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TIFFANY EXTRA HOT & SEXY BAND 83

AlTonya Washington, Kira Sinclair, Grace Octavia, Kelly Stevens

TIFFANY EXTRA HOT & SEXY BAND 83

ALTONYA WASHINGTON

Unsere unbezähmbare Lust

Heiß lodert das Feuer der Lust, als Filmstar Viva mit ihrem faszinierenden Ex-Freund Rook in den Bergen eingeschneit ist. Doch kann er ihr jemals verzeihen, dass sie ihn einst verlassen musste?

KIRA SINCLAIR

Eine sinnliche Bescherung …

Damit Tatum ihm mehr als nur eine erregende Nacht der Leidenschaft schenkt, muss Evan sich seiner Vergangenheit stellen. Nur was, wenn er sie dadurch erst recht verliert? Er ist hin- und hergerissen …

GRACE OCTAVIA

Unter der Sonne von Bali

Für Adan gibt es nur eine Traumfrau: seine Jugendliebe Zena! Gelingt es ihm, sie erneut zu verführen und für sich zu gewinnen? Oder bleiben sinnliche Nächte auf Bali für immer eine erregende Fantasie?

KELLY STEVENS

Ein sexy Surfer – oder mehr?

Die bodenständige Irin Gracie ist zum Kochen in Sydney – nicht, um sich in ein Sexabenteuer mit einem durchtrainierten Surfer zu stürzen! Aber leider ist der coole Matthew einfach zu unwiderstehlich …

Unsere unbezähmbare Lust

PROLOG

Philadelphia, PA

„In ihr steckt mehr als eine zweitklassige Schauspielerin, die Werbung für Blödsinn macht, Rook. Und sie hat auch definitiv mehr verdient!“

Rook Lourdess merkte, wie sich bei diesen Worten seine Finger fast zu einer Faust zusammenballten. Er hatte sich angewöhnt, so etwas sofort zu registrieren und sich dann innerlich zu beruhigen. Bei Murray Dean, der ihm gerade gegenüberstand, fiel es ihm allerdings schwer.

Früher waren sie Freunde und Geschäftspartner gewesen. Doch Murray hatte eine andere Auffassung von Loyalität als Rook.

„Was bekommst du dafür, dass du dich für sie einsetzt?“, fragte Rook, nachdem er einen tiefen Atemzug genommen hatte.

Murray zuckte mit den Schultern. „Nichts.“

„Du meinst, dass du momentan noch nichts dafür bekommst.“

Die Muskeln an Murrays Kiefer spannten sich deutlich an. „Rook, ich bin nicht blind. Und Viva ist es auch nicht. Sie muss diese Chance nutzen, verstehst du das nicht?“ Er lehnte sich an die Wand des Flurs und deutete lässig mit dem Daumen in Richtung der großen Halle, in der die Party des Abends stattfand.“ Er lächelte schlau. „Was ist falsch daran, dass sie auf einem dieser langweiligen Events einen den bekanntesten Filmproduzenten des Landes trifft und sich mit ihm unterhält? Ich habe nichts weiter getan, als ihr ein paar Türen zu öffnen. Du solltest dich für sie freuen.“

„Das würde ich“, presste Rook hervor. „Wenn ich nicht das dumpfe Gefühl hätte, dass du ein falsches Spiel spielst.“

„Warum sollte ich das tun? Was hätte ich davon?“

Rook schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Aber ich kenne dich. Du machst nichts, ohne dabei deinen eigenen Vorteil im Blick zu haben.“

Murray pfiff leise durch die Zähne. „Oh, sind wir wieder bei den alten Geschichten?“

„Du meinst die Geschichte, in der du meine Sicherheitsfirma verlassen und alle meine Mitarbeiter dazu angestiftet hast, es dir gleichzutun? Und bei dir neu anzufangen? Ja, eventuell hat das meine gute Meinung von dir ein wenig getrübt.“

Murray lachte leise. „Wie du weißt, hat keiner von den Jungs mein Angebot angenommen. Was also ist das Problem? Du weißt jetzt, dass du jede Menge verlässliche Mitarbeiter beschäftigst.“

„Ja, sie sind alle sehr loyal. Bis auf einen. Denjenigen, von dem ich es nicht erwartet hätte, dass er mir jemals in den Rücken fällt.“

„Wirfst du mir vor, dass ich vorankommen möchte?“

„Nein. Ich werfe dir vor, dass du es auf Kosten meiner Firma tun wolltest. Du neigst dazu, mir wegnehmen zu wollen, was zu mir gehört.“

So wie jetzt auch Viva … Viva Hail war seit vier Jahren Rooks feste Freundin. Und sie war eine begabte, aufstrebende Schauspielerin. Das nutzte Murray jetzt für seine Zwecke aus.

Murray musterte ihn amüsiert. „Muss ich mich jetzt vor dir in Acht nehmen, nur weil ich Viva bei ihrer Karriere helfe?“ Er schüttelte den Kopf und seufzte leise. „Weißt du, Viva war sehr aufgeregt, als ich ihr gesagt habe, dass ich ihr Fritz Vossler vorstellen möchte. Seine Produktionsfirma ist immerhin das Maß aller Dinge. Und sie hat es dir nicht erzählen wollen. Weil sie wusste, dass du etwas dagegen haben würdest. Offenbar hatte sie recht damit.“

Rook straffte sich. In seinen Hosentaschen ballten sich die Hände zu Fäusten. „Du musst Viva ja sehr gut beobachtet haben, wenn du das alles so genau zur Kenntnis genommen hast.“

„Oh, dafür braucht es nicht viel Beobachtungsgabe. Viva war sehr erleichtert, als du dich vorhin deinen anderen Gästen zugewandt hast und sie endlich mit Vossler allein sprechen konnte. Ohne dass du wie ein eifersüchtiger Wachhund danebengestanden hast.“

„Murray.“

Rook und Murray drehten sich um, als sie die sanfte, aber eindrucksvolle Frauenstimme vernahmen. Viva stand nur wenige Meter von ihnen entfernt. Sie blickte Murray an und gab ihm mit einem Kopfschütteln zu verstehen, dass sie nicht begeistert von seinem Gespräch mit Rook war.

Murray seufzte und stieß sich von der Wand ab. „Nun gut. Ich habe nur helfen wollen. Aber ihr beide macht das schon.“ Er nickte Rook betont freundlich zu und strich Viva leicht über den Arm, als er an ihr vorbei zurück zur Partygesellschaft ging. „Du findest mich an der Bar.“

Rook wandte sich an Viva, sobald Murray außer Sichtweite war. „Sei ehrlich zu mir, Viva. Habe ich irgendetwas getan, das dich verärgert hat? Warum sprichst du nicht mit mir über die Dinge, die dich bewegen? Sondern mit Murray? Seit wann seid ihr so gut befreundet?“

Viva seufzte leise. „Du hast nichts falsch gemacht. Es gibt nur manche Dinge, bei denen ich nicht sicher bin, ob du sie wirklich für mich möchtest. Und Murray und ich sind nicht gut befreundet. Wir haben nur mehr miteinander zu tun, seit er als Manager für den Sicherheitsdienst bei Fritz Vossler Productions arbeitet.“

Rook unterdrückte ein verächtliches Schnauben. Er hatte vor einigen Wochen mitbekommen, dass Murray diesen Job an Land gezogen hatte. Und ja, das musste man dem Mistkerl lassen, er war einer der besten Auftraggeber im Land.

„Und was hat das mit dir zu tun?“, hakte er nach.

Viva legte den Kopf schief. „Vosslers Produktionsfirma ist immer auf der Suche nach jungen Talenten. Und jeder, der Teil der Agentur ist, kommt natürlich auch mit den restlichen Firmenmitarbeitern in Kontakt.“

„Noch einmal: Was hat das mit dir zu tun?“

„Vossler hat mich in seine Künstlerkartei aufgenommen.“

„Wie bitte? Wann?“

Viva lächelte matt. „Es ist schon einige Wochen her.“

Rook hatte das Gefühl, als würde ihm jemand den Boden unter den Füßen wegziehen. „Einige Wochen? Warum hast du mir nichts davon erzählt?“

„Ich habe auf den richtigen Zeitpunkt gewartet … Es ist nicht ganz einfach.“

Rook lachte bitter. „Was ist daran nicht ganz einfach? Du bist in die Künstlerkartei einer der besten Produktionsfirmen überhaupt aufgenommen worden und erzählst mir nichts davon, obwohl wir seit Jahren ein Paar sind. Steckt da noch mehr dahinter?“

Viva zögerte kurz. „Vossler hat mir eine Rolle angeboten. In einem Film. Die Dreharbeiten beginnen in zwei Wochen. In … Rio.“

Rook starrte Viva an. „Wow. Brasilien. Gratuliere.“

„Rook …“

„Und wie lange wirst du fort sein?“

„Fünf Monate“, sagte Viva sanft. „Direkt nach dem Dreh geht es nach Los Angeles, wo der Film nachbearbeitet wird.“

Rook machte einige Schritte auf Viva zu. „Dann wirst du noch viel vorbereiten müssen“, sagte er. „Wenig Vorlauf für eine so lange Reise. Du brauchst ein Visum, musst klären, wie du das mit deinem Job in der Zeit machst, und wahrscheinlich ja auch den Reisepass aktualisieren lassen?“

Viva lächelte ein wenig traurig. Sie wusste, worauf er hinauswollte. „Ich habe mich um all das bereits gekümmert“, sagte sie.

„Und in all dieser Zeit gab es keine Gelegenheit, um mir etwas davon zu erzählen?“

„Ich wusste einfach nicht, wie ich es sagen sollte.“

Rook lachte bitter auf. „Du wusstest nicht, wie? Du liebe Güte, Viva! Ich schätze, wir haben da ein noch größeres Problem, als ich befürchtet hatte!“

„Ich möchte nicht, dass diese Veränderungen unsere Beziehung zerstören.“

Rooks Herz zog sich schmerzlich zusammen, als er in Vivas Stimme wahrnahm, wie besorgt sie wirklich war. Doch das änderte nichts an der absoluten Absurdität der Lage. „Viva, natürlich wird es unsere Beziehung beeinflussen. Du bist ein halbes Jahr im Ausland und weißt nicht, wie du es mir sagen sollst? Da stimmt doch noch etwas ganz anderes nicht mehr in unserer Beziehung!“

„Ich muss diese Chance aber wahrnehmen, Rook. Ich habe jahrelang darauf hingearbeitet.“

„Ja, das weiß ich. Und klar, du willst nicht immer nur Werbespots drehen, wenn die große Filmkarriere wartet.“ Er seufzte schwer. „Ich verliere dich also an diese Filmfuzzis, ja?“

„Nein! Ich möchte wirklich, dass wir beide es schaffen!“ Viva legte ihre Hände an ihr Herz und machte einen Schritt auf Rook zu. „Es ist mir wichtig. Du bist mir wichtig. Wir kriegen das hin, wenn wir es beide wollen.“

Rook schloss kurz die Augen. „Viva, es stimmt doch schon lange nicht mehr zwischen uns. Wir sehen uns auch jetzt kaum. Ich arbeite viel, das macht es natürlich nicht einfacher.“ Er strich sich durch die dunklen Haare. „Eigentlich sind wir nur noch zusammen, weil du einen weniger fordernden Job hattest als ich. Und damit flexibler warst. Das ist jetzt wohl vorbei.“

Viva merkte, wie ihr ein kalter Schauer über die Haut lief. „Soll das heißen, es ist aus, wenn ich diesen Job beim Film wirklich annehme?“

„Stell jetzt nicht mich als den Buhmann hin, Viva. Du weißt selbst, dass es zwischen uns nicht mehr gut gelaufen ist. Wir haben nebeneinander her gelebt. Und jetzt sind wir wohl am Scheidepunkt angekommen.“

Viva wusste, dass Rook recht hatte. In den letzten Monaten hatten sie sich kaum noch gesehen. Die Arbeit hatte jede Nähe einfach aufgefressen. Und vielleicht ließ sich ihre Beziehung wirklich nicht mehr retten. Schon gar nicht mit der Aussicht auf die nächsten Monate in Brasilien.

„Wann fliegst du?“, hörte sie Rook leise fragen.

„Ende der Woche“, antwortete sie.

Rook blickte sie so enttäuscht und traurig an, dass Viva einen eisigen Druck um ihr Herz spürte. Und doch wusste sie, dass sie keine andere Wahl hatte. Sie konnte sich diese Chance nicht entgehen lassen.

Auch wenn die Entscheidung für ihre Schauspielkarriere das Ende ihrer Beziehung mit Rook bedeutete.

1. KAPITEL

Philadelphia, PA

Sechs Jahre später

Rook Lourdess wusste, dass sein Lachen durchdringend war, doch an diesem Abend schien es noch mitreißender als sonst durch den Abend zu klingen. Musik klang von der Party auf die Terrasse hinaus, auf die er sich zum Telefonieren zurückgezogen hatte.

