet, und Eden musste es irgendwie in Ordnung bringen. Wenn sie nicht sehr schnell Geld auftrieb, würde sie dieses Grundstück verlieren, auf dem ihre Familie seit fünf Generationen lebte.

„Was wirst du jetzt tun?“

Eden blinzelte hastig, um die Tränen zurückzudrängen. „Irgendwie muss ich dreißigtausend Dollar auftreiben.“ Sie hob den Brief vom Boden auf. Sie musste das noch einmal genau lesen und die Bank kontaktieren, um alle Details zu verstehen.

„Willst du wirklich die Schulden deiner Mutter übernehmen?“

„Das muss ich wohl. Sie reist gerade von einer Kunsthandwerksmesse zur nächsten, und ich habe keine Ahnung, wann sie nach Hause kommt und sich um ihr Chaos kümmert.“

„Wie willst du das Geld beschaffen?“

Wenn sie das bloß wüsste! Jeder Cent, den sie besaß, war bereits verplant. Ihr Anwesen lag im besten Viertel, aber sie lebte von Tütensuppen. Sie besaß nichts Wertvolles, das sie verkaufen könnte. Die Antiquitäten und das edle Porzellan waren die letzten Andenken, die sie mit ihrer Familie verband. Und ihre Mutter. Aber im Moment war Eden überzeugt, dass das Porzellan mehr wert war.

Sie atmete tief durch. Es musste einen Ausweg geben.

Ihr Blick fiel auf einen Umschlag mit einer Prägung von Efeu und Rosen. Das Monatstreffen des Garten-Clubs.

Sie zog die Nase kraus. Sicher kostete es die ehrenwerten Ladys des Garten-Clubs große Überwindung, ihr diese Einladung zu schicken. Und genauso große Überwindung kostete es sie jetzt, den Brief zu öffnen.

Sie war eine Gillespie, deshalb lud man sie ein, auch wenn alle fanden, sie gehöre nicht in diesen exklusiven Club.

„Die Gesellschaft von Oceanfront!“ Sie schnippte mit den Fingern. „Ich wende mich an die Ladys vom Country-Club.“

„Dass sie dir Geld leihen?“

Innerlich zuckte Eden zusammen. Auf keinen Fall würde sie betteln. „Es geht mir um Kundschaft. Die haben doch alle ihre Schoßhündchen und Kätzchen. Wenn ich zwei oder drei dieser Frauen dazu bringen kann, meine Dienste als Tierärztin in Anspruch zu nehmen, werden andere ihrem Beispiel folgen.“

„Wie viel willst du denn in Rechnung stellen?“ Ungläubig sah Bev sie an.

Eden lachte. „So viel, dass sie begreifen, wie erstklassig ihre Tiere von mir betreut werden. Wenn ein paar von denen zu mir kommen, hilft mir die Mundpropaganda, und ich bin dick im Geschäft. Die gesamte Summe kann ich vielleicht nicht auf einen Schlag abbezahlen, aber mit einer Anzahlung könnte ich mich mit der Bank einigen.“

Eden griff nach dem Telefon und wählte die Nummer der Vorsitzenden des Garten-Clubs. Fünf Minuten und drei gequälte Lächeln später legte sie triumphierend wieder auf.

„Wieso hast du gleich zwei Teilnehmer angemeldet?“, fragte Bev misstrauisch.

„Weil du mitkommst. Als mein Gast.“

„Oh nein.“ Bev holte Konserven und Einmachgläser aus der Speisekammer und stellte sie auf die Anrichte, auf der einige $2,$3$4Kacheln gesprungen waren. „Ich bin da kein Mitglied, niemand will mich dort sehen.“

„Mich doch auch nicht.“ Eden zuckte mit den Schultern. „Aber ich brauche dich.“

„Als moralische Unterstützung?“

Eden wusste nicht, ob moralische Unterstützung ihr etwas nützte, wenn sie sich diesen Frauen stellte, die alle eng vernetzt waren und ihren exklusiven Club gegen Außenstehende schützten. Aber sie brauchte Bev als Stichwortgeberin, um ihre Fähigkeiten als Tierärztin ins Gespräch einfließen zu lassen. Sonst würde ihr Plan nicht funktionieren.

„Was tust du da?“ Eden sah auf die Eier und die Butter, die jetzt neben Mehl und Zucker lagen.

„Diese Situation schreit nach Keksen.“ Bev holte Schokoflocken aus dem Tiefkühler.

Noch ehe Eden entscheiden konnte, ob selbst gebackene Schokokekse ihnen in dieser Situation weiterhelfen konnten, hörte sie draußen etwas rumpeln.

Besucher? Noch mehr Geburtstagsüberraschungen? Vielleicht hatte ihre Mutter einen Weg gefunden, ihr per Post die Pest ins Haus zu schicken.

Eden runzelte die Stirn. Was immer ihr zugestellt wurde, es kam anscheinend in einem glänzenden neuen Jaguar.

„Hey, cool! Deine gute Fee hat deinen Wunsch erhört“, scherzte Bev, als sie neben Eden ans Fenster trat, um zu sehen, wer auf der holprigen Auffahrt zum Haus kam.

Eden erkannte das Auto und zog die Brauen zusammen. Ihr Nachbar Robert Sullivan kam nie zu Besuch. Falls eine gute Fee hier die Finger im Spiel hatte, müsste Roberts Sohn Cade sich den Jaguar geschnappt haben, um Edens Fantasie wahr werden zu lassen.

Cade Sullivan! Groß, blond und umwerfend, hypnotisch wirkende grüne Augen und mehr Charme, als eine Frau ertragen konnte. Der aufregendste Mann, den Ocean Point je gesehen hatte. Quarterback auf der Highschool, Klassensprecher, Navy SEAL. Ihr ganz persönlicher Held.

Für fast alle Einwohner von Ocean Point war Robert Sullivan ein Widerling, selbst für viele Mitglieder im Country-Club. Aber für Eden war er immer nur die ältere Version von Cade, dem Mann, der sie schon oft aus Notlagen gerettet hatte und in dessen Gesellschaft sie sich auch früher nie unwohl gefühlt hatte, obwohl er fünf Jahre älter war als sie.

Schon mit sieben hatte sie für ihn geschwärmt. Und Jahre später hatte sie ihn heimlich beim Baden in dem See beobachtet, der zwischen den beiden benachbarten Grundstücken lag. Cade war für sie der Inbegriff von einem sexy Mann.

Sie seufzte.

In diesem Moment geriet Roberts Wagen ins Schlingern.

Sie rang nach Luft.

Der Jaguar knallte gegen den Mauerbogen am Eingang des Grundstücks.

Eden rannte los.

„Was ist passiert?“, schrie Bev Eden nach, die bereits über den Rasen und den Kiesweg zum Auto lief.

„Ruf einen Notarzt. Sag, sie sollen sich beeilen.“ Eden blickte in das ältere, verhärmte Abbild ihrer erotischen Fantasien, und ihr stockte der Atem. Am Hals prüfte sie den Puls des Mannes, dann atmete sie zitternd aus. „Robert ist verletzt. Ich glaube, er hatte einen Herzinfarkt.“

Kopfschüttelnd betrachtete Lieutenant Commander Cade Sullivan die Auszubildenden der SEALs, die sich durch den nassen Sand schleppten, wobei jeder von ihnen einen triefnassen Holzklotz auf der Schulter trug. „Waren wir jemals auch solche Grünschnäbel?“

„Du nicht.“ Lachend schlug Captain Seth Borden ihm auf den Rücken. „Du warst einer der ehrgeizigsten Neulinge, die wir hier je gesehen haben. Schon nach deiner ersten Woche haben wir gewusst, dass du die Ausbildung mit Auszeichnung schaffst.“

Seth Borden war Leitender Ausbilder am Naval Special Warfare Center in Coronado und hatte sein Leben seit dreißig Jahren der Navy verschrieben. Von den Auszubildenden wurde er nur „The Machine“ genannt, und die meisten hatten Angst vor ihm.

Cade kannte ihn als barschen alten Kerl, der saufen und fluchen konnte wie ein Seemann und beim Pokern nie verlor. Und wenn sie beide nicht im Dienst waren, war er Cades Lieblingsonkel.

„Wieso hast du mich hergeschleppt?“ Cade verzog das Gesicht, als einer der Jungs am Strand über die eigenen Füße stolperte, im Fallen noch drei andere mitriss und mit seinem Holzklotz, der nach vorn flog, zwei weitere Kameraden zum Stürzen brachte. „Wolltest du mir beweisen, wie gut mein Team im Vergleich zu anderen ist?“

Er musste lächeln, als drei angehende SEALs einen Bogen um die am Boden liegenden Kameraden machten und einfach weitertrotteten. Diese Jungs hatten das, was nötig war.

„Brauchst du dafür denn einen Beweis?“

„Nein.“ Cades Lächeln erstarb. Er wusste sehr genau, dass er mit einigen der besten SEALs diente. Seine Gefährten gaben alles. Sein Kumpel Phil Hawkins hatte es bis zum letzten Atemzug getan. Wie immer bei der Erinnerung an den Verlust zog sich ihm die Brust schmerzhaft zusammen. Phil, Cade und Blake Landon hatten sich in der Grundausbildung angefreundet und anschließend gemeinsam in zahllosen Einsätzen gedient. Jetzt gab es von den drei Freunden nur noch zwei.

„Komm mit rein, trinken wir einen Kaffee.“

Dankbar für die Ablenkung von der düsteren Leere, die in letzter Zeit seine Karriere bei den SEALs überschattete, folgte Cade dem Captain in sein Büro. Doch als sein Onkel fragend die Kaffeekanne hob, schüttelte er den Kopf. Die dunkle Brühe in der Glaskanne sah aus, als sei sie nur schwer verdaulich.

„Und? Lässt du dich versetzen?“

„Nein.“ Cade schüttelte den Kopf, obwohl eine Versetzung ihm vielleicht helfen könnte, nicht ständig an seinen verstorbenen Freund zu denken. „Nicht in den nächsten sechs Monaten.“

„Überleg dir, ob du die Schulung zum Ausbilder machst.“

Lachend schüttelte Cade wieder den Kopf. „Wieso in aller Welt sollte ich Ausbilder werden wollen?“

„Als Fallschirmspringer und Scharfschütze bist du erstklassig, und in der Terrorabwehr hast du dich auch ausgezeichnet. Du gehörst zur Elite, mein Junge.“

Cade wippte in seinen Armeestiefeln auf den Fersen. „Und?“

„Wir könnten dich hier gebrauchen. Als Ausbilder verdienst du mehr, und auf die Beförderung zum Captain bräuchtest du auch nicht lange zu warten.“

Cade runzelte die Stirn. Bezahlung und militärischer Rang bedeuteten ihm nichts. Was ihm dagegen zu schaffen machte, war diese innere Leere, in die er versunken war. Nachdenklich sah er nach draußen zu den Männern, die unbeholfen durch die Brandung stolperten, um zu ihren Booten zu kommen. Diese Männer wollten zu den Besten gehören. Und er könnte ihnen dabei helfen. Aber dann wäre er kein SEAL mehr. Und er gab niemals auf. Nie.