„Das hört sich gut an“, sagte er in diesem Moment. „Sicher, dass ich nicht gebraucht werde?“

Er bekam eine Antwort und nickte. „Wunderbar. Ich bin gespannt, ob es klappt. Schick mir einfach die Informationen zu, sobald du sie hast, ja?“

Er pausierte kurz. „Ich warte noch auf die Rückmeldung aus Italien. Mal sehen, wann die sich melden. Wahrscheinlich irgendwann früh um 5. Die Zeitverschiebung … Aber das ist egal, ich würde gerne schnell alles unter Dach und Fach bringen.“

Erneut lachte er, als er die Antwort hörte. „Vergiss es! Du musst hier die Stellung halten! Keine Widerrede!“

Er verabschiedete sich von seinem Gesprächspartner und ließ das Handy in die Hosentasche gleiten. Dann atmete er tief durch, stützte sich auf das Geländer der Terrasse und blickte in die stille Nacht hinaus. Die Luft war lau, und bis auf die leise Hintergrundmusik von der Party war nichts weiter zu hören.

Gedankenverloren lächelte er in sich hinein.

Sein Leben war kurz davor, sich entscheidend zu verändern. Alles hing von dem Telefonat mit den Italienern ab, auf das er wartete. Wenn er es schaffte, sich gut zu präsentieren, konnte gar nichts mehr schiefgehen.

Doch um sicherzustellen, dass er bei dem frühen Telefonat auch in bester Verfassung war, sollte er diese Party jetzt besser verlassen und nach Hause fahren. Ein paar Stunden Schlaf konnten nicht schaden.

Er wollte sich gerade umdrehen, um sich auf den Heimweg zu machen, als er eine sanfte Stimme hörte.

„Italien? Wirklich?“

Rook blickte auf und sah Viva Hail in einem Sessel auf der Terrasse sitzen. Er hatte sie zuvor nicht bemerkt, weil die Ecke nicht beleuchtet war.

Rook fluchte innerlich. Es war nie gut, Viva zu sehen. In den letzten Jahren waren sie sich niemals mehr persönlich begegnet, aber inzwischen war sie im Fernsehen und auf Kinoleinwänden ständig präsent. Und jedes Mal, wenn er sie sah, zog sich sein Herz schmerzlich zusammen, und er brauchte eine Weile, um sich wieder zu sortieren.

Genau das, was er jetzt, vor diesem wichtigen Telefonat, nicht gebrauchen konnte.

„Hallo, V.“ Rook wunderte sich über den sanften Klang seiner Stimme. In seinen Ohren rauschte das Blut, und sein Herz schlug ihm bis zum Hals.

„Entschuldige, dass ich das Telefonat mitgehört habe“, sagte sie. „Es war nicht meine Absicht. Ich saß schon hier, als du rauskamst.“

„Na ja, es war ja auch nichts Geheimes.“ Er machte einige Schritte auf Viva zu.

„Geht es ums Business, oder besuchst du Italien zum Vergnügen?“ Viva schloss kurz die Augen, während sie diese Worte sagte. Vergnügen … Ja, das war bei Rook Lourdess immer garantiert gewesen. In jeder Hinsicht. „Entschuldige, ich möchte nicht neugierig sein.“

Rook musste grinsen. „Bist du auch fast gar nicht.“

„Also, wohin genau fährst du?“

„Belluno.“

„Ah, das ist bei Cortina. Eine wunderschöne Gegend. Und ganz zauberhaft zu dieser Jahreszeit.“

„Ja, das wurde mir auch schon gesagt.“ Rook vergrub die Hände tief in den Taschen seiner Hose und machte noch einige Schritte auf Viva zu. „Du scheinst dich dort auszukennen. Hat die Arbeit dich nach Italien geführt?“

Viva nickte. „Ja, ich hatte dort vor ungefähr einem Jahr Dreharbeiten. Es war sehr schön, ein tolles Team.“

„Und die Serie läuft auch gut, oder?“

Viva nickte erneut. „Ja. Viel besser als erwartet. Ich dachte, wir würden spätestens nach der vierten Staffel aufhören, aber es geht einfach immer weiter. Wahrscheinlich werden wir diese Agentenserie drehen, bis wir alle alt und grau sind.“

Rook lachte. Es klang sanft, weich und warm.

Viva räusperte sich. „Und dich führt auch der Job nach Italien?“ Sie musste einfach wissen, ob Rook privat unterwegs war oder nicht …

„Wie man es nimmt“, antwortete er. Weiter kam er nicht, denn in diesem Moment wurde die Flügeltür aufgestoßen, und Sophia Hail betrat die Terrasse. Ein breites Strahlen lag auf ihrem hübschen Gesicht.

„Da ist sie ja!“ Rook lächelte Sophia zu und umarmte sie. „Ich habe es schon gehört, herzlichen Glückwunsch! Das ist ein guter Abend für das Philadelphia Police Department!“

Sophia Hail, die kleine Schwester von Viva, war zu ihrer eigenen Überraschung befördert worden und jetzt Chief Detective. Rook hatte es bereits mitbekommen, da Sophias Verlobter, Santigo Rodriguez, einer seiner besten Freunde war.

„Danke schön“, erwiderte Sophia lachend. „Ich kann es selbst noch gar nicht fassen!“

Sophia und ihr Team hatten durch ihre Ermittlungen einen Geldwäscherring auffliegen lassen. Sie hatten hervorragende Arbeit geleistet, und die Beförderung war mehr als verdient.

Viva kam zu Rook und Sophia und umarmte ihre jüngere Schwester herzlich. „Gratulation auch von mir, Süße“, sagte sie. „Hast du jetzt Feierabend?“

„Ja“, sagte sie. „Aber morgen früh muss ich wieder zum Dienst.“ Sie sah Rook an und drückte sanft seinen Arm. „Meinst du, wir können morgen kurz miteinander reden?“

„Klar. Ich habe ein Telefonat mit Italien um fünf Uhr, aber sonst bin ich verfügbar.“

Sophia lachte. „Ganz so früh muss es nicht sein. Viel Glück für das Gespräch!“

„Danke, das kann ich gebrauchen.“ Er seufzte leise. „Ich sollte schon seit Stunden im Bett sein.“

„Ich ebenfalls“, sagte Sophia. „Ich muss auch früh raus. Lass uns einfach morgen telefonieren, okay?“

„In Ordnung.“

Sophia ließ den Blick zwischen Rook und ihrer Schwester hin und her schweifen. „Ich gehe dann mal wieder rein“, sagte sie.

Rook schüttelte den Kopf. „Nein, bleib noch. Ihr habt doch bestimmt viel zu bequatschen. Ich werde gehen, ich muss wirklich noch ein wenig schlafen.“

Er lächelte Viva zu. „Es war schön, dich wiederzusehen“, sagte er. „Wann reist du wieder ab?“

Viva zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es noch nicht genau.“

„Dann melde dich gerne noch mal, bevor du die Stadt wieder verlässt.“

„Versprochen“, erwiderte Viva.

Sie und Sophia blickten Rook nach, während er wieder ins Haus ging, um die Party zu verlassen.

„Er hat sich kein bisschen verändert“, sagte Viva leise.

Sophia lächelte. „Hattest du das erwartet?“

Viva seufzte. Über ihr hübsches, ebenmäßiges Gesicht glitt ein Schatten. „Ich habe immer nur gehofft, alles, was passiert ist, hat ihm nicht zu sehr zugesetzt. Sophia? Weißt du, ob er … also … Ist er liiert?“

Sophia blickte Viva an. „Keine Ahnung. Ich kann Tigo fragen, wenn du möchtest. Er ist sein bester Freund und weiß das sicher. Aber ich kann nur sagen, dass es seit dir keine Frau mehr in Rooks Leben gab. Also keine Frau, mit der er eine ernsthafte Beziehung geführt hat“, ergänzte sie schnell, als sie Vivas ungläubigen Blick sah.

Viva nickte. Möglich war alles, wenn es um Rook ging. Dass er aber seit ihrer Trennung wie ein Mönch lebte, konnte sie sich nicht vorstellen.

Er war einfach zu attraktiv, um nicht bei den Frauen landen zu können. Es fiel ihm immer leicht, die Aufmerksamkeit aller Menschen um sich herum auf sich zu ziehen. Er musste dafür gar nichts machen, es lag einfach an seinem natürlichen Charisma.

Sobald Rook einen Raum betrat, überstrahlte seine Präsenz einfach alles andere. Und Viva musste sich selbst gegenüber zugeben, dass sie auch jetzt noch, viele Jahre nach der Trennung, die Anziehung zu ihm nicht verleugnen konnte.

Rook wirkte stets wie ein Mann, der alles bekam, was er sich wünschte. Und das war einfach unglaublich sexy. Ganz abgesehen davon, dass er durchtrainiert war und mit seinen breiten Schultern und den klar definierten Oberarmen ganz sicher nicht nur sie sofort zum Schwärmen brachte.

Doch am faszinierendsten hatte Viva immer seine Augen gefunden. Ein Braun, in dem man sich verlieren konnte, sobald man Rooks Blick begegnete.

Und seine Lippen … Oh Gott, ja, dieser sinnliche Mund … Viva erinnerte sich nur zu gut daran, wie Rook mit seinen Lippen jeden Millimeter ihrer Haut erkundet und ihr damit unvergleichliche Lust geschenkt hatte.

Ein leises Stöhnen löste sich aus ihrer Kehle, und sie hoffte inständig, dass Sophia es nicht mitbekommen hatte.

„Bist du sicher, dass du ihn nicht doch noch abfangen willst?“, fragte diese im selben Moment. „Er ist sicher noch nicht bei seinem Auto angekommen.“

Viva schnaubte leise. „Darf ich dich bei solchen Bemerkungen schlagen, oder wandere ich jetzt dafür ins Gefängnis?“

Sophia grinste. „Ich werde darüber nachdenken.“

„Ich würde einen Anwalt finden, der sich um mich kümmert“, erwiderte Viva trocken.

„Sollte das nicht besser Rook übernehmen?“

Sie brachen beide in Gelächter aus. Viva war froh, dass dies, nach allem, was geschehen war, noch ging. Es war viel passiert, aber sie und ihre Schwester hatten immer zusammengehalten. Und das würde sich auch niemals ändern.

„Ernsthaft jetzt“, sagte Sophia. „Habe ich euch beide gerade bei irgendwas gestört?“

„Nur beim Smalltalk. Ich weiß nicht, ob das zählt.“

„Smalltalk kann der Beginn von ganz vielem sein.“

„Es ist wohl besser, alles so zu lassen, wie es ist“, sagte Viva mit einem leisen Seufzen.

„Nein, das denke ich nicht“, erwiderte Sophia bestimmt. „Manchmal muss Zeit vergehen, bevor man neu anfangen kann. Und dann kann es besser werden als jemals zuvor. Sieh Tigo und mich an, bei uns war es so.“

Viva musste lächeln. „Ja, das stimmt. Aber ich denke nicht, dass Rook und ich dieses Experiment wagen sollten.“

„Sicher? Rook ist ein echter Hingucker. Mich wundert, dass er hier nicht mit einer Handvoll Frauen im Schlepptau rausgegangen ist. Wo immer er auftaucht, liegen ihm die Mädels zu Füßen. Aber ich weiß, dass du ihm ganz sicher nicht egal bist. Sonst hätte er sich in den vergangenen Jahren anders verhalten.“

Viva schluckte schwer. „Es gibt Dinge, die ich ihm nicht zumuten möchte. Es ist besser, wenn er nicht erfährt, was ich alles getan habe.“

Sophia horchte auf. „Irgendetwas, das ich wissen sollte? Geht es um Murray?“

„Auch das ist so lange her …“ Viva atmete tief durch. „Es war zu Beginn meiner Karriere. Und ich bereue keinen der Schritte, die ich damals gegangen bin. Ich habe mich entschieden und die Konsequenzen getragen. All das war nötig, um so weit zu kommen, wie ich letztendlich gekommen bin.“

Sophia kreuzte die Arme vor der Brust. „Und nun willst du alten Entscheidungen die Macht geben, dich von dem Mann fernzuhalten, den du liebst?“

„Es ist sechs Jahre her!“

„Du willst also nicht zurück zu dem Mann, der dich noch immer liebt?“ Sie schüttelte den Kopf. „Bist du sicher, dass es das wert ist? Geht es überhaupt um Murray, oder ist da noch etwas anderes?“

Viva schluckte. „Murray war sehr hilfreich für meine Karriere. Das war mir von Anfang an klar, und deshalb habe ich meine Chance genutzt.“

„Die Sache hat nur einen kleinen Schönheitsfehler“, erwiderte Sophia ruhig. „Murray ist ein Krimineller.“

Das stimmte. Leider waren Murray seine Erfolge im Business zu Kopf gestiegen. Er war einer der Menschen, die niemals genug bekommen konnten. Und das hatte ihn zu falschen Entscheidungen getrieben.

Bedauerlicherweise blieben diese Entscheidungen auch nicht ganz folgenlos für die Menschen, mit denen er zu tun hatte.

„Versprichst du mir, dass du auf dich aufpasst?“, sagte Sophia in diesem Moment. „Ich meine es ernst, V.“

Viva biss sich auf die Unterlippe. „Okay. Versprochen. Mach dir keine Sorgen um mich. Und fang bloß nicht an, mich beschützen zu wollen, ja? Auch nicht nach dieser Beförderung!“

Sophia lächelte. „Gut. Aber nur, wenn du mir gegenüber die Diva im Schrank lässt.“

„Meine kleine Schwester. Knallhart.“

„Härter. Das willst du gar nicht wissen.“ Sophia lachte. „Immerhin bin ich eine Frau in der Hochzeitsvorbereitung. Perfektion ist mein zweiter Vorname, und ich werde sehr ungemütlich, wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle. Und du als meine Brautjungfer solltest gefälligst am Leben bleiben.“

Viva konnte nicht anders, als in Gelächter ausbrechen. Es war schön, dass Sophia jeder Lebenslage mit Humor begegnete. Auch wenn sie nicht sicher sein konnte, wie ernst die Situation wirklich war.

Rook parkte seinen Wagen und atmete tief durch. Er merkte, dass die Müdigkeit bleiern geworden war, doch wahrscheinlich würde er nicht besonders gut schlafen können. Die Begegnung mit Viva hatte ihn mehr berührt, als ihm lieb war.

Er hatte gewusst, dass sie in der Stadt war. Doch er hatte nicht damit gerechnet, dass das Wiedersehen ihn so aus der Bahn werfen würde.

Viva war noch immer die schönste Frau, die er kannte. Und ihre Ausstrahlung hatte mit den letzten Jahren noch an Strahlkraft zugenommen. Zugleich schien sie noch immer stets genau zu wissen, was in ihm vorging – ein empathischer Wesenszug, der ihn immer gleichermaßen fasziniert und erschreckt hatte. Wer war schon gerne ein offenes Buch für einen anderen Menschen?

Vor allem aber war Viva nicht einfach nur irgendein Mensch. Sie war die Frau, die er in seinem Leben wirklich geliebt hatte. Wie hatte er diese Liebe damals einfach wegwerfen können, indem er sich ihrer Karriere in den Weg stellte? Er konnte es heute nicht mehr nachvollziehen. Es war ein riesiger Fehler gewesen. Aber all das war lange her, und es gab keinen Weg mehr zurück.

Rook stieg aus dem Wagen und machte sich auf den Weg zu seiner Wohnung. Sie lag in einem eleganten Wohnkomplex, und er war jedes Mal froh, wenn er nach Hause kam. Sein Job brachte es mit sich, dass er unregelmäßige Arbeitszeiten hatte, und so sah er seine Nachbarn nur selten. Doch er fühlte sich gut in der Umgebung, in der er lebte.

Vielleicht lag das aber auch einfach daran, dass er gemeinsam mit Viva in dieser Wohnung gelebt hatte. Und dass es sich noch immer nach ihrer Wärme und Liebe anfühlte. Auch wenn die Beziehung Vergangenheit war.

Rook erinnerte sich noch gut daran, wie stolz Viva und er gewesen waren, als sie die Wohnung eingerichtet hatten. Sie kamen beide aus Arbeiterfamilien, und die elegante Umgebung war für sie der Beweis gewesen, dass sie es schafften, mehr aus ihrem Leben zu machen.

Ihre Familien hatten sich gemocht, und alles schien perfekt zu sein. Damals. Dann hatte Viva damit begonnen, in Jazzy B’s Gentlemen’s Club als Kellnerin zu arbeiten. Und war dabei einem Produzenten von Werbespots aufgefallen.

Das war der Anfang vom Ende gewesen. Und so sehr Rook Viva auch für ihre Karriere als Schauspielerin bewunderte – manchmal wünschte er sich, es wäre einfach alles so geblieben, wie es war. Mit der Liebe seines Lebens an seiner Seite.

2. KAPITEL

„Offenbar funktioniere ich am besten, wenn ich so gut wie gar nicht schlafe.“

Burt Larkin lachte. Er kannte seinen Boss gut. „Ich kann also davon ausgehen, dass das Telefonat mit Italien erfolgreich war?“

„Kannst du.“ Rook gähnte ins Telefon. „Die meiste Zeit haben wir darüber gesprochen, wie ich meine Zeit in Italien gestalten kann.“

„Du bist ein Glückspilz.“

Rook lachte. „Ja, das stimmt.“

„Und? Stehen heute Termine an?“, fragte Burt.

„Sophia Hail möchte sich mit mir unterhalten. Ich denke, es geht um den Einsatz unseres Teams im Rahmen der Ermittlungen gestern.“

„Ja, das ist eine große Sache gewesen. Und wie ich hörte, ist unser alter Freund Murray darin verwickelt.“

Rook verzog die Mundwinkel. „Ja. Allerdings. Ich wusste immer, dass er Dreck am Stecken hat. Jetzt ist er offenbar aufgeflogen. Wir werden sehen, ob er sich rausziehen kann. Irgendwie hat er das ja leider immer geschafft.“

Rooks Sicherheitsfirma hatte die Arbeit der Polizei unterstützt, als das Team unter Sophias Leitung am Abend den Geldwäscherring hatte hochgehen lassen. Dass sich Murray unter den Drahtziehern des Verbrecherkreises befinden würde, damit hatte allerdings auch Rook nicht gerechnet.

„Und?“, fragte Burt nach einer kurzen Pause. „Wird das jetzt zu einem Problem für Viva und dich?“

Rook lachte ein wenig bitter. „Warum sollte es? Viva und ich haben seit sechs Jahren keine Probleme mehr miteinander. Ich habe nicht vor, daran etwas zu ändern.“

„Das ist gut so. Du hast jetzt schließlich mit Italien vollkommen andere Dinge im Kopf.“

„Genau so sehe ich das auch.“ Rook verabschiedete sich von seinem Mitarbeiter und beendete das Gespräch. Er steckte das Handy in die Tasche und gähnte erneut.

Nein, er hatte wirklich nicht geschlafen. Viva war in seinen Gedanken herumgegeistert, ohne dass er etwas dagegen hätte tun können.

Dass er in dem Bett lag, das sie früher geteilt hatten, war nicht gerade vorteilhaft gewesen. Im Halbschlaf hatten sich Erinnerungen eingeschlichen.

Viva, nackt neben ihm ausgestreckt, erschöpft und glücklich nach unfassbar gutem Sex …

Rook erinnerte sich an jeden Millimeter ihres Körpers und spürte noch immer ihre warme, samtige Haut an seiner. Es war, als wäre Viva ein Teil von ihm selbst und ihre Persönlichkeit, ihr ganzes Dasein, untrennbar mit ihm verwoben.

Als er Viva gestern wiedergesehen hatte, waren alle Erinnerungen mit voller Wucht zurückgekehrt.

Sie wirkte auf ihn noch anziehender als früher. Ihre langen braunen Haare, die dunklen Rehaugen, der schlanke und doch wunderschön weibliche Körper … Rook hatte sich zurückhalten müssen, um Viva nicht einfach in seine Arme zu ziehen und zu küssen. Die Sehnsucht, sie zu spüren, war erschreckend groß gewesen, und Rook fragte sich, ob sie es gemerkt hatte.

Er wollte sich nicht zu ihr hingezogen fühlen. All das führte schließlich zu nichts, ihre Leben hatten sich in völlig unterschiedliche Richtungen entwickelt. Aber er konnte einfach nichts dagegen tun. Viva war ihm alles andere als egal.

Rook schüttelte die Gedanken ab.

Er musste sich jetzt um anderes kümmern! Seinen Italienaufenthalt zum Beispiel. Es ging darum, seine Firma in Europa auszubauen. All das würde sein Business noch einmal entscheidend verändern.

Rook gestand sich nur ungern ein, dass er Italien entgegenfieberte. Es war eher eine Flucht. Er hatte das Gefühl, Philadelphia entkommen zu wollen.

Seine besten Freunde hatten inzwischen ihre Traumfrauen gefunden und gründeten Familien – Rook fühlte sich abgehängt und brauchte dringend einen Tapetenwechsel. Eine neue Aufgabe in einem anderen Land würde ihm ganz sicher guttun.

Vielleicht würde er in Italien auch endlich mit Viva abschließen können. Und die Vergangenheit sich selbst überlassen. Er wünschte sich nichts mehr, als endlich wieder frei zu sein. Innerlich. Italien würde ihm einen Neustart ermöglichen. Ohne all das, was ihn an Viva erinnerte.

Zumindest war das die Intention gewesen, bevor er Viva wiedergesehen hatte. Doch jetzt war er sich nicht mehr so sicher, ob er wirklich nach Italien wollte.

Rook blickte auf seine Hände hinunter, die sich unbewusst zu Fäusten geballt hatten. Er stand ganz offensichtlich trotz der Müdigkeit unter Strom. Vielleicht würde es ihm guttun, sich beim Sport abzureagieren.

Kurz entschlossen machte Rook sich auf den Weg in den Fitnessraum, den er sich in seiner Wohnung eingerichtet hatte. Egal, welche Art von Problemen er wälzte – Sport half ihm eigentlich immer.

„Möchten Sie wirklich nichts, Mr. Lourdess? Ich könnten Ihnen ein Wasser bringen oder gerne auch einen Kaffee?“

„Das ist sehr nett, aber danke, ich brauche nichts.“ Rook lächelte der attraktiven Brünetten zu und lehnte sich in seinem Sessel zurück, während sie das Büro verließ.

Sophia grinste, als ihre Assistentin die Tür hinter sich schloss. „Entschuldigung. Sie ist eben auch nur eine Frau. Und wie du weißt, sind Frauen ja generell von dir hingerissen.“

Rook winkte ab. „Übertreibe es nicht. Außerdem war sie gar nicht hingerissen von mir. Sie geht nur gut mit euren Gästen um.“

„Hm“, erwiderte Sophia und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. „Vielleicht sollte ich ihr trotzdem bei Gelegenheit sagen, dass dein Herz bereits an meine Schwester vergeben ist.“

„Sophia“, seufzte Rook leise und schloss kurz die Augen. „Sag jetzt bitte nicht, dass du mich deswegen treffen wolltest.“

„Nein, nicht wirklich deshalb“, gab Sophia zu. „Aber jeder, der euch beide gestern Abend auf der Terrasse gesehen hätte, wäre auf den gleichen Gedanken wie ich gekommen. Da ist noch immer Liebe im Spiel.“

„Und? Was bringt das schon. Es spielt keine Rolle mehr.“

Sophia lehnte sich zurück und musterte Rook über ihren Schreibtisch hinweg. „Deine Gefühle für meine Schwestern spielen durchaus eine Rolle in Bezug auf das, was ich dich heute fragen möchte.“

„Und das wäre?“ Rook war sich nicht sicher, ob er es wirklich wissen wollte.

Sophia straffte die Schultern. „Viva ist nicht nur einfach so wieder in der Stadt“, begann sie dann. „Es geht um viel mehr als nur einen Besuch bei der Familie. Sie wird gegen Murray Dean aussagen, wenn es nötig sein sollte.“

„Wie bitte?“ Rook starrte Sophia an. Diese nickte.

„Viva hat lange mit Murray zusammengearbeitet und in dieser Zeit einiges mitbekommen. Von seinen … Machenschaften. Ihr Wissen genügt, um ihn in ernsthafte Probleme zu bringen. Und einige seiner Freunde und Geschäftspartner ebenfalls.“

Rook presste die Kiefer aufeinander. „Ist sie in die Sache verwickelt?“, fragte er, und seine Stimme klang ein wenig rau.

„Viva?“ Sophia lachte herzlich auf. „Nein. Ich bitte dich, Rook! Sie war lediglich Zeugin. Und das, was sie zu erzählen hat, ist für die Ermittlungen außerordentlich hilfreich.“

Rook nickte. „Und was habe ich damit zu tun?“, hakte er nach. „Wieso wolltest du mich sprechen?“

Sophia spielte mit einer Haarsträhne, die sich aus ihrer Hochsteckfrisur gelöst hatte. „Ich möchte sichergehen, dass meiner Schwester nichts passiert, wenn sie gegen diese Verbrecherbande auspackt“, sagte sie dann. „Sie sollte an einem Ort sein, wo niemand sie vermutet. Und wo niemand sie finden kann. Mit jemandem, der sie schützt, falls es nötig sein sollte.“

Sophia musterte Rook. „Es ist ein Auftrag, Rook. Und du kannst das auch durchaus durch einen deiner Angestellten erledigen lassen. Ich frage nicht explizit dich … Ich weiß, dass deine Männer einen hervorragenden Job machen. Und dass Viva bei jedem von ihnen gut aufgehoben wäre. Allerdings …“

Rook hob eine Braue. „Was?“

Sophia lächelte ihm zu. „Tigo sagte mir, dass du nach Italien gehst. Und ich glaube, das wäre der perfekte Ort, um Viva vor ungewolltem Ärger zu schützen.“

„Es fühlt sich so surreal an“, sagte Veronica Hail und atmete tief durch, während sie ihre Tochter in die Arme schloss.