Deshalb schüttelte er den Kopf. „Nein, mir geht’s gut.“

„Meinst du nicht, das wäre sehr eindrucksvoll?“ Mit seinem Kaffee setzte der Captain sich hinter seinen Schreibtisch.

„Ich bin bereits ein SEAL. Eindrucksvoller geht’s nicht.“

„Das gilt vielleicht für die Ladys.“

„Auf deren Meinung kommt’s doch an.“ Cade musste lachen.

Meist brauchte er nicht mal zu erwähnen, dass er ein SEAL war, um eine Frau zu beeindrucken. Er sah gut genug aus, dass die Frauen ihn ohnehin anhimmelten. So war es immer gewesen. Darauf bildete er sich nicht viel ein, zumal er die blonden Haare, die grünen Augen und die kantigen Gesichtszüge seinem Erbgut verdankte. Den durchtrainierten Körper verdankte er der Navy.

Er brauchte niemandem etwas zu beweisen. Für ihn zählten nur die Spannung und die Genugtuung, die er empfand, wenn er an Spezialeinsätzen teilnahm. Zumindest war das bis letzten Herbst so gewesen, als Phil Hawkins unter Cades Kommando ein Schrapnell einer Granate in den Schädel eingedrungen war.

„Dein Vater würde sich freuen, wenn du befördert wirst.“ Seth blickte in seinen Kaffee, als gebe es dort etwas sehr Spannendes zu sehen.

Cade ließ sich in einen Sessel fallen. „Die Meinung meines alten Herrn ist mir egal.“

„Er würde dich dann zumindest nicht mehr so oft nerven.“

„Du meinst, er würde dich dann nicht mehr nerven.“

Robert Sullivan hatte Seths jüngere Schwester Laura vor fünfunddreißig Jahren geheiratet, und seit Laura vor fünf Jahren an Krebs verstorben war, hatte er kaum noch Kontakt zu seinem Schwager.

„Robert nervt mich nicht.“ Cades Onkel zuckte mit einer Schulter, als könne er seinen Ex-Schwager so einfach abtun.

Cade wünschte sich, es wäre so leicht. Robert Sullivan von $2,$3$4Sullivan Enterprises war hartnäckig wie eine Bulldogge und charmant wie ein Kaktus. Er hatte vor Wut getobt, als Cade zur Navy gegangen war, anstatt seinen rechtmäßigen Platz in der familien$2,$3$4geführten Finanzberatungsfirma einzunehmen.

„Wenn er dich nicht nervt, wieso erwähnst du ihn dann?“, hakte Cade nach.

„Du bist ein erstklassiger und führungsstarker SEAL, aber in letzter Zeit wirkst du unausgeglichen. Genau so eine Situation könnte dein Vater ausnutzen, um dich in die Richtung zu drängen, die er sich wünscht. Mach eine Pause und such dir in Ruhe selbst deinen Weg.“

„Keine Sorge, Captain.“ Nach außen hin lächelnd, aber innerlich angespannt, stand Cade auf. „Ich lasse mich von niemandem in irgendeine Richtung drängen. Schon gar nicht von meinem alten Herrn.“

Robert Sullivan erwartete, dass Cade in seine Fußstapfen trat, alles über die Finanzwelt lernte und die gesamte Holding-Gesellschaft übernahm, wenn Robert den Zeitpunkt für richtig hielt.

Das Familiengeschäft hatte Cade noch nie interessiert, deshalb war er gegen den Willen seines Vaters direkt nach der Highschool zur Navy gegangen. Schon damals war es ihm nicht um irgendeinen militärischen Rang gegangen. Er wollte einfach nur ein SEAL sein.

Das darf ich nicht vergessen, sagte er sich jetzt. Ich muss sie einfach hinter mich bringen, diese … Wie hatte es Alexia genannt, die Verlobte seines Freunds und Kameraden Blake? Richtig, die Reise der Trauer. Noch bevor er auf eine Ausrede kam, um sich zu verabschieden, klingelte sein Handy.

„Wenn man vom Teufel spricht“, sagte er beim Blick aufs Display leise.

„Dein Vater?“

„Nahe dran. Meine Großmutter.“

Nur aus einem einzigen Grund hatte Cade sich bisher nicht vollkommen von seiner Familie abgewandt: Für seine Großmutter Catherine würde er alles tun. Ihr zuliebe benahm er sich bei Besuchen zu Hause immer freundlich und höflich.

Entschuldigend nickte er seinem Onkel zu und nahm das Gespräch an.

Fünf Minuten später wünschte er sich, er hätte es nicht getan.

„Robert hatte einen Herzinfarkt“, sagte er leise und steckte sein Handy weg. „Er liegt auf der Intensivstation. Sie wissen noch nicht, ob er durchkommt.“

Stirnrunzelnd kam Seth um den Schreibtisch herum auf ihn zu. „Bist du denn okay? Brauchst du irgendwas?“

Cade fühlte sich wie betäubt. Der Tod war für ihn kein Unbekannter. Aber Cade war immer davon ausgegangen, sein Vater sei zu halsstarrig, um irgendetwas zuzulassen, was nicht seinem Terminplan entsprach. „Ich muss mir Urlaub genehmigen lassen. Grandma möchte, dass ich nach Hause komme.“

2. KAPITEL

„Schon gehört? Cade Sullivan ist zurück.“

Eden sah auf. Die versammelten Frauen zwischen achtzehn und achtundsechzig gaben einen kollektiven Seufzer von sich. Doch so heiß und sexy Cade auch war, im Moment wollte Eden nicht über ihn sprechen, obwohl sie seit frühester Kindheit für ihn schwärmte. Sie brauchte ein paar Kundinnen für ihre Tierpraxis, und jetzt drehte die Unterhaltung sich ausschließlich um die Rückkehr des Helden der Stadt.

Cade brachte die Frauen zum Träumen, und wenn die Gerüchte stimmten, dann verschaffte er ihnen auch beeindruckende Orgasmen. Das behaupteten zumindest die Cade-ettes, so nannten sich die glücklichen Auserwählten, die aus eigener Erfahrung sprechen konnten.

„Ich habe gehört, er bleibt einen Monat. Er kommt nicht oft her, stimmt’s?“ Bev wirkte verträumt. Offenbar stellte sie sich gerade Cade ohne seine Uniform vor. „Wann ist er weggezogen? Vor zehn Jahren?“

„Zwölf.“ Eden biss vom Zitronentörtchen ihrer Freundin ab.

„Hast du ihn gut gekannt?“, bohrte eine hübsche Blondine nach, deren Namen Eden vergessen hatte. Die Frau hatte sich in die bessere Gesellschaft von Ocean Point eingeheiratet, deshalb wusste sie anscheinend nicht viel über den Mythos, der Cade Sullivan umgab.

„Ach, bitte.“ Schnaubend setzte Janie Truman sich mit an den Tisch und griff nach einer kleinen Weintraube in der Obstschale. „Du kennst Cade Sullivan doch kaum. Kann ja sein, dass er dich ein paarmal gerettet hat, aber das ist schließlich auch sein Job, oder? Du warst für ihn nur so eine Art Grundausbildung.“

Ihr Lachen klang so unbekümmert, dass Eden wie eine Zicke gewirkt hätte, wenn sie sich aufgeregt hätte. Genau das war das Problem bei Janie. Sie gab sich immer freundlich und charmant, selbst wenn sie ihre Giftpfeile abschoss.

Seufzend fragte Eden sich, wieso ihr so viel daran lag, Teil dieser Frauengruppe zu werden. Hinter dem Duft von teurem Parfüm und lächelnden Gesichtern lauerten Boshaftigkeit und Missgunst.

Wahrscheinlich griffen sie nur die Außenstehenden an, dachte Eden. Um nicht mehr Ziel ihres Spotts und Mitleids zu sein, muss man Teil dieser Gruppe werden.

„Ich könnte mir vorstellen, da Eden direkt in Cades Nachbarschaft aufgewachsen ist, kennt sie Cade wahrscheinlich ziemlich gut“, wandte Bev leicht gereizt zu Edens Verteidigung ein.

„In gewisser Weise.“ Sie wollte lieber nicht näher darauf eingehen, wie viel sie über Cade wusste. „Er ist fünf Jahre älter als ich und war immer verrückt nach Football und Schwimmen, während ich mit Tieren gespielt und als Freiwillige im Tierheim gearbeitet habe.“

Kein schlechter Einstieg ins Thema, dachte sie und klopfte sich in Gedanken selbst auf die Schulter.

„Captain des Footballteams, Klassensprecher und Ballkönig.“ Ohne auf Edens Bemerkung einzugehen, stützte Janie ihr spitzes Kinn auf die Hand und seufzte sehnsüchtig. „Eine Cade-ette müsste man sein …“

„Eine Cade-ette?“, fragte Bev lachend und sah ungläubig zu Eden.

Eden lächelte. Als Cade-ette genoss eine Frau in Oceanfront genauso viel Ansehen wie eine Schauspielerin mit Oscar. „Das ist ein bisschen albern. Cade hat schon als Teenager seinen Spaß mit Frauen gehabt, aber er hat es immer ganz unkompliziert und unverbindlich gehalten.“

„Er hat beim Sex immer aufgepasst, weil er in keine Falle tappen wollte. Nicht nur, weil er supersüß ist, sondern weil die $2,$3$4Sullivans auch superreich sind“, erklärte Janie und blickte neidisch zum Kuchen, bevor sie an einer zweiten Weintraube knabberte.

„Es mit Cade Sullivan getan zu haben, war besser als Diamant$2,$3$4ohrringe.“ Eden wusste noch gut, wie sehr die Mädchen damals bewundert und von anderen Jungs umschwärmt worden waren. „Die Cade-ettes waren wie ein exklusiver Club.“

„Eher wie ein Geheimbund“, fügte Janie hinzu.

„Kann man dem Club noch beitreten?“, fragte Bev scherzhaft.

Ich wünschte, es wäre so, dachte Eden. Selbst ihrer besten Freundin hatte sie nie verraten, wie oft sie Cade am See zwischen den Grundstücken beobachtet hatte. Manchmal hatte er dort nackt gebadet, meist mit irgendeinem Mädchen. Schon als Teenager hatte er fantastisch ausgesehen. Eden war von seinem Körper fasziniert gewesen. Gebräunt, muskulös und gut bestückt. Das war es wert gewesen, sich am Giftsumach zu stechen, während sie ihn durch die Bäume hindurch beobachtete.

„Alle wollten eine Cade-ette werden.“ Janie vergaß für einen Moment ihre ständige Diät, denn sie strich durch die Schokoglasur auf dem Stück Kuchen vor sich und leckte sich den Finger ab.

„Alle?“ Fragend sah Bev zu Eden.