Viva drückte ihre Mutter sanft an sich. „Ich weiß, es ist eine Überraschung, dass ich hier aufgetaucht bin. Aber als ich von Sophias Beförderung erfahren habe, musste ich einfach herkommen.“

„Ich freue mich so sehr, dich zu sehen!“

„Du musst dich doch nicht dafür entschuldigen, dass du unvermittelt nach Hause kommst!“, ergänzte Gerald, ihr Vater, und küsste Viva auf die Stirn.

Viva löste sich aus der Umarmung. „Danke …“ Sie lächelte matt. „Ihr beide hattet recht, wisst ihr das? Ihr habt mich damals davor gewarnt, alles aufzugeben, um meiner Karriere nachzugehen. Ich bin jetzt eine berühmte Schauspielerin. Aber ich habe dafür mein Glück geopfert.“ Sie presste kurz die Lippen aufeinander. „Ich bin Rook begegnet“, sagte sie dann.

Viva sah, wie sich die Gesichter ihrer Eltern in Sekundenbruchteilen aufhellten. Ein Strahlen legte sich in ihre Augen, und Viva beeilte sich zu relativieren. „Das bedeutet nichts, es war nur ein Zufall“, sagte sie. „Wir sind uns nicht gerade in die Arme gefallen.“

Sie berichtete von dem Abend auf der Party und von ihrem Gespräch mit Rook.

Veronica legte den Kopf schief. „Bist du sicher, dass das alles nicht doch ein gutes Zeichen ist? Vielleicht findet ihr ja wieder zusammen.“

Viva schüttelte den Kopf. „Nein. Es ist vorbei. Außerdem geht Rook nach Italien.“

„Und wie geht es dir damit?“

Viva zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Aber es geht mich auch gar nichts an. Wir sind seit sechs Jahren getrennt.“

„Hm, irgendwie ist das keine Antwort auf die Frage“, sagte Gerald Hail lächelnd.

Viva musste ebenfalls lachen. Ihr Vater durchschaute sie immer. „Okay, ich gebe zu, es hat mir einen Stich ins Herz versetzt. Ist das zu dramatisch ausgedrückt? Dann bin ich eben dramatisch. Der Gedanke, dass er nach Europa geht, tut mir nicht gut. Es ist so weit weg.“

„Du bist Schauspielerin. Du darfst dramatisch sein.“ Gerald blinzelte seiner Tochter zu und machte sich dann auf den Weg in die Küche, um Kaffee zu holen.

Viva seufzte leise. „Ich habe mir gestern sogar gewünscht, dass die Geschäftskontakte in Italien doch kein Interesse an der Zusammenarbeit mit ihm haben. Und er hierbleibt. Das ist doch fürchterlich. Ich sollte mich für Rook freuen.“

Veronica lächelte. „Ich schätze, so ist das einfach, wenn man jemanden liebt. Man möchte nicht, dass er geht.“

Viva unterdrückte ein Stöhnen. „Warum gehen eigentlich alle davon aus, dass Rook und ich noch immer ineinander verliebt sind? Das ist doch völlig verrückt!“

Sie setzte sich gemeinsam mit ihrer Mutter auf die Couch vor dem Kamin.

Veronica blickte sie an. „Du hast die Beziehung damals beendet, weil du Schauspielerin werden wolltest. Und weil es nötig war, um deine Karriere voranzubringen. Du hast dich nicht getrennt, weil du Rook nicht mehr geliebt hast.“

„Richtig. Und Rook wäre ein Idiot, wenn er mich nach allem, was ich ihm angetan habe, wieder zurücknehmen würde. Es steht also nicht zur Debatte.“

„Würdest du das denn wollen? Dass ihr es noch einmal miteinander versucht?“

Viva seufzte leise. „Ich denke nicht weiter darüber nach, weil das einfach unrealistisch ist. Hast du Rook mal gesehen in letzter Zeit? Ich bin sicher, er kann sich vor interessierten Frauen kaum retten.“

„Ich weiß sehr genau, was du meinst. Ich habe ihn gesehen.“ Veronica tätschelte Vivas Knie. „Aber weißt du was? All diese Frauen, die vielleicht in seinem Leben herumschwirren, spielen keine Rolle. Weil er sie nicht liebt. Und warum tut er das nicht? Weil keine von ihnen wie du ist.“

„Ich soll sie mitnehmen? Nach Italien? Soll das ein Scherz sein?“

„Moment, Rook!“ Sophia rollte genervt mit den Augen. „Ich habe nur darum gebeten, dass jemand sich um sie kümmert und sie in Sicherheit bringt. Das ist alles. Und ich denke, so gut wie jeder Mann auf diesem Planeten würde sich um diese Aufgabe reißen!“

„Sie würde ohnehin nicht mitkommen.“

Sophia seufzte. „Ich bin sicher, du könntest sie überreden. Es ist zu ihrem Besten.“

„Natürlich könnte ich das! Aber ich will es nicht! Und außerdem kann sie hier auch nicht einfach verschwinden. Sie muss doch sicher wieder zu irgendwelchen Dreharbeiten, oder will sie das jetzt etwa auf einmal nicht mehr machen?“

„Viva hat eine längere Drehpause“, erklärte Sophia ruhig. „Es geht erst in fünf Monaten weiter.“ Sie musterte Rook prüfend und grinste dann. „Gib es zu, du hast nur Angst davor, mit einer Sexbombe wie meiner Schwester alleine zu sein.“

Rook rieb sich die Nasenwurzel. „Du kannst unmöglich sein, Sophia.“

„Ja, ich weiß. Dafür werde ich überall geliebt.“

Rook seufzte. „Okay, jetzt mal ernsthaft, Sophia. Wie schwierig ist die Lage? Denkst du wirklich, dass Viva in Gefahr ist?“

Sophias Gesicht wurde sehr ernst. „Ich mache über so etwas keine Witze. Und ich würde ganz sicher keine solche Geschichte erfinden, nur um dich und Viva wieder zusammenzubringen. Falls du das denken solltest. Nein, ich mache mir wirklich Sorgen, dass ihr etwas passieren könnte, und ich möchte Vorsichtsmaßnahmen treffen. Und ja, es wäre mir am liebsten, wenn ich sie bei dir wüsste. In Sicherheit.“

Rook zögerte einen Moment. Dann zuckte er mit den Schultern. „Meinetwegen. Aber ich werde Viva nicht zu dieser Reise überreden, wenn sie es nicht möchte.“

Sophia seufzte erleichtert. „Mach dir darüber mal keine Gedanken. Sie dazu zu bringen, vernünftig zu sein, ist meine Aufgabe.“

„Hast du eine Vorstellung davon, durch welche Hölle ich gehe, seit du weg bist?“

„Nur weil ich meinen Eltern einen Besuch abstatte?“

„Sehr witzig!“ Artesia Relis stöhnte dramatisch auf. Sie hatte diese Attitüde über Jahre so perfektioniert, dass man niemals so recht sagen konnte, ob sie jetzt ernstlich genervt war oder nur so tat. „Murray ist unausstehlich. Und niemand kann ihn, wenn er so schlechter Laune ist, besser beruhigen als du.“

Viva horchte auf. „Was ist denn los mit ihm?“ Sie hatte beschlossen, Murrays Assistentin gegenüber so arglos wie nur möglich zu tun. Und auf diese Weise vielleicht sogar noch ein paar Hintergrundinformationen aufzuschnappen.

„Wenn nicht einmal du weißt, was mit ihm los ist, wie sollte ich das dann wissen?“ Artesia klang ratlos. „Er ist gereizt, fahrig, und man erreicht ihn nur schlecht. Und das meine ich nicht nur im übertragenen Sinn. Er geht nicht ans Telefon! Ich habe hier schon unzählige verärgerte Kunden, denen ich irgendwie erklären muss, dass Murray gerade nicht zu sprechen ist.“

„Oh, das ist schwierig“, sagte Viva. Sie konnte sich vorstellen, dass Artesia gerade keinen leichten Job hatte. „Und du hast keine Ahnung, warum Murray sich so komisch verhält?“

„Ich weiß es nicht. Vielleicht hat es etwas mit dem komischen Meeting neulich zu tun. Seitdem ist er ein wenig anders als sonst.“

„Was für ein Meeting?“

„Keine Ahnung, er hat nichts dazu notiert. Ich hatte nur den Eindruck, dass es keine Schauspieler waren, die da bei ihm im Konferenzraum saßen.“

„Sondern?“

„Sie wirkten … sehr offiziell. Irgendwie.“

„Du meinst, es waren Cops?“

Artesia schnaubte. „Was weiß denn ich? Aber ehrlich gesagt, wirkten die eher, als wären sie auf der falschen Seite des Gesetzes zu Hause! Das ist aber nur so ein Bauchgefühl, ich habe sonst keine Anhaltspunkte dafür.“

Obwohl Viva nicht wollte, dass Artesia Verdacht schöpfte, beschloss sie, noch eine weitere Frage zu stellen. „Klingt merkwürdig“, sagte sie deshalb. „Denkst du, du würdest die Typen wiedererkennen, wenn du sie noch mal siehst?“

„Klar. Die vergisst man nicht so schnell! Viva? Denkst du, mit Murray ist alles in Ordnung?“

„Natürlich! Er hat eben manchmal launische Phasen, das legt sich wieder. Mach dir keine Gedanken. Ich werde sehen, was ich herausfinden kann, okay?“

„Wunderbar, danke! Übrigens, das nächste Skript kommt bald für dich an.“

„Oh, gut. Danke! Halt die Stellung, und wir hören uns bald, ja?“

Viva beendete das Telefonat und atmete tief durch. Dann wählte sie erneut eine Nummer.

Es klingelte mehrfach, doch dann ging nur eine Mailbox an. Viva unterdrückte ein Fluchen. „Murray? Hier ist Viva. Ruf mich doch bitte mal zurück, ja? Danke.“

3. KAPITEL

„Also diese beiden und die drei dort?“ Sophia deutete auf Fotografien, die vor ihr und Viva auf dem Tisch ihres Büros lagen.

Viva nickte. „Ja. Ich erkenne die Leute wieder. Sie hatten mit Murray zu tun.“

Sophia nickte und wirkte zufrieden. Viva hatte soeben dabei geholfen, weitere wahrscheinliche Mitglieder des Geldwäscherzirkels zu identifizieren. Es wunderte Sophia nicht, dass sich darunter auch bekannte Industrielle der Stadt befanden. Sie hatte diese Männer bereits in Verdacht gehabt, in die Sache verwickelt zu sein. Vivas Aussage festigte nun die Vermutung, dass sie mit Murray Dean in Verbindung standen.

Viva blickte ihre Schwester an. „Wird Murray ins Gefängnis kommen?“, fragte sie.

„Noch können wir ihm nicht genug nachweisen. Aber ich denke, es ist eine Frage der Zeit“, entgegnete Sophia.

„Ich fürchte, ich kann nicht wirklich weiterhelfen, oder?“

„Was redest du denn da? Natürlich, du bist eine riesige Hilfe! Du trägst dazu bei, die Puzzleteile zusammenzufügen! Polizeiarbeit ist immer wie ein großes Puzzle. Und Zeugen wie du beschleunigen den Prozess der Wahrheitsfindung.“

Viva trat ans Fenster und ließ den Blick über die Skyline schweifen, die sie von Sophias neuem Büro aus sehen konnte. Philadelphia fühlte sich noch immer nach ihrem Zuhause an. Auch wenn sie inzwischen durch die Dreharbeiten kaum noch herkam.

„Ich kann dich grübeln hören“, sagte Sophia, nachdem das Schweigen einige Minuten den Raum gefüllt hatte. „Was ist los, Viva?“

„Ich frage mich, ob ich noch irgendetwas tun kann.“

„Was solltest du noch tun können?“ Sophia blickte sie prüfend an. „Gibt es noch etwas, das du mir sagen möchtest?“

„Ich habe Murray angerufen“, sagte Viva schließlich.

Sophia stand langsam auf. „Wie bitte? Du hast was getan?“

„Ich wollte nicht riskieren, dass er sich absetzt. Jetzt, wo es für ihn gefährlich wird.“ Sie schluckte schwer. „Ich habe mit seiner Assistentin gesprochen. Und auch sie ist der Meinung, dass er sich sehr seltsam verhält. Offenbar waren vor einiger Zeit einige merkwürdige Typen zu einem Meeting bei Murray. Wir wissen nicht, wer es war, aber sie wirkten nicht besonders vertrauenerweckend. Und seitdem ist Murray offenbar sehr verändert. Ich wollte nur helfen, Sophia.“

Sophia atmete tief durch. „Viv, es ist nicht dein Job, dafür zu sorgen, dass Murray sich nicht absetzt.“

„Aber ich wollte doch nur …“

„Danke, du hast wirklich genug getan!“ Die Stimme ihrer Schwester wurde so schneidend, dass Viva verstummte.

„Ich denke, unter diesen Umständen ist es am besten, wenn du für einige Zeit von der Bildfläche verschwindest“, fuhr Sophia fort.

„Ja, das verstehe ich“, erwiderte Viva und nickte. „Ich muss ohnehin ein Drehbuch lesen. Ich ziehe mich nach Hause zurück und komme niemandem mehr in die Quere.“

„Das genügt nicht. Ich möchte, dass du außer Landes bist. Irgendwo, wo dich ganz sicher niemand vermutet.“

Viva blickte sie ein wenig ratlos an. „Das klingt, als würdest du mich mit dem Begleitschutz von ein paar Cops irgendwo in einer Hütte im Wald verstecken wollen. Sag, dass es nicht das ist, was du vorhast?“

Sophia grinste. „Die Idee ist nicht schlecht. Aber ich habe eine bessere. Es wird keine Hütte im Wald, aber ein hübsches Anwesen in den italienischen Bergen. Und statt der Cops wirst du einen sehr attraktiven Experten für Personenschutz an deiner Seite haben. Wie klingt das?“

Viva blickte Sophia an, und ihre Pupillen weiteten sich. „Das ist nicht dein Ernst.“

„Ich kann nicht glauben, dass er wirklich heiratet!“

Rook lachte bei Linus Brooks Worten leise in sich hinein. Er konnte die Fassungslosigkeit des alten Freundes gut verstehen.

„Ja, ich habe mich auch gewundert“, sagte er. „Aber Sophia und Tigo passen perfekt zueinander. Das war schon immer so. Sie haben nur eine Weile gebraucht, um das zu begreifen.“

Linus nickte und nahm einen Schluck von dem Bier, das Rook ihm gereicht hatte. „Das stimmt allerdings. Eigentlich hätten die beiden schon vor Jahren heiraten können.“

„Man munkelt, dass manche Menschen weiser werden. Mit der Zeit. Das gilt wohl für Tigo.“

Linus musterte Rook. „Wenn sogar Tigo und Sophia es wieder hinbekommen haben, dann besteht ja vielleicht auch für andere noch Hoffnung? Es ist nie zu spät …“

Rook unterdrückte ein Stöhnen. „Ich bin auf dem Weg nach Italien.“

„Du bist noch eine Woche hier. In der Zeit kann viel passieren.“

„Ganz sicher nicht.“

„Rook …“

„Sophia und Tigo haben es geschafft, ja. Wundervoll. Aber das gilt nicht für Viva und mich. Wie sollen wir alles aufarbeiten, wenn wir auf zwei verschiedenen Kontinenten leben?“

„Letztendlich ist es eine Frage der Prioritäten“, erwiderte Linus. „Du bist dein eigener Boss. Was hält dich davon ab, um die Frau zu kämpfen, die du liebst? Oder willst du Viva nicht zurück?“

„Ich wollte niemals, dass sie geht!“

„Und jetzt ist sie hier.“

Rook seufzte und strich sich die Haare zurück. „Glaub mir, Linus, die Sache ist sehr kompliziert. Menschen verändern sich, und sechs Jahre sind eine lange Zeit. Es wird schmerzhaft werden, die alten Sachen wieder ans Licht zu holen.“

„Und ich bin sicher, dass du stark genug bist, um dich diesem Schmerz zu stellen.“

„Gut zu wissen, dass du es mir zutraust. Ich bin mir da nicht so sicher. Es hat mich damals so verletzt, dass ich nicht weiß, ob ich an diesen Punkt zurückmöchte.“

Linus nickte, und Rook wusste, dass sein alter Freund ihn verstand. Es war nicht nötig, viel mehr zu sagen. Sie kannten sich so gut, dass manchmal ein Schweigen genügte. Linus war auch der Einzige, der wusste, wie sehr Rook mit der inneren Wut zu kämpfen hatte, die ihn manchmal zu überwältigen drohte. Mit den Stimmungsschwankungen und den dunklen Seiten in sich.

Egal, durch welch schwere Zeiten Rook auch gegangen war, Linus war immer da gewesen.

„Ich möchte einfach nicht, dass Viva merkt, wie unberechenbar ich geworden bin. Dass da etwas in mir ist, das ich nur schwer kontrollieren kann“, sagte Rook schließlich leise.

„Du würdest ihr niemals etwas antun“, erwiderte Linus.

„Natürlich nicht. Das weiß ich. Ich möchte trotzdem vermeiden, dass sie einen meiner Wutanfälle mitbekommt. Es fällt mir manchmal sehr schwer, mich im Griff zu behalten. Erinnerungen überkommen mich, und dann verliere ich die Kontrolle. Es ist beängstigend, und ich will einfach nicht, dass Viva diese Seite an mir erlebt.“

„Aber vielleicht muss sie genau das über dich wissen?“ Linus blickte Rook an. „Vielleicht ist sie der Schlüssel zur Heilung dieser alten Wunden, Rook. Könnte es sein, dass du Viva brauchst, um endlich zur Ruhe zu kommen? Du könntest ihr sagen, was sie dir damals angetan hat. Und wie es dir seitdem geht.“

Rook schüttelte entschieden den Kopf. „Ich will ihr nicht die Schuld geben.“

„Darum geht es auch nicht. Aber es hat dich damals vollkommen aus der Bahn geworfen, und die Nachwirkungen spürst du bis heute. Ich fürchte, du wirst den ganzen Mist niemals wirklich los, wenn du dich Viva nicht anvertraust.“

Linus lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Ich denke, es wäre einen Versuch wert. Selbst, wenn nichts weiter aus euch beiden wird. Du hast dann wenigstens damit deinen Frieden geschlossen und trägst nicht mehr alte Schmerzen mit dir herum. Viva kann wieder an die Westküste gehen oder wo auch immer es sie hin verschlägt, und du lebst dein Leben. Und du lebst es dann endlich frei von den alten Impulsen, die dich immer wieder zu einem Menschen werden lassen, der du nicht bist und nicht sein möchtest.“

„Weiß Eli von deinem heimlichen zweiten Leben als Psychotherapeut?“, witzelte Rook. Elias Joss war der Geschäftspartner von Linus und ein weiterer guter Freund.

„Ja, er kennt meine Qualitäten als Seelentröster“, erwiderte Linus trocken. „Ernsthaft, Rook. Ich mache mir Sorgen um dich. Und ich denke, es wäre falsch, die Chance jetzt nicht zu nutzen. Du solltest das mit Viva klären.“

„Du musst dir keine Gedanken um mich machen. Wirklich nicht. Ich komme klar.“

Das Telefon klingelte, und Rook nahm das Gespräch an.

„Sophia. Was gibt’s?“

Innerhalb weniger Sekunden geriet Rooks Selbstsicherheit ins Wanken. Das merkte auch Linus deutlich. Er musterte Rook prüfend, nachdem dieser den Telefonhörer wieder auf die Gabel hatte sinken lassen.

„Was ist passiert?“

Rook blickte Linus an. „Sagte ich gerade, ich komme klar? Vergiss, was ich gesagt habe. Alles.“

„Viva?“

Sie drehte sich um, als sie die altvertraute Stimme hörte, und sah Burt Larkin an der Tür von Rooks Büros stehen. „Burt! Wie schön, dich zu sehen!“

Lächelnd umarmten sie sich.

„Wie hast du es hierher geschafft, ohne von einer Horde Journalisten gejagt zu werden? Das ist doch so bei euch berühmten Schauspielerinnen?“

Viva lachte. „Unterschätze nicht die Macht einer guten Perücke und einer riesigen Sonnenbrille.“ Sie deutete auf ihre große Handtasche. „Leider ist das kein Witz. Ich habe alles dabei.“

„Hier bist du in Sicherheit“, sagte Burt. „Es gibt keinen besseren Ort für dich als in der Nähe von Rook.“

„Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll, ihn als meinen Babysitter zu betrachten.“

„Er sieht es ganz bestimmt nicht als Babysitten, Viva. Er nimmt die Sache sehr ernst.“

In diesem Moment betrat Rook sein Büro, und Burt verabschiedete sich. „Ich will unbedingt noch ein Autogramm von dir, bevor du abreist!“ Winkend verließ er den Raum.

Rook schloss die Tür hinter seinem Mitarbeiter. „Sophia rief mich an und sagte, dass du vorbeikommen würdest.“

Viva stellte ihre Tasche ab. „Wow. Jetzt werde ich schon angekündigt. Du und Sophia, ihr seid inzwischen sehr eng miteinander, oder?“

Rook ging zu seinem Schreibtisch. „Chief Hail hat mein Team beauftragt, weil sie üblicherweise sehr zufrieden mit der Arbeit ist, die wir leisten.“

„Da bin ich sicher. Aber ihr müsst euch wirklich nicht um mich kümmern. Es gibt bestimmt Wichtigeres zu tun.“

„Das denke ich nicht. Außerdem brauchen wir kein Team, um dich zu schützen. Eine Person genügt.“

Viva schluckte schwer und stellte sich vor den Schreibtisch. „Rook, es tut mir leid.“

Er zuckte unmerklich zusammen. „Wie bitte? Was tut dir leid?“

„Sophia hätte dich nicht in diese Sache hineinziehen dürfen.“

„Und warum nicht? Das hier ist eine Firma für Personenschutz. Genau das, was du gerade brauchst.“

Viva strich ihren meergrünen Rock glatt, der elegant den Schwung ihrer Hüfte betonte, und straffte die Schultern. „Was genau hat Sophia dir erzählt?“

Rook zuckte mit den Schultern. „Nicht viel.“ Er starrte seine Hände an. „Sie hat mir ein paar Hintergrundinfos gegeben, damit ich die Lage einschätzen kann. Aber es wäre wohl eher deine Aufgabe, mir die … Details … zu erzählen.“

Rooks Blick wanderte über Vivas Beine und den Körper hoch zu ihrem Gesicht. Sie spürte es wie ein leichtes Glühen auf der Haut.

„Ich hätte jetzt Zeit, um darüber zu reden“, ergänzte Rook.

Viva schluckte schwer. „Rook, ich möchte wirklich nicht, dass du mit dieser Sache belastet wirst. Bitte, sprich mit Sophia und sag ihr, dass jemand anderes das übernehmen soll.“

„Nein, das werde ich nicht tun.“ Die Antwort kam in Sekundenschnelle, war kühl und wirkte entschlossen. Und Viva war davon nicht überrascht. Sie kannte Rook. Er wich niemals aus. Sie hätte wissen müssen, dass er sich nicht auf ihren Vorschlag einlassen würde.

„Was wird aus deiner Reise nach Italien?“, fragte sie.

„Was soll damit sein?“ Rook blickte Viva mit unberührter Miene an.

„Sagst du sie ab?“

„Nein.“

Viva hob eine Braue. „Und wie soll das dann funktionieren? Du sollst schließlich 24 Stunden am Tag auf mich aufpassen.“

Rook lächelte. „Ganz einfach. Du kommst mit. Und ich bin sicher, Sophia hat dir das bereits gesagt.“

„Ich kann nicht mitkommen.“

„Du wirst.“

„Willst du mich dazu zwingen?“

„Mir wurde gesagt, dass das nicht nötig sein wird.“

Viva atmete zischend aus. „Sophia … Irgendwann bringe ich sie um. Du weißt sicher, dass Murray in die Sache verwickelt ist?“

Rook legte den Kopf schief. Viva sah, dass die Muskulatur um seinen Kiefer herum sich anspannte. „Ja, das ist mir bewusst.“

„Und du denkst trotzdem, dass wir beide nach Italien fliegen können, ohne dass es Probleme gibt?“

Rook lehnte sich ein wenig vor. „Nein, davon gehe ich nicht aus.“

„Sondern?“

„Ich gehe davon aus, dass du mir erzählen wirst, was eigentlich genau los ist. Und dass du vollkommen ehrlich sein wirst. Nichts mehr verbirgst. So, wie du es gerade vor Sophia tust.“

Viva zog scharf den Atem ein. „Wie bitte? Ihr geht davon aus, dass ich etwas verberge?“

„Sophia ist Polizistin. Und eine verdammt gute, wenn du mich fragst. Sie denkt, dass du noch nicht alles erzählt hast, und ich bin geneigt, ihrer Vermutung zu glauben.“

„Hat sie dir auch gesagt, was sie noch an wilden Geheimnissen vermutet?“

„Nein. Aber ich denke, da wird unsere gemeinsame Zeit in Italien sicher weiterhelfen.“

Viva schüttelte den Kopf. „Unsinn. Sophia möchte einfach nur, dass ich in Sicherheit bin. Wegen Murray.“