Wieder zuckte Eden nur mit den Schultern. Sie wollte nicht zugeben, dass sie alles dafür gegeben hätte, von Cade zu einem überwältigenden Orgasmus gebracht zu werden. Sie hatte nie eine Cade-ette sein wollen. Sie hatte immer nur Cade gewollt.

„Ladys, es wird Zeit, zu arbeiten.“ Gloria Bell, die Vorsitzende des Garten-Clubs, klatschte in die Hände. „Unser Frühjahrsball braucht die schönsten Blumenarrangements, meint ihr nicht? Also: Auf, auf.“

Die meisten der älteren Frauen versammelten sich um die drei großen Tische und fingen an zu diskutieren, welche Blumen zu diesem Ball passten.

Eden blieb mit einem Dutzend Frauen in ihrem Alter am Dessert-Buffet sitzen. Im Vergleich zu diesen Frauen fühlte sie sich unbeholfen und arm, aber da sie nicht wie alle anderen ständig Kalorien zählen musste, sondern essen konnte, was sie wollte, ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen, bediente sie sich noch einmal von einer der Torten.

Crystal Parker vergewisserte sich schnell, dass ihre Mutter mit der Vorsitzenden redete, bevor sie leise sagte: „Meine Schwester Chloe wäre fast eine Cade-ette geworden.“

„Fast?“ Bev lachte. „Wie kann man fast in diesen Club aufgenommen werden?“

„Cade und sie sind sich beim Schulball sehr nahegekommen, wenn ihr versteht, was ich meine. Chloe ist dabei etwas laut geworden, und die Schulleiterin Mrs. Pince hat sie erwischt. Chloe sagt, Cade habe es mit seinem Charme geschafft, dass Mrs. Pince sie dafür nicht bestraft hat, aber danach ist er nicht mehr mit meiner Schwester ausgegangen.“ Gut gelaunt verdrehte sie die Augen, als finde sie es immer noch witzig, dass ihre Schwester mit Cade erwischt worden war.

„Das kann nicht annähernd so peinlich gewesen sein wie das, was der armen Eden passiert ist.“ Kichernd tätschelte Janie Eden die Hand. „Du hast uns nie verraten, wie Kenny sich den gebrochenen Fuß und den Ausschlag am ganzen Körper eingehandelt hat.“

Eden lächelte verkrampft und hoffte auf einen Themenwechsel. Sie wollte nicht, dass alle jetzt zu spekulieren anfingen, in welcher Sexstellung sie sich mit Kenny befunden hatte, als er gestürzt war.

Damals hatte Cade sie ebenfalls gerettet. Zur Abwechslung war er es gewesen, der sie am See erwischt hatte, als sie gerade mit seinem besten Kumpel von der Highschool zusammen gewesen war. Der arme Kerl hatte sich nackt im giftigen Efeu gewälzt und sich den gebrochenen Knöchel gehalten.

„Mädchen.“ Gloria glitt wie ein eleganter Dampfer auf sie zu. „Schluss mit dem Plaudern. Jetzt geht es an die Arbeit.“

„Ich kann helfen.“ Eden stand diensteifrig auf und stieß mit der Hüfte an den Tisch, wodurch zwei Kerzenleuchter umfielen, Gabeln von Tellern rutschten und Weintrauben über die weiße Tischdecke kullerten.

„Danke, Liebes.“ Mrs. Bell verzog das Gesicht. „Aber wir brauchen jemanden mit Gespür für Farben. Janie, wieso gehst du mit den Mädchen nicht rüber? Sagt uns, was ihr von unseren Plänen haltet.“

Abgesehen von Bev und Eden gingen alle Frauen zur anderen Seite des Raums.

Seufzend schob Eden den letzten Dessertteller mit einem Schoko-Brownie von sich. Sie war es leid, so schnell abgeschoben zu werden. Nur ein einziges Mal wollte sie zum inneren Kreis dazugehören.

„Oh, Eden.“ Lilly-Ann Waters lächelte ihr vom Nachbartisch zu. „Ich bin so froh, dass du diesmal zu unserem Treffen gekommen bist. Du kommst so selten.“

„Normalerweise arbeite ich donnerstags bis in den Abend hinein.“ Eden warf Bev einen Seitenblick zu. Lilly-Ann hatte drei Yorkshire Terrier und eine Perserkatze zu Hause.

„Oh, du hast immer noch diesen … Job?“ Man merkte Lilly-Ann an, dass sie keine Ahnung hatte, was Eden beruflich tat.

„Vor sechs Monaten habe ich meine eigene Tierarztpraxis eröffnet.“ Eden lächelte. Jetzt kam sie zum eigentlichen Grund, wieso sie diese Tortur hier auf sich nahm. „Du solltest $2,$3$4Snowball mal zu einer Untersuchung zu mir bringen. Ich hätte da ein paar natürliche Ernährungsergänzungen, die Snowballs Fell noch stärker glänzen lassen.“

„Snowball wird von Dr. Turner behandelt.“ Lilly-Ann wirkte entsetzt von der Vorstellung, ihre wertvolle Perserkatze von jemand anderem als dem teuersten Tierarzt der gesamten Gegend behandeln zu lassen.

„Dr. Turner hat einen erstklassigen Ruf und ist sehr beliebt.“ Eden nickte diplomatisch. „Erst letzte Woche habe ich von einer Frau gehört, die einen ganzen Monat auf einen Termin warten musste, bis ihre Welpen eine Routineuntersuchung bekommen konnten.“

Lilly-Anns Lächeln wirkte leicht gezwungen.

Bingo, dachte Eden. Wenn es etwas gab, was Lilly-Ann noch mehr hasste als imitierte Designerkleidung, dann war es Wartezeit.

„Machst du dir da keine Sorgen, was du in einem Notfall tust?“ Verschwörerisch beugte Eden sich vor. „Bei einer so empfindlichen Katze wie Snowball solltest du nichts riskieren. Wenn du sie einfach mal zu einer allgemeinen Untersuchung vorbeibringst, dann habe ich ihre Daten bereits im System, falls es – was niemand hofft – doch mal zu einem Notfall kommen sollte.“

Eine Sekunde lang wirkte Lilly-Ann unsicher, dann stand sie lächelnd auf. „Sehr nett von dir, aber Dr. Turner hat eine Notfallambulanz für Haustiere. Ich bin sicher, Snowball und ich kommen zurecht.“

Resigniert blickte Eden ihr nach. Für ganz Ocean Point war sie das ungeschickte Mädchen, mit dem sich Kenny beim Sex den Fuß gebrochen hatte. Sie war eine wandelnde Witzfigur, die demnächst ihr Zuhause verlieren würde, wenn sie nicht wenigstens genug Geld aufbringen konnte, um mit der Bank in Verhandlungen zu treten.

„Das war ein komplett vergeudeter Samstag“, stellte Bev fest, als sie zwei Stunden später auf dem Beifahrersitz ein Stück Kuchen aß, das sie heimlich mitgenommen hatte. „Nicht zu fassen, dass von dreißig versammelten Frauen sechsundzwanzig ein Haustier haben.“

„Trotzdem habe ich keine einzige neue Kundin.“ Eden wünschte, sie hätte Bevs Zeit nicht auch mit vergeudet. „Immerhin habe ich Kontakte geschlossen. Ich brauche nur eine reiche Frau, deren Hund eine Kolik hat, und dann besorgt die Mundpropaganda den Rest.“

„Glaubst du wirklich, dir reichen eine oder zwei Kundinnen, um die Bank daran zu hindern, dir dein Haus wegzunehmen?“ Trotz des Schokokuchens, auf dem sie herumkaute, hörte man Bev die Skepsis an.

„So lange mir nichts Besseres einfällt, ist das meine einzige Chance“, erwiderte Eden bedrückt.

Wieso hatte ihre Mutter ihr das bloß angetan! Und wieso reagierte Eleanor jetzt nicht auf die Nachrichten auf der Mailbox? Seufzend umklammerte Eden das Lenkrad. Das größte Talent ihrer Mutter bestand darin, ihrer einzigen Tochter das Leben schwer zu machen. Schon in der Vorschule hatte sie Edens Klassenkameraden unpassende Gedichte beigebracht, und als Eden zu Highschoolzeiten mit der ganzen Klasse in der Schule übernachtete, war Eleanor als Aufsicht mitgekommen und hatte den Jugendlichen einen Vortrag über Verhütung, sexuelle Erfüllung und vegane Ernährung gehalten.

Allerdings war Edens Mutter auch immer gut gelaunt, voller Leben, sehr kreativ und clever, und auf ihre eigene, egozentrische Art liebte sie ihre Tochter.

Eden folgte der engen Landstraße zwischen hohen Bäumen hindurch, und gerade als sie an dem eindrucksvollen Eingangstor zum Anwesen der Sullivans vorbeikam, erblickte sie etwas Weißes und machte eine Vollbremsung.

Hastig stützte Bev sich am Armaturenbrett ab. „Was in aller Welt …“

Noch halb auf der Straße blieb Eden stehen und riss die Tür auf. „Das ist Paisley!“ Sie rannte zu den großen Ahornbäumen, die Laura Sullivan als junge Braut dort gepflanzt hatte. „Seit letzter Woche macht Mrs. Carmichael sich große Sorgen, weil ihre Katze weggelaufen ist. Wir müssen das Tier retten.“

„Diese Katze ist ein Teufel“, beschwerte Bev sich beim Aussteigen.

Eden winkte ab. Zugegeben, Paisley war kein sehr zugängliches Tier, aber die schneeweiße Savannah-Katze spielte auch gern und war Mrs. Carmichael sicher aus purer Langeweile weggelaufen.

Bevor sie Bev die seelischen Bedürfnisse von Savannah-Katzen erklären konnte, hörte sie hinter sich ein lautes Kreischen, gefolgt von einem dumpfen Aufprall.

Eden erstarrte. Bev schrie auf.

Langsam drehten die beiden Frauen sich zum Auto um.

Eden hatte vergessen, die Handbremse zu ziehen.

Schweigend blickten Bev und sie zu dem Wagen, der aussah, als wolle er den Baum am Straßenrand umarmen.

Verdammt!

„Für Autos in deiner Nähe ist dies keine gute Woche“, stellte Bev resigniert fest.

Eden stöhnte gequält auf. Wieso passierten ausgerechnet ihr ständig solche Missgeschicke?

Das Auto war nicht neu gewesen, aber groß genug für Tiertransporte, und außerdem hatte es zumindest so gepflegt ausgesehen, dass ihre potenzielle reiche Kundschaft daran keinen Anstoß nehmen konnte.

Jetzt war der Kotflügel auf der Beifahrerseite eine intime Beziehung mit einem der Ahornbäume eingegangen.

Nachdem sie das Auto eine Minute lang angestarrt hatte, seufzte Eden, wandte ihm entschieden den Rücken zu und ging zur anderen Straßenseite.