„Und genau deshalb werde ich diese Aufgabe auch niemand anderem überlassen.“

„Denkst du nicht, dass du auf deiner Geschäftsreise deine Aufmerksamkeit für anderes brauchst? Ich möchte deine Pläne nicht durchkreuzen. Oder dich stressen.“

„Oh, Viva, dieser Trip wird jede Menge Stress mit sich bringen. Aber du weißt ganz genau, dass ich diese Aufgabe annehme. Egal, was du davon hältst. Du stimmst mich nicht um.“

„Ich habe versucht, Murray telefonisch zu erreichen“, sagte Viva leise. „Er scheint sich seltsam zu verhalten, das weiß ich von seiner Assistentin. Und deshalb dachte ich, ich könnte mit ihm reden und ihn beruhigen. Falls er darüber nachdenkt abzuhauen.“

Rook starrte Viva an. „Bist du verrückt geworden? Was soll das?“

„Spar dir die Standpauke, das hat Sophia schon übernommen. Klasse, wenn die kleine Schwester einem die Leviten liest …“ Viva atmete tief durch. „Murray ist mein Agent, Rook. Ich kann doch nicht einfach so verschwinden, das fällt auf! Und vielleicht machen wir so alles nur noch schlimmer!“

Rook ballte seine Hände zu Fäusten. Dann schnaubte er leise. „Wir reisen am Donnerstag ab.“

„Donnerstag? Aber das ist zu schnell, ich kann nichts mehr vorbereiten!“

„Donnerstag.“

„Was soll ich Murray sagen, wenn er mich doch noch zurückruft?“

Rook zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht meine Aufgabe, dir zu sagen, was du zu tun hast.“

„Ich nehme niemals Urlaub. Er musste mich in der Vergangenheit quasi immer dazu zwingen, mal eine Pause zu machen. Und jetzt laufe ich einfach so davon? Das wird er nicht verstehen.“

„Nicht einmal, wenn du ihm sagst, dass du mit mir auf und davon bist?“

Viva blieb der Mund offen stehen. „Wie bitte?“

„Ernsthaft. Wenn er anruft, sag ihm einfach, dass wir beide unsere alte Beziehung wiederentdecken. Und dass wir herausfinden wollen, was da zwischen uns noch ist. Du kannst ihm natürlich auch sagen, dass ich dich an mein Bett gefesselt habe, bis du der Reise zugestimmt hast. Die eine oder andere Erinnerung an solche Erlebnisse wird ja noch lebendig sein, oder hast du das vergessen?“

Viva wollte antworten, doch sie brachte kein Wort heraus. Doch, die Erinnerungen waren sogar noch sehr präsent … Und sie führten dazu, dass ihr sofort heiße Schauer über die Haut liefen … „Er würde mir nicht glauben“, sagte sie schließlich. „Er würde merken, dass ich lüge.“

Rook umrundete den Schreibtisch, fasste Viva an den Hüften und zog sie an sich. Seine Lippen fanden die ihren zu einem überraschenden, leidenschaftlichen Kuss.

Ein leises Stöhnen löste sich aus Vivas Kehle.

Rooks Küsse … Seine Hände auf ihrem Körper … Es fühlte sich so gut an, so vertraut und gleichzeitig aufregend neu. Sie hatte nicht eine Sekunde lang das Gefühl, sich Rook entziehen zu wollen. Im Gegenteil. Sie wollte genießen, was er ihr gab. Und sie wollte mehr davon, viel mehr!

Ihr Herz raste, und ein wildes Prickeln stieg in ihr auf. Sehnsucht. Lust.

Die Zeit schien stillzustehen. Rooks Lippen wanderten ihren Hals entlang, seine Hände strichen an ihrem Körper entlang, fanden den Weg hin zu ihrem Po.

Viva schloss die Augen und wünschte sich, dieser Moment würde niemals enden. Doch dann löste Rook sich von ihr, machte einen Schritt zurück und strich ihr sanft mit einem Finger über die von seinem Kuss noch feuchte Unterlippe.

„Jetzt musst du nicht mehr lügen“, sagte er leise.

Viva wollte etwas antworten, doch sie brachte keinen Laut hervor. Ihr Herz schlug ihr noch immer bis zum Hals, und die Sehnsucht nach Rooks Nähe war heftiger als jemals zuvor.

„Donnerstag“, sagte er, drehte sich um und kehrte hinter seinen Schreibtisch zurück.

Irgendwie schaffte Viva es zuzustimmen. Sie nahm ihre Tasche und verließ Rooks Büro mit wild durcheinanderwirbelnden Gedanken. Und einer unbändigen Vorfreude auf Italien in sich.

4. KAPITEL

Viva versuchte, sich zu beruhigen. Doch das war nicht so leicht. Das Gespräch mit Rook hatte sie bereits aufgewühlt, und der Kuss hatte es nicht einfacher gemacht. Noch immer flatterten tausend Schmetterlinge in ihrem Bauch herum …

Viva hatte niemals vergessen, dass Rook ein guter Küsser war, aber dass es sich so gut anfühlte, hatte sie nun doch überwältigt.

Sie fuhr im Fahrstuhl nach unten und atmete mehrmals tief durch. Auch dieses Durcheinander im Inneren würde sich wieder legen. Das musste es einfach. Sie und Rook hatten keine gemeinsame Zukunft, und daran würde sicher auch eine Reise nach Italien nichts ändern. Egal, wie sehr sie es sich auch wünschte.

Viva war so in Gedanken versunken, dass sie vollkommen vergaß, sich wieder mit der Perücke und der Sonnenbrille zu tarnen. Als sie aus dem Fahrstuhl in die Eingangshalle des Gebäudes trat, wurde ihr allerdings schlagartig bewusst, was sie versäumt hatte.

Alle Blicke richteten sich auf Viva, es wurde totenstill, und dann setzte Getuschel ein. Es war klar, was nun kommen würde …

Es dauerte über eine Stunde, bis sie schließlich an ihrem Mietwagen ankam. Grundsätzlich liebte Viva das Bad in der Menge von Fans, doch dieses Mal war sie einfach nicht darauf gefasst gewesen. Unzählige Autogramme geben, Hände schütteln, Fotos machen … Sie war froh, als sie endlich die Tür des Wagens schließen und sich hinter den getönten Scheiben abgeschottet fühlen konnte.

Dennoch musste sie lachen. Verrückt, wie sehr Rook sie ablenkte. Nicht einmal mehr an die für sie wichtigsten Dinge konnte sie denken! Das war einfach absurd …

Ihr Handy klingelte, und Viva merkte, dass ihr Herz vor Aufregung einen Sprung machte, als sie den Namen auf dem Display sah.

„Hey, Murray“, sagte sie mit dem strahlendsten Lächeln in der Stimme, zu dem sie fähig war. „Schön, dass du dich meldest! Wie geht’s dir?“

„Veev, schön, dich zu hören. Alles klar bei dir?“

Viva zögerte kurz. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Murray sich vollkommen normal anhören und nach ihrem Befinden erkundigen würde.

„Ach, du weißt ja, wie das ist … Es ist immer viel los …“, wich sie seiner Frage unbestimmt aus.

„Es ist sicher merkwürdig, nach so langer Zeit wieder zu Hause in Philadelphia zu sein, oder?“, fragte er.

Viva lachte. „Ja, allerdings. Aber auch sehr schön. Ich freue mich, alle wiederzusehen.“

„Gut zu hören.“

„Und? Was läuft bei dir so? Du hörst dich ein wenig erschöpft an.“ Viva biss sich auf die Unterlippe und hoffte, dass ihre Frage ganz unverfänglich wirkte.

„Ja, das bin ich auch.“

„Oh. Das Business, wie üblich?“

„Ja, und das Drumherum.“

Viva streckte sich in dem Sitz aus. „Was ist los? Du kannst mit mir über alles reden, das weißt du ja. Wir kennen uns schon so lange, vielleicht kann ich ja jetzt auch mal etwas für meinen großartigen Agenten tun?“

Murray seufzte leise. „Ach, es ist nichts weiter. Ein paar Leute scheinen meinen guten Ruf beschmutzen zu wollen, das ist alles.“

„Oh nein! Das ist ja fürchterlich!“ Viva gab sich alle Mühe, überrascht zu klingen. „Kann ich irgendetwas für dich tun?“

„Nein, Süße“, entgegnete Murray lachend. „Aber wirklich lieb von dir. Ich werde schon dafür sorgen, dass wieder Ruhe reinkommt. Wer sich mit mir anlegt, kann nicht gewinnen.“ Er pausierte kurz. „Wie geht es Sophia?“, fragte er dann.

Viva blinzelte. „Meiner Schwester? Blendend, danke. Sie heiratet bald.“

„Ach, wirklich? Wie schön. Und dann auch noch die Beförderung.“

„Du hast davon gehört?“

„Natürlich, ist ja eine große Sache. Und mich interessiert immer, wie die Leute, die ich von früher kenne, sich so im Leben entwickeln. Ich hörte, sie ist an einem Geldwäscherring dran? Interessanter Fall.“

Viva schluckte schwer. „Ja. Ich weiß nicht viel darüber, aber es sieht so aus, als stünden sie kurz vor der Aufklärung.“

„Klingt super.“

„Ja, das ist es auch. Sie kann stolz auf sich sein, die Beförderung war mehr als verdient.“

„Daran zweifle ich nicht.“ Murray wechselte das Thema. „Wie lange bleibst du noch in Philly?“

„Nicht lange, und genau deshalb wollte ich auch mit dir sprechen. Ich unternehme noch eine kleine Reise. Ein wenig abschalten, bevor die Dreharbeiten wieder beginnen. Für dich bin ich natürlich immer erreichbar. Falls etwas sein sollte.“

„Klingt gut. Was hast du vor?“

Viva zögerte erneut. „Ich … Ich habe Rook wiedergesehen. Und na ja. Es entwickelt sich etwas.“

Murray schwieg einen Moment. Dann sagte er: „Oh, das wundert mich nicht. Nach all der Zeit gibt es immer noch eine Menge zwischen euch, das geklärt werden sollte. Klar, dass Rook jetzt Gas gibt. Nachdem er damals nicht um dich gekämpft hat.“

„Murray, bitte lass das“, entgegnete Viva. „Rook trifft keine Schuld.“

„Natürlich nicht. Wie auch immer, ich hoffe, dass ihr beide es klären könnt und eine schöne Zeit miteinander verbringt. Es war ja nicht einfach, damals.“

„Stimmt. Danke, Murray.“ Viva hakte nochmals nach. „Und es gibt wirklich nichts, was ich für dich tun kann?“

„Nein, danke, ich komme wunderbar zurecht. Ich muss mich jetzt eben um einige Dinge kümmern. Und das Chaos ein wenig aufräumen, aber das ist sicher schnell geklärt. Du kannst mich jederzeit auf meinem Privathandy anrufen, Viv.“ Er lachte leise. „Allerdings fürchte ich, Rook wird dir nicht viel Zeit zum Telefonieren lassen.“

Viva lachte ebenfalls. „Das wird sich zeigen. Gut zu wissen, dass ich dich immer erreichen kann.“

„Versprochen. Du kannst auf mich zählen, immer. Es wird alles gut.“

Viva beendete das Gespräch kurze Zeit später. In sich das merkwürdige Gefühl, dass Murray einige Dinge vorhatte, von denen sie nicht sicher sagen konnte, ob sie wirklich darüber Bescheid wissen wollte.

Als Viva bei ihrer Schwester ankam, hatten sich ihre Nerven wieder etwas beruhigt. Dennoch war sie froh, dass sie bei Sophia wohnte und jetzt nicht den Abend über alleine in einem Hotelzimmer sitzen musste.

Sophia war noch nicht zu Hause, deshalb rief Viva sie an. Sie hatte ihr eine Menge zu erzählen.

„Wirklich? Murray hat dich zurückgerufen? Ist er noch in Kalifornien?“

Viva schwenkte langsam den Wein im Glas. Sie hatte es sich damit auf dem Sofa gemütlich gemacht, während sie mit ihrer Schwester telefonierte.

„Ich weiß nicht, wo er steckt. Leider.“

„Dass er sagte, wer sich mit ihm anlegt, könne nicht gewinnen, macht mich nachdenklich“, sagte Sophia nach einer kleinen Pause.

„Ja, ich fand das auch merkwürdig. So habe ich ihn noch niemals reden hören.“

„Klingt, als würde er dafür sorgen, dass ihm niemand mehr schaden kann. Deshalb ist es auch so wichtig, dass du von der Bildfläche verschwindest“, sagte Sophia. „Wer weiß, was er plant. Und wenn er herausfindet, dass du ausgesagt hast, kann das für dich gefährlich werden.“

„Ja, ich weiß.“ Viva nahm einen Schluck Wein.

„Bedauerlicherweise gibt es auch immer wieder Polizisten, die in kriminelle Machenschaften verwickelt sind“, sagte Sophia. „Ich kann nicht mal in meinem Department allen trauen. Und deshalb ist es wirklich gut, wenn du Rook an deiner Seite hast.“

„Ja, schon klar“, murmelte Viva und schloss die Augen.