„Wo willst du hin?“ Bev lief ihr nach und rang nach Luft, als Eden unter einem Baum stehen blieb, durch das Laub nach oben spähte und dann prüfend am untersten Ast zog. „Das ist doch wohl nicht dein Ernst! Du willst immer noch diese Katze retten?“

„Das Auto ist kaputt. Das darf nicht umsonst passiert sein.“ Ein gerettetes Haustier war einen zerbeulten Kotflügel wert. Und mit etwas Glück konnte sie sich mit Paisley anfreunden und damit Mrs. Carmichaels Gunst gewinnen.

„Paisley“, rief sie lockend.

Die Katze verharrte und warf Eden einen abfälligen Blick zu.

„Komm her, mein hübsches Kätzchen.“

„Wieso rufen wir nicht einfach Mrs. Carmichael an? Sie kann sich Paisley selbst holen“, schlug Bev vor, als sie in ihren Stilettos im Matsch ausrutschte. „Und wenn sie dann hier ist, haben wir wenigstens eine Mitfahrgelegenheit.“

„Soll eine Sechzigjährige auf den Baum klettern, um ihre Katze herunterzuholen?“ In ihren praktischen Mary Janes rutschte Eden nirgendwo aus.

Nachdem sie noch ein paarmal vergeblich nach der Katze gerufen hatte, und außer schnippischen Bemerkungen von Bev und einem weiteren abfälligen Blick von Paisley nichts erreicht hatte, blickte Eden sich seufzend nach allen Seiten um. Kein Auto in Sicht. Sie kletterte nur sehr selten auf Bäume, aber irgendwie schaffte sie es, trotzdem jedes Mal dabei erwischt zu werden.

„Du passt auf“, wies sie Bev an und steckte ihr hübsches blaues Baumwollkleid in dem breiten schwarzen Gürtel fest. „Siehst du? Anstand gewahrt.“

„Was ich sehe, ist der Tod der Mode.“ Entnervt schüttelte Bev den Kopf. „Und gleich sehe ich bestimmt den Tod deiner Frisur.“

Hastig strich Eden sich durch das dichte braune Haar. „Was ist mit meiner Frisur?“

„Die ist das Einzige, was du bisher noch nicht ruiniert hast.“

„Achte drauf, dass kein Auto kommt“, warnte sie Bev erneut und griff nach dem nächsten Ast.

„Und wenn doch? Soll ich mich quer über die Windschutzscheibe werfen, um dem Fahrer die Sicht zu nehmen?“

Es hat gewisse Nachteile, einen Witzbold als beste Freundin zu haben, dachte Eden, als sie sich auf den untersten Ast zog. „Warn mich einfach vor, damit ich mich verstecken kann.“ Vorsichtig richtete sie sich auf und griff nach dem nächsten Ast.

Während Bev ihr von unten erzählte, wie albern es sei, als erwachsene Frau Eichhörnchen zu spielen, kletterte Eden weiter hinauf.

Schließlich war sie nur noch einen Ast von Paisley entfernt. „Hi, süßes Kätzchen. Spielst du hier Königin des Dschungels? Das machst du richtig. Du siehst wirklich königlich aus.“

Während sie weiter auf das Tier einredete, bewegte sie unablässig die ausgestreckte Hand, um die Aufmerksamkeit der Katze nicht zu verlieren.

Es funktionierte. Nach kurzem Zögern und einem vorsichtigen Schnüffeln drückte die exotische weiße Katze ihre breite Stirn gegen Edens Fingerknöchel.

„Oh, wie süß von dir.“

Eden nahm sich Zeit, um die schöne Katze zu streicheln, bevor sie das Tier behutsam unter den Arm klemmte und sich langsam nach unten bewegte, bis sie schließlich die Katze an Bev weiterreichen konnte.

„Am besten setzt du dich mit ihr ins Auto.“ Eden lag bäuchlings auf einem dicken Ast knapp zwei Meter über dem Boden.

Obwohl sie eben noch behauptet hatte, dieses Tier sei der Teufel, zögerte Bev nicht, die weiße Katze mit den grauen Flecken zu nehmen und zu streicheln.

Protestierend miaute Paisley und sah gekränkt zu Eden, aber sie versuchte nicht zu fliehen.

Eden wartete, bis ihre Freundin sich mit Paisley auf den Rücksitz des Autos gesetzt hatte. Dann erst ließ sie sich zum nächsten Ast hinunter.

Na, also. Erleichtert lächelte sie. Schon fast wieder unten.

Wahrscheinlich hätte sie nicht lächeln dürfen.

Eben noch war alles glatt gelaufen, und jetzt hing ein Zweig in ihrem Schuhriemen fest! Entnervt zerrte sie und versuchte, den Schuh abzustreifen, aber nichts lockerte sich. Nur der Zweig schabte schmerzhaft an der Innenseite ihres Knöchels.

Eine Minute später fing sie an zu fluchen.

„Na, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor“, erklang eine leicht heisere Stimme.

Verdammter Mist! Eden erstarrte. Sie hatte überhaupt kein Auto näher kommen hören. Bitte, bitte, flehte sie. Mach, dass er mit jemand anderem spricht!

„Eden? Bist du das da oben?“

Verdammter Mist hoch zwei!

Sie schüttelte ihr langes Haar und hoffte, dass man jetzt ihr Gesicht nicht mehr erkennen konnte. Ihr Herz raste wie ein Güterzug, und ihr Atem ging stoßweise.

Wieder wandte sie sich zur Seite, um sich davon zu überzeugen, dass das Gesicht dort unten zur Stimme passte.

Wundervolle grüne Augen, gebräunte Haut über ausdrucksstarken Wangenknochen und ein ausgeprägtes Kinn. Volle, lächelnde Lippen und ein sexy Grübchen.

Unwillkürlich gab sie einen langen sehnsüchtigen Seufzer von sich.

Wenigstens hatte sie ihren Rock eingeklemmt, sodass man ihren Slip nicht sah. Auch wenn sie oft davon geträumt hatte, genau diesem Mann weit mehr als nur ihren Slip zu zeigen, passte ihre momentane Lage zu keiner ihrer erotischen Fantasien.

Möglichst unbekümmert lächelte sie. „Hi, Cade.“

3. KAPITEL

„Machst du solche Sachen eigentlich, damit ich nicht aus der Übung komme?“ Grinsend betrachtete Cade die Frau, die er am liebsten rettete. Das seidige braune Haar hing ihr wie ein Vorhang ins Gesicht, doch er wusste genau, dass sie gerade leicht verlegen lächelte.

Eden Gillespie wirkte immer verlegen, wenn sie gerettet werden musste.

Sein Blick glitt an ihren langen nackten Beinen entlang bis zu ihrem zusammengerafften Kleid, unter dem er noch den Ansatz ihres pinkfarbenen Slips erkennen konnte. Mit beiden Armen umschlang sie einen Ast, und ein Fuß hing herab, während der andere an einem dicht belaubten Zweig festhing.

„Sieh es als mein Willkommensgeschenk an.“ Sie blies sich das Haar aus dem Gesicht, sodass Cade kurz ihre resigniert-belustigten braunen Augen sehen konnte.

Das gehörte zu den Dingen, die er an Eden immer bewundert hatte: Sie konnte über sich selbst lachen. Den meisten Frauen bedeutete der Eindruck, den sie auf andere machten, so viel, dass sie gar nicht richtig zu leben verstanden.

Als er die geröteten Stellen an Edens Bein sah, wollte er die Stellen am liebsten küssen und lecken, um die Schmerzen zu lindern. Wie gern er jetzt mit den Lippen an ihrem Schenkel hinaufgestrichen wäre bis zu ihrem Slip. Es juckte ihm in den Fingern, weil er sie berühren wollte, um zu sehen, ob ihr Po sich so fest und sinnlich anfühlte, wie er aussah.

Wow! Das ist nicht cool, sagte er sich. Auf das süße Mädchen von nebenan scharf zu sein, ist ein gefährlicher erster Schritt zu einer festen Bindung. Es kam ihm vor, als habe er sie schon als Kind aus irgendwelchen Notlagen befreit. Allerdings war da diese eine, ganz spezielle Rettung gewesen, bei der er sie nackt gesehen hatte. Seitdem war er bei Edens Anblick jedes Mal sofort wieder erregt. „Brauchst du Hilfe?“

„Ich schaffe das schon.“ Sie zerrte an ihrem Fuß, um von dem Zweig loszukommen. Aber ihr hübscher schwarzer Schuh hielt. Aufseufzend sah sie wieder zu Cade. „Vielleicht könntest du doch den Riemen an meinem Schuh für mich lösen?“

Cade griff nach oben und zog den Zweig aus dem Schuhriemen. Dann umfasste er sie mit beiden Händen an der überraschend schlanken Taille, hob Eden von dem Ast über seinem Kopf und senkte sie langsam nach unten.

Ihre Brüste streiften sein Kinn, und Cade erstarrte. Genau wie Eden, die atemlos mit beiden Händen an seinen Schultern Halt suchte.

Dieselbe Energie hatte Cade durchströmt, als er eine scharfe Handgranate in den Händen gehalten hatte. Gefahr und Aufregung. All seine Sinne waren geschärft. Am liebsten hätte er sie gegen den Baum gedrückt und auf der Stelle Sex mit ihr gehabt.

Das ist alles komplett falsch!, schoss es ihm durch den Kopf. Eden ist das süße Nachbarsmädchen. Du hast sie schon seit Jahren immer wieder gerettet. Sie darf dich nicht dermaßen erregen!

In den letzten Jahren hatten sie kaum ein Dutzend Wörter miteinander gewechselt, und ihre Freundin drückte gerade ihr Gesicht an die Scheibe des kaputten Autos und sah zu ihnen. Cade ignorierte den brennenden Drang, Eden zu berühren und zu schmecken.

An ihrem Hals sah er, wie schnell ihr Puls raste, und er spürte, wie ihre Hände zitterten. Nein, er würde seinem Verlangen nicht nachgeben. Aber ein bisschen mit dem Feuer spielen konnte er schon.

Lächelnd senkte er die Arme, und scheinbar endlos glitt ihr Körper langsam an seinem hinab. Keine Sekunde lang wandte er den Blick von ihren Augen ab. Ihm wurde fast schwindlig, als er sah, wie ihr Blick sich leidenschaftlich verklärte.

Sobald sie mit den Füßen den Boden berührte, trat sie einen Schritt zurück. Dabei wäre sie fast gestolpert, wenn Cade sie nicht gepackt hätte. „Danke noch mal.“

„Baby, das sind die Momente, für die ich lebe“, sagte er leise, und das war nur zur Hälfte ein Scherz. Durch Eden machte es ihm Spaß, nach Hause zu kommen.

„Ich doch auch.“

Ihre entsetzte und zugleich peinlich berührte Miene verriet ihm, dass sie wie so oft geredet hatte, ohne vorher nachzudenken.

Er sollte sie jetzt loslassen. Seit seinem ersten Sex im Alter von vierzehn Jahren hatte er es sich zum Grundsatz gemacht, sich auf keine Beziehung einzulassen. Sex musste für ihn unkompliziert und unverbindlich sein. Bei Eden dagegen war überhaupt nichts unkompliziert.

Nur sie anzusehen, war unverbindlich. Das fiel ihm so leicht wie das Atmen. Und mit ihr zu reden. Noch nie hatte er Hemmungen gehabt, sie anzusprechen. Und wenn sie lachte, musste er auch immer lächeln. Verdammt!

„Komm mit, ich fahr dich nach Hause.“ Es kam etwas barscher heraus, als er gewollt hatte.

„Ich komme auch selbst nach Hause.“

Cade deutete auf den verbeulten Wagen.

„Ach, richtig.“ Seufzend sah sie von dem Kotflügel zu ihrer Freundin, dann zu Cade, zu der Katze und zurück zum Kotflügel. Schließlich hob sie die Schultern. „Danke, das Angebot nehmen wir gerne an.“

Schließlich saßen beide Frauen samt Katze in Cades Leih$2,$3$4wagen. Die stille Rothaarige saß hinten, Eden mit der Katze auf dem Schoß vorn neben ihm.

Er ließ den Motor an. „Und? Gehst du noch mit Kenny Phillips aus?“

„Nein.“ Kopfschüttelnd zog sie die Nase kraus. „Er hat mir das mit dem gebrochenen Fuß nie wirklich verziehen.“

Nur wegen Kennys lauter Schreie hatte Cade das Pärchen damals überhaupt entdeckt und die umwerfende, nackte Eden gerettet. Wie konnte sich ein Mann beim Sex überhaupt den Fuß brechen? „Wahrscheinlich hast du bei ihm nicht viel versäumt.“

„Ich schätze, Kenny hat alle anderen in der Stadt vor mir gewarnt.“ Lockernd drehte sie ihr Fußgelenk.

„Feiglinge“, sagte Cade leise. Zugegeben, Eden war ein bisschen ungeschickt, aber sie hatte Humor und dachte im Gegensatz zu vielen anderen Frauen in der Stadt nicht ständig an ihren eigenen Vorteil.

„Heißt das, du hättest keine Angst?“, hakte sie herausfordernd nach.

Es klang unbeschwert, aber Cade bemerkte den verletzlichen Ausdruck in ihren goldbraunen Augen. „Sweetie, außer einer Frau, die sich Sprengstoff umschnallt und darauf besteht, mit mir zu tanzen, gibt es nicht viel, was mir Angst macht.“ Er lachte.

„Dann würdest du mit einer Frau ausgehen, die allgemein als etwas ungeschickt gilt?“

Wie hatte er in diese Falle tappen können? Er runzelte die Stirn, während von der Rückbank her ein unterdrücktes Lachen erklang. „Solche Dinge haben bei mir keinen Einfluss darauf, mit wem ich ausgehe. Wahrscheinlich sind Dates in nächster Zeit für mich ohnehin tabu. Mein Vater liegt auf der Intensivstation, und meine Großmutter sagt, es gebe ein paar geschäftliche Dinge, die nicht warten könnten, bis mein Vater wieder gesund ist.“

Das anschließende Schweigen erleichterte Cade. Auch Edens Freundin gab kein Wort von sich. Selbst die Katze hatte aufgehört zu schnurren.

Sie erreichten Edens Haus, und Cade betrachtete das heruntergekommene Anwesen. Der Garten rund um das große Gebäude herum war gepflegt, aber außerhalb des Zauns ragte das Unkraut unter den Bäumen bis zu den Zweigen hinauf. Von den Fenster$2,$3$4läden am Haus blätterte die Farbe ab. Und diesen wackeligen Zaun hatte Eden wahrscheinlich selbst gezogen, um ein Gehege für eine Ziege und einen Hund zu bauen, der fast so groß war wie ein Pferd.

„Danke für die Rettung. Und dass du mich nach Hause gebracht hast.“ Sie lächelte ihm kurz zu, als er vor der breiten Treppe vor der Haustür anhielt.

„Jederzeit. Versuch, deine Unfälle zeitlich mit meinen Besuchen zu Hause zu koordinieren. Ich könnte es nicht ertragen, wenn du an einem Baum festhängst und dich von irgendeinem Weichei retten lassen müsstest.“

Sie lachte. „Würdest du mir glauben, wenn ich dir sage, dass ich mich normalerweise selbst rette, wenn du gerade nicht vorbeikommst?“

Einen Moment lang dachte er darüber nach, dann schüttelte er den Kopf. „Nein.“

Leicht verlegen schlug sie die langen Wimpern nieder.

Bei diesem Blick hätte er sich so männlich wie ein Superheld fühlen sollen. Und nicht scharf wie ein Seemann bei Landgang.

Ich muss los, sagte er sich. Sofort.

Er drehte sich zu der Rothaarigen um. „War nett, dich kennenzulernen.“

Edens Freundin wurde knallrot und sah aus, als würde sie jeden Moment anfangen zu hyperventilieren. Okay, so eine Reaktion war ihm nicht neu.

„Cade?“

Freundlich lächelnd sah er wieder zu Eden, die den Blick zu der Katze auf ihrem Schoß senkte.

„Hättest du was dagegen, wenn wir zwei mal was zusammen trinken? So als kombiniertes ‚Willkommen zurück‘ und ‚Vielen Dank‘?“

Obwohl Cade nichts gegen Verabredungen hatte und auch nicht wie ein Mönch lebte, musste er hier in seiner Heimatstadt besonders vorsichtig sein. Die Frauen hier sahen in ihm in erster Linie den Sohn von Robert Sullivan, und damit den Erben eines großen Vermögens.

Frauen an anderen Orten wollten mit ihm ausgehen, um einmal eine Nacht mit einem SEAL zu verbringen. Dagegen hatte Cade nichts. Vorausgesetzt, die Frau machte sich keine Hoffnungen auf einen Verlobungsring.

Allerdings war das hier Eden, und die wollte er nicht enttäuschen. „Klar doch, bei einem Drink sage ich nicht Nein.“

An ihrer Überraschung erkannte er, dass sie damit gerechnet hatte, dass er feige ablehnen würde. Und auch ihre Freundin schnappte verblüfft nach Luft.

Cade kannte seinen Ruf, und er wusste, wie die Leute im Country-Club tickten, mit denen Eden Kontakt hatte. Die Sullivans waren immer ein Thema, wohingegen die Gillespies nur eine unbedeutende Nebenrolle spielten. Seit er vierzehn war, hatte Cade sich Vorträge darüber anhören müssen, mit welchen Mädchen er sich treffen durfte. Er hatte es nicht ausstehen können.

Eden legte keinen Wert auf gesellschaftlichen Status. Bei ihr fühlte Cade sich tatsächlich wie der Held, als den sie ihn manchmal im Scherz bezeichnete.

Er beschloss, mit Eden auszugehen und dafür zu sorgen, dass alle mitbekamen, wie viel Spaß es ihm machte, Zeit mit ihr zu verbringen. „Morgen Abend? Um sechs?“

Nur ganz kurz zog sie die Brauen zusammen, bevor sie nickte. Dann hob sie ihre Handtasche vom Fußraum auf, umfasste die Katze etwas fester und griff nach dem Türgriff.

„Lass mich.“ Lächelnd beugte er sich an ihr vorbei und öffnete ihr von innen die Beifahrertür. Dabei ließ er den Unterarm sachte an Edens Brüsten entlangstreifen.

Sie schnappte nach Luft und sah ihn fast erschrocken an.

Ihr natürlicher und süßer Duft umgab ihn, und ohne groß darüber nachzudenken, beugte er sich zu ihr und gab ihr einen sanften Kuss auf die leicht geöffneten Lippen.

„Danke für das nette ‚Willkommen zurück‘“, sagte er leise, lehnte sich wieder unbeschwert zurück und ignorierte, dass er durch den Kuss wie unter Starkstrom stand.

„War mir ein Vergnügen.“ Sie schob sich die Katze auf die Schulter und stieg aus.

Cade wartete noch, bis ihre Freundin auch ausgestiegen war, dann ließ er den Motor wieder an.

Ein schneller Blick in den Rückspiegel bestätigte ihm, dass die beiden Frauen ihm reglos nachsahen.

Er musste lächeln. Vielleicht würden die kommenden Wochen doch nicht so unerträglich wie befürchtet.

Cade biss die Zähne zusammen, um seine Wut zu beherrschen. Er wollte seine Großmutter nicht beunruhigen, und auf keinen Fall sollte sein Vater merken, wie spielend leicht er seinen Sohn in Rage versetzen konnte.

„Du musst dich einfach mehr anstrengen“, verkündete sein Vater streng aus dem Krankenhausbett heraus.

Die Maschinen um das Bett herum piepsten und bewiesen Cade, dass sein herzloser Vater anscheinend trotzdem einen Herzschlag hatte.

„Du machst das doch jetzt schon seit Jahren. Wieso bist du noch nicht befördert worden? Zeig etwas Ehrgeiz, Junge. Häng dich rein.“

Es hörte einfach nicht auf. Cade betrachtete eingehend seine Schuhspitzen. Sein Vater dozierte immer weiter.

Cade wünschte sich, die Beruhigungsmittel würden etwas schneller wirken.

Zuerst hatte er beim Anblick seines Vaters Mitleid empfunden, doch das war innerhalb von fünf Minuten erloschen. Wieder einmal fragte Cade sich, ob seine verstorbene Mutter sich damals den Kopf gestoßen hatte, als sie eingewilligt hatte, einen Tyrannen wie Robert zu heiraten.

„Hörst du mir zu, Junge?“

„Ich bin es nicht, der hier medizinisch behandelt wird.“ Cade gab sich gut gelaunt und gelassen, weil er wusste, wie sehr sein Vater sich darüber aufregte. „Meine Ohren funktionieren einwandfrei.“

Durchdringend sah sein Vater ihn mit Augen an, die genauso grün waren wie die von Cade. „Ich war mir nicht sicher. Ständig explodieren Bomben und Granaten um dich herum. Dadurch verliert man das Gehör und Gehirnzellen.“

Cades Lächeln wirkte gezwungen. Nein, dachte er, das Einzige, was ich verloren habe, ist einer meiner besten Freunde. Aber das ist einem Mann wie Robert Sullivan natürlich egal.

„Ich kann es nicht fassen, dass du nicht längst Commander bist. Offenbar bringst du dich für einen höheren Posten nicht ins Gespräch. Willst du, dass ich hier in dem Wissen sterbe, dass mein Sohn seine familiäre Verpflichtung aufgegeben hat, ohne etwas dafür zu erhalten?“

Cade ballte die Fäuste. Der Puls pochte ihm in den Schläfen. Unwillkürlich trat er einen Schritt vor.

„Robert.“

Mehr brauchte es nicht. Ein Wort von Catherine reichte, und ihr Sohn sank wieder zurück auf das Kissen. Obendrein gab sie ihrem Enkel dadurch zu verstehen, dass er nicht auf die Provokationen seines Vaters eingehen sollte.

Cade fragte sich, wieso er überhaupt zurückgekommen war? Schon oft hatte er versucht, seiner Großmutter die Illusion auszutreiben, sie drei seien eine traute Familie.