„Warst du bei ihm?“

„Ja. Und ich habe versucht, ihn davon abzubringen, auf mich aufpassen zu wollen.“

„Das dürfte nicht funktioniert haben. Ich schätze, er hat keine ruhige Minute mehr, wenn er dich nicht in Sicherheit weiß.“

„So ist es.“ Viva nahm noch einen Schluck Weißwein. „Er hat mich geküsst“, sagte sie dann.

Sophia zog scharf den Atem ein. „Wie bitte? Wieso erzählst du mir das am Telefon!“

„Ich hätte gerne damit gewartet, bis du hier bist, aber ich wäre geplatzt, wenn ich es jetzt nicht erzählt hätte.“

„Ich bin in Windeseile da. Und dann will ich alles hören! Jede Einzelheit!“

„Er hat damit gedroht, mich an sein Bett zu fesseln, wenn ich der Italienreise nicht zusage. Also … ich weiß, wie das ist, wenn Rook einen ans Bett fesselt …“

„Klingt, als würdest du das ganz gerne wiederholen?“

„Ich würde nicht Nein sagen.“

Sophia lachte auf. „Trink bloß nicht noch mehr von dem Wein! Ich fahre jetzt los.“

„Wenn das nicht der strahlende Bräutigam ist! Gratulation noch mal!“

Santigo lachte und begrüßte Rook mit einem Handschlag und einer Umarmung. „Danke! Ja, kaum zu fassen, aber selbst Sophia und ich haben es noch hingekriegt.“

Gemeinsam betraten sie das Gebäude, in dem Sophia lebte.

„Klingt, als bestünde Grund zur Hoffnung“, sagte Rook.

Tigo blickte ihn an. „Meinst du das generell oder in Bezug auf Viva und dich?“

„Komm schon, Tig“, erwiderte Rook lachend. „Sophia hat dir doch ganz sicher brühwarm erzählt, in welchem Chaos ich wegen Viv stecke?“

Sie passierten eine Glastür, indem sie sich auswiesen. Das Gebäude war gesichert, und seitdem Sophia in die Ermittlungen gegen den Geldwäscherring eingebunden war, wurden die Sicherheitsvorkehrungen noch weiter verstärkt. Rooks Mitarbeiter waren nun ebenfalls 24 Stunden am Tag vor Ort.

Die Bewohner des Hauses hatten die zusätzlichen Maßnahmen positiv aufgenommen. Es hatte Vorteile, sich noch ein wenig sicherer zu fühlen.

„Oh, Sophia und ich haben uns nicht wirklich viel gesehen in den letzten Tagen“, sagte Tigo. „Wir waren beide sehr beschäftigt. Zu beschäftigt sogar, um uns zu streiten, und das ist doch großartig.“ Er lachte und zwinkerte Rook zu. „Also, worin besteht das Chaos?“

„Sophia möchte, dass Viva mit mir nach Italien reist.“

Tigo pfiff leise durch die Zähne. „Das verändert natürlich einiges. In Bezug aufs Business und auf private Vergnügungen.“

„Ach ja? Meinst du?“

Sie lachten beide, wohl wissend, dass Rooks Pläne durch Viva ganz sicher mächtig durcheinandergewirbelt werden würden.

Als sie im Flur auf zwei Mitarbeiter aus Rooks Team stießen, hielten sie kurz für eine Unterhaltung an. Tigo nutzte die Gelegenheit, um Sophia per Textnachricht Bescheid zu geben, dass er und Rook fast bei ihr waren.

„Und wie fühlt sich das für dich an? Dass Viva dich nach Italien begleitet?“, fragte Tigo, als sie schließlich ihren Weg fortsetzten. „Ich denke, dass Sophia es auch verstehen würde, wenn du ablehnst. Es ist schließlich viel zwischen euch vorgefallen.“

Rook lehnte sich mit der Schulter gegen die Wand, während sie auf den Fahrstuhl warteten. „Ja, das stimmt. Und ich muss völlig verrückt sein, mich darauf einzulassen. Aber … ich kann einfach nicht anders.“ Er verbarg kurz das Gesicht in den Handflächen, und Tigo lachte. „Das verstehe ich.“ Er blickte seinen Freund an. „Seid ihr denn rechtzeitig zu unserer Hochzeit wieder zurück?“

„Ihr habt schon einen Termin? Das geht aber schnell!“

„Wir wollen keine Zeit mehr verlieren. Und wir brauchen auch keine riesige Feier. Das müssen wir jetzt nur noch unseren Familien beibringen.“

Rook klopfte Tigo auf die Schulter. „Ich schätze, da wird es auch noch Chaos geben. Aber eher die gute Art von Chaos.“

Der Fahrstuhl kam, und sie stiegen ein.

„Und? Möchtest du Viva zurück?“, fragte Tigo unverblümt, während sie nach oben fuhren.

„Mehr als alles andere auf der Welt“, gab Rook zu. „Aber ich weiß, dass es nicht die klügste Entscheidung ist. Wahrscheinlich.“

„Kann man nicht wissen. Wichtig ist nur: Ist Viva die Mühe wert? Und fühlt sie dasselbe für dich?“

Rook nickte. „Ich schätze, das muss sich zeigen. Sie fühlt sich zumindest noch immer wahnsinnig gut an. In meinen Armen.“

Tigo grinste. „Dann würde ich sagen, ihr solltet Italien bestmöglich nutzen. Und herausfinden, was da noch zwischen euch ist.“

„Hatte ich nicht gesagt, du sollst auf gar keinen Fall noch mehr Wein trinken? Warum hörst du nie auf deine kleine Schwester, Viv? Ich weiß, warum ich etwas sage!“

Sophia grummelte in sich hinein. Sie hatte soeben Kaffee gekocht und gab sich nun alle Mühe, Viva vom Sofa aufzuscheuchen. Offenbar hatte sie mindestens ein Glas Wein zu viel getrunken, denn sie war im Wohnzimmer eingeschlafen.

„Komm schon, aufstehen. Der Mann deiner Träume ist auf dem Weg zu uns.“ Sie tätschelte Vivas Wange. „Ernsthaft, Hörst du mich? Rook kommt gleich her.“

Viva öffnete die Augen. „Wie bitte? Das ist ein Witz, oder?“

„Nein, absolut nicht. Er und Tigo werden gleich hier sein.“

Viva stöhnte leise auf und legte den Handrücken an die Stirn. „Nein. Das kann nicht sein.“

„Komm schon, Viv. Aufstehen.“

Sophia holte zwei Tassen Kaffee aus der Küche und reichte Viva eine davon.

„Warum hast du Rook eingeladen?“, fragte Viva, noch immer ein wenig verschlafen.

„Das habe ich gar nicht. Vielleicht möchte er einfach wissen, wie es dir geht. Nach diesem aufregenden Kuss in seinem Büro.“

„Du bist mir wirklich keine große Hilfe, Sophia.“

„Ich liebe dich auch, Viv. Und beschwere dich nicht, auf dich warten wundervolle Wochen in Italien.“ Sophia nahm einen Schluck von dem Kaffee. „Ich weiß, warum jeder Berühmtheiten hasst.“

„Niemand hasst Berühmtheiten.“

„Doch. Sobald man im wahren Leben mit ihnen zu tun hat. Du bist eine echte Diva, Viv.“

Viva musste lachen und nahm ebenfalls einen Schluck Kaffee. „Ich frage mich, warum Rook sich solche Mühe gibt. Er hat damals nicht versucht, mich aufzuhalten.“

„Du hättest ihn damals auch gar nicht angehört“, erwiderte Sophia trocken. „Du warst wie besessen von dem Wunsch, eine bekannte Schauspielerin zu werden.“

„Es ist also alles meine Schuld?“

„Das habe ich nicht gesagt.“ Sophia atmete tief durch. „Weißt du, wir können alles, was zwischen dir und Rook vorgefallen ist, immer und immer wieder analysieren. Aber das führt zu nichts. Ich denke, es ist jetzt wichtig, dass ihr beide ehrlich zueinander seid. Wirklich von Grund auf ehrlich.“ Sie nippte an ihrer Kaffeetasse. „Sag ihm alles, was in dir vorgeht. Auch wenn du denkst, dass er es nicht verstehen wird. Gerade das solltest du ihm nicht vorenthalten! Ich meine … Ihr beide seid getrennt, und das schon lange. Was soll also Schlimmes passieren? Eigentlich könnt ihr nur gewinnen.“

Viva nickte und starrte einen Moment schweigend auf ihren Kaffee. „Wie leicht ist es dir und Tigo gefallen, vollkommen ehrlich zu sein?“

Sophia lachte sanft. „Es war die Hölle. Wirklich. Ich fühlte mich, als müsste ich über glühende Kohlen laufen.“

Viva rollte mit den Augen. „Na klasse! Danke fürs Mutmachen.“

„Jederzeit gerne, du kennst mich doch.“

Es klopfte, und Sophia stand auf, um die Tür zu öffnen.

Viva schluckte schwer. Sie war nicht wild darauf, über glühende Kohlen zu laufen. Aber wenn dieser Weg zurück in Rooks Arme führte, dann würde sie ihn gehen.

5. KAPITEL

„Wir hätten noch mal anrufen sollen“, sagte Rook zu Tigo und deutete auf Viva, die mit geschlossenen Augen auf dem Sofa lag.

„Viv hat entschieden, die Party schon einmal ohne uns zu beginnen“, entgegnete Sophia. „Gemeinsam mit einer guten Flasche Weißwein.“

Rook kniete bereits neben dem Sofa und strich Viva über die Wange. „Alles okay?“

„Ja, es geht schon“, murmelte Viva.

Rook blickte auf die Kaffeetasse auf dem Couchtisch. „Hat Sophia dir den gemacht, damit du wieder auf die Füße kommst?“

Viva nickte. „Ja. Scheint ein Gesetz bei der Polizei zu sein. Was immer dich umhaut, trink erst mal einen Kaffee, der kriegt dich wieder hin.“

„Du solltest mir dankbar sein“, warf Sophia lachend ein. Tigo küsste sie auf die Stirn, dann verschwanden beide gemeinsam in der Küche.

Rook wandte sich wieder Viva zu. „Ich wollte dich sehen“, sagte er leise. „Und sichergehen, dass du in Ordnung bist.“

Vivas Lächeln wurde breiter. „Warum? Denkst du, dass ein Kuss von dir mich aus der Bahn wirft?“

„Man kann nie wissen.“ Rook strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Darf ich dich ins Bett bringen? Ich denke, du hast für heute genug gefeiert.“

Viva streckte sich und seufzte leise. „Sehr gerne …“ Noch im selben Moment erschrak sie über sich selbst. Sie hatte ohne das geringste Zögern eingewilligt, sich von Rook ins Bett bringen zu lassen. Und selbstverständlich hatte sie Hintergedanken dabei gehabt … Wundervolle, lustvolle Hintergedanken. An Rook, der einfach bei ihr war.

Rook blieb vollkommen professionell. Er nahm sie in seine starken Arme und hob sie hoch. „Ich weiß etwas, das viel besser funktioniert als Kaffee.“

„Sex?“

Rook lachte. „Nein, Schlaf!“

„Ich schlafe aber besser, wenn ich vorher Sex hatte.“ Viva beschloss, dass sie jetzt ohnehin schon so viel verraten hatte, dass sie kein Blatt mehr vor den Mund nehmen musste. Die Tatsache, dass sie ein Glas Wein zu viel getrunken hatte, löste außerdem die Zunge.

Rook zeigte sich unbeeindruckt. „Ich denke, du wirst auch so hervorragend schlafen.“

Viva lächelte matt und legte ihren Kopf an seine Schulter. Es fühlte sich so gut an, in seinen Armen geborgen zu sein. Sicher. Und vertraut.

„Rook? Ich vermisse dich“, murmelte sie.

Rook grinste. Viva war sehr amüsant mit einem kleinen Schwips. „Ich vermisse dich auch.“

Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass sie ihn küssen würde. Umso überraschter war er, als sich Sekunden später ihre Lippen auf seinen fanden.

Irgendwie schaffte er es, Viva in ihr Zimmer zu bringen. Mit einem Fuß stieß er die Tür hinter sich zu. Dann blieb er stehen, Viva noch immer auf seinen Armen. Der Kuss zwischen ihr und ihm wurde inniger, tiefer. Leidenschaftlicher.

Rook spürte, wie das Verlangen ihn von Kopf bis Fuß erfasste. Die Art, wie Viva ihn küsste, war einfach unwiderstehlich. In diesem Moment wurde ihm klar, wie sehr sie ihm in all den Jahren wirklich gefehlt hatte. Und auch wenn er gewusst hatte, dass keine andere Frau Viva jemals würde ersetzen können, jetzt spürte er diesen Fakt fast schmerzlich in seinem Herzen.

Viva war die einzige Frau für ihn. Mit ihr fühlte es sich richtig und gut an. Und das würde sich auch niemals ändern.