Er musste hier raus. Am klügsten wäre es, wenn er Eden anrief und das Treffen mit ihr absagte. Es war ohnehin eine schlechte Idee gewesen, sich darauf einzulassen, zumal er sich ständig ausmalte, wie er ihr diesen pinkfarbenen Slip abstreifte.

„In ein paar Stunden komme ich zurück und hole dich ab“, sagte er zu seiner Großmutter.

Catherine tätschelte ihm die Hand. Abgesehen von dem besorgten Blick, mit dem sie ihr einziges Kind musterte, wirkte sie vollkommen ruhig.

„Du musst etwas für mich erledigen“, rief Robert, als Cade bereits an der Tür war. „Ich habe auf eines der Nachbargrundstücke ein Darlehen vergeben, mit dem Grundstück als Sicherheit. Jetzt ist herausgekommen, dass das Grundstück bereits mit einem Darlehen bei der Bank belastet war. Wenn die Bank wegen Zahlungsausfall das Grundstück beansprucht, bekomme ich mein Geld nicht zurück. Deshalb musst du die Summe eintreiben, bevor es dazu kommt.“

Da es lediglich zwei Nachbargrundstücke gab, von denen eines Cades Großmutter gehörte, war Cade klar, dass Robert vom Land der Gillespies sprach.

Langsam drehte Cade sich wieder zum Bett seines Vaters um. „Für solche Aufgaben stehe ich nicht zur Verfügung.“

„Wenn die Bank sich das Grundstück schnappt, verliere ich mein Geld, und die kleine Gillespie verliert ihr Haus.“

„Eden hat sich von dir Geld geliehen?“

„Eleanor.“ Robert achtete nicht auf die erstaunten Blicke seines Sohns und seiner Mutter. „Sie hat immer wieder versucht, mir ihre selbst getöpferten Sachen zu verkaufen. Erotische Kunst nennt sie es. Irgendwann habe ich mich auf das Darlehen eingelassen, damit sie mich in Ruhe lässt. Jetzt ist sie verschwunden und bezahlt ihre Schulden nicht.“

„Weiß Eden davon?“

„So unzuverlässig wie Eleanor ist, bezweifle ich das. Ich wollte Eden gerade mitteilen, dass sie für die Schulden ihrer Mutter einstehen muss, als das hier“, er deutete auf die medizinischen Geräte, „passiert ist. Seitdem bin ich in meinem Aktionsradius etwas eingeschränkt.“

„Du würdest der Frau ihr Haus wegnehmen, die vor deinen Augen aufgewachsen ist und dir Kekse gebacken hat?“ Cade deutete auf die Schachtel mit der roten Schleife und der Genesungskarte.

„Die Bank wird ihr das Haus wegnehmen. Ich will nur, was mir zusteht.“ Verärgert stützte Robert sich auf einen Ellbogen. „Eleanor hätte sich nichts leihen sollen, wenn sie es nicht zurückzahlen kann. Das ist ihre Schuld, nicht meine.“

„Aber du bist es, der Eden jetzt aus ihrem Zuhause vertreiben will.“

„Das tut die Bank, Cade! Ich liege hier nur, pinkle in einen Schlauch und will meine zehn Riesen zurück.“

Ob sein Vater sein Geld verlor, war Cade egal. Aber dem verwahrlosten Grundstück nach zu urteilen, fehlte Eden das Geld für Reparaturen. Folglich würde sie auch seinen Vater nicht auszahlen können. Und die Bank ebenfalls nicht.

Am liebsten wollte er auf der Stelle zurück nach San Diego fliegen. Zum ersten Mal seit Phils Tod sehnte er sich nach einer neuen, gefährlichen und anstrengenden Mission.

„Cade.“ Über das Surren der Geräte hinweg erklang $2,$3$4Catherines ruhige Stimme. „Niemand darf dem lieben Mädchen dieses Grundstück wegnehmen. Darum kümmerst du dich, bis Eleanor zurückkommt und ihre Schulden bezahlt, nicht wahr?“

Cade seufzte. Wie machte seine Großmutter das bloß? Sie wurde nie laut, und trotzdem konnte ihr niemand widersprechen. „Natürlich kümmere ich mich darum“, versprach er leise.

Wie könnte er auch zulassen, dass Eden aus dem Haus geworfen wurde, in dem ihre Familie seit etlichen Generationen lebte? Wenn er sie als seine neue Mission sah, half ihm das vielleicht auch, die Finger von ihrem sexy Po zu lassen.

4. KAPITEL

„Ist das zu schlicht?“

Vor dem Spiegel drehte Eden sich von einer Seite zur anderen. War das geliehene Kleid sexy? Oder nuttig? Albern?

Bev neigte den Kopf zur Seite. „Solltest du dir nicht eher Gedanken darum machen, ob du dir lieber Unterwäsche anziehen solltest?“

Eden packte ihren Po. Ein Glück! Der Stoff reichte bis zum Oberschenkel. Wütend sah sie zu ihrer Freundin. „Ein Tanga zählt auch als Unterwäsche.“ Eden wollte den Look des süßen schwarzen Rocks nicht durch Linien vom Slip ruinieren. Der Rock saß wie angegossen, und in der schwarzen Bluse mit den Rüschen und den weiten Ärmeln fühlte sie sich wie eine sexy Poetin.

Kein schlechter Look für ein paar Drinks, die kein Date sind, dachte sie und beugte sich dichter zum Spiegel, um ihr Make-up zu überprüfen. Smokey Eyes, ein bisschen Pink auf den Lippen, ein leichter Schimmer auf den Wangenknochen und etwas Mascara. Sie sah sich noch ähnlich, aber gleichzeitig auch verändert aus. Genau, was sie sich erhofft hatte.

Dies war ihre Chance auf Erotik! Cade Sullivan sollte sie nicht nur als hilfloses Haustier sehen, das ständig vom Baum geholt werden musste.

„Und?“ Erwartungsvoll drehte sie sich zu Bev um, die im Schneidersitz auf Edens Bett saß und die Stirn runzelte.

„Du siehst toll aus.“

Durch die offenen Fenster schien die Abendsonne in Edens Schlafzimmer, und von der Scheune her war ab und zu ein Bellen zu hören. Dort hielt Eden drei Hunde im Zwinger. Die baufällige Scheune war ihre Tierarztpraxis, und den ganzen Nachmittag lang hatte Eden sich dort ausgiebig um die Hunde und die Ziege gekümmert, weil sie später am Abend nicht mehr nach den Tieren sehen konnte.

Denn bei ihrer Rückkehr würde es – das hoffte sie inständig – schon zu spät sein.

„Cade scheint ein richtig netter Kerl zu sein. Willst du wirklich mit ihm ausgehen? Für Kenny ist das Date mit dir nicht so gut gelaufen.“

Eden betrachtete ihr Haar und fragte sich, was sie mit ihrer langweiligen Frisur anstellen sollte. „Als SEAL ist Cade darauf trainiert, sich gefährlichen Situationen zu stellen.“

„Trotzdem halte ich es für keine gute Idee.“ Bev verzog das Gesicht. „Ich denke nur an das, was die Frauen gestern gesagt haben. Die Groupies von diesem Kerl haben sogar einen eigenen Club gegründet. Ist das wirklich die Art von Mann, mit der du ausgehen willst?“

Ja, verdammt! Eden wollte eine Cade-ette sein, damit die anderen Frauen nicht mehr die Augen verdrehten, wenn sie ihren Namen erwähnten. „Es ist doch nur ein Drink unter Freunden.“

„Er hat dich geküsst.“

Ihr wurde am ganzen Körper heiß. Die halbe Nacht lang hatte sie geglaubt, seine Lippen auf ihren zu spüren. Sein männlicher Duft hatte sie eingehüllt, und wenn sie die Augen schloss, konnte sie ihn wieder riechen. „Das war nur ein kleiner Schmatzer in aller Freundschaft. Bei einem echten Kuss sind die Zungen im Spiel“, erwiderte sie, obwohl sie ziemlich sicher war, dass Cade auch nur mit den Lippen ihr Blut zum Kochen bringen konnte.

Schnell versuchte sie abzulenken, bevor sie rot wurde und damit offenbarte, wie sehr sie sich nach Cade sehnte. „Ich trinke was mit ihm. Das wird mir aus der Klemme helfen, in der ich gerade stecke.“

Auf Bevs fragenden Blick hin fuhr Eden fort: „Die Bank erwartet, dass ich für das Darlehen, das meine Mom aufgenommen hat, die fälligen Zahlungen leiste.“

„Und?“

„Die Leute werden Cade und mich zusammen sehen und darüber reden. Alle wollen Details erfahren, aber niemand will neugierig wirken. Da werden sie ganz beiläufig Termine bei mir machen, damit ich mir ihre Haustiere ansehe. Oder die Tiere von ihrer Mom oder vom Nachbarn.“ Das stimmte zwar alles, aber es hatte nichts damit zu tun, dass sie mit Cade ausgehen wollte.

„Du benutzt den armen Kerl, um Kunden in deine Praxis zu locken?“ Angewidert sah Bev sie an.

Eden hörte auf, ihr Haar aufzuwickeln und erwiderte im Spiegel Bevs Blick. Nein, sie wollte kein Date mit ihm, weil er mit Nachnamen Sullivan hieß. Sie wollte Cade verführen, ausziehen, ihn vor Lust verrückt machen und dann eine so fantastische Nacht mit ihm verbringen, dass er sie nicht mehr als das niedliche, ungeschickte Mädchen von nebenan sah, sondern als sein aufregendstes Sexerlebnis.

Sie wollte wilden, unvergleichlichen Sex erleben und herausfinden, ob all diese Gerüchte über seine Fähigkeiten stimmten. Sie wollte eine Cade-ette sein, auch wenn das außer ihm und ihr niemand jemals erfahren würde.

Sie nutzte Cade nicht wegen seines Nachnamens aus, um ihren gesellschaftlichen Stand aufzubessern. Aber wenn Bev erfuhr, was Eden wirklich vorhatte, würde sie versuchen, es ihr auszureden.

„Nur ein paar Drinks“, sagte sie schließlich. „Wie sehr kann man jemanden ausnutzen, indem man ein Bier mit ihm trinkt?“

„Du trinkst kein Bier.“

„Aber Cade.“ Eden schnaubte, als sie Bevs Blick bemerkte. „Okay, ich weiß, was er gern trinkt. Na, und? Du trinkst Cola mit Rum, Janie trinkt Cosmopolitans, Crystal mag gespritzte Limonade, und Mrs. Winters ist verrückt nach Kahlua. Was ist daran besonders?“

„Woher weißt du das alles?“ Erstaunt richtete Bev sich auf und kam zu Eden, um ihr bei der Frisur zu helfen.

„Bei den Frühlingsbällen lande ich früher oder später immer hinter dem Tresen.“ Sie zuckte mit den Schultern, als würde es ihr nichts ausmachen, seit der Sache mit Kennys gebrochenem Fuß kein Date mehr gehabt zu haben.