Er machte einige Schritte vorwärts bis zum Bett und ließ Viva dann sanft auf die Laken gleiten. Sie zog ihn mit sich, und Rook schob alle Bedenken von sich fort. Nein, es war vielleicht nicht klug, sich auf Viva einzulassen. Aber er konnte nicht anders. Der Wunsch, ihr nah zu sein und sie zu spüren, war einfach zu groß.

Er ließ sich zu Viva aufs Bett sinken und legte sich auf sie. Viva zog scharf den Atem ein, als sie Rooks Erregung dicht an sich spürte. Es bestand kein Zweifel daran, dass er sie ebenso sehr wollte wie sie ihn.

Viva drängte sich Rook entgegen, spürte die Lust als wildes Prickeln zwischen ihren Schenkeln und konnte es nicht erwarten, Rook noch näher zu sein. Viel näher.

Rook war der erste Mann in ihrem Leben gewesen, und noch heute war er derjenige, mit dem sie Sex am meisten genießen konnte. Das wusste sie jetzt. Die Zeit ihrer Trennung hatte nichts daran geändert. Die kleinste Berührung brachte all die Erinnerungen zurück und weckte Sehnsüchte, die niemand anderes als Rook stillen konnte.

Viva schlang die Arme um Rooks Schultern und ihre Beine um seine Hüften. Sie hatte das Gefühl, wahnsinnig zu werden, wenn sie seine Haut nicht sofort an ihrer spüren konnte. Wenn er sie noch länger warten ließ.

Rook spürte, wie Viva sich ihm entgegendrängte. Fühlte die weichen Rundungen ihres Körpers an seinem und fühlte jede ihrer Berührungen wie ein Glühen auf der Haut.

Es wäre so einfach, sich jetzt in dieser Leidenschaft zu verlieren und an nichts anderes mehr zu denken als an Viva … Doch wohin würde das führen?

Rook war froh, dass er noch in der Lage war, einen klaren Gedanken zu fassen. Sanft entzog er sich Vivas Küssen und löste sich von ihr.

„Wir sollten das besser nicht tun“, sagte er leise.

Viva fasste sein Shirt und versuchte, ihn wieder an sich zu ziehen. „Das meinst du nicht so, wie du es sagst.“

„Stimmt, aber es ist trotzdem besser. Für uns beide.“

Viva lachte ungläubig, als Rook sich tatsächlich aufrichtete und Distanz zwischen sie beide brachte. Im fahlen Licht der Straßenbeleuchtung, das durch die Jalousien drang, sah er die Enttäuschung in Vivas Gesicht. Es brach ihm fast das Herz, ihr jetzt nicht geben zu können, was sie sich wünschte. Und was er so sehr wollte, dass es fast körperlich schmerzte. Doch es war wirklich besser, der Leidenschaft nicht nachzugeben.

So schwer es auch fiel.

Er beugte sich vor, küsste Viva sanft auf die Stirn und lächelte. „Du solltest jetzt schlafen.“

„Bleib bei mir“, hörte er Viva murmeln.

„Keine Sorge. Ich gehe nicht weg“, antwortete Rook leise. Und er meinte es genau so, wie er es sagte.

„Können wir sicher sein, dass Murray keine Dummheiten macht?“ Rook lehnte sich im Sessel zurück und richtete den Blick auf Sophia, die sich auf dem Sofa an Tigo geschmiegt hatte.

„Leider nein. Ich gehe davon aus, dass auf die Leute in meiner Abteilung Verlass ist, aber Murray hörte sich an, als würde er noch mit einigen Menschen abrechnen wollen. Was auch immer er vorhat, ich bin beunruhigt.“

Tigo pfiff leise durch die Zähne und schüttelte den Kopf. „Ich verstehe nicht, wie er in so etwas hineingeraten konnte. Er ist Agent für eine Menge Schauspieler. Mir ist klar, dass in Hollywood nicht gerade Engel herumlaufen, aber um Teil eines Geldwäscherrings zu werden und mit korrupten Cops zusammenzuarbeiten, da muss schon einiges passieren.“

„Murray war von jeher ein ambitionierter Mann“, erwiderte Rook zynisch. „Erfolg geht ihm über alles. Und wenn er dafür krumme Dinger drehen muss, dann schreckt er auch davor nicht zurück.“

„Er hat früher für dich gearbeitet, oder?“, fragte Tigo.

Rook nickte grimmig. „Ja. Und er ist mir in den Rücken gefallen. Allerdings bin auch ich überrascht, wie stark er jetzt in Schwierigkeiten ist. Er war früher immer klug genug, um sich nichts nachweisen zu lassen, und ich bezweifle, dass er wirklich schwer kriminell war. Seine Vorstellungen von Moral sind allerdings wirklich nie sehr hoch gewesen.“

„Es ist dann kein großer Schritt mehr hin zur wirklichen Kriminalität“, sagte Sophia. „Ich werde nochmals überprüfen lassen, wie es mit Murrays Finanzen aussieht. Eventuell dienen Immobilien oder Ähnliches bei ihm der Geldwäsche.“

Rook seufzte schwer. Eine seiner Hände ballte sich zur Faust, wie so häufig, wenn er stark angespannt war und versuchte, sich unter Kontrolle zu halten. „Ich hätte niemals zulassen dürfen, dass Viva sich von ihm vertreten lässt.“

„Du konntest nicht wissen, wie sich alles entwickelt“, versuchte ihn Tigo zu beruhigen.

„Aber ich wusste, dass Murray mit allen Wassern gewaschen ist. Das hätte genügen müssen, um Viva davon abzuhalten, Geschäfte mit ihm zu machen.“

„Wir werden die Sache aufklären“, sagte Sophia ruhig. „Und ich bin sicher, es wird auch für Viva gut ausgehen. Vorher könnte es allerdings ungemütlich werden. Wahrscheinlich zieht Murray alle Register, um seinen guten Ruf zu retten. Und ich könnte mir vorstellen, dass er dafür andere in den Dreck zieht. Viva zum Beispiel.“

„Wenn er das wagt, kriegt er es mit mir zu tun“, erwiderte Rook. Sein Blick wanderte unwillkürlich den Flur hinunter und verharrte an der Tür zu Vivas Zimmer.

„Du kannst gerne hier übernachten“, sagte Sophia, die seinen Blick bemerkt hatte. „Das Zimmer ist groß genug für zwei.“

Rook musste lachen. „Danke … Sophia, wie kann jemand wie du nur so eine großartige Polizistin sein und zugleich versuchen, Menschen zu verkuppeln? Es ist sehr offensichtlich!“

Sophia grinste und lehnte sich dichter an Tigo. „Ich tue nur Gutes. Und ich versuche, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Das kannst du mir glauben.“

„Danke für deine Bemühungen.“ Rook blickte nochmals zu Vivas Tür. „Es wird einige Mühe kosten, um die Fehler auszubügeln. Eine Übernachtung im selben Zimmer wird da nicht genügen. Und ich bin auch gar nicht sicher, ob Viva oder ich darüber reden möchten, wie sehr wir es damals alles an die Wand gefahren haben.“

Er stand auf. „Sag Viva bitte, dass wir uns morgen sehen.“ Er verabschiedete sich und ging zur Tür, die Blicke von Sophia und Tigo deutlich im Rücken.

„Ich soll mir auf den Dingern wahrscheinlich den Hals brechen …“ Viva musterte die High Heels, die ihr zusammen mit dem Drehbuch für die nächste Serienstaffel geschickt worden waren. Mehrere Paare unterschiedliche Schuhe, denen allerdings eines gemein war: Es war fast unmöglich, darauf zu laufen.

Viva spielte in der Serie eine zielstrebige und mutige Agentin, der niemand etwas vormachte. Außerdem war sie dafür bekannt, sich stilvoll zu kleiden und in jeder Situation die Kontrolle zu behalten. Diese Schuhe allerdings würden eine Herausforderung werden, das wusste Viva jetzt schon. Sie trug gerne Schuhe mit hohen Absätzen, aber das hier war dann doch noch etwas mehr, als sie es normalerweise gewohnt war.

Also gut … für die Fans macht man alles …

Viva schlüpfte in eines der Paare. Umwerfende High Heels aus pinkfarbenem Satin. Abgesehen von der Absatzhöhe waren sie auch erstaunlich bequem. Mit ein wenig Übung würde sie ganz sicher auch elegant darin laufen können. Was blieb ihr auch anderes übrig? Die Rolle forderte es von ihr, und sie als Schauspielerin musste tun, was nötig war.

Viva wollte gerade ein weiteres Paar Schuhe anprobieren, als eine Eilmeldung in den Nachrichten ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.

Reynolds Henry, ein Schauspieler, der nach kurzem Ruhm in der Versenkung verschwunden war, war tot in seinem Apartment in West Hollywood aufgefunden worden. Anscheinend hatte er eine Überdosis genommen. Genauer wurde in dem Beitrag nicht auf die Umstände des Todes eingegangen.

Viva musste sich setzen. Sie hatte diesen Schauspieler sehr bewundert, und die Nachricht von seinem Tod erschütterte sie.

Ihr war klar, dass viele Schauspieler im Laufe ihres Lebens an Scheidewege kamen. Und dass viele von ihnen auch die falsche Wahl trafen. Sie selbst hatte bisher das Glück gehabt, nicht vom richtigen Weg abzukommen – auch, wenn sie die eine oder andere Entscheidung getroffen hatte, die nicht besonders klug gewesen war, wie sie nun wusste.

Sie hatte Dinge getan, über die sie mit niemandem reden konnte. Schon gar nicht mit Rook. Er würde es nicht verstehen, und diese Erkenntnis schmerzte.

Vielleicht hatten sie beide noch eine Chance. Vielleicht wendete sich jetzt alles zum Guten, und sie beide würden miteinander glücklich werden? Irgendetwas sagte ihr, dass Rook sie ebenso sehr vermisst hatte wie sie ihn. Sie konnte und wollte dieses Glück nicht aufs Spiel setzen. Nein, sie wollte alles tun, was nötig war, um Rooks Herz zurückzuerobern. Und dafür zu sorgen, dass er für immer bei ihr blieb.

Alles, was geschehen war, gehörte der Vergangenheit an. Und diese würde Viva gerne in der Dunkelheit verschwinden lassen. Nein, es gab keinen Grund, diese Dinge zur Sprache zu bringen.

Viva atmete tief durch. War es naiv von ihr, an ein neues Glück mit Rook zu glauben? Darauf zu hoffen, dass sich doch noch alles fügen würde? Vielleicht war es naiv, ja, aber sie konnte einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken. Und es sich von Herzen zu wünschen.

In diesem Moment klingelte es an der Tür. Viva stand auf, ging zum Eingang, öffnete – und merkte, dass ihr Herz einen Sprung machte.

Rook stand vor ihr.

6. KAPITEL

„Komme ich ungelegen?“ Rook musterte Viva.

„Was? Nein!“ Viva schüttelte den Kopf und machte auf High Heels einen Schritt zur Seite. „Bitte, komm rein.“

„Sieht aus, als hätte ich doch einen unpassenden Zeitpunkt erwischt“, sagte Rook, als er die vielen Schuhkartons im Wohnzimmer sah. Sein Blick wanderte auch zu den umwerfenden Schuhen an Vivas Füßen.

Viva räusperte sich. „Das ist Teil der nächsten Dreharbeiten. Leesi, die Agentin, die ich spiele, wird Undercover gehen.“

Rook grinste. „Sieht aus, als würde sie dabei viel Spaß bekommen. Und sehr hübsche Schuhe tragen.“

„Gefilmt wird es dann ganz sicher so wirken, als hätte ich jede Menge Spaß. Aber ich sage dir, für meine Füße wird das der Tod.“

„Und deshalb übst du jetzt schon mal?“

„Sozusagen. Die Absätze sind so hoch, da muss selbst ich noch ein wenig Probe laufen.“

Rook lächelte. „Ich dachte, solche Schuhe wären für dich völlig normal.“

„Versteh mich nicht falsch, ich liebe High Heels. Aber die hier sind tatsächlich auch für mich eine Herausforderung.“

Ihr Blick begegnete Rooks. „Ist irgendwas?“

Rook hielt ihrem Blick stand. „Nein. Alles prima.“

Viva straffte die Schultern. „Kann ich dir etwas anbieten? Einen Kaffee vielleicht?“

„Ja, sehr gerne. Ist Sophia da?“

„Nein, sie ist schon unterwegs.“

„Umso besser. Ich bin nämlich deinetwegen hier.“

Viva schluckte schwer. Dann deutete sie auf den Umschlag, den er in der Hand hielt. „Was ist das?“

„Unsere Reiseunterlagen. Für den Flug nach Italien. Ich gehe davon aus, dass dein Reisepass noch gültig ist?“

Viva lachte. „Ja, natürlich. Ich bin ja auch ziemlich viel unterwegs, da achte ich auf so etwas.“

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