„Oh.“ Mehr sagte Bev nicht. Konzentriert flocht sie Eden zwei kleine Zöpfe an den Schläfen, steckte sie geschickt hoch, und schon hing Edens dichtes Haar nicht mehr langweilig herunter.

„Wow.“ Eden drehte sich von einer Seite zur anderen. „Cool. Lässig, sexy und immer noch ich. Wie machst du das bloß?“

„Ich bin einfach gut.“ Bev trat einen Schritt zurück, musterte die Frisur prüfend und hob dann die Schultern. „Lass mir einfach mal freie Hand. Kurzes Haar würde dir total gut stehen. Irgendwas Freches.“

„Ich bin nicht der Typ dafür“, wandte Eden ein. Obwohl sie sich das im Moment ziemlich gut vorstellen konnte. Hübsches Top, das leicht durchsichtig war, sodass man den roten BH erahnen konnte. Dazu der sexy Rock, der gerade so eng war, um sie zu zwingen, wie eine Lady zu sitzen, damit niemand ihren Tanga zu Gesicht bekam. Und dann die Schuhe! Sie sah zu den schwarzen Pumps mit den roten Sohlen und den weißen Punkten. Wie viele Schritte würde sie darin gehen können, ehe sie umknickte und sich irgendwas verrenkte?

„Flache Schuhe passen auch sehr gut zu dem Outfit.“

Bei Bevs besorgtem Blick musste Eden lächeln. Ein paar Bänderdehnungen, ein gebrochener Knochen, und schon hatte eine Frau ihren Ruf weg. „Ich schaffe das schon. Du bringst mich ja hin, da brauche ich in den Schuhen nur vom Auto in den Club zu gehen und wieder zurück.“

„Wieso holt Cade dich nicht ab?“

„Er hat vorhin angerufen, dass wir uns etwas später treffen, weil er noch ins Krankenhaus zu seinem Dad muss. Da fand ich es praktischer, wenn wir uns in der Stadt treffen.“

„Dann ist das gar kein richtiges Date.“ Erleichtert seufzte Bev auf.

„Nein, nur zwei Freunde, dich sich auf einen Willkommensdrink treffen.“ Und hoffentlich war dieser Drink der Beginn einer heißen und intensiven Affäre.

Mit sehr vorsichtigen und langsamen Schritten betrat Eden eine Stunde später die Oceanside Bar wie eine Schönheitskönigin auf einem rutschigen Laufsteg.

„Eden?“

Ohne stehen zu bleiben, winkte sie den Bekannten am Tisch flüchtig zu und konzentrierte sich auf jeden nächsten Schritt. Ihr Knöchel knickte nach links weg, und sie hoffte, dass es niemand bemerkt hatte. Bev hatte recht gehabt. Flache Schuhe wären klüger gewesen.

„Eden?“

Diesmal klang es nicht geschockt, sondern männlich und voller Anerkennung.

Und Cade sah genauso gut aus, wie seine Stimme klang. Dunkle Jeans, dunkelgrünes Hemd und ein Lächeln, dessen Charme ihn zum heißesten Kerl in der ganzen Bar machte.

„Hi.“ Lächelnd strich sie ihm zur Begrüßung über den Arm. „Tut mir leid, dass ich etwas zu spät bin. Es gab da noch einen Notfall bei einem der Hunde. Nichts Gesundheitliches, er hat nur geheult. Ich wollte nicht, dass deine Großmutter sich gestört fühlt. Deshalb musste ich sie erst mal beruhigen. Die Hunde, meine ich.“

Sie sah ihm an, dass er ihr nur schwer folgen konnte. Hatte sie sich schon gleich zu Beginn lächerlich gemacht? Fast hätte sie entnervt aufgestöhnt.

„Also schön.“ Er lachte. „Ich habe uns einen Tisch besorgt. Setzen wir uns, dann kannst du mir das alles noch mal in Ruhe erzählen.“

Ihr Blick ging zu den gedämpft ausgeleuchteten, abgeschiedenen Sitzecken hinten in der Bar. Die waren alle besetzt.

„Gleich hier.“ Cade deutete zum mittleren Bereich der Bar, wo typischerweise Pärchen beim ersten Treffen saßen, wenn noch nicht klar war, ob einer von ihnen schnell wieder die Flucht ergreifen wollte.

Die Verführerin in ihr wollte sich in die Schmollecke verziehen, aber schließlich konnte Cade ja nicht ahnen, dass er verführt werden sollte. Noch nicht.

Deshalb ging sie voran zu dem Tisch und wiegte dabei dank der göttlich hohen Absätze bei jedem Schritt die Hüften etwas stärker als sonst. War der Rock vielleicht doch etwas kürzer, als sie geglaubt hatte? Als Cade ihr einen Stuhl vom Tisch zog und sie sich beim Hinsetzen dankbar lächelnd zu ihm umwandte, erkannte sie in seinem Blick brennende Lust.

Unwillkürlich presste sie die Schenkel zusammen. Mit so einem Blick sah ein Mann eine Frau an, wenn er drauf und dran war, ihr die Kleider vom Leib zu reißen.

Ihr stockte der Atem. Sollte sie sich zu ihm umdrehen, seine Schultern packen und mit Armen und Beinen seinen großen, muskulösen Körper umklammern? Sie wollte unbedingt den Kuss von gestern wiederholen, aber diesmal mit Zunge.

Verdammt, er sollte sich wünschen, er hätte sich einen Tisch in der hintersten Ecke ausgesucht!

Dann setzte er sich ihr gegenüber und lächelte sie so unverbindlich an, als habe er sich ausgemalt, sie nackt zu sehen, und sei nicht an mehr interessiert.

Die Kellnerin kam an den Tisch. „Hey, Eden, du bist also der Kumpel, mit dem Cade sich hier trifft. Was darf ich euch bringen?“

Sein Kumpel? Eden biss die Zähne aufeinander. Sollte sie sich jetzt einen „Sex on the Beach“ bestellen, damit es auch der Letzte begriff? Nach kurzer Diskussion mit sich selbst entschied sie sich für das Übliche. „Eine Granatapfel-Margarita, bitte.“

„Noch ein Bier.“ Cade hob seine Flasche, und sobald die Kellnerin gegangen war, schenkte er Eden wieder das freundlich-distanzierte Lächeln.

Erst gestern hatte es zwischen ihnen doch so geknistert! Und jetzt benahm er sich, als sei sie eine flüchtige Bekannte aus alten Zeiten.

Entschlossen reckte sie das Kinn vor. Sie wollte Cade Sullivan, und verdammt, sie würde ihn auch bekommen!

„Erzähl mal, was treibst du denn so in letzter Zeit?“ Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. „Highschool, College und was kam dann?“

„Du willst wissen, was ich seit meinem Highschoolabschluss vor sieben Jahren gemacht habe?“ Einen Augenblick lang hatte sie tatsächlich ihren Verführungsplan vergessen.

Zum Glück kam in der Sekunde ihre Margarita, und Eden riss sich innerlich zusammen. Anlegen, zielen und feuern, dachte sie. Erst mal anlegen.

Sie atmete tief durch und beugte sich in ihrer sexy Bluse nach vorn. Zielen.

„Weißt du eigentlich, was ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr getan habe?“, fragte sie in einem leisen sinnlichen Tonfall, in dem man sich Sexgeheimnisse und intime Wünsche anvertraute. In Gedanken sah sie Cade nackt vor sich, am See im Mondlicht, vielleicht ein bisschen gefesselt.

Er blinzelte, als sei er unsicher, was Eden als Nächstes tun würde.

Und Feuer!

„Ich war schon ewig nicht mehr nachts an den Klippen, um aufs Meer hinauszusehen.“ Der See war Cades privates Liebesnest, aber die Klippen waren nicht weit entfernt und standen allen zur Verfügung. Dort trafen sich die Pärchen.

Eine Sekunde lang ließ sie ihre Worte wirken, dann griff sie über den Tisch hinweg und ließ die Fingernägel sachte über Cades Handrücken gleiten. „Ich liebe das Donnern der Wellen bei Nacht, wenn sie machtvoll gegen die Felsen krachen. Das ist so wild und ursprünglich. Wann warst du das letzte Mal auf den Klippen, Cade? Wann hast du das letzte Mal diese … aufregende Kraft gespürt?“

Sie ergriff ihr Glas und umschloss den pinkfarbenen Strohhalm mit den Lippen. Ohne den Blickkontakt mit Cade zu unterbrechen, saugte sie.

„Hmm.“ Genießerisch seufzend schenkte sie Cade ein einladendes Lächeln, in das sie ihre heißesten erotischen Fantasien einfließen ließ und alles, was sie sich insgeheim zu ihrem Geburtstag wünschte, seit sie mit sechzehn Cade Sullivan das erste Mal nackt gesehen hatte.

Cade konnte nicht sagen, was da gerade geschah.

Eben noch war alles glatt gelaufen. Und dann reichte ein Augenaufschlag von Eden mit ihren langen Wimpern, und sein Körper stand vor Begehren in Flammen.

So sollte das absolut nicht ablaufen. Er hatte nicht geplant, hier mit einer Erektion im Wayfarers zu sitzen und auf die Frau scharf zu sein, die für ihn tabu war. Auf die Frau, die noch nicht wusste, dass sie seine Hilfe brauchte, um nicht ihr Haus zu verlieren.

Er musste sich räuspern, bevor er weitersprechen konnte. „Auf den Klippen war ich seit einer Ewigkeit nicht mehr.“

„Wie schade.“ Langsam strich sie sich eine Strähne ihres schimmernden Haars hinters Ohr. Immer noch sah sie Cade in die Augen, dann saugte sie wieder an dem Strohhalm.

Unwillkürlich leckte Cade sich die Lippen. Ob ihr Mund genauso gut schmeckte, wie er aussah?

Etwas berührte ihn am Bein. Erst nur ganz leicht, dann drückte sie etwas stärker mit dem Fuß an seine Wade. Fast wäre Cade von seinem Stuhl hochgesprungen.

Wann hatte er die Kontrolle verloren? Und seit wann war Eden eine Frau, die die Kontrolle an sich riss?

Und seit wann war dieser ganze Plan des Drinks unter Freunden so erregend geworden?

„Und? Wie läuft es beruflich bei dir?“ Er zog die Beine in sichere Entfernung zurück. „Du arbeitest mit Tieren, richtig? Bei einem Tierarzt oder so?“

„Ich bin der Tierarzt.“

„Wirklich? Du bist Tierärztin?“ Das war doch ein unverfängliches Thema, das ihm obendrein weiterhalf, wenn er einen Weg finden wollte, wie Eden seinen Vater auszahlen konnte. „Kaum zu glauben.“

„Wieso? Meinst du, ich sei zu ungeschickt, als dass in meiner Nähe etwas überleben könnte?“ Sie verdrehte die Augen. „Nur weil ich ein bisschen ungeschickt bin, bedeutet das doch nicht, dass ich in meinem Job keine gute Arbeit leiste.“

Autsch. Das schien ein wunder Punkt zu sein. Sie sollte nicht denken, dass er sie so sah wie alle anderen. „Das habe ich damit nicht gemeint. Ich meinte damit nur, dass du dafür noch sehr jung bist.“

„Nach meinem Abschluss vor einem Jahr habe ich noch ein sechsmonatiges Praktikum in Sacramento gemacht, bevor ich meine eigene Praxis eröffnet habe.“ Sie schob das Kinn vor. „Ich behandle Kleintiere. Zum Großteil Hunde und Katzen.“

„Und was ist mit der Ziege, die ich gestern auf deinem Grundstück gesehen habe?“

„Das ist Jojo.“ Sie zögerte kurz, dann zückte sie ihr Smartphone und zeigte ihm ein Bild von der Ziege und einem älteren Mann. „Sie gehörte Lloyd Flanders. Als er vor ein paar Monaten gestorben ist, wusste niemand, was man mit ihr anfangen sollte. Seitdem lebt sie bei mir.“

„War er ein Freund von dir?“

„Er war ein grantiger alter Kerl. Hat in einem Pflegeheim gelebt und eine Ziege als Haustier gehabt.“ Als sie auflachte, sah sie für Cade erotischer aus als beim Saugen an dem Strohhalm. „Ich arbeite ehrenamtlich für eine Organisation, die Tiere und ältere Menschen zusammenbringt. Ein Haustier lässt Senioren weiterhin am Leben teilhaben. Sie bringen Freude, schenken Zuneigung, aber wenn ihr Herrchen oder Frauchen stirbt, trauern sie genau wie Menschen und brauchen ein neues Zuhause.“

Unwillkürlich senkte er den Blick auf sein Bier. Den Schmerz, jemanden zu verlieren, kannte er gut. Diese verzehrende Leere in der Seele wirkte, als würde sie sich niemals wieder auffüllen lassen. Auf einmal empfand er tiefes Mitgefühl mit Edens Ziege.

„Ich wollte dich nicht langweilen.“ Eden strich ihm über die Hand. „Mir ist klar, dass nicht alle Menschen Tierfreunde sind.“

„Du langweilst mich überhaupt nicht.“ Im Gegenteil. Sie hatte ihn auf eine Idee gebracht. Wenn er seine Großmutter dazu bringen konnte, ein Haustier zu adoptieren und es von Eden als Tierärztin betreuen zu lassen, würden bestimmt auch einige von Catherines Freundinnen ihrem Beispiel folgen.

Allerdings musste er Eden zuvor von dem Darlehen erzählen. Im Moment hätte er sich lieber einer Guerilla-Truppe gestellt. „Wie geht’s deiner Mutter denn so?“, fragte er als Einstieg ins Thema und bemerkte sofort die Wut, die in Eden aufstieg. Sie sah aus, als hätte sie am liebsten den brennenden Docht von der Kerze auf dem Tisch abgebissen.

Hastig kehrte er zum Thema Haustiere zurück, indem er sich nach der Katze erkundigte, die sie am Vortag vom Baum gerettet hatte.

Zehn Minuten darauf konnte er kaum noch glauben, dass nicht jeder Mensch ein Tierfreund war. Ganz offensichtlich war es immer nur ein Vorwand, doch ständig kamen Leute an ihren Tisch, um sich bei Eden irgendeinen Ratschlag für ihr Haustier zu holen oder um sie nach ihren Öffnungszeiten zu fragen. Im Grunde wollten alle nur herausfinden, wieso sie beide hier zusammensaßen.

Anscheinend war dies nicht der geeignete Ort, um mit Eden über ihr Darlehen zu sprechen. „Möchtest du gehen? Irgendwohin, wo wir mehr Ruhe zum Unterhalten haben?“

Eine Sekunde lang biss Eden sich auf die Lippe, dann ließ sie die Unterlippe wieder vorgleiten, sodass sie verführerisch schimmerte. Sie schlug die Wimpern nieder und wurde leicht rot, bevor sie nickte.

Da war es wieder, das süße Mädchen von nebenan. Cades erregende Anspannung ließ etwas nach.

Dann hob sie ihren Drink und saugte wieder genüsslich an dem Strohhalm, und Cade war überzeugt davon, dass es nicht gesund sein konnte, wenn ihm das Blut dermaßen in sein Glied strömte.

„Ja, ich würde gern mit dir irgendwo anders hingehen.“ Sie stellte das leere Glas ab und warf ihm wieder diesen verführerischen Blick zu, der ihm verriet, dass sie ihn, sobald er ihr nachgab, vor Lust auf die Knie zwingen würde.

Alles in ihm sehnte sich danach, sich darauf einzulassen, aber sich mit anständigen Mädchen wie Eden auf sündige Spiele einzulassen, war für ihn tabu, weil es Verpflichtungen und Erwartungen nach sich zog.

„Ich war schon lange nicht mehr an den Klippen“, sagte sie leise, als sie aufstand und sich ein bisschen reckte, damit ihr Körper sich unter dem weichen Stoff der Bluse abzeichnete. „Wieso fahren wir zwei nicht hin und sehen uns an, wie sie jetzt aussehen?“

Oje. Cade konnte nur blinzeln.

5. KAPITEL

Eden konnte ihre Vorfreude kaum unterdrücken. Sie schenkte Cade ein strahlendes Lächeln, als er am Eingang des Pfads parkte, der zu den Klippen führte.

Dies war ihre Chance. Sie rief sich all ihre sinnlichen Fantasien und jeden Verführungstrick ins Gedächtnis, den sie jemals in erotischen Romanen gelesen hatte.

Als er ihr die Beifahrertür öffnete, sorgte sie dafür, dass sie beim Aufrichten seinen großen festen Körper streifte. Ihn an ihren weiblichen Kurven zu spüren, fühlte sich wie ein erotischer Stromschlag an.

Cade war so umwerfend sexy! Vor Lust wurde sie feucht. Leicht atemlos lehnte sie sich an den Wagen „Was für ein wundervoller Abend, findest du nicht?“

Ich kann damit umgehen, sagte sie sich. Ein Mann wie er ist Neuland für mich, aber ich lerne schließlich schnell.

„Fantastisch.“

Dabei sah er jedoch nicht zu den Sternen oder zu den Klippen, sondern nur in ihre Augen.

Wow! Sie atmete tief durch. Leicht nervös lächelte sie ihm zu und ging in Richtung Klippen. Leider knickte sie sofort um.

„Vorsicht.“ Lachend ergriff er ihre Hand und führte Eden fürsorglich zum Aussichtspunkt.

Der perfekte Gentleman!

Ob er beim Sex auch so umsichtig ist?, fragte sie sich unwillkürlich. Lässt er die Frau zuerst kommen? Was muss passieren, damit er vor Lust die Fassung verliert?

Oder ruinierte sie mit diesem Spiel womöglich alles, was zwischen Cade und ihr war? Ihren Helden und Retter zu enttäuschen und dadurch für immer zu verlieren, wäre für sie das Schlimmste.

Die Gefahr, dass einer von ihnen sich einen Knochen brach, bestand immer. Bei ihrem Talent endete dieses Treffen vielleicht damit, dass sie beide über die Klippen in die Tiefe stürzten. Aber wer könnte besser mit so einem Risiko umgehen als ein ausgebildeter SEAL? Sie wollte Cade, da durfte sie nicht feige und ängstlich sein.

„Es kommen nicht mehr viele Leute hierher.“ Behutsam ging sie im Mondlicht einen überwucherten Pfad entlang, und ihre Worte wurden vom Donnern der Wellen an den Klippen fast übertönt. „Weiter nördlich ist der Ausblick noch schöner, und der Weg ist nicht so steil, aber mir gefällt es hier besser.“

Leicht zurückhaltend lächelte er. „Weil hier keine Touristen herkommen? Oder weil die Natur hier wilder und ungezähmter gedeiht?“

Lachend packte sie seine Hand fester, als er ihr über den Baumstamm half, der den Parkplatz von einer Grasfläche trennte. „Weil die Pärchen sich hier zum Rummachen treffen.“

Auch sein Griff wurde stärker, als wolle er sie jeden Moment an sich ziehen, doch dann ließ er Edens Hand los und deutete charmant lächelnd nach vorn, um ihr den Vortritt zu lassen.

Unser SEAL hat sich gut im Griff, dachte sie, aber ich habe noch mehr Pfeile im Köcher. Ich muss nur seine wunde Stelle finden, damit er die Selbstbeherrschung verliert und sich gehen lässt.

Fast so, als ob das Schicksal ihren Plan auf die Probe stellen wollte, blieb sie an einer Wurzel hängen. Sie stieß die Luft aus und geriet ins Straucheln.

Cade fing sie auf, bevor sie fallen konnte, und zog sie an sich. „Stütz dich auf mich.“

Eng schmiegte sie sich an ihn und atmete die Meeresluft und den Duft von Cades Rasierwasser ein.

In seinen muskulösen Armen fühlte sie sich geborgen, und ihr schossen die ausgefallensten Sexstellungen durch den Kopf. Für einen Mann mit einem Körper wie Cade war nichts unmöglich.

War das verrückt oder unmoralisch, einen Mann nur für Sex zu wollen? Eden wollte unbedingt ihre Fantasien ausleben. Nur dieses eine Mal mit Cade, sagte sie sich, bevor ich mich wahrscheinlich für immer von ihm verabschieden muss.

Wie lebte Cade überhaupt, wenn er nicht gerade auf einem heldenhaften Einsatz unterwegs war? „Verbringst du viel Zeit am Meer? Wahrscheinlich bekommst du in deinem Job genug Wasser zu sehen.“

Er zog die Schultern hoch, und Eden genoss es sehr, denn dabei streifte seine Brust seitlich eine ihrer Brüste. Ihre Nippel richteten sich augenblicklich auf, und ihr Magen zog sich vor Verlangen zusammen.

„Früher war ich mit ein paar Kumpels oft am Strand. Phil kam aus dem Mittleren Westen. Er hat sich am Meer immer gefühlt wie ein kleines Kind im Süßwarenladen.“

Seinen leicht wehmütigen Tonfall konnte sie sich nicht erklären.

„Und war er die Süßigkeiten irgendwann leid?“, fragte sie scherzhaft, als sie oben auf den Klippen ankamen. Tief unter ihnen rauschte das Meer. „Oder konntet ihr all die Schönheiten in ihren knappen Bikinis irgendwann nicht mehr ausstehen, die sich euch an den Hals geworfen haben?“

An der Schulter spürte sie, dass er leise lachte.

„Wird man das jemals leid?“

Er klang belustigt, aber auch bedrückt.

„Abgesehen vom Job, gehe ich heutzutage nicht mehr oft an den Strand“, gab er schließlich so leise zu, dass Eden seine Worte kaum hörte. „Letztes Jahr haben wir Phil bei einem Routine-Einsatz verloren. Er bekam einen Granatsplitter in den Kopf. Er ist gestorben, ohne etwas davon zu spüren.“

Entsetzt umfasste sie seine Taille.

